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BLANK – Eine rezeptionsästhetische Praxis

Author: Schniewind, Leon
Year: 2023
DOI: 10.57684/COS-1224
Source: https://cos.bibl.th-koeln.de/files/1224/Schniewind2023-rrrreflect.pdf
e lec . Jou nal o In eg a ed Design Resea ch
Volume 1 (2023)
BLANK – Eine ezep ionsäs he ische P axis
Leon Schniewind
e lec . Jou nal o In eg a ed Design Resea ch
Volume 1 (2023), A icle 1
BLANK – Eine ezep ionsäs he ische P axis
Leon Schniewind
Da e o Publica ion: No embe 14 h, 2023
DOI : h ps://doi.o g/10.57684/COS-1224
URN: u n:nbn:de:hbz:832-cos4-12243
h ps:// e lec .o g
Edi o ial boa d
P o . D . Lasse Sche ig (chai )
P o . D . Ca olin Hö le
P o . Michael Gais
Simon Meienbe g
Da id Sie e ding
Ma in Sis ig
Tex co ec ion
Jeanne e Klinge
Technische Hochschule Köln
Köln In e na ional School o Design
Ubie ing 40
50678 Köln
h ps:// h-koeln.de
h ps://kisd.de
Au ho
Leon Schniewind
[email protected]
This pape has been published elec onically ia Cologne Open Science, he open access eposi o y o Cologne
Uni e si y o Applied Sciences. h ps://cos.bibl. h-koeln.de/
This pape is based on he inal hesis by he au ho which has been supe ised by P o . D . Ca olin Hö le and
P o . Michael Gais
LEON SCHNIEWIND, BLANK – EINE REZEPTIONSÄSTHETISCHE PRAXIS RRRREFLECT
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BLANK – Eine
ezep ionsäs he ische P axis
Einlei ung
Welche Rolle spielen Be ach e :innen bei de
Auseinande se zung mi o og a ischen A bei en
und wi d die Be ach ung bei de E s ellung eines
We ks be ei s mi gedach ?
Im olgenden A ikel sollen diese F agen un e
Rückg i au die Theo ie de Rezep ionsäs he ik
geklä we den. Dazu wi d zu Beginn die
heo e ische G undlage e läu e . Um die Theo ie
au ih en Wah hei sgehal in Bezug au die
o og a ische Bildbe ach ung zu übe p ü en, olg
im Anschluss eine Analyse des Bildbands
„Supe icial Images“ on Pe e Tillessen.
Abschließend wi d die Rezep ionsäs he ik du ch
E läu e ungen zu A bei BLANK in eine
nach ollziehba e P axis übe agen und ü
Be ach e :innen e ah ba .
FIG 1 Bildband: Supe icial Images, ed. Pe e Tillessen (Spec o
Books, 2016) © Leon Schniewind
Rezep ionsäs he ik
Die Rezep ionsäs he ik ha ih en U sp ung in den
spä en 1960e -Jah en. Sie is als An wo au den
om Linguis en Fe dinand de Saussu e gep äg en
S uk u alismus und die He meneu ik sowie
als Gegenbewegung zum Biog a ismus zu sehen.
Fo mulie wu den die Ansä ze de
Rezep ionsäs he ik on Wol gang Ise in seine
An i s o lesung an de Uni e si ä Kons anz
olgende maßen: „Die Appells uk u de Tex e.
Unbes imm hei als Wi kungsbedingung
li e a ische P osa“. Neben Ise is Hans Robe
Jauß eine de wich igs en Ve e e de
Kons anze Schule. Auch e kons a ie e, zwei
Jah e o Ise , seine ezep ionsgeschich lichen
Ansä ze in seine An i s o lesung an de
Kons anze Uni e si ä . Ih e He angehensweisen
un e scheiden sich inso e n, als Jauß seine
Theo ie e meh au die Li e a u geschich e
s ü z , wohingegen Ise den Ak des Lesens selbs
okussie . Beide ücken in ih en Theo ien die
Lese :innen und ih e Wah nehmung in den
Mi elpunk de E assung de Sinnha igkei
eines li e a ischen We ks. Diese Theo ie is
kon ä zum Biog a ismus, de Au o :innen und
ih e Biog a ien in den Vo de g und de
Auseinande se zung mi dem li e a ischen We k
und dessen Ve s ändnis se z . Die
Rezep ionsäs he ik gib sich nich mi einem
einzigen es gesch iebenen Tex sinn zu ieden.
