Gumpe , Julius
A icle
E scheinungs o men und Wesen des Impe ialismus
Schmolle s Jah buch ü Gese zgebung, Ve wal ung und Volkswi scha
P o ided in Coope a ion wi h:
Duncke & Humblo , Be lin
Sugges ed Ci a ion: Gumpe , Julius (1954) : E scheinungs o men und Wesen des Impe ialismus,
Schmolle s Jah buch ü Gese zgebung, Ve wal ung und Volkswi scha , ISSN 1619-6244, Duncke
& Humblo , Be lin, Vol. 74, Iss. 3, pp. 49-93,
h ps://doi.o g/10.3790/schm.74.3.49
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305] 49
E scheinungs o men und Wesen des Impe ialismus
on
Julius Gumpe - Be lin
1. E scheinungs o men des Impe ialismus
De Impe ialismus — diesen Beg i zunächs in seine allgemein-
s en Bedeu ung als s aa liches und olkliches Ausdehnungsbes eben
e s anden — wa im Al e um o enba e was ande es als in de
Neuzei . Und selbs hie äuße e sich bei den „Wel mäch en" in so
un e schiedliche Weise, daß de Ve such ge ech e ig e schein —
daß ein solche no wendig is , s eh noch imme auße F age —, sein
Wesen aus de Gegenwa he aus zu e klä en, die das Wo , seinem
u sp ünglichen Sinn (impe ium = poli ische Obe he scha ) den einen
ode ande en hinzu ügend, eigen lich e s he o geb ach ha 1. Wi
man einen Blick au das Ganze, dann lassen sich unschwe einzelne
Typen e kennen.
G oßb i annien is ohne Zwei el de geschich liche
G und yp des Impe ialismus. Wie selbs e s ändlich und öllig
undok inä e band es den on ihm ins Leben ge u enen Libe alis-
mus de Wi scha mi dem Mach s eben des S aa es. Als die „ ied-
liche A ille ie de wohl eilen P eise", um ein Wo on K. Ma x zu
geb auchen, an de Küs e des Fe nen Os ens e sag e, e zwang die
A ille ie seine Schlach schi e im Opiumk ieg (1840/42) die Ö nung
de chinesischen Hä en. Im Bunde mi F ank eich ebne e England in
einem zwei en Kamp abschni (1857/60) dem eu opäischen Handel
den Weg ins Inne e des bishe e schlossenen G oß eiches. Indien, ein
Gebie on ungleich g öße e Bedeu ung, wu de au ähnliche A zum
we olls en Besi z de englischen K one, was äuße lich dadu ch zum
Ausd uck kam, daß Königin Vik o ia (1877) den Ti el eine Kaise in
on Indien annahm. Um die Ve bindungss aße, das Mi elmee , zu
siche n, ließ die englische Regie ung, im Besi ze de P o e on
Gib al a (1704) und de S ü zpunk e Mal a (1802) und Zype n (1878),
1882 Ägyp en bese zen, nachdem sie einen g oßen Teil de anzö-
1 Vgl.
S.
90 .
Schmolle s Jah buch LXXIV, 3 4
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50 Julius Gumpe [306
sischen Suezkanal-Ak ien e wo ben ha e. Au die Kanadische Union
on 1867 olg e 1901 die Zusammen assung de aus alischen Kolo-
nien zu einem einhei lichen S aa sgebilde mi dem Dominions a us.
In dem Bes eben, den Kolonialbesi z in A ika „Vom Kap zum Nil"
abzu unden, wu de das Land in schwe en Kämp en gegen die ein-
heimische Be ölke ung und die eu opäischen Siedle (Bu enk iege)
e obe . In de Folge wu den die d ei süda ikanischen Kolonien Kap-
land, Na al, T ans al und de O anje eis aa 1910 zu Süda ika-
nischen Union e einig . Die Lücke in diesem „G oß aum", die haup -
sächlich du ch Deu sch-Os a ika gebilde wu de, konn e du ch den
Ve saille F ieden (1919) geschlossen we den. Das B i ische Impe ium,
das eine ganzen Epoche Namen und Ausd uck e lieh, wa äuße lich
ollende .
In welchem Tempo und in welchem Ausmaß sich dieses Wachs um
ollzog, is e gleichsweise e sich lich aus de olgenden Übe sich
übe die
Koloniale we bungen2
G oßb i annien F ank eich Deu schland
Jah Häche
Millionen
Quad a meilen
Be ölke g.
Millionen
Fläche
Millionen
Quad a meilen
Be ölke g.
Millionen
Fläche
Million n
Quad a meilen
Be ölke g.
Millionen
1815—1830
1860
1880
1899
?
2,5
7,7
9,3
126,4
145,1
267,9
309,0
0,02
0,2
0,7
3,7
0,5
3.4
7.5
56,4 1,0 14,7
Wie die Zahlen ausweisen, lieg de Schwe punk de impe ialis i-
schen Kolonialpoli ik allgemein nach den 60e Jah en des 19. Jah -
hunde s. Genaue — da on allen Kolonialgebie en de E de nu
noch A ika üb ig bleib , das 1876 e s zu e wa 10 H bese z is —
zwischen den 70e und 80e Jah en. Ein, zwei Jah zehn e spä e , um
1900, is die „Au eilung de Wel " ollzogen.
Will man die inne en Zusammenhänge eine E scheinung e g ün-
den, die wi , selbs heu e noch unkla und höchs ums i en, als „Im-
pe alismus" bezeichnen, so hal en wi uns am bes en an die englische
Geschich e, die Anschauungsma e ial die Fülle und wie kein ande es
Land lie e . Um den Faden in de Gegenwa au zunehmen, könn en
wi an das o nich allzu lange Zei zu Ende gegangene „Fes i al
o B i ain", die Jah hunde eie de Londone Wel auss ellung on
1851 denken, die nich nu eine gemeinsam e ans al e e Leis ungs-
2 Nach: „The His o y o Colonisa ion", New Yo k 1900. Zi . bei Lenin: De Im-
pe ialismus als jüngs e E appe des Kapi alismus, 1915. Vgl. Fußno e 100.
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307] E scheinungs o men und Wesen des Impe ialismus 51
schau de Indus ies aa en de Wel , sonde n auch eine ge aeinsame
Mani es a ion gegen den K ieg wa , de nu noch an den Randgebie en
de Kul u möglich schien. De damals o he schenden Neigung zu
eine Ve s ändigung und „Ve b üde ung" de Na ionen en sp ach die
allgemeine Abneigung gegen jede A on Mili a ismus, die insbeson-
de e de libe ale Füh e Cobden in nich mißzu e s ehende und zu-
weilen au eizende Weise zum Ausd uck zu b ingen p leg e. Nich
zule z deshalb and de on ihm 1860 abgeschlossene ich ungwei-
sende englisch- anzösische Handels e ag, de un e seinem Namen
in die Geschich e eingegangen is , so allgemeine Zus immung, ho e
man doch, du ch Übe einkommen diese A den na ionalen Egoismus
endgül ig bannen zu können, was bei bewuß e Abkeh on de me -
kan ilis ischen S aa sp axis in de gegensei igen Zusiche ung zum Aus-
d uck kam, jedes Land an den na ü lichen Vo eilen des ande en eil-
haben zu lassen.
Diese G undhal ung en sp echend, sahen die libe alen Regie un-
gen de 50e , 60e Jah e ih e Au gabe in eine möglichs g oßen
Ve selbs ändigung de Kolonien. Alle dings ha e sie ih e bes imm-
en G enzen, wie sie in ypische Weise schon in dem We ke Ad. Smi h'
zum Ausd uck kamen. Kolonien, das wa ein E gebnis seine Un e -
suchungen übe den Volkswohls and3, sind nich s als e lo enes Ka-
pi al, auße ü jene „Monopolis en", „denen es zu Hause nich wohl
ging" und die deshalb ih Geld liebe in diesem Geschä anleg en.
Wozu noch Kolonien un e hal en, wenn man die no wendigen Roh-
s o e du ch die handels e aglich gewäh leis e e „O ene Tü " eines
(scheinba ) ü alle Zei be iede en Wel aumes zu den denkba
güns igs en P eisen gegen Indus iewa en, also bei doppel en Gewinn-
chancen, e hal en konn e? Wa zudem du ch den Ab all Ame ikas
on England im Jah e 1776 (und spä e hin A gen iniens on Spanien,
1816, B asiliens on Po ugal, 1822) nich auch de Beweis ih e
poli ischen Unbes ändigkei e b ach ? Nu eine Na ion, „de en Re-
gie ung in den Händen on K äme n is ", we de un e solchen Um-
s änden noch Kolonialpoli ik eiben. „Nu solche S aa smänne
könn en sich einbilden, daß es o eilha sei, Blu und Geld ih e
Mi bü ge zu e schwenden, um solch ein Reich zu g ünden und zu
behaup en." An S elle de poli ischen soll en seine Ansich nach
nu noch e agliche Bindungen bes ehen. Und wenn man sich diese
A enn e, „so könn e dieselbe mü e liche Liebe eine sei s und die
kindliche Ach ung ande e sei s, die eins zwischen den g iechischen
Kolonien und ih en Mu e s äd en bes and, zwischen G oßb i annien
und seinen Kolonien e wachen". Das wa das U eil des Na ional-
8 Ad. Smi h: „Weall h o Na ions", 4. Buch, Kapi el 7.
4
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52 Julius Gumpe [308
Ökonomen; das U eil des Psychologen und Poli ike s Smi h, mi dem
e seine Be ach ungen abschloß, lau e e alle dings ande s: „Noch nie
gab ein Volk eiwillig die He scha übe eine P o inz au . . . Kaum
de schwä me ischs e En husias könn e dahe eine solche Maß egel
in de e ns en Ho nung, sie angenommen zu sehen, o schlagen."
Die Rich igkei diese Bedenken e wies sich p ak isch in den 40e
Jah en. Zwa gelang es dem Manches e -Libe alismus, de bedingungs-
losen F eihandels ich ung, nach langjäh igen o ganisie en Kämp en
de 1839 geg ünde en „An i-co n-law-league" 1846 die Ge eidezölle,
wenn auch nich k a besse e Beweise, so du ch Einwi kung höhe e
Gewal , eine d ohenden Hunge sno , zu Fall zu b ingen. Als jedoch
Cobden noch einen Sch i wei e ging und im Pa lamen die Au gabe
de Kolonien e lang e, wu de e on de gesam en Na ion mi Ein-
schluß de A bei e scha im S ich gelassen.
