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Anmerkungen zu einigen mit „An-“ beginnenden litauischen Gewässernamen und ihren außerbaltischen Verwandten

Abstract

    Die litauischen Gewässernamen des Typs Anatà, Anýkštė etc. werden traditionell auf eine Wurzel idg. „*en/*on“ zurückgeführt (in moderner Notation uridg. *h1en(H)-), der oft eine Bedeutung ‘fließen, Fluss’ zugeschrieben wird. Diese Wurzel bucht nicht einmal Pokornys Indogermanisches etymologischen Wörterbuch (1959). Auch seither ist es nicht gelungen, diese Wurzel im appellativischen Wortschatz irgendeiner indogermanischen Sprache zweifelsfrei nachzuweisen. Zudem liegen bislang keine eindeutigen Belege für Fortsetzer dieser Wurzel im onymischen Wortschatz vor: Alle als Argumente angeführten Namen können entweder, weil sie aus keltischen Sprachen stammen, auf eine Wurzel uridg. *pen-/*pon- ‘Sumpf, (stehendes) Wasser’ zurückgehen, oder auf der Grundlage von uridg. *h2en- ‘(Wasser) schöpfen’ erklärt werden. Das methodische Werkzeug ‘Ockhams Rasiermesser’ gebietet es, nicht mehr als diese beiden Wurzeln anzusetzen, solange nicht eindeutige appellativische Belege für eine Wurzel uridg. *h1en(H)- vorliegen, die es überhaupt erst erlauben würden, der Wurzel eine Bedeutung zuzuschreiben.

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Anmerkungen zu einigen mit „An-“ beginnenden litauischen Gewässernamen und ihren außerbaltischen Verwandten

Author: Harald Bichlmeier
Year: 2021
DOI: 10.35321/all84-09
Source: https://journals.lki.lt/actalinguisticalithuanica/article/download/2085/2193
190 Ac a Linguis ica Li huanica LXXXIV
HARALD BICHLMEIER
Sächsische Akademie de Wissenscha en zu Leipzig
Ma in-Lu he -Uni e si ä Halle-Wi enbe g
Fields o esea ch: onomas ics ( oponymy), his o ical
phonology o he Ge manic languages, Indo-Eu opean
linguis ics, Aljamiado- ex s.
DOI: doi.o g/10.35321/all84-09
ANMERKUNGEN ZU
EINIGEN MIT AN-
BEGINNENDEN LITAUISCHEN
GEWÄSSERNAMEN UND
IHREN AUSSERBALTISCHEN
VERWANDTEN
Pas abos dėl kelių su An- p asidedančių
lie u ių anden a džių i jų nebal iškos kilmės
giminaičių
ANNOTATION
Die li auischen Gewässe namen des Typs Ana à, Anýkš ė e c. we den adi ionell au eine
Wu zel idg. „*en/*on“ zu ückge üh (in mode ne No a ion u idg. *h1en(H)-), de o eine
Bedeu ung ‘ ließen, Fluss’ zugesch ieben wi d. Diese Wu zel buch nich einmal Poko nys
Indoge manisches e ymologischen Wö e buch (1959). Auch sei he is es nich gelungen, diese
Wu zel im appella i ischen Wo scha z i gendeine indoge manischen Sp ache zwei els ei
nachzuweisen. Zudem liegen bislang keine eindeu igen Belege ü Fo se ze diese Wu zel
im onymischen Wo scha z o : Alle als A gumen e ange üh en Namen können en wede ,
weil sie aus kel ischen Sp achen s ammen, au eine Wu zel u idg. *pen-/*pon- ‘Sump , (s e-
hendes) Wasse ’ zu ückgehen, ode au de G undlage on u idg. *h2en- ‘(Wasse ) schöp en’
e klä we den. Das me hodische We kzeug ‘Ockhams Rasie messe ’ gebie e es, nich meh
als diese beiden Wu zeln anzuse zen, solange nich eindeu ige appella i ische Belege ü
eine Wu zel u idg. *h1en(H)- o liegen, die es übe haup e s e lauben wü den, de Wu zel
eine Bedeu ung zuzusch eiben.
S aipsniai / A icles 191
Anme kungen zu einigen mi An- beginnenden li auischen
Gewässe namen und ih en auße bal ischen Ve wand en
SCHLÜSSELWÖRTER: li auische Hyd onyme, kel ische Hyd onyme, ge manische
Hyd onyme, Indoge manische Phonologie, indoge manis ische
Me hodologie, Ockhams Rasie messe .
ANNOTATION
The Li huanian hyd onyms o he ype Ana à, Anýkš ė e c. ha e adi ionally been
explained on he basis o a oo PIE “*en/*on” (in mode n w i ing PIE *h1en(H)-), which
has s anda dly been gi en he meaning ‘ low, i e ’ el sim. This oo canno e en be ound
in Poko ny’s Indoge manisches e ymologisches Wö e buch [Indo-Eu opean E ymological
Dic iona y] (1959). No e en since hen ha e esea che s succeded in documen ing ha oo
in he appella i e lexicon o any o he Indo-Eu opean languages wi hou doub . Mo eo e ,
he e a en’ e en any su e con inua ions o ha oo in he onymic lexicons o hose
languages. All names pu o wa d as a gumen s can ei he be explained based on a oo PIE
*pen-/*pon- ‘swamp, (s anding) wa e ’ (because hey a e Cel ic) o om a oo PIE *h2en-
‘haul (wa e )’. The applica ion o he me hodological means called ‘Occam’s azo ’ lea es us
no o he possibili y bu o explain all ega ding names om hese wo oo s – as long as no
p oo o an appella i e use o a oo PIE *h1en(H)- can be o e ed, which mo eo e migh
inally gi e us a hin , wha ha oo migh ha e mean .
KEYWORDS: Li huanian hyd onyms, Cel ic hyd onyms, Ge manic hyd onyms,
Indo-Eu opean Phonology, me hodology in Indo-Eu opean
linguis ics, Occam’s azo .
