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Als ein Beispiel ü die nach wie o bes ehenden Blockaden de du ch 1968 soziali‑
sie en In ellek uellen mag eine Äuße ung on E ienne F ançois dienen, de zwa
be ei zu sein schein , die p oblema ische „Idealisie ung de chinesischen Kul u ‑
e olu ion“ du ch die wes eu opäischen In ellek uellen einzuges ehen, alle dings nu
im Hinblick au die wei e e En wicklung, „was e wa spä e un e de He scha de
‚Ro en Khme ‘ in Kambodscha passie e“ (S. 64). Das, was o he passie wa , schein
wei e hin auße halb des Blick elds zu liegen. Wede de ücksich slos du chge üh e
G oße Sp ung nach o n noch die gleiche maßen e o is ische Kul u e olu ion, die
nich wenige Menschenleben e nich e e, scheinen nu wenig an u opische Legi i‑
ma ion e lo en zu haben, die e olu ionä e Nos algie schü z o enba wei e hin o
den his o ischen Fak en! Angesich s solch euphemis ische Äuße ungen e schein
es allemal nach ollziehba , dass de Nach‑68e Thomas E zemülle in seine Un e ‑
suchung zu 68 au Zei zeugengesp äche e zich e ha e, wa en die P obanden doch,
wie e e me k , „auße o den lich geschick […], ih e eigene Geschich e in meine
Disse a ion hineinsch eiben zu wollen.“ (S. 49)
Ve such man eine Gesam wü digung, dann ha man es mi einem zu g oßen Teilen
gu zu lesenden Band zu un, de doch iele Face en on und um 68 an eiß . Zu be‑
daue n is na ü lich, dass in allen Bei ägen eine sys ema ische Da s ellung de Fo ‑
schungsli e a u ehl , man eine mal meh , mal wenige eklek ische Li e a u auswahl
e häl . Ge ade bei einem Band, de sich mi dem Thema de doppel en Pe spek i e 1968
auseinande se z , wä e ein Fo schungsübe blick höchs sinn oll gewesen. Eben alls
ehl , mi de Ausnahme des Bei ags on Ilko ‑Sascha Kowalczuk (Von de Re ol e zu
Re olu ion. Wie iel 1968 s eck in 1989? S. 246–251), ein wei e üh ende Blick. Man
e äh zwa einiges on dem an iau o i ä en und hedonis ischen P o es habi us de
wes lichen P o es jugend, de sich bis heu e o adie , Namen wie Jan Palach, Jan
Zajíc, on wei e en ganz zu schweigen, we den dagegen übe haup nich ange üh ,
so als ob de en adikalisie e P o es ü die Pe spek i e au 1968 i ele an wä e.
Und auch die Ana omie eine Zu ückhal ung, mi de Václa Ha el s ell e e end ü
ande e Dissiden en in Os mi eleu opa die linke P o es kul u nach 1968 im Wes en in
ih e ideologischen Ve blendung demaskie , inde keine Re lexion. Inso e n bleib
das „doppel “ im Ti el dieses Bandes e was un e okussie .
Jö g Be nig: De Gablonze Glasknop . Essays aus Mi eleu opa.
D esden: Thelem, 2011, 140 Sei en; An de Alle wel secke. Essays.
D esden: Edi ion buchhaus loschwi z, 2020, 160 Sei en.
Pe e Beche – Adalbe S i e Ve ein e. V., München
Be ei s in seinen „Essays aus Mi eleu opa“ (De Gablonze Glasknop , 2011) e wies sich
Jö g Be nig als sensible und nachdenkliche Beobach e . Mi eleu opa wa und is ü
ihn ein „jah hunde eal e Schme zens aum“, gep äg on de „E ah ung wechsel‑
sei ige Mißach ung, Schikanie ung, Ve olgung, Ve eibung und Aus o ung.“ Ein
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Raum, in dem die e olg en und e iebenen Völke alle dings nich gänzlich e ‑
schwinden, sonde n in de Li e a u wiede au auchen, „ganz gegen die In en ion
de jenigen, welche >die ande en< endgül ig ha en loswe den wollen.“
Auch An de Alle wel secke (2020) zeig sich Be nigs sub ile Beobach ungsgabe:
Ob e beim Gang du ch die Belg ade S aßen den jungen Leu en nachschau , die
lachend „du ch die milde Ok obe nach “ bummeln, ob e „al e wunschene“ Häuse ,
Kioske und „ os ze essene“ Busse en deck ode in einem Gas haus Musikan en und
singenden Besuche n zuhö , imme is e mi den wach äumenden Augen eines
Flaneu s un e wegs, ganz dem Augenblick übe lassen. Hin e diesen Augenblicken
wei e sich de Raum de Geschich e, de on de Zei de osmanischen He scha
ebenso e zähl wie on den jüngs en Sezessionsk iegen und dem Lu ang i de
NATO, on Ga ilo P incip, dem A en ä e on 1914, und on Josip B oz Ti o, dem
S aa sche Jugoslawiens. Mi eleu opa, das is ü Be nig ein „Raum de E zählung“,
und Sch i s elle wie I o And ić, Vladisla Bajac und D agan Velikić sind seine li e‑
a ischen Zeugen dieses Raums.
