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LIETUVIŲ KALBOTYROS KLAUSIMAI XXXIX (1998)

Guido MICHELINI

Universität Parma, Italien

MAŽVYDS GESMES CHRIKSCZONISKAS1 UND GEISTLICHE LIEDER2

Etwa 40% der Texte, die im 1566–1570 herausgegebenen Gesangbuch von Mažvydas Gesmes Chriksczoniskas enthalten sind, haben Entsprechungen im deutschen Gesangbuch Geistliche Lieder. Dies ist bekannt, wie sich etwa der Bibliographie der Litauischen SSR3, J. Lebedys’ Altlitauischen Literatur4 und Z. Zinkevičius’ Geschichte der litauischen Sprache5 entnehmen lässt. Konkretere Angaben zu diesen Entsprechungen finden sich jedoch nur wenige, abgesehen vielleicht von D. Pociūtės Monographie Protestantische Kirchenlieder des 16.–17. Jahrhunderts6; doch auch sie kann nicht als vollständig und abgeschlossen gelten, da eine Übersicht über die Bearbeitungen der Psalmen fehlt und der Zusammenhang zwischen den litauischen Texten und ihren deutschen Quellen nur recht allgemein erörtert wird. Daher soll diese Frage hier unter vielfältigeren Gesichtspunkten untersucht werden.

Zwanzig Lieder aus Mažvydas’ Sammlung sind Übersetzungen von Luthertexten, die in dem Buch Geistliche Lieder zusammengestellt wurden. Diese sollen nun betrachtet werden; dabei werden kurz die vom Übersetzer verwendeten deutschen Quellen vorgestellt und die wesentlichen Merkmale ihrer Beziehungen erörtert. Wir unterscheiden zwei Gruppen: Der ersten Gruppe ordnen wir jene Lieder (insgesamt 13) zu, deren sämtliche Strophen Entsprechungen in der deutschen Quelle haben; zur zweiten Gruppe gehören jene (7 Lieder), in denen eine oder mehrere Strophen hinzugefügt wurden.

A) Fälle, in denen sämtliche Strophen eines Werks Entsprechungen in der deutschen Quelle haben.

Jesus Christus sunus Diewa: Smerti pergaleia: Keles isch grabba (S. 268–270). Der Titel im Gesangbuch von Mažvydas lautet: Giesme dienoje Prikelima Pona […] Jesus Christus unser Heiland/ der den Todt/ & c. Die Anfangsstrophe von Luthers Text7:

1 Im Artikel werden die Texte aus Mažvydas’ Gesangbuch (Gesmes Chriksczoniskas) nach der Ausgabe von Gerulis zitiert: Mažvydas. Die ältesten Denkmäler der litauischen Sprache bis zum Jahr 1570, Kaunas, 1922.

2 Wir zitieren (nach der Ausgabe von 1545) unter Verwendung des Faksimiles Das Babstsche Gesangbuch von 1545, Kassel, 1966.

3 Vilnius, 1969, I, 243.

4 Vilnius, 1977, 49.

5 Vilnius, 1988, III, 46–47.

6 Vilnius, 1995, 26.

7 Geistliche Lieder, 47–48. Tekstas – originalus kūrinys (plg. E. E. Koch, Geschichte des Kirchenlieds und Kirchengesangs der christlichen, insbesondere der deutschen evangelischen Kirche, Stuttgart, 1866–76 (3-as leid.), I, 242).

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Jhesus Christus unser Heiland/ der den tod uberwand/ Jst aufferstanden/ die sund hat er gefangen/ Kyrieeleison (> Jesus Christus sunus Diewa: Smerti pergȧleia: Keles isch grabba: Mus ghreschnus atwadawa: Kyrieeleison) Der litauische Text ist keine vollständig wörtliche Übersetzung von Luthers Werk: Von diesem weicht er in der zitierten Anfangsstrophe und an anderen Stellen etwas ab, zum Beispiel in der zweiten Strophe (Jesus be ghreka ußgime: Diewa narsa nesche: Mus suderina: Malonen sugrabina: Kyrieeleison <Der on sunden war geborn/ trug für uns Gotts zorn/ Hat uns versönet/ das uns Gott sein huld gönnet/ Kyrieeleison). Die Tenormelodie stimmt im Wesentlichen mit der Melodie von Geistliche Lieder überein, liegt jedoch eine Quinte tiefer, und die fünf letzten Noten unterscheiden sich (es wurde eine „leichtere“ Folge gewählt).

Malonus mums Diewe būki/ Jr tu pats mus perßegnoki (S. 346–348).

Titel im Gesangbuch von Mažvydas: PSALMAS LXVI DEUS misereatur nostri. Es wolt uns Gott gnedig sein. Anfangsstrophe von Luthers Text8: Es wolt uns Gott gnedig sein/ unn seinen segen geben/ Sein antlitz uns mit hellem schein/ erleucht zum ewigen leben/ Das wir erkennen seine werck/ und was jm liebt auff erden/ Unn Jhesus Christus heil und sterck/ bekand den heiden werden/ und sie zu Gott bekeren (> Malonus mums Diewe būki/ Jr tu pats mus perßegnoki: Weidu tawa mus apschwiesk/ Amßinam ßiwatan mus wesk: Jeib paßintumbim ijo darbus/ Jr kas ijem lub est ßemiel/ Bey Jesus Christus gelbetoys/Paßinstams pagonims bus/ ir ghie diewop priesiwes). Der litauische Text ist keine vollständig wörtliche Übersetzung von Luthers Werk: Von diesem weicht er in der zitierten Anfangsstrophe und an anderen Stellen etwas ab, zum Beispiel in der letzten Strophe (Czesti dük ßmogau bei garbe/Diewui gerame darbe. Swiets dūst waissiju gerinasse/Schwents ßodis gerai waisose/Perßegnok mus Diewe Tiewe/Sunau ir schwenta Dwasse/Kurem wissas swiets dūst schlowe Jr didzey ijo bijose/Linksmai tarīkem Amen < Es dancke Gott und lobe dich/das volck in guten thaten/ Das land bringt frucht und bessert sich/ dein wort ist wol geraten/ Uns segen Vater und der Son/ uns segen Gott der heilig Geist/ dem alle welt die ehre thul/ für jm sich fürchte allermeist/ nu sprecht von hertzen Amen). Die Melodie stimmt mit Geistliche Lieder. überein.

Macznus apgint os musu Diewas/ Jr apgijimas stijpras (S. 394–396).

Pavadinimas Mažvydo giesmyne: Psalmas XLVI. Deus noster refugium & virtus, etc. Ein feste Burg ist unser Gott. Liuterio teksto pradinė strofa9: Ein feste burg ist unser Gott/ ein gute wehr und waffen/ Er hilfft uns frey aus aller not/ die uns itzt hat betroffen/ Der alt böse feind/ mit ernst ers itzt meint/ gros macht unn viel list/ sein grausam rüstung ist/ auff erd ist nicht seins gleichen (> Macznus apgint os musu Diewas/ Jr apgijimas stijpras/Padest mums mijlei wargusu/Kurie

8 Geistliche Lieder, 115–17. Der Text ist eine Bearbeitung des lateinischen Psalms Deus misereatur nostri (vgl. Koch, a. a. O., I, 241; VIII, 113–14).

9 Geistliche Lieder, 112–14. Der Text ist eine Bearbeitung des lateinischen Psalms Deus noster refugium (vgl. Koch, a. a. O., I, 241; VIII, 119–31).

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pule ant mussu/Senas pikts neprietelius/Trokscht nor regjimai/Maczna kijtrasti zdrody ghis greitai/Anta swieta ijem nier lig aus). Der litauische Text ist keine vollständig wörtliche Übersetzung von Luthers Werk: Von diesem weicht er in der zitierten Anfangsstrophe und an anderen Stellen etwas ab, zum Beispiel in der letzten Strophe (Szodis tas testowij macnas/Jr swiets te est newzdzienczas/Tas est su mumis anta lauka/Kariau su Dwase schwenta/Teijm ghije kuna/ lobij/waikus/ir cziesti/Mote/wijs apleisk/naud os isch to negaus/Mums atliks karalista dangaus < Das wort sie söllen lassen stan/ und kein danck dazu haben/ Er ist bey uns wol auff dem plan/ mit seinem Geist und gaben/ Nemen sie den leib/ Gut/ ehr/ kind und weib/ las faren dahin/ sie habens kein gewin/ das Reich mus uns doch bleiben). Die Melodie stimmt mit Geistliche Lieder überein, außer dass das Sekundenintervall bei der zweiundzwanzigsten Note vom Ende des Refrains durch eine Terz ersetzt ist (ein Korrekturfehler?).

Garbinkem grabėj JESU Christu: Czistas pannas Marias Sunu: (S. 177–180). Titel im Gesangbuch von Mažvydas: Hymnus A solis ortu cardine. Christum wir sollen loben schon. Anfangsstrophe von Luthers Text10: Christum wir sollen loben schon/ der reine magd Marien Son/ So weit die liebe sonne leucht/ und an aller welt ende reicht (> Garbinkem grabėj JESU Christu: Czistas pannas Marias Sunu: Kaip placzei p[a]schwietz Saule miela: Jr po wissus kraschtus scho swieta). Der litauische Text ist im Wesentlichen eine wörtliche Übersetzung von Luthers Werk: Gelegentlich weicht er geringfügig davon ab, zum Beispiel in der drittletzten Strophe (Ant schena kaip ubags guleia/Edziu ketu neßibaiseia/Peneia ghi panna pienelu/Ta kurs nemarin badu paukštelu < Er lag im hew mit armut gros/ die Krippen hart in nicht verdros/ Es ward ein kleine milch sein speis/ der nie kein vög lin hungern lies). Die Melodie weist viele Ähnlichkeiten mit Geistliche Lieder. Sie weicht an vielen Stellen ab, jedoch fast immer nur geringfügig (manchmal entspricht eine Note zwei Noten in einem Sekundenabstand in Geistliche Lieder, manchmal verhält es sich umgekehrt); größere Unterschiede wurden bei der dreiunddreißigsten und vierunddreißigsten Note festgestellt.

Pagirtas buk Jesu Christe/Jog priemei ßmogiste (S. 180–183). Titel im Gesangbuch von Mažvydas: Lobpreis des Herrn Jesus für seine heilige Geburt […] Gelobet seistu Jesu Christ. Anfangsstrophe von Luthers Text11: Gelobet seistu Jhesu Christ/ das du mensch geboren bist/ von einer Jungfraw das ist war/ des frewet sich der Engel schar/ Kyriole is (> Pagirtas buk Jesu Christe/Jog priemei ßmogiste: Jsch mergas czistas Marias/Dzaugesi Angelu pulkas Kyrieeleison). Der litauische Text ist im Wesentlichen eine wörtliche Übersetzung von Luthers Werk: Gelegentlich weicht er geringfügig davon ab, zum Beispiel in der drittletzten Strophe (Diews est tikras Sunus Diewa/ Sweczu ant Swieta buwa/ Tas wed mus isch didza wargal Bei duist

10 Geistliche Lieder, S. 19–23. Der Text ist eine freie Übersetzung des bekannten Liedes A solis ortus cardine Ad usque terrae limitem (vgl. Koch, a. a. O., I, 240).

11 Geistliche Lieder, 23–25. Der Text ist eine Bearbeitung der alten deutschen Übersetzung aus dem lateinischen Original (vgl. Koch, a. a. O., I, 240–41; VIII, 18–21).

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dass uns im Himmel ein Platz bereitet werde/ Kyrieeleison < Der Son des Vaters, Gott von art/ ein gast in der werlet ward/ Und fürt uns aus dem jamertal/ er macht uns erben in seim saal/ Kyriòleis). Die Melodie weist viele Ähnlichkeiten mit Geistliche Lieder auf; da das Quartenintervall nach der fünften Note und das Quintenintervall nach der dreiundzwanzigsten ausgelassen werden, lässt sich vermuten, dass es sich um eine vereinfachte Variante der Melodie von Geistliche Lieder handelt.

Diewe Tiewe saugok mus nedūk mumus praβuti (S. 237–238). Der Titel in Mažvydas’ Gesangbuch lautet: Giesmie graži ape ischgielbeghima nug wissa pikta […] Gott der Vatter wohn uns bey &c. Der Anfang von Luthers Text12: Gott der Vater won uns bey/ und las uns nicht verderben/ Mach uns aller sunden frey/ und helff uns selig sterben (>Diewe Tiewe saugok mus nedūk mumus praβuti Dūk mums be ghrieku buti/ir dūk müms linx̄smai nūmirti). Der litauische Text ist nahezu eine wörtliche Übersetzung von Luthers Werk: Besonders deutlich weicht er in der Strophe Tau mes wissi mus dūme su wissais teiseis Chriksčzoneis isch wenkti βabagu welna/Per apginima Diewa Amen (<dir uns lassen gantz unn gar/ mit allen rechten Christen/ entfliehen Teuffels listen/ mit waffen Gotts uns fristen/ Amen)⟧ davon ab. Eine Melodie ist nicht angegeben, sondern nur der Verweis ant to balsą Kaip giest wokischkai.

