Page 1DOVILĖ TAMULAITIENĖ Institut für Litauische Sprache ORCID iD: orcid.org/0000-0002-7990-2968 Forschungsschwerpunkte: Toponymie, Akzentologie. DOI: doi.org/10.35321/all85-11
Überlegungen zur Herkunft einiger litauischer Namen von Flüssen und Seen
Überlegungen zur Herkunft mehrerer Namen litauischer Flüsse und Seen
ZUSAMMENFASSUNG
Der Beitrag erörtert neue oder präzisiert bestehende Herkunftshypothesen zu den in toponymischen Arbeiten bereits analysierten Hydronymen Mìrglonas || Mìrglius, Mùmelis, Pasõdgiris, Pãtyralis, Pìršėnas, Rūvelỹs, Skérdynas, Skérdžia, Skerdumà || Skerdùmė, Skerdyksnà || Skerdiksnà || Skirdyksnà, Šėkštis, Šėkštė, Šėkštỹs || Šėkštis, Švìlpynė, Ùršulis, Žadãlis, Žãdikė || Žadìkė || Žãdĩkis || Žadìkỹs, Žadupỹs. Alternative Herkunftserklärungen werden auf der Grundlage der Analyse der Akzentuierung und Motivation der Gewässernamen, ihres toponymischen Kontexts und weiterer linguistischer Daten vorgeschlagen.
SCHLÜSSELWÖRTER: Onomastik, Toponymie, Herkunft der Hydronyme, Motivation der Hydronyme, Akzentuierung der Hydronyme.
ANNOTATION
Der Beitrag erörtert neue oder revidiert bestehende Annahmen zur Herkunft der Hydronyme Mìrglonas || Mìrglius, Mùmelis, Pasõdgiris, Pãtyralis, Pìršėnas, Rūvelỹs, Skérdynas, Skérdžia, Skerdumà || Skerdùmė, Skerdyksnà || Skerdiksnà || Skirdyksnà, Šėkštis, Šėkštė, Šėkštỹs || Šėkštis, Švìlpynė, Ùršulis, Žadãlis, Žãdikė || Žadìkė || Žãdĩkis || Žadìkỹs, Žadupỹs, die bereits in früheren toponymischen Untersuchungen analysiert wurden. Alternative Deutungen ihrer Herkunft werden unter Bezugnahme auf die Analyse der Akzentuierung und Motivation der Hydronyme, des toponymischen Kontexts und weiterer linguistischer Daten vorgeschlagen.
SCHLÜSSELWÖRTER: Onomastik, Toponymie, Herkunft der Hydronyme, Motivation der Hydronyme, Akzentuierung der Hydronyme.
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Die Herkunft der litauischen Fluss- und Seenamen hat sowohl bei litauischen als auch bei ausländischen Linguisten beträchtliche Aufmerksamkeit gefunden und ist recht umfassend erforscht. Für die litauische Hydronymik sind die etymologischen Untersuchungen der Gewässernamen von Kazimieras Būga, Pranas Skardžius, Bronys Savukynas und anderen Sprachwissenschaftlern von Bedeutung; am ausführlichsten wurden die Hydronyme jedoch in den Arbeiten des Onomasten Aleksandras Vanagas (1970; 1981; 1981a) analysiert. In dem von diesem Sprachwissenschaftler erarbeiteten Etymologischen Wörterbuch der litauischen Hydronyme (1981) wird die Herkunft der meisten litauischen Fluss- und Seenamen untersucht und die bisherige Forschung zusammengefasst.
In den gegenwärtigen toponymischen Arbeiten werden frühere Erklärungen zur Herkunft einzelner Gewässernamen korrigiert und andere Möglichkeiten ihrer Herkunft erwogen, da neue Daten zur Entstehung der Hydronyme, zu ihrer Verbindung mit anderen Toponymen u. Ä. hinzukommen (Bilkis 2006, 2011, 2014; Garliаuskas 2013 u. a.).
Bei der Untersuchung der Akzentuierungsgesetzmäßigkeiten der suffixalen Hydronyme und der Faktoren, die diese bestimmt haben, wurden die in toponymischen Arbeiten vorgelegten Hypothesen zur Bildung und Herkunft der Gewässernamen eingehend geprüft. Bei der Untersuchung der Hydronyme unter verschiedenen Gesichtspunkten zeigte sich, dass die Herkunft einiger Fluss- und Seenamen auch anders als von anderen Forschern erklärt werden könnte (vgl. Tamulaitienė 2020).
Ziel des Beitrags ist es, neue Herkunftshypothesen zu mehreren in toponymischen Arbeiten bereits untersuchten Fluss- und Seenamen vorzulegen und bestehende zu präzisieren. Nach Bewertung der früheren Hypothesen zur Herkunft der Gewässernamen werden alternative Erklärungen auf der Grundlage der Analyse der Akzentuierung der Hydronyme (und ihres Verhältnisses zur Akzentuierung der Basiswörter), ihrer Motivation und Struktur, des toponymischen Kontexts, geolinguistischer und anderer sprachlicher Daten erörtert. Einige Daten waren von früheren Forschern nicht erfasst worden (z. B. ein Teil der gleichstämmigen Toponyme) oder hatten nicht genügend Aufmerksamkeit erhalten (z. B. die Akzentuierung der Gewässernamen). Auf das Untersuchungsmaterial werden deskriptiv-analytische, strukturanalytische, vergleichende und geolinguistische Methoden angewandt. Die Analyse der Akzentuierung der Hydronyme beruht auf den Prinzipien der morphonologischen Akzentologie.
Mirglonas || Mirglius Fluss. NmŽ (In den von C. Hennenberger im 16. Jahrhundert (1584 und 15951) erstellten Karten Preußens2 ist die Form Mirgla3⁾⁴ angegeben. Ebenda Mirglonai Teich (VK⁵). Die Flussnamen werden aus lit. mirgėti ‚mit flackerndem Licht leuchten, schimmern; sich bewegen, zittern, in wechselnden Farben oder bei Licht und Schatten schillern‘⁶ hergeleitet.
¹ Im Beitrag wurden die Karten Preußens von 1584 sowie spätere, nach den Karten C. Hennenbergers erstellte Karten herangezogen, die online zugänglich sind (vgl. Hennenberger 1584, 1634, 1638).
² Näheres siehe https://www.mlimuziejus.lt/lt/mazosios-lietuvos-istorijos-muziejus/mazoji-lietuva-ir-prusija-senuosiuose-zemelapiuose/; https://www.vle.lt/straipsnis/hennenbergerio-zemelapiai/.
³ Vanagas (1981: 218) nennt als Quelle (möglicherweise irrtümlich) die Karte Hartnochs II.
⁴ Pėteraitis (1992: 126) weist darauf hin, dass der Name auch Mirglonė lautet. In PKK und bei Pranas Skardžius (1943: 282) ist die Form Mirgluonas angegeben.
⁵ Aufgezeichnet in Palendriai (1960) und im Dorf Degučiai (1981).
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sich bewegen, zittern, schillern, indem sich Farben oder Licht und Schatten abwechseln‘⁶. Ihre Motivation hängt mit dem Schillern, der Helligkeit des Wassers o. Ä. zusammen (Vanagas 1981: 218; 1981a: 99; Pėteraitis 1992: 126, 203; siehe auch LVvGDB). Eine solche Herkunft ist durchaus plausibel; zur Motivation vgl. lit. Marã Fluss. Kpč (: balt. *marā– ‚schillernd‘) (Mažiulis 2013: 611–612 [=1996: 149–151])⁷, Žibà || Žibãlė Fluss. Plng, Žibùlė Fluss. Lbv, Žìbilas Fluss. Lb (: lit. žibėti ‚im reflektierten Licht leuchten, glänzen, strahlen‘, lit. žibus ‚glänzend, strahlend‘) (Vanagas 1981: 400; 1981a: 100).