1. EINLEITENDES1
Gegens and de nach olgenden Aus üh ungen sind eine sei s die E ymologien
einige li auische Gewässe namen wie Ana à, Anýkš ė ode de au einen
Gewässe namen ück üh ba e O sname Anykščia. Daneben sollen abe auch
g undsä zliche E wägungen zu his o isch- e gleichenden Sp achwissenscha
und solche zu allgemeinen wissenscha lichen Me hodik (bzw. Me hodologie)
e olgen. Anlass da ü sind die Auswi kungen de Anwendung bzw. de
Nich anwendung on beidem in Bezug au die E ymologisie ung de genann-
en Gewässe namen sowie daneben auch des Namens des Flusses Inn (in de
Schweiz, Ös e eich und Deu schland).
1 Ich danke den beiden anonymen Rezensen en des Bei ags he zlich ü di e se Hinweise, da un e
auch ü solche au on mi bislang übe sehene Li e a u .
HARALD BICHLMEIER
192 Ac a Linguis ica Li huanica LXXXIV
Wei e gil es, imme ‘Ockhams Rasie messe ’2 zu Hand haben: Ve giss
man es einzus ecken – und bei Beda auch zu benu zen –, wi d man des
(Wu zel-)Wildwuchses und dami de Willkü nich meh He .
2. WISSENSCHAFTSGESCHICHTLICHES
Die Indoge manis ik is eine in nun gu 200 Jah en gewachsene Wissenscha .
Was das is und wie das geh , da übe ha sich inne halb des Fachs ein ech
b ei e Konsens gebilde 3. Diese b ei e Konsens be i alle Be eiche de zu
ekons uie enden G undsp ache, die meis als U indoge manisch bezeichne
wi d. Die Diskussion inne halb de Indoge manis ik läu au de Basis dessen,
was au de G undlage dieses b ei en Konsenses als gesiche angesehen und
ech allgemein ane kann wi d. Fü Spezialis en inne halb des Fachs mögen
die pa iell nich konsensualen Teile des Sys ems Anspo n sein, hie wei e zu-
kommen und Lösungen ü ungelös e P obleme zu inden, ü die Meh zahl de
Indoge manis en is es wohl das Ziel, au G undlage dieses b ei en Konsenses in
ih em Spezialbe eich wei e zukommen, Une klä es zu e klä en.
Diese Konsens übe dieses E klä ungsmodell (zu den wich igs en Punk en
siehe gleich) ha sich .a. deshalb he ausgebilde , weil dieses Modell meh
Dinge zu e klä en in de Lage is als die ande en bislang o geleg en Modelle.
3. METHODISCHES
3.1. Im Wei e en wi d bei de A gumen a ion on olgenden in
de Indoge manis ik wei gehend konsensualen Cha ak e is ika des
U indoge manischen ausgegangen, die e wa auch in den o.a. Ein üh ungen ko-
di izie sind:
2 „En ia non sun mul iplicanda p ae e necessi a em.“ (Wilhelm on Ockham 1288–1347), in e -
wa: „Man soll nich meh Einhei en/En i ä en annehmen, als no wendig sind.“
3 Da on zeugen die Ein üh ungen in das Fach, die in den le z en gu 25 Jah en e schienen sind
und die in den zen alen Be eichen, um die es hie geh , so gu wie keine Un e schiede zeigen:
May ho e 1986 (neu h sgg. in Lindne 2012), Lehmann 1993; Ad ados, Be nabé, Mendoza 1995;
2010; Tichy 2001; Meie -B ügge 2002; 2003; 2010; Fo son 2004; 2009; Tichy 2006; 2009;
Clackson 2007; Mallo y, Adams 2006; Bičo ský 2012; 2017; F i z, Meie -B ügge 2020. Fü di-
e se Ein üh ungen u.ä. in Einzelsp achen gil dasselbe; gl. Rix 1992; Weiss 2009; Smoczyński
2016; Weiss 2020 e c.
S aipsniai / A icles 193
Anme kungen zu einigen mi An- beginnenden li auischen
Gewässe namen und ih en auße bal ischen Ve wand en
Es gab die Phonemklasse de La yngale und sie bes and alle Wah scheinlichkei
nach aus d ei Elemen en.
Es gab keine Phonemklasse de Tenues aspi a ae, diese en s anden le z lich
en wede als Allophone de Tenues in de Posi ion nach u idg. *s bzw. o *h2
(‘La yngal 2’) und begegnen wohl allen alls noch (sekundä ) in Onoma opoe ika
und in Exp essi a.
Es gab kein u idg. *þ ‘Tho n’ als Phonem, sonde n dieses is auch nu
Allophon on * . E c. e c.4.
Fü die Wu zel wi d als Minimals uk u KVK- angenommen, zumin-
des ü Ve balwu zeln (und Nominalwu zeln). Fü P onomina und Pa ikeln
muss dies nich unbeding gegol en haben, und es wi d on einem Teil de
Indoge manis en auch e nein , dass diese Wo klassen die Minimals uk u
KVK- au gewiesen hä en (so e wa implizi im gesam en LIPP und explizi LIPP
1: 31, 236 .).
Konsequenz aus den o genann en Punk en is u.a., dass Wu zeln, die e wa
im (au dem Vo k iegss and de Indoge manis ik e s ell en) Indoge manischen
e ymologischen Wö e buch Poko nys on 1959 als okalisch anlau end angese z
wu den, mi einem anlau enden La yngal angese z we den (soll en)5. Dies ha
un e Ums änden ele an e Auswi kungen au die Rekons uk ion on Wö e n
(und dami auch Namen), die zu be ücksich igen sind – und ge ade die wei e
un en zu behandelnden Namen(sippen) wi d dies be e en.
