SPEKTRALE CHARAKTERISTIK DER NASALEN SONANTEN DES SUBDIALEKTS VON PRIENAI
Die spektralen Eigenschaften der Nasale im Subdialekt von Prienai
Z U S A M M E N F A S S U N G
Auf der Grundlage von Daten einer instrumentellen Untersuchung analysiert der Artikel die akustischen Unterscheidungsmerkmale der Nasalsonanten des Prienai-Subdialekts der östlichen Kaunasser. Bei der Beschreibung der spektralen Eigenschaften der untersuchten Laute werden die Formantwerte und die Energieverteilung der Konsonanten berücksichtigt (die qualitativen Merkmale der Nasalsonanten werden durch Formanten bestimmt, die jedoch weniger ausgeprägt sind als bei Vokalen; außerdem ist die Zahl der Formanten im Spektrum nasaler Laute häufig deutlich größer, da bei ihrer Artikulation zusätzlich der Nasenresonator beteiligt ist) sowie die Qualität der benachbarten Vokale, ihre Formantwerte (insbesondere F2), Verläufe und Struktur. Bei der Differenzierung der Spektraleigenschaften von [m], [m̂], [n], [n̂] und der nasalen velaren Allophone werden auch die Werte der in ihrem Spektrum entstehenden Antiformanten betrachtet.
Z U S A M M E N F A S S U N G
Die wichtigsten akustischen Unterscheidungsmerkmale der Nasale im ostkaunassischen Subdialekt von Prienai wurden in der im vorliegenden Artikel beschriebenen experimentellen Untersuchung erforscht. Die gewonnenen Daten legen nahe, dass sich die Nasale von den übrigen Lauten des Subdialekts von Prienai anhand ihrer Formantstruktur unterscheiden (wie Vokale lassen sie sich weitgehend durch ihre Formantfrequenzen charakterisieren; anders als bei Vokalen sind die Formanten jedoch weniger laut. Außerdem werden Nasale gebildet, indem der Austritt des Schalls durch den Mund blockiert wird, während er durch die Nase entweichen kann, was die relative Amplitude der Formanten beeinflusst) sowie anhand der Übergänge zwischen ihnen und dem umgebenden Vokal. Da während des Nasalgeräuschs eine der wichtigsten Unterscheidungen zwischen Nasalen durch die orale Antiresonanz entsteht, werden die nasalen Sonanten [m], [m̂], [n], [n̂] ebenso wie die nasalen velaren Allophone durch die Frequenzwerte der oralen Nullstelle charakterisiert.
S C H L Ü S S E L W Ö R T E R: Nasalsonanten, Formant, Antiformant, spektrale Charakteristik, akustische Eigenschaften.
S C H L Ü S S E L W Ö R T E R: Nasale, Formant, orale Nullstelle, spektrale Eigenschaften, akustische Merkmale.
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0. EINLEITUNG
Die spektralen Eigenschaften der Nasensonanten des Prienai-Dialekts wurden in allgemeinen Zügen bei der instrumentellen Untersuchung des Lautsystems des Prienai-Dialekts beschrieben (Jaroslavienė 2010: 264–267)1. Eine eingehendere Analyse der akustischen Unterscheidungsmerkmale wurde jedoch bislang nicht vorgelegt; weder der Übergang des zweiten Formanten in Vokal-Konsonant-Sequenzen (C→V) noch die Lage und Bedeutung der im Spektrum entstehenden Antiformanten wurden gemessen. Dies gab Anlass zu einer zusätzlichen Untersuchung der Nasensonanten des untersuchten Dialekts; ihre Ergebnisse werden in diesem Artikel beschrieben.
0.1. Ziel des Artikels
Nasensonanten (wie auch andere stimmhafte Konsonanten) weisen Vokaleigenschaften auf: Bei ihrer Artikulation überwiegt der Grundton (deshalb haben stimmhafte Konsonanten meist eine deutliche Formantstruktur); ihre qualitativen Merkmale werden, ebenso wie bei Vokalen, durch die Formanten bestimmt (insbesondere die ersten beiden – F1, F2), wobei diese bei Sonanten weniger deutlich ausgeprägt sind als bei Vokalen (vgl. Girdenis 2003: 221 und dort angeführte Literatur; 224; Ladefoged, Maddieson 2002: 102–136, 182–245; Ladefoged 2005: 49–62, 84 u. a.). Außerdem ist die Zahl der Formanten im Spektrum nasaler Laute aufgrund des Einflusses eines zusätzlichen (nasalen) Resonators häufig größer (siehe Bacevičiūtė 2008: 10; Butkauskaitė 2010: 6, 8; Grigorjevs 2012: 267–272 und dort angeführte Literatur). Bei der Analyse der akustischen Eigenschaften der relevanten Segmente werden auch die Formantstruktur und -dynamik benachbarter Vokale berücksichtigt2, denn, wie angenommen wird,
1 Der Konsonantismus der litauischen Dialekte ist instrumentell bislang nur wenig erforscht. Abgesehen von den Konsonanten des Prienai-Dialekts (2010: 238–267; 2010a: 307–324) wurden die spektralen (und auditiven) Eigenschaften der Konsonanten sowie der regressive Einfluss der Konsonantenpalatalisierung auf das Vokalspektrum nur für den nordžemaitischen Dialekt recht eingehend und systematisch beschrieben (ausführlicher siehe Girdenis 1967; 2000: 69–78; 258–267; Kliukienė 1992; 1994: 43–52; 1995: 58–68; 1998: 79–85; 2011 u. a.). Andere instrumentelle Arbeiten widmen sich vor allem einzelnen Fällen des Konsonantismus der litauischen Standardsprache: So beschrieb Rytis Ambrazevičius (2010: 5–10) mithilfe der Lokus-Messmethode (engl. loci) die differentiellen akustischen Merkmale palatalisierter und nicht palatalisierter prävokalischer Sonanten des Litauischen. Es wurde festgestellt, dass die wichtigsten Merkmale zur Unterscheidung palatalisierter und nicht palatalisierter Sonanten die F2-Loci sind. Der Forscher legt außerdem Messergebnisse der F2- und F3-Loci der untersuchten Konsonanten vor und erörtert den Einfluss des Artikulationsorts und der regressiven Koartikulation auf die Loci (vgl. auch Bacevičiūtė 2008: 7–19; Dereškevičiūtė 2008: 15–19; Dereškevičiūtė, Kazlauskienė 2009: 98–111; Ambrazevičius 2012a: 13–18 u. a.).
