S aipsniai / A icles 111
VOLKER KOHLHEIM
Bay eu h
Wissenscha liche Fo schungs ich ungen:
Namen heo ie, An h oponomas ik, Hodonymie, li e a ische
Onomas ik.
ONYMISCHE AMBIGUITÄT IN
DER LITERATUR
Onimų neapib ėž umas li e a ū oje
ANNOTATION
Ambigui ä is ein Schlüsselbeg i mode ne Poe ik. Zwa exis ie en un e schiedliche
Au assungen übe den Beg i de li e a ischen Ambigui ä , doch möch e ich mich Wil-
liam Empsons klassische De ini ion anschließen, nach de Ambigui ä imme dann o -
lieg , wenn eine e bale Nuance, wie ein sie auch sei, al e na i e Reak ionen au ein und
dasselbe S ück Sp ache zuläss . Im Folgenden soll nich nu gezeig we den, dass sich Am-
bigui ä auch au li e a ische Namen e s ecken kann, sonde n es soll auch zwischen e -
schiedenen A en on onymische Ambigui ä in li e a ischen Tex en di e enzie we -
den. Abschließend wi d ge ag , was die Analyse poe onymische Ambigui ä übe die
kogni i e Ve a bei ung on Eigennamen aussagen kann.
SCHLÜSSELWÖRTER: Ambigui ä , onymische Ambigui ä , li e a ische Namen (Poe o-
nyme), Kogni i is ik.
ANNOTATION
Ambigui y is a key concep in mode n poe ics. Though he e exis di e en concep s
o li e a y ambigui y, I p e e o adhe e o William Empson’s classical de ini ion acco ding
o which any e bal nuance allowing al e na i e eac ions o he same piece o language
may be ega ded as ambiguous. This pape no only in ends o show ha ambigui y can
also ex end o li e a y names, bu i ies o di e en ia e be ween a ious kinds o onymic
ambigui y in li e a y ex s and asks wha we may lea n om poe onymic ambigui y abou
he men al p ocessing o p ope names.
KEYWORDS: Ambigui y, onymic ambigui y, li e a y names, cogni i is ics.
VOLKER KOHLHEIM
112 Ac a Linguis ica Li huanica LXXII
Inne halb de Linguis ik he sch übe den Beg i de Ambigui ä wei gehen-
de Übe eins immung: Ambigui ä is die „kla zu besch eibende Meh deu-
igkei eines Wo es ode eine g öße en sp achlichen Einhei “ (Baue 2008:
17). Dabei is zu di e enzie en zwischen lexikalische Ambigui ä und s uk-
u elle Ambigui ä . E s e e i au de Wo ebene au , wobei (nich imme
ganz scha ) zwischen Homonymie und Polysemie di e enzie we den kann.
S uk u elle Ambigui ä lieg dann o , wenn eine komplexe sp achliche Ein-
hei , in de Regel ein Sa z, un e schiedlich in e p e ie we den kann. Wäh end
nun in de no malen all äglichen Kommunika ion Ambigui ä kaum einmal
beme k bzw. so o au gelös (disambiguie ) wi d, spiel Ambigui ä in de
Poe ik eine g oße Rolle, ja sie is ge adezu zu einem Schlüsselbeg i mode -
ne Poe ik gewo den; Roman Jakobson sieh in ih das Wesen des Poe ischen
(Jakobson 1960: 371; Nö h 2000: 451). Dass Ambigui ä so wesen lich ü das
li e a ische Kuns we k is , be uh , wie Jan Mukařo ský (1989) es ges ell ha ,
da au , dass das sp achliche Zeichen in de Li e a u zwa nich gänzlich den
Bezug zu auße äs he ischen Reali ä e lie , dass die Re e enz im Kuns we k
jedoch nich so eindeu ig e olg , wie dies in de ealen Wel die Regel is ( gl.
auch Kohlheim 2006a: 274–80). Dennoch is de Beg i de Ambigui ä in
de Li e a u heo ie längs nich so eindeu ig de inie wie in de Sp achwis-
senscha . So möch e Shlomi h Rimmon in ih e dem Thema de li e a ischen
Ambigui ä gewidme en Disse a ion nu dann on ambigui y sp echen, wenn
sich zwei mögliche Lesa en gegensei ig ausschließen wie in Hen y James’ be-
ühm e E zählung The Tu n o he Sc ew: En wede es gib Geis e au Bly
ode es gib keine Geis e , doch beide Lesa en sind möglich (Rimmon 1977:
11). Dagegen kons a ie en Ab aham Kaplan und E ns K is (1948: 417–421)
ün un e schiedliche A en äs he ische Ambigui ä : disjunc i e ambigui y, addi-
i e ambigui y, conjunc i e ambigui y, in eg a i e ambigui y und p ojec i e ambigui y.
