Bissing, W. M. F h . on
A icle
Na ionale Idee und poli isches Ziel (II)
Schmolle s Jah buch ü Gese zgebung, Ve wal ung und Volkswi scha
P o ided in Coope a ion wi h:
Duncke & Humblo , Be lin
Sugges ed Ci a ion: Bissing, W. M. F h . on (1956) : Na ionale Idee und poli isches Ziel (II),
Schmolle s Jah buch ü Gese zgebung, Ve wal ung und Volkswi scha , ISSN 1619-6244, Duncke
& Humblo , Be lin, Vol. 76, Iss. 6, pp. 65-105,
h ps://doi.o g/10.3790/schm.76.6.65
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705] 65
Na ionale Idee und poli isches Ziel (III)
Von
W. M. F h . on B i s s i n g - Ma bu g
IV. Alldeu sche Gedanke und Chau inismus s a na ionale Idee
1890 bis 1918
Die g oßen E olge in den deu schen Einhei sk iegen ha en be-
sonde s in de Jugend eine Übe heblichkei en s ehen lassen, die
mein e, daß das deu sche Volk den ande en eu opäischen G oßmäch en
o z ih e ausgebilde en Mach übe legen wä e, weil — wie es die
sieg eichen K iege gezeig hä en — Deu schland die besse en mili ä-
ischen Ein ich ungen und Füh e besaß. Dieses mili ä ische Übe legen-
hei sge ühl wa die eine Wu zel des Chau inismus. Sie and Boden
in as allen Schich en de Gesellscha mi Ausnahme de in e na ional
einges ell en A bei e . Die zwei e Wu zel en s amm e dem Klein-
bü ge um. Dieses wa du ch die o sch ei ende En wicklung zum
Indus ies aa in seine Exis enz du ch die sich ausb ei ende G oß-
indus ie bed oh . Sein gesellscha liche und poli ische Ein luß e -
minde e sich zuguns en des g oßen Besi zbü ge ums. Diese gesell-
scha liche D uck, de au dem Kleinbü ge um las e e, ie in ihm
ein gewisses soziales Minde we igkei sge ühl he o . Es wu de in
de Weise ab eagie , daß man ein übe spann es Na ionalge ühl zu
Schau ug. Dieses und de al e Na ional ehle de Deu schen, de
Neid48, wand e sich gegen die al en G oßmäch e, die die E de meh
ode minde un e sich au ge eil ha en, so daß ü das neu in den
K eis de G oßmäch e ein e ende deu sche Volk nich s meh üb ig
blieb. Das Deu sche Reich schien in den Augen des Kleinbü ge ums
nich die Wel gel ung zu besi zen wie die ande en g oßen Mäch e, und
die das Kleinbü ge um auch ü Deu schland beansp uch e. Man e -
gaß, daß diese S ellung de G oßmäch e die F uch des Scha ens on
Gene a ionen wa . Man woll e nun in wenigen Jah en das „auch
haben", was die al en g oßen Mäch e sich in Jah hunde en e ungen
ha en. In den Augen de Kleinbü ge gehö en die Deu schen zu den
Habenich sen.
48 A nold Oska Meye , Bisma ck 1949, S. 529.
Schmolle s Jah buch LXXVI, 6 5
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66 W. M. F h . . Bissing [706
De geis ige Boden, au dem de deu sche Chau inismus wachsen
konn e, wa die Ve he lichung de Mach du ch Nie zsche und
T ei schke als dem en scheidenden Mo o de Poli ik.
Chau inismus abe kann nie die G undlage eine na ionalen Idee
we den, weil e nich au eine nüch e nen Abs ak ion de gegebenen
Wi klichkei be uh , sonde n das P oduk eine übe wiegend on ge-
ühlsmäßigen Momen en gelei e en und dahe einsei igen Be ach-
ung poli ische K ä e, his o ischen Geschehens und de sich da aus
e gebenden Möglichkei en is . We und Bedeu ung ande e Völke
we den he abgese z und ihnen wi d nich die gleiche Lebens-
be ech igung zue kann wie dem eigenen Volk. Dami abe e leugne
de Chau inismus die En elechie, ü die alle Völke , jedes nach seine
A und Leis ung, die gleiche Bedeu ung haben.
Das Cha isma Bisma cks ha e die e s en Keime des Chau inismus
noch niede gehal en. So wa es kein Wunde , daß sie nach seinem Ab-
gang schnell in die Höhe schössen, und daß die Chau inis en sich au
G und seines Cha isma ge ade au seine K i ik am Abkommen übe
Helgoland be ie en und ihn au diese Weise o ih en Wagen zu
spannen such en. Im Jah e 1891 en s and in F ank u am Main die
poli ische O ganisa ion des Chau inismus, de Alldeu sche Ve band,
zu dessen G ünde n auch ein Re e enda , D . Al ed Hugenbe g, ge-
hö e. Die ande en G ünde kamen aus kleinbü ge lichen K eisen,
in denen man damals schon om deu schen He en olk sp ach, das sich
seinen An eil an de Wel selbe zu nehmen hä e, und deswegen ie
man lau : „Deu schland wache au 49." Fe ne wu de de Kamp gegen
die „Reichs einde64, Zen um und Sozialdemok a ie, au das Banne
gesch ieben, und so kam eine enge Ve bindung zum Reichs e band
gegen die Sozialdemok a ie zus ande. Die Finanzie ung des Ve bandes
e olg e du ch Bei äge seine Mi gliede . E s nach de Jah hunde -
wende e hiel e Mi el aus dem Disposi ions onds des Reichsma ine-
am s und dann spä e du ch Kide len aus Mi eln des Auswä igen
Am es. Die Schwe indus ie wa zunächs an de Finanzie ung nich
be eilig . Das wa e s im e s en Wel k ieg de Fall, als dem Ve band
du ch Hugenbe g Mi el zu lössen, die o enba aus schwe indus iellen
Quellen s amm en.
Die Masse seine Mi gliede , im Ganzen e wa 20 000 bis 25 000,
wa en in e s e Linie Leh e an den Hochschulen und an den höhe en
Schulen, pensionie e O izie e, Beam e und Kleinbü ge . P o esso en
und Leh e e hal en dazu, daß die Gedanken des Alldeu schen Ve -
bandes in die Köp e de Jugend eind angen und au diese Weise de
Ve band eine g öße e Tie enwi kung en al en konn e, als ihm eigen -
49 Al ed K ück, Geschich e des Alldeu schen Ve bandes, Wiesbaden 1954.
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707] Na ionale Idee und poli isches Ziel (III) 67
lieh seine Mi gliede zahl nach zukam. Eine ausgesp ochene Mach -
s ellung im ö en lichen Leben ha de Ve band nie eingenommen,
sonde n e wi k e du ch seine Beziehungen, die e zu einzelnen ech s-
s ehenden Pa eien des Pa lamen s ha e.
Als au einen seine geis igen Vä e be ie sich de Alldeu sche
Ve band mi Un ech au Bisma ck, dessen Cha isma e nu aus-
nu z e, wäh end e sich mi Rech au Hein ich on T ei schke be ie .
Die Alldeu schen sahen im englischen Impe alismus das Vo bild na io-
nalen und poli ischen Ve hal ens, und wegen dieses Impe ialismus
wa England in ih en Augen de Tod eind Deu schlands. Kaise
Wilhelm II. und die Reichskanzle s anden dem Wi ken des All-
deu schen Ve bandes ablehnend gegenübe .
Die üh ende Schich , de Adel und de os elbische G oßg undbe-
si z, b ach e den Bes ebungen des Alldeu schen Ve bandes bis zum
e s en Wel k ieg wenig In e esse en gegen. Dieses wa ielmeh in
e s e Linie au die inne e Poli ik ge ich e . Do kam es da au an,
daß das Pa lamen nich an Mach gewann und daß die poli ischen
Mach s ellungen des Adels e hal en blieben50. Dazu gehö e in P eu-
ßen das He enhaus und das D eiklassenwahl ech . In de Außenpoli ik
dagegen hiel en sich die Konse a i en zu ück, weil sie an de pa la-
men a ischen Beschä igung mi außenpoli ischen F agen eine Fö de-
ung des pa lamen a ischen Ein lußes und ein Hinabglei en in das ge-
ü ch e e pa lamen a ische Sys em sahen, das ih e poli ischen und
gesellscha lichen Mach s ellung ein Ende machen muß e51. Mi diese
ausgesp ochenen Hinwendung zu Innenpoli ik wa na u gemäß de
En wicklung eine na ionalen Idee in de üh enden Schich ein Riegel
o geschoben.
Im G oßbü ge um mach en sich dagegen ökonomisch-impe ia-
lis ische S ömungen b ei . Sie gingen zunächs on den g oßen Banken
aus, die du ch K edi gewäh ung an die südame ikanischen S aa en
sich do einen behe schenden Ein luß siche en, und auße dem d ang
übe sie deu sches Kapi al in die Tü kei ein und üh e do zum Bau
de Bagdadbahn. Hie zeig e sich das Un e s ändnis des g oßen Besi z-
bü ge ums ü außenpoli ische Rückwi kungen, weil es, on den en -
scheidenden S ellen de Außenpoli ik e ngehal en, kein Ve s ändnis
ü die poli ische Dynamik und ü die In e essen ande e Völke ha e.
De impe ialis ische Gedanke wu de li e a isch du ch das Bildungs-
bü ge um e e en. Es wa en Männe wie Paul Roh bach und
F ied ich Naumann52, die — alle dings ei on jedem Chau inismus
50 Wal e Gö li z, Gus a S esemann, Heidelbe g 1947, S. 32 u. 47.
51 E ich E y c k, Das pe sönliche Regimen Wilhelms II., Zü ich 1948, S. 29.
52 Paul Roh bach, De deu sche Gedanke in de Wel 1912. F . Naumann,
Neudeu sche Wi scha spoli ik.
5*
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— einen iedlichen Impe ialismus du ch wi scha liche und kul u-
elle Du chd ingung ohne E obe ung und Gewal p opagie en. Sie
ha en eine deu sche Au gabe o Augen, wenn z. B. Paul Roh bach
sag : „Daß wi dazu in das Spiel de Wel k ä e hineinges ell sind, um
si liche Tüch igkei nich ü uns, sonde n auch ü die ganze Mensch-
hei zu e a bei en und zu bewäh en." Das Mi el dazu sei de deu sche
Gedanke, de „si liche Idealgehal des Deu sch ums als ges al ende
K a im gegenwä igen wie im zukün igen Wel geschehen." Das wa
ielleich ein Ansa zgedanke, de siche u mhoch übe dem „Auch-
haben" de kleinbü ge lichen Alldeu schen s and. Abe Roh bach e -
kann e doch, daß de Idealgehal des Deu sch ums keine Expo wa e
wa , nach de bei ande en Völke n eine glühende Nach age wa . Sie
nahmen diese Wa e ielmeh nich ab, weil sie ih em Wesen und de
ihnen au e leg en Au gabe wide sp ach, die nu zu lösen wa , wenn
sie ih e eigenen Fähigkei en oll en al e en. So wa also in den An-
egungen Roh bachs doch keine na ionale Idee en hal en. Diese Ge-
danken konn en sich auch in Deu schland nich du chse zen, denn de
Chau inismus wa ein ache zu beg ei en. Gegen den Chau inismus
e hob zwa Lienha d im Jah e 1912 seine S imme, als e dem deu schen
Volk zu ie :
„Wenn Deu schland seine Sendung e giß . ..