Dennoch erlaubt der erweiterte Stamm mirgl–⁸ die Annahme, dass die Hydronyme vor allem mit lit. mirgla ‚jemand, der schlecht sieht, ein Kurzsichtiger‘, lit. mirglinėti ‚blinzeln, die Augen zusammenkneifen‘, lit. mir̃glinti: „Mir̃glinti bedeutet, mit zusammengekniffenen Augen zu gehen“ (LKŽe)⁹, ferner vgl. mirglius¹⁰: „Wenn er einen Menschen ansah, blinzelte er sehr häufig“ (Juška 2020), verbunden werden, die ihrerseits bereits mit mirgėti zusammenhängen. Zur Analogie bei Personenbezeichnungen vgl. lit. mir̃kla ‚jemand, der häufig und krankhaft blinzelt, ein Blinzelnder‘, lit. mirklõnas, -ė ‚jemand, der ständig blinzelt‘. In diesem Fall könnte die Motivation der Flussnamen Mir̃glonas || Mir̃glius mit den Eigenschaften des Wasserlaufs zusammenhängen, d. h. mit einem Fluss mit schwacher Strömung o. Ä.; vgl. Pãspitris Fluss. Šd (: lit. paspitróti ‚etwas schlecht sehen‘, lit. paspitrỹs ‚ziemlich kurzsichtig, schlecht sehend‘) (Bilkis 2014: 151)¹¹, Kurtinỹs Fluss. Rgv (: lit. kurtìnas ‚taub‘, lit. kurtinãi ‚völlig, vollständig‘) (ebd.)¹², Ãklė Fluss. Dbg, Imbr, Krš (: lit. ãklas, -à ‚dunkel; geschlossen, undurchdringlich‘) (Vanagas 1981: 37; LVŽ I: 34–36). Zur Akzentuierung des Stammes und zum akuten Intonationsakzent der betreffenden Hydronyme (1 a. p.) (LUEV: 104¹³) vgl. mirgla (1 a. p.) (LKŽe) (siehe auch Tamulaitienė 2020: 92).
Ferner ist auf einen möglichen Zusammenhang der betreffenden Hydronyme mit lit. mir̃glyti ‚fein regnen, nieseln‘ Šll (vgl. LKŽe) hinzuweisen, das im Gebiet desselben Dialekts¹⁴ belegt ist, in dem der Fluss liegt. Genetisch ist dieses Verb ebenfalls mit lit. mirgė-
⁶ Wenn nicht anders angegeben, sind die Bedeutungen der Wörter der elektronischen Fassung des Wörterbuchs der litauischen Sprache (im Folgenden LKŽe) entnommen.
⁷ Vanagas (1981: 204) verbindet den Gewässernamen mit lit. mãrės, mãrios ‚Meer‘.
⁸ Vanagas ordnet das Hydronym Mir̃glonas den Bildungen mit dem Suffix –onas zu, kommentiert jedoch das Auftreten des Konsonanten l im Stamm nicht ausführlicher (vgl. Vanagas 1970: 188; siehe auch LVvGDB; Skardžius 1943: 282 (hier wird das Suffix –uonas herausgestellt)).
⁹ Das Verb mir̃glinti ‚mit zusammengekniffenen Augen gehen < sich unter Flimmern bewegen‘ sowie mir̃glyti ‚fein regnen, nieseln‘ führt auch Pėteraitis (1992: 126) vergleichend im Hinblick auf den Stamm mirg-ln an.
¹⁰ Eine über einen Menschen verwendete Spitznamenbezeichnung.
¹¹ Vanagas (1981: 247) hält das Hydronym für eine Bildung mit dem Präfix pa– aus dem Personennamen Spitris, Spitrỹs.
¹² Vanagas (1981: 175) verbindet es mit lit. kurtinỹs ‚ein Vogel aus der Familie der Birkhühner‘.
¹³ Die Variante Mir̃glius ist hier nicht belegt.
¹⁴ Im Beitrag werden die Dialektgrenzen anhand der in der Chrestomathie der litauischen Dialekte (2004) enthaltenen Karten bestimmt.
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vgl. lett. mirgot ‚schillern, flimmern, kräuseln, glänzen, funkeln, glitzern, flackern; nieseln, tröpfeln, fein regnen, sprühregnen‘, lett. mirdzināt ‚zum Flimmern bringen, funkeln lassen, glänzen lassen; nieseln, tröpfeln‘ (LLKŽė). Zur Analogie vgl. den Flussnamen Murgālis Klp, der neben den Verbindungen mit lett. murga ‚schmutziges Wasser, Pfütze‘ (ME 2: 669), lit. murglà ‚dichter Nebel; sehr feiner Regen‘, lit. murglõtas, –a ‚von diesem feinen Regen, neblig‘ u. Ä. (Kiseliūnaitė 2020: 48; Pėteraitis 1992: 127)¹⁵ auch mit lit. murmėti, mùrga ‚fein regnen, nieseln‘ Grg verglichen werden kann. Zweifel am Zusammenhang der Gewässernamen Mìrglonas || Mìrglius mit dem Verb mirglyti weckt jedoch der Unterschied der Intonationsakzente ihrer Stämme.
Mùmelis See. Gl. Ebenda auch Mùmelis Sumpf.¹⁶ (PKK). Aleksandras Vanagas (1981: 221) verbindet den Gewässernamen mit Vorbehalt mit lit. mùmelis ‚stiller, schweigsamer Mensch; träger, ungeschickter Mensch‘, lit. mùmas ‚Kinderschreck; Stummer‘; vielleicht vgl. Mumėlė Sumpf. Ps (Bilkis 2008: 114). Bei den übrigen Onymen mit dem Stamm mum— Mumiai Gehölz, Hof. Rt (und Mūmiškė Bach. Rt¹⁷), Mumiškis Bach. Šl¹⁸ (VK) besteht eine bessere Grundlage für die Verbindung mit dem Personennamen Mùmas (Zinkevičius 2008: 119), *Mumis o. Ä.; vgl. den historischen Personennamen Christophori Mumis Ad 1657 (IAK), den Spitznamen Mumā Dt (Butkus 1995: 317), obwohl auch eine appellativische Herkunft nicht ausgeschlossen werden kann.
Der Zusammenhang sowohl des Hydronyms Mùmelis als auch des Helonyms Mumėlė mit mùmas, mùmelis ist unter dem Gesichtspunkt der Motivation zweifelhaft¹⁹, obwohl es Analogien gibt; vgl. Savėlis Fluss. Pkr (: lit. savėlis ‚jemand, der geistig nicht ganz normal, unaufmerksam oder ein Dummkopf ist‘), Lebedà Fluss. Dbk, Pbrd (: lit. lebedà ‚ein törichter, ungeschickter, nachlässiger Mensch, Dummkopf, Tölpel‘) (Vanagas 1981: 292, 184; 1981a: 87, 86). Vielleicht ist ein Zusammenhang (insbesondere beim Namen des Sumpfes) mit dem Substantiv mùmas wahrscheinlicher, wenn man seine Bedeutung ‚Kinderschreck, Ungeheuer‘ berücksichtigt. Dies wäre ein Ort (Sumpf, See), an dem es Mumus o. Ä. gibt; vgl. die Helonyme Vaidùlė Sumpf. Sug, Sumpf, Sumpf. Skm, Sumpf. An, Čln und die Hydronyme Vaidùlė Fluss. Dbk, Vaidùlis Fluss. Šd, Vaidėnis Fluss. Sd (: lit. vaĩdas ‚Gespenst, Spukgestalt, Schreckbild‘) (Bilkis 2008: 101; Vanagas 1981: 358; siehe auch Vanagas 1981a: 110–111).
