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Litauische Universität für Erziehungswissenschaften
Forschungsschwerpunkte: synchrone und diachrone Morphologie.
FEMININA-SUBSTANTIVE UND IHRE ENTWICKLUNG IM ZIWATO1 VON 1759
Substantive der femininen Deklination im Ziwato von 1759 und die morphologische Entwicklung dieser Substantive
Z U S A M M E N F A S S U N G
Der Artikel untersucht die Entwicklung der Substantive der femininen Deklination im 1759 erschienenen Ziwato, dem bedeutendsten schriftlichen Denkmal des Dialekts der Kretingaer Nordžemaiten des 18. Jahrhunderts2. Zum Typ der femininen Deklination gehören drei Stämme: der ā- und der iā-Stamm sowie der ē-Stamm. Die Dialektdaten des Ziwato werden mit Daten des heutigen Dialekts der Kretingaer Nordžemaiten verglichen. Der Vergleich der Paradigmen der untersuchten Substantivstämme zeigt Entwicklungstendenzen und Merkmale der Nominalmorphologie des Dialekts der Kretingaer Nordžemaiten auf. Die vergleichende Analyse zeigt, dass der Wandel der Formen femininer Substantive und die große Zahl homonymer Formen durch die Entwicklung der Dialektphonetik sowie durch die Betonung bedingt sind. Somit hängt die Entwicklung der Dialektmorphologie von morphologischen und phonologischen Erscheinungen ab.
1 ZIWATAS PONA YR DIEWA MUSU JEZUSA CHRISTUSA, Metų Pona 1759. Dabartine bendrine kalba knygos pavadinimas reikštų „Mūsų Viešpaties ir Dievo Jėzaus Kristaus gyvenimas“. Mokslo darbuose ji vadinama tiesiog Ziwatu.
Der Beitrag stützt sich auf die von Aleksas Girdenis und Albertas Rosinas vorgeschlagene Hierarchie der Deklinationstypen des Substantivs (ausführlicher siehe (Girdenis 2000b: 50–62).2
S C H L Ü S S E L W Ö R T E R: Dialekt des Ziwato, Kretingaer Nordžemaiten, feminine Deklination, Endung, morphologische Kürzung.
S C H L A G W Ö R T E R: der Dialekt des Ziwato, Nordžemaiten von Kretinga, feminine Deklination, Flexion, morphologische Reduktion.
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ANNOTATION
Der vorliegende Artikel widmet sich der Analyse der Entwicklung femininer Deklinationssubstantive, wie sie im besten Zeugnis des Kretinga-Dialekts der nordžemaitischen (samogitischen) Mundart des 18. Jahrhunderts – dem Ziwato, veröffentlicht 1759, belegt sind. Die feminine Deklination umfasst drei Stammtypen: ā- und iā- sowie ē-Stämme. Die Daten des Dialekts des Ziwato wurden mit den Daten des gegenwärtigen Sprachgebrauchs im nordžemaitischen Kretinga-Dialekt verglichen. Die vergleichende Untersuchung der Substantivstammparadigmen offenbarte bestimmte charakteristische Merkmale und Tendenzen in der morphologischen Entwicklung der Eigennamen im nordžemaitischen Kretinga-Dialekt. Die vergleichende Analyse zeigte, dass die Veränderungen der Substantivformen der femininen Deklination und die Vielzahl homonymer Formen sowohl durch die lautlichen Entwicklungen im Dialekt als auch durch die Betonungsmuster bedingt waren. Somit hängt die morphologische Entwicklung des Dialekts sowohl von morphologischen als auch von phonologischen Phänomenen ab.
EINLEITUNG
Die heutigen Forschungen zur historischen Morphologie lassen zweifellos zu, das Zi- watą von 1759 als das beste Denkmal des Kretinga-Dialekts der nordžemaitischen Mundart des 18. Jahrhunderts3 zu betrachten4. In der Publikation werden mit den damaligen polnischen Schriftzeichen das phonologische System sowie der grammatische und morphologische Aufbau des Kretinga-Dialekts der nordžemaitischen Mundart klar und konsequent dargestellt.
Das phonologische und morphologische System des Ziwato-Dialekts wurde eingehend untersucht und beschrieben (ausführlicher siehe Girdenis, Girdenienė 1997: 19–44). Bereits Kazimieras Būga (1958: 561–578) stützte sich bei seiner Analyse der phonetischen Vokalveränderungen in den litauischen Dialekten häufig auf die im Ziwate festgehaltenen Formen.
Bislang fehlen eingehende und umfassende Arbeiten zur Morphologie5 des untersuchten Schriftdenkmals. Ziwatas interessierte mit seinen archaischen grammatischen Merkmalen mehr als einen Historiker der litauischen Sprache und Erforscher ihrer Dialekte. Über die lexikalischen Besonderheiten und syntaktischen Merkmale des Ziwato, besonders aber über seine Morphologie, hat Aleksas Girdenis viel geschrieben (2000a: 204–210; 233–257; 2000b: 183–190; 355–356; 2001: 170–181; 292–325; Girdenis, Girdenienė, 1997, 11–19; Girdenis, Skirmantas, 1998, vii–xiv). Vladas Grinaveckis nutzte den Text des Ziwato, um die Entstehung der Affrikatendifferenzen in den žemaitischen Dialekten zu erklären (1973: 292, 365 u. a.). Zigmas Zinkevičius sprach über
3 Im Folgenden wird der Name dieses Dialekts mit ŠVŽK abgekürzt.
4 Näheres dazu, dass das Ziwatas im Küstendialekt der žemaitischen Mundart aus der Umgebung von Kretinga verfasst wurde: Girdenis 2000a: 237–257; Girdenis, Girdenienė 1997: 11–19; Girdenis, Skirmantas 1998: vii–xiv; Vaičiakauskytė 2002b: 4–7.
5 Čia minėtini du gana išsamūs Vilniaus universiteto studentų darbai: Bazinys 1995, Šiliauskaitė 1992.
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Den schrittweisen Vormarsch des Samogitischen in der litauischen Schriftsprache des 18. Jahrhunderts Ziwatą ordnete er den „durchgehend samogitisch verfassten“ Texten zu und nannte die wichtigsten phonologischen und morphologischen Merkmale dieses Sprachdenkmals (1966: 217–218 u. a.; 1980: 196 u. a.). Für die samogitischen Besonderheiten des Buches interessierte sich Giedrius Subačius (1998: 38, 44–58); er bestimmte die für Samogiten am schwersten und leichtesten erkennbaren Merkmale und hob die orthografischen Neuerungen des damaligen Ziwato hervor. Jonas Palionis (1979: 114–115; 1995: 122) betonte bei seiner Analyse der Sprache religiöser Schriften des 18. Jahrhunderts, dass im Ziwate eine deutliche Tendenz bestehe, bestimmte Formen des Küstensamogitischen aufzugeben und die Sprache dem Hochlitauischen anzunähern. Der Autor nannte die häufigsten hochlitauischen Merkmale des Textes, deren Verwendung vermutlich durch die damalige Schreibtradition hochlitauischer Texte bedingt war. Jonas Kazlauskas stützte sich bei der Untersuchung der Herkunft, Entwicklung und Akzentuierung litauischer Sprachformen auf die analysierte Ausgabe (1958: 59, 62; 1959: 17–44; 1963a: 333; 1963b: 178–179; 1968: 248 u. a.). Erwähnenswert ist, dass auch Albertas Rosinas (1995: 25 u. a.) bei der Rekonstruktion der Flexionsparadigmen der baltischen Pronomina die im Ziwate belegten Formen der Partizipialpronomina heranzog.
Die Morphologie des untersuchten Sprachdenkmals ist archaisch; daher ist es sinnvoll, die Flexionsparadigmen der Substantive mit femininer Flexion in der Mundart des Ziwato und in der heutigen Mundart von Kretinga zu vergleichen (wie auch die Paradigmen aller Substantivtypen insgesamt6). Der Vergleich der Paradigmen der untersuchten Substantivstämme zeigt Entwicklungstendenzen und Merkmale der nominalen Morphologie der Mundart ŠVŽK. Ziel dieses Aufsatzes ist es somit, eine synchrone Beschreibung der Entwicklung der Substantive mit femininer Flexion in einem Sprachdenkmal der nordsamogitischen Kretingaer Mundart aus dem 18. Jahrhundert – dem Ziwato von 1759 – vorzulegen und vor allem mit dem heutigen Flexionssystem der Substantive der Mundart ŠVŽK zu vergleichen. Der Aufsatz analysiert systematisch die erstellten Flexionsparadigmen der Substantive mit den genannten Stämmen, erörtert die Herkunft ihrer Endungen und versucht, die historischen Prozesse der Entwicklung der Nominalflexion sowie die Ursachen und Beweggründe der Veränderungen zu erklären. Der Vergleich der Daten aus dem Ziwato und der Mundart ŠVŽK ermöglichte es, die Morphologie der Substantive mit femininer Flexion in der untersuchten Mundart in der Mitte des 18. Jahrhunderts zu rekonstruieren.
