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Soziale Liebe im Vergleich zu anderen Maximen des zwischenmenschlichen Lebens

Wiese, Leopold von

Abstract

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Full text

Wiese, Leopold on A icle Soziale Liebe im Ve gleich zu ande en Maximen des zwischenmenschlichen Lebens Schmolle s Jah buch ü Gese zgebung, Ve wal ung und Volkswi scha P o ided in Coope a ion wi h: Duncke & Humblo , Be lin Sugges ed Ci a ion: Wiese, Leopold on (1966) : Soziale Liebe im Ve gleich zu ande en Maximen des zwischenmenschlichen Lebens, Schmolle s Jah buch ü Gese zgebung, Ve wal ung und Volkswi scha , ISSN 1619-6244, Duncke & Humblo , Be lin, Vol. 86, Iss. 6, pp. 655-663, h ps://doi.o g/10.3790/schm.86.6.655 This Ve sion is a ailable a : h ps://hdl.handle.ne /10419/291123 S anda d-Nu zungsbedingungen: Die Dokumen e au EconS o dü en zu eigenen wissenscha lichen Zwecken und zum P i a geb auch gespeiche und kopie we den. Sie dü en die Dokumen e nich ü ö en liche ode komme zielle Zwecke e iel äl igen, ö en lich auss ellen, ö en lich zugänglich machen, e eiben ode ande wei ig nu zen. 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Einlei ung Im Bes eben, das Dasein de nach uns kommenden Menschen ha - monische zu ges al en, als es uns heu e e gönn is , such de seine Ve an wo ung bewuß e E hike und Soziologe nach einem P inzip, in dem die G undzüge des Sys ems seine Fo de ungen zusammen- ge aß we den können. Ich bin sei Jah en bes eb , diese p imä e Maxime in den Wo en „soziale Liebe" zu o mulie en. Bei diesen beiden Wo en is man leich geneig , an eine dem All ag nahe- s ehende, jede mann heo e isch — wenn auch nich p ak isch — ech geläu ige Wel anschauung zu denken. Indessen zeig sich bei eine Ve ie ung in ih en Sinn, welch eine P oblem ülle hin e diesem „populä en" Ausd uck e bo gen is . In de Sch i „De Mi mensch und de Gegenmenisch im sozialen Leben de nächs en Zukun "1 habe ich deshalb ein besonde es Ka- pi el (Kap. XIV) de In e p e a ion des Beg i s „soziale Liebe" ge- widme 2. Doch schein es mi no wendig, die Wesenszüge de sozialen Liebe nich nu selbs ändig und isolie zu zeigen, sonde n sie auch ähnlichen Maximen, die in de Gegenwa on Ein luß au die Mei- nungsbildung sind, gegenübe zus ellen und au ih en Wah hei sgehal du ch einen Ve gleich mi de hie e e enen Au assung zu p ü en. Dem Lese wi d die F age nahege ück : Welche Gesinnung soll ich den Vo zug geben? Das P inzip „soziale Liebe" kann l-eich- miß e s anden we den, weil in dem Wo e Liebe iele A - und G adun e schiede e knüp sind. O is dami eine seelische K a de Hingabe gemein , die die E o de nisse und Möglichkei en des All ags übe s eig . Abe du ch die Bei ügung des Eigenscha swo es „sozial" is eine Abschwächung de Innigkei gemein , die sons dem Wo e Liebe en sp ich . Ich 1 Leopold on Wiese: De Mi mensch und de Gegenmensch im sozialen Leben de nächs en Zukun . Köln 1966. 