Winkle , Wilhelm
A icle
Die Abg enzung de Demome ie
Zei sch i ü Wi scha s- und Sozialwissenscha en (ZWS) - Vie eljah essch i de
Gesellscha ü Wi scha s- und Sozialwissenscha en, Ve ein ü Socialpoli ik
P o ided in Coope a ion wi h:
Duncke & Humblo , Be lin
Sugges ed Ci a ion: Winkle , Wilhelm (1972) : Die Abg enzung de Demome ie, Zei sch i ü
Wi scha s- und Sozialwissenscha en (ZWS) - Vie eljah essch i de Gesellscha ü Wi scha s-
und Sozialwissenscha en, Ve ein ü Socialpoli ik, ISSN 0342-1783, Duncke & Humblo , Be lin, Vol.
92, Iss. 3, pp. 335-338,
h ps://doi.o g/10.3790/schm.92.3.335
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h ps://hdl.handle.ne /10419/291277
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Be ich e
Die Abg enzung de Demome ie
1. Die Demome ie1, dieses junge Gebie geo dne en menschlichen
Wissens, eil mi ih em S ammgebie , de Demog aphie, die Schwie-
igkei en eine G enzziehung in eine Wel al eingesessene Fäche .
Wi sehen uns dahe zunächs o die Au gabe ges ell , die G enzen
de Demog aphie nach außen hin zu bes immen. Dann e heb sich die
F age, die S ellung de Demome ie im Rahmen de Demog aphie zu
e mi eln, also die G enzziehung zwischen de Demog aphie als S o -
gebie und de Demog aphie als Ve ah ensleh e o zunehmen. Dabei
eil sich de Weg de Ve ah ensleh e nach den e wende en Ve -
ah ensmi eln in die wo beg i liche (wo logische) und die ma he-
ma ische (zahlenlogische) Ve ah ensleh e. Diese is die Demome ie.
2. Zu diesen F agen habe ich be ei s zweimal on e schiedenen
Ausgangspunk en meine Ansich niede geleg .
Einmal, um die allgemeine No wendigkei , in unse em Leben O d-
nung zu hal en, auch ü die Wissenscha zu beg ünden, d.h. zwecks
E assung de seh e wickel en E scheinungen de Außenwel , be-
sonde s auch de menschlichen Gesellscha , kla e Beg i e und kla e
Wissensgebie e zu scha en2; dann, um die S ellung de „Demog aphie"
und mi ih de „Demome ie" im Rahmen de Gesellscha swissen-
scha en zu bes immen3.
Da diese F agen imme wiede ges ell we den, zule z auch in
diese Zei sch i 4, de Lese k eis jene beiden Mi eilungsblä e abe
ih e Na u nach beg enz is , sei es mi e laub , au diesen Gegen-
s and hie ku z zu ückzukommen.
3. Wie im Rahmen de S aa en, so auch im Be eiche de Gedanken
und de en höchs e Äuße ung, den Wissenscha en, muß O dnung
he schen, wenn nich Ana chie, das bedeu e in de Wissenscha übles
Dile an en um, sich b ei machen soll.
1 Vgl. dazu Wilhelm Winkle : Demome ie. Be lin 1969. S. 15 .
2 Wilhelm Winkle : Können Da enbanken die gesellscha ss a is ische Sys ema ik
au heben? Mi eilungsbla de ös e . Gesellsch. . S a is ik und In o ma ik, Jg.
1971, H. 2, S. 29 .
3 Wilhelm Winkle : Zum Beg i de Demome ie. Mi eilungen de Deu schen
Gesellscha ü Be ölke ungswissenscha , Jg. 1971, H. 1, S. 11 .
4
Besp echung meine „Demome ie" on Ka l Ma in Bol e (Schm. Jb., 91. Jg.
[1971], S. 465 .).
