scieee Science in your language
[de] (orig)

'Wie gehen wir mit Geschichte um?‘ Zur Repräsentation von Vergangenem bei Robert Menasse und Ricardo Menéndez Salmón

Read accessible full text

'Wie gehen wir mit Geschichte um?‘ Zur Repräsentation von Vergangenem bei Robert Menasse und Ricardo Menéndez Salmón

Author: Maldonado Alemán, Manuel
Publisher: Königshausen & Neumann
Year: 2019
Source: https://idus.us.es/bitstreams/c9a7cb19-67ba-4f1f-be88-0b27fefa1ba8/download
173
MANUEL MALDONADO-ALEMÁN
„Wie gehen wi mi Geschich e um?“
Zu Rep äsen a ion on Ve gangenem bei Robe Menasse
und Rica do Menéndez Salmón1
1. De Umgang mi Geschich e in Robe Menasses
Die Ve eibung aus de Hölle
In seine Rede zu E ö nung de F ank u e Buchmesse 1995, de en
Gas land Ös e eich wa , äuße sich Robe Menasse explizi gegen eine
eleologische Geschich sau assung, wie sie e wa Hegel e a , und wen-
de sich deu lich om op imis ischen Fo sch i sdenken de Mode ne ab:
Vielleich wa ‚Geschich e‘ de g öß e his o ische I um de
Menschhei . E s de Glaube, daß es eine Geschich e gebe, die ein
sinn olle P ozeß sei, de ein Ziel habe, das man e kennen und au
das man schließlich bewuß hina bei en könne, ha aus dem K eis-
lau simplen biologischen und sozialen Lebens on Menschen au
diesem Plane en jene Ab olge on G euel in imme neue Quali ä
gemach , die wi als ‚Geschich e‘ s udie en und gleichzei ig e -
d ängen [...]. ‚Geschich e‘ is so ode so ein seh zwei elha es
Kons uk , die Annahme, daß sie einen immanen en Sinn und ein
Ziel ha , is eine Glaube, und daß es Techniken gib , sinn oll in
sie einzug ei en, das is schon eligiöse I sinn. Alle g oßen
Menschhei s e b echen wu den und we den imme on ge-
schich sbewuß en Menschen begangen, imme mi dem Ge ühl,
‚im Au ag de Geschich e‘ zu handeln, und dieses Ge ühl mach
sk upellos. Jede ‚Leh e aus de Geschich e‘ is dü ig, und jedes
‚Geschich sziel‘ is so spekula i , daß es aben eue lich is , dami
1 Diese Bei ag is im Rahmen eines om spanischen Minis e io de Economía y Com-
pe i i idad und Fondo Eu opeo de Desa ollo Regional (FEDER) inanzie en Fo -
schungsp ojek es übe „Topog a ías del ecue do. Espacio y memo ia en la na a i a
alemana ac ual“ (FFI2015-68550-P) und eines on de Jun a de Andalucía
(Conseje ía de Economía, Inno ación, Ciencia y Empleo) inanzie en
Fo schungsp ojek es übe „En e la his o ia y la memo ia. Discu sos sob e el pasado
en la na a i a alemana ac ual“ (P12-HUM-2162) en s anden.
174
den Eing i in eine lebendige Wi klichkei zu legi imie en [...].
Wenn es einen ‚Mis hau en de Geschich e‘ gib , dann is das, was
am d ingends en au diesen Mis hau en gehö , unse Beg i on
Geschich e selbs .
(Menasse 1995, 80)
Dem geschich lichen Denken de Mode ne, mi dem eine Heils- und line-
a e Fo sch i se wa ung einhe geh , de Vo s ellung also on de Ge-
schich e als einem zielge ich e en P ozess e eil Menasse in seine Rede
eine kla e Absage, obwohl e in iele Hinsich de Mode ne eu bleib .
