Page 1LIETUVIŲ KALBOTYROS KLAUSIMAI, XXVIII (1989)
KALBŲ RYŠIAI IR SĄVEIKOS
STASĖ KRINICKAITĖ
DIE PRIMÄREN VERBEN DES LITAUISCHEN IM HINBLICK AUF TRANSITIVITÄT (HOMOFORMA DER INFINITIVE)
Bei der Untersuchung des Zusammenwirkens vieler Sprachen wurde festgestellt, dass eines seiner charakteristischen Merkmale die Interferenz der Rektion, insbesondere der Präpositionalrektion, ist (Гавранек 1972, 103; Ыым 1982, 30—31; Михальченко 1984, 185; Кононенко 1985, 26; Пути повышения культуры русской речи на Украине, 1986, 105—120; Панькин 1987, 13; Исаченко-Лисовая 1987, 118). Gemeint sind hier auch die nicht seltenen Schwankungen in der Rektion von Verben, die durch den Einfluss anderer Sprachen entstehen, wenn bestimmte Rek tionsmodelle übernommen werden oder ihre Gebrauchshäufigkeit zunimmt. Offenbar können Rek tionsvarianten in einer Sprache auch von selbst entstehen; sie von Erscheinungen interferenziellen Ursprungs zu unterscheiden, ist jedoch schwierig. So wird beispielsweise angenommen, dass die seit Langem spürbare Tendenz des Deutschen, intransitive Verben zu transitivieren, in der Bundesrepublik Deutschland ihre heutige offenkundige Ausprägung unter dem Einfluss der amerikanischen Varietät des Englischen angenommen hat (Бок, Гарниш, Лангнер, Штарке 1979, 277).
Um zumindest die meisten möglichen Interferenzfälle vorherzusagen (vermutlich ist das bei allen nicht möglich), sollte man, wie die gegenwärtige Sprachpraxis zeigt, nicht nur die Valenz des litauischen Verbs berücksichtigen, sondern auch die Eigenart seines morphologischen Systems und seiner grundlegenden Arbeitsgruppen. Im Litauischen muss man, wie auch in anderen Sprachen synthetischen Typs, neben der semantischen Valenz auch von formaler Valenz sprechen, die eine charakteristische Spracheigenschaft ist und entweder mit der semantischen Valenz zusammenfällt oder ihr widerspricht (Кацнельсон 1987, 21—22). Das Zusammenwirken und die Widersprüche zwischen semantischen und formalen Merkmalen sind Folgen verschiedener Faktoren der Sprachgeschichte und zugleich der Ausgangspunkt weiterer Veränderungen.
Wenn man den Satz – die Äußerung – als grundlegende Kommunikationseinheit betrachtet, kann man den Satz, wie die semiologische Grammatik behauptet, nur als etwas semantisch Ganzes und Einheitliches auffassen. Wird diese semantische Einheit in Teile, das heißt in Wörter, zerlegt, sollte man auch bei der Beschreibung jedes einzelnen Wortes nicht vergessen, dass es ein Abbild dieser Einheit ist. Mit anderen Worten: In jedem Wort muss man das erkennen, was es semantisch mit einem anderen, an es angeschlossenen Wort verbindet und semantische Abstimmung genannt wird. (Степанов 1981, 250). Unter diesem Gesichtspunkt gibt es keine von vornherein gegebene semantische Gemeinsamkeit von Wörtern; semantische Gemeinsamkeit ist im Wesentlichen nur der Äußerung eigen. Spricht man von der Neigung eines Wortes, sich mit bestimmten Wörtern zu verbinden, so nur deshalb, weil diese Neigung aus dem Gebrauch des Wortes in Äußerungen abstrahiert und als eine Art Worteigenschaft verallgemeinert wird.
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Page 2Semantische Abstimmung (semantische Kombinierbarkeit) zeigt sich in jeder Äußerung, die aus mehr als einem Wort besteht. Der abstimmende Inhaltsteil einer Äußerung wird als kontinuierliche semantische Komponente bezeichnet (длинный семантический компонент). Diese kontinuierliche Komponente kann entweder als aus gemeinsamen semantischen Merkmalen der Wörter bestehend aufgefasst werden (synthetischer Ansatz) oder als aus der Einheit des Satzes abstrahiert (analytischer Ansatz) (Ebenda, 257–258). Die kontinuierliche semantische Komponente erstreckt sich über die gesamte Äußerung und tritt in ihren verschiedenen Teilen unterschiedlich stark hervor. In einer Richtung verstärkt sie sich – entweder vom früheren zum späteren Wort oder vom späteren zum früheren, je nachdem, welches von ihnen in der Äußerung dominiert. In der Gegenrichtung schwächt sie sich dagegen ab und bricht ab, wenn der weitere Teil der Äußerung einen Kontrast zum ersten bildet (Ebenda, 261).
Das Verb stimmt gewöhnlich mit Nomina überein, die Subjekte oder Objekte bezeichnen. In verschiedenen Sprachen und zu verschiedenen Zeiten fällt diese Abstimmung unterschiedlich aus. Für die proto-baltische und die proto-slawische Epoche werden zwei Typen von Syntagmen oder Einwortsätzen rekonstruiert, die die einstige semantische Abstimmung zwischen Nomina und Verben veranschaulichen. Einen solchen Typ bildeten Verbindungen von Nomina, die Lebewesen bezeichneten, mit Verben der entsprechenden „belebten“ Diathese (Genus). Diese Verbindungen einte die kontinuierliche semantische Komponente „Belebtheit“ („одушевленность“). Der zweite Verbindungstyp umfasste Nomina, die unbelebte Gegenstände bezeichneten, zusammen mit Verben der entsprechenden „unbelebten“ Diathese. Die kontinuierliche semantische Komponente dieses Typs war „Unbelebtheit“ („неодушевленность“). Später löste sich diese Abstimmung auf. In den slawischen Sprachen konzentrierte sich die semantische Komponente „Belebtheit–Unbelebtheit“ auf die Nomina; für die Verben wurde sie unwichtig. Deshalb ist für die slawischen Sprachen eine lexikalisch-semantische Einteilung der Substantive in zwei Gruppen nach dem Merkmal „Belebtheit–Unbelebtheit“ charakteristisch („одушевленные – неодушевленные“). Bei den Verben hingegen werden keine entsprechenden Diathesen unterschieden. In den baltischen Sprachen verlief alles anders. Hier war die semantische Komponente „Belebtheit–Unbelebtheit“ auf das Verb konzentriert; daraus entstand der Gegensatz zwischen Verben der „belebten oder aktiven“ und der „unbelebten“ Diathese (vgl. daūžti (von Lebewesen) | dūžti (von unbelebten Gegenständen), sowie laužti | lūžti). Aus diesem Gegensatz entwickelten sich allmählich die transitiven (kausativen oder verursachenden) und intransitiven Diathesen der Verben. Substantive, die Lebewesen und unbelebte Gegenstände bezeichnen, unterscheiden sich in den baltischen Sprachen durch keinerlei Formmerkmale.