3.2. Im o liegenden Kon ex be i dies eben die im Rahmen de Onomas ik,
zumal auch den S udien zu ‘al eu opäischen Hyd onymie’ und Ve wand em,
imme wiede ge n angese z e Wu zel (u )idg. „*en/ *on-“, die ‘ ließen’ o.ä. be-
deu e haben soll. Au G undlage de ge ade gemach en Aus üh ungen han-
del es sich in diese Fo m im Kon ex de mode nen Indoge manis ik um eine
‘Un-Wu zel’, also eine Wu zel, die es so niemals au jene Sp achs u e gegeben
haben dü e.
Ob es sich nich insgesam schlich um eine „Phan omwu zel“ handel , selbs
wenn man sie wie in de Indoge manis ik heu e üblich als u idg. *h1en(H)- an-
se z , soll im Wei e en geklä we den.
4 Vgl. g undlegend dazu in diese Zei sch i schon Bichlmeie 2012.
5 Dass solches nich öllig abwegig is , zeig – wenn auch nich au de phonologischen, so doch
imme hin au de phone ischen Ebene das Neuhochdeu sche. Hie gib es keine ech okalisch
beginnenden Wö e (bzw. lexikalischen Mo pheme]: alle phonologisch als okalisch beginnend
einges u en Wö e , beginnen phone isch ko ek mi dem sog. ‘Knacklau ’ [ʔ-]. Dass dies eine
wich ige E kenn nis is , zeigen aus Kinde wi zen bekann e Minimalpaa e wie Blumen o-p e de als
[bluːˈmɛn hɔˌp eɐdǝ] s. Blumen op -e de [ˈbluːmǝn hɔp ˌʔeɐdǝ].
HARALD BICHLMEIER
194 Ac a Linguis ica Li huanica LXXXIV
Jeden alls is es bislang nich gelungen, diese Wu zel im appella i ischen
Wo scha z wide sp uchs ei nachzuweisen – wo au auch schon de Ums and
hinweis , dass eine solche Wu zel im IEW, das auße halb de eigen lichen
Indoge manis ik im Be eich de Onomas ik sons ge ne als Re e enzquelle zi-
ie wi d, eine solche Wu zel nich ansa zweise gebuch wi d ( gl. IEW 311 .,
778).
3.3. Ge ade in de Onomas ik zu den äl es en Namenschich en in Eu opa
sind au e al e em Wissenss and du chge üh e Un e suchungen, also
Un e suchungen, die nich das o.a. konsensuale ak uelle E klä ungsmodell de
Indoge manis ik benu zen, noch wei e b ei e . Ziel de o liegenden A bei
is es auch, die E gebnisse de a ige A bei en mi den Mi eln des konsensua-
len E klä ungsmodells de mode nen Indoge manis ik zu du chleuch en und
zu hin e agen.
4. DIE BALTISCHEN NAMEN UND DAS
PROBLEM
4.1. In diesem Kon ex sind nun zue s bal ische Gewässe namen zu be-
handeln, die mi li ., le . An- anlau en, also au u bal *an- (< spä u idg. *an-,
*on-) zu ückgehen. In F age kommen hie .a. die Fließgewässe namen Anykš à
. Anýkš ė ., de Seename Anýkš is m., wei e s de Wiesenname Ana à . ( on
Udolph 2020: 350 älschlich als Gewässe name ge üh ) und de dehyd onymi-
sche O sname Anykščia ( gl. LVŽ 1: 88 ., 102, basie end au Vanagas 1970:
151 ., 1981: 42).
Gäbe es en sp echende Namen beginnend mi li . On-, le . Ān- müss en sie
(so e n o handen und nich om Pe sonennamen li . Onà ‘Anna’ abzulei en;
gl. Vanagas 1981: 234) heo e isch au u bal . *ān- zu ückgehen, das en wede
eine inne bal ische sekundä e Dehns u e zu *an- sein kann ode au eine ande-
e Wu zel u idg. *h1eh2n- zu ückgehen müss e. Eine spä u idg. Dehns u e *ōn-
hingegen e gäbe le . on- [uon-], li . uon- (was bei Gewässe namen ga nich
beleg is ; gl. Vanagas 1981: 353). Fü das Slawische is mi spä u idg. *an-,
*on- > slaw. On- (genann wi d in diesem Kon ex e wa de Gewässe name uss.
Onu ) bzw. spä u idg. *ān, *ōn- > slaw. An- zu echnen.
4.2. Sowohl ü die o.a. bal ischen wie auch die slawischen Gewässe namen
gib es keine lei Anschluss im appella i ischen Wo scha z jene Sp achen.
4.3. Da es bislang zudem auch nich ansa zweise gelungen is , im appella-
i ischen Wo scha z die Exis enz eine Wu zel u idg. *h1en(H)- (in e al e e
Sch eibweise eben „*en/ *on“) nachzuweisen (s. dazu un en §§ 4.5., 5.2., 5.3.),
is es, will man me hodisch saube a bei en, auch nich zulässig, diese (in ih e

S aipsniai / A icles 195
Anme kungen zu einigen mi An- beginnenden li auischen
Gewässe namen und ih en auße bal ischen Ve wand en
o-s u igen Fo m *h1on[H]-) ü die bal ischen und slawischen Gewässe namen
anzuse zen.
4.4. Fü das in den bal ischen und slawischen Gewässe namen anzuse zen-
de spä u idg. *an- komm als Vo o m aus heu ige Sich de Indoge manis ik
p inzipiell eine Vo o m u idg. *h2en(H)- (gg . auch *h1/h2/h3an(H)-) in
F age, ü spä u idg. *on- gib es meh e e po en ielle Vo o men: u idg.
*h1/h2/h3on(H)- ode *h3en(H). Von all diesen po en iellen Vo o men sind nu
zwei als Ve balwu zeln a sächlich nachweisba , nämlich u idg. *h2en- ‘schöp-
en’ (LIV² 266) und u idg. *h2enH- ‘a men’ (LIV² 266) – dazu gesell sich
noch die au g und de Seman ik im o liegenden Kon ex ebenso wie u idg.