Die Verbindung des Gewässernamens Mùmelis mit mùmas, mùmelis ist auch wegen des Verbreitungsgebiets der Appellativa etwas zweifelhaft. Nach den Daten des LKŽė sind diese Substantive in den ostlitauischen Dialekten von Utena und Panevėžys verbreitet. Ferner vgl. den in demselben
¹⁵ Vanagas (1981: 221–222) hält das Hydronym für eine Bildung aus dem Germanismus mùrgas ‚bunt, ein Flächenmaß‘.
¹⁶ Höchstwahrscheinlich handelt es sich um dasselbe Objekt, das 1983 (VK) als Sumpf belegt ist.
¹⁷ Der Gewässername ist in LUEV und den Arbeiten Vanagas’ nicht belegt. Er wurde in einem Flurnamenerhebungsbogen des Dorfes Stirbiškė im Amtsbezirk Rietavas, Kreis Telšiai, aus der Zwischenkriegszeit (1937) aufgezeichnet.
¹⁸ Der Gewässername ist in LUEV und den Arbeiten Vanagas’ nicht belegt. Er wurde in einem Flurnamenerhebungsbogen des Dorfes Žadžiūnai im Kreis und Amtsbezirk Šiauliai aus der Zwischenkriegszeit (1935) aufgezeichnet. Im Erhebungsbogen ist als Objekt ein Bachlauf angegeben; eine der Bedeutungen dieses Wortes ist ‚Fluss, Bach‘ (vgl. LKŽė).
¹⁹ Der Gewässername wird den Hydronymen mit einer die physische Beschaffenheit des Wassers bezeichnenden Bedeutung zugeordnet (Vanagas 1981a: 83–86).
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Stamm maumas, maumė ‚Kinderschreck, Ungeheuer; stiller, schweigsamer Mensch‘, maumelis, maumė, maumys, maumužas, maumokas ‚Kinderschreck, Ungeheuer‘ sind in den ost- und südlitauischen Dialekten weit verbreitet und den Randdialekten der Žemaiten bekannt (LKŽe; siehe auch Jasiūnaitė 2000: 176–177). Das Hydronym liegt im Gebiet des westlitauischen Kaunaser Dialekts²⁰ (in Užnemunė). Es ist nicht auszuschließen, dass die betreffenden Appellativa auch in diesem litauischen Areal verwendet wurden.
Andererseits ist eine andere Herkunftshypothese für den Gewässernamen Mūmelis zu erwägen. Der Seename kann mit der Bezeichnung einer Wasserpflanze, lit. mūmelė (dt. Mummel) ‚Teichrose (Nuphar)‘, verglichen werden, die in den Schriften Ostpreußens und des Memellandes sowie in den Wörterbüchern von F. Kurschat und G. H. F. Nesselmann belegt ist (vgl. LKŽe; siehe auch AK 2: 1438). Der Germanismus könnte auch in Užnemunė bekannt gewesen sein (in der Umgebung von Gelgaudiškis²¹), die im 18. Jahrhundert an Preußen fiel (Näheres siehe VLEe; MLEe). Unter dem Gesichtspunkt der Motivation wäre dies ein See, in dem viele Mummeln o. Ä. wachsen. In Litauen gibt es zahlreiche Gewässernamen, die mit Pflanzenbezeichnungen verbunden sind (vgl. Vanagas 1981a: 90–94); vgl. die Seenamen Indrailis See. Ds (: lit. indrė ‚Schilf‘), Lūkštinis See. Mlt, Smal (: lit. lūkštas ‚Seerose‘), Švóginas See. Ign (: lit. švógės ‚eine solche Sumpfgraspflanze, Schilf‘) (Vanagas 1981: 130, 198, 338). Zur Struktur des Hydronyms vgl. Žiežul-is See. Ktk, Sem, Vrn (: lit. žiežulė ‚Plötze, Güster‘), Lapūk-is See. Rdm (: lit. lapūkas ‚Klette; Seerose; Sumpfdotterblume; Teichrose; Sumpfcalla‘) (vgl. Vanagas 1970: 65–66). Der Möglichkeit einer Herkunft aus mūmelė (1 a. p.) widerspricht auch die gleichbleibende Betonung der ersten Silbe des Hydronyms Mūmelis (1 a. p.) nicht (LUEV: 106).
Pasódgiris (Pasódgiris²²) Fluss. KzR. Es wird angenommen, dass der Flussname aus dem erschlossenen zusammengesetzten Namen eines anderen Ortes (eines Waldes o. Ä.) *Pasod-giris hervorgegangen ist, dessen erstes Glied aus Pasóda Flurname < lit. pasóda ‚ein dem Förster zugewiesenes Grundstück im Wald; Land, auf dem ein Gehöft steht‘ stammen soll (Vanagas 1981: 247). Die Analyse von Ortsnamen, die aus der lebendigen Sprache erhoben wurden, zeigt, dass das Hydronym aus dem Wiesen- oder Sumpfnamen Pasódgiris herzuleiten ist. Der Wiesenname wurde in einem Flurnamenerhebungsbogen des Dorfes Marackai im Amtsbezirk Kazlai aus der Zwischenkriegszeit (1935)²³ aufgezeichnet; der Helonym
²⁰ In Westlitauen kommen bedeutungsnahe litauische Substantive mēmē ‚stiller, langsamer, wenig gesprächiger Mensch, Versager, Dummkopf, Tölpel‘, lit. mēmėlis, mēmėlis ‚jemand, der undeutlich spricht, vor sich hinmurmelt, ein undeutlich Sprechender‘ Jrb, Rs u. a. vor (vgl. LKŽe).
²¹ Bemerkenswert ist, dass das Gut Gelgaudiškis im 18. Jahrhundert von der Familie der Barone von Keudell erworben wurde und viele Deutsche in die Umgebung zuzogen (Näheres siehe https://www.gelgaudiskis.lt/istorija; https://www.mle.lt/straipsniai/papruse).
²² So ist es bei Vanagas (1981: 247) akzentuiert (offenbar aufgrund der Akzentuierung des Wiesennamens Pasóda und des Appellativs pasóda), doch die Authentizität des akuten Intonationsakzents ist zweifelhaft. In LUEV: 119 ist die Form Pasódgiris angegeben. Eine solche Akzentuierung wird auch durch die Daten der lebendigen Sprache bezeugt.
²³ Aufgezeichnet von der Lehrerin Petronėlė Pajaujytė.
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im Erhebungsbogen der Oberförsterei Jūrė desselben Amtsbezirks (1936)24, in dem angegeben ist, dass der Sumpf25 in der Nähe des Dorfes Jūrė liegt (VK; siehe auch LVvGDB). Wahrscheinlicher ist, dass der Bach den Namen der Wiese in demselben Dorf übernommen hat. Die Dörfer Marackai und Jūrė grenzen jedoch aneinander, sodass ein Zusammenhang mit dem Sumpfnamen nicht ausgeschlossen werden kann. Unter dem Gesichtspunkt der Motivation wäre dies ein durch (über) die Wiese oder den Sumpf P asōdgiris fließender Bach o. Ä. Bemerkenswert ist, dass die Aufzeichnerin des Wiesennamens im Bemerkungsfeld des Flurnamenerhebungsbogens vermerkt hat, dass sich dort „früher eine Pasoda (Forstwache) befand“. Somit kann man sagen, dass das erste Glied des Onyms P asōdgiris aus dem Appellativ pasodà und nicht aus dem Wiesennamen Pasóda stammt, wie Vanagas angenommen hatte. Übrigens gelang es der Verfasserin des Beitrags nicht, Daten zu erfassen, die darauf hindeuten, dass es in den genannten Dörfern oder den angrenzenden Siedlungen eine Wiese dieses Namens gegeben hätte26.