Wenn Deu schland e säum , seine heilige Sendung
und nich meh o angeh in D ang und Vollendung,
wenn es om Haß, de in Spannung häl
die eise ne Wel ,
zu neuen Liebe den Weg nich weis —
so wisse: dein Glück und dein Reich ze schell "53.
Lienha d begnüg sich nu mi eine nega i en Wa nung; es ehl die
posi i e Au gabe, die Deu schland im Rahmen de ande en Völke zu
e üllen hä e. Bei Roh bach und bei Lienha d kling abe eine No e
an, die die Deu schen zu p äzep o es mundi machen möch e. Und das
ge ade lehn en die ande en Völke aus ih e Eigena und aus S olz
au ih selbs ändiges Dasein ab.
Die A bei e bewegung s and aus ih e Hinneigung zu In e na io-
nale dem Roh bachschen Gedanken ebenso wie dem Chau inismus ab-
lehnend gegenübe . Na ionales Denken gal als eak ionä . Abe den-
noch ollzog sich in de Sozialdemok a ie langsam eine En wicklung
im Denken, das sie einmal on de In e na ionale abwenden soll e. Als
Engels im Jah e 1895 ges o ben wa , begann die du ch seine Au o i ä
bis dahin niede gehal ene e isionis ische Leh e des Ma xschen Ge-
58 Nach Wal e Ho , De Gedanke de deu schen Sendung in de deu schen
Li e a u , Gießen 1937, S. 122.
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709] Na ionale Idee und poli isches Ziel (III) 69
dankengebäudes sich s ä ke du chzuse zen. Ih Füh e wa Edua d
Be ns ein, und de Re isionismus bedeu e e eine Abkeh on de
Theo ie, daß nu du ch eine Re olu ion eine Ände ung des wi scha -
lichen und gesellscha lichen Sys ems he beige üh we den könn e,
wie es die o hodoxen Anhänge on Ma x aus seinen Sch i en he aus-
lasen. Man dü e nich , so mein en die Re isionis en, mi einem bal-
digen Zusammenb uch des kapi alis ischen Wi scha s- und Gesell-
scha ssys ems echnen. Deshalb sei es Au gabe de A bei e scha ,
inne halb de bü ge lichen Gesellscha ü wi scha liche und poli-
ische Re o men zu kämp en. Dazu gehö e als e s es Ziel die E -
kämp ung de bü ge lichen pa lamen a ischen Demok a ie in Deu sch-
land. Alle dings ha en die Radikalen un e de Füh ung on Bebel in
de Pa ei noch die Obe hand, abe allmählich b ei e e sich in Süd-
deu schland und inne halb de Füh ung de Gewe kscha en imme
meh die e isionis ische Rich ung aus, die im bes ehenden S aa ih en
Ein luß au die Gese zgebung dahin ausüben woll e, daß dem Emanzi-
pa ionss eben de A bei e Rechnung ge agen wü de. Dami abe
gab die Sozialdemok a ie die in ansigen e geis ige und poli ische
Opposi ion gegen den bü ge lichen S aa au . Alle dings e s nach dem
Tode Bebels konn e sich diese Au assung du chse zen und dann im
Ve lau des K ieges auch poli ische Ta we den.
Die sch o ablehnende Hal ung de üh enden Schich , o allem
in P eußen, gegen die Sozialdemok a ie und gegen den Emanzipa ions-
kamp de A bei e e zöge e die En wicklung. Das wa abe nich
ohne Bedeu ung in einem S aa de allgemeinen Weh p lich , in dem
sich das Hee in imme s ä ke em Maße aus den Indus iea bei e n
zusammense z e, die wiede um eben alls in ih e Meh hei poli isch
in de Sozialdemok a ie o ganisie wa en. Die Sozialdemok a ie abe
gal als Reichs eind, wie sie Bisma ck bezeichne ha e, und de Kaise
mein e, daß die Sozialdemok a en a e landslose Gesellen wä en. Doch
die Pa ei und ih e Anhänge leg en keine ausgesp ochen an imili a-
is ische Hal ung an den Tag, au de ande en Sei e a abe das Hee in
seine E ziehung nich s Nennenswe es, um das Umsichg ei en de
sozialdemok a ischen Ideen wenigs ens einzusch änken und in den
ihm an e au en jungen Leu en eine na ionale Idee zu wecken. Und
o zdem ha das Hee einen Solda en he angebilde , wie e kaum au
de E de ande wä s zu inden wa , de eu, willig und geho sam
pünk lich seinen Diens a und bis zum le z en seine P lich e üll e.
Das Hee konn e auch wenig im Sinne seine na ionalen Idee au die
junge Mannscha einwi ken, und es wa auch nu in seh besch änk em
Um ang in de Lage, geis ig den sozialis ischen Ideen en gegenzu e en;
dazu ehl e es de Masse des O izie ko ps an de no wendigen Kenn -
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nis de Ma xschen Leh e und an de E ah ung in sozialen F agen
und Ta sachen. Auße dem hiel man s eng da an es , daß das O izie -
ko ps unpoli isch sein soll e, und deswegen wa man in eine Ve -
kennung de Zei abgeneig , sich übe haup mi poli ischen F agen
geis ig e ns lich zu be assen. Dami abe ehl e einem g oßen Teil des
jünge en O izie ko ps die poli ische geis ige Übe legenhei übe die
poli isch und gewe kscha lich geschul en Rek u en, die aus den Reihen
de A bei e bewegung in das Hee kamen. Das O izie ko ps wa in
seinen un e en Diens g aden eine Mischung aus Söhnen des Adels und
des Bildungsbü ge ums. Es wa s eng konse a i einges ell und on
eine nie wiede e eich en Geschlossenhei de Au assung und de
i e lichen Gesinnung. Diese i e liche Gesinnung gewann ihm o z
manche Schä en und Kan en und o z de pola en poli ischen Hal-
ung die He zen de Solda en. De Solda wa ein eue Ge olgsmann
seines O izie s und dann e s seines obe s en K iegshe n. Diese dem
Solda en sympa hische und imponie ende Hal ung des O izie ko ps
ing die poli ischen und gesellscha lichen Gegensä ze zwischen O izie
und Mann au und pa alysie e sie. Abe dem O izie ko ps ehl e
doch die na ionale Idee, die du ch ein Bekenn nis zu Mona chie und
du ch einen Fahneneid au den Kaise und König nich e se z we den
konn e.
Die ande e E ziehungsans al des deu schen Volkes wa die Schule.
Sie hä e dem Volke die na ionale Idee naheb ingen und dadu ch
imme wiede on neuem en al en müssen. Sie gehö in den Mi el-
punk des Un e ich s. Die deu sche Schule ha e in o bildliche
Weise, was Leh s o , Me hode und O ganisa ion anbe i , de deu -
schen Jugend einen g oßen Wissens- und Bildungss o übe mi el .
Wenn Deu schland nach 1870 bis zum e s en Wel k ieg einen so une -
hö en wi scha lichen Au schwung genommen ha , so is das siche
ein e hebliches Ve diens de deu schen Schule. Abe hin e de wissen-
scha lichen Bildung blieb die na ionale E ziehung wei zu ück. Man
p leg e einen gewissen o iziellen Schulpa io ismus und such e die
Schüle ü das neuen s andene Reich und ü die Pe sönlichkei en,
die es gescha en ha en, zu begeis e n. Auße dem wu de auch die
Anhänglichkei an das anges amm e He sche haus gep leg , wobei
besonde s in P eußen die Schul eie n und sons igen Gedenk eie n
dazu he hal en muß en, die Ta en und die Pe sönlichkei Wilhelms II.
in ein helles Lich zu s ellen. Es wu de au diese Weise die Au assung
on de Geschich e einsei ig be on , daß es Männe und o allem
Könige und Kaise aus dem Hause Hohenzolle n wa en, die die Ge-
schich e ges al e hä en. Abe gleichzei ig wu de auch in den Augen
de Jugend de jeweils egie ende König ü den Ablau de Geschich e
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711] Na ionale Idee und poli isches Ziel (III) 71
und ü das Schicksal des Reiches e an wo lich gemach . Das übe -
mäßige He auss ellen des egie enden Mona chen als de bewegenden
K a de a e ländischen Geschich e eiß abe den T äge de K one
aus dem Be eich de Un e an wo lichkei , in den ihn die Ve assung
hineinges ell ha , he aus und p äsen ie ihn de K i ik de ei e en
Jugend, wodu ch de mona chische Gedanke ge äh de und die K one
als das Symbol de na ionalen Zusammengehö igkei in ih em Ansehen
he abgese z we den kann. De Geschich sun e ich in den Schulen
wa also in be äch lichem Maße Fü s en e eh ung und ihm ehl e die
wi kliche na ionale T iebk a , weil e ohne na ionale Au gabe de
Jugend nu ein poli isches Ziel, abe keine na ionale Idee zu zeigen
e moch e. Nun abe ha e ge ade de Chau inismus un e den Leh-
e n de höhe en Schulen Fuß ge aß . Sie wa en häu ig die zum minde-
s en lokal üh enden Pe sönlichkei en im Alldeu schen Ve band, im
Reichs e band gegen die Sozialdemok a ie, im Flo en e ein und ähn-
lichen O ganisa ionen. De Chau inismus, de on einem Teil de
Leh e ausging, muß e, wenn e dazu noch aus eine Ve d ehung de
his o ischen Ta sachen bes eh , in de Jugend das Au kommen eine
na ionalen Idee e hinde n.
Neben diesen Momen en, die einem En s ehen de na ionalen Idee
ab äglich wa en, ände e sich auch die Rich ung, in de die deu sche
höhe e Schule wi k e. Das humanis ische Gymnasium, das bis in den
An ang de 90e Jah e Haup äge de geis igen Ausbildung gewesen
wa , wu de aus diese S ellung allmählich du ch die ealen Ans al en
e d äng . Man woll e schon au den Schulen den Geis de Technik
und die mode nen Na u wissenscha en s ä ke be onen als die idealen
humanis ischen Fäche . Das wa ein Aus luß des Ma e ialismus, de sich
du ch die En wicklung de Jah e nach dem K ieg on 1870-71 hin-
du chzieh . Dadu ch wu de die Jugend be ei s om Übe gewich des
Ma e iellen übe das Geis ige e aß , wie das o allem bei g oßen
Teilen des Besi zbü ge ums de Fall wa . Weil das Ve s ändnis ü
das T anszenden e in de Jugend geminde , dagegen das Ra ionale
und Ma e ielle meh in den Vo de g und ges ell wi d, lenk man den
Blick de Jugend o nehmlich au das G ei ba e, schnell Realisie -
ba e, das aus de jeweiligen Si ua ion he aus e aß we den kann. Das
bedeu e , daß man au poli ischem Gebie poli ische Ziele au s ell ,
die ielleich bald zu e wi klichen sind, denen abe die inne e Einhei
und dami de sinn olle Zusammhang ehlen. Dami abe en zieh
man de na ionalen Idee den geis igen Boden, au dem sie hä e en -
s ehen können.
Das is die geis ige Umgebung, in de Kaise Wilhelm II. den Th on
bes ieg, de die Jah e on 1890—1918 wei gehend ge o m ha , so daß
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man diese Jah zehn e auch das Wilhelminische Zei al e genann ha .