Angesich s de zahl eichen Ka as ophen und K iege und insbesonde e
des Holocaus s des 20. Jah hunde s habe sich das Konzep de Geschich e
als Ablau und Fo sch i , das ein geschich sbewuss es Handeln nach-
d ücklich o de , als Ve hängnis e wiesen. Mi diese Geschich sau as-
sung is de Ve such e bunden, „dem Sinnlosen Sinn zu geben“ (Menasse
1995, 80). Denn ohne die Annahme eines au die Zukun und den Fo -
sch i ausge ich e en Geschich smodells
könn e sich niemand zum Ahnhe en eine Poli ik machen, die die
In e essen de Lebenden mißach e , sich abe mi i gendwelchen
Ahnen legi imie , und genausowenig könn e dann noch das Glück
eine Gene a ion geop e we den ü das angebliche Glück de
Enkel. Wi wä en deshalb nich ohne Ve gangenhei , abe sie wä e
kein ewig s i iges E be, und wi wä en auch nich ohne Zukun ,
abe sie wä e kein ewig bed ohliches Ve mäch nis.
(Menasse 1995, 80)
Ein spezi isches P oblem seine Gene a ion sieh Menasse in de besonde-
en Fo m ih e Eins ellung zu Geschich e und o allem in ih em eigen-
ümlichen Umgang mi de Ve gangenhei . „Jede Gene a ion ha ein Ge-
ne a ionsp oblem. Wi haben die Geschich e gehab , und gleichzei ig
haben wi den Au ag mi bekommen, bau die besse e Wel , abe imme
in die Geschich e blickend“ (Beilein 2008, 304). In Anlehnung an Wal e
Benjamins geschich sphilosophische Auseinande se zung mi Paul Klees
Bild Angelus No us2 be ach e Menasse seine Gene a ion als die „Ange-
2 In de These IX seine Sch i Übe den Beg i de Geschich e se z sich Wal e
Benjamin mi Paul Klees Bild Angelus No us olgende maßen auseinande : „Es gib
ein Bild on Klee, das Angelus No us heiß . Ein Engel is da au da ges ell , de
aussieh , als wä e e im Beg i , sich on e was zu en e nen, wo au e s a . Seine
Augen sind au ge issen, sein Mund s eh o en und seine Flügel sind ausgespann .
De Engel de Geschich e muß so aussehen. E ha das An li z de Ve gangenhei
zugewende . Wo eine Ke e on Begebenhei en o uns e schein , da sieh e eine
einzige Ka as ophe, die unablässig T ümme au T ümme häu und sie ihm o
die Füße schleude . E möch e wohl e weilen, die To en wecken und das Ze -
schlagene zusammen ügen. Abe ein S u m weh om Pa adiese he , de sich in
seinen Flügeln e angen ha und so s a k is , daß de Engel sie nich meh schlie-
ßen kann. Diese S u m eib ihn unau hal sam in die Zukun , de e den Rücken
175
lus-No us-Gene a ion“, die ih An li z de Ve gangenhei zugewende
ha und dadu ch in ein ambi alen es, ja schizoph enes Ve häl nis zu Ge-
schich e ge a en is . Wäh end bei Benjamin in de These IX seine Sch i
Übe den Beg i de Geschich e nu de Engel au g und seine Posi ion
inmi en de Fo sch i sgeschich e die unzähligen Ka as ophen und den
T ümme hau en de Ve gangenhei wah nimm , ep äsen ie bei Menasse
eben de ückwä s in die Zukun o ange iebene Engel de Geschich e
den his o ischen I um, aus de Vo s ellung de Geschich e als Fo -
sch i sp ozess das Gegenwa sbewuss sein ausgeblende und o zugs-
weise nu au das e mein liche Geschich sziel geach e zu haben.
Wi sind doch die, die den Au ag on Kindhei an mi bekommen
haben, niemals zu e gessen, was unmi elba o unse e Gebu
wa . Also wi müssen das imme bedenken, mi schleppen. Wi
müssen imme zu ückschauen und uns das o Augen hal en, dami
das nie wiede passie en kann usw. Und wi haben den Au ag, das
Nich e zähl e zu ekons uie en und die Lügen zu en la en. Wi
haben imme den Kop umged eh bekommen im Hinblick au die
jüngs e Ve gangenhei . Und gleichzei ig wa es auch unse e Gene-
a ion, die den Au ag bekommen ha , eine besse e Zukun zu
bauen. Und in Wah hei is dami genau das passie : Es wu de eine
gesam e Gene a ion mi dem Rücken o an in die Zukun , abe
mi dem Blick o an in die Ve gangenhei , au den Weg geschick .