2 Bei der Artikulation von Lauten des Typs [m], [n] wird im Mund ein sogenannter Verschluss gebildet; der Luftstrom entweicht jedoch ungehindert durch die Nase, und genau diese nasale Resonanz bedingt bestimmte spektrale Merkmale benachbarter Laute (zur experimentellen Untersuchung der Dauer- und Qualitätseigenschaften einiger nasalierter Vokale der litauischen Standardsprache siehe Ledichova 2012: 76–85; vgl. auch Dereškevičiūtė 2008: 15–19). Bei der Artikulation von Plosivkonsonanten wird beispielsweise ebenfalls für eine gewisse Zeit ein sogenanntes vollständiges Hindernis (ein Verschluss) im Mund gebildet; die Luft entweicht mit einem Explosionsgeräusch durch die plötzlich geöffneten Sprechorgane. Daher lässt sich die Qualität von Plosivkonsonanten genauer anhand des Beginns oder Endes der Formanten benachbarter Vokale erkennen: Die einen Konsonanten lenken sie in die eine, die anderen in eine andere Richtung (ausführlicher siehe Girdenis 2003: 224; 1967; Ladefoged 2005: 50; Jaroslavienė 2010:
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Nasale Konsonanten lassen sich nur anhand bestimmter Merkmale im Spektrum benachbarter Vokale gut unterscheiden (siehe Girdenis 2003: 224 und dort angeführte Literatur; Kliukienė 1992: 78 und dort angeführte Literatur; 1998: 80; vgl. auch Bacevičiūtė 2008: 7–19; Jaroslavienė 2010: 261–262; Grigorjevs 2012: 75–80). Bei der Unterscheidung eines Nasensonanten von einem anderen ist jedoch – wie auch die neuesten experimentellen Untersuchungen zu Sonanten bestätigen – ebenfalls wichtig, die Werte der Antiformanten zu messen, die sich im Spektrum der untersuchten Konsonanten bilden (vgl. Grigorjevs 2012: 275–280; 288–290; 2012a: 22–23; Butkauskaitė 2010: 6 und dort angeführte Literatur; siehe auch Ladefoged, Maddieson 2002: 117–118)3.
Ziel dieses Artikels ist es, auf der Grundlage instrumenteller Untersuchungsdaten die wichtigsten spektralen Eigenschaften der unbetonten Nasensonanten des Prienai-Dialekts zu analysieren und zu beschreiben sowie festzustellen, welche akustischen Merkmale die untersuchten Laute voneinander unterscheiden.
0.2. Untersuchungsmaterial und Methodik
Für die Spektralanalyse der Allophone der Konsonantenphoneme /m/, /m̃/, /n/, /ñ/ wurden folgende in der untersuchten Mundart gebräuchliche Wörter ausgewählt: mã.ma. ~ m̃ãma, m̃ã.na. ~ mãna, nã.ma. ~ nãma, nã.ta. ~ nãta, mã.da. ~ mãda, mã.ta. ~ Mãta, dã.ma. ~ dãma, dã.na. ~ dãna, ñĩ.ko. ~ ñýko, mĩ.ñe. ~ mýñe, pĩ.ñe. ~ pýñe, mẽ.ne. ~ mẽñe, mẽ.te. ~ mẽtę, nẽ.še. ~ nẽšę, mã.-na. ~ mẽna, pã.na. ~ pẽna, mó.ko. ~ móko, nó.ko. ~ nóko usw. Bei der Analyse der spektralen Eigenschaften wurden auch die Formantstruktur und -verläufe der benachbarten Vokale berücksichtigt. Zum Vergleich wurden zusätzlich die Merkmale der spektralen Verteilung anderer Laute in den Wörtern tã.ka. ~ tãką, kã.pa. ~ kãpą, lã.pa. ~ lãpą, bã.da. ~ bãdą, pã.-da. ~ pãdą, vã.da. ~ vãdą, pĩ.ko. ~ pỹko, pĩ.lę. ~ pỹlę, sẽ.ne. ~ sẽnę, tẽ.ke. ~ tẽkę, kẽ.pe. ~ kẽpę und so weiter untersucht.
Da neben harten und weichen Konsonanten gewöhnlich sehr unterschiedliche Vokalallophone verwendet werden und außerdem die Antiformanten harter und weicher Laute (einschließlich des velaren Nasalsonanten) möglichst objektiv gemessen werden sollten, wurden für die Untersuchung auch solche überwiegend bedeutungslosen Beispiele mit kurzen vorderen und hinteren Vokalen niedriger Zungenhöhe ausgewählt: [mama], [m̃em̃e], [nana], [ñeñe], [nan-ka], [ñeñke] usw. Untersucht wurde nur der erste, unbetonte Sonant dieser Wörter4, [m], [m̃], [n] und [ñ]; die unbetonten velaren Allophone [ŋ] und [ŋ̃] wurden im Wortinneren gemessen.
3 Zu den differenzierenden akustischen Merkmalen weicher und harter prä-vokalischer Sonanten des Litauischen siehe Ambrazevičius 2010: 5–10 (siehe auch Anm. 1).
4 Bei ihrer Aussprache wurde der abschließende Kurzvokal betont (akzentuiert).
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Das Untersuchungsmaterial wurde von drei sprachlich unbeeinträchtigten Männern der mittleren Generation und einer Frau aus Prienai jeweils dreimal mit neutral-feststellender Intonation (d. h. isoliert, als einzelne Sätze) direkt in den Computer eingesprochen. Unnatürlich ausgesprochene Beispiele wurden nicht in die Untersuchung aufgenommen. Das Material wurde als Dateien vom Typ *.wav gespeichert. Zum Ausschneiden der Untersuchungselemente wurde das von den Wissenschaftlern der Universität Amsterdam Paul Boersma und David Weenink entwickelte Computerprogramm zur akustischen Analyse PRAAT (Versionen 5.0.34 und 5.3.23) verwendet. Bei der Spektralanalyse wurde zunächst für die ausgeschnittenen Segmente (Wörter oder Konsonanten und benachbarte Vokale) ein natürliches Graustufen-Spektrogramm des Lautes oder Wortes vom Typ Visible Speech ermittelt und gezeichnet; als höchste Frequenz wurde 5000 Hz gewählt. Anschließend wurden die Formantverläufe automatisch gemessen und, falls erforderlich, gezeichnet; auch hier wurde als höchste Frequenz 5000 Hz gewählt. Häufig wurden das natürliche Spektrogramm und die Darstellungen der Formantdynamik zu einem Bild zusammengefügt und hinsichtlich Frequenz und Dauer genau aufeinander abgestimmt. Außerdem wurden Spektralschnitte der Nasalsonanten gezeichnet: Bei der Messung der Antiformanten der Laute (oder Nullformanten, engl. oral zeros) wurden die sogenannten FFT- und LPC-Kurven überlagert (bei der Ermittlung und Messung von FFT und LPC sowie ihrer Zusammenführung in einer Darstellung wurde die vom lettischen Phonetiker Juris Grigorjevs erläuterte Methode verwendet5).
