Page 1LIETUVIŲ KALBOTYROS KLAUSIMAI, III LIETUVOS TSR MOKSLŲ AKADEMIJA
Aus der Geschichte des Wörterbuchs „DICTIONARIUM TRIUM LINGUARUM“ von K. ŠIRVYDAS
K. PAKALKA
K. Širvydas ist ein Begründer der litauischen Lexikografie. Vor dem Erscheinen von Širvydas’ „Dictionarium trium linguarum“ lassen sich bescheidene Anfänge der litauischen Lexikografie in litauischen Glossen1 erkennen, die sich in nichtlitauischen und den ersten litauischen Schriften finden. Einige litauische Glossen2 finden sich in den Chroniken des Großfürstentums Litauen, in auf Russisch verfassten Gutsinventaren sowie in Schriften auf Latein, besonders aber auf Polnisch. Dazu zählen Bezeichnungen für Gebrauchsgegenstände, Personennamen, verschiedene Wendungen und Wortverbindungen, mythologische Namen und Ähnliches. Ein Dutzend mythologischer Namen mit Erläuterungen findet sich in M. Strijkovskis „Chronik von Polen, Litauen und Samogitien…“, die 1582 veröffentlicht wurde. Auch die in nichtlitauischen Schriften überlieferten, entstellten litauischen Wörter und Wendungen sind für die Sprachwissenschaft von Bedeutung.
Viele und ihrer Art nach vielfältige lexikalische Glossen finden sich in J. Bretkūnas’ Bibelübersetzung (1579–1590). Da der Autor das Original mit großer Sorgfalt und Genauigkeit zu übersetzen suchte, entstanden Glossen, die den Wortschatz der Übersetzung beträchtlich bereicherten. Einen Teil der Glossen trugen auch die Geistlichen in das Übersetzungsmanuskript ein, die die Arbeit des Übersetzers überprüften.
Die Glossen in J. Bretkūnas’ Manuskript sind ihrer Art nach vielfältig: Einige stehen am Rand, andere im Text selbst; an manchen Stellen werden Synonyme angeführt, an anderen Lehnwörter mit litauischen Wörtern erklärt und umgekehrt. Andernorts wird ein einzelnes Wort mit einer litauischen, mitunter auch deutschen Wendung erläutert und umgekehrt – eine litauische Konstruktion durch eine andere.
Ähnliche Glossen kommen auch in M. Daukšas kleinem, aus dem Polnischen übersetztem Katechismus von 1595 vor. In den Rändern dieses Katechismus stehen etwa 190 lexikalische Glossen3.
Die Glossen von J. Bretkūnas und M. Daukša sind Elemente eines Übersetzungs- und Erklärungsglossars.
Ein bedeutender Vertreter des litauischen Schrifttums zu Beginn des 17. Jahrhunderts und guter Kenner der litauischen Sprache, K. Širvydas, erstellte ein eigenständiges lexikografisches Werk, in dem die Wörter alphabetisch geordnet und mit Erläuterungen versehen sind. Sein „Dictionarium trium linguarum“ erschien
1Als Glosse verstehen wir eine vom Autor oder Herausgeber vorgenommene Erläuterung eines unverständlichen Wortes oder einer Wendung am Rand oder zwischen den Zeilen eines Textes (meist eines alten Textes).
2Einen Teil der Auszüge mit solchen Glossen veröffentlichte K. Jablonskis in dem Buch „Lietuviški žodžiai senosios Lietuvos raštinių kalboje“, Kaunas, 1941.
3Näheres zu den Glossen in Daukšas Katechismus siehe J. Kruopos Aufsatz „Leksiniai paralelizmai Daukšos Katekizmo (1595) kalboje“, der in dieser Publikation erscheint.
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Page 21629, bereits 82 Jahre nach dem Erscheinen des ersten litauischen Buches in Ostpreußen und 34 Jahre nach dem Katechismus von Daukša – dem ersten litauischen Druckwerk, das in Litauen erschien. Das Wörterbuch von K. Širvydas war das erste gedruckte Werk der litauischen Lexikografie. In Ostpreußen trat erst 101 Jahre später F. V. Hakas hervor, der für religiöse Zwecke ein wesentlich kürzeres deutsch-litauisches und litauisch-deutsches Wörterbuch herausgab.
Širvydo žodyno ir „Punktų sakymų“ (1629, 1644) pasirodymas betarpiškai susijęs su Vilniaus jėzuitų akademijos, įsteigtos 1579 m., veikla. Tuo metu vykdoma katalikybės propaganda, nukreipta prieš reformaciją, buvo pagrindinis veiksnys, skatinęs leisti lietuviškas knygas.
Der im öffentlichen Leben geringgeschätzten litauischen Sprache wurden an der Vilniuser Akademie bestimmte Rechte zuerkannt; man begann, sie zu fördern. „An der Akademie wurde festgelegt, dass Studenten, die Litauisch beherrschten, üben sollten, ihre Predigten auf Litauisch zu halten“4.
Offenbar gab es an der Akademie auch zahlreiche Litauer, denn dort war seit 1620 ein Lehrstuhl für litauische Sprache eingerichtet, dessen Leiter wohl Širvydas war5.
