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VYTAUTAS STULPINAS

Dichter, Telšiai

UŽRAŠAS, UŽRAŠUI NELYGUS

In den Häusern meiner Kindheit gab es keine Fenster nach Norden. Ein staubiger, ausgefahrener Weg schimmerte weiß und bog um das große Geheimnis des Sommers – die Kapelle im Dorf Stulpinai. Der Vater sammelte winzige Glasscherben ein und trug sie, nachdem er die Erde abgefegt hatte, in der Hand unter die Kastanien, in ein breites schwarzes Fass. In den Häusern meiner Kindheit gab es keine Fenster nach Norden – das Licht der Augenblicke glitt angenehm und still dahin, als wären die Klaviere zerstreut. Die Tür des Vorraums wurde vom Rascheln alter Fliedersträucher aufgestoßen, in dem das Knirschen mumifizierter Traubenbüschel mit reichlichem Vogelgezwitscher verschmolz. Im Grimm der Traubenbüschel konnte man einen nachdenklichen Hund hecheln hören. Übrigens nicht nur ihn. In der Mittsommerhitze stürzte ein Eimer in den Brunnen, als ginge es in eine andere Welt. Übrigens nicht nur er. Der schläfrige, von Winden gereizte, vom Hurrikan abgerissene Wipfel der wilden Birne wirft noch immer einen Schatten auf die Ebenen der Erinnerung; gemeinsam mit dem sonnigen Fenster der Kapelle geht er über die Felder mit mir, ein Schatten und ein Widerschein, die ich trug und trage

Einblicke / Insights

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VYTAUTAS STULPINAS

wie einen Rucksack voller Schiefertafeln. In eine von ihnen ist scharf eine Inschrift eingeritzt, die der Inschrift nicht gleicht: „In den Häusern meiner Kindheit gab es keine Fenster nach Norden.“

DIE LEIDENSCHAFT DER GRŪSTĖ

Auf den Wiesen stecken ausgedörrte Rechen. Die Menschen des abgelegenen Winkels sind verstummt, das Vieh ist unruhig – die Eimer liegen auf der Seite. Nach unerträglicher Hitze kommt die Stunde der hastigen Rast: Der Mittag streckte einen üppigen Ellbogen vor. Was du findest, geschieht: Männer desselben Stammes breiten Matten auf dem Gras der Grūstė-Sandflächen aus. Graziöse, makellos gekleidete Frauen des Stammes holen mit den fürsorglichen Blicken der Alten Verpflegung aus den Netzen und schelten, schüchtern abgewandt, als wollten sie ihre Erleichterung an der festlichen Leinwand verbergen, leise die Kinder. Ach... Warte, komm näher, struppiger Spatz, ich werde diese kurze Erzählung abbrechen; komm, rück ein wenig heran, hilf mir, vielleicht, über die Meerenge hinweg das alte Leid der Sippe auszumessen, und zwar womit – mit einem aufrollbaren Wachstuchmaßband, das sogleich in die Leidenschaft der Grūstė eingehen wird. Schau, Spatz, geduldig, aufmerksam, versäume kein noch so kleines Detail, dort, wo der weitere Waldpfad ist und die Stunde, in der eine Wolke wie eine durchsichtige Feder dahingleitet.

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Acta Linguistica Lithuanica LXXXV

Vytautas Stulpinas – ein Dichter des statischen Stroms

METAPHER

Klingelt nicht am Hafenkai ein Zyklus, geschrieben für Sopran und Pianola? Nein, niemals dachte ich, dass ich wieder wie ein Schiffsjunge auf dem allerarmseligsten Floß hinausfahren müsste, dass ich nach Monaten, Jahren der Metapher beim Fischgeschäft begegnen würde – einer langhalsigen und schlanken, mit einem Umhang, während der Wind den hohlen Sonntagsfilz zerzaust.

PRIEŠ SAULĖS UŽTEMIMĄ

Durch einen kiesbestreuten Korridor zwischen den Zimmern ziehen Ameisen. Aus den Toten erhebt sich das Quadrat des Trödelmarkts. Von einem Milizionär in die Enge getrieben, kreischen und irren Spekulantinnen im tristen Gehege umher und schleudern Hefestücke in die Höhe, deren gelblicher Schwarm allmählich die Sonne verdeckt. Der zerknirschte, nörgelnde Wagen und der Karren der Astrologen biegen zum Turm der Kapelle ab, der aus mächtigen Eschen hervorragt. Der Novellist bedauert ihn, und weiter nichts, den einsamen, traurigen und leeren steinernen Straßenbelag. Pathetik, Pomp und Pathos breiten sich wellenförmig aus. Ein Zeisig, der vor dem Amt der Finsternisse steht, knöpft den Spalt des Himmels zu, starrt unverschämt auf Frauen in Hosen und schlägt mit einem Regenschirm auf die Erde. Auch die Novelle stolpert, die kurz vor der Sonnenfinsternis hervorbricht. Was soll man über den Novellisten sagen.

Einblicke / Insights

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VYTAUTAS STULPINAS

DER ERSTKLÄSSLER

Einst war ich in der Simono-Daukanto-Straße reich. Ich hatte ein Bündel Späne und lernte in der ersten Klasse. Ein Bündel Späne! Ich bügelte Hirse und Bonbonpapiere, fuhr auf Skiern zu Besuch. Ein Bündel Späne! Ja, reich war ich, als ich rechnen lernte: addieren – subtrahieren, multiplizieren – dividieren. Wo sind das Bündel Späne und der an den Griff der Aktentasche gebundene Teebecher? Ja, ich lernte rechnen – wie gebildet ich doch gewesen war.

DAS LICHT EINER WOCHE

Sehnsucht nach dem Waldweg, nach den mit grünlicher Tinte vollgekritzelten Blättern, nach dem Wort, das hinterhergeht. Ich willigt ein, mich in einen Kleiderschrank zu verwandeln; ich würde mich in einen kalten Teller verwandeln, in eine Schale ohne Früchte, wenn dies eine Täuschung ist. Licht, eine Woche alt, für den Einsiedler der Laube. Das Gute von herbem Geschmack

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Acta Linguistica Lithuanica LXXXV

Vytautas Stulpinas – ein Dichter des statischen Stroms

reizt den Gaumen. Geliebte, vieles gehört einer anderen Zeit an. Es genügt nicht, an einem verdrießlichen Ufer, auf einem Waldweg zu reisen. Die Krümmung der ersten Bäume ist beinahe unbekannt; Wellen schlagen unaufhörlich gegen das Boot, dessen Planken auseinandergegangen sind. Du kitzelst mit einem kleinen Wortzweig die alternden dünnen Schichten.

EINE FALTE FÜR DIE HEIMAT

Nirgendwo sonst möchte ich heute Abend sein. Nirgendwo sonst. Nur hier. In der Senke auf dem Hügel blitzte Wasser auf. Der Wirbelsturm sucht an den Hängen nach einer Stelle, an der er sich drehen kann. Stadt und See und die besungene Insel werden jeden Tag herbstlicher. Die ruhige und stille Trauer des Geländers, die nach unten führt. Nirgendwo sonst möchte ich heute Abend sein und mich an blassen Spiegelbildern langweilen. Der Wirbelsturm zerreißt die hiesigen Hügel. Was tust du, Seele der Hummel, welche Sparren liegen in deinem Blickfeld? Ein langsamer einsamer Tanz, gespielt mit einem länglichen Blatt – für wen und wozu?

Einblicke / Insights

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