1. SPEKTRALÜBERSICHT NASALER KONSONANTEN
Im Folgenden werden die Ergebnisse der instrumentellen Untersuchung der Nasalsonanten der Mundart von Prienai erörtert und analysiert.
1.1. Formantstruktur und Energieverteilung der Nasalsonanten im Dialekt von Prienai
Ein Vergleich der spektralen Eigenschaften nasaler und nichtnasaler Konsonanten im Dialekt von Prienai zeigt (vgl. Abb. 1–24, siehe auch Anm. 3), dass sich die Spektralenergie aufgrund der besonderen
5Zum Zeichnen spektraler Sonantenschnitte muss zunächst im rechten Fensterbereich des Programms PRAAT das Spektrogramm des untersuchten Wortes oder Segments geöffnet werden. Nachdem das Spektrum des Nasalsonanten (sein stationärer Teil) markiert wurde, ist Spektrum: Spektralschnitt anzeigen auszuwählen. Im linken Fensterbereich des Programms erscheint die Bezeichnung des ausgeschnittenen FFT-Spektrums. Anschließend sollte LPC-Glättung (im selben – linken – Fensterbereich) ausgewählt und im daraufhin eingeblendeten Fenster Spektrum: LPC-Glättung die erforderlichen Koeffizienten eingegeben werden. Für diese Untersuchung wurde beispielsweise als Anzahl der Peaks der Wert 26 gewählt (da das Untersuchungsmaterial mit einer Abtastrate von 44,1 kHz aufgenommen wurde, wäre die Hälfte 22 + 4 (oder 5) = 26); bei Vorbetonung ab (Hz) wurde 50.0 eingegeben. Nach dem Klicken auf OK wurde automatisch die LPC-Darstellung des Spektralschnitts der Spektrogramme (Formantverlauf) erzeugt. Später werden im rechten Fensterbereich des Programms PRAAT die bereits erhaltenen FFT- und LPC-Darstellungen der Lautschnitte zu einer zusammengefügt (beim Zusammenfügen der Darstellungen ist es wiederum wichtig, die Frequenzen und andere erforderliche Parameter korrekt auszuwählen).
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[m], [m̃], [n], [ñ]6 verteilen sich über einen breiteren Frequenzbereich – dies ist eines der akustischen Unterscheidungsmerkmale nasaler Konsonanten (Girdenis 1967: 249; 2003: 225; Kliukienė 1992: 134; 1998: 80). Wie bereits erwähnt, ist die Zahl der Formanten im Spektrum der Nasalsonanten aufgrund des Einflusses eines zusätzlichen Resonators häufig größer. Darüber hinaus beeinflusst die nasale Resonanz auch das Spektrum benachbarter Laute: Bei ihrer Artikulation verschließt das Velum die Öffnung zur Nasenhöhle nicht vollständig, und ein Teil der Luft entweicht durch die Nase (vgl. Pakerys 2003: 191; Kliukienė 1998: 80; Girdenis 2003: 224; Murinienė 2007: 62 u. a.). Daher werden im nächsten Abschnitt auch die Besonderheiten der Formantstruktur benachbarter Laute behandelt. Das Unterscheidungsmerkmal, das die Spektraleigenschaften der Konsonanten [m], [m̃], [n], [ñ], [ŋ] und [ŋ̃] differenziert und bislang im Litauischen noch nicht eingehender instrumentell untersucht worden ist – die im Spektrum der Nasalsonanten entstehenden Antiformanten und ihre Bedeutung für die Unterscheidung der Mitglieder der besprochenen Klasse voneinander – wird ausführlicher im zweiten Teil dieses Artikels behandelt.
In diesem Abschnitt werden auf Grundlage der erzielten Ergebnisse und unter Berücksichtigung der Spektrogramme und der Darstellungen der Formanttrajektorien zunächst die qualitativen Merkmale von [m], [m̃], [n], [ñ] betrachtet, die durch die ersten beiden Formanten F₁ und F₂ bestimmt werden. Sie hängen von den in der Mundhöhle und teilweise in der Nasenhöhle entstehenden Resonanzräumen sowie deren Verhältnis zueinander ab (Girdenis 2003: 221).
Der erste Formant nasaler Konsonanten (engl. nasal formant, seltener nasal zero7) liegt im Bereich der tiefsten Frequenzen (siehe Tab. 1, vgl. Abb. 1–24); der zweite Formant hängt dagegen stark von der Qualität des benachbarten Vokals ab (dies ist bei der Unterscheidung harter und palatalisierter Mitglieder dieser Klasse zu berücksichtigen; vgl. auch Kliukienė 1992: 56–57; 78–79; Bacevičiūtė 2008: 10; Ambrazevičius 2010: 8–9; Grigorjevs 2012: 275–280)8.
Den Untersuchungsergebnissen für den Dialekt von Prienai zufolge liegen die F₁-Werte der unbetonten Laute [m], [m̃], [n], [ñ] in isoliert ausgesprochenen Wörtern (gemessen wurde der stationäre Abschnitt der Sonanten) bei etwa 250 bis 290 Hz (siehe Tab. 1): Den zusammengefassten Berechnungen nach beträgt F₁ des von einem Mann vor dem Vokal [a.] ausgesprochenen [m] = 253 Hz; F₁ von [n] = 276 Hz; F₁ des von einer Frau ausgesprochenen [m] = 266 Hz; F₁ von [n] = 288 Hz; vor dem Vokal [i] beträgt F₁ des von einem Mann ausgesprochenen [m̃] = 269 Hz; F₁ von [ñ] = 271 Hz; F₁ des von einer Frau ausgesprochenen [m̃] = 268 Hz; F₁ von [ñ] = 275 Hz usw. Wie zu erkennen ist, ist tendenziell etwas höher
6Die untersuchten Konsonanten bestehen überwiegend aus Tonanteilen, weshalb ihre Formantbänder recht gut sichtbar sind. Denn bei ihrer Artikulation senkt sich das Velum, löst sich von der hinteren Rachenwand, und die Luft entweicht recht ungehindert durch die Nase (d. h. es kommt zu keiner Explosion, da sich in der Mundhöhle kein größerer Luftdruck aufbaut). Zur Wirkung des Artikulationsortes prä- und intervokalischer litauischer Sonanten und des phonetischen Kontexts auf die Formantloci siehe Ambrazevičius 2010: 8–9. Zu den akustischen Unterscheidungsmerkmalen der Sonanten im Lettischen siehe Grigorjevs 2012: 267–292.
7Es sei darauf hingewiesen, dass einige Forschende diesen englischen Terminus (nasal zero) im Sinne von Antiformant (oder Nullformant) verwenden und F₁ nasaler Konsonanten als Nasalformant (nasal formant) bezeichnen (siehe Ladefoged, Maddieson 2002: 117, Tab. 4.6).
