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Institut für Litauische Sprache
Forschungsschwerpunkte: Onomastik (Untersuchungen zur Wortbildung, Herkunft und Motivation von Eigennamen).
MOTIVATION DER KOMPOSITEN HELONYME DES KREISES MARIJAMPOLE
Motivation der kompositen Helonyme des Kreises Marijampole
ZUSAMMENFASSUNG
Der Artikel untersucht die Motivation von Helonymen des Kreises Marijampolė, die durch Zusammensetzung gebildet und in der Zwischenkriegszeit in den Landnamen-Fragebögen festgehalten wurden. Diese Quelle eignet sich besonders für Untersuchungen zur Toponymisierung, da die Fragebögen Beschreibungen enthalten, die die onomastische Situation erläutern, sowie Kommentare der Gewährspersonen zu Ortsnamen, die einen Blick auf das toponymische Material aus der Perspektive der Erfahrungen und Bewertungen von Angehörigen der ethnischen Region ermöglichen.
Um die Regelmäßigkeiten bei der Benennung sumpfiger Orte aufzuzeigen, beruht die Analyse der Ortsnamen auf dem Nominationsprinzip der Topoobjekte, wobei Merkmale der Landschaft sowie lokale, eigentumsbezogene und kulturhistorische Beziehungen herausgearbeitet werden. Beachtung findet auch die sprachliche Deklaration des eigenen Ichs durch Angehörige der Sprachgemeinschaft (des Volkes). Außerdem werden erstmals in der litauischen Toponymik situative Helonyme herausgearbeitet und erörtert, bei denen eine typisierte Situation oder ein Ereignis ein wenig bekanntes, kaum vertrautes Objekt kennzeichnet.
SCHLÜSSELWÖRTER: Ortsnamen, Gewässernamen, Helonyme, Komposita, Motivation, Benennungssituation, Nominationsprinzipien, Zwischenkriegszeit.
ANNOTATION
Der Artikel untersucht die Motivation von Helonymen aus dem Kreis Marijampolė, die durch Komposition gebildet und während der Zwischenkriegszeit in den Fragebögen zu den „Landnamen“ erfasst wurden. Diese stellen eine ausgezeichnete Quelle für die Erforschung der Toponomination dar, da in den Fragebögen Beschreibungen verzeichnet sind, die die onomastische Situation erläutern, sowie Kommentare von Informanten, die Ortsnamen angeben und es uns ermöglichen, die
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toponymischen Materialien durch die Perspektive der Erfahrungen und Bewertungen von Vertretern der ethnischen Region zu betrachten.
Um die Tendenzen bei der Benennung sumpfiger Orte zu ermitteln, stützt sich die Analyse der Ortsnamen auf die Unterscheidung der Prinzipien der Topoobjektnomination nach landschaftlichen Besonderheiten sowie lokalen, besitzbezogenen und kulturhistorischen Beziehungen. Beachtung findet auch die sprachliche Bekundung des Selbst durch ein Mitglied der Sprachgemeinschaft (Nation). Erstmals werden zudem situative Helonyme unterschieden und in der litauischen Toponymie erörtert, bei denen eine typisierte Situation oder ein Ereignis ein wenig bekanntes und kaum vertrautes Objekt kennzeichnet.
SCHLÜSSELWÖRTER: Ortsnamen, Hydronyme, Helonyme, Komposita, Motivation, Benennungssituation, Nominationsprinzipien, Zwischenkriegszeit.
0. EINLEITUNG
Die motivationsbezogene Analyse von Helonymen (Namen sumpfiger Orte), die durch Komposition gebildet wurden,1 setzt die früheren Untersuchungen der Ortsnamen des Kreises Marijampolė aus der Zwischenkriegszeit hinsichtlich ihrer Arbeitsweise und Herkunft fort.
Be Laimučio Bilkio vykdytų lietuvių helonimų tyrimų (Bilkis 2008), kelių Lietuvos plotų helonimija analizuota regioninės toponimikos studijose (Mickienė 2001; Endzelytė 2005; Bartkutė 2008) ir atskirame straipsnyje (Adamonytė 2013). Dalis sudurtinės toponimijos – oikonimų ir oronimų – taip pat yra sulaukusi mūsų tyrėjų dėmesio (Razmukaitė 2002; Sviderskienė 2006; Kačinaitė 2008). Atsižvelgiant į esamą pelkėtų vietų ir kitų klasių (poklasių) sudurtinių vietų vardų tyrimų padėtį2, tenka konstatuoti, kad vieno darbo būdo toponimų motyvacijos analizė ne tik papildytų iki šiol aktualiais ir įprastais (darbo ir kilmės) aspektais vykdytus lietuvių toponimijos tyrimus, bet atsižvelgus į kalbos vartotojų kalbinės sąmonės duomenis, padėtų atskleisti tam tikro ploto vietovardžių motyvaciją. Tarpukario Žemės vardų anketos3, kaip šaltinis, nominacijos tyrimams ypač tinkamos, nes jose yra išlikę užfiksuoti onomastinę situaciją paaiškinantys aprašai, vietovardžių pateikėjų komentarai, leidžiantys pažvelgti į toponiminę medžiagą per etninės srities atstovų patyrimo, vertinimo prizmę. Be to, motyvaciją kalboje suprantant ir kaip tam tikros atrankos mechanizmą, šį tyrimą ypač paremia Prano Skardžiaus sudurtinių žodžių vertė
1 Dėl termino žr. Bilkis 1997: 35–57.
2 Dėl helonimų tyrimų padėties plačiau žr. Bilkis 2008: 27–29.
3 Plačiau dėl tyrimui naudojamos medžiagos dar žr. Sviderskienė 2015: 170.
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Die Argumente zur Begründung lauten: „Ihr Wesen eignet sie vor allem für eine präzisere, kompaktere und reichhaltigere, bedeutungsvollere Ausdrucksweise. Deshalb haben Komposita sehr häufig einen viel umfangreicheren, reicheren und zugleich spezielleren Inhalt als die einzelnen, noch nicht zu einer Einheit verschmolzenen Teile von Wortgruppen.“ „Auf diese Weise bilden Komposita eines der wichtigsten besonderen Ausdrucks<...>mittel, <...> sie enthalten meistens etwas Ausgewähltes“ (Skardžius 1943: 396–397).
Wichtig ist auch der lokale Aspekt der vorliegenden Untersuchung. Ihre Grundlage bilden nicht die Identifizierung von Verbreitungsgebieten der Bedeutungen der Helonyme, sondern die Bestimmung der Motivationsmerkmale und die Herausarbeitung ihrer Hierarchie, denn „das regelmäßige Wiederkehren von Motivationsmerkmalen spiegelt bestimmte Neigungen eines Volkes und seine Aufmerksamkeit für den einen oder anderen Wirklichkeitsbereich wider“ (Gudavičius 2007: 221). Die dargelegten Überlegungen werden durch einen Gedanken gestützt, den Aleksandras Vanagas im Hinblick auf Untersuchungen zur Semantik der Hydronyme formuliert hat und der auch für die Erforschung der Motivation von Helonymen gilt: „Es ist schwer vorstellbar, dass semantische Phänomene selbst Verbreitungsgebiete bilden.“ „Schließlich sind die wichtigsten Bedeutungen von Hydronymen ihrer Natur nach ein ‚antiareal‘es Phänomen, eine zweifellose hydronymische Universalie. Sprechen lässt sich höchstens über das quantitative (und in gewissem Sinne auch qualitative) Verhältnis verschiedener semantischer Kategorien“ (Vanagas 1981: 124).
Das Ziel des Artikels ist es, die Motivation der durch Zusammensetzung gebildeten Helonyme eines bestimmten Gebiets zu erklären, die Besonderheiten der Kategorisierung eines Wirklichkeitsausschnitts in der Sprache offenzulegen, die Hierarchie der Motive für die Entstehung von Namen für sumpfige Orte herauszuarbeiten und Benennungstendenzen festzustellen.
Auf das Untersuchungsmaterial werden die Methode der Wortbildungsanalyse von Toponymen, die Methode der Interpretation von Kommentaren der Informanten zu Ortsnamen aus dem untersuchten ethnischen Gebiet, die Methode der Komponentenanalyse sowie die deskriptive Methode mit Elementen der Vergleichsmethode angewandt.
Zunächst wurde das Untersuchungsmaterial anhand der strukturell-grammatischen Klassifikation bewertet, die A. Vanagas für die Untersuchung der Hydronymklasse entwickelt hatte (ausführlicher dazu siehe Vanagas 1970: 21–27) und die sich, wie die Untersuchungen der litauischen Toponymie zeigen, problemlos auch auf die Analyse von Ortsnamen anderer Klassen (Unterklassen) anwenden lässt. Auf diese Weise wurden determinative4 Bildungen ermittelt, deren Erstglieder Appellativa (Substantive, Adjektive usw.) und Onyma (in unserem Fall kamen nur Personennamen vor) sind. Da die untersuchten Ortsnamen aus der gesprochenen Sprache aufgezeichnet wurden, galten die Kommentare der Informanten zu Ortsnamen aus dem untersuchten ethnischen Gebiet, die die in den Fragebögen zu den Žemės vardų verzeichneten Ortsnamen begleiten, als wahrscheinlich wichtigste Quelle zur Klärung der Bedeutungen der Appellativa, aus denen diese gebildet wurden. Die Erfahrung zeigt jedoch, dass Kommentare kein absolut verlässlicher Maßstab sind. Sprachbenutzer bemühen sich oft, einen semantischen Zusammenhang zu erfinden und ihn zur Begründung ihrer Deutungen der Motivation von Ortsnamen heranzuziehen. Somit die zugrunde liegenden
4 Dėl termino žr. Urbutis 1978: 173.
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Die Klärung der Bedeutungen von Wörtern (Appellativa) stützte sich auf die Erfassung von Belegen für den Gebrauch des jeweiligen Wortes in anderen Quellen – in Fachwörterbüchern5, im Wörterbuch der litauischen Sprache (im Folgenden LKŽe). Eine wichtige Quelle für die Untersuchung der Motivation von Toponymen war die Sammlung von Ortsnamen, die in verschiedenen Zeiträumen aus der lebendigen Sprache aufgezeichnet wurden (Ortsnamenskartei; im Folgenden VK) und in den Namensbeständen des Litauischen Sprachinstituts6 aufbewahrt wird. Die wichtigsten Quellen für Personennamen waren Wörterbücher der litauischen Anthroponymie: Wörterbuch der litauischen Familiennamen (LPŽ), Wörterbuch zur Herkunft litauischer Vornamen (LVKŽ)7 sowie eine alphabetisch geordnete Kartei historischer Personennamen, die in den Namensbeständen des Litauischen Sprachinstituts aufbewahrt wird (IAK). Die Untersuchung zeigte, dass für die Begründung des Grundworts (Etymons) von Appellativa und Personennamen auch Wörterbücher der polnischen Sprache8 herangezogen werden mussten.
Die zweiten Bestandteile der ausgewählten Komposita – -bal-, -pelk-, -plyn-, -raist- – zeigen ihre Zugehörigkeit zur ausgewählten Unterklasse der Namen sumpfiger Orte. Pelkė bedeutet „sumpfiger Ort mit stehendem Wasser, Morast“. Wie sich zeigt, gehört der in dieser Bedeutung verwendete physiographische Terminus pėlkė zu einem bestimmten semantischen Paradigma: Die Bezeichnungen sumpfiger Orte stehen für verwandte Begriffe und umfassen physiographische Termini, die weitere Artenbegriffe bezeichnen: bala „sumpfiger Ort, meist mit stehendem Wasser; Sumpf, Moor; Pfütze, Tümpel“, plynė „Sumpf, Moor“, raistas „sumpfiger, mit Sträuchern oder Bäumen bewachsener Ort; Sumpf, Bruch“. In das Untersuchungsmaterial wurden auch Namen von Objekten mit dem zweiten Bestandteil -kamp- aufgenommen, der vom Appellativ lit. kañpas „Rand“ abgeleitet ist und einen Teil eines bestimmten Raums bezeichnet – dessen Rand, Randbereich (in unserem Fall einen Teil sumpfiger Orte, wie die in den Fragebögen festgehaltenen Objektangaben b., rst. belegen).
Bei der Analyse des Materials unter dem Gesichtspunkt der Motivation stützte sich die Untersuchung nicht nur auf die eigene onomastische Forschungstradition, d. h. auf A. Vanagas’ semantische Klassifikation von Gewässernamen (ausführlicher siehe Vanagas 1981: 4–153), sondern auch auf Beispiele für Klassifikationen, wie sie in der russischen Toponymieforschung angewandt werden (zur Qualifizierung und Klassifizierung siehe Sviderskienė: 2014). Der vorliegende Artikel beschränkt sich nicht auf die Ermittlung der Motive für die Entstehung von Helonymen. Die Ermittlung der Nominationsprinzipien von Topoobjekten lieferte ein zusätzliches semantisches Kriterium zur Erklärung der Motivation von Ortsnamen. Daher werden die Namen sumpfiger Orte im Artikel auch nach den Nominationsprinzipien eingeteilt: 1) nach den Eigenschaften der Objekte, 2) nach der Beziehung der Objekte zu anderen Objekten, 3) nach der Beziehung zum Menschen. Eine solche Klassifikation von Onymen ist durch die Eigenschaften und Merkmale der Realien selbst bedingt.
