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LIETUVIŲ KALBOTYROS KLAUSIMAI, XXXIV (1994)

LIETUVIŲ KALBOS TARMĖS IR JŲ TYRINĖJIMAI

Williamas SCHMALSTIEGAS

ZUM GEDENKEN AN PROFESSOR ANTANAS SALYS

Ich bedaure aufrichtig, heute nicht bei Ihnen sein zu können, bin aber meinem guten Freund und Kollegen Algirdas Sabaliauskas dankbar für die Übersetzung ins Litauische kurzer Erinnerungen an einen meiner geliebten Professoren*. Da in Kürze eine Konferenz zum Gedenken an Professor Jonas Kazlauskas stattfinden wird, werde ich auch einiges über ihn sagen.

Meine ersten wirklichen Kontakte mit der litauischen Kultur begannen im Herbst 1950, als ich als Doktorand an der University of Pennsylvania aufgenommen wurde. Im ersten Semester waren meine Professoren Alfredas Sennas (Seminar für slawische Philologie), Vincas Krėvė-Mickevičius (russische Sprache (Russian conversation and composition), sowjetische russische Literatur), Franz Rosenthal (arabische Sprache), Carlton Coon (Anthropologie) und Atanas Salys (bulgarische Sprache). Da die Fachbereiche für slawische Sprachen damals klein waren, musste jedes Fakultätsmitglied zahlreiche Aufgaben übernehmen. Deshalb unterrichtete Prof. A. Salys einen Kurs über das moderne Bulgarisch. In diesem Kurs benutzten wir die „Грамматика болгарского языка“ des berühmten russischen Slawisten S. B. Bernštein.

Prof. A. Salys kam nach dem Zweiten Weltkrieg an die University of Pennsylvania, eingeladen von Prof. A. Senn, der Ende der vierziger Jahre beauftragt worden war, eine Abteilung für slawische Sprachen einzurichten. Neben seinem ehemaligen Studenten A. Salys lud A. Senn auch V. Krėvė-Mickevičius und Pranas Skardžius ein; es ging jedoch das Gerücht, dieser habe abgelehnt, weil er nicht mit A. Senn habe arbeiten wollen. Der erste Eindruck, den A. Salys auf mich machte, war positiv.

Der Professor war außerordentlich fürsorglich und gewissenhaft. Uns Studenten vermittelte er nicht nur gute Grundlagen der bulgarischen Sprache, sondern auch der allgemeinen Sprachwissenschaft. Er sprach ziemlich langsam, aber laut und deutlich. Obwohl sein Englisch einen leichten Akzent hatte, fiel es niemandem schwer, ihn zu verstehen. (Anders war es bei V. Krėvė-Mickevičius, den ich tatsächlich nie Englisch sprechen hörte. Da ich in meinem ersten Jahr an der University of Pennsylvania kein Litauisch konnte, sprach ich mit V. Krėvė-Mickevičius immer Russisch. Prof. V. Krėvė-Mickevičius beherrschte Latein sehr gut und konnte vermutlich mühelos Englisch lesen, doch ich hatte den Eindruck, dass es ihm außerordentlich schwerfiel, Englisch zu sprechen.)

Prof. A. Salys schien stets gut gelaunt und freundlich zu sein und war bereit

* Eine englischsprachige Fassung dieses Artikels: S c h m a l s t i e g W. R. To the memory of Professor Antanas Salys // Lituanus, 1992. V. 38, № 3. P. 58—68.