Das is na ü lich ein Ve hängnis, das sich o allem in dem Mo-
men d ama isch zeig , wenn man me k , dass man in jedem Au-
genblick in seine Zei genossenscha zu ku z komm .
(G oho olsky 2004, 16 .)
Dem his o ischen Fo sch i sdenken sowie dem einge o de en ge-
schich sbewuss en Handeln de Mode ne se z Menasse „ein s ä ke es
Bewuss sein ü die Belange de Zei genossenscha “ (Ca ani 2016, 370)
en gegen. Au die F age was wi ohne Geschich e wä en, gib de ös e ei-
chische Au o eine explizi e An wo : „Wi wä en Zei genossen“ (Menasse
1995, 80). Ohne Geschich e wä e dann die „Ane kennung de Unwiede -
b inglichkei jedes einzelnen Lebens […] die einzige Legi ima ion ü all
unse Handeln, das in unse e Lebenszei e eichba e Glück wä e unse
Ziel, und unse e G enze wä e es, dabei keine Wi klichkei zu p oduzie en,
die als o wi kende Möglichkei kün ige Gene a ionen bed oh “ (Mena-
sse 1995, 80). Aus diese G undübe zeugung he aus o mulie Menasse
ein unmiss e s ändliches poe ologisches G undp inzip, das ü die Au o-
en seine Gene a ion gel en soll: „Was deine Zei genossenscha pas-
sie , dies sch eib und ges al e so, dass es die Zei genossen zum e s en Mal
sehen, und gleichzei ig so, dass Spä e e, Nachkommende uns e s ehen“
keh , wäh end de T ümme hau en o ihm zum Himmel wächs . Das, was wi
den Fo sch i nennen, is diese S u m.“ (Benjamin 1974, 697 .).
176
(Schü 2008, 108). De Ansp uch au eine k i ische Zei genossenscha
münde somi in ein mannig al iges Wechselspiel zwischen Zei genossen-
scha und Nachkommenscha .
In e essie sich Menasse insbesonde e ü die Zei genossenscha , so
o de e abe zugleich ein, die gegenwä igen Implika ionen de Ge-
schich e k i isch du chzudenken, d.h. sich mi de P äsenz de Ve gan-
genhei in de Gegenwa zu be assen. Es is genau diese Ansp uch, de
die E zähls uk u des Romans Die Ve eibung aus de Hölle (2001) be-
s imm . Mi seinem Roman bezweck Menasse gegenwä ige Zus ände
de a zu e anschaulichen, dass Zei genossen und auch Nachkommende
sie nach ollziehen können, und zugleich beabsich ig e , jene his o ischen
Zusammenhänge zu e deu lichen, die übe Jah hunde e hinweg wi ksam
bleiben. Die Ve eibung aus de Hölle hema isie somi aus üh lich die
Auswi kungen on Geschich e. Da abe die „Angelus-No us-Gene a ion“
aus Menasses Sich ein „biog aphisches P oblem mi de Geschich e“ ha
(Beilein 2008, 303), ha de ös e eichische Au o seinen Roman auch als
„E zählung übe unse en Umgang mi Geschich e“ angeleg (G oho-
olsky 2004, 17) und bezieh seine geschich sphilosophischen Übe legun-
gen au die his o iog a ische Re lexion seine Zei . De Tex is in diesem
Sinne „ein zei genössische Roman“ (Beilein 2008, 303), de sich die F age
s ell : „Wie gehen wi mi Geschich e um?“ (G oho olsky 2004, 17).