Auch William Empson, de in seinem Buch Se en Types o Ambigui y Ambigui-
ä als wesen liches Me kmal poe ische Sp ache de inie , geh on eine wei-
en De ini ion des Konzep s de Ambigui ä aus. E schläg dabei o , imme
dann on Ambigui ä zu sp echen, „wenn jegliche e bale Nuance, wie leich
auch imme , Raum ü al e na i e Reak ionen au ein und dasselbe S ück Sp a-
che gib .“1 Un e „S ück Sp ache“, piece o language, können auch Eigennamen
e s anden we den, ja, P op ia sind in e höh em Maße an ällig ü Ambigui ä-
en und p oduzie en diese au seh un e schiedliche Weise. Einige diese Modi,
Ambigui ä zu k eie en, un e scheiden sich im li e a ischen Kuns we k nich
1 Empson (1966: 1): “I p opose o use he wo d [ambigui y] in an ex ended sense, and shall hink
ele an o my subjec any e bal nuance, howe e sligh , which gi es oom o al e na i e e-
ac ions o he same piece o language.”
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Onymische Ambigui ä in de Li e a u
on de A , wie sie dies im ealen Leben auch un, ande e sind au die äs he i-
sche Sphä e beg enz . Im Folgenden sei de Ve such un e nommen, die un e -
schiedlichen A en poe onymische Ambigui ä mi Beispielen aus de deu sch-
und englischsp achigen Li e a u zu sys ema isie en.
Als e s es Beispiel kann de Fall genann we den, in dem Unsiche hei da -
übe bes eh , ob ein Lexem übe haup als P op ium ode (noch) als Appella i
e wende wi d. Osca Wildes Schauspiel-Ti el The Impo ance o Being Ea nes
(1893) kann hie ü als Beispiel dienen, doch soll diese A de Ambigui ä hie
nich wei e e olg we den. Mi eine ganz ande en A de Ambigui ä haben
wi es in Richa d Wagne s Ope Die Meis e singe on Nü nbe g zu un. Soeben
is es dem änkischen Ri e Wal he on S olzing gelungen, nach dem Go -
esdiens ein Wo mi E a, de schönen Toch e des Goldschmieds Pogne , zu
wechseln. E as Amme Magdalene is höchlichs e wunde übe das Ein e -
s ändnis, das so schnell zwischen E a und Wal he he sch , sind sich die bei-
den doch e s am Tag zu o e s mals begegne . E a ech e ig sich mi den
Wo en (Wagne 1978 [1867]: 404):
Das eben schu mi so schnelle Qual,
daß ich schon längs ihn im Bilde sah!
Sag, a e nich ganz wie Da id nah?
Magdalene is en geis e , is sie doch selbs in einen Da id e lieb , in den
Leh buben Da id. „Bis du oll? Wie Da id?“ u sie dahe ei e süch ig aus.
Doch E a be uhig sie: „Wie Da id im Bild.“ Nun glaub Magdalene, E a be-
ziehe den Namen Da id au den Psalmis en Da id, den die Meis e singe als
ih en Schu zpa on e eh en: „Ach! – meins du den König mi de Ha en /
und langem Ba in de Meis e Schild?“ Doch diesen König Da id mein E a
eilich nich , sonde n sie denk an den jugendlich-s ahlenden Helden:
Nein! De , des Kiesel den Golia h wa en,
das Schwe im Gu , die Schleude zu Hand,
das Haup on lich en Locken ums ahl ,
wie ihn uns Meis e Dü e gemal !
Wo au Magdalene, sich nun wiede au ih en Da id beziehend, e leich e
au seu z : „Ach, Da id! Da id!“ (Wagne 1978 [1867]: 404; gl. auch Kohlheim,
Kohlheim 2013).
