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LIETUVIŲ KALBOTYROS KLAUSIMAI, XXXI (1994)

KALBOS NORMALIZACIJOS KLAUSIMAI

MAIRE RAADIK

ZUR ERSTELLUNG VON TERMINOLOGISCHEN WÖRTERBÜCHERN IN EINER SICH WANDELNDEN SPRACHSITUATION

Die estnische terminologische Arbeit ist fast 100 Jahre alt; nahezu ebenso lange werden in Estland Fachwörterbücher erstellt. Die Terminologiearbeit ist zwar mehr oder weniger kontinuierlich betrieben worden, hatte aber auch ihre Höhen und Tiefen. Die gegenwärtige Aufschwungphase fällt mit der allgemeinen Belebung des gesellschaftlichen Lebens zusammen. In der Hoffnung auf die Wiederherstellung der unabhängigen Republik Estland hat man begonnen, alles wiederzubeleben, was vor 50 Jahren zerstört wurde. Aus sprachpolitischer Sicht ist die Verabschiedung des Sprachgesetzes in Estland im Januar 1989 und die Erklärung des Estnischen zur Staatssprache die wichtigste Errungenschaft der jüngsten Zeit.

Das estnische Sprachleben der vergangenen fünf Jahrzehnte ist einerseits durch eine Einschränkung des Anwendungsbereichs der estnischen Sprache und andererseits durch deren Russifizierung geprägt. Das Sprachgesetz kann sich leider nur mit dem ersten Bereich befassen, das heißt, es soll den Gebrauch des Estnischen allgemein gewährleisten. Die zweite Frage müssen die Sprachpfleger zu ihrer Sorge machen, denn kein Gesetz schützt eine Sprache vor fremden Einflüssen.

In Estland gibt es zahlreiche Lebensbereiche, in denen das Estnische seinen Platz mit dem Russischen teilen muss oder in denen es überhaupt keinen Platz mehr hat. Einige Bereiche, in denen das Estnische seine Stellung eingebüßt hat, sind deshalb auch von der estnischsprachigen Terminologiearbeit unberührt geblieben; jahrelang hat man sich nicht mit dem Wortschatz dieser Fachgebiete befasst. Es ist an der Zeit, die Fehler zu korrigieren: Der weiteren Beschneidung der Rechte und des Anwendungsbereichs des Estnischen muss Einhalt geboten und das bisher Preisgegebene zurückgewonnen werden. Solange ein Este seine Angelegenheiten nicht auf Estnisch erledigen kann oder ihm im Estnischen die Wörter fehlen, um beispielsweise über Arbeitsangelegenheiten zu sprechen, kann niemand von der Zukunft der estnischen Sprache überzeugt sein.

Die Wiederherstellung des Stellenwerts und der Rechte der estnischen Sprache erfordert Vorarbeit und entsprechende Voraussetzungen. Die Fachsprachenplaner müssen nicht ganz von vorn anfangen, denn in Estland gibt es kein Gebiet, dessen Wortschatz nie bearbeitet worden wäre. Es fehlt jedoch an Kontinuität: Wenn ein Gebiet lange Zeit aus dem Blickfeld der Terminologen verschwunden ist, veraltet zwangsläufig die Fachsprache dieses Gebiets; neue Begriffe bleiben ohne estnische Entsprechungen, sodass auch Estnischsprachige gezwungen sind, den einen oder anderen Begriff mit einem fremdsprachigen, das heißt gewöhnlich russischen Wort auszudrücken. Wenn selbst die Kommunikation am Arbeitsplatz auf Russisch erfolgt, wird nichts die Entwicklung des estnischen Terminologiebestands fördern.

