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[Rezension] Eich, Stefan (2023): Die Währung der Politik. Eine politische Ideengeschichte des Geldes. Aus dem Englischen von Felix Kurz

Author: Huhnholz, Sebastian
Publisher: Wiesbaden: Springer Fachmedien Wiesbaden GmbH,Wiesbaden: Springer Fachmedien Wiesbaden GmbH
Year: 2024
DOI: 10.1007/s11615-024-00563-w
Source: https://www.econstor.eu/bitstream/10419/315565/1/11615_2024_Article_563.pdf
Huhnholz, Sebas ian
Book Re iew — Published Ve sion
[Rezension] Eich, S e an (2023): Die Wäh ung de Poli ik.
Eine poli ische Ideengeschich e des Geldes. Aus dem
Englischen on Felix Ku z
Poli ische Vie eljah essch i
P o ided in Coope a ion wi h:
Sp inge Na u e
Sugges ed Ci a ion: Huhnholz, Sebas ian (2024) : [Rezension] Eich, S e an (2023): Die Wäh ung de
Poli ik. Eine poli ische Ideengeschich e des Geldes. Aus dem Englischen on Felix Ku z, Poli ische
Vie eljah essch i , ISSN 1862-2860, Sp inge Fachmedien Wiesbaden GmbH, Wiesbaden, Vol. 65,
Iss. 4, pp. 807-810,
h ps://doi.o g/10.1007/s11615-024-00563-w
This Ve sion is a ailable a :
h ps://hdl.handle.ne /10419/315565
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REZENSION
h ps://doi.o g/10.1007/s11615-024-00563-w
Poli ische Vie eljah essch i (2024) 65:807–810
Eich, S e an (2023): Die Wäh ung de Poli ik. Eine
poli ische Ideengeschich e des Geldes. Aus dem
Englischen on Felix Ku z
Hambu g: Hambu ge Edi ion. 392 Sei en. 40,00 C
Sebas ian Huhnholz
Angenommen: 31. Juli 2024 / Online publizie : 28. Augus 2024
© The Au ho (s) 2024
Man muss kein*e Numisma ike *in sein und auch nich poli ische* Ikonolog*in
wie Aby Wa bu g, um schon bei einem lüch igen Blick zu beme ken, dass his-
o ische Geldmünzen zwei Sei en haben: Sie sind ebenso wi scha liches We -
wie poli isches He scha szeichen. Die all agsp ak ische Reduk ion des Geldes au
ein cha alis isch s anda disie es Tausch-, Speiche - und Zahlungsmi el ode ga
allgemeines Wa enäqui alen e klä jeden alls nich , wa um Max Webe in den
einschlägigs en Pa ag aphen seine Ka ego ienleh e („Wi scha und Gesellscha “)
nich nu Geld e assung und He scha s e assung ko a iie en sah, sonde n auch
seine De ini ion des „sozialen Handelns“ am Beispiel des Geldes einlei e e und so-
dann um ang eiche Passagen übe die F age, was Geld is , niede sch ieb. Wäh end
o einem Jah hunde Kolleg*innen wie Geo g Simmel au dem Höhepunk des Um-
b uchs in unse e Zei die e olu ionä e Rolle des Geldes ü die mode ne, abs ak
anonyme Gesellscha disku ie en, leg e Webe soziologische G und o men ei, die
u.a. mone ä es Ve keh sgeld on U kundengeld, also geldwe en und handelba en
Fo de ungen, un e schied. E e maß in diesem Zuge alle möglichen Va ian en und
poli ischen Funk ionsbedingungen ü das, was e selbs Geldeinkommensbewi -
scha ung nann e und als Me kmal „ a ionalen“ Wi scha ens (in F iedenszei en)
iden i izie e. Dass iskalisch sou e äne Regie ungen legales Zwangsgeld ok oyie-
en und so auch Zahlungsun ähigkei be ehlen können du ch die Fes legung, we
Geld schöp en und we was mi welchem Zahlungsmi el wann bezahlen dü e,
könn e demnach sozialwissenscha liches U - und Ke nwissen sein – is es abe
nich .