O ensich lich lieg hie eine e e en ielle Ambigui ä o , die au de iel
disku ie en Ta sache be uh , dass ein Name als Sp achzeichen, als „p op iales
Lemma“ in de Te minologie Willy Van Langendoncks (2007), sich au unbe-
g enz iele Re e en en beziehen kann ( gl. Windbe ge -Heidenkumme 2011).
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114 Ac a Linguis ica Li huanica LXXII
Fü den Logike Da id Kaplan is de Eigenname dahe g undsä zlich ambig.2
Alle dings, und das mach dieses Beispiel auch aus sp achphilosophische Sich
in e essan , e e ie hie die ik ionale En i ä E a au eine his o ische Ges al
de ealen Wel , wie sie on Dü e da ges ell wu de, nämlich den biblischen
Da id, de Golia h besieg e. Die ik ionale En i ä Magdalene dagegen bezieh
das p op iale Lemma Da id zunächs au eine Pe son aus de ik ionalen Wel ,
de E a und Magdalene selbs angehö en, den Leh buben Da id, um dann e -
leich e es zus ellen, dass die his o ische Pe son König Da ids gemein wa .
Die Re e enzzuweisungen de ik ionalen Pe sonen ollziehen sich also p ob-
lemlos sowohl inne halb de ik ionalen Wel wie übe diese hinaus, ein Aspek ,
de hie nu e wähn , abe nich wei e e olg we den kann.3
Eigennamen können abe auch on sich aus, pe se, in e schiedene Hin-
sich ambig sein. So is nich imme on o nhe ein kla , ob ein Name au ei-
nen männlichen ode weiblichen Namens äge e e ie , ob ein Mensch, ein
Tie ode ga ein O gemein is . Zwa is die F age, ob ka ego iale Bedeu un-
gen ode P äsupposi ionen no wendige weise zum P op ium gehö en ode ob es
sich hie bei nu um s a is ische E ah ungswe e handel , die dem Eigennamen
kon ingen sind, ums i en.4 Auch liegen die Ve häl nisse hie on Sp ache zu
Sp ache ande s. Ta sache is jedoch, dass sich Sch i s elle ge n diesbezügli-
che Ambi alenzen bedienen. Ich möch e hie on inhä en e onymische Am-
bigui ä sp echen. Es is o ensich lich, dass diese A de Ambigui ä nich au
die Li e a u besch änk is . U yp des Mädchens, das zwischen Kindhei und
Rei e s eh , is in de deu schen Li e a u Mignon. Doch Mignon is zunächs
kein Name; es is ein subs an i ie es anzösisches Adjek i , welches übe se z
e wa ‘Liebling’ bedeu e .5 Ebenso wie das deu sche Wo konn e das F emdwo-
Mignon zu Goe hes Zei au männliche wie weibliche Pe sonen angewand
we den: Übe die Schauspiele in Ca oline Jagemann hieß es in eine K i ik on
1800: „Sie wu de in ku zem de Mignon des Publikums“ (Kommen a zu Go-
e he 1977 [1795/96]: 719). Diese sexusambige Bezeichnung en sp ich also öl-
lig dem and ogynen Wesen Mignons; Wilhelm Meis e kann, als e sie das e s e
Mal e blick , „nich mi sich einig we den, ob e sie ü einen Knaben ode ü
ein Mädchen e klä en soll e“ (Goe he 1977 [1795/96]: 86). Auch Mignon selbs
an wo e „au Ve suche eine Fes sch eibung ih e Weiblichkei beha lich:
2 Kaplan (1989: 563): „Unlike indexals like ‘I’ p ope names eally a e ambiguous.“
3 Im Rahmen de Theo ie mögliche Wel en behandeln „ ans-wo ld iden i y“ u. a. Doležel (1998:
17–18); Ronen (1994: 57–60); K ipke (2013: 81 .).
4 Vgl. hie zu Ande son (2007: 135 .); Van Langendonck (2007: 71 .); Coa es (2012: 125–129).
5 Vgl. Kommen a zu Goe he (1977 [1795/96]: 719); Schwanke (1992: 354–359).
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Onymische Ambigui ä in de Li e a u
‚Ich bin ein Knabe: ich will kein Mädchen sein!‘“ (We zel 1989: 329). Die Am-
bigui ä on Mignon e s eck sich abe nich nu au die F age des Sexus, son-
de n auch au den linguis ischen S a us des Sp achzeichens: Einge üh als
Appella i , wi d Mignon im Fo gang de Romanhandlung doch zu so e was
wie einem Eigennamen ü das Kind, zumal es sich beha lich weige , seinen
eigen lichen Namen p eiszugeben.6 Inzwischen is Mignon im Deu schen soga
zu einem ane kann en weiblichen Ru namen a ancie (Seibicke 2000: 327); es
ha also ein Genuswechsel des maskulinen anzösischen Wo s s a ge unden.