Als Širvydas an der Vilniuser Jesuitenakademie Theologie und litauische Sprache lehrte und lange Zeit in den Vilniuser Kirchen auf Litauisch predigte, erkannte er, dass Werke in litauischer Sprache veröffentlicht werden mussten (darunter ein Wörterbuch der litauischen Sprache), die den Zöglingen der Akademie und anderen Geistlichen, die Litauisch nicht hinreichend beherrschten, für die Verbreitung der Religion dienen konnten. Er wusste, dass religiöse Werke in einer ausdrucksvollen und expressiven Muttersprache verfasst werden mussten. Dies zeigt sich teilweise in dem lateinischen Sechszeiler auf der Rückseite des Titelblatts seiner „Punktų sakymų“, der mit den Worten beginnt:
„Geh, Buch, und strecke den Stachel des heiligen Wortes aus, durchbohre die Herzen im litauischen und polnischen Land …“
Auch das Beispiel von Širvydas’ Altersgenossen M. Daukša, der in Vilnius einen Katechismus und eine Postille herausgegeben hatte, drängte und ermutigte zur Veröffentlichung litauischer Bücher. Zweifellos waren Širvydas Daukšas Werke und die berühmten Worte aus dem Vorwort seiner Postille bekannt: „Obwohl, um die Wahrheit zu sagen, kaum jemand von uns, besonders unter den Vornehmeren, die polnische Sprache nicht beherrscht und nicht polnisch verfasste Predigten lesen kann, gibt es meiner Meinung nach dennoch vor allem viele, die kein Polnisch verstehen oder nur wenig davon können. Ich weiß, wie alle Völker die in ihrer Muttersprache verfassten Werke schätzen, lieben und hochhalten (deshalb, so glaube ich, haben sich auch alle Völker daran gemacht, Bücher aus anderen Sprachen in ihre eigenen zu übersetzen), …“6
Diese Worte von M. Daukša, die dazu aufriefen, die Muttersprache und die in ihr verfassten Werke zu achten und Bücher aus anderen Sprachen zu übersetzen, fanden auch in Širvydas’ Wirken Widerhall. Auch er äußerte sich in der polnischen Vorrede zu den „Punktų sakymų“ gegenüber dem Leser ganz ähnlich: „Und lateinische wie auch Bücher in anderen Sprachen gibt es bereits in großer Zahl, doch litauische Bücher, die für die Rettung der Menschenseelen so notwendig sind, gibt es außerordentlich wenige“7.
Die angeführten Worte sowie auch jene aus dem Vorwort „Ad Studiosam Iuventutem“ des „Dictionarium trium linguarum“, in denen der Gedanke zum Ausdruck kommt, dass man sich mit einem Wörterbuch … gleichsam als Wegweiser einen ebenen Weg zu den höchsten Gipfeln der Poesie und der geistlichen Beredsamkeit bahnen kann-
4 Geschichte der Litauischen SSR, 1, 298, Vilnius, 1957.
5 J. Lebedys, K. Širvydas. — Literatur und Kunst, Nr. 35, 1956.
6 Chrestomathie zur Geschichte der litauischen Literatur, 65, Vilnius, 1957.
7 K. Szyrwyd, Przedmowa do czytelnika, — Kn., Punkty Kazań, Wilno, MDC XXIX.
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Page 3… in ihnen verborgenen Schätzen der lateinischen Sprache8 zeigt, dass Širvydas die große Notwendigkeit litauischer Bücher und insbesondere eines Wörterbuchs gut verstand.
Die vorhandenen polnisch-lateinischen und lateinisch-polnischen Wörterbücher konnten den Zöglingen der Vilniuser Akademie nicht genügen. Für den Gebrauch der Akademiezöglinge veröffentlichte K. Širvydas 1629 sein berühmtes „Dictionarium trium linguarum“ und bahnte damit bereits zu Beginn des XVII. Jahrhunderts der litauischen Lexikografie den Weg.
Širvydas’ Wörterbuch erlebte mehrere Auflagen. Anhand der erhaltenen Exemplare des Wörterbuchs von Širvydas, ihrer Titelblätter und Vorreden sowie der Angaben von Bibliografen wurde festgestellt, dass „Dictionarium trium linguarum“9 fünf Auflagen hatte: I — 1629, II — 1631, III — 1642, IV — 1677, V — 1713. Exemplare aller Auflagen außer der zweiten sind bis heute erhalten geblieben.
Der erste Bibliograf Širvydas’, der Jesuitenhistoriker A. Alegambė (XVII. Jh.), erwähnte Širvydas’ Wörterbuch in seinem Werk „Bibliotheca Scriptorum Societatis Iesu“ (1642), ebenso wie der spätere Jesuitenhistoriker St. Rostovskis (XVIII. Jh.) in seiner Arbeit „Lituanicarum Societatis Iesu Historiarum“ (1768); nähere Auskünfte über die Auflagen und ihre Erscheinungsjahre gaben sie jedoch nicht. Daher lässt sich anhand ihrer Angaben schwer sagen, welche SzDi-Auflagen ihnen bekannt waren (Alegambė könnten nur die ersten drei Auflagen bekannt gewesen sein, Rostovski hingegen alle).
Ein erhaltenes Exemplar der ersten Auflage, die noch zu Lebzeiten des Autors erschien, war lange Zeit unbekannt. Der polnische Bibliograf F. M. Sobieščianskis schrieb: „Von all diesen Auflagen sind die erste und die zweite spurlos verschwunden — sie befinden sich in keiner der bislang bekannten Bibliotheken. Wahrscheinlich kennt man nicht einmal das Druckjahr der ersten Auflage“10. Auch der andere polnische Bibliograf M. Stankievičius wusste nichts von der ersten Auflage: „Die erste Auflage kennen wir überhaupt nicht; keine Bibliothek besitzt sie“11. Ebenso kannten andere, die über Širvydas und seine Werke schrieben (J. Kraševskis, A. Balinskis, Ad. Jocheris, L. Jucevičius, Kajet. Nezabitauskas, P. Kėpenas und andere), nur die letzten drei, meist jedoch nur zwei Auflagen. Die Literaten des XIX. Jahrhunderts D. Poška, S. Valiūnas und A. Klementas sowie, hundert Jahre später, E. Volteris verwechselten die Auflagen des Wörterbuchs, da ihnen die Erscheinungsjahre der ersten SzDi-Auflagen unbekannt waren. Der polnische Bibliograf St. Estreicher erklärte in seiner Bibliografie zu Beginn des XX. Jahrhunderts, dass die Existenz des Originals der ersten Auflage zweifelhaft sei12.