Ve moch e man also die Idee nich bis zu le z en Konsequenz
du chzu üh en, so ging man doch in de Gewäh ung des Sel go e n-
men und Responsible Go e nmen , in de Ein äumung des Rech es
au eigene Gese zgebung und Ve wal ung sowei wie nu möglich. Das
ha e die Folge, daß auch die Kolonien das „Mu e land" wi scha -
lich wie jedes beliebige emde Land behandel en und sich du ch ein-
sei ige Zoll a i e gegen „une wünsch e" Wa en, aus welchem Lande
sie auch kamen, siche en. Eine neue Möglichkei , on de Kanada
e s malig 1859 Geb auch mach e. Die Keh sei e bilde e ein Beschluß
des englischen Pa lamen s om Jah e 1862, nach dem die Kolonien in
Zukun selbs ü ih e Ve eidigung zu so gen ha en. In Ve bindung
dami wu den die T uppen zu ückgezogen, die Kolonien 1865 zum
Bau eigene Flo en e mäch ig . G undsä zlich soll e übe dies jede
Neue we bung on Kolonien un e bleiben, wie eine mi Plänen zu
E schließung Zen ala ikas be aß e Un e hauskommission emp ahl.
Die Au lösung des Kolonial eiches schien sich nun doch on selbs zu
ollziehen, wobei manche Poli ike den Zei punk kaum e wa en
konn en, an dem sich de S aa de „Mühls eine am Halse Englands"
zu en ledigen e moch e. Zu jenen, die so sp achen, gehö e auch de
konse a i e Poli ike Dis aeli, de wenige Jah e spä e un e dem
Namen eines Lo d Beacons ield zum Beg ünde eines „G ea e B i-
ain", eines g öße en Englands, des B i ischen Impe iums wu de.
Wie e klä sich diese übe aschende und bezeichnende Wandel
de poli ischen Ansich en, de zugleich einen Umschwung de ö en -
lichen Meinung da s ell e? Die An wo hie au üh uns unmi elba
an das P oblem he an, das in den Zei ums änden und o enba in eine
K euzung de poli ischen und wi scha lichen In e essen beg ünde
lieg .
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309] E scheinungs o men und Wesen des Impe ialismus 53
Un e seinem libe alen Vo gänge Glads one, de ihn selbs 1868
abgelös ha e, üg e de e s e Impe ialis die Phan asielosigkei de
b i ischen Außenpoli ik. Seine Meinung nach hä en — das Empi e-
P og amm in de Nußschale — einhei liche Reichszoll a i e, eine
Reichs e eidigung und ein Reichspa lamen gescha en we den müs-
sen, um den Zusammenhang zu s ä ken. Als e jedoch selbs wiede
ans Rude kam, wu de on diesen Re o mplänen nich meh ge-
sp ochen, obwohl die außenpoli ische Lage ech bedenklich wa . Wäh-
end England den ie s en S and seine Wel gel ung e eich zu haben
schien4, es ig e Deu schland im Siege übe F ank eich und insbeson-
de e du ch den on de englischen Regie ung mißbillig en E we b
Elsaß-Lo h ingens seine Vo mach s ellung au dem Kon inen , d ang
Rußland wei e nach Südos asien o , e zwang es die Ö nung de
Da danellen.
En scheidend ü die Gesam poli ik jene Zei abe , die man als
den Beginn des Impe ialismus bezeichnen muß5, wa wohl e was
ande es: nämlich die Fo daue de Wel wi scha sk ise on 1873.
Zwa zogen 1880 die G oßhandelsp eise ge ing ügig an, sanken abe
alsbald noch ie e ab. In eine solchen Dep ession, in de auch de
Außenhandel zu e lie en p leg , e schien eine Kolonialpoli ik, ganz im
Sinne de na ionalökonomischen „Klassike ", nich nu nu zlos,
sonde n als une laub e Luxus. Und es wa ech kennzeichnend, daß
damals das Wo „Impe ialismus" — be o es bald da au de englische
Geschich ssch eibe Ca lyle in die Wissenscha übe nahm — zu Ve -
spo ung eines scheinba übe leb en Wel mach s ebens napoleonische
A und als eine zugk ä ige nega i e Wahllosung geb auch wu de,
die nich unwesen lich zum Siege de Libe alen übe die Konse a i-
en bei ug. Da man jedoch au G und de gemach en E ah un-
gen aus eine ge ühlsmäßigen Eins ellung he aus auch je z nich be-
ei wa , die Au lösung des Kolonial eiches bewuß zu ollziehen,
ieben die Dinge mi eigene K a wei e . Um mili ä ische Niede -
lagen, wie sie im Kamp gegen die Bu en (1881) und in de Sudan-
expedi ion einge e en wa en, zu e meiden, wu den die Libe alen
no ged ungen zu Ve ech e n eine Kolonialpoli ik, muß en sie auch
gegen ih e Anschauungen und Leh meinungen de Bese zung Ägyp-
ens zus immen. Dazu kam nun das Au e en Deu schlands in A ika.
Wie die in Be lin abgehal ene Kongokon e enz (1884/85) zeig e, be-
gann sich soga so e was wie eine koloniale Einhei s on zwischen
Deu schland und F ank eich gegen England abzubilden. Das wa en
bed ohliche Zeichen, die sich in dem 1883 e schienenen Buche Seeleys
4 Vgl. S. 54.
5 Vgl. S. 91.
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54 Julius Gumpe [310
„The Expansion o England66 zu de Fo de ung eines enge en kolo-
nialen Zusammenschlusses e dich e en, wobei die e lossenen me -
kan ilis ischen Vo s ellungen eine gewisse Wiede belebung e uh en.
Noch be inde sich dieses S eben sozusagen in seinem geis igen
U zus and. Abe nach einem ku zen Zwischenspiel des d i en Kabi-
ne s Glads one in de e s en Häl e des Jah es 1886, das haup säch-
lich inne e F agen, wie die i ische Selbs e wal ung (Home Rule) au
die Tageso dnung se z , b ich de Impe ialismus nachhal ig du ch.
Sein T äge is die zwei e konse a i e Regie ung Salisbu y, die, in
de zwei en Häl e 1885 schon einmal am Rude , im olgenden Jah e
die Füh ung übe nimm .
Ein scheinba willkü liche , on ein pa eipoli ischen und pa la-
men a ischen Regeln und Rücksich en bes imm e Zei punk , de je-
doch dadu ch gekennzeichne is , daß die schon ein Jah zehn andau-
e nde Wi scha sk ise de Wel nun ih en ie s en S and übe wun-
den ha und die En wicklung on neuem au wä s eib : E höh e
Ein uh beda lös e s ä k en Aus uh zwang aus. Die Konku enz
um die Wel mä k e se z sp ungha ein:
Aus uh de Wel indus iemäch e
1884 1890 1900 1913 1884/1913
Millia d en Ma k . H.
G oßb i annien 4,8 5,4 5,9 13,0 270
Ve ein. S aa en 3,1 3,6 5,8 10,4 340
Deu schland 3,2 3,3 4,6 10,1 320
F ank eich 2,6 3,0 3,3 5,5 210
I alien 0,9 0,7 U 2,0 220
Japan 0,1 0,2 0,4 1,3 1300
Allzu siche in ih em Besi z und ih e Gläubige s ellung6, beme k
die b i ische Na ion mi wachsende So ge, wie sich die Wel mi Kon-
ku en en üll . Um ih en wi scha lichen Ans u m au das eigene
Land abzuwenden, e läß die englische Regie ung als e s es 1887 den
„Me chandise Ma ks Ac ". Mi seine Hil e ho de englische Kau -
mann, glaub die englische Wi scha , sich de als besonde s läs ig
emp undenen deu schen Konku enz en ledigen zu können. Hiel man
bishe aus G ünden, die in de Kennzeichnung de deu schen Wa en
als „billig und schlech " („cbeap and nas y") zum Ausd uck kam,
einen solchen Selbs schu z ü übe lüssig, so geben die neuen E zeug-
nisse da on Kenn nis, daß diese wäh end de K ise au gekommene
Losung wiede allen gelassen wo den is . Und so we den die ü
6
1914 wu den die Auslandsanlagen G oßb i anniens au 70 Millia den, F ank-
eichs au 36 Millia den, Deu schlands au 24 Millia den Ma k geschä z .
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311] E scheinungs o men und Wesen des Impe ialismus 55
deu sche Expo gü e o gesch iebenen S empel „Made in Ge many"
zu eine Emp ehlung und die englischen Ve b auche zu Deu schlands
bes en Kunden7.
Abe nich genug dami , beginn die deu sche Indus ie, o ganisa-
o isch und ideologisch ge ö de du ch den expansi en „Alldeu schen
Ve band" und on Übe see da in un e s ü z , den Gene alang i au
die wi scha liche Schlüssels ellung des b i ischen Reiches:
En wicklung de Schwe indus ie de Wel
Jah G oßb i annien Deu schland Ve einig e S aa en F ank eich
Millionen Tonnen
Kohle
1892
1902
1907
1913
1889
1900
1903
1913
184,7
230,7
272,1
292,0
8,5
9,1
9,1
10,4
92,6
150,6
205,8
277,3
R
4,5
8,5
10,0
19,3
162.7
273,6
435.8
517,1
o h e i s e n
7,7
14,0
18,3
31,5
26,2
30,0
36,7
40,9
1,7
2.7
2.8
5,2
Um die Jah hunde wende wi d die eisenscha ende Indus ie Eng-
lands on Deu schland und den Ve einig en S aa en übe hol , wäh-
end dieses Land auch in de Kohlen ö de ung einen alle übe agen-
den Vo sp ung gewinn . Lag be ei s da in eine Beein äch igung de
poli ischen Wel gel ung Englands, so wu de sie noch e g öße du ch
den wachsenden An eil de jungen Wel mäch e an den See üs ungen,
besonde s auch, was ü die b i ischen Wel e bindungen nich wenige
ausschlaggebend wa , an de
Wel handels onnage8
1890 1900 1914 1950 1951 1890 1900 1914 1950 1951
Milli o n e n BHT on Huni de
B i ish Empi e 11,60 14,26 21,05 22,35 22,41 54,9 49,2 42,8 26,2 25,5
Ve einig e S aa en 1,82 2,04 2,97 25,57 25,36 8,6 7,0 6,1 30,0 28,8
Deu schland 1,58 2,65 5,46 0,46 1,64 7,4 9/1 11,1 0,5 1,2
No wegen 1,51 1,64 2,51 5,46 5,82 7,5 5,7 5,1 6,4 6,6
F ank eich 1,05 1,35 2,32 3,21 3,37 5,0 4,7 4,7 3,8 3,8
Japan •0,14 0,49 1,71 1,87 2,18 0,7 1,7 3,5 2.2 2,5
7 Von de deu schen Aus uh im Jah e 1913 ( gl. die Zahlenübe sich S. 54)
gingen Wa en im We e on 1,4 M d. Ma k nach G oßb i annien; ü den gleichen
Be ag wu den in Rußland Rohs o e gekau , das da ü Fe igwa en zum P eise
on 880 Mill. Ma k au nahm.
