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Freiheit, Existenzangst, Traditionen: Eine Weltkarte der politischen Kulturen

Author: Li, Jianghong,Kaasa, Anneli
Publisher: Berlin: Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung (WZB)
Year: 2024
Source: https://www.econstor.eu/bitstream/10419/327926/1/f-26337_repo.pdf
Li, Jianghong; Kaasa, Anneli
A icle
F eihei , Exis enzangs , T adi ionen: Eine Wel ka e de
poli ischen Kul u en
WZB-Mi eilungen: Qua alshe ü Sozial o schung
P o ided in Coope a ion wi h:
WZB Be lin Social Science Cen e
Sugges ed Ci a ion: Li, Jianghong; Kaasa, Anneli (2024) : F eihei , Exis enzangs , T adi ionen: Eine
Wel ka e de poli ischen Kul u en, WZB-Mi eilungen: Qua alshe ü Sozial o schung, ISSN
2943-6613, Wissenscha szen um Be lin ü Sozial o schung (WZB), Be lin, Iss. 184 (2/24), Online-
Supplemen ,
h ps://biblio hek.wzb.eu/a ikel/2024/ -26337.pd
This Ve sion is a ailable a :
h ps://hdl.handle.ne /10419/327926
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U sp ünglich e schienen am 8.7.2024 un e
h ps://www.wzb.eu/de/a ikel/ eihei -exis enzangs - adi ionen
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F eihei , Exis enzangs , T adi ionen
Eine Wel ka e de poli ischen Kul u en
Jianghong Li Anneli Kaasa
Wie Gesellscha ssys eme in e schiedenen Lände n unk ionie en und angenommen
we den, häng nich zule z on de jeweiligen poli ischen Kul u ab. Die wiede um läss
sich nich ein ach aus de Wel egion ablei en, in de ein bes imm es Land lieg . Vielmeh
e gib sich ein bun es Bild, das die Au o innen au eine Ka e de Men ali ä en
einzu agen e suchen.
De Beg i „Globale Süden“ bezieh sich im wei es en Sinne au die Regionen
La einame ika, Asien (ohne Japan und Südko ea), A ika und Ozeanien (ohne Aus alien
und Neuseeland). E ha die Rede on de „D i en Wel “ wei gehend e se z und i
zunehmend an die S elle on Wendungen wie „wenige en wickel e Lände “ und
„En wicklungslände “. Nach Angaben des Finanzzen ums de Ve ein en Na ionen ü
Süd-Süd-Koope a ion on 2022 um ass de Globale Süden 78 Lände , die als „G uppe de
77 und China“ bezeichne we den. De Globale No den hingegen um ass nach Angaben
de Kon e enz de Ve ein en Na ionen ü Handel und En wicklung (UNCTAD) im
Wesen lichen No dame ika, Eu opa, Is ael, Japan, Südko ea, Aus alien und Neuseeland –
57 Lände , in denen e wa 25 P ozen de Wel be ölke ung leben, die abe 80 P ozen des
wel wei en Reich ums besi zen und dazu neigen, den Globalen Süden poli isch wie
wi scha lich zu dominie en.
Expe *innen des In e kul u ellen de inie en Kul u als „ein Mus e aus We en,
Übe zeugungen, Eins ellungen und No men, das eine G uppe on Menschen on eine
ande en un e scheide , sei es ein Land, eine Region ode eine ande e G uppe“ (so
sch eiben es Anneli Kaasa und Michael Minko ). Diese e schiedenen Aspek e können in
kul u elle Dimensionen einge eil we den, die Koo dina en da ü bie en, Lände au eine
kul u ellen Landka e zu e o en. Unse e Ka e basie au de genann en S udie, ü die
Anneli Kaasa und Michael Minko 25 F agen aus dem Wo ld Values Su ey (WVS) – de
um assends en in e na ionalen Um age übe menschliche We e – analysie en, die so
iele e schiedene Aspek e on Kul u wie möglich abdecken. Sie e a bei e en da ü zwei
kul u elle Dimensionen.