Die S uk u li e a ische Tex e is so en wo en,
dass sich ih e Deu ung nich allgemeingül ig
es sch eiben läss . Ih e Bedeu ung wi d mi
jedem Lese o gang und jede G uppe on
Lese :innen ak ualisie . Zei liche Un e schiede
zwischen den Lese o gängen können zu eine
daue ha en Ak uali ä des Tex es üh en. Das
Tex e s ändnis schein s ändig in Bewegung, da
die angebo enen Pe spek i en beg enz sind. Die
Lese :innen müssen ih e Bedeu ung
gegeneinande abwägen, um ih en Sinn zu
kons i uie en.
Die Rezep ionsäs he ik besch eib die
Sinnkons i u ion auch als Realisie ung.
Realisie ungen besch eiben in de
Rezep ionsäs he ik eine Fo mulie ung des
Tex -/Bild e s ändnisses, die jedoch nich , weil
einmal aus o mulie , gel end gemach we den
kann. Sieh man die Realisie ungen als
Lese o gangse gebnis, so we den die
„Bedeu ungen li e a ische Tex e […] übe haup
e s im Lese o gang gene ie .“ Die
Fo mulie ung on Bedeu ung is somi P oduk
de In e ak ion zwischen Tex und Lese :in.
„Gene ie de Lese die Bedeu ung eines Tex es,
so is es nu zwangsläu ig, wenn diese in eine je
indi iduellen Ges al e schein “, sch eib Ise
zu Deu ungs a ianz on Tex en und
cha ak e isie dami die Rolle on Lese :innen.
Die Rezep ionsäs he ik be ass sich also mi den
Bedingungen de e schiedenen
Deu ungsmöglichkei en on Tex en. Als de en
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G undlage we den die un e schiedlichen sozialen
und (li e a u -)geschich lichen Ve anlagungen de
Lese :innen gesehen. Hans Robe Jauß’
E kenn nisse dazu sind olgende: Lese :innen
haben ak i en An eil an de geschich lichen
En wicklung eines We kes. Das bedeu e , dass sie
in de Lage sind, die Rele anz li e a ische We ke
ins Hie und Je z zu übe agen. Die Möglichkei ,
li e a ische We ke ak uell zu be ach en, häng
imme auch mi dem au de eigenen li e a ischen
E ah ung basie enden E wa ungsho izon
zusammen. Je meh E ah ung Lese :innen
mi b ingen, des o ehe sind sie in de Lage, auch
Tex e mi g oße äs he ische Dis anz zu e assen.
Diese Tex e e o de n eine s ä ke e Ak i i ä de
Lese :innen. De G ad an Unbes imm hei in
Tex en üh zu un e schiedlichen Möglichkei en
de Be ach ung eines Tex es und is
ausschlaggebend ü die G öße de äs he ischen
Dis anz. Diese muss on Rezipien :innen
übe wunden we den, um ein Ve s ändnis des
Tes inhal s zu e langen. Zudem üh de
Zei punk des Leseak es zu eine
un e schiedlichen Deu ung de Tex e.
Supe icial Images
Zei e se z e, oneinande abweichende
Deu ungen sind das E gebnis on
Ak ualisie ungen und we den auch als
Realisie ungen besch ieben. Diese Realisie ungen
basie en au dem An eil de Unbes imm hei im
Tex . Beispielsweise is die Geschich e eines
Romans mi Kommen a en de Au o :in
du chse z und bie e so eine Hil es ellung zu
Tex deu ung.