8Ausländische Forschende geben (auf der Grundlage von Daten aus einigen Sprachen der Welt) an, dass der Frequenzbereich von F₁ bei [m], [n] von 200, 250 oder 300 Hz bis 300, 400 oder 450 Hz reicht (siehe Butkauskaitė 2010: 6 und die dort angeführte Literatur; Grigorjevs 2012: 270 und die dort angeführte Literatur u. a.). So geben Peter Ladefoged und Ian Maddieson (2002: 117) die ersten Formanten der Nasalkonsonanten des Katalanischen wie folgt an: F₁ von [m] = 250 Hz; F₁ von [n] = 280 Hz.
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ABB. 1. Spektrogramm des Wortes mą.ma. ~ mąmą (Stimme des 1. Mannes)
ABB. 2. Spektrogramm des Wortes mą.na. ~ mąną (Stimme des 1. Mannes)
ABB. 3. Spektrogramm des Wortes ná.ma. ~ namą (Stimme des 1. Mannes)
ABB. 4. Spektrogramm des Wortes mą.ma. ~ mąmą (Frauenstimme)
ABB. 5. Spektrogramm des Wortes ná.ma. ~ namą (Stimme des 1. Mannes)
ABB. 6. Spektrogramm des Wortes sná.pa. ~ snąpą (Frauenstimme)
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ABB. 7. Spektrogramm des Wortes ná.ma. ~ námą (Frauenstimme)
ABB. 8. Spektrogramm des Wortes má.na. ~ mėną (Frauenstimme)
ABB. 9. Spektrogramm des Wortes mė.ne. ~ mėnę (Frauenstimme)
ABB. 10. Spektrogramm des Wortes mā.na. ~ māną (Stimme des 1. Mannes)
ABB. 11. Spektrogramm des Wortes mā.na. ~ mėną (Stimme des 1. Mannes)
ABB. 12. Spektrogramm des Wortes mé.ne. ~ mėnę (Stimme des 1. Mannes)
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ABB. 13. Spektrogramm des Wortes nìko ~ nyko (Stimme des 2. Mannes)
ABB. 14. Spektrogramm des Wortes mìnė ~ myné (Stimme des 2. Mannes)
ABB. 15. Spektrogramm des Wortes móko ~ móko (Stimme des 2. Mannes)
ABB. 16. Spektrogramm des Wortes nóko ~ nóko (Stimme des 2. Mannes)
Das erste Formant des harten dentalen [n] liegt niedriger als das des entsprechenden labialen [m], während die F1-Werte der palatalisierten Sonanten sehr ähnlich sind; vergleicht man jedoch die entsprechenden harten und palatalisierten Vertreter dieser Klasse, weisen [m̃] und [ñ] häufiger höhere F1-Werte auf. Das erste Formant der Sonanten [m] und [n] der untersuchten Mundart, die in zusammenhängenden Sätzen gesprochen wurden, unterscheidet sich nicht, liegt jedoch in einem höheren Frequenzbereich (den zusammengefassten Daten zufolge beträgt F1 = 360 Hz für das von Männern gesprochene [m] und [n]) als in den entsprechenden isoliert gesprochenen Wörtern9.
9 Beim Datenvergleich ist es also tatsächlich wichtig, nicht nur die phonetische Umgebung der untersuchten Laute und suprasegmentale Elemente zu berücksichtigen (zum Beispiel ist das Spektrum betonter Konsonanten oft intensiver, die Laute sind gewöhnlich viel länger als die entsprechenden unbetonten usw.), sondern auch weitere Faktoren (Sprechtempo, Intonation usw.). Die Dauer der Nasalsonanten wurde in dieser Arbeit allerdings nicht eigens untersucht; es wurde lediglich festgestellt, dass beim Vergleich von Minimalpaaren (also nicht in zufälligen Fällen) der unbetonte Konsonant [m] länger ist als der entsprechende unbetonte [n].
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In der nordžemaitischen Mundart unterscheiden sich die Spektren sowohl der palatalisierten als auch der nicht palatalisierten Nasalsonanten kaum. Es wird angenommen, dass die Nasalierung der Konsonanten offenbar das Merkmal der Härte und Weichheit unterdrückt und dieses nur anhand der benachbarten Vokale wahrgenommen wird (siehe Kliukienė 1992: 57, Fn. 44, 63, Tab. 13). Daher wird angenommen, dass die Opposition [m]: [m̑], [n]: [n̑] in dieser Mundart nur durch die Vokale aufrechterhalten wird (ebd., 57, 78–79).
1 TABELLE. Zusammengefasste Werte des ersten Formanten der Nasalsonanten der Prienai-Mundart in isoliert gesprochenen Wörtern10
Das zweite Formant (F₂) der Laute [m], [m̂], [n] und [n̂] in der Prienai-Mundart zeigt, dass die labialen Laute [m] und [m̂] dunkler klingen (siehe Tab. 2); vergleicht man jedoch nur die palatalisierten Vertreter der Klasse [m̂] und [n̂], zeigt sich, dass der Frequenzbereich des zweiten Formanten auch sehr ähnlich sein kann. So unterscheiden sich beispielsweise die F₂-Werte der Sonanten [m̂] und [n̂] vor dem langen hohen Vokal [iˑ] kaum. Auch vor dem halboffenen positionslangem Vokal [e.] unterscheiden sich die F₂-Werte von [m̂] und [n̂] nur geringfügig; festgestellt wurde lediglich die Tendenz, den palatalisierten nichtlabialen Laut häufiger mit höherer Klanglage auszusprechen (siehe Tab. 2).
2 TABELLE. Zusammengefasste Werte des zweiten Formanten der Nasalsonanten der Prienai-Mundart in isoliert gesprochenen Wörtern11
10 In den Tabellen 1 und 2 bezeichnet der in eckigen Klammern angegebene Vokal den auf den Nasalsonanten folgenden Vokal; die Stichprobengröße der gemessenen Sonanten beträgt bei den Männerstimmen n = 36, bei der Frauenstimme n = 12–24.
11 Die Fragezeichen in der Tabelle weisen darauf hin, dass die Formantwerte des stationären Abschnitts schwer zu bestimmen waren, da das Spektrum palatalisierter Nasalsonanten wesentlich häufiger vollständig abgeklungen ist als das entsprechender nicht palatalisierter Sonanten. Daher können die berechneten F₂-Werte bei der Differenzierung der spektralen Merkmale der palatalisierten Laute [m̂] und [n̂] nicht als zuverlässig gelten. Viel zuverlässiger ist es, die F₂-Lokalisation in Verbindungen des Typs CV zu messen, also am Ende des Konsonanten und am Anfang des Vokals, mit anderen Worten im Vokaleinsatz; wichtig ist außerdem, die F₂-Dynamik der Vokale zu berücksichtigen (siehe Tab. 3; vgl. auch Ambrazevičius 2010: 9, Abb. 4; Grigorjevs 2012: 279, Tab. 2).