Pātyralis Fluss. Vgl. Der Gewässername gilt als Bildung mit dem Präfix pa aus *Tyralis, das mit dem Diminutivsuffix -alis aus dem Wiesennamen Týrai oder Týras gebildet ist (Vanagas 1981: 249). Die in einem Flurnamenerhebungsbogen des Guts Medingėnai im Amtsbezirk Žarėnai, Kreis Telšiai (1935)27 enthaltenen Angaben zur Lage des Flusses (genauer: des Baches28) und anderer Objekte lassen darauf schließen, dass der Gewässername aus dem Namen des nahe gelegenen Waldes Tyralis herzuleiten ist. Es wäre ein Bach, der durch den Wald fließt oder aus ihm kommt. Ferner vgl. Pātyralis Bach, Nebenfluss. Žr (VK; siehe auch LVvGDB).
Piršėnas29 See. Blnk30. Der Gewässername wird mit den Hydronymen Peršas See. Srj, Peršėkė Fluss. Brb, Peršokšna Fluss. Švnčl, Parsvėtas See. Dkšt u. a. verglichen, die ihrerseits mit lit. pra–parsas, pra–peršà, pró–perša ‚eine nicht zugefrorene Stelle im Eis; eine lichtere Stelle im Wald‘, vgl. altind. párś–āna– ‚Schlucht, Abgrund, Klamm‘ < idg. *perḱ–/*pr̥ḱ– verbunden werden. Der Stamm pirš– ist als Ergebnis der baltischen Ablautreihe pars–/perš–/pirš– zu beurteilen (Сабукинас 1966: 169–170; Vanagas 1981: 260, 245–246; 1981a: 70).
Es ist jedoch nicht auszuschließen, dass der Seename Piršėnas mit lit. (Pl.) piršys, piršės, piršiai ‚Brust des Pferdes‘ verwandt ist; vgl. altkirchenslaw. (Pl.) prьsi, poln. piersi ‚Brust‘, die aus balt.-sl. *pirši– ‚Brust; Vorsprung‘ < idg. *perḱ– ‚Rippe, Brust‘ < *perk– ‚dasselbe‘ herzuleiten sind (vgl. altind. pṛṣṭi ‚Rippe‘ u. a.); ferner
24 Aufgezeichnet vom Förster Juozas Jurkėnas nach Angaben von Antanas Mitkus. 25 Offenbar ist dasselbe Objekt auf einer 1982 ausgefüllten VK-Karte als Sumpf angegeben (aufgezeichnet von A. Medžiūtė). 26 Die nächstgelegene Wiese in diesem Gebiet wurde im Dorf Kupreliškiai (Umgebung von Pilviškiai) erfasst (VK; 1981, aufgezeichnet von K. Eigminas). Ebenso wurden Gehöfte in den Dörfern Gulioniškiai und Karališkė erfasst (VK; 1982, aufgezeichnet von O. Arminienė). Dennoch liegen bzw. lagen die Wiese und die Gehöfte ausreichend weit von den Objekten in den Dörfern Marackai und Jūrė entfernt. 27 Aufgezeichnet von der Lehrerin Anelė Laurusevičiūtė nach Angaben des Gewährsmanns Petras Vitkus. 28 Es wurde vermerkt: „Er fließt mitten durch das Gut.“ 29 Bei Kazimieras Būga (Būga RR 3: 537) ist die Form Piršėnas belegt. 30 In einem Flurnamenerhebungsbogen der Oberförsterei Žemaitkiemis im Kreis Ukmergė aus der Zwischenkriegszeit ist eine verballhornte Form des Seennamens Piršanka aufgezeichnet. Aufgezeichnet vom Förster Antanas Lukošiūnas.
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vgl. lit. pirštas ‚Finger‘, lett. pir(k)sts (Mažiulis 2013: 715 [=1996: 286–287]; Smoczyński 1982: 222–223; siehe auch BEŽK). Die betreffenden Bezeichnungen sind in den westlichen Dialekten (den žemaitischen und den westlitauischen Kaunaser Dialekten) verbreitet, doch das Substantiv piršys ist auch im Gebiet des ostlitauischen Panevėžys-Dialekts (bei Smilgiai, Kreis Panevėžys) belegt (vgl. LKŽe). Die Appellativa könnten auch im östlichen litauischen Areal, in dem der See liegt, bekannt gewesen sein. Die Motivation des Hydronyms Piršėnas wäre durch seine Konfiguration begründet, d. h. durch einen See, der hervorragt, vorne liegt, eine brustähnliche Form hat o. Ä. Es gibt weitere Gewässernamen, die mit Bezeichnungen von Körperteilen verglichen werden; vgl. die Seenamen Pãpis Rdš (: lit. pãpas ‚Brust; Brustwarze; eine Unebenheit, ein Vorsprung‘), Pãkalas Lkm (: lit. pãkalas ‚Rücken, Hinterteil‘), Pakalỹs Šv (: lit. pakalỹs ‚Hinterteil‘) (Vanagas 1981: 244, 239; siehe auch 1981a: 65). Vielleicht vgl. auch Piršatis Hof. Kpč (VK). Diese Herkunftshypothese wird auch durch die gleichbleibende Betonung des Stammes des Gewässernamens Piršėnas (1 a. p.) (LUEV: 125) gestützt, die mit der baritonalen Akzentuierung von piršys, piršės, piršiai (1 a. p.) (LKŽe; zur Akzentuierung siehe auch Tamulaitienė 2020: 117) verbunden werden kann.
Rūvelỹs Fluss. Krš. Ebenda Rūveliaĩ Dorf (ATSŽ: 269; VŽe) (früher auch ein Gut). Das Hydronym wird mit den Onymen Rūveliaĩ (oder Rūveliai?) Gehölz. Krš, Rūvelė Gehölz. Lnk, Rūvelio kálnas Berg. Žr, Rūveliškė Gehölz, Wald. Žr, Rūvel̃kas (oder Ruzvel̃kos) Gehölz. Tt, preuß. Ruwewange verglichen (Vanagas 1981: 285). Wenigstens einige der angeführten Ortsnamen (z. B. Rūvelio kálnas) lassen sich mit den Personennamen Rūvelis (LPDB), Ruvėlis, Rūvelas (Zinkevičius 2008: 237, 130) oder lit. rūvelis ‚böser Mensch, Betrüger; weinerlicher Mensch‘ verbinden. Vanagas (1981: 285) verbindet den Flussnamen mit Vorbehalt mit dem letztgenannten Appellativ und nennt auch eine im LKŽe nicht belegte Bedeutung ‚dicker, fettleibiger Mensch‘³¹. Der Zusammenhang mit dem Appellativ erscheint wegen der Motivation zweifelhaft (der Name gilt als Hydronym mit konfigurativer Bedeutung) (Vanagas 1981a: 61). Gegen diese Herkunftshypothese spricht auch die bewegliche Akzentuierung des Hydronyms (3ᵇ a. p.) (LUEV: 140), da die Personenbezeichnung rūvelis einen gleichbleibenden Stammakzent (1 a. p.) besitzt (LKŽe). Aus denselben Gründen ist auch eine Herkunft aus dem Personennamen Rūvelis sehr zweifelhaft. Unter dem Gesichtspunkt der Motivation und Struktur (einschließlich der Akzentuierung) erscheint ein Zusammenhang des Hydronyms mit lett. ruvēties ‚sich beruhigen, verstummen, zur Ruhe kommen‘ (ME 3: 565) besser begründet; vgl. Ruvesỹs Fluss. Tj (Vanagas 1981: 285).
Vorsichtig ist die Möglichkeit zu erwägen, dass das Hydronym eine Aphärese des Konsonanten s widerspiegelt und aus lit. srūti, srūva ‚strömen, fließen‘ hervorgegangen ist; ferner vgl. srūvis ‚Strömung, Fließen‘. Das Schwinden des Konsonanten s wäre in diesem Fall als sporadisch anzusehen; vgl. lit. tangùs, –ì ‚nicht zum Biegen oder Falten nachgebend, unbiegsam; hart, steif; u. a.‘ < stangùs, –ì (vgl. Zinkevičius 1966: 178; LKŽe). Eine Motivation, die mit der physischen Beschaffenheit des Wassers (Wasserlauf u. Ä.) zusammenhängt, ist bei Hydronymen besonders häufig (vgl. Vanagas 1981a: 83–90); vgl. Almajà Fluss. Lkm, Ãlmajas See. Lkm, Ãlmenas See. Lkm (: lit. almėti
³¹ Als Quelle ist die Kartothek des Wörterbuchs der litauischen Sprache angegeben.