2 Mi ihm wiede hole ich hie nu in andeu ende Kü ze das Haup sächliche; ich muß abe zu ölligen Klä ung au die do igen Aus üh ungen e weisen. OPEN ACCESS | Licensed unde CC BY 4.0 | h ps://c ea i ecommons.o g/abou /cclicenses/ DOI h ps://doi.o g/10.3790/schm.86.6.655 | Gene a ed on 2023-04-04 11:37:49 656 Leopold on Wiese sag e da übe : „Soziale Liebe is ei on Schwä me ei, Übe schwang und Mys ik. Sie is gekennzeichne du ch ih « Un e o dnung un e die Gebo e des Ve s andes, des p ak isch E eichba en und de Ab- hängigkei on Zei und Raum. Gewiß soll sie nich kal e Be echnung und bloße Nu zene wägung sein; sie soll uns ielmeh on de selbs - süch igen Kalkula ion be eien. . . Sie muß das solide Fundamen ü das sons so schwe aßba e Gebäude de Menschhei sein8.44 Diese Ausdehnung des Beg i s als eines au das Allgemein-Menschliche, schlech weg Uni e sal-Humane ge ich e en P inzips kann auch de Wo geb auch des Wo es Liebe inso e n en gegens ehen, als es sich zumeis au e was Pe sönliches, zumal au das Paa e häl nis bezieh und ü die Zusammenhänge in g oßen sozialen Gebilden, besonde s in s aa lichen O ganisa ionen nich ech geeigne e schein . Doch ein Haup anliegen de olgenden Be ach ungen is ge ade die E s ek- kung de sozialen Liebe au die Gesam ge&ellscha ; da in lieg die P oblema ik und Schwie igkei unse e Au gabe, die abe deshalb eine sachlich-nüch e ne Behandlung e o de . II. De Nu zen Zu den Maximen, on de en Gel ung sich manche einen g öße en posi i en E olg als on soziale Liebe e sp echen, gehö au G und de E ah ungen, die man im äglichen Leben mach , de Nu zen. Audi die Philosophie is an diesem G undsa ze nich o übe gegangen und ha uns in den le z en hunde Jah en die Sys eme des U ili a- ismus und des P agma ismus besche . Dabei wollen die P agma ike gewiß nich den ücksich slosen, indi iduellen Egoismus e he lichen, sonde n ihm du ch E s eckung au die Sphä e des allgemeinen (kol- lek i en) Nu zens eine höhe e Weihe e leihen. Abe Menschenkenne beleh en uns, daß, psychologisch be ach e , de Allgemein-Nu zen nu eine Un e a des indi iduellen Nu zens is . Das S eben nach uni e - salem Nu zen en s ehe aus de E kenn nis des pe sönlichen Vo eils. Es o enba sich dem klugen ode schlauen Menschen aus seine Lebense ah ung, daß ohne Be ücksich igung des G üppenin e esses auch de pe sönliche Nu zen au die Daue nich gewah we den könne. De Mensch sei s e s e üll om Ve langen, sein eigenes Wohl zu wah en; le z lich aus diesem S eben nach Behaup ung des Selbs - in e esses e klä e sich auch die So ge um das Gemeinwohl. Aus Egois- mus lei e sich psychologisch auch die P lege des Gemeinwohls ab. Man be üge sich und die Umwel , wenn man die So ge «um das Wohl 8 >. Wiese: a.a.O. S. 60 . OPEN ACCESS | Licensed unde CC BY 4.0 | h ps://c ea i ecommons.o g/abou /cclicenses/ DOI h ps://doi.o g/10.3790/schm.86.6.655 | Gene a ed on 2023-04-04 11:37:49 Soziale Liebe 657 ande e Menschen nich aus Selbs such ablei e. We wi klich Gu es ü die Mi menschen wolle, könne nu du ch En achung des Nu zens ü sich selbs und dadu ch ü ande e p ak isch wi klich B auchba es leis en. Rich ig sei, eine ech e soziale O dnung zu scha en. Aus ih e gebe aich das Gemeinwohl. Man s elle seine A bei s- und Geis esk a in den Diens diese Au gaben und lei e diese A nüch e ne und eh liche P lich e üllung nich aus Ge ühlen eines angeblichen Al uismus