Im Verlauf der Untersuchung erwies sich die Bestimmung des lexikalischen Status des ersten, bestimmenden Bestandteils eines Teils der Helonyme als problematisch – ob es sich um ein Appellativ oder ein Onym handelt (in unserem
5 Siehe dazu das Quellenverzeichnis am Ende des Artikels.
6 Plačiau apie šią kartoteką žr. Maciejauskienė 2002: 57; 2002a: 103–105; LVŽ I: XIII–XIX.
7 Im Artikel wurde auf diese Abkürzungen verzichtet, da sie häufig wiederkehren.
8 Siehe dazu das Quellenverzeichnis am Ende des Artikels.
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Fall – ein anthroponymischer). Es traten auch schwierigere Fälle anderer Art bei der Erklärung der Motivation auf, die mit der Polysemie und Homonymie des ersten appellativischen Bestandteils zusammenhingen. Die in den Fragebögen zu den Flurnamen nicht festgehaltenen Kommentare verschärften das Problem zusätzlich. Wie bekannt, beruht der metaphorische Ausdruck des Motivationsmerkmals auf einem Vergleich, der einerseits eine assoziative Richtung vorgibt, andererseits Interpretationsspielraum lässt. Da in den Fragebögen keine zusätzlichen Angaben festgehalten waren, blieb daher nur, begründet zu vermuten, welche Eigenschaft des Ortes die übertragene Benennung der Orte ausgelöst hatte.
Da das Material hinsichtlich seiner Eindeutigkeit und Uneindeutigkeit heterogen ist, unterscheidet der Artikel zwei Abschnitte zu den durch Komposition gebildeten Helonymen: Helonyme mit eindeutiger Motivation (I) und Helonyme mit zweifach (mehrfach) erklärbarer, d. h. derzeit nicht vollständig eindeutiger Motivation (II).
1. Komposita mit klarer Motivation
1.1. Nach den Eigenschaften der Objekte
1.1.1. Helonyme, deren Motivation mit Tierbezeichnungen verbunden ist, sind die am häufigsten belegten Vertreter der Namen der untersuchten Orte: Anč-balė Sumpf Ss⁹; Anč-plynė Sumpf KzR: lit. ántis ‘Ente’; Avin-a-raistis Sumpf Gdl: lit. ãvinas ‘männliches Schaf’¹⁰; Barsūk-raistis Moor Gdl: lit. barsūkas; Bùl-ia-raistis Moor Brb: lit. bùlius ‘männliches Rind’¹¹; Gaidž-ia-raistis Sumpf Ss: lit. gaidỹs; Géru-a-balė Moor Igl; Gerv-a-raistis
9 Die nominativ-semantischen Gruppen sind nach der Anzahl ihrer Vertreter in den jeweiligen Gruppen angeordnet. Die Helonyme werden in den Abschnitten des Artikels meist alphabetisch geordnet; Abweichungen davon erfolgen, wenn die Besonderheiten des untersuchten Materials es erfordern. Die Glieder eines Kompositums werden durch einen Bindestrich voneinander getrennt. Ortsnamen, deren Akzentuierung in den Erhebungsbögen für Flurnamen zuverlässig festgehalten wurde, werden mit Akzenten wiedergegeben. Ist ein Toponym nach den Zwischenkriegsdaten nicht akzentuiert oder ist seine Akzentuierung unklar, wird es im Artikel ohne Akzent wiedergegeben. Ist der Akzenttyp zweifelhaft, wird die Basis der betonten Silbe unterstrichen. Bei allen Ortsnamen werden Verweise auf die bezeichneten Objekte und ihre Lage angegeben. Verzeichnisse dieser sowie der Abkürzungen für Objektverweise wurden nicht neu erstellt; stattdessen wurde auf die bereits für das Wörterbuch der litauischen Ortsnamen (im Folgenden LVŽ) erarbeiteten Verzeichnisse zurückgegriffen. Ein Verzeichnis der im Artikel verwendeten Abkürzungen steht am Ende des Artikels.
10 Siehe auch LVŽ I 244–245.
11 Siehe LVŽ I 612–613, wo neben der Möglichkeit eines appellativischen Ursprungs etymologisch verwandter Ortsnamen auch deren Zusammenhang mit Personennamen anerkannt wird. Die Wortbildungsgrundlage der Helonyme Bulinė Wiese Gir, Pdv; Buliùkas Sumpf Pkn ist vermutlich unklar (siehe auch Bilkis 2008: 48, 185).
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Moor Brb: lit. gérvė; Karõs-balė 2 Sümpfe Klvr; Karos-balė Sumpf Klvr: lit. karõsas ‘Knochenfisch aus der Familie der Karpfenfische (Cyprinidae), Karausche, Giebel (Carassius ca-rassius); Kiaũl-ia-balė Sumpf Igl, Mrj12: lit. kiaũlė; Kiel-a-balė Sumpf Mrj; Kiel-ia-balė Sumpf Ldvn: lit. kielė; Krek-a-balė Sumpf Prn: lit. krėkė ‘Karausche (Carassius carassius); Kumél-balė Sumpf Lbv, Ss; Wiese Ss; Kumel-balė Sumpf Brb: lit. kumelỹs ‘junges Pferd; Hengst’, kumėlė ‘Haustier, Arbeitstier – weibliches Tier (Equa); Kùrk-a-balė Sumpf Mrj: lit. kùrka ‘Truthenne’; Ož-ia-raistis Moor Prn, Vv: lit. ožỹs ‘Ziegenbock’13; Õžk-a-raistis Moor Brb: lit. ožkà; Pãrp-plynė (< *Pãrpl-plynė) Wiese KzR: lit. par-plỹs ‘Maulwurfsgrille’14; Pelėd-balė Sumpf Ss: lit. pelėda; Šárk-a-balė Sumpf Lbv; Šark-a-raistis Moor Prn: lit. šárka; Špók-a-raistis Sumpf Ss: lit. špókas ‘Star (Sturnus vulgaris); Stirn-a-plynė Wiese KzR: lit. stirna; Varn-a-balė Sumpf Klvr; Varn-a-balė Sumpf Klvr; Várn-a-plynė Wiese KzR; Varn-ā-plynė Moor KzR; Varn-a-plynė Wiese KzR: lit. várna ‘Vogel aus der Familie der Rabenvögel mit grauem und schwarzem Gefieder (Corvus corone)’, var̃nas ‘großer schwarzer Vogel aus der Familie der Rabenvögel, Rabe, Kolkrabe (Corvus corax)’; Višt-a-balė Sumpf Mrj: lit. vištà; Žalč-ia-balė Sumpf Brb: lit. žaltỹs ‘ungiftiges, schlangenähnliches Reptil (Natrix); beliebiges zu den Schlangen gehörendes Tier’; Žvirbl-ia-raistis Moor Brb: lit. žvirblis.
1.1.2. Im Untersuchungsgebiet wurden mehrere Helonyme verzeichnet, die nach ihrer Ausdehnung (ihren Abmessungen) benannt sind: Didž-balė Sumpf Igl, KzR, Mrj; Moor KzR; Didž-plynė Wiese KzR – beim Flurnamen Didžbalė KzR steht im Abschnitt zum Objektverweis des Erhebungsbogens der Forstverwaltung Velniakalnis die Angabe große Lache. Auf der Grundlage dieser Information über das Denotat kann angenommen werden, dass das Grundwort des Ortsnamens lit. didis, -ė (‑ė, -i, didžia) ‘seiner Ausdehnung nach beträchtlich, groß’ bedeutet.
Das Adjektiv ilgas umfasst neben dem Merkmal räumlicher Erstreckung auch das Merkmal der Menge. Wahrscheinlich aus diesem Grund zögerte auch A. Vanagas bei der Bestimmung und Klassifizierung der aus diesem Adjektiv gebildeten Hydronyme: Sollten sie als Vertreter einer Konfigurationsbedeutung (wie langgestreckte Wasserobjekte) oder einer Bedeutungsgruppe der Ausdehnung (Größe) betrachtet werden15? Unter der Annahme, dass ein topographisches Objekt als lang unabhängig von seiner räumlichen Lage charakterisiert werden kann, da die quantitativen Verhältnisse seiner Teile wichtiger sind, werden die Helonyme (wie auch die Hydronyme), deren Erstglied ilg- lautet, im Artikel als nach ihrer Ausdehnung (Größe) benannt eingeordnet: Īlg-a-balė Sumpf KzR, Lbv, Prn; Moor Igl; Ilg-a-balė Sumpf Lbv; Ilg-a-plynė Moor KzR; Īlg-a-raistis Moor Gdl;
12 „Zum frühen Frühjahr trieb man die Schweine hierher zum Weiden; später wurde es überflutet“ – so heißt es im Erhebungsbogen des Dorfes Dambrauka.
13 Da der Name des Moores im Fragebogen der Forstverwaltung Prienai-Ašminta verzeichnet ist, ist ein Zusammenhang mit der Möglichkeit litauisch ožỹs ‚Rehbock‘ nicht auszuschließen. Forstverwaltung
14 Dėl pelkėvardžio darybos dar žr. Bilkis 2008: 296. Čia jis vertinamas kaip priesagėtasis.
15 Dar žr. Vanagas 1981: 108.
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Ilg-a-raistis Dorf Prn; 2 Moore Prn, Moor Šil; Ilg-a-kampis Dorf KzR: lit. ilgas, -à „was sich in die Länge erstreckt, weit (im Raum)“.
Weitere Vertreter der analysierten semantischen Gruppe sind Helonyme mit Motivation durch Wassermangel16: Saūs-balė rst. Igl; Saūs-plynė b. KzR; 3 rst. KzR; Saus-plynė 2 rst. KzR: lit. saūsas, -à ‚ohne Feuchtigkeit, ohne Wasser, nicht nass, ausgetrocknet‘. Nur ein Helonym mit der Motivation durch Wassertiefe ist belegt – Gil-ì-balė b. Lbv. Das Adjektiv gilùs besitzt (ebenso wie ilgas) neben dem Sem Raum (vgl. giliai) auch das Sem Menge. In diesem Fall ist wahrscheinlich auch letzteres aktualisiert.
1.1.3. Su augalų pavadinimais susijusios motyvacijos helonimai gausumu mažai nusileidžia „gyvūniniams“: Alksn-io-balė b. Prn: lie. ãlksnis; Bérž-balė b. Klvr: lie. béržas; Buil-ia-raistis b. Brb: lie. builỹs ‘augalas, augantis pelkėtose vietose’ (DKŽ 39), lie. builė ‘balos žolė, panaši į samanas’, lie. builis, builỹs ‘skėtinių šeimos augalas (Chaerefolium); pelkinis gailis (Ledum palustre)’; Gail-ia-raistis b. Krsn: lie. gailė ‘pelkių pušynų, durpynų stipriu kvapu augalas (Ledum palustre)’; Geguž-balė b. Krsn: lie. gegužė ‘tokios žolės, augančios pūdymuose’; Yv-ā-raistis rst. Šil – galbūt sietinas su le. iwa ‘gluosnis’ (SJP II 116, VII 587), ‘gluosnių rūšis (Salix caprea)’ (LLKŽ 162); Kanā-plynis (< *Kanāpl-plynis) b. Prn: lie. kanāplė ‘kultūrinis augalas, iš jo stiebo gaunamas pluoštas, o iš sėklų spaudžiamas aliejus (Cannabis sativa)’; Karkl-a-balė b. Mrj: lie. kar̃klas; Nendrin-balė b. Mrj: lie. néndrinis, -ė, nendrinis, -ė, plg. nèndre ‘varpinių šeimos vandens augalas ilgu tuščiaviduriu stiebu (Phragmites communis)’; Plov-a-balė b. Krsn: lie. plovà, plõvos ‘vandenyje augančios žolės, maurai’; Pùp-a-balė b. Igl; Pùp-a-raistis rst. Brb: lie. pupà.
Ein Balonym mit etwas anderer Semantik, das dieser Untergruppe zuzuordnen ist, lautet: Lapìn-balė Mrj: lit. lapinė „belaubter Trieb, Zweig“. Den Angaben des Fragebogens der Forstverwaltung Šunskai zufolge ist das Moor mit Schwarzerlen bewachsen. Aus der Motivation wird deutlich, dass das nominative Merkmal hier metonymisch auf der Grundlage des Verhältnisses von Ganzem und Teil ausgedrückt wird: Die Bezeichnung eines Pflanzenteils (eines belaubten Triebs, Zweigs) tritt an die Stelle der Bezeichnung der ganzen Pflanze (Schwarzerle).17
Der erste Bestandteil eines weiteren Helonyms stammt von einem Ortsnamen, der eine Ansammlung von Objekten bezeichnet: Beržýn-balė Dorf Krsn: lit. beržýnas „Birkenwald“, beržỹnė „Birkenwald; Ort, an dem viele Birken wachsen“ (Motivation – früher gab es dort einen Birkenwald).18
16 Dėl tokio hidronimų semantinio kvalifikavimo ir klasifikavimo dar žr. Vanagas 1981: 108–110.
17 Konkretūs motyvacijos atvejai nusakomi terminu motyvuotė (dėl jo žr. Drotvinas 1987: 33).
18 A. Vanagas zufolge haben Hydronyme, die von Pflanzenbezeichnungen mit kollektiver Bedeutung abgeleitet sind, die Bedeutung eines Ortes, an dem es viele dieser Pflanzen gibt. Dieser Ort ist jedoch nicht notwendigerweise das Wasser selbst, da es sich nicht um Wasserpflanzen handelt. Wie dem auch sei, Toponyme dieser Art charakterisieren die Objekte anhand der Pflanzen <...> (siehe auch Vanagas 1981: 90).