In der Mundart des Ziwato werden drei Stämme der femininen Flexion unterschieden: die ā- und jā-Stämme sowie der ē-Stamm. Die ersten beiden Stämme sind einander sehr ähnlich und unterscheiden sich nur durch die Palatalität des stammbildenden Konsonanten; aus diesem Grund könnten sie gemeinsam behandelt werden (vgl. Rinkauskienė 1999). Im Aufsatz werden die genannten Stämme getrennt behandelt, da sich die Herkunft der Endungen unterscheidet und ihre Schreibung im Text variiert7. Die Untersuchung zeigte, dass die in der samogitischen Mundart stark einander angeglichenen jā- und ē-Stämme sehr ähnlich geworden sind.
6 Zur Entwicklung der übrigen Flexionstypen der Substantive im untersuchten Sprachdenkmal siehe Vaičiakauskytė 2001: 119–133; 2002a: 223–236; Vaičiakauskienė 2005: 91–99.
7 Apie Ziwato grafiką ir rašybą jau ne kartą rašyta (plačiau žr. Girdenis 2000a: 233–257; 2000b: 183–190; 2001: 292–326; Girdenis, Girdenienė 1997: 11–44; Girdenis, Skirmantas 1998: vii–xiv; Vaičiakauskytė 2001: 119–133; 2002a: 223–236; 2002b: 4–7), todėl šiame straipsnyje nekartojama.
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ā- UND iā-STÄMME
Alle Substantive mit ā, iā-Stämmen sind feminin, haben sieben Kasus (Nominativ, Genitiv, Dativ, Akkusativ, Instrumental, Lokativ (Inessiv) und Vokativ) sowie drei Numeri (Singular, Plural und Dual).
ā-Stamm
Singular
Plural
N. rąka 57₁₀ ~ rǫnkà⁸
N. rąkas 108₉ ~ rǫnkas
G. gałwos, rąkas 119₁₃ ~ gálvũos, rǫnkas
G. rąku 4₁₄ ~ rǫnku
D. zmona, dyinay ~ žmúonas, dėinâ
D. žmonoms 273₂ ~ žmuonũoms
G. rąka 2₁₇ ~ rǫnka
G. rąkas 2₉ ~ rǫnkàs
Įn. rąku 81₁₇, ~ rǫnkǫ
Įn. rąkomis 75₁ ~ rǫnkũoms
Vt. rąko 8₂, dyinoy 21₁₉, dienoj 32₁₅, kalbojy 59₁₄ ~ rǫnkũo, dėinũo, kálbũo
Vt. rąkoły 9₁₆ ~ rǫnkũosę
Š. karuna 291₈ ~ kàrù·nà
Š. žmonas 118₂ ~ žmũonas
1. Die Endung des Nominativs Singular lautet -a, z. B.: [...] niera zwycziaus, idant balta galwa tokiu śmertiu numyrtum, ney mialwje Panna, ant tawęs ira tokſay dekretas yſzdutas 235₂ₐ–₄.
In der Vergleichsmundart lautet die Endung des Nominativs Singular ebenfalls -a (rǫnkᵃ ~ rankà⁹, trúobᵃ ~ trobà), die auf ein altes langes *-ā̄ zurückzuführen ist. Die alten akutierten Endungen wurden im Litauischen um das Ende des 13. und den Beginn des 14. Jahrhunderts verkürzt (Būga 1961: 46; Girdenis 2001: 173–174; Grinaveckis 1973: 267).
2. Die Endungen des Genitivs Singular lauten -as, -os, z. B.: Wisst ihr nicht, dass euch die Furcht des Pharao aus Ägypten herausgeführt hat; aus den Händen des Feindes 185₁₉–₂₁; Dann lasst uns nicht bei ihm rufen, auch wenn nicht mit den Lippen, sondern im Herzen, damit ihr nicht die Gewohnheit und das Beispiel jener heidnischen Frauen seht 97₁₆–₁₈.
In der heutigen Mundart der Kretingaer lautet die Genitivendung Singular bei wurzelbetonten Substantiven -as, bei endungsbetonten dagegen -uos (rǫnkᵃˢ ~ rañkos, trúobũos ~ trobõs). Die Genitivendung Singular geht auf *-ãs zurück. Wie Dialektuntersuchungen zeigen, wurden in den nördlichen žemaitischen Mundarten unbetonte lange zirkumflektierte Endungen früher verkürzt als akutierte. Am deutlichsten zeigen dies die unterschiedlichen Reflexe von *-an und *-án. Im ersten Fall wurde dieser Diphthong monophthongiert, blieb aber offen (z. B. Sg. Akk. dárba ‚Arbeit‘); im zweiten Fall wurde er nicht nur monophthongiert, sondern ging bereits in eine mittlere Öffnungsstufe über (z. B.:
8 Für die Wiedergabe der Mundartbeispiele im Artikel werden die Schriftart Palemono und ihre diakritischen Zeichen verwendet.
9 Die Beispiele aus der Vergleichsmundart stammen hier und im Folgenden von der Autorin des Artikels.
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Sg. Instr. šàkò ‘Zweig’; vgl. ferner: Sg. Nom. rąka 57₁₀ und Sg. Instr. rąku 81₁₇) (Girdenis 2001: 174). Die zirkumflexen Vokale in unbetonten Endungen sind in den žemaitischen Dialekten mehr oder weniger reduziert (Grinaveckis 1973: 272). Die Genitivformen des untersuchten Schriftdenkmals bestätigen, dass die unbetonte Endung –as im Dialekt schon vor langer Zeit verkürzt wurde, während die betonte Endung – (wahrscheinlich über ein Zwischenstadium –o·s) zu –uos wurde.
3. Die Endungen des Singular-Dativs sind: –ay, –a = [a·]¹⁰, z. B.: Stojofy, kada Ju dydy nobażenſtwu, cuda to Diewa ławkie aż ligi trete dienay, neregiedamy niekokie cuda, parsýganda 8₂–₅; Abludnikay (tay ira bludyjentis) ne tepkiet tay žmogaws ney mozokiet, kas yłž burna eyta ale kas yłž burna paeyta yr [zyrdies, kaypo tay mysles pyktas, fwetym moteriltes, už mušimas, yr kytas toms padabnes 86₃–₆.
Im heutigen Dialekt von ŠVŽK endet der betreffende Kasus auf –a (lí́ovå̄ ~ lóvai, trío-bâ ~ tróbai). Ziwatas bestätigt, dass die Singular-Dativendung –a im Dialekt aus *–ai monophthongiert wurde (ausführlicher siehe Vaičiakauskytė 2002b: 18). Der Übersetzer von Ziwato verwendete keine diakritischen Zeichen, die eine monophthongierte Vokallänge hätten kennzeichnen können. Ohne solche Zeichen lassen sich die monophthongierten žemaitischen Endungen –[a·] (übrigens auch –[e·]) nur mit den Digraphen –aa, –ee wiedergeben. Der Verfasser von Ziwato verwendete die žemaitische Singular-Dativform im untersuchten Text wahrscheinlich nur wenige Male, weil er den Digraphen –aa vermeiden wollte.
4. Die Endung des Singular-Akkusativs ist –a, z. B.: Dufiu jums znoka, jog kuri aſz pabučiusiu yr ant kurio rąka pyrmu pakielſiu, tafay bus 134₂₇–₂₈.
Die Singular-Akkusativform im Kretinga-Dialekt stimmt mit der im Ziwate belegten überein, d. h. die Endung des betreffenden Kasus ist –a (lí́ovå̄ ~ lóvá, trióbᵃ ~ tróbą). Die Akkusativflexion –a ist zweifellos auf *–ān zurückzuführen.
5. Die Endung des Singular-Instrumentals ist –u = [ọ], z. B.: Weyziek tada kaypo ława rąku Apaſztalams duna dalyje, lyipdams, idaut wyſims dalitum ne šiſztay, yr kaypo rąkoſy anu, yr rąkoſy tu, kuryi nu anu jeme duna skielſtum 81₁₇–₁₉.
