Lohnpolitik und Beschäftigung in der offenen Wirtschaft
Abstract
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Full text
Schmid, Michael Article Lohnpolitik und Beschäftigung in der offenen Wirtschaft Zeitschrift für Wirtschaftsund Sozialwissenschaften (ZWS) - Vierteljahresschrift der Gesellschaft für Wirtschaftsund Sozialwissenschaften, Verein für Socialpolitik Provided in Cooperation with: Duncker & Humblot, Berlin Suggested Citation: Schmid, Michael (1980) : Lohnpolitik und Beschäftigung in der offenen Wirtschaft, Zeitschrift für Wirtschaftsund Sozialwissenschaften (ZWS) - Vierteljahresschrift der Gesellschaft für Wirtschaftsund Sozialwissenschaften, Verein für Socialpolitik, ISSN 0342-1783, Duncker & Humblot, Berlin, Vol. 100, Iss. 3, pp. 297-336, https://doi.org/10.3790/schm.100.3.297 This Version is available at: https://hdl.handle.net/10419/291469 Standard-Nutzungsbedingungen: Die Dokumente auf EconStor dürfen zu eigenen wissenschaftlichen Zwecken und zum Privatgebrauch gespeichert und kopiert werden. Sie dürfen die Dokumente nicht für öffentliche oder kommerzielle Zwecke vervielfältigen, öffentlich ausstellen, öffentlich zugänglich machen, vertreiben oder anderweitig nutzen. Sofern die Verfasser die Dokumente unter Open-Content-Lizenzen (insbesondere CC-Lizenzen) zur Verfügung gestellt haben sollten, gelten abweichend von diesen Nutzungsbedingungen die in der dort genannten Lizenz gewährten Nutzungsrechte. Terms of use: Documents in EconStor may be saved and copied for your personal and scholarly purposes. You are not to copy documents for public or commercial purposes, to exhibit the documents publicly, to make them publicly available on the internet, or to distribute or otherwise use the documents in public. If the documents have been made available under an Open Content Licence (especially Creative Commons Licences), you may exercise further usage rights as specified in the indicated licence. https://creativecommons.org/licenses/by/4.0/
Lohnpolitik und Beschäftigung in der offenen Wirtschaft Was sagt der monetäre Ansatz? Von Michael Schmid* Kann durch eine Lohnzurückhaltung die Beschäftigung in einer offenen Wirtschaft erhöht werden? Welchen Einfluß hat die Lohnpolitik auf ein beschäftigungsorientiertes Demand-Management? Diese Fragen werden bei festem und flexiblem Wechselkurs in einem minimalen Zwei-Länder-Modell des monetären Ansatzes mit Unterbeschäftigung untersucht. 1. Einleitung Aus der Sicht des Theoretikers — so läßt sich argumentieren — hatte sich der Sachverständigenrat (SVR) mit seinem Gutachten 77/781 eigentlich nur erlaubt, auf eine mangelnde mikroökonomische Fundierung der traditionellen Globalsteuerung hinzuweisen, womit er die Mitverantwortung der Lohnpolitik für die makroökonomische Stabilisierung herausstellte. Mit der schlichten Umkehrung des Grundsatzes „mehr Nachfrage schafft mehr Beschäftigung" in „mehr Beschäftigung schafft mehr Nachfrage" (Ziff. 241) wird der Lohnpolitik allerdings eine Schlüsselrolle bei der Überwindung von Arbeitslosigkeit zugewiesen, die berechtigt zu entschiedenem Widerspruch geführt hat. Der konsequent empfohlenen Strategie einer Lohnzurückhaltung wurde der Vorwurf des Rückfalls in prä-Keynes'sche Denkmuster gemacht, andere beklagten einfach die fehlende empirische Fundierung, und wieder andere machten sich auf zu beweisen, daß der Rat im Rahmen ssiner eigenen „neoklassischen Welt" eine völlig erfolglose Strategie propagiere2. * Dieser Aufsatz gibt die revidierte Fassung eines Vortrages vor dem Ausschuß „Außenwirtschaftstheorie und -politik" des Vereins für Socialpolitik am 5. Mai 1979 in Deidesheim. Ohne die geringste Absicht, Verantwortung für Unzulänglichkeiten oder Fehler mit anderen teilen zu wollen, möchte ich mich bei den Mitgliedern des Ausschusses bedanken für eine hilfreiche Diskussion. Besonders nützlich waren kritische Kommentare von Horst Herberg, Manfred Borchert und Jürgen Roth. 1 Jahresgutachten 1977/78 des Sachverschtändigenrates. OPEN ACCESS | Licensed under CC BY 4.0 | https://creativecommons.org/about/cclicenses/ DOI https://doi.org/10.3790/schm.100.3.297 | Generated on 2023-04-04 11:58:11
298 Michael Schmid In dieser Debatte hat Gahlen3 sehr deutlich auf eine wohlbekannte völlige Übereinstimmung bei der Klassik und bei Keynes selbst verwiesen, wenn es darum geht, Arbeitslosigkeit zu beseitigen. Für beide gilt ein negativer Zusammenhang zwischen Beschäftigung und Reallohn. Der Unterschied liegt nur in der Auswahl einer geeigneten Politik zur Erreichung der erforderlichen Reallohnsenkung. Während die Klassik von einer Verantwortung der Nominallohnpolitik für die Vollbeschäftigung ausgeht, gibt Keynes einer Politik des Demand-Management den Vorzug, weil er eine Senkung des Reallohns über einen Anstieg des Preisniveaus für allein realistisch und wünschenswert hält. Ganz offensichtlich zweifelt der SVR am weiteren Funktionieren dieses „Keynes'schen Tricks" (Gahlen), wenn er indirekt darauf zu sprechen kommt, daß bei Tarifverhandlungen mit Nominallohnbindungen eine traditionelle Keynes'sche Stabilisierungspolitik zum Scheitern verurteilt wäre, wenn die Gewerkschaften nicht mehr bereit seien, Reallohnsenkungen über einen Preisniveauanstieg zu akzeptieren (Ziff. 297). Mit seiner Betrachtung der Angebotsseite der Volkswirtschaft findet sich der SVR durchaus auf der Linie neuerer makroökonomischer Forschung und Lehre, wobei es zunächst darauf ankommt, neoklassische oder überhaupt irgendwelche Elemente des Angebotverhaltens von Unternehmen mit der traditionellen makroökonomischen Kreislaufanalyse zu verknüpfen4. Wir stellen daher in diesem Aufsatz auf der Basis eines sehr einfachen Modells erneut die Frage nach den Auswirkungen einer Nominallohnvariation auf die Beschäftigung (Abschnitt 3). Insbesondere werden wir zeigen, daß sich auf der Grundlage unserer Annahmen sehr wohl ein positiver Beschäftigungseffekt der Lohnzurückhaltung auch bei flexiblen Wechselkursen ableiten läßt. Im Rahmen des gleichen Modells (Abschnitt 4) erörtern wir dann die Bedeutung der Lohnpolitik für den Erfolg einer Beschäftigungspolitik über Maßnahmen des Demand-Management. In diesem Kontext wird zu zeigen sein, unter welchen Bedingungen eine Demand-Management-Politik vollständig in einer Preisniveauerhöhung verpufft, ohne eine BeschäftigungsWirkung zu hinterlassen. Der SVR selbst (Ziff. 305/306) und auch die Teilnehmer an der Diskussion gehen auf die besonderen Umstände einer offenen Volkswirtschaft nur beiläufig ein. Deshalb wollen wir unsere Überlegungen für 2 Die Diskussion ist kaum übersehbar. Wichtig sind die Beiträge im Schwerpunktheft des IAB: Lohnhöhe und Beschäftigung (1978) und mehrere einschlägige Artikel in »Konjunkturpolitik4 24 (1978). Quellenangaben zur öffentlichen Diskussion in der Bundesrepublik finden sich bei Mertens (1978), 94. 3 Vgl. Gahlen (1978), 281 - 282. 4 Vgl. Klein (1978), 1 -7, oder Dornbusch/Fischer (1978), chapt. 11-13. OPEN ACCESS | Licensed under CC BY 4.0 | https://creativecommons.org/about/cclicenses/ DOI https://doi.org/10.3790/schm.100.3.297 | Generated on 2023-04-04 11:58:11