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1.1.4. Helonyme mit physiografischer Motivation. Die Semantik dieser Namen sumpfiger Orte hängt mit den physiografischen Merkmalen des Bodens und der Oberfläche (Bedeckung) zusammen (Form, Konfiguration o. Ä.)19.
1.1.4.1. Zwei Topoobjekte sind belegt, deren Namen aufgrund von Bodeneigenschaften vergeben wurden: Grįst-a-balė 2 b. Ss20: lit. grįstas ‚Balken für den Belag einer Brücke (eines Weges, einer Pflasterung usw.), Bohle‘ (Motivation: einst mit Holz ausgelegter Boden). Neben diesen lassen sich offenbar auch weitere Namen der untersuchten Objekte erörtern, die aufgrund von Oberflächenmerkmalen entstanden sind, denn bei Helonymen ist die Oberfläche meist zugleich der Boden21. Wie im Folgenden ersichtlich wird, kann ein Teil der determinierenden Konstituenten von Komposita einen unebenen Boden / eine unebene Oberfläche bezeichnen: (1) Kūpst-a-balė b. Vv: lit. kūpstas (das Motivationsmerkmal ist direkt ausgedrückt); Park-a-balė b. Ss: lit. párkai ‚eine Hautkrankheit dieser Art, Krätze, Schorf‘22 (das Motivationsmerkmal ist metaphorisch ausgedrückt – Unebenheiten, Erhebungen wie Schorf)23 und die Beschaffenheit der Oberfläche / des Bodens: (2) Šlyn-a-raistis rst. Brb: lit. šlȳnas ‚graublauer oder weißlicher, glitschiger Ton mit Beimengungen organischer Stoffe <...>‘.
1.1.4.2. Im Folgenden werden Topoobjekte behandelt, die nach ihrer Form benannt sind. Bei vielen von ihnen ist das Motivationsmerkmal metaphorisch ausgedrückt. Vermutlich erhielten die sumpfigen Orte wegen ihrer gewölbten Oberfläche die Namen Bõsiaraistis und Plaučiabalė. Die gewölbte, „aufgeblähte“ Oberfläche könnte auf die Pflanzendecke oder die Torfschicht zurückzuführen sein24. Bõs-ia-raistis Moor Šil25: lit. bõsas „Fass, Tonne“26 – eine solche Erklärung der Motivation des Ortsnamens wird auch durch einen in der untersuchten Region aus der gesprochenen Sprache aufgezeichneten Satz gestützt: Aufgebläht ist die Kuh wie ein Fass Gs27. Die Grundlage der Motivation des in dieser Gruppe zu erwähnenden Balonyms Plauč-ia-balė Krsn ist die Bezeichnung eines inneren Organs (lit. plaučiai „Atmungsorgan“). Dieses verwendete
19 Vgl. A. Vanagas’ Auffassung zur Motivation von Hydronymen: Obwohl ein Hydroobjekt physiographisch unterschiedlich charakterisiert werden kann, gehören Konfiguration und Beschaffenheit des Grundes zu den wichtigsten Merkmalen eines Hydroobjekts (vgl. Vanagas 1981: 67).
20 Die Ortsnamen wurden in den Fragebögen der Dörfer Nuoragėliai und Pavengliška notiert.
21 Die Verfasserin des Artikels dankt dem anonymen Gutachter für diesen Hinweis.
22 Laut Aussage des Informanten im Fragebogen des Dorfes Serbentiškiai.
23 In A. Vanagas’ Untersuchung werden Hydronyme, die Topoobjekte anhand des Bewuchses der Ufer mit bestimmter Vegetation, anhand kahler Ufer o. Ä. charakterisieren, im Unterabschnitt der Hydronyme mit eine die Umgebung charakterisierende Bedeutung behandelt (siehe Vanagas 1981: 112–113).
24 Dėl šio teiginio dar žr. Jaras̄ius 2012: 60.
25 Nach den Angaben des Fragebogens aus dem Dorf Liepalotas gab es dort früher viele dicke Erlen, aus denen Fässer hergestellt wurden. Diese Aussage des Informanten ist ein hervorragendes Beispiel für eine vermittelte Motivation, bei der das motivierende Merkmal (aufgebläht) von Angehörigen der ethnischen Gemeinschaft einem anderen Denotat zugeschrieben wird (nicht dem Topoobjekt, sondern den an diesem Ort wachsenden Erlen).
26 Siehe auch LVŽ I 541.
Abkürzungen in den Sätzen, die die Erläuterungen zur Motivation belegen, wie LKŽe. Sie werden nicht gesondert erläutert. 27
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bei der Bildung eines Ortsnamens in übertragener Bedeutung, offenbar nicht nur aufgrund einer Assoziation der Form, sondern auch der Funktion.
Die Untergruppe wurde um einige Objekte des Untersuchungsgebiets ergänzt, deren Benennung auf ihrer räumlichen Anordnung (Konfiguration) beruht: Kryž-balė Sumpf Prn: lit. kryžius ‚Figur aus sich kreuzenden Linien‘ (DŽe); Kuk-ia-balė Sumpf Prn: lit. kūjis ‚Haken, Angelhaken‘. Bei einem Flurnamen wird das Motivationsmerkmal durch ein Adjektiv ausgedrückt: Kūm-balė (< *Kūmp-balė) Sumpf Lbv: lit. kūmpas, -à ‚krumm, gebogen‘ (KzRŠŽ II 405), ‚gebogen, gekrümmt, krumm‘28.
1.1.5. Einige weitere Objekte erhielten ihre Namen aufgrund der Farbe der Oberfläche / des Grundes / des Wassers.
Da keine Zeugenaussagen von Informanten dokumentiert wurden, die die Entstehung des Sumpfnamens Raudón-plynė KzR belegen, wird versucht, seine Motivation anhand der Motivation des im Untersuchungsgebiet aufgezeichneten suffigierten Flurnamens Raudõnė Krsn zu erschließen: Der Boden neben dem Sumpf ist rötlich, und im Sumpf bildet sich Rost. Daraus lässt sich schließen, dass raudõnu, -à (rausvù, -à) vermutlich sumpfige Orte genannt werden, an denen gelöstes Eisenerz vorhanden ist und deren sumpfiger Boden aufgrund des Torfanteils minderwertig ist.
Wie im beschriebenen Fall erhielt das topographische Objekt aufgrund der Farbe seiner Oberfläche, die vermutlich aus gräulich-blauem Ton bestand, den Namen Palš-a-raistis Moor Brb: lit. pálšas, -à, pãlšas ‚gräulich‘ Mrj (vgl. Šlýnaraistis Moor Brb: lit. šlýnas ‚gräulich-blauer oder weißlicher, schmieriger Ton mit Beimengungen organischer Stoffe <...>‘).
Diese Gruppe wurde durch Ortsnamen mit dem Erstglied juod- ergänzt: Júod-balė Sumpf KzR; Júod-a-raistis Moor Brb; Júod-a-raistis Fluss Igl; Juod-raistis Moor Vv; Moor Šil. Die beiden letztgenannten Ortsnamen werden von Kommentaren begleitet, die in den Fragebögen festgehalten wurden: mit Erlen bewachsen, aber nass – so steht es im Fragebogen aus dem Dorf Skriaudžiai (Vv); laut den Angaben in einem anderen Fragebogen (Šil) ist der Boden des Moors schwarz – Torf. Wie bekannt, ist Torf dunkelbraun; lit. júodas, -à bedeutet ‚kohlschwarz, dunkel‘ (LKŽe). Diese Deutung der Motivation wird wahrscheinlich am besten durch die Entsprechung des Moornamens Júodraistis mit Rūdraistis gestützt, die im Fragebogen aus dem Dorf Mauručiai verzeichnet ist – Júod-raistis || Rūd-raistis Vv. Aus dem dokumentierten Helonympaar wird deutlich, dass das Lexem júodas nicht nur ‚kohlschwarz, dunkel‘, sondern auch verschiedene dunkle Farbtöne bezeichnet (in unserem Fall dunkelbraun). Somit könnten sowohl die einen als auch die anderen Objekte mit dem determinierenden Glied juod- aufgrund der dunklen Farbe29 des Wassers oder Bodens benannt worden sein.
28 Andererseits ist vielleicht eine Erklärung der Motivation von vv. möglich, die sich auf eine andere Bedeutung des litauischen kūmpas, -à stützt: ‚mit einer Erhebung, einem Hügel oder einer Unebenheit‘. Diese Vermutung musste jedoch verworfen werden, da aus der gesprochenen Sprache im Untersuchungsgebiet keine Belegsätze aufgezeichnet wurden, die den Gebrauch des genannten Adjektivs in dieser Bedeutung belegen. Auch Aussagen von Informanten wurden im Fragebogen nicht festgehalten.
29 I. S. Prosvinnina, die die Besonderheiten russischer zusammengesetzter Ortsnamen untersuchte, stellt fest, dass der Gewässername Juoda upelė (Черная речка) terminologisiert wurde. Der toponymische Terminus juoda upelė (черная речка) bezeichnet Flüsse mit schwarzem Wasser, die Moorwasser aufnehmen, Flüsse, die durch abgelegene Gebiete fließen, sowie Quellflüsse, die nicht zufrieren, und Flüsse, deren Mündungen Quellen sind. Hier stützt sich die Forscherin auf die Auffassung eines anderen russischen Toponymieforschers, E. M. Murzajevs: Es gibt viele schwarze Bäche, aber keinen einzigen großen Fluss (siehe auch Просвирнина 2001: 47).
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Balovardis Rūd-balė KzR: lit. rùdas, –à ‚dunkelgelb‘ ist wahrscheinlich nach der braunen Farbe des Wassers/Grundes des Objekts benannt Farbe30.
1.1.6. Helonyme mit demonologischer Motivation. Feuchte Orte werden nach einer bestimmten Standardvorstellung beurteilt: Wo Sümpfe sind, fehlt es nicht an Teufeln. Repräsentanten dieser Gruppe sind: Vaidyk-raistis rst. Vv: lit. vaidýklė ‚ein als nicht wirklich existierend erlebtes Wesen, Gespenst, Spukgestalt‘ (zur Semantik vgl. den in einem Fragebogen aus dem Gebiet von Šatinskės notierten Ortsnamen Vaidenýčia, Flur Klvr – früher spukte es dort); Vėln-ia-balė Dorf KzR31; Mrj32; Vėln-ia-balė zwei Fluren Krsn; Dorf KzR33; Vėln-ia-plynė Wald KzR34: lit. vėlñias ‚Gottheit der Erde und Unterwelt, Teufel, Kobold; in Religionen: böser Geist, der Böse‘35. Hier ist auch der Flurname Vėln-ia-bliūdis Prn belegt. Die Form dieses Namens setzt sich aus nicht nur einem, sondern zwei Merkmalen zusammen: Ein Bestandteil geht auf die Bezeichnung eines mythischen Wesens zurück, der andere auf ein Gefäß36. Der metaphorisch ausgedrückte zweite Bestandteil (bliūdas ‚Schüssel; die darin enthaltene Menge‘) verleiht dem Ortsnamen eine emotionale und konnotative Färbung.
Das Etymon des Flurnamens Pėkl-ia-raistis Šil ist das Wort peklà, das ‚Hölle‘37 bedeutet und einen Abgrund, eine Kluft o. Ä. suggeriert; dadurch prägt es den bildlichen Gehalt des Namens. Nicht-
30 Wie die Motivationsanalyse anderer Helonyme gezeigt hat, konnten der Grund und das Wasser wegen des im Sumpf entstehenden Rosts braun sein.
31 Der Ortsname ist im Fragebogen der Forstverwaltung Runkių verzeichnet.
32 Nach den Angaben des Fragebogens der Forstverwaltung Šunskų mit Bäumen bewachsen.
33 Der Ortsname ist im Fragebogen der Forstverwaltung Velniakalnio verzeichnet.
34 Der Fragebogen der Forstverwaltung Jūrės hält fest, dass es hier gespukt habe.
35 Jelena L. Berezovič, die einen Teil der nordrussischen Toponymie untersucht hat, der mit dem Lexem velnias (чёрт) verbunden ist, stellt fest, dass dieses an Häufigkeit von anderen „demonologischen“ und „sakralen“ Topolexemen übertroffen wird. Die betreffenden Toponyme wurden untersucht, um Regelmäßigkeiten hinsichtlich der Objekte zu ermitteln, die diese Namen erhalten, sowie ihrer Motivation. Nach Ergänzung des vorhandenen Materials um Daten aus den Feldforschungen von 1999–2015 zeigte sich anhand der Motivationsbeschreibungen, dass der Teufel vor allem als Wassergeist verstanden wird. Auch die Entstehung „teuflischer“ Toponyme wird mit Waldrodungsarbeiten in Verbindung gebracht. Diese konnten höllisch schwer sein und wurden daher mit dem Teufel assoziiert. Schließlich blieben die in Ackerland umgewandelten Flächen, nachdem sie den Sümpfen und Wäldern „abgerungen“ worden waren, von „bösen Ortsgeistern“ umgeben, da die Böden rasch austrockneten und unfruchtbar wurden, weshalb sie ebenfalls mit Teufeln in Verbindung gebracht wurden. Die Forscherin vermutet hier, dass die Bedeutungen ‚landwirtschaftlich‘ und ‚dämonisch‘ nacheinander oder infolge einer Umkodierung entstanden sein könnten, ursprünglich jedoch eine Schutzfunktion hatten. J. L. Berezovič weist auf einen weiteren sprachlichen Umstand hin, der die Motivation „teuflischer“ Namen in der russischen Toponymie bestimmt: die assoziative Beziehung zwischen den Wörtern Teufel ↔ schwarz (чёрт ↔ чёрный). Diese zeigt sich darin, dass „teuflische“ Toponyme dunkle Waldstellen (Winkel), abgrundtiefe Seen und Flüsse mit schmutzigem Wasser bezeichnen. Die nach „teuflischen“ Namen benannten Orte weisen eine unebene, meist nasse Oberfläche auf; landwirtschaftliche Nutzung ist dort entweder unmöglich oder erfordert großen, das heißt höllischen, Aufwand (siehe auch Березович 2010: 47–57; 2015: 187–206).