Im Kretinga-Dialekt ist die Singular-Instrumentalendung –ọ (rõnk’o ~ ranką, trióbᵒ ~ tróbą) auf *–ā̄ < *–ān < *–ān zurückzuführen. Die Untersuchung zeigte, dass die Singular-Instrumentalendung der Substantive der femininen Flexion mit der Singular-Instrumentalendung –ọ der o-Stamm-Substantive des maskulinen Flexionstyps übereinstimmt < *–ō (Vaičiakauskytė 2001: 121). Somit waren bereits im Dialekt des Ziwato die Singular-Instrumentalformen der o- und ā-Stämme zusammengefallen (vgl. auch Girdenis, Girdenienė 1997: 13).
6. Die Singular-Inessivform variiert: –o = [uo], –oj, –oy, –oįy, z. B.: Gałwo nu Erſzkiešiu karunas (y kurę kieturesdešimt kartu wiezdays užgawa, tankiey įę dielodamy) buwa ronu gylu tukſtąnte 332₁₁–₁₃; Ale tay Jezus kalbieje apey Bazničių kuna ława, kurſay trečioy dienoy yłž numyrusių atsikiele 115₁₇–₁₈; Jaw ira ciefas
10 Hier und im Folgenden werden gemäß der Grafik und Orthografie des Ziwato in eckigen Klammern die transliterierten phonetischen Dialektendungen angegeben, die nicht mit der Schreibweise des Textes übereinstimmen.
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Beeilt euch schnell, denn an jenem Tag können wir sie vielleicht finden und holen, sie wird uns gewiss nicht genommen werden 15726–28. Wirkt, ihr Wolken, wirkt, ihr Luftschichten, am Ort des Grabes ist euch ein Zeichen gegeben. Wirkt, ihr Donner, und Kräfte des Himmels, beim Grab des Herrn 33315–18.
In der Vergleichsmundart endet die Inessivform des Singulars auf -uo ~ -o(je) (rõnkiọ ~ rañko[je], trūobūọ ~ trobõ[je]). Dies ist eine sekundäre Endung, die aus dem alten Lokativ *rankāi und der Postposition *-én hervorgegangen ist. Die Entwicklung der hier behandelten Endung verlief demnach wie folgt: *-āi + en > -ājęn > -ōję. Wie Rosinas (2000: 181) zufolge, müssen sich die postpositionalen Lokative noch vor der Kürzung von *-āi, *-ān oder *-ēi, *-ēn herausgebildet haben; andernfalls hätten wir heute Formen wie *rankaje, *žemena). Die Inessivformen des Singulars wurden um eine Silbe länger als die Formen der übrigen Kasus und verkürzten sich daher morphologisch. Alte Schriftzeugnisse zeigen, dass verkürzte Formen bereits in Texten des 16.–17. Jahrhunderts vorkamen (Zinkevičius 1980: 192).
Die Analyse von Graphie und Orthographie des Ziwato erlaubt die Annahme, dass -uo als authentische Flexion des Inessivs Singular anzusehen ist (vgl. auch Girdenis 1996: 221), während die anderen graphischen Varianten des betreffenden Kasus vom Textautor angehobene Formen sind (vgl. Girdenis, Girdenienė 1997: 31–32).
Der analysierte Text zeigt, dass die Inessivflexion im Singular der Substantive des hier behandelten Stammes bei den Kretingaer Sprechern bereits Mitte des 18. Jahrhunderts verkürzt war.
7. Die Endung des Vokativs Singular ist -a, z. B.: O k a r u n a fprav edliwałtys! 33025. In der heutigen Vergleichsmundart haben ā-stämmige Substantive faktisch keine eigene Vokativform: Sie ist mit dem Nominativ zusammengefallen und unterscheidet sich nur durch die Betonung (mérgà ~ mergà). Die Vokativflexion -ā, die ihre morphologische Bedeutung eingebüßt hatte, musste im Laufe der Zeit abgeworfen werden, z. B.: motin, Onut (Zinkevičius 1966: 222; Girdenis 1962: 60). Solche „regelmäßigen“ Vokativformen des Singulars ohne Endung kommen auch im Ziwate vor, z. B.: motin 6121; žmon 681.
8. Die Endung des Nominativs Plural ist -as, z. B.: Ale rąkas yr koies jo buwa furyjztas, yr tare Ponas Jezufas Apafztalms yfzyrzkiet ij tegut waykščio 1089–11. In der heutigen Mundart endet sie im Gebiet von Kretinga ebenfalls auf -as (rõnkᵃs ~ rañkos, trūobᵃs ~ tróbos). Die Endung -as ist aus *-ās herzuleiten. Untersuchungen zeigen, dass das unbetonte -ā im Samogitischen sehr früh gekürzt wurde (Girdenis 2001: 171; Vaičiakauskytė 2002b: 14).
Der Vokativ Plural ist seit alters her mit dem Nominativ Plural zusammengefallen. Im Ziwate stimmen die Formen des Nominativs und Vokativs Plural ebenfalls überein.
9. Die Endung des Genitivs Plural ist -u, z. B.: O kada netolyi buwa, [zwėčaw]e Panna yfgzyrda traklma anu ieme ant rąku fawa Suneli 3519–21; Po kiek d i e n u pa žiegnojufi Elzbieta Zacharioju yr Jona, eje fu Juzupu Panna y Nazaretha [...] 4017–18. In der heutigen ŠVŽK-Mundart lautet die Endung des betreffenden Kasus entweder betont -u oder unbetont -u, d. h., sie stimmt mit der im Text belegten Form überein (rõnkᵘ ~ rañkų, trūobūᵘ ~ trobų). Die Endung des betreffenden Kasus ist aus *-ūn herzuleiten.
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Die Analyse der Substantive vom maskulinen und gemischten Deklinationstyp im Ziwato (Vaičiakauskytė 2002a: 223–236; 2002b: 18) würde die Annahme erlauben, dass die betonte Genitivendung der besprochenen Substantive noch mit einem Nasalvokal ausgesprochen wurde (vgl. auch Aleksandravičius 1963: 102). Darüber hinaus könnte die Vermutung durch die Genitiv-Plural-Form des Pronomens tu Ziwate tun 17410 oder der fakultative Gebrauch des Diphthongs un in nichtfinaler Position gestützt werden, z. B.: Kam munęs ape tay kławfi, kada muny mi netyki, kławskies tun, kuryi munęs kławfę, nes afz pataiemnay ne mokiaw nieka 1748–10; apskunstas 18817, skundės 31410.
10. Die Endung des Dativs Plural lautet -oms, z. B.: Yr yłz kalbynieje iems ne ityk iema ju, yr kyitiby šyrdyis, jog ne norieje tykiety žmonoms, kurios regieje ij yłznumyrufiu kiełufi, tada ftroławoje anus yr bara 2731–3.
Im Dialekt von Kretinga lautet die Endung dieses Kasus -uoms (rõnkúoms11 ~ rańkoms, trọbųoms ~ trobóms) (vgl. Alminauskis 1931: 92). Der Vokal der betreffenden Endung diphthongierte den Dialektgesetzen gemäß aus -omus, das aus dem alten *-āmus hervorgegangen war. Untersuchungen älterer Schriftzeugnisse zeigen, dass im 16.–17. Jahrhundert noch ungekürzte Dativformen *šakāmus ‘den Ästen’, *rankāmus ‘den Händen’ verwendet wurden. Ungekürzte Dativformen sind in heutigen Dialekten in der Regel nicht anzutreffen. Dialektologen sind sich einig, dass die Kurzformen am frühesten bei den Samogiten durchsetzten (vgl. Zinkevičius 1966: 232); daher finden sich auch im Ziwate durchweg gekürzte Dativformen.
11. Der Akkusativ Plural hat die Endung -as, z. B.: Diel to kławpufis rąkas fudiejufi pakarney kalbieje 166–7.
Im Vergleichsdialekt lautet die Akkusativ-Plural-Form ebenfalls -as (rõnkà’s ~ rankàs, trúobà’s ~ tróbas), die sich aus *-āś verkürzt hat. Einige Linguisten (Kazlauskas 1968: 189; Zinkevičius 1980: 195) neigen zu der Annahme, dass die Flexion des betreffenden Kasus auf *-āns12 zurückzuführen ist. Wahrscheinlich war die alte Akkusativ-Plural-Endung (wie bei Nomina anderer Stämme) ohne n, d. h. *-āś, denn andernfalls hätten wir heute: *-ā́ns → -ā́ns → -ā́ś → -ọ́ś → -ọ̀s.