Deschimts schwentu priesakimu/kurius dawe Pons Diews musu (S. 387–390). Der Titel in Mažvydas’ Gesangbuch lautet: DECEM PRAECEPTA Dis sind die Heiligen Zehn Gebot. Die Anfangsstrophe von Luthers Text13: Dis sind die heilgen zehen Gebot/ die uns gab unser Herre Gott/ durch Mosen seinen diener trew/ hoch auff dem berg Sinai/ Kyriòleis (>Deschimts schwentu priesakimu/kurius dawe Pons Diews musu/ per Mayseschu tarna werna/ant auksčta kalna Sinai/Kyrieleison). Der litauische Text ist keine vollständig wörtliche Übersetzung von Luthers Werk: Besonders deutlich weicht er in der siebten Strophe ab (Wenczawone turiek czista/moters negeiski artima/ laikik tu wieβliba kuna/patogu beigi mierna/Kyrieleison < Dein Ehe soltu bewaren rein/das auch dein hertz kein andre mein/ Unn halten keusch das leben dein/ mit zucht und messigkeit fein/ Kyrioleïs). Eine Melodie ist nicht angegeben.

Jsch dangaus ateimi aukschta/Neschu iums nu daug gera (S. 183–187). Der Titel in Mažvydas’ Gesangbuch lautet: Waikèlu Gesme ape berneli JESU […] Von Himel hoch da kom ich her. Die Anfangsstrophe von Luthers Text14: Vom Himel hoch da kom ich her/ ich bring euch gute newe mehr/ der guten mehr bring ich so vil/ davon ich singen und sagen wil (>Jsch dangaus ateimi aukschta/Neschu iums nu daug gera/Taip daug gera asch neschu/Ape tatai asch gedosiu). Der litauische

12 Geistliche Lieder, 62–64. Der Text ist eine Bearbeitung eines alten deutschen Kirchenlieds (vgl. Koch, a. a. O., I, 241; VIII, 100–104).

13 Geistliche Lieder, 67–70. Der Text ist eine freie Bearbeitung nach der Bibel (vgl. Koch, a. a. O., I, 241; VIII, 420–23.

14 Geistliche Lieder, 26–30. Der Text ist eine freie Bearbeitung nach der Bibel (vgl. Koch, a. a. O., I, 241).

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Der Text ist keine vollständig wörtliche Übersetzung von Luthers Werk: Besonders deutlich weicht er in der vorletzten Strophe ab (Todel asch nu linxmas busiu/Walnai pleschedams gedosui/Jr rodas subdams tawe/Gedosiu saldze gesme < Dawon ich allzeit frölich sey/ zu springen, singen immer frey/ das rechte Sussaninne schon/ mit hertzen lust den süssen thon.). Die Melodie unterscheidet sich von der von uns verwendeten Ausgabe von Geistliche Lieder, ähnelt jedoch stark der Melodie der Ausgabe von 1531.

Pagarbints buki ir paczestawotas: Kurs nu est mus papeneies (S. 377–379).

Der Titel in Mažvydas’ Gesangbuch lautet: Malonus dekawoghimas Ponui Diewui [...] ischwersta isch D. Mart. Luth. [...] Gott sey gelobet und gebenedeiet/& c. Die Anfangsstrophe von Luthers Text15: Gott sey gelobet und gebenedeiet/ der uns selber hat gespeiset/ Mit seinem fleische und mit seinem blute/ das gib uns Herr Gott zu gute/ Kyrieleison (> Pagarbints buki ir paczestawotas: Kurs nu est mus papeneies: Su sawa karuu sawa brangu krauiu: Dük Diewe ant ischganima: Kyrieeleison). Der litauische Text ist keine vollständig wörtliche Übersetzung von Luthers Werk; vgl. die Strophe Pone per meile tawa dide: Schwentasis kraus tawa mus ischgane: Kaltes užmokeia: Bei Diews mums sussimila/Kyrieleison (< Herr dein lieb so gros dich zwungen hat/ das dein blut an uns gros wunder that/ Und bezalt unser schuld/ das uns Gott ist worden hold/ Kyrieleison). Die Melodie stimmt mit Geistliche Lieder überein; lediglich nach der sechzigsten Note ist das Sekundenintervall durch eine Quarte ersetzt (Druckfehler?).

Tewe musu danguiessis: Tu mums wissiems/ liepes essi (S. 381–385).

Der Titel in Mažvydas’ Gesangbuch lautet: Pateris giesmen sugulditas nūg Dactara Martina Luthera. Die Anfangsstrophe von Luthers Text16: Vater unser im himelreich/ der du uns alle heissest gleich/ brüder sein und dich ruffen an/und wilt das beten von uns han/ Gib das nicht bet allein der mund/ hilff das es geh von hertzen grund (>Tewe musu danguiessis: Tu mums wissiems/ liepes essi: Broleis buti tawesp schaukti/Tawe wiena liepei melsti: Dük ieng musu kopßna malda: Eis nūg schirdes musu dugna). Der litauische Text ist nicht vollständig wörtlich übersetzt17: Besonders deutlich weicht er in der letzten Strophe von Luther ab (Amen taip stosis ischtiesos: Stiprink wiera musu duschas: Jeib ant to neabejiosim: Ko prascham mes tai wijs gausim: Ant bada tawa ir warda: Amen kalbam stipra wiera < Amen/ das ist/ es werde war/ sterck unsern glauben imerdar/ Auff das wir ja nicht zweifeln dran/ das wir hiemit gebeten han/ Auff dein wort in dem namen dein/ so sprechen wir das amen fein). Die Melodie stimmt mit Geistliche Lieder überein.

15 Geistliche Lieder, 100–102. Der Text ist eine Bearbeitung eines alten deutschen Kirchenlieds (vgl. Koch, a. a. O., I, 241).

16 Geistliche Lieder, 76–81. Der Text ist eine freie Bearbeitung nach der Bibel (vgl. Koch, a. a. O., I, 241; VIII, 320–23.

17 Der entsprechende Text im Katechismus (S. 48–53) beruht nicht auf einem Werk Luthers, sondern auf Sėklucjanos polnischer Übersetzung, wie Stang bereits bemerkte, Die Sprache des litauischen Katechismus von Mažvydas, Oslo, 1929, 32–35.

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Im Leben bedrängt uns der Tod (S. 563–566). Titel in Mažvydas Gesangbuch: MEDIA VITA Mitten wir im leben sind/ & c. Die Anfangsstrophe von Luthers Text18: Mitten wir im leben sind/ mit dem tod umbfangen/ Wen such wir der hü lffe thu/ das wir gnad erlangen/ Das bistu Herr alleyne/ Uns rewet unser missethat/ die dich Herr erzürnet hat/ Heiliger Herre Gott/ Heiliger starcker Gott/ Heiliger barmhertziger Heiland/ du ewiger Gott/ Las uns nicht versincken/ in des bittern todes not/ Kyrieleison. (>Im Leben bedrängt uns der Tod: Wen sollen wir um Hilfe bitten, damit wir Gnade erlangen? Dich allein, Jesu. Uns reut unsre Sünde, durch die wir dich erzürnt haben. Heiliger Herr Gott, heiliger starker Gott, heiliger barmherziger Heiland, du ewiger Gott, lass uns nicht versinken in der bitteren Todesnot. Kyrieleison). Der litauische Text ist teilweise eine freie Übersetzung von Luthers Werk: Er weicht von der zitierten ersten Strophe und auch an anderen Stellen ab, zum Beispiel im Anfangsteil der zweiten Strophe (Im Leben bedroht uns der Tod, die Hölle mit heißem Feuer: Wer hat uns aus den Höllenqualen befreit? Du rettest, Jesu, allein, denn deine Barmherzigkeit ist groß, unser Elend und unsre Qualen < Mitten in dem tod anficht/ uns der hellen rachen/ Wer wil uns aus solcher not/ frei und ledig machen? Das thustu Herr alleyne/ es jamert dein barmhertzigkeit/ unser sund und grosses leyd). Die Melodie stimmt im Wesentlichen mit Geistliche Lieder überein; geringfügige Abweichungen gibt es nur an drei Stellen: Die sechste Note ist hinzugefügt (sie wiederholt die fünfte), die vierzehnte entspricht zwei Noten aus Geistliche Lieder, die eine Terz auseinanderliegen, und die drei Noten vor der vorletzten entsprechen zwei Noten aus Geistliche Lieder (dadurch kann ein Terzsprung in zwei Sekundschritte aufgeteilt werden). Vielleicht handelt es sich um eine vereinfachte Variante der Melodie aus Geistliche Lieder?

Herodes, böser Feind, warum fürchtest du Jesus Christus? (S. 222–224). Titel in Mažvydas Gesangbuch: Hostis Herodes Impie. Was fürchst u feindt Herodes. Die Anfangsstrophe von Luthers Text19: Was fürchstu feind Herodes seer/ das uns geborn kompt Christ der Herr? Er sucht kein sterblich königreich/ der zu uns bringt sein himelreich (>Herodes, böser Feind, warum fürchtest du Jesus Christus? Er nimmt kein weltliches Reich, der uns das Himmelreich bringt). Der litauische Text ist teilweise eine freie Übersetzung von Luthers Werk, besonders in der vorletzten Strophe (Als er sechs steinerne Krüge sah, die mit Wasser gefüllt waren, geschah dort ein neues Wunder: Aus Wasser wurde roter Wein < Ein wunderwerck da new geschach/ sechs steinern krüge man da sach/ vol wassers das verlor sein art/ roter wein durch sein wort draus ward). Es ist möglich, dass die litauische Übersetzung

18Geistliche Lieder, S. 139–141. Der Text ist eine Bearbeitung einer älteren deutschen Übersetzung des lateinischen Originals (vgl. Koch, a. a. O., I, 241; VIII, 573–79).

19Geistliche Lieder, S. 34–35. Der Text ist eine freie Bearbeitung des lateinischen Liedes Hostis Herodes impie, Christum venire quid times (vgl. Koch, a. a. O., I, 241).

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stützt sich auch auf andere Quellen. Die Melodie unterscheidet sich von Geistliche Lieder, stimmt aber mit dem lateinischen Lied A solisortus cardine. überein.

Schenke uns in deiner Gnade Frieden, in unseren Zeiten, Gott (S. 390–392). Titel in Mažvydas Gesangbuch: DA PACEM Lietuwischkai. Im litauischen Text sind zwei verschiedene Werke Luthers zusammengefügt. Die erste Strophe stimmt mit Da pacem Domine/Deutsch20 (Verleih uns friedenn gnediglich/ Herr Gott, zu unsern zeiten/ Es ist doch ja kein ander nicht/ der für uns kunde streiten/ denn du unser Got alleine >Schenke uns in deiner Gnade Frieden, in unseren Zeiten, Gott. Denn es gibt auf Erden keinen anderen, der für uns kämpfen könnte, nur du allein, unser Gott). Die folgenden Strophen beruhen auf dem Lied Erhalt uns Herr bey deinem wort21 (>Erhalte uns, Herr, bei deinem Wort). Der litauische Text ist keine vollständig wörtliche Übersetzung der deutschen Quellen: Besonders in der letzten Strophe weicht er davon ab (Heiliger Geist, Tröster, gib uns Eintracht auf Erden. Hilf uns in schweren Zeiten, führe uns nach diesem Tod in den Himmel < Gott heilger Geist du tröster werd/ gib deim volck einerley sinn auff erd/Steh bey uns in der letsten not/gleit uns ins leben aus dem tod). Die Melodie der ersten Strophe weist viele Ähnlichkeiten mit dem Lied Geistliche Lieder Da pacem Domine auf; sie steht eine Quinte tiefer und weicht bei der sechzehnten Note ab (die fünfzehnte wird wiederholt), ebenso von der fünfundzwanzigsten bis zur neunundzwanzigsten Note (der Quintschritt wird ausgelassen, wodurch der Gesang erleichtert wird). Die Melodie der übrigen Strophen stimmt im Wesentlichen mit dem Lied Geistliche Lieder Erhalt uns Herr bey deinem wort überein, allerdings sind zwei Noten eingefügt (die sechste und die zwölfte).

B) Fälle, in denen eine oder mehrere Strophen hinzugefügt wurden.