he . Das Nü zliche sei das allen Menschen dienliche Mi el. We hel en wolle, appellie e nich an Emp indungen, die de P lege des Ich wide sp echen. Abe ge ade in diesem angeblich eh lichen Bekenn nis zum P inzip des Nu zens uind nich zu sozialen Liebe lieg de I um. Es gib kein Gemeinwohl, das nu aus dem Ve langen nach eigenen Vo eilen en sp ing . Ich sag e dazu4: „We den Nu zen höhe s ell als die so- ziale Liebe, wi d schließlich e kennen müs&en, daß e in die I e ge- gangen is ; e mag eine Zei lang E olge zu buchen haben und mi Hohn es s ellen, daß seine Pa ne die Op e ih e Gu willigkei sind." Sobald sich he auss ell , daß das einsei ige S eben nach E - langung eigene Vo eile jemandem Gewinne einb ing , wi d in die- sem Menschen de Gegenmensch geweck ; je z such e au Kos en de Lebensge äh en imme meh Vo eile ü sich allein zu ziehen — eis sei denn, die soziale Liebe leh e ihn, daß e schließlich imme meh e einsam und sich seine äuße en Gewinne in Ve lus e an inne en We en wandeln. Dabei lasse ich ganz auße Be ach , daß auch e wa die Meh ung des Einkommens, die E höhung be u liche Posi ionen und Ve meh ung de Be ehlsgewal schließlich ech o schwinde . Dami soll nich ein maß olles S eben nach Nu zen abgelehn und eine nachlässige Lebens üh ung gep iesen we den; abe dieses S eben muß on de sozialen Liebe gelei e we den, so daß man nich den eigenen Nu zen du ch die Nö e de Mi menschen e kau . Die so- ziale Liebe e lang nich , die sinn ollen Ansp üche des Ich zu e - nachlässigen, abe ih e Lei ung und Beg enzung du ch die Mi mensch- lichkei . De Nu zen da nich obe s e Maxime de Lebens üh ung sein. III. Die Hingabe an den Fo sch i Eine ande e häu ige Maxime an S elle de sozialen Liebe is das Ve auen in eine s ändige En wicklung zum Vollkommne en. Es be- s eh die Übe zeugung, daß sich das zwischenmenschliche Ve häl nis 4 . Wiese: a.a.O. S. 64. 42 Schmolle s Jah buch 86,0 OPEN ACCESS | Licensed unde CC BY 4.0 | h ps://c ea i ecommons.o g/abou /cclicenses/ DOI h ps://doi.o g/10.3790/schm.86.6.655 | Gene a ed on 2023-04-04 11:37:49 658 Leopold on Wiese allmählich ode plö zlich in einen beglückende en Zus and wandel und wi aus de Hingabe an die Idee des Fo sch i s hin eichende Lebensk a schöp en können. Man e wa e , daß sich die Menschen im Lau e de Zei e ollkommnen und daß das Neue, das uns die Zukun b ing , uns be eiche . Dazu müssen wi uns zunächs e gegenwä igen, wie sich in de Regel dieses Neue zum Übe kommenen, zu T adi ion e häl . In eine kleinen Sch i 5 habe ich als G und egel ii den Ablau de Zei die These e e en: „Es gib nich s öllig Neues, und es gib keine öllige E hal ung des Ve gangenen; sonde n das Neue i zum Al en hinzu, e ände es, komplizie es in manche Rich ung, e ein ach es abe in ande e . Das Neue is das umges al e e Al e." Es schein mi nich nö ig zu sein es zus ellen, ob im ypischen Dasein de Menschen de Wechsel ode die Beha ung übe wieg . In gewissem Be ach bleib die Menschenna u im wesen lichen gleich. Die sie behe schenden T iebe und Bedü nisse beein lussen die Handlungen de Menschen s a k. Diese sind eine sei s auch on den geis igen K ä en de Ichhei en abhängig, nich