8 Nach „Nau icus" 1952/53.
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56 Julius Gumpe [312
Nun selbs au einem Gebie e bed oh , wo das „Rule B i annia"
bishe unumsch änk gegol en ha e, au s ie s e beun uhig und als
eine na ü liche Reak ion, die in de Geschich e un e solchen Ums än-
den imme wiede he o i 9, zieh sich de angeg i ene poli ische
Kö pe zusammen, s a sich das Empi e ü die Abweh . Eine Ab-
schlußpoli ik, die „Splendid Isola ion" genann wi d. Ein en sp e-
chende Vo gang ollzieh sich au wi scha lichem Gebie : De Lo-
sung „T ade ollows he Flag" en sp echend, o dne sich die Wi -
scha dem „P ima de Poli ik" un e , wobei das Haup ziel die Zu-
sammen assung alle Gliede des Reiches wi d.
x u An egung de be ei s sei einigen Jah en ä igen „Impe ial
Fede a ion League", eine Gesellscha zu Fö de ung de Reichs-
in e essen, wi d 1887 in London eine g oße Kolonialauss ellung e -
ö ne und die e s e b i ische Kolonialkon e enz abgehal en (die 1907
zu eine s ändigen Ein ich ung wi d). Im Mi elpunk de E ö e un-
gen s eh , neben de F age de gemeinsamen Ve eidigung, die Wi -
scha seinhei des Empi e, also die al e Au a kie endenz. Neuzei lich
au gemach , inde sie ih e Beg ündung in de neuen wi scha spoli-
ischen Konzep ion, daß nu „abhängige Gebie e" niemals in die
Ve suchung kommen wü den, de englischen Indus ie die To e zu
e schließen und dami de im asdien Ans eigen beg i enen Be öl-
ke ung10 die Exis enzg undlage zu en ziehen. Daß sie in jede Hinsich
als unzu eichend emp unden wi d, bezeug de g oße S om on Aus-
wande e n, de sich kennzeichnende weise zum wei aus g öß en Teil
in die USA e gieß , wäh end das Empi e und die üb ige Wel in den
80e , 90e Jah en zusammen nu e wa die Häl e on ihnen au -
nehmen11. Das hinde nich , daß die koloniale Expansionspoli ik e -
s ä k o gese z wi d, die je z soga als eine P lich , als „des weißen
Mannes Las " p oklamie wi d, de da ü zu so gen habe, daß den in
Unwissenhei dahinlebenden a bigen Völke n endlich die E leuch ung
geb ach we de.
Um die g oße Vision eines abgeschlossenen, in sich uhenden
Reichs e bandes zu e wi klichen, wi d e wogen, on allen in das
Empi e einge üh en Wa en einen Zollzuschlag zu e heben, Ein uh en
aus dem Mu e lande dagegen Zoll e güns igungen zu gewäh en. Da
die Meis begüns igungsklausel de lau enden Handels e äge solche
9 Vgl. S. 65.
10 Vgl. die Zahlenübe sich S. 60.
11 Genaue Angaben übe die englische Auswande ung im ganzen sind o 1912
nich möglich, da e s sei diesem Jah e eine genaue S a is ik ge üh wi d. Fü
1913 e zeichne sie einen Auswande ungsübe schuß on 304 000 Menschen. Vgl.
A ikel „Be ölke ungswesen" im „Handwö e buch de S aa swissenscha en".
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319] E scheinungs o men und Wesen des Impe ialismus 63
bahn- und Schi bau he an; sie g ünde e Be g- und Hü enwe ke und
Tex il ab iken. Da diese Un e nehmungen haup sächlich du ch Geld-
schöp ung inanzie wu den, wa de S aa 1883, indem e einen
s a ken Wäh ungsschni üh e, gezwungen, einen Teil de We ke an
p i a e Un e nehme zu e kau en. Die s aa liche Einwi kung e li
dadu ch jedoch nu wenig Einbuße, weil sich aus den genann en G ün-
den die Un e s ü zung du ch Sub en ionen (die noch heu e in wei em
Um ange üblich sind) nich umgehen ließ.
Wa dies bishe das einzige Mi el de Fö de ung und des
„Schu zes" de Indus ie, so e gab sich 1894, bei Beginn des zwei en
wi scha spoli ischen Abschni es, de Japan mi Zue kennung de
Zoll a i au onomie — die un e ähnlichen Meinungs e schiedenhei en
ausgesp ochen wu de, wie sie heu e inne halb de« GATT hinsich lich
de Au nahme Nippons bes ehen — die olle Gleichbe ech igung
b ach e, eine neue Möglichkei . Um die Jah hunde wende ging auch
Japan zum P o ek ionismus übe . E e s eck e sich nich nu au die
Indus ie, sonde n auch au die Landwi scha , die 1913 noch e wa
die Häl e de Be ölke ung beschä ig e und zu de en Guns en e s -
malig die Lebensmi el mi Zöllen belas e wu den. In Ve bindung
mi diesen Maßnahmen und meh ode wenige gezwungen, wand e
sich Japan nun in en schiedene Weise nach außen: ein, zwei Men-
schenal e wa en e gangen sei de Ö nung des Landes und de Ve -
kündung de „Neuen Ä a", und die japanische Indus ie a , on de
Konku enz als „Gelbe Ge ah " bezeichne , au den Wel mä k en20
und als impe ialis ische Mach he o . 1876 aß e Japan Fuß au dem
asia ischen Fes lande, wo das geog aphisch und klima isch güns ig ge-
legene Ko ea die Au me ksamkei au sich zog. Im Chinesisch-japani-
schen K iege (1894/95) muß e das Reich de Mi e die „Unabhängig-
kei " Ko eas ane kennen und Fo mosa an Japan ab e en.
Diese Bezeichnung Chinas e lang e dadu ch eine gewisse wel -
poli ische Bedeu ung, daß es gleichen Ang i en on Wes en he aus-
gese z wa , die 1900 zu Bese zung de Mandschu ei du ch Rußland
üh en. Diese Du chk euzung de „In e essensphä en" wa de G und
zum K iege (1904/05) und zu dem un e „wohlwollende Neu ali ä "
Englands e ungenen übe aschenden Siege Japans übe Rußland. De
F iedensschluß bes ä ig e seine o he schende S ellung in Ko ea. Die
Mandschu ei wu de ussisch-japanisches In e essengebie . Bei ehlge-
schlagenen Kon ibu ions o de ungen e hiel Japan e ne die Süd-
häl e on Sachalin und o allem den wich igen Ha en Po A hu ,
um den es im K iege gegen China in olge des Einsp uchs Rußlands,
Deu schlands und F ank eichs gekommen wa . 1910 ging Japan einen
20 Vgl. die Zahlenübe sich S. 54.
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64 Julius Gumpe [320
Sch i wei e , indem es Ko ea, die P o ek o a s e assung au hebend,
annek ie e.
Die gleichzei ig aus Os und Wes o ge iebene „Péné a ion
paci ique", die „ iedliche, handelsmäßige Du chd ingung" Chinas,
üh e schließlich zu eine Au eilung de Mandschu ei in einen nö d-
lichen, ussischen und einen südlichen, japanischen Vo aum, wodu ch
sich beide S aa en, o allem abe Japan, wich ige Rohs o gebie e und
Absa zmä k e siche n konn en, de en Bedeu ung aus dem olgenden
Gesam übe blick e sich lich is :
Japanische Außenhandel21
1913
E i n u h Aus uh
Millionen Ma k
Insgesam 1526,0 1323,1
Asien 728,1 577,2
da on:
China 128,1 323,5
Eu opa 460,9 308,0
da on:
G oßb i annien 256,8 68,8
Deu schland 143,1 27,5
F ank eich 12,2 126,0
Ame ika 265,8 401,2
da on:
Ve einig e S aa en 256,1 385,9
Wei e eichende Pläne, die im e s en Wel k iege un e de im-
pe ialis ischen Losung „Asien den Asia en" on Japan in Ang i ge-
nommen wu den und die Schließung de „O enen Tü " in dieses Ge-
bie ü die Ve bünde en bezweck en, schei e en jedoch und ha en
nu o übe gehenden E olg. Nach dem Siege de Alliie en muß e
Japan sein 21-Punk e-P og amm, das es China in diese Absich 1915
au e leg ha e, wiede ückgängig machen. Um so d ingende s ell e
sich nun das bis heu e noch nich be iedigend gelös e japanische Be-
ölke ungsp oblem. Einwande ungslände wie Aus alien und die Ve -
einig en S aa en (Kali o nien) schlössen sich gegen die Japane du ch
imme schä e we dende Gese ze, die nach dem e s en Wel k iege
die Fo m o ene Ve bo e annahmen, meh und meh ab. Kein ge-
21 „Wi scha und S a is ik" 1927, S. 586.
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321] E scheinungs o men und Wesen des Impe ialismus 65
inge Anlaß zu dem e neu en Ve suche de Au ich ung eines „Ja-
panischen Impe iums", das im zwei en Wel k iege zusammenb ach22.
Deu schland, im Gegensa z zu de Randlage Japans den Mi el-
punk eines poli ischen Spannungs eldes e s e O dnung bildend, be-
zeichne e sich nach dem K iege gegen F ank eich als „sa u ie e "
S aa . Es ha e, wie on Sei en de Regie ung e künde wu de, keine -
lei äumliche Fo de ungen meh . Ziel seine Poli ik wa ausschließlich
die Siche ung des E eich en und de Au bau im Inne n, de du ch
die endlich e eich e na ionale Einigung möglich und e o de lich
wu de.
Das e wach e na ionale Selbs bewuß sein, e s ä k du ch die ma e-
iellen E olge, insbesonde e den E we b des wich igen Indus ie-
und Rohs o gebie es Elsaß-Lo h ingen sowie die Kon ibu ion —
F ank eich ha e ün Millia den Gold anken K iegsen schädigung
zu zahlen, die es asch au b ach e —, gaben de deu schen Wi scha
einen s a ken, allzus a ken Au ieb. So ende e, beein luß du ch
ähnliche Vo gänge in de üb igen Wel , die „G ünde zei "23 im Wi -
scha szusammenb uch des Jah es 1873. Wie üblich wa en die Folgen
de langanhal enden K ise24 Konku se, A bei slosigkei und Ve -
a mung. Abe auch die wi scha spoli ischen Maßnahmen wiede holen
sich sei he in cha ak e is ische Weise: In de K ise besinnen sich
die Indus iemäch e au das al e Au a kiep inzip, ziehen sie sich nach
Möglichkei au sich selbs zu ück, um die om Wel ma k e ausgehen-
den S ö ungen und Nach eile — seine Wohl a en sind in solchen
Augenblicken e gessen — au „sou e äne44 A abzuweh en.
Au An egung und Hil ee suchen aus de Indus ie lei e e Bis-
ma ck 1879, seine eigenen wi scha slibe alen Ansich en ände nd,
eine Poli ik des „Schu zes de Wi scha " ein. Daß e dabei die In-
e essen des S aa es keineswegs aus den Augen e lo , zeig e sich un e
ande em da in, daß e den nied igen S and de Ak ien de Ve keh s-
gesellscha en ausnu z e, um die p eußischen Eisenbahnen zu e s aa -
lichen; wah scheinlich kamen ihm auch die e höh en Zölle als Mi el
zu S ä kung de Reichs inanzen nich ungelegen.