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Bei den in Sätzen gesprochenen Sonanten des Prienai-Dialekts [m], [n] (wenn ein Vokal des Typs [a.] benachbart ist) liegt das zweite Formant etwas höher als in den jeweils isoliert gesprochenen Wörtern: Den zusammengefassten Daten zufolge beträgt F₂ der zusammenhängenden Rede bei [m] = 1190–1240 Hz, bei [n] = 1310–1390 Hz. Beim Vergleich palatalisierter und nicht palatalisierter Allophone ist festzustellen, dass das Spektrum der untersuchten palatalisierten Sonanten häufiger abgeschwächt ist, insbesondere F₂; daher gelten die Übergänge und die Dynamik der Formanten zwischen dem Konsonanten und dem benachbarten Vokal als zuverlässigere akustische Unterscheidungsmerkmale nicht palatalisierter und palatalisierter Sonanten (ausführlicher siehe das nächste Kapitel dieses Artikels; vgl. auch Ladefoged, Maddieson 2002: 116–117; Ambrazevičius 2010; 2012).
Das dritte Formant der Nasalsonanten (vgl. insbesondere Abb. 2, 5–7, 10, 15, 19 u. a.) kann aufgrund des Einflusses eines zusätzlichen Resonators vollständig abgeschwächt sein. Statistische Berechnungen ergaben, dass F₃ palatalisierter Sonanten häufiger höher ist als das entsprechender nicht palatalisierter Sonanten.
Im Folgenden werden die spektralen Merkmale der Nasalsonanten und benachbarten Vokale betrachtet (Formantstruktur und -dynamik sowie der F₂-Übergang C→V).
1.2. Spektrale Merkmale der Nasalsonanten und benachbarten Vokale
Die Analyse von mehr als 500 Spektrogrammen (Beispiele siehe Abb. 1–24) zeigt zunächst deutlich, dass Struktur und Dynamik der Formanten entsprechender Vokale neben Nasalsonanten etwas anders sind als neben nichtnasalen Konsonanten. Beispielsweise sinkt aufgrund der nasalen Resonanz bei der Artikulation von [m] und [n] das zweite Formant von [a.], während das dritte etwas höher und meist abgeschwächt ist (vgl. auch Ladefoged, Maddieson 2002: 299–300). Auch das erste Vokalformant ist aufgrund des Einflusses des Nasalformants tendenziell schwächer und etwas höher (vgl. ebenda 117, 299–300; Girdenis 2003: 225; Ladefoged 2005: 55–56, 84–85 u. a.). Daher scheinen beide ersten Formanten des nasalisierten [a.] sehr nahe beieinanderzuliegen (ungefähr bei der Grenze von 1000 Hz).
Besonders wichtig ist die Dynamik des zweiten Vokalformants: So ist etwa zwischen nicht palatalisierten Nasalkonsonanten das zweite Formant von Hinterzungenvokalen (insbesondere mit tiefer Zungenhebung) während der gesamten Artikulationsdauer häufig niedriger; neben einem einzelnen Nasalkonsonanten sinkt F₂ bei Vokalen derselben Qualität und bei Verschlusskonsonanten meist nur für eine gewisse Zeit (siehe Jaroslavienė 2010: 261–264). Die Ergebnisse dieser Untersuchung zeigen, dass benachbarte Hinterzungenvokale unter dem Einfluss von Nasalsonanten gewöhnlich dunkler klingen und weiter hinten artikuliert werden als entsprechende Vokale neben nichtnasalen Konsonanten (vgl. auch Ledichova 2012: 79–85). Neben palatalisierten Sonanten sind das erste und dritte Formant von Vorderzungenvokalen stärker abgeschwächt als neben palatalisierten nichtnasalen Lauten (vgl. Abb. 11, 12–14 u. a.); eine deutliche Absenkung des zweiten Formants wie im Fall des Vokals [a.] wurde jedoch nicht beobachtet.
Im Folgenden werden konkrete Beispiele betrachtet, nämlich die spektralen Eigenschaften von Vokalen zwischen oder neben palatalisierten [m̃], [ñ] und nicht palatalisierten [m], [n] sowie der Einfluss der Nasalierung auf die Energieverteilung und Dynamik der Vokalformanten.
Zum Beispiel ist in den Wörtern mã.da. ~ mądą (vgl. Abb. 17), mã.ta. ~ Mątą (vgl. Abb. 19), ná.ta. ~ natą (vgl. Abb. 23), sná.pa. ~ snąpą (vgl. Abb. 6) das zweite Formant des ersten [a.]
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Spektrale Charakteristik der Nasalsonanten im Dialekt von Prienai
17 ABB. Spektrogramm des Wortes mã.da. ~ mãdą (Stimme des 3. Mannes)
18 ABB. Spektrogramm des Wortes bã.da. ~ bãdą (Stimme des 3. Mannes)
19 ABB. Spektrogramm des Wortes mã.ta. ~ Mãtą (Stimme des 3. Mannes)
20 ABB. Spektrogramm des Wortes bã.ta. ~ bãtą (Stimme des 3. Mannes)
21 ABB. Spektrogramm des Wortes kã.pa. ~ kãpą (Stimme des 3. Mannes)
22 ABB. Spektrogramm des Wortes tã.ka. ~ tãką (Stimme des 3. Mannes)
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2 3 A B B. Spektrogramm des Wortes ná.ta. ~ nãta (Stimme des 3. Mannes)
2 4 A B B. Spektrogramm des Wortes dã.ta. ~ dãta (Stimme des 3. Mannes)
Die Formante ist während der gesamten Lautdauer oder häufiger während eines Teils davon abgesenkt (meist in der Lautmitte), während die dritte Formante häufiger höher und abgeschwächter ist als bei den entsprechenden Vokalen zwischen zwei nichtnasalen Konsonanten in den Wörtern bá.da. ~ bãdą (vgl. Abb. 18), bá.ta. ~ bãtą (vgl. Abb. 20), tá.ka. ~ tãką (vgl. Abb. 22), dá.ta. ~ dãtą (vgl. Abb. 24), ká.pa. ~ kãpą (vgl. Abb. 21). Am stärksten wird der Vokal [a.] zwischen zwei Nasalsonanten nasalisiert, d. h. in den Wörtern má.ma. ~ mãmą (vgl. Abb. 1, 4), ná.ma. ~ nãmą (vgl. Abb. 3, 5, 7), má.na. ~ mãną (vgl. Abb. 2, 10) usw. Der Grad der Nasalierung zeigt sich nicht nur an den dicht beieinanderliegenden ersten beiden Formanten des Vokals [a.] (F₂ ist während der gesamten Artikulation niedriger, F₁ hingegen höher), sondern auch an ihrer Energieintensität: Je stärker die Nasalierung, desto stärker abgeschwächt (und höher) ist die dritte Formante des nasalisierten Vokals.