Lohnpolitik und Beschäftigung in der offenen Wirtschaft 299 eine offene Volkswirtschaft (Zwei-Länder-Modell) anstellen. Unserer Problemstellung entsprechend mußte bei der Konstruktion des Modells zunächst ein Ansatz gewählt werden, der überhaupt in der Lage ist, Output bzw. Beschäftigung und Preisniveau simultan zu erklären. Andererseits führt eine Problemanalyse im Zwei-Länder-Modell sehr schnell zu einem relativ großen mathematischen Modellaufwand. Wir haben uns daher für einen monetären Ansatz entschieden, dessen Details im nächsten Abschnitt (Abschnitt 2) ausführlich erläutert werden. Wir verfolgen damit eine doppelte Absicht: (1) Der monetäre Ansatz wurde von seinen modernen Protagonisten5 hauptsächlich für vollbeschäftigte Wirtschaften präsentiert. Wir wollen zeigen, wie sich in diesen Ansatz Unterbeschäftigung einführen läßt, so daß Preisund Mengenkomponente der Sozialproduktsentwicklung in einer offenen Volkswirtschaft getrennt erfaßbar werden. (2) Die angesprochene Erweiterung soll an einer von Dornbusch6 gegebenen Ein-Gut-Variante des monetären Ansatzes vorgenommen werden. Dabei lassen sich wesentliche Aspekte des Denkansatzes in einer minimalen Modellform präsentieren7. Trotzdem ergeben sich durch den minimalen Ansatz einige wichtige Beschränkungen unserer Untersuchung: terms-of-trade-Effekte können makroökonomisch für die Beschäftigung eine wichtige Rolle spielen, wenn z. B. im Falle importierter Vorleistungen cost-push-Effekte auf der Angebotsseite zugelassen werden8. Unbefriedigend erscheint in Modellen mit variablem Preisniveau auch die Vernachlässigung der Staatsaktivität, weil u. U. automatisch staatliche Budgetsalden auftreten können, durch deren Finanzierung Vermögenseffekte über die Leistungs5 Vgl. die Aufsatzsammlung der Chicago-Schule in Johnson/Frenkel (1976). « Vgl. Dornbusch in Johnson/Frenkel (1976), 168 - 177, bzw. Dornbusch (1973). 7 Wir werten minimale Modellanalyse hier nicht als ein Denkspiel bei beliebig abstrakter Annahmensetzung, vielmehr erwarten wir von Ergebnissen eines minimalen Modells eine Robustheit in dem Sinne, daß sie sich in einem anspruchsvolleren Modellrahmen immer wieder erzeugen lassen. Anderson/Takayama (1977) haben gezeigt, daß sich die Ergebnisse des EinGut-Modells unter geeigneten Annahmen zum Ausschluß von terms-of-tradeEffekten aus der Zwei-Gut-Variante eines monetären Ansatzes ableiten lassen. 8 Auf die Bedeutung importierter Produktionsfaktoren für die makroökonomische Analyse wurde von Schmid (1976), Herberg (1976) und Findlay/ Rodriguez (1977) hingewiesen. Im Zusammenhang mit unserem Thema ist es durchaus denkbar, daß eine Lohnzurückhaltung immer dann nicht zum erwarteten Erfolg führt, wenn ein Preisanstieg bei importierten Rohstoffen die im Inland verteilbare Wertschöpfung so vermindert, daß ein grundsätzlich positiver Beschäftigungseffekt der Lohnzurückhaltung überkompensiert wird. OPEN ACCESS | Licensed under CC BY 4.0 | https://creativecommons.org/about/cclicenses/ DOI https://doi.org/10.3790/schm.100.3.297 | Generated on 2023-04-04 11:58:11
300 Michael Schmid bilanz sicher modifiziert werden. Man mag auch die Abwesenheit von Zinseffekten in der Absorptionsfunktion bedauern. Eine Erweiterung des Vermögensbegriffs um Wertpapiere, insbesondere die Anlage in ausländischen Vermögenstiteln würde Portfolioüberlegungen und internationalen Kapitalverkehr ins Spiel bringen. Im Portfolioansatz würde der Wechselkurs dann kurzfristig durch Bestandsanpassungen im Portefeuille des Publikums bestimmt und entstehende Leistungsbilanzsalden müßten langfristig durch den Erwerb oder Abgabe von Wertpapieren finanziert werden9. Inflationserwartungen werden in diesem Aufsatz nur bei Lohnverhandlungen berücksichtigt, sie haben sicherlich auch einen Einfluß bei Portfolioentscheidungen, aber sie können auch die Konsumgüternachfrage verändern10. Schließlich erscheint der Hinweis von einiger Bedeutung, daß sich unsere Analyse im Sinne der modernen Gleichgewichtstheorie mit Mengenrationierung auf den Sonderfall einer Gleichgewichtsanalyse mit „market Clearing" auf dem Gütermarkt beschränkt. Es erscheint notwendig zu betonen, daß moderne Keynes-Interpretatoren auf der Grundlage dieses Mengenrationierungsmodells in der Lage sind, eine positive Beziehung zwischen Reallohn und Beschäftigung abzuleiten11. Damit kann dem sogenannten „Kaufkraftargument", das sich in unserer Analyse nicht stützen läßt, eine theoretische Fundierung gegeben werden. 2. Preisniveau und Beschäftigung in einem minimalen Zwei-Länder-Modell des monetären Ansatzes Bausteine des Modells Wir betrachten zwei Volkswirtschaften, deren Vermögenssektor jeweils sehr vereinfacht durch ein einstufiges Bankensystem charakterisiert ist. Zugelassen sind drei Vermögensobjekte: inländische bzw. ausländische Währung und internationale Währungsreserven. Zur Vereinfachung der Argumentation unterstellen wir eine internationale Währungsordnung nur mit „outside reserves", d. h. Währungsreserven werden nicht durch nationale Notenbanken geschaffen (z. B. Gold-DevisenStandard), sondern müssen extern geschöpft werden (z. B. Gold-Stan- ® Kouri (1976) hat das Ein-Gut-Modell in dieser Hinsicht erweitert. Ein Zwei-Länder-Modell wurde von Schmid (1979) untersucht. Alle diese Ansätze unterstellen jedoch Vollbeschäftigung. 10 Rodriguez (1978) hat gerade Unterbeschäftigung und Inflation in der geschlossenen Wirtschaft mit Hilfe eines derartig erweiterten dynamischen Modells analysiert. n Vgl. den Beitrag von Pethig (1978). Diese Arbeit geht von einer geschlossenen Wirtschaft aus. Die Anwendung des Mengenrationierungsmodells auf die Außenhandelstheorie steckt in den Anfängen. Ein sehr interessanter Beitrag ist der Aufsatz von Dixit (1978). OPEN ACCESS | Licensed under CC BY 4.0 | https://creativecommons.org/about/cclicenses/ DOI https://doi.org/10.3790/schm.100.3.297 | Generated on 2023-04-04 11:58:11
Lohnpolitik und Beschäftigung in der offenen Wirtschaft 301 dard). Seien R, R* nationale Bestände an Währungsreserven, bewertet in jeweils nationalen Währungseinheiten, so gilt für einen gegebenen Bestand an Weltwährungsreserven R* die folgende Beschränkung12 (1/e) R + R* = R* Hier erscheint der Wechselkurs e als Preis der ausländischen Währung in inländischen Währungseinheiten. Bei konsantem Wechselkurs ist dann eine mengenmäßige Umverteilung des Weltgoldbestandes zwischen beiden Ländern gleichwertig einer Umverteilung der bewerteten Bestände an Währungsreserven. Bei einer Wechselkursänderung müssen jedoch einerseits ab dem Stichtag der neuen Währungsparität zur Deckung von Zahlungsbilanzsalden die Währungsreserven bei den Zentralbanken zum neuen Kurs gekauft werden, andererseits wird der wertmäßige Altbestand an Reserven verändert, soweit eine Bewertung der Altbestände mit der neuen Währungsparität erfolgt. Durch solche Bewertungseffekte soll kein Einfluß auf die nationale Geldversorgung ausgeübt werden. Deshalb erscheinen in Zentralbankausweisen Korrekturposten zur Bewertungsabgrenzung18. Man beachte, daß wir durch diese Schreibweise implizit unterstellen, daß die oben erwähnte Rechnungsabgrenzung, wenn notwendig, automatisch durchgeführt wird. In jedem Land hält das Publikum nur Kassenbestände in heimischer Währung, d. h. weder Wertpapiere noch fremde Währung14. Die Geldmenge jedes Landes, M bzw. M*, ist somit über die Entstehungskomponenten der Zentralbankgeldmenge vollständig erklärt. M = R + D ; M* = R* + D* Außer der für offene Volkswirtschaften typischen Zentralbankgeldschöpfung über Devisenmarktinterventionen haben wir Kreditgewährung an heimische Wirtschaftssubjekte (domestic credit) D, D* als zweite Quelle für Zentralbankgeld zugelassen. Eine sinnvolle Interpretation dieser Variablen hängt vom Erklärungsanspruch des gesamten Modells ab. 12 Notation: Ausländische Variable werden mit dem Symbol „*" gekennzeichnet und geben in ausländischen Währungseinheiten gemessene Größen, wenn siie Wertgrößen bezeichnen. Variable, die sich auf die Welt als Ganzes beziehen, erhalten einen Querstrich „—Werden diese als Wertgrößen in ausländischen Währungseinheiten gemessen, erscheinen sie mit Stern. Ein Dach „A" über einer Variablen bezeichnet die relative Änderung dieser Größe, d. h. x = dx/x . Vgl. Kommentar zum BuBankGes. v. Spindler/Becker/Starke (1973), 481 - 489. 14 Modelle mit „currency substitution" wurden von Calvo/Rodriguez (1977) und Kouri (1976) untersucht. OPEN ACCESS | Licensed under CC BY 4.0 | https://creativecommons.org/about/cclicenses/ DOI https://doi.org/10.3790/schm.100.3.297 | Generated on 2023-04-04 11:58:11