Eine is das Spek um zwischen F eihei und So ge. Dieses Gegensa zpaa en sp ich dem,
was Michael Minko mi de Spannung zwischen Indi idualismus und Kollek i ismus
besch ieben ha : E un e schied dami Gesellscha en, die indi iduelle F eihei en,
Emanzipa ion und Au onomie be onen und schä zen, on Gesellscha en, die
Kon lik e meidung und die Einsch änkung pe sönliche F eihei en im In e esse de
sozialen Ha monie be ü wo en. Au de einen Sei e dieses Spek ums gib es
Gesellscha en, in denen de Schwe punk au de F eihei lieg : Rede eihei , F eihei de
Selbs da s ellung, F eihei zu en scheiden, wie man sein Leben leb , akzep ie zu we den,
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wie man is , und auch die F eizei zu genießen. Au de ande en Sei e liegen die
Gesellscha en, in denen die So ge das Denken de Menschen behe sch : die So ge um
das Übe leben und die Beg enzung de Ressou cen, die Fu ch o dem, was emd ode
ande s is . All diese So gen können dazu üh en, dass man ausgeg enz e G uppen ablehn .
Die zwei e kul u elle Dimension kann mi dem Gegensa zpaa „Ve an wo ung s. Glaube“
besch ieben we den. Hie we den Lände , in denen die Menschen Ve an wo ung und
Unabhängigkei schä zen, un e schieden on solchen, die du ch den Glauben an
T adi ionen und Au o i ä en gep äg sind – sei es Go ode de S aa – und den Glauben
an die Fähigkei de Au o i ä en, P obleme ü die Bü ge *innen zu lösen, wenn man
ihnen nu geho ch . Diese Dimension ähnel dem, was Donald F. Ingleha mi dem
Gegensa z on adi ionell und säkula - a ional besch ieben ha . Michael Minko sp ach
2018 on „Flexibili ä e sus Monumen alismus“: Hie s ehen Selbs kon olle und
Selbs op imie ung au de einen Sei e, de S olz au sich selbs und die eigene Na ion au
de ande en.
Die poli ische Kul u kann als Teil de na ionalen Kul u be ach e we den: Sie um ass
We e, Übe zeugungen ode Eins ellungen, die eng mi dem poli ischen Sys em eines
Landes e bunden sind. Ch is ian Welzel ha es so o mulie : „Poli ische Kul u is die
psychologische Dimension poli ische Sys eme, einschließlich alle poli isch ele an en
Übe zeugungen, We e und Eins ellungen.“ Es kann da on ausgegangen we den, dass die
Men ali ä de Menschen, die O ien ie ungen, Übe zeugungen und We e, die in eine
Be ölke ung o he schen, mi de A des poli ischen Sys ems zusammenhängen, in
dem eine Be ölke ung leb – das poli ische Sys em is eng mi de poli ischen Kul u
e bunden. Wenn die Bü ge *innen beispielsweise um die Au ech e hal ung des S a us
quo ode ga um ih Übe leben ü ch en, haben sie mögliche weise das Ge ühl, dass eine
s a ke au ok a ische Regie ung sie o noch unbekann en Bed ohungen schü zen wi d.
Auße dem is es ihnen ielleich nich so wich ig, ih e Meinung zu äuße n und an de
En scheidungs indung be eilig zu we den. Dies is genau das, was die e s e de
genann en kul u ellen Dimensionen, F eihei s. So ge, ausd ück .
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Unse e kul u elle Landka e zeig , dass alle Lände des Globalen Südens nahe beim Pol de
So ge ums Übe leben liegen. Die Lände des Globalen No dens, die keine E ben des
ehemaligen sozialis ischen Sowje blocks sind, liegen beim ande en Pol, „F eihei “. Dahe
is es wenig übe aschend, dass die Demok a ie im Globalen No den o he sch , im
Globalen Süden jedoch nich . Diese kul u elle Un e schied s eh in engem
Zusammenhang mi dem Wohls and de Lände : In ä me en Lände n dominie en We e,
die mi dem Übe leben zu un haben; e s wenn die elemen a en Bedü nisse be iedig
sind, können Menschen übe F eihei und Selbs en al ung nachdenken. Die Lände , die
on einem sozialis ischen Regime egie wu den, liegen aus demselben G und auch ehe
beim Pol „So ge“.