12. Die Endungen des Instrumentals Plural lauten -omis, -oms, z. B.: Afz fugriawju tą Bažničių rąkomis dyrpta, o po tryju dienu paftatifiu aną nawjy, try mis dienomis 18119–21; Yr pabudyna Pons Diews Juzupa yr Nikodema, kuryi iemy pazwaleny nu Pyłota, ateje fu drobinoms <...> 24718.
Im heutigen Dialekt von Kretinga lautet die Instrumental-Plural-Endung -uoms (rõnkųoms ~ rańkoms, trúobūoms ~ trobōms). Girdenis hat ungekürzte Formen des betreffenden Kasus in einem Lied gehört (Girdenis, Pabrėža 1998: 20; vgl. auch LKA 1991: 66, Karte Nr. 63). Die morphologisch unveränderte Endung ist am besten im Dialekt-
11 Im Dialekt der Telšiai-Samogiten in Nord-Samogitien ā- und (ebenso i̯ā- sowie ē-)stämmige Nomina können im Dativ Plural den Akzent und die Intonation des Instrumentals aufweisen, z. B.: dėinūoms ‘Tagen’, mērgūoms ‘Mädchen’ (Girdenis 1996: 57, 103, 142).
12 Dėl šios fleksijos kilmės dar žr. Mažiulis 1970: 311–312.
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je išlaikė i ir prebals inio kamieno daiktavardžiai (Zinkevičius, 1966, 233; dar plg. Vaičiakauskytė 2002b: 59). Galūnė -uomis atsirado iš senovinės lietuvių *-āmīs, kur -ā kamiengalis ir galūnė *-mīs. Daugiskaitos įnagininko galūnėje i neteko morfologinės reikšmės ir išnyko – tokiu būdu aptariamojo linksnio forma sutapo su daugiskaitos naudininku. Šiuo metu oksitoninio kirčiavimo galūnė skiriasi nuo naudininko tik priegaide ir su ja susijusiu atitrauktiniu kirčiu13: naudininko formos kirčiuojamos tvirtapradžiai, įnagininko – tvirtagališkai; baritoninio kirčiavimo abu linksniai sutampa (dar žr. Aleksandravičius 1963: 105).
Ziwatas zeigt, dass die Küstenschamaiten – die Kretingaer – Mitte des 18. Jahrhunderts noch ungekürzte Instrumentalformen des Plurals verwendeten (gekürzte Formen kamen im untersuchten Text nur ein paar Mal vor).
13. Die Endung des Inessivs im Plural lautet -osy = [uosę], z. B.: Jey ne yſzwiliu rąkoły jo praduryma wyniu yr ne idieſiu pyrſzta muna y wyita wyniu, yr ne ydieſiu rąkas muna y ſzona jo, ne itykeſiu2719–11.
Ungekürzte Lokativformen (Inessiv) haben nur einige Kretingaer und Bewohner der Küstenregion bewahrt (Girdenis, Rosinas 1976: 188–197); ansonsten lautet die Lokativendung des Plurals im Vergleichsdialekt -uos (rõnkũos ~ rañkos[e], trũobũos ~ trobõs[e]); vgl. auch (Aleksandravičius 1963: 107). Der Pluralinessiv war um eine Silbe länger als die übrigen Formen des Paradigmas und neigte daher zu morphologischer Kürzung.
Die Analyse von Ziwato erlaubt die Schlussfolgerung, dass die Lokativformen (Inessiv) des ā-Stamms im Plural Mitte des 18. Jahrhunderts noch nicht gekürzt wurden.
i̯ā-Stamm
Die Deklination der Substantive des i̯ā-Stamms ist nicht umfangreich. Ein großer Teil ist in den ē-Stamm übergegangen14. Ursache des Übergangs ist, dass in unbetonter Position die Laute *-i̯ā, *-i̯an, *-i̯a und *-ē, *-en zu -e zusammengefallen sind, vgl. (Rosinas 1971: 49). Infolgedessen erhielten die Substantive mit Endungsbetonung sechs homonyme Formen, diejenigen mit Stammbetonung acht. Somit fand bereits Mitte des 18. Jahrhunderts im Dialekt von Kretinga ein Übergang der unproduktiven Stämme bei Substantiven der femininen Deklination (wie übrigens auch beim gesamten Nominalbereich15) zu den produktiven Stämmen statt.
13 Dies lässt sich nur mit Vorbehalt sagen, denn der Dativ Plural der ā-stämmigen Nomina kann im nordschamaitischen Dialekt die Betonung und den Akzent des Instrumentals aufweisen (Girdenis 1996: 57, 103, 142).
14 In einigen sprachwissenschaftlichen Arbeiten werden Substantive der i̯ā- und ē-Stämme gemeinsam behandelt (Aleksandravičius 1963: 101–116; Šiliauskaitė 1991). Hier werden die Substantive des ē-Stamms gesondert behandelt.
15 Näheres zum Übergang der unproduktiven Nominalstämme des Dialekts von Ziwato zu den produktiven Stämmen siehe Vaičiakauskytė 2002a: 223–236; Vaičiakauskienė 2005: 91–99.
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Singular
Plural
Nom. dwafe55₂₀, poni18 ~ dvàsè, pṹonì
Nom. duśies54₁₇ ~ dũśes
Gen. dwafes15₁₉, ponios247₁₂ ~ dvā.ses, pṹonũos
Dat. dwafiu85₂₅ ~ dvā.šu
Dat. dwafey17₁₄, duśiey44₂₄ ~ dvàśê
Akk. dwafioms242₂₈ ~ dvàṣùoms
Instr. dwafy11₁₁ ~ dvā.se
Instr. dwafes190₁₇ ~ dvàśès
Lok. dwafy19₁₀ ~ dvàṣè
Lok. kojomis53₂₀ ~ kúojùomìs
Vok. baznicio2₂₄, baźnicioj79₂₁, dwafioy77₁₀ ~ bažnĩčùo, ~ dvàṣùo¹⁶
Vok. kojofyVI₃₄ ~ kúojùõse
Voc. dwafe236₁₀, poniVII₂ ~ dvàṣè, pṹonì
Voc. dwafes243₂₀ ~ dvā.ses
1. Die Endungen des Singularnominativs sind -’a = [e], -e und -i, z. B.: Yr teyp tawa d u - ś i e greyta aną atras, iey gieray kaypo Panna ƒzwečiawfe ano yijžkofi 50₁₇–₁₈; Dafylytie kiete, yr pryflyweyziekiete, nes d w a f e kuna yr kawłu ne tur: kayp muni regete turyn ti 269₁₇–₁₉; Tada atimk zapłota už jawa ćijſtata, kuri efi Aniolanis ligi, Tu pati bufi wadinta Poni Aniotu 287₁₃–₁₅.
Im Vergleichsdialekt lautet die Endung des Singularnominativs -ę (dvàṣę ~ dvasìą, dãlę ~ dalìą); sie ist aus dem alten *-i̯ā hervorgegangen. Im Dialekt (wie bei allen nordžemaitischen Mundarten, außer an deren äußersten südlichen und östlichen Rändern) verengte sich der Vokal a nach einem palatalisierten Konsonanten in unbetonter Stellung über den Zwischenvokal e zu ę. Juozas Aleksandravičius (1963: 109) ist zwar der Ansicht, dass sich ein solches a im Dialekt von Kretinga zu ę verengt hat, doch ist es fraglich, ob sich dieser Vokal so stark verengen konnte¹⁷.
Im Dialekt des Ziwato war der Endungsvokal, wie die Beispiele zeigen, noch nicht verengt. Die erwähnten graphischen Varianten des Singularnominativs (mit Ausnahme von -i) bezeichnen, wie die Analyse der Textgraphie zeigt, den Vokal e oder -æ nach j.
Atskirai reikia minėti žodį poni (pṹonì ~ põni), kurio galūnė -i (Zinkevičius 1966: 223). Galūninio -i nepaplatėjimas rodo, kad jis kilo iš *-ī (Būga 1958: 566). Tarmių tyrimai rodo, kad ilguosius pralietuvių akūtinių galūnių balsius, taip pat ir *ō ir *ę, sutrumpino visos tarmės. Šiaurės žemaičiai, skirtingai nuo kitų tarmių, *ū, *ī nesuplakė su *ų, *i arba *ō, *ę, pvz.: vns. vard. gražì ‘graži’, dgs. gal. mėškūs ‘miškus’ (Zinkevičius 1966: 116).