302 Michael Schmid Im Rahmen dieser Arbeit sind zwei Interpretationen möglich15. (1) D, D* stellt ein Maß für die Zentralbankgeldschöpfung dar, soweit diese nicht durch den Erwerb von Währungsreserven gedeckt ist. Denkt man dabei einfach an den buchhalterischen Ausgleich für nationale Währung, die von der Notenbank ohne Deckung durch Währungsreserven in Umlauf gebracht wird, so müssen wir D, D* im Sinne von Friedmans „helicopter money" interpretieren. (2) D, D* können aber auch als Bestand an Staatsschuldtiteln aufgefaßt werden. Dann repräsentieren sie den Stand der staatlichen Kreditfinanzierung über die Zentralbank. Kreditfinanzierung über die Zentralbank ist als Geldfinanzierung des staatlichen Budgets bekannt. In einem Modell mit Kasse als einziger Vermögensform des Publikums ist Geldfinanzierung die einzig denkbare Art der Finanzierung staatlicher Defizite. Nach der Beschreibung der Vermögenssektoren wenden wir uns jetzt dem Kreislaufsektor des Modells zu. Unsere Weltökonomie wird als Ein-Gut-Modell konzipiert. In beiden Ländern werden verschiedene Mengen, y, y*, desselben Gutes durch den Einsatz der Produktionsfaktoren Arbeit (l, Z*) und Kapital (K, K*) herstellt. Die landspezifischen Produktionsfunktionen sind linear-homogen in Arbeit und Kapital, wobei der Kapitalbestand kurzfristig als konstant betrachtet wird. (1) y = F (l, K) y* = F* (l*, K*) F,>0;Ffl<0; f? > 0; F% < 0 ; Preisbildung und Angebot werden auf der Grundlage einer kurzfristigen Gewinnmaximierung, d. h. über eine Entlohnung des kurzfristig variablen Faktors nach seiner Grenzproduktivität erklärt. Seien P, P* die Preisniveaus für die Produktion des Inlandes bzw. Auslandes, jeweils gemessen in inländischen bzw. ausländischen Währungseinheiten, dann läßt sich die vom Unternehmenssektor in jedem Land gewünschte Beschäftigung und somit auch der Output über die bekannte Grenzproduktivitätsbedingung finden. W = PFt (l, K) W* = P* Ff (l* K*) Die folgenden Überlegungen zur Erläuterung der Angebotsseite werden für das Inland angestellt, gelten aber auch entsprechend für das 15 Vgl. Swoboda (1976), 21. Die Unterdrückung des Geschäftsbankensystems nimmt uns die Möglichkeit, in D bzw. D* andere wichtige Komponenten der Zentralbankgeldschöpfung zu sehen z. B: Refinanzierung, Offenmarktpolitik. Offenmarktgeschäfte sind in unserem Modell nicht möglich, weil das Publikum annahmegemäß keine Wertpapiere im Portefeuille hält. OPEN ACCESS | Licensed under CC BY 4.0 | https://creativecommons.org/about/cclicenses/ DOI https://doi.org/10.3790/schm.100.3.297 | Generated on 2023-04-04 11:58:11
Lohnpolitik und Beschäftigung in der offenen Wirtschaft 303 Ausland: Für linear-homogene Produktionsfunktionen wird der Produktionswert bekanntlich durch die Summe der Faktorentgelte ausgeschöpft, d. h. der Produktpreis deckt gerade die Summe der Faktorkosten pro Outputeinheit. (2) P = at W + ak R at = Uyt ak = K/y In (2) erscheinen der Nominallohn, W, und der Entlohnungssatz für Kapital, (Py — Wl)/K = R. Die Inputkoeffizienten a\ (i = Z, K) sind bekanntlich bei gegebener linear-homogener Technologie Funktionen allein des Faktorpreisverhältnisses (W/R). Differentiation von (2) liefert dann die Änderung des Produktpreises als gewogenen Durchschnitt der Änderung der Faktorpreise, wobei von der Bedingung für Kostenminimierung Gebrauch gemacht wird. (3) JP = &t w + &k R In (3) erscheinen die Symbole 6i = (W/P) ah Qk = (R/P) ak als Faktoranteile am Produktionswert. Es gilt e« + ek = 1 Bei Grenzproduktivitätsentlohnung können wir diese Anteile auch als partielle Produktionselastizitäten auffassen, wenn wir (1) differenzieren. y = 9tl + &kK Bezeichnen wir die Faktorintensität mit x = K/Z, so läßt sich eine Outputvariation über die Änderung der Faktorintensität und eine Änderung des Produktionsniveaus darstellen. y = — + K Die Änderung der Faktorintensität ist aber über die Definition der Substitutionselastizität mit der Änderung des relativen Faktorpreisverhältnisses verknüpft. x = ak — di = — o (R — W) <y > 0 Eine Produktionsänderung läßt sich jetzt darstellen sowohl in Abhängigkeit von der Änderung des Faktorpreisverhältnisses bei gegebenem Kapitalstock als auch in Abhängigkeit vom gesamten Faktoreinsatz bei gegebenem Faktorpreisverhältnis. <4) x = Gio(R -W) +K Gleichungen (3) und (4) erfassen die Preis-Output-Reaktion des Produktionssektors in umfassender Weise. So können wir in Fig. 1 das OPEN ACCESS | Licensed under CC BY 4.0 | https://creativecommons.org/about/cclicenses/ DOI https://doi.org/10.3790/schm.100.3.297 | Generated on 2023-04-04 11:58:11
304 Michael Schmid Konzept einer makroökonomischen Angebotsfunktion für einen konstanten Kapitalstock K und bei gegebenem Nominallohn W darstellen. y = y(P;W,K) Die Elastizität dieser Angebotsfunktion folgt aus (3) und (4). <9; y/P W = 0 e* -o > 0 Fig. 1 Die Angebotskurve ist die Grenzkostenkurve bei variablem Arbeitseinsatz. Bei einer Bewegung auf der Angebotskurve muß sich der Entlohnungssatz des konstant gehaltenen Faktors verändern (R^O). Andererseits läßt sich für einen konstanten Kapitalstock bei gegebenem R auch der Einfluß einer Erhöhung des Nominallohns auf Preis und Output angeben. OPEN ACCESS | Licensed under CC BY 4.0 | https://creativecommons.org/about/cclicenses/ DOI https://doi.org/10.3790/schm.100.3.297 | Generated on 2023-04-04 11:58:11
Lohnpolitik und Beschäftigung in der offenen Wirtschaft 311 duzieren Finanzierungssalden Vermögensänderungen. Umgekehrt werden aber auch Kreislauf großen vom „Zustand" des Vermögenssektors beeinflußt. In dem Maße, wie sich durch den Kassenaufbau die Diskrepanz zwischen gewünschtem und aktuellem Kassenbestand verkleinert, wird sich der Finanzierungssaldo verkleinern. Wenn sich in den Vermögenssektoren der beteiligten Wirtschaften wieder ein Bestandsgleichgewicht eingestellt hat, ist der Anpassungsprozeß beendet, weil dann auch der Finanzierungssaldo verschwunden ist. Ein solcher Zustand ist die einzige Ruhelage des stock-flow-Systems und wird als „langfristiges" oder „vollständiges" Gleichgewicht bezeichnet. Es gilt dann H + eH* = 0 und H = 0 Zwei langfristige Gleichgewichte unterscheiden sich durch unterschiedliche Kassenbestände im Vermögenssektor. Im Gegensatz zum langfristigen Gleichgewicht sprechen wir vom „kurzfristigen" Gleichgewicht, wenn nur die Bedingung (19) gilt H + eH* = 0 Ein kurzfristiges Gleichgewicht bestimmt die Anpassung der beteiligten Wirtschaften unter Vernachlässigung der Vermögenswirkungen von Finanzierungssalden. Dieser Aufsatz behandelt nur die Analyse kurzfristiger Gleichgewichte. Das Modell Wir präsentieren das Modell zuerst in geometrischer Form sowohl für den Fall konstanten Outputs bzw. Beschäftigung als auch für den Fall variablen Outputs bzw. Beschäftigung bei konstantem Nominallohn. Fig. 2 zeigt eine Art Box-Diagramm für die gegebene konstante Weltproduktion an Gütern, y. Diese Weltproduktion wird in konstanten Mengen, 2/o, 2/g» im Inland bzw. im Ausland erstellt. Dadurch ist einerseits die Größe der Box durch die Strecke 0* 0 festgelegt, andererseits charakterisiert Punkt 0' die Aufteilung der Weltproduktion auf die beiden Länder. Sowohl in Punkt 0 als auch in Punkt 0* haben wir den Ursprung je eines Koordinatensystems gelegt, auf dessen Ordinatenachse das inländische Preisniveau gemessen wird. Die Abszisse des in Punkt 0 (Punkt 0*) entspringenden Koordinatensystems mißt reale Absorption und reale Produktion des Inlandes (c, y) (reale Absorption und reale Produktion des Auslandes (c*, ?/*)). Nach (10), (12) und (16) lassen sich die reale inländische Absorption bzw. die reale ausländische Absorption als fallende cc-Kurve bzw. als fallende c*c*-Kurve im 0bzw. 0*-Koordinatensystem angeben. Man beachte, daß jede reale Absorptionsfunktion die nominale Geldmenge (Kassenbestand) des Landes als Parameter enthält. Der Wechselkurs erscheint als zusätzlicher Para20* OPEN ACCESS | Licensed under CC BY 4.0 | https://creativecommons.org/about/cclicenses/ DOI https://doi.org/10.3790/schm.100.3.297 | Generated on 2023-04-04 11:58:11