Bei der Untersuchung der Spektren anderer langer und kurzer Vokale neben nasalen und nichtnasalen Konsonanten wurde ebenfalls festgestellt, dass Vokale zwischen zwei Nasalsonanten am stärksten nasalisiert werden: Die dritte Vokalformante ist häufiger höher, die Intensität der ersten Formante etwas abgeschwächt¹². Zahlreiche Forscher haben festgestellt, dass Nasalkonsonanten dazu neigen, alle entsprechenden Vokale in Wörtern zu nasalieren (Kliukienė 1998: 80; Pakerys 2003: 191–192; Murinienė 2007: 62 u. a.; vgl. auch Ledichova 2012: 79–85).
Zusammenfassend werden die Parameter der Formantendynamik der nasalisierten Vokale [a.], [e.], [o.], [i̇] (d. h. derjenigen, die neben oder zwischen Nasalkonsonanten stehen; gemessen wurden die F₂-Werte der Vokale unmittelbar am Lautanfang, also beim Einsatz des Vokals, und in der Mitte) in Tabelle 3 dargestellt. Wie ersichtlich (siehe Tab. 3), unterscheiden sich die Verläufe der zweiten Formante bei Frauen- und Männerstimmen geringfügig: Die F₂-Verläufe der vom Mann ausgesprochenen Vokale sind gleichmäßiger als die der Frau (außerdem sind die Formantwerte der Frauenstimme meist höher als die der Männerstimme). Es sei daran erinnert, dass die Lokalisierung des F₂-Anfangs (d. h. des Konsonantenendes und des Vokalbeginns) eng mit dem Artikulationsort des Nasalsonanten und des benachbarten Vokals verbunden ist.
¹² Vgl. auch die entsprechenden spektralen Charakteristika bei der Untersuchung nasalisierter Vokale in einigen Sprachen der Welt (Ladefoged, Maddieson 2002: 298–300).
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TABELLE 3. Formanten am Anfang (F₂_pr.) und in der Mitte (F₂_vid.) einiger Vokale des Prienai-Dialekts (in Hertz)¹³
Folgender Vokal [a.] [e.] [o˙] [i˙] Sonant F₂_pr. F₂_vid. F₂_pr. F₂_vid. F₂_pr. F₂_vid. F₂_pr. F₂_vid. [m] m. 1095 1267 860 724 w. 1191 1334 928 711 [m̃] m. 1717 1828 2371 2563 w. 1770 1850 2569 2679 [n] m. 1339 1304 904 762 w. 1452 1293 964 773 [ñ] m. 1764 1807 2455 2500 w. 1840 1723 2600 2645
Beim Vergleich der spektralen Eigenschaften der Allophone harter und palatalisierter Nasalsonanten, der Struktur und Qualität der Formanten sowie der Energieverteilung und der Trajektorien der Formanten benachbarter Laute (insbesondere F₂) lassen sich einige zusammenfassende Schlussfolgerungen ziehen:
• Im Spektrum der Nasalsonanten sind die für die Klangqualität maßgeblichen Formantbänder recht gut sichtbar; die Anzahl der Formanten im Spektrum nasaler Laute ist oft größer; für Nasalsonanten ist aufgrund des Einflusses eines zusätzlichen Resonators eine Verteilung der Spektralenergie über einen breiteren Frequenzbereich charakteristisch;
• Für Nasalsonanten ist ein äußerst tieffrequenter erster oder nasaler Formant charakteristisch (den zusammengefassten Daten zufolge beträgt F₁ = in isoliert ausgesprochenen Wörtern mit [m], [n], [m̃], [ñ] 250–290 Hz);
• Die Lage des zweiten Formanten der Nasalsonanten hängt von der Qualität des benachbarten Vokals ab ([m̃], [ñ] sind deutlich höher klingende Laute als die entsprechenden harten [m], [n]);
• Die Energie der Formanten nasalisierter Vokale (insbesondere F₃) ist häufig abgeschwächt und der F₂ von Vokalen mit tiefer Zungenhebung ist abgesenkt;
• Unter dem Einfluss der Nasalsonanten haben benachbarte Vokale, insbesondere hintere Vokale, gewöhnlich einen tieferen Klang und eine weiter hinten liegende Artikulation als die entsprechenden Vokale neben nichtnasalen Konsonanten; dieser Einfluss ist jedoch nicht einheitlich: Zwischen Nasalsonanten werden Vokale stärker nasalisiert als unmittelbar neben einem einzelnen Nasalsonanten; neben und besonders zwischen zwei Nasalsonanten ist der dritte Vokalformant meist höher, während der erste etwas abgeschwächt ist und zu höheren Werten tendiert (d. h. sich unter dem Einfluss des Nasalformanten F₂ stärker annähert).
13 Die Formantwerte wurden in denselben isoliert ausgesprochenen Wörtern gemessen wie in den Tabellen 1 und 2; siehe auch Anm. 10. Es sei darauf hingewiesen, dass die Segmentierung des Konsonantenübergangs zum Vokal und des Vokalbeginns recht problematisch ist. Bei der Bestimmung der Formantwerte wurden zunächst der auditive Eindruck des Konsonanten und des Vokals, Oszillogramme u. Ä. berücksichtigt. Zu den F₂-Werten und Bewertungen der isolierten und in zusammenhängender Rede gesprochenen Vokale des Prienai-Dialekts siehe Jaroslavienė 2011: 65–86.
Die Übersicht über die Spektren der Nasalkonsonanten zeigte, dass sich die untersuchten Konsonanten von den übrigen Lauten des Prienai-Dialekts vor allem durch die für nasale Sonanten typische Verteilung der Spektralenergie über einen breiteren Frequenzbereich sowie durch die spektralen Eigenschaften des benachbarten Vokals unterscheiden: durch die Formantwerte und deren Dynamik (insbesondere des zweiten Formanten), die Intensität, die Energieverteilung usw. Es wurde festgestellt, dass sich der erste Formant nasaler Sonanten im Niederfrequenzbereich ausbildet (vgl. Tab. 1), während der zweite stark mit der Qualität des benachbarten Vokals zusammenhängt (vgl. Tab. 2, 3). Die unterscheidenden akustischen Merkmale der palatalisierten und nicht palatalisierten untersuchten Sonanten lassen sich nicht nur anhand der spektralen Eigenschaften der Konsonanten und der Formantübergänge und -dynamik C→V (bzw. entsprechend V→C¹⁴) beschreiben (vgl. Tab. 3, außerdem die oben angeführten Abb.), sondern auch anhand der Antiformantwerte (vgl. Tab. 4). Mit anderen Worten: Um [m], [m̃], [n], [n̂], [ŋ] und [ŋ̂]¹⁵ genauer zu unterscheiden, müsste noch ein weiteres sehr wichtiges Merkmal berücksichtigt werden – die Antiformanten, die sich anhand der zuvor angeführten Spektrogramme und der Darstellungen der Formantverläufe nur schwer bestimmen lassen. Daher wurden kombinierte Diagramme der FFT-Spektren und der LPC-Verläufe erstellt (siehe beispielsweise Abb. 25–30).