Die Absich des Tex es wi d in diesem Fall nich
o mulie , s a dessen is sie E gebnis de
In e ak ion on Lese :in und Tex . Die In e ak ion
bes eh aus dem Tex gehal , seine Wah nehmung
du ch die Lese :in und dem Abgleich mi ih e
eigenen E ah ungswel . Sie is E gebnis
bewuss e O enhei und üh zu einem Einbezug
de Lese :in. Die Übe agung de ik ionalen
E ah ungswel des Tex es in die eale
E ah ungswel de Rezipien :innen üh dazu,
dass „wi mi jedem Tex nich nu E ah ungen
übe ihn, sonde n auch übe uns“ machen.
Ebenso können Fo og a ien ü eine neue
Einwi kung au die ealen E ah ungen de
Be ach e :in so gen. Sie können unbekann e
Inhal e lie e n, die F agen au we en. Bei
deu ungso enen Bilde n g ei man in manchen
Fällen dann au e schiedene Hil smi el, wie das
Abbildungs e zeichnis ode Suchmaschinen,
zu ück, um meh In o ma ionen zu abgelich e en
Si ua ion zu e hal en. Um die Be ach ung eine
Fo og a ie und ih e medienspezi ischen Me kmale
sowie die e wei e e Wi kung on Bildse ien
he auszus ellen, soll im Folgenden anhand des
Bildbands „Supe icial Images“ on Pe e Tillessen
exempla isch eine Be ach ungsanalyse ollzogen
we den.
Ian Je ey sch eib zu de an die Be ach ung de
Fo og a ien sich anschließenden Handlung:
„Tillessen schein uns mindes ens so seh
un e hal en wie in o mie en zu wollen. […]
Dennoch en hal en die meis en seine Vo lagen
die Au o de ung, selbs e was he auszu inden –
und sei es nu , um die na ü liche Neugie zu
be iedigen. E gib einen Anhal spunk , und de
[…] Be ach e kann de Ve lockung nich länge
wide s ehen.“ Es s ell sich he aus, dass die
A bei en Pe e Tillessens einen g oßen An eil an
Ve olls ändigung du ch Be ach e :in zulassen. In
eine e s en Be ach ung können sie als
Schnappschüsse ode Momen au nahmen gel en.
Se z man sich jedoch in ensi mi dem Einzelbild
ode auch eine Bild eihe auseinande , so sp ing
man schnell in bild emde neue Be eiche. Dies is
o du ch die Bild i el beding , wie bei Supe icial
Image No. 0036, USA, 2006:
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FIG 2 Supe icial Image No. 0036 als Beispiel ü
i elgebundene, bild emde Be eiche © Pe e Tillessen:
Supe icial Image No. 0036
Ein scheinba beliebige Jogge in o ange- o e
Spo hose mi dunkelb aunen Haa en und
spo liche , silbe ne B ille wi d du ch den Ti el
„Dus in Ho man“ zum in e na ional
e olg eichen Schauspiele . Die Bildun e sch i
e lock zu genaue en Be ach ung. Zwei el an
de Zuo dnung de Pe son lassen den Blick au die
Fo og a ien au de gegenübe liegenden Sei e
wande n. Ve mein lich hil die Bildun e sch i
„Blue helme s in New Yo k“ bei de ö lichen
Zuo dnung de Bilde , und man is geneig , auch
die Au nahme des Jogge s in New Yo k zu
e o en. Tillessen wähl seine Bild-Ti el-
Kombina ionen ganz bewuss so aus, dass
Be ach e :innen eine gedankliche Reise, wie
zu o besch ieben, un e nehmen. De Au nahme
wi d so eine nich o ensich liche Wel
zugesp ochen, die sich e s e ö ne , wenn sich die
be ach ende Pe son au die Ini iie ung diese
Reise einläss .