312 Michael Schmid meter für die ausländische Absorptionsfunktion. Interessant ist nun die Beobachtung, daß die ccund c*c*-Kurven eine alternative Interpretation erhalten, wenn wir Punkt 0' zum Ursprung eines neuen Koordinatensystems machen, auf dessen positiver Abszisse sowohl das reale Enthorten des Auslandes (— h*) als auch das reale Horten des Inlandes (h) gemessen werden, während die negative Abszisse das reale Horten des Auslandes (7i*) und das reale Enthorten des Inlandes (— h) mißt. Punkte auf der cc-Kurve links von 0' repräsentieren eine positive inländische Überschußnachfrage, was nur durch inländisches Enthorten möglich ist. Punkte auf der cc-Kurve rechts von 0' kennzeichnen ein inländisches Überschußangebot, welches nur durch inländisches Horten erreicht werden kann. Entsprechend hortet das Ausland in Punkten auf der c*c*- Kurve links von 0' und enthortet in Punkten rechts von 0\ Es wird deutlich, daß in einem Ein-Gut-Modell28, mit alternativer Verwendungs28 in Modellen mit mehr als einem Gut wird der monetäre Charakter des Hortens deutlicher. Horten ist dann die Differenz zwischen Einkommen und Konsumausgaben bzw., wenn Investitionsgüternachfrage zugelassen ist, die Differenz zwischen Einkommen und Absorption. OPEN ACCESS | Licensed under CC BY 4.0 | https://creativecommons.org/about/cclicenses/ DOI https://doi.org/10.3790/schm.100.3.297 | Generated on 2023-04-04 11:58:11
Lohnpolitik und Beschäftigung in der offenen Wirtschaft 313 möglichkeit des Einkommens nur für Kassenhaltung oder Kauf von Waren, die realwirtschaftliche Überschußnachfrage eines Landes nach Gütern das Spiegelbild der gewünschten Änderung der Vermögens- (Kassen)haltung dieses Landes sein muß. Dies läßt sich unter Berücksichtigung von (10), (12) und (16) auch durch Angabe der Überschußnachfragefunktionen belegen. c — y = — X (ky — m) = — h mit h = H/P c* — y* = — X* (k* y* - em*) = - h* mit h* = H*/P* , m* = M*/P Unsere Überlegungen zeigen also, daß die ccund c*c*-Kurve auch als reale Hortungsfunktionen interpretiert werden können, wenn wir Punkt 0' als Koordinatenursprung wählen. Diese Hortungsfunktionen lassen sich dann wie folgt angehen h = X (ky — m) h* = X* (k* y* — em*) Ein kurzfristiges Gleichgewicht auf dem Weltmarkt ist erreicht bei einem Weltmarktpreis (Po in Fig. 2), bei dem die nationalen Überschußnachfragen sich gerade ausgleichen. Die Preise Pf bzw. P" verursachen offensichtlich Überschußnachfiiage bzw. Überschußangebot auf dem Weltmarkt, was zu einem Preisdruck bzw. Preisanstieg führen müßte. Nur beim Preis Po entspricht der Angebotsüberhang des Inlandes dem Nachfrageüberhang des Auslandes. Gleichzeitig ist im Punkt P zum herrschenden Wechselkurs e die Gleichheit von inländischem Horten und ausländischem Enthorten gegeben. Jeder Schnittpunkt der beiden Kurven, der nicht auf der Achse über 0' liegt, repräsentiert ein kurzfristiges Gleichgewicht. Solange solche Punkte kurzfristigen Gleichgewichts links dieser Achse liegen, enthortet das Inland in dem Ausmaß, wie das Ausland hortet. Das Inland hat also ein Finanzierungsdefizit, d. h. eine defizitäre Leistungsbilanz. Schnittpunkte der Hortungsfunktionen rechts der Achse bringen dagegen dem Inland Leistungsbilanzüberschüsse. In Fig. 2 hat das Inland einen realen Leistungsbilanzüberschuß 0' B. Formal erfassen wir kurzfristige Gleichgewichtssituationen des Modells durch eine Berücksichtigung der Hortungsfunktionen in der Glaichgewichtsbedingung für den Weltgütermarkt (19) und in der Gleichung für den Leistungsbilanzsaldo (15). (21) X [kPyQ - M] + X* [k* Py* - eM*] = 0 B — X [kPyo - M] = 0 OPEN ACCESS | Licensed under CC BY 4.0 | https://creativecommons.org/about/cclicenses/ DOI https://doi.org/10.3790/schm.100.3.297 | Generated on 2023-04-04 11:58:11
314 Michael Schmid OPEN ACCESS | Licensed under CC BY 4.0 | https://creativecommons.org/about/cclicenses/ DOI https://doi.org/10.3790/schm.100.3.297 | Generated on 2023-04-04 11:58:11
Lohnpolitik und Beschäftigung in der offenen Wirtschaft 315 System (21) genügt zur Bestimmung des inländischen Preisniveaus, P, und des inländischen Leistungsbilanzsaldos, B, wenn wir die Anfangsverteilung der Weltgeldmenge zwischen beiden Ländern, den Wechselkurs und die Produktionsniveaus beider Länder, yo, y*, also exogene Variable vorgeben. Bei variabler Produktion modifizieren wir unsere grafische Darstellung, wie in Fig. 3 gezeigt. Im linken Diagramm erscheint die makroökonomische Angebotsfunktion des Inlandes als ansteigende yy-Kurve. Diese Kurve hat den konstanten Nominallohn des Inlandes, Wo, als Parameter. Außerdem haben wir dort als aa-Kurve die reale Absorption des Inlandes als fallende Funktion des inländischen Preisniveaus abgebildet. Die aa-Kurve ist das Bild folgender Funktion (22) c = c (y (P ; W0) , M</P) Die aa-Kurve erfaßt bei variablem Preisniveau zwei Effekte auf die reale Absorption, die grundsätzlich gegenläufig; auf die Absorption wirken: (1) Bei steigendem Preisniveau und konstantem Realeinkommen wirkt der Realkasseneffekt reduzierend auf die Absorption. (2) Bei steigendem Preisniveau erhöht sich jedoch auch das Realeinkommen und vergrößert die reale Absorption. Differentiation von (22) im langfristigen Gleichgewichtspunkt Po, yo zeigt deutlich, daß infolge dieser gegenläufigen Effekte die Steigung der aa-Kurve unbestimmt ist. (23) c/P = ((1 - e) - o) 0 aa Es gibt zwei Extremlagen der aa-Kurve: Für q = 0, d. h. <% = 1, hat die aa-Kurve dieselbe positive Steigung wie die Angebotskurve. Für 0 = 0 entfällt der Realeinkommenseffekt und die aa-Kurve hat die negative Steigung der oben beschriebenen cc-Kurve c/P = — q. Die aa-Kurve verläuft vertikal, wenn die reale Absorption auf Preisänderungen nicht reagiert. Die Bedingung für diesen Spezialfall ist (24) # = 1-9 Im rechten Diagramm von Fig. 3 erscheinen die entsprechenden Kurven des Auslandes. Dort ist der Wechselkurs, Co, ein weiterer Parameter der ausländischen a*a*-Kurve neben der ausländischen Geldmenge (M*) und dem ausländischen Nominallohnsatz (W*). Die a*a*- Kurve ist das Bild der ausländischen Absorptionsfunktion OPEN ACCESS | Licensed under CC BY 4.0 | https://creativecommons.org/about/cclicenses/ DOI https://doi.org/10.3790/schm.100.3.297 | Generated on 2023-04-04 11:58:11
316 Michael Schmid (25) c* = c* (y* (P/e0 , W*) , (e0/P) MJ) Differentiation von (25) im langfristigen Gleichgewichtspunkt Po, y gibt (26) c*/P (27) c*/e = ((1 - £*) - £*) a* a* = - c*/P a* a* a* a* Ergebnis (26) entspricht Ergebnis (23). Interessanter ist (27), wonach eine Abwertung der Inlandswährung die a*a*-Kurve sowohl nach links als auch nach rechts verschieben kann. Eine Abwertung wirkt zunächst als „windfall gain", indem sie die reale Kaufkraft der ausländischen Geldmenge erhöht. Sie hat aber auch einen negativen Realeinkommenseffekt im Ausland, weil im Ausland nach der Abwertung das ausländische Preisnvieau sinken muß, wenn das Ausland auf dem Weltmarkt konkurrenzfähig bleiben will, so z. B. würde bei gegebenem Preis Po der Auslandspreis um die Rate der Wechselkursänderung sinken müssen, wodurch ein Produktionsrückgang verursacht würde. Dieser Produktionsund Einkommensausfall erscheint als Linksverschiebung der ausländischen Angebotsfunktion, weshalb diese den Wechselkurs (eo) neben dem Nominallohn (W*) als Parameter hat. Im mittleren Diagramm der Fig. 3 wird auf der positiven Abszisse das reale Horten des Inlandes und das reale Enthorten des Auslandes abgetragen, während die negative Abszisse inländisches Enthorten und ausländisches Horten mißt. Nun läßt sich die reale Hortungsfunktion des Inlandes als hh-Kurve mit positiver Steigung und die reale Hortungsfunktion des Auslandes als h*h*-Kurve mit negativer Steigung angeben29. Schneiden sich die Hortungsfunktionen beider Länder genau auf der Ordinate, so liegt ein langfristiges Gleichgewicht vor. Schnittpunkte links der Ordinate kennzeichnen eine defizitäre Leistungsbilanz des Inlandes, und Schnittpunkte rechts der Ordinate erfassen eine defizitäre Leistungsbilanz des Auslandes. Kurzfristige Gleichgewichte lassen sich bei variabler Beschäftigung durch den folgenden erweiterten Modellansatz erfassen 1 [kPy (P, W) - M] + ?* [Je* Py* (P/e, W*) - eM*] = 0 (28) B — X [kPy (P, W) — M] = 0 29 Man beachte, daß die positive bzw. negative Steigung dieser Kurven unabhängig von der Steigung der aa-Kurve bzw. der Steigung der a*a*- Kurve garantiert ist. OPEN ACCESS | Licensed under CC BY 4.0 | https://creativecommons.org/about/cclicenses/ DOI https://doi.org/10.3790/schm.100.3.297 | Generated on 2023-04-04 11:58:11