Nach Belg ad üh Be nig seine Lese du ch Sa aje o, wo e das Nebeneinande
on Moscheen, Ki chen und Synagogen an den „Glocken önen de O hodoxen und
de Ka holiken“ sowie den „Gebe s u en on den Mina e en“ hö ba mach und diese
eligiösen Klangspu en mi den „Lau sp eche n de Ca és und Kneipen“ kon as ie ,
aus denen die Musik de Gegenwa d öhn , Pop, Rap und Techno. Auch hie is die
Ve gangenhei übe aus p äsen , „K iegs uinen“ und „Einschusslöche “ künden da on,
„de K ieg in den Gesp ächen on… Bosniaken, Se ben und K oa en is wie ein Anke
in de Zei , ein D eh‑ und Angel‑, ein Bezugspunk “, de die Geschich e in ein Da o
und ein Danach gliede , so wie seine zei das A en a au den ös e eichischen
Th on olge , mi en in de S ad , an einem „Alle wel so “, wie Be nig sch eib , an
dem Familien mi „ ie e schleie en“ F auen o beispazie en, wäh end die F auen
au den Bilde n de 1920e Jah e noch ganz ohne Schleie zu sehen sind.
Die gemeinsame Wande ung mi B eslaue Uni e si ä sangehö igen zum Zop‑
enbe g, de im Niesel egen keine Fe nblicke eigib , abe zu eine S ä kung in
de Gip elbaude einläd , wi d ü Be nig zum Anlass, seine Gedanken in den g auen
Lu spiegel zu p ojizie en. Von Goe hes „An e wandlung“ ausgehend, ag e sich,
ob die nach Wes en umgesiedel en Polen und die in den Sude engebie en siedelnden
Tschechen nach de Ve eibung de Deu schen eine An e wandlung an die neue
Umgebung ollzogen haben, ode ob die Zei zu ku z wa , die Landscha emd blieb,
und längs on neuen G uppen (wie de ussischen Kommuni ä in Ka lsbad) in Be‑
schlag genommen wu de.
De le z e Essay üh ins No dwes böhmische, zum Fluch punk on Be nigs
eigene Familiengeschich e, ins Sude enland mi seine Haup s ad Reichenbe g. Hie
we den die „al en Wege und S aßen, die kno igen Alleebäume, die al en Baue nhö‑
e… Ki chen und Kapellen… Eingangslöche zu ande en Wel en“, in die man wie Alice
in Wonde land hineinge a en könne. Spu en de Ve gangenhei , halb sich ba , halb
wissend, die Res e eines belieb en Aus luglokals, mi en im Wald, ein geschli ene
O , in dem eins Sude endeu sche wohn en, die E inne ung an einen Todesma sch
aus einem KZ im Ap il 1945. Da o und da übe die Wah nehmungen de Gegenwa ,
Badende, ein „holzgezimme e Ausschank“, Radiomusik, de lau e Ru , dass die ge‑
b a enen Wü s eln abgehol we den können.
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Wie mi spi ze Nadel genäh , inde man zwischen den Beobach ungen und
Besch eibungen de Essays on 2011 einen dünnen Faden on Vo behal en, die das
li e a ische E zählen Mi eleu opas „als Gegenpol zu eine in Globalisie ung sich
scheinba ode a sächlich au lösenden Wel “, da s ellen und die „gemeinsame To‑
ali a ismuse ah ung“ de in de ČSSR und DDR g oßgewo denen Jugend, die E ‑
ah ung, „eine Dik a u besei igen zu können“, als Vo sp ung bezeichnen, da „ein in
Baye n Au gewachsene “ diese E ah ung „nich unbeding gemach “ habe. Diese
Gegensa z wi d e s ä k du ch die Au assung, die Bundes epublik habe sich „übe
Jah zehn e hinweg mi Deu schland e wechsel … Wes eu opa übe Jah zehn e mi
Eu opa“. De „E wei e ungskommissa “ de Eu opäischen Union wi d als „Feldhe
ohne Hee “ bezeichne . Ebenso sch eib Be nig on de Sublimie ung de „F on be‑
g adigungen de eu opäischen Geschich e“ zu „Bananenbeg adigungen“ du ch die
„B üssele Zen ale“.