Die Form des Singularvokativs unterscheidet sich nicht vom Nominativ.
2. Der Singulargenitiv weist folgende Endungen auf: -es, -os, z. B.: Kaltas taſay ƒuwa-džiotojes, pyktos d w a f e s apfieƒtas, ƒmerte 182₁₄; Ponas Jezušas uterniky po werbu n e d i e l o s griža y J eruzalu 121₃.
¹⁶ Im gegenwärtigen Vergleichsdialekt wird eine Form mit einer ē-Stammendung verwendet, z. B.: dvàṣė ‚Geist (Lok.)‘.
¹⁷ Hier sei erwähnt, dass offenes e in betonter absoluter Endung noch vor relativ kurzer Zeit in den nordžemaitischen Gegenden Žemaičių Kalvarija und Nevarėnai vorkam; Näheres dazu siehe Girdenis 2000a: 233–236; vgl. ferner Juškaitė, Girdenis 1974: 93–94.
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Im Dialekt von Kretinga gibt es für die Endung des hier behandelten Kasus zwei Varianten: unbetontes -ęs und betontes -uos (dvâ.sęs ~ dvâsios, pūonūos ~ ponió̄s). Die unbetonte Flexion fiel sowohl im Ziwato als auch im Vergleichsdialekt mit der Form des ē-Stamms zusammen. Die graphischen Varianten des Singulargenitivs im Text belegen die Endung -es, die sich später im Dialekt zu -ęs entwickelte.
3. Die Endung des Singularallativs lautet -ey = [ė], z. B.: Garbie buk Tiewuy, yr Sunuy, yr Dwafey Szwětay25–26.
Im heutigen nordžemaitischen Dialekt von Kretinga hat die Endung des Singularallativs die Form -e (dvâsê ~ dvâsiai); sie ist durch Monophthongierung aus -iai entstanden, das auf das alte *-iai zurückgeht. Die im analysierten Text belegten Singularallativformen auf -ey sind, wie die Analyse der Graphie und Orthographie des Ziwato zeigt (Girdenis 2000a: 233–257; 2000b: 183–190; 2001: 292–326; Girdenis, Girdenienė 1997: 11–44; Girdenis, Skirmantas 1998: vii–xiv), als vom Autor angehobene Formen zu bewerten.
4. Die Endungen des Singularakkusativs sind -y = [ė], -e, -q18, z. B.: O anyi užšmutnity yr iftrósity taries Dwafy regi13–14; Galeie Aniolas paimte aną fukne, yr parodite jė Diewuy Tiewuy kalbiedamas apweyziek Diewy Tiewy fukne1–2 165.
Im Vergleichsdialekt wird eine Singularakkusativform mit -ę verwendet (dvâ.sęs ~ dvâsią, vā.ļę ~ vālią).
Im žemaitischen Dialekt sind Nasalvokale in der niemals betonten zirkumflektierten Endung verkürzt. Somit ist der heute im Dialekt vorkommende Vokal -ę aus dem alten *-į̄an verkürzt worden (→ *-įan → *-jęn → -en → -ęn → -ē → -ę), vgl. Girdenis 2001: 172.
5. Die Endung des Singularinstrumentals lautet -y = [ė], z. B.: Nes Jonas szwętas Dwafy fzwetu prypilditas, prypilde Motina Jawa 1919–20.
Die im Ziwate belegte Singularinstrumentalendung entspricht der Singularinstrumentalform des heutigen Dialekts mit der Flexion -ę (dvâsê ~ dvasią, vāļê ~ valią). Die Endung des hier behandelten Kasus verkürzte sich aus *-į̄an (→ *-įan → *-jęn → - ēn → -ęn → -ē → -ę).
6. Die Endungen des Singularinessivs sind -o = [uo], -ioi, -ioy, z. B.: Trécioie dieyno ftejos balfas dydis Baźnićio, kuri wyły gyrdieie 719–20; Dyino pewno fubatos Ponas Jezuzas mokie Baźnićioj, kur tynay buwa žmogus nekurfay fudziuwufy ręka turynti 7921–23; Patayminty ira ubagay dwaśioy (tyi ira pyrmyi žodey) nes anu ira Karalifte Dangaus 6319–21.
Die authentische Flexion des Lokativ Singularis im Vergleichsdialekt ist als -uo anzusehen; von den Endungen der ā-Stamm-Substantive unterscheidet sie sich nur durch die Palatalität des Stammendkonsonanten (vgl. die besprochenen ā-Stamm-Formen).
18 Dėl šios galūnės plačiau žr. Girdenis, Girdenienė 1997: 23–25. Su šia fleksija tekste pasitaikė tik vienas žodis, kuris dėl sakralumo veikiausiai vertintinas kaip lenkiška forma, pvz.: O tay Ponas Jezuzas kalbieje, diet to, idant butum pakarny, yr tare iems eydamy po wyfa fwieta apfakikiete Ewangelią wyfam futwierymuy3–6.
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7. Die Endung des Nominativs Plural lautet -’as = [es], -es, z. B.: Potam jogiey anos kojes ſzwętas buwa ſu waykſčiotas yr ſuronitas nu akmenu yr ſmyltu karſzte; maſty bragy patepe yr bučiawa neparſtodama 70₁₆–₁₈; Dabar kunay ſzwętuju, duſies pryaždabitas bus karunomis trejokiomis 326₂₅–₂₆.
Im Vergleichsdialekt lautet die Endung des Nominativs Plural -ęs (dvà.sę ~ dvãšios, và.łęs ~ vàlios). Die Žemaiten haben die unbetonten langen zirkumflektierten Endungen schon vor langer Zeit verkürzt; daher ist die Flexion des hier behandelten Kasus -ęs aus dem ursprünglichen *-į̃as herzuleiten (→ *-į̄as → *-’ãs → -’as → -es → -ęs). Žiwatas belegt eine Zwischenstufe der Entwicklung, -es. Die Vokativform Plural stimmt mit dem Nominativ Plural überein.
8. Die Endung des Genitivs Plural lautet -’u, z. B.: Teyp ana pry ejufi pry Pona Jezuſa pole po koju jo; dudama garby jem, yr tare: Pony padiek mąn 85₅–₇; [...] kurie priemy Wiera Szwęta kada kayte pry Myſiu. Szwętu Ewangeliyjy [...] IV₈–₉.
Im Vergleichsdialekt kann die Endung des Genitivs Plural betont oder unbetont sein (kúoi̯ ~ kóįų, marč̃ų ~ marčių). ŽiwatoIm Dialekt von Žiwato ist die Genitivendung betont und hatte, wie bereits erwähnt, wahrscheinlich noch immer einen Nasalvokal.
9. Die Endung des Dativs Plural lautet -oms, z. B.: Tada ſu dydziu ſzturmu, yr ałafu uźgiedintas, y Pekła biega, yr pyktoms dwaſioms apſakie 242₂₇–₂₈.
Die Endung dieses Kasus unterscheidet sich von der des ā-Stamms nur durch die Palatalität des Stammendkonsonanten (vgl. die besprochenen ā-Stamm-Formen).
10. Die Endung des Akkusativs Plural lautet -es, z. B.: Yr teyp uſtawyczney aſzaromis maźgoje kojes jo ſzwętas 70₁₀–₁₁.
Die Akkusativform Plural im Dialekt von Kretinga endet auf -es (dvàšės ~ dvasiàs, vàlės ~ valiàs), das auf das ursprüngliche litauische *-jãs zurückgeht (→ *-jās → *-’ãs → -’as → -es → -ęs). Ziuwatas belegt das noch nicht verengte auslautende e.
11. Die Endung des Instrumentals Plural lautet -omis, z. B.: Kada jau buwa awźtanti, tada eje Ponas Jezuſas nu kalna, pry anu par Mary wyŕźumi wąndens, Sawſonis ko-jomis kaypo źemy 83₂₁–₂₃.
Im heutigen Dialekt ŠVŽK unterscheiden sich die Instrumentalformen Plural von Wörtern mit Baritonbetonung nicht vom Dativ (dvàšiõms ~ dvãšioms), obwohl, wie bereits erwähnt, der Dativ im nordžemaitischen Dialekt häufig den Akzent und den Akzentverlauf des Instrumentals haben kann (vgl. die besprochenen ā-Stamm-Formen); Wörter mit Oxytonbetonung unterscheiden sich vom Dativ dagegen nur durch den Akzentverlauf (vâl̃džioms ~ valdžiõms). Im Dialekt von Kretinga ist die Endung des hier behandelten Kasus, wie die Beispiele zeigen, morphologisch verkürzt.