Sebas ian Huhnholz
Leibniz Uni e si ä Hanno e , Hanno e , Deu schland
E-Mail: [email protected] e .de
Geschwis e -Scholl-Ins i u ü Poli ikwissenscha , Ludwig-Maximilians-Uni e si ä , München,
Deu schland
K
808 S. Huhnholz
Den zu ie s poli ischen Vo bedingungen des Geldes bzw. de allgemeinen Igno-
anz des heu igen Geldhandelns geh de wi scha s heo e isch geschul e, deu sch-
ame ikanische Ideenhis o ike poli isch-ökonomischen Denkens S e an Eich in sei-
nem p eisgek ön en, ieldisku ie en und -kommen ie en Buch on 2022 nach. Als
„Die Wäh ung de Poli ik“ lieg es nun in Übe se zung o und an seine En s ehung
ha e, olg man de Danksagung, kaum eine Ins i u ion ode Pe son on Rang und
Namen nich i gendwie An eil.
De p ominen e Reigen läss e messen, wie wei das To geö ne is , dessen „Fun-
damen e“ und „Sedimen e“ Eich nun „ eilegen“ will. Zu solchen Me aphe n spä e ;
wich ige sind zunächs d ei Implika ionen: dass die geld heo e ische Szene diese
Jah e hochak i , au allend jung und in e na ional e ne z is , dass iele ih e A -
bei en soga eine Au me ksamkei des Publikumsma k es genießen und dass beides,
wie auch Eich e me k , mi dem „mone ä en In e egnum“ zu un ha , in dem wi
uns be inden (S. 11). Ob Massenp oduk ion unknappen Geldes au poli ischen Zu u
und au geschä s- bis zen albänke ischen Knop d uck, ob P i a - und K yp owäh-
ungen ode ob Finanz-, S aa sschulden- und Co ona-K ise: Die F age, was Geld is ,
lasse sich nich meh mi den simplen Fo meln de Ökonomieo hodoxie de wes -
lichen T en e Glo ieuses besch eiben ode e klä en, denn die hä en eine doppel en
En poli isie ung Vo schub geleis e . Eine sei s wü den die wesen lich poli ischen
Vo bedingungen und Ga an ien des Geldes ausgeblende (ob küns lich modellha ,
ob ideologisch ode nu nai ). Ande e sei s we de du ch eine wi scha s heo e isch
genäh e „scheinba e An ipoli ik des neu alen Geldes“ dem heu e allsei s o en-
kundigen „Zaube ick“ de En demok a isie ung ak ische Geldpoli ik gehuldig
(S. 37). G undlegends e Rech e igungs ech e wü den du ch die (umso meh im
alle g öß en S il möglich gewo dene) geldpoli ische Zuweisung on Mach - und
Ma k chancen missach e .
Wenn Eich nun behaup e , uns ehle das poli ische Vokabula ü adäqua e Geld-
heo ien, die nich die Fik ion bzw. Kons uk ion „p i a en“ Geldes als dogma ischen
Ausgangspunk se zen (u.a. S. 32 u. 39), will e zuguns en eine wenigs ens in el-
lek uellen Repoli isie ung des Denkens die Re lexion e was ie e legen, ohne e ige
An wo en zu p äsen ie en. Das is G undlagen o schung im bes en Sinne. Eich p ä-
e ie da ü den selek i en G i zu Klassike n des poli ischen Denkens: A is o eles,
Locke, Fich e, Ma x, Keynes. Mi de Rekons uk ion ih e du chweg poli ischen
Deu ungen des „Wesens“ des Geldes und des Geldwesens e weige Eich sich den
modell heo e ischen Minimalklassi ika ionen ökonomis ische Mone a i ä sdisku se.
Typisch ü eine klug gemach e Ideengeschich e zeig e , wie und wa um die jeweils
dominan en Gelde zählungen de „nos algischen Suche nach de e lo enen S abili-
ä “ en sp ingen und „du ch Geschich en on T auma a zusammengehal en“ we den
(S. 35). Die Axiome de o an je hegemonialen Geld e s ändnismoden wu den al-
so in und du ch K isen en wickel . Sie können mi hin ge ade keinen klassischen
Ansp uch au No mali ä und Selbs e s ändlichkei beansp uchen.