36 Dėl struktūrinio modelio panašumo lietuvių frazeologijoje žr. Jasiūnaitė 2007: 112.
37 Vgl. auch den aus der gesprochenen Sprache aufgezeichneten Satz: Zieh die Gurke aus dem Wasser – dann wird sie so schwarz wie die Hölle (schwarz) wird Jrb; aus der Folklore: Dunkel wie in der Hölle (sehr dunkel) [Hervorhebung von mir – D. S.]; ebenso ein weiterer
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Es ist schwer zu übersehen, dass eine metaphorische Benennung ausdrucksvoller und wirkungsvoller ist und dass die mit diesem Namen „übermittelte“ Information über den Ort nicht nur den Verstand, sondern auch emotional stärker anspricht38. Das Erstglied des Kompositums pekl- macht den Ortsnamen lebendiger, da es eine ausgeprägtere umgangssprachliche Färbung aufweist. Auf den Zusammenhang des letztgenannten Namens mit der Umgangssprache weist auch die Phraseologie gyvà peklà hin. Die Bedeutung dieser erstarrten Wortverbindung lautet: ‘(von etwas) sehr, überaus viel’. Somit ist peklà ein Ort, an dem es viele Teufel gibt, eine Art „Wohnort“ der Teufel. Außerdem darf die Möglichkeit nicht außer Acht gelassen werden, dass das determinative Glied pekl- aus euphemistischen Gründen verwendet wird39.
1.1.7. Helonyme mit der Motivierung Wasserqualität sind vielfältig. Viele von ihnen bezeichnen eine Eigenschaft des Wassers (1), die durch ein Adjektiv (a) oder ein Substantiv (b) ausgedrückt wird: a) Klamp-ā-balis b. KzR: lit. klampùs, -i ‘schwer fließend, zähflüssig (von Flüssigkeiten)’; Skýst-a-balė Mrj: lit. skýstas, -à ‘mit der Eigenschaft zu fließen, zu strömen, fließfähig; viel Wasser enthaltend, wasserreich, durchnässt’; b) Pūsl-ia-raistis b. Gdl: lit. pūslẽ̇ ‘eine mit Luft gefüllte Kugel, die in einer Flüssigkeit (und auf ihr) oder in einer flüssigen Masse entsteht’ (das Moorobjekt wurde aufgrund des wasserreichen Bodens mit aufsteigenden Luftblasen benannt40); Tūrl-a-balė b. Igl: lit. tūrlẽ ‘flüssiger Schlamm’ (DKŽ 154)41. Wegen der Klarheit des Wassers wurde das Topoobjekt metaphorisch benannt als Cidabr-a-balė b. Brb: lit. cidãbras ‘Silber’.
Andere Vertreter dieser semantischen Untergruppe beschreiben das Wasser nicht nach einer Eigenschaft des Wassers selbst, sondern nach Bezeichnungen für Stoffe und Gegenstände, die im Wasser reichlich vorkommen bzw. zu finden sind42 (2): Rūd-balė b. Ss: lit. rūdys ‘in Sümpfen gelöstes Eisenerz’; Žagar-balė plk. Klvr: lit. žãgaras ‘ein blattloser Zweig (gewöhnlich trocken), Reisig’.
1.1.8. In der Helonymie dieses Gebiets, die durch Zusammensetzung gebildet wurde, kamen Fälle vor, in denen Topoobjekte nach ihrer Lage im Raum benannt wurden. Die Bedeutung von Balovardžio Aukšt-a-raistis Krsn ist „hoch gelegen“. Zwei weitere Vertreter dieser Untergruppe
Die Bedeutungen des Wortes peklà im LKŽė: ‘ein sehr abgelegener, weit entfernter Ort; ein schlechter, beschwerlicher Weg, Morast’.
38 Dėl panašių metaforų kūrimo tikslų dar žr. Gudavičius 2009: 115.
39 Diese Überlegungen werden durch Birutė Jasiūnaitės Untersuchung zu den formelhaften Flüchen der Žemaiten gestützt (siehe Jasiūnaitė 2007a: 257–262). Der Wissenschaftlerin zufolge halten sich die Teufel in der Hölle auf und leben dort, dem traditionellen Ort der Bestrafung nach dem Tod; sie sind die Peiniger der Sünder [Hervorhebung von mir – D. S.]. Das ist jedem Angehörigen der bäuerlichen Kultur bekannt, weshalb eine solche „topografische“ Substitution völlig verständlich ist. Zum Teil verfährt der Sprecher auch aus euphemistischen Gründen so und vermeidet es, durch die Erwähnung der gefährlichen Gestalt deren Zorn auf sich zu ziehen (siehe auch ebenda, 260).
40 Nach Aussage von Leonas Jarašius (Mitarbeiter des Zentrums für Naturforschung, Botanisches Institut) verdrängt ein hoher Wassergehalt im Boden die Luft, wodurch sich die Belüftung verschlechtert und schädliche Produkte der anaeroben Atmung anzusammeln beginnen (siehe auch Jarašius 2012: 61).
41 Zur Semantik vgl. den im Untersuchungsgebiet belegten Seenamen Purvinis Lbv (LUEV 130), den A. Vanagas im Unterabschnitt zu Hydronymen mit der Bedeutungsgruppe Wasserqualität behandelt (siehe Vanagas 1981: 102).
42 A. Vanagas zufolge sind diese Eigenschaften nicht auf die Natur des Wassers zurückzuführen; sie sind später entstanden und sekundär (siehe auch Vanagas 1981: 103).
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Púodž-ia-plynė Sumpf bei KzR und Púodž-ia-raistis Moor bei KzR bedeuten „tief gelegen“. Hier ist die Bedeutungsnuance der Grundwörter aktualisiert, die Vertikalität, Entfernung sowie das Hinauf- und Hinabgehen von der Oberfläche bezeichnet. Diese Vermutung wird auch durch die Aussage eines Informanten aus dem Fragebogen der Forstverwaltung Papilvys bestätigt: Púodžiaplynė ist eine von Hügeln umgebene Sumpffläche, Púodžiaraisтис ein tiefes Moor. Das motivierende Merkmal wird hier metaphorisch ausgedrückt.
1.1.9. Motivationen, die den physikalischen Zustand des Wassers beschreiben Der Moorname Sklydž-ia-raistis in Gdl ist mit lit. sklydėti, sklydi, -ėjo „ausgebreitet sein, sich ausdehnen, sich erstrecken“ verwandt, vgl. Vanduo sklydi lankose D޹ (zur Auflösung der Abkürzung der Quelle siehe LKŽė).
1.2. Nach dem Verhältnis zu anderen Objekten
1.2.1. Helonyme mit possessiver und lokaler Motivation⁴³: Bùkt-a-raistis Moor bei Igl: lit. buktà, bùktas „Bucht eines Flusses, Sees oder Tümpels; Bucht; tiefe, durch Wasserströmung entstandene Stelle“; Darž-a-balė Sumpf bei Klvr: lit. daržas; Degim-balė Sumpf bei Ss: lit. degìmas, dẽgimas „abgebrannte Stelle (Wiese, Moor, Wald), Brandstelle“; Degìn-balė Sumpf bei Mrj – das Kompositionselement degìn- wird als aus *degìm- entstanden betrachtet; der Ortsname ist wahrscheinlich mit lit. degìmas⁴⁴ verwandt; Dúá-raistis (< *Dváŕ-raistis) Moor bei Prn: lit. dvãras „<...> Gutshof eines Gutsbesitzers, Gehöft; Hof; Gehöft“; Eglyn-balė Moor im Wald Ldvn: lit. eglýnas, eglýnė „Fichtenwald“; Ežer-balė Moor im Wald Klvr: lit. ẽžeras; Lank-a-balė Sumpf bei Prn: lit. lankà „große ebene Wiese, meist am Fluss, die bei Hochwasser überschwemmt wird“; Lyg-plynė Sumpf bei KzR: lit. lygė, lỹgė „Waldlichtung, freie Stelle im Wald“⁴⁵; Naujien-balė Moor bei KzR: lit. naujìena, naujienà „neu gepflügtes Land; Neubruch“; Plyn-balė Sumpf bei Brb: lit. plýnė „Sumpf, Moor“⁴⁶; Prūd-balė Moor bei Igl: lit. prūdàs; Rubež-balė Sumpf bei Ss: lit. rubẽžius „Gebietsgrenze, Grenze“; Šaltin-balė Sumpf bei Ss: lit. šaltìnis „aus der Erde fließende Wasserquelle“; Trāk-balė Sumpf bei Mrj: lit. trãkas „hohe, trockene Wiese, bewachsen mit vereinzelten Sträuchern und Bäumen“,
⁴³ A. Vanagas behandelt diese Gewässernamen im Abschnitt Bedeutung der Lage des Hydrobjekts bei den Hydronymen. Er stellt fest, dass die ursprünglichen Bedeutungen von Gewässernamen nicht nur, ja nicht einmal so sehr mit den Eigenschaften der Hydrobjekte selbst zusammenhingen, sondern vielmehr mit appellativischen Bedeutungen, die die Umgebung von Flüssen und Seen beschreiben (Vanagas 1981: 104). Die meisten davon sind aus Appellativa mit physiographischer oder ähnlicher Bedeutung entstanden (ebd., 105). Da Helonyme wie andere Hydronyme sowohl lokale als auch possessive Bedeutung haben können (sie können beispielsweise Besitz eines ganzen Guts, eines Dorfes o. Ä. bezeichnen), es jedoch schwierig ist, dies voneinander abzugrenzen und festzustellen, haben wir den Abschnitt etwas anders benannt.
⁴⁴ Zur Deutung des Sumpfnamens siehe auch LVŽ II 182.
⁴⁵ Der Helonymus Balovardis ist im Fragebogen der Forstverwaltung Agurkiškė verzeichnet.
⁴⁶ Die Erklärung der Motivation des Ortsnamens wird durch die Angaben im Fragebogen der Forstverwaltung Balbieriškis eine nicht austrocknende Pfütze bestätigt und durch einen in der untersuchten Gegend aus der lebendigen Sprache aufgezeichneten Satz gestützt: Ajerai auga plý nėse, kur jau niekad neišdžiūsta Jrb.
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Waldlichtung; Wiese, auf der Birken wachsen’ (nach den Angaben der Fragebögen der Försterei Šunskai ist die bala mit Bäumen bewachsen).
1.2.2. Die Umgebung beschreibende Motivationen: Die Etyma der Erstglieder zusammengesetzter Helonyme sind Bezeichnungen für Gebäude (1), für Orte entlang eines Gebäudes (2) sowie Bezeichnungen, die andere Merkmale der Umgebung von Topoobjekten ausdrücken (3).
1) Būd-baliai b. Klvr; Būd-baliai b. Klvr: lit. būdà, būdė ‚Zelt, Unterstand, Häuschen (eines Wächters, Hirten o. Ä.)‘; Tilt-a-balė b. Krsn: lit. tiltas ‚Brücke‘;
2) Pakluon-raistis rst. Gdl: lit. pakluonė ‚Ort entlang der Tenne‘.
3) Helonyme mit attributiver Bedeutung, die ein Ortsmerkmal danach bezeichnen, was sich dort befindet: Kiaušin-raistis rst. Vv: lit. kiaušinis ‚Ei‘ (laut den Angaben des Fragebogens aus dem Dorf Būdelė legten Wildenten auf den Bulten Eier); Lāuž-a-plynė b. Mrj: lit. lãužas ‚Haufen von Ruten, Reisig, Ästen, Holzstücken47; Spal-iā-kampis rst. KzR: lit. spãliai ‚Masse solcher kleiner Späne‘, vgl. lit. spãlis, spalỹs ‚beim Brechen vom Faserbündel abgetrennter Holzspan des verholzten Flachsstängels oder Hanfstängels‘.
1.3. Nach dem Verhältnis zum Menschen
Helonyme, die aus Eigentums- und kulturhistorischen Beziehungen entstanden sind.
Die Erstglieder der im Folgenden behandelten Helonyme sind hinsichtlich ihrer Herkunft unterschiedlich. Einige sind aus Appellativa (1), andere aus Onymen (2) entstanden.
