Wiese, Leopold on
A icle
Soziale Liebe im Ve gleich zu ande en Maximen des
zwischenmenschlichen Lebens
Schmolle s Jah buch ü Gese zgebung, Ve wal ung und Volkswi scha
P o ided in Coope a ion wi h:
Duncke & Humblo , Be lin
Sugges ed Ci a ion: Wiese, Leopold on (1966) : Soziale Liebe im Ve gleich zu ande en Maximen
des zwischenmenschlichen Lebens, Schmolle s Jah buch ü Gese zgebung, Ve wal ung und
Volkswi scha , ISSN 1619-6244, Duncke & Humblo , Be lin, Vol. 86, Iss. 6, pp. 655-663,
h ps://doi.o g/10.3790/schm.86.6.655
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Soziale Liebe im Ve gleich zu ande en Maximen
des zwischenmenschlichen Lebens
Von Leopold on Wiese, Köln
I. Einlei ung
Im Bes eben, das Dasein de nach uns kommenden Menschen ha -
monische zu ges al en, als es uns heu e e gönn is , such de seine
Ve an wo ung bewuß e E hike und Soziologe nach einem P inzip,
in dem die G undzüge des Sys ems seine Fo de ungen zusammen-
ge aß we den können. Ich bin sei Jah en bes eb , diese p imä e
Maxime in den Wo en „soziale Liebe" zu o mulie en. Bei diesen
beiden Wo en is man leich geneig , an eine dem All ag nahe-
s ehende, jede mann heo e isch — wenn auch nich p ak isch —
ech geläu ige Wel anschauung zu denken. Indessen zeig sich bei
eine Ve ie ung in ih en Sinn, welch eine P oblem ülle hin e diesem
„populä en" Ausd uck e bo gen is .
In de Sch i „De Mi mensch und de Gegenmenisch im sozialen
Leben de nächs en Zukun "1 habe ich deshalb ein besonde es Ka-
pi el (Kap. XIV) de In e p e a ion des Beg i s „soziale Liebe" ge-
widme 2. Doch schein es mi no wendig, die Wesenszüge de sozialen
Liebe nich nu selbs ändig und isolie zu zeigen, sonde n sie auch
ähnlichen Maximen, die in de Gegenwa on Ein luß au die Mei-
nungsbildung sind, gegenübe zus ellen und au ih en Wah hei sgehal
du ch einen Ve gleich mi de hie e e enen Au assung zu p ü en.
Dem Lese wi d die F age nahege ück : Welche Gesinnung soll ich
den Vo zug geben?
Das P inzip „soziale Liebe" kann l-eich- miß e s anden we den,
weil in dem Wo e Liebe iele A - und G adun e schiede e knüp
sind. O is dami eine seelische K a de Hingabe gemein , die die
E o de nisse und Möglichkei en des All ags übe s eig . Abe du ch
die Bei ügung des Eigenscha swo es „sozial" is eine Abschwächung
de Innigkei gemein , die sons dem Wo e Liebe en sp ich . Ich
1
Leopold on Wiese: De Mi mensch und de Gegenmensch im sozialen Leben
de nächs en Zukun . Köln 1966.
2 Mi ihm wiede hole ich hie nu in andeu ende Kü ze das Haup sächliche; ich
muß abe zu ölligen Klä ung au die do igen Aus üh ungen e weisen.
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sag e da übe : „Soziale Liebe is ei on Schwä me ei, Übe schwang
und Mys ik. Sie is gekennzeichne du ch ih « Un e o dnung un e
die Gebo e des Ve s andes, des p ak isch E eichba en und de Ab-
hängigkei on Zei und Raum. Gewiß soll sie nich kal e Be echnung
und bloße Nu zene wägung sein; sie soll uns ielmeh on de selbs -
süch igen Kalkula ion be eien. . . Sie muß das solide Fundamen
ü das sons so schwe aßba e Gebäude de Menschhei sein8.44 Diese
Ausdehnung des Beg i s als eines au das Allgemein-Menschliche,
schlech weg Uni e sal-Humane ge ich e en P inzips kann auch de
Wo geb auch des Wo es Liebe inso e n en gegens ehen, als es sich
zumeis au e was Pe sönliches, zumal au das Paa e häl nis bezieh
und ü die Zusammenhänge in g oßen sozialen Gebilden, besonde s
in s aa lichen O ganisa ionen nich ech geeigne e schein . Doch ein
Haup anliegen de olgenden Be ach ungen is ge ade die E s ek-
kung de sozialen Liebe au die Gesam ge&ellscha ; da in lieg die
P oblema ik und Schwie igkei unse e Au gabe, die abe deshalb
eine sachlich-nüch e ne Behandlung e o de .