In den slawischen Sprachen wurden die zweiten Präteritalzeiten der Verben mit den Stammausgängen -ā und -ē, als die Verben den Gegensatz zwischen Belebtheit und Unbelebtheit nicht mehr ausdrücken mussten, zu Kennzeichen von Verben spezialisiert, die nach der Aspektkategorie einander gegenüberstanden. Aus diesem Grund repräsentieren die Paare primärer Verben in den baltischen und slawischen Sprachen dieselbe Handlung unter verschiedenen Gesichtspunkten. In den baltischen Sprachen wird die Handlung im Hinblick auf Subjekt | Objekt (Transitivität | Intransitivität) dargestellt, wobei jeweils eine Aspektbedeutung vorliegt, zum Beispiel im Litauischen ich streue Erbsen | Erbsen rieseln mit einem aspektuellen (aktionsartlichen) inchoativen Bedeutungsnuance (vgl. streuen mit einer aspektuellen Nuance einer andauernden oder wiederholten Handlung; ebenso eintauchen, aber einweichen). In den slawischen Sprachen wird die Handlung danach repräsentiert, ob eine Handlungsgrenze vorliegt oder nicht (begrenzte oder unbegrenzte Dauer), wobei jeweils eine transitive oder intransitive Bedeutung gegeben ist, z. B. altslawisch соуму сопе | -сыпати, -сыпна „streuen“ (Ebenda, 322–323).
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Page 3Durch die Unterscheidung zwischen transitiven und intransitiven Diathesen werden auch die semantischen und derivationellen Oppositionen primärer1 Verben erklärt (Степанов 1975; Грамматика литовского языка 1985; Paulauskienė 1979; Криницкайте 1980). In der zusammenfassenden Klassifikation von J. Stepanov werden zwei Hauptklassen litauischer Verben unterschieden – intransitive und transitive. Diese Klassen unterscheiden sich voneinander durch vier Merkmale. Für die erste Klasse sind kennzeichnend: 1) Wurzeln der Typen TAT-, TET-, TIT-, TIR- mit kurzen Vokalen (T bezeichnet einen Plosiv, R einen Sonoranten, A, E, I die Vokale des jeweiligen Typs); im Präsens nehmen diese Wurzeln ein Infix -n- oder das Formans -st- oder beide zugleich an; 2) die Präsensendung -a; 3) die Endung des Präteritums -o; 4) eine effektive intransitive Bedeutung (das Verb kann kein Objekt haben), z. B.: à˙nka, à˙ko, à˙kti; geñda, geñdo, geñsti. Die kennzeichnenden Merkmale der Verben der zweiten Klasse sind: 1) Wurzeln des Typs TER(T) mit Diphthongen oder langen Vokalen; 2) die Präsensendung -ia; 3) die Endung des Präteritums -ė; 4) eine effektive transitive Bedeutung (das Verb hat gewöhnlich ein Objekt, das den vom Vorgang veränderten Gegenstand bezeichnet, z. B. „die Erde graben“): baigia, baigė, baigti; braukia, braukė, braukti. (Степанов 1975, 169). Diese beiden Verbklassen, die sich hinsichtlich Form und Bedeutung entgegengesetzt verhalten, sind die umfangreichsten und zeigen die grundlegende Entwicklungstendenz des litauischen Verbalsystems. Alle übrigen Verbgruppen zeichnen sich dadurch aus, dass sie sich von den Hauptklassen durch eines, zwei oder drei der genannten Merkmale unterscheiden. Auf diese Weise zerfallen alle litauischen Verben insgesamt in 13 Klassen.
Zur ersten Hauptklasse (I, 1) würden nach allen vier Merkmalen beispielsweise auch bÿra, biro, birti; liñksta, liñko, liñkti u. a. gehören. Die meisten von ihnen stehen in Beziehung zu entsprechenden Verben der zweiten Hauptklasse, die sich durch Transitivität auszeichnen, z. B.: bÿra, biro, birti | bẽria, bẽrė, bẽrti; liñksta, liñko, liñkti | leñkia, leñkė, leñkti u. a. Die zweite Klasse (I, 2) unterscheidet sich von der ersten durch ein Merkmal – die Verben dieser Klasse haben in allen Formen einen langen Wurzelvokal, z. B.: grįžta, grįžo, grįžti; nyksta, nyko, nykti. Es gibt weniger Verben dieser Klasse, die hinsichtlich der Transitivität mit anderen korrelieren, und gewöhnlich können sie nur mit abgeleiteten Verben in Beziehung gesetzt werden, z. B.: nyksta, nyko, nykti – naikina, naikino, naikinti; sprógsta, sprógo, sprógti – sprogdina, sprogdino, sprogdinti. Die dritte Klasse (I, 3) besteht aus nur zwei Verben, die eine andere Präteritumsendung haben – -ė statt -o: miršta, mirė, mirti; gimsta, gimė, gimti. Der vierten Klasse (I, 4) werden Verben mit dem Infix -n- in den Präsensformen zugeordnet. Außerdem weisen sie eine unregelmäßige Semantik auf: Sie bezeichnen keinen Zustandswechsel, sondern Bewegung oder auf ein Handlungsergebnis gerichtete Handlungen, z. B.: kañka, kãko, kãkti; rañda, rãdo, rãsti. Eine solche grammatische Bedeutung, bei der das Verb eine auf das Handlungsergebnis und nicht auf ein tatsächlich verändertes Objekt gerichtete Handlung bezeichnet, heißt nicht-effektive transitive Bedeutung. Die fünfte Klasse (I, 5) besteht aus Verben ohne Infix -n-, aber mit derselben nicht-effektiv transitiven Semantik, z. B.: brūka, brūko, brūkti; lipa, lipo, lipti. Die sechste Klasse (I, 6) unterscheidet sich von dieser durch ein Merkmal – die Präteritumsendung -ė –, von der Hauptklasse außerdem durch ein weiteres, semantisches Merkmal, z. B.: dẽga, dẽgė, dẽgti; kẽpa, kẽpė, kẽpti.
1 Pirminiais, kaip ir „Lietuvių kalbos gramatikoje“ (V., 1971. T. 2.) vadinami tie veiksmažodžiai, kurie dabartinės kalbos požiūriu laikomi neišvestiniais, nes neturi priesagų nei priešdėlių, iš kurių visos trys pagrindinės formos yra dviskiemenės.