Kaise Wilhelm I. ha e sich in seinen poli ischen Äuße ungen in de
Ö en lichkei wei gehend zu ückgehal en. E e mied es, sich ohne
„minis e ielle Bekleidungss ücke" in de poli ischen Ö en lichkei zu
bewegen, weil e de Sache am bes en zu dienen glaub e, wenn e on
de g oßen Mach , die ihm die Bisma ckische Ve assung e liehen
ha e, nach außen möglichs wenig me ken ließ. So wa e auch nich
aus de Sphä e des Un e an wo lichen in die Be eiche des Ve an -
wo lichen hineingelang . Do beweg e sich Bisma ck als de e an -
wo liche Reichskanzle und p eußische Minis e p äsiden . Das wu de
ande s, als nach de ku zen Regie ung F ied ichs III. Wilhelm II. den
Th on bes ieg.
Kaise Wilhelm II. wa das P oduk des ihn umgebenden Milieus
und de geis igen S ömungen, in denen e au gewachsen wa und in
denen e sich beweg e. Kö pe lich behinde , li e un e einem Min-
de we igkei skomplex, den eine ha e und lieblose E ziehung on
Sei en de El e n und seines E ziehe s Hinzpe e nich ha e besei igen
können, sonde n ehe noch e schä ha e, und den de Kaise in eine
küns lich ges eige e Übe heblichkei um o m e. Im Gegensa z zu den
El e n, die ih en Sohn wenig liebe oll behandel en, wa de junge
P inz Wilhelm de Lieblingsenkel Wilhelms I. So leb e e on Kind au
in einem gespann en und zwiespäl igen Ve häl nis, das ihn inne lich
nich zu Ruhe kommen ließ. Wilhelm II. wa eine begab e Pe sönlich-
kei , de abe eine g ündliche Schulung des Ve s andes und eine ge-
sammel e Konzen a ions ähigkei ehl e. Seine Ausbildung wa in
e s e Linie mili ä isch gewesen, abe auch sie wa wei gehend an de
Obe läche geblieben, und nich ande s wa es mi seinen Kenn nissen
on de s aa lichen Ve wal ung und de Volkswi scha . In eligiöse
Hinsich s and e gläubig au dem Boden de O hodoxie, abe zeig e
dem Libe alismus gegenübe eine gewisse Tole anz.
In den le z en Regie ungsjah en Kaise Wilhelms I. ha e Bisma ck
den Au ag e hal en, den damaligen P inzen Wilhelm in den G und-
sä zen de Poli ik zu un e weisen. Von eine diese Besp echungen
mi Bisma ck be ich e de damalige pe sönliche Adju an des P inzen,
de Obe s leu nan Mo i z F h . on Bissing in seinen E inne ungen:
„De junge P inz e olg e mi g oße eh ü ch ige Au me ksamkei
den poli ischen Vo ag des on ihm hoch e eh en Fü s en Bisma ck,
e üll on dem Ge ühl, wie iel e noch zu le nen habe, ehe e den
g oßen Au gaben, die seine ha en, gewachsen sein wü de. Als de
Reichskanzle seinen Au ag beende ha e, e g i Bisma ck noch-
mals das Wo und sag e: „Abe einen Ra muß ich Eu e Königlichen
Hohei noch geben: wenn Sie einmal Kaise sein we den, dann seien
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719] Na ionale Idee und poli isches Ziel (III) 79
s a en Ki che ein indi iduelles Ch is en um zu bilden, das alle dings
die Bedeu ung de Gemeinde e kann e. Zwa a man o mal nich
aus de Ki che aus, weil man sich als Ch is ausweisen woll e, abe
die Gemeinden e lo en dami die bes en Köp e und die Menschen, die
s eb en und sich bemüh en. Das Leben in den e angelischen Gemein-
den wu de imme a blose , und es ehl e in ihnen doch o an dem
wi klich ie emp undenen Glauben, de allein den Boden ü eine
na ionale Idee geben kann. Weil die e angelische Ki che in de en -
scheidenden F age des 19. Jah hunde s, de sozialen F age e sag e,
weil sie ohne wi klich lebendiges Glaubensleben wa , schied sie aus
de Reihe de Fak o en aus, die ü das Zus andekommen eine
na ionalen Idee maßgebend sind.
Das deu sche Volk s and ohne na ionale Idee da, als das lange o -
he sehba e und on ielen Einsich igen ge ü ch e e E eignis ein a ,
daß du ch die hal lose deu sche Außenpoli ik einmal ein K ieg he bei-
ge üh we den wü de, den sie eigen lich ga nich woll e. Ebenso wa
es den Einsich igen kla , daß es in diesem K ieg um die Exis enz des
Deu schen Reiches und des deu schen Volkes gehen wü de. Konn e
diese K ieg, wie e im Augus 1914 begann, ohne den geis igen und
si lichen Rückhal eine na ionalen Idee gegen eine Übe mach on
Feinden bes anden we den, die selbs ü eine na ionale Idee och en?
Ob wi die na ionale Idee de damaligen Gegne ü alsch hiel en, wa
nebensächlich. Das En scheidende wa , daß die ande en Völke da an
glaub en und daß sie ihnen die Fähigkei gab, ha e Zei en im K iege
du chzus ehen, daß bei ihnen die poli ischen K ä e au ein Ziel hin
konzen ie wu den, und daß die Völke so lange zu kämp en be ei
wa en, bis sich de Sieg an ih e Fahnen he e e.
Als sich das A en a on Se ajewo e eigne ha e, emp and es
Kaise Wilhelm II. als einen Ang i au den S and de Mona chen
übe haup , und dami wa sein Handeln on o nhe ein du ch die
Solida i ä de Mona chen gegen den Ums u z es geleg . Das mag
pe sönlich du chaus eh enha sein. Abe de kons i u ionelle He -
sche kann sein Handeln nich nach seinem S andesin e esse ode nach
seine Sympa hie ü den T äge eine ausländischen K one aus ich en,
sonde n nu nach den In e essen seines Volkes. Die Rich schnu dabei
is die na ionale Idee. Da sie ehl e, muß e die En scheidung wei -
gehend on dem subjek i en E messen Wilhelms II. abhängen, zumal
e sie auch allein a , ohne o he einen seine Ra gebe hinzugezogen
zu haben. Alle dings wa en diese in de hochsomme lichen Zei as
alle auße halb Be lins, und sie anden es auch nich ü e o de lich,
au die Nach ich on dem A en a nach de Reichshaup s ad zu ück-
zukeh en. Als dahe e wa eine Woche nach de E mo dung des ös e -
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eichischen Th on olge s de ös e eichisch-unga ische Bo scha e in
Be lin dem Kaise Wilhelm ein Handsch eiben Kaise F anz Josephs
übe eich e, in dem zu lesen s and, daß Ös e eich die Absich habe,
Se bien als poli ischen Mach ak o auszuschal en, e klä e Kaise
Wilhelm so o , daß e in jedem Falle in gewohn e Bundes eue zu
Ös e eich s ehen we de. Abe es sei nich seines Am es, Ös e eich
zu a en, was es nunmeh zu un habe. Dami wu de Deu schlands
Schicksal in die Hand Ös e eichs gegeben, und alle e assungsmäßigen
O gane e zich e en da au , au die E eignisse einen i gendwie en -
scheidenden Ein luß zu nehmen und zu e hinde n, daß du ch die Vo -
eiligkei de ös e eichischen Poli ik Deu schland in einen K ieg on
unübe sehba em Ausmaß hineingezogen wu de. Auch die Bundes-
ü s en, de en pe sönliches Geschick und de en Lände ja auch on
dem, was; kommen wü de, mi be o en we den muß en, hiel en sich
ollkommen zu ück und e such en nich , in i gendeine Weise den
Gang de E eignisse zu beein lussen.
Die Masse des Volkes wa sich bei Beginn des K ieges da übe
kla , daß es um Sein ode Nich sein des Reiches ging. Diese E kenn nis
schloß die Menschen und K ä e zusammen. De Zusammenhal ha e
Bes and, solange die mili ä ische Lage Aussich en ü ein sieg eiches
Ende des K ieges zu bie en schien, solange die E näh ungslage noch
e äglich wa und solange keine E ö e ungen übe die Ziele des
K ieges s a anden.
Die mili ä ischen E olge und die Ta sache, daß g oße Teile des
eindlichen Gebie es in Os und Wes on deu schen T uppen bese z
wa en, weck e chau inis ische K ä e, die nun e s da an gingen,
K iegsziele au zus ellen. Man wa also ohne es es K iegsziel in den
K ieg gezogen. Je z wu den Lande we bungen in einem Ausmaß ge-
o de , die nu du chzuse zen wa en, wenn Deu schland de unbe-
s i ene Siege blieb. Dabei spiel en die Möglichkei en de Rohs o -
und Kohle e so gung ü die deu sche Indus ie und de E we b on
Siedlungsland' eine g oße Rolle, an dem o allem de os deu schen
G oßlandwi scha lag, um au diese Weise eine Ag a e o m zu
en gehen, die nach dem K iege o aussich lich un e meidba sein
wü de. Die Quelle dieses Chau inismus wa de Alldeu sche Ve band,
und Hand in Hand mi ihm ging die schwe e Indus ie des Ruh -
gebie es un e Hugo S innes, Ki do , Reusch und Hugenbe g64 sowie
de Bund de Landwi e mi dem F eihe n on Wangenheim aus
Kleinspiegel in Pomme n. Im Reichs ag s anden au Sei en de All-
deu schen Männe wie Basse mann, spä e zei weilig auch S esemann,
und de D . Rösecke. Abe auch in den K eisen des Bildungsbü ge -
64 Al ed K ück, Geschich e des Alldeu schen Ve bandes, 1954, S. 76 .
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721] Na ionale Idee und poli isches Ziel (III) 81
ums and de Alldeu sche Ve band mi seinen K iegsziel o de ungen
Un e s ü zung. Und hie wa en es wiede die Leh e an den. höhe en
Schulen und ein Teil de P o esso en an Hochschulen und Uni e si-
ä en, die dem Chau inismus zum Op e ielen. We sich damals nich
mi den Bes ebungen des Alldeu schen Ve bandes ein e s anden e -
klä e, gal als De ai is , als unna ional und wu de deswegen in seine
pe sönlichen Eh e di amie . Au diese Weise muß e die Geschlossen-
hei des Volkes un e g aben we den. Da Be hmann den Alldeu schen
o wa , daß sich de Mangel an poli ische Einsich bei ihnen „ins
G o eske ges eige " hä e, wa es um seine S ellung geschehen65.
Aus de Ge olgscha de Alldeu schen abe muß en die A bei e
und die Sozialdemok a ie en nehmen, daß es sich in diesem K ieg
o enba in e s e Linie da um handel e, die In e essen de schwe en
Indus ie und des os elbischen G oßg undbesi zes zu ö de n, und daß
es o allem da au ankäme, die gesellscha liche und poli ische S el-
lung de üh enden Schich en gegenübe dem Bü ge um und den A -
bei e n zu es igen. Die Sozialdemok a ie und die Masse de A bei e
ha e sich beim Beginn des K ieges hin e die Regie ung ges ell und
dami ih e Be ei scha gezeig , das Va e land zu e eidigen. Die
A bei e wuß en, daß sie im K iege gegen Rußland die Exis enz de
sozialis ischen deu schen A bei e klasse gegen den eak ionä en Za-
ismus e eidig en. Sie kämp en dami auch au dem Schlach eld
ü ih e Emanzipa ion. Fü die Ziele de schwe en Indus ie und des
os elbischen G oßg undbesi zes zu s e ben, wa en sie abe nich be ei .