II. De Nu zen
Zu den Maximen, on de en Gel ung sich manche einen g öße en
posi i en E olg als on soziale Liebe e sp echen, gehö au G und
de E ah ungen, die man im äglichen Leben mach , de Nu zen.
Audi die Philosophie is an diesem G undsa ze nich o übe gegangen
und ha uns in den le z en hunde Jah en die Sys eme des U ili a-
ismus und des P agma ismus besche . Dabei wollen die P agma ike
gewiß nich den ücksich slosen, indi iduellen Egoismus e he lichen,
sonde n ihm du ch E s eckung au die Sphä e des allgemeinen (kol-
lek i en) Nu zens eine höhe e Weihe e leihen. Abe Menschenkenne
beleh en uns, daß, psychologisch be ach e , de Allgemein-Nu zen nu
eine Un e a des indi iduellen Nu zens is . Das S eben nach uni e -
salem Nu zen en s ehe aus de E kenn nis des pe sönlichen Vo eils.
Es o enba sich dem klugen ode schlauen Menschen aus seine
Lebense ah ung, daß ohne Be ücksich igung des G üppenin e esses
auch de pe sönliche Nu zen au die Daue nich gewah we den
könne. De Mensch sei s e s e üll om Ve langen, sein eigenes Wohl
zu wah en; le z lich aus diesem S eben nach Behaup ung des Selbs -
in e esses e klä e sich auch die So ge um das Gemeinwohl. Aus Egois-
mus lei e sich psychologisch auch die P lege des Gemeinwohls ab.
Man be üge sich und die Umwel , wenn man die So ge «um das Wohl
8 >. Wiese: a.a.O. S. 60 .
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Soziale Liebe 657
ande e Menschen nich aus Selbs such ablei e. We wi klich Gu es
ü die Mi menschen wolle, könne nu du ch En achung des Nu zens
ü sich selbs und dadu ch ü ande e p ak isch wi klich B auchba es
leis en. Rich ig sei, eine ech e soziale O dnung zu scha en. Aus ih
e gebe aich das Gemeinwohl. Man s elle seine A bei s- und Geis esk a
in den Diens diese Au gaben und lei e diese A nüch e ne und
eh liche P lich e üllung nich aus Ge ühlen eines angeblichen
Al uismus he . Das Nü zliche sei das allen Menschen dienliche Mi el.
We hel en wolle, appellie e nich an Emp indungen, die de P lege
des Ich wide sp echen.
Abe ge ade in diesem angeblich eh lichen Bekenn nis zum P inzip
des Nu zens uind nich zu sozialen Liebe lieg de I um. Es gib
kein Gemeinwohl, das nu aus dem Ve langen nach eigenen Vo eilen
en sp ing . Ich sag e dazu4: „We den Nu zen höhe s ell als die so-
ziale Liebe, wi d schließlich e kennen müs&en, daß e in die I e ge-
gangen is ; e mag eine Zei lang E olge zu buchen haben und mi
Hohn es s ellen, daß seine Pa ne die Op e ih e Gu willigkei
sind." Sobald sich he auss ell , daß das einsei ige S eben nach E -
langung eigene Vo eile jemandem Gewinne einb ing , wi d in die-
sem Menschen de Gegenmensch geweck ; je z such e au Kos en
de Lebensge äh en imme meh Vo eile ü sich allein zu ziehen
— eis sei denn, die soziale Liebe leh e ihn, daß e schließlich imme
meh e einsam und sich seine äuße en Gewinne in Ve lus e an
inne en We en wandeln. Dabei lasse ich ganz auße Be ach , daß
auch e wa die Meh ung des Einkommens, die E höhung be u liche
Posi ionen und Ve meh ung de Be ehlsgewal schließlich ech o
schwinde .