Ein bis dahin von niemandem erwähnter Band der ersten SzDi-Auflage wurde vom russischen Literaturhistoriker A. Orlov in der Bibliothek der Moskauer Synodaldruckerei gefunden. Darüber schrieb er: „… durch ihre Seltenheit zeichnen sich … Širvydas’ polnisch-lateinisch-litauische Wörterbücher aus: 4 Exemplare der dritten Auflage (1642) und 1 Exemplar der zweiten oder ersten Auflage (Hervorhebung von uns — K. P.)“13. Diese Nachricht Orlovs über die erste SzDi-Auflage wurde drei Jahre später von einem weiteren russischen Literaturhistoriker — V. Pogorielovas, einem Kollegen der Sprachwissenschaftler F. Fortunatov und V. Porėzinsk-
8 Constantino Szyrwid, Ad Studiosam Iuventutem, Dictionarium trium linguarum, Tertia editio, Vilnae, MDC XLII.
9 Im Folgenden bezeichnen wir „Dictionarium trium linguarum“ mit der Abkürzung SzDi.
10 F. M. Sobieszczański, Szyrwid Konstanty, — Encyklopedyja powszechna, 24, 876, Warszawa, 1867.
11 M. Stankiewicz, Bibliografia Litewska, od 1547 do 1701 r., 36, Kraków, 1889.
12 St. Estreicher, Bibliografia Polska, Część III, Tom XIX, 338, Kraków, 1934.
13 Библиотека Московской Синодальной Типографии, часть первая — рукописи, выпуск первый, сборники, описатель Александр Орлов, III, Москва, 1896.
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Page 4… umfassender informiert. Er schrieb: „Ebenso ist die Zusammenfassung des Wörterbuchs von Knapski eine Zusammenfassung von Širvydas’ polnisch-lateinisch-litauischen Wörterbüchern, obwohl sie den erwähnten Ausgaben der Synonima (Knapskis Thesaurus — K. P.) nicht ganz gleichen: In der Bibliothek befinden sich Exemplare von drei Ausgaben dieser (Širvydas’) Wörterbücher: 1) Ein Exemplar ohne Anfang und Titelblatt, wahrscheinlich ein Exemplar der ersten Ausgabe, die, soweit bekannt, 1629 erschien …“14. Nach diesen Worten fügte der Autor in einer Fußnote auf der Seite noch eine für die erste Ausgabe bedeutsame Bemerkung hinzu: „Offenbar ist dies das einzige erhaltene Exemplar der ersten Ausgabe. Diese Angaben über die erste Ausgabe mache ich nach den Hinweisen von Fortunatov und Poržežinskij“15. Offenbar erwähnte V. Biržiška, der Herausgeber der „Litauischen Bibliographie“, 1924 auf Grundlage dieser Angaben das Exemplar der ersten Ausgabe16. Danach blieb das Schicksal des Exemplars der ersten Ausgabe wieder lange Zeit unbekannt. Vielleicht schenkte niemand ihm Beachtung, weil es von Bibliothekaren, die kein Litauisch konnten, mit dem irreführenden Titel „Лексикон голандско латинский без начала и конца“ versehen worden war (vgl. die handschriftliche Notiz oben auf Blatt 10 des Originalwörterbuchs).
1957 fand Prof. K. Jablonskis das von Orlov erwähnte Exemplar der ersten Ausgabe im Zentralen Staatlichen Archiv für historische und alte Akten in Moskau, dem die Bestände der ehemaligen Moskauer Synodalbibliothek zugefallen waren. Fotokopien des Originals befinden sich in den Handschriftensammlungen des Instituts für Litauische Sprache und Literatur der Akademie der Wissenschaften der Litauischen SSR sowie der Staatlichen Universität Vilnius V. Kapsukas.
Dass Širvydas der Autor dieses Exemplars ohne Titelblatt, Anfang und Ende ist, bezeugen die mit der dritten, vierten und fünften Ausgabe von SzDi sowie mit den „Punktai sakymų“ übereinstimmenden phonetischen, grammatischen und lexikalischen Merkmale. Zwar ist der Umfang des erwähnten SzDi-Exemplars geringer als der des Exemplars der dritten Ausgabe. Dieser Umstand hängt jedoch mit den unterschiedlichen Quellen zusammen, die für den polnischen und den lateinischen Teil der ersten und der dritten Ausgabe von SzDi verwendet wurden. Für die mutmaßliche erste Ausgabe wurde ein Teil der 1623–24 erschienenen Ausgabe von N. Folkmars Wörterbuch verwendet, die unter dem Namen B. A. Fontano als „Dictionarii Quadrilinguis Latino germanopolonograeci Editio Quarta Polonicolatina“17 herauskam, für die dritte Ausgabe hingegen G. Knapskis „Thesaurus“ (1621).
Da auch Angaben über die zweite Ausgabe von SzDi fehlen und das Exemplar der erwähnten Ausgabe kein Titelblatt und keinen Anfang aufweist, kann es nicht endgültig der ersten Ausgabe zugeschrieben werden. Sicher ist nur, dass es zu den Exemplaren einer der beiden ersten Ausgaben von SzDi gehört. Bis neue Angaben über die ersten Ausgaben auftauchen, bleibt dieses bibliographische Problem ungeklärt. Unter Berücksichtigung des Umfangs des erhaltenen unvollständigen SzDi-Exemplars, der bibliographischen Tradition und weiterer Umstände werden wir es vorläufig als Exemplar der ersten Ausgabe ansehen.
Mažai ką galima pasakyti apie antrąjį (1631) leidimą. Apie jo pasirodymą vienintelę žinią randame trečiojo leidimo (1642) pratartyje, kur rašoma: „Šį trijų kalbų žodyną į šviesą išleido 1631 m. Vilniaus akademijos spaustuvė“.
14 Bibliothek der Moskauer Synodaldruckerei, erster Teil — Handschriften, zweite Lieferung, Sammelbände und Lexika, beschrieben von Valerij Pogorelov, Moskau, 102, 1899.
15 Ebenda, 103.
16 V. Biržiška, Lietuvių bibliografija, 1, 21, Kaunas, 1924.
17 Näheres zur Quelle des polnisch-lateinischen Teils der ersten Ausgabe von SzDi siehe K. Pakalka, Dėl K. Širvydo „Dictionarium trium linguarum“ lenkiškosios dalies šaltinio. — Lietuvos TSR Mokslų akademijos darbai, A 1 (8), 229—233, Vilnius, 1960.