Mi seinem Bild „Dus in Ho man“ lie e
Tillessen Posi ionen, die es den Be ach e :innen
übe lassen, wie sie das Bild e olls ändigen. Sie
können ihm glauben und den Schauspiele in dem
Bild inden ode sie e kennen den Schauspiele
nich und sehen keine be ühm e Pe sönlichkei in
dem Jogge . Die Ve olls ändigungen gehen abe
übe die Iden i izie ung de Pe son hinaus. Gehen
die Be ach e :innen da on aus, dass es sich um
den be ühm en Schauspiele handel , olgen sie
au oma isch in eine ande e E ah ungs-
beziehungsweise Ge ühlswel . Sie begeben sich in
eine Posi ion, die ihnen unbekann is .
Die Reise in eine Bildg enzen übe sch ei ende
Dimension e ö ne sich hie scheinba e s du ch
den Ti el des Bildes. Die Be ach e :innen wä en,
obwohl eine Ähnlichkei zwischen de
abgebilde en Pe son und dem Schauspiele
es zus ellen is , kaum in die Wel de
Hollywoodschauspiele :innen und ih e
Auseinande se zungen mi dem All ag
o ged ungen, wenn die Bildun e sch i nich
einen Bezug dazu he ges ell hä e. Da übe
hinaus zeig sich hie deu lich de An eil de
Be ach e :innen an de Rezep ion. Ih e
Vo geschich en beg ünden un e schiedliche
Bildau assungen.
Eine Möglichkei , solche Momen e in li e a ischen
Tex en, wie beispielsweise Romanen, zu scha en,
sind Kommen a e du ch die Au o :innen. Sie
e gänzen die E zählung du ch Kommen a e und
lie e n so E üllungsmöglichkei en.
Kommen a e zu den E zählungen eine
Geschich e können im Be eich de Fo og a ie in
zu den Bilde n gehö enden Ti eln ge unden
we den. Diese können ähnlich iel äl ige
Reak ionen he o u en. Die Fo og a ie und ih e
Au nahmesi ua ion we den e gänz , ih e
Be ach ungsebene e wei e .
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LEON SCHNIEWIND, BLANK – EINE REZEPTIONSÄSTHETISCHE PRAXIS RRRREFLECT
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FIG 3 Ti el als Kommen a e und E wei e ung de
Be ach ungsebene © Pe e Tillessen: Supe icial Image No.
0875
Tillessen mach sich dies zunu ze und e zeug die
gleiche Wi kung in seinen A bei en „John I ing,“
„Alan G eenspan“ und „Michael Haneke,“ indem
e auch hie die abgebilde en Pe sonen du ch die
Ti elgebung zu P ominen en we den läss . In
„Supe icial Images“ wi d die Se ie jedoch nich
als zusammengehö ig p äsen ie . Sie sind einzeln
im Buch zu inden, sodass eine Ve bindung de
Bilde nich o ensich lich is und e s bei
genauem Be ach en he ges ell we den kann: Die
Fo og a ien de Pe sonen ähneln sich in ih em
Bildau bau. Die abgelich e en Pe sonen sind in
All agssi ua ionen au genommen und ikonisch in
die Bildmi e gese z . Die Kombina ion aus
ähnlichen Ti eln und gleichem Bildau bau läss die
Einzelbilde in de Wah nehmung zu eine Se ie
we den. Ti el können in de Fo og a ie wei e e
Einlassmöglichkei en ü die Be ach e :in
e zeugen. Ise besch eib diese
Einlassmöglichkei en im Zuge seine E läu e ung
zum Lese o gang als Lee s ellen. In de Li e a u
en s ehen sie zwischen den sogenann en
aneinande s oßenden „schema isie en
Ansich en“, die einen li e a ischen Gegens and
aus e schiedenen Be ach ungswinkeln
he o b ingen.