1) Auch die Vertreter dieser Gruppe sind unterschiedlich: (a) Gewässernamen aus appellativischen Personenbezeichnungen: Čypl-ia-balė b. Lbv – wahrscheinlich mit lit. čyplė ‚jemand, der zu viel redet‘ in Verbindung zu bringen48; Duidž-ia-balė b. Prn: lit. duidė ‚etwas törichte, benebelte Frau, Närrin‘49; Kerždž-ia-balė b. Mrj: lit. kerždžius ‚ältester der Hirten‘; (b) aus Ethnonymen: Cigōn-raistis b. Vv lit. cigōnas, -ė; Maskōl-raistis rst. Vv: lit. maskõlis, maskõlius ‚Soldat der zaristischen Armee; Russe‘. Spuren der Franzosenzeit, d. h. des Feldzugs der von Napoleon angeführten französischen Armee durch Litauen zu Beginn des 19. Jahrhunderts, bezeugt der in einem Fragebogen der Försterei Runkiai festgehaltene Gewässername Prancūz-bales KzR mit dem Zusatz: man sagt, dass dort ein Lager war. Dieser Ortsname ist als Zeugnis ethnokultureller Erinnerung zu bewerten.
47 Nach den Angaben der Fragebögen der Försterei Šunskai ist die bala mit Bäumen bewachsen.
48 Diese Vermutung wird offenbar auch durch die in LVŽ erfasste, auf VK-Angaben beruhende, in der gesprochenen Sprache verwendete Variante Čypliabalė des Gewässernamens Čipliabalė Lbv gestützt (siehe LVŽ II 70). Das von einem Personennamen abgeleitete Kompositum mit possessiver Bedeutung ‚Čiplius gehörig‘ wird mit der Nebenform Čypliabalė verwendet. Das Erstglied der determinativen Bildung čypl- ist, wie bereits erwähnt, mit der appellativischen Personenbezeichnung čyplė ‚jemand, der zu viel redet‘ in Verbindung zu bringen. Leicht zu erkennen ist, dass das Grundwort des einen Ortsnamens lexikalisch neutral ist, während das des anderen eine negative emotionale Konnotation aufweist.
49 Vgl. die im Untersuchungsgebiet aus der gesprochenen Sprache aufgezeichneten Sätze: Was fragst du diese Duidė! Vv; Mit so einer Duidė kann man nicht reden Vv.
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2) Aus Personennamen: Agot-plynis Moor. Vv: Dorf: Agôtė, Agotà; Bãkš-a-balė Sumpf. Ldvn⁵⁰: Bakšà; Baniōn-balė Sumpf. Prn: Dorf: Baniōnis⁵¹; Bãrtk-a-balė Sumpf. Lbv: Pvd. Bãrtkus; Bruzɡ-a-raistis Gestrüpp. Šil: Pvd. Brùzgas; Čekausk-a-balė (d. Čekauckabalė) Sumpf. Lbv: Pvd. Čekãuskas, Čekãuskas; Čiùkn-a-raistis Sumpf. Šil: Pvd. Čiùknà; Daniēl-plynė Lichtung. KzR⁵²: Dorf: Daniēlius; Gerùl-raistis Gestrüpp. Vv: Pvd. Gerùlis; Gìb-a-balė Sumpf. Lbv: Pvd. Gìbas; Grìg-a-raistis Gestrüpp. Gdl: Pvd. Grìgas; Grìšk-a-raistis Sumpf. Brb: Pvd. Grìškà; Grùm-balė Sumpf. KzR: Pvd. Grùmas; Jōn-balė Teich. Mrj: Dorf: Jōnas; Kačērg-ia-rais-tis Gestrüpp. Gdl: Pvd. Kačērgis; Kajãck-a-raistis Sumpf. KzR: Pvd. Kajãckas; Kaũn-a-balė Sumpf. Klvr: Pvd. Kaũnas; Kazl-ã-plynė Lichtung. KzR: Pvd. Kãzlas; Kirvãl-balė Gestrüpp. Ss – wahrscheinlich ein Personenname als Ursprung des Gewässernamens, der mit dem Pvd. Kirvėlis⁵³ in Verbindung steht; Klim-a-balė Sumpf. KzR: Pvd. Klìmas; Kliùč-balė Sumpf. Mrj: Pvd. Kliùčius; Kundok-raistis Gestrüpp. Vv: Pvd. Kuñdoka, Kundõkas; Lañdž-ia-balė Teich. Klvr⁵⁴: Hof: *Landys, vgl. Pvd. Lañdžius; Luck-a-balė Sumpf. Klvr: Pvd. Lùckus; Mauš-ia-raistis Gestrüpp. Vv: Hof: *Maušius oder Nachname, vgl. Hof Woiciech Mauszas 1662 (IAK); Micùt-raistis Teich. Gdl: Pvd. Mìcu-ta, Micutà; Nãik-a-raistis Gestrüpp. Brb: Hof: Naĩkus; Pataš-a-raistis Gestrüpp. Krsn: Pvd. Patašius, vgl. poln. Pvd. Pat asz (SNP VII 224); Paũl-ia-balė Sumpf. Ldvn: Hof: Paũlius; Pečk-a-balė Sumpf. Ss: Hof: Pečkỹs oder Ähnliches; Rač-balė Sumpf. Klvr: Pvd. Rãčius; Ramõšk-a-balė Sumpf. Mrj: Pvd. Ramõškà; Señk-a-balė Sumpf. Ldvn: Pvd. Señkus; Šãb-a-balė Sumpf. Mrj: Pvd. Šãbas; Šaln-a-plynė Lichtung. KzR: Pvd. Šalnà; Vasiliáusk-a-raistis Gestrüpp. Brb: Pvd. Vasiliáuskas; Valent-raistis Gestrüpp. Gdl: Hof: Valentà oder Ähnliches.
1.4. Situative Helonyme
Toponyme, die eine typisierte Situation widerspiegeln (diese kann unwirklich, erfunden oder ein gewöhnliches Phänomen sein), das mit einem Objekt verbunden ist, könnten als situativ55 bezeichnet werden:
50 Dort soll das Mädchen ein Kind bekommen haben – so steht es im Fragebogen aus dem Dorf Ąžuolynas. Vgl. lit. apturėti, àpturi, -ėjo ‚gebären‘ [Merga apsiturėjo Mrj]. Vgl. außerdem die Struktur des ersten Bestandteils des Sumpfnamens mit lit. bakščioti, -iója, -iójo ‚stochern, pieksen, herumstochern‘. Solche Phänomene in der Sprache hat Birutė Kabãšinskaitė beschrieben. Ihr zufolge bemüht sich der Sprachbenutzer, eine semantische Verbindung zu erfinden und sie durch besondere Erklärungen zu begründen (Kabãšinskaitė 2013: 73). Unser gefundenes Beispiel zeigt, dass die Bewohner des Untersuchungsgebiets aufgrund der Ähnlichkeit der Form des Gewässernamens Bãkšabalė eine semantische Assoziation mit dem genannten Verb herstellen.
51 Nach jedem Vertreter der litauischen Anthroponymie wird der Quellenbeleg (LPŽ I, II; LVKŽ) nicht angegeben. Diese Angaben finden sich am Ende des Artikels im Quellenverzeichnis.
52 Nach den Angaben des Fragebogens der Forstverwaltung Papilvys lebte dort Danielius; der benachbarte Wald und die Lichtung wurden ebenfalls nach ihm benannt.
53 Den Angaben des LPŽ zufolge lebten in der Umgebung von Sasnava zwei Familien mit diesem Nachnamen (siehe LPŽ I 1003).
54 „Vor hundert Jahren lebte der Bauer Landys“, heißt es im Fragebogen.
55 Dėl termino ir šių vv. dar žr. Березович 1998: 136–142. Čia rusų mokslininkė pastebi, kad toponimų vidinė forma neturi situacinių žymiklių, kurie yra akivaizdūs motyvuotėse, taigi
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Mėrg-a-raistis Sumpf. Vv: Wiese. mergà „erwachsene unverheiratete Frau, Mädchen; von einem Bauern oder Großbauern angestelltes Mädchen als Arbeiterin, Lohnarbeiterin, Dienstmagd“. Die Mädchen gingen baden, eine ertrank – heißt es im Fragebogen. Žyd-balė Sumpf bei Šil – den Angaben des Fragebogens zum Dorf Juodaraisčio zufolge wird erzählt, dass ein Jude mit einer Stute ertrank. Somit kann eine Situation oder ein Ereignis einem wenig bekannten, kaum vertrauten Objekt seinen Namen geben56.
1.5. Toponymischer Komplex (Mikrosystem)
In den Fragebögen aus der Zwischenkriegszeit ist auch ein Mikrosystem von Helonymen belegt57. Ob aufgrund des schlechten Geruchs, der verbreiterten Form58 oder aus anderen möglichen Gründen59 erhielt ein Element dieses Mikrokomplexes den Namen Šikn-ã-balė Sumpf, KzR. Im selben Fragebogen der Forstverwaltung Jūrė ist der Sumpfname Uodegėlė KzR belegt. Im Fragebogen heißt es: Das ist die Landzunge von Šiknãbalė. Daher der Name. Semantisch zusammengehörige Namen entstehen meist als Ergebnis der Vorstellungen von den Objekten: Im Nominationsprozess, bei der Entstehung eines toponymischen Systems, werden zunächst die Konturen der Landschaft „gezogen“, und erst später, nachdem man mit den Topoobjekten eines bestimmten Gebiets besser vertraut geworden ist und sie sich angeeignet hat, beginnt man, sie genauer zu differenzieren (vgl. Березович 1991: 77). Offenbar ist es auch in diesem Fall so geschehen. Der Nominationsprozess verlief recht spezifisch. Die Merkmale der Topoobjekte erschienen dem Nominator aufgrund ihrer Konfiguration (der Anordnung der miteinander verbundenen Objekte) als zusammenhängend60, sodass zunächst das erste Element des Mikrosystems den Namen Šiknãbalė erhielt (wie bereits erwähnt, aus heute nicht genau bekannten Gründen), und erst danach bekam der benachbarte Sumpf seinen Namen61 – Uodegėlė: lit. uodega „sich verjüngender Teil eines Grundstücks, einer Wiese, eines Feldes oder eines Waldes“. Das in den untersuchten Materialien belegte Mikrosystem – Šiknãbalė und Uodegėlė – ist somit das Ergebnis des menschlichen Bestrebens, zu vergleichen, in Beziehung zu setzen und zu konkretisieren.
Hervorzuheben ist das für situative Namen charakteristische Ungleichgewicht zwischen Benennung und Motivation (ebd., 142).
56 Dėl šio teiginio dar žr. Березович 2008: 278. Čia minimos ir nekalbinės situacinių toponimų atsiradimo priežastys. Sėslus gyvenimo būdas, anot kalbininkės, lemia gana uždarą gyvenseną uždaroje erdvėje, kuri ir parodo žmogaus ir erdvinių realijų vienpusį ryšį. Be to, pasakojimai (mitai) formuojasi apie visus dalykus, apie kuriuos trūksta informacijos.
57Semantisch zusammengehörige Ortsnamen bezeichnet J. L. Berezovič (Jekaterinburg) als semantische Mikrosysteme. Zu diesen in der russischen Toponymie siehe Березович 1991: 75–90.
58 Vgl. lit. dial. šiknà „der dicke, untere Teil eines Gegenstands“, Mrj.
59 Vgl. ferner kaĩp šiknojė dial. „sehr, völlig dunkel“, Šk.
60 Dėl šio nominacinio komplekso elementų semantinių ryšių dar žr. Sviderskienė 2015: 178–179.
61J. L. Berezovič hat festgestellt, dass toponymische Mikrosysteme aus zwei oder mehreren Toponymen bestehen können, die durch verschiedenartige Beziehungen lexikalischer Systemhaftigkeit miteinander verbunden sind (ausführlicher siehe Березович 1991: 75–90).
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2. DERZEIT NICHT GANZ KLARE MOTIVATION KOMPOSITA DER HELONYME
Unter Beibehaltung der einheitlichen Analysegrundsätze, die in der Einleitung des Artikels dargelegt und auf die Vertreter der ersten Gruppe angewandt wurden, wird versucht, die Motivation dieser Helonyme zu interpretieren. In einigen Fällen beschränkt man sich mangels zusätzlicher Informationen, die eine oder andere Deutung der Motivation stützen könnten, auf die Feststellung einer Möglichkeit.
2.1. Nicht ganz klar ist der lexikalische Charakter der Wortbildungsgrundlage des Erstglieds der Komposita und deren Zugehörigkeit zur Klasse der Appellativa oder Anthroponyme: Barōn-plynė rst. KzR: lit. barōnas ‚Schafbock, Widder‘ /62 anthr. Barōnas, lit. plýnė ‚Sumpf, Moor‘63; Mōrk-a-balė b. KzR: lit. morkà, mōrkas / anthr. Mōrkus64; Ragaiš-balė rst. Prn: lit. ragaišis ‚Brot aus grobem Weizen- oder Gerstenmehl, Karaišis‘65 / fam. Ragaišis; Rož-balė b. Mrj66: lit. rožė ‚Seerose (Nymphaea)‘; zur Semantik vgl. Flurnamen mit Rožýnas b. Dg (VK), das offenbar mit lit. rožė ‚ebd.‘ / fam. Rōžas in Verbindung gebracht werden könnte; vgl. fam. Rožēnas.67
2.2. Eine weitere Gruppe von Ortsnamen mit möglicher doppelter Motivation ist ebenfalls klein. Hier kann die Motivation der Helonyme sowohl mit der einen als auch mit der anderen Bedeutung des Grundworts erklärt werden: Bais-raistis b. Vv: lit. baisùs, -ì ‚Furcht erregend, erschreckend‘ – ein Helonym mit emotionaler Bewertungsbedeutung68 / lit. baisùs, -ì ‚sehr groß‘ – Motivation anhand der Eigenschaften des Objekts (Größe); Čyst-a-balė b. Lbv; Čyst-a-balė b. Igl: lit. čýstas, -à ‚sauber, unverunreinigt‘ – der Name wurde dem Ort gegeben
62 Da beide Möglichkeiten zur Erklärung der Motivation plausibel sind, werden sie nebeneinandergestellt und durch das vereinbarte Zeichen / voneinander getrennt, das „andererseits, mögliche Motivation aus“ bedeutet. Diese Entscheidung beruht auf dem Wunsch, die im Artikel äußerst häufige Verwendung dieser Wortverbindung und eine unnötige Erweiterung des Artikelumfangs zu vermeiden.