Zahl und Komplexi ä de dabei on Eich zu age ge ö de en A gumen e, Ein-
sich en und o allem Ambi alenzen sind hie nich da s ellba . Heben wi nu Ex-
empla isches he o , e wa dass Eich den leh buchschönen Rückg i au A is o eles’
Geld heo ien ehe als pseudoklassischen Missg i akademische Kop - und Hand-
lange beg ei . Ku z nach Ein üh ung des Münzgeldes besch ieb A is o eles die
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Eich, S e an (2023): Die Wäh ung de Poli ik. Eine poli ische Ideengeschich e des Geldes. Aus... 809
Rezip ozi ä on poli ische Iden i ä und mone ä e S abili ä sowie, ande she um,
on bü ge scha liche S abili ä und Gelden s ehungs- plus Geldbewegungskon ol-
le. Unpoli isch is hie schon mal ga nich s. Zwei ens be ich e Eich E hellendes
übe die (bekann e) Kons uk ion Lockes, de „me allisches Geld on globale Reich-
wei e“ (S. 79) als o s aa liche, an ixe Realwe e gebundene Ins i u ion gleiche -
maßen na u alisie e wie en poli isie e und dem sou e änen Zug i p o olibe ä
en winden woll e. Man kann Eich gu olgen, wenn e im P inzip skandalisie , dass
Lockes his o isch wie no ma i so mäch ige Ve assungs heo ie libe alen Denkens
eine abs use Geld heo ie als wesen lichen S ü zp eile benö ig . Demgegenübe is
Fich es aszinie ende Vo schlag eine geldpoli ischen Selbs abscho ung des S aa es
(jeden alls im Deu schen) schon häu ige e zähl wo den, wäh end Eichs um assen-
de Kon ex ualisie ung de Ma x’schen Geldna a i e und -u eile eine wei e e leis-
ungss a ke Wide legung de ideologisch kolpo ie en Behaup ung des uni e sell-
abs ak en Cha ak e s Ma x’sche Zug i e lie e . Mi einem ma kan en Doppelpo -
ä on de Keynesianisie ung de Geldpoli ik und de Demone isie ung de poli i-
schen Theo ie nach dem Schei e n on B e on Woods e dich e Eich abschließend
die his o isch-ch onologische Ab olge hegemoniale Geld(poli ik) heo ien au zwei
zueinande p inzipiell al e na i e Pole.
Wenige k i ische Hinweise seien ges a e . Die wuche nden Redundanzen in de
unbescheidenen Einlei ung zu den eils schon sepa a publizie en und da um o
seh p äzisen A ikel-Kapi eln e wi en die Sache. Diese Au ak is , wenn übe -
haup , besse am Schluss zu lesen. Die Häu igkei und Allgemeinhei , mi de Eich
„poli ische Theo ie“ und „poli ische Ideengeschich e“ eklamie und dann doch
s a du ch „beg i liche We kzeuge“ (S. 18) du ch beliebige Ph asen i gende was
zu de inie en o gib , dienen wede de P äzision noch de Disziplin. Gekonn ho-
len sie einen am globalen Bes selle -Regal ab, kaum abe beim wissenscha lichen
Fo schungss and. Mi alle lei uns immigen Me aphe n, die on „geologische Fo -
schung“ übe „Wu mlöche “ bis „Sackgasse“ die Einlei ung übe wuche n, und mi
obend ein schmale Koselleck-Re e enz au die „sedimen ie en Schich en“ eine
„Genealogie“ de „E ah ungs äume“, die es „ eizulegen“, „auszug aben“ ode zu
„en puppen“ gäl e, wi d „ heo e isch“ jeden alls nich s geklä .
E ns zu nehmen bleib dagegen de no ma i e Impe us des Ganzen: Wie o ihm
Adam Tooze ü die USA ode Wol gang S eeck ü die EU zeig Eich, dass de
ex eme Wandel de Geldpoli ik sei de Finanzk ise ab 2008 kein e a is isches Ruh-
mesbla wa . Hie wu de keine wei e e, demok a isch poli isie ende He sei e in de
Geschich e mone ä e Sou e äni ä au geschlagen, nu weil o enkundig poli isches
Geld ohne Ende emi ie wu de: „Nich ein eigens ändige , sou e äne S aa nahm
sich de K ise an; ielmeh s amm en die Pe sonen, die in Washing on“ die Re ung
„no leidende Banken“ in die „Wege lei e en, aus denselben Wall-S ee -Ne zwe ken
wie die Emp änge de S aa shil en au de ande en Sei e des Ve handlungs ischs“
(S. 270).
Ein allgemeine Ve me k zum Schluss: Auch dieses Buch is in de Hambu ge
Edi ion e schienen, einem he o agenden Ve lag, (nich nu ) dessen Schicksal de
Mäzen Reem sma an die düs e e Zukun seines akademischen Lebenswe ks, des
Hambu ge Ins i u s ü Sozial o schung (HIS), gebunden ha . Es is de zei eine
wissenscha spoli ische No wendigkei , die Un e zich ba kei des HIS und seine
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810 S. Huhnholz
Beglei ins i u ionen ü die sozialwissenscha liche G undlagen o schungsszene in
Deu schland zu be onen. Geld mag nich om Himmel allen, abe es gib da on
eichlich. Wohe es komm und wohin es äll , lieg auch an uns.
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