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Page 5Vom zweiten Druck ist kein einziges Exemplar bekannt, und kein Bibliograf erwähnt ihn. Vielleicht gehört das Exemplar, das wir bedingt der ersten Ausgabe zugeordnet haben, zur zweiten Ausgabe. Bemerkenswert ist, dass in den Anmerkungen zu L. Rėzas „Dainos“ ein Exemplar der SzDi-Ausgabe von 1631 erwähnt wird, aus dem auf S. 20 das Wort „Bojarzyn. Nobilis inferioris ordinis“18 zitiert wird. Bislang haben wir jedoch keinen Grund, es für ein Exemplar der zweiten SzDi-Ausgabe zu halten, denn das zitierte Wort könnte möglicherweise der dritten SzDi-Ausgabe (1642) entnommen worden sein (in der dritten Ausgabe steht das Wort „Bojarzyn. Nobilis inferioris ordinis. Baioras“ auf S. 20, in der vierten auf S. 14 und in der fünften auf S. 17). Falls L. Rėza sich bei der Angabe des Erscheinungsjahrs des Wörterbuchs tatsächlich nicht geirrt hat, war die von ihm erwähnte SzDi-Ausgabe von 1631 bereits ebenso umfangreich wie die SzDi-Ausgabe von 1642.
Das rasche Erscheinen der zweiten Ausgabe lässt sich vielleicht teilweise damit erklären, dass dem Autor schon die erste Ausgabe ihrem Umfang nach unzureichend erschien, oder aber damit, dass die geringe Auflage der ersten Ausgabe ausverkauft war oder in Kriegen und Bränden zugrunde ging. Man kann annehmen, dass Širvydas an der Vorbereitung der Ausgabe von 1631 beteiligt gewesen sein könnte, da er im selben Jahr starb.
Da die Titelseiten der ersten Ausgabe nicht erhalten geblieben sind und kein Exemplar der zweiten Ausgabe bekannt ist, wissen wir nichts über die Wörterbuchartikel und Vorreden dieser Ausgaben.
Prof. J. Balčikonis linkęs manyti, kad Širvydo žodyno pirmasis leidimas (1629) buvęs pavadintas „Clauis linguae Lithuanicae“. Jis savo prielaidą grindžia tuo, kad pavadinimu clauis buvo mada vadinti ne tik gramatikas, bet ir žodynus (pvz., Clauis linguae Latinae Basileae 1716)19.
Es gibt keinen Grund, den von Bibliografen erwähnten Titel „Clauis linguae Lithuanicae“ von Širvydas als Titel der ersten Wörterbuchausgabe anzusehen, denn die Jesuitenhistoriker Alegambė und Rostovskis sowie die später von ihnen übernommenen Angaben anderer Bibliografen führen drei Werke Širvydas’ gesondert auf: „Clauis linguae Lithuanicae“, „Dictionarium“, „Puncta“. Da im Sachregister des Buches „Bibliotheca Scriptorum Societatis Iesu“ von Alegambė kein gesonderter Abschnitt für Wörterbücher vorhanden ist, führt er sowohl Širvydas’ Wörterbuch als auch seine Grammatik im selben Abschnitt „Grammatica“ an.
Die Jesuitenhistoriker Alegambė und Rostovskis bezeichneten Širvydas’ Wörterbuch nach der Reihenfolge der darin vertretenen drei Sprachen als „Dictionarium trium linguarum“. Nur Alegambė setzt in der Überschrift das Lateinische von der zweiten an die erste Stelle. In seinem Buch „Bibliotheca Scriptorum Societatis Iesu“ (1642, S. 84) nennt er Širvydas’ Wörterbuch „Dictionarium—Latino—Polono—Lithuanicum“. Vielleicht wurde die erste SzDi-Ausgabe so bezeichnet, falls Alegambė sich hier nicht geirrt hat. Rostovskis nennt das Wörterbuch in seinem Werk „Lithuanicarum Societatis Iesu Historiarum“ (1768, S. 467) „Dictionarium Polono—Latino—Lithuanicū“.
Es ist nicht bekannt, wie der Autor selbst die erste und die zweite Wörterbuchausgabe nannte. Es gibt Grund zu der Annahme, dass der Titel „Dictionarium trium linguarum“ lautete, denn im Vorwort zur dritten SzDi-Ausgabe heißt es: „Dictionarium hoc trium linguarum (von uns hervorgehoben — K. P.) Vilnae Typis Academicis Anno 1631 in lucem proderat...“. Demnach lässt sich annehmen, dass auch die Ausgabe von 1631 (II) so betitelt war
18 Dainos oder Litthauische Volkslieder gesamelt, übersetzt und mit gegenüberstehenden Urtext herausgegeben von L. I. Rhesa, 310, Königsberg, 1825.
19 J. Balčikonis, Otrembskis’ litauische Texte. — „Literatūra ir menas“, Nr. 15, 1957.
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Page 6„Dictionarium trium linguarum“ genannt. Es ist schwer zu glauben, dass der Titel der ersten Ausgabe desselben Autors anders gelautet haben sollte als der der zweiten und der späteren Ausgaben.
Da Širvydas’ Wörterbuch Wörter aus drei Sprachen parallel erläuterte, erhielt es die übliche Bezeichnung für dreisprachige Wörterbücher des 15.–17. Jahrhunderts: „Dictionarium trium linguarum“20.
Offenbar folgte Širvydas nicht dem Beispiel jener Lexikografen21, die in ihren Wörterbüchern auch die Sprachen nannten, aus denen die Wörter zusammengestellt waren. Auch den Titel „Thesaurus“ von G. Knapskis übernahmen weder Širvydas noch die Fortsetzer seines Werks, obwohl die dritte SzDi-Ausgabe auf Grundlage des Wörterbuchs von G. Knapskis zusammengestellt wurde.