In Frieden und Freude fahre ich dahin: Aus der Liebe Gottes in der Welt (S. 224–227). Titel in Mažvydas Gesangbuch: Laupsinimas Simeona schwentoia Senia [...] Luce. ² Mit fried und freud ich far dahin Nunc dimittis & c. Die Anfangsstrophe von Luthers Text22: Mit fried und freud ich far dahin/ in Gottes wille/ Getrost ist mir mein hertz und sinn/ sanfft und stille/ Wie Gott mir verheissen hat/ der tod ist mein schlaff worden (>In Frieden und Freude fahre ich dahin, aus Gottes Gnade. Mein Herz und mein Sinn sind nun froh: Ich ruhe, wie Gott es mir verheißen hat; der Tod ist mir zum sanften Schlaf geworden). Die letzte Strophe der litauischen Übersetzung hat keine Entsprechung in Geistliche Lieder; sie unterscheidet sich deutlich von der letzten Strophe der Fassung im Gesangbuch von Spangenberg (Ehre sei Gott, dem Vater und dem Sohn/ und dem Heiligen Geist/ der uns in dieser argen Welt/ seine Gnade gewähre/ Wie

Geistliche Lieder, 129. Die Strophe ist eine Übersetzung der gregorianischen Antiphon Da pacem, Domine, in diebus nostris … Alleluia. Quia non est alius qui pugnet pro nobis, nisi tu Deus noster … Alleluia (vgl. Koch, a. a. O., VIII, 159–161).

Geistliche Lieder, 127–128. Der Text ist ein Originalwerk (vgl. Koch, a. a. O., I, 242).

Geistliche Lieder, 35–38. Der Text ist eine freie Bearbeitung nach der Bibel (vgl. Koch, a. a. O., I, 241; VIII, 579–85).

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es war und itzund ist/ und bleibet stetlich. AMEN). Der litauische Text ist nicht vollständig wortgetreu aus Luther übersetzt, vgl. die dritte Strophe (Ghi wissiems isch meiles dawei/ Sussimiles mums didei/ Dangun wissa swieta tu liepei/ Wadinti mielei/Per brangu ir schwenta Szodi/Schem swietui apreikstaghi <Den hastu allen für gestelt/ mit grossen gnaden/ Zu seinem reich die gantze welt/ heissen laden/ Durch dein tewer heilsam wort/an allem ort erschollen). Die Melodie stimmt im Wesentlichen mit Geistliche Lieder überein. An zwei Stellen weicht sie geringfügig ab: Die neunte Note entspricht zwei Noten im Abstand einer Sekunde, und nach der fünfunddreißigsten Note fehlt eine sie wiederholende Note.

Ach Diewe isch dangaus weisdek/ Jr schito passigailek (S. 348–351). Titel im Gesangbuch von Mažvydas: PSALMAS II. Salvum me fac. Ach Gott von Himel sich darein. Anfangsstrophe des Luthertextes23: Ah Gott von himel sich darein/ und las dich das erbarmen/ Wie wenig sind der heilgen dein/ verlassen sind wir armen/ Dein wort man lesst nicht haben war/ der glaub ist auch verloschen gar/ bey allen menschen kinden (>Ach Diewe isch dangaus weisdek/ Jr schito passigailek/Kaip maž ijr schventuju tawa/Mus siratas prastojia. Szodza tawa ne palaika/wiera jau est už gessita/Prieg kopna žmogaus waika). Die letzte Strophe der litauischen Übersetzung hat keine Entsprechung in Geistliche Lieder; sie unterscheidet sich deutlich von der letzten Strophe der in anderen Gesangbüchern überlieferten Fassung (Ehr sey Got vatter allezeyt/ auch Christ dem eyngeboren/ Und dem tröster heyligen geyst/ gar hoch in hymells koren/ Wie es im anfang unnd auch yetzt/ gewesen ist und bleibet stets/ in der wellt der wellt. Amen). Der litauische Text ist nicht vollständig wortgetreu aus Luther übersetzt; er weicht von ihm ab, etwa in der zweiten Strophe (Mokin ghie neteisos zdrodas/Jsch piktoses būklistas: Schirdis ių est besandara/Prieg grunta Diewa žodza/Wiens taip ir kits kitaip saka/ Bejiedna miera mus draska/Jr schwentais sawe dara < Sie leren eitel falsche list/ was eigen witz erfindet/ Jr hertz nicht eines sinnes ist/ in Gottes wort gegründet/ Der wehlet dis/ der ander das/ sie trennen uns on alle mas/ und gleissen schön von aussen). Die Melodie stimmt mit Geistliche Lieder überein.

Christus Jordanop ateiha/ Kaip io Tewas noreiha (p. 231–236). Pavadinimas Mažvydo giesmyne: Giesme duchawna […] suguldita nůg D. Mart. Luthera Christ unser Herr zum Jordan kam. Liuterio teksto pradìnė strofa24: Christ unser Herr zum Jordan kam/ nach seines vaters willen/ Von S. Johans die Tauffe nam/ sein werck und ampt zur füllen/Da wolt er stifften uns ein bad/ zu waschen uns von sunden/ erseuffen auch den bittern tod/ durch sein selbs blut und wunden/ es galt ein newes leben (>Christus Jordanop ateiha/ Kaip io Tewas noreiha/Prieme

23 Geistliche Lieder, 106–109. Der Text ist eine Bearbeitung des lateinischen Psalms Salvum me fac, Domine (vgl. Koch, a. a. O., I, 241; VIII, 521–26.

24 Geistliche Lieder, 85–89. Der Text ist eine freie Bearbeitung nach der Bibel (vgl. Koch, a. a. O., I, 241; VIII, 142–46.

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chrīksta nūg Jana/Pildams sawa ureda/Te mums Chrikschta pastiprina/ Ant ghreku apmasgoghima/Jr smertis paskandįinama/ Krau ihu ir ßaisdomis sawa/Du-dams mums nauihe giwata). In der litauischen Übersetzung wurde eine Schlussstrophe hinzugefügt: Diewui Tewui schlowe dūkem Jr Jhesu Christu garbinkem Bei Dwasse schwenta laupsinkem. Wienam Diewui dekawokem Kurs istates est Chrīkstuma Ant ghreku aptzistighima. Bei amßina ischganima/Nūg Christaus apßadeta/Jem buk amßina garba. Amen. Der litauische Text, der das am Ende der Forma Chrīkstima gedruckte Lied unverändert wiedergibt, ist nahezu wortgetreu aus Luther übersetzt, weicht jedoch bisweilen geringfügig ab, etwa in der sechsten Strophe (Malonei tai kurs netiki/Amßinai giwens ghreki/Ras ghis amßinai smerti/Tur peklas ugnie dekti/Jo schwentibae ghi negelbaes/nei wissi jo darbai jem padaes/Usch nieka priegimts ghreks dara. Szmogaus darbus ir giwata/Sau smogus negelbt nieslaka < Wer nicht glaubt die-ser grossen gnadt/ der bleibt in seinen sunden/ Und ist verdampt zum ewigen tod/ tieff in der hellen grunde/ Nichts hilft sein eigen heiligkeit/ all sein thun ist verloren/ die Erbsund machts zur nichtigkeit/ darin ist er geboren/ vermag jm selbs nichts helffen). Die Melodie stimmt mit Geistliche Lieder.

Christus kente smerties rischus: Jschdūts est usch musu ghrekus (S. 263–267).

Titel im Gesangbuch von Mažvydas: APE CHRISTAus isch numirusu prieke lima […] Christ lag in Todes banden & c. Anfangsstrophe des Luthertextes25: Christ lag in todes banden/für unser sund gegeben/ Der ist wider erstanden/ unn hat uns bracht das leben/ Des wir sollen frölich sein/ Gott loben unn danckbar sein/ und singen Haleluia/ Haleluia (>Christus kente smerties rischus: Jschdūts est usch musu ghrekus: Keles isch smerties Christus: Atwere mums dangaus wartus: Jeng mes linksmi butumbim: Diewui garbe dūtumbim: Jr gedotumbim Halleluia: Halleluia). In der litauischen Übersetzung wurde eine Schlussstrophe hinzugefügt: Diewe tau nu buki garba: Jog Christus mus atpirka: Chwalda tau su Dwasse Schwenta: Jog Christus kele nūg smercza: Ghrekus musu apmazgok: teisibe mums tawa priedūk: Dangaus dzauksma mums dowanok: Halleluia. Der litauische Text ist keine vollständig wortgetreue Übersetzung von Luthers Werk; besonders in der dritten Strophe weicht er davon ab (Ponas Jesus Sunus Diewa: Musu wieton ateija: Nūg ghreku mus atwadawa: Taip Smerti nußawina: Su wissoke ijos sila: Scheschūlis wiens ijos atlika: Nės geloni pateroija: Halleluia) < Jhesus Christus Gottes Son/ an unser stat ist komen/ Und hat die sunde abgethan/ damit dem tod genomen/ All sein recht unn sein gewalt/ da bleibt nichts denn tods gestalt/ den stachel hat er verloren/ Haleluia). Die Melodie stimmt mit Geistliche Lieder.

Jsch giluma schauku tawesp: Balsa mana Pon ischklausik (S. 340–343).

Titel im Gesangbuch von Mažvydas: PSALMAS CXXX De profundis clamavi ad te

25 Geistliche Lieder, 44–47. Der Text ist eine Bearbeitung des alten deutschen Liedes Christ erstanden Von der marter aller (vgl. Koch, a. a. O., I, 241).

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Domine. Aus tieffer noth schrey ich zu dir/ & c. Die Anfangsstrophe von Luthers Text26: Aus tieffer not schrey ich zu dir/ Herr Gott erhör mein ruffen/ Dein gnedig ohren ker zu mir/und meiner bit sie öffnen/ Denn so du wilt das sehen an/ was sund und unrecht ist gethan/ wer kann Herr für dir bleiben? (>In der Tiefe rufe ich zu dir: Meine Stimme, Herr, lass erschallen/Neige dein gnädiges Ohr zu mir: und erhöre mein Gebet: Denn wenn du betrachten wolltest/ Welche Sünde und welches Unrecht bei uns ist/Wer könnte, Herr, vor dir bestehen?). In der litauischen Übersetzung wurde die letzte Strophe hinzugefügt: Ehre sei Gott dem Vater: Und seinem Sohn Jesu Christo Ehre sei auch dem Heiligen Geist: Dem Tröster unserer Seelen: Der uns aus der Tiefe der Sünden rettet: Durch seine einzige Barmherzigkeit: Ihn wollen wir in Ewigkeit preisen. Der litauische Text ist keine völlig wortgetreue Übersetzung von Luthers Werk; vgl. die Unterschiede in der vierten Strophe (Wenn die Nachtzeit kommt: Oder die Morgenzeit anbricht: Dennoch hofft das Herz fest auf Gott: Ohne in Verzweiflung zu fallen: So wird Israel gute Weide finden, die der Heilige Geist gewährt: Immer wirst du auf deinen Gott warten < Und ob es werd bis in die nacht/ und wider an den morgen/ Doch sol mein hertz an Gottes macht/ verzweiu len nicht/ noch sorgen/ So thu Israel rechter art/ der aus dem geist erzeuget ward/ und seines Gotts erh arre). Die Melodie stimmt mit Geistliche Lieder. überein.

Nun kommt vom Himmel die Engelschar/Zu den Hirten hernieder (S. 187–189). Der Titel im Gesangbuch von Mažvydas: Gesme Chrjkščzoniſchka […] Von Himel kam der engel schar.Die Anfangsstrophe von Luthers Text27: Von Himel kam der engel schar/ erschien den hirten offenbar/ Sie sagten jn/ Ein Kindelein zart/ das ligt dort in der krippen hart (>Nun kommt vom Himmel die Engelschar/Zu den Hirten kommt sie hell und klar/Sagte ihnen: ein schönes Kindlein/Liegt in einer harten Krippe). In der litauischen Übersetzung wurde die letzte Strophe hinzugefügt: Halleluja, lasst uns singen/Einem Gott lasst uns Ehre geben/Weil er uns JESUS CHRISTUS gab/Ihm sei ewiger Ruhm. Amen. Der litauische Text ist nicht vollständig wörtlich aus Luther übersetzt; vgl. die Unterschiede in der fünften Strophe (Er will und kann euch nicht verlassen/Ihr müsst ihm nur vertrauen/Vieles mag mit euch kämpfen/Doch kann es euch nicht besiegen < Er wil und kan euch lassen nicht/ setzt jr auf in ewr zuuersicht/ Es mögen euch viel fechten an/ dem sey trotz ders nicht lassen kan).Eine Melodie wird nicht angegeben, aber auf andere Lieder verwiesen.

Pagirts kurs stow Diewa baime (p. 385–387). Pavadinimas Mažvydo giesmyne: PSALMAS CXXVIII Beati qui timent Dominum Wol dem der in Gottes furchte steht. Liuterio teksto pradine strofa28: Wol dem der in Gottes furcht steht/ und auch auff seinem wege geht/ Dein eigen hand dich nehren sol/ so lebstu recht und geht dir wol (>Pagirts kurs stow Diewa baime: Ir kurs waiks czo

26Geistliche Lieder, 121–23. Der Text ist eine Bearbeitung des lateinischen Psalms De profundis clamavi ad te (vgl. Koch, a. a. O., I, 241; VIII, 211–16).

27Geistliche Lieder, 30–31. Der Text ist ein Originalwerk (vgl. Koch, a. a. O., I, 242).

28Geistliche Lieder, 119–20. Der Text ist eine Bearbeitung des lateinischen Psalms Beati omnes qui timent dominum (vgl. Koch, a. a. O., I, 241).