So lei e e die deu sche A bei e scha in den en scheidenden Augus -
agen ebensowenig eine na ionale Idee, wie das ü die Hal ung de
schwe en Indus ie und de os deu schen G oßlandwi scha maß-
gebend wa . Jede e such e du ch den K ieg nu seine Klassenziele
und seine Klassenin e essen zu e ech en. Wenn nun de Alldeu sche
Ve band so une üllba e K iegsziele e a , wie in de bekann en E -
klä ung de schwe en Indus ie und des Bundes de Landwi e, so
muß en in de A bei e scha Zwei el au auchen, ob es wi klich nu
um die Exis enz des deu schen Volkes ging. Die Hal ung de Regie ung
in de K iegsziel age wa unkla , weil sie sich nich on eine na io-
nalen Idee, sonde n on ak ischen Rücksich en au die möglichen
F iedens e handlungen lei en ließ. Diese Hal ung de Regie ung ha e
zu Folge, daß nach de ussischen Re olu ion om F ühjah 1917 eine
An ik iegsbewegung au e olu ionä e Basis en s and. Die Folge de
alldeu schen P opaganda wa also eine Schwächung des Siegeswillens
nich nu in den K eisen de A bei e bewegung, sonde n auch in denen
66 Al ed K ück, a.a.O., S. 76.
Schmollen Jah buch LXXVI, 6 6
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82 W. M. F h . . Bissing [722
de bü ge lichen Pa eien und eine S ä kung des Siegeswillens au den
Sei en de Gegne .
De Kaise wa o dem K iege des ö e en mi p og amma ischen
E klä ungen he o ge e en, und in den Augen des Volkes wa e es
gewesen, de die Poli ik des Reiches maßgeblich bes imm ha e. Je z
im K iege abe hiel sich de Kaise wei gehend zu ück60. Die Kanzle
wa en keine Pe sönlichkei en, die das Volk begeis e n und die Fühlung
mi den b ei en Massen hal en konn en. Das wä e nu möglich ge-
wesen, wenn eine na ionale Idee einen gemeinsamen Boden des Ve -
s ehens gescha en hä e. Das Volk abe e lang e nach eine üh en-
den Pe sönlichkei , eben als E sa z ü die ehlende Idee. So wa es
kein Wunde , wenn Hindenbu g und Ludendo , die beiden sieg-
eichen Feldhe en, dem Volke als Füh e o schweb en. Ih e Siege
e liehen diesen beiden Männe n ein Cha isma. Sie a en an die S elle,
die Bisma ck ühe innegehab ha e, und in ihnen e kö pe e sich
in den Augen des Volkes so e was wie eine na ionale Idee. Diese be-
kam alle dings keine konk e e Fo mulie ung, sonde n sie wa in übe -
wiegendem Maße ge ühlsmäßig beg ünde . Den beiden Feldhe en
gegenübe a de Kaise in den Hin e g und, und dami begann
das mona chische Ge ühl, das schon o dem K iege im Schwinden wa ,
allmählich abzu lauen. Die K one iel je z als Schöp e eine na io-
nalen Idee aus, und die beiden Feldhe en wa en eben doch nu Sol-
da en, denen alles ande e auße halb des mili ä ischen Gebie es emd
wa . Sie wa en keine C omwells. So en s and in den b ei en Massen,
die sich nach eine na ionalen Idee sehn en, ein Ge ühl de inne en
und de geis igen Lee e.
Eine solchen Lee e He zu we den, wa eigen lich die Au gabe
de Ki che. Die e angelische Ki che als Landeski che s and als geis -
liche Mach den je z au auchenden P oblemen on S aa , Ki che
und Mach ungenügend ge üs e gegenübe . Ein Teil ih e Diene
wu de Op e de alldeu schen P opaganda, ein ande e esignie e. Zu
eine selbs ändigen Hal ung kam die e angelische Ki che nich . Wie
imme bei poli ischen Ka as ophen wa en bei K iegsbeginn die He zen
de Ki che wiede zuge logen, die sie bis dahin gemieden ha en. Vo
allem den F on solda en blieb de K ieg eine s ändige Gewissens age,
und man ühl e bei ihnen s a k die Ve an wo ung o Go . Man
weiß wohl, daß man ü Volk und Va e land, ü ein besse es Deu sch-
land kämp , es geh scheinba um Dich ung, Kuns , Philosophie und
Kul u , abe daneben e en do-ch e hebliche Zwei el au . „Um was
geh es eigen lich? Geh es um den S olz, um den Eh geiz einzelne
60 Paul He e, K onp inz F ied ich Wilhelm, München 1954, S. 86.
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723] Na ionale Idee und poli isches Ziel (III) 83
Männe ode um die Eh e de Völke , um es gese z e Ziele, um Sein
ode Nich sein des Deu schen Reiches67?"
Doch die P edig , die die Solda en zu hö en bekamen, e moch e
in seh ielen Fällen da au keine An wo zu geben. Sie e s and es
auch nich , das Wo Go es mi den du ch den K ieg beding en So gen
und Nö en des einzelnen in Einklang zu b ingen. Man p edig e o
einen aden Op imismus, ohne das Ge ühl ü die T agik zu haben,
die sich bei ielen Gemeindemi gliede n im Inne en abspiel e, eine
T agik, die sich da aus e gab, daß sich das Gese z de Liebe mi de
Unba mhe zigkei des K ieges so schwe e einba en ließ. Man e -
moch e keine genügende An wo au die F age zu geben, wie sich
Go es Ge ech igkei mi dem Ungeheue lichen des K ieges e ug.
Schlagwo e und eligiöse Ph asen, in denen sich dann die P edig
nich sel en e ging, konn en keine Abhil e scha en und die He zen
dem Glauben wiede ö nen. Die p o es an ische Ki che, das zeig e
de K ieg, wa s e il gewo den. Sie ha e dem, was Männe wie Adol
on Ha nack und Albe Schwei ze geleh ha en, um den Menschen
wiede Zugang zum Glauben zu e scha en, die Kanzeln gespe ,
s a sie zu ö nen. De S aa ha e die Ki che in Fesseln geschlagen,
weil es seinem In e esse nich en sp ach, dem ki chlichen Libe alismus
au den Kanzeln Raum zu geben. So ha e sich die Ki che, weil sie
s a am Dogma es hiel , dem Volk en emde , eine Ge ah , au die
schon in den 60e Jah en Richa d Ro he hingewiesen ha e, als e
e lang e, daß die e angelische Ki che wiede Volkski che we den
müsse, wie sie es in den Zei en de Re o ma ion gewesen wa . Nu
aus eine Volkski che kann abe eine na ionale Idee gebo en we den.
Die ka holische Ki che wa siche meh Volkski che als die e an-
gelische Ki che, abe ih e poli ische Hal ung schwank e, s a k beein-
luß du ch das Ve hal en des Zen ums, in dem de linke Flügel un e
de geschä igen Füh ung des Abgeo dne en E zbe ge meh und meh
an Ein luß gewann. In den K eisen de deu schen Ka holiken wa en
die E inne ungen an den Kul u kamp imme noch nich übe wunden.
So kam man übe eine du chaus loyale und s aa s eue Gesinnung
nich hinaus, die abe nich aus eich e, um eine na ionale Idee en -
s ehen zu lassen.
Hunge , En beh ungen, Fehle de poli ischen und mili ä ischen
Füh ung und endlich im Somme 1918 die En äuschung da übe , daß
o z alle mili ä ischen Siege, o z alle Op e an Gu und Blu de
K ieg nich zu gewinnen sei, b achen den Willen de b ei en Masse
des Volkes, nich nu de A bei e , sonde n auch des kleinen Bildungs-
bü ge ums, den K ieg wei e o zuse zen und dami de Regie ung
67 Philipp W i k o p , K iegsb ie e ge allene S uden en, München 1929, S. 192.
6*
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84 W. M. F h . . Bissing [724
die Möglichkei zu geben, im Hinblick au die noch o handene mili-
ä ische K a Deu schlands zu Ve handlungen mi den Feinden übe
einen F ieden zu kommen, de zwa iele Op e e langen muß e, abe
wenigs ens den Zusammenb uch des S aa swesens hä e e hinde n
können.
Daß sich je z die S immung de b ei en Massen gegen den Kaise
wand e, wa nich nu au die No en Wilsons zu ückzu üh en, sonde n
de Kaise ha e sich s ändig in de Sphä e des Ve an wo lichen be-
weg , s a im Raum des Un e an wo lichen zu bleiben, wohin ihn
die Ve assung wies. Je z ug de Geschich sun e ich in den Schu-
len eine une wa e e F uch , de im Gegensa z zu den Ta sachen die
Fü s en, o allem abe den Kaise selbs , in den Mi elpunk de Be-
ach ung ge ück ha e, s a on eine na ionalen Idee zu sp echen.
Im K eise de Bundes ü s en wa im Ve lau des K ieges schon on
de Abdankung des Kaise s gesp ochen wo den, abe in diesen en -
scheidenden Ok obe agen 1918 hiel en sich die Bundes ü s en ebenso
zu ück wie im Augus 1914. De K onp inz Rup ech on Baye n
kam alle dings An ang No embe 1918 zu de Übe zeugung, daß alle
deu schen Fü s en gemeinsam dem Kaise die Abdankung nahelegen
soll en68.
Abe ebenso passi wie die Bundes ü s en wa de Reichs ag. Nach-
dem e am 5. Ok obe die Regie ungse klä ung des neu zum Reichs-
kanzle e nann en P inzen Max on Baden en gegengenommen ha e,
e ag e e sich bis zum 22. Ok obe , s a zusammen zu bleiben und
sich einen Ein luß au den Gang de E eignisse zu siche n. Am 22.
und 23. Ok obe beschloß de Reichs ag die Ve assungsände ungen,
die das pa lamen a ische Sys em im Reich ein üh en, e ag e sich
dann abe am 26. Ok obe abe mals, und das angesich s de schwe -
wiegenden E eignisse, die sich äglich abspiel en und de en Bedeu ung
ü das Schicksal des deu schen Volkes und des Deu schen Reiches un-
e kennba wa . So schal e e sich das nunmeh e an wo liche
Pa lamen in den Schicksalss unden des deu schen Volkes aus, weil
die na ionale Idee ehl e, die das Ge ühl ü die Ve an wo ung hä e
s ä ken und wecken müssen.
Auch de Kaise selbs ha e Be lin am 29. Ok obe e lassen.
Hindenbu g ha e ihm sagen lassen, daß — wenn e sich angesich s
de zunehmenden an imona chischen S immung in Be lin nich meh
siche genug ühle — e ins g oße Haup qua ie kommen möge69.
Eine Au o de ung des Reichskanzle s om 30. Ok obe , nach Be lin
zu ückzukeh en, leis e e de Kaise keine Folge. Dami ha e sich
•8 Paul He e, a.a.O., S. 158.