Die Lage der Antiformanten (Z₁) harter und palatalisierter [m], [m̃], [n], [n̂], [ŋ] und [ŋ̂] hängt stark mit ihren artikulatorischen Eigenschaften (Artikulationsort) zusammen, die auch in gewissem Maße von den nachfolgenden Vokalen beeinflusst werden. Zudem können sich die Z₁-Werte der von Männern und Frauen produzierten Sonanten unterscheiden, doch bleiben die Verhältnisse stets konstant (vgl. Grigorjevs 2012: 267–272 und die dort angegebene Literatur, 276–278; vgl. außerdem Ladefoged, Maddieson 2002: 116–118; Butkauskaitė 2010: 6 und die dort angegebene Literatur u. a.).
TABELLE 4. Antiformantwerte (Z₁) der nasalen Sonanten des Prienai-Dialekts in Hertz¹⁶
Sonant
[m]
[m̃]
[n]
[n̂]
[ŋ]
[ŋ̂]
Informant (zusammengefasste Daten)
Mann
600–900
1000–1250
900–1300
1400–1800
1900–2300
3200–4000
Frau
600–800
900–1300
1000–1400
1600–2000
2100–2400
2800–3700
Den zusammengefassten Daten der untersuchten Konsonanten des Prienai-Dialekts zufolge unterscheiden sich bei denselben harten oder palatalisierten Nasalsonanten, die von männlichen und weiblichen Informanten produziert wurden, die Antiformanten-
Der Formantübergang und die Dynamik von Verbindungen des Typs VC werden in diesem Artikel nicht näher analysiert.
Der alveolare, dentale [ŋ] ([ŋ̂]) wird vor den velaren [k], [g] (und den palatalen [k̂], [ĝ]) als velarer, uvularer [ŋ] (bzw. entsprechend als palataler, palataler [ŋ̂]) ausgesprochen (Pakerys 2003: 134).
Es sei daran erinnert, dass die Antiformanten nasaler Sonanten nicht nur neben langen, sondern auch neben kurzen Vokalen gemessen wurden (Näheres siehe Abschnitt „Untersuchungsmaterial und Methodik“).
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Die Frequenzbereiche der Formanten (in Hertz) überlappen stark (die Z1-Werte der von Männern artikulierten nasalen Sonanten sind häufig niedriger, mit Ausnahme von [m] und dem velaren [ŋ]), doch sind die Tendenzen in allen Fällen ähnlich: Das Z1 des labialen [m] liegt in einem niedrigeren Frequenzbereich als das des entsprechenden nichtlabialen Sonanten [n], während das von [ŋ] in einem höheren Frequenzbereich liegt als das von [ɲ]. Im höchsten Frequenzbereich liegen die Antiformanten des velaren [ŋ] und des [ɲ] (siehe Tab. 4).
Dass sich die Antiformanten von [m], [ɲ], [n], [ɲ], [ŋ] und [ɲ] unterscheiden, ist deutlich an den Darstellungen der Spektralschnitte der vorvokalischen Laute der Versuchspersonen zu erkennen (d. h. an den kombinierten Grafiken des FFT-Spektrums und der LPC-Kurve), in denen der durch den größeren oder kleineren Abstand zwischen der LPC-Kurve und dem FFT-Spektrum entstehende Hohlraum die Lage und den Wert von Z1 anzeigt (vgl. Abb. 25–30).
ABB. 25. Spektralschnitt des harten [m] (links von einer Frau, rechts von einem Mann artikuliert)
ABB. 26. Spektralschnitt des weichen [m] (links von einer Frau, rechts von einem Mann artikuliert)
Wie die Beispiele in den Abbildungen 25 und 26 zeigen, liegt der Antiformant des harten [m] bei ungefähr 700 Hz (von einer Frau artikuliert) und 750 Hz (von einem Mann artikuliert), während der des weichen Z1 bei einer Grenze von 1100 Hz (von einer Frau artikuliert) bzw. 1000 Hz (von einem Mann artikuliert) beginnt17.
17 In manchen Sprachen liegt der Antiformant des nasalen Sonanten [m] in einem ähnlichen Frequenzbereich (vgl. Grigorjevs 2012: 270 und die dort angeführte Literatur, 278; Butkauskaitė 2010: 6 und die dort angeführte Literatur).
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27. ABB. Spektralschnitt des harten [ŋ] (links von einer Frau, rechts von einem Mann ausgesprochen)
28. ABB. Spektralschnitt des palatalisierten [ŋ̇] (links von einer Frau, rechts von einem Mann ausgesprochen)
Aus den Abbildungen 27 und 28 ist ersichtlich, dass die Antiformante des von einem Mann ausgesprochenen [ŋ] bei etwa 1000 Hz beginnt, die des von einer Frau ausgesprochenen [ŋ] dagegen bei 1100 Hz, d. h. höher als bei der entsprechenden Aussprache des labialen Sonoranten. Die Antiformante Z1 des palatalisierten [ŋ̇] beginnt bei etwa 1600 Hz – ebenfalls höher als beim entsprechenden [m].
Die Antiformanten der palatalisierten und nicht palatalisierten nasalen velaren Allophone fallen ebenfalls nicht zusammen: In Abbildung 29 liegt Z1 des [ŋ] bei etwa 2000 Hz, während die Antiformante des [ŋ̇] höher liegt – sie beginnt oberhalb von 3000 Hz (siehe Abb. 30).
Das Untersuchungsmaterial zeigt, dass der Frequenzbereich der Antiformanten desselben Sonoranten (d. h. des harten oder palatalisierten) aufgrund der Qualität (und Quantität) des benachbarten (folgenden) Vokals etwas variieren kann: [ṁ] und Z1 des [ŋ̇] liegen vor einem gespannten langen Vokal mit hoher Klangfarbe [i̇] etwas höher als vor dem entsprechenden kurzen [i], und vor [a] liegen Z1 der Sonoranten [m] und [ŋ] häufig höher als vor [u] usw.