Trečiojo leidimo (1642) egzemplioriai yra taip pat reti ir ilgai nebuvo žinomi. Apie vieną defektuotą trečiojo leidimo egzempliorių laikraštyje „Виленский Вестник“ (1861) buvo rašoma, kad ligi šiol bibliografams buvęs žinomas tik ketvirtasis ir penktasis SzDi leidimo egzempliorius. Pirmųjų trijų leidimų originalai tuo metu nebuvę rasti nei Rusijoje (Peterburgo dvasinėje akademijoje, kuriai atitekusios buvusios Vilniaus jėzuitų akademijos biblioteka, nei Kijevo universiteto lenkiškų leidinių labai turtingoje bibliotekoje, nei Charkovo, kur pervežta Vilniaus universiteto bibliotekos dalis, nei pagaliau Karaliaučiuje, kur visada klestėjęs lietuvių kalbos studijavimas), nei užsienio bibliotekose. Tik paskiau Peterburgo viešojoje imperatorinėje bibliotekoje, be ketvirtojo ir penktojo leidimo, pavykę surasti defektuotą (trečiojo leidimo) egzempliorių, kurį iš karto buvę sunku identifikuoti. Pagaliau iš Oksfordo Bodlėjaus bibliotekos spausdinto katalogo pavykę sužinoti, kad ten esąs egzempliorius yra 1642 m. leidimo, t. y. trečiojo leidimo. Gavus iš Oksfordo detalių šio egzemplioriaus aprašymą, buvę nustatyta, kad Peterburge esantis žodynas yra trečiojo leidimo egzempliorius22. Šis Peterburgo viešosios imperatorinės bibliotekos egzempliorius Orlovui nebuvo žinomas. (Jis Maskvos sinodalinės tipografijos bibliotekoje surado keturis trečiojo leidimo egzempliorius.)23
Im Zentralen Staatlichen Archiv für historische und alte Akten in Moskau, in das die Bücher der ehemaligen Bibliothek der Moskauer Synodaldruckerei gelangten, sind bislang nur drei Exemplare der dritten SzDi-Ausgabe aufgefunden worden. Eines dieser Exemplare übergab das Zentrale Staatliche Archiv für historische und alte Akten in Moskau vor Kurzem dem Zentralarchiv der Litauischen SSR. Ein Exemplar der dritten SzDi-Ausgabe, das sich einst in der Bibliothek der Moskauer Synodaldruckerei befand, ist noch nicht gefunden worden (es könnte in die Abteilung für beschädigte Bücher gelangt sein, deren Katalogisierung und Identifizierung im Archiv noch nicht abgeschlossen ist).
Außerdem werden in der „Geschichte der alten litauischen Bücher“ noch zwei Exemplare der dritten Ausgabe erwähnt, von denen sich eines angeblich in England in der Bodleian Library in Oxford befindet—
20 Wörterbücher mit diesem und ähnlichem Titel waren beliebt, zum Beispiel: Dictionarium trium linguarum Cracoviae, 1550; Dictionarium trium linguarum Joanis Murmeli Cracoviae apud haered Iac. Siebeneycher, 1615.
21 Nicolao Volkamaro „Dictionarium Trilinguae Tripatitum Ad Discendam Linguam Latinam Polonicam Et Germanicam accommodatum...“ MDXCVI; ein anderer Autor nannte sein Wörterbuch „Dictionarius trium linguarum: Latine, Teutonice et Polonice, petiora vocabula continens“ (1528, 1541, 1592).
22 Anmerkungen zu den ältesten Vilniuser Ausgaben in litauischer Sprache, Vilenskij Vestnik, Nr. 60, 1861.
23 Bibliothek der Moskauer Synodaldruckerei, Teil eins — Handschriften, erstes Heft, Sammelbände, Bearbeiter Alexander Orlov, III, Moskau, 1896.
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Page 7…othek, ein anderer wurde 1930 in Finnland, in der Bibliothek der Universität Helsinki, gefunden24.
Širvydo žodyno ketvirtasis (1677) ir penktasis (1713) leidimas daugeliui bibliografų buvo gerai žinomi, išlikusių egzempliorių yra daugiau ir dabar25. Tikriausiai, paskutiniai leidimai buvo leidžiami didesniu tiražu.
Die dritte, vierte und fünfte Ausgabe von SzDi wurden bereits durch das Bemühen der Nachfolger Širvydas gedruckt. Sie nannten sich nirgends als Herausgeber.
Die Überschriften und Titelseiten der letzten drei Ausgaben (III — V) sind identisch. Auf die Wörterbuchüberschrift „Dictionarium trium linguarum“ folgen die Worte „In usum Studiosae Iuventutis“ (Zum Gebrauch der studierenden Jugend). Diese Worte bringen kurz den Zweck des Wörterbuchs zum Ausdruck, der im Vorwort des Wörterbuchs „Ad Studiosam Iuventutem“ (An die studierende Jugend) ausführlicher beschrieben wird.