Dami soll nich ein maß olles S eben nach Nu zen abgelehn und
eine nachlässige Lebens üh ung gep iesen we den; abe dieses S eben
muß on de sozialen Liebe gelei e we den, so daß man nich den
eigenen Nu zen du ch die Nö e de Mi menschen e kau . Die so-
ziale Liebe e lang nich , die sinn ollen Ansp üche des Ich zu e -
nachlässigen, abe ih e Lei ung und Beg enzung du ch die Mi mensch-
lichkei . De Nu zen da nich obe s e Maxime de Lebens üh ung
sein.
III. Die Hingabe an den Fo sch i
Eine ande e häu ige Maxime an S elle de sozialen Liebe is das
Ve auen in eine s ändige En wicklung zum Vollkommne en. Es be-
s eh die Übe zeugung, daß sich das zwischenmenschliche Ve häl nis
4 . Wiese: a.a.O. S. 64.
42 Schmolle s Jah buch 86,0
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allmählich ode plö zlich in einen beglückende en Zus and wandel
und wi aus de Hingabe an die Idee des Fo sch i s hin eichende
Lebensk a schöp en können. Man e wa e , daß sich die Menschen
im Lau e de Zei e ollkommnen und daß das Neue, das uns die
Zukun b ing , uns be eiche .
Dazu müssen wi uns zunächs e gegenwä igen, wie sich in de
Regel dieses Neue zum Übe kommenen, zu T adi ion e häl . In
eine kleinen Sch i 5 habe ich als G und egel ii den Ablau de
Zei die These e e en: „Es gib nich s öllig Neues, und es gib
keine öllige E hal ung des Ve gangenen; sonde n das Neue i
zum Al en hinzu, e ände es, komplizie es in manche Rich ung,
e ein ach es abe in ande e . Das Neue is das umges al e e Al e."
Es schein mi nich nö ig zu sein es zus ellen, ob im ypischen
Dasein de Menschen de Wechsel ode die Beha ung übe wieg . In
gewissem Be ach bleib die Menschenna u im wesen lichen gleich.
Die sie behe schenden T iebe und Bedü nisse beein lussen die
Handlungen de Menschen s a k. Diese sind eine sei s auch on den
geis igen K ä en de Ichhei en abhängig, nich minde abe on den
wechselnden Bedingungen des Auße -lch de Umgebung. Man kann
bei de Da s ellung dieses Zwiespal es, je nach de ges ell en Au gabe,
die Ve gänglichkei de K ea u he o heben ode abe den bes än-
digen geschich lichen Wandel de E eignisse und E lebnisse in den
Vo de g und s ellen. Bei de F age nach dem Ein lüsse de Zei au
das si liche Ve hal en de Menschen is es e ne on Bedeu ung, ob
nich in de Zukun ein e hische Wandel zu e wa en is , de unse e
Nach ah en o neue P obleme s ell und dazu üh , daß das Ve -
gangene e ges&en wi d.
Bei de He o hebung des zu e wa enden Neuen lassen sich Pessi-
mis en und Op imis en un e scheiden. Von jenen, die Un e gang und
Ve de ben p ophezeien, soll hie nich gesp ochen we den, sonde n
on den um wissenscha liche Fo schung bemüh en En wicklungs-
heo e ike n, de en Blick ho nungs oll au zukün igen Wandel ge-
ich e is . Mi schein es a sam, als mode nes Beispiel ü eine solche
op imis ische Au assung au Julian Huxleys „Essays o a Humanis "
hinzuweisen6.
5 Vgl. Leopold . Wiese: Wandel und Bes ändigkei . Be lin 1964. S. 25.
6 Ich age, wie sich meine Sch i „Wandel und Bes ändigkei 44 zu Huxley» Buch
e häl , das in de deu schen Übe se zung e schienen is . (Julian Huxley: Ich sehe
den kün igen Menschen, Na u und neue Humanismus. München 1965.) Als ich
meine A bei 1964 e ö en lich e, kann e ich das We k noch nich . Ich hä e
mich sons ge n mi ihm be aß . Hie sei e me k , daß es zwei ausgezeichne e
Kapi el „Psychische S o wechsel" und übe den „humanis ischen Rahmen44 en -
häl . Leide sind diese we ollen Essays in einem Bande mi Au sä zen e -
bunden, die an Ideengehal hin e dem e s en Teil des Buches zu ücks ehen (ab
S. 150). S ö end is die Übe se zung des zu ückhal enden englischen Ti els „Essays
o a Humanis 44 in die eiße ische Übe sch i „Ich sehe den kün igen Menschen44.
