Wolf-Peter Liebisch
Dr. med.
CHARAKTERISIERUNG VON DELETIONEN DES LANGEN ARMS VON
CHROMOSOM 11 BEI DER CHRONISCH LYMPHATISCHEN LEUKÄMIE VOM
B-ZELL-TYP MIT HILFE DER FLUORESZENZ IN-SITU HYBRIDISIERUNG
Geboren am 07.03.1970 in Bühl
Reifeprüfung am 26.04.1989 in Sasbach
Studiengang der Fachrichtung Medizin vom SS 1991 bis WS 1997/98
Physikum am 30.03.1993 an der Universität Heidelberg
Klinisches Studium in Heidelberg
Praktisches Jahr in Heidelberg und Bern (CH)
Staatsexamen am 20.11.1997 an der Universität Heidelberg
Promotionsfach: Innere Medizin
Doktorvater: Priv.-Doz. Dr. med. H. Döhner
Strukturelle Veränderungen des langen Arms von Chromosom 11 (11q) stellen rekurrente
Aberrationen bei lymphoproliferativen Erkrankungen dar. In Bänderungsanalysen der
achtziger und frühen neunziger Jahre waren 11q-Aberrationen bei der chronisch
lymphatischen Leukämie vom B-Zell-Typ (B-CLL) überwiegend in Form der Translokation
t(11;14)(q13;q32), nur vereinzelt hingegen als Deletionen des langen Arms von
Chromosom 11 aufgefallen.
Ziel der vorliegenden Arbeit war, die Inzidenz von Deletionen des langen Arms von
Chromosom 11 bei einer großen Anzahl von Patienten mit B-CLL mittels Fluoreszenz in-situ
Hybridisierung (FISH) unter Verwendung genomischer DNA-Sonden zu ermitteln. Die
Methode der FISH erlaubt im Gegensatz zur klassischen Bänderungsanalyse den Nachweis
chromosomaler Veränderungen nicht nur in Metaphasezellen, sondern auch in
Interphasekernen. Darüber hinaus sollte mittels FISH unter Einsatz eines 17 Yeast Artificial
Chromosome (YAC)-Klone umfassenden Probensets die gemeinsam deletierte, sogenannte
kritische Region (Konsensusregion) von 11q-Deletionen charakterisiert werden.
209 B-CLL-Tumore wurden mit einem YAC-Klon aus der chromosomalen Region
11q22.3-11q23.1 auf Deletionen von Chromosom 11q untersucht. Bei allen Tumoren mit
nachgewiesener 11q-Deletion erfolgte eine Kartierung der Deletionen mit einem Set
überlappender YAC-Klone (YAC-Contig) aus den Banden 11q21-11q23.
Bei 41 von 209 Fällen (19.6%) mit B-CLL konnte eine 11q-Deletion nachgewiesen
werden. Damit stellten diese Deletionen nach Deletionen der Bande 13q14 im untersuchten
Patientenkollektiv die zweithäufigste chromosomale Aberration dar. Es gelang die
Charakterisierung einer gemeinsam deletierten, ca. 2-3 Mb großen Region in den Banden
11q22.3-11q23.1. Diese kritische Region enthält sechs bekannte Gene. Darüber hinaus
konnten die Bruchpunkte von chromosomalen Translokationen bei zwei Fällen mit B-CLL in
die kritische Region kartiert werden.
Aus den Ergebnissen der vorliegenden Untersuchungen kann geschlossen werden, daß
1. Deletionen des langen Arms von Chromosom 11 bei der B-CLL weitaus häufiger sind, als
bislang aufgrund von Chromosomen-Bänderungsanalysen vermutet werden konnte
2. die Charakterisierung eines gemeinsam deletierten, ca. 2-3 Mb großen chromosomalen
Segmentes in den Banden 11q22.3-11q23.1 auf ein in dieser Region lokalisiertes Tumor-
suppressorgen hinweist, welches in der Pathogenese der chronisch lymphatischen
Leukämie vom B-Zell-Typ eine entscheidende Rolle spielen könnte.