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Gottes Weg: Deine Hand ernährt dich: So wirst du glücklich und gedeihst). In der litauischen Übersetzung wurden die beiden letzten Strophen hinzugefügt: Jahr um Jahr, Herr, vorübergehen lassen: Jahr um Jahr deine Liebe schenken: Stärke und segne deine Hand: Heilige Gnade der Freude. Ehre sei dir, Herr des Himmels: Für deinen kostbaren Segen: Wir wollen dich treu preisen/Amen, lasst uns alle sprechen. Der litauische Text ist keine vollständig wortgetreue Übersetzung Luthers; besonders in der zweiten Strophe weicht er von ihm ab (Deine Frau in deinem Haus/ wird fruchtbar sein wie ein Weinstock. Und deine Kinder am Tisch: Wie Ölbaumsetzlinge <Dein weib wird in dein hause sein/ wie ein reben vol drauben fein/ Und dein kinder umb deinen tisch/ wie ölpf l anzen gesund und frisch). Eine Melodie wird nicht angegeben.

Die Abweichungen von Luthers in Geistliche Lieder wiedergegebenem Text bei vier Liedern aus dem Gesangbuch von Mažvydas (Nachdrucke aus dem Katechismus) erklären sich dadurch, dass sich der Übersetzer bei der Übertragung ins Litauische auf polnische Quellen stützte. Es handelt sich um die Lieder Mes tikim ing wienaghi Diewa, Schwenta Dwasse musump ateik, Papraschaim schwentases Dwases ir Jhesus Christus ischgelbetois musu.

Wir glauben an einen Gott/Schöpfer der ganzen Welt (S. 365–368)29. Der Titel im Gesangbuch von Mažvydas: Patrem Lituwischkai Wir gleuben all an einen Gott. Die Hauptquelle der litauischen Übersetzung ist der Text von Seklucjan My wierz ymy w jednego Boga, stworzy ciela wszego świata30. Die Anfangsstrophe von Luthers Text31: Wir gleuben all an einen Gott/Schöpffer himels unn der erden/ der sich zum vater geben hat/ das wir seine kinder werden/ Er wil uns allzeit ernehren/ leib und seel auch wol bewaren/ allem unfal wil er wehren/ kein leid sol uns widerfaren/ er sorget für uns/ hut und wacht/ es stet alles in seiner macht (≈ Wir glauben an einen Gott/Schöpfer der ganzen Welt/Der sich uns als Vater erwiesen hat/Uns zu seinen Kindern erwählt/Nährt uns allezeit/Behütet Leib und Seele/Wendet alles Böse ab/Schützt uns vor Not und Leid/Er sorgt für uns, behütet und wacht/Alles steht unter seiner mächtigen Herrschaft). Die Melodie stimmt im Wesentlichen mit Geistliche Lieder. überein.

Heiliger Geist, komm zu uns/Erquicke unsere Seelen (S. 312–314)32. Der Titel im Gesangbuch von Mažvydas: Hymnus Veni creator spiritus. Kom Gott Schöpffer Heiliger Geist. Die Hauptquelle der litauischen Übersetzung ist der Text von Seklucjan Święty Duchu zawitaj k nam, Serca nasze nawiedzi sam, Twą łaską je racz napełnić Któreś sam raczył stworzyć33. Die Anfangsstro-

29Der Text des Katechismus ist auf S. 68–71 abgedruckt.

30Vgl. Stang, a. a. O., 38–39.

31Geistliche Lieder, 72–76. Der Text ist eine Bearbeitung eines lateinischen Liedes (vgl. Koch, a. a. O., I, 240).

32Der Text des Katechismus ist auf S. 46–48 abgedruckt.

33Vgl. Stang, a. a. O., 31. Dieses Lied wurde auch von P. Dini in seinem Artikel „Apie Mažvydo šaltinių bei vertimų fenomenologiją II“ (Kalbotyra 40 (1), S. 11–16) untersucht. Dini nimmt jedoch fälschlich an, dass der litauische Text erstmals im Gesangbuch veröffentlicht wurde, und berücksichtigt Stangs

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fa34: Kom Gott schöpffer heiliger Geist/ besuch das hertz der menschen dein/ Mit gnaden sie füll wie du weist/ das dein geschöpff vorhin sein (≈ Schwenta Dwasse mūsump ateik/Duschas musu nu atlankik/Malone tawa papildik/Mus ghreschnus tu ischgidik). Die Melodie stimmt nur ungefähr mit Geistliche Lieder überein; im Wesentlichen entspricht sie dem 1524 in Erfurt erschienenen Enchiridion35, nur ist eine neunte Note hinzugefügt, und das Sekundenintervall nach der vorletzten Note verläuft nicht aufwärts, sondern abwärts.

Papraschaim schwentases Dwases/ Jeib butumbim tikras wieras (S. 362–365)36. Der Titel in Mažvydas’ Gesangbuch lautet: Poprośmy świętego Ducha. Nu bitten wir den Heiligen Geist. Die Hauptquelle der litauischen Übersetzung ist Seklucjanos Text Poprośmy świętego Duchi, byśmy byli prawej wiary, jakoż to słusza, Aby był Pan Bóg37. Die Anfangsstrophe von Luthers Text38: Nu bitten wir den heiligen Geist/ Umb den rechten glauben allermeist/ Das er uns behüte an unserm endel/ wenn wir heim farn aus disem elende/ Kyriole is. (≈ Papraschaim schwentases Dwases Jeib butumbim tikras wieras kaip ant ta uß gul/Jeib butu Pans Diews prieg ta czesa/ Kada skirsis nūg kuna Duscha taip diewe mums dūk). Die Melodie stimmt bis zur sechzehnten Note ungefähr mit Geistliche Lieder überein, danach weicht sie völlig ab; sie ähnelt eher der von Seklucjan angegebenen Variante.

Jhesus Christus ischgelbetois musu: Kursai nū malde Diewa Tewa narsų (S. 372–375)39. Der Titel in Mažvydas’ Gesangbuch lautet: Graßi ir nobabna giesme S. Jona Hussa [...] pataisita nūg D. Martina Luthera. Der litauische Übersetzer verwendete Seklucjanas Text Jezus Chrystus nasze zbawienie Tenci nam uczyniū z Bogiem zjednanie40. Die Anfangsstrophe von Luthers Text41: Jhesus Christus unser Heiland/ der von uns den Gottes zorn wand/ Durch das bitter leiden sein/ halff er uns aus der hellen pein (≈ Jhesus Christus ischgelbetois musu:Kursai nū malde Diewa Tewa narsu: Per sawa kartu kentegima: Nūg ambinas mukas mus ischgelbeia). Die Melodie weicht von Geistliche Lieder ab, da ihre Quelle das Gesangbuch Seklucjans ist.

Zwei Übersetzungen aus Mažvydas’ Gesangbuch (eine davon ist aus einer früheren Veröffentlichung Mažvydas’ nachgedruckt) stützen sich stärker auf die lateinischen Originale (oder deren polnische Fassungen) … seine Analyse (obwohl der Artikel Stangs Werk zitiert), indem er als Neuerung ausgibt, was der norwegische Sprachwissenschaftler bereits vor sechzig Jahren festgestellt hatte.

Geistliche Lieder, 53–55. Der Text ist eine Bearbeitung des lateinischen Liedes Veni creator spiritus, mentis tuorum visita (vgl. Koch, a. a. O., I, 240).

Plg. Wackernagel Ph., Martin Luther und seine Geistliche Lieder, Stuttgart 1848, 181.

Der Katechismustext ist auf den Seiten 43–45 abgedruckt.

Vgl. Stang, a. a. O., 30.

Geistliche Lieder, 58–59. Der Text ist eine Bearbeitung eines alten deutschen Liedes (vgl. Koch, a. a. O., I, 241).

Der Katechismustext ist auf den Seiten 75–77 abgedruckt.

Vgl. Stang, a. a. O., 40–42.

Geistliche Lieder, 97–100. Der Text ist eine Bearbeitung eines Liedes von Jan Hus.

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Übersetzungen) als die in Geistliche Lieder veröffentlichten Texte Luthers. Es handelt sich um die Lieder Ateik atpirktoyau ßmoniu ir Tawe Diewa garbinam42.

Ateik atpirktoyau ßmoniu. Porodik pannos czistos waisu (S. 152–154). Der Titel im Mažvydas-Gesangbuch lautet: Himnus Sancti Ambrosij Veni redemptor gentium. & c. Nu kum der Heiden heil̄and. Die Anfangsstrophe des Luthertextes43: Nu komm, der heiden Heiland/ der Jungfrawen kind erkand/ Das sich wunder alle welt/ Gott solch geburt jm bestel̄t (≈ Ateik atpirktoyau ßmoniu. Porodik pannos czistos waisu: Jęng stebetu wissas swetas: Jog taip Diewas est gimditas). Die Melodie stimmt nur ungefähr mit der in Geistliche Lieder überein; besonders weichen die zehn Noten am Ende ab.

Tawe Diewa garbinam/ Tawe wieschpati pabinstam (S. 544–552)44. Der Titel im Mažvydas-Gesangbuch lautet: Giesme S. Ambraßeijaus bei S. Augustina. Te Deum laudamus O Gott wir loben dich. Die Anfangsstrophe des Luthertextes45: Herr Gott dich loben wir/ Herr Gott wir danken dir. Dich Vater in ewigkeit/ Ehrt die welt weit und breit (≈ Tawe Diewa garbinam/tawe wieschpati pabinstam/Tawe amßinaghi Tęwa wissa ßeme schlowin). Die Melodie unterscheidet sich von Geistliche Lieder und weist Gemeinsamkeiten mit dem gregorianischen Gesang auf46.

Gesondert zu behandeln sind die Lieder aus Mažvydas’ Buch, deren Entsprechungen in der Sammlung Geistliche Lieder nicht von Luther stammen; es handelt sich um alte deutsche Texte (z. B. Jn dulci Jubilo, nun singet unn seid fro) oder um Werke von Zeitgenossen Luthers.

Christus esti keles/ nūg mukas wissokias (S. 256–257). Der Titel im Mažvydas-Gesangbuch lautet: Sena Wokischka gesme […] Christ ist erstanden. Die Anfangsstrophe des in Geistliche Lieder47 veröffentlichten Textes: Christ ist erstanden/ von der marter alle/ Des söllen wir alle fro sein/ Christ wil unser trost sein/ Kyriolēis (> Christus esti keles/nūg mukas wissokias/Jeib mes butumbim linxsmi/Christe dzauksmas mums essi/Kyrieleison). Der litauische Text ist nahezu wörtlich aus dem Deutschen übersetzt; gelegentlich weicht er geringfügig davon ab, etwa in der zweiten Strophe (Jeib Christus ne keles/Swiets butu prapules/Bet iog ghis keles/Tiewui Christaus dūkem czesti < Wer er nicht erstanden/ So wer die welt vergangen/ Sint das er erstanden ist/ so lobn wir den Vater Jhesu Christ. Kyriolēis). Der größte Teil der Melodie stimmt im Wesentlichen mit Geistliche Lieder überein; besonders stark weicht sie in den letzten sechs Noten der ersten Strophe ab

42 Die Übersetzungsphänomenologie des Liedes Tawe Diewa garbiname wurde von P. Dini in mehreren Arbeiten untersucht, darunter in der Monographie L’Inno di S. Ambrogio di Martynas Mažvydas, Rom 1994 (vgl. meine Rezension in „Linguistica Baltica“ 5–6, 1996–1997, 250–51). Die in der Monographie von P. Dini (63–72) angeführte Variante des Te Deum laudamus unterscheidet sich stellenweise von der Variante des 16. Jahrhunderts, die Mažvydas verwendete.

43 Geistliche Lieder, 16–18.

44 Der Text der Ausgabe von 1549 ist auf den Seiten 82–90 abgedruckt.

45 Geistliche Lieder, 144–52.

46 Vgl. Turco A., Il canto gregoriano. Toni e modi, Rom³ 1996, 39 ff.

47 Vgl. S. 264–65. Der Text ist ein altes deutsches Lied (vgl. Koch, a. a. O., I, 207–8; VIII, 62–64).

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Strophen in den Noten, die einen völlig anderen Melodieverlauf anzeigen; Hallel uia Die Melodie unterscheidet sich nur dadurch, dass nach der fünften Note vom Ende ein Terzintervall statt einer Sekunde steht.