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Page 4Im Hinblick auf die zweite Hauptklasse werden ebenfalls sechs Klassen unterschieden. Die erste (II, 1) umfasst neben den genannten die meisten Verben mit effektiver Transitivität, die neben intransitiven Verben vorkommen, z. B.: keičia, keitė, keisti (vgl. kinta, kito, kisti), merkią, merkė, merkti (vgl. miršta, mirko, mirkti). Die zweite Klasse (II, 2) ist durch ein Unterscheidungsmerkmal gekennzeichnet – in der Präsenswurzel stehen Diphthonge mit Vokalen des e-Typs, während die Präteritumwurzel lange Vokale aufweist, z. B.: bėria, bėrė, bėrti; karia, korė, karti. Die dritte Klasse (II, 3) besteht aus Verben, die sich von der Hauptklasse ebenfalls nur durch den Aufbau der Wurzel unterscheiden. Das Verhältnis zwischen den Wurzeln des Präsens, des Präteritums und des Infinitivs ist hier dasselbe wie in der zweiten Klasse, nur liegt hier als gemeinsame Wurzelform TIR (statt TER) vor, also mit Vokalen des i-Typs. Z. B.: giria, gyrė, girti; iria, yrė, irti; duria, dūrė, durti; kulia, kūlė, kult. Die vierte Klasse (II, 4) besteht aus Verben mit zwei Unterscheidungsmerkmalen: der Präsensendung -a (nicht -ia) und einer anderen Wurzelstruktur. Das Verhältnis der Infinitivwurzel zu den Präteritums- und Präsenswurzeln ist dasselbe wie in der dritten Klasse, z. B.: gina, gynė, ginti; mina, mynė, minti; pina, pynė, pinti. Für die fünfte Klasse (II, 5) ist kennzeichnend, dass der lange Wurzelvokal hier nicht auf das gesamte Paradigma verallgemeinert ist (wie in der Hauptklasse), sondern nur in der Präteritums- und der Infinitivwurzel vorkommt. Z. B.: drėbia, drėbė, drėbti; drėskia, drėškė, drėksti; gręžia, gręšė, gręžti. Die sechste Klasse (II, 6) besteht aus zwei Verbgruppen: a) sėja, sėjo, sėti; spėja, spėjo, spėti; joja, jojo, joti; b) bliauna, bliovė, bliūti; džiaunga, džiovė, džiūti; griauna, griovė, griūti. Die Bildung der Präsens- und Präteritumstämme dieser Gruppen variiert in den Dialekten (bliauna < bliaują). Ihre kennzeichnende Bedeutung ist die nicht-effektive transitive. Schließlich bleibt noch eine Klasse, die nur im Hinblick auf beide Hauptklassen (I, 7 — II, 7) angesetzt werden kann, da die Präsenswurzel einen etymologisch starken Vokalgrad aufweist, die Präteritumwurzel dagegen den schwachen Grad, z. B.: kemša, kimšo, kimšti; kerpa, kirpo, kirpti; keršta, kirto, kirsti. Semantisch sind diese Verben ebenfalls nicht einheitlich – einige sind effektiv transitiv, andere effektiv intransitiv (Ebenda, S. 169—179).
Die in dieser Klassifikation widergespiegelten Regelmäßigkeiten von Bedeutung und Form der Verben zeigen, dass die beiden hier behandelten Verbklassen mit unterschiedlicher Wurzelstruktur und unterschiedlichen Endungen, die dementsprechend auch eine unterschiedliche Semantik aufweisen, nur einen Teil der Verben umfassen (etwa 42 Paare). Nur ein Teil der intransitiven Verben hat Entsprechungen unter den transitiven Verben, die alle vier genannten Merkmale aufweisen. Die übrigen können lediglich mit abgeleiteten Verben oder Verben mit ganz anderer Wurzel, also anderen Lexemen, verglichen werden. Die ehemals starke Opposition zwischen Intransitivität und Transitivität in den baltischen Sprachen ist geschwunden und kann in einigen lettischen Dialekten als völlig aufgehoben gelten (Kazlauskas 1968, 355).
Unter besonderer Berücksichtigung der zuletzt genannten Übergangsklasse litauischer Verben lässt sich die Transitivität litauischer Verben in drei Fällen beschreiben: 1) Das Wurzelverhältnis TeRT — | TiRT kann innerhalb des Paradigmas desselben Verbs auftreten (wie bei Verben der letzten Klasse), z. B.: perka, pirko, pirkti; perša, piršo, piršti; 2) es ist für zwei eigenständige korrelierende Verben kennzeichnend, z. B.: sv(e)rti | svĭrti, ž(e)rti | žirti; 3) Verben können aufgrund ihrer Bedeutung miteinander in Beziehung gesetzt werden, während sie formal überhaupt nicht miteinander verbunden sind und völlig unterschiedliche Lexeme darstellen. Im Wesentlichen veranschaulichen auch Verben den letzten Fall, deren Verhältnis nicht regelmäßig ist oder
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Page 5Formen oder hinsichtlich der Bedeutung. So haben beispielsweise sowohl gėlti als auch gilti in der heutigen Sprache dieselbe Bedeutung „den Stachel einstechen, stechen“, obwohl sie regelhaft nur dem ersten zukommen sollte. Außerdem hat das erste noch weitere Bedeutungen, z. B. „stark schmerzen“ und „sehr kalt sein“, die eher zum zweiten passen würden, diesem aber völlig fremd sind. Vergleicht man die hinsichtlich ihrer Form regelhaft zueinander in Beziehung stehenden nėria, nėrė, nérti (ins Wasser) und nyra (nirsta), niro, nirti, könnte man erwarten, dass das erste transitiv ist. Das ist jedoch nicht der Fall. Es ist ein Bewegungsverb, das keine durch den Akkusativ ausgedrückte Ergänzung verlangt. Einige der regelhaft zueinander in Beziehung stehenden Verben sind nur in verschiedenen litauischen Dialekten (das eine in dem einen, das andere in einem anderen) oder auch in verschiedenen baltischen Sprachen belegt, z. B. litauisch svilti und lettisch svel’u svelt (Степанов. Указ. соч. 180—183).
Eine weitere Unregelmäßigkeit der Verben besteht darin, dass sie, wie aus der Klassifikation hervorgeht, sich zwar durch Stammvokale und Präsens- sowie Präteritalendungen unterscheiden, aber alle dieselbe Infinitivendung -ti haben. Bei manchen Verben mit ähnlichem phonetischem Aufbau stimmen die Infinitive sogar völlig überein und werden zu Homoformen, d. h. zu Formen völlig verschiedener Wörter mit gleicher phonetischer Struktur (Jakaitienė 1980, 43), vgl. lipti (limpa, lipo) (I, 4) || lipti (lipa, lipo (I, 5). Übrigens stimmen bei diesen Verben wie auch bei einigen weiteren die Präteritalformen ebenfalls überein.