63 Siehe ferner LVŽ I 379–380, wo mutmaßlich eine weitere Herkunftsvariante angegeben wird – von lit. barōnas ‚Adelstitel unterhalb des Grafen; Person, die diesen Titel trägt‘.
64 Den Angaben des LPŽ zufolge ist im Untersuchungsgebiet der Familienname Morkūnas belegt (siehe LPŽ II 271); nahe der Lokalisierung der untersuchten Toponyme auch Morkėlis (siehe ebenda, 270).
65 Bei appellativischer Herkunft ist das Motivationsmerkmal nach Ansicht des russischen Forschers N. V. Ovčiar (Sverdlovsk) mit dem Fischreichtum des Gewässers verbunden (ausführlicher siehe Овчар 1991: 62, 71). Andererseits lässt sich die Motivation des Moor-Namens vielleicht auch durch die möglicherweise runde Form des Topoobjekts erklären.
66 Nach Aussage des Informanten war früher ein Landwirt namens Rožēnas dort ansässig. Die Angaben des LPŽ bestätigen dies – dieser Familienname ist nahe der Lokalisierung der untersuchten Toponyme belegt (siehe LPŽ II 625).
67 Anders L. Bilkis – der Name wird mit lit. rožýnas ‚Ort, an dem Rosen angebaut werden‘ in Verbindung gebracht (siehe Bilkis 2008: 282).
68 Dėl emocinio vertinimo reikšmės hidronimų dar žr. Vanagas 1981: 115–116.
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aufgrund der Wasserqualität69 / lit. čỹstas, -à ‘leer’70– kann der Ort aus einem anderen Grund seinen Namen erhalten haben: ein Teich ohne Fische71; Degùs-balė Teich Klvr: lit. dẽgus oder Ähnliches, vgl. dẽgti ‘dem Feuer ausgesetzt sein, im Feuer vergehen, brennen’72 [Der Torf der Moosgebiete brennt gut, gibt aber wenig Wärme Gs; Die Teiche brennen, was soll man tun, damit die Berge nicht brennen Dkš] (mögliche Erklärung der Motivation – ein ausgebrannter Teich) / lit. dẽgti ‘leuchten, glühen, glänzen, strahlen’, vgl. Jau dega žaromis saulėleidžio kraštai V. Myk-Put. (mögliche Erklärung der Motivation – aufgrund der Eigenschaften des Teichwassers).
Tams-plynė Teich, Moor KzR: lit. tamsùs, -ì ‘nicht hellfarbig, schwärzlich’. Ausgehend von dieser Bedeutung des Grundworts lässt sich annehmen, dass die Helonyme aufgrund bestimmter Wassereigenschaften, d. h. aufgrund undurchsichtigen Wassers, entstanden sind. Da der Name des Teichs in einem Erhebungsbogen der Forstverwaltung Runkių festgehalten wurde, ist möglicherweise auch eine andere Erklärung der Motivation denkbar – aufgrund der Beleuchtung bzw. fehlenden Beleuchtung des Topoobjekts. In diesem Fall könnte der Ortsname mit der Bedeutung von lit. tamsùs, -ì ‘schwach oder gar nicht beleuchtet’ in Verbindung gebracht werden.
2.3. Bei Lexemen gleicher Ausdrucksform, aber mit unterschiedlichen Bedeutungen (lit. kulė, kūlė ‘hölzernes Schlagwerkzeug, Dreschflegel’ / lit. kulė, kūlė ‘Beutel in der Mitte eines Zugnetzes, in den die Fische hineinschwimmen; Schöpfnetz der Fischer’), die als Erstglied des determinativen Kompositums Kùl-ia-raistis Moor auftreten können, ist eine doppelte Erklärung seiner Motivation möglich. Die unterschiedlichen Lexembedeutungen bedingen unterschiedliche Erklärungen der Motivation: nach der Form (Konfiguration) oder nach der Tiefe. Im letzteren Fall läge der metaphorischen räumlichen Benennung die Komponente der Vertikalität, der Entfernung und der Bewegung von der Oberfläche nach unten zugrunde, vgl. Púodžiaplynė Teich KzR und Púodžiaraistis Teich KzR (dazu siehe I. 1.1.8). Leider ist es mangels genauerer Angaben zum Denotat, zu den geografischen Landschaftsmerkmalen sowie zur Benennungssituation unmöglich, genau festzustellen, welches der genannten Merkmale die Entstehung des Ortsnamens Kùliaraistis veranlasst hat.
2.4. Zwei weitere Teichnamen sind hinsichtlich ihrer Ausdrucksform eigentümlich: Lašin-balė Teich Mrj: lit. lašiniai ‘subkutane Fettschicht eines Schlachtkörpers (gewöhnlich eines Schweins); scherzhaft, abwertend: Körperfett’; Smeton-balė Teich Prn: lit. smetonà ‘saure Sahne; Sahne’. Zur Semantik dieser Helonyme vgl. Sviestăkalnis Hügel Klvr, Sviestinė Wiese Lbv. Die Bedeutung des Wortes sviestas lautet ‘aus saurer Sahne gewonnene feste Fette’; vgl. den aus der mündlichen Volksüberlieferung aufgezeichneten Satz Žemė kai sviestas ‘Der Boden ist wie Butter’, d. h. ‘fruchtbar, gut bearbeitet’. Aus der Bedeutung wird ersichtlich, dass Butter ebenso wie Speck und saure Sahne Fett ist, und riebùs, -ì bedeutet ‘reichlich versehen mit73
69 Vgl. ferner čỹstai. Čỹstai nusimazgoja rankas Kt.
70 Vgl. ferner Nė gyvulio, nieko nėr – čysta žemė Prn; Oi sunku sunku dideliam medeliui vidur cysto laukelio Mrs.
71 Dėl tokio vandenvardžių motyvacijos aiškinimo rusų toponimijoje dar žr. Овчар 1991: 62, 71.
72 Zur Bildung und Herkunft des Ortsnamens siehe auch LVŽ II 191.
73 Belege (Abkürzungen) wie im LKŽe werden nicht gesondert erläutert.
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Nährstoffe für Pflanzen, düngend, gedüngt’ (über den Boden), vgl. Riebūs kai Šakių laukai (aus den Aufzeichnungen), ‘fruchtbar, üppig, reichlich’, wofür ferner der Wiesenname Taukióji Mrj heranzuziehen ist (lit. taukióji, vgl. taukùs, –i ‘üppig, reichlich’). Andererseits scheint diese Deutung semantisch den Flurnamen näherzukommen (vgl. auch Lašinýnas, Flurname Klvr). Zur Erklärung der Motivation von Namen sumpfiger Orte eignen sich wohl eher Bezüge zur Wasserqualität74 oder zum Fischreichtum75, möglicherweise auch zur Qualität der Oberfläche / des Bodens (als Schicht). Welche Version der Motivationserklärung sich auch bestätigen sollte, eines ist klar: Die Übertragung von Merkmalen aus dem Ursprungsbereich der Metaphern (Bezeichnungen für Lebensmittel)76 wurde in der Arbeitsstruktur (ihrer inneren Form) der Sumpfnamen Lašinbalė, Smetonbalė genutzt, um die Qualität der Oberfläche / des Bodens / des Wassers hervorzuheben.
2.5. Sumpfname mit nicht ganz klarer Motivation Skálk-a-balė KzR ist wahrscheinlich mit dem aschfarbenen *skalka verwandt, vgl. lit. skalà ‘gespaltenes Kienspanstück, das zum Beleuchten oder zum Entzünden eines Feuers verbrannt wird, Kienspan’. Zur Semantik vgl. den in derselben Erhebung der Forstverwaltung Velniakalnis aufgezeichneten Bergnamen Skalkakalnis KzR, dessen Motivierung lautet: in der Mitte gespalten. Dieser Ortsname ist demnach aufgrund der genannten Aussage des Informanten als durch seine Form motiviert einzustufen und den Toponymen mit konfigurativer Bedeutung zuzuordnen. Da die Motivierung des Sumpfnamens in der Erhebung nicht festgehalten wurde, lässt sich nur vermuten, dass er möglicherweise ein Topoobjekt mit verzweigter Form bezeichnet, oder es können andere Gründe für das Entstehen dieser Nominierungseinheit erwogen werden.
In der Struktur des Moor-Namens Smal-ia-raistis Šil, in seiner inneren Form, ist das Lexem smalà77 belegt. A. Vanagas wertet Gewässernamen, deren Wortbildungsgrundlage smalà ist, als Hydronyme mit der Bedeutung ‘Wasserqualität’ (siehe Vanagas 1981: 102)78. Zu dieser onomastischen Entscheidung führte eine der aktualisierten Seiten – die Eigenschaft der Wasserqualität, nämlich die Zähflüssigkeit; vgl. den Satz aus dem Archiv litauischer Volksüberlieferungen: Tu jojamas rasi plačią upę, smala tekančią Ls (zu diesem Satz siehe LKŽe), ferner lit. klampùs, –i ‘schwer fließend, zähflüssig (über Flüssigkeiten)’. Unserer Ansicht nach könnte bei der Namensgebung des Moores wohl sowohl die Konsistenz des Teers aktualisiert worden sein, als auch …
74 Vgl. den in einem anderen Gebiet belegten Flussnamen Riebgalỹs Dt (LUEV 135), den Vanagas den Hydronymen mit der Bedeutung ‘Wasserqualität’ zuordnet (siehe Vanagas 1981: 102).
75 Vgl. Mėsinė, Moorname Žž (VK).
76 „Ethnografische Untersuchungen von Nahrungssystemen belegen, dass sich die Bedeutungen von Nahrung auf alle menschlichen Lebensbereiche erstrecken“ (Mintz Du Bois, zitiert nach Čepaitienė 2013: 255). Darüber hinaus wurde der Ethnologin zufolge zu festlichen Anlässen bessere Nahrung gegessen, die nach bäuerlichem Verständnis fettreicher und reichhaltiger war: mehr Fett, Sahne und Butter (siehe auch ebenda, 266).
77 Lit. smalà ‘durch Erhitzen gewonnener Harzstoff, Teer’, ‘Harz’ (DKŽ 129). Den Angaben von LKŽe zufolge wird in einem anderen Gebiet Litauens der Appellativ smãlis, smalỹs ‘Teufel, Bösewicht (als Fluch)’ verwendet: Na, kurgi tavę dabar smãlis neša? D1.
78 Vgl. auch Gewässernamen mit der Wortbildungsgrundlage dervà; auch sie werden von diesem Wissenschaftler semantisch gleich bewertet – als Gewässernamen mit der Bedeutung ‘Wasserqualität’ (siehe ferner Vanagas 1981: 101).
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d. h. die Zähflüssigkeit ebenso wie ihre Farbe79, d. h. die Dunkelheit80. Ohne die in der Erhebung der Forstverwaltung Pajiesys festgehaltenen Aussagen der Informanten lässt sich also schwer genau sagen, welches Denotatmerkmal – oder vielleicht auch beide – physische Eigenschaften oder Farbe – im Benennungsprozess berücksichtigt wurde81.
Ein weiterer hinsichtlich der Benennungsmotivation nicht ganz klarer Fall ist der Name des Moores Vargõn-balė KzR: lit. vargõnai „Tastenblasinstrument“. Da keine Aussagen von Informanten aufgezeichnet wurden, vgl. den aus der gesprochenen Sprache entnommenen Satz im LKŽe: Mūs klebonas kap vargõnas gieda Vlk82; vgl. jedoch auch lit. vargonadantis, -ė „jemand mit unschönen, großen Zähnen“ [Pažinom brolius vargonadančius Btr], lit. vargonėliai übertragen „Kleiderfalten“ Sn83. Somit bleibt unklar, ob das Topoobjekt Vargõnbale wegen der vom Gewässer erzeugten Geräusche, wegen seiner Form, wegen der unebenen Bodenoberfläche oder aus anderen (derzeit unbekannten) Gründen nach der übertragen verwendeten Bezeichnung eines Musikinstruments benannt wurde.