Auch diejenigen, die die Bedeutung des estnischsprachigen Fachwortschatzes früher nicht erkannt haben, verstehen sie jetzt – genauer gesagt, sie sind gezwungen, sie zu verstehen, denn aus dem Sprachgesetz geht hervor, dass es Anforderungen an die Sprachkenntnisse stellt: Ein Este muss so viel Russisch können, wie sein Arbeitsplatz erfordert, und ein Russe so viel Estnisch, wie seine Arbeit verlangt. Wenn man die bisherige Sprachpolitik bedenkt, ist klar, dass zuerst diejenigen in Schwierigkeiten geraten, die Russisch-

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sprachigen, die bisher mit einer einzigen Sprache ausgekommen sind. Im Wesentlichen wird das Sprachgesetz umgesetzt, indem man Nichtesten Estnischunterricht erteilt.

Zum Sprachenlernen braucht man sowohl Lehrbücher als auch Wörterbücher, und da man neben dem allgemeinen Wortschatz auch die Fachsprache des eigenen Berufsfelds beherrschen muss, werden zahlreiche Fachwörterbücher benötigt. Die in Estland in ausreichender Zahl vorhandenen Wörterbücher eignen sich nicht immer für Sprachlernende. In früheren Jahren veröffentlichte Wörterbücher sind teilweise bereits veraltet; außerdem muss ihr Inhalt nicht unbedingt dem Bedarf der Nutzer entsprechen.

Die Erstellung eines umfangreichen und damit vollständigen Wörterbuchs nimmt einige Zeit in Anspruch. Sprachlernende wären zumindest zunächst auch mit einem kleineren Wörterbuch zufrieden, vor allem, wenn es sich schnell beschaffen ließe. Unternehmungslustige Einrichtungen und Betriebe, die ihren russischsprachigen Beschäftigten Estnischunterricht erteilen müssen, sind auf die Idee gekommen, selbst die benötigten kleinen Wörterbücher zusammenzustellen.

Fach- und andere Wörterbücher lassen sich auf zwei Arten erstellen: durch Übersetzung oder durch eigenständiges Sammeln des Materials. Die zweite Möglichkeit kommt beispielsweise dann in Betracht, wenn sich kein geeignetes Werk zur Übersetzung finden lässt. Unter den in letzter Zeit in Estland veröffentlichten eigenständigen Fachwörterbüchern sind auf jeden Fall verschiedene Fachgesprächsbücher zu nennen, darunter beispielsweise Wörterbücher für Beschäftigte im Gaststätten- und Handelsgewerbe. Diese zweisprachigen Gesprächswörterbücher, die gewöhnlich von Fachleuten des jeweiligen Bereichs zusammengestellt werden, richten sich an einen begrenzten Nutzerkreis und werden meist in derselben Einrichtung oder demselben Betrieb verwendet, in dem sie erstellt wurden. Die Form eines Gesprächswörterbuchs eignet sich gut für Beschäftigte im Handel und Gaststättengewerbe ebenso wie für Dienstleistende im Allgemeinen, die viel kommunizieren müssen, denn ein solches Buch enthält neben Fachwörtern auch zahlreiche typische Wendungen, die im jeweiligen Beruf gebraucht werden. Natürlich benötigt beispielsweise ein Handelsexperte bei der Wörterbucharbeit die Hilfe eines Linguisten – spätestens bei der Redaktion.

Wenn einer Einrichtung kein unternehmungslustiger Spezialist zur Verfügung steht, der die Wörterbucharbeit bewältigen könnte, sucht man schon vorher die Hilfe von Linguisten. So hatten beispielsweise Beschäftigte des Verbands Eesti Toormetarne die für sie unerlässlichen russischen Termini gesammelt; für deren Übersetzung, das heißt für die Ermittlung estnischer Terminusäquivalente, wandten sie sich jedoch an die Terminologen des Instituts für Sprache und Literatur. Die Zusammenarbeit zwischen den Rohstofflieferanten und den Terminologen ist in zwei Etappen gegliedert. Zunächst wurde eine vorläufige russisch-estnische Wortsammlung erstellt, die den Anforderungen an ein Wörterbuch noch nicht genügt, aber vervielfältigt und sofort als Hilfsmittel für den Estnischunterricht eingesetzt werden kann. Später soll aus dem gesammelten Material ein russisch-estnisches und estnisch-russisches Wörterbuch für die Rohstoffversorgung mit etwa 1500 Stichwörtern zusammengestellt werden.