Zunächst könnte es scheinen, dass solche übereinstimmenden Formen (vgl. auch die Futurformen virs (vėrda, virė) (I, 6) || virs | virsta, virto (I, 1) nicht mit dem zielgerichteten Wesen des sprachlichen Zeichens vereinbar sind. Dennoch gibt es solche Formen in der Sprache, und man kann sagen, dass ihre Übereinstimmung gewöhnlich gar nicht bemerkt wird. Dies lässt sich offenbar teilweise dadurch erklären, dass alle Formen eines jeden Wortes aufgrund ihrer Semantik im Bewusstsein der Sprecher zu einem eigenständigen Ganzen assoziiert werden. Bedeutungen („Sinngehalte“) bilden laut V. Vinogradov in der Sprache durch interne Beziehungen verbundene Paradigmen (Reihen), die durch ein ihnen gemeinsames Element oder Merkmal zusammengehalten werden, und stehen vor allem innerhalb dieser Paradigmen zueinander in Beziehung. Diese Reihen gehen ihrerseits auf derselben Grundlage in Paradigmen höheren Ranges ein und so weiter. Die Paradigmen stehen nicht nur miteinander in Beziehung, sondern sind auch untereinander verbunden und voneinander abhängig. So äußert sich die Systemhaftigkeit der Sprache. Daher sind in diesem System verschiedene Fälle von Homonymie möglich, bei denen Bedeutungen, die verschiedenen, mitunter sehr weit voneinander entfernten Paradigmen angehören, durch Formen gleicher Gestalt ausgedrückt werden (Виноградов 1975, 297—298).
Darauf könnten auch die vier Paare primärer Verben hinweisen, die im „Wörterbuch der modernen litauischen Sprache“ (V., 1972; im Folgenden — DLKŽ) zu finden sind und homonyme Präterital- und Infinitivformen aufweisen: 1. Dūja, dūjo, dūiti (I, 1) 1. sich mit irgendwelchen Dämpfen, Nebel bedecken. 2. den Verstand verlieren, verrückt werden. 2. Dūja, dūjo, dūiti (II, 6) schnell laufen, rasen: Dūiti nach Hause. 1. Kērpa, kirpo, kirpti (I, 7—II, 7) 1. mit einer Schere schneiden: Haare, Bart, Nägel schneiden. Schere zum Scheren von Schafen. 2. Stoff mit einer Schere zuschneiden, zum Nähen vorbereiten: Hemden zuschneiden. 3. übertragen: beißen, zwicken, schmerzen: Das Bier beißt auf der Zunge. Die Kälte schneidet in die Ohren. 4. umgangssprachlich: flott gehen: Wie er übers Feld marschiert. 2. Kirpsta, kirpo, kirpti (I, 1) siehe gižti. Lipa, lipo, lipti (I, 5). 1. hinauf- oder hinuntergehen; klettern: Einen Berg besteigen. Immer höher den Berg hinaufsteigen. Auf einen Baum klettern. Aus dem Zug aussteigen. Vom Dach heruntersteigen. Über die Schwelle, über den Zaun steigen. Nicht aus dem Bett aufstehen (krank sein). Auf die schiefe Weide klettern alle Ziegen (fig.). 2. übertragen: über den Rand hinausquellen, wenn es aufgeht: Der Teig quillt aus dem Trog. 2. Lim-
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Page 6pa, lipo, lipti (I, 4) 1. kleben, haften: Dieser Klebstoff klebt gut. Der Schnee bleibt an den Füßen haften. 2. anziehend wirken, jemanden für sich gewinnen: Die Jungen hängen an ihr. 3. ansteckend sein: Ansteckende Krankheit. Typhus ist ansteckend. 1. Žūva (žūsta), žuvo, žūti (I, 1) 1. umkommen, sterben: Er kam an der Front, im Kampf ums Leben. Er kam durch die Hand des Feindes ums Leben. 2. verschwinden, verloren gehen: Alle Kostbarkeiten sind verschwunden. Wo bist du denn verschollen gewesen? Die letzte Hoffnung schwand. Edle Taten gehen nicht unter. 3. sich abmühen, sich plagen: Die Frau müht sich tagelang mit den Kindern ab. 2. Žūsta, žuvo, žūti (I, 4) östlich: fischen, Fischfang betreiben: Wir fischten im See mit einem Netz. Die Männer gingen fischen.
Wie man sieht, lassen sich die beiden letzten Verben als nahezu echte Homonyme betrachten, da auch ihre Präsensformen übereinstimmen würden, wenn sie sich nicht hinsichtlich der Häufigkeit ihrer Varianten unterschieden.
Es wird angenommen, dass die Sprache lexikalische Homonyme, d. h. Wörter, bei denen sämtliche Formen übereinstimmen, vermeidet (Степанов 1975, 27). Das zeigen auch die bereits angeführten Beispiele: Verben mit übereinstimmenden Formen, die Wörter mit verschiedenen lexikalischen Bedeutungen sind, unterscheiden sich voneinander durch mindestens einen Laut oder zumindest durch den Akzent. Im DLKŽ finden sich zwei Präsens- und Infinitivformen mit unterschiedlichem Akzent (Homographen):
1. Bręsta, brendo, bręsti (I, 1) 1. genussreif werden; reifen (von Früchten): Getreide, Nüsse reifen. || übertragen: Ein Plan reift (wird klar); 2. zur Vernunft kommen, reifen: Er ist groß geworden, aber nicht gereift. || übertragen: Ideologisch reifen. 2. Brėsta, brėto, brėsti (I, 1) verrotten, morsch werden: Das Getreide verrottet auf dem Feld. Von der Homonymie der Formen dieser Verben kann man natürlich nur beim Lesen unbetonter Texte sprechen.
In den Paradigmen dieser beiden Verben gibt es neben dem Akzentunterschied auch unterschiedliche Endungen des Präteritalstamms (-d-, -t-). Dank dieser beiden Merkmale werden die Verben als Wörter unterschiedlicher lexikalischer Bedeutung unterschieden. Wie sich gezeigt hat, stützt sich die grammatische Klassifikation auf die vier allgemeineren, zuvor genannten Merkmale, die mit der grammatischen Semantik verbunden sind, welche bestimmte Gruppen lexikalischer Bedeutungen umfasst. Daher gehören in dieser Klassifikation bręsti und brėsti derselben Klasse an.
Bei einer beträchtlichen Anzahl von Verben (23 Paare) stimmen nur die Infinitive überein. Unter ihnen gibt es, wie auch in den bereits angeführten Beispielen, sowohl solche, die derselben Klassifikationsklasse angehören, als auch solche, die verschiedenen Klassen zugeordnet werden. Besonders interessant ist, dass die Mehrheit (18 Paare) aus Verben besteht, von denen das eine zur grundlegenden transitiven Klasse (mit den Endungen -ia, -ė) gehört, das andere dagegen zur grundlegenden intransitiven Klasse (mit den Endungen -a, -o).