*h2enH- ‘a men’ ausscheidende Wu zel u idg. *h2enH- ‘Ahn’ ( gl. he h. ḫanna-
‘G oßmu e ’ und ahd. ana . ‘id.’ e c.)6.
4.5. Somi bleib nu u idg. *h2en- ‘schöp en’ üb ig. Will man die Fo men
mi u bal . *an- (> li . An-, le . An-) bzw. u slaw. *an- (> gemeinslaw. *on- >
uss. On-) nich willkü lich au zwei Wu zeln zu ück üh en – und so Ockhams
Rasie messe igno ie en –, is u idg. *h2en- die einzige siche appella i isch
beleg e Wu zel, die ü die bal ischen und slawischen Gewässe namen als
G undlage in F age komm und somi angese z we den muss. Fü eine Wu zel
u idg. *h1en(H)- e gib sich hie im Bal ischen und Slawischen im onymischen
Be eich wiede kein Beweis: Es gib keine Gewässe namen mi bal ./slaw. En-,
die da au zu ückge üh we den müss en ( gl. LVŽ 2: 484 .7), einen appella i-
ischen Fo se ze gib es noch wenige .
Es is eilich eine Ta sache, dass die Wu zel u idg. *h2en- ‘schöp en’ si-
che appella i isch nu im Ana olischen begegne , in dem Ve b he h. ḫān-i/ḫan-
‘(Wasse ) schöp en’8, wozu auch die Ablei ung DUGḫanešša c. ‘Schöp ge äß’
gehö , daneben ielleich in a m. hanem ‘nehme he aus/weg, b inge he aus,
e g ei e’9 und ielleich in eben alls e ymologisch ums i enem g . ἄντλος m.
‘Kielbodenwasse , Bilgenwasse ’ ( alls < *h2n- lo- ‘was geschöp wi d’?)10.
4.6. Beme kenswe is in diesem Kon ex die A und Weise, wie Udolph
(2020: 360) seinen Leh e W. P. Schmid zi ie :
„W. P. Schmid geh genaue au das g iechische Wo ein [gemein is ἄντλος
‚Bilgenwasse ‘; H. B.] …und olge übe zeugend, dass es zunächs einmal eine bes imme
6 Vgl. EWAhd 1: 215–217 (ana²); HEG 1: 147 .; EDHIL 285.
7 Lau Imp essum wa Udolph eine de Gu ach e dieses Bandes.
8 Vgl. HEG 1: 144 ., 148; EDHIL 281 .
9 Vgl. EDAIL 389, 636 .; alls nich < u idg. *senh2-.
10 Vgl. GEW 1: 114 (mi äl e e , heu e allgemein abgelehn e E ymologie au Basis on u idg.
*semh2- ‘schöp en’; DÉLG 89, 1272 (zusä zlich mi E ymologie aus g . ἀν(α)- + u idg. * elh2-
‘hochheben’; GED 1: 109 (Ve bindung mi he h. ḫan- un e Be u ung au Ben enis e 1954: 39).
HARALD BICHLMEIER
196 Ac a Linguis ica Li huanica LXXXIV
A on Wasse bezeichne ha . E geh dann zu [sic] den on mi in diesem Bei ag
schon behandel en Gewässe namen Inn, Ahne, Anne , Anykščai u.a. ein, … und ol-
ge , „dass hie a sächlich *en- neben *pen- … zu belegen is . Le z lich en häl [sic] man
en wede eine Wu zel *ǝ1en- ode eine Wu zel *ǝ2en- in de Bedeu ung ‚ ließen, Fluss‘,
die auch dem he hi ischen ḫan- ‚schöp en‘ nahes ehen kann“.“
An de zi ie en S elle lau e Schmids Tex jedoch e was ande s (Schmid
1988: 311 = 1994: 408), besonde s die im O iginal ex eingangs o genomme-
ne Einsch änkung is wich ig und wu de on Udolph s a k e kü z und e was
umgesch ieben:
„Inne halb eines Be eiches, ü welchen kel ische Namengebung angenommen we den
muß, wi d man die F age, ob *en- ode *pen- anzuse zen sei, nich en scheiden kön-
nen. … An diese Wu zel *en-/*on- läß sich auch ἄντλος anschließen …11 Ohne hie au
die la yngalis ischen P obleme einzugehen, die mögliche weise au eine T ennung on
kel . en- und sons igem an- hinauslau en könn en12, e häl man en wede eine Wu zel
*ǝ1en- ode eine Wu zel *ǝ2en- in de Bedeu ung ‚ ließen, Fluss‘, die auch dem he hi-
ischen ḫan- ‚schöp en‘ nahes ehen kann, wenn man den Bedeu ungsun e schied übe
die Annahme eine Ablei ung mi Hil e des Wu zelablau s … zu übe b ücken e mag.“
4.7. Es zeig sich auch hie , dass die k i ische bis ablehnende Hal ung
Schmids de La yngal heo ie gegenübe ihm den Weg zu Lösung e spe
und zu le z lich un ich igen Vo schlägen ge üh ha , obwohl e den a sächlich
ich igen Weg au zeigen hä e können. Be ei s zu Zei de En s ehung jenes
A ikels on Schmid wa in de Indoge manis ik allgemein ane kann , dass he-
hi . *ḫan- niemals au „eine Wu zel *ǝ1en-“ zu ückgehen konn e, sonde n aus-
schließlich au „eine Wu zel *ǝ2en-“, also u idg. *h2en. Unkla bleib indes, was
Schmid mi dem on Udolph nich meh zi ie en le z en Gliedsa z gemein ha :
Die Bedeu ung eine Wu zel ände sich ja nich mi de Ablau s u e.