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Bei einem e häl nismäßig neuen Wissensgebie wie de Demo-
g aphie ha de Ve asse im Hinblick au die bishe ige g oße Ve -
nachlässigung dieses Faches im Fo schungs- und Leh be ieb sich nich ,
wie ande e Ve asse , du ch die bei Volkszählungen an allenden An-
eiche ungen unse es Wissens wi scha liche , kul u elle und ande e
A e üh en lassen, die G enzen de Demog aphie so wei wie möglich
zu ziehen, sonde n den Behandlungss o au die a eigenen Gegen-
s ände des Be ölke ungslebens besch änk : Zahl und na ü liche Au -
gliede ungen de Be ölke ung und die sie bewi kenden Ände ungs-
e eignisse, Gebu en, S e be älle und Wande ungen, sowie die au
diese wi kenden Ein lüsse zunächs aus dem Be ölke ungsbe eich,
dann abe auch aus außens ehenden Lebensgebie en5. Es be uh dahe
au einem schwe e s ändlichen I um, wenn ein K i ike mein e,
diese Abs eckung meines Be ach ungsbe eiches sei „ein Ve such, eine
Wissenscha s eng gegen ande e Disziplinen abzug enzen". Einige
Beispiele aus meine „Demome ie" mögen das beleuch en:
Man lese die Kapi el „Demome ie und Wande ungs heo ie", S. 230,
„Übe ölke ung, Un e ölke ung", S. 240 ., „Beg i und E assung
des Al e s", S. 63 . und 280 ., „Die wi scha lich o ien ie e Al e s-
g uppenbildung", S. 279, 286 ., „Die Übe al e ung", S.289 ., „Die
Be ölke ungs e olu ion", S. 306 ., „Die Be ölke ungsexplosion",
S. 313 . Do übe all we den auße demog aphischen Ein lüssen au
das Be ölke ungsleben wi scha liche, physiologische, psychologische
be ach e .
Daß im Rahmen meine „Demome ie" nich umgekeh demog a-
phische Ein lüsse au Außenbe eiche, wie e wa Ein luß on Al e s-
au bau ode Wande ungen au E zeugung und Ve b auch wi scha -
liche Gü e be ücksich ig we den, heiß nich , daß sie nich un e -
such we den sollen, sonde n, daß das au dem Boden de jenigen
Wissenscha en geschehen soll, denen jene Ein lüsse gel en, daß also
solche Zusammenhänge nu on ü jene Be eiche zus ändigen Pe -
sonen, sons nu in Gemeinscha sa bei mi Ve e e n jene Be eiche
un e such we den sollen. Die on mi ü die Demog aphie eingehal-
enen G enzen sind also kein P ok us esbe , das die Fo schungsa bei
de Wissenscha beschneiden könn e, nu eine Mahnung, daß sich in
de Wissenscha nich Dile an en um b ei machen solle.
Die Besch änkung des S o gebie es de Demog aphie au die eigen -
lichen Be ölke ungs a sachen wi d auch du ch einen Blick au das
nah e wand e Gebie de Be ölke ungspoli ik un e s ü z . Wem wü de
es ein allen, Bildungspoli ik, Be u spoli ik usw. in den Be eich de
Be ölke ungspoli ik einzubeziehen?
5 Hic Rhodus, hic sal a e! Winkle : Demome ie, a.a.O., S. 26.
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4. Wie ü jeden Ve such, unse e Umwel gedanklich zu e assen,
gil auch ü die Be ölke ungsbe ach ung die Kan sdie E kenn nis:
„E ah ung ohne Beg i e is blind, Beg i e ohne E ah ung sind
lee ." Diese Sa z en häl mi elba die Fo de ung nach eine engen
Zusammena bei on Beg i und E ah ung, on Fo menleh e und
S o leh e.
Fü unse en Fall heiß das, daß eine Fo menleh e wohl ih e olle
Be ech igung als selbs ändiges Wissensgebie ha — die ganze heu ige
s a is ische Theo ie wi d als Fo menleh e e s anden —, daß es abe
ebenso ü die Fo menleh e no wendig is , diese Fo men aus dem
zugehö igen S o e wachsen zu lassen, wie ü die S o leh e, die
Fo men, in denen de S o da gebo en wi d, mi zu be ücksich igen.
Nun eil sich in allen E ah ungswissenscha en die Ve ah ens-
leh e in einen beg i lichen (logischen) und einen ma hema ischen Teil.
Au dem Boden de Gesellscha swissenscha en is die Beg i sei e
auch de Demog aphie on Geo g on May und seine Schule zu
hohe Vollkommenhei en wickel wo den. Dabei wu den auch leich-
es e Fo men de ma hema ischen Ve ah ensleh e mi einbezogen. So
wa de Boden o be ei e , au dem die ma hema ische Sei e de Ve -
ah ensleh e e wachsen konn e.
Hie mag einge üg we den, daß in de sei meine Jugend e gan-
genen Zei auch die E assungs- und Au be ei ungs echnik de Be öl-
ke ungen (und ande e Gesam hei en) gewal ige Fo sch i e gemach
ha , so daß de eins on nich ma hema ische Sei e o gehö e Vo -
wu gegen die Ve wendnung ma hema ische Denk o men, „man
schieße mi Kanonen au Spa zen", beinahe e s umm is . Wenn man
ihn doch zu hö en bekomm , kling e wie das au ge au e Lied aus
Münchhausens Pos ho n.