Christus wiens Sunus Diewa: Amßinoija Tewa (S. 343–346). Titel im Gesangbuch von Mažvydas: Sekase Duchawna Gesmae ape JESAus Christaus Dei wiste ir ßmogiste. Geistliche Lieder Die Anfangsstrophe des dort veröffentlichten Textes⁴⁸: Herr Christ der ewig Gottes Son/ Vaters in ewigkeit/ Aus seinem hertzn entsprossen/ gleich wie geschrieben steht/ Er ist der Morgensterne/ sein glentze streckt er ferne/ für andern sternen klar (>Christus wiens Sunus Diewa: Amßinoija Tewa/Jsch ijo schirdies ischsp roga: Kaip schwents raschtas roda: Ghis esti auchros ßwaisde: Jo schwesums wis apschwiece: Schwesesnis usch ßwaisdes). Der litauische Text ist nahezu eine wörtliche Übersetzung des deutschen Liedes; geringfügig weicht er in der ersten Strophe und an anderen Stellen davon ab (z. B. in der zweiten Strophe: Usch mus ghis ßmogu gime: Czese paskuczeme: Motinas ghis palaike: Mergistes czistibe: Smerti/Czarta sutrine: Dangaus dzauksma atwere:Biwa ta mums dawe < Für uns ein mensch geboren/ im letzten teil der zeyt/ Der mutter unuerloren ir Jungfrewlich keuscheit/ Den tod für uns zubrochen/ den himel auffgeschlossen/ das leben widerbracht); hinzugefügt wurde die letzte Strophe (Garba būk Diewui Tewui: Jr Jesui ijo sunui: Garba būk schwentam Duchui: Duschu musu sargui: Kurs schirdims dust linxsmibe: Dūdams sawa saldibe: Tam būk dide garbe/ Amen). Die Melodie stimmt mit Geistliche Lieder. überein.

Dzauketese scheme czese/Jus werneghi Chr ikscz anis (S. 328–336). Titel im Gesangbuch von Mažvydas: Duchawna Giesme ape Schlowe Diewa Szodza […] Freud euch/ freud euch in dieser zeit/ & c. Geistliche Lieder Die Anfangsstrophe des darin enthaltenen Textes⁴⁹: Freud euch/ freud euch in dieser zeit/ jr werden Christen alle/ Denn jetz in allen landen weit/ Gotts wort her tingt⁵⁰ mit schalle/ Es ist kein man/ ders wehren kan/ das habt jr wol vernommen/ Denn Gottes wort bleibt ewig stan/ den bösen als den fromen (> Dzauketese scheme czese/Jus werneghi Chr ikscza-nis: Nęs placei po wissa ßeme/ Eit skąbedams Diewa ßodis: Nera kurs gal ghi ußdrausti/Tatai galit suprasti/Nes ßodis die wa amßinai bus/Piktemus kaip ir geremus). Der litauische Text ist keine völlig wörtliche Übersetzung des deutschen Liedes; vgl. die drittletzte Strophe (Szmogau/ßmogau weide Diewa/Gerink sawe atmesk dūma/Tikiek ßod zui raschta schwenta/kuriu gausi ischganima/Tawa saßine ir darbus/Ant ijo turek paguld itus/Nęs ßodis Diewa amßinai bus/Keli teisu rodidams mumus < Ach mensch/ ach mensch nu schick dich drein/ las deinen tunckel faren/ Und gleub der schrifft und worten sein/ damit du mögest bewaren/

48 Vgl. S. 221–23. Der Text ist eine Bearbeitung des lateinischen Liedes Corde natus ex parentis (vgl. Koch, a. a. O., I, 285).

49 Vgl. Teil 2, S. 139–46. Zu diesem Text vgl. Koch, a. a. O., I, 306–7.

50Tingt = dringt.

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Dein gwissen und auch all dein thun/ trewlich darauf verlassen/ Denn Gottes wort bleibt ewig stan/ zeigt uns an die weg und strasse). Die Melodie weist viele Ähnlichkeiten mit Geistliche Lieder51 auf, weicht jedoch besonders bei den Noten 39–42 davon ab; auch die achte (ohne Entsprechung im Original) und die siebenundzwanzigste Note (die aufwärts statt abwärts verläuft) unterscheiden sich, und nach der achten Note wurde eine Note der deutschen Vorlage ausgelassen.

Jeib Pons Diews mums nepagelbas/ Kerschient nepretelėms (S. 336–340). Titel im Gesangbuch von Mažvydas: PSALMAS CXXIIII Nisi quia Dominus erat in nobis, dicat nunc Israel. […] Wo Gott der Herr nich bey uns helt/ & c. Geistliche Lieder Die Anfangsstrophe des Textes52: Wo Gott der Herr nicht bey uns helt/ wenn unser feinde toben/ Und er unser sach nicht zu felt/ im himel hoch dort droben/ Wo er Israel schutz nicht ist/ und selber bricht der feinde list/ so ists mit uns verloren (> Jeib Pons Diews mums nepagelbas/Kerschient nepretelėms: Jeib bilas musu nesergas/ Tena ant aukschta dąngaus: Jeib Jsrael neapginas/Jr nepretelu neramdas/Jau butumbim praßuwe). Der litauische Text ist keine völlig wörtliche Übersetzung des deutschen Liedes; besonders deutlich weicht die siebte Strophe ab (Nepretelus wissus ramdai/ Dumas iju wissas ardai/ju rodas wissa tu ßinai/Gink nug iju mus amßinai/Protas prisch tikeghima steng/Tawa ßodzui tiketi węng/Bet tu pats mus linksmsi < Die Feinde sind alle in deiner Hand/ samt all ihren Gedanken/ Ihr Anschlag ist dir wohlbekannt/ hilf nur, dass wir nicht wanken/ Vernunft ficht gegen den Glauben/ auf die Zukunft will sie nicht vertrauen/ da wirst du selbst trösten). Die Melodie stimmt mit Geistliche Lieder überein.

Gedenke, armer Mensch, wie dein Leben ist (S. 154–159). Der Titel in Mažvydas Gesangbuch lautet: Lied über die Ankunft des Sohnes Gottes auf der Welt / nach der Weise „Aue Hierarchia coelestis & pia & c.“ „Menschenkind, merke wohl, was dein Leben sei.“ Geistliche LiederDie53 Anfangsstrophe des eingefügten Textes lautet: Menschenkind, merke wohl, was dein Leben sei! Warum Gott seinen Sohn vom höchsten Thron gesandt und hier auf dieser Erde Mensch werden ließ (>Gedenke, armer Mensch, wie dein Leben ist / Warum Gott seinen Sohn / von oben herab sandte / und den Menschen setzte / auf diese leidvolle Welt).Der litauische Text ist stellenweise eine freie Übersetzung des deutschen, zum Beispiel in der dritten Strophe (Damit durch sein Wort / und durch den Heiligen Geist / unser Herrgott zu uns komme / und bei uns Elenden seine Freude sei / damit in unserem Herzen / die Gnade wohne <Und dass er durch seinen Geist, den er einen Tröster nennt, und durch sein Wort zu deinem Trost und Nutzen zu dir komme, damit er ohne Schmerz in deinem Herzen wohnen möge); durchaus möglich ist, dass der litauische

51 Zu diesem Text vgl. Koch, a. a. O., I, 467; VIII, 117–18. 52 Siehe S. 193–96. Zu diesem Text vgl. Koch, a. a. O., VIII, 117–18. 53 Dieses Lied wurde erst in die fünfte Ausgabe (1553) von Geistliche Lieder aufgenommen. Sein Text wird nach Wackernagel Ph. Das deutsche Kirchenlied von den ältesten Zeit bis zu Anfang des XVII Jhs., Leipzig 1864, III, 232–33 wiedergegeben.

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Die Übersetzung könnte auf anderen Quellen beruhen. Die litauische Melodie stammt aus dem lateinischen Lied Ave Hierarchia coelestis & pia54.

O Diewe kurss dangui essi/ O Jesau ir schwenta Dwasse (S. 567–74).

Titel in Mažvydas Gesangbuch: Litania Nauiey suguldita nūg M. Georgiusa Zablotiusa. […] O Gott Vater im Himelreich & c. Geistliche Lieder Anfangsstrophe des Textes55: O Gott Vatter im hymelreich, Gott Son, Gott heylger geyst zugleich, Du heylige drifaltigkeyt, du einiger Gott in Ewigkeyt, Auff dein zusag wir bitten dich, wölst uns erhören gnediglich (> O Diewe kurs dangui essi/ O Jesau ir schwenta Dwasse/O traice Diewa schwentagi/Wenib[e] Diewa amßinagi/Prascham tawe kaip ßadeiej]schklausai tu mus malonei). Die aus dem Katechismus56 nachgedruckte Liedfassung (unter Auslassung der Strophe Mussu atpent dok kunigiei/Sweikatu ijr kunigaikstei […]) hat nicht den Text der Geistliche Lieder als Vorlage, von dem die litauische Übersetzung (die mehrere Strophen länger ist) an vielen Stellen abweicht. Wie Stang bereits bemerkt hat57, stützte sich der litauische Übersetzer auf eine andere Fassung, die mit dem Text des 1549 in Marburg erschienenen Gesangbuchs übereinstimmt58. Das litauische Lied ist eine recht freie Übersetzung dieser Fassung und weicht besonders in der ersten Strophe sowie an weiteren Stellen deutlich von ihr ab, zum Beispiel in der sechsten Strophe (Tawa Jesau ußgimimu/Gelbek krauia ischleghimu/Saugak kurius tu atpirkai/Sawa smerti ischwadawai/Jr per schwenta prikėlimai/saugak per dangun ßengima < Durch dein geburt, O Jesu Christ, hilff, der du unser mitler bist, Durch dein heylsam und thewres blut, welches uns vergossen ist zugut, Dein aufferstehen von tod so hart und durch dein gewaltig hymelfart); daher ist nicht auszuschließen, dass die litauische Übersetzung nicht unmittelbar auf der genannten Quelle beruhte. Die Melodie unterscheidet sich von der des Liedes O Gott Vater im Himelreich und stimmt mit der Melodie des Liedes Tiewe musu Danguiesis überein.

Nun wollen wir den Leib begraben/ Um ihn wollen wir nicht trauern (S. 412–415).

Titel in Mažvydas Gesangbuch: Graßij giesmie ijr raudinga ant giedoghima pakasanti kuna nūmirusia ßmogaus. Nu last uns den leib begraben. Geistliche Lieder Anfangsstrophe des Textes59: Nu last uns den leib begraben] daran gar kein zweivel haben] Er werd am jüngsten tag auffsstehn] und unuerweslich herfür gehn (>Nu ßmogaus kuna pakaskiem] Ape ghij nesilwartaukiem/Tassai ant suda tur kielti/Jr nesmertelnas tur biti). Der litauische Text ist eine teilweise freie Übersetzung des deutschen Liedes, besonders in der ersten Strophe; Unterschiede zeigen sich auch andernorts, etwa in der siebten Strophe: Nu ijem miegoti perleisk(iem/ Mes isch cžia namusu

54 Zur Melodie vgl. Koch, a. a. O., II, 130.

55 Vgl. Teil 2, S. 91–97. Der Text wurde im niederdeutschen Dialekt verfasst und erst später ins Hochdeutsche übertragen (vgl. Koch, a. a. O., I, 427).

56 Der Katechismustext ist in Gerulis Ausgabe auf S. 54–59 abgedruckt.

57 A. a. O., 43.

58 Jį perspausdino Wackernagel Ph. Das deutsche Kirchenlied von den ältesten Zeit bis zu Anfang des XVII Jhs., Leipzig, 1864, III, 210–12.

59 Vgl. S. 343–45. Der Text wird fälschlich Luther zugeschrieben; verfasst wurde er von Weiße.

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pareikem/ Pilnai mus pagatawykiem/Nęs ateis smertis/budiekem (< Nu lassen wir in hie schlaffen/und gehn all heim unser strassen/Schicken uns auch mit allem vleis/denn der tod kömpt uns gleicher weis. Melodija skiriasi nuo Geistliche Lieder60.

Mit süßer Freude wollen wir nun singen (S. 198–200). Der Titel in Mažvydas Gesangbuch: In dulci iubilo Nu singet und seid fro. Geistliche Lieder Die61 erste Strophe des Textes: Jn dulci Jubilo, nun singet unn seid fro/ Unsers hertzen wonne/ leit in praesepio, Und leuchtet als die sonne/ matris in gremio, Alpha es et o, Alpha es et o (< Mit süßer Freude wollen wir nun singen/ Die Freude unsrer Seele/ Liegt nun in der Krippe/ Leuchtet wie die helle Sonne/ Im Schoß der Mutter/ Mensch und Gott/ Mensch und Gott. Der litauische Text ist keine ganz wörtliche Übersetzung des deutschen Liedes: Besonders in der ersten Strophe weicht er stark davon ab, ebenso in der zweiten (O Jesu, du Gütiger/ Nach dir dürstet der Sünder/ Erquicke nun mein Herz/ Gutes Kindlein/ Gott, voller Liebe, König des Himmels/ Zieh uns zu dir/ Zieh uns zu dir < O Jhesu parvule, nach dir ist mir so weh/ Tröst mir mein gemüte/ o puer optime, Durch alle deine güte/ o princeps gloriae, Trahe me post te, trahe me post te); zwei letzte Strophen wurden hinzugefügt (Süße Freude, heilige Welt/ Verschwindet im Augenblick/ Doch ewige Freude/ Gibst du uns, Sohn Gottes/ Erquicke meine Seele/ Gegenüber dem sündigen Leib/ Sohn Gottes/ Sohn Gottes. Jede Menschenseele/ Sei voller Freude in Ehrfurcht/ Wegen der Geburt/ Unseres Messias/ Der heiligen Dreifaltigkeit sei Ehre/ Und dem einen Gott/ Lob ohne Ende/ Lob ohne Ende). Die Melodie stimmt im Wesentlichen mit derjenigen in Geistliche Lieder überein; Unterschiede bestehen lediglich in der neunten Note (die die zehnte statt der achten wiederholt), in den nach der zweiundvierzigsten und der achtundvierzigsten Note folgenden Intervallen, die statt Sekunden Primschritte sind, und darin, dass das B nach der zwölften Note ausgelassen wurde.