Lohnpolitik und Beschäftigung in der offenen Wirtschaft 317 System (28) genügt zur Bestimmung von Preisniveau (P) und Leistungsbilanzsaldo (B), wenn die Anfangsverteilung der Weltgeldmenge, die Lohnniveaus beider Länder und der Wechselkurs gegeben sind. Ein kurzfristiges Gleichgewicht mit einem Leistungsbilanzsaldo kann jedoch keine endgültige „Ruhelage" des Weltwirtschaftssystems sein. So wird z. B. durch die Finanzierung eines Leistungsbilanzdefizits im Ausland ein Geldmengen-Mechanismus ausgelöst, durch den c. p. ein kontinuierlicher Ausgleich der Leistungsbilanz erfolgt. Im Ausland (Inland) ist nämlich ein Überschußangebot (Überschußnachfrage) an ausländischer (inländischer) Währung entstanden, welches dem Wert der ausländischen (inländischen) Überschußnachfrage (Überschußangebot) nach Gütern entspricht. Die mengenmäßig kompatiblen Überschußnachfragen beider Länder können in einem monetären Modell nur dann durch einen tatsächlichen Handel ausgeglichen werden, wenn ein Austausch-Medium existiert, welches von beiden Handelspartnern akzeptiert wird. Goldreserven spielen im Modell die Rolle dieses Mediums. Da das Überschußangebot an ausländischer Währung am Devisenmarkt zu einem Abwertungsdruck auf die ausländische Währung führt30, muß das Überschußangebot an ausländischer Währung im System fester Wechselkurse durch Stützungskäufe aus dem Markt genommen werden. Durch Abgabe von Goldreserven seitens der ausländischen Zentralbank an das ausländische Publikum gegen ausländische Währung findet eine Vernichtung von Zentralbankgeld im Ausland statt. Das ausländische Publikum bezahlt sein Leistungsbilanzdefizit mit Währungsreserven und das inländische Publikum befriedigt seine Überschußnachfrage nach Inlandswährung, indem es bei der inländischen Währungsbehörde die im Außenhandel erworbenen Währungsreserven gegen inländische Währung eintauscht. Der Ankauf von Goldreserven durch die inländische Zentralbank hat dadurch im Inland zu einer Zentralbankgeldschöpfung geführt. Der langfristige Anpassungsmechanismus verursacht somit eine Umverteilung des Weltgoldbestandes zugunsten des abwertenden Landes, und gleichzeitig kommt es damit zur Zentralbankgeldschöpfung im Inland und zur Vernichtung von Zentralbankgeld im Ausland. Der Zustrom von Goldreserven im Inland hält an, solange das ausländische Leistungsbilanzdefizit besteht. Allerdings wird durch das induzierte Anwachsen der inländischen Geldmenge die Bestandsüberschußnachfrage im Inland bzw. das Bestandsüberschußangebot im Ausland allmählich abgebaut. Im neuen langfristigen Gleichgewicht sind die Hortungswünsche und somit der Leistungsbilanzsaldo verschwunden, und das Inland hat durch den Geldmengenmechanis30 Spiegelbildlich führt die Überschußnachfrage nach inländischer Währung zu einer Aufwertungstendenz der inländischen Währung. OPEN ACCESS | Licensed under CC BY 4.0 | https://creativecommons.org/about/cclicenses/ DOI https://doi.org/10.3790/schm.100.3.297 | Generated on 2023-04-04 11:58:11
318 Michael Schmid mus des unausgeglichenen Leistungsbilanzsaldos während der Anpassung einen bestimmten Zuwachs an Währungsreserven auf Kosten des Auslandes akkumulieren können31'32. 3. Lohnpolitik und Beschäftigung Der deutsche Sachverständigenrat hatte im Jahresgutachten 1977/78 die mittlerweile bekannte und inzwischen heftig diskutierte These38 vorgetragen, wonach durch eine Lohnzurückhaltung zumindest bei festen Wechselkursen wahrscheinlich eine Verbesserung der inländischen Beschäftigungslage erreicht werden könnte. Der Sachverständigenrat selbst, aber auch andere Autoren gaben zu bedenken34, daß allerdings eine gewisse Skepsis gegenüber den positiven Beschäftigungswirkungen einer Lohnzurückhaltung dadurch angebracht sei, daß ein beweglicher Wechselkurs c. p. infolge der zu erwartenden Aufwertung der heimischen Währung die nationalen Kostenvorteile nivelliere bzw. nicht mehr entstehen ließe. Die internationale Wettbewerbsposition des Inlands könne sich demnach kaum verbessern und ein positiver Beschäftigungseffekt werde zweifelhaft. Unser Modell ist geeignet die Frage zu untersuchen, welchen Einfluß eine Nominallohnpolitik auf Preisniveau, Beschäftigung und Leistungsbilanz bei festem und flexiblem Wechselkurs ausübt. Wir können somit die angeführte Argumentation auf der Basis unserer Modellannahmen einer logischen Überprüfung linterziehen. Nominallohn und Beschäftigung: feste Wechselkurse Im Kontext unseres Modells (kein Wachstum, kein Produktivitätsfortschritt) erscheint eine Lohnzurückhaltung als eine autonome Senkung des Nominallohns im Inland. Die neoklassische Reaktion der Angebotsseite auf eine Nominallohnsenkung zeigt sich in einer Kostensenkung bzw. in einer Vergrößerung des Angebots35. Damit steigen im 81 Die langfristige Änderung der Zentralbankgeldmenge läßt sich aus dem Modell genau berechnen. Vgl. hierzu Schmid (1978), 134. War vernachlässigen in dieser Arbeit die analytische Behandlung der langfristigen Aspekte. 32 Technisch gesprochen werden die Hortungskurven in Fig. 2 und Fig. 3 durch den langfristigen Anpassungsmechanismus immer so lange verschoben, bis der Schnittpunkt der Kurven auf der Ordinatenachse liegt. 83 Vgl. Jahresgutachten 1977/78, Ziff. 288 - 306. 34 Vgl. Jahresgutachten 1977/78, Ziff. 305 und Ziff. 306, aber auch z. B. Mertens (1978), 79. 35 Dies ist Ausdruck der rentabler erscheinenden Nutzung des Produktionsfaktors Arbeit. Die Faktoreinsatzrelation ändert sich zugunsten von Arbeit. Wegen der kurzfristigen Konstanz des fixen Faktors müssen sich bei der neuen Faktorintensität Output und Beschäftigung vergrößern. OPEN ACCESS | Licensed under CC BY 4.0 | https://creativecommons.org/about/cclicenses/ DOI https://doi.org/10.3790/schm.100.3.297 | Generated on 2023-04-04 11:58:11
Lohnpolitik und Beschäftigung in der offenen Wirtschaft 319 Modell Beschäftigung und Realeinkommen auf der Grundlage mikroökonomischer Entscheidungen der Unternehmungen. Die Unternehmungen schaffen in diesem Modell ein größeres Realeinkommen, unabhängig davon, ob sich die Einkommensverteilung in Abhängigkeit von der Substitutionselastizität der Produktionsfaktoren zuungunsten der Lohneinkommen geändert hat oder nicht. Der Kreislaufzusammenhang verlangt, dieses gestiegene Realeinkommen zur Grundlage der Absorptionsreaktion der Haushalte zu machen. Die Absorption des Inlandes steigt daher auf jeden Fall, wobei das Ausmaß des Anstiegs von der marginalen Absorptionsneigung abhängt86. Diese Überlegungen erscheinen in Fig. 3 als Rechtsverschiebung sowohl der yy-Kurve als auch der aa-Kurve, wobei sich die aa-Kurve für 0 < <x < 1 um weniger nach rechts verschiebt als die yy-Kurve. Die Lohnsenkung führt zu einem Uberschußangebot an Gütern im Inland, welches beim gegebenen Preisniveau Po auf den Weltmarkt drängt und dort eine Preissenkung auslöst. Der Verfall des Weltmarktpreises führt bei festem Wechselkurs im Ausland zu einem Rückgang der Produktion und des Realeinkommens. Gleichzeitig ergibt sich dort ein Überschuß der Absorption über das neue gesunkene Realeinkommen. Dies wäre offensichtlich, falls die ausländische Absorption netto gestiegen sein sollte, aber auch bei einem Rückgang der Absorption würde für 0 <C Q* < 1 der Absorptionsausfall kleiner sein als der Rückgang des Realeinkommens. Insgesamt erhalten wir damit ein Leistungsbilanzdefizit des Auslandes, welchem im ZweiLänder-Modell ein inländischer Leistungsbilanzüberschuß entspricht. Diese Überlegung läßt sich in Fig. 3 formal bestätigen. Da eine Lohnzurückhaltung im Inland zu einer Unterabsorption führt, muß sich die hh-Kurve nach h"ti verschieben. Im Gleichgewichtspunkt A\ wird ein Leistungsbilanzüberschuß des Inlandes sichtbar. Ergebnis: Eine Lohnzurückhaltung führt zur Preisniveausenkung und einem Anstieg der Beschäftigung im Inland. Der Beschäftigungsanstieg wurde bei festem Wechselkurs teilweise auch erreicht durch einen gelungenen Export der Unterbeschäftigung ins Ausland. Die Gegenläufigkeit der Outputund Preisentwicklung läßt sich auch formal bestätigen durch totale Differentiation des Systems (28). Wir erhalten folgende Ergebnisse aus der im Anhang I gezeigten Matrixgleichung für die komparative Statik kurzfristiger Gleichgewichtszustände 36 Sollten die Lohneinkommen relativ gesunken sein, so verringert dies bei gruppenspezifischen Konsumneigungen zwar die gesamtwirtschaftliche Absorptionsneigung, jedoch bleibt die Reaktion der Absorption immer positiv. Das „Kaufkraftargument erscheint zumindest in diesem Modell nicht haltbar. OPEN ACCESS | Licensed under CC BY 4.0 | https://creativecommons.org/about/cclicenses/ DOI https://doi.org/10.3790/schm.100.3.297 | Generated on 2023-04-04 11:58:11