4.8. De wei e e Kommen a Udolphs hie zu is eben alls au schluss eich
und zeig seine Un e au hei mi de indoge manis ischen Li e a u : „Die
on W. P. Schmid o geschlagene Ve bindung on he h. ḫan- mi g iech. [e g.
ἄντλος] is auch im LIV: 266 ohne Kenn nis dieses Bei ags e wogen wo den.“
Die Kenn nis dieses Bei ags wa ü das LIV² in diesem Kon ex schlich i e-
le an , da Schmid (1988) hie gegenübe den on ihm zi ie en We ken on
Ben enis e on 1954 und dem HEG 1: 144 . (1977/1983) nich s Neues b ing ,
sonde n nu diese äl e en We ke ab- bzw. wei e sch eib .
11 Was nach den o.a. Anme kungen schlich alsch is und auch schon 1988 mo phonologisch auch
au dem damalig e al e em S and, au dem Schmid a bei e e, allen alls mi els Zusa zannahmen
beg ündba gewesen wä e.
12 Diese a gumen a i wich ige Sa z eil ehl im Zi a bei Udolph.
S aipsniai / A icles 197
Anme kungen zu einigen mi An- beginnenden li auischen
Gewässe namen und ih en auße bal ischen Ve wand en
5. DAS AUSSERBALTISCHE MATERIAL
Das meis e auße bal ische Ma e ial wi d in de neues en Publika ion zum
Namen des Flusses Inn (Udolph 2020) da gebo en. Hie we den – obwohl
es beim Namen des Inns mögliche weise um einen soga o kel ischen, also
al eu opäischen/ o einzelsp achlich-indoge manischen/ (u )indoge manischen
Namen geh – die o. § 3 ange üh en Regeln de Indoge manis ik auße Ach
gelassen.
Sein Ziel is es, au indoge manis isch längs übe hol em Ni eau disku ie-
end neue e E kenn nisse zu E ymologie jenes Flussnamens in eine Menge
e mein liche Beispiele und Pseudoa gumen e zu e s icken.
Im Zusammenhang mi dem Flussnamen Inn we den in jenem Bei ag ne-
ben den oben schon besp ochenen bal ischen/slawischen Gewässe namen ol-
gende e ymologischen Sippen/Nes e behandel , on denen im Wei e en zu e -
g ünden e such we den soll, ob sie nun zusammengehö en ode nich .
a) de Name Inn selbs ,
b) mi eli ische Appella i a wie en ‘Wasse ’, enach ‘Sump ’, enb i he ‘B ühe’
und englas ‘wäss ige Milch’,
c) de Name de Enns, mi . an ‘Fluss’ e c.
d) einige deu sche Gewässe namen.
Zu den Punk en im Einzelnen:
5.1. De Name Inn selbs
In Wiesinge , G eule (2019: 104) we den olgende an ike Belege gebo en:
Aeni luminis [Taci us], τοῦ Αἶνου ποταμοῦ [P olemaios], Ἔνος [A ian].
Diese e lauben die Rekons uk ion eines S ammes o öm. *Eno-. Nach
Ansich de übe wiegenden Meh hei de Fo sche is dies en wede ein kel i-
sche Name ode ein kel isie e Name.
In Wiesinge , G eule (2019: 122) e klä Wiesinge (zu Innbach, „ olks üm-
lich die Inn“):
„De Name de Inn geh wie de Name des g oßen Inn, …, au die gleiche Wu zel
idg. *pen- ‚Schlamm, Sump , Wasse ‘ zu ück (siehe do ). Hie is alle dings e s kel .
Bildung mi *en- in mi eli . en ‚Wasse ‘, enach ‚Sump ‘ und englas ‚wäss ige Milch‘
(IEW, S. 807) inso e n nahe liegend, als die Ablei ung ona [sic] als *Enonā ü das
Kel ische cha ak e is isch is .“
Gleichzei ig lies man im selben Buch on Wiesinge (Wiesinge , G eule
2019: 47):
HARALD BICHLMEIER
198 Ac a Linguis ica Li huanica LXXXIV
„Zwa gib es mi eli . en ‚Wasse ‘, doch is seine He kun aglich, und naheliegen-
de , idg- sp . Bildung mi idg. *pen- ‚Schlamm, Sump , Wasse ‘ und p-Ve lus bei
Kel isie ung anzunehmen.“
Als ehe abwegig e schein die on G eule in Wiesinge , G eule (2019: 104)
gegebene E klä ung:
„Die wei e e E ymologie is unkla . Da mi eli . en ‚Wasse ‘ deonymisch om Namen
des Inns au das Inselkel ische übe agen wo den sein kann, e schein dieses Appella i
(mi eli . en) als E ymon des GewN aglich, …“13
Diese E klä ung inde sich auch schon in DGNB 243: Was weiß ein mi el-
al e liche I e om Inn, de in jene Zei eine meh wöchige Reise en e n lag?
Wie soll da aus dem Namen dieses Flusses ein Appella i um en s anden sein?
Daneben schein es auch eine S amm o m *en-io- gegeben zu haben: G eule
(2015: 341) sch eib e wa „< kel isch *Enjos, mi ella einisch Enus“; Ähnliches
lies man auch bei An ei e , Chapman, Rampl (2009: 16): „*Enios, d. i. kel i-
sie es *Penios ← idg. *pen- ‚langsam ließendes Wasse ‘“.
Dazu wi d e wa in G eule (2010: 21) und DGNB 243 noch die au den
A bei en Poko nys (1948–1949 und 1950/51) be uhende, ielleich u sp üng-
liche Un e scheidung e wähn , dass die Fo m „Enos u sp ünglich ü den
Un e lau , *Enios ü den Obe lau des Flusses (in den Alpen) gegol en habe
und *En-i- eine omanische E wei e ung des S ammes *Eno- is “.
Die F age de a sächlichen S amm o m bzw. ob es zwei nebeneinande gab,
is hie nich zu klä en14.
In beiden Fällen komm als zug undeliegende Wu zel en wede o kel .