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‚langsam durchsickern, tropfen, eitern; langsam strömen‘), Sálva || Salvùkas Fluss. Bsg, Sálvis Fluss. Pkr (: lit. salvėti ‚langsam fließen, durchsickern‘) (Vanagas 1981: 39, 289; Savukynas 1960: 294; LVŽ 1: 75–76). Zur Struktur des Hydronyms und zur beweglichen Akzentuierung vgl. Metelỹs 3ᵇ See. Srj, Temelỹs 3ᵇ Fluss. Gdž (Vanagas 1970: 124; LUEV: 102, 172; zur Akzentuierung siehe auch Tamulaitienė 2020: 61).
Skérdynas Fluss. Kv, Skérdžia Fluss. Mlt, Skerdumà || Skerdùmė Fluss. Krk, Skerdeksnà || Skerdiksnà || Skirdyksnà Fluss. Pbrd. Die Herkunft des Hydronyms Skérdynas (ebenda auch Skérdynai Dorf.³² (ATŠŽ: 279; VŽe)) gilt als nicht völlig klar. Angesichts der Verbreitung von Bildungen mit skerdyn— vgl. Skerdýnas Sumpf. Pkr, Skerdýnbalė Sumpf. Rk, Skerdýnė Sumpf, Wiese. PŠl, Plk, Pn, Gehölz. Dj, Skerdýnės Wiese. Vdk, Sumpf. Rd³³ erwägt Vanagas (1981: 302), dass es einen physiografischen Terminus *skerdynas ‚Schlachtung‘ o. Ä. gegeben habe, vgl. skerdimas ‚eine im Wald abgeholzte Stelle, Kahlschlag‘, das seinerseits mit dem litauischen Verb skęrsti *‚Bäume fällen, Sträucher schneiden o. Ä.‘ verbunden wird (siehe auch Kazlauskas 1968: 61). Diese Herkunftshypothese erscheint plausibel, doch die unterschiedlichen Intonationsakzente des Hydronyms und des Verbs werfen Fragen auf. Man kann erwägen, dass der Akut des Stammes von Hydronym Skérdynas durch die Akzentuierungsanalogie zum litauischen Verb skérdėti, -ėja (-i), -ėjo ‚stachelig werden, rissig werden, aufplatzen, gespalten werden; sich spalten, bersten (von der Haut)‘ entstanden ist, das auch in Kvedarna belegt ist (vgl. LKŽe). Ebenso ist nicht auszuschließen, dass dieses Verb überhaupt als Basiswort des Flussnamens Skérdynas anzusehen ist; ferner vgl. skerdynas ‚stark rissige Stelle‘ (siehe auch Tamulaitienė 2020: 47). Nicht mit dem Verb skęrsti (Vanagas 1981: 302–303; 1981a: 71; Kazlauskas 1968: 61), sondern mit skérdėti könnten auch die Flussnamen (oder zumindest einige von ihnen) Skérdžia, Skerdumà || Skerdùmė, Skerdeksnà || Skerdiksnà || Skirdyksnà verbunden werden. Diese Herkunftsmöglichkeit des letztgenannten Hydronyms wird durch die Form Skirdyksnà gestützt; hinsichtlich des Stammes skird— vgl. lit. skírsti, skírdo ‚stachelig werden, rissig werden, aufplatzen, gespalten werden; sich spalten, rissig werden (von der Haut)‘, lit. skirdýnas ‚stark rissige Stelle‘, lit. skirdùs, -ì ‚rissig werdend, spröde‘, lit. skirdà ‚rissige Hautstelle; senkrechter Spalt in einem Brotlaib‘. Bei einer solchen Herkunft vgl. hinsichtlich der Motivation der Hydronyme die Gewässernamen Skírstupis Fluss. Prnv, Skírštupelis Fluss. Škn, Skirziùs See. Lp (: lit. skírsti, skírdo) (Vanagas 1981: 304; 1981a: 61).
Vanagas (1981: 328) verbindet die Gewässernamen Šėkštis See. Als, Šėkštė Fluss. Stlp, Šėkštys || Šėkštis Fluss. Krš, zunächst mit Vorbehalt, mit lit. šėkštis ‚Gabel mit nach oben gebogenen Zinken zum Schöpfen von Spreu‘³⁴ (siehe auch Būga RR 2: 314). Diese Herkunftsmöglichkeit lässt
32 In dem Flurnamenerhebungsbogen dieses Dorfes (1935; aufgezeichnet von der Lehrerin Marija Jagminaitė) ist die zusammengesetzte Form des Gewässernamens Skerdynų upelis belegt; sie gilt als sekundär und ist aus dem Dorfnamen Skerdynai entstanden.
33 Zu den Helonymen siehe auch Bilkis 2008: 183, 184.
34 Andererseits wird weiter Šiekštas See. JnšM (ebd.) zum Vergleich herangezogen.
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stärker begründen lässt sich Vanagas’ nicht belegte Bedeutungsangabe des Appellativs³⁵ ‘verzweigter Stock; gegabelter Stock zum Abstützen; Stütze’, vgl. auch šėkštė ‘lange Stange’. Die Motivation wäre durch die Konfiguration des Sees und der Flüsse (Verzweigung o. Ä.) begründet, vgl. Šakarnė Fl. Brž, Šakarnis Fl. Ps (: lit. šakarnis ‘verzweigt’), Luknà Fl. Kl, Rdš, Skm, Vžns, Lūknis See Al u. a. (: lit. lùknas ‘dessen Geweih seitwärts weist’) (Vanagas 1981: 324, 197; 1981a: 62, 59).
Švilpynė Fl. Erž. In der aus der lebendigen Sprache zusammengetragenen Kartei der Ortsnamen sind mehr als 70 Ortsnamen mit der Wurzel švilp belegt, z. B. Švilpa Weide, Flur Brž, Švilpinė Acker. Šauk, Hügel. Tt, Švilpynė Moor. Rs, Dorf. Jrb, Feld. Klm, Wald. Stč, Šil u. a. Zumindest ein Teil von ihnen (insbesondere die Flurnamen) kann mit lit. švilpti ‘mit den Lippen, einer Pfeife oder etwas anderem einen Ton hervorbringen; anhaltend zwitschern; summend fliegen, durch die Luft schweben’ verbunden werden. In toponymischen Arbeiten werden die Ortsnamen Švilpė Fl. Kv (Vanagas 1970: 61; vgl. Vanagas 1981: 338) und Švilpiškė³⁶ Berg. Slk (Bilkis 2008: 86; siehe auch LVvGDB) aus diesem Verb hergeleitet, ohne diese Herkunftsmöglichkeit anzuzweifeln. Die Motivation des Flussnamens Švilpė wird durch andere Hydronyme derselben Struktur gestützt, die mit Verben verbunden sind, welche die Lauterzeugung bezeichnen, vgl. Kliùkė Fl. Nmk (: lit. kliùkėti ‘schreien, rufen’), Kniaukė Fl. Trš (: lit. kniaukti ‘miauen, schreien’), Krokštė Fl. Onš (: lit. krõkšti ‘rauschen, tosen’) u. Ä. (Vanagas 1970: 60–61; 1981: 160, 161, 167). Auch die Daten der lebendigen Sprache bezeugen eine mögliche Verbindung der Ortsnamen mit švilpti, z. B. wurde auf der VK-Kartei (1978) neben dem Bergnamen Švilpiakalnis Dbg notiert: „nichts wächst, der Wind pfeift“³⁷. Dennoch gilt die Herkunft des Hydronyms Švilpynė Fl. Erž (vgl. Švilpė Fl. Kv) (Vanagas 1981: 338; 1970: 167) und des Helonyms Švilpynė Moor. Kž (vgl. Švilpa Berg. Žml) (Bilkis 2008: 189) als nicht ganz klar; der Zusammenhang mit švilpti wird vorsichtig beurteilt.