Unter den Verben mit den Endungen -a, -o, die derselben Klasse (I, 1) zugeordnet werden, haben zwei Paare homonyme Infinitive: 1. Genėda, gėdo, gėsti (I, 1) 1. unbrauchbar werden, gute Eigenschaften verlieren: Die Maschine begann kaputtzugehen (Funktionsstörungen aufzuweisen). Die Zähne werden löchrig (bekommen Löcher). Ungesalzenes Fleisch verdirbt schnell. 2. übertragen: anschwellen, sich auflösen: Ein Mensch verkommt, wenn er nichts tut. 3. an Tollwut erkranken, tollwütig werden: Der Hund wird tollwütig. 2. Gęsta, gęso, gęsti (I, 1) 1. von Feuer oder Licht: schwächer werden, verlöschen: Das Feuer, die Kerze, die Glut verlöschen. Das Abendrot verblasst. 2. übertragen: schwächer werden, schwinden: Die Gesundheit schwindet bereits. Ein nicht nachlassender Schmerz. Die letzte Hoffnung schwindet. 1. Kinta, kito, kisti (I, 1) 1. sich verändern, wechseln: In der Natur verändert sich alles ständig. Das Wetter ändert sich. Das Bewusstsein der Menschen verändert sich. 2. Ki̇nda, ki̇do, ki̇sti beginnen, verschlissen und fadenscheinig zu werden, reißen: Das Hemd wird fadenscheinig.
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Page 7Zwei weitere Verbpaarungen weisen neben den gleichen Endungen der Gegenwart und der Vergangenheit auf homophone Infinitive auf: -ia, -ė. Z. B.: Jaučia, jautė, jausti (II, 1) 1. innere Erlebnisse, Gefühle erfahren, empfinden: Jausti malonumą, skausmą, simpatiją. || refl. Jaučiuosi pailsėjęs. 2. äußere Eindrücke wahrnehmen, empfinden können: Jausti šaltį, kvapą, skonį. 3. ahnen, vermuten: Jausti pavojų. Jaučiu jį turint pinigų. || refl. Nesijaučiu kaltas. 2. Jaušia, jaušė, jaušti (II, 1) ostlit. Unordnung anrichten, durcheinanderbringen, umwerfen: Jausti spintas, skrynias. 1. Siaudžia, siaudė, siausti (II, 1) 1. beim Umhüllen bedecken oder aufdecken: Siaudžia pečius skara. Siaudžia skarą ant pečių (nuo pečių). || refl.: Siaūškis kailinidis. 2. wiegen: Kariuomenė priešą siaudžia. 3. Getreide in den Wind werfen, damit Spreu oder minderwertige Körner ausgesondert werden: Siausti rugius. Atnešk siaudžiamą geldą. 4. umherlaufen, herumtollen, ausgelassen sein: Vaikai siaudžia. 5. toben, wüten: Siaudžia baisi audra. Siaudžia vėjas, pūga. 6. unkontrolliert herrschen, eigenmächtig handeln, sich durchsetzen: Plėšikai siaudžia. Ligos, epidemijos siaudžia. 7. werfen, schleudern: Popierius siaudžia į krosnį. 8. Köpfe bilden (von Kohl): Kopūstai pradėjo siausti. 9. übertragen, etwas mit Schwung tun (gehen, schlagen, trinken): Siausk, vyru, namo! Kad siautė diržų (kirto)! Po truputį ir jis siaudžia (geria). 2. Siaudžia, siaudė, siausti (II, 1) 1. angenehm rauschen, säuseln, brausen: Kur tik klausai, vis linksma: šlama, siaudžia, ūžia. Vėjelis pūtė, pušelės siaudė. 2. klingen (meist angenehm): Ramiai siaudė žmonių giesmelės. Siaudžia trake bitinėlis (d.). Paukščiai karklyne siaudžia. Zwei Verben haben homographische Infinitive neben gleichen Endungen (-a, -ė) und unterscheiden sich besonders durch das Verhältnis der Stammvokale im Paradigma; sie gehören unterschiedlichen Klassen an, vgl. 1. Mina, mynė, minti (II, 4) 1. mit den Füßen drücken, stampfen: Minti pievą. Minti purvyną (klampoti). Vaikščioja kasdien mintais takais. Molį, durpes minti (minkyti). Vežimą, šiaudus stirtoje minti. || refl. Bulvės minasi po kojomis. 2. den Fuß setzen, stehen, sich mit den Füßen abstützen: Mink ant šio akmens. Minti į purvyną. 3. Fasern von den Schäben trennen: Linus minti || refl.: Ar gerai minasi linai? 4. bearbeiten, weich machen: Kailius, odą minti. 5. das Pedal, den Tritt betätigen: Minti ratelį (verpti). Minti dumples. Koja minima mašina. 6. gehen, schreiten: Jis tankiai mina. Mina vietoje. 2. Mėna, minė, mini (I, 7–II, 7) 1. im Sinn haben, nicht vergessen: Menu savo vaikystę. Nemenu, kada tai buvo. 2. im Bewusstsein wachrufen, erinnern: Vaikystė mėna kiekvieną kertę. 3. raten: Mįslę minti. Menu, kad rytoj bus giedra. 4. geben (einen Namen): Kas tau minė vardelį? In anderen Fällen haben Verben mit unterschiedlichen Endungen übereinstimmende Infinitive. Bei zwei solchen Verbpaarungen lautet die Endung des einen Verbs -a, -ė, die des anderen -da, -o. Z. B.: 1. Rāka, rākė, rākti (I, 6) 1. stechen, herumstochern: Skylę rākti: Rākė, rākė ir prarākė skaudulį. 2. übertragen, etwas unschön und unbeholfen machen, herumwerkeln: Pirštinė rākti. 3. ostlit. dz. graben, ausreißen: Burokus rākti. 4. übertragen, umg. schädigen, betrügen; beim Kartenspiel ausnehmen: Žiūrėk, jis tave rāka. 2. Rāka, rāko, rākti (I, 1) (I, 1) ein Loch kleiner werden, sich zusammenziehen, sich schließen: Ežeras baigia rākti. 1. Sėka, sėkė, sėkti (I, 6) 1. hinterhergehen, folgen: Prašom sekti paskui mane (man iš paskos). Sekti kieno pėdomis. Šuo seka žmogų. Paskui arklą sekti (arti). 2. ein bewegtes Objekt beobachten: Sėka akimis plaukiojančių žuvų šešėlius. Sekti lėktuvo skridimą. 3. (meist heimlich) die Tätigkeit einer Person beobachten, um etwas aufzudecken: Sekti prieš judėjimą. Sekti priešą agentą. Budrios akys jį seka. 4. sich in eine Sache vertiefen, sich dafür interessieren: Sekti paskutines mokslo naujienas. 5. (einem bestimmten Weg) folgen: Geras arklys ir naktį kelią seka. 6. tun, was ein anderer tut, nachahmen, ähneln: Jis
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Page 8sėka savo mokytoju. Mergaitė senelės žodžius sėkė (kartojo). Sėk mano patarimu. 7. erzählen: Pasaką sekti. 8. abstammen: Sūnus tėvų sėkės. 2. Sėnka, sėko, sėkti (I, 1) 1. weniger werden, zurückgehen (vom Wasser): Upė jau senka || übertragen. Die Rohstoffvorräte senka stark. 2. übertragen. schwinden, abnehmen: Sveikata senka.