2.6. Um die Motivation der Helonyme mit mešk- fundiert erklären zu können, wären Aussagen von Informanten erforderlich. Leider wurden in den Erhebungsbögen außer dem Kommentar, dass Bären ihre Jungen herumgeführt hätten, keine weiteren festgehalten. Da laut dem litauischen Naturforscher Tadas Ivanauskas der letzte Bär in Litauen 1883 erschossen wurde und Bären nur gelegentlich von anderswoher herüberkommen (vgl. Zitat aus Papaurėlytė-Klovienė 2007: 91), erscheint das letztgenannte Argument für Zusammenhänge der Ortsnamen Mėšk-a-balė b. Mrj; Mešk-ã-balė b. Klvr; Mėšk-a-raistis rst. Gdl; 2 plk. Krsn84; Mešk-a-raistis rst. Brb mit den Orten, an denen dieses Tier gelebt hat, am wenigsten überzeugend. In den Benennungseinheiten mit
79 Bei der Zuordnung von Helonymen zum semantischen Typ nach der Farbe ist die Farbe gemeint, die durch die Beschaffenheit der Erdoberfläche oder die Wasserfarbe bedingt ist – vgl. die Vertreter von I. 1.1.5.
80 Vgl. auch lit. smalinis, -ė „übertragen: schwarz, dunkel“.
81 In derselben Erhebung der Forstverwaltung Pajiesys wurde der Moorname Juodvandenis Šil. aufgezeichnet. Warum das Naturgebilde so benannt wurde, zeigt seine innere Form eindeutig: wegen des schwarzen Wassers.
82 A. Vanagas hat in Hydronymen über 85 Belege für die Bedeutung „Wassergeräusche“ festgehalten (dazu siehe Vanagas 1981: 114–115). In der Nähe der Lokalisierung der untersuchten Ortsnamen besingt der Sänger aus Mardasavas, Petras Zalanskas, in seinem poetischen Werk „Gudo šalis“ die „balos burbeklės“ des Čepkeliai-Moores [Hervorhebung von mir – D. S.] – Näheres siehe Vaitekėvičienė 2012: 34, 35. Die Wissenschaftlerin erarbeitete den Artikel auf der Grundlage des Vortrags „Einen Ort hören und gehört werden“.
83 Konstantin A. Hein (Russland), der die Toponyme der Oblast Wologda untersuchte, stellt fest, dass Vergleiche von Topoobjekten mit Musikinstrumenten durch die Form des Topoobjekts selbst oder das Aussehen der Erdoberfläche infolge der Art der Bodenbearbeitung angeregt sein können. So werden beispielsweise Topoobjekte mit hügeligem Relief und verzweigten Ufern als Armonika, Armonikos (Гармошки, Гармонь) bezeichnet; ein Grundstück in Form eines unregelmäßigen Trapezes kann Gusli (Гусли) heißen [Gusli sind ein russisches Saiteninstrument, das der Kanklės ähnelt; es gibt sie in rechteckiger, flügelförmiger und anderer Gestalt – D. S.] und so weiter (Näheres siehe Гейн 2014: 73).
84 Den Angaben des Erhebungsbogens aus dem Dorf Išlandžiai zufolge hätten die Ortsansässigen Bärenjungen herumgeführt.
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Bären-, wahrscheinlich können weitere Eigenschaften dieses Tieres festgehalten sein – die mit überdurchschnittlichen Ausmaßen der Realien (in diesem Fall der Helioobjekte) verbunden sind85. Welche weiteren Motivationsmerkmale die Entstehung des Ortsnamens angeregt haben könnten, lässt sich heute nur schwer sagen86.
Der Moorname Mėšk-a-kampis KzR bildet aufgrund fehlender Beschreibungen, die seine Motivation erläutern, ebenfalls keine Ausnahme. Aleksandra J. Baranova zufolge ist der Ortsname Медвежий Угол (semantisch unserem Meškakampis „nahe“) auch in der russischen Toponymie recht häufig. Der Forscherin zufolge bedeutet Медвежий „abgelegen, abgelegen“ (глухой, отдалённый); das Wort Ecke (угол) wird hier übertragen im Sinne von „abgelegener Winkel“ verwendet (местность, обычно глухая) (siehe auch Баранова 2012). Die russische Linguistin I. S. Prosvirnina merkt an, dass enge semantische Beziehungen zwischen den Gliedern zusammengesetzter Toponyme deren Phraseologisierung bedingen können (Просвирнина 2001: 44)87. Auf Grundlage des Gesagten und unter Berücksichtigung dessen, dass „äquivalente Wörter in verschiedenen Sprachen unterschiedliche Assoziationen hervorrufen können“ und „der lexikalische Hintergrund national geprägt ist“ (Gudavičius 2009: 101), ist der Ortsname Meškakampis hinsichtlich seiner Motivation vorerst als unklar zu bewerten. Eines ist offensichtlich – sowohl die Semantik des litauischen Ortsnamens als auch die des Repräsentanten der russischen Toponymie ist komplex.
Diese Gruppe wird offenbar durch Flurnamen mit dem Erstglied Jud- ergänzt. Den Fragebogendaten aus Trempiniai zufolge erhielt die sumpfige Wiese Žyd-balė Lbv ihren Namen wegen des gemähten Schweineweidelands [= schlechten Grases. Aus ähnlichen Gründen könnten auch andere in den Fragebögen der Zwischenkriegszeit verzeichnete Topoobjekte benannt worden sein. Da keine Daten vorliegen, anhand deren sich eine implizite wertende Motivation in den Fragebögen feststellen ließe, bleibt auch eine andere Möglichkeit der Motivationserklärung bestehen – die Helonyme Žyd-balė b. Lbv, Krsn, Mrj, Šil; rst. KzR; Žyd-balė b. Klvr; Žyd-a-raistis b. Krsn, eingetragen in den Flurnamen-Fragebögen, könnten als Possessivbildungen betrachtet werden, deren Erstglied-Etymon lit. Jude, -ė ‚Person jüdischer Nationalität‘ ist. Für diese letztere Deutung sprechen dem Untersuchungsgebiet zuzuordnende demografische Daten: Das untersuchte ethnische Gebiet wird für die Zwischenkriegszeit als ethnisch gemischter Raum beschrieben; laut den Daten der allgemeinen Volkszählung von 1923 lebten im Landkreis Marijampolė 6,42% Juden88.
85 Vgl. Flurnamen des Untersuchungsgebiets: Kurapkelis kl. Gdl: lit. kurapkà; Rupužkelis kl. KzR: lit. rupùžė. Wie diese Benennungseinheiten zeigen, sind die Tiere Rebhuhn und Kröte klein; möglicherweise wurden gerade deshalb ihre Bezeichnungen im Benennungsprozess verwendet, um einen unterdurchschnittlichen Umfang der Topoobjekte (Wege) auszudrücken (vgl. Sviderskienė 2015: 182).
86 Zur Motivation zusammengesetzter Pilznamen mit mešk- im Benennungssystem litauischer Mykononyme siehe Lubienė 2012: 111–112.
87 Dies scheint auch in diesem Fall zu gelten.
88 Dėl šių ir kitų demografinių duomenų dar žr. Sabačius 2009: 228.
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In der Untergruppe werden auch die Zusammensetzungen Šùn-a-balė b. Klvr; Šùn-ia-balė b. Mrj; lit. šuõ, šùns89; Vilk-a-balė 2 b. Brb: lit. vìlkas90 betrachtet. Obwohl keine Fragebogeneinträge gefunden wurden, die Rückschlüsse auf eine implizite wertende Motivation erlauben, weisen die betreffenden Ortsnamen diese wahrscheinlich auf91. Die negative Bewertung der Orte ist vermutlich auf die schlechte Bodenqualität zurückzuführen – auf nassen, für die Landwirtschaft ungeeigneten Boden, wertlose Vegetation an diesen Orten oder Ähnliches.
3. DISKUSSION DER ERGEBNISSE
3.1. Die größte Vielfalt der Benennungen weisen Helonyme auf, die durch Komposition nach den Eigenschaften der Objekte gebildet wurden (192 / 64%).
Tierbezeichnungen regten die Benennung von 38 (20%) sumpfigen Orten an. Das analysierte Material zeigte, dass „tierische“ Toponyme Merkmale impliziter Motivation aufweisen – Konnotation und Größe. Bekanntlich helfen Informantenaussagen dabei, diese Merkmale zu erschließen. Aufgrund ihrer spärlichen Überlieferung könnten einige Merkmale unerkannt geblieben sein. Daher ist vermutlich auch die Zahl der Vertreter dieser Untergruppe nicht genau.
Nach ihrem Umfang (ihren Abmessungen) (nach ihrer Länge1292, Größe5, Tiefe1, geringer Wassermenge, d. h. Trockenheit7) wurden 25 (13%) sumpfige Orte benannt. Besonders häufig ist Länge belegt.
Pflanzennamen regten die Benennung von 14 (7%) sumpfigen Orten an.
Aufgrund besonderer physiografischer Merkmale (Merkmale des Bodens / der Oberfläche5, der Form / der räumlichen Anordnung5) erhielten 10 (5%) Objekte ihre Namen.
In den durch Komposition gebildeten Namen von Topoobjekten des Untersuchungsgebiets sind folgende Vertreter der Farbkategorie belegt: schwarz6, braun2, rot1, falb1 (insgesamt 10 (5%)). Die ersten drei sind mehrdeutig. Sie bezeichnen die Farbe der Oberfläche / des Bodens / des Wassers sumpfiger Orte.
89 Zur Motivation zusammengesetzter Pflanzennamen mit šun- im Benennungssystem litauischer Phytonyme siehe auch Gritėnienė 2010: 163–181. Jūratė Lubienė zufolge ist im Litauischen der Zoonymeintrag šuo (Hund) der typischste Ausdruck besonders negativer Konnotation im System der Mykononyme (vgl. Lubienė 2012: 111).
90 Der Flussname Волчьи Воды (Russland) hat eine pejorative Bedeutung und zeigt an, dass sein Wasser zum Trinken ungeeignet ist (siehe auch Березович 1991: 86). Lubienė zufolge wird „die negative emotionale Bewertung russischer Phytonyme und Mykononyme besonders deutlich gerade durch die Bezeichnung für den Wolf vermittelt; giftige Pflanzen oder Pilze werden ‚Wolfs-‘ genannt“ (Lubienė 2012: 111).
91 Diese Entscheidung wird durch Aloyzas Gudavičius’ Aussage gestützt, „Tiere werden in der Sprache gewöhnlich negativ bewertet“ (Gudavičius 2007: 87), sowie durch Untersuchungen zur Motivation litauischer Phytonyme und Mykonyme (ausführlicher siehe Gritėnienė 2006; 2010: 163–181; Lubienė 2012: 99–122).
92 Die Zahl unten gibt die Anzahl der Repräsentanten an.
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9 (4,5%) Bezeichnungen, die mit den Lexemen velnias (Teufel), pekla (Hölle), vaidyklė (Gespenst) verbunden sind, sind höchstwahrscheinlich durch die Besonderheiten der Klasse (Unterklasse) der Namen sumpfiger Orte selbst bedingt93.
Unter Berücksichtigung der Wasserqualität sumpfiger Orte wurden 7 (4%) Topobjekte benannt: aufgrund der Zähflüssigkeit (Klebrigkeit) des Wassers1, seiner Flüssigkeit1, Klarheit1 usw. (insgesamt 5). Andere Benennungen entstanden, indem das Wasser sumpfiger Orte anhand von Bezeichnungen für Stoffe und Gegenstände charakterisiert wurde, die im Wasser reichlich vorhanden sind bzw. dort gefunden werden2.
Es wurden 3 (1,5%) Helonyme erfasst, die die Lage im Raum bezeichnen. Eines davon bedeutet „hoch gelegen“1, die anderen „tief gelegen“2.
Ein Fall belegt, dass ein sumpfiger Ort aufgrund des physikalischen Zustands des Wassers benannt wurde.
3.2. Sumpfige Orte werden wesentlich seltener aufgrund ihrer Beziehung zu anderen Objekten benannt (23 / 13%). Unter diesen sind Helonyme mit possessiver und lokativer Motivation häufiger belegt15. Sie bilden die dominierende Gruppe dieser Bedeutung (65%). Seltener finden sich Helonyme mit umgebungsbeschreibender Motivation4 sowie Helonyme, die eine örtliche Eigenschaft danach benennen, was sich dort befindet4.
3.3. Noch häufiger als aus dem letztgenannten Grund werden die untersuchten Objekte aufgrund von Eigentums- und kulturhistorischen Beziehungen benannt (43 / 23%). Die überwiegende Mehrheit entfällt auf Eigentumsverhältnisse.
3.4. Durch ihre besondere Semantik zeichnet sich das im untersuchten Material belegte Mikrosystem Šiknābalė und Uodegėlė aus, das aufgrund der räumlichen Anordnung miteinander verbundener Objekte entstand, ebenso wie die situativen Helonyme, die auf die geringe Kenntnis der Objekte zurückgehen.
Die Diskussion der Ergebnisse zeigte, dass im Verlauf der Untersuchung die Vielfalt der Motivationen von durch Zusammensetzung gebildeten Helonymen aufgezeigt, die Besonderheit der Kategorisierung eines Wirklichkeitsausschnitts in der Sprache offengelegt und die Hierarchie der Motive für die Entstehung von Namen sumpfiger Orte herausgearbeitet wurde.