Kyrie/ Gott, Schöpfer der ganzen Welt und Vater/ Eleison (S. 246–248). Der Titel in Mažvydas Gesangbuch: Kyrie Paschale. Geistliche Lieder Der62 Anfang des Textes: Kyrie/ Gott aller welt schöpffer und Vater/ Eleyson (>Kyrie/ Gott, Schöpfer der ganzen Welt und Vater/ Eleison). Der litauische Text ist im Wesentlichen eine wörtliche Übersetzung des deutschen Liedes; hinzugefügt wurden drei Zeilen (Kyrie, Christus ist vom Tode auferstanden/ Eleison ≈ Christe/ sei uns Führer des Lebens, auferstanden vom Tode, Eleison ≈ Kyrie, dein Sohn ist wahrhaftig vom Tode auferstanden/Eleison). Der größte Teil der Melodie stimmt mit Geistliche Lieder überein. Nur geringfügige Abweichungen finden sich in den Zeilen Kyrie … Eleison: In der Anfangsphrase wird die sechste Note nur zweimal (statt dreimal) wiederholt; in der Schlussphrase werden die sechste, achte und neunzehnte Note nicht wiederholt, während an anderer Stelle (nach der zehnten und fünfzehnten Note) anders als im deutschen Gesangbuch die ursprüngliche Note wiederholt wird. Christe …. Eleison weicht stärker ab, vor allem am Schluss, der möglicherweise vom Muster Kyrie …. Eleison beeinflusst ist.

60 Sie stimmt mit der Fassung in Lossius’ Psalmodia (Ausgabe von 1561) überein.

61 Vgl. S. 256–57. Der Text ist ein deutsches Lied aus dem 16. Jahrhundert (siehe Koch, a. a. O., VIII, 16–18).

62 Vgl. S. 266–68.

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Christus stieg zum Himmel auf/ Sandte uns herab/ Seinen Heiligen Geist (S. 305–308). Der Titel in Mažvydas Gesangbuch: GESME APE DANGUN zengima Christ fuhr gen Himel. Geistliche Lieder Die63 erste Strophe des Textes: Christ fuhr gen himel/ Da sand er uns ernieder/ Den tröster den heiligen Geist/ zu trost der armen Christenheit. Kyrioleis (>Christus stieg zum Himmel auf/ Sandte uns herab/ Seinen Heiligen Geist/ Zum Trost der Christen/Kyrieleison). Nur die erste Strophe des litauischen Textes beruht auf dem deutschen Lied; die letzten vier Strophen sind eine Bearbeitung des bereits erwähnten Liedes Christ ist erstanden. Da diese Strophen (von der zweiten bis zur siebten) im Gesangbuch Geistliche Lieder keine Entsprechung haben, lässt sich nicht ausschließen, dass der litauische Text auf anderen Quellen beruht. Die Melodie unterscheidet sich von der des Liedes Christ fuhr gen himel und ähnelt der des Liedes Christ ist erstanden; im Wesentlichen stimmt sie mit der Melodie des bereits besprochenen Liedes Christus esti keles überein.

Als Sonderfälle sind die Lieder Erbarm dich mein o Herre Gott64 (eine Übersetzung von Psalm 51), Christe der du bist tag und liecht65 (eine Übersetzung des lateinischen Liedes Christ qui lux es et dies) und Mein zung erkling unn frölich sing66 (eine Übersetzung des lateinischen Liedes Pange lingua) zu nennen, die Entsprechungen in Mažvydas Gesangbuch haben (in dem die ersten beiden Texte aus dem Katechismus nachgedruckt wurden): Erbarme dich unser, Gott (S. 355–60)67, Christus, du bist der Tag und das Licht (S. 481–83)68 und Erklinge fröhlich, meine Stimme (S. 368–372). Diese litauischen Übersetzungen beruhen nicht auf den deutschen Texten, sondern auf anderen Quellen: Die erste geht auf einen Text Seklucjanas zurück69, die zweite und dritte auf lateinische Originale. Dennoch gibt es bedeutende Ähnlichkeiten mit Geistliche Lieder in musikalischer Hinsicht; tatsächlich stimmt die Melodie des Liedes Erbarme dich unser, Gott vollständig mit derjenigen in Geistliche Lieder überein, während sich die Melodien der beiden anderen Lieder nur geringfügig unterscheiden: In der Melodie von Christus, du bist der Tag und das Licht, die eine Quinte tiefer steht, wurden drei Noten (die dritte, achte und sechzehnte) hinzugefügt, die Sequenz A B nach der zwanzigsten Note und B A nach der vierundzwanzigsten ausgelassen sowie mehrere Intervalle verändert (von Terzen zu Sekunden oder umgekehrt); in der Melodie von Erklinge fröhlich, meine Stimme wurde lediglich die Sequenz G G F in G F G geändert (Noten 29–31) und die sechsundvierzigste Note hinzugefügt.

Drei weitere Werke aus Mažvydas Gesangbuch beruhen auf lateinischen Texten, die aus der Sammlung Geistliche Lieder nachgedruckt wurden; in einem Fall (Puer natus in Bethlehem) ist in diesem Buch neben dem lateinischen Original auch eine deutsche Übersetzung abgedruckt. Darauf

63 Vgl. S. 272.

64 Geistliche Lieder, 198–200.

65 Geistliche Lieder, 260–62.

66 Geistliche Lieder, II, 81–83.

67 Der Text des Katechismus ist auf S. 63–67 abgedruckt.

68 Der Text des Katechismus ist auf S. 77–79 abgedruckt.

69 Vgl. Stang, a. a. O., 36–38.

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Wahrscheinlich wurde sie bei der Übersetzung ins Litauische nicht herangezogen, da es an deutlichen Übereinstimmungen fehlt.

Schi diena est mums linxmibes/ Jog karalus ateia (S. 189–193). Titel im Gesangbuch von Mažvydas: Dies est leticiae Der tag der ist so freuden reich. Der Anfang des lateinischen Textes, der für die litauische Übersetzung verwendet wurde70: Dies est laetitiae In ortu regali, Nam processit hodie De ventre virginali Puer admirabilis, Totus delectabilis in humanitate, Qui inestimabilis Est et ineffabilis In divinitate (>Schi diena est mums linxmibes/ Jog karalus ateia/Schę diena esti uβgimes/Jsch pannas βiwatelia/Bernelis stebuklingassis/ Jr didzei maloningassis/ Sawa βmogisteie/ Tas esti labai schwentas/Brangus irgi pargitas [emendare in pagirtas] Sawa deiwisteie). Bemerkenswert ist, dass die dritte Strophe (Bernelis paschwolwintassis/ Est mumus nu uβgimes) nicht auf dem lateinischen Original, sondern auf seiner deutschen Bearbeitung Der tag der ist so freuden reich beruht, die in den Geistlichen Liedern unmittelbar danach gedruckt ist71. Die Melodie stimmt im Wesentlichen mit der Melodie des deutschen Liedes Der tag der ist so freuden reich überein; lediglich steigen drei Sekundenintervalle (nach dem fünfzehnten, fünfundfünfzigsten und einundsechzigsten Ton) statt abwärts zu verlaufen, und nach dem siebenundfünfzigsten Ton steht ein Sekundenintervall anstelle einer Terz.

Gedok koβnas Chriksčzonis/ Laupsink nu su giesmemis (S. 206–209). Titel im Gesangbuch von Mažvydas: Resonet in laudibus cum iucundis. Der Anfang des lateinischen Textes, der für die litauische Übersetzung verwendet wurde72: Resonet in laudibus Cum iucundis plausibus Sion cum fidelibus; Apparuit quem genuit Maria. Sunt impleta Quae praedixit Gabriel (>Gedok koβnas Chriksčzonis/ Laupsink nu su giesmemis/ Syon ir kiek wernassis/Passirode kuri panna pagimde Jssipilde ką Gabrielas sake). Die Entsprechung beginnt ungefähr bei Ponas Christus saldussis. Die Melodie weist viele Ähnlichkeiten mit den Geistlichen Liedern auf. Da sie eine Terz höher liegt, weicht sie in ihrer Struktur besonders in den ähnlichen Satzmotiven Jssipilde ką Gabrielas sake und Kaip noreia amβinoghi Deiwiste deutlich ab; andernorts ist lediglich ein abweichendes Intervall (eine Terz statt einer Sekunde) nach dem siebten Ton vom Ende des Refrains festzustellen.

Bernelis gime Bethlehem, gime Bethlehem (S. 193–198). Titel im Gesangbuch von Mažvydas: Gesme Sena Ape Uschgimima Jschganitoia musu Pona Jesaus Christaus; dieser Titel wurde wahrscheinlich durch die Geistlichen Lieder (Ein alt geistlich lied/von der geburt unsers Herrn und heilands Jhesu Christi) bedingt. Der Anfang des lateinischen Textes, der für die litauische Übersetzung verwendet wurde73: Puer natus in Bethlehem, in Bethlehem: Unde gaudet Ierusalem, Halleluiah, Halleluiah (> Bernelis gime Bethlehem, gime Bethlehem/Del to dzauges

70 Geistliche Lieder, 248–49.

71 Vgl. S. 249–52.

72 Geistliche Lieder, 252–54

73 Geistliche Lieder, 258–60

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Jerusalem/Halleluiah/Aleluiah). Die Melodie stimmt im Wesentlichen mit der Melodie der Geistlichen Lieder überein; nur die Töne 6–9 weichen ab (möglicherweise aufgrund einer strukturellen Anpassung und des melodischen Verlaufs der durch die Töne 10–16 bezeichneten Tonhöhen?).

Zwölf Gebete aus dem Gesangbuch von Mažvydas entsprechen deutschen Texten in den Geistlichen Liedern, die nur ausnahmsweise nicht für die Übersetzung ins Litauische herangezogen wurden. Diese Gebete wollen wir nun überblicksartig behandeln und dabei kurz die vom Übersetzer verwendeten Quellen und deren Verhältnis zum litauischen Text benennen.

Nu leisk wieschpatie tawa tarna su pakaiumi eiti (S. 227–228). Titel im Gesangbuch von Mažvydas: PIRMA MALDA. Geistliche Lieder Anfang des Textes74: Nu lessestu HERR deinen diener im friede faren. Denn meine augen haben deinen Heiland gesehen. Allmechtiger ewiger Got/ wir bitten dich Hertz lich/ Gib uns/ das wir deinen lieben Son erkennen und preisen (> Nu leisk wieschpatie tawa tarna su pakaiumi eiti/Nės regeia akis mana Jschganitoghi tawa. Melskemosi. Wissagalis amßinassis Diewelpraschom mes tawe isch isczin schirdies musu/Dūk mumus/idant mes taipo tawa miela sunu paßintumbim ir garbintum). Der größte Teil des litauischen Textes ist eine wörtliche Übersetzung; an einer Stelle (kaipo Schwentas Simeonas kunisckai ghi regeiha ir paßina) weicht er von der Vorlage ab (Wie der heilige Simeon jn armen genomen/ und geistlich gesehen und bekand hat), wodurch sich auch die Bedeutung verändert.

Christus ischronitas est delei ghreku musu (S. 228–229). Titel im Gesangbuch von Mažvydas: Antra malda ape muka Christaus. Geistliche Lieder Anfang des Textes75: Christus ist umb unser missethat willen verwundet. Und umb unser sunde willen zuschlagen. Barmhertziger/ ewiger Gott/ der du deines eigen Sones nicht verschonet hast […] (> Christus ischronitas est delei ghreku musu/Jr sutrintas est delei piktenibiu musu. Sussimilstasis/amßinassis Diewe/Kursai tawa tikrojiha ir viengimusia Sunaus neczedieß essi […]). Ins Litauische ist wörtlich übersetzt.

Koznis gul ant io/ idant mes pakaiu turetumbim (S. 229–230). Titel im Gesangbuch von Mažvydas: Trecza malda. Geistliche Lieder Anfang des Textes76: Die straff ligt auff jm/ auff das wir fried hetten. Und durch seine wunden sind wir geheilet. Allmechtiger Vater ewiger Gott/ der du für uns hast deinen Son/ des creutzes pein lassen leiden […] (> Koznis gul ant io/ idant mes pakaiu turetumbim/Jr ronomis io mes ischgiditi esme. Melskimose. Wissagalis Tewe/amßinassis Diewe/kursai tawa Sunui/Krißaus kancze dawes essi usch mus kenteti […]). Der litauische Text ist eine wörtliche Übersetzung.