Name, Familienname und Titel des Verfassers sind vollständig angegeben: „Auctore Constantino Szyrw id e Societate Iesu“ (Verfasser Konstantinas Širvydas — Mitglied der Gesellschaft Jesu). In der vierten und fünften Ausgabe fügten die Herausgeber dem Familiennamen des Verfassers die Großbuchstaben R. P. hinzu. Sie bedeuten „Reverendi Patris“ (Hochwürdigen Vaters). Daraus lässt sich schließen, dass Širvydas wahrscheinlich noch an der Vorbereitung der dritten SzDi-Ausgabe beteiligt war, denn andernfalls wären die genannten Buchstaben auch in der dritten Ausgabe vorhanden gewesen. Unter dem Familiennamen des Verfassers befindet sich in der Mitte der Titelseite das Zeichen der Jesuitendruckerei. Das Druckereizeichen der dritten SzDi-Ausgabe bildet ein Rechteck, in dessen Ellipse sich ein Anker befindet. Der Anker endet in einer Kreuzform, in die die Buchstaben X und P eingefügt sind. Unten halten aus Wolken ragende Hände den Anker. Über den Händen stehen auf der rechten Seite der Mond, auf der linken die Sonne. In die Ellipse sind die Worte „Concordia fida“ (Verlässliche Eintracht) eingetragen. Am Haken des Ankers steht ebenfalls die Inschrift „Anchora Sacra Deus“ (Gott, der heilige Anker). Das Druckereizeichen der vierten Ausgabe ist dem der dritten fast gleich. Auch das Druckereizeichen der fünften Ausgabe hat eine rechteckige Form — innen, im Oval, stehen die Buchstaben IHS; zu beiden Seiten des Ovals sind die Figuren kniender Engel eingraviert. Unter dem Druckereizeichen der genannten Ausgaben befindet sich die Druckgenehmigung „Cum Superiorum permissu editum“ (Mit Genehmigung der Oberen herausgegeben). Auf die Genehmigung folgen die Worte „Tertia editio recognita et aucta“ (Dritte durchgesehene und erweiterte Ausgabe), „Quarta editio recognita et aucta“ (Vierte durchgesehene und erweiterte Ausgabe), „Quinta editio recognita et aucta“ (Fünfte durchgesehene und erweiterte Ausgabe). Am unteren Rand der Titelseiten sind der Druckort (Vilnae), die Druckerei (Typis Academicis Societatis Iesu) und das Druckjahr (Anno Domini M. DC. XLII., M.DC.LXXVII, M.DCC.XIII) angegeben. Auf der Rückseite des Titelblatts ist in größerer Schrift eine auf Latein verfasste, besondere Druckgenehmigung abgedruckt, die „Summa privilegii“ heißt. Diese „Summa privilegii“ verlieh dem Rektor der Jesuitenakademie Vilnius das Monopolrecht, das Wörterbuch zu drucken und zu verkaufen. Die litauische Übersetzung der „Summa privilegii“ lautet: „Niemand soll dieses Wörterbuch in zwei oder drei Sprachen drucken, verkaufen, den Verkauf oder Druck versuchen, unter Berufung auf irgendeinen Vorwand und ohne die Zustimmung des hochwürdigen Vaters Rektors der Gesellschaft Jesu in Vilnius, unter-“
24 V. Biržiška, Senųjų lietuviškų knygų istorija, 1, 180, Chicago, 1953.
25 Allein in der Abteilung für seltene Drucke der Zentralbibliothek der Akademie der Wissenschaften der Litauischen SSR befinden sich 12 Exemplare der fünften Ausgabe; im Handschriftenbestand der wissenschaftlichen Bibliothek der Staatlichen Universität Vilnius namens V. Kapsukas befinden sich 6 Exemplare.
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Page 8…stimmung. Andernfalls wird man aufgrund der Privilegien bestraft, die von der heiligen königlichen Majestät verliehen wurden.“ Die „Summa privilegii“ ist in allen drei letzten Ausgaben gleich.
Eine kurze Inhaltsangabe des SzDi-Wörterbuchs26 findet sich auf den Titelseiten; all dies wird jedoch im knappen lateinischen Vorwort des Wörterbuchs „Ad Studiosam Iuventutem“ (An die studierende Jugend) ausführlicher dargelegt. Es bildet das zweite Blatt von SzDi. Die Vorworte der dritten, vierten und fünften SzDi-Ausgabe sind nahezu identisch. Hier folgt die Übersetzung des Vorworts zur dritten Ausgabe:
„Dieses Wörterbuch in drei Sprachen wurde 1631 von der Druckerei der Akademie Vilnius herausgegeben. Als jedoch alle Exemplare davon bereits verstreut waren, gab es für euch, die ihr zwischen den Mauern der Grammatik schwitzt und nach schönerer Literatur verlangt, keinen geeigneten Ort mehr, um lateinische Musterwörter für eure hiesigen Ausdrucksweisen zu finden. Euer Anliegen veranlasste dazu, das Wörterbuch erneut zu drucken (K. P.). Daher musste man diesem so gerechten und ehrenvollen Anliegen entsprechen. Und dieses so notwendige Werk, mit Zustimmung des Ehrwürdigen Vaters Rektor, des Förderers dieser Akademie, neu vorbereitet, wird euch zum Gebrauch vorgelegt. Wie sehr diese letzte Ausgabe die frühere übertrifft, werdet ihr an der Berichtigung und Ergänzung vieler Wörter und Redewendungen und besonders an der größeren Sammlung von Synonymen erkennen.“
So gebraucht denn, ihr Fleißigen, dieses für eure Grammatikübungen besonders geeignete Werk, das zwar fast ausschließlich aus einfachen Wörtern besteht, euch aber wie ein Führer den ebensten Weg zu den größten Schätzen der lateinischen Sprache bahnt, die in den Heiligtümern der Dichtkunst und Beredsamkeit verborgen sind. Lebt wohl!“
Die Gründe für die wiederholten Ausgaben von SzDi waren vielfältig. Das zeigen die Vorworte. Von großer Bedeutung waren die damaligen politischen Umstände, die Zahl der Studenten der Jesuitenakademie, der praktische Charakter des Wörterbuchs und anderes. In den Vorworten werden politische Gründe für die Neuauflagen erwähnt, aber nicht deutlich benannt. Im Vorwort zur dritten Ausgabe heißt es, sie sei erneut aufgelegt worden, weil „… alle Exemplare davon (des Wörterbuchs von 1631 — K. P.) bereits verstreut waren …“; im Vorwort zur vierten und fünften Ausgabe wird vermerkt, sie seien „durch die Gewalt der Zeiten und die Stürme des Krieges“ erneut aufgelegt worden (verum cum omnia exemplaria eius injuria temporum ac tempestate bellica interierint). Nur durch die Worte „injuria temporum ac tempestate bellica interierint“ unterscheiden sich die Vorworte der vierten und fünften SzDi-Ausgabe von dem der dritten. In den Vorworten der dritten, vierten und fünften Ausgabe ist jeweils das Erscheinungsjahr der vorherigen SzDi-Ausgabe angegeben — in der dritten 1631, in der vierten 1642 und in der fünften 1677.