93 „Wenn der kulturelle Raum territorial geprägt ist, vertraut und abgeschlossen, gilt gewöhnlich die menschliche Siedlung als kultureller und sicherer Raum; sie wird dem gegenübergestellt, was sich außerhalb ihrer Grenzen befindet (dem Wald, <...>) – dem fremden, offenen, unkulturellen Raum“ (J. Lotman, zit. nach Masiulionytė 2008: 77). Auf Grundlage der Analyse des gesammelten Materials lässt sich somit vorsichtig schließen, dass Tümpel, Sümpfe, Moore und andere Feuchtgebiete von Angehörigen des Volkes vermutlich als Zwischenzone wahrgenommen werden, die sich dem Andersartigen öffnet. Virginija Masiulionytė, die untersuchte, ob sich in der litauischen Kultur von Grenzsymbolen sprechen lässt, die den Übergang von einem Raum in einen anderen markieren (die Begriffe der Autorin šiapus und anapus bezeichnen nicht nur die Welt der Lebenden und der Toten, sondern werden auch zur Beschreibung des vertrauten und fremden Raums verwendet), stellt fest, dass Menschen sowohl in der Folklore als auch in der Phraseologie „Vertretern der anderen Welt an wasserreichen Landschaftsobjekten begegnen: in Wäldern bei Tümpeln, Sümpfen, Mooren usw.“; „Sümpfe sind der Vorraum der eigenen Welt nicht“ (ausführlicher siehe Masiulionytė 2008: 77–91). Da das Thema und das formulierte Ziel dieses Artikels nicht unmittelbar mit dem Gesagten zusammenhängen, beschränkt sich die Arbeit auf die Feststellung, dass ein breiterer folkloristischer und ethnologischer Kontext künftig die Untersuchung der hier behandelten Art von Toponymie ergänzen und dazu beitragen könnte, die Besonderheiten und Regelmäßigkeiten der Motivationen genauer offenzulegen.
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4. SCHLUSSFOLGERUNGEN
Die Analyse der Namen sumpfiger Gebiete wird durch die wechselseitigen Beziehungen zwischen dem sprachlichen Aufbau (der Struktur) dieses Klassen- (Unterklassen-)Systems und der Gesamtheit historischer, ethnischer und sozialer extralinguistischer Faktoren bedingt. Deren Berücksichtigung ist eine notwendige Voraussetzung für die Begründung von Erklärungen zur Motivation von Ortsnamen.
Die Analyse der Motivation von durch Zusammensetzung gebildeten Helonymen (siehe auch 3. Ergebnisdiskussion) trug dazu bei, Benennungstendenzen für sumpfige Gebiete in einem bestimmten Gebiet aufzudecken. Es wurde festgestellt, dass 64% der Objekte aufgrund der Merkmale der betreffenden Realien, 23% aufgrund ihrer Beziehung zum Menschen und 13% aufgrund der Beziehung der untersuchten Realien zu anderen Objekten benannt wurden. Die jeweiligen Dominanten zeugen von der Aufmerksamkeit der Angehörigen der Sprachgemeinschaft für den einen oder anderen Bereich der Wirklichkeit. Das Übergewicht des Nominationsprinzips, das mit den Landschaftsmerkmalen verknüpft ist, hängt mit der Besonderheit der betreffenden Realien – sumpfiger Gebiete – selbst zusammen.
Die Wahl der Namen sumpfiger Gebiete wurde durch visuelle (optische) Wahrnehmungen bestimmt.
Die Merkmale der Objekte, durch die sie sich sowohl von ihrer Umgebung als auch von der Vielzahl anderer Topoobjekte am deutlichsten abheben, werden direkt und indirekt ausgedrückt. Eine metaphorische Benennung wirkt überzeugender und ruft zusätzliche Assoziationen hervor. Als Grundlage der Übertragung wird der typischste „Träger“ eines oder anderen Merkmals gewählt (für Durchsichtigkeit – Silber, für Zähflüssigkeit und Dunkelheit – Teer usw.), der für die Angehörigen der Sprachgemeinschaft leicht verständlich ist. Auf diese Weise wird das über Jahrhunderte entstandene Weltbild des Volkes festgehalten, das mit der materiellen und geistigen Kultur der Angehörigen der ethnischen Gemeinschaft (des Volkes) verbunden ist.
Mit Nominationsausdrücken wie Pėklaraistis, Vaidykraistis, Vėlniaplynė usw. (insgesamt 4,5%) wird eine stereotype, emotional gefärbte Vorstellung vom Ort und eine negative Bewertung zum Ausdruck gebracht, ohne die spezifischen Unterscheidungsmerkmale der benannten Orte zu berücksichtigen. Es wurde festgestellt, dass der größte Teil der Zusammensetzungen mit veln- als Erstglied in den Fragebögen der Forstämter verzeichnet ist. Offenbar werden auf diese Weise in sprachlichen Einheiten (in unserem Fall in Ortsnamen) die Grenzen zwischen „eigenen“ und „fremden“ Räumen festgehalten.
Entsprechend ihren physikalischen und funktionalen Eigenschaften werden die untersuchten Topoobjekte von den Sprachbenutzern als Objekte mit einem Innenraum (Vėlniabliūdis: vėln̄ias, bliū̄das ‘Schüssel; die darin enthaltene Menge’ usw.) und als Räume an sich wahrgenommen, die mit ihrer Umgebung in Beziehung stehen: (a) mit anderen Objekten (Beržýnbalė, Daržabalė, Tiltabalė usw.) und (b) mit dem Menschen (Duidžiabalė, Jõnbalė, Kerāžiabalė, Micùtraistis usw.).
Während der Untersuchung wurde das Phänomen beobachtet, dass das Lexem juodas, das als bestimmendes Glied der Zusammensetzung auftritt, nicht nur ‘kohlschwarz, dunkel’, sondern auch dunkle Farbtöne (in unserem Fall dunkelbraun) bezeichnet; das Lexem rūdas bedeutet ‘schwarz, dunkel’ usw. Dieses Phänomen ist als Polymotivation zu interpretieren.
Die Analyse der Namen sumpfiger Gebiete unter dem Aspekt der Motivation trug dazu bei, die Position des Benennenden (des Sprachbenutzers, eines Angehörigen der Sprachgemeinschaft einer bestimmten ethnischen Gemeinschaft) im Verhältnis zu den Heloobjekten aufzudecken: eine objektive Position – entsprechend seinen realen Existenzbeziehungen zu sumpfigen Gebieten (lokativen, possessiven usw.) – und eine subjektive – entsprechend
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Ausdruck des eigenen Verhältnisses (meist eines wertenden) zu einem oder anderen Landschaftselement.
Die Bekundung des eigenen Ichs eines Mitglieds der Sprachgemeinschaft (des Volkes) in den Nominierungseinheiten regt dazu an, künftig bestimmte Korrekturen an der Ortsnamenklassifikation vorzunehmen, die auf der Unterscheidung von Nominierungsprinzipien und Entstehungsmotiven von Topoobjekten beruht, d. h. Ergänzungen, die dazu beitragen, die Vielfalt der Toponymie zu erfassen. In dieser Klassifikation werden die in der litauischen Toponymik erstmals (soweit bekannt) herausgearbeiteten und erörterten Situationsortsnamen und Mikrosysteme von Ortsnamen ihren Platz finden.
OBJEKTVERWEISE UND WEITERE ABKÜRZUNGEN
avd. – Personenname
b. – Tümpel
drb. ž. – Ackerland
k. – Dorf
kln. – Berg
plk. – Moor
pv. – Wiese
pvd. – Familienname
rst. – Sumpfwald
t. – nennt sich
v. – Vorname
vv. – Ortsname
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ABKÜRZUNGEN DER LOKALISIERUNGSANGABEN
Brb – Balbieriškis (Rajon Prienai)
Brt – Bartninkai (Rajon Vilkaviškis)
Dg – Daugai (Rajon Alytus)
Dl – Deltuva (Rajon Ukmergė)
Dmk – Domeikava (Rajon Kaunas)
Ds – Dusetos (Rajon Zarasai)
Dt – Dotnuva (Rajon Kėdainiai)
Gdl – Gudėliai (Gebiet der Gemeinde Marijampolė)
Gir – Girininkai (Rajon Tauragė)
Grš – Griškabūdis (Rajon Šakiai)
Igl – Igliškėliai (Gebiet der Gemeinde Marijampolė)
Jrb – Jurbarkas
Jrgž – Jurgežeriai (Gebiet der Gemeinde Kalvarija)
Klvr – Kalvarija (Gebiet der Gemeinde Marijampolė)
Krsn – Krosna (Rajon Lazdijai)
Kt – Keturvalakiai (Rajon Vilkaviškis)
KzR – Kazlų Rūda
Lbv – Liubavas (Gebiet der Gemeinde Kalvarija)
Ldvn – Liudvinavas (Gebiet der Gemeinde Marijampolė)
Lp – Leipalingis (Gebiet der Gemeinde Druskininkai)
Mrj – Marijampolė
Pdv – Padievytis (Rajon Šilalė)
Pdvn – Padovinys (Gebiet der Gemeinde Marijampolė)
Pkn – Pakūonis (Rajon Prienai)
Prn – Prienai
Ss – Sasnavà (Gebiet der Gemeinde Marijampolė)
Šil – Šilavotas (Rajon Prienai)
Šn – Šunskai (Gebiet der Gemeinde Marijampolė)
Vlkv – Vilkaviškis
Vv – Veiveriai (Rajon Prienai)
Žž – Žiežmariai (Rajon Kaišiadorys)
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ŠALTINIAI
DKŽ – Labutis Vitas. Daukšių krašto žodynas. Vilnius: Alma littera, 2002.
DŽe – Dabartinės lietuvių kalbos žodynas. Prieiga internete: http://www.lki.lt/dlkz/.
IAK – Istorinių asmenvardžių kartoteka. Lietuvių kalbos instituto Vardyno fondas.
KzRŠŽ I – Pupkis Aldonas. Kazlų Rūdos šnektos žodynas 1. Vilnius: Lietuvių kalbos institutas, 2008.
KzRŠŽ II – Pupkis Aldonas. Kazlų Rūdos šnektos žodynas 2. Vilnius: Lietuvių kalbos institutas, 2009.
LKŽe – Lietuvių kalbos žodynas (I–XX, 1941–2002), redaktorių kolegija: G. Naktinienė, J. Paulauskas, R. Petrokienė, Z. Šimėnaitė, V. Vitkauskas, J. Zabarskaitė, vyr. red. G. Naktinienė, elektroninis variantas (antras elektroninis leidimas). Vilnius: Lietuvių kalbos institutas, 2013.
LLKŽ – Vaitkevičiūtė Valerija. Lenkų–lietuvių kalbų žodynas. Vilnius: Mokslas, 1979.
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Motivation of Compound Helonyms of Marijampolė County
SUMMARY
The motivational analysis of the helonyms formed through compounding enabled the distinction of the tendencies of naming swampy places in a certain area. It was determined that 64 per cent of the objects were nominated according to the peculiarities pertaining to specific realia (when the name is given according to dimensions with length (Lith. ilgīs) predominating in linguistic units); 23 per cent of the objects were nominated by their relationship to the human being (an absolute majority of them pertain to ownership); 13 per cent of the objects were nominated with reference to the relationship of the realia in question with other objects (helonyms of possessiveness and place motivation were mentioned most commonly). The dominants of each of them testify to the attention paid by linguistic community members to one or another sphere of reality. The domination of the principle of nomination associated with landscape peculiarities is most likely related to the specificity of the realia – swampy places – themselves.
The selection of names for swampy places was determined by visual observations. The features of objects which best distinguish them from the environment and a group of other topobojects are expressed both directly and indirectly. Metaphorical nominations are more persuasive; they trigger additional associations. The most typical ‘expresser’ of one or another property easily understood by the linguistic community is selected as the basis of the transfer (transparency – silver; viscosity, darkness – tar). In this way, the nation’s worldview developed through ages and concerned with the material and spiritual culture of its representatives is recorded.
Nominative units such as Pėkliaraistis, Vaidykraistis, Vėlniaplynė and others (a total of 4.5 per cent) reflect a stereotypical, emotionally shaded perception of the place and its negative evaluation without regard to the distinctive properties of the places being nominated. It was observed that the majority of compounds including veln- in the first component were recorded in the questionnaires completed by forestry officers. It seems to be a way to record the boundaries of “familiar” and “unfamiliar” spaces in place names.
By their physical and functional characteristics the topobojects under analysis are perceived by language users as having an internal space (Vėlniabliūdīs: vēlnias, bliūdas ‘bowl; the quantity it can contain’) and as being spaces themselves interacting with the environment: (a) other objects (Daržabalė, Tiltabalė) and (b) the human being (Jōnbalė, Micūtraistis).
The phenomenon identified during the study according to which the lexeme júodas used as a defining component in a compound does not only mean ‘of coal colour, dark’ but also the shades of dark colours (dark brown) and the lexeme rùdas also implies ‘black, dark’, etc. should be interpreted as polymotivation.
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A microsystem recorded in the material under analysis, which resulted from naming the interrelated objects arranged in space, as well as situational helonyms resulting from the lack of knowledge on the objects stand out by their peculiar semantics.
The analysis of swampy place names from the perspective of motivation helped to reveal the position of the name-giver (language user, member of a linguistic community from a certain ethnic region) in relation to topoobjects: objective – based on the actual relationship of his/her existence with the places (locative, possessive, etc.) and subjective – based on the expression of the personal relationship (usually evaluative) with one or another landscape element.
The analysis of helonymy is determined by the relationships between the linguistic composition (structure) of the system of this class (subclass) as well as the entirety of extralinguistic factors of historical, ethnic and social nature. Their consideration is a prerequisite for validating the interpretations of the motivation of place names.
Įteikta 2016 m. spalio 14 d.
DALIA SVIDERSKIENĖ
Lietuvių kalbos institutas
Petro Vileišio g. 5, Vilnius LT-10308, Lietuva
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