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Soziale Liebe 659
Hie is wesen lich, daß on Huxley .die Idee de E olu ion als
(wie e sag ) neue humanis ische Religion gegeben wi d. Ich age:
Wie e häl sich das P inzip de sozialen Liebe zu diesem si lichen
Pos ula e de En wicklung?
Is Huxleys P inzip wi klich ein — sagen wi — s a „ eligiöses"
ein „e hisches" P inzip? Is es nich , wie e es uns da bie e , meh
eine allgemein geis ige Weisung, nich zule z in wissenscha liche
Beziehung? Obenan s eh ihm idie E kenn nis, wäh end mi bei de
sozialen Liebe meh um das Ve häl nis on Menschen zu Menschen
zu un is , mögen sie nach Wissensmeh ung s eben ode nich . Vo
mi s eh die schwe wiegende F age: Was is d ingende : Wissens-
meh ung ode Ca i as? Beiden Bes ebungen laue n Ge ah en: To -
hei und Unwissenhei können im Sozialen g oßen Schaden an ich en,
abe kal e Hä e und Gleichgül igkei gegen die Mi menschen ge ade
bei klugen und kenn nis eichen Pe sonen nich minde .
Zwischen den beiden P inzipien bes eh abe ein ie e Zusammen-
hang. Obwohl Huxley s a ken Nachd uck au einen Humanismus leg ,
de on geis ig hochs ehenden Einzelmenschen e kö pe wi d, so
ehl es auch bei ihm keineswegs an in ensi e Bezugnahme au das,
was e (e was ums ändlich) „psycho-me abolische O ganisa ion" nenn 7.
Huxley, de als E olu ionis Da wins Spu en olg und s e s den
sch i weisen Fo sch i de K ea u im Auge ha , be on , daß in den
le z en S adien de En wicklung de Psychome abolismus „an Wi k-
samkei gewinn und den allgemeinen physiologischen S o wechsel
e gänz "8. Die biologische E olu ion inde ih e le z e Ve ollkomm-
nung in dem Ziele de „Beilegung alle A en on Kon lik en und
geis igen Spannungen"9.
Dami is ein Ziel au ges ell , das dem de sozialen Liebe en sp ich ;
nu wü de ich nich bloß on geis igen Spannungen, sonde n allge-
mein on Ve hal ensweisen jede A sp echen. Auch is bei de
He o keh ung de sozialen Liebe nich an ein e nes Ziel gedach ,
sonde n an die nahe Zukun . Bei de Gegenübe s ellung on Ca i as10
und E olu ion is zu beach en, daß ein nich bloß o übe gehende
Fo sch i on einem Be eiche au ande e übe g ei , also Wachs um
an E kenn nis die soziale Liebe an eg und diese zu g oße Weishei
üh . Auch die allgemeine biologische En wicklung beein luß das
Zusammenleben in zwischenmenschlichen Gebilden. Ohne iedlicheis
7 Das g iechische Wo Me abole bedeu e nich bloß Wandlung, sonde n (wie
mi Hell ied Dahlmann bes ä ig ha ) auch gegensei ige Einwi kung, zwischen-
menschliche Ve bindung, enge Zusammenhang.
8 Huxley: a.a.O. S. 51.
• Huxley: a.a.O. S. 65.
10 Das Wo Ca i as is hie abwechselnd mi soziale Liebe geb auch , abe in
einem wei e en Sinne e s anden, de nich bloß Wohl ä igkei be i .
42 •
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660 Leopold on Wiese
und ha monisches soziales Leben wi d auch die physische Bescha en-
hei gehemm «
Blicken wi e gleichend au die gegenwä igen Tendenzen, die do
die na u wissenscha lichen und echnischen Be eiche, hie die si -
lich-humani ä en Zusammenhänge behe schen, so s ehen wi o g o-
ßen Fo sch i en au jenem Gebie e und e wa en wi neue Übe -
aschungen de Ve ollkommnung, die sich du ch eine e häl nismäßig
einhei liche Zielse zung cha ak e isie en, wäh end es au dem Gebie e
des sozialen Ve hal ens und de geis eswissenscha lichen E kenn nis
zwa nich an Fo sch i en geb ich , abe eine e wi ende Viel al
de Bes ebungen und ein e hebliche Gegensa z in dem bes eh , was
man unaus eichend Wel anschauung nenn .