S uk u ell is Robe Menasses Die Ve eibung aus de Hölle ein
meh schich ige Roman, de zwei Lebensgeschich en quasi simul an da -
s ell , die zahl eiche Pa allelen au zeigen, obgleich meh als d eihunde
Jah e zwischen ihnen liegen. Es handel sich eine sei s um die eale Bio-
g a ie des Ams e dame Rabbine s Samuel Manasseh ben Is ael, de als
Manoel Dias Soei a am 5. Dezembe 1604 wäh end eines Au oda és in
Lissabon gebo en wi d und 1610 mi den El e n und de Schwes e nach
Ams e dam lüch e , da die Familie zu den sogenann en Ma anen gehö ,
zu den ‚geheimen Juden‘ (K yp o-Juden), die ih en jüdischen Glauben aus
Fu ch o de Inquisi ion e be gen müssen. Pa allel dazu wi d ande e -
sei s die ik i e Lebensgeschich e des Wiene His o ike s und Spinoza-
Fo sche s Vik o Ab a anel ausge üh , de eigen liche P o agonis des
Romans, de als Sohn eines nach England ge lohenen Juden und eine ka-
holischen Ös e eiche in am 15. Mai 1955 wäh end de Wiede he s el-
lung des unabhängigen und demok a ischen Ös e eichs gebo en wi d.
Als Sohn und Enkel on Holocaus -Übe lebenden is Vik o ein Angehö-
ige de nachgebo enen Gene a ion, de „Gene a ion o Pos memo y“
(Hi sch 2008), de die anhal enden auma ischen Auswi kungen ühe e
Zei en im ak uellen Leben de Familie zu spü en bekomm und au diese
Weise mi de Ve gangenhei seine Vo ah en kon on ie wi d. Ange-
sich s des Schweigens de El e n und G oßel e n übe ih e auma ische
Ve gangenhei im D i en Reich e such Vik o de eigenen Familienge-
183
P ohaska-Biog aphie und e gänz sie mi wei e en In o ma ionen und
zahl eichen, as imme ik i en Zi a en. Dadu ch e weck Menéndez
Salmón den Eind uck, bei seinem Roman „handele es sich a sächlich um
eine wissenscha liche A bei , in de en Mi elpunk das We k des Doku-
men a ilme s s eh “ (Ka no sky 2014), wobei auch die Geschich e seine
F au Heidi, seines jüdischen Biog aphen und einzigen F eundes S elenski
und nich zule z die wich igs en his o ischen E eignisse des 20. Jah hun-
de s zu Da s ellung gelangen.
Als Fo og aph und Dokumen a ilme wi d P ohaska nach de
Mach e g ei ung Hi le s in Goebbels Reichsp opagandaminis e ium mi
dem Au ag anges ell , die G äuel a en de Nazis zu dokumen ie en, o
allem im li auischen Kaunas und im Konzen a ionslage Dachau. Nach
dem K ieg lieh e mi seine F au aus Deu schland. E leb zunächs im
F anco-Spanien, wo e Hä linge in einem as u ischen Ge ängnis o og a-
ie , dann ilm e die Sch eckens a en de Dik a u en in La einame ika
und schließlich mal e in Japan die Op e on Hi oshima. „[A]l ceñi se a
lo sucedido, al mos a sin eca o las ci cuns ancias del mundo, P ohaska
nos hizo a odos p o agonis as de su iaje” (Menéndez Salmón 2012,
109 .). Ku z nach seine Rückkeh nach Deu schland b ing sich P ohaska
1962 um.
De Ich-E zähle begib sich wie besessen au die Spu ensuche nach
dem Leben des Fo og aphen, weil sein eigenes Ma e ial un olls ändig is
und e das Wesen und den An ieb P ohaskas, de zu einem kal en Be-
obach e des Bösen wi d, e g ünden möch e:
P ohaska me ha acompañado ein icua o ho as al día, du an e casi
ein e años, has a i i den o de mí los capí ulos del ho o que él
no pudo llega a e : el genocidio en Ruanda, la gue a en
Chechenia, la Segunda In i ada, los a en ados de sep iemb e del
2001 en Es ados Unidos, la ag esión a I ak, el espan o de Mad id en
2004, los es agos de los dioses y las bande as, la anciana pe o
siemp e eno ada ambición de la u ia humana.
O as mi adas han ijado esos ins an es de des ucción y locu a, pe o
nunca, a lo la go de es os años, he sen ido que nadie pudie a com-
pe i con la es a u a de P ohaska, con su magis e io e oz y a la ez
ío, con esa olun ad de máquina des inada a memo iza cuan o le
odea: in ac a, me ódica, p ecisa.