74 Vgl. S. 38–39.

75 Vgl. S. 41.

76 Vgl. S. 42.

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Christus isch nūmirusu keles iau netur numirti (S. 267–268). Titel im Mažvydas-Liederbuch: MALDA. Geistliche Lieder Text77 Anfang: Christus von den toden erwecket/ stirbt hinfurt nimer/ Haleluia. Der tod wird hinfurt uber in nicht herrschen/ Haleluia. Allmechtiger Gott/ der du durch den tod deines Sons/ die sund und tod zu nicht gemacht/ unn durch sein aufferstehen unschuld unn ewiges leben widerbracht hast (> Christus isch nūmirusu keles iau netur numirti: Halleluia. Smertis ant ijo daugesni netur panowati: Halleluia. Wissagalis Diewe/kursai per Smerti tawa Sunaus/ghreka ir Smerti ing nieka pawertei/ bei per ijo prikelima/nekaltibe ir amßina ßiwata atpentz mumus sugrafbinai). Der litauische Text ist eine wörtliche Übersetzung.

Uschzengdamş Christus ant auksta/ Halleluia (S. 297–298). Titel im Mažvydas-Liederbuch: Versiculus […] MALDA. Geistliche Lieder Text78 Anfang: Christus ist auffgefahren in die höhe/ Haleluia. Und hat das Gefengnis gefangen/ Haleluia. Allmechtiger HERRE Gott/ verleihe uns/ die wir glauben […] (> Uschzengdamş Christus ant auksta/ Halleluia. Pagau dita nūwede pagaudima/ Hall.. MALDA Wissagalis Pone Diewe/dük mumus/kurie tikim […]). Der litauische Text ist eine wörtliche Übersetzung.

Wie oft ihr von diesem Brot esset/ und aus diesem Kelch trinket (S. 380). Titel im Mažvydas-Liederbuch: MALDA. Geistliche Lieder Text79 Anfang: So off jr von diesem Brod esset/ und von diesem Kelch trincket. Solt jr des HERRN tod verkündigen/ bis er komet. Ah du lieber Herr Gott/ der du unns bey diesem wunderbarlichen Sacrament deines leidens zu gedencken/ und predigen befohlen hast (> Kaip tankei dūna tą walgisit/ ir isch to kylika gersit: Halleluia. Smerti Pona atminsit ikkolei ghissai ateis: Halleluia. Ach tu mielausesis Pone Diewe/kursai mums prieg tos stebuklingas Swietastis tawa muka atminti ir scholwingai ischskelbti presakes essi). Ins Litauische wörtlich übersetzt.

Lasst uns beten: O allmächtiger Gott, der du unser Beschützer bist (S. 490–491). Titel im Mažvydas-Liederbuch: Collecta. Geistliche Lieder Text80 Anfang: Almechtiger Gott/ Der du bist ein beschützer aller die auff dich hoffen/ on welches gnad niemand [n]ichts vermag/ noch etwas für dir gilt/ Lasse deine barmhertzigkeit uns reichlich widerfaren (> Lasst uns beten: O allmächtiger Gott, der du der Beschützer aller bist, die auf dich vertrauen, ohne dessen Gnade niemand aus eigener Kraft etwas vermag und vor dem nichts gilt). Der litauische Text ist eine wörtliche Übersetzung, mit Ausnahme des Schlusses, der sich auf das lateinische Original stützt: qui tecum vivit et regnat in unitate spiritus sancti deus. Per omnia saecula saeculorum.

77 Vgl. S. 48–49.

78 Vgl. S. 51.

79 Vgl. S. 103.

80 Vgl. S. 154–55.

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Das Wort ist Fleisch geworden, Halleluia (S. 212). Der Titel in Mažvydas Gesangbuch lautet: GEBET, Gebet. Geistliche LiederDer81 Anfang des Textes lautet: Das Wort ward Fleisch, Halleluia. Und wohnte unter uns, Halleluia. Hilf, lieber Herrgott, dass wir der neuen leiblichen Geburt deines lieben Sohnes teilhaftig werden und bleiben (>Das Wort ist Fleisch geworden, Halleluia. Und wohnt unter uns, Halleluia. Gib uns, lieber Herr, Gott, dass wir an der neuen Geburt nach dem Fleisch, deines lieben Sohnes, unseres Herrn Jesus Christus, teilhaben mögen).Der litauische Text ist eine nahezu wörtliche Übersetzung; der Schluss stützt sich auf das lateinische Original: qui tecum vivit et regnat in unitate spiritus sancti deus. Per omnia saecula saeculorum.

Wer unwürdig von diesem Brot isst oder aus dem Kelch des Herrn trinkt (S. 380–381). Der Titel in Mažvydas Gesangbuch lautet: ZWEITES GEBET. Geistliche LiederDer82 Anfang des Textes lautet: Wer unwürdig von diesem Brot isst oder aus dem Kelch des HERRN trinkt, der ist schuldig am Leib und Blut des HERRN. Wir danken dir, allmächtiger HERR Gott, dass du uns durch diese heilsame Gabe erquickt hast (>Wer unwürdig dieses Brot isst oder aus dem Kelch des Herrn trinkt. Der ist schuldig am Leib und Blut des Herrn. Wir danken dir, allmächtiger Herr, Gott, dass du uns durch diese heilsame Gabe […] gestärkt hast).Im litauischen Text, dessen größter Teil wörtlich übersetzt ist, haben zwei Sequenzen (dein heiliger Leib und dein kostbares Blut, und der du mit dir in der Einheit des Heiligen Geistes lebst und herrschst: in Ewigkeit) keine Entsprechung in der deutschen Vorlage; die zweite beruht auf dem lateinischen Vorbild: qui tecum vivit et regnat in unitate spiritus sancti deus. Per omnia saecula saeculorum.

Wir haben mit unseren Vätern gesündigt (S. 562). Der Titel in Mažvydas Gesangbuch lautet: Anderes Gebet. Geistliche LiederDer83 Anfang des Textes lautet: Wir haben mit unseren Vätern gesündigt. Wir haben Unrecht getan und gottlos gehandelt. Herrgott, himmlischer Vater, der du keine Freude am Tod des armen Sünders hast, ihn auch nicht gern verderben lässt, sondern willst, dass er sich bekehrt und lebt (>Wir haben mit unseren Vätern gesündigt: Unrecht taten wir und Böses verübten wir. Gott, der du gnädig bist, lass uns nicht zugrunde gehen, sondern uns bekehren und leben).Der litauische Text weicht nach den ersten beiden Zeilen teilweise von der deutschen Vorlage ab, ebenso in der Wendung uns deine Barmherzigkeit aus unseren Sünden gnädig gewähren<deine Barmherzigkeit milde verleihen.

Gott, gib Frieden auf deiner Erde (S. 392–393). Der Titel in Mažvydas’ Gesangbuch lautet: Erste Bitte. Geistliche Lieder; der Anfang des84 Textes lautet: Gott gib fried in deinem lande. […] HERR Gott himlicher Vater/ der du heiligen mut/ guten

81Vgl. S. 32.

82Vgl. S. 104.

83Vgl. S. 169–70.

84Vgl. S. 130.

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rat/ und rechte wercke schaffest (> Gott, gib ihnen Glück auf deiner Erde. Segne und heile dein Volk. Wir bitten dich: Herr Gott im Himmel, von dem heilige Wünsche, gute Ratschlüsse und rechte Werke kommen). Doch die Wendung nūgi kurio schwenti humai/ir gjieidimai/gjeri dumogh imai/ir teisus esti darbai steht dem lateinischen Original näher (a quo sancta desideria, recta consilia et iusta sunt opera). Der litauische Text, dessen zweite Zeile keine Entsprechung in Geistliche Lieder hat, ist teilweise eine freie Übersetzung des deutschen Textes; davon weicht er besonders in der Sequenz ab Ir mussu dienosu per tawa apginima ir apsaugoghima nūgi neprieteliju pakau/ir meileje tawa gywentumbim (< Auff das unser hertze an deinen geboten hange/ und wir unser zeit/ durch deinen schutz/ stille und sicher für feinden leben). Möglich ist, dass der litauische Text auf anderen (vom lateinischen Original abweichenden) Quellen beruht.

Atsiusnk Dwasse tawa ir bus sutwert/ Halleluia (S. 310–311). Der Titel in Mažvydas’ Gesangbuch: Malda aus Ps. 103. Geistliche Lieder Der Anfang des Textes85 (die Verse aus Psalm 103 fehlen): Herr Gott lieber Vater/ der du (an diesem tage) deiner gläubigen hertzen/ durch deinen heiligen Geist erleuchtet und geleret hast (> Wir beten: O Gott, der du die Herzen der Gläubigen durch die Erleuchtung des Heiligen Geistes gelehrt hast). Der litauische Text beruht stärker auf dem lateinischen Original (Deus qui hodierna dei corda fidelium sancti spiritus illustratione docuisti: da nobis in eodem spiritu recta sapere: et de eius semper consolatione gaudere) als auf der deutschen Übersetzung.

Die beiden anderen Gebete in Mažvydas’ Gesangbuch beruhen auf den in Geistliche Lieder abgedruckten lateinischen Texten.

Wieschpatie nekorok mus pagalei musu ghrieku (S. 560–562). Der Titel in Mažvydas’ Gesangbuch: Malda paskui Litanias. Der Anfang des verwendeten lateinischen Textes86: Domine non secundum peccata nostra facias nobis. Neque secundum iniquitates nostras retribuas nobis. Deus misericors Pater, qui contritorum non despicis gemitum et moerentium non spernis affectum, Adesto precibus nostris (> Herr, strafe uns nicht nach unseren Sünden. Vergilt uns auch nicht nach unseren Missetaten. Barmherziger Gott, Vater, der du das Seufzen der Zerknirschten nicht verachtest und die Regung der Trauernden nicht verschmähst, erhöre unsere Gebete).

Pagelbek mus Diewe ischganitoghi musu (S. 574–575). Der Titel in Mažvydas’ Gesangbuch: Malda. Der Anfang des verwendeten lateinischen Textes87: Adiuva nos Deus salutaris noster. Et propter gloriam nominis tui libera nos, et propitius esto peccatis nostris, propter nomen tuum. Omnipotens aeterne Deus, cuius spiritu totum corpus Ecclesiae sanctificatur et regitur, Exaudi nos pro universis ordinibus supplicantes (> Hilf uns, Gott, unser Retter: Und um der Ehre deines Namens willen befreie uns

85 Vgl. S. 60.

86 Geistliche Lieder, 183–84.

87 Geistliche Lieder, 184.

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deine Gnade und Barmherzigkeit, sei uns gnädig um deines Namens willen. Allmächtiger ewiger Gott, dessen Geist die Heiligung und Leitung aller Kirchen ist: Erhöre uns, die wir dich in all unseren Anliegen anrufen).

Litania Letuwischka (S. 552–560), die mit der Sequenz Kyrieeleison Christeeleison Kyrieeleison beginnt, ist ebenfalls aus dem Lateinischen übersetzt: Als Vorlage diente vor allem die in der Sammlung Geistliche Lieder veröffentlichte Latina litania correcta88, die auf der Litanei der katholischen Kirche beruht (Beginn: Kyrie eleison. Christe eleison. Kyrie eleison. Christe audi nos. Pater de coelis Deus. Miserere nobis. Fili redemptor mundi Deus. Miserere nobis. Spiritus sancte Deus. Miserere nobis). Der größte Teil der Wendungen ist eine wörtliche Übersetzung aus Latina litania correcta; dennoch gibt es Unterschiede, zum Beispiel: Nūg nogloses smertis (< A subitanea et improvisa morte), Nūg karaughima ir praleghima krauju (< A bello et caede; vgl. die deutsche Übersetzung89 Für krieg und blut), Per diwna ir schwenta priemima βmogistes tawa (< Per mysterium sanctae incarnationis tuae), Jdant gundintusius palinxmintumbi (< Ut pusillanimos et tentatos consolari et adiuvare digneris), Jdant musu βemes wieschpati/su ijo urednikais redittumbi ir apgintumbi (< Ut principem nostrum cum suis praesidibus, dirigere, et custodire digneris; hier ist der Einfluss der deutschen Übersetzung Unsern landherren mit allen seinen gewaltigen leiten und schüitzen deutlich erkennbar), Jdant musu neprietelims griekus atleistumbi ir tawesp priewerstumbi (< Ut hostibus, persecutoribus et calumniatoribus nostris ignoscere, et eos convertere digneris), Jdant mus malonei per tawa sunu Jesu Christu ischklausitumbi (< Ut nos exaudire digneris; vgl. die deutsche Übersetzung Und uns gnediglich erhören); auf der letzten Seite wird nach dem Satz Awineli Diewa kursai neschi ghrekus sweta antro unerwartet nicht die Wiederholung von Sussimilk ant musu (< lat. Dona nobis pacem) erwartet. Abschließend ist darauf hinzuweisen, dass die Folge mehrerer Sätze im Text von Latina litania correcta keine Entsprechung hat: Jdant mus nūg wissa pikta gelbetumbi. Praschom tawe ischklausik mus. Jdant ora sweika ir gera dūtumbi. Praschom tawe ischklausik mus. Jdant malonu litu dūtumbi. Praschom tawe ischklausik mus. Jdant malone gedra dūtumbi. Praschom tawe ischklausik mus.