„Jede einzelne Ansich b ing in de Regel nu
einen Aspek zu Gel ung. Sie bes imm dahe den
li e a ischen Gegens and genauso, wie sie eine
neue Bes immungsbedü igkei zu ückläss .“
So gesehen kann ein li e a ische Gegens and
o z eine Vielzahl on Ansich en nie in Gänze
besch ieben we den. Jede Aneinande eihung on
Ansich en gene ie Lee s ellen, die einen
Auslegungsspiel aum bie en. Au die Fo og a ien
in „Supe icial Images“ bezogen können die
Lee s ellen un e ande em in de
Zusammense zung on Bilde n zu Bildse ie
ge unden we den. In einem e s en Sch i se z die
Be ach e :in die Einzelbilde zu Se ie zusammen
und besei ig so einen Teil de Lee s ellen.
Da übe hinaus e such sie, die Be ach ung des
Bildes zu konk e isie en und die Pe sonen zu
iden i izie en. Die F age, ob es sich a sächlich um
die im Ti el genann en Pe sonen handel , wi d sie
in de Auseinande se zung mi dem Bildband
jedoch nich eindeu ig bean wo en können. Diese
o ene F age e binde die Fo og a ien. In
wiede hol e Auseinande se zung wi d die
Be ach e :in geneig sein, einen ande en
Blickwinkel au die Se ie einzunehmen. Das Spiel
zwischen Ti el und Bild üh zu eine A
Schwebe in de Be ach ung. Tillessen e zeug
eine Illusion und übe läss es den
Be ach e :innen, eine de angebo enen
Pe spek i en zu übe nehmen.
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FIG 4 Peace S one, Supe icial Image No. 0035 © Pe e
Tillessen Supe icial Image No. 0035
En we ung de Ti el
Inwie e n de Ti el die Be ach ung de Fo og a ie
beein luss , wi d am Beispiel on Supe icial
Image No.0035 deu lich. Das Fo o e schein im
Anschluss an seine Vo s ellung als „Peace S one“
au Sei e 142 noch einmal als „Me cedes Benz
S one“ au Sei e 187 und ein wei e es Mal als
„C ack in he S one“ au Sei e 191 . Mi jedem
Ti el bie e de Fo og a eine neue
Realisie ungsmöglichkei an. Die e ände e
Ti elgebung zeig , dass die Ti el nu eine mögliche
Be ach ung an egen. De spiele ische Umgang
mi ihnen en we e jedoch gleichzei ig die
Bedeu ung des einzelnen Ti els. Es e gib sich die
F age, ob die Be ach e :innen die Ti el übe haup
be ücksich igen soll en. Die Au gabe de
Ti el indung läge dann bei den Be ach e :innen
selbs . Ein be i el es Bild beinhal e also noch
wei e e Realisie ungsmöglichkei en, als es de
Ti el scheinba o gib , se z abe auch eine om
Ti el losgelös e Be ach ung o aus.
Wie li e a ische Tex e bie en auch Bilde Raum ü
In e p e a ionen. Deu ungsangebo e sind dann in
den Bildelemen en zu suchen. Vilém Flusse
besch eib die Suche nach Bedeu ung als einen
„übe die Bild läche schwei enden Blick.“ De
Blick de Be ach e :innen e ass die
Bildelemen e und s ell „bedeu ungs olle
Beziehungen zwischen den Bildelemen en he .
[…] Dann en s ehen Bedeu ungskomplexe, in
denen das eine Elemen dem ande en Bedeu ung
e leih und on diesem seine Bedeu ung
gewinn .“ Schluss olge nd muss eine
Realisie ung, wie sie be ei s aus de
Rezep ionsäs he ik bekann is , au G undlage de
Beziehungen zwischen Bild eilen o mulie
we den. Die Realisie ungen sind dann abhängig
om Au bau und Inhal de Bilde . S ü z man sich
in de Deu ung au die einzelnen Elemen e des
Bildes und be ach e die Beziehungen zwischen
ihnen, e äll man scheinba in s uk u alis ische
Be ach ungsweisen.