Der Vergleich des Flussnamens Švilpynė mit švilpti weckt Zweifel wegen des Unterschieds in der Intonation der Wurzel des Verbs und des Hydronyms. Auch die Onyme Švilpė Fl. Kv (LUEV, 170; Vanagas 1981: 338), Švilpa Berg. Žml, Weide. Brž, Flur. Rgy (Vanagas 1981: 338) haben in der Wurzel den Akut, doch wurde dieser vermutlich durch die für Ableitungen mit Endungen typische Metatonie verursacht, vgl. švilpa ‘Pfeife; jemand, der pfeift, Pfeifer’. Bei Ableitungen mit dem Suffix –ynė ist ein Wechsel der Wurzelintonation nicht üblich. Möglich ist, dass der Akut im Flussnamen Švilpynė durch die Akzentuierungsanalogie der abgeleiteten Verben švilpauti, švilpuoti, švilpiuoti ‘mit Unterbrechungen (gewöhnlich beim Ausführen einer Melodie) pfeifen; anhaltend, mit Unterbrechungen zwitschern’, des Substantivs švilpa o. Ä. entstanden ist. Das Hydronym könnte auch mit dem Verb lit. švilpti, –sta (?,) –o ‘einen hohen, schrillen Ton hervorbringen’ mit akuter Wurzel verglichen werden, doch ist sein Verbreitungsgebiet unklar; im LKŽe werden
³⁵ Vielleicht lagen dazu keine Daten vor.
³⁶ Der Name des Moores kann auch mit dem Personennamen Švilpa, Švilpà verglichen werden (Bilkis 2008: 86; siehe auch LVvGDB).
³⁷ Die Karte wurde von Petkutė und Pėstiniakaitė aufgenommen.
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nur sužvilpti Beispiele aus Ostlitauen. Das Hydronym liegt im Gebiet des südsamogitischen Raseiniai-Dialekts.
Am wahrscheinlichsten ist der Flussname Šuilpynė jedoch nicht mit dem Verb švilpti, sondern mit den Pflanzenbezeichnungen lit. švilpas ‘Schachtelhalm’ oder lit. švilpis, švilpis ‘Rohrkolben (Typha)’ zu verbinden; vgl. außerdem švilpūkas ‘Schachtelhalm’. Nach LKŽe sind die betreffenden Appellativa in den westlitauischen Dialekten bekannt (in der Umgebung von Alksnėnai, Geistarai (Rajon Vilkaviškis), Rusnė und Kintai (Rajon Šilutė)). In der Sprache der Memelländer ist auch der Litauismus die Schwilp (lit. švilpas) belegt: die Schwilp wächst am Haffrand [švilpai auga pamaryje] (siehe MLEe). Diese Etymologie wird auch durch die Motivation des Hydronyms stark gestützt – es wäre ein Fluss, in dem viele švilpai (švilpiai) wachsen. Hydronyme mit dem Suffix -ynė sind häufig mit Pflanzenbezeichnungen verbunden³⁸; vgl. die Flussnamen Ajerynė Jsv (: lit. ajeras ‘Sumpfpflanze mit langen, stark duftenden Blättern’, vgl. ajerynė), Lendrynė Vnd (: lit. lėndrė ‘Wasserpflanze aus der Familie der Süßgräser mit langem hohlem Stängel, Schilfrohr’, vgl. lendrynė), Traušynė Krp (: lit. traušis, traušys ‘Schachtelhalm’) (siehe Vanagas 1981: 36, 186, 347; 1970: 43–44; ferner siehe Vanagas 1981a: 90–94; LVŽ 1: 29–30). Die Verbindung mit den Appellativa (insbesondere mit švilpas) wird auch durch die konstante Betonung der Wurzel des Hydronyms und die akute Intonation bestätigt (siehe ferner Tamulaitienė 2020: 70).
Uršulis Fl. Skm. Das Hydronym Uršulis gilt als relativ neuer Name und wird mit dem Personennamen Uršulė verbunden, vgl. Uršulės kėlnės das Bett eines ausgetrockneten Baches (Vanagas 1981: 355; siehe auch Vanagas 1981a: 33)³⁹. Möglich ist jedoch eine Verbindung des Flussnamens Uršulis mit lit. uršti (urščia, uršia) ‘böse knurren; summen, brummen; zornig sein, brummen, murren; Lärm machen, brausen, donnern’, das auch in Ostlitauen belegt ist (siehe LKŽe), vgl. ferner lit. uršus, -i ‘böse, heftig, zornig; schnell’. Mit dem genannten Verb wird das Oronym Uršė Hügel. Jnš verbunden (Bartkutė 2007: 35–36)⁴⁰. Vermutlich sind auch die Ortsnamen Urša Wald, Bachwiese⁴¹ Žl (VK) solcher Herkunft. Die Motivation der Hydronyme wäre mit schnellem, geräuschvollem Wasserlauf o. Ä. verbunden, vgl. die Gewässernamen Ūrka Fl. Vnd, Ūrkis See Mrk, Ūrkupis Fl. Mrs, Ūrkupis Fl. Tl (: lit. urkioti ‘ständig lästig schelten, antreiben, quälen’, lett. urkt ‘knurren’), Trinkulis Fl., See Nmč (: lit. trinkėti ‘dröhnen, donnern’) (Vanagas 1981: 355, 348; 1981a: 115).
Man nimmt an, dass die Hydronyme Žadalis Fl. Šil, Žadikė || Žadikė || Žadikis || Žadikýš Fl. Pšš, Žadupys Fl. Aln hinsichtlich der Bedeutung ‘Lebhaftigkeit, Munterkeit der Strömung’ mit lit. žadinti ‘jemanden auffordern aufzustehen (gewöhnlich aus dem Schlaf), wecken’ verbunden werden können (Vanagas 1981: 395–396;
³⁸ Vanagas (1970: 43) hält die meisten Hydronyme mit dem Suffix –ynė für primär, aus suffixalen Appellativen entstanden. ³⁹ In einem früheren Werk wird der Name vom Personennamen Uršulis hergeleitet (Vanagas 1970: 48). ⁴⁰ Renata Endzelytė (2005: 140) verbindet das Oronym mit dem nicht belegten Personennamen *Uršys. ⁴¹ Der Bachname ist in LUEV und den Arbeiten A. Vanagas’ nicht belegt.
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1981a: 90). Aufgrund der Struktur der Gewässernamen spricht jedoch mehr dafür, sie nicht mit dem genannten Suffixverb, sondern mit lit. žadas ‘Stimme, Schall, Ton’ zu verbinden (siehe auch Tamulaitienė 2020: 87). In diesem Fall wäre die Motivation mit der Lautstärke, dem Lärm der Strömung o. Ä. verbunden, vgl. die Bedeutung des Appellativs žadas ‘Meeresrauschen’ Plng, den Flussnamen Girstupỹs || Girstupis Kn (: lit. gīrdas ‘Nachricht, Gerücht’, lit. gerdas ‘Ton, Nachricht, Gerücht’, lit. iš-girsti) (Vanagas 1981: 117; LVŽ 3: 209).
SCHLUSSFOLGERUNGEN
Die Gewässernamen Mirglonas || Mirglius Fl. NmŽ werden mit lit. mirgėti ‘mit flackerndem Licht leuchten, glänzen; sich bewegen, zittern, schillern, wobei Farben oder Licht und Schatten wechseln’ verbunden; die erweiterte Wurzel mirgl erlaubt jedoch, auch einen Vergleich mit lit. mirgla ‘jemand, der schlecht sieht, ein Kurzsichtiger’, lit. mirglinėti ‘blinzeln, die Augen zukneifen’, lit. mir̃glinti: „Mirglinti bedeutet, mit zusammengekniffenen Augen zu gehen“, in Betracht zu ziehen. Auch ein Zusammenhang der Flussnamen mit lit. mir̃glyti ‘fein regnen, nieseln’ ist nicht auszuschließen.