minde abe on den wechselnden Bedingungen des Auße -lch de Umgebung. Man kann bei de Da s ellung dieses Zwiespal es, je nach de ges ell en Au gabe, die Ve gänglichkei de K ea u he o heben ode abe den bes än- digen geschich lichen Wandel de E eignisse und E lebnisse in den Vo de g und s ellen. Bei de F age nach dem Ein lüsse de Zei au das si liche Ve hal en de Menschen is es e ne on Bedeu ung, ob nich in de Zukun ein e hische Wandel zu e wa en is , de unse e Nach ah en o neue P obleme s ell und dazu üh , daß das Ve - gangene e ges&en wi d. Bei de He o hebung des zu e wa enden Neuen lassen sich Pessi- mis en und Op imis en un e scheiden. Von jenen, die Un e gang und Ve de ben p ophezeien, soll hie nich gesp ochen we den, sonde n on den um wissenscha liche Fo schung bemüh en En wicklungs- heo e ike n, de en Blick ho nungs oll au zukün igen Wandel ge- ich e is . Mi schein es a sam, als mode nes Beispiel ü eine solche op imis ische Au assung au Julian Huxleys „Essays o a Humanis " hinzuweisen6. 5 Vgl. Leopold . Wiese: Wandel und Bes ändigkei . Be lin 1964. S. 25. 6 Ich age, wie sich meine Sch i „Wandel und Bes ändigkei 44 zu Huxley» Buch e häl , das in de deu schen Übe se zung e schienen is . (Julian Huxley: Ich sehe den kün igen Menschen, Na u und neue Humanismus. München 1965.) Als ich meine A bei 1964 e ö en lich e, kann e ich das We k noch nich . Ich hä e mich sons ge n mi ihm be aß . Hie sei e me k , daß es zwei ausgezeichne e Kapi el „Psychische S o wechsel" und übe den „humanis ischen Rahmen44 en - häl . Leide sind diese we ollen Essays in einem Bande mi Au sä zen e - bunden, die an Ideengehal hin e dem e s en Teil des Buches zu ücks ehen (ab S. 150). S ö end is die Übe se zung des zu ückhal enden englischen Ti els „Essays o a Humanis 44 in die eiße ische Übe sch i „Ich sehe den kün igen Menschen44. OPEN ACCESS | Licensed unde CC BY 4.0 | h ps://c ea i ecommons.o g/abou /cclicenses/ DOI h ps://doi.o g/10.3790/schm.86.6.655 | Gene a ed on 2023-04-04 11:37:49 Soziale Liebe 659 Hie is wesen lich, daß on Huxley .die Idee de E olu ion als (wie e sag ) neue humanis ische Religion gegeben wi d. Ich age: Wie e häl sich das P inzip de sozialen Liebe zu diesem si lichen Pos ula e de En wicklung? Is Huxleys P inzip wi klich ein — sagen wi — s a „ eligiöses" ein „e hisches" P inzip? Is es nich , wie e es uns da bie e , meh eine allgemein geis ige Weisung, nich zule z in wissenscha liche Beziehung? Obenan s eh ihm idie E kenn nis, wäh end mi bei de sozialen Liebe meh um das Ve häl nis on Menschen zu Menschen zu un is , mögen sie nach Wissensmeh ung s eben ode nich . Vo mi s eh die schwe wiegende F age: Was is d ingende : Wissens- meh ung ode Ca i as? Beiden Bes ebungen laue n Ge ah en: To - hei und Unwissenhei können im Sozialen g oßen Schaden an ich en, abe kal e Hä e und Gleichgül igkei gegen die Mi menschen ge ade bei klugen und kenn nis eichen Pe sonen nich minde . Zwischen den beiden P inzipien bes eh abe ein ie e Zusammen- hang. Obwohl Huxley s a ken Nachd uck au einen Humanismus leg , de on geis ig hochs ehenden Einzelmenschen e kö pe wi d, so ehl es auch bei ihm keineswegs