09 D. G oene -Geye , Gene al G oene , F ank u am. Main 1955, S. 93.
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725] Na ionale Idee und poli isches Ziel (III) 85
abe de T äge de K one aus de Diskussion und aus de En schei-
dung übe sein eigenes Schicksal und das de Mona chie übe haup
ausgeschal e . Was dann in Spaa am 9. No embe geschah, wa nich s
ande es als die no wendige Folge.
So s eh übe den Fehle n und den Schwächen de be eilig en Pe -
sonen, alles übe agend, das Fehlen eine deu schen na ionalen Idee,
ü die Volk, Pa lamen , Kanzle und Kaise einzu e en ha en. Die
G ünde, wa um es zu eine solchen na ionalen Idee sei de E ich ung
des Reiches nich gekommen is , haben wi da geleg . Es is nun die
F age, ob die g oße No , die au den e lo enen K ieg olgen muß e,
die Mu e eine na ionalen Idee we den konn e. Das P oblem is ,
welche geis igen, gesellscha lichen, poli ischen und wi scha lichen
K ä e nunmeh nach de S aa sumwälzung wi ksam we den wü den,
um den Boden ü die na ionale Idee zu be ei en.
V. De Ru nach de Idee und dem g oßen Mann. 1918 bis 1933
Die S aa sumwälzung und de e lo ene K ieg ha en nich nu alle
G undlagen de Ve gangenhei ze s ö und gewandel , sonde n auch
die geis ige Lee e, in de sich das deu sche Volk sei 1871 beweg
ha e, deu lich he o e en lassen. Man e kann e, daß man nich on
Ideen, sonde n on Illusionen geleb ha e. Fü die Zukun und ih e
Ges al ung muß e die geis ige Si ua ion de Jah e nach dem K iege
und nach de S aa sumwälzung en scheidend sein, denn in ih muß en
die Ideen gebo en we den, die die Zukun ges al en soll en. Fü uns
is heu e die F age, ob es damals un e dem Eind uck des E lebens und
de E ah ung, die de K ieg und die E eignisse des 9. No embe ge-
b ach ha en, zum Ansa z eine na ionalen Idee kommen konn e, wo
diese Ansä ze liegen und was mi ihnen geschehen soll.
E lebnisse und E ah ungen wa en ih e Quali ä nach ande s bei
de äl e en Gene a ion, die schon in olle Rei e in den K ieg einge-
e en wa , als bei den jungen Leu en, die noch nich in den Jah en
o 1914 geis ig e wu zel wa en. Fü die äl e e Gene a ion wa
die Wel des Scheins und de Illusion dahin, in de sie geleb ha e,
o ohne es zu me ken. Die Mona chie, die bis dahin die Gewäh ü
die s e ige En wicklung und ü den Zusammenhal des Reiches ge-
wesen wa , ha e sich selbs au gegeben. Man glaub e bei de äl e en
Gene a ion, daß das deu sche Volk noch nich mündig wä e, um sich
selbs egie en zu können, und deshalb e s eb e man die Wiede -
keh de Mona chie und die Besei igung de Republik. Übe den
Un e gang de Mona chie leb e man wei e in Illusionen. Man glaub e,
sie sei un e gegangen als Folge eines in de en scheidenden S unde
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86 W. M. F h . . Bissing [726
un e nommenen Hoch e a s, dessen Tä e dem im Felde unbesieg en
Hee sozusagen einen Dolch in den Rücken ges oßen hä en. De
Kaise , de nach Holland ge lüch e wa , gal einem Teil de äl e en
Gene a ion als Mä y e , de de K one en sag hä e, um dem deu -
schen Volk den Bü ge k ieg zu e spa en. Ein ande e Teil de al en
Gene a ion e moch e es, sich on den Illusionen zu be eien und sah
deswegen ie e . Ihm wa en die E eignisse in Spaa und die Fluch nach
Holland nu Wi kungen des kaise lichen Ve hal ens, des Cha ak e s
Wilhelms II. und de gesellscha lichen Zus ände, die alle zusammen
zum Ve lus des K ieges ge üh ha en. Daß de Kaise in schwe e
S unde sein Volk allein gelassen ha e, ha e doch das mona chische
Ge ühl wei e K eise des Besi z- und Bildungsbü ge ums ie e -
le z und ha e zu einem Abs e ben des mona chischen Ge ühls ge-
üh , zumal auch die Bundes ü s en dem allen a enlos zugesehen
ha en. In diesen K eisen des Bü ge ums e s and man es nich , wie
de Kaise , de doch nach seinen eigenen Wo en sich als Ins umen
des Himmels ge ühl ha e, de als König on Go es Gnaden in, de
Gnade Go es s and, im en scheidenden Augenblick, da es um Reich
und K one ging, o enba den Glauben an Go e lo en ha e und au
seine Gnade und Hil e nich e au e und, ans a sich au Go zu
e lassen, sein Heil in de Fluch ins Ausland such e. Dadu ch wu de
in diesen Menschen auch das Ve auen zu Religion und Ki che s a k
e schü e und so de P ozeß de En ch is lichung, o allem im e an-
gelischen Teil des Besi z- und Bildungsbü ge ums sowie des Klein-
bü ge ums, wei e o ange ieben.
Wäh end Adel, Beam e und O izie ko ps im allgemeinen nach ück-
wä s sahen, schau e die Masse des Bildungs- und Besi zbü ge ums
wohl nach o wä s, abe ihm ehl e die inne e geis ige K a und das
eligiöse Feue , aus dem he aus Männe sich zum Handeln be u en
ühlen, die dann wie S ein zu Füh ung e wähl we den. So wa die
äl e e Gene a ion im g oßen und ganzen doch geis ig s e il, und diese
Un uch ba kei spiegel sich am deu lichs en in Spengle s „Un e -
gang des Abendlandes" wiede . Aus pessimis ische Un e gangss im-
mung abe kann keine na ionale Idee en s ehen, weil ih de Glaube
an eine En elechie ehl . Die äl e e Gene a ion esignie e iel ach.
Sie ha e keine K a meh , eine neue Idee he o zub ingen, und des-
wegen u sie nach de Jugend und wi b um sie. Abe dabei will
sie doch noch wei e he schen, obwohl sie dazu nich meh be-
u en wa .
Die jünge e Gene a ion, de en Hal ung und Leben du ch den K ieg
und das inne e E lebnis des K ieges ge o m wa , such e. Ih Wel -
bild besaß noch keine Schä e und Siche hei . Sie wuß e nu , daß man,
wie E ns Jünge , im K iege ein Go esu eil übe die Idee sehen müsse,
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727] Na ionale Idee und poli isches Ziel (III) 87
de ein Volk gehuldig habe. Diese K ieg ha e die Jugend zum Kamp
e zogen, o allem zum Kamp gegen gesellscha liche Übe heblichkei
und Uneh lichkei . E ns Jünge mach e sich in seinem Buch „In S ahl-
gewi e n" zum Sp eche ü einen g oßen Teil de F on gene a ion,
als e das k iege ische Todesop e als Sinn des Lebens e künde e.
Siche wa das adikal, abe diese Jugend ha e einen gewissen geis igen
Radikalismus aus dem Felde mi geb ach . Sie woll e geis ig einen
Tisch machen, und so schien hie eine Vo ausse zung ü das En s ehen
eine na ionalen Idee gegeben.
Doch diese junge Gene a ion wa geis ig keine Einhei . Gemeinsam
wa allen ih en Teilen nu das eh liche Suchen nach eine Idee. Die
Idee i je z übe all in den Vo de g und, und de Ru nach de
Idee zeig e, daß sich die Jugend in ih e g oßen Meh zahl om
Ma e ialismus als Denk o m und Anschauung abgewand ha e. Abe
sie ha e ih e eigene Lebens o m noch nich ge unden.
Wenn wi nun au das, was die Jugend geis ig beweg e, nähe
eingehen, so wollen wi in eine gewissen Anlehnung an A min Möhle
ün G uppen un e scheiden70:
1. Da is zunächs die ölkische G uppe, die den an isemi ischen
Gedanken aus de Zei o dem K iege au nimm und ihn zu eine
obe lächlichen Rassen heo ie ausbau , in de die Übe legenhei des
Ge manen ums übe die ande en Völke behaup e wi d. Mi de
Gegne scha gegen das Juden um e binde sich iel ach eine Ab-
lehnung des Ch is en ums, weil es aus eine jüdischen Religion he o -
gegangen ode on jüdische Sei e e älsch wo den sei. Es gel e da ü
ein deu sches Ch is en um zu scha en71.
2. Die jungkonse a i e G uppe, die das Reich in den Mi elpunk
s ell e, das abe om Volk ge agen sein soll und dabei den einzelnen
S ämmen ih e Eigena lassen woll e. Das Ch is en um is ü diese
G uppe We kzeug, abe nich Selbs zweck.
3. Na ional e olu ionä e sind die jungen Menschen, die zwischen
1890 und 1905 gebo en sind und die on de Na ion ausgehen. Diese
wi d in einem mys ischen Pan heismus gesehen, und gleichzei ig
lehn man den a ionalis ischen „wes le ischen" Libe alismus ab. Das
Deu schsein soll wiede un e eine um assende Bindung ges ell we -
den. „Es üh alles zum Glauben zu ück, und es komm alles om
Glauben he " (Schauwecke ). Diese Glaube abe is mys ischen U -
sp ungs, und dami wi d e zu e was Unbes imm em. Schauwecke
umsch eib diesen Glauben so: „Wenn die Na ion ohne Beginn und
70 A nim Möhle , Die konse a i e Re olu ion in Deu schland. S u ga
1950, S. 165 .
71 S. dazu z. B. Max Mau enb eche , De Heiland de Deu schen. Gö -
ingen 1930.
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88 W. M. F h . . Bissing [728
Ende is , wenn sie im U sp ung und Ziel eins is , dann is die Na ion
in Go , und Go is die Na ion. Dann is Deu schland eine Religion.
Dann is de Deu sche im le z en ein Glaube." Unkla e und an h o-
pozen ische kann man wohl kaum sein.
Ablehnung des Libe alismus is Ablehnung des „Wes le ums". Da-
mi e wach eine unkla e und unbes imm e Ho nung au den Os en.
„Die e s en, die das kommende Reich zu denken wagen, ahnen mi
lebendigem Ins ink , daß de Ausgang des K ieges eine Bindung an
den Wes en ze s ö en muß" (E ns on Salomon). In Rußland und
seine Re olu ion wi d nich nu das kommunis ische Reich gesehen —
das ja in Wah hei ge ade au dem wes lichen a ionalis ischen Ma xis-
mus au gebau is —, sonde n auch ein Ve such mi konse a i em
Einschlag, sich on dem wes lichen Libe alismus abzuse zen72. Man
will sich on dem e sinkenden Abendland o de un e b auch en
K a des Os ens zuwenden. Da in komm die Mi ellage Deu sch-
lands zwischen Os und Wes zum Ausd uck. Doch es wi d zu ge ing
bewe e , wie de Os en sich in de Ok obe -Re olu ion 1917 om
Wes en gesellscha lich und kul u ell geschieden ha , wodu ch ein un-
übe b ückba e Gegensa z zwischen Os und Wes en s anden is . Diese
Gegensa z wi d abe in seine ganzen Tie e nich e aß , weil man die
g oße kul u elle Bedeu ung des Ch is en ums e kenn . Man ha zu
ihm keine inne e Bindung meh , und dami ehl auch de wi klich
eligiöse Glaube.