Auch die zwöl jäh ige P o agonis in in Ca son McCulle s’ Roman The Mem-
be o he Wedding, e s mals e schienen 1946, be inde sich in diesem beun uhi-
genden Zwischens adium: Ih Haa is geschni en wie das eines Jungen (Mc-
Culle s 2008: 8) und sie wünsch sich auch, ein Junge zu sein und in den K ieg
ziehen zu können.7 Im Un e schied zu Mignon äg diese „ omboy“ seh wohl
einen Namen, nämlich zunächs den sexusambigen Kosenamen F ankie. Und
es is au schluss eich, dass sie, wenn sie gelegen lich ih es Zwischenzus ands
übe d üssig wi d, auch ih en Namen sa ha : „This was he summe when
F ankie was sick and i ed o being F ankie“ (McCulle s 2008: 29). Demen -
sp echend beschließ sie in Teil II des Romans, sich nunmeh Visi enka en mi
dem ansp uchs ollen Namen Miss F. Jasmine Addams, Esq. he zus ellen (Mc-
Culle s 2008: 61), um dann in Teil III, am Ende des Romans, desillusionie ,
abe auch ge ei , nu noch mi dem eindeu ig weiblichen Vo namen F ances
e wähn zu we den (McCulle s 2008: 167 und ö e ).
Sexusambige Namen sind im Englischen wesen lich häu ige als im Deu -
schen, wo sie im ino iziellen Be eich eigen lich nu als Hypoko is ika o -
kommen. Dennoch endie en iele diese Namen zu einem ode dem ande en
Geschlech , z. B. de Name Robin zum männlichen. Dahe e wa e de In-
dus ielle Vic Wilcox in dem Roman Nice Wo k on Da id Lodge auch einen
männlichen Akademike , als ihm Robyn Pen ose angekündig wi d, de ihn im
Rahmen eines akademischen P ojek s bei seine A bei „bescha en“ soll. Sei-
ne Ve blü ung, als ihm eine junge Dame gegenübe i , is en sp echend g oß
(Lodge 1989: 106 .). Es wa ein Vo namenlexikon, das Da id Lodge au die
Idee b ach e, aus de Sexusambigui ä des Namens Robin/Robyn eine komische
Szene zu en wickeln; zugleich and e , dass de „and ogyne“ Name Robyn seh
gu zu seine eminis ischen und selbs bewuss en Heldin passe (Lodge 2011: 38).
6 Goe he (1977 [1795/96]: 522): Mignon ha „einen Schwu ge an […], keinem lebendigen Men-
schen ih e Wohnung und He kun nähe zu bezeichnen.“
7 McCulle s (2008: 30 ). De Roman spiel wäh end des Zwei en Wel k iegs in eine Kleins ad
in Geo gia/USA.
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116 Ac a Linguis ica Li huanica LXXII
Im Un e schied zum ealen Leben wi k ein Name, dessen u sp üngliche
lexikalische Bedeu ung noch e kennba is , im li e a ischen We k au oma-
isch „ edend“. Das e klä sich dadu ch, dass wi beim Namen im li e a ischen
Kuns we k da on ausgehen müssen, dass de Au o ihn in en ional gewähl ha ,
e ha e seinem T äge niemals zu ällig an. Folglich inden wi edende Na-
men – de Ausd uck s amm on Lessing – schon in de An ike (Bi us 1987:
40). Zwa d ück de edende Name o genug das aus, was seinen T äge a -
sächlich cha ak e isie , wie das bei John Fieldings Squi e Allwo hy in Tom Jo-
nes (1749) de Fall is , doch schon üh we den edende Namen auch i onisch
ode gegensä zlich e wende . So is de Angelo in Shakespea es Measu e o
Measu e (1604; Ak III, 2, 249–254) alles ande e als angelical. Es is diese imme
mögliche i onische ode an i he ische Anwendung, die edende Namen schon
on o nhe ein ambig we den läss , denn e s im Lau de E zählung können
wi im allgemeinen e ah en, ob ein seman isch du chsich ige Name das häl ,
was e e sp ich . Ein schönes Beispiel ü diese Ambigui ä is Mi le in Goe-
hes Wahl e wand scha en: Zunächs als du chaus e olg eiche Ve mi le ein-
ge üh ,8 e sag e doch bei Edua d und Cha lo e.