Wie die Rohstofflieferanten müssen auch die Versorgungsspezialisten mit Begriffen aus zahlreichen Fachgebieten umgehen; ein umfassendes Wörterbuch des Versorgungswesens ist bislang jedoch nicht erstellt worden. Das Versorgungskomitee Estlands wurde offenbar wiederum durch den Bedarf angetrieben, den Sprachlernenden Hilfsmaterial zur Verfügung zu stellen. Anders als die Rohstofflieferanten wagten die Versorgungsspezialisten nicht, das Wörterbuch ganz eigenständig zu erstellen, sondern nahmen ein russischsprachiges Verzeichnis von Produkten und Rohstoffen zum Vorbild, das einen recht großen Teil der für sie benötigten Begriffe umfasst. Das für Fachbereiche erstellte Wörterbuch enthält auch mehrere Originalteile, die den übersetzten Teilen qualitativ in nichts nachstehen.

Eine Zeit lang konnte ich mich mit dem zuvor erwähnten russisch-estnischen Wörterbuch des Versorgungswesens befassen

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mit estnischer Redaktion. Da die russischen Termini von Fachleuten der jeweiligen Fachgebiete ins Estnische übertragen wurden, erlaubt die redaktionelle Arbeit einen Blick auf den tatsächlichen Terminologiegebrauch. Ein Wörterbuch mit seinen 4–5 Bearbeitern reicht nicht aus, um Verallgemeinerungen vorzunehmen, doch lässt sich auch daraus manches für den tatsächlichen Gebrauch der Fachsprache Charakteristische herauslesen. Ich möchte zwei Fragen eingehender behandeln: das Verhältnis zwischen Fach- und Gemeinsprache sowie die wörtliche Übersetzung.

1. Das Verhältnis zwischen Fach- und Gemeinsprache.

Vor allem bei chemischen Termini stellt sich die Frage, inwieweit der Wörterbuchbearbeiter der nomenklatorischen Terminologie folgen muss. Das russisch-estnische Chemiewörterbuch unterscheidet nämlich zwischen sogenannten nomenklatorischen und Trivialbezeichnungen; um den empfohlenen Übergang von Trivialbezeichnungen zu nomenklatorischen Bezeichnungen zu erleichtern, führt das Chemiewörterbuch beide auf, wobei es die nomenklatorischen Bezeichnungen selbstverständlich als maßgeblich ansetzt. Das Wörterbuch für Ausrüstung folgt dieser Richtung nur teilweise, etwa dann, wenn beide – sowohl die nomenklatorische als auch die Trivialbezeichnung – gleichermaßen bekannt und gebräuchlich sind (naatriumvesinikkarbonaat ja söögisooda, vesinikkloriidhape ja soolhape). Wenn eine nomenklatorische Bezeichnung aufgrund ihrer Länge, Komplexität o. Ä. zunächst nur im strengeren, wissenschaftlicheren Sprachgebrauch verblieben ist, wurde sie aus dem stärker praxisorientierten Ausrüstungswörterbuch ausgelassen; so wird neben Glycerol bzw. Glycerin nicht mehr 1, 2, 3-Propantriol aufgeführt.

Manchmal ist aus anderen Gründen, etwa im Interesse der Wortbildung, eine gemeinsprachliche Bezeichnung vorzuziehen. So ist die fachsprachliche Verbindung veeldatud gaas unter dem Gesichtspunkt der Wortbildung recht unhandlich. Daher wurde der aus mehreren Wörtern bestehende Terminus durch das gemeinsprachliche Kompositum vedelgaas ersetzt, mit dem sich bei Bedarf leichter umgehen lässt, etwa um weitere Komposita wie vedelgaasiballooniautot, majapidamisvedelgaasi mahutit zu bilden.