Diese au onome Zollpoli ik, die die libe ale Handels- und Ve ags-
poli ik de o impe ialis ischen 60e Jah e ablös e, ha e eine nich
unbedenkliche Keh sei e. Sie bedeu e e ü die meis en Ve b auche ,
22 Gegenwä ig üh Japan eine am lich ge ö de e einschneidende Gebu en-
kon olle du ch, die eine En spannung e wa en läß .
23 1872 wu den in Deu schland 500 Ak iengesellscha en mi 1,5 M d. Ma k Ka-
pi al au gemach ; 1874 be ug die Zahl de G ündungen nu noch 90 mi 0,1 M d.
Ma k Kapi al.
24 Vgl. S. 54.
Schmolle s Jah buch LXXIV, 3 5
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66 Julius Gumpe [322
also auch die Indus ie selbs und o allem ü den A bei e , eine
gewisse Ve eue ung de P oduk ion bzw. de Lebenshal ung, die in
de K ise au sinkende Löhne und s eigende A bei slosigkei 25 a .
Dadu ch wuchs die Unzu iedenhei , schwoll die „soziale Bewegung"
an. Ih e poli ischen O ganisa ion a die Regie ung 1878 mi dem
„Sozialis engese z" en gegen, wäh end sie die A bei e du ch eine
Sozial e siche ung (K anken e siche ungsgese z 1883, Un all e siche-
ungsgese z 1884, Al e s- und In alidi ä sgese z 1889) zu e söhnen
und ü den S aa zu gewinnen ho e.
Was das Zei p oblem, die du ch die Ums ände beding e „Des-
in eg a ion", wie wi heu e sagen, die endenzielle wel wi scha liche
En lech ung be i , so wi d man den „Schu z de heimischen Land-
wi scha ", die on eine „Übe schwemmung" du ch übe seeisches
Ge eide bed oh schien26, un e s aa spoli ischen, insbesonde e k iegs-
wi scha lichen Gesich spunk en — die damals alle dings noch kaum
e kann wu den und in den Reichs agsdeba en auch keine Rolle spiel-
en — dem G unde nach gel en lassen müssen. Ande s bei de In-
dus ie. Was hie ein hochg adiges „Schu zbedü nis" en s ehen ließ,
wa , wie sich bald ziemlich einwand ei zeig e, wenige die Un e -
legenhei au den Wel mä k en als o allem die Folge de K ise selbs ,
de die Indus ie, und o allem die Schwe indus ie, mi de Ve -
eilung de sch ump enden na ionalen und in e nal.'onalen Ma k -
chancen un e die „Monopole", Ka elle und T us s, zu begegnen
such e.
Wäh end diese Kämp e, in denen die In e essengegensä ze que
du ch alle gesellscha lichen Schich ungen und „Klassen" e lie en —
1895, als die K ise schon e gessen wa , sonde e sich aus jenen G ün-
den de an dem Gedanken de Konku enzwi scha es hal ende
„Bund de Indus iellen" on dem du ch die Schwe indus ie ge üh en
„Zen al e band" ab —, e eich e die in Umwandlung beg i ene deu -
sche Volkswi scha ein en scheidendes S adium: Bei s a kem Wachs-
um de Be ölke ung und ih e Zusammenballung in den Indus ie-
zen en27 wa Deu schland in seinem e einhei lich en Wi scha s-
25 Vgl. S. 71.
26 1872 be ug die no dame ikanische Ge eideaus uh e wa sieben Mill. da, 1880
das Sechs ache.
27 Leb en 1871 in Deu schland on de 41 Millionen zählenden Be ölke ung noch
26 Millionen ode 64 H au dem Lande, so wa en es 1910 nu noch 40 H; 60 H
de 65 Millionen Menschen wohn en in den S äd en (übe 2000 Einwohne ). In ähn-
liche Weise ollzog sich die En wicklung in den ande en Indus ielände n, am
asches en in den USA, wo sich die S ad be ölke ung ( on 2500 Menschen und meh )
in de genann en Zei e ie ach e, on 10 Millionen au 42 Millionen, bei eine
Gesam be ölke ung on 39 bzw. 92 Millionen.
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323] E scheinungs o men und Wesen des Impe ialismus 67
gebie aus einem Landwi scha ss aa zu einem übe wiegenden In-
ds ies aa gewo den. Ein Vo gang, de sich auch in de Handelsbilanz
ausd ück e. Wäh end 1870 noch g öße e Mengen Ge eide ausge üh
wu den, besonde s nach England, bes and sei de Mi e de 70e Jah e
die Ein uh haup sächlich aus Rohs o en und Nah ungsmi eln.
Abe nich nu die Zusammense zung, auch das Gewich de Han-
delsbilanz e schob sich. Das wa eine E scheinung, die sich in Eng-
land be ei s sei de Mi e de 50e Jah e und in Deu schland nach-
hal ig um die 80e Jah e beme kba mach e: die Handelsbilanz wu de
daue nd und zunehmend passi . D. h., de Ein uh beda is so g oß
gewo den, daß die Indus iee zeugnisse nich meh aus eichen, um ihn
zu decken und zu bezahlen. Die Indus ielände müssen, um ih en
Lebensun e hal zu e dienen, wei e e na ionale K ä e in Ges al
eine „unsich ba en Aus uh " in den Diens des Auslandes s ellen:
Kapi al-, T anspo - und Ve mi lungsleis ungen alle A sowie de
Aus ausch on Kul u gü e n sind die Zeichen wachsenden Reich ums
de Na ionen, abe auch eine imme enge we denden Ve lech ung
in die Wel wi scha , die ih Schicksal en scheidend bes imm .
Das gil — und diese E kenn nis is wich ig — nich nu wi -
scha lich, sonde n auch poli isch. Denn in den le z en beiden Jah -
zehn en o de Jah hunde wende e eich e die wel wi scha liche
„In eg a ion" einen G ad, de selbs die No au a kie des S aa es „im
E ns all" und dami seine Sou e äni ä an de Wu zel bed oh e. Die
So ge um die poli ische „Unabhängigkei " und gewisse gleichzei ig zu
beobach ende Isolie ung- und Abspe ungs endenzen impe iale
Mä k e28 lös en sowohl au mili ä ische Sei e29 wie au wi scha -
liche Sei e Wa n u e aus, un e de en Einwi kung Bisma ck, nach
dem Vo bilde ande e die Mach mi el des S aa es in den Diens de
„Außenwi scha " s ellend, nach langem Zöge n dem E we b on
„Schu zgebie en" (1884 Südwes a ika, Togo, Kame un, Südseeinseln,
1885 Os a ika) zus imm e. Daß es sich dabei nu um öllig unzu-
eichende No behel e handeln konn e, wa auch die Ansich seines
Nach olge s im Kanzle am e, des Gene als Cap i i, dem gelegen lich
eine Diskussion die Äuße ung en schlüp e, ihm könn e nich s
Schlimme es passie en, als daß ihm ganz A ika geschenk
wü de. Hingegen hiel en seine zahl eichen K i ike einen sol-
chen E we b selbs un e g oßen Op e n ü du chaus e wünsch ,
28 Vgl. S. 55 ., 63, 73.
29 Sei Beginn de 80e Jah e o de e de deu sche G oße Gene als ab in imme
d ingende we denden Be ich en an die zus ändigen Reichsminis e ien eine Ube -
p ü ung de na ionalen Ve so gungslage un e k iegswi scha lichen Gesich s-
punk en.
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68 Julius Gumpe [324
wäh end sie jene „manches e libe ale Hal ung" als U sache anp an-
ge en, weshalb Deu schland nu eine Wel -„Anschauung", die ande en
G oßmäch e abe die Wel gewannen30.
Un e dem Eind uck des nahen Endes de Kolonialpoli ik e mögen
wi heu e mi Siche hei zu sagen, daß Bisma ck die Zusammenhänge
ins ink i ich ig e aß e, wenn e , wei da on en e n , das Ganze als
eine T agödie de e paß en Gelegenhei en au zu assen, in de das
Ziel e ehlenden „Volk ohne Raum"-Poli ik des „Neuen Ku ses44
keinen Ausweg, sonde n nu poli ische Schwie igkei en sah und die
Meinung e a , daß sich das Schicksal Deu schlands nich au dem
wei en Felde de „Wel poli ik44 en scheiden we de. Ta sächlich gingen
bei de Übe legenhei Englands zu See die deu schen Kolonien, die
übe dies mi Rücksich au die in e na ionalen Ve äge (Kongo-
abkommen 1884/85) zu Ve eidigung nich einge ich e und o -
be ei e wa en, be ei s in den e s en Mona en des K ieges e lo en.
Und was die wi scha lichen Vo eile eine Kolonialpoli ik be a (au
ih e olkha e Bedeu ung kommen wi sogleich zu sp echen), so sind
sie aus dem An eil de deu schen A ikakolonien am Gesam handel
des Reiches ablesba , de 1913 knapp eine halbe Millia de Ma k, also
zwei P ozen be ug31.
Es wa schon so: Eu opa bilde e das Feld, au dem sich Deu schland
poli isch zu bewäh en ha e. Abe dazu gehö e unbeding — und das
wa das eigen lich P oblema ische an de Lage —, daß ihm die Ve -
so gungsmöglichkei en des Wel ma k es o en blieben. We abe hä e
da ü ga an ie en mögen? Heu e wissen wi , daß eine solche iedens-
mäßige Ga an ie — un e „weh wi scha lichen44 Gesich spunk en
sahen die Dinge wiede e was ande s aus32 — in dem Handelsbilanz-
Au oma ismus des Wel ma k es selbs lag, de ein Land wie Deu sch-
land ein ach nich en beh en ode ausschal en konn e, ohne daß da-
du ch das ganze „Sys em44 zusammengeb ochen wä e. Damals ließen
jedoch die allsei ig wachsenden Spannungen diese Gewißhei keines-
wegs als gegeben e scheinen, wohl abe das Gegen eil33.
Und so seh wi geneig sind, den sp ungha en „Impe ialismus
des deu schen Geis es44, wie ihn de junge Kaise nann e, zu mißbilli-
gen, so ha e e doch zum mindes en wi scha lich — und heu e auch
80 Das Wo spiel s amm on dem Kommunis en L. T o zkij.
31 Vgl. S. 59 u. 73.
32 Vgl. S. 78 .
33 Selbs Schmolle , ein so en schiedene Gegne jedes Chau inismus, äuße e
die Ube zeugung ( gl. Fußno e 36), daß die Übe seemä k e nu im Schu ze
eine K iegs lo e o en bleiben wü den. Eine allgemein e b ei e e Ansich , zu de
die e wähn en wi scha spoli ischen Maßnahmen de Besi zenden ( gl. S. 56 .,
73 und 74) en scheidend bei ugen.
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325] E scheinungs o men und Wesen des Impe ialismus 69
poli isch — nich un ech , wenn e die Meinung e och : „Deu sch-
lands Zukun lieg au dem Wasse 46. Daß diese Losung, zuweilen
übe spann , ih e Wi kung au die b ei en Massen dennoch nich e -
ehl e, zeig e sich besonde s deu lich im Augus 191434.