Bleib hie die Ambigui ä des edenden Namens wei gehend gewah , so
neig Theodo Fon ane, ein Meis e i onische Namengebung, dazu, diese ony-
mische Ambigui ä so o au zulösen, ja eigen lich ga nich e s en s ehen zu
lassen. So äuße sich Komme zien a T eibel bei einem on ihm e ans al e-
en Dine hinsich lich zweie Damen: „Zwei Damen om Ho e; die ko pulen-
e: F au Majo in on Ziegenhals, die nich ko pulen e […]: F äulein Edwine on
Boms “ (Fon ane 1969 [1892]: 23). I onie, so Roland Ba hes (1974: 66), „geh
imme on einem siche en O aus.“ Diese is hie du ch die eindeu ige Aussa-
ge übe die Ko pulenz de beiden Damen gegeben. Nich genug dami , e geh
sich T eibel noch übe den be äch lichen B us um ang de Ziegenhals und
philosophie : „Im üb igen, es sind das so die sche zha en Wide spiele, die das
Leben e hei e n. Klops ock wa Dich e , und ein ande e , den ich noch pe sön-
lich gekann habe, hieß G iepenke l“ (Fon ane 1969 [1892]: 24). Zu e gänzen
wä e, dass on Boms nich als eigen lich edende , sonde n als klangsymboli-
sche Name seine sugges i e Wi kung en al e .9 Eben alls in F au Jenny T eibel
begegne die Gou e nan e F äulein Honig, übe die so o gesag wi d, dass sich
8 Goe he (1977 [1809]: 255): „Solange e im Diens e wa , ha e sich kein Ehepaa scheiden lassen
[…].“
9
Man e gleiche hie zu auch Deme z (1964: 194).
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Onymische Ambigui ä in de Li e a u
„ih e he ben Züge wie ein P o es gegen ih en Namen ausnahmen.“10 Sobald
I onie ins Spiel komm , is ü Ambigui ä kein Pla z meh . Dies gil auch ü
die Namen im li e a ischen Kuns we k.
Is es in diesen Fällen ih e o p op iale Seman ik, die die Namen zu „ eden-
den“ mach , so kann ein Name auch dadu ch au e bo gene ode wide sp üch-
liche Cha ak e züge seines T äge s au me ksam machen, dass ihn be ei s o he
bekann e Pe sonen ge agen haben, seien es Pe sönlichkei en de auße ex u-
ellen Wi klichkei , seien es li e a ische Figu en.11 De Name e häl hie seine
Bedeu ung du ch die ihm inhä en en in e ex uellen Bezüge. Nich imme ge-
schieh dies au so au ällige Weise wie bei dem sozialdemok a ischen, gewe k-
scha lich o ganisie en Maschinenmeis e Napoleon Fische in Hein ich Manns
Roman De Un e an, bei dem sich de Lese na ü lich so o ag , ob e den
Ansp üchen dieses Namens ge ech wi d. Viel disk e e e häl sich Fon ane in
I ungen, Wi ungen, dessen P o agonis in den zwischen Sünde und Heiligkei
oszillie enden Namen Lene, Ku z o m des biblischen Namens Ma ia Magdale-