4. Die bündische Jugend um aß o allem die Jah gänge, die nich
meh am K iege eilgenommen haben. Abe ih e Füh e en s ammen
meis den Reihen de F on gene a ion. Die bündische Jugend will
keine Pa eijugend und keine ki chliche O ganisa ion sein, sie will
sich ielmeh auße halb de e s a en Fo men ein eigengese zliches
Leben scha en, das au inne e Wah ha igkei geg ünde is . Fes e
P og amme und Ziele sind nich o handen. De Ve s and wi d be-
wuß zu ückged äng , das Ge ühl is das En scheidende, und dami
is die bündische Jugend eine Wiede au e weckung de Roman ik.
5. Die sozialis ische Jugend endlich is nich k iege isch, sonde n
pazi is isch. Sie kämp gegen den Geis de Gewinnsuch , de die
bü ge liche Gesellscha behe sch , ohne sich abe dabei dem Klassen-
kamp zu e sch eiben, und sie wende sich gegen eine E s a ung
des Ma xismus als Dogma, ebenso wie gegen das ussische Expe imen .
Diese geis igen Gä ung, die in de Jugend o sich geh , sehen sich
die Ki chen gegenübe . Beide Ki chen machen eine schwe e K ise
du ch, die bei de e angelischen Ki che e heblich schwe e is als bei
72 Möelle an den B uck, Das d i e Reich, 3. Au l., Hambu g 1932,
S. 172 .
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735] Na ionale Idee und poli isches Ziel (III) 95
ech s s and, ohne sich alle dings eine Pa ei zu e sch eiben. E
e s eb e eine Ve einigung de Deu schna ionalen Volkspa ei mi de
Deu schen Volkspa ei an. Diese Ve suche schei e en einmal an de
epublik eindlichen Hal ung de Deu schna ionalen und dann an den
pe sönlichen Gegensä zen zwischen Hugenbe g als dem wich igs en
Geldgebe de Deu schna ionalen und S esemann als dem Füh e de
Deu schen Volkspa ei. Abe auch beim S ahlhelm ehl e das Suchen
nach eine neuen G undlage. Man blick e zu ück au den „Geis on
Po sdam" und mani es ie e ihn nach außen in Au mä schen und Pa-
aden, die doch im ie s en G und nu Ze bilde de en sp echenden
mili ä ischen Ve ans al ungen wa en. Man kam im S ahlhelm übe
einen gewissen Hu apa io ismus nich hinaus, de die im K iege aus-
gewachsene Jugend wiede um abs ieß.
Au Sei en de Pa eien, die die Weima e Republik bejah en, s and
das Reichsbanne Schwa z- o -gold. Es wa abe in e s e Linie eine
O ganisa ion de Sozialdemok a ie, wodu ch es s a k einsei ig o ien-
ie wa . Man ha e abe in den Mi el- und Linkspa eien, die die
Regie ung bilde en, noch keine ich ige S ellung zu dem Pseudo-
solda en um, das sich au den Geis on Po sdam be ie , und einem
wah en Solda en um, das auch die Weima e Republik nich en beh en
konn e. Alle dings muß e sich ein solches Solda en um au dem Bo-
den de neuen Ve häl nisse e s allmählich en wickeln. Das wa
schwe in einem S aa , de zu Weh losigkei e u eil wa , de sich
mi einem kleinen Hee on Be u ssolda en begnügen muß e, dessen
Symbole bekämp und beschimp wu den und dessen egie ende
Pa eien nich eine ganz g oße ep äsen a i e Pe sönlichkei als
Banne äge de Republik he auss ellen konn en.
Die Kommunis en endlich ha en den o en F on kämp e bund ge-
scha en, de ebenso wie die Pa ei selbs in e na ional ausge ich e
und in seinem Handeln und Denken on Moskau abhängig wa und
dami ü die En al ung de na ionalen deu schen Idee aus iel.
Diese g oßen Ve bände de al en F on kämp e en wickel en sich
im Lau de Zei imme meh zu p i a en A meen de Pa ei üh e
de jenigen poli ischen Rich ungen, denen sie sympa hisch gegenübe -
s anden. Sie wu den dami zu eine poli ischen Mach , abe ugen
dazu bei, die poli ischen K ä e wei e zu ze spli e n und poli ische
En scheidungen in die Sphä e de Un e an wo lichen zu legen, so daß
K ä e, die hin e den Kulissen wi k en, die abe nich es um issen
und dahe bes immba wa en, au poli ische En scheidungen maß-
gebenden Ein luß e hiel en. Das wa abe nu ein Zeichen ü die in
den Jah en 1918 bis 1933 sich ollziehende Au lösung de poli ischen
K ä e, denen es an Rückhal bei eine üh enden Schich ehl e, und
das alles wa die Folge, daß keine na ionale Idee o handen wa .
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96 W. M. F h . . Bissing [736
De Wi wa de poli ischen Au assungen und Ziele wu de noch
e meh du ch eine Reihe on poli ischen Salons und Klubs, die als
neua ige E scheinungen nach 1918 zu age a en. In ihnen anden
Li e a en, eh geizige Poli ike , e abschiede e O izie e aus dem al en
königlichen Hee , die sich je z de Poli ik widme en, Ve e e de
e schiedenen wi scha lichen In e essen en e bände und endlich po-
li ische Aben eu e einen Pla z. Es wa en die S ellen, wo on un e -
an wo lichen, anonym bleibenden K ä en Regie ungen un e s ü z ,
ges ü z und wiede neu gebilde wu den. Dabei anden sich dann aus
Mach s eben o die poli isch he e ogens en K ä e zu o übe gehen-
de Zusammena bei zusammen78.
Hin e alledem s and unbe üh om Gewi de Pa eien, de
In e essen en e bände, de F on kämp e und F eiko ps das Hee , die
Reichsweh . Das al e königliche Hee ha e einen bleibenden obe s en
K iegshe n, au den es e eidig wa , und un e dem es sich die S aa s-
gewal sich ba und kö pe lich o s ellen konn e. De Solda sah und
wuß e, wo ü e zu kämp en ha e. Das ehl e de neuen Republik; ü
diese wa das Bleibende die Ve assung, ein Buch mi Rech ssä zen,
de en T agwei e und Inhal nich ohne wei e es ü die Masse de Be-
ölke ung und auch de Gebilde en zu übe sehen wa . Die Du ch-
üh ung de Ve assung lag abe in de Hand de wechselnden Re-
gie ungen und wechselnden Reichsp äsiden en, die wiede um alle an
Pa eien gebunden wa en. Das wa dem in mona chische T adi ion
g oßgewo denen O izie und auch dem Solda en nu schwe e -
s ändlich. Dazu blieben die Männe , die als Poli ike die Geschicke
des Reiches bes imm en, dem Solda en emd, sie wa en Zi ilis en;
diese Zi ilis en ha en abe ebenso wenig Kon ak mi den Solda en
und o auch kein Ve s ändnis ü die Eigena seines Denkens und
seine S ellung. Beide leb en au e schiedenen Ebenen. Das zwei e
Momen de En emdung zwischen Solda en und Poli ike n wa en die
En wa nungsbes immungen des Ve saille Dik a s, die die Regie ung
du chzu üh en ha e, wobei sie nach Meinung de Solda en nu allzu
be ei willig au die Be ehle de Feinde einging. De ganze S aa end-
lich wa aus de Niede lage gebo en, e wa ein P oduk des Dolch-
s oßes, und in diesem S aa ühl en sich Solda en und O izie e nich
heimisch. Man a auch nich iel on Sei en de egie enden Pa eien,
um dem Solda en den neuen S aa nähe zu b ingen.
Dem O izie ehl e die inne e O ien ie ung, und e e miß e die
gesellscha liche S ellung, die e in de Mona chie gehab ha e. Je z
78 S. dazu Ka l Schwend, Baye n, Zwischen Mona chie und Dik a u , Mün-
chen 1954, S. 152 ., 200 . Wal e Gö li z, Hindenbu g, Bonn 1953, S. 396
und 404. Kun a F h . . Hamme s ein, Schleiche , Hamme s ein und
die Mach übe nahme, 33. F ank u e He e, 11. Jah g. 1956.
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737] Na ionale Idee und poli isches Ziel (III) 97
gehö e das O izie ko ps nich meh zu üh enden Schich ; es s and
ielmeh gesellscha lich meh ode wenige isolie . In den S äd en
begannen die K eise des Handels und de Indus ie das gesellscha -
liche Leben zu behe schen — ohne dami abe die üh ende Schich
zu we den. Diese K eise ha en sich du ch die wi scha liche En -
wicklung einen gewissen Wohls and wah en können, übe den das
O izie ko ps nich meh e üg e. Dami konn e es nu in besch änk-
em Um ang an den gesellscha lichen Ve ans al ungen de Indus ie-
und Handelsk eise eilnehmen. Au de ande en Sei e lehn e de
mona chisch einges ell e Adel seh o den Ve keh mi den Solda en
de Republik ab. Diese gesellscha liche Isolie ung mach e die Reichs-
weh in de Zei de Weima e Republik zu einem S aa im S aa .
Die abschließende Tendenz wu de noch du ch die Maßnahmen des
O ganisa o s des neuen Hee es, des Gene als on Seeck , ge ö de .
Seeck e lang e wohl om Hee e unbeding e T eue zu Ve assung.
E ließ auch da übe in Ansp achen an das O izie ko ps ga keinen
Zwei el, abe ande e sei s muß e e auch de Ve bi e ung de O i-
zie e und Solda en übe die Bes immungen des Ve saille Dik a es
Rechnung agen. Diese Empö ung eil e Seeck selbs in ollem Maße.
So ha e die Reichsweh wenig Ve s ändnis ü die E üllungspoli ik
de Regie ung. Das e kann e Seeck und ihm lag da an, das Hee aus
dem e de blichen Kamp de Pa eien he auszuhal en, denn diese
Kamp d eh e sich ja le z en Endes da um, was un e na ionale Poli ik
e s anden we den könn e und was nich . Aus diesem G unde hiel en
Seeck und seine Nach olge die T uppe on jede Tagespoli ik e n,
und dami ha e auch de junge O izie nu seh besch änk e Möglich-
kei en, sich übe wi scha liche, poli ische und gesellscha liche F a-
gen zu un e ich en. Das O izie ko ps wu de so zu einem nach außen
hin wei gehend homogenen Kö pe , abe es blieb ohne inne e Ve bin-
dung mi dem auße halb de Kase nenmaue n pulsie enden Leben.
Auße dem ieb die Hee eslei ung ih e gesonde e Poli ik, die
siche auch eine eale Beg ündung ha e, weil sie mi Konsequenz aus
dem e i o ialen und aus den En wa nungsbes immungen des Ve -
saille Dik a s he o ging. Die So ge des Che s de Hee eslei ung wa
die deu sche G enze gegen Polen. E be ü ch e e, daß polnische na io-
nalis ische K eise die mili ä ische Schwäche Deu schlands mi s ill-
schweigende Duldung F ank eichs ausnu zen könn en, um wei e es
deu sches Gebie an sich zu eißen. Aus diese Beso gnis hiel die
Hee eslei ung meh Wa en be ei , als es das F iedensdik a ges a e e..