an in ensi e Bezugnahme au das, was e (e was ums ändlich) „psycho-me abolische O ganisa ion" nenn 7. Huxley, de als E olu ionis Da wins Spu en olg und s e s den sch i weisen Fo sch i de K ea u im Auge ha , be on , daß in den le z en S adien de En wicklung de Psychome abolismus „an Wi k- samkei gewinn und den allgemeinen physiologischen S o wechsel e gänz "8. Die biologische E olu ion inde ih e le z e Ve ollkomm- nung in dem Ziele de „Beilegung alle A en on Kon lik en und geis igen Spannungen"9. Dami is ein Ziel au ges ell , das dem de sozialen Liebe en sp ich ; nu wü de ich nich bloß on geis igen Spannungen, sonde n allge- mein on Ve hal ensweisen jede A sp echen. Auch is bei de He o keh ung de sozialen Liebe nich an ein e nes Ziel gedach , sonde n an die nahe Zukun . Bei de Gegenübe s ellung on Ca i as10 und E olu ion is zu beach en, daß ein nich bloß o übe gehende Fo sch i on einem Be eiche au ande e übe g ei , also Wachs um an E kenn nis die soziale Liebe an eg und diese zu g oße Weishei üh . Auch die allgemeine biologische En wicklung beein luß das Zusammenleben in zwischenmenschlichen Gebilden. Ohne iedlicheis 7 Das g iechische Wo Me abole bedeu e nich bloß Wandlung, sonde n (wie mi Hell ied Dahlmann bes ä ig ha ) auch gegensei ige Einwi kung, zwischen- menschliche Ve bindung, enge Zusammenhang. 8 Huxley: a.a.O. S. 51. • Huxley: a.a.O. S. 65. 10 Das Wo Ca i as is hie abwechselnd mi soziale Liebe geb auch , abe in einem wei e en Sinne e s anden, de nich bloß Wohl ä igkei be i . 42 • OPEN ACCESS | Licensed unde CC BY 4.0 | h ps://c ea i ecommons.o g/abou /cclicenses/ DOI h ps://doi.o g/10.3790/schm.86.6.655 | Gene a ed on 2023-04-04 11:37:49 660 Leopold on Wiese und ha monisches soziales Leben wi d auch die physische Bescha en- hei gehemm « Blicken wi e gleichend au die gegenwä igen Tendenzen, die do die na u wissenscha lichen und echnischen Be eiche, hie die si - lich-humani ä en Zusammenhänge behe schen, so s ehen wi o g o- ßen Fo sch i en au jenem Gebie e und e wa en wi neue Übe - aschungen de Ve ollkommnung, die sich du ch eine e häl nismäßig einhei liche Zielse zung cha ak e isie en, wäh end es au dem Gebie e des sozialen Ve hal ens und de geis eswissenscha lichen E kenn nis zwa nich an Fo sch i en geb ich , abe eine e wi ende Viel al de Bes ebungen und ein e hebliche Gegensa z in dem bes eh , was man unaus eichend Wel anschauung nenn . Besonde s die Poli ik e mag in Zielse zung und p ak ische Ge- s al ung nich dem Ve gleiche mi de Technik s andzuhal en. In Hinsich au die me aphysischen, besonde s die eligiösen Ele- men e s ehen wi einem Gegensa z gegenübe , de on kindlich abe - gläubigem Fühlen bis zum absolu en A heismus eich . Das Ziel Huxleys eines alle um assenden „Psychome abolismus" lieg noch in wei e Fe ne. Doch wi wollen om E olu ionismus zu diesem zule z be üh en F agenkomplex au me aphysischem Gebie e wei e sch ei en und a- gen, wie sich das P inzip de sozialen Liebe zu Me aphysik e häl . Ge ade hie bes eh die So ge, daß sich in de Wel de<s Religiösen neue Gegensä ze au ü men können. Neue e hische P inzipien, die mi einsei ige Zuspi zung au ges ell