320 Michael Schmid P/W : <Pgv/u, >0 <Z> [QVpi + Q* V* fA* (1 + <£*)] ^ n y/W = — ^ < 0 (29) A = qvja, (l + + £* v* p* (1 + $*) > 0 li = M/eM* ; ju* = M*/M* ; v = 1/k ; v* = 1 /Je* M* = (1/e) M + M* v, y* repräsentieren die Kreislaufgeschwindigkeit des Geldes, eine institutionelle Konstante unseres Modells, ß, /u* sind die nationalen Anteile an_der Weltgeldmenge gemessen in ausländischen Währungseinheiten (M*). Es ist von einigem Interesse zu wissen, wie bei gegenläufigen Preisund Mengenkomponenten schließlich die nominale Entwicklung des Sozialprodukts in beiden Ländern aussieht. (30) Ä Ä $o* v* u* (i + y/w = - ——' / —- < o ~ ~ (1 + $*) &QVU Y*/W = ; > 0 Offensichtlich dominiert im allgemeinen der Outputanstieg die negative Preisentwicklung, obwohl sich ein theoretischer Grenzfall angeben läßt, für den das inländische Nominaleinkommen konstant bleibt. P = £ O* = 0 1 + # - 0 1 + # ; Y = 0 ; Y* = (1 + £*) £ 1 + 0 Für q* = 0 ist die Absorptionsneigung des Auslandes Eins. Jetzt sinken Einkommen und Absorption im Ausland im gleichen Ausmaß, d. h. es kann sich kein ausländisches Leistungsbilanzdefizit entwickeln. Weil inländische und ausländische Leistungsbilanz, abgesehen vom Vorzeichen, identische Größen sind, muß dann auch die inländische Bilanz ausgeglichen sein. Dies ist nur möglich, wenn das inländische Nominaleinkommen konstant bleibt. Der Anstieg der inländischen Beschäftigung ist immer dann besonders groß, wenn das Preisniveau des Inlandes konstant bleibt. Dies ist zu erwarten, wenn die Lohnerhöhung in einem „kleinen Land" erfolgt37, welches sich mit einem bestimmten Weltmarktpreis abfinden muß, OPEN ACCESS | Licensed under CC BY 4.0 | https://creativecommons.org/about/cclicenses/ DOI https://doi.org/10.3790/schm.100.3.297 | Generated on 2023-04-04 11:58:11
Lohnpolitik und Beschäftigung in der offenen Wirtschaft 327 Preisniveau kann konstant bleiben. Damit entsprechen sich Realeinkommen und Absorption im Ausland genau beim alten Produktionsniveau yl. 4. Geldpolitik und Beschäftigung Geldund Fiskalpolitik sind die traditionellen Instrumente des Demand-Management. Da wir in unserem Modell Staatsaktivität unterdrückt haben, untersuchen wir die Geldpolitik der Zentralbank stellvertretend für die Gesamtheit der Stabilisierungspolitik. Unser einfaches Modell betont dabei den direkten Vermögenseffekt in der Absorptionsfunktion. Es ist jedoch möglich, in einem erweiterten Modell mit Wertpapieren zinsinduzierte Absorptionseffekte einer Geldpolitik zusätzlich zu erfassen. Nach dem orthodoxen Keynes'schen Konzept ist Unterbeschäftigung auf mangelnde gesamtwirtschaftliche Nachfrage zurückzuführen und durch kompensierende Maßnahmen der Geldund Fiskalpolitik reduzierbar. Die offensichtliche Erfolglosigkeit dieser Konzeption hat den Blick der Theoretiker für die geänderten Verhaltensweisen bei der Lohnund Preisbestimmung geschärft. So wird es heute in der Makro-Analyse üblich, die Multiplikatorwirkung einer Geldoder Fiskalpolitik explizit in ihre Preisund Mengenkomponenten aufzuspalten. Je nachdem wie die Unterteilung des Gesamteffekts auf Mengenund Preiskomponente ausfällt, kann der expansive Stimulus einer Demand-Management-Politik in einem Anstieg des Preisniveaus verpuffen, wobei ein sehr geringer Wert des realen Beschäftigungsmultiplikators erreicht werden kann. Im Extremfall vertritt eine Gruppe von Ökonomen die Ansicht, daß bei einer vollständigen Indexierung der Löhne am Preisniveau keinerlei BeschäftigungsWirkungen erreicht werden können, sondern vielmehr nur eine perfekte LohnPreis-Spirale ausgelöst wird. Unser Modell ist gut geeignet, diese unterschiedlichen Positionen auf relativ einfache Weise darzustellen. Geldpolitik bei festem Wechselkurs Wir unterstellen in der Ausgangslage einen langfristigen Gleichgewichtszustand bei Unterbeschäftigung, yo, yl sind Produktionsniveaus, welche dem tatsächlichen Arbeitskräfteeinsatz entsprechen. Bei gegebenem Nominallohnniveau in jedem Land (Wo, Wj) wird über die Bestimmung der nationalen Preisniveaus (P, P*) ein bestimmter Reallohn (w0 = Wo/Po, w* = WQ/PQ) in jedem Land realisiert. Führen wir die Annahme ein, daß das Arbeitsangebot völlig elastisch auf den Arbeitsmarkt gebracht wird, wenn die Gewerschaften genau diese Reallöhne in jedem Land erwarten, dann muß der geforderte Nominallohnzuwachs genau mit der Rate des erwarteten Preisniveauanstiegs überein21* OPEN ACCESS | Licensed under CC BY 4.0 | https://creativecommons.org/about/cclicenses/ DOI https://doi.org/10.3790/schm.100.3.297 | Generated on 2023-04-04 11:58:11
328 Michael Schmid stimmen. Prognosefehler bei der Schätzung des zukünftigen Preisanstiegs Pe = eP und s =1= 1 führen dann zu folgenden Formeln für die Lohnbindung (36) W ^eP ; W* = s* P* = s* (P — e) s , e* > 0 Für 0 <£,£*< 1 bleiben die Nominallöhne konstant bzw. wachsen mit Raten, die kleiner sind als der nationale Preisniveauanstieg. Für £,e* = 1 bestehen „restlos geldillusionsfreie Lohnverhandlungen"42. Zur Bestimmung der Wirkungen von Lohnbindungen berücksichtigen wir (36) in (35) und erhalten £ (1 - e) - 1 0 P (37) QVJA + Q* V* /LC* [1 + (1 £*)] ,OV.fA, 0 Y .OV./LL - (1/eM*) dB 0 0 QV,[JL .O* V* [A* QVJA, 0 g* V* JU* [+ (1 - £*)] 0 Die Geldpolitik hat dann folgende Wirkungen QV{JL$ (1 P/M = A ' >0 ; y/M = M M* e -s) A ' (38) dB/M = - - 1 qvjaq* v* ju* [1 + #*(!- E*)] eM* A ' A ' = QVfJL [1 + $ (1 - £)] + .O* V* [A* [1 + (1 - £*)] Die Geldpolitik läßt sich in Fig. 6 jetzt sehr einfach beurteilen. System (35) zeigt, daß für eine expansive Geldmengenpolitik eine Rechtsverschiebung sowohl der ynyn-Kurve als auch der LB-Kurve genau im Ausmaß der prozentualen Geldmengenänderung erfolgen muß. Der resultierende Preisniveauanstieg führt bei Lohnbindung zu einer Linksverschiebung der yaya-K\irve. Punkt Bi zeigt das neue Gleichgewicht mit einem Leistungsbilanzdefizit bei unveränderter Beschäftigung und gestiegenem Preisniveau, wenn eine perfekte unmittelbare Lohnbin42 Siehe Roth (1977), 331 für einen Hinweis auf Konsequenzen dieser Annahme in einem Zwei-Länder-System mit zwei Gütern. Die modellmäßige Erfassung von Lohnbindungen im Rahmen der Außenhandelstheorie geht auf Salop (1974) zurück. Sie findet sich auch bei Helpman (1976), Herberg (1976) und Schmid (1978). Eine gewisse Beschränktheit unserer Ungleichgewichtsformulierung des Arbeitsmarktes erscheint in der impliziten Annahme, daß das Ausmaß der Lohnforderungen nur am erwarteten Preisniveauanstieg und nicht gleichzeitig auch an der Höhe der Unterbeschäftigung ausgerichtet ist. OPEN ACCESS | Licensed under CC BY 4.0 | https://creativecommons.org/about/cclicenses/ DOI https://doi.org/10.3790/schm.100.3.297 | Generated on 2023-04-04 11:58:11