Der Zusammenhang des Seenamens Mūmelis G1 mit lit. mūmelis ‘stiller, schweigsamer Mensch, Schweiger; träger, unbeholfener Mensch’, lit. mūmas ‘Dummkopf; Stummer’ wirft wegen der Motivation und des Verbreitungsgebiets der Appellative Zweifel auf. Es ist zu erwägen, dass das Hydronym mit lit. mūmelė (dt. Mummel) ‘Teichrose (Nuphar)’ verglichen werden kann.
Es wird angenommen, dass der Gewässername Pasōdgiris Fl. KzR aus einem anderen Ortsnamen *Pasod-giris hervorgegangen ist. Die in der Zwischenkriegszeit erhobenen Namenkundedaten ermöglichen eine Präzisierung dieser Annahme und die Herleitung des Flussnamens aus dem Namen einer Wiese oder eines Moors Pasōdgiris.
Die Daten der Fragebögen des Ortsnamenkorpus zeigen, dass der Bachname Pātyralis Žr nicht von der Diminutivform *Tyralis des Wiesennamens Týrai oder Týras, sondern vom Namen des nahe gelegenen Waldes Tyralis abgeleitet ist.
Der Zusammenhang des Seenamens Piršėnas Blnk mit lit. prā–paršas, pra–peršà, pró–perša ‘nicht zugefrorene Stelle im Eis; lichte Stelle im Wald’ (< ide. *perḱ–/*pr̥ḱ–) ist überzeugend. Zu erwägen ist jedoch auch die Möglichkeit eines Zusammenhangs mit lit. (Pl.) piršys, piršės ‘Brust eines Pferdes’ < balt.-sl. *piršī– ‘Brust; Vorderseite’ < ide. *perḱ– ‘Rippe, Brust’ < *perk– ‘ebd.’.
Der Zusammenhang des Hydronyms Rūvelỹs Fl. Krš mit lit. rūvelis ‘böser Mensch, Betrüger; Heulsuse’ oder dem Personennamen Rūvelis ist zweifelhaft. Besser begründet ist die Möglichkeit, den Flussnamen aus lett. ru-vēties ‘sich beruhigen, verstummen, zur Ruhe kommen’ herzuleiten. Vorsichtig ist auch die Möglichkeit zu erwägen, dass das Hydronym aus lit. srūti, srūva ‘strömen, fließen’ entstanden ist.
Das Hydronym Skėrdynas Fl. Kv wird aus lit. *skerdynas ‘Schlachtung’ < lit. sker̃sti ‘Bäume fällen, Sträucher schneiden o. Ä.’ hergeleitet; die Akzentuierung des Flussnamens lässt jedoch erwägen, dass als Grundwort das Verb lit. skerdėti, –ėja (–i), –ėjo ‘knarren, bersten, dröhnen, splittern; aufplatzen, aufspringen (von der Haut)’ anzusehen ist. Die Hydronyme Skėrdžia Fl. Mlt, Skerdumà || Skerdūmė Fl. Krk, Skerdyksnà || Skerdiksnà || Skirdyksnà Fl. Pbrd könnten ebenfalls mit diesem Verb verbunden sein.
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Die früher aufgestellte Möglichkeit der Herleitung der Hydronyme Šeškėtis See Als, Šeškėtė Fl. Stlp, Šeškėtys || Šeškėtis Fl. Krš aus lit. šeškatis ‘Gabel mit gebogenen Zinken zum Schöpfen von Spreu’ lässt sich durch die Bedeutung des Appellativs ‘verzweigter Stock; gegabelter Stock zum Abstützen; spyrýs’ besser begründen.
Der Zusammenhang des Flussnamens Švilpynė Erž mit lit. švilpti ‘mit den Lippen, einer Pfeife oder etwas anderem einen Ton hervorbringen; anhaltend zwitschern; summend fliegen, durch die Luft schweben’ weckt Zweifel wegen des Unterschieds in der Intonation der Wurzel des Verbs und des Hydronyms. Wahrscheinlicher ist, dass der Gewässername aus lit. švilpas ‘Schachtelhalm’ oder lit. švilpis, švilpis ‘Rohrkolben (Typha)’ hervorgegangen ist.
Das Hydronym Uršulis Fl. Skm wird mit dem Personennamen Uršulė verbunden. Möglich ist jedoch auch ein Zusammenhang des Flussnamens mit lit. uršti ‘böse knurren; summen, brummen; zornig sein, brummen, murren; Lärm machen, brausen, donnern’.
Die Hydronyme Žadalis Fl. Šll, Žadikė || Žadikė || Žadikis || Žadikỹs Fl. Pšš, Žadupỹs Fl. Aln sind aufgrund ihrer Struktur eher nicht mit dem suffixalen Verb lit. žadinti ‘jemanden auffordern aufzustehen (gewöhnlich aus dem Schlaf), wecken’, sondern mit lit. žadas ‘Stimme, Schall, Ton’ zu verbinden.
OBJEKTŲ NUORODŲ IR KITI SUTRUMPINIMAI
a. – Alter a. p. – Akzentparadigma ar. – Acker, Ackerland avd. – Personenname b. – Moor balt. – Baltisches balt.-sl. – Baltisch-Slawisches dr. – Feld drp. – Torfmoor ež. – See gn. – Weide ide. – Indogermanisches ist. avd. – historischer Personenname k. – Dorf kln. – Berg kt. – andere, andere l. – Feld la. – Lettisches le. – Polnisches liet. – Litauisches ln. – Sumpf
m. – Jahr mš. – Wald pan. – ähnlich pl. – pluralis (Plural) plg. – vergleiche plk. – Moor ppr. – gewöhnlich pr. – Preußisches prvd. – Spitzname pv. – Wiese pvz. – zum Beispiel r. – Rajon rst. – Moor s. i. – Altindisches s. sl. – Altslawisches t. p. – ebenfalls up. – Fluss upl. – Bach vo. – Deutsches žr. – siehe
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LOKALIZACIJOS NUORODŲ SUTRUMPINIMAI
Ad – Adutiškis (Rajon Švenčionys) Al – Alytus Aln – Alantà (Rajon Molėtai) Als – Alsėdžiai (Rajon Plungė) An – Anykščiai Blnk – Balninkai (Rajon Molėtai) Brb – Balbieriškis (Rajon Prienai) Brž – Biržai Bsg – Baisógala (Rajon Radviliškis) Čln – Čiulėnai (Rajon Molėtai) Dbg – Dubingiai (Rajon Molėtai) Dbk – Debeikiai (Rajon Anykščiai) Di – Daujėnai (Rajon Pasvalys) Dkšt – Dūkštas (Rajon Ignalina) Ds – Dusetos (Rajon Zarasai) Dt – Dotnuvà (Rajon Kėdainiai) Erž – Eržvilkas (Rajon Jurbarkas) Gdž – Gudžiūnai (Rajon Kėdainiai) Gl – Gelgaudiškis (Rajon Šakiai) Grg – Gargždai (Rajon Klaipėda) Ign – Ignalina Imbr – Imbradas (Rajon Zarasai) Jnš – Joniškis JnšM – Joniškis (Rajon Molėtai) Jrb – Jurbarkas Jsv – Josvainiai (Rajon Kėdainiai) Kl – Kuliai (Rajon Plungė) Kln – Kel̃mė Klp – Klaipėda Kn – Kaunas Kpč – Kápčiamiestis (Rajon Lazdijai) Krk – Krãkės (Rajon Kėdainiai) Krp – Kruopiai (Rajon Akmenė) Krš – Kuršėnai (Rajon Šiauliai) Ktk – Kukt̃iškės (Rajon Utena) Kv – Kvėdarna (Rajon Šilalė) KzR – Kazlų Rūdà Kž – Kužiai (Rajon Šiauliai) Lb – Labguvà (Polessk; Oblast Kaliningrad)