we den, e meh en die Kon- lik e zwischen den Menscheng uppen, s a sie zu e minde n. Zumal wenn neue „Du-solls -Fo de ungen" Jah ausende al en Gebo en en - gegenges ell we den, wi d die geis ig-seelische Wel noch meh ge- spal en. Abe die Fo de ung de sozialen Liebe en häl keine Aussage om Übe na ü lichen, Nich wah nehmba en. Wede neig sie zu Go es- leugnung noch zu dogma ischen Behaup ungen übe eine jensei ige Wel . Sie bekenn sich in de Me aphysik zu einem Igno o. Sie e - mag übe die 'Geheimnisse de U g ünde des Seins und Nich -Seins auszusagen, s eb abe mi En schiedenhei nach eine Gesinnung, de en Ziel die Uni e sali ä de Menschenliebe is — nich auis de pe sönlich-indi iduellen, sonde n auch im Be eiche des kollek i en Zu- sammenhangs alle Völke , S aa en und Quasi-S aa en. Ebenso wie au außenpoli ischen so au inne ölklichen Gebie en such sie Ha - monie. Mi diese He o hebung des i dischen Be eichs is keine Abischwä- chung de me aphysisch beg ünde en Religiosi ä e knüp . OPEN ACCESS | Licensed unde CC BY 4.0 | h ps://c ea i ecommons.o g/abou /cclicenses/ DOI h ps://doi.o g/10.3790/schm.86.6.655 | Gene a ed on 2023-04-04 11:37:49 Soziale Liebe 661 IV. Indi idualismus und Kollek i ismus Doch diese E wägungen übe den Ein luß de Me aphysik üh en zu dem Gegensa z, den ich zunächs in einem üblichen, abe unaus- eichenden Sp achgeb auch den on Indi idualismus und Kollek i is- mus nennen möch e. Wie e häl sich das P inzip -de sozialen Liebe zu diesem so iel behandel en Gegensa z? Man kann alsbald die wei- e e F age s ellen: Is dieses P inzip indi idualis isch oide kollek i- is isch gemein ? Ein s a kes Hinde nis ü die Ve s ändigung übe Indi idualismus is die Vieldeu igkei . Zum mindes en is eine Zwei eilung no wendig. En wede s ell sich de einzelne Mensch, das Ich, dem Ganzen de ihn umgebenden und au ihn eind ingenden Wel en gegen und ühl sich mi Angs ode mi Beglückung als e was Selbs ändiges ih gegen- übe . Ode es s ell sich im Gegensa z dazu die Pe son bes imm en sozialen G uppen en gegen und such sich als Selbs -In e essen zu Gel ung zu b ingen. Je nachdem, ob man diese All ags e kleine ung ode die philosophische, das Innenleben behe schende Übe zeugung mein , handel es sich um zwei seh e schiedene Hal ungen. Die soziale Liebe zieh ih e K a aus de „philosophischen Ge- sinnung", wäh end die ande e manche lei Mißlichkei en des mi Egois- mus zusammenhängenden Gel ungsbedü nisses ausgese z is . En sp echendes gil om Kollek i ismus: Es gib eine Gemein- scha sidee, die das Wohl alle Menschen be i , die als ein ein- hei liche Typ on bes imm en Lebewesen au ge aß we den. Hie zeig sich eine enge Ve wand scha zum Indi idualismus de e s - genann en A . Die ande e Rich ung des Kollek i ismus mach den einzelnen Menschen zu einem bloßen Objek des sozialen Gebildes, zu einem Appa a , de dazu dien , die G uppe zu e höhen als He - scha übe jegliches Ich. Dami is dais Ve häl nis de sozialen Liebe zu den eben behandel- en Ve hal ens ypen geklä . Sie iden i izie sich sowohl mi dem allgemein-mensdilichien Indi idualismus wie mi dem en sp echenden Kollek i ismus. V. Die Maxime des Gu -Seins Es