Be ach e man die Dimension „Ve an wo ung s. Glaube/T adi ion“, so is die T ennung
zwischen dem Globalen Süden und dem No den wei wenige eindeu ig. Im Globalen
No den gib es Lände mi ehe adi ionellen Kul u en (I land, Mal a, Tü kei, Zype n), und
die Lände des Globalen Südens e eilen sich en lang diese Dimension on einem Pol
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zum ande en. Wäh end beispielsweise d ei Regionen des Globalen Südens – Taiwan,
Hongkong und Macau – beim Pol „Ve an wo ung“ liegen, be inden sich Ghana, T inidad
und Tobago, Bangladesch, Nica agua, Ecuado , Kolumbien, Pue o Rico, Libyen und
Jo danien beim Pol „Glaube/T adi ion“, dich ge olg on den üb igen Lände n des
Globalen Südens. Die Ka e zeig alle dings, dass die meis en Lände des Globalen Südens
bei diesem Pol liegen. Dies ha wich ige Auswi kungen au die A de poli ischen Regime.
Wenn die Men ali ä in Gesellscha en des Globalen Südens s a k on T adi ionen und
Glauben sowie on de So ge um das Übe leben bei beg enz en Ressou cen gep äg is ,
dann sind die Bü ge *innen wenige an F eihei und Selbs e wi klichung in e essie .
Sie sind ehe nich be ei , Ve an wo ung zu übe nehmen und sich an demok a ischen
P ozessen zu be eiligen. Sie könn en die Demok a isie ung als unnö ige Ablenkung ode
soga als Bed ohung ü die bes ehende O dnung und S abili ä be ach en. Dahe s ell
sich die F age, ob Demok a ie ü alle Gesellscha en als wünschenswe ode po enziell
gu unk ionie end gel en kann.
Sowohl im Globalen No den als auch im Globalen Süden gib es Demok a ien. Alle dings
sind alle demok a ischen Lände im Globalen Süden au de G undlage des Demok a ie-
Index 2023 lückenha e Demok a ien, wäh end die Meh hei de demok a ischen Lände
im Globalen No den olls ändige Demok a ien sind. Dies pass zu dem, was oben übe
na ionale Kul u en gesag wu de. Die Men ali ä de Menschen, ih Wunsch nach
Demok a ie und ih e Be ei scha zu Be eiligung an demok a ischen P ozessen sind ü
die En s ehung, das Wachs um und den Fo bes and eine Demok a ie on en scheidende
Bedeu ung. Die na ionale Kul u kann mi dem uch ba en Boden e glichen we den, den
ein Samenko n b auch , um zu keimen und zu P lanze zu wachsen.
Wi glauben, dass die Be ach ung de na ionalen Kul u in meh ache Hinsich nü zlich
is . E s ens kann sie hel en zu e s ehen, wa um sich die Demok a ie in wei en Teilen des
Globalen Südens nich du chse z (ode noch nich du chgese z ha ). Zwei ens kann diese
Pe spek i e dazu bei agen, ideologische und poli ische Vo eingenommenhei abzubauen:
In Lände n des Globalen No dens gib es o Vo u eile übe nich -demok a ische Lände
im Globalen Süden, und manchmal he sch we den schlech unk ionie ende
Demok a ien im Globalen Süden (wie e wa Indien, den Philippinen, Namibia ode
A gen inien) begüns ig . D i ens können wi so e kennen, dass jede Ve such,
Demok a ie in ein Land zu e p lanzen, in dem de uch ba e Boden, also die
en sp echende poli ische Kul u , ehl , e geblich sein wi d. A ghanis an is ein
he o agendes Beispiel: Nach 20 Jah en, in denen die USA und ande e Lände des
Globalen No dens e such en, das Land mi g oßen inanziellen und ande en In es i ionen
zu demok a isie en, b ach die om Wes en un e s ü z e a ghanische Regie ung im Augus
2022 spek akulä zusammen, und die Taliban übe nahmen die Regie ung ohne g oße
Wide s ände.