*pen- < u idg. *pen- ‘Schlamm, Sump ’, gg . auch ‘langsam ließendes Wasse ’15
13 In äl e e Li e a u is Ähnliches zu eine deonymischen En s ehung on Gewässe bezeichnungen
bisweilen auch in Bezug au die Elbe zu lesen: Diese is wenigs ens ein wi klich au ällige und
lange Fluss (Ähnliches wü de ü den Rhein und die Donau gel en), abe selbs in diesen Fällen
häl Ve . de a ige Behaup ungen ü bislang nich bewiesen ( gl. zu Elbe und ih e E ymologie
e wa Bichlmeie 2012a; Bichlmeie , Blažek 2015; Scheung abe , G ünzweig 2014: 43–46 jeweils
mi wei e e Li e a u ).
14 Zum Inn gl. auch olgende A bei en: Zu den Belegen ü den Flussnamen e wa ANB 553–555
(Inn), 556 . (Inn al), An ei e 1996: 62 und Bo che s 2006: 26–28, zu Geschich e des Inn als
Hei meie 2005, wei e s zu E ymologie An ei e , Haslinge , Jenewein 1995: 23; G zęga 2001:
169; An ei e 2005: 36 . (ebenso schon An ei e 1996: 62–64); An ei e 2008: 148; Delama e
2012: 149; EDPC 127; DTNG 1: 328; explizi zum Me hodischen de E mi lung de Sp achs u e,
au de de Name des Inns gep äg wu de und zu den hinsich lich de E ymologie angeb ach-
en Zwei eln gl. An ei e 1997: 18 ., 127 . So wi d mi Hinweis au die „F agwü digkei de
Kel izi ä “ de Name des Inns in An ei e 2016 schließlich ga nich meh behandel ( gl. An ei e
2016: 7).
15 So e wa An ei e , Chapman, Rampl 2009: 16: „*Enios, d. i. kel isie es *Penios ← idg. *pen-
‚langsam ließendes Wasse ‘.“
S aipsniai / A icles 205
Anme kungen zu einigen mi An- beginnenden li auischen
Gewässe namen und ih en auße bal ischen Ve wand en
eine auch e s noch mo phologisch zu beg ündende Wu zelges al wä e, die
insgesam nich allzuhäu ig nachzuweisen is .
Aus all dem olg : Alle im Vo he gehenden ange üh en ge manischen
Gewässe namen machen den Ansa z eine Wu zel *h1en(H)- nich no wendig,
beweisen also ü K ahes bzw. Udolphs „*en-/ *on-“ nich s.
5.4.2. Einzig beweisend könn en Gewässe namen sein, die nachweislich mi
u -/wes ge m. *en- anlau en. Udolph üh nun auch einige Gewässe namen an,
die mi d . En- ode I(h)n- beginnen. Diese sollen hie einzeln du chgesp o-
chen we den:
5.4.2.1. Udolph (2020: 351 .) üh hie die olgenden Namen an: Zunächs
Obe -Ense, Un e -Ense, Niede -Ense, Ensen, einen O snamen Annezin (am
Pas-de-Calais). Diese we den on Udolph selbs und gg . auch DGNB au
*Anisa/ō- zu ückge üh – beweisen also wiede nich s ü u idg. *h1en(H)-, da
ja kein ge m. *en- o lieg .
5.4.2.2. Ennes , Welschenennes , Ens e we den explizi au eine o-s u ige
Fo m zu ückge üh und die Gemina e wi d du ch wes ge manische
Konsonan engemina ion du ch *i e klä . Es wi d also implizi eine Vo o m
u ge m. *an-ia-s a- o.ä. angese z . Die Fo m lie e also eben alls kein u ge m.
*en- < u idg. *h1en(H)-.
5.4.2.3. Ennepe (Flussname: 1235 Ennepe, 1325 Enepe; O sname: 1285 de
Enepene, 1398 Enepe) is hinsich lich de E ymologie nich siche geklä , da
auch nich siche is , ob die Gemina e al is ode nich . Udolph äuße sich
dazu nich , schein abe mi eine E ymologie *en-apa- zu echnen (ohne diese
Fo m explizi anzu üh en), wäh end DGNB 128 zunächs zu ückhal end einen
Zusammenhang mi gall. anam e wäg , abe le z lich ehe on *Anipa < *ania-
apa als apa-Name mi „(m.) *ania- (Kollek i um ‚güns ige Lage‘?)“ ausgeh .
G eule sch eib jeden alls, dass die Gemina e nich al sei, also nich mi *enna- <
*ania- ge echne we den könne. Die Bedeu ung on implizi em *en-apa- wä e
also wohl ‘Fließ-Fluss’, ‘Fließ-Wasse ’. Die E ymologie e schein alles ande e als
gelungen, imme hin könn e hie nun ielleich ein e s e Beleg ü a sächliches
ge m. *en- o liegen.
Alle dings lieg de Fluss in de ge manisch-kel ischen Übe gangszone (sie-
he Ka e), somi kann eine kel ische E ymologie nich öllig ausgeschlossen
we den. Und wenn mi Udolph, HELSON (1: 7 .) zi ie end, Ani (s.o.) au
*An-apa- be uh , was kel isch sein dü e, könn e dies le z lich auch ü En(n)
epe < *En-apa- gel en (die Udolph auch zusammen an üh ), zumal ja im
Kel ischen mi mi . en, enach e c. auch u kel . *(φ)en- siche bezeug is .
5.4.2.4. Es zeig sich, dass olglich die Eindeu igkei in de gewünsch en
Weise doch nich e ziel we den konn e.

HARALD BICHLMEIER
206 Ac a Linguis ica Li huanica LXXXIV
Fig 1, Ka e aus Schumache (2007: 169)
5.4.3. Schließlich is noch eine Reihe on Gewässe - bzw. O snamen zu
behandeln, die en wede eben alls d . E(h)n- zeigen ode abe mi Ihn- ode
Ein- beginnen und on Udolph (2020: 352 .) als A gumen e ange üh we den.