Ha e man bis dahin unen weg an dem Glauben es gehal en, daß
es nich bis zum Äuße s en kommen wü de, so ließen es doch die un-
siche en übe seeischen Ve bindungen ge a en e scheinen, die S ellung
in Eu opa nich zu e nachlässigen, sonde n auszubauen und zu es i-
gen. Diesem Ziele dien e in gewisse Hinsich auch das An ang de
90e Jah e gescha ene „Sys em de mi eleu opäischen Handels e -
äge", an das 1894 Rußland angeschlossen wu de. Was diese Ve äge
besonde s we oll mach e, wa ih e Lang is igkei (wegen ih e
zwöl jäh igen Lau zei sp ach man on einem handelspoli ischen
„Kome enjah "), die de Wi scha eine siche e Rechnungsg undlage
gab35).
Um ein Gleiches auch au dem Gebie e de Poli ik zu e eichen,
ich e e Deu schland seine Blicke besonde s au den Südos aum, den
man au de Landb ücke auch im K iegs alle behe schen konn e.
Eingelei e wu de diese neue Abschni eine deu schen „Wel poli ik"
du ch eine Rede des Kaise s, die e 1898 in Damaskus hiel , wo e
sich als „Beschü ze de mohammedanischen Wel " ein üh e. An de
au deu sche An egung und zum Teil mi deu schen Mi eln e bau en
Bahn „Be lin-Bagdad" en lang, die zugleich das Lei wo ü diese
Poli ik abgab und den gedach en Radius eines „Deu schen Wi -
scha sg oß aumes" bilde e, soll e sich dieses neue „Ein lußgebie "
schließlich bis zum Pe sischen Gol und wenn möglich noch da übe
hinaus e s ecken.
Was an diesem Räume neben seine s a egischen Lage besonde s
e lockend e schien, wa auße seinen Bodenschä zen und eichen
Landwi scha sgebie en o allem die Möglichkei de Siedelung, ha e
doch ein Na ionalökonom om Range F . Lis s das Land im Südos en
als „das ideale Siedelungsland" bezeichne 36. In Wi klichkei wa es
34 Vgl. Fußno e 16.
35 Welche Ve schlech e ung de Lage sei he einge e en is , e messen wi da aus,
daß heu e die Handels e äge au ein, zwei, höchs ens d ei Jah e abgeschlossen
zu we den p legen.
36 Ande e üh ende Na ionalökonomen, wie Schmolle , sahen das ideale Siede-
lungsland in Südame ika. „Wi müssen um jeden P eis wünschen", so sch ieb e
(„Zwanzig Jah e deu sche Poli ik", 1899), „daß in Südb asilien ein deu sches Land
on 20 bis 30 Millionen Deu schen im olgenden Jah hunde en s ehe [ih e Zahl
be äg heu e bei eine Gesam be ölke ung on und 50 Millionen e wa eine Million];
eine lei, ob es ein Teil B asiliens bleib , ob es ein selbs ändiges S aa sgebilde
wi d . .
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70 Julius Gumpe [326
jedoch kaum meh als eine Ho nung, und keine ganz unge äh liche,
womi Bisma ck wiede um ech behiel , wenn e mein e, daß die
ganze O ien poli ik „nich die gesunden Knochen eines einzigen pom-
me schen Muske ie s we " wä e. Ta sache wa , daß Deu schland be-
sonde s au diese Linie imme meh in die b i ische „In e essenzone"
hineinge ie — ohne, und das wa das En scheidende, das e sehn e
Ziel zu e eichen.
Denn um Gebie e zu „e schließen", dazu gehö e iel Kapi al und
nich zule z auch ein es e Wille, de be ei wa , au ieles zu e -
zich en, was bei de ma e iellen Be eiche ung des Lebens ge n an-
genommene Bequemlichkei und Gewohnhei gewo den wa . Ähnlich
wie in ande en S aa en37 ehl e es auch bei uns bald an diesem, bald
an jenem. Und so zähl e Deu schland (1913) in seinen gesam en übe -
seeischen Besi zungen on de ie achen G öße des Mu e landes und
einem Vie el seine Einwohne zahl 24 000 Deu sche38/39 (im Süd-
os en ging die Siedlung übe Ansä ze nich hinaus) — bei einem
jäh lichen Be ölke ungszuwachs on as eine Million Menschen
(1906 = 910 000)!
„Wi müssen Wa en expo ie en ode Menschen", so bezeichne e
de Nach olge Bisma cks in e ende Fo m das Ke np oblem des
„Neuen Ku ses" und de gesam en impe ialis ischen Poli ik. Ta säch-
lich muß e man beides un, und hä e es, wie ein Blick au die Vo -
gänge im Auslande bewies40, auch bei we olle em Kolonialbesi z un
müssen. Fün Millionen Menschen e lo Deu schland sei den 40e
Jah en bis zum e s en Wel k iege au diese Weise an das Ausland.
Den Höhepunk e eich e die Auswande ungswelle in den k isenha -
en 80e Jah en. Un e de Losung „Mein Feld die Wel ", ode auch
wenige ho nungs oll, wande en 200 000 Menschen im Jah esdu ch-
schni aus, keh en um diese Zei Massen „poli isch Unzu e lässige ",
wie sie on am liche Sei e genann zu we den p leg en, de zu eng ge-
wo denen Heima den Rücken, um den jungen übe seeischen Kul u -
s aa cn als we olle Be eiche ung ü imme zu gehö en.
S ä ks e Einsa z au dem Wel ma k e e wandel jedoch allmäh-
lich diese S öme on Menschen in zusä zliche S öme on Wa en und
Kapi al, die sich in de selben Rich ung bewegen, so daß g oße Teile
des deu schen Volkes on dem gleichen Schicksal e schon bleiben.
37 Vgl. S. 56.
88 S a is isches Jah buch ü das Deu sche Reich 1914.
39 Da on 6000 Weh mäch e- und Polizeiangehö ige.
40 Vgl. die Zahlenübe sich S. 50.
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327] E scheinungs o men und Wesen des Impe ialismus 71
Dami is ein en scheidende Sch i zum Besse en ge an, zumal
dadu ch auch die Lebenshal ung gehoben wi d41, ein E olg, de nich
zule z de libe alen Wi scha zu danken is . Alle dings sind auße
den wachsenden poli ischen Spannungen als Folge de Ve schä ung
de Konku enz au den Wel mä k en auch gewisse wi scha liche
Unzulänglichkei en nich zu übe sehen. Eine im Jah e 1895 am Ende
eine leich en Dep ession e s malig on de Reichs egie ung du ch-
ge üh e Un e suchung de A bei slosigkei e gib , daß im Somme
dieses Jah es 1,89 H, im Win e 4,88 H de Masse de A bei e
und Anges ell en ohne Beschä igung sind. Was diese Zahlen, die die
A bei sun ähigen wie üblich einschließen, bedeu en, e kenn man iel-
leich am bes en da aus, daß in de „sozialen Ma k wi scha " de
du ch den zwei en Wel k ieg wei gehend ze s ö en und wesen lich
s ä ke übe ölke en Deu schen Bundes epublik (im Mona sdu ch-
schni 1953) und 7,5 H a bei slos sind. Beidemal geh jedoch die
Au wä sen wicklung wei e hin asch o an. Um die Jah hunde -
wende is die deu sche Wi scha so e s a k , daß sie die un e Zwang
En wichenen, sowei sie dazu be ei sind und nich s a ih e emde
A bei sk ä e au genommen we den müssen, zu ückholen kann: die
deu sche Wande ungsbilanz wi d ak i .
Im Gegensa z zu diese soeben besp ochenen S aa eng uppe s ellen
die üb igen G oßmäch e Sonde ypen da . Von ihnen kann
F ank eich als de mach poli isch-koloniale Typ
angesp ochen we den. In olge seine Gebu enschwäche42 wies de
Wi scha s aum in seine na ü lichen Ausgeglichenhei nich die Span-
nungen und o allem nich die g oße Be ölke ungsdich e (73 je qkm)
und Ve s äd e ung au , die den impe ialis ischen Mäch en allgemein
eigen wa . Wäh end 1910 in Deu schland e wa 60 H de Be ölke-
ung in S äd en (übe 2000 Einwohne ) leb en, wa en es in F ank eich
(1911) nu 44 H de Gesam be ölke ung on 40 Millionen. Alle -
dings nahm auch die Volkswi scha aus dem gleichen G unde nich
denselben Au schwung. Wie die Na u , so hiel en sich Indus ie und
Landwi scha , was un e ande en Ums änden als glücklich zu bezeich-
nen gewesen wä e, annähe nd die Waage, wobei le z e e als unge-
wöhnliche Fall soga noch ein leich es Übe gewich e zeichne e; 1911
be ug die Zahl de beschä ig en Pe sonen in de Landwi scha
41 Zwischen 1850 und 1914 e ziel en die Indus ielände annähe nd übe ein-
s immend eine Ve doppelung de Reallöhne. Eine Leis ung, die e s dann ich ig
gewü dig wi d, wenn man das 6 a ke Be ölke ungswachs um be ücksich ig , be-
sonde s in Deu schland und England. Fü dieses Land lau en, nach Somba , die
Zi e n de Vo k iegsbasis 1850 = 49, 1913 = 100.
42 1901/10 be ug de du chschni liche Gebu enübe schuß F ank eichs 1,2 au
1000 Einwohne .
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72 Julius Gumpe [328
41,0 H, in de Indus ie d. 36 H43. Ande e sei s mach e sich au
beiden Gebie en ein wachsende A bei e mangel beme kba , de auch
du ch eine g oßzügige Einwande ungspoli ik nu eilweise behoben
we den konn e. Im le z en halben Jah hunde o dem e s en Wel -
k iege wies F ank eich, mi Ausnahme des Jah ün s on 1901 bis
1905, eine daue nde Meh einwande ung au . 1891—1905 belie sie
sich au 379 000 Menschen44. Welche Bedeu ung diesem Fak o im
Wi scha sleben F ank eichs insgesam zukam, e weis die Be ölke-
ungss a is ik, die nach 1918 die Zahl de Auslände mi 4,5 H alle
Beschä ig en angab.
Die Be ölke ungs age spiel e auch in de anzösischen Außen-
poli ik eine bedeu same Rolle, wenn auch in einem ande en Sinne als
bei den üb igen G oßmäch en. Denn wäh end es diesen da um ging,
ih en Be ölke ungsübe schuß möglichs in eigenen Gebie en un e -
zub ingen, e s eb e F ank eich, wie de Au bau seines Besi z ums
e kennen läß , die He scha übe olk eiche Lände . Ein Beweis be-
sonde e A dü e auch da in zu sehen sein, daß selbs das an-
zöische F iedenshee e wa zu Häl e aus Fa bigen bes and. Dadu ch
wu de F ank eich eine impe ialis ische Poli ik, die ähnlich wie in Eng-
land au eine jah hunde eal en T adi ion be uh e, eigen lich e s
möglich. Ih Schwe punk lag sei den 80e Jah en des 19. Jah -
hunde s in No da ika, und ein „Nou elle F ance" ein „G oß ank-
eich on de No dsee bis zum Äqua o " wa das Ziel. Mi Einschluß
de ehemaligen deu schen Kolonien Kame un und Togo als Manda s-
gebie en um aß e es schließlich übe 12 Millionen qkm und an die
60 Millionen a bige Einwohne , wodu ch F ank eich zu zwei g öß en
Kolonialmach au ück e.