12. Der Lokativ Plural wird mit der Endung -ofy = [uose] verwendet, z. B.: Tada ćionay Szwetas Bernotas kalba: o diwna prowa yſzganima muſu, jog Chriſtufas Ponas kibodamas ant kriźiaus, daug ronu, daug muku, yr fopulu kięntieje, kaypo tay karuna Erſzkiečiu ant Galwu Szwęčiaufyj, rąkoſy, koioſy wynis, o wyinog apey muka tiljeje: ne ſzawkie skawd, ale trokſtu 240₁₆–₂₂.
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Im Vergleichsdialekt unterscheidet sich die Form des besprochenen Kasus von der des ā-Stamms nur durch die Weichheit des stammschließenden Konsonanten (vgl. die besprochenen Formen des ā-Stamms).
ē-STAMM
Die Substantive dieses Stamms (wie auch die der soeben besprochenen Stämme) sind Feminina (mit Ausnahme des Wortes diedes 7₂₁ ‘Tante’), haben sieben Kasus (Nominativ, Genitiv, Dativ, Akkusativ, Instrumental, Lokativ (Inessiv) und Vokativ) und drei Numeri (Singular, Plural und Dual).
Singular
Plural
V. meyle 34₁₀, garbie 105₂₇ ~ mêile, gấrbīe
V. linkɱibes 229₄ ~ linkšmîbes
K. meyles 11₁₅, garbies 2₄ ~ mêiles, gấrbīes
K. links mibiu 288₁₀ ~ linkšmîʹbu
N. meyle 300₄, sawley 258₁₆ ~ mêilê, sáulê
N. paneliems 177₂ ~ panèlèms
G. meyly 28₃ ~ mêilę
G. linkɱibes 20₁₁ ~ linkšmîʹbès
Įn. meyly 58₂₃ ~ mêilę
Įn. links mibiemis 152₁₃ ~ linkšmîʹbiemìs
Vt. žiemie 5₂₂, žiemiey 199₂₂ ~ žèmîè
Lok. giesmiefy 30₂₆ ~ géismièsę
Lok. meyle 145₄, zwaɣzdie 291₈ ~ mêile, žvaizdė
Lok. gymynes 312₂₂ ~ gèmę.nes
1. Die Endungen des Singular-Nominativs lauten –e und –ie, z. B.: Dielko tawa meyle ateje 34₁₀; Blagasłowitas, kurłay wardon Diewa eyta: ant amžiu tegul garbie iem bułey 113₅–₆. In der Vergleichsmundart lautet die Endung des Singular-Nominativs bei Substantiven mit Endungsbetonung –ie, bei solchen mit Stammakzent dagegen – –ę (pêłkę ~ pélkę, žuolė ~ žolė) (Zinkevičius 1966: Karte Nr. 38, 42). Das Ergebnis der Entwicklung von unbetontem *–ē (nach einem palatalisierten Konsonanten) fällt mit dem Ergebnis der Entwicklung von *–ā zusammen (Girdenis 2001: 171). Gewöhnlich verdrängt die betonte Allomorphe die unbetonte Endungsallomorphe, zum Beispiel sagt man statt des Singular-Nominativs *(bált)–ā *(bált)–a und statt des Singular-Instrumentals *(bált)–ō *(bált)–u. Wie Girdenis (2001: 377) feststellt, konnte sich, wenn die Endung zu einem Flexionstyp (Stamm) gehörte, der deutlich zur Baritonie neigte, auch die unbetonte Allomorphe der einen oder anderen Endung durchsetzen. So lässt sich offenbar die Entwicklung des betreffenden Kasus erklären, d. h. (sául)–ė < *(sául)–ē und besonders (giesm)–ẽ < *(gęsm)–ē < *(gęsm)–è.
Ziwatas bewahrt am Wortende den noch nicht verengten Vokal e.
Der Singular-Vokativ stimmt mit der Nominativform überein.
2. Die Endungen des Singular-Genitivs lauten –es, –ies, z. B.: Yļžzódžiu Motinas milawłes, yr yļz meyles Jawa uaykielis ne werkie 33₁₁–₁₂; Swyłiby ant apšwitytma Pagon iu, yr ant garbies žmoniu tawa Jzraelu 38₁₈–₂₀.
In der Mundart ŠVŽK sind die Endungen des Singular-Genitivs (wie auch des Singular-Nominativs) zweifach: Bei Substantiven mit Stammakzent lautet die Endung –ęs, bei solchen mit Endungsbetonung –
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-ies (pêlkᵉ ~ pêlkės, žuol̃lės ~ žol̃ės) (Zinkevičius 1966: Karte Nr. 40, 44). Die Flexion des behandelten Kasus geht auf das altlitauische *-ẽs zurück.
Wie die Analyse des Ziwato zeigt, unterschied sich die Flexion -es < *-ẽs im Dialekt von Kretinga Mitte des 18. Jahrhunderts noch von der Endung -ęs < *-ę̄s, vgl.: meyles 33₁₂ < *-ęs ‚Liebe‘ und ugnys 90₄₁₉ < *-ę̄s ‚Feuer‘.
3. Die Endungen des Dativs Singular sind -ey und -e = [eʳ], z. B.: O Diewy wyfagalis, ne yf̄zpakafitas dudu diekawones tawa galibey, teykies mun tą duty yf̄fawa gieribes, idant pylnay galiečio s̄užity ano s̄zwėtay milafzyrdittey 25₂₃–₂₅; Cionay diwities galem yfzgieribey yr meyle Chrifʃufa Pona, jog diet grieʃzna žmogaws ant tokie ʃmerte afierawojos, yr atʃydawė 300₃–₅.
Die Dativform Singular des Kretinga-Dialekts wird mit -e gebraucht (pêlkê ~ pêlkei, žuolê ~ žolei); diese entstand durch Monophthongierung aus *-ei (Zinkevičius 1980: 205; 1966: 90).
Die eigentliche, d. h. samogitische Flexion des Dativs Singular ist -e; Formen mit -ey (wie auch bei den zuvor behandelten Substantivstämmen) sind als Folge der Aukštaitisierung zu beurteilen. Aus diesem Grund sind Dativformen mit monophthongiertem Endungsvokal im Text offenbar sehr selten²⁰.
4. Die Endung des Akkusativs Singular ist -y = [ę̄], z. B.: O unfay mumis užtą y amžyna garby pryimfey 24₁₃–₁₄.
Im Vergleichsdialekt stimmt die Endung des Akkusativs Singular mit der Akkusativflexion des Ziwato-Dialekts -ę überein (pêlkᵉ ~ pêlkę, žuolᵉ ~ žolę). Das ę des behandelten Kasus geht auf das alte *-ę̄ zurück (ęn → -ę̄ → -ę).
5. Die Endung des Instrumentals Singular ist -y = [ę], z. B.: Ale ką tynay raśie, kalba ʃzwetas Ambrażiejus, jog raśie tus źodźius: źieme źiemv pakalba 122₂₃–₂₄.
Im heutigen Kretinga-Dialekt stimmt die Instrumentalendung Singular -ę mit dem Akkusativ überein (pêlkᵉ ~ pêlkę, žuolᵉ ~ žolę). Die Flexion -ę des behandelten Kasus ist aus dem alten *-ę̄n verkürzt worden (→ -ę̄n → -ę́n → -ę̄ → -ę).
6. Die Endungen des Inessivs Singular sind -ie, -iey, z. B.: Uźlaykity Prifjakimus Diewa, kurius pyldity reykalas, ne tyktay pagal żwyczjaws, ale pagal intencyes pryfakitoje, tay ira, meylie, yr pagal meyles 329₈–₁₁; Apey paftati Pona muʃu Jeżusa Chriʃtuja, ciely Oktawiona Ciecorawws: ne kurfay Lentulus ʃzaliey Zidu źiemiey Heroda Karalaws Uriedniks, Senatuy yr wyfay Roday Rima apraśie VIII₁₉–₂₁.