Die Infinitiv-Homophone weiterer Verben (15 Paare) umfassen solche, von denen das eine zur transitiven Hauptklasse gehört und die Endungen -ia, -ė hat, das andere zur intransitiven Klasse gehört und die Endungen -a, -o aufweist. Z. B. (der Kürze halber wird in den folgenden Beispielen der Infinitiv wie in Wörterbüchern zuerst angeführt): 1. Barškšti, -škia, -škė (II, 1) 1. klappern: Lietus jau barškia. 2. klappernd fahren: Plentu barškia vežimas. 2. Barškšti, -ta, barško (I, 1) ostlit. Die Erbsen klappern schon. 1. Būbti, -ia, -ė (II, 1) 1. brummen, summen: Lėktuvas burbia. Ratelis verpian t burbia. 2. undeutlich sprechen, murmeln. 3. beschmutzen (von Fliegen): Musės langus burbia. 2. Būbti, -sta, -o (II, 1) ostlit. anschwellen, anschwellen und aufquellen: Votis burbsta. Nušalusi nosis burbsta. 1. Kaisti, -čia, -tė (II, 1) 1. ein Gefäß aufs Feuer stellen, damit es warm wird oder kocht: Kaisti puodą, katilą, vandenį. Kaišk vak arienę. 2. umg. schnell gehen, fahren, laufen: Kad kaičia, tai kaičia vyras! 2. Kaisti, -sta, -to (I, 1) 1. heiß werden, sich erwärmen (durch Feuer, Reibung): Krosnis jau kaista, tuoj bus karšta. 2. schwelen, verderben: Kaista šienas, miltai, grūdai (drėgni). 3. schwitzen: Jis greit kaista. Arklys kaista. 4. vor Scham oder einer anderen Erregung rot werden, glühen: Mėluojant ausys kaista. 1. Kaũšti, -ta, -o (I, 1) gir sich berauschen, vom Alkohol benommen werden: Įgėrusių galvos kaušo. 2. Kaũšti, -ia, -ė (II, 1) 1. gierig trinken, essen: Pieną kaušti. Vaikas košę kaušia. 2. alkoholische Getränke trinken: Jie alų kaušia. 3. Kaũšti, -ia, -ė (I, 1) aushöhlen, ausgraben: Akmenyje duobę kaušti. 1. Niũkti, -ia, -ė (II, 1) 1. jammern, wimmern: Girdžiu, kad kažkas niūkia už durų. Nebylis tik niūkia ir daugiau nieko. Ligonis vos benū́kia. 2. dumpf dröhnen, rauschen: Niūkė rudens miškas. Niūkia vėjas. 3. dz. ostlit. sprechen: Seniai visą vakarą niūkė. 4. umg. jemanden zu etwas antreiben: Tingini vis reikia niūkti. 5. umg. schimpfen, tadeln: Jis niūkia ir niūkia savo vaikus. 6. umg. schwer tragen, schleppen oder sonst etwas tun: Niūk ir niūk tą vandenį. 2. Niũkti, -sta, -o (I, 2) sich mit Wolken zuziehen: Dangus pradėjo niūkti. 1. Nók ti, -sta, -o (I, 1) 1. reifen: Uogos, vaisiai, javai noksta. Sūriai noksta. 2. schwächer werden, verkümmern: Motina tebenoko ligos patale. 3. welken: Noko rūta, noko mėta, noko lelijėlė (d.). 4. mundartlich hungern. 2. Nók ti, -ia, -ė (II, 1) mundartlich hinterhergehen, verfolgen: Tu aną turi vis nokti. 1. Parpti -ia, -ė (II, 1) ein wiederkehrendes, unharmonisches, monotones Geräusch von sich geben; brummen, rattern: Motociklas parpia. Senis traukia iš parpiančios pypkės dūmus. Griežlė parpia. 2. schnauben, schnaufen: Arkliai parpia. Jis tik parpia pro nosį. 3. heiser röcheln: Gerklė parpia. Balsas parpia. 4. schnarchen, schlafen. 2. Parpti, -sta, -o (I, 1) umg. anschwellen, aufquellen: Ridikai pradėjo parpti. 1. Pėpti, -ia, -ė (II, 1) dünn kreischen, piepsen: Žąsiukai piepia. Ji tik piepia, o ne dainuoja. 2. Piẽpti, -sta, -o (I, 1) umg. verkümmern, schwächer werden, dahinsiechen. Pūrpti, -ia, -ė (II, 1) 1. schnarchend schlafen; brummen, schnarchen: Purpia kaip katinas. Ar nebus gana purpti, kelkis! 2. brummen, summen: Mot oras, motociklas purpia. 3. schnurren (von einer Katze). 4. umg. laut schlürfen: Gražiai valgyk sriubą, nepū́rpk. 5. mit Flügelschlägen fliegen: Putpelės pū́pdam os pakilo iš po kojų. 2. Pūrpti, -sta, -o (I, 1) siehe pursti. 1. Raũsti, -ia, -ė (II, 1) graben, wühlen, umwenden: Duobę, žemę rausti. Šernas pievą rausia. || refl. Vėžys rausiasi po dumblą. 2. Raũsti, -sta, -do (I, 1) 1. rot werden: Pomidorai jau rausta. Rytai rausta. 2. durch Kälte, aus Scham...
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Page 9erröten: Er wird rot und errötet. Die Wangen röten sich. Er errötete vor Scham. 1. Skaudžia, skaudė, skausti (II, 1) siehe skriausti: Alle tun mir weh. 2. Skausta, skaudo, skausti (I, 1) Schmerzen haben: Der Kopf tut weh. Vom Bier schmerzt der Kopf (Volkslied). 1. Skilti, skyla, -o (I, 1) 1. reißen, spalten: Sprödes Holz spaltet sich gut. Eiche spaltet sich nicht. 2. rissig werden, aufplatzen: Vom Wind springen die Lippen auf. 3. schlüpfen, aus dem Ei kommen: Die Gänschen schlüpfen schon. 4. sich trennen, sich aufteilen: Die Organisation spaltete sich in Gruppen. 5. in Teile zerfallen, sich zersetzen: Die Atome mancher Stoffe zerfallen von selbst. 2. Skilti, skýla, skýlė (II, 3) 1. mit einem Feuerstein Feuer machen: Man machte mit einem Feuerstein Feuer. 2. schlagen, spalten: Schlag ihm ans Ohr. 3. umgangssprachlich schnell laufen, reiten, sausen: Da saust ein Hase über das Feld. 1. Skuisti, -sta, -to (I, 1) dial. ausgelassen sein, herumtollen. 2. Skuisti, -čia, -tė (II, 1) dial. siehe kuisti 2. 1. Sūnkti, -ia, -ė (II, 1) Flüssigkeit abseihen; pressen, damit der Saft austritt: Die Kartoffeln sind schon gar, man muss sie abgießen. Honig, Wachs auspressen. 2. Sūnkti, -sta, -o (I, 1) schwer werden: Der Kopf wird mir schon schwer, ich möchte schlafen. 1. Tinti, -a, týne (II, 4) 1. eine Sense dengeln: Die Männer dengeln die Sensen. 2. umgangssprachlich schlagen, verprügeln: Er begann, mit einem Stock auf die Seiten einzuschlagen. Du wirst Prügel bekommen. 2. Tinti, -sta, -o (I, 1) sich krankhaft ausdehnen, anschwellen (von Gewebe): Die Hand schwillt an. Vom Hunger schwillt man an.