Lohnpolitik und Beschäftigung in der offenen Wirtschaft 329 Fig. 6 dung vorliegt (e, e* = 1). Der Leistungsbilanzsaldo wird bei konstanter Beschäftigung ausschließlich über Realkasseneffekte in beiden Ländern erzielt: Die inländische Überschußnachfrage nach Gütern drängt auf den Weltmarkt und führt dort zu Preissteigerungen. Bei konstantem Wechselkurs sieht sich das Ausland bei perfekter Preisarbitrage über den internationalen Preiszusammenhang ebenfalls einem gestiegenen Preis in ausländischer Währung gegenüber und empfindet den Wunsch, eigene Kassenhaltung aufzubauen. Deshalb reduziert das Ausland seine reale Absorption unter das konstante Realeinkommen. Im kurzfristigen Gleichgewicht entspricht beim Gleichgewichtspreis die Überschußnachfrage des Inlandes nach Gütern genau dem Überschußangebot des Auslandes. Es ist ein Leistungsbilanzdefizit für das Inland entstanden, wobei inländisches Enthorten dem ausländischen Horten entspricht. Bei völlig fehlender Lohnbindung (e, e* = 0) haben wir in Punkt Gi bei geringerem Preisniveauanstieg eine BeschäftigugnsWirkung der GeldpoliOPEN ACCESS | Licensed under CC BY 4.0 | https://creativecommons.org/about/cclicenses/ DOI https://doi.org/10.3790/schm.100.3.297 | Generated on 2023-04-04 11:58:11
330 Michael Schmid tik. Die bisher alein auf Realkasseneffekten beruhende Leistungsbilanzwirkung wird durch Einkommenseffekte überlagert. Die Weltmarktpreissteigerung löst in beiden Ländern eine Expansion von Produktion und Beschäftigung aus. Ein expansiver Einkommensmechanismus verbessert grundsätzlich die Leistungsbilanzsituation des Landes, in dem er stattfindet, solange die marginale Konsumneigung dieses Landes 0 < <x, a* < 1. Damit haben wir folgendes Ergebnis: Je größer 0 und je kleiner £, um so größer ist der Einkommenseffekt im Inland, und um so geringer wird das inländische Leistungsbilanzdefizit ausfallen, weil der Einkommenseffekt ein durch den Realkasseneffekt bewirktes Defizit abschwächt. Je größer 0* und je kleiner £*, um so größer ist der Einkommenseffekt im Ausland, um so größer fällt das inländische Leistungsbilanzdefizit aus (vergl. (38)). Wenden wir uns dem langfristigen Anpassungsmechanismus zu, so tritt die grundsätzliche Problematik einer Geldmengenpolitik im System fester Wechselkurse zu Tage: Die Geldmengenexpansion im Inland erscheint als Überschußangebot von Inlandswährung auf dem Devisenmarkt, während gleichzeitig eine Überschußnachfrage nach Auslandswährung entstanden ist. Um den Abwertungsdruck auf die Inlandswährung zu beseitigen, muß die monetäre Behörde am Devisenmarktintervenieren, indem sie Währungsreserven gegen Inlandswährung abgibt. Dadurch ist sie gezwungen, einen Teil der Geldmengenexpansion mit Rücksicht auf die Kursstabilisierung wieder rückgängig zu machen. Das Inland „bezahlt" dem Ausland das Leistungsbilanzdefizit durch Abgabe von Währungsreserven. Das ausländische Publikum kann seinen Bedarf an ausländischer Währung decken, indem es einen Tausch der erworbenen Währungsreserven gegen ausländische Währung bei der ausländischen Zentralbank durchführt. Auf diese Weise kommt es im Ausland zu einer Zentralbankgeldschöpfung, während sich im Inland die Frage stellt, welcher Rest der ursprünglich beabsichtigten Geldmengenerhöhung nach Berücksichtigung aller „Abflüsse über den Geldmengenmechanismus" dem Inland erhalten bleibt43. Geldpolitik bei flexiblem Wechselkurs Da eine expansive Geldmengenpolitik, wie jede Demand-Management-Politik, die sich auf die Absorption des Inlandes richtet, auch im monetären Ansatz zu einem Leistungsbilanzdefizit führt, wird bei flexi43 Eine genaue Erfassung dieser Zusammenhänge zeigt, daß nur ein kleines Land dabei im gleichen Umfang Zentralbankgeld vernichten muß, wie die Zentralbankgeldmenge anfänglich erhöht wurde. (-+ These von der langfristigen Wirkungslosigkeit der Geldpolitik). Im Zwei-Länder-Fall kommt es solange zu einer Übertragung von Währungsreserven, bis die ursprünglichen nationalen Anteile an der Weltgeldmenge wieder erreicht sind. Vgl. Schmid (1978), 134. OPEN ACCESS | Licensed under CC BY 4.0 | https://creativecommons.org/about/cclicenses/ DOI https://doi.org/10.3790/schm.100.3.297 | Generated on 2023-04-04 11:58:11
Lohnpolitik und Beschäftigung in der offenen Wirtschaft 331 blem Kurs über eine Abwertung der Inlandswährung eine verstärkte Wirkung der Geldpolitik zu erwarten sein. Diese Vermutung wird bestätigt, solange das Verhalten der Tarifpartner einen positiven Beschäftigungseffekt zuläßt (0 < e < 1). So wird bei völlig fehlender Lohnbindung in Fig. 6 dieser Verstärkungseffekt sichtbar durch eine Bewegung von Punkt Gi nach Gc. Im Falle einer vollständigen Lohnbindung verpufft die expansive Wirkung jetzt in Form einer perfekten Lohn-Preis-Spirale, ohne den geringsten Beschäftigungseffekt. Punkt Bi in Fig. 6 wird nach Be verlagert, offensichtlich eine perfekte LohnPreis-Spirale im Inland, P = w = M wobei die Inlandswährung genau mit der Rate der Geldmengenexpansion abgewertet wurde. Diese Ergebnisse lassen sich formal bestätigen, wenn wir System (37) als flexibles Wechselkurssystem behandeln. Folgende Wirkungen einer Geldpolitik lassen sich dann berechnen 1 ~ - # (1 - e) P/M = TC — ; y/M = • 1 + # (1 - s) 1 y 1 + £ (1 - e) (39) = l + gp-«) ; *'k* =" 1 + Ein Vergleich der Wirksamkeit einer Geldpolitik bei festen und flexiblen Kursen ergibt: Bei besten Kursen kann ein Land einen gewissen Anteil der notwendigen Preisund Mengenanpassung ins Ausland „exportieren". Es findet eine 'Übertragung positiver Preisund Mengeneffekte ins Ausland statt. Diese gedämpfte Anpassung wird durch eine ausländische Unterabsorption von Gütern ermöglicht. Im Gegensatz dazu sind bei flexiblen Wechselkursen die Preisund Mengenwirkungen im Inland stärker, weil das Ausland jetzt völlig gegenüber dem Geschehen im Inland abgeschirmt ist und das Inland die volle Anpassungslast allein tragen muß. Betrachten wir diesen Abschirmungseffekt flexibler Kurse noch etwas genauer. Nach (39) läßt eine Harmonisierung der Geldpolitik in beiden Ländern nur dann den Wechselkurs unverändert, wenn gilt 0(1 - s) = $*.(1 - e*) Unter diesen Bedingungen ist dann die Wechselkursentwicklung gleich der Differenz der Raten der Geldmengenänderung in beiden Ländern. D. h. bei flexiblem Wechselkurs und vollständiger Lohnbindung in jedem Land können zwei Länder unterschiedliche Wachstumsraten ihrer Lohn-Preis-Spiralen haben. P = w = M + P* = W« = M* OPEN ACCESS | Licensed under CC BY 4.0 | https://creativecommons.org/about/cclicenses/ DOI https://doi.org/10.3790/schm.100.3.297 | Generated on 2023-04-04 11:58:11
332 Michael Schmid Der Wechselkurs verändert sich dann um einen Prozentsatz, welcher der Differenz der beiden Wachstumsraten entspricht, zugunsten des Landes mit der kleineren Rate der Geldmengenexpansion. Schlußbemerkungen Wir sehen zwei wichtige Ergebnisse unserer Untersuchung einerseits für die theoretische Analyse andererseits im wirtschaftspolitischen Bereich. (1) Es gibt keine echten Unterschiede in den Ergebnissen eines wohlverstandenen monetären Ansatzes mit Unterbeschäftigung und eines um Vermögenseffekte erweiterten Keynes'schen Ansatzes. Insbesondere läßt sich nicht argumentieren, Realeinkommenserhöhungen wären im Keynes'sehen Modell mit Leistungsbilanzdefiziten verbunden, während im monetären Ansatz Überschüsse resultierten44. Unser Modell zeigt, daß diese Aussage in Bezug auf die Leistungsbilanz nicht gültig ist. Für die unterschiedliche Leistungsbilanzreaktion ist vielmehr die Art der Störung auschlaggebend, durch welche eine Realeinkommenserhöhung ausgelöst wird. Eine Geldpolitik stellvertretend für eine DemandMangement-Politik trifft primär die Absorption. Solange die marginale Absorptionsneigung kleiner ist als Eins, wird der Einkommenszuwachs deshalb kleiner ausfallen als die Zunahme der Absorption — Leistungsbilanzdefizite müssen resultieren. Eine Nominallohnsenkung trifft primär das Realeinkommen, und solange die Absorptionsneigung kleiner Eins ist, wird der Absorptionszuwachs kleiner ausfallen als der Einkommenszuwachs — Leistungsbilanzüberschüsse müssen erscheinen. (2) Offensichtlich vermag eine Nominallohnpolitik ebenso wie eine Politik des Demand-Management auf die Beschäftigung einzuwirken. Wenn dies feststeht scheint es wirklich angebracht, das SchwarzePeter-Spiel (Gahlen (1978), 287) aufzugeben, und von einer Mitverantwortung der Träger von Geldpolitik und Nominallohnpolitik in der Beschäftigungsfrage auszugehen. Warum ist Vollbeschäftigung dann so schwer zu erreichen? Aus unserem Modell läßt sich begründen, daß die Gewerkschaften als Träger der Nominallohnpolitik angesichts ihrer Unsicherheit über das Verhalten der Regierung/Notenbank rational handeln, wenn sie eher eine Politik höherer Nominallöhne verfolgen, um die Reallohnposition zu verbessern, als Lohnzurückhaltung üben, um eine bessere Beschäftigung zu erreichen: Der Beschäftigungserfolg einer Lohnzurückhaltung hängt nämlich vom Verhalten der Notenbank ab. Eine 44 Die gleiche grundsätzliche Aufassung vertritt Jarchow (1977), der vom Keynes'schen Modell ausgehend eine makroökonomische Produktionsfunktion einführt und Produktivitätsänderungen untersucht. OPEN ACCESS | Licensed under CC BY 4.0 | https://creativecommons.org/about/cclicenses/ DOI https://doi.org/10.3790/schm.100.3.297 | Generated on 2023-04-04 11:58:11