Um sie den Blicken de mili ä ischen Kon ollkommissionen zu en -
ziehen, wu den sie meis au dem Lande bei den g oßen G undbesi ze n
des Os ens eingelage , die wiede um Gegne des neuen S aa es wa en.
Ebenso hiel aus den gleichen G ünden die Hee eslei ung enge Bezie-
Schmolle s Jah buch LXXVI, 6 7
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98 W. M. F h . , Bissing [738
hungen zu den mili an en und F on kämp e e bänden, weil sie
ho e, aus de en Reihen die T uppen eile de Reichsweh gegebenen-
alls mi kamp bewäh en O izie en und Mannscha en e s ä ken
zu können. Das e eg e bei de bekann en epublik eindlichen Hal ung
alle diese K eise das be ech ig e Miß auen de epublikanischen
Pa eien und de Regie ungen.
Abe auch in de Außenpoli ik ging die Hee eslei ung eigene Wege.
Da die Wes mäch e jede mili ä ischen Rüs ung Deu schlands eind
wa en, e such e Seeck mi s illschweigende Duldung de Reichs-
kabine e mi de damals poli isch noch isolie en Sowje union zu-
sammenzua bei en. Au diese Weise soll e einmal den Polen deu lich
gemach we den, daß sie im Falle eines Ang i s au deu sche Os ge-
bie e mi eine ussischen In e en ion zuguns en Deu schlands zu
echnen haben wü den. Zwei ens e gab sich du ch enges mili ä isches
Zusammengehen mi den Russen die Möglichkei , in dem iesigen, ü
die Wes mäch e nich einzusehenden ussischen Raum deu sche O i-
zie e und Mannscha en an den mode nen schlach enen scheidenden
Wa en auszubilden, die das Ve saille Dik a ü die Deu schen e -
bo en ha e.
So kam die Reichsweh in ein poli isches Zwielich . Sie wu de on
den poli isch linkss ehenden K eisen de Be ölke ung mi Miß auen
be ach e , und das Hee wiede um bekam kein ich iges Ve häl nis
zum S aa , dem es dienen und den es e eidigen soll e. De S aa
blieb ü das Hee die Summe de A ikel, die die Weima e Ve -
assung ausmach en, also eine abs ak e Ins i u ion des Rech s. Das
Hee abe sehn e sich nach einem pe sönlichen Band und Ge olg-
scha s e häl nis, wie es in de kaise lichen Zei o handen wa , und
wie es dem Wesen des Solda en lieg . Dieses pe sönliche Ge olgscha s-
e häl nis and es in de Hingabe an die s a ke und esselnde Pe sön-
lichkei Seeck s, dem es in Geho sam e geben wa . Abe bekam dadu ch
die Reichsweh nich doch den Cha ak e eine P ä o iane ga de, wenn
Seeck dem Reichsp äsiden en Ebe e klä en konn e: „Die Reichs-
weh geho ch mi !"?
Das wu de alle dings ande s, als Hindenbu g Reichsp äsiden
wu de. Übe die pe sönlichen Beziehungen de äl e en O izie e zum
ehemaligen Feldma schall und übe dessen Cha isma wu de eine ei-
lich doch im wesen lichen äuße liche, abe imme hin objek i e Ve -
bindung zum neuen S aa he ges ell . Die Reichsweh s and siche
unbeding hin e Hindenbu g und wa be ei , seine Be ehle ein ach
au g und seines Cha isma in unbeding em solda ischen Geho sam aus-
zu üh en. Es kam nu da au an, ob im gegebenen Fall un e an wo -
liche Pe sönlichkei en aus de Umgebung des Feldma schall-Reichs-
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739] Na ionale Idee und poli isches Ziel (III) 99
P äsiden en ode seine e an wo lichen poli ischen Be a e sein Oh
ha en.
Alle diese Momen e, die in e s e Linie aus de Exis enz des Ve -
saille Dik a es zu e klä en sind, zeigen abe auch deu lich, daß aus
dem Hee keine na ionale Idee en sp ingen konn e, weil diesem Hee
die inne e Ve bindung zum S aa ehl e. Das Hee s and nu in einem
pe sönlichen T eue e häl nis zu Seeck und dann zu Hindenbu g. Das
abe is ü eine Republik ein unhal ba e Zus and. Das Hee de
Republik kann, wenn es nich P ä o iane ga de sein soll, nu dann
eine S ü ze des S aa es sein, wenn es sich als Volls ecke in de na io-
nalen Idee sieh , in de en Diens es wi k und an die es glaub .
Ni gends so k ass wie hie i die Labili ä und das Un ollende sein
alle poli ischen und s aa lichen Ve häl nisse de Weima e Republik
zu age. Wenn man in den Jah en 1918—33 in den K eisen de de
Republik e gebenen Pa eien des Glaubens leb e, daß die gesch iebene
Ve assung als gese z es Rech schon die K a habe, die poli ische
und soziale Lage zu konsolidie en und im Volke dazu einen einhei -
lichen Willen he o zu u en, dann soll e man bald eines besse en
beleh we den. Die gesch iebene Ve assung e mag die na ionale
Idee nich zu e se zen.
Weil de Weima e Republik die na ionale Idee und dami die
Be u ung ehl e, wa sie eine Republik ohne Republikane . T o z des
e le z en mona chischen Ge ühls schwel e in den He zen alle Deu -
schen eben doch noch ein kleine mona chische Funke, de alle dings
nich s mi eine Anhänglichkei an den ehemaligen Kaise zu un
ha e. Man wa ihm bi e g am, weil e sein Volk in seine schwe -
s en S unde im S ich gelassen ha e. F ied ich S amp e mein noch im
Jah e 1947, daß o 1914 ü die Sache de Republik kein sozial-
demok a ische A bei e au die Ba ikade gegangen wä e79. In den
e s en Jah en nach dem S u z de Mona chie wa de A bei e des-
wegen Republikane , weil e nunmeh die olle poli ische und gesell-
scha liche Gleichbe ech igung besaß, die ihm die Mona chie lange
e weige ha e. Abe wi klich inne lich übe zeug e Republikane
wa en doch nu e häl nismäßig wenige A bei e . Die g oße Masse
ag e nu danach, un e welche S aa s o m ih besse e Lebens-
bedingungen gebo en we den könn en.
Die Republik wa eben eine No lösung gewesen, als sie Scheide-
mann im No embe 1918 aus ie , weil die Mona chen schlaga ig die
Th one ge äum ha en. Abe diese Republik wa nich e kämp
wo den, sie b ach e auch nich den Wohls and und die Zu iedenhei ,
79 F ied ich S amp e , Die e s en 14« Jah e de Deu schen Republik. O en-
bach 1947, S. 8.
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100 W. M. F h . V. Bissing [740
die man e ho ha e, sonde n sie wa du ch die Repa a ions e p lich-
ungen, die sie zu e üllen ha e, nich s ande es als de Bü el de
ehemaligen Feinde, on denen sie dann noch schlech behandel wu de.
Abe nachdem sie einmal da wa , wa sie imme noch besse als die
Dik a u des P ole a ia s nach ussischem Mus e . Endlich wa ja
auch kein poli isch agba e Th onanwä e ü den lee en Kaise -
h on un e den zahl eichen deu schen Fü s en o handen, hin e den
sich die Masse des deu schen Volkes ges ell hä e. So muß e die Re-
publik ein ach e hal en we den, ob sie dem Einzelnen sympa hisch
wa ode nich , wenn man nich im Chaos e sinken woll e. Fau e
de mieux on couchai a ec la épublique, und dami gab es in Deu sch-
land wohl Ve s andes-, abe keine He zens epublikane .
Ge ade ü eine Republik, de das äuße e sich ba e Zeichen de
Kon inui ä ehl , wie es die Mona chie in de K one ha , is abe
die na ionale Idee en scheidend ü den Bes and und den Zusammen-
hal des S aa es. Diese na ionale Idee kann jedoch nu in solchen
He zen en s ehen, die im S aa die ech liche O ganisa ion sehen, die
sich das Volk gegeben ha , um die Au gabe, die ihm ges ell is , zu
e üllen.
Zu de A mu des Geis es und de Seele, die in den Jah en nach
dem e s en Wel k ieg in Deu schland he sch e und die schon allein
de En s ehung eine na ionalen Idee hinde lich wa , gesell e sich noch
die wi scha liche No . Sie wa eine Folge des K ieges und wu de
e s ä k du ch die un agba en Repa a ions o de ungen des Ve -
saille Dik a s. Das en scheidende Momen wa die In la ion, die
s ändig sinkende Kau k a des Geldes.
Die In la ion is eine Geldschöp ung, die nich an den Bedü nissen
de Wi scha o ien ie is , sonde n am Finanzbeda des S aa es,
wodu ch de Zusammenhang zwischen Wa enmenge und zi kulie en-
de Geldmenge ze issen wi d. Da inanzielle Bed ängnis s e s eine
Beglei e scheinung des K ieges is , weil dann de S aa iel und
schnell Geld b auch , um dami K iegsma e ial zu kau en, das nich
in den Wa enumlau ein i , is auch die In la ion imme eine Be-
glei e scheinung des K ieges. Nach dem K ieg wu de die In la ion
o gese z , als die Repa a ionen gezahl we den muß en, und e s im
No embe 1923 gelang es, die Wäh ung zu s abilisie en, und je z a
kla zu age, wie a m das deu sche Volk gewo den wa .
Die In la ion ha e zunächs den Besi ze n on Sachwe en, die
P oduk ionsmi el wa en, einen gewissen Wohls and e hal en, weil
de We diese Sachwe e as en sp echend de Gelden we ung s ieg.
Solange die In la ion daue e, leb en deswegen Landwi e und In-
dus ielle in Wohls and. Geschädig wu den dagegen die Beziehe
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741] Na ionale Idee und poli isches Ziel (III) 101
de es en Einkommen, die Ren ie s und Beam en, dann auch die
A bei e , weil die Löhne langsame s iegen, als de Geldwe sank.
Dami wa abe einem e heblichen Teil de üh enden Schich die
wi scha liche G undlage ih e Exis enz und die Möglichkei , ih e
Kinde auszubilden, genommen. Ein g oße Teil de männlichen
jünge en Nachkommen diese Schich en abe s ell e aus diesem G unde
die Füh e und Mi gliede de mili an en Ve bände. Die mili an en
Ve bände bezogen wei gehend Un e s ü zung on de epublik eind-
lichen g oßen os deu schen Landwi scha und auch on de g oßen
Indus ie, die in ihnen O ganisa ionen sahen, mi denen man glaub e,
den um sich g ei enden Kommunismus bekämp en zu können. So
ugen In la ion und Ve saille Dik a zu eine Radikalisie ung de
jungen ehemaligen K iegs eilnehme bei. Nach Beendigung de In-
la ion un e lagen diese Radikalisie ung auch e hebliche Teile de
Baue n und de g oßen G undbesi ze o allem in den ma k e nen
Gebie en im Os en Deu schlands, weil ihnen die In la ion das lüssige
Be iebskapi al ge aub ha e, das dann nach de Wäh ungss abilisie-
ung du ch F emdkapi al zu seh hohen Zinsen e se z we den muß e.