na, äg . In Wilhelm Raabes Roman Un uhige Gäs e wi d die dem Namen Phö-
be inhä en e in e ex uelle Ambigui ä soga handlungs ele an : Als de junge
S uden Vei on Bielow den weiblichen Vo namen Phöbe in de Dachkamme
eines Kommili onen zum e s en Mal hö , kling e ihm „nu hold hellenisch“,
und so u e „ihn öhlich de Mondsichel übe den Däche n in de deu schen
F ühlingsnach zu“ (Raabe 1961 [1885]: 190). Im „hellenischen“ Kon ex e -
weis de Name Phöbe au Phoibos Apollon (Böschens ein 1986: 28, Anm. 55),
zugleich abe au die jung äuliche Mondgö in A emis, die auch den Bei-
namen Phöbe ode die Glänzende äg (Lensing 1988: 162). De Hinweis au die
„Mondsichel“ in Raabes Tex is ja nich zu übe hö en. Wenn abe de nich zu-
le z du ch seine Bekann scha mi Phöbe am Ende des Romans odk anke Vei
on Bielow in einem B ie un e mi el die Gö in „Pe sephoneia […]“ an u
(Raabe 1961 [1885]: 333), „die Gö in de Un e wel , de en Name e ymologisch
au den Mond zu ückge üh und die de A emis o als Gespielin zu Sei e
ges ell wi d“ (Lensing 1988:162), wi d du ch diese my hologisch-onymischen
Ve weise die om Au o in den Sub ex e bann e Thema ik on E os und Tha-
na os e iden (Lensing 1988: 163). Ve bann und abuisie is diese Thema ik
hie inso e n, als de my hologische Bezug des Namens Phöbe im mani es en
Tex so o zuguns en eines ande en, nämlich biblischen Bezugs übe sch ieben
10 Fon ane (1969 [1892]: 33). Te minologisch he sch hinsich lich de a ige Namen noch Un-
siche hei . Hengs /Sobanski (2000) sp echen hie on „kon ä en Namen“, Hengs /Vasil’e a
(2007: 151) om lying name. Das En s ehen on Komik du ch de a ige Namen e klä Pohl
(2005) mi els kogni i is ische Konzep e.
11 Die li e a ische Onomas ik sp ich hie on „ e kö pe en Namen“; gl. Bi us (1987: 45).
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wi d, is doch Phöbe auch de Name jene „Diene in de Gemeinde in Ken-
ch eä“, die om Apos el Paulus, wohl als Übe b inge in seines B ie es, de ö-
mischen Gemeinde als „unse e Schwes e “ emp ohlen wi d (Röm 16.1; Raabe
1961 [1885]: 190). Dahe sehen manche In e p e en Phöbe ganz als „die Schwes-
e “: „Schwes e lich sind Phöbes Funk ionen im Hause des leiblichen B ude s,
‚schwes e lich‘ auch sind ih e Au gaben im Do e.“12 Le z lich abe e lek ie
die Ambigui ä ih es Namens zwischen g iechisch-my hologischen und ch is -
lichen Bezügen die inne e Wide sp üchlichkei eine Figu , die, wie es eine de
bes en Raabe-Kenne de Gegenwa ausged ück ha , „is no an easy cha ac e
o ead“ (Sammons 1987: 246).