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Er verwandte unendlich viel Zeit darauf, uns, den wenig gewitzten amerikanischen Studenten, allerlei Fragen der Grammatik und der Linguistik im Allgemeinen zu erklären. Mir schien, er sei ein Mensch, der stets lächelt. Im zweiten Semester studierte ich viele der Fächer weiter, mit denen ich im ersten begonnen hatte; anstelle sowjetischer russischer Literatur belegte ich jedoch den Kurs über altrussische Literatur bei V. Krėvė-Mickevičius. (Darin bemühte sich V. Krėvė-Mickevičius, die Schwierigkeiten des mittelalterlichen russischen Epos „Die Erzählung von Igors Heerfahrt“ zu erläutern.) Anstelle von Anthropologie begann ich bei Prof. A. Salys, Preußisch zu studieren – meine erste baltische Sprache. Die Bibliothek der University of Pennsylvania konnte irgendwie einige Exemplare von J. Endzelīns’ „Altpreussische Grammatik“ (Riga, 1944) beschaffen. Wir benutzten diese Grammatik als Lehrbuch. Ich besitze noch immer das Exemplar, das ich damals gekauft habe. Auf der zweiten Umschlagseite steht: Auflage 1000. Heute dürfte es eine bibliografische Seltenheit sein.

In unserer Gruppe waren nur fünf oder sechs Studenten, doch erinnere ich mich nur an zwei – einen gewissen William Gibbon, einen Einheimischen aus Amerika wie ich, und Antanas Klimas, den ich 1950 kennenlernte und mit dem ich seither befreundet bin. Wahrscheinlich fiel es Prof. A. Salys schwer, die elementare baltische Philologie anhand des Preußischen zu erklären. Doch letztlich gelang es ihm offenbar, denn einmal sagte er mir, ich beginne zu verstehen, was er zu vermitteln versuche. Ich lernte stets fleißig und bekam recht gute Noten, aber nichts fiel mir leicht, und oft begriff ich den Kern einer Vorlesung nicht auf Anhieb.

Nach einem Jahr Studium an der University of Pennsylvania wechselte ich im Herbst 1951 an die Columbia University, wo ich bei dem berühmten französischen Linguisten André Martinet studierte. Im Frühjahr 1952 wurde ich zum Militärdienst eingezogen und konnte erst im Herbst 1954 an die University of Pennsylvania zurückkehren.

Sogleich begann ich, die Kurse von Prof. A. Salys in Litauisch, Polnisch und Altslawisch zu besuchen. Im Studienjahr 1954/55 nahmen vier Studenten am Litauischkurs teil; darunter war mein guter Freund Samuel Levin, heute ein weithin bekannter Professor für englische Linguistik in New York. In jenem Studienjahr trafen S. Levin, Kostas Ostrauskas (manchmal auch Vincas Maciūnas) und ich uns häufig gegen drei Uhr nachmittags im Vorraum der Bibliothek der University of Pennsylvania, um miteinander zu plaudern. Unser Trio, also S. Levin, K. Ostrauskas und ich, nannte sich Klub der litauischen Patrioten; sein Wahlspruch lautete: „Chicago heute – die Welt morgen“.

Unser Lehrbuch für Litauisch war ausschließlich auf Litauisch verfasst, und wir benutzten es hauptsächlich zum Lernen der Paradigmen, da es kein ausführliches Lehrbuch des Litauischen auf Englisch gab. Ich glaube, das Lehrbuch stammte von dem Priester J. Starkus, bin mir aber nicht sicher, denn ich weiß nicht, wo es sich heute befindet.

Prof. A. Salys verstand, welche Schwierigkeiten die litauische Grammatik englischsprachigen Studenten bereitete; deshalb übersetzte er uns während der Übungen die meisten grammatischen Sachverhalte. Ich glaube, dass wir alle hier eine gute Grundlage in der litauischen Grammatik erhielten, obwohl Prof. A. Salys der gesprochenen Sprache keine besondere Aufmerksamkeit widmete. Er korrigierte unsere schriftlichen Arbeiten schnell und sorgfältig und wies stets, als würde er nie müde, auf unsere elementaren Fehler hin. Damals lasen wir vervielfältigte litauische Texte, von denen ein Teil schließlich als zweiter Band von Prof. A. Senns „Handbuch der litauischen Sprache“ (Heidelberg,