Im Vorwort „Ad Studiosam Iuventutem“ wird angegeben, dass es für die Zöglinge der Akademie bestimmt ist. SzDi war also in erster Linie zum Gebrauch durch die Zöglinge der Akademie bestimmt, außerdem aber auch für die nichtlitauischen Geistlichen des Großfürstentums Litauen — „für diejenigen, die besser Polnisch oder Latein als Litauisch beherrschten …“27 Im kurzen Vorwort werden Charakter und Umfang des Wörterbuchs angesprochen. In den Vorworten der dritten, vierten und fünften Ausgabe heißt es übereinstimmend, dass die neue Ausgabe
26 Solche Inhaltsangaben und lange Titel von Büchern, Grammatiken und Wörterbüchern waren lange Zeit in Mode. Vgl. den Katechismus von M. Mažvydas, die Grammatik von D. Klein sowie die Wörterbuchtitel von J. Brodovski, F. V. Hak, P. Ruigys und anderen.
27 Б. А. Ларин, Краткий исторический обзор литовской лексикографии. „Лексикографический сборник“, вып. II, 119, Москва, 1957.
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Page 9der seinem Umfang nach den vorherigen übertraf und angeblich um eine größere Zahl von Wörtern, Sprichwörtern und besonders Synonymen ergänzt worden war. Tatsächlich trifft dies nur auf die dritte Ausgabe zu, denn die vierte und fünfte Ausgabe unterscheiden sich von der dritten nahezu in nichts.
Neben den fünf aufgezählten Ausgaben von Širvydas’ „Dictionarium“ erwähnt der polnische Schriftsteller J. Kraśevskis in seinem Werk „Wilno“28 eine Ausgabe von Širvydas’ Wörterbuch aus dem Jahr 1712. Eine überzeugende Erklärung für diese erwähnte Ausgabe des SzDi von 1712 finden wir in dem bereits genannten Artikel „Заметки о древнейших Виленских изданиях на Литовском языке“, in dem es heißt: „Bemerkenswert ist, dass es die angebliche Ausgabe des von einigen Bibliografen, z. B. von Kraśevskis, erwähnten Wörterbuchs von K. Širvydas aus dem Jahr 1712 nicht gegeben hat. Selbstverständlich ist es unzuverlässig, sich auf Kraśevskis zu stützen, denn der Irrtum entstand dadurch, dass die Bibliografen ein Exemplar der fünften Ausgabe (1713) vor Augen hatten, in dem der letzte Strich der römischen Zahl MDCCXIII aus irgendeinem Zufall abgerieben oder unleserlich geworden war. Auch wir selbst hatten Gelegenheit, ein solches Exemplar zu sehen, das sich heute im Besitz der örtlichen (Petrograder — K. P.) römisch-katholischen Akademie befindet und bei dem der letzte Strich der Zahl XIII vollständig vom Siegel der ehemaligen Jesuitenakademie Vilnius verdeckt ist; es ist sehr wohl möglich, dass eben dieses Exemplar den Ursprung des erwähnten bibliografischen Irrtums bildete.“
Der polnische Bibliograf F. M. Sobieščiankis29 erwähnt eine Ausgabe von Širvydas aus dem Jahr 1718. Diese Nachricht wiederholt S. Baltramaitis in seinem „Сборник библиографических материалов…“30 Auch St. Estreicher erwähnt eine SzDi-Ausgabe von 1718 und bezeichnet sie als „editio sexta“31. Als Beleg führte er sogar Entsprechungen aus dieser Ausgabe an, die zeigen, dass Estreicher, der kein Litauisch konnte, Elgers lettisches Wörterbuch von 1718 für eine Ausgabe von Širvydas’ Wörterbuch aus dem Jahr 1718 hielt.
Somit gab es weder eine Ausgabe von 1712 noch eine von 1718. Hätte es sie gegeben, verfügten wir über zuverlässigere Nachrichten. Außerdem wäre eine Ausgabe von 1712 im Vorwort der Ausgabe von 1713 erwähnt worden. Doch wozu hätte man 1713 das SzDi herausgeben sollen, wenn es tatsächlich bereits eine Ausgabe von 1712 gegeben hätte?
Neben dem „Dictionarium trium linguarum“ ist bis in unsere Zeit ein weiteres lexikografisches Werk von Širvydas erhalten geblieben, das „Dictionarium Polonolatinum“32, das 1641 in Warschau erschien.
Auf der Titelseite steht, dass das „Dictionarium Polonolatinum“ für die polnischen Jesuitenschulen bestimmt war. Es ist dasselbe dreisprachige Wörterbuch von Širvydas, jedoch ohne den litauischen Teil. Es wird wohl deshalb „Editio nova“ genannt, weil es sich um eine andere Ausgabe als das „Dictionarium trium linguarum“ handelte. Die Klärung der Geschichte des Wörterbuchs „Dictionarium Polonolatinum“ wird dadurch erschwert, dass es ohne Vorwort herausgegeben wurde.
28 Wilno od początków jego do roku 1750 przez J. I. Kraszewskiego, IV, 228, Wilno, 1842.
29 F. M. Sobieszczanski, Szyrwid Konstanty, — Encyklopedyja powszechna, 24, 876, Warszawa, 1867.
30 Сборник библиографических материалов для географии, истории, истории права, статистики и этнографии Литвы, составил С. Балtramайтнс, 396, С — Петербург, 1904.
31 St. Estreicher, Bibliografia Polska, Tom XXX, 359, Kraków, 1934.
32 Der vollständige Titel lautet: Dictionarium Polonolatinum In usum Studiosa Iuventutis Polona Auctore Constantino Szyrwid e Societate Iesu: Editio Nova. Varsaviae Apud Ionem Trelpinski, SRM, Typogr., Anno Domini 1641. Sein litauischer Titel würde lauten: Das polnisch-lateinische Wörterbuch von K. Širvydas, Mitglied der Gesellschaft Jesu, bestimmt für die polnische studierende Jugend. Neue Ausgabe, gedruckt in Warschau in der Druckerei Trelpinskis, 1641.