bleib noch, einen Blick au das Ve häl nis on E kenn nissuche und soziale Liebe zu we en, die schon du ch die S ellungnahme zu Huxleys E olu ionismuis au ge oll wo den is und du ch ein paa Beme kungen e gänz we den muß. Sie be i den Beg i des Gu en im Ve gleiche mi soziale Liebe. OPEN ACCESS | Licensed unde CC BY 4.0 | h ps://c ea i ecommons.o g/abou /cclicenses/ DOI h ps://doi.o g/10.3790/schm.86.6.655 | Gene a ed on 2023-04-04 11:37:49 662 Leopold on Wiese Sei Schopenhaue und Nie zsche he e sich an die posi i e Be- we ung des Gu en (in de Philosophie unid e hisch beg ünde en So- ziologie) manche Zwei el. Schon eine p äzise An wo au die F age zu geben, was mi ihm gemein is , wi d manchmal abgelehn . Das Gu e und das Böse e sch änken sich mannig ach, und gu zu seim gegenübe den a men Menschen sei o ein böses Ve hal en gegen einen D i en. Auch en beh e es eine kla en und wah en G undlage de E kenn nis, zumal seine Fo de ungen zu wechselha seien. Es laue en hin e eine solchen Ve hal ensweise auch manche pe sön- lichen Schwächen; man sei gu , weil man nich s a k genug sei, un- pa eiisch und sachlich zu sein. Diese Zu ückhal ung gegen das Gu -Sein kann sich in gleiche Rich- ung auch au das P inzip de sozialen Liebe e s ecken. Schon ühe habe ich da au hingewiesen, daß de Geb auch des Wo es Liebe alsche Vo s ellungen on den unums ößlichen Regeln des gesellscha - lichen und p i a en Zusammenhangs zei igen kann. D ohe nich in ih eine E weichung, die schließlich nu das Gegen eil des Gu en, Feindscha und Böswilligkei zeug ? Sei es nich ich ige , die so- zialen Ve bindungen au kla e E kenn nis, ge adezu au Logik au - zubauen und dem Vo bilde und Ra e weise Kenne de Menschen- na u wie Schopenhaue und Nie zsche zu olgen? De Übe mensch, abe auch schon jede das Mi elmaß unse e schwachen Ga ung übe - agende Eli e-Mensch sei s eng, kamp be ei und selbs bewuß . Das Ziel eine uch ba en Zukun sei kla e E kenn nis de Lebensbe- dingungen mi all ih en Hä en und Wide sp üchen, nich nachgie- biges Mi leid. Diese ha en Weishei sleh e s eh sei Sok a es die These om ha monischen Zusammenleben, das du ch Menschenliebe gescha en wi d, gegenübe , die dann on Jesus Ch is us zum Mi elpunk des S ebens nach dem Gu -Sein e hoben wu de; abe übe den Be eich des Pe sönlichen hinaus du ch den Wide s and des — sagen wi ku z — P inzip« de S aa lichkei nich e hoben we den konn e. Das abe is die Au gabe de nahen Zukun , de wi schon heu e zus eben müssen: das posi i Menschliche auch zu Basis des Kollek- i -Zusammenhangs zu machen und zugleich die p i a en Beziehungen z>u e edeln. Dami is abe die soziale Liebe kein P inzip de Ana chie ode des Kommunismus, sonde n bei allem Wandel, den de Fo sch i de Zei mi sich b ing , eine ie e Idee de Bes ändigkei , die sich jedoch Rechenscha gib , daß ih imme wiede neue Hinde nisse en gegen e en, die un e Mi wi kung kluge E kenn nis de s engen Daseinsbedingungen des Menschenlebens nach K ä en imme meh gemeis e we den müssen. OPEN ACCESS | Licensed unde CC BY 4.0 | h ps://c ea i ecommons.o g/abou /cclicenses/ DOI h ps://doi.o g/10.3790/schm.86.6.655 | Gene a ed on 2023-04-04 11:37:49