Lohnpolitik und Beschäftigung in der offenen Wirtschaft 333 Rücknahme der Geldmenge beseitigt zugunsten eines gefallenen Preisniveaus den anfänglichen Beschäftigungsanstieg, während ein Anstieg der Geldmenge den anfänglichen Beschäftigungserfolg zwar verstärkt, jedoch auf Kosten einer Verschlechterung der Reallohnposition. Da im ersten all das angestrebte Ziel einer Beschäftigungsverbesserung nicht erreicht wurde und im zweiten Fall sogar eine Verschlechterung des Reallohns der Mitgliedschaft folgt, ist es für die Gewerkschaft lohnender, sich dem Ziel einer Reallohnverbesserung über eine Nominallohnerhöhung zu widmen. Verzichtet die Notenbank in diesem Fall auf eine Geldmengenerhöhung, kann sie für die verstärkte Unterbeschäftigung verantwortlich gemacht werden, so daß es wahrscheinlich zu einer Geldmengenalimentierung der Lohnerhöhungen kommen wird. Dies führt dann zu einer Lohn-Preis-Spirale ohne Beschäftigungseffekte. Andererseits zeigt das Modell, daß sich die Regierung als Träger des Demand-Management angesichts der Unsicherheit über das Verhalten der Gewerkschaft in einer Wahl-Demokratie rational verhält, wenn sie eher auf Preisniveaustabilität achtet als über expansive Maßnahmen die Beschäftigung verbessert: Der Beschäftigungserfolg expansiver Maßanhmen hängt nämlich auch von der Nominallohnpolitik der Gewerkschaft ab. Eine Nominallohnzurückhaltung erscheint der Regierung unwahrscheinlich, weil sie zur Reallohnsenkung führt. Eine Nominallohnerhöhung bringt jedoch einen Preisniveauanstieg, wobei der Beschäftigungserfolg der expansiven Politik vernichtet wird. Da die Regierung/Notenbank eine Lohn-Preis-Spirale auf jeden Fall zu vermeiden sucht, wird die Geldmengenpolitik eher kontraktiv eingesetzt, wodurch verstärkt Unterbeschäftigung entsteht. Angesichts dieser strategischen Unsicherheit erscheint somit ein Preisniveauanstieg und/oder eine weitere Verschlechterung der Beschäftigung als das wahrscheinliche Ergebnis einer unkoordinierten Stabilisierungspolitik. Anhang I Formal beschrieben wird die komparative Statik kurzfristiger Gleichgewichtssituationen durch Differentiation des Systems (28) im Punkt eines langfristigen Gleichgewichtszustands. A [P + yM] + X* fjL* [P + y* - e - M*] = 0 dB =XM[P + y - M] Berücksichtigung von (5) erlaubt Substitution von y und y*. [X pL (1 + + X* ju* (1 + £*)] P = X* v* (1 + e + X p M + X* p* M* + X ii 0 W + X* /** 0* W* dB = X M [(1 + 0) P - $ W - M] OPEN ACCESS | Licensed under CC BY 4.0 | https://creativecommons.org/about/cclicenses/ DOI https://doi.org/10.3790/schm.100.3.297 | Generated on 2023-04-04 11:58:11
334 Michael Schmid Setzen wir für X = $ v, X* = £'* v* und erweitern dde rechte Seite der Leistungsbilanzgleichung um eM*, so ergibt sich folgendes System (1 + 0) + £*'* ¿4* (1 + £*)] o Qvfx (1 + 0) - (1 /eM*) P dB QVJl Q*V* JA* qvja 0 M M* o* v* ja* (1 + 0*) 0 + QVJA$ £* V* JA* $* QVJA$ 0 D = - (1 /eM*) A < 0 A = $VJA (1 + £) + Q* V* .¡LI* (1 + #*) > 0 (a = M/eM* , ja* = M*/M* M* = (1/e) M + M* W W* Anhang II Das Grundmodell (32) - (34) für flexible Wechselkurse erhält man auf sehr einfache Weise aus System (35) durch "Übernahme der Wechselkursvariablen, e, in die Menge der endogenen Variablen. <£ - 1 QVJA + Q* V* JA* (1 + $*) QVJJL QVJA QVJA O* V* JA* (1 + #*) 0 p y e 0 0 M 0 QVJA Q* V* JA* + 0 QVJA Q* V* JA* M* QJAV 0 M* 0 Q* V* JA* 0 w w* At = .0* V* JA* (1 + £*) QVJA (1 + £) > 0 Folgende Ergebnisse für eine Norminallohnpolitik bzw. Geldpolitik lassen sich berechnen P/W =- e/W = P/M =- 1 + £ £ 1 + # 1 1 + $ >0 >0 >0 y/W =- - $ e/M • y/M = - 1 + ^ 1 1 + 0 ^ 1 + 0 <0 >0 >0 Zusammenfassung Dieser Aufsatz bringt eine einfache Synthese zwischen Keynesianischem und monetärem Ansatz im Modellbau für offene Volkswirtschaften. Unter Betonung der gleichzeitigen Erklärung von Preisund Mengenkomponente des Sozialprodukts wird eine Politik der Lohnzurückhaltung als Beggar-myOPEN ACCESS | Licensed under CC BY 4.0 | https://creativecommons.org/about/cclicenses/ DOI https://doi.org/10.3790/schm.100.3.297 | Generated on 2023-04-04 11:58:11
Lohnpolitik und Beschäftigung in der offenen Wirtschaft 335 neighbour-Politik bei festem Wechselkurs analysiert. Bei flexiblem Wechselkurs ist diese Supply-Management-Politik weniger beschäftigungswirksam, weil hier — zumindest in einem Ein-Gut-Zwei-Länder-Modell — eine vollständige Abschirmung des Auslandes gegenüber inländischen Preisund Mengenimpulsen stattfindet. Es wird andererseits gezeigt, daß DemandManagement-Politik nur dann erfolgreich sein kann im Kampf gegen Unterbeschäftigung und Inflation, wenn die Gewerkschaften eine mitverantwortliche Lohnpolitik betreiben. Summary This paper provides a simple synthesis of the Keynesian and monetary approaches to modelling the open economy. On the one hand a supply-management policy of domestic wage-restraint is shown to be a beggar-myneighbour policy under fixed exchange rates. Under flexible rates there is a reduced efficacy of this policy w. r. t. domestic employment because at least in a one-good two-country model flexible rates provide perfect insulation against transmission of domestic price-output impulses to the foreign economy. On the other hand demand-management policy is demonstrated not to be sufficient to fight unemployment and inflation in open economies unless trade unions pursue co-responsible wage policies. Literatur Anderson, R. K. and A. Takayama (1977), Devaluation, the Specie Flow Mechanism and the Steady State. Review of Economic Studies 44 (1977), 347 - 361. Calvo, G. A. and C. A. Rodriguez (1977), A Model of Exchange Rate Determination under Currency Substitution and Rational Expectations. Journal of Political Economy 85 (1977), '617 -625. Dixit, A. (1978), The Balance of Trade in a Model of Temporary Equilibrium with Rationing. Review of Economic Studies 45 (1978), 393 - 404. Dornbusch, R. (1973), Devaluation, Money, and Nontraded Goods, American Economic Review 63 (1973), 871 - 880. — and S. Fischer (1978), Macroeconomics, New York, San Francisco. Findlay, R. and C. Rodriguez (1977), Intermediate Imports and Macroeconomic Policies under Flexible Exchange Rates. Canadian Journal of Economics 10 (1977), 208-217. Gahlen, B. (1978), Zur Verantwortung der Lohnpolitik für die Vollbeschäftigung, in: Institut für Arbeitsmarktund Berufsforschung, Löhne und Beschäftigung, Stuttgart, Berlin Köln, Mainz (Mitteilungen aus der Arbeitsmarktund Berufsforschung, 11. Jahrg., Heft 3), 281 -288. Helpman, E. (1976), Macroeconomic Policy in a Model of International Trade with a Wage Restriction. International Economic Review 17 (1976), 262 - 277. Herb erg, H. (1976), On Imported Inflation, Zeitschrift für die Gesamte Staatswissenschaft 132 (1976), 609 - 632. Institut für Arbeitsmarktund Berufsforschung (IAB) (1978), Löhne und Beschäftigung, Schwerpunktheft, Stuttgart, Berlin, Köln, Mainz (Mitteilungen aus der Arbeitsmartotund Berufsforschung 11. Jahrg., Heft 3). OPEN ACCESS | Licensed under CC BY 4.0 | https://creativecommons.org/about/cclicenses/ DOI https://doi.org/10.3790/schm.100.3.297 | Generated on 2023-04-04 11:58:11
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