5.4.3.1. Fü den O snamen Ehnen (Luxembu g), den O snamen Ihn
(Saa land) sam dem zugehö igen Ihne Bach wi d eine E klä ung aus kel .
*Enio/ā- adi ionell angenommen und diese Möglichkei auch on Udolph
(2020: 352 .) nich wide sp ochen. Da somi eine kel ische E ymologie pa allel
zu de des Flussnamens Inn o zuliegen schein , en allen diese Namen ü den
Ansa z eine Wu zel u idg. *h1en(H)-.
5.4.3.2. Fü den wes älischen O snamen Ihne, den de oponymischen
Gewässe namen Ihne-Bach in Wes alen, und wohl auch die Eine (→ Wippe
S aipsniai / A icles 207
Anme kungen zu einigen mi An- beginnenden li auischen
Gewässe namen und ih en auße bal ischen Ve wand en
→ Saale) zeigen die äl es en Belege im e s e en Fall 1461 Eene, 16. Jh. Ehene,
im le z e en 1321 Ena, Ene (Udolph gib an zwei Tex s ellen zwei e schiedene
Fo men desselben Belegs). Fü den wes älischen Namen is kel ische He kun
siche auszuschließen, ü den Wippe -Zu luss Eine is sie wenig wah schein-
lich, nach de o.a. Ka e wä e man hie abe wohl noch am äuße s en Rand
des Übe gangsgebie s. Die on Udolph abgelehn e, abe ohnehin nu zu ück-
hal end geäuße e He lei ung in DGNB (117, 238) aus ahd. *Aginaha > *Eina
(Eine) > *Ēne (Eene, Ehene) > Ihne (Eine wä e also lediglich au eine ühe-
en En wicklungss u e es gewo den als im Falle on Ihne) wä e lau lich wohl
einwand ei, abe die Annahme eines Ru namens ahd. *Ago, Gen. *Agin im
Vo de glied bleib schwie ig.
Udolph zi ie hie als Gewäh s au Schmid (1970: 54), die in (aus heu ige
Sich ) schon as zi kulä e A gumen a ion lau Udolph sch eib :
„Will man die GewN Inn < *Enios und Ihne, Eine < *Ena(na) zusammengehö ig be-
ach en, so bleib , da kel . N.-Gebung dann ausscheide , nu die Annahme eine Wz.
idg. *en- (*on-) mi nich nähe bes imm e (Wasse -)Bedeu ung, die appella i isch
noch in den kel . Appella i en g ei ba is .“
5.4.3.3. Nach dem o.G. is eilich kla , dass es sich auch hie um eine e -
ehl e Einschä zung handel , da ja eben kel . en, enach e c. ge ade nich be-
weisend ü u idg. *h1en(H)- sind. Und ob man nun e schiedene E yma mi -
einande e ein ode nich , ha nich s mi dem Willen eines/ Fo schenden
(ode seinem/ih em Glauben) zu un, sonde n dami , ob die wissenscha lichen
Maßs äbe dies zulassen ode nich .
Wich ig zu nennen wä en hie ande e Fälle mi ge m. *e in e s e o ene
Silbe, die e wa die in den o.g. Gewässe namen angese z e lau liche En wicklung
in den jeweiligen Regionen, in den die Flüsse liegen, un e maue n wü den.
5.4.3.4. In diesem Kon ex sei noch au die Namen zweie Fließgewässe
hingewiesen, die Udolph in seine Diskussion nich e wähn :
a) Ehe (auch Ehebach; → Aisch → Regni z → Main), 1073 Eha, 1479,
1481 Ee (DGNB 114);
b) Ehn (im Elsass, → Ill → Rhein), 1284 enahe ( ü ehena?), 1374–1401 in
de Ahen, O sname Niede ehnheim (11. Jh. Ahenheim, 1050 Ehenheim),
Obe ehnheim (788 in Ehinhaim) (DGNB 115).
Fü e s e es kann eine Vo om u ge m. *aχuiō- e wogen we den (DGNB:
„gm. *Ahwjō .“), ü le z e es echne DGNB mi eine „G und o m (ahd.)
*Ehina neben *Ahana (?) < gm. *Ahwinō . neben *Ahwanō, n-Ablei ung on
gm. *ahwō ‚Wasse lau ‘“. Und kann man öllig ausschließen, dass ein solches
„(ahd.) *Ehina“ dem o.a. *Eina zug unde lieg ?
5.4.4. In diesem Zusammenhang sei noch ku z au den Kommen a Udolphs
(2020: 362) eingegangen, man müsse schon das Ma e ial kennen, wenn
HARALD BICHLMEIER
208 Ac a Linguis ica Li huanica LXXXIV
man Aussagen zu E ymologie on Namen machen wolle: Nach den obigen
Aus üh ungen soll e kla gewo den sein, dass es sich e was ande s e häl : Es is
zwa schön, wenn man s a 10 Belegen 100 o b ingen kann, doch wenn diese
Belege keine neuen Elemen e in die Diskussion einb ingen, die am Ende auch
den Ausgang de Diskussion e ände n können, s ell sich die F age: Wozu?
Wich ige , als 90 zusä zliche, abe ü die Diskussion übe lüssige Belege an-
zu üh en, is es doch wohl, die no wendige Me hodik zu Analyse des Ma e ials
zu behe schen.
Auch b ing es nich s, Unmengen on Zi a en aus heu e e al e e Li e a u
(K ahe, W. P. Schmid e c.) zu b ingen, die die eigene A gumen a ion zu s ü zen
scheinen, wenn de en Inhal e und G undlagen längs – eils sei Jah zehn en –
übe hol sind. Das ha dann nu meh wissenscha sgeschich lichen We , b ing
abe de Fo schung keinen Fo sch i .