(Menéndez Salmón 2012, 138)
Im Zwei en Wel k ieg d eh P ohaska im Au ag des Hi le -Regimes mi
kal e P o essionali ä einen ku zen Film übe eine on den Nazis in Li-
auen e üb e Massenhin ich ung on Juden. Die Szenen des knapp d ei-
minü igen Films we den zu Beginn des Romans p äzis besch ieben:

184
La secuencia, odada en blanco y neg o, e a b u almen e monó ona.
Una ila de p isione os li uanos espe aba a la izquie da. La cáma a
mos aba, inde ec iblemen e, a es de ellos. Ni uno más ni uno
menos: siemp e es. Un mu o de pied a bas a, de una al u a ap o-
ximada de cua o me os, agua daba po los p isione os a diez
pasos. A de echa e izquie da del mu o había dos miemb os del
cue po de S ahlecke , el ne ando Einsa zg uppe A. Cuando el p isio-
ne o llegaba an e el mu o, se ponía de ca a a él, uno de los asesinos
le dispa aba en la sien y el o o e i aba el cadá e . Con el siguien e
p isione o se in e ía el o den. Quien an es había dispa ado, aho a
e i aba el cadá e ; quien an es había e i ado el cadá e , aho a dis-
pa aba.
La película no enía banda de sonido, pe o en la ac i ud de los p isi-
one os – esignada, mecánica, casi escép ica– se adi inaba que la
ma anza se ejecu aba en silencio; ampoco, po más que uno isio-
na a una y mil eces la macab a danza, se ad e ía que los labios de
los ejecu o es se mo ie an.
(Menéndez Salmón 2012, 12 .)
Die Szenen on Bilde n und Filmen P ohaskas diese A , die e in Diens-
en de Nazi-Dik a u au nahm bzw. d eh e und die Sch eckensszena ien
des K iegs zeigen, sind om Rezipien en unmi elba und di ek
,wah nehmba ‘ bzw. e assba , weil de Ich-E zähle sie so emo ionslos,
dis anzie , sachlich und de aillie egis ie und wiede gib , dass die Be-
sch eibung eine A Reali ä se ek (e e de éel) im Sinne Roland Ba hes’
e zeug , de die Wi klichkei o äusch und die angebliche Exis enz de
ik i en Bilde und Filme beglaubig (c . Bossha d 2016, 296). Die objek-
i e Dis anz und de kühle E zähl on e wecken den Eind uck, dass es sich
um au hen isches Filmma e ial handel , das eine wi klichkei snahe wah e
Geschich e bezeug , obwohl de Lese die Bilde und die Filmsequenzen
nie sieh .
Das is auch de Fall bei einem Bild eines Hochzei spaa s, zwei e-
publikanische Hä linge, das P ohaska in einem anquis ischen Ge ängnis
in Gijón nach dem Zwei en Wel k ieg au nimm .
En mi esc i o io, jun o a las o os de mis hijos y de mi esposa, al
lado de ca eles que ep oducen pin u as de Roge an de Weyden
y de Na alia Goncha o a, […] conse o una copia de una o o de
P ohaska. […] P ohaska la echó en Gijón, en la cá cel de El Co o,
en sep iemb e de 1949, poco an es de deja el país jun o a su esposa.
[…] La no ia es á emba azada; el no io se apoya en mule as. Tie-
nen el pelo apado, ambos. Y ambos mi an al suelo, como si delan e
de sus pies, de un momen o a o o, ue a a ab i se la ie a. Vis en
opas biza as: él un aje imposible, cons uido con e ales de
opas de o os p esos, quizá incluso de alguna au o idad ca cela ia;
ella un emedo de clámide que más pa ece u o de una úneb e an-
asía o welliana: es oy en ado de esc ibi que lo que a opa su igu a
185
es una co ina a la que una unciona ia poco o nada exquisi a ha su-
je ado unos impe dibles. Una banda azul ciñe la g a idez inocul able.
La o o es á omada desde la pe spec i a del sace do e, de quien
sólo emos su onsu a ma emá icamen e eco ada.