Vo - und Familienname bilden sei unge äh dem 14./15. Jah hunde in
Deu schland, abe auch in England, den „Gesam namen“ eine Pe son.13 Es
gib eine ganze Reihe deu sche , abe auch englische Familiennamen, die oh-
ne o male Ände ung aus Ru namen gebilde sind, wie e wa F ied ich, Lukas,
We ne .14 Die du ch die ehlende Ma kie ung des Familiennamens au e ende
Ambigui ä nü z z. B. de Sch i s elle Bodo Ki chho zu Beginn seines au
den Philippinen spielenden Romans In an a aus: „De Deu sche […] s ell e sich
plö zlich mi Lukas o . ‚Mis e Lukas Ku ?‘ – ‚Mis e Ku Lukas.‘ – ‚Dann
s and au dem Au klebe Ih Vo name.‘ – ‚Jemand ha sich gei . Wie Sie‘“
(Ki chho 1990: 7). Doch auch wei e e und ü den Tex bedeu same e Mög-
lichkei en onymische Ambigui ä bie en sich einem Au o au g und de beiden
Bes and eile des Gesam namens, die dann li e a isch p oduk i we den können,
beispielsweise, wenn Vo - und Zuname in i gendeine Weise mi einande kon-
as ie en. Pa adebeispiel ü einen de a „geb ochenen“ (P esch 2002: 3 . und
passim) ode auch „an i he ischen“ Namen (Deme z 1964: 197–201) is Thomas
Manns Tonio K öge (1903). Die An i he ik de beiden Namenbes and eile be-
uh hie au de sp achgeog aphischen Ma kie hei on Tonio als omanische ,
also „südliche “ Name und K öge als niede deu sche , also „nö dliche “ Na-
me.15 Zusammengenommen e zeugen die de a ma kie en Namen eine Am-
bigui ä , die kons i u i ü den kon lik geladenen Cha ak e des P o agonis en
de Mannschen No elle is . Abe Thomas Mann is keines alls de e s e, de
dieses onymische S ilmi el e wende ; e olg hie in ech eng Theodo Fon-
ane, de in E i B ies einem „[…] kleine[n] schie schul ige[n] und as schon
12 Höhle (1969: 131). Signigi an e weise i Phebe auch als Schwes e Holden Caul ields in
J. D. Salinge s Roman The Ca che in he Rye (1951) au .
13 De Te minus nach Seibicke (2008: 10, 14 .).
14 Vgl. zu En s ehung diese Familiennamen Kohlheim (2000).
15 Nach Bi us (1987: 45) handel es sich hie bei um „klassi izie ende“ Namen.
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Onymische Ambigui ä in de Li e a u
so gu wie e wachsene[n] He [n], de zugleich e was so Dis inguie es ha e
[…]“, den Namen Alonzo Gieshüble gib . Fon ane lieb es, wie üb igens auch
Thomas Mann, seine Figu en au ällige Namen kommen ie en zu lassen, und
so äuße sich E i, als ih de Apo heke Alonzo Gieshüble o ges ell wi d,
e end: „Und dann sehe ich doch auch gleich, daß Sie ande s sind als ande e.
[…] Vielleich is es auch de Name, de in Ih em Fall mi wi k . Das wa im-
me eine Lieblingsbehaup ung unse es al en Pas o s Niemeye ; de Name, so
lieb e e zu sagen, besonde s de Tau name, habe was geheimnis oll Bes im-
mendes, und Alonzo Gieshüble , so mein ich, schließ eine ganz neue Wel o
einem au , ja, as möch e ich sagen dü en, Alonzo is ein oman ische Name,
ein P eziosaname.“ – „Ja meine gnädigs e F au“, an wo e ih Gieshüble , „da
e en Sie’s“ (Fon ane 1969 [1895]: 64 .). De „P eziosaname“ Alonzo e weis
au Spanien, wohe Gieshüble s Mu e a sächlich komm , und dami au das
Don-Quicho eha e dieses Cha ak e s, de am liebs en „als Cid ode i gend
sons ein Campeado “ ü E i „kämp en und s e ben“ wü de (Fon ane 1969
[1895]: 66), wäh end de Familienname, de an ein böhmisches Mine alwasse
e inne (Deme z 1964: 199), das bü ge liche Elemen dieses Apo heke s e -
i , de auch s olz da au is , dass die Gieshüble s „schon in de ie en Gene-
a ion, olle hunde Jah e“ o sansässige Apo heke sind (Fon ane 1969 [1895]:
65; gl. auch Deme z 1964: 199).
Alonzo Gieshüble s eh zu de Ambigui ä seines Namens und leb sie uch -
ba aus. Ganz ande s de Musikleh e und Komponis Niels W schowi z aus
Fon anes le z em Roman De S echlin. Niels W schowi z leide soga de a an
seinem an i he ischen Namen, dass e „aus eine A Ve zwei lung Dok o ge-
wo den is “ (Fon ane 1969 [1899]: 130). Es is nämlich nich , wie man e wa -
en könn e, p imä die sp achlich-geog aphische An i he ik seines aus einem
dänischen und einem schechischen Elemen kombinie en Gesam namens,16
sonde n ein nu aus seine indi iduellen Biog aphie e klä ba e Wide wille ge-
gen den Vo namen Niels, den auch de on ihm e ach e e dänische Komponis
Niels Gade ug. „Niels Gade“, heiß es bei Fon ane, „wa ihm de Inbeg i al-
les T i ialen und Unbedeu enden […], und so kam e au den Gedanken, den
Vo namen au seine Ka e du ch einen Dok o i el wegzueskamo ie en“ (Fon-
ane 1969 [1899]: 131 .). Auch hie wi d deu lich, dass Fon ane dazu neig , ony-
mische Ambigui ä en baldmöglichs zuguns en eine wie auch imme gea e en
Eindeu igkei au zulösen.
Doch auch Fon ane is nich de e s e, de die Ambigui ä des Gesam namens
eine seine Figu en p oduk i ausnü z . Als Vo gänge wä e hie o allem
Jean Paul zu nennen, de in seinem 1809 e schienenen Roman Des Feldp edige s
16 Deme z (1964: 200): „W schowi z wa zu Zei Fon anes das Wedding des schechischen P ag“.