Aus diesen Beispielen lässt sich schließen, dass im Sprachgebrauch übereinstimmende Infinitive transitiver und intransitiver Verben verschiedener Klassen toleriert werden. Das liegt offenbar daran, dass Sprecher den Zusammenhang der Paradigmenformen wahrnehmen und die Infinitive unterschiedlichen Paradigmen zuordnen. Außerdem gelten in der Sprachwissenschaft seit Langem die Präsens- und Präteritumformen als Stützformen des Verbalparadigmas, nicht der Infinitiv; vgl. die vier vorhandenen Paare: kaisti (kaǐčia, kaǐtė) || kaisti (kaista, kaito); kaušti (kaušia, kaušė) || kaušti (kaušta, kaušo); skaūsti (skaudžia, skaudė) || skaūsti (skaūsta, skaūdo); skilti (skilia, skylė) || skilti (skyla, skilo).
Angesichts dessen, dass Homophonformen auf diese Weise erhalten bleiben und die Paradigmen konsequent unterschieden werden, fällt es schwer, sich vorzustellen, dass sie sich irgendwie verändern könnten. Die zuvor dargestellte Klassifikation der Verben hat jedoch bereits gezeigt, dass die früheren Paradigmen erheblich aus dem Gleichgewicht geraten und zerfallen sind. Zeigen diese Paradigmen und ihr Verhältnis zueinander nicht eine Tendenz, sich weiter zu verändern?
Eine Voraussetzung für den Wandel besteht darin, dass Paradigmen in der Sprache nicht nur voneinander unterschieden, sondern bis zu einem gewissen Grad auch miteinander verknüpft sind und voneinander abhängen. Verknüpft sind sie sowohl durch Gemeinsamkeiten der Form als auch der Bedeutung. Der Gleichklang von Wörtern und ihre lautliche Ähnlichkeit beeinflussen auch ihre Wahrnehmung und wirken sich auf ihre semantischen Beziehungen aus (Виноградов 1976, 298). Die hier behandelten Verben mit verwandter Wurzel sind lautlich sehr ähnlich. Wenn die Infinitive übereinstimmen, stimmen auch zahlreiche von ihnen abgeleitete Formen überein: das häufige Präteritum und das Partizip Aktiv dieses Tempus, das Futur und seine Partizipien beider Genera, der Supin, der Konjunktiv, der Imperativ, das Halbpartizip, das Partizip Passiv Präteritum, das Notwendigkeitspartizip sowie das Adverbialpartizip. Somit sind zahlreiche Formen dieser Verben hinsichtlich der formalen Transitivität neutral. Übereinstimmende Infinitive können in diesem Sinne als Quelle der Neutralisierung dieser Opposition gelten. Hier soll nicht erörtert werden, dass der Infinitiv zur Einebnung dieser Opposition auch deshalb beiträgt, weil nach ihm die Stammvokale der Präsensformen angeglichen werden können (Zinkevičius 1981, 90).
Wenn man nur die stärker voneinander abweichenden Infinitive betrachtet, kann man bereits eine größere Verschiedenheit ihrer Paradigmen erwarten, selbst wenn sich die Infinitive lediglich durch den Akzent unterscheiden. Im DLKŽ finden sich
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Page 10fünf solche Verbpaare (mit den Endungen -ia, -ė und -a, -o), deren Infinitivformen homographisch sind. Von keinem dieser Paare kann jedoch gesagt werden, dass die Verben durch Transitivität miteinander verbunden wären, das heißt, dass sie verwandte Wurzeln hätten. Zum Beispiel: 1. Dulkti, -ia, -ė (II, 1) fein regnen: Hier regnet es kaum, es nieselt nur, und das war’s. 2. Dulkti, -sta, -o (I, 1) staubig werden: Die Straße und die Federn stauben ein. 1. Juosti, -ia, -ė (II, 1) 1. mit einem Band, Gürtel o. Ä. binden, umgeben: Binde dir den Gürtel um die Taille ‖ refl. Der Vater bindet sich den Gürtel um (macht ihn auf oder bindet ihn zu). 2. übertragen: schlagen, hauen, peitschen: Mit einer Peitsche, einem Gürtel, einem Stock schlagen. 2. Juõšti, -sta, -do (I, 1) schwarz werden: Die Hände werden schwarz. Vom Rauchen werden die Zähne schwarz. 1. Kaŕšti, -ia, -ė (II, 1) 1. Wolle vor dem Spinnen mit bestimmten Geräten kardieren: Wolle kardieren. 2. mit einem Flachsschwinger die Flachsköpfe bearbeiten: Sie sind schon dabei, den Flachs fertig zu schwingen. 3. umgangssprachlich etwas heftig tun (gehen, fahren, essen usw.): Über die Felder rasen. Kohl verschlingen. Es schüttet in Strömen. Jemandem das Fell gerben (verprügeln, schlagen). 2. Káršti, -ta, -o (I, 1) 1. sein Leben beschließen, alt werden: Er verbrachte sein Alter gesund bei seinem Sohn. 2. nichts mehr tun können, schwach sein und aufgrund des Alters keine Kräfte mehr haben. 1. Kliõkti, -ia -ė (II, 1) 1. heftig regnen, schütten, mit Getöse herabströmen: Der Regen prasselte herab. Die Bäche strömen. 2. heftig ausgießen: Warum schüttet ihr das Wasser so aus? 3. kochen, brodeln. 4. laut schreien, schimpfen; unschön singen. 2. Kliõkti, -sta, -o (I, 1) dial. sich zusammenziehen, schrumpfen: Der leere Bauch schrumpft. 1. Skóbti, -sta, -o (I, 1) unangenehm sauer werden: Das Bier wird sauer. 2. Skóbti, -ia, -ė (II, 1) 1. schnitzen, aushöhlen: Einen Trog aushöhlen. Löffel schnitzen. 2. pflücken, abrupfen, abknipsen: Äpfel pflücken.