Besonde s die Poli ik e mag in Zielse zung und p ak ische Ge-
s al ung nich dem Ve gleiche mi de Technik s andzuhal en.
In Hinsich au die me aphysischen, besonde s die eligiösen Ele-
men e s ehen wi einem Gegensa z gegenübe , de on kindlich abe -
gläubigem Fühlen bis zum absolu en A heismus eich . Das Ziel
Huxleys eines alle um assenden „Psychome abolismus" lieg noch in
wei e Fe ne.
Doch wi wollen om E olu ionismus zu diesem zule z be üh en
F agenkomplex au me aphysischem Gebie e wei e sch ei en und a-
gen, wie sich das P inzip de sozialen Liebe zu Me aphysik e häl .
Ge ade hie bes eh die So ge, daß sich in de Wel de<s Religiösen
neue Gegensä ze au ü men können. Neue e hische P inzipien, die
mi einsei ige Zuspi zung au ges ell we den, e meh en die Kon-
lik e zwischen den Menscheng uppen, s a sie zu e minde n. Zumal
wenn neue „Du-solls -Fo de ungen" Jah ausende al en Gebo en en -
gegenges ell we den, wi d die geis ig-seelische Wel noch meh ge-
spal en.
Abe die Fo de ung de sozialen Liebe en häl keine Aussage om
Übe na ü lichen, Nich wah nehmba en. Wede neig sie zu Go es-
leugnung noch zu dogma ischen Behaup ungen übe eine jensei ige
Wel . Sie bekenn sich in de Me aphysik zu einem Igno o. Sie e -
mag übe die 'Geheimnisse de U g ünde des Seins und Nich -Seins
auszusagen, s eb abe mi En schiedenhei nach eine Gesinnung,
de en Ziel die Uni e sali ä de Menschenliebe is — nich auis de
pe sönlich-indi iduellen, sonde n auch im Be eiche des kollek i en Zu-
sammenhangs alle Völke , S aa en und Quasi-S aa en. Ebenso wie
au außenpoli ischen so au inne ölklichen Gebie en such sie Ha -
monie.
Mi diese He o hebung des i dischen Be eichs is keine Abischwä-
chung de me aphysisch beg ünde en Religiosi ä e knüp .
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Soziale Liebe 661
IV. Indi idualismus und Kollek i ismus
Doch diese E wägungen übe den Ein luß de Me aphysik üh en
zu dem Gegensa z, den ich zunächs in einem üblichen, abe unaus-
eichenden Sp achgeb auch den on Indi idualismus und Kollek i is-
mus nennen möch e. Wie e häl sich das P inzip -de sozialen Liebe
zu diesem so iel behandel en Gegensa z? Man kann alsbald die wei-
e e F age s ellen: Is dieses P inzip indi idualis isch oide kollek i-
is isch gemein ?
Ein s a kes Hinde nis ü die Ve s ändigung übe Indi idualismus
is die Vieldeu igkei . Zum mindes en is eine Zwei eilung no wendig.
En wede s ell sich de einzelne Mensch, das Ich, dem Ganzen de
ihn umgebenden und au ihn eind ingenden Wel en gegen und ühl
sich mi Angs ode mi Beglückung als e was Selbs ändiges ih gegen-
übe . Ode es s ell sich im Gegensa z dazu die Pe son bes imm en
sozialen G uppen en gegen und such sich als Selbs -In e essen zu
Gel ung zu b ingen. Je nachdem, ob man diese All ags e kleine ung
ode die philosophische, das Innenleben behe schende Übe zeugung
mein , handel es sich um zwei seh e schiedene Hal ungen.
Die soziale Liebe zieh ih e K a aus de „philosophischen Ge-
sinnung", wäh end die ande e manche lei Mißlichkei en des mi Egois-
mus zusammenhängenden Gel ungsbedü nisses ausgese z is .