Da jedoch die eigene Volksg undlage schmal blieb ( on de Ge-
sam be ölke ung de Kolonien wa en nu 2,5 H F anzosen), wäh end
sich die de ande en G oßmäch e s ändig e g öße e, en schloß sich
F ank eich nach dem unglücklichen Faschodakon lik um den Sudan
(1898) und angesich s de allgemeinen Zuspi zung de Wel lage, mi
G oßb i annien die be ei s e wähn e En en e co diale (1904) ein-
zugehen. U sp ünglich als Ausgleich gedach , ich e e sie sich zugleich
gegen das e s a kende Deu schland, obwohl dieses, in de Absich ,
dadu ch den „Re anche"-Gedanken in Ve gessenhei zu b ingen,
F ank eich zum Koloniale we b ge adezu e mun e hal e (1911 e -
hiel Deu schland da ü Neu-Kame un, gegen Ane kennung de an-
zösischen Obe hohei übe Ma okko).
43 L . „Recensemen géné al de la popula ion", 1921.
44 Vgl. A ikel „Auswande ung" im „Handwö e buch de S aa swissenscha en".
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335] E scheinungs o men und Wesen des Impe ialismus 79
du chgese z ha e. Da um jene Zei das impe ialis ische Ve agsne z
noch nich geschlossen wa und England mi meh e en Seemäch en als
Gegne echnen muß e, wu de da aus de sogenann e „Two powe
S anda d", de Zweimäch es anda d, d. h. die englische Flo e soll e so
s a k sein wie die beiden nächs s a ken zusammen. Schien es zunächs ,
als ob Deu schland mi Hil e de mode ns en Technik dieses Übe -
gewich auszugleichen e möch e — das bei K iegsbeginn e s mals zum
Einsa z geb ach e halbe Du zend U-Boo e leg e du ch sein E scheinen
meh als die Häl e des b i ischen Übe see e keh s lahm —, so keh e
sich in demselben Maße wie diese ge ü ch e e Ang i swa e ab-
s ump e (eine E ah ung, die in de K iegsgeschich e imme wiede -
keh ) das Ve häl nis um: die Wi scha sblockade b ach e Deu sch-
land zum E liegen.
Abe das wa nich , wie spä e zu Rech e igung eine Au a kie-
poli ik gesag wu de, die Folge eine e keh en Wel ma k poli ik. Im
Gegen eil: Nu die Wel ma k poli ik e möglich e den Un e hal des
s a k wachsenden Volkes und auch — die Rüs ung. Im Zeichen de
„Vie jah espläne" konn en diese wel wi scha lichen Zusammenhänge
nich g ündlich e ö e we den6*. Heu e haben sie nu noch his o-
ische Bedeu ung, doch scheinen sie wegen ih e g undsä zlichen Wich-
igkei , besonde s auch im Rahmen unse es Themas, de ku zen E -
wähnung we .
Daß sich wäh end des e s en Wel k ieges schwe e Ve so gungs-
mängel zeig en, wa allein ode haup sächlich die Folge da on, daß
das P oblem de K iegswi scha , das sich in diese Fo m noch nie-
mals ges ell ha e, nich e kann wu de. In de Laisse - ai e-Ideolo-
gie be angen, wa man a los, wie bei eine so hochg adigen Abhän-
gigkei om Auslande die No au a kie und dami die Siche hei des
S aa es hä e gewäh leis e we den sollen. Zu spä e kann e man, daß
das Ganze im wesen lichen eine O ganisa ions age wa und is . Dazu
kam eine Übe schä zung de Technik im allgemeinen, die einen langen
K ieg unmöglich e scheinen ließ. In olgedessen un e ließ man jede
k iegswi scha liche Vo a spoli ik. Ein Ums and, de die Wi scha s-
poli ik iele k ieg üh ende S aa en kennzeichne e, und de als Be-
weis ih e unbeding en F iedensliebe gel en könn e, wenn e nich on
ande en schwe en Fehle n gelei e gewesen wä e. So e olg en im
e s en K iegsmona aus Os deu schland noch um ang eiche Ge eide-
e schi ungen im Rahmen des damaligen Aus uh scheinsys ems. Vo
68 Ve asse sch ieb da übe — mi du chaus nega i em pe sönlichen E olg —
im „ös e eichischen Volkswi " un e de Schlagzeile „Volkswi scha — Weh -
wi scha — Wel wi scha " (No embe /Dezembe 1937).
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80 Julius Gumpe [336
allem abe wu den die om G oßhandel aus den Wel mä k en zusam-
mengehol en Bes ände, wie wi uns e inne n, in eine , man muß schon
sagen leich e igen Weise e wi scha e .
Bei 80 bis 85 H (heu e sind es bis 65 H) landwi scha liche
Eigen e so gung Deu schlands, wa das Bes immende de Einsa z de
A bei sk ä e und das P oblem, wie man zwischen den eigen lichen
Ve eidigungsau gaben und de Wi scha zu wählen ha e. Einige
wenige, wi klich ge äh liche „Engpässe", wie de ü die Muni ionshe -
s ellung und die Landwi scha gleich wich ige Beda an S icks o ,
de im F ieden aus Übe see gedeck wo den wa , wu den du ch die
Wissenscha (S icks o gewinnung aus de Lu ) o züglich, nämlich
du ch die Scha ung eine ganz neuen F iedensindus ie, übe b ück ,
so daß kein Mangel bes and. Auch an den k iegsno wendigen Bun -
me allen ehl e es nich in en scheidende Weise. Du ch Ve we ung
de g oßen Al kup e bes ände zum Beispiel, an Kesseln und Ge-
b auchsgegens ände alle A , die sich als Zeichen eines wachsenden
Wohls andes und als sinn ällige Ausd uck de Vo eile eine Wel -
wi scha übe all angehäu ha en, konn en on den mili ä ischen
E assungsbehö den soga noch g oße Vo ä e zusammengeb ach
we den69, die bei K iegsende au 31 000 geschä z wu den. Das en -
sp ach beinahe de jäh lichen F iedensp oduk ion Deu schlands an
Reinkup e (1913 = 49 500 ), so daß wi in de e s en Nachk iegs-
zei als Käu e au dem Wel kup e ma k übe haup nich in E -
scheinung a en.
Ein en scheidende Mangel zeig e sich dagegen — und das kenn-
zeichne das P oblem de Weh - und K iegswi scha mi alle Deu -
lichkei — in den G unds o en, mi denen man öllig aus eichend
e so g zu sein glaub e, nämlich Kohle und S ahl. Ta sächlich wa en
auch die Kohlen o ä e in as allen k ieg üh enden S aa en aus ei-
chend o handen, abe un e de E de. Um sie zu heben, wa en Men-
schenk ä e e o de lich — die die F on an o de e. Aus diesem
Wide s ei de k iegsmäßig e ände en G undin e essen on S aa
und Wi scha e klä sich, daß die Kohlen ö de ung, zum Teil auch
als Folge de schlech en E näh ungsweise und de abgenu z en An-
lagen, in allen S aa en (nu die USA mi ih en eichen Rese en
mach en eine Ausnahme) be äch lich zu ückging. Wenn im olgenden
einige Zi e n wiede gegeben we den70, dann is dabei wei e hin zu
be ücksich igen, daß sich die s eng a ionie e Kohle auch de Be-
scha enhei nach s a k e schlech e e:
69 „Wi scha und S a is ik", 1922, S. 694.
70 „Wi scha und S a is ik" 1921, S. 251.
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E scheinungs o men und Wesen de« Impe ialismus 81
Kohlen ö de ung im e s en Wel k iege
Jah Ve einig e S aa en G oßb i annien F ank eich Deu schland
Jah
M i 1 1 i o n e n Tonnen
1913 517,1 292,0 40,1 191,5
1913 = 100
1914 93 92 74 84
1915 90 88 47 77
1916 104 89 51 83
1917 115 86 69 88
1918 119 79 66 84
Die unmi elba e Folge diese e minde en Schich leis ungen und
des in gleiche Weise sich gel end machenden A bei e mangels (und
Rohs o mangels) wa ein un e häl nismäßig g öße es Absinken de
Eisen- und S ahle zeugung, de ein e höh e , du ch die „Ma e ial-
schlach en" beding e Rüs ungsbeda gegenübe s and. Wäh end
F ank eich den Ve lus wich ige E zeugungsgebie e im Ve lau des
K ieges du ch Ein uh en aus den Ve einig en S aa en meh und meh
ausgleichen konn e, muß e Deu schland auch noch seine Ve bünde en
mi dem Nö igs en e so gen71.
Roheisene zeugung im e s en Wel k iege72
Jah Ve einig e S aa en G oßb i annien F ank eich Deu schland
Jah
M i 1 1 i o n e
n Tonnen
1913 31,5 10,4 5,2 19,3
1914 23,7 9,1 2,7 12,6
1915 30,4 8,9 0,6 10,2
1916 40,1 9,2 1,3 11 3
1917 39,3 9,6 1.4 11.6
1918 39,7 9,2 1.3 10,7
Da Kohle nich nu die G undlage de Eisenindus ie, sonde n
de gesam en Wi scha bilde , e gaben sich besonde s om d i en
K iegsjah ab, du ch die as lückenlos gewo dene Blockade e -
schä , Ve so gungsschwie igkei en, die bei s ändig wachsende Ma e-
ialübe legenhei de Alliie en die mili ä ische Niede lage Deu sch-
lands un e meidlich mach en.
71 Die Roheisene zeugung Ös e eich-Unga ns, 1913 = 2,4 Mill. , iel nu wenig
ins Gewich , dagegen wa sein Beda an S einkohle um so g öße .
72 „Wi scha und S a is ik" 1921, S. 448.
Schmolle s Jah buch LXXIV, 3 6
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82 Julius Gumpe [338
II. Wesen und Beg i des Impe ialismus
Übe blick man diese e wi ende geschich liche Viel al , die, ohne
auch nu annähe nd olls ändig zu sein, doch die wich igs en Bes and-
eile de E scheinung des Impe ialismus, aus dem sich das Volk-S aa -
Wi sdia -P oblem besonde s kla he ausgeschäl ha , zum Ausd uck
b ing , so wi d man geneig sein, 0. Spann73 zuzus immen, de die Mei-
nung e a , daß es sich um einen gesellscha swissenscha lichen
Unbeg i handele. Und doch geh es zwei ellos nich nu um ein
bloßes „pa eipoli isches Schlagwo ", sonde n um wei meh , um ein
a sächliches Geschehen. Es soll hie nich de beinahe aussich slose
und zudem unlohnende Ve such un e nommen we den, alle zu i gend-
eine Zei en s andenen Beg i sbildungen zusammenzu agen74. Viel-
meh soll eine sys ema ische Auslese ge o en we den de a , daß,
on de wei es en Fassung ausgehend, das P oblem so lange eingek eis
wi d, bis sein e ah ungsmäßige Ke n üb ig bleib .