SCHLUSSFOLGERUNGEN

Auf der Grundlage der vorgelegten Analyse ließen sich einige Richtungen für künftige Untersuchungen vorschlagen.

88 Vgl. S. 171–83.

89 Vgl. Geistliche Lieder, 158–65.

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Eine davon könnte sich auf jene (recht zahlreichen) litauischen Sätze stützen, die unmittelbar aus dem Deutschen übersetzt wurden, ohne andere Quellen heranzuziehen: Bei den meisten dieser Sätze (insbesondere in den Gebeten) blieb die syntaktische und semantische Struktur der deutschen Vorlage unverändert oder wurde nur geringfügig verändert; in anderen Fällen (insbesondere in den Liedern) wurde sie stärker verändert, jedoch nicht so sehr, dass sie nicht mehr zu erkennen wäre. Eine beträchtliche Zahl der Unterschiede dieser letzteren Art – vor allem jene, die mit lexikalischen Änderungen sowie dem Weglassen oder Hinzufügen einzelner syntaktischer Einheiten zusammenhängen – dürfte eher durch metrische und musikalische Anforderungen als durch Unterschiede im Aufbau der litauischen und deutschen Sprachsysteme bedingt sein; das wird an solchen bereits zitierten Sätzen deutlich:

Nūg ghreku mus atwadawa < Und hat die sunde abgethan; Keles isch grabba < Jst auferstanden; Ghi wissiems isch meiles dawei/ Sussimiles mums didei < Den hastu allen für gestellt mit grossen gnaden/ Smertis man miegu saldu stoiha < der tod ist mein schlaff worden Schwents ßodis gerai waisoße < dein wort ist wol geraten; Kurę Dwasse schwentia pawaise < der aus dem geist erzeuget ward; Mums atliks karalista dangaus < das Reich mus uns doch bleiben; Stiprink wiera musu duschas < sterck unsern glauben imerdar; Widui smertis nu mums kerschiy/Pekla karschtu ugnimi < Mitten in dem tod anficht uns der hellen rachen; Dangaus dzauksma atwere < den himel auffgeschlossen; Peneia ghi panna pienelu < Es ward ein kleine milch sein speis; Schwentasis kraus tawa mus ischgane < das dein blut an uns gros wunder that; Ponas Jesus Sunus Diewa: musu wieton ateija < Jhesus Christus Gottes Son/ an unser stat ist komen; Perßegnok mus Diewe Tiewe/Sunau ir schwenta Dwasse < Uns segen Vater und der Son/ uns segen Gott der heilig Geist; moters negeiski artima < das auch dein hertz kein andre mein; Diewa narsa nesche < trug für uns Gotts zorn; Smerti/Czarta sutrine < Den tod fur uns zu brochen; Malonei tai kurs netiki < Wer nicht glaubt dieser grossen gnad; isch wenkti ßabagu welna/Per apginima Diewa < entfliehen Teuffels listen/ mit waffen Gotts uns fristen/ Todel asch nu linxmas busiu/Wainai pleschedams gedosiu < Dauon ich allzeit frölich sey/ zu springen, singen imer frey; Mokin ghie neteisos zdrodas/Jsch pik toses būk listas < Sie leren eitel falsche list/ was eigen witz erfindet; Jr staliep tawa waikele: Kaip aliwas sczepelei < Und dein kinder umb deinen tisch/ wie öl pflantzen gesund und frisch;

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Dem Vater Christi Ehre gebend < so lobn wir den Vater Jhesu Christ.

Die zitierten Beispiele lassen darauf schließen, dass eine solche von künstlerischen Bestrebungen geleitete Übersetzung nicht völlig mechanisch sein konnte: Ihr Phänomen lässt sich erst erfassen, wenn man sich mit Fragen des ästhetischen und musikalischen Geschmacks auseinandersetzt; dies ist eine komplexe Angelegenheit, da sie schwer zugängliche subjektive Elemente umfasst.

Auch ein so kompliziertes Phänomen wie die Wortstellung lässt sich nicht erklären, wenn man sich auf linguistische Überlegungen beschränkt, zumal die Wortstellung im älteren Litauisch recht frei gewesen sein muss. In allen Fällen, in denen die Wortstellung der deutschen Vorlage in der Übersetzung verändert wurde, ist nicht auszuschließen, dass die Entscheidung des Übersetzers zumindest teilweise von unterschiedlichen künstlerischen Bestrebungen beeinflusst war. In solchen Fällen ist es tatsächlich schwierig, eine genaue Grenze zwischen künstlerischen Bestrebungen und sprachlichen Regeln zu bestimmen, da jene Bestrebungen mit dem freien kreativen Prozess einer Persönlichkeit zusammenhängen. Nur systematische Untersuchungen der gesamten litauischen Schrifttradition könnten besser begründete Hypothesen ermöglichen, auch wenn endgültige Schlussfolgerungen niemals möglich sein werden.

Beim Vergleich der litauischen und deutschen Sprachsysteme lassen sich nur einfache, offenkundig mechanische Unterschiede mühelos erklären, etwa dt. Artikel > lit. ø, dt. werden + Infinitiv > lit. Futur, dt. Hilfsverb + Partizip > lit. Vergangenheit, dt. in + Dativ > lit. Lokativ, dt. in + Akkusativ > lit. Instrumental.

Was über direkte Übersetzungen aus dem Deutschen gesagt wurde, gilt grundsätzlich auch für die weit selteneren aus dem Lateinischen übersetzten Wendungen; in diesen Fällen spielen mechanische Vorgänge jedoch eine geringere Rolle, weil das Litauische typologisch dem Lateinischen ähnlicher ist als dem Deutschen. Aus demselben Grund sind mechanische Vorgänge auch bei den wenigen aus dem Polnischen übersetzten Sätzen weniger bedeutsam, ebenso wie in den seltenen Fällen, in denen sowohl lateinische als auch polnische Texte als Hauptquellen der Übersetzung dienten.

Eine eigene (wesentlich kleinere) Gruppe bilden Sätze, für die es in den Quellen keine Entsprechung gibt, sowie jene seltenen Wendungen, deren Quellenstruktur so stark verändert wurde, dass sie nicht mehr zu erkennen ist. Erstere sind als eigenständige Werke anzusehen. Es ist begründet anzunehmen, dass in diesen Fällen originalen Schaffens die syntaktische und semantische Struktur der Sätze im Wesentlichen die Gesetzmäßigkeiten der litauischen Sprache widerspiegelt. Eine solche Einschätzung wäre jedoch allzu einfach und einseitig, insbesondere wenn man bedenkt, dass zu jener Zeit (als sich die Traditionen und Normen der litauischen Schriftsprache erst herausbildeten und es noch keine Grammatiken oder Stilhandbücher des Litauischen gab) die Entscheidung des Übersetzers nur teilweise durch die noch nicht gefestigten Regeln der gesprochenen litauischen Sprache beeinflusst worden sein konnte: Da er ältere schriftsprachliche Traditionen besitzende, „prestigeträchtigere“ Sprachen (vor allem Latein) gut beherrschte, konnten deren syntaktische Regeln auch auf seine Muttersprache einwirken. Hier sei daran erinnert, dass der Übersetzer, wie alle Intellektuellen der Renaissance, lange Latein lernen und sich mit seiner Syntax und Stilistik vertraut machen musste, um es frei als wichtigste Wissenschaftssprache verwenden zu können.

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Sprache. Daher lässt sich letztlich nicht beweisen, ob die vom Übersetzer ursprünglich gewählten Sätze die Normen der damaligen gesprochenen litauischen Sprache widerspiegeln oder durch das System anderer Sprachen (z. B. des Lateinischen und Deutschen) bedingt sind. Die Frage wird noch komplexer, wenn man die Unterschiede in den künstlerischen Bestrebungen des Übersetzers berücksichtigt.

Diese Gruppe könnte künftig noch kleiner werden, falls neue Übersetzungsquellen (deutsche, lateinische oder polnische) gefunden würden und sich herausstellte, dass litauische Sätze, für die bislang nur die genaueste oder überhaupt keine Entsprechung in anderen Sprachen bekannt ist, auf bisher unbekannte Quellen zurückgehen. Diese Gruppe ist lediglich ein Ausgangspunkt, der zeigt, wonach vor allem gesucht werden muss.

Bei der Erörterung des musikalischen Teils (der Lieder, die mit einer Melodie überliefert sind) lässt sich die einfachste Gruppe von Melodien unproblematischer Herkunft unterscheiden: Dazu gehören Fälle, in denen die Modelle aus Geistliche Lieder im Gesangbuch Mažvydas ohne jegliche Veränderungen der Melodie wiedergegeben sind. Dazu könnten auch jene seltenen Melodien gehören, deren zufällige Abweichungen von den Modellen aus Geistliche Lieder als Druckfehler angesehen werden können.

Unter den übrigen Melodien sind gesondert diejenigen zu untersuchen, die mit den Modellen aus Geistliche Lieder nahezu übereinstimmen oder bedeutende Ähnlichkeiten aufweisen; vgl. die Melodien der Lieder Jesus Christus sunus Diewa, Su pakaiu dzauksmu eimi, Widui gerausa ßiwata, Schwenta Dwasse mū̄sump ateik, Pagirtas buk Jesu Christe, Dūk mums pakaiuju malonei. Lassen sich die Abweichungen im litauischen Gesangbuch als bewusste Entfernung von den Melodien aus Geistliche Lieder auffassen und lässt sich damit den Autoren des Gesangbuchs Mažvydas musikalische Kreativität zuschreiben (vergleichbar der sprachlichen, die angesichts der bereits angeführten Fakten unzweifelhaft ist)? Oder sollte man annehmen, dass diese Melodien im Gesangbuch Mažvydas unverändert aus anderen Quellen übernommen wurden, vielleicht aus solchen, die mit Geistliche Lieder zusammenhängen (z. B. aus Veröffentlichungen polnischer Evangelischer)90? Selbstverständlich wird letztere Annahme keine empirische Grundlage haben, solange jene anderen möglichen Quellen nicht gefunden sind.

Die Suche nach anderen Quellen ist besonders wichtig in Fällen, in denen die Melodien nicht einmal als Bearbeitungen der Modelle aus Geistliche Lieder gelten können, weil sie sich wesentlich oder vollständig von diesen entfernen: Wie unsere vorgelegten Daten zeigen, sind solch deutliche Unterschiede gewöhnlich kein Hinweis auf Originalität, sondern dadurch zu erklären, dass die Mitarbeiter am Gesangbuch Mažvydas andere Melodien aus jener Zeit verwendeten.

Es liegt auf der Hand, dass eine neue Ausgabe des Gesangbuchs Mažvydas äußerst hilfreich wäre, um die Entstehung der in diesem Artikel untersuchten Texte und die Gründe für die Wahl bestimmter sprachlicher Mittel besser zu erforschen; darin müsste neben dem litauischen

90 In dieser Hinsicht vgl. Pociūtė, a. a. O., 15–16.

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Text (bei Liedern auch mit Melodie) die Entsprechungen aus Geistliche Lieder und andere mögliche Quellen der litauischen Übersetzung enthalten sein. Eine solche Ausgabe böte nicht nur eine solide Grundlage für neue, vielfältige Untersuchungen sprachlicher Erscheinungen, sondern würde auch eine mühelose Feststellung ermöglichen, welche Fragen zur Entstehung dieser wichtigen litauischen Sammlung noch ungelöst sind.

Eingegangen am 18.02.1998

DIE GESMES CHRIKSCZONISKAS VON MAŽVYDAS UND DIE GEISTLICHE LIEDER

Zusammenfassung

Im Aufsatz werden die Beziehungen der Gesmes Chriksczoniskas aus den Jahren 1566–70 zu den lutherischen Geistlichen Liedern erforscht, die als Quelle dieses altlitauischen Gesangsbuches eine sehr wichtige Rolle gespielt haben: 40% seiner Texte haben eine Entsprechung in den Geistlichen Liedern.

Auf Grund eines Textvergleiches lässt sich feststellen, dass in den meisten Fällen die Texte der Geistlichen Lieder als Hauptquelle für die Vorbereitung der litauischen Fassung wahrscheinlich benutzt worden sind. Mehrmals wird diese Annahme dadurch bestätigt, dass auch die zusammen mit den Texten gedruckten Melodien übereinstimmen.

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