Das Verhältnis von Fach- und Gemeinsprache betrifft auch die Frage der sogenannten Kurzformen. Im Estnischen haben sich mit der Zeit aus längeren Fremdwörtern geläufigere Kurzformen entwickelt, die auch für die Fachsprache als geeignet anerkannt worden sind. Dennoch haftet solchen Kurzformen noch ein umgangssprachlicher Beiklang an, und man wagt es nicht, sie als Termini zu verwenden, obwohl sowohl akumulaator als auch aku, sowohl transformaator als auch trafo, sowohl laboratoorium als auch labor geeignet sind.

2. Wörtliche Übersetzung.

Die wörtliche Übersetzung, d. h. die Übersetzung mit einem Wort gleicher Herkunft, ist zwar bequem, erweist sich aber leider oft als vereinfachender Ansatz, insbesondere dann, wenn ein russisches Wort im Estnischen mehrere Entsprechungen hat, unter denen sich möglicherweise gar keine sogenannte wörtliche Entsprechung befindet.

Einem russischen Terminus kann im Estnischen ein Paar aus einem einheimischen Wort und einem Fremdwort entsprechen. Für Lernende ist es einfacher, ein Wort gleicher Herkunft zu erwerben (aus estnischer Sicht handelt es sich gewöhnlich um ein Fremdwort); für Muttersprachler des Estnischen ist das einheimische, also estnische Wort transparenter. Wenn das einheimische Wort und das Fremdwort gleichwertig verwendet werden, sollten beide auch im Wörterbuch aufgeführt sein, etwa sissevedu und import, annusti und dosaat or, liikurtrepp und eskalaator. Einheimische Termini sind sicherlich dann nötig, wenn Fremdtermini aus irgendeinem Grund, etwa aufgrund ihrer Ähnlichkeit, leicht verwechselt werden, wie ökonoomia »Sparsamkeit« und ökonoomika »Wirtschaft«.

Auch bei mehrdeutigen Termini reicht eine wörtliche Übersetzung nicht aus, etwa bei den russischen Wörtern материал, техника, автоматика, die leider oft einfach mit materjali, tehnika ja automaatikaga wiedergegeben werden. So eignet sich beispielsweise der Terminus

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materjal im Estnischen als materjaliks im Sinne von Stoff oder Rohstoff zu übersetzen (ehitusmaterjal, katuse(katte)materjal), zugleich aber kiudaine und nicht kiudmaterjal (russ. волокнистый материал). Das russische материал kann auch Gewebe bedeuten: нетканый материал bedeutet lausriiet, nicht lausmaterjali.

Auch auf ein Fremdwort sollte man verzichten, etwa wenn seine Bedeutung durch häufigen und stellenweise unsachgemäßen Gebrauch zu verschwimmen droht und besonders dann, wenn es beginnt, ein ebenso gutes einheimisches Wort zu verdrängen. In diesem Fall kann sich auch das Wörterbuch auf die einheimische Entsprechung beschränken, etwa (töö)riist statt instrument (russ. инструмент), veotaar statt transpordi-taara (russ. транспортная тара), müü­dud toodang statt realiseeritud toodang (russ. реализованная продукция).

Eine eigene Gruppe unter den wörtlichen Übersetzungen bilden Begriffe, deren korrekte estnische Entsprechungen schlicht nicht bekannt sind, weil sie noch zu den sogenannten Neologismen zählen. Genau genommen sind mehrere dieser neuen Fachbegriffe bereits Empfehlungen von vor einigen Jahrzehnten, denen man jedoch bis heute mit Befremden begegnet. Daran trägt wohl auch die durchweg russischsprachige Kommunikation am Arbeitsplatz eine Mitschuld, die nicht dazu angeregt hat, sich mit der estnischsprachigen Terminologiearbeit vertraut zu machen. Wenn man nicht weiß, dass das Verteilen oder Einebnen von Boden laajamine und das entsprechende Gerät laajur heißt, nennt man sie mechanisch planeerimiseks ja planeerijaks (russ. планировать ja планировщик). Im Estnischen hat „planieren“ neben „einebnen“ noch mehrere Bedeutungen, vor allem „einen Plan erstellen“. Aus Unkenntnis macht man das russische маркетинг (vgl. engl. marketing) zum estnischen marketingiks, obwohl es auch das Wort turundus gibt. Manche Begriffe, die sich auch nicht wörtlich übersetzen lassen, haben praktisch keine estnische Entsprechung, weil zumindest die Fachkräfte der Versorgung offenbar überhaupt nicht wissen, dass поверка on taatlus, образцовая мера — taatlemõõt bedeutet oder dass поставить nicht hankima, sondern tarnima heißt. Übrigens reicht die begriffliche Verwechslung von hankima-tarnima bis in die 1930er Jahre zurück.