Beginnen wi also bei Schumpe e 75, de den Impe ialismus als
„die objek lose Disposi ion eines S aa es zu gewal same Expansion
ohne angebba e G enzen" de inie 76. In olge seine idealis ischen
G undhal ung e schein ihm de Impe ialismus als Geis . Abe nu
un e bes imm en Bedingungen e kenn e ihm Be ech igung zu. Ge-
schich lich wei ausholend, bezeichne e den „ ypischen Impe ialis-
mus" de Ägyp e und besonde s de Assy e als „selbs mö de isch
und öllig sinnlos"77, wäh end e ein en sp echendes Ve hal en de
i anischen A ie , die du ch die „geog aphische Ve ums ändung", also
sozusagen no ged ungen zu K iege n wu den, ü be ech ig häl 78.
Spä e hin habe jedoch eine solche „psychische Disposi ion", aus jene
Lebenshal ung en s anden, abe zum „Daue ypus" gewo den, nich als
Anlage de s aa lichen Gemeinscha als solche , sonde n eine Klasse79
„objek los" wei e gewi k . Demgemäß kennzeichne e den Impe ia-
lismus als ein „Ube lebsel" aus den e gangenen (nich aus den
gegenwä igen) P oduk ions e häl nissen, als einen „A a ismus de
73 Spann, 0.: A ikel „Impe alismus" im „Handwö e buch de S aa swissen-
scha en".
74 Eine eichhal ige Übe sich , namen lich übe die äl e e Li e a u , bie e
Hashagen, J.: „De Impe ialismus als Beg i ." In: „Wel wi scha liches A chi ",
Bd. 15 (1919/20), S. 157 . Vgl. auch Bd. 26.
75 Schumpe e , J.: Zu Soziologie de Impe ialismen. Tübingen 1919.
70 Schumpe e , J.: a.a.O. S. 3.
77 Schumpe e , J.: a.a.O. S. 17.
78 Schumpe e , J.: a.a.O. S. 19.
79 Schumpe e , J.: a.a.O. S. 38.
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339] E scheinungs o men und Wesen des Impe ialismus 83
sozialen S uk u " und indi idualis isch-psychische Ge ühlsgewohn-
Caesa s und Napoleons, übe den „ eudalen Ka olingisch-deu schen
He sche impe ialismus" und den „Fü s enimpe ialismus" bis zu sei-
hei 80, die om „Indi idualimpe ialismus" Alexande s des G oßen,
nen gegenwä igen Fo men ge üh habe. Auch hie wende e s enge
Maßs äbe an. So beleg e die Expansionspoli ik eines Dis aieli mi
dem Ausd uck „Impe ialismus de Ph ase"81. Die Sp ache de Ta -
sachen82 is jedoch in ih e Hä e schwe lich zu übe hö en, hie so
wenig wie ande swo. Was sie be ei s bei lüch ige Be ach ung leh en,
is zum mindes en dies, daß de Impe ialismus nich lediglich eine
„Disposi ion", sonde n eine — nich sel en blu ige — Reali ä is .
Besch änken wi unse e Be ach ung, wo ü de Be ech igungs-
nachweis noch zu e b ingen sein wi d, au jene Zei , die heu e übe -
wiegend als die eigen lich „impe ialis ische" bezeichne wi d83, so
e schein es wei e hin aglich, ob die Cha ak e isie ung diese Expan-
sion84, selbs im Falle des sogenann en „Kul u impe ialismus", de
egelmäßig nu Ve b ämung is 85, als „objek los" Gül igkei besi z .
Denn es is nich zu e kennen, daß dieses Mach s eben, als das wi
den Impe ialismus o läu ig gekennzeichne haben, au bes imm e
Objek e ge ich e is , nämlich au emde Räume, um sich au diese
Weise mach poli ische, olkliche, handelspoli ische ode sons ige Vo -
eile zu e scha en und zu siche n. Da diese D ang on innen he
übe den S aa s aum hinaus e olg , ha man geglaub , on einem „inne-
en Impe ialismus" sp echen zu sollen86. In Wi klichkei handel es sich
jedoch nu um zwei Sei en ein und de selben Sache. Aus G ünden,
die ich im g oßen geschich lichen Zusammenhange zu e assen und da -
zus ellen e such habe87, en s eh bei den poli ischen Gemeinwesen
in einem bes imm en En wicklungss adium haup sächlich als Folge des
Be ölke ungswachs ums eine gesellscha liche Konzen a ion on
K ä en, die sich nach außen hin auswi ken muß. Und zwa geschieh
das mi No wendigkei . Die Folge sind E scheinungen, wie sie ein
englische His o ike mi de Fes s ellung kennzeichne e, G oßb i an-
nien habe sein Wel eich „in eine A geis ige Abwesenhei zusammen-
80 Schumpe e , J.: a.a.O. S. 283.
81 Schumpe e , J.: a.a.O. S. 21 .
82 Vgl. S. 50 .
83 Vgl. S. 90 .
84 „Gewal same Expansion66 dü e im Zei al e de „Au eilung de Wel 44
eine Tau ologie sein.
85 Vgl. S. 58 . und 68.
86 Vgl. Hashagen, a.a.O.
87
Vgl. meinen Au sa z in „Schmolle s Jah buch44 a.a.O.
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84 Julius Gumpe [340
geb ach ", was mi dem Ve hal en ande e „Wel mäch e", die ähnlich
planlos, om Zu all bes imm und ohne Rücksich e wa au wi scha -
liche E agsaussich en („Wüs ensammlung") o gingen, übe ein-
s imm . Das Beg i sme kmal, „ohne angebba e G enzen", das
Schumpe e mi dem Impe alismus e binde , e schein also ü s e s e
bewiesen.
Das is denn auch die Linie, an die man sich iel ach
häl , wobei de Impe ialismus als Ausdehnungss eben „übe sich
selbs ", „übe Eu opa hinaus", „übe emde Völke " ode ähnlich
ge aß wi d88/89. Nu e einzel wi d de Ve such un e nommen, Rich-
ung und G enzen nähe zu bes immen. E. Schul ze90 zum Beispiel
sieh sie da in, die He scha eines Volkes „wei e auszudehnen, als de
sp achlichen Zugehö igkei seine Bes and eile ode seinen na ü lichen
G enzen en sp ich ". Wenn diese „geopoli ischen" Gesich spunk e in
Deu schland und I alien auch o und wäh end des zwei en Wel k ie-
ges eine gewisse Rolle gespiel haben, so wi d man sie doch nich all-
gemein als en scheidend ansehen können.
Allgemein e bindlich wa en hingegen jene G enzen, die on den
Ums änden selbs gezogen wu den, und die sich in dem Zei punk
Gel ung e scha en, als die „Au eilung de Wel "91 abgeschlossen
wa . Da die Bewegung als solche dami nich zum S ehen kam, son-
de n nu ande e Fo men, besonde s solche außenhandelspoli ische
A (P o ek ionismus, Monopolbildung u. a.) be o zug e, e gib sich,
daß Beg i sbildungen, die allein au den Ums and de Bodenbesi z-
e g ei ung abs ellen92, als einsei ig zu be ach en sind. Das gil insbe-
sonde e ü jene, in denen die Bildung on „Wel eichen" — ein zu
age Beg i — als das Haup me kmal e schein . Dami en äll zu-
gleich die Möglichkei eine Un e scheidung on „al em" und „neuem"
Impe ialismus, die au ein o malen Gesich spunk en be uh . Denn
was das „Impe ium Romanum", zum Beispiel, om „B i ish Empi e"
un e scheide , is genau das, was den Impe ialismus, wie wi ihn e -
leben, ausmach , was ihn en s ehen läß , ihm Ziel und Rich ung gib
Und das sind, wo au noch nähe einzugehen is , die wel wi scha -
lichen Spannungen, die jenem emd wa en. Nich s kennzeichne diese
Zusammenhänge besse als die Ta sache, daß das b i ische Wel eich
zwa gleich alls eine poli ische Einhei bilde e (wenn es sich auch an
88 Vgl. Hashagen, a.a.O.
89 So neue dings auch Sulzbach: A ikel „Impe ialismus44 im „Handwö e buch
de Soziologie44, S u ga 1931.
90 Vgl. Hashagen, a.a.O.
91 Vgl. S. 50 .
92 Vgl. die on Hashagen (a.a.O. S. 166) e wähn e Li e a u .
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341] E scheinungs o men und Wesen des Impe ialismus 85
Geschlossenhei mi jenem nich messen konn e), daß es abe im Ge-
gensa z zu An ike zu keine Zei sei dem Ende des Me kan alismus
eine geschlossene ökonomische Einhei e kö pe e, daß de a ige Ve -
suche zu Scha ung eines b i ischen Wel wi scha s eiches im Be-
eiche de Wel wi scha ielmeh s e s mißlangen93. Da in lieg zu-
gleich de Beweis, daß de Impe ialismus nich , wie man o sagen
hö , so al is wie de S aa selbs , sonde n daß e eine E scheinung
de Neuzei mi ih e Indus iewi scha da s ell .
Kann man heu e wenigs ens insowei eine gewisse Übe eins im-
mung es s ellen94, so gehen die Ansich en um so s ä ke auseinande ,
wenn es die F age zu en scheiden gil , zu wessen Nu zen, insbesonde e
in wessen wi scha lichem In e esse diese ausg ei ende Poli ik e olg ,
mi deu liche en Wo en: we die eigen lichen T äge des Impe alis-
mus sind. Wäh end die einen ein „Klassenin e esse" am We ke sehen,
sind die ande en übe zeug , daß ein s aa liches ode Gemeinin e esse
o liege.
Zu e s en G uppe gehö en, ih e Denkweise en sp echend, die
Ve e e des Ma xismus95. Jedoch we den de a ige Ansich en e -
einzel auch on Gegne n des his o ischen Ma e ialismus e och en.
„Das Va e land wi d in Ge ah e klä ", so o mulie es Schumpe e
in seh eind ingliche Fo m96, „wenn die Klassenin e essen in Ge ah
sind". In ähnliche Weise bezeichne . Schulze-Gä e ni z97 den Impe-
ialismus als „diejenige S u e des kapi alis ischen Zei al e s, in wel-
che das Finanzkapi al mi els poli ische Gewal sich übe na ionale
Gebie e bemäch ig zwecks monopolis ische Ausbeu ung ih e Na u -
schä ze, Rohs o e und A bei sk ä e (le z e es iel ach mi els Be-
93 Da an haben auch die wäh end de Wel wi scha sk ise (1932) abge-
schlossenen Ve äge on O awa nich s Wesen liches zu ände n e moch , denn
das on ihnen gescha ene Empi e-P ä e enzsys em weis g oße Lücken und
Schwächen au (die jedoch s a k genug sind, um eine zei gemäße In eg a ion zu
belas en).