Fü die akademische Fo schung sind aus diesen Übe legungen meh e e Schlüsse zu
ziehen. Jede Analyse muss sowohl im Blick au Theo ie und Hypo hesen als auch in de
Me hodik in den Kon ex de lokalen kul u ellen, sozialen, wi scha lichen und
poli ischen Bedingungen ges ell we den. De im Globalen No den o he schende
heo e ische Ansa z zu En wicklung on Hypo hesen und die me hodischen Ansä ze zu

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de en Übe p ü ung sind nich imme au die Gegebenhei en im Globalen Süden
anwendba . Um die Fo schung im Globalen Süden zu kon ex ualisie en, soll en
Fo schende einige G undsä ze behe zigen:
E s ens is es nü zlich, sich ein b ei e es Wissen übe die Fo schungss ando e
anzueignen, nich nu übe die gegenwä igen kul u ellen und wi scha lichen
Bedingungen, sonde n auch übe die Geschich e de Lände . Zwei ens is es no wendig,
quan i a i e und quali a i e Ansä ze zu in eg ie en ( gl. aus üh liche in einem A ikel
mi Jaya Dan as, ühe Ea nes , on 2015). Diese Fo de ung is nich neu, und es gib
imme meh Fo schung mi gemisch en Me hoden zum Beispiel in de
Gesundhei s o schung. Insgesam is abe sozialwissenscha liche Fo schung mi
gemisch en Me hoden imme noch spä lich. Wie wi anhand on Fo schungen in No d-
Uganda und im ländlichen China da geleg haben, we den Fo schende, die sich
ausschließlich au quan i a i e Analysen s ü zen, du ch E gebnisse, die o im
Wide sp uch zu Theo ien und Hypo hesen s ehen, e wi und e unsiche . D i ens:
Fo schende aus dem No den müssen o en sein und be ei , lokales Wissen und
Fachkenn nisse zu übe nehmen, die dem o he schenden Pa adigma de
sozialwissenscha lichen Fo schung im Globalen No den wide sp echen ode es in F age
s ellen können. Das Fo schungspa adigma im Globalen No den is nich nu losgelös on
den kul u ellen Besonde hei en des Globalen Südens, es kann auch bewuss ode
unbewuss du ch das E be des Kolonialismus beein luss und o eingenommen sein. Vo
Ku zem haben Wissenscha le *innen aus dem Be eich de ö en lichen Gesundhei und
de Medizin in de Zei sch i „Lance “ un e such , wie Wissen aus dem Globalen Süden
disk edi ie ode soga ges ohlen wu de und wie lokale Expe *innen on de
Wissens e mi lung ausgeschlossen we den. Diese Un e suchung könn e ein Weck u ü
die sozialwissenscha liche Fo schung übe den und im Globalen Süden sein. Schließlich
gib es angesich s de kul u ellen Viel al im Globalen Süden nich das eine Pa en ezep
ü ziel üh ende Fo schung.
Li e a u
Ingleha , Ronald /Welzel, Ch is ian: „Cul u al Map 2020“. In: Wo ld Values Su ey. 2021.
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WZB Mi eilungen He 184 Juni 2024 [Online-Supplemen ]
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Li, Jianghong/Ea nes , Jaya: „Das Bes e aus zwei Wel en: Vo eile eine Kombina ion on
quan a i en und quali a i en Fo schungsme hoden“. In: WZB-Mi eilungen, 2015, H. 150.
Online: h ps://biblio hek.wzb.eu/a ikel/2015/ -19460.pd (S and 08.07.2024).
--
8.7.2024
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