Im heutigen ŠVŽK-Dialekt lautet die Endung des behandelten Kasus -ie ~ -ė(je) (pêlkê ~ pêlkė(je), žuolê ~ žole(je)); wie die Dialektforschung zeigt, fiel sie seit alters mit dem Lokativ Singular der i- und konsonantischen Stämme zusammen (siehe auch Girdenis 1963: 34). Aus diesem Grund der Morpho-
19 Zur Entwicklung der Substantive mit i-Stamm im Dialekt des Ziwato siehe Vaičiakauskytė 2000²a: 223–236.
20 Die graphische Variante des Dativs Singular -e im Ziwate weisen nur sieben Wörter auf, nämlich meyle 300₄ ~ meilei, pane le 7₃ ~ panele(i), Pylotiene 214₃ ~ Pilotenei, tarneyte 53₁₆ ~ tarnaitei, zdraice 145₁₅ ~ zdraicei, zwazyde 328₁₀ ~ žvaizdei, źieme 310₂₈ ~ žemei.
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Durch den logischen Schwund hat dieser Kasus eine Silbe verloren. Die Endung des besprochenen Kasus ist rinischen Ursprungs. Sie entstand aus dem alten Lokativ *žemēi + *ēn (Rosinas 2000: 179).
Im analysierten Text ist die eigentliche Flexion des besprochenen Kasus natürlich -ie; Formen mit -iey sind als Folge der Hochlitauisierung zu bewerten.
7. Die Endung des Nominativs Plural ist -es, z. B.: Zwayzdes ira [zweetiey Diewa, niejokios [zwayjibes griežnikams ne žičios 31014–15.
Im Dialekt von Kretinga hat die Form des Nominativs Plural die Endung -ęs (pẽlkẽs ~ pélkės, žùolẽs ~ žòlės) (vgl. Zinkevičius 1966: Karte Nr. 44, 48). Die Flexion -ęs der besprochenen Form verkürzte sich aus *-ēs (*-ēs → *-es → -es).
Im Dialekt des Ziwato war, wie zu sehen ist, der Vokal e der Nominativ-Plural-Form noch nicht verengt.
Der Vokativ Plural stimmt (wie bei den zuvor analysierten Stämmen) mit dem Nominativ überein.
8. Die Endung des Genitivs Plural ist -u, z. B.: Kaypo tawarcíeys bufte muku, teypo bufete yr l i n k s m i b i u 2889–10.
Im heutigen Dialekt ŠVŽK lauten die Endungen des Genitivs Plural -u oder –u (pẽlkų ~ pélkių, žùolũ ~ žolių) und unterscheiden sich nicht von der Genitivflexion der zuvor besprochenen Substantive.
9. Die Endung des Dativs Plural ist -iems, z. B.: Antra karuna wadinta ira Panelu, o ta P a n e l i e m s ira duta, apey kures gieda Bažničia Szwęta 29414–16.
Im Vergleichsdialekt stimmt die Endung des Dativs Plural mit der im Ziwate belegten überein, d. h. sie lautet -iems (pẽlkiem21 ~ pélkėms, žùolėms ~ žolėms). Die Endung -iems ~ -ēms ist morphologisch aus dem altlitauischen *-ēmus (*-ēmus → *-ēmos → -iemọs → -iems) verkürzt.
10. Die Endung des Akkusativs Plural ist -es, z. B.: Kławfely Maria prałydieima Elzbietas [zwętos, Elzbieta kławfes prałydieima [zwęčiawęs Pannos; yr teyp dydes l i n k š - m i b e s paþakoie wyina qntray [...] 209–12.
Im heutigen Dialekt von Kretinga lässt sich die Akkusativ-Plural-Endung -ęs (pẽlkẽs ~ pélkes, žùolẽs ~ žolès) auf das alte *-ēs zurückführen. Die Analyse des Ziwato zeigt, dass der Vokal e, wie auch in der Endung des Nominativs Plural, noch nicht verengt war. Die jüngere Verengung dieses Vokals zeigt sich im breiten e der übrigen Žemaiten. Wie bereits erwähnt, bestand das offene e bis heute in den Gegenden der nordžemaitischen Orte Žemaičių Kalvarija und Nevarėnai. Dieses offene e kommt nur anstelle der akzentuierten akuten *–ā und *–ē vor, die einen Nebenakzent trugen (Girdenis 2000a: 233–236, 321–323; vgl. außerdem Aleksandravičius 1963: 111; Būga 1958: 560).
21 Zum Dativ Plural der Substantive dieses besprochenen Stammes, der Akzent und Intonation des Instrumentals aufweisen kann, siehe auch Zinkevičius 1966: 235.
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11. Die Endung des Instrumentals Plural lautet -iemis, z. B.: O tų avyneli walgyti pradije, batus nu koju nuawe, frienas par jufe, łazdeliemis pasyrieme, nie wyina kawła netawzie 14316–18.
Im Vergleichsdialekt unterscheidet sich der Instrumental Plural bei Wörtern mit baritonischer Akzentuierung (pėlkėms ~ pėlkėms) nicht vom Dativ Plural; bei Wörtern mit oxytonischer Akzentuierung unterscheiden ihn vom Dativ nur der Akzenttyp und der damit verbundene zurückgezogene Akzent22 (žūolėms ~ žolēm[i]s). Der Instrumental Plural unterschied sich um eine Silbe von den übrigen Formen des Paradigmas und unterlag daher einer morphologischen Kürzung, d. h. der Vokal i der Endung ist geschwunden. Allerdings kommen im analysierten Text verkürzte Formen nur bei drei Wörtern vor: [...] yr užsłuzyje ant amžynu muku neteyfibiems ława 32118–19; Jezufas milawfis kada yszwida Judósiu yfz toła ateynanti, židus Ju miečieys, yr Ju pachodniems, tada budyna Apałztalus kalbiedamas [...]16812–14; Yr kaypo Zwayzdes Ju žwayzdiems ne tur wyfas ligie [zwie]uma terp Jawes, Sawle Ju Mieneliu [...] 31122–23. Somit traten Formen des Instrumentals Plural Mitte des 18. Jahrhunderts nur sporadisch in verkürzter Form auf. Im Dialekt des Ziwato unterschied sich der Instrumental Plural vom Dativ durch das Vorhandensein des auslautenden Vokals i.
12. Die Endung des Inessivs Plural lautet -ieły = [iese], z. B.: Apey tą karunawoima ira Giefmieły Salomona parašita 2067–8.
Im heutigen Dialekt ŠVŽK lautet die Endung des Lokativs Plural ebenfalls -iese. Die Form des betreffenden Kasus war um eine Silbe länger als die übrigen Formen des Paradigmas; daher wurde die Endung in der Umgebung von Kretinga morphologisch gekürzt (pėlkies ~ pėlkės(e), dõubies ~ duobės(ė)).
Im Dialekt des Ziwato war die Form des betreffenden Kasus (wie auch bei den anderen zuvor behandelten Stämmen) noch ungekürzt.
DUAL BEI SUBSTANTIVEN DER FEMININEN DEKLINATION
Im Ziwato werden wie im gesamten Litauischen die Formen des Nominativs, Dativs23, Akkusativs und Instrumentals Dual von Substantiven der femininen Deklination verwendet (wie auch allgemein beim gesamten Nominalbereich, siehe Vaičiakauskytė 2002b: 62–66). Es ist allerdings zu erwähnen, dass im untersuchten Text einige Male Genitivformen des Duals verwendet wurden. Das Dualparadigma der analysierten Substantivstämme sieht somit folgendermaßen aus:
N. dwy žwayzdy 208 ~ dvè žvàizdè
G. dwyiu dyinu 1062 ~ dvėjų: dėinū
22Das lässt sich nur mit Einschränkung behaupten, denn wie bereits wiederholt erwähnt, kann der Dativ Plural von Substantiven der femininen Deklination den Akzent und den Akzenttyp des Instrumentals haben; vgl. außerdem (Zinkevičius 1966: 243).
23Dativformen der Substantive mit den analysierten Stämmen kamen im Text nicht vor.
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G. dvy dviny 106₁₄, aby kojy 224₁₄ ~ zwei Hände, beide Beine
Instr. dwym gatwym 311₁₉ ~ dvėm gálvėm
1. Die Endung des Nominativs und Akkusativs im Dual der Substantive des femininen Deklinationstyps lautet -y = [ę], z. B.: Yr teyp par d w y d i n y ape tay tilieje, yr tare potom po dwyiu dyinu Jawa Mokitynems: Eyk iem y židu žiemy 106₁–₃; Yr teypo ij yſtzæſy kaypo ſtriuna ant Lutnes, dydy wyny a b y [zwæčiawſy k o j y pry kriziaws prymušie 224₁₃–₁₅; Patam ana ſu uczčiwałty pakiele anà: yr teyp ſiedieje aby ligiev, yr pradjeje terp ſawaes kałbiety d w y ž w a y z d y Dangaws, Motinas [zwaetas 20₆–₉].