5.5. Zwischene gebnis
Insgesam muss man nach de Du chsich de als A gumen e o geb ach en
Namen zu dem E gebnis kommen, dass sich die Anzahl de (indes auch nu
halbwegs) siche en Belege ü ge m. *en- < u idg. „*en-(/*on-)“ bzw. *h1en(H)-
au maximal zwei zu belau en schein .
Angesich s diese Beleglage und noch meh au g und de Ta sache, dass die-
ses u idg. „*en-/ *on-“ bzw. *h1en(H)- ni gends eineindeu ig im appella i i-
schen Wo scha z au i (wie gesag , nich einmal Poko ny buch e es in seinem
IEW), e schein es schlich weg unangeb ach , wei e mi eine solchen Wu zel
zu agie en.
6. ZUSAMMENFASSUNG
6.1. Man s eh o dem P oblem, dass man en wede die bal ischen und sla-
wischen Gewässe namen au G undlage eine sons in Eu opa o enba nich
bezeug en Ve balwu zel e klä en muss, die abe seman isch imme hin e was
mi Wasse /Flüssigkei zu un ha , ode dass man sie au de G undlage eine
appella i isch ni gends siche bezeug en Wu zel e klä , de man olglich nich
einmal eine Bedeu ung zuo dnen kann.
6.2. Die Benu zung on Ockhams Rasie messe zwing beim ak uellen
Da ens and zu olgendem Schluss:
S aipsniai / A icles 209
Anme kungen zu einigen mi An- beginnenden li auischen
Gewässe namen und ih en auße bal ischen Ve wand en
Siche appella i isch bezeug is eine Wu zel *pen-; eben alls siche appella-
i isch bezeug is eine Wu zel *h2en- – nich siche appella i isch bezeug is
indes eine Wu zel *h1en(H).
6.3. Dies e gib sich aus olgenden Punk en:
6.3.1. De Name des Flusses Inn kann au *pen- zu ückge üh we den,
ebenso mi . en, enach e c.
6.3.2. Die Namen de Flüsse Enns und Ense < (*)Anisa, (*)Anisus können
ebenso wie mi . an, gall. anam au *pn- ode *h2en- zu ückge üh we den.
6.3.3. Die bal ischen Gewässe namen, die mi An- und die slawischen
Gewässe namen, die mi On- beginnen, können säm lich aus u bal ./u slaw.
*an- < u idg. *h2en- e klä we den.
6.3.4. P ak isch alle disku ie en ge manischen/deu schen Gewässe namen
mi de (no a bene möglichen, nich bewiesenen!) Ausnahme zweie Namene yma
(eines de beiden könn e auch kel isch sein, das ande e könn e ande s zu e y-
mologisie en sein als bishe üblich) können aus u ge m. *an- (< u idg. *h2en-
ode *h2on-) bzw. u ge m. *un- (< u idg. *h2n-) bzw. u ge m. *ōn- (< u idg.
*h2ōn-) e klä we den, ode gehen au u ge m. *aun- zu ück und bleiben oh-
nehin e n.
6.3.5. Folglich gib es keinen G und, i gendeine Wu zel *h1en(H)- (in e -
al e e No a ionsweise: „*en-/*on-“) anzuse zen: Beim heu igen Wissenss and
bzw. au de G undlage de ak uell bekann en Ma e ialbasis lieg die
Wah scheinlichkei de Exis enz eine solchen Wu zel bei Null.
6.4. Man wi d olglich wei e behaup en dü en (ja sagen müssen), dass – so-
lange nich g undlegend neues Ma e ial au auch , das den Ansa z eine Wu zel
u idg. *h1en(H)- mi i gendeine auch ü die Benennungen on Fließgewässe n
augenden Seman ik beweis – es sich bei u idg. „*en-/ *on-“ schlich um eine
Phan omwu zel handel .
Mi Ausnahme zweie nich ganz eindeu ig geklä e Fälle deu sche
Gewässe namen lassen sich alle on Udolph 2020 ange üh en Gewässe namen
ausgehend on den auch sons appella i isch bezeug en Wu zeln *h2en- und
*pen- wide sp uchs ei e klä en:
Te ia adix non da u .
6.5. Man mag auch hie a gumen ie en, dass ja noch Sp achma e ial au au-
chen könne, das zum Ansa z eine Wu zel *h1en(H)- zwinge. Wah scheinlich
is das nich .
Abschließend wi d man wohl nach all den oben ange üh en Punk en sagen
dü en, dass das on Udolph (2020: 362) am Ende seines Bei ags ink iminie e
Zi a aus Bichlmeie (2012a: 376) in leich e wei e e Fo m wei e hin als zu-
e end be ach e we den da , ja muss:
HARALD BICHLMEIER
210 Ac a Linguis ica Li huanica LXXXIV
„Alle ü diese Wu zel [gemein is u idg. *h1en(H)-, e al e „*en-/*on-“; H. B.] in
Ansp uch genommenen Gewässe namen ode Appella i a en s ammen en wede kel i-
schen Sp achen ode sind zumindes kel ische Ve mi lung e däch ig“ –
ode sind zu eine Wu zel u idg. *h2en- zu s ellen.
Imme hin wu de nun zumindes in diesem Punk ein Fo sch i im le z en
Jah zehn e ziel .
7. AUSBLICK
Es bleib bei dem, was in ande em Kon ex be ei s es ges ell wu de
(Bichlmeie 2018a: 230), dass nämlich
„sich mi Indoge manis ik auskennen muss, we sich mi ‚al eu opäischen‘ ode all-
gemein a chaischen (indo)ge manischen Gewässe namen beschä ig . Fehlen solche
Kenn nisse (au ak uellem S and), kann kein o den liches ode ga ele an es E gebnis
he auskommen.“
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HARALD BICHLMEIER
212 Ac a Linguis ica Li huanica LXXXIV
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HARALD BICHLMEIER
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