Bei der Aussprache der nichtlabialen [ŋ], [ŋ̇] und insbesondere [ŋ̩], [ŋ̩́] liegen die Antiformanten höher als bei der Aussprache der labialen Sonoranten – dies hängt besonders vom Artikulationsort ab: von der Größe der Resonanzräume des Mundes (und teilweise der Nase) sowie von der Position der Zunge im Mund und
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29. ABB. Spektralschnitt des velaren [ŋ] (links von einer Frau, rechts von einem Mann ausgesprochen)
30. ABB. Spektralschnitt des velaren [ŋ̃] (links von einer Frau, rechts von einem Mann ausgesprochen)
Verschiebung (vorwärts–rückwärts), die auch durch die Artikulation des benachbarten Vokals geringfügig beeinflusst wird (vgl. auch Grigorjevs 2012: 269 und die dort angegebene Lit., 276–279). Die Antiformante des nasalen Lautes ist bei der Aussprache der velaren [ŋ], [ŋ̃] am höchsten, d. h. dann, wenn der Resonanzraum des Mundes am kürzesten ist und der mittlere Teil der Zunge zum Gaumen hin zurückgezogen wird.
Die Ergebnisse der Untersuchung akustischer Unterscheidungsmerkmale lassen sich kurz wie folgt zusammenfassen:
• Bei der Beschreibung der akustischen Unterscheidungsmerkmale der nasalen Sonoranten des Prienai-Dialekts müssen sowohl die Formanten berücksichtigt werden, die die qualitativen Merkmale der Sonoranten selbst bestimmen, als auch die spektralen Eigenschaften benachbarter Laute sowie der zweite Formant (Übergang und dessen Dynamik) von CV. Der Übergang und die Dynamik des zweiten Formanten von CV gelten als eines der wichtigsten Unterscheidungsmerkmale des Artikulationsortes palatalisierter und nicht palatalisierter nasaler Sonoranten. All dies differenziert die beschriebenen Konsonanten und unterscheidet sie von anderen Lauten;
• Für die Unterscheidung von [m], [m̃], [n], [ñ], [ŋ], [ŋ̃] voneinander sind auch die Werte der Antiformanten sehr wichtig, die in besonderem Maße vom Artikulationsort des Lautes abhängen (Resonanzraum des Mundes
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Größe und Form des Resonanzraums, die Verlagerung der Zunge und einige weitere artikulatorische Eigenschaften bei der Artikulation eines Sonanten):
In allen Fällen liegt die Antiformante des bilabialen [m] tiefer als die des jeweils nichtbilabialen Sonanten ([n̪]) und insbesondere des palatalen Allophons [ŋʲ];
Zusammenfassend lässt sich anhand dieser Daten feststellen, dass sich die Z₁-Werte des vom Mann artikulierten [m] und [n] am wenigsten unterscheiden;
In der Mundart von Prienai weisen unter allen untersuchten Nasalkonsonanten die palatalen Allophone die höchsten Antiformanten auf;
Beim Vergleich palatalisierter und nicht palatalisierter Konsonanten zeigt sich, dass die Z₁-Werte der entsprechenden palatalisierten [m̃], [ñ] und [ŋ̃] höher sind.
3.
WICHTIGSTE SCHLUSSFOLGERUNGEN
Die Ergebnisse der instrumentellen Untersuchung der Nasalsonanten der Mundart von Prienai zeigen, dass sich die untersuchten Konsonanten anhand ihrer akustischen Merkmale sowie der spektralen Eigenschaften der Konsonanten und der benachbarten Vokale unterscheiden lassen:
Die qualitativen Merkmale der Sonanten werden besonders durch die erste (oder nasale) Niederfrequenzformante sowie durch die zweite Formante der Sonanten und der benachbarten Vokale am Silbenanfang (oder beim Übergang zum Vokal) und deren Dynamik bestimmt. Wichtig sind außerdem die Formantstruktur, die Anzahl und Intensität der Formanten sowie die Spektralverteilung der untersuchten Konsonanten und benachbarten Laute. Nasalsonanten zeichnen sich durch eine Verteilung der Spektralenergie über einen breiteren Frequenzbereich aus, die auf den Einfluss eines zusätzlichen Resonators zurückzuführen ist.
Bei Vokalen neben oder zwischen Nasalkonsonanten ist die erste Formante häufig etwas abgeschwächt und höher (aufgrund des Einflusses der nasalen Formante); auch die dritte Formante benachbarter Vokale ist häufig höher. Vokale zwischen zwei Nasalsonanten werden stärker nasalisiert als Vokale neben nur einem Nasalsonanten: So ist etwa bei hinteren Vokalen zwischen nicht palatalisierten Nasalkonsonanten (insbesondere bei solchen mit niedriger Zungenhebung) die zweite Formante während der gesamten Artikulationsdauer niedriger; neben einem einzelnen Nasalkonsonanten gleicher Qualität und Quantität sinkt F₂ meist nur für einen bestimmten Zeitraum.
Für die Unterscheidung der Nasalsonanten [m], [m̃], [n], [ñ], [ŋ] und [ŋ̃] voneinander ist die in ihrem Spektrum entstehende Antiformante Z₁ besonders wichtig. Zusammenfassend zeigen die Daten, dass die Antiformanten bilabialer Sonanten in allen Fällen tiefer liegen als die der jeweils nichtbilabialen Sonanten. Der Vergleich palatalisierter und nicht palatalisierter Konsonanten ergab, dass die Antiformantenwerte der entsprechenden palatalisierten [m̃], [ñ] und [ŋ̃] höher sind. In der Mundart von Prienai sind die Antiformanten des nasalen palatalen Sonanten am höchsten.
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The spectral characteristics of the nasals in the subdialect of Prienai
SUMMARY
The main distinctive spectral features of the nasals in the subdialect of Prienai have been investigated in the experimental study described in the present article. The obtained data suggest that the nasals can be distinguished from the other sounds of the subdialect of Prienai on the basis of their set of acoustic parameters (formant structure) and transitions between it and the context vowel.
Nasals are like vowels in that they can be characterizes largely in terms of their formant frequencies (one of the main properties of nasals is low first formant), but they differ in that the formants are not as loud as they are in vowels; besides, the nasals are made by blocking the sound from coming out of the mouth while allowing it to come out through the nose, and
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this affects the relative amplitude of the formants (both for consonants and context vowels). For example, the first two formants of that context vowel [ɑː] are very close together with the center between them being at about 1000 Hz. Usually the first formant of that nasalized vowels are weaker than the second due to the incidence of a nasal zero, and the third formant moves up if the nasalization increases or in case the vowel is fully nasalized.
Since the main distinction between nasals during the nasal murmur is provided by the oral anti-resonance (oral zeros or anti-formants whose frequencies are determined by place of articulation), the nasal sonorants [m], [m̃], [n], [ñ] as well as nasal-velar allophones are characterized by the frequency values of the oral zero. The region of the oral zero was searched taking into account the length of the oral rezonator as well as the tongue configuration affected by the context vowel. The results show that the frequency of the oral zero differs because of articulatory habits and gender differences of the informants.