Über diese und die zuvor erwähnten Verbpaare, deren Infinitive homonym sind, die aber nicht hinsichtlich der Transitivität zusammenhängen, lässt sich sagen, dass einige durch neu gebildete denominale Ableitungen entstanden sind, deren Infinitivformen denen bereits vorhandener Verben ähneln; vgl. rausti (rausia, rausė) ‖ rausti (rausta, raudo). Der sekundäre Charakter dieser Ableitungen kann auch aus Sicht der Gegenwartssprache noch spürbar sein, da daneben auch Nomina gebraucht werden, zum Beispiel: dulkti (: dulkė), juosti (: juodas), niūkti (: niūkus), rausti (: rausvas), skausti (: skaudūs), sunkti (: sunkūs). Darin spiegelt sich folglich in gewissem Maße die Produktivität der Infix- und -sta-Stämme wider. Andererseits können einige Verben auf -ia ebenfalls als abgeleitete Lautverben aufgefasst werden; vgl. barškėti (barškia, barškė), parpti (parpia, parpė), purpti (purpia, purpė), piepti (piepia, piepė), kliokti (kliokia, kliokė). Diese Verben wiederum zeugen von der Produktivität des -ia-Stammes, des produktivsten Stammes (ebd., 89).
Das würde zugleich darauf hindeuten, dass neu aus Nomina gebildete transitive und intransitive Verben die Möglichkeit haben, sich in ihrem Infinitiv und in den entsprechenden weiteren Formen anderen bereits vorhandenen Verben anzunähern und vielleicht sogar in deren Anziehungsbereich zu geraten.
Transitive und intransitive Verben mit verwandter Wurzel haben wesentlich realistischere Möglichkeiten, einander ähnlich zu werden. Dies gilt vor allem deshalb, weil einige dieser Verben, wie das DLKŽ zeigt, hinsichtlich ihrer Bedeutung nicht konsequent einander gegenübergestellt werden. In bestimmten Aspekten weisen einige von ihnen mehr Gemeinsamkeiten als Unterschiede auf (Urbutis 1981, 60).
Außerdem können die meisten im DLKŽ angeführten transitiven Verben auch intransitiv verwendet werden. Neben den transitiven Bedeutungen wird nach den Regeln der Semantik nicht
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Page 11Nur wenige von ihnen haben auch intransitive Bedeutungen entwickelt. Daraus folgt, dass einige Verben, wenn sie intransitiv verwendet werden, zu Intransitiva werden können (wenn ihre transitiven Bedeutungen unpopulär oder nicht mehr aktuell werden). Bei intransitiven Verben kann dies offenbar seltener vorkommen, da sie sich schwerer transitiv verwenden lassen und nur wenige von ihnen transitive Bedeutungen erwerben. Vgl. das auf zweierlei Weise verwendete žerti, žerti (Krosnį žerti. Žarijas žerti. Saulutė spindulius žeria ir Kur taip sveikas žeri? (du gehst, fährst)) und das nur intransitiv verwendete žirti (Žiežirbos žyra į šalis. Akys žyra (funkeln, flimmern). Bei solchen Verben bleibt jedoch ein Unterschied in der semantischen Vereinbarkeit mit dem Subjekt bestehen: žerti wird mit Nomina verwendet, die aktive Subjekte bezeichnen, während žirti mit Nomina gebraucht wird, die unbelebte Dinge und inaktive Subjekte bezeichnen.
Dennoch zeigen einige transitive Verben eine größere semantische Flexibilität und können mit denselben Subjekten kombiniert werden wie intransitive Verben. Vgl. das bereits erwähnte dreibedeutige nerti, dessen zwei Bedeutungen vollständig mit den beiden Bedeutungen von nirti übereinstimmen: 1.1. ins Wasser hinabsteigen, sinken: Nerk, kur giliau. Nėrė į gilumą; Jis niro gilyn. 3.2. schnell gehen, laufen, fliehen: Vaikai nėrė pro duris. Lėktuvas neria į debesis; Vaikas niro iš akių. Jei matysi, kad blogai — nirk. Wie zu sehen ist, werden diese beiden Verben in den Sätzen völlig gleich verwendet und semantisch mit denselben Nomina kombiniert.
Das Fehlen eines deutlichen semantischen Gegensatzes steht in vollem Einklang mit der zunehmenden Vorherrschaft des -ia-Stamms. Deshalb spricht nichts dagegen, dass etwa ein Sprecher eines ostaukštaitischen Dialekts bei der Übernahme des Wortes skauda aus der Standardsprache es unbewusst dem -ia-Stamm angleicht und zu skaudžia umformt, zumindest solange, bis er das standardsprachliche skaudžia versteht. ([Der Arzt] fragt: Wo tut es dir weh?). In der Sprachpraxis werden dulkia ir dulksta bisweilen verwechselt, besonders wenn sie mit Subjekten verwendet werden, bei denen die Unterscheidung „belebt – unbelebt“ oder „aktiv – inaktiv“ nicht deutlich ist (kelias, lietus). Ohne Kontext ist nicht klar, nach welchen Paradigmen barškšti I ir barškšti II konjugiert werden sollen, wenn wir nicht wissen, worum es gehen wird. Schließlich sind sogar barškia ir baršksta in der Sprachunterrichtspraxis Paronymen gleichgestellt, die zu den häufigsten Fällen von Interferenz gehören (Михальченко 1984, 181—188).
Homoformen zeigen besonders deutlich, dass in Wörterbüchern, sollen sie für das Lehren oder Lernen einer Sprache nützlich sein, bei jeder Verbbedeutung die Subjekte und natürlich nach Möglichkeit auch die Objekte angegeben werden müssen. Die psychologische Forschung hat festgestellt, dass die Erkennung visueller Reize mit deren allgemeinsten Merkmalen beginnt, die anschließend nach und nach durch immer neue wahrgenommene Einzelheiten ergänzt werden (Гофман 1986, 25). Der Sprecher richtet ebenso wie der Hörer den Fokus gerade auf den Handelnden und macht ihn zum Subjekt (Engelkamp, Zimmer 1983). Je aktiver das Subjekt ist, desto größer ist auch die Wahrscheinlichkeit der Transitivität (Hopper, Thompson 1982, 3). Wörterbücher sind natürlich nicht nur zur Erfassung von Homoformen oder Homonymen samt Subjekten und Objekten besonders wichtig, sondern auch für die automatische Textanalyse (Пиотровский 1987, 73). Die Aufmerksamkeit des Sprechers und des Linguisten für die Sprache sollte einander zumindest so nahekommen, dass weder die Semantik noch die Form vergessen wird.
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ПЕРВИЧНЫЕ ГЛАГОЛЫ ЛИТОВСКОГО ЯЗЫКА С ТОЧКИ ЗРЕНИЯ ПЕРЕХОДНОСТИ (ОМОФОРМЫ ИНФИНИТИВА)
Резюме
В статье представлены все омоформы первичных глаголов литовского языка с точки зрения формальной и семантической переходности. Для предупреждения ошибок управления, характерных для взаимодействия языков, а также для автоматического анализа текстов рекомендуется в словарях указывать при глаголах употребительные субъекты и объекты. Обращается также внимание на возможные случаи смешения парадигм переходных и непереходных глаголов. Утверждается, что взгляды на язык говорящего и языковеда должны совпадать хотя бы в такой мере, чтобы одинаковое внимание уделялось как семантике, так и форме.
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