Neben der wörtlichen Übersetzung gibt es auch die Übersetzung Satzzeichen für Satzzeichen: insener-tehniline personal (russ. инженерно-технический персонал) statt inseneride ja tehnikute, teaduslik-tehniline progress (russ. научно-технический прогресс) statt teaduse ja tehnika progressi.

Der Versorgungsbereich lässt sich nicht als rein russischsprachig bezeichnen – vermutlich gibt es in Estland schon einige davon –, doch auch ein beträchtlicher Teil des Geschäftsverkehrs der Versorgungsfachkräfte findet auf Russisch statt, und das hat Spuren hinterlassen: Auch die Esten kennen die estnischsprachige Fachterminologie ihres eigenen Berufsgebiets nicht. Vermutlich müssen auch die Esten gemeinsam mit den Angehörigen anderer Nationalitäten Estnisch lernen, einschließlich der Fachsprache ihres eigenen Berufsgebiets, wenn sie bei den Estnischkenntnissen nicht hinter ihnen zurückbleiben wollen. Jetzt, da das Interesse an Sprachfragen gestiegen ist, darf man wohl die Hoffnung hegen, dass die Mühe der Sprachfachleute nicht bloß papierne Neuschöpfungen hervorbringt.

ERSTELLUNG TERMINOLOGISCHER WÖRTERBÜCHER IM WANDEL DES SPRACHSTATUS

Santrauka

Im im Januar 1989 verabschiedeten Sprachgesetz der Estnischen SSR wurde Estnisch zur Staatssprache erklärt. Obwohl die Pflege und Entwicklung der Sprache, auch der Wissenschafts- und Fachsprache, in Estland selbst dann nicht zum Erliegen gekommen war, als das Estnische nicht gesetzlich geschützt wurde, kann die gegenwärtige Sprachsituation dennoch nicht als zufriedenstellend gelten. Die Zukunft der estnischen Sprache gibt ernsthaften Anlass zur Sorge, insbesondere die Frage, ob sie als Standardsprache in allen Lebensbereichen erfolgreich funktionieren und fortbestehen kann. Denn obwohl im vierten Jahr-

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In der zweiten Hälfte des Jahrhunderts war die estnische Sprache bereits zu einer ausgebauten Standardsprache entwickelt worden; in den letzten Jahrzehnten wurde ihr Gebrauch stark eingeschränkt. Als besonders negativ ist in dieser Hinsicht beispielsweise die nahezu vollständige Verdrängung des Estnischen aus dem Schriftverkehr zu bewerten.

In letzter Zeit haben sich einige Behörden und Unternehmen ernsthafter mit Sprachfragen und auch mit Fragen der Terminologie ihres Fachgebiets zu befassen begonnen. Dies lässt sich damit erklären, dass es notwendig wurde, anderssprachige Beschäftigte Estnisch zu lehren, wodurch sowohl universelle Lehrmittel als auch Terminologiewörterbücher benötigt wurden.

Das Institut für Sprache und Literatur der Estnischen Akademie der Wissenschaften hat mehrere Verträge abgeschlossen, in deren Rahmen es die Terminologie verschiedener Fachgebiete ordnet. Einige Unternehmen und Behörden haben aus eigener Kraft die für sie benötigte Terminologie zusammengestellt, sodass den Terminologen nur noch die Ordnung der gesammelten Terminologie bleibt. In der Regel ist das Ergebnis einer solchen Zusammenarbeit ein zweisprachiges Wörterbuch, das als ergänzendes Hilfsmittel beim Estnischunterricht verwendet werden kann.