Nach Fe dinand de Saussu e sind die Zeichen
eines Sys ems me apho isch mi den Figu en eines
Schachspiels gleichzuse zen. De We de Figu en
e gib sich e s du ch ih en Rang und die Posi ion
au dem Schachb e . Im „Handbuch de
Semio ik“ un e scheide Wilhelm Nö h jedoch
zwischen Bedeu ung und We und bezieh sich
dabei eben alls au de Saussu e. Demnach
haben die Zeichen ih e Bedeu ung auch auße halb
des Spiels, da sie wei e hin Teil des Spiels, also
eines Sys ems sind. Ih We inne halb des
Sys ems des Schachspiels e gib sich jedoch e s
du ch den Rang und die Posi ion au dem
Schachb e . Auße halb de Schachpa ie is ih
We ein ande e . Es schein , als wü de sich die
Rezep ionsäs he ik au die E kenn nisse des
S uk u alismus s ü zen. Übe lappungen inde
man auch in den Theo ien de Saussu es und Jauß’.
Beide sp echen on synch onischen und
diach onischen Sys emen, in denen die We ke
be ach e we den. Jauß besch eib die
diach onische Be ach ungsweise als Blick au
„ein li e a isches We k inne halb eine
li e a ischen Reihe.“ Sie bie e Hil es ellung bei
de Bedeu ungs indung. Die synch onische
Be ach ung un e s ü z die Eino dnung eines
We ks inne halb eines li e a u his o ischen
Augenblicks. Diesen wi kungsgeschich lichen
Aspek s ell auch Ise in „Die Appells uk u de
Tex e“ he aus.
Je nahba e die Thema ik eines Tex es, des o
komplexe und um ang eiche kann seine
Da s ellungsweise und olglich die
Sinnkons i u ion sein. Diesen Punk e klä Ise
am Beispiel de Rolle de Lese :in in James Joyces
„Ulysses“. Ise s Beispiel is ep äsen a i ü das
Ve häl nis on Themen und dem Be ag an
Unbes imm hei . Es schein , als hä e die
Thema ik in ih e Banali ä An eil an de
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E zeugung on Lee s ellen. Je wenige ein Thema
inhal lich he gib , weil es Lese :innen bekann is ,
des o ehe sind sie geneig , die Bedeu ung und den
Sinn des Gegens ands zu suchen. De
Unbes imm hei sbe ag in „Ulysses“ is
Lese :innen nu au g und ih e ielsei igen
E ah ungen im All ag zuzumu en. Die
Vo s ellungswel en on Lese :innen hängen on
ih e E ah ungswel ab. Dies bedeu e : Je
um assende die E ah ungswel de Lese :innen
is , des o g öße können die Aus lüge in de
Vo s ellungswel de Lese :innen we den.
Übe äg man diese E kenn nis au die
„Supe icial Images“ on Tillessen, en deck man
Pa allelen. Seine Bilde zeigen Momen e des
All ags. Inhal lich sind sie leich zugänglich, ih e
scheinba e Banali ä läss Be ach e :innen des
Bildbands gleiche maßen nach dem Sinn suchen,
wie es beispielsweise Lese :innen on „Ulysses“
un müssen. Es wi k , als wü de de zunächs
ein ache Zugang in einem zwei en Sch i zu eine
in ensi e en Auseinande se zung mi de
Fo og a ie üh en.
Ve weige n sich Be ach e :innen den Zugängen
zum Bild, bleib wei e e Bilddeu ung
ausgeschlossen. Eine ehlende
Auseinande se zung beziehungsweise das
Au kommen on Deu ungsschwie igkei en bei de
Be ach ung on Fo og a ien häl auch Flusse es
und o mulie einen Zusammenhang zwischen
Bildp oduk ion und - ezep ion. E se z die
Schwie igkei en de Bedeu ungs indung in Bezug
zu Au oma isie ung on Fo oappa a en und –
da aus esul ie end – zum Ve le nen des
o og a ischen Bildau nahmep ozesses. Flusse
bezeichne die Fo og a :innen, die sich den
Appa a au oma ismen un e we en, als
Knipse :innen. Die schwindende Kenn nis übe
die Bildau nahme du ch echnischen Fo sch i
üh zu eine mangelnden Bilddeu ungs ähigkei .