04 Ande e Meinung zum Beispiel Sulzbach (a.a.O.), de die Ausklamme ung des
„ o kapi alis ischen Impe ialismus64 ü me hodisch unzulässig häl .
95 In Ma x' eigenem, ganz om „Klassenkamp " e üll en Geschich sbild is
ü die en scheidenden Na ionalkämp e, insonde hei ü eine E scheinung wie
den Impe ialismus kein Pla z, und ge ade hie in o enba sich die Fehle ha igkei
seine „En wicklungsgese zlichkei 44 ielleich am deu lichs en. Abe auch sein
geis ige Nach ah Lenin wu de o enba e s du ch den Ein i de Ka as ophe
des e s en Wel k ieges on de No wendigkei eine „Wei e en wicklung44 de
Ma xschen Theo ie übe zeug ( gl. S. 45).
96 Schumpe e , a.a.O., S. 38.
97 . Schulze-Gä e ni z: „Ame ikas Ube impe ialismus.44 In: Die Wi scha s-
wissenscha nach dem K iege, München und Leipzig 1925.
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S eue ung) mi de Tendenz des au a ken, alle Zonen um assenden,
alle Rohs o e e zeugenden Wel eiches".
Ande e sei s s ehen nich alle Sozialis en au dem „Klassens and-
punk ". Fü Kau sky98 beispielsweise is Impe ialismus „de D ang
jede indus iellen kapi alis ischen Na ion, sich ein immei g öße es
ag a isches Gebie zu un e we en und anzugliede n . . .", zu dem
Zwecke, wie e e gänzend beme k , „die übe schüssigen Kapi alien des
Mu e landes au zunehmen und in seinem In e esse zu e wenden",
was schließlich zu Übe windung des Impe ialismus du ch seine An i-
hese, einen „Ul aimpe ialismus" üh en wü de.
Eine Mi els ellung schein K. Renne " einzunehmen mi seine
De ini ion: „De poli ische Impe ialismus is die Außenpoli ik on
S aa en eine übe ei en Bou geoisie, die die ein poli ischen Mach -
mi el des S aa es (Diploma ie, Hee , K iegs lo e) zu ökonomische
Ausdehnung, zu Behe schung ode E obe ung on Bezugs- und Ab-
sa zgebie en ih e Indus ie sowie on Kapi alanlagesphä en be-
nu zen."
Das „Finanzkapi al" als das En scheidende be ach end, bezeichne
Lenin100, wiede ganz den „Klassens andpunk " he o keh end, den
Impe ialismus als „die Epoche des Finanzkapi als und de Monopole",
„des Kapi alismus au jene En wicklungss u e, wo die He scha de
Monopole und des Finanzkapi als sich he ausbilde , de Kapi alexpo
he o agende Bedeu ung gewonnen, die Ve eilung de Wel du ch
die in e na ionalen T us s begonnen ha und die Au eilung des ge-
sam en Te i o iums de E de du ch die g öß en kapi alis ischen
Lände abgeschlossen is ".
Be o die beg i liche Klä ung wei e ge üh wi d, seien hie , de
zunehmenden Wi klichkei snähe nach geo dne , noch einige De ini-
ionen einge üg , die au einem ganzhei lichen Denken im Sinne
0. Spanns be uhen. „Un e Impe ialismus e s eh man", so sag
H. F iedjung101, „den D ang de Völke und de Mach habe nach
einem wachsenden An eil an de Wel he scha , zunächs du ch übe -
seeischen Besi z." Impe ialismus bedeu e nach Koba sch102, „daß eine
98 Zi . bei Hashagen, a.a.O. S. 179.
99 Renne : Ma xismus, K ieg und In e na ionale. S u ga 1918, S. 135.
100 Lenin, W. J.: De Impe ialismus als jüngs e E appe des Kapi alismus, 1915.
Die zwei e, unmi elba da au olgende un e ände e Au lage äg den Ti el:
„De Impe ialismus als höchs es S adium des Kapi alismus", was en wicklung&mäßig
gesehen ein g undlegende Un e schied is , wo au noch einzugehen sein wi d.
101 F iedjung, H.: Das Zei al e des Impe ialismus 1884 bis 1914. Be lin
1919/22, Bd. I, S. 5.
102 Koba sch: In e na ionale Wi scha spoli ik, Wien 1907. Zi . bei Has-
hagen a.a.O.
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g oße und hochen wickel e Na ionalwi scha auße ih em S amm-
lande meh ode wenige zahl eiche ande e Na ionalwi scha en in
den Mach be eich de In e na ionalen Wi scha spoli ik zu b ingen
s eb ". Dix103 endlich sieh das Wesen des Impe alismus in einem
„Wel mach wachs umswillen", einem S eben nach Wel mach , „die
beseel is on dem Willen, sich auszuwachsen gemäß den Bedü nis-
sen ih es Volks ums und ih e Volkswi scha ".
Gehen wi nun unse em Schema en sp echend an die F age he an,
ob es sich beim Impe ialismus um ein „Klassenin e esse" handele ode
nich , so we den uns Be ach ungen, wie sie Sulzbach104 ans ell , on
Nu zen sein. Ähnlich wie Schumpe e un e scheide auch e einen
„Fü s enimpe ialismus" als „Klassenimpe ialismus". Da hie nu eine
ode wenige he ch en, p o i ie en sie, so mein e , wenn de S aa
e olg eich expandie e, denn die Zahl de He schenden blieb die
gleiche, wäh end die Zahl de Un e wo enen zunahm. Zwa läß sich
denken, und die E ah ung bes ä ig es, daß E obe ungen, um ein
ande es Wo zu geb audien, auch dem Volke zugu e kommen konn-
en, in Fo m on Ve besse ungen de Lebenshal ung ode in Ges al
on S eue e leich e ungen, die ein leis ungs ähige e Raum (wenn
auch ielleich e s kommenden Gene a ionen) e möglich e. Au eine
solche Poli ik ha en die Massen jedoch keine lei Ein luß, und inso-
e n mag diese A on Impe ialismus, wenn man sie beg i lich gel en
lassen will105, „ a ional es los e s ändlich" e scheinen.
Dagegen is es unbeg ei lich und une klä lich, und da in wi d man
Sulzbach unbeding zus immen, wie es in einem demok a isch egie -
en S aa e, bei eien Wahlen, eine „Klasse" möglich sein soll e,
selbs wenn sie die P opaganda wei gehend behe sch e, dem ganzen
Volke ode bes imm en Teilen eine Au assung einzu eden und au -
zuzwingen, die übe die Selbs e leugnung de eigenen In e essen
hinaus bis zu Selbs au op e ung ü die In e essen de ande en im
K iege ginge106. Eine solche In e essenillusion wä e de a , daß man
sie nich einmal denken mag. Deshalb wi d man den Gemeinscha s-
und Volkscha ak e des Impe ialismus als unbeding o handen
ansehen.
Abe Sulzbach häl den „na ionalen Impe ialismus" im Gegensa z
zum „Fü s enimpe ialismus" auch noch aus einem ande en G unde ü
wide sp uchs oll. Wenn, so olge e , England Süda ika ode
Deu schland Belgien annek ie e — die Wahl dieses Beispiels zeig
103 Dix: Deu sche Impe ialismus. 2. Au lage, Leipzig 1914.
104 Sukbach, a.a.O.
105 Vgl. S. 92 .
106 Vgl. S. 69.
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uns, wie wei sich die Wel in den le z en zehn Jah en om impe ia-
lis ischen Denken be ei s en e n ha , welche poli ische Fo sch i
sei he a sächlich e ziel wo den is , — so gehö en zu de bei den
Siege n bes immenden Schich nich einige wenige, sonde n Millionen.
Diese Millionen wü den, wenn sie, im eigenen In e esse nach demo-
k a ischen P inzipien e ah end, den Besieg en Gleichbe ech igung
gewäh en, wede eiche , noch (indi iduell) mäch ige , noch ange-
sehene als ühe sein. Und o zdem glaub en sie an den wi scha -
lichen und poli ischen We des Inpe ialismus. Das sei, und hie be-
inde e sich wiede in Übe eins immung mi Schumpe e , nu du ch
psychische Da en zu e klä en, on denen e den „Willen zu Mach ",
die „F eude am Kamp ", und die „Eh e de Na ion" he o heb . Zu-
sammenge aß im na ionalen Pa io ismus, sei eine solche Hal ung
jedoch das ge ade Gegen eil on wi scha lichem In e essenkalkül.
Pa adoxe weise glaube man dennoch an die gleiche In e essenlage, die
wi klich ü die Fü s en gegol en habe. Dahe komm e zu dem
Schluß: „Die Außenpoli ik de demok a ischen Na ionen is mona -
chis isch, ohne daß ih e T äge es ahnen"107.
Diese — scheinba en — Wide sp üche e klä F iedjung108 du ch
eine idealis ische Dialek ik im Hegeischen Sinne: „Als de na ionale
Gedanke", so sag e , „sich in de Haup sadhe du chgese z ha e,
schlug e in sein Gegen eil um. Die Völke begnüg en sich nich mi
dem übe kommenen ode neu e ungenen Na ionals aa , sonde n
woll en sich zum Wel s aa auswei en und dami einen möglichs g o-
ßen Teil de E de umspannen."
Im Gegensa z zu de a igen Deu ungs e suchen, die wi als kon-
s uie emp inden, wi d heu e ziemlich allgemein angenommen, daß
eine de Haup u sachen de allgemeinen Expansion eine i gendwie
gea e e äumliche Beengung is . Au seinem S andpunk e ha end,
begegne Sulzbach109 eine solchen Annahme mi dem Hinweis, daß
107 Sulzbach sieh e ne ein an idemok a isches Ve hal en da in, daß kein S aa
das Ausscheiden on Teilgebie en e laube. E nenn das „s a ischen" (im Gegensa z
zu „dynamischem") Impe ialismus. Dami wi d in die Beg i sbildung ein Momen
einbezogen, das zum Wesen des S aa es selbs gehö . Ande e sei s bleib die Ta -
sache unbe ücksich ig , daß de a ige Gebie slösungen a sächlich o gekommen
sind (G oßb i annien-I land). Daß die S aa s e assungen ein solches Rech nich
ausd ücklich e b ie en, is dabei unwesen lich (sowei ich sehe, bilde die UdSSR
mi ih em Ve assungsia ikel 17, de den Unions epubliken „das Rech au eien
Aus i " ga an ie , die einzige Ausnahme; abe ge ade hie is da« Sezessions ech ,
wie besonde s auch die Be line Kon e enz on 1954 gezeig ha , p ak isch
p oblema isch). Vgl. S. 4.
108 F iedjung, a.a.O. S. 5.
109 Sulzbach, a.a.O.
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