Zu den umfangreichsten derzeit laufenden Arbeiten gehört die Ordnung der Terminologie für die Beschaffung und Lieferung von Rohstoffen. Das russisch-estnische Wörterbuch der materiell-technischen Versorgung ist im Wesentlichen bereits fertiggestellt. Da das Wörterbuch von Fachleuten auf diesem Gebiet erarbeitet wurde, lässt sich daraus einiges über den tatsächlichen Zustand der estnischen Terminologie erfahren. Es muss gesagt werden, dass es zahlreiche estnische Termini gibt, die selbst den Esten unbekannt sind, obwohl sie seit Langem in verschiedenen Wörterbüchern verzeichnet sind. Dass in vielen Arbeitskollektiven Russisch verwendet wird, behindert die Verbreitung der estnischen Terminologie.

ÜBER DIE ERSTELLUNG TERMINOLOGISCHER WÖRTERBÜCHER UNTER SICH WANDELNDEN SPRACHLICHEN BEDINGUNGEN

Zusammenfassung

Im Januar 1989 wurde das Estnische durch das Sprachgesetz Estlands zur Staatssprache erklärt. Obwohl die kontinuierliche Arbeit an der Pflege der Sprache, einschließlich der Wissenschafts- und Fachsprache, auch in den Jahren fortgesetzt wurde, in denen das Estnische keinen gesetzlichen Schutz genoss, kann die gegenwärtige Sprachsituation nicht als zufriedenstellend bezeichnet werden. Über die Zukunft des Estnischen und darüber, ob es als Literatursprache, die in allen Bereichen erfolgreich funktioniert, erhalten bleiben kann, muss ernsthaft nachgedacht werden. Obwohl das Estnische gegen Ende der 1930er Jahre als voll entwickelte Literatursprache funktionierte, wurde sein Gebrauch in den letzten Jahrzehnten erheblich eingeschränkt. Das nahezu vollständige Fehlen eines Schriftverkehrs in estnischer Sprache zeigt dies am deutlichsten.

In letzter Zeit ist in einigen Behörden und Unternehmen ein Interesse an Sprachfragen, darunter auch an den Terminologieproblemen des jeweiligen Fachgebiets, aufgekommen. Dieses Interesse lässt sich auch mit der Notwendigkeit erklären, anderssprachigen Arbeitern Estnisch beizubringen; daraus ergibt sich der Bedarf sowohl an universellen Lehrmitteln als auch an Terminologiewörterbüchern.

Am Institut für Sprache und Literatur der Estnischen Akademie der Wissenschaften wurden bereits mehrere Verträge über die Ordnung der Terminologie verschiedener Fachgebiete abgeschlossen. Einige Unternehmen und Behörden haben aus eigener Kraft das benötigte Wörterverzeichnis zusammengestellt; Aufgabe der Terminologen ist es, das gesammelte Material zu ordnen. Ziel einer solchen Zusammenarbeit ist in der Regel ein zweisprachiges Wörterbuch, das als ergänzendes Lehrmittel beim Estnischunterricht verwendet werden kann.

In letzter Zeit wurde umfangreiche Arbeit an der Terminologie der Rohstoffversorgung und -lieferung geleistet. Das russisch-estnische Wörterbuch zur materiell-technischen Versorgung ist im Wesentlichen fertiggestellt. Da das Wörterbuch zur materiell-technischen Versorgung von Fachleuten auf diesem Gebiet erstellt wurde, lässt sich anhand seiner Untersuchung die tatsächliche Lage der estnischsprachigen Terminologie erkennen. Es ist darauf hinzuweisen, dass es eine Reihe estnischer Termini gibt, die den Esten selbst unbekannt sind, obwohl diese Termini seit Langem in verschiedene Wörterbücher aufgenommen sind. Daraus ist zu schließen, dass die russischsprachige Kommunikation in Arbeitskollektiven offenbar nicht zur Beherrschung der estnischen Terminologie beiträgt.

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