Die Knipse :innen gehen also da on aus, den
Bildinhal zu kennen, da e aus de ihnen
bekann en Wel s amm , und e weige n sich eine
in ensi e en Auseinande se zung. Zum einen sind
Be ach e :innen geneig , den Bildinhal au sich
bezogen zu deu en, also Tä igkei en da ges ell e
Pe sonen mi ih en eigenen Handlungen
abzugleichen, zum ande en s ü zen sie sich in de
Bilddeu ung au Rela ionen de Bildelemen e in
de Bild läche. Zudem müssen sich
Be ach e :innen on ih en eigenen o og a ischen
Kenn nissen en e nen, das heiß , ih e
e mein liche Kenn nis übe Bildau nahme und
Bilddeu ung ablegen. E s dann is de Weg ü die
Bilddeu ung geebne .
FIG 5 Ansich des Bildbands, Beg i „Unbes imm hei “;
Bei ag on Max Ho mann © Leon Schniewind
BLANK – eine
ezep ionsäs he ische P axis
Die P axis soll den G undgedanken de
Rezep ionsäs he ik e ah ba machen. Hie bei soll
die Rolle de Be ach e :innen nich nu in de
Rezep ion, sonde n auch in de In e ak ion mi
Bilde n liegen. Meine A bei be ass sich in e s e
Linie mi de Be ach ung und
Deu ungs o mulie ung on Bilde n inne halb
eines Buches sowie de Indi iduali ä on
Be ach e :innen und ih em E ah ungsscha z.
En s anden is de Bildband BLANK.
Dazu habe ich e schiedene Fo og a :innen um
eine P ojek eilnahme gebe en. Wich ig dabei wa ,
un e schiedliche Bildsp achen mi au zunehmen.
So sind die Fo os auch e schiedenen Fo men de
Fo og a ie zuzuo dnen. Es gib abs ak e,
dokumen a ische und inszenie e A bei en. Mi
de Teilnahme is den Fo og a :innen auch ein
Beg i zugewiesen wo den. Die Beg i e sind dem
Vokabula de Rezep ionsäs he ik en nommen.
Die heo iespezi ischen Vokabeln soll en den
Fo og a :innen einen Rahmen zu p ak ischen
Auseinande se zung bie en, sodass sie
zielge ich e a bei en konn en.
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Die Beg i e „O enhei “, „Unbes imm hei “,
„Di e si ä “, „Ak ualisie ung“, „Realisie ung“,
„E ah ung“, „Ho izon “, „E wa ung“,
„Ansich en“ und „Ve olls ändigung“ we den in
de ezep ionsäs he ischen Be ach ung
e wende , um Zusammenhänge zwischen Au bau
und Wi kung eines We ks genaue zu besch eiben.
Sie we den eingese z , um die Rolle de
Lese :innen da zus ellen und den Weg de
Deu ung de du ch den li e a ischen Tex
e zeug en Bilde sowie de en Va ianz zu e läu e n.
In BLANK sollen diese besch eibenden Beg i e
de U sp ung sein, um Bilde zu wählen, die die
Beg i e en hal en. Au diese Weise soll die
Theo ie de Rezep ionsäs he ik e anschaulich
und e ah ba gemach we den. Den
Fo og a :innen wa die Anzahl de Fo og a ien
eiges ell , in denen sie die Thema ik behandeln
ode da s ellen.