In der heutigen Vergleichsmundart stimmen die Nominativ- und Akkusativformen des Duals der untersuchten Substantive mit den in Ziwate belegten Formen überein (dvė žvaizdė ~ dvi žvaigždi). Die Flexion -ę ~ -i des Nominativs und Akkusativs des Feminin-Duals ist auf das altlitauische *-ḗ zurückzuführen (vgl. Kazlauskas 1968: 130; siehe auch Zinkevičius 1980: 181).
2. Die Genitivendung des Duals lautet -u, z. B.: Yr teyp par d w y d i n y ape tay tilieje, yr tare potom po dwyiu dyinu ſawa Mokitynems: Eyk iem y židu žiemy 106₁–₃.
In der heutigen Mundart von Kretinga lautet die Genitivendung des Duals des Substantivs ebenfalls -u (dvėjųˑ būobu ~ dvijųˑ bóbu) und stimmt mit dem Genitiv Plural der behandelten Substantive überein.
3. Die Instrumentalendung des Duals lautet -ym = [em], z. B.: Norint wynu butum [weykiy buwy, kyty ulomny: raku koju neturiejy: kuprotty, akly, d w y m g a l w y m, kieturiomis kojomis […] 311₁₇–₂₀.
In der heutigen Mundart von ŠVŽK lautet die Instrumentalendung des Duals ebenfalls -em (dvėm šakėm ~ dviṁ šakiṁ). Über Herkunft und Entwicklung des Dual-Instrumentals gibt es verschiedene Erklärungen (vgl. Mažiulis 1970: 209–218; Zinkevičius 1980: 198). In diesem Artikel wird der Hypothese von Kazlauskas gefolgt. Somit ist die Stammendung der alten Dual-Instrumentalformen die Nominativ- und Akkusativendung. Die älteste Form dieses Kasus hatte die Endung -ma, die möglicherweise aus *-mā hervorgegangen ist (Kazlauskas 1968: 128, 132; vgl. auch Aleksandravičius 1967: 239; Zinkevičius 1966: 206). Wahrscheinlich ist die behandelte Dualform der Kretingaer Mundart morphologischen Ursprungs²⁴ – die Žemaiten passten den Vokalismus der Instrumentalendung (wie übrigens auch den der Dativendung) an den Vokalismus der Nominativ- und Akkusativendung an.
Abschließend lässt sich zur Erörterung der Dualformen der Substantive des untersuchten Typs sagen, dass zur Zeit des Ziwato, wie die angeführten Beispiele zeigen, bereits solche Dualformen der Substantive des femininen Deklinationstyps verwendet wurden, wie sie auch heute im Gebiet von Kretinga gebräuchlich sind (vgl. auch Aleksandravičius 1963: 104).
24 Antanas Salys versuchte, diese Dualformen der Kretingaer Mundart phonetisch zu erklären; dagegen spräche jedoch die Herkunft der Endung -em der femininen Substantive aus *ām. Auch eine Form wie (dộm) gaidôm ‚(zwei) Hähnen‘ ließe sich phonetisch nicht erklären, da die Verbindung *djā im Žemaitischen vor der Verengung der betreffenden Diphthonge palatalisiert worden ist (Girdenis 2001: 430).
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SCHLUSSFOLGERUNGEN
Nach der Analyse und dem Vergleich der Stammparadigmen der Substantive der femininen Deklination im Dialekt des Žiwato und im ŠVŽK lassen sich folgende Schlussfolgerungen ziehen.
1. Der Vergleich der Paradigmen der Substantive der femininen Deklination im Dialekt des Žiwato und im ŠVŽK zeigte, dass sich im Dialekt der Bewohner von Kretinga seit der Mitte des 18. Jahrhunderts keine wesentlichen morphologischen Veränderungen vollzogen haben. Die Entwicklung der Dialektmorphologie hängt von morphologischen und phonologischen Erscheinungen ab.
2. Bereits in der Mitte des 18. Jahrhunderts vollzog sich im Dialekt der Bewohner von Kretinga der Übergang der unproduktiven Stämme bei Substantiven der femininen Deklination (wie auch bei Nomina insgesamt) zu den produktiven Stämmen.
3. Die Untersuchung zeigte, dass im Dialekt des Žiwato die Singular-Instrumentalformen der Substantive mit den Stämmen o und ā bereits zusammengefallen waren.
4. Bereits in der Mitte des 18. Jahrhunderts waren die Singular-Lokativformen (Inessiv) der Substantive der femininen Deklination im Dialekt der Bewohner von Kretinga morphologisch verkürzt worden. Die Pluralformen – übrigens ebenso wie die der maskulinen Deklination – waren noch nicht verkürzt. Gegenwärtig sind die verkürzten Formen nur für die Mundart von Kretinga charakteristisch.
5. Die Analyse des Žiwato zeigt, dass sich die Plural-Dativformen der Substantive der femininen Deklination morphologisch bereits bis zur Mitte des 18. Jahrhunderts verändert hatten – im Text werden durchgehend verkürzte Formen verwendet.
6. Im Dialekt des Žiwato unterschieden sich die Plural-Instrumentalformen der Substantive der femininen Deklination von den Dativformen nur durch das Vorhandensein des Endungsvokals i. Im Vergleichsdialekt unterscheiden sich die genannten Formen nur durch den Ton und den damit verbundenen zurückgezogenen Wortakzent.
7. Wie die Analyse des Žiwato zeigt, unterschied sich in der Mitte des 18. Jahrhunderts im Dialekt der Bewohner von Kretinga die Flexion -es < *-ēs der Substantive mit ē-Stamm noch von der Endung -es < *-ēs; vgl.: meyles 33₁₂ < *-ēs „Liebe“ und uġnys 90₄ < *-ēs „Feuer“.
8. Im untersuchten Text sind Dualformen selten, aber authentisch. Zur Zeit des Žiwato wurden, wie die angeführten Beispiele zeigen, bereits Dualformen von Substantiven des femininen Deklinationstyps verwendet, wie sie auch heute im Gebiet um Kretinga gebraucht werden.
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Nouns of Feminine-type Declension in the Ziwato of 1759 and the Morphological Development of Those Nouns
SUMMARY
The aim of the article was to research and describe the development of the feminine-type noun declension, with emphasis on the Ziwato of 1759, the written record of the 18th century Northern Žemaičiai of Kretinga Dialect. There are three kinds of stem identified in the feminine-type declension – ā and iā stems, and also ē stem in the Ziwato Dialect. The first two
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of the three stems are very much alike, the only difference being the palatalized consonant in the immediate post-stem position. As the present research proves, a very close similarity can be observed between the stems jā and ē in the Zemaičiai Dialect.
The research presents an accurate and consistently carried out analysis of the aforementioned noun stems in terms of the study of their declension paradigms, and the obtained data were compared with the data of the present-day use in the Northern Zemaičiai of Kretinga Dialect. With the help of the method of inner reconstruction, the following points were disclosed and given solid grounding: the origin of noun inflections, some processes in the historical development of proper names, causes and motives for change. The method of comparative study enabled us to present the reconstructed morphology of nouns of the feminine-type declension in the Northern Zemaičiai of Kretinga Dialect of the mid-eighteenth century.
The thorough study and the subsequent analysis carried out provide sufficient grounds to state that that singular locative case forms of the feminine-type declension in the Northern Zemaičiai of Kretinga Dialect in the 18th century had already undergone the processes of morphological reduction. Although the forms of plural locative cases had not as yet been reduced. In the present-day use, reduced forms of this kind are typical only of the sub-dialect of Kretinga. The comparative study of the data of the Ziwato Dialect and of the Northern Zemaičiai of Kretinga Dialect revealed that in the Ziwato Dialect, in the nouns under discussion, the stems of the plural instrumental case and dative case forms differed only in the presence of the final vowel i. In the present-day dialect of Kretinga, in the feminine-type declension, these noun forms are differentiated only by the tonic accent and, related to it, the fronting of the stress shift. Thus, it is evident that the plural dative forms in the Ziwato Dialect had already been morphologically reduced. With reference to the nouns of the ē stem, it should be noted that the inflection of the nouns of the ē stem speaks for the fact that in the mid-18th century, in the dialect of Kretinga, the inflection -es < *-ēs still differed from the inflection -ęs < *-ęs, cf.: meyles12 < *-ēs ‘meilēs’ and ugnys04 < *-ęs ‘ugnies’.
Įteikta 2012 m. rugpjūčio 2 d.
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Lietuvos edukologijos universitetas
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