Lbv – Liubãvas (Gemeindegebiet Kalvarija) Lkm – Liñkmenys (Rajon Ignalina) Lnkv – Linkuvà (Rajon Pakruojis) Lp – Lėipalingis (Gemeindegebiet Druskininkai) Mlt – Molėtai Mrk – Merkinė (Rajon Varėna) Mrs – Mirõslavas (Rajon Alytus) Nmč – Nemenčinė (Rajon Vilnius) Nmk – Nemãkščiai (Rajon Raseiniai) NmŽ – Žemaičių Naũmiestis (Rajon Šilutė) Onš – Õnuškis (Rajon Trakai) Pbrd – Pabradė (Rajon Švenčionys) Pkr – Pakruojis Plk – Plõkščiai (Rajon Šakiai) Pln – Plungė Plng – Palangà Pn – Panevežys Prnv – Pérnarava (Rajon Kėdainiai) Ps – Pasvalys Pšl – Pūšalotas (Rajon Pasvalys) Pšš – Pašùšvys (Rajon Radviliškis) Rd – Radviliškis Rdm – Rudaminà (Rajon Lazdijai) Rdš – Rūdiškės (Rajon Trakai) Rgv – Raguva (Rajon Panevėžys) Rk – Rõkiškis Rs – Raseiniai Rt – Rietãvas Sd – Sedà (Rajon Mažeikiai) Sem – Semeliškės (Gemeindegebiet Elektrėnai) Skm – Skiemõnys (Rajon Anykščiai) Slk – Sãlakas (Rajon Zarasai) Smal – Smãlvos (Rajon Zarasai) Srj – Seirijai (Rajon Lazdijai) Stč – Staciūnai (Rajon Pakruojis) Stlp – Stãlupėnai (Nesterow; Oblast Kaliningrad)
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Sug – Suginčiai (Rajon Molėtai) Šauk – Šaukėnai (Rajon Kelmė) Šd – Šeduva (Rajon Radviliškis) Škn – Šakyna (Rajon Šiauliai) Šl – Šiauliai Šll – Šilalė Šv – Švėkšna (Rajon Šilutė) Švnčl – Švenčionėliai (Rajon Švenčionys) Tj – Taujėnai (Rajon Ukmergė)
Tl – Telšiai Trš – Tryškiai (Rajon Telšiai) Tt – Tytuvėnai (Rajon Kelmė) Vdk – Viduklė (Rajon Raseiniai) Vnd – Vandžiogala (Rajon Kaunas) Vrn – Varėna Vžns – Vyžuonos (Rajon Utena) Žl – Želva (Rajon Ukmergė) Žml – Žeimelis (Rajon Pakruojis) Žr – Žarėnai (Rajon Telšiai)
LITERATŪRA
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Considerations on the Origin of Several Names of Lithuanian Rivers and Lakes
SUMMARY
Based on the analysis of the accentuation and motivation of hydronyms as well as their links with other toponyms, the article considers new or revises existing possibilities concerning the origin of several hydronyms, which have already been addressed in toponymic studies.
The hydronyms Mìrglonas || Mir̃glius (a river in Žemaičių Naumiestis) are linked with Lith. mirgėti ‘to shine, twinkle; to move, vibrate, sparkle with changing colours or light and shadows’, but the expanded root mirglentails a possibility of comparison with Lith. mir̃gla ‘someone who does not see well, a weak-sighted person’, Lith. mir̃glinėti ‘to look with the eyes partly closed, squint’, Lith. mir̃glinti ‘to go with the eyes partly closed’. The link between the river names and Lith. mir̃glyti ‘to rain lightly, drizzle’ should not be rejected as well.
The etymological connection between the lake name Mùmelis (Gelgaudiškis) and Lith. mùmelis ‘a silent, incommunicative, reserved person; a lazy, clumsy person’, Lith. mùmas ‘a silent, dumb person’ raises certain doubts as to the motivation and the distribution area of the appellatives. It is considered whether the hydronym could be related to Lith. mùmelė (Ger. Mummel) ‘Nuphar’.
Presumably, the hydronym Pasõdgiris (a river in Kazlų Rūda) derives from the name of another place *Pasod-giris. The data on proper names collected during the interwar period enable us to revise this assumption and to trace the river name to the meadow or marsh name Pasõdgiris.
The data from the Land Names Questionnaires show that the river name Pātyralis (Žarėnai) does not derive from the diminutive form *Tyralis of the meadow name Týrai or Týras but from the name of the nearby forest Tyralis.
The etymological link between the lake name Pir̃šenas (Balninkai) and Lith. prā-paršas, pra-peršà, pró-perša ‘an unfrozen crack in the ice; an open place in a forest’ (< IE *perḱ-/*pr̥ḱ-) is convincing. However, the possible link with Lith. (pl.) pir̃šys, pir̃šės ‘a horse’s chest’ < Balt.-Slav. *pirši- ‘chest; front’ < IE *perḱ- ‘rib, chest’ < *perḱ- ‘idem’ is worthy of consideration.
The connection between the hydronym Rūvel̃ys (a river in Kuršėnai) and Lith. rūvelis ‘an angry person, cheat; weeper’ or the personal name Rūvelis is doubtful. The possibility of tracing it to Lat. ruvēties ‘to calm down, become quiet’ is more likely. We can carefully consider that the hydronym may have originated from Lith. srūti, srūva ‘to trickle, flow’.
The hydronym Skérdynas (a river in Kvėdarna) is traced to Lith. *skerdynas ‘slaughter’ < Lith. sker̃sti ‘to slaughter, disembowel’, but the accentuation of the river name allows us to consider the Lithuanian verb skerdėti, -ėja (–i), -ėjo ‘to crack, chap; to get chapped (about
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skin)’ to be the base word. The hydronyms Skėrdžia (a river in Molėtai), Skerdumà || Skerdùmė (a river in Krakės), Skerdyksnà || Skerdiksnà || Skirdyksnà (a river in Pabradė) may also be etymologically related to the latter verb.
The possibility of tracing the hydronyms Šėkštis (a lake in Alsėdžiai), Šėkštė (a river in Stalūpėnai), Šėkštỹs || Šėkštis (a river in Kuršėnai) to Lith. šėkštis ‘a fork with hooked prongs for raising chaff’, which has previously been raised, is further supported by the meanings of the proper name ‘a branched pole; a forked pole for propping up something; prop’.
The link between the river name Šuilpynė (Eržvilkas) and Lith. šuil̃pti ‘to produce sound by lips, a whistle or in another way; to chirp continuously; to move quickly through the air with a whistling sound’ raises doubts as to the difference between the root accent of the verb and the hydronym. It is more likely that the hydronym derives from Lith. šuil̃pas ‘horsetail’ or Lith. šuil̃pis, šuil̃pis ‘Typha’.
The hydronym Uršùlis (a river in Skiemonys) is associated with the personal name Uršūlė. However, the link between the river name and Lith. ur̃šti ‘to growl angrily; to buzz, hum; to be angry, grumble; to raise noise, bluster, din’ is also possible.
Due to their structure, there are more grounds to associate the hydronyms Žadãlis (a river in Šilalė), Žãdikė || Žãdikė || Žãdikis || Žãdikỹs (a river in Pašusvys), Žadupỹs (a river in Alanta) with Lith. žãdas ‘voice, speech, sound’ rather than the prefixed Lithuanian verb žadinti ‘to wake someone up’.
Įteikta 2021 m. spalio 18 d.
DOVILĖ TAMULAITIENĖ
Lietuvių kalbos institutas
Petro Vileišio g. 5, LT-10308 Vilnius, Lietuva
[email protected]
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