Jede Fo og a ie ha on den Fo og a :innen
mindes ens einen (O iginal-)Ti el und höchs ens
d ei Ti el e hal en. Bei
Ti el indungsschwie igkei en wu den in
Absp ache mi den Fo og a :innen wei e e Ti el
ge unden. Die Anzahl de Bild i el is G undlage
des Buchkonzep s, da sie die Be ach e :innen des
Bildbands o die En scheidung zum passenden
Ti el s ell und mi de En scheidung des Ti els
auch eine En scheidung zum da au olgenden Bild
ge o en wi d. Jede Ti el e weis au eine ande e
Sei e des Fo obuchs und dami au ein neues Bild,
sodass Be ach e :innen übe die En scheidung ü
einen Ti el eine indi iduelle Bild eihen olge
k eie en. Da die Be ach e :innen zwischen den
Be ach ungs o gängen E ah ungen machen, die
die Be ach ung de Bilde beein lussen, können
sie ih e geände en Sich weisen mi de
En scheidung ü einen Ti el es sch eiben und
eine geände e Bild olge o inden.
Bei de Be ach ung kon en ionelle Fo obüche
äll eine Pa allele in Bildau nahmep ozessen und
Da s ellungsweisen au . In beiden Fällen lieg eine
es e Bild eihen olge zug unde, aus de die Bilde
en nommen und in de sie be ach e we den.
Wäh end des o og a ischen
Bildau nahmep ozesses läu o den Augen de
Fo og a :innen eine Bild olge ab. Die Au gabe de
Fo og a :innen is es, eines diese Bilde
he auszuschneiden und zu mani es ie en. Im
Bildband we den diese Mani es e de
Fo og a :innen e neu in eine Folge geb ach , die
sich s a k on de Sequenz un e scheide , aus de
sie u sp ünglich en nommen wu den. Auch wenn
sie nu ein Bild zeigen, e gegenwä igen sie
zusä zlich die ihnen zei lich o ausgegangen und
olgenden Bilde . In dem Sinne s ell jede
Fo og a ie auch eine Bild olge da , obwohl sie ein
einzelnes es gesch iebenes Bild is . Übe das
Geschehen de Bild olge läss sich nu
spekulie en. Gewisshei übe das Geschehen wi d
man nich e langen, sodass man wiede die
abgebilde e Si ua ion okussie und nach
Hinweisen zu Bild olge such . Es handel sich bei
Fo og a ien also um ein Wechselspiel aus
Gezeig em und au E ah ung basie enden
Spekula ionen zum Vo angegangenen und
Folgenden. Inwie e n sich die Bilde eine
Bild olge un e scheiden, is imme auch abhängig
om Mo i . Eine Landscha sau nahme de Alpen
wi d eine ähnlich uhige Bild olge o angegangen
sein, wie es das Bild sugge ie . Wohingegen die
Bild olge eine Au nahme eines Boxkamp es
au g und de schnellen Bewegungen inne halb de
Au nahmesi ua ion deu lich ielsei ige e schein .
Die e bo genen Bilde we den in BLANK mi els
de beiden wei e en Ti el e sinnbildlich und mi
de En scheidung ü einen de Ti el auch das
Ve häl nis de Bild olge im Einzelbild geklä . Im
Anschluss da an we den Bezüge zu ande en
Bilde n he ges ell . Die Ungewisshei hinsich lich
de Bild olge, aus de das Einzelbild en nommen
wu de, wi d nun auch in eine Reihe on
o og a ischen Mani es en übe agen, indem sich
die Bild olgen inne halb des Buches s e ig ände n
können. Alle Be ach e :innen haben einen
indi iduellen Hin e g und, de aus E ah ungen
de Realwel sowie o he igen E ah ungen aus
de Be ach ung und Auseinande se zung mi
küns le ischen We ken ge o m is . Diese
Hin e g und wi d du ch E lebnisse und
Auseinande se zungen in de ealen sowie de
küns le ischen und o og a ischen Wel e gänz . Je
um assende und wei eichende de
E ah ungsscha z de Be ach e :innen is , des o
g öße können die Reisen in de E ah ungswel
de Be ach e :innen sein, um die O enhei on
Fo og a ien zu deu en und zu e olls ändigen.