Was in den Essays on 2011 au diese Weise i onisch und p o oka i zum Ausd uck
komm , wi d in de Alle wel secke on 2020 e ns und obsessi . Be nig kons a ie ,
„daß sich Wes eu opa in seine ökonomischen Selbs gewißhei übe Jah zehn e on de
Tie e des geis igen Raums in Mi el‑, Os ‑ und Südos eu opa abgewand “ habe; „daß
>Na ion<… in Deu schland und in manchen poli ischen K eisen Wes eu opas sowie bei
e lichen Meinungsp oduzen en in den al he geb ach en Medien und Uni e si ä en als
ein Schmuddelwo “ gel e; dass zwa on de „Geis igkei dieses E d eils“ gesp ochen
we de, abe zugleich das, „was sich– lau hals zumeis – als >Eu opa<“ bezeichne, „au
ge ade diese Geis igkei e gessen und sie einge ausch “ habe „gegen das Ka zensilbe
en g enz e Ökonomien… gegen die im o lau end skandie en Tole anzman a e ‑
bo gene Selbs e leugnung o allem und jedem, wenn es nu nich das Eigene is .“
Und wei e , dass de Os en im Blick wes liche Be ach ung als „Raum nachge‑
hende Uh en“ und eine „ ie e en S u e de Zi ilisa ion“ e scheine, wäh end man
umgekeh „in den Wes le n e eidigungsun ähige und ‑unwillige Weichlinge“ sehe,
„Wesen de Obe läche, die nie eine Begegnung mi dem Exis en iellen ha en“. Die
„g ei ba s e und olgen eichs e En g enzung de le z en Jah e“ sei „die G enz‑ und
Sou e äni ä sp eisgabe du ch die deu sche Bundes egie ung in den Jah en 2015
und 2016“ gewesen. Die „au Eu opa eins ömende– ode gelock e ode gelenk e?–
Masseneinwande ung“ impo ie e „auch Kul u en, die sich in Kon lik s ellung zu
eu opäischen Kul u sehen und be inden und ü die An e wandlung keine Op ion“
sei. Eu opa impo ie e sich dami „ emde kul u elle Kon lik e, die mi alle En schie‑
denhei und Konsequenz nun auch au eu opäischem Boden ausge agen we den.“
Die Beispiele machen nu einen B uch eil de Essays aus, abe sie s echen du ch
ih e Schä e he o und wi ken wie (absich liche) Ve le zungen de ansons en ein‑
gesponnenen Tex e. Be nig e läss an diesen S ellen die T aum ie en des Poe ischen
und s eig hinau (ode hinab?) zu Ebene de Behaup ung, de Un e s ellung und des
Zo ns. Wohe komm diese Ve schä ung de Anschauung? Zwischen beiden Essay‑
bänden liegen die Mig a ionsk ise (2015), Be nigs Kamenze Rede (2016), seine Cice‑
obei äge und die on ihm mi un e zeichne e „Gemeinsame E klä ung 2018“, die eine
Beschädigung Deu schlands du ch die „illegale Masseneinwande ung“ kons a ie .
Viele K i ike eagie en da au , indem sie Be nig in eine „neu ech e“ Ecke s ellen.
Ich age mich alle dings, ob s a des schnellen Au klebens eines E ike s nich auch
ein wenig Nachdenklichkei angeb ach wä e. Vielleich ha de Mains eam wes ‑
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liche Eins ellungen im Lau de Globalisie ung sei dem Fall des Eise nen Vo hangs
a sächlich zu schnell und zu selbs gewiss We hal ungen abges ei ode ga de
Läche lichkei p eisgegeben, die sich in so al e ümlichen Bezeichnungen wie „Volks‑
e bundenhei “, „Heima liebe“, „Gläubigkei “, „T eue“ mani es ie en. Und ielleich
wu den dabei En wicklungen baga ellisie , die nich nu konse a i en Poli ike n
So ge be ei en, En wicklungen, de en Kon u en I an K as e und S ephen Holmes
ode F ancis Fukuyama in ih en le z en Büche n plas isch he ausgea bei e haben.
Umgekeh möch e man Be nig agen, wie es kommen konn e, dass sich seine
eins ige I onie zu eine on Bi e kei und Sa kasmus e üll en Behaup ungsgewiss‑
hei e hä e ha . Und wa um e die Spannungen zwischen Wes ‑ und Mi eleu opa,
zwischen Os ‑ und Wes deu schland allein on eine Sei e e u sach sieh und zu
einem Zen algegensa z e schä , de keine Wechselwi kungen und keine Gemein‑
samkei en e kennen läss .
So e weck die Lek ü e de Alle wel secke du chaus gegensä zliche Eind ücke.
Be nig zeig sich einmal meh als sensible Beobach e , sub ile Fo mulie e und ge‑
schich skundige Flaneu und zugleich als plaka i e Ve ein ache und p o oka i e
Zuspi ze , womi e das Tableau seine Reisebeobach ungen jäh du chschneide und
eine zwei e Da s ellungsebene e ablie , au de wes liche A oganz und ös liche
Menschlichkei au scha e Weise behaup e und gegeneinande ausgespiel we den.