Das üh e zu eine ge ah d ohenden Übe schuldung de Landwi -
scha , o allem de g oßen Gü e bei sinkenden P eisen ü Ag a -
p oduk e. In de A bei e scha ha en In la ion und S abilisie ung
eine Radikalisie ung nach links bewi k , weil wäh end de In la ion
o z s ändig s eigende Löhne und e g öße e Einkommen die
Lebenshal ung de A bei e sich nich heben konn e, so daß man da in
eine Bes ä igung de on Ma x au ges ell en Ve elendungs heo ie sah.
Als nach de Wäh ungss abilisie ung eine gegenübe de Vo k iegs-
zei e heblich g öße e Zusammenballung de indus iellen Ve mögen
in wenigen Händen sich he auss ell e, de au de ande en Sei e eine
ollkommene Ve a mung des Kleinbü ge ums gegenübe s and, nahm
die Radikalisie ung wei e zu; die A bei e wande en on de Sozial-
demok a ie zum Kommunismus, und die Kleinbü ge lie en aus den
Pa eien de Rech en und de Mi e den Na ionalsozialis en zu. Dem
Kleinbü ge um gelang es allmählich wiede , du ch eine s a ke Be-
sch änkung de Lebenshal ung sich bescheidene E spa nisse anzu-
sammeln. Als abe die g oße Wel wi scha sk ise mi den Zusammen-
b üchen de Banken auch Deu schland e g i en ha e, e hob sich eine
neue Welle de Radikalisie ung des Kleinbü ge ums, das die Schuld
an de K ise au die on de Reichs egie ung be iebene E üllungs-
poli ik schob, und das ü die Siche hei seine E spa nisse ü ch e e.
Die sich on Woche zu Woche s eige nde A bei slosigkei ieb neue
Scha en de A bei e in die A me de Kommunis en.
In diese Zei de Ve zwei lung a ein Mann imme meh in den
Vo de g und, de schon wäh end de Jah e de In la ion dem Ma xis-
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mus den Kamp angesag ha e, de zum Kamp gegen das Ve saille
Dik a als de Quelle allen Unglücks au ie , de die „No embe e -
b eche " besei igen woll e, die ih e Namen un e das Dokumen des
Elends gese z hä en, und de behaup e e, daß e die e ende Idee
habe. Nach de Idee sehn e sich die Jugend in ih en ielges al igen
G uppen, nach eine Idee hiel das Kleinbü ge um Ausschau, ja
allen ha e es an de neuen lei enden Idee ge ehl , gleich ob sie in
den Reihen de „na ionalen" Opposi ion ode in den Reihen de Re-
gie ungspa eien ges anden ha en. De Wunsch, den alle meh ode
wenige ausgesp ochen ha en, weil sie doch noch im ie s en He zen
Mona chis en wa en, schien sich eben alls zu e üllen: ein Mann, de
das Volk üh en woll e, wa da! E ha e es in ku ze Zei zu eine
gewal igen Ge olgscha geb ach , die hin e ihm s and. Vielleich wa
diese Mann dem deu schen Volk om Himmel geschenk . Man ha e
also in de Zei de g öß en No das ge unden, was man such e, den
g oßen Mann und die Idee.
Diese Adol Hi le wa im Wel k iege Ge ei e gewesen, wo e
als Ös e eiche im deu schen Hee gedien ha e. Sons ha e e keinen
Be u . E e üg e übe eine g oße Redne gabe, mi de e seine
Zuhö e in Bann zog, und e wa siche eine de g öß en Demagogen
des 20. Jah hunde s.
Die Idee, die e e künde e, wa ein k auses Gemisch alldeu sche
und an isemi ische Gedanken mi B ocken on Nie zsche, Schopen-
haue , H. S . Chambe lain und aus den Büche n des An h opologen
Gün he . E will den Ma xismus ze schme e n, eine Absich , die die
kleinen Bü ge und auch das indus ielle Besi zbü ge um au ho chen
ließ. E will eine Ve schmelzung on Na ionalismus und Sozialismus
he s ellen. Das klang e heißend in den Oh en de F on gene a ion,
die das E lebnis de K iegskame adscha hin e sich ha e, in de alle
Un e schiede de Klassen sich o dem Tode als sinnlos e wiesen ha en.
Im Mi elpunk de Idee, die Hi le e künde e, s and eine Rassen-
heo ie. Danach sind die A ie allein Kul u b inge , sie sind deswegen
die He en, wäh end die ande en Rassen nu Kul u äge sind, die das
au nehmen, was ihnen die A ie geb ach haben. Geschich e is also
nich , wie Ma x es leh e, eine Folge on Klassenkämp en, sonde n
ein Ringen zwischen Rasse und Rasse, zwischen Blu und Blu . Die
jüdische Rasse is die Gegen asse. Eine Ve mischung on A ie n und
Juden e nich e dahe den We de a ischen Rasse, die doch zum
He schen be u en is . Weil die A ie He en asse sind, en sp ich
ih em Wesen nich de au Massen geg ünde e S aa , in dem die Ma-
jo i ä en scheide . Die S aa s o m de A ie is ielmeh a is ok a-
isch, in ih soll die Pe sönlichkei zu Gel ung kommen. Deshalb nich
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743] Na ionale Idee und poli isches Ziel (III) 103
Massenp inzip, sonde n Füh e p inzip. De Füh e is begnade und
üh das aus, was das Volk ahnend will. Vom S andpunk de Rasse
aus is Sozialismus einmal Gemeinscha des Blu es, und dann is e
Siche ung, die die Gemeinscha i , um die Ausbeu ung des Ein-
zelnen ode ganze G uppen du ch ande e zu e hinde n. Sozialismus
is kein Sys em, sonde n eine Hal ung. So sind geschick Schlagwo e
zu einem locke en Zusammenhang zusammengewo en, die jedem e was
geben können, o allem abe abges ell sind au die Ve zwei lung des
Kleinbü ge ums, das o de kommenden He scha des Kommunis-
mus und ü seine E spa nisse zi e . Ihm wi d gesag , daß es zu
eine He en asse gehö , die zum He schen be u en sei. Das klang
wohl in den Oh en eine Schich , die sei Jah zehn en s ändig un e
sozialem Minde we igkei sge ühl geli en ha e. Auße dem zeig e
dem Kleinbü ge um und de Jugend auch den leich e kennba en
Schuldigen an alle No : den Juden, au den die Leidenscha en des
on eine Panik e g i enen Kleinbü ge ums und de en äusch en
Jugend gelenk we den.
Daß das Sammelsu ium on Gedanken, die Hi le in die Massen
wi , und das on ihnen begeis e au genommen wi d, keine na ionale
Idee is , is wohl einleuch end, wenn man sich das Wesen eine na io-
nalen Idee o Augen häl . Abe das ha man damals nich e kann ,
man wa wie hypno isie . Eigena ige weise un e zog man auch die
Pe son Hi le s selbs keine P ü ung. Man beme k nich , daß man
einen aus Ös e eich eingewande en Lumpenp ole a ie o sich ha ,
dessen Ve gangenhei in e heblichem Um ang im Dunkel lag. Ebenso
wenig un e zieh man die eine P ü ung, die um ihn sind. Sons hä e
man wohl beme k , daß es d ei G uppen sind, die sich scha onein-
ande abheben:
Es sind zue s die geschei e en Exis enzen wie Hi le selbs , also
Lumpenp ole a ie , die seine nächs e Umgebung bilden, und die die
Füh e schich de Pa ei da s ellen. Diese Schich wi d e s ä k du ch
die zwei e G uppe, die Landsknech s ypen aus den mili an en Ve -
bänden, die in den beiden P i a a meen Hil e s Un e kun ge unden
haben, und die in de Meh zahl eben alls Lumpenp ole a ie sind. End-
lich zeichne sich on diesen beiden G uppen kla die Masse de
k i iklosen Idealis en ab, die meis aus dem Kleinbü ge um s ammen,
die Meh zahl de Anhänge da s ellen, abe au die Füh ung de Pa ei
ohne Ein luß sind, doch on Hi le hypno isie , ihm blind olgen.
Teile des Besi zbü ge ums sehen in Hi le den Mi kämp e gegen die
Gewe kscha en, mi de en Ane kennung als gleichbe ech ig e Pa ne
einzelne Ve e e de g oßen Indus ie des Ruh gebie s sich noch
nich haben ab inden können. So ließen Hi le aus den K eisen de
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Ki do und Thyssen Mi el zu, die e b auch , um seine „Bewegung'4
zu o ganisie en und seine P opaganda un e die Massen zu we en.
Wi können uns die Schilde ung e spa en80, wie das deu sche Pa -
lamen sich selbs ausschal e e, weil de Zank de Pa eien die Obe -
hand übe die poli ischen No wendigkei en bekommen ha e. Die
au lösenden Tendenzen, die on de g oßen Wi scha sk isis aus-
gingen, e s ä k en die an sich schon o handene Ze spli e ung de
poli ischen K ä e. Hinzu kamen die In igen, die in den poli ischen
Klubs und in den Kon en ikeln ih en U sp ung ha en, die sich um
den Reichsp äsiden en gebilde ha en und im Dunkel de Nich e -
an wo lichkei wi k en. Au diese Weise kam es schließlich dazu,
daß de „böhmische Ge ei e" im G unde doch gegen den Willen des
geal e en und müde gewo denen Feldma schall-Reichsp äsiden en die
Mach des Reiches, äuße lich legal, in seine e de blichen Hände
nehmen konn e. Je z ha e die üh ende Schich ge ehl , die die
He scha zu übe nehmen be ei wa , und je z ha e die na ionale
Idee ge ehl , die den Maßs ab ü eine k i ische Beu eilung de Lage
und de Pe sonen hä e abgeben können.
So e iel das deu sche Volk, o allem das Kleinbü ge um, eine
Pseudoidee zum Op e , und so d ang das Lumpenp ole a ia am
30. Janua 1933 als üh ende Schich in den gesellscha lichen und po-
li ischen Raum ein, den das Besi zbü ge um lee gelassen ha e. Es
begann die g oße dance ma cab e, die wi mi Schaude n e leb und
aus Zwang und Un eihei mi ge anz haben bis zum bi e en Ende am
5. Mai 1945.
C.
Die F age nach de deu schen na ionalen Idee is , wie wi gesehen
haben, keine müßige F age. Wi haben e such , eine An wo da au
zu geben, wa um es un e den g oßen Völke n dem deu schen Volk
bishe nich gelungen is , eine na ionale Idee zu en wickeln, und wi
haben die Folgen dieses Fehlens au gezeig .
Eine na ionale Idee konn e sich in den Jah zehn en nach den Be-
eiungsk iegen nich bilden, weil einmal die zahl eichen selbs ändigen
und sou e änen g oßen und kleinen S aa en, die den Deu schen Bund
bilde en, glaub en, eine eigene Poli ik eiben zu können, so daß de
na ionale Einhei ss aa nich Zus andekommen konn e. Dann wa die
80 S. dazu Wal e Gö li z, Hindenbu g, Bonn 1953. Theodo Eschenbu g,
Ku ze Geschich e de Weima e Republik; Deu sche Rundschau 80. Jah g. 1954.
D. G oene -Geye , Gene al G oene , F ank u 1955. Wal e C o n z e , Die
K ise des Pa lamen a ismus on 1920/30 in His . Zei sch . Bd. 178, 1954, S. 47 .
De selbe, Zum S u z B ünings in Vie eljah esh. zu Zei geschich e 1. Jah g. 1953.
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