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Page 10Für die Geschichte von Širvydas’ dreisprachigem Wörterbuch liefern vor allem die Vorreden der drei letzten Ausgaben (1642, 1677, 1713) sowie spärliche bibliografische Anmerkungen Material. Wegen des Mangels an bibliografischen Angaben lassen sich einige Fragen zur Geschichte des Wörterbuchs vorerst nicht abschließend klären. Dies bleibt künftigen Forschungen vorbehalten.
Zu Beginn des 17. Jahrhunderts war das Erscheinen von SzDi als Buch mit weltlichem Inhalt ein bedeutendes Ereignis in der Kulturgeschichte Litauens. Dieses Wörterbuch war das erste gedruckte Wörterbuch, das innerhalb von knapp einem Jahrhundert nicht weniger als fünf Auflagen erlebte. Nach Širvydas kam die Arbeit an der litauischen Lexikografie in Litauen fast zwei Jahrhunderte lang zum Erliegen. In Širvydas’ Wörterbuch wurde die litauische Sprache erstmals den damals im öffentlichen Leben vorherrschenden polnischen und lateinischen Sprachen gleichgestellt. SzDi war von seinem Erscheinen an bis in unsere Zeit weithin bekannt und wurde verwendet, denn sein litauischer Teil bot einen beträchtlichen Wortschatz der litauischen Sprache.
Širvydas’ Wörterbuch trug wesentlich zur Bereicherung und Normierung der Literatursprache bei. Es ist ein wichtiges Denkmal der Geschichte der litauischen Sprache, und seine umfassende Erforschung kann der Wissenschaft der Litauistik viel Material liefern.
AUS DER GESCHICHTE DES WÖRTERBUCHS VON K. ŠIRVYDAS
„DICTIONARIUM TRIUM LINGUARUM“
К. М. ПАКАЛКА
Zusammenfassung
Als Begründer der litauischen Lexikografie gilt der bekannte Schriftsteller des frühen 17. Jahrhunderts K. Širvydas. Vor dem Erscheinen seines Wörterbuchs „Dictionarium trium linguarum“ (1629) finden sich lediglich unbedeutende lexikografische Notizen in Form von Glossen, die in einigen litauischen Büchern oder Übersetzungsausgaben, in Handschriften sowie in verschiedenen schriftlichen Denkmälern in russischer, polnischer und lateinischer Sprache vorkommen.
Das erste litauische Wörterbuch, „Dictionarium trium linguarum“ von K. Širvydas, erschien in fünf Ausgaben: I — 1629, II — 1631, III — 1642, IV — 1677, V — 1713. Von der ersten oder zweiten Ausgabe ist bis heute nur ein beschädigtes Exemplar erhalten geblieben. Die ersten Nachrichten über diese Ausgabe finden sich in dem Buch des russischen Literaturwissenschaftlers A. S. Orlov: „Bibliothek der Moskauer Synodaldruckerei“, I — Handschriften, Heft I, Sammelhandschriften, beschrieben von Alexander Orlov, Moskau, 1896. V. Pogorelov ergänzte die Angaben von A. S. Orlov zur ersten Ausgabe des „Dictionarium trium linguarum“ unter Berufung auf Hinweise von F. F. Fortunatov und V. K. Poržezinskij um verlässlichere Informationen. 1957 entdeckte der Akademiker K. Jablonskis im Moskauer Zentralen Staatsarchiv für alte Akten ein beschädigtes Exemplar einer der beiden ersten Ausgaben des „Dictionarium“ (es stammte aus der ehemaligen Bibliothek der Moskauer Synodaldruckerei).
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Page 11Nur aus dem Vorwort „Ad Studiosam Iuventutem“ zur dritten Ausgabe ist auch das Erscheinungsjahr der zweiten Ausgabe (1631) bekannt.
Ein mangelhaftes Exemplar der dritten, erweiterten Ausgabe wurde 1861 in der ehemaligen Kaiserlichen Öffentlichen Bibliothek in Petersburg entdeckt. Vier Exemplare der dritten Ausgabe fand Akademiemitglied A. S. Orlov in der Bibliothek der Moskauer Synodaldruckerei. Eines der beiden Exemplare, die im Moskauer Zentralen Staatsarchiv für alte Akten erhalten geblieben waren, wurde dem Zentralarchiv der Litauischen SSR übergeben.
Von der vierten (1677) und der fünften (1713) Ausgabe sind mehr Exemplare erhalten geblieben.
Außer den erwähnten, in Vilnius gedruckten Ausgaben des „Dictionarium trium linguarum“ wurde 1641 in Warschau das Wörterbuch von Širvydas, „Dictionarium Polonolatinum“, herausgegeben.
Die Angaben der polnischen Bibliografen I. Kraszewski, F. M. Sobieszczański, St. Estreicher und anderer zu den Ausgaben des „Dictionarium trium linguarum“ aus den Jahren 1712 und 1718 sind falsch, da solche Ausgaben tatsächlich nicht existierten.
Das Wörterbuch von K. Širvydas wurde gemäß der Tradition dreisprachiger Wörterbücher des 15.–17. Jahrhunderts „Dictionarium trium linguarum“ genannt. In den Vorworten „Ad Studiosam Iuventutem“ zur dritten, vierten und fünften Ausgabe werden kurz die Gründe für die Neuauflage sowie Charakter und Zweck des Wörterbuchs dargelegt. Das Wörterbuch wurde ausschließlich für praktische Zwecke zusammengestellt und war für die Studierenden der Jesuitenakademie von Vilnius bestimmt.
Viel wertvolles Material zur Geschichte der litauischen Lexikografie bietet das oben erwähnte Vorwort. Darin heißt es, die dritte Ausgabe sei neu aufgelegt worden: „Verum cum omnia exemplaria eius iam distracta essent“; die vierte und die fünfte hingegen: „Verum cum omnia exemplaria eius injuria temporum ac tempestate bellica interierint“. Nur durch diese zitierten Worte unterscheidet sich das Vorwort der dritten Ausgabe von den Vorworten der vierten und fünften Ausgabe.