5. Gegens and de Be ölke ungsbe ach ung sind Gesam hei en on
e häl nismäßig gleicha igen Einhei en, Kollek i e; es gel en also
auch hie die on de Wissenscha ü Kollek i e ge undenen Be-
handlungs egeln.
Wi dü en den Beginn eine geschlossenen Fo malleh e wohl mi
dem E scheinen on Fechne s Kollek i maßleh e annehmen6.
Hie se z e eine En wicklung in doppel e Rich ung ein: in Rich ung
eine Fo m-Maßleh e, bes eb , einzelne Fo mgebie e de Kollek i -
be ach ung nähe he auszua bei en, wie Zizeks „S a is ische Mi el-
we e", des Ve asse s „S a is ische Ve häl niszahlen", Tschup ows
„P obleme de Ko ela ions echnung" usw., ode in Rich ung eine
S o -Maßleh e, bemüh um die He ausa bei ung de dem S o gebie
angepaß en Maße. Beispiele da ü sind: die An h opome ie (Men-
0 Theodo Fechne : Kollek i maßleh e. Leipzig 1897.
22 Zei sch i ü Wi s&a s- und Sozialwissenscha eii 92,3
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schenmaßleh e), Biome ie (Lebensmaßleh e), Psychome ie (Seelen-
maßleh e), Ökonome ie (Wi scha smaßleh e) und nun auch die
Demome ie (Be ölke ungsmaßleh e), E gebnisse eines alle E ah-
ungswissenscha en e assenden Siegeszuges des exak en ma hema-
ischen Denkens.
Die Demome ie, Be ölke ungsmaßleh e, ha e na ü lich nich alle
hie da zus ellenden Maße neu zu scha en. Einschlägige Bei äge zu
ih wa en, ungeo dne und unsys ema isch, nach S o und We seh
e schieden, auch an den e schiedens en, zum Teil schwe e eich-
ba en S ellen e ö en lich wo den. Diese wei e s eu en Bei äge
ha de Ve asse gesammel , k i isch gesich e , mi zahl eichen eigenen
Bei ägen be eiche und in ein geschlossenes Sys em, die Demome ie,
geb ach .
Die „Fo men" unse e Demome ie begnügen sich abe nich dami ,
die be ach e en E scheinungen exak da zus ellen und zu messen; sie
haben auch die Eignung, dem Lese die on ihnen da ges ell en
S o e gedanklich nähe zub ingen, ja, ganz neue S o gebie e zu scha -
en. Ich e weise hie als Beispiel au das Fo sch ei en de Fo m
de F uch ba kei se assung on de Gebu enzi e zu F uch ba -
kei szi e , zu den F uch ba kei s a eln, zu Längsschni be ach ung
de F uch ba kei , zu den Rep oduk ionszi e n usw. Ganz ähnlich ha
die E assung de S e blichkei in imme o sch ei enden Ve eine-
ungen neue Beg i e und E kenn nisse geb ach , zum Beispiel die
S e be a eln mi den Al e s-S e bewah scheinlichkei en ode de e -
wa ungsmäßigen Lebensdaue , die Analyse de Übe al e ung de Be-
ölke ung mi Ko ek u des äuße en Bildes und seine Deu ung.
Einen Höhepunk e eich die E kenn niswel de Fo menleh e in den
Be ölke ungsmodellen, in denen de Demome e aus gemach en, wi k-
lichkei snahen Annahmen wi klichkei snahe Be ölke ungen e scha ,
an denen e das Wi ken des inne en T iebwe kes des Be ölke ungs-
lebens, dessen inne e Zusammenhänge, wie Ein lüsse de Be ölke ungs-
o gänge au den Al e sau bau und des Al e sau baus au die Be öl-
ke ungs o gänge, unge üb du ch S ö ungen ande e A be ach en
kann.
Die Fo men de Demome ie sind also nich nu zu eine „s e s nu
dienenden Rolle" e u eil , wie eine den We de Demome ie nich
oll e assende K i ik behaup e ha , sonde n sie leuch en in den on
ihnen da ges ell en S o ie hinein.
Mögen diese Zeilen dazu bei agen, die Demome ie den Demo-
g aphen so nahe zu b ingen, wie dies in ande en S o -Maßleh en schon
längs de Fall is .
Wilhelm Winkle , Wien
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