En sp echendes gil om Kollek i ismus: Es gib eine Gemein-
scha sidee, die das Wohl alle Menschen be i , die als ein ein-
hei liche Typ on bes imm en Lebewesen au ge aß we den. Hie
zeig sich eine enge Ve wand scha zum Indi idualismus de e s -
genann en A . Die ande e Rich ung des Kollek i ismus mach den
einzelnen Menschen zu einem bloßen Objek des sozialen Gebildes,
zu einem Appa a , de dazu dien , die G uppe zu e höhen als He -
scha übe jegliches Ich.
Dami is dais Ve häl nis de sozialen Liebe zu den eben behandel-
en Ve hal ens ypen geklä . Sie iden i izie sich sowohl mi dem
allgemein-mensdilichien Indi idualismus wie mi dem en sp echenden
Kollek i ismus.
V. Die Maxime des Gu -Seins
Es bleib noch, einen Blick au das Ve häl nis on E kenn nissuche
und soziale Liebe zu we en, die schon du ch die S ellungnahme zu
Huxleys E olu ionismuis au ge oll wo den is und du ch ein paa
Beme kungen e gänz we den muß. Sie be i den Beg i des Gu en
im Ve gleiche mi soziale Liebe.
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662 Leopold on Wiese
Sei Schopenhaue und Nie zsche he e sich an die posi i e Be-
we ung des Gu en (in de Philosophie unid e hisch beg ünde en So-
ziologie) manche Zwei el. Schon eine p äzise An wo au die F age
zu geben, was mi ihm gemein is , wi d manchmal abgelehn . Das
Gu e und das Böse e sch änken sich mannig ach, und gu zu seim
gegenübe den a men Menschen sei o ein böses Ve hal en gegen
einen D i en. Auch en beh e es eine kla en und wah en G undlage
de E kenn nis, zumal seine Fo de ungen zu wechselha seien. Es
laue en hin e eine solchen Ve hal ensweise auch manche pe sön-
lichen Schwächen; man sei gu , weil man nich s a k genug sei, un-
pa eiisch und sachlich zu sein.
Diese Zu ückhal ung gegen das Gu -Sein kann sich in gleiche Rich-
ung auch au das P inzip de sozialen Liebe e s ecken. Schon ühe
habe ich da au hingewiesen, daß de Geb auch des Wo es Liebe
alsche Vo s ellungen on den unums ößlichen Regeln des gesellscha -
lichen und p i a en Zusammenhangs zei igen kann. D ohe nich in
ih eine E weichung, die schließlich nu das Gegen eil des Gu en,
Feindscha und Böswilligkei zeug ? Sei es nich ich ige , die so-
zialen Ve bindungen au kla e E kenn nis, ge adezu au Logik au -
zubauen und dem Vo bilde und Ra e weise Kenne de Menschen-
na u wie Schopenhaue und Nie zsche zu olgen? De Übe mensch,
abe auch schon jede das Mi elmaß unse e schwachen Ga ung übe -
agende Eli e-Mensch sei s eng, kamp be ei und selbs bewuß . Das
Ziel eine uch ba en Zukun sei kla e E kenn nis de Lebensbe-
dingungen mi all ih en Hä en und Wide sp üchen, nich nachgie-
biges Mi leid.
Diese ha en Weishei sleh e s eh sei Sok a es die These om
ha monischen Zusammenleben, das du ch Menschenliebe gescha en
wi d, gegenübe , die dann on Jesus Ch is us zum Mi elpunk des
S ebens nach dem Gu -Sein e hoben wu de; abe übe den Be eich
des Pe sönlichen hinaus du ch den Wide s and des — sagen wi ku z
— P inzip« de S aa lichkei nich e hoben we den konn e.
Das abe is die Au gabe de nahen Zukun , de wi schon heu e
zus eben müssen: das posi i Menschliche auch zu Basis des Kollek-
i -Zusammenhangs zu machen und zugleich die p i a en Beziehungen
z>u e edeln.
Dami is abe die soziale Liebe kein P inzip de Ana chie ode
des Kommunismus, sonde n bei allem Wandel, den de Fo sch i
de Zei mi sich b ing , eine ie e Idee de Bes ändigkei , die sich
jedoch Rechenscha gib , daß ih imme wiede neue Hinde nisse
en gegen e en, die un e Mi wi kung kluge E kenn nis de s engen
Daseinsbedingungen des Menschenlebens nach K ä en imme meh
gemeis e we den müssen.
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