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1957) veröffentlicht wurde. Anhand eines nachgedruckten Exemplars dieses Buches sprach K. Ostrauskas „Piršlybos“ von Lazdynų Pelėda auf mein Tonbandgerät; ich hörte es viele Male aufmerksam an, um die gesprochene Sprache besser zu lernen. Aus diesem Kurs erinnert S. Levin sich besonders gut an den Ausspruch „Aklam kelio neparodysi“ (heute A. Senns Handbuch II, 19), und wann immer ich S. Levin treffe, wiederholt er diese Redensart. Ich fürchte, dass er vielleicht denkt, dieses Sprichwort passe auf mich. (Samuel Levin, ein Spezialist für englische Linguistik, ist nicht mit Jules Levin, einem Baltisten, zu verwechseln.)

Die Kurse in Altslawisch und Polnisch unterrichtete Prof. A. Salys ebenso methodisch und gewissenhaft wie seine übrigen Kurse; dabei folgte er jedoch der amerikanischen Praxis und erlaubte den Studenten, ihn jederzeit mit Fragen zu unterbrechen. Ein Student fragte ihn einmal, wie er Polnisch gelernt habe. A. Salys antwortete, er habe Radiosendungen gehört, als er noch in Litauen lebte.

Prof. A. Salys sah ich nur ein einziges Mal schlecht gelaunt, als ein Polizist ihn wegen falschen Parkens bestrafte – im ganzen Viertel war nur er bestraft worden, obwohl auch die übrigen Autos verbotswidrig abgestellt waren.

Ursprünglich sollte Prof. A. Salys mein Doktorvater sein, doch aus irgendwelchen administrativen Gründen wurde beschlossen, dass Prof. A. Senn die Betreuung übernehmen sollte. Ich suchte Prof. A. Salys oft um Rat auf, und sowohl A. Senn als auch A. Salys nahmen an meinen abschließenden Doktorprüfungen teil. Sie können sich meine Verwirrung vorstellen, als die Frage nach dem litauischen Wort kùnigas aufkam. Prof. A. Senn behauptete, dass es in diesem Wort nach dem zweiten Vokal niemals ein nasales Element gegeben habe, das heißt, dass es niemals *kuningas oder Ähnliches gegeben habe; A. Salys vertrat jedoch die gegenteilige Meinung. Während der Prüfung wurde ich nach meiner Ansicht gefragt. Da ich keine der beiden Seiten unterstützen wollte, antwortete ich, dass sich für beide Standpunkte etwas anführen lasse.

1956, nach meiner Promotion, ging ich an die University of Kentucky in Lexington (Lexinton), um dort zu arbeiten. Auch nachdem ich Pennsylvania verlassen hatte, hielt ich weiterhin Kontakt zu Prof. A. Salys. Später schlug er vor, dass ich mit seiner Hilfe J. Endzelīns’ „Baltų valodu skaņas un formas“ ins Englische übersetzen sollte. Der Professor meinte, wir könnten einige litauische Paradigmen hinzufügen, sodass das Buch auch für den Litauischkurs geeignet wäre, dem ein englischsprachiges Lehrbuch fehlte. Er besorgte mir die litauische Übersetzung „Baltų kalbų garsai ir formos“, die ursprünglich unter der Leitung von Jonas Kazlauskas vorbereitet worden war, und ich begann mit diesem Projekt. Schließlich zog sich A. Salys aus der Arbeit zurück, und ich schloss sie mit Hilfe des lettischen Linguisten Benjamins Jēgers ab. Die Arbeit zog sich lange hin und wurde schließlich 1971 unter dem Titel „Jānis Endzelīns’ Comparative Phonology and Morphology of the Baltic Languages“ (The Hague, Paris: Mouton) veröffentlicht.