(Menéndez Salmón 2012, 107 .)
De Ich-E zähle alle dings schilde und in e p e ie zugleich: „Es la o o
de una humillación men al y ísica, ambién mo al“ (Menéndez Salmón
2012, 108).
Fo os und Filme spielen in Medusa bei de Rekons uk ion und Da -
legung de G äuel a en des 20. Jah hunde s eine ele an e Rolle. Sie be-
zeugen – und modellie en – die äuße e Reali ä und beweisen, was gesche-
hen is . Sie s ehen im Mi elpunk des Romans und e weisen sich in de
Fik ion als wich ige Gedäch nis äge , eilich ohne als Bilde bzw. Bild-
s ei en im Roman zu e scheinen. De E zähle e wandel sie sozusagen
in einen na a i en Tex , indem e sie als dokumen a isches Ma e ial be-
sch eib und deu e . Die ( ik i en) Bilde und Filme we den dann
„ekph as isch in Sp ache ückübe se z “ (Bossha d 2016, 302), denn als
isuelle Dokumen e bedü en sie de na a i en Einbindung und de nähe-
en E klä ung, um bedeu ungs oll zu we den. Sie bedü en eine in ensi-
en Be ach ung, eines e klä enden Kommen a s: Sie müssen nich nu
besch ieben, sonde n auch in e p e ie we den. De Kon ex , in dem die
Au nahmen en s anden, wi d dann skizzie , ein na a i e Zusammen-
hang he ges ell , so dass die Sch i den Ho izon he s ell , de die Bilde
bzw. die Filme e s ändlich mach . „[Pues aunque] mos a esul a in i-
ni amen e más pode oso que deci , […] sólo la exis encia de un con ex o
acul a que esas imágenes gene en un escalo ío“ (Menéndez Salmón 2012,
74). Ande e sei s e hal en die in de Sch i e zähl en Begebenhei en
du ch das – angebliche – Vo handensein des isuellen Ma e ials eine spe-
zi ische Glaubwü digkei , die neben dem epo ageähnlichen S il und dem
dis anzie en E zähl on im Diens de Inszenie ung eine Au hen izi ä s-
ik ion s eh , die es e möglich , dass das Da ges ell e als plausibel und
wi klich emp unden wi d.
Dank ih es Au hen izi ä sansp uchs en eiß die Sch i die G äuel a-
en de Ve gessenhei und e kö pe mi hin die Idee de bes ändigen
P äsenz des Ve gangenen in de Gegenwa und dami de anhal enden
Kon inui ä de E inne ung, des Noch-Nich -Ve gessens. Die Li e a u
und die Kuns übe haup e hal en in diesem Fall ih e Legi ima ion du ch
das Wachhal en de E inne ung, in de Übe zeugung, dass
[l]a ida –sus pesa es y su elicidad– se embosca siemp e en los
in e s icios, no en las p oclamas de los empe ado es, sino en las
ca as b e es, ie nas y pa é icamen e humanas de no elis as a
pun o de mo i o en los esc u inios pun illosos de unciona ios sin
os o. En e ec o, no es en la pleni ud de la ma ea ni en la bajama
186
anspa en e donde la ida acaece, sino en ese ins an e an ibio, que
pe enece an o al ai e como al agua, en el que la ma ea pa ece du-
da en e segui subiendo o comenza a e ocede .
(Menéndez Salmón 2012, 82 .)
Ande s als Robe Menasse s ell sich Rica do Menéndez Salmón mi hin
in die T adi ion eine mime ischen Li e a u , die sich in ensi mi Ge-
schich e auseinande se z , dami eine besse e Zukun au gebau we den
kann. Zu dem Zweck, dass die g auenha en E eignisse de Ve gangenhei
sich in de Zukun nich wiede holen, we den sie li e a isch als p imä es
E zählsubjek e ablie , Folgen und Wi kungen ges al e und die ka a-
s ophalen Vo gänge in den Gesam zusammenhang de Geschich e einge-
o dne . Du ch die e zähle ische Kons i u ion eines ( ealen ode ik i en)
kohä en en Sinnzusammenhangs, de