Page 1LIETUVIŲ KALBOTYROS KLAUSIMAI,I
LIETUVOS TSR MOKSLŲ AKADEMIJA
AKZENT- UND INTONATIONSWECHSEL ODER METATONIE IM SÜDWESTDZUKISCHEN DIALEKT
E. MIKALAUSKAITĖ
Die Metatonie im Litauischen ist, wie auch in anderen indogermanischen Sprachen, eine sehr alte Erscheinung. Sie wirkt jedoch auch heute noch. Die alten und neuen Metatonieerscheinungen voneinander zu unterscheiden, ist schwierig1. Deshalb versucht die Autorin in ihrer Arbeit, die eher beschreibenden Charakter hat, weder die Metatonie zu erklären noch ihre Entwicklung darzustellen. Hier wurden lediglich die Fakten zusammengetragen und diese Erscheinungen im beschriebenen Dialekt in gewisser Weise klassifiziert.
Metatonieerscheinungen sind zweierlei Art: rein phonetische und in gewissem Sinne wortbildende. Letztere Metatonieerscheinungen sollte man wohl tatsächlich als eines der wortbildenden Mittel betrachten und daher besser im Zusammenhang mit der Wortbildung behandeln. Die Autorin hält sich hier jedoch an die Ordnung der traditionellen Grammatiken.
Dass die Metatonie tatsächlich in erster Linie dazu dient, Wortbedeutungen zu unterscheiden, und damit näher bei der Wortbildung und Semantik steht, bezeugen auch andere indogermanische Sprachen, z. B. das Griechische: λευκός (weiß): λεῦκος (ein bestimmter Fisch) oder das Sanskrit kṛṣṇá-h (schwarz): kṛṣṇa-h (Antilope), das Russische замо́к (Schloss): замо́к (Türschloss), das Lettische laũks (Feld, Subst.): làuks (Feld-, Adj.). Dasselbe Mittel verwendet auch die heutige litauische Standardsprache, z. B.: àpsiaustas (umhüllt): apsiaũstas (Mantel), ãvalynė (Schuhwerk): avalìnė (Schuhgeschäft) usw.
In diesen Beispielen hatten wir nicht nur einen Wechsel der Intonation, sondern auch des Akzents. Im Litauischen und somit auch in diesem Dialekt ist der Intonationswechsel weiter verbreitet; es finden sich jedoch auch Erscheinungen des Akzentwechsels, wenn auch seltener. In dieser Arbeit wird nicht zwischen Akzent- und Intonationswechsel unterschieden; beide Erscheinungen werden gemeinsam behandelt, da sie miteinander zusammenhängen und häufig ineinander übergehen.
Der Akzent- und Intonationswechsel im südwestdzukischen Dialekt dient vor allem dazu, bedeutungsverschiedene Wörter gleicher Herkunft und Wortbildung mit derselben Wurzel zu unterscheiden, z. B.: mẹ̀lìnè (blauer Fleck am Körper): mẹ̀lìnẹ̀ (Beere), áukštas (Adj.): aũkštas (Subst.), raũkìmas, -aì (Falten eines geknitterten Kleidungsstücks): rù̃kìmas, -aì (Falten) usw. Mehr Beispiele für Akzentwechsel finden sich bei Adverbien, z. B.: kur tep ilgai buvai? (Temporaladverb): ilgaì nèpjàuk (Modaladverb); aš pas-
1 Plg. J. E n d z e l ī n s, Baltu valodu skaņas un formas, 13, Rīgā, 1948.
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Page 2kū̃: atẽi.s u (Temporaladverb): kumeliukas bė̃ga pãskui (Modaladverb); skẽr.sai² išilgai³ svẽntu pã:raik ir to:kō:s nerasi: pẽrkirsk pã:gali: skersai.⁴ ir išilgai.⁵; šviesei parẽ:jom (Temporaladverb): šviesei. žã:las (Modaladverb); tá:msei parvãža:bo:m tamsei. žã:las; var.gei gĩ:vas (kaum lebendig): vargėi. is atẽi.s (wahrscheinlich wird er nicht kommen); perdaũ.g dúodži: — ar daũ.k rugū̃. prikéi.rto.t? — nepẽr.dauk (nicht allzu viel, wenig); perdžidelis pė̃.das sunkūs: nepẽr.dzidelis (nicht groß) arkliukas ale grãi.tas.
Der Wechsel des Akzents wird auch dann verwendet, wenn ein bestimmter Kasus eines Substantivs mit noch vollständigem Paradigma adverbial gebraucht wird, z. B.: su βisai.s daiktai.s aci-krá:uste: dá:iktais (stellenweise) palīta dá:iktais saū.sa; neacidζauga sábo gra-žumu⁶: aduók grãžumu; ai.k jau ai.k su iõ:s gerumū⁷: gẽ:rūmu nieko nebūs neduõs usw.
Wie bereits erwähnt, wird in diesem Dialekt der Wechsel der Intonation viel umfassender verwendet als der Akzentwechsel. Er dient in erster Linie dazu, homonyme Wörter unterschiedlicher Bedeutung zu unterscheiden, die miteinander verwandt sind (oder auch unterschiedlicher Herkunft), z. B.: á:ncis (Vogel): aň.cis (Hemd), kâltas (Werkzeug): kãl.tas (Adjektiv), miėlas (Adjektiv): miėlas (Gips), á:ušta (Eintopf): aū̃.šta (Morgendämmerung), dé̃:ng̃a ~ déngia (geht schnell): deň.ga ~ deñgia (deckt das Dach), dá:řkc — dá:řg̃a ~ dērgi — dérgia (mit Flecken versehen, beschmutzen): deř.kc — deř.ka ~ dērkti — deřkia, má:řkc ~ mérkti (das Auge): meř.kc ~ merkti (Flachs, Hanf), káuksi ~ kiáuksi (Kiebitz, kiáukė): káu.ksi ~ kiáuksi (Welpe), váu ~ viáu (Laut des Schluchzens): váu. ~ viáu (Laut des Bellens eines Welpen) usw.
In diesem Dialekt tritt Metatonie am häufigsten zwischen fallender und steigender Intonation oder umgekehrt — zwischen steigender und fallender Intonation auf. Seltener kommt sie zwischen Kurz- und steigender Intonation sowie umgekehrt — zwischen steigender und kurzer Intonation — vor; am seltensten zwischen kurzer und fallender oder mittlerer Intonation.
Metatonie bei Nomina
Wie bereits erwähnt, wird bei der Bildung von Nomina neben anderen Mitteln auch Metatonie eingesetzt. Im beschriebenen Dialekt tritt Metatonie bei der Nominalbildung in folgenden Fällen auf:
1. In abgeleiteten Substantiven, bei denen sich mit dem Stamm auch die Intonation ändert:
a) zur Kennzeichnung eines unterschiedlichen Geschlechts (die fallende Intonation wechselt zur steigenden und umgekehrt die steigende zur fallenden): vĩl.kas: ví.lke (weibliches Tier), maĩ.šas: maĩše (großer, breiter Sack zum Füllen mit Spreu). Zu dieser Gruppe ließen sich auch neuere substantivische Ableitungen adjektivischer Herkunft rechnen, z. B.: bá:lcis (weißes Ferkel): bãl.te (weißes Schwein), juódzis (schwarzer Kater): juõde (schwarze Katze), má:rgis (geschecktes Kalb): mãr.ge (geschecktes Jungrind), pá:liš (falbes Pferd): pãl.še (falbe Stute), pí.lkis (grauer Kater): pĩl.ke || pí.lke (graue Katze) usw.;
b) zur Bezeichnung einer bestimmten Beschäftigung oder eines Gewerbes (die steigende Intonation wechselt zur fallenden): ká:ilis: kãi.lus (Pelzverarbeiter), púodas: puõdζus (Töpfer)
2–5 Bei den letztgenannten Beispielen wird der Unterschied selten gemacht.
6, 7 Bei diesen Beispielen macht nur die ältere Generation einen Unterschied.
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Page 3usw. Zu dieser Gruppe wären solche Neubildungen zu zählen, z. B.: bùlvė: bul.ßus (Kartoffelliebhaber), duona: duõnus (Brotliebhaber), kãulas: kaũ.lus (jemand, der gern an Knochen nagt), pienas: piẽnus (Milchliebhaber) usw.
2. Bei aus Adjektiven abgeleiteten Substantiven: a) zur Bezeichnung konkreter Substantive: áukštas: aũ.kštas; b) zur Bezeichnung abstrakter Substantive: áukštas: aũ.kštis ~ Höhe, íl:gas: il:gis, ká:rštas: kar:ščis ~ Hitze, stó:ras: stõ:ris, šál:tas: šal:cis ~ Kälte usw. Bei diesen Ableitungen liegt Metatonie zwischen dem Stoßton und dem Schleifton vor.
3. Bei aus Verben abgeleiteten Substantiven: a) zur Bezeichnung konkreter Substantive: α) Der Stoßton wird zum Schleifton: ká:nda: kan:das (Motte), tráu.ke ~ ziehen: traũ.kas (Schrumpfling; jemand, der sich zusammenzieht), vá.lgi.c ~ essen: vał.gis, bráizge.c ~ ritzen (aufrauen): brai.zgæs (Rauigkeit), svæ:r.c ~ wiegen: sva:r.scis (Gewicht), vę:r.c ~ fädeln: va:r.tai; β) Der Schleifton wird zum Stoßton: li:n.kc ~ sich neigen: li:n.kis (Kniegelenk, Beugen des Beins): kó:ja skaũ.da per li:n.ki; mi:c ~ treten: pami:nklas: sviẽto pami:nklai! (eine unerhörte Sache); pastá:te· naũ.ju pami:nklu ~ sie errichteten ein neues Denkmal; vę:r.š.č ~ pressen: vá:rža (Werkzeug zum Fischfang); b) zur Bezeichnung abstrakter Substantive (der Stoßton wird zum Schleifton): gráu.sc ~ donnern: graũ.smas ~ Donner, kæ:ikc ~ fluchen: kėi.ksmas usw. c) zur Bezeichnung sogenannter Substantive gemeinsamen Geschlechts (der Schleifton wird zum Stoßton): drim.ba: drímba ~ ein unbeholfener Mensch (Tölpel), nũr.žga ~ mürrisch sein: nũrzga ~ ein mürrischer Mensch (Miesepeter, Nörgler), šúr.pcie ~ schaudern: šúr.pa ~ Schaudern (jemand mit struppigem Haar) usw.
4. Bei suffixalen Adjektiven, in denen der Stoßton zum Schleifton wird: a) bá.ltas: bal.svas, júodas: juõsvas, pí.lkas: pil.ksvas, báltas: bal.zganas usw.; b) mit Wechsel des Stammvokals: mé:li.nas: mel.svas usw.
Metatonie bei Verben
Im Verbalsystem tritt Metatonie wesentlich umfassender auf als bei den Nomina. Hier dient sie nicht nur zur Bildung neuer Wörter, sondern auch neuer Bedeutungen und neuer Kategorien. Bei Verben liegt Metatonie in folgenden Fällen vor:
1. Bei der Bildung abgeleiteter primärer Verben, in denen der Stoßton zum Schleifton wird, z. B.: júodas: juõsta, kartùs — kár.tu: kar.sta, má.rgas: mar.ksta ~ bunt werden, pí.lkas: pil.ksta: vã.idas papil.ksta; í.lgas: prail.ksta || pra-íl.ksta ~ länger werden: ohne Arbeit wird es langweilig; pá.rkai (ermüdet): apár.ksta ~ wieder zu Kräften kommen: die Kartoffeln werden auf dem fetten Boden von apár.ksta befallen (Kartoffelkrebs bekommen); nó· tu· žo·lų ran.ko·s apár.ksta (werden schwarz).
2. Bei der Bildung abgeleiteter sekundärer Verben: a) inchoative Verben mit dem Suffix -auti, bei denen der Schleifton zum Stoßton wird, z. B.: marči — mar.ču: már.tauna || már.tauja, mergà — mer.gu:
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Page 4mė˙rgauna || mė˙rgauja: Ich war jung.—mė˙rgavau⁸; ich heiratete—màrta vau⁹; ich wurde alt.—ich bekam Augen, durch diese Augen kam ich selbst heraus. (Mohn); bérgždžà—bérgždžù: bérgždauja || bérgždauja: Im zweiten Jahr bérgždauja die Kuh; mū˙so˙džau.s pùse˙ bernù bérgždauja (sind unverheiratet, alte Junggesellen); b) intransitive Verben mit dem Suffix -uoti, bei denen der akutierte Akzent zu einem Zirkumflex wird, z. B.: báltas: bal.tuoja, júodas: juodúoja, márgas: mar.guoja, mė˙linas: mė˙linuoja¹⁰, pàlas: pal.suoja, pìlkas: pil.kuoja usw.;
c) intransitive Verben mit dem Suffix -ėti, bei denen der Zirkumflex zu einem akuten Akzent wird: ai.šč~eĩžti: á˙žėc~eĩžėti: Die Hände sind vor Frost wund geworden (aufgesprungen); dau.šč~daužti: dáuže˙c~daužėti: Die Seide zerschlägt sich beim Stehen~die Seide zerschlägt sich im Stehen; ker.ta: kàrti || kèrteja: Von jener Seite kann man die Hände nicht umgürten (mit einem Gürtel versehen), ohne sie zu verletzen; klì.šč~klyšti (Irrtum?): klá.ide˙c: Die halbe Nacht irrten wir umher, bis wir auf den Weg hinauskamen; svei.kc~sveikti: sve˙ikė.c~sveikėti: Mögen deine Gänschen gesund werden, damit alle Gänschen gesund sind; brìk.šč~brįgzti (Reisig?): bráizge˙c~brįzgėti: Die Hände beginnen schon allmählich zu brizgen (sich nach und nach abzunutzen, zu scheuern).
3. Bei der Bildung sekundärer Arbeitsverben (der akute Akzent wird zum Zirkumflex): dárbas: dar.buja (arbeitet).
4. Bei der Bildung kausativer Verben: a) von Nomina: bjaurùs — bjaù.ru˙: bjaurina, daí.lus — daí.lu: dá.lina: Wie bist du denn so mager geworden? (du bist abgemagert); kal.tas: kál.cina~káltina, saù.sas: sá.usina, svei.kas: sve˙ikina, šve˙n.tas: šve˙ncina~šventina, mergà—mer.gu: mė˙rgınasi (liebt einander), vár.gas: vàrgina, smá.las || sme˙.las: smá.lina || sme˙ilina¹¹: nusismá.ilino˙ gražùtukai (sie sind völlig heruntergekommen), wenn jener länger geblieben wäre, wären wir alle völlig heruntergekommen (wäre heruntergewirtschaftet, verarmt);
b) von primären Verben: ár.ža~éržia: á.rzina~erzina, bír.ba: bír-bina, čìr.ka: čì.rkina, kir.ka: kí.rkina || kí.rko; zìr.ža: zì.rzina, cì.la~tyla: cì.ldo, gì.la: gí.ldo, pì.la: pí.ldo, žì.la: žì.ldo, vèr.ka: ví.rkdo~ virkdo usw. Bei Verben dieses Typs wird der Zirkumflex stets zu einem akuten Akzent.
5. Bei der Bildung iterativer Verben: a) solcher, die eine einfache Wiederholung der Handlung bezeichnen und bei denen der Zirkumflex zu einem akuten Akzent wird: α) kam.šo˙: ká.mšoja~kamšioja, vaìr.to: và.rtel.oja, šlau.ža~
⁸, ⁹ In diesen Beispielen dient die Metatonie auch der Bedeutungsunterscheidung: mártauti, mė˙rgauti bedeutet, eine Jungfrau beziehungsweise Schwiegertochter zu sein, während martáuti, mergáuti bedeutet, eine Schwiegertochter beziehungsweise Jungfrau zu suchen. Dieser Unterschied wird jedoch nicht mehr von allen gemacht. Die Älteren unterscheiden die Bedeutungen noch, die Jüngeren betonen beide Formen auf dem Suffix.
¹⁰ Verben dieses Typs werden auch parallel auf dem Suffix betont, z. B.: mė˙linuoja, pilkuoja usw. Auch Verben dieser Art mit unterschiedlicher Bedeutung werden stets auf dem Suffix betont, z. B.: mė˙linuoja, raudo˙nuoja (färbt blau beziehungsweise rot).
¹¹ In diesem Wort dient die Metatonie auch der Bedeutungsunterscheidung: Das Verb in wörtlicher Bedeutung hat einen Zirkumflex, z. B. sagt man meist: no˙rá.gu˙ smá.lina || sme˙.lina, kuólu sme˙.lina; aber nusismá.ilino˙ (kam herunter).
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Page 5schlíaužia: šláužoja ~ šliáužioja, kai̇̀šo: ká'išoja ~ ká' išoja usw. β) (mit Wechsel des Stammvokals): nár.pa: ne'rploja, vèlka: vá'lkoja, rièca: rá'icoja, gnì-ba: gná'ibo;
b) Verben, die eine wiederholte, langsam ausgeführte Handlung bezeichnen: α) Der Stoßakzent wird zum Zirkumflex: smá'uga: smaũ.go: visùs paršukùs išsmáu.ge ~ visus paršiukus išsmaugė (vgl. išskardė, d. h. schlachtete sie einzeln); gná'ibo: gnai.bo: nespė'į bulbùkės usimėkšč ir jau. gnai.bo ~ die Kartoffelchen konnten noch nicht einmal aufgehen, und schon knabbert er daran (gräbt nach und nach darin); β) Der Kurzton (nach dem Vokalwechsel) wird zum Zirkumflex: knìsa: knai.so: kaũ.le nenó'ri é's ci knai.so ~ das Schwein will nicht fressen, sondern wühlt nur ein wenig; kiša: kai.šo usw.
c) Intensivierende iterative Verben, die stets den Stoßakzent haben: α) Der Zirkumflex wird zum Stoßakzent (der Stamm bleibt unverändert): 1) či̇r.ka ~ či̇̀kia: čìr.kauna, gai.li: gá'ilauna, krū'ga ~ krūgia: krū'gauna ~ krūgauna, prun.kš ča: prun'kštauna, švil.pa ~ švilpia: švi'lpauna, ùr.zga ~ ùṙzgia: ùṙzgauna, ver.ka ~ verkia: vè'rkauna¹² usw., 2) mit Wechsel des Stammvokals: gei.dza ~ geidžia: gá'idauna: viz gá'idavau gà'idavau in Vi'l'nu. nuvažiucoc ale gá'l jau netėks ~ ich wollte immer nach Vilnius fahren, aber vielleicht wird es nun schon nicht mehr klappen; rẽn.ca ~ renčia: rá'ntauja, sé'dzi i rá'ntauja li'k sė'ne ~ sie sitzt da und erzählt Geschichten wie eine Alte (erzählt, spinnt); spiẽga: spi'gauna, žviẽga: žvi'gauna, krai.pa ~ kreipia: kri'pčoja ~ krypčioja, tū'pa ~ tūpia: tū'pčoja ~ tūpčioja, žań.ga ~ žengia: ži'nkčioja ~ žingčioja, krań.to: kri'msčoja ~ krimščioja usw. β) Der Kurzton wird zum Stoßakzent (der Stamm erhält eine gedehnte Ablautstufe): súka: súkina || sú'koja: kàs teb diònu apsú'kino? (die Kruste abgebrochen); nesú'kokit lai.kro.džo! ~ dreht nicht dauernd an der Uhr herum! (nicht immer weiterdrehen); súpa: súpauna: pasú'pauk manì (schaukel mich an);
d) Leicht iterative Verben, bei denen der Stoßakzent zum Zirkumflex wird: láuka: lù'kurauna, smáudža: smù'durauna, stú'ga: stū'gurauna usw.
ė) iterative Verben mit diminutivem Aspekt: kláuša ~ kláusia: klau-sinėja || klausinėja. Auch hier wird der Stoßakzent zum Zirkumflex.
6. Verben des punktuellen Aspekts können ebenfalls Metatonie aufweisen. Hier entspricht der Zirkumflex gewöhnlich dem Stoßakzent, z. B.: krái.pc ~ kreipti: kri'pterėc ~ krypterėti, lan.kc ~ lenkti: li'nkterėc ~ linkterėti, siẽkc ~ siekti: si'kterėc ~ sykterėti, švil.pc ~ švilpti: švi'lpterėc ~ švilpterėti, žvel.kc ~ žvelgti: žvi'lkterėc ~ žvilgterėti usw.
Im Vergleich zu verwandten Verben weisen auch Interjektionen einen Akzentwechsel auf: a) Der Zirkumflex wird zum Stoßakzent, z. B.: lan.kc ~ lenkti: li'nkc < *linkti, siẽkc: si'kc ~ sykt, žiẽpc ~ žiebti: ži'pc ~ žybt, žań.kc ~ žengti: ži'nkc ~ žingt; b) Der Zirkumflex oder Stoßakzent wird zum Kurzton (der Stamm weist eine schwache Ablautstufe auf): drẽ.pc ~ drėbti: dri.pc ~ dribt, dziẽkc ~ diegti:
¹² Das Wort „verkauti“ bedeutet tatsächlich, nach und nach zu weinen; daher würde es semantisch besser zu den leicht iterativen Verben passen. Hier ist lediglich die Wortbildung dieselbe wie bei den intensivierenden iterativen Verben.
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Page 6dži̇kc ~ digt, spāus c ~ spāusti: spū̄s c ~ spūst, trāukc ~ traukti: trūk c ~ trūkt usw.
Tatsächlich sind die Verben des Augenblicksverlaufs ihrem Ursprung nach als ohne Metatonie zu betrachten, da sie enger mit den Interjektionen verbunden sind, mit denen sie dieselbe Wurzel (mit demselben Wurzelvokal) und dieselbe Akzentintonation teilen. Sie sind hier nur der Vollständigkeit des Verbsystems wegen aufgeführt.
Metatonie bei der Akzentuierung von Verben
Bislang war von Metatonieerscheinungen die Rede, die mehr oder weniger mit Wortbildungsmitteln zusammenhängen. In diesem Dialekt kommen jedoch auch Metatonieerscheinungen rein phonetischer Art vor. Sie finden sich im Akzentuierungssystem der Verben. In der Akzentuierung der Verben begegnet Metatonie in folgenden Fällen:
1. Die Verben mir.c, gim.c ~ mirti, gimti weisen im Präsens Metatonie auf: mi̇ršta, gi̇msta || gėma. Beim Wort „mirti“ ist die Metatonie alt (vgl. lett. miršt), die Metatonie des zweiten Beispiels ist jedoch eine Analogiebildung nach „mirti“. Außerdem ist im Dialekt die Form gėma ~ gema weiter verbreitet.
2. Die 3. Person des Futurs zweisilbiger Verben mit stoßender Wurzelintonation weist ebenso wie die 1k Metatonie auf:
a) Die stoßende Intonation wird zur schleifenden: áuksu, áuksi, aũks ~ augsiu, augsi, aũgs; dži̇rpsu, dži̇rpsi, dži̇rps ~ dirbsiu, dirbsi, dirbs; dė̇su, dė̇si, dė̇s ~ dėsiu, dėsi, dėš usw.;
b) Die stoßende Intonation wird kurz: bū̇su, bū̇si, būs ~ būsiu, būsi, būs; pū̇s u, pū̇si: pūs; li̇c ~ lyti: lįs, ri̇c ~ ryti: ris, dži̇kc ~ dygti: dži̇ks ~ digs, pli̇šč ~ plyšti: pliš, aber: s ū̇c ~ siūti: s ū̇s ~ siūs; vi̇̇sc ~ vysti: vi̇̇s ~ vys. Hier ist die Metatonie offenbar wegen des Bedeutungsunterschieds ausgeblieben (vgl. s ū̇s c ~ siūsti: s ū̇s ~ siūs, vi̇sc ~ visti: vi̇s).
Die Metatonie des Futurs trat nach einem allgemeinen Gesetz der litauischen Sprache ein: In einem einsilbigen Wort wird die stoßende Intonation zur schleifenden, sofern die Silbe nicht gekürzt wird. Mit diesem allgemeinen Gesetz stimmen nur die žemaitischen und einige westaukštaitische Dialekte nicht überein: Sie haben im Futur die stoßende Intonation unverändert bewahrt.
3. Mehrsilbige Verben, deren Infinitivstamm auf i̇- (-y-) oder i̇- < -in- endet, weisen auch in der 3. Person des Futurs Metatonie auf: Hier wird der lange Vokal gekürzt, und die stoßende Intonation wird kurz, z. B.: raši̇su, raši̇si, raši̇s....; saki̇su, saki̇si, saki̇s... ~ rašysiu, rašysi, rašys...; sakysiu, sakysi, sakys; vadži̇su, vadži̇si, vadži̇s... ~ vadinsiu, vadinsi, vadins, va-dins; kuri̇su, kuri̇si, kuri̇s... ~ kūrinsiu, kūrinsi, kūrins (kūrėns i u, kūrėnsi, kūrėns) usw.
4. Zweisilbige Verben mit stoßender Wurzelintonation weisen auch im Konjunktiv Metatonie auf, das heißt, im Konjunktiv haben sie schleifende Intonation, z. B.: aũ.ktau, aũ.ktai, aũ.ktu || aũ.kt; kei̇.ktau, kei̇.ktai, kei̇.k-tu || kei̇.kt; kel.tau, kel.tai, kel.tu || kel.t; dži̇r.ptau, dži̇r.ptai, dži̇r.ptu || dži̇r.pt; stuṁ.tau, stuṁ.tai, stuṁ.tu || stuṁ.t usw.
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Page 7Die Metatonie des Konjunktivs ist in den litauischen Dialekten ein sehr weit verbreitetes Phänomen. Sie ist sowohl den westlichen Aukštaiten (Kapsen) als auch den Žemaiten (Dūnininkai) und schließlich den meisten Dialekten der östlichen Aukštaiten bekannt.
Diese Metatonie ist, vergleichsweise, eine jüngere Erscheinung. Sie entstand zu einer Zeit, als sich die Endungsbetonung von Wurzeln mit stoßender Intonation mit der Wurzelbetonung vermischte. Früher wurden Wörter wie: árti, áugti, bėgti, būti, ėsti, sėsti, šalti, vírti, džūti usw. auf der Endung betont (vgl. russ. бегу́), während Wörter wie: ìrti, kárti, rìmti, skìrti, skìlti, vêrti usw. auf der Wurzel betont wurden. Davon zeugen die unterschiedlichen Intonationen im Lettischen. Wörter der ersten Gruppe weisen im heutigen Lettischen eine gebrochene Intonation auf: ārt, augt, bēgt, būt, ēst, sēst, salt, vìrt, žūt (vertrocknen), die der zweiten Gruppe dagegen eine steigende: ìrt, kàrt, rìmīt, šķìrt, šķìlt, vērt usw.
Spuren der Endungsbetonung (bei Wurzeln mit stoßender Intonation) finden sich auch in unseren Dialekten. Die südlichen Dzūken sagen auch heute noch burtáu, burtái; dies weist auf Endungsbetonung hin. Einige Überreste dieser Betonungsweise gab es früher auch im hier beschriebenen Dialekt. Vor etwa fünfundzwanzig Jahren habe ich folgende Beispiele aufgezeichnet: kab dėjaũ·s an lā·do· ~ kaip dėjaũs ant lėdo (ich bin heftig hingefallen); ė·jo· ė·jo· ir sė·dė·s (ging und ging und setzte sich); kab gailėsis stojōsi tai ir žō·džāi radō·si ~ kaip gailestis stojōsi, tai ir žodžiai radōsi (als Mitleid aufkam, kamen auch die Worte für Klage auf); tokìs mažùkas veršiùkas radō·s ~ tokis mažiukas veršiukas radōs. Im Dialekt der westlichen Aukštaiten (in der Gegend von Kiduliai) habe ich folgende Wendungen notiert: aš tuojau nubėgau ir parsinešiau; sakau, kad mokais, tai mokykis. Diese wenigen Beispiele stützen ebenfalls unsere Aussagen über die Wurzel- und Endungsbetonung der Verben.
Die stoßende Intonation entwickelte sich zunächst in den Betonungsklassen der Verben des Endungstyps zur schleifenden, indem der Akzent von der Endung auf die Wurzel verlagert wurde, z. B.: būtáu > bū́tau, augtų́ > augtų13 usw. Später wurde die Betonung des zweiten, das heißt des Wurzeltyps, nach diesem Muster verallgemeinert. Demnach begann man nach dem Muster: aìgtų, bėgtų, būtų, artų, ėstų sėstų, virtų usw. auch ìrtų, rìm tų, skìrtų, skìltų usw. zu sagen. Auf diese Weise ist heute im Dialekt der südwestlichen Dzūken bei den zweisilbigen Verben im Konjunktiv nur ein Betonungstyp übrig geblieben, nämlich: Es blieb allein die schleifende Intonation, aber die Wurzelbetonung.
Unsere literarische Sprache schlug bei der Vereinheitlichung der Konjunktivbetonung den entgegengesetzten Weg ein. Demnach wurde die Betonung des Endungstyps nach dem Wurzeltyp verallgemeinert, weshalb heute alle Verben mit einer Wurzel mit stoßender Intonation auf der Wurzel betont werden und eine stoßende Intonation aufweisen.
In diesem Dialekt wird in der Konjunktivform einiger zweisilbiger Verben mit einer Wurzel mit stoßender Intonation der lange Vokal gekürzt, und die stoßende Intonation wird kurz, z. B.: dzì·kc ~ dygti: dzìktau, dzìktai, dzìktu || dzìkt ~ digtau, digtai, digtu || digt; lū·šč ~ lūžti: lūštau, lūštai, lūštu || lūšt ~ lūžtau, lūžtai, lūžtų || lūžt; plì·šč ~ plyšti: plìštu || plišt; rù·kc ~ rūgti: rùktu || rùkt! ka tù surūk-tai! ~ kad tu surūgtai! (ein milder Fluch); slù·kc ~ slūgti: slùktu || slùkt,
13 Dass die stoßende Intonation beim Zurückziehen des Akzents von der Endung auf die Wurzel zur schleifenden wird, zeigen auch die nordaukštaitischen Dialekte, z. B.: arkìys > ār.kèlis, aber à·rkl a (Akk.), galvù > gal.va, aber gà·lvo (Gen.).
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Page 8trūkė ~ trūkti: trūktu || trūkt, aber: pærplištau, pærplištai, pærplištu || pær-plišt14 ~ pérplyštau, pérplyštai, pérplyštu || pérplyšt.
Der Ursprung der Metatonie in diesen Beispielen lässt sich schwer bestimmen. Wahrscheinlich handelt es sich um eine Analogie nach dem Futur. Dafür scheint auch unser letztes Beispiel zu sprechen, dessen Wurzel und Betonung vollständig mit Wurzel und Betonung des Futurs übereinstimmen: pæ’rplišu, pæ’rpliši, pæ’rpliš ~ pérplyšiu, pérplyši, pérplis. Außerdem werden in diesem Dialekt die Formen der 3. Person Singular des Konjunktivs viel häufiger verkürzt verwendet: džikt, lūžt, rūkt ~ digt, lūžt, rūgt usw., wobei nach der allgemeinen Regel infolge der Kürzung der Wurzel eine Metatonie hätte eintreten müssen. Später wurden nach dem Vorbild der 3. Person die übrigen Formen gekürzt, und die Metatonie trat im gesamten Konjunktiv auf. Übrigens bestätigen die zuletzt angeführten Beispiele nochmals, dass die Metatonie des Konjunktivs eine neue Erscheinung ist, und zwar jünger als die Kürzung einsilbiger Wörter mit stoßender Intonation.
Metatonie in zusammengesetzten Wörtern
1. Das Wirken der Metatonie in Präfixbildungen bei Nomina. Das regelmäßige Wirken der Metatonie lässt sich leichter in präfigierten Nomina beobachten, die aus einer Präposition und einem flektierbaren nichtverbalen Wort bestehen:
a) ā’pæ- < apie, api-, api-: api’galvis (Teil des Nasenriemens), api’daira (Rundgang, Laube), api’pietė (Mittagsruhe), api’verpinė (grobes Leinentuch)..., aber: apigamas (Muttermal), apināstris (Nasenriemen), apivara (Schnur zum Binden von Hosen oder Fußlappen)..., Adjektive: api’au kštis ~ apyaukštis, api’ilgis, api’senis, api’storis, api’žalis usw.
b) bė: dúona: beduõnė. (Zeit, in der es kein Brot gibt, das Brot ausgegangen ist) gá’lβos (Pl.): begalvis, dá’rbas: bedar’bis (wer keine Arbeit hat), pláukus: beplau-kis, kælne’s: bekel’nis..., aber: ká·ulas: beká·ulis, kója: bekó·jis, plúksna, beplúkšnis, žá’ndas: bežá’ndzis usw.
c) nuõ || n’õ: núobraukos, núogrę·bos núosema, núoteka (Braut), núota-rascis ~ núotarasistis (Vermutung, Vorahnung), núotrauko·s usw.
d) pēr15. pæ’rauda (beim Weben entstandene dünne Stelle), pæ’rsliėkė (beim Spinnen versehentlich dünnerer Faden), pæ’rstogė (Unterbrechung), perlaidžini’s — pæ’rlaidžini’ (Umweg des Fuhrwerks)..., aber: per’nagis (Gewinn): gæ’ras pær’nagis bus; pēr’pete’s (Kleidungsstück vom Kragen bis zum Ärmel), pēr’pietė (Zeit um Mittag): ar pār’gena pēr’pietė·s?; pēr’takis (Weg, auf dem alle gehen): pasordžino· medė·li· an to·kō· pēr’tako· neau·ks; pēr·se·ja (Umweg beim Säen): pį·lno’s ā·vižo’s pēr·se·ju pridarīta; pēr·vagis (Umweg beim Pflügen) usw. weisen keine Metatonie auf. Es ist schwer zu sagen, warum die letztgenannten Beispiele den Zirkumflex-Akzent haben. Schließlich sind sie älter als die ersten. Vielleicht liegt es daran, dass die ersten eher verbalen Ursprungs sind, sodass auch ihr Präfix denselben Akzent hat wie bei den Verben, und
14 Gewiss, sehr oft kann man hören, dass es in allen Personen mit kurzem „i“ ausgesprochen wird (vgl. „plyšti“).
15 Das Präfix „per“ hat bei Verben und verbalen Substantiven stets, wie auch im Litauischen, den Zirkumflex-Akzent.
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Page 9Bei den zweiten, die substantivischen Ursprungs sind, ist der präpositionale Charakter stärker zu spüren, daher ist hier auch der Akzent ein präpositionaler. Es zeigt sich jedoch, dass die Metatonie in den letztgenannten Beispielen ein Erzeugnis alter Zeiten ist.
e) pó-, pa: pó·ažis ~ požezis, pó·ažari ~ požezė, pó·dukre, pó·sunis, pó-gro·žis (Bewunderung, sich selbst zeigen und andere sehen), pó·žmo·nis (geselliges Beisammensein, Besuch), Adjektive: pó·aukštis ~ požaukštis, pó·ilgis, pó·mažis, pó·trumpis usw.
Substantive mit dem Präfix „pa“ weisen fast immer Metatonie auf: dan·gu (Singular, Akkusativ): padánge·s, gá·lvą ~ galvą: pagal·ve· (individuelle Abgabe, kleine Familienabgabe), juósta: pajuóste· (Schürze), ká·lnas: pakal·ne·, kam·pas: pa-kámpe·s, kran·tas: pakrá·nte·, vá·ndeni·: pavañ·dene·s (wenn es viel regnet oder im Frühjahr der Schnee schmilzt): pava·saro· pavañ·dene·s prasidė·s nemážne·s išvažiuoc ~ die Frühjahrsüberschwemmungen beginnen, und es wird nicht weniger hinauszufahren sein usw. Auch Adverbien dieser Art weisen Metatonie auf: sá·ule·: pasaul·ui (von der Sonne abgewandt), vá·ndeni· (Akk.): pavañ·denui, vé·jas: pavé·ji || pavé·jui usw. Es gibt jedoch auch Beispiele ohne Metatonie: bá·ržas: pabá·ržis (ein bestimmter Pilz), gú·rblė: pa-gú·rklė (Akk.), ká·usas: paká·usis, lá·ngas: palá·nge·, stó·gas: pastó·ge·, sá·rmas: pasá·rme·s, í·gas: paí·lgis (ein Laib Kuchen), í·gas: paí·lgas (Adj.).
f) priè: priegalvi ~ priegalvį, prieva karis, priemo·lė ~ priemolė (lehmhaltiger Boden): priemo·lė·s labaĩ. indžústa; príetema (Abenddämmerung), príekurtė· (ein wenig schwerhörig), príekušlis (leicht sehbehindert).
g) prieš: priešakis, priešgina ~ priešgina, priešpie·čiai ~ priešpiečiai, prieš-pusri·čiai ~ priešpusryčiai usw.
h) pró·, pra: pró·švaistė·, pró·tarpis, pró·me·c·om (nur einen kurzen Blick werfend): aš cik pró·me·c·om pažurė·jau ~ ich habe nur kurz hingeschaut; ke·ršas: praker·šum, aber: praká·ulis, praskiep as, prapiestis ~ prapiestis usw. weisen keine Metatonie auf.
i) su: sú·temo·s, sú·taupo·s, sú·rausvis (rötlich), sú·pilkis, sú·partas (mit eingewebten Streifen, d. h. im Fischgrätenmuster), sú·žalis (grünlich), aber: sugrážtai ~ sugrąžtai (Schraubenzieher), suβ·ertuβe·s usw.
j) su < san-: sú·malinus má·la; sú·naru skau·da ~ die Gelenke schmerzen; sú-sma uga, sú·βaro·s (Fäustlinge), sú·βe·la (verfilzte Haarsträhnen) usw.
k) užuo, už: užúogana, užúomarša, užúoβarta (ein Sturkopf) … Manchmal nimmt auch das Präfix už einen gedehnten Vokal und einen fallenden Akzent an (vgl. das Präfix su): u·škuri·s — u·škuri· ~ užkurys — užkuri.
l) ant, in: án·tjuoscis ~ ántjuostis (Taille), án·tkešenis, án·tβo·že· usw. iñ·kilas, iñ·klornis, iñ·mgis, iñ·pilas, iñ·žaginis; tá·u rai·ka gė·ro· in·žagino· (gute Ruten). Diese beiden Präpositionen weisen anscheinend niemals Metatonie auf.
2. Das Wirken der Metatonie in zweistämmigen Nomina. Bei zweistämmigen Nomina lassen sich die Gesetzmäßigkeiten der Metatonie noch schwerer bestimmen als bei präfigierten Formen, z. B.:
a) buožgal·vis (Kaulquappe), aber: rugapjú·te·, o·škraiv·lne·: ví·lno· su o·škraiv·lni ~ Wolle mit Ziegenhaar (grob);
b) gi·vaplaũ·kei, žalavař·ne· (ein bestimmter Vogel), graitadár·be·, kraivagal·vis usw., aber: raudongúrklis (ein bestimmter Vogel), ilgavé·ide· (ein zahm gewordenes Schwein), bal-
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Page 10taplū'ksnis, baltasėdis, ilgakõjis, ilgavãrpis, kraivabõrnis, kietasprāndis, kietašĩrdzis, labanãuda;
c) baltmar̃gis, mė'liñdrėžis, raudonmar̃gis, žalmãrgis und so weiter.
d) devi'ngalvis || devingal.vis, šimtadařbis, aber: devi'nšārdė: || devinšārdė: ~ devynsėrdė (eine solche Blume, Dianthus barbatus), devi'nšārvė: || devinšā'rvė: (dasselbe);
e) apsmuk.takel.nis, aber: išverstagė'rklis (ein Schreihals), varvanó'sis und so weiter.
Aus den angeführten Beispielen geht hervor, dass sich bei zweigliedrigen Komposita ein regelmäßiges Wirken der Metatonie nicht feststellen lässt, da Wörter gleicher Zusammensetzung teils Metatonie aufweisen, teils nicht. Außerdem fällt auf, dass es weniger Beispiele mit als ohne Metatonie gibt. Die Beispiele mit Metatonie scheinen älter zu sein. Ferner lässt sich feststellen, dass der Akzenttyp der Erstkomponente eines Kompositums, sofern sie betont ist, stets unverändert bleibt, während der Akzenttyp der Zweitkomponente, wenn diese betont ist, manchmal unverändert bleibt und manchmal vom Zirkumflex zum Akut übergeht. Der Akut bleibt fast immer unverändert.
Anders verhält es sich mit den sogenannten präfigierten Nomina. Hier folgt das Wirken der Metatonie bestimmten Regeln, die sich wie folgt formulieren lassen:
1. Die Präpositionen nuo, prie, prieš weisen, wenn sie als Präfixe auftreten und betont sind, stets Metatonie auf16.
2. Das präpositionale Präfix per weist bei Verben und von Verben abgeleiteten Substantiven Metatonie auf, bei denominalen Substantiven hingegen nicht.
3. Die präpositionalen Präfixe po, pro weisen Metatonie auf, wenn der Akzent auf ihnen liegt; sind sie unbetont, verkürzen sie sich zu pa-, pra-. Dann kann die betonte Komponente Metatonie aufweisen, aber auch ohne Metatonie sein.
4. Nomina mit dem präpositionalen Präfix be können in der Wurzel Metatonie aufweisen oder auch nicht. Das Präfix selbst wird gewöhnlich nicht betont.
5. Die Präposition apė tritt nicht als Präfix auf; sie vertritt ap-, api-, apy-. Das Präfix apy- weist stets einen Akut auf. Es kann nur betont sein. Auch das Präfix api- kommt nur betont und mit kurzem Akzenttyp vor.
6. Die präpositionalen Präfixe su-, už- weisen bei Nomina bisweilen eine gedehnte Vokalstufe auf und haben dann einen Akut.
7. Bei den Präfixen der Präpositionen ant-, in- ist keine Metatonie beobachtet worden.
8. Schließlich ist festzuhalten, dass das Wirken der Metatonie bei präfigierten Nomina stärker gefestigt ist als bei zweigliedrigen Komposita. Denn bei Letzteren ist selbst der Wortbildungsprozess noch nicht endgültig gefestigt.
9. Ergänzend sei bemerkt, dass das Wirken der Metatonie im Verbalsystem nicht nur wesentlich umfassender anwendbar, sondern auch deutlich stabiler ist als im Nominalsystem.
10. Außerdem ist zu beachten, dass das Wirken der Metatonie ebenso wie das anderer Lautgesetze nicht konstant ist. Anders gesagt: Nicht alle Metatonieerscheinungen sind gleich beständig. Weniger verbreitete Erscheinungen gehen zurück, wie bereits im Artikel erwähnt, beispielsweise bei einigen Adverbien, einigen selteneren
16 Metatonie wird hier im Sinne der Gegenwartssprache verstanden, nicht in historischer Hinsicht.
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Page 11Die doppelte Betonung der Verben, die von der älteren Generation noch verwendet wird, ist der jüngeren Generation bereits unbekannt. Allgemeinere Erscheinungen der Metatonie (zum Beispiel die Betonung bestimmter Verbkategorien) werden jedoch zunehmend verallgemeinert und zu einem neuen Mittel der Wortbildung.
ÄNDERUNG VON BETONUNG UND INTONATION ODER METATONIE IM SÜDWESTDIALEKT DER DZUKEN
Е. В. МИКАЛАУСКАЙТЕ
Zusammenfassung
Die Metatonie ist eine sehr alte Erscheinung in der litauischen Sprache, tritt aber auch heute noch auf.
Der vorliegende Artikel untersucht das Wirken der Metatonie in einem der Dialekte der südwestlichen Dzuken. Da dieser Dialekt an den Süddialekt des westlichen Aukštaitischen grenzt, der der litauischen Standardsprache zugrunde liegt, kann diese Untersuchung auch bei der Feststellung einiger metatonischer Erscheinungen in der litauischen Standardsprache herangezogen werden.
Der Autor teilt alle metatonischen Erscheinungen in zwei Hauptgruppen ein: rein phonetische und wortbildende Erscheinungen. Besondere Aufmerksamkeit gilt den letzteren: Das Auftreten der Metatonie bei Substantiven und Verben wird dargestellt. Aus dem Artikel geht hervor, dass die Metatonie bei der Bildung neuer Kategorien und neuer Bedeutungen bei Verben wesentlich breiter angewandt wird als bei Substantiven.
Bei der Untersuchung rein phonetischer Erscheinungen der Metatonie wurde der Ursprung der Metatonie in den Formen des Futurs und des Konjunktivs festgestellt. Im Konjunktiv entstand die Metatonie infolge der Vermischung des baritonischen und des oxitonischen Typs der Verbbetonung.
Außerdem gelangt der Autor zu dem Schluss, dass sich das Auftreten der Metatonie im Bereich der Zusammensetzungen noch nicht endgültig herausgebildet hat.
Schließlich wird der Schluss gezogen, dass nicht alle Erscheinungen der Metatonie gleich beständig sind. Weniger verbreitete und seltener auftretende Erscheinungen der Metatonie verschwinden, während allgemeinere und stärker gebrauchte verallgemeinert werden und zu einem beständigen Mittel der Wortbildung werden.