Ich schrieb Prof. A. Salys regelmäßig und hatte Gelegenheit, ihn recht häufig zu sehen, besonders nachdem ich nach Pennsylvania zurückgekehrt war und zunächst am Lafayette College in Easton (Ist one (Easton)) und später an der Pennsylvania State University unterrichtete, an der ich noch heute tätig bin. Er beriet mich und lieh mir Bücher aus seiner Privatbibliothek, als ich den Artikel „Lithuanian“ (S. 287–300) für den von Thomas A. Sebeok herausgegebenen Band „Current Trends in Linguistics“ (1963), The Hague: Mouton, verfasste. Damals wusste mehr als einer von uns nicht, wofür das Initial A. vor Sabaliauskas stand. Prof. A. Salys sagte, er vermute, es könne Albinas sein. So unser guter Freund

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Algirdas Sabaliauskas wurde in diesem Artikel zu Albinas.

Beim Durchblättern meiner Papiermappen entdeckte ich, dass ich etwa ein Dutzend Briefe von Prof. A. Salys besitze, die zwischen 1966 und dem 27. März 1972 geschrieben wurden. Er war stets daran interessiert, litauischen Sprachwissenschaftlern nach Möglichkeit dabei zu helfen, zu reisen. In einem Brief vom 30. Dezember 1966 schrieb er: „Weder Kazlauskas noch Mažiulis können ihre ‚Nase ins Ausland stecken‘ [...] Nur eines wundert mich: dass Rektor Kubilius bei den Feierlichkeiten zum Beginn des Studienjahres an der Universität Vilnius [...] als feststehende Tatsachen erwähnte, Kazlauskas und Mažiulis reisten in die USA und nach Frankreich. Offenbar betrieb der Rektor hier Politik. Ohne die Zustimmung Moskaus abzuwarten, machte er alles öffentlich bekannt und sprach es groß herum, damit es Moskau anschließend unangenehm wäre, sie nicht ausreisen zu lassen. Und eine Verweigerung würde erneut Moskaus törichte Sturheit und sein Misstrauen selbst gegenüber offiziellen Parteimitgliedern offenbaren (Kazlauskas und Mažiulis sind beide Parteimitglieder und werden wohl hauptsächlich aus Karrieregründen eingetreten sein). Wenn sie trotzdem nicht ausreisen dürfen, wird man in ganz Vilnius viel darüber reden und die ‚Ruskis‘ verfluchen.“

Hier sollte ich hinzufügen, dass weder Prof. A. Salys noch ich der Ansicht waren, es sei verwerflich, Parteimitglied zu sein. Uns schien es schlicht eine Tatsache des Lebens, dass jeder, der in der Sowjetunion die litauische Kultur lebendig erhalten wollte, als Parteimitglied bessere Chancen hatte, dies zu tun. Ich erinnere mich, dass ich in den 1970er Jahren versuchte, einige meiner litauischen Freunde zu ermutigen, Parteimitglieder zu werden. Andererseits sollten Sie nicht glauben, ich sei jemals Kommunist gewesen oder hätte kommunistischen Ansichten zugestimmt. Ich glaube, dass viele meiner Kollegen an der Pennsylvania State University mich für ausgesprochen konservativ halten.

Am 5. und 6. April 1968 fand an der Pennsylvania State University die baltistische Sprachwissenschaftskonferenz statt, die erste überhaupt auf dem nordamerikanischen Kontinent. Ich lud zahlreiche namhafte Vortragende ein: Antanas Klimas, Leonardas Dambrūnas, Gordon B. Ford, Eric P. Hamp, B. Jėgeris, Alfred Senn, Calvert Watkins, Warren Cowgill, Valdis Zeps, Henning Andersen, James W. Marchand, Joseph Lelis, David Robinson, Jonas Kazlauskas, Vytautas Mažiulis und Antanas Salys. Alle Eingeladenen kamen, mit Ausnahme von D. Robinson (der sich damals nicht in den USA aufhielt) sowie J. Kazlauskas und V. Mažiulis, die keine Genehmigung zur Reise in die Vereinigten Staaten erhalten hatten. A. Salys hielt einen Vortrag mit dem Titel „Einige Bemerkungen zur Entwicklung der litauischen Dialekte“, reichte ihn aber leider nicht zur Veröffentlichung ein; deshalb ist er auch nicht in dem Buch „Baltic Linguistics“ (University Park and London, The Pensylvania State University Press, 1970) enthalten, das Alfred Senn gewidmet war und den wir im Vorwort den Nestor der Baltistik in den Vereinigten Staaten nannten. Andererseits waren wir froh, hier den Aufsatz von J. Kazlauskas „Zur baltisch-slawischen Dativ-Plural- und Dualbildung“ („On the Balto-Slavic Dative Plural and Dual“, S. 87—91) veröffentlichen zu können. Auch mehrere weitere, auf der Konferenz nicht vorgetragene Aufsätze wurden in dieses Buch aufgenommen. Später freuten wir uns über die sehr wohlwollende Rezension von V. Mažiulis.

Mir fiel auf, dass die Briefe, die Prof. A. Salys mir handschriftlich schrieb, auf Litauisch verfasst waren, während die maschinengeschriebenen auf Englisch waren. Das lässt sich dadurch erklären, dass die Sekretärin der Abteilung der University of Pennsylvania seine englischen Briefe abtippte, nicht aber die litauischen. Vor meiner ersten Reise nach Litauen schrieb er auf Englisch (am 2. August 1968): „Ich glaube, Sie werden viele meiner früheren Kollegen und Studenten treffen, zum Beispiel J. Balčikonis, J. Kruopa, K. Ulvydas, J. Senkus und viele andere. Richten Sie ihnen meine Grüße aus. Übermitteln Sie meine besten Wünsche auch dem Institutsleiter K. Korsak“

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direktor K. Korsak“.

Ich hatte A. Salys über das Buch von J. Kazlauskas geschrieben, und er antwortete in einem Brief vom 9. August 1968 (auf Englisch): „Kazlauskas’ Buch ist sehr interessant und anregend. Ich stimme seiner Forschungsmethode vollkommen zu: Die erste Aufgabe eines Philologen sollte darin bestehen, Formen auf der Grundlage der inneren Sprachentwicklung zu erklären und erst dann Schlussfolgerungen zu ziehen, die sich auf die baltischen oder allgemein die indogermanischen Sprachen beziehen.

Der Titel des Buches ist jedoch irreführend und unzutreffend. Er sollte „Fragen der historischen Grammatik der litauischen Sprache“ lauten oder, wie Korrespondenten sagen würden, „Beiträge...“. In Wirklichkeit handelt es sich um eine Dissertation zur Erlangung des Doktorgrades der Philologie. Er verteidigte sie in diesem Frühjahr, und in der Sowjetunion war eine Doktorarbeit für die Höhe des Gehalts von großer Bedeutung. Der irreführende Titel ist tatsächlich eindrucksvoller als „Fragen“, und vielleicht war das für J. Kazlauskas’ Karriere wichtiger.“

Ich hatte Prof. A. Salys eine Kopie eines ziemlich ungebildet formulierten Briefes vom 10. März 1970 geschickt. Diesen Brief hatte L. Bažanovas an den damaligen Vizepräsidenten der Pennsylvania State University, Professor Paul Althouse, gesandt. Darin heißt es: „Im Zusammenhang mit der akademischen Überlastung (академической загруженностью) wird Professor Jonas Kozlauskas (sic!) von der Staatlichen Universität Vilnius in nächster Zukunft nicht an die Pennsylvania State University kommen können, um Vorlesungen über die litauische Sprache zu halten. Mit freundlichen Grüßen, L. Bažanovas, Leiter der Abteilung für Auslandsbeziehungen des Ministeriums für Hochschul- und Fachmittelschulwesen der Litauischen SSR.“

Nachdem Professor A. Salys eine Kopie dieses Briefes erhalten hatte, schrieb er in einem Brief vom 30. März 1970: „Fazit: Rektor Kubilius ist es nicht gelungen, den ‚eisernen‘ Vorhang Moskaus zu durchbrechen. Und natürlich kann man eine Mauer nicht mit dem Kopf einrennen. Immerhin gut, dass Moskau schließlich geantwortet hat. Die Wendung в ближайшем (!) будущем lässt vermuten, dass später vielleicht doch noch etwas daraus werden könnte. Oder man versucht vielleicht auch nur, Sie so über Ihre Enttäuschung hinwegzutrösten.“

In einem Brief vom 10. April 1970 schrieb A. Salys: „Machen Sie sich wegen Bažanovas’ Brief keine Sorgen. Sie können ihn mitnehmen und Kazlauskas zeigen (das Original selbst!). Sie können jetzt auch sehr bedauern, dass Bažanovas Ihnen mitgeteilt hat, Kazlauskas sei in Vilnius derart mit Arbeit ‚überhäuft‘. Raten Sie ihm, auf seine Gesundheit zu achten und sich nicht zu überarbeiten, denn gute Sprachwissenschaftler gibt es doch so wenige.“

Prof. A. Salys half mir bei den Vorbereitungen zu meinem ersten Besuch in Litauen im Jahr 1968; später, in einem Brief vom 1. Juni 1970, bat er mich, einige illegale Bücher für Prof. K. Korsak mitzunehmen. Damals war ich noch ein Neuling, der mit der sowjetischen Zollbehörde keinerlei Erfahrungen hatte, und machte mir große Sorgen. Da ich jedoch Schüler von Prof. A. Salys war, fühlte ich mich verpflichtet, es zu tun. Also steckte ich die Bücher im Koffer unter einige englischsprachige Bücher. Als ich auf dem Flughafen Scheremetjewo landete, geriet ich in echte Panik, als der Zollbeamte bei der Kontrolle meines Koffers die litauischen Bücher herausnahm und darin blätterte. Mir scheint, er dachte, die Bücher seien auf Englisch, weil sie lateinische Schriftzeichen verwendeten. Dann sah er mir direkt in die Augen und fragte: „Есть у вас книги на русском языке?“ Ich konnte wahrheitsgemäß antworten: „У меня нет никаких книг на русском языке“. Später gewöhnte ich mich völlig daran, illegale litauische Bücher in die Sowjetunion zu bringen, und hatte das Gefühl, wenigstens einen kleinen Teil der Tradition der alten litauischen Buchschmuggler fortzusetzen. Prof. A. Salys gab mir auch ein Spielzeugmodell eines amerikanischen Militärflugzeugs für den Sohn eines Verwandten mit (Sabre Jet airplane). Auch deswegen war ich beunruhigt, denn ich dachte, selbst der Anblick eines solchen Spielzeugs könnte die sowjetischen Zollbeamten beunruhigen. Schließlich fasste ich den Entschluss, einen Kompromiss einzugehen-

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… mit einem Grinsen und nahm dabei das Emblem der US Navy ab, das zeigte, dass das Spielzeug tatsächlich ein Modell eines Militärflugzeugs war.

Später brachte ich problemlos mehrere Bände der von Prof. A. Salys selbst zusammengestellten Schriften durch den sowjetischen Zoll. Sogar meine Tochter Roxana spannte ich für diese edle Aufgabe ein. 1986 wussten weder sie noch der sowjetische Zollbeamte, der ihr Gepäck kontrollierte, wo A. Salys dritter Band der „Schriften“ erschienen war, obwohl sogar auf dem Umschlag deutlich Roma stand. Zum Glück waren weder Roxana noch der Zollbeamte große Polyglotten, und nach einem Gespräch in gebrochenem Englisch durfte sie das Buch mitnehmen und schließlich nach Vilnius bringen.

In dem erwähnten Brief vom 1. Juni 1970 schrieb Prof. A. Salys außerdem: „Es ist mir sogar unangenehm, Sie mit diesem Paket zu belästigen. Aber vielleicht kann ich Ihnen etwas mitbringen, wenn ich irgendwann wieder Litauen besuche (etwa in ein paar Jahren).“

Prof. A. Salys erwähnte, dass er, wenn auch recht verspätet, eine Einladung zur 1970 in Vilnius stattfindenden Baltistenkonferenz erhalten habe. Er vermutete, dass die Sekretärin der Abteilung sie irgendwo verlegt hatte. Er schrieb, Prof. J. Kazlauskas lade ihn zu derselben Konferenz ein. Ich sollte ihm herzlich dafür danken. Doch Prof. A. Salys’ Geldbeutel erlaubte ihm nicht, jedes Jahr nach Litauen zu fliegen. Er schrieb, er müsse warten und für eine spätere Reise sparen. In Kürze werde er mir in allen Angelegenheiten schreiben. Außerdem bat er mich, ihnen (der Familie Kazlauskas) seine besten Grüße auszurichten: Beide seien so freundlich, bescheiden und herzlich. Wenn es mir gelänge, sie auf die eine oder andere Weise nach Amerika einzuladen, schrieb er, sollten Sie ihnen sagen, dass sie bei uns willkommene Gäste sein würden. Dann schrieb er, K. Korsakas führe sein Institut mit sehr „fester Hand“. „Wenn Sie etwas brauchen, wenden Sie sich direkt an ihn.“

Po prof. J. Kazlausko mirties aš gavau laišką (1970. XII. 28), kuriame prof. A. Salys rašė: ”Kazlausko laidotuvių kalbėtojų sąrašas ypatingas[...] Nebuvo rektoriaus Kubiliaus nei Korsako, taip pat nė vieno ruso, kur dirba lituanistikos srityje (o jų juk yra keletas) [..] Juk ir apskritai Kazlausko mirtis norėta negirdomis praleisti. Tik, matyti, kaip gandai ėmė plisti, nebegalėjo tylėti, ir ”Tiesa” XII. 4. paskelbė tą sufabrikuotą mirties versiją. Taigi, tylėjo ištisus du mėnesius”.

Ich schickte Prof. A. Salys einen Nachruf, den ich für die Zeitschrift „General Linguistics“ verfasst hatte. Dazu schrieb er: „Ich glaube nicht, dass Ihr Nachrufartikel zufriedenstellend ist. Es entsteht der Eindruck, dass Sie der von ‚Tiesa‘ veröffentlichten Version des Todes Glauben schenken. Das wäre Wasser auf die Mühlen der Sowjets. Sie würden sagen, die Amerikaner nähmen die offizielle Todesversion für bare Münze, nur die ‚bürgerlichen Nationalisten‘ verbreiteten Verleumdungen und Erfindungen.“

In einem späteren Brief vom 11. März 1972 dankte er mir für das Wörterbuch „Lithuanian-English Glossary of Linguistic Terminology“ (Dept. of Slavic Languages, The Pennsylvania State University, 1971), das Prof. A. Klimas und ich zusammengestellt hatten. Prof. A. Salys fand darin etliche Fehler, darunter auch die Wiedergabe der Bedeutung von priedzukis (‘person living close to the Dzukish dialect area’). Er erklärte, damit sei nicht ein Mensch gemeint, der in der Nähe der Dzūkai lebe, sondern ein Ort in ihrer Nähe.

Etwa eine Woche vor seinem Tod besuchte ich Prof. A. Salys im Krankenhaus der University of Pennsylvania. Damals hatte ich ein ganzes Bündel Briefe dabei, die ich vor Kurzem von verschiedenen litauischen Sprachwissenschaftlern erhalten hatte — A. Sabaliauskas, Z. Zinkevičius, V. Mažiulis, J. Palionis, S. Karaliūnas und vielen anderen. Er las

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all diese Briefe mit Interesse, doch ich sah, dass er müde wurde und sich ausruhen wollte, deshalb blieb ich nicht lange. Obwohl der Verlust seiner Heimat schwer für ihn war, beklagte er sich nie. Damals hatte ich den Eindruck, dass er seinen nahenden Tod spürte, aber mit seinem Leben zufrieden war. Als Lehrer, Wissenschaftler, Autor und Förderer der litauischen Kultur hatte er so viel bewirken können.

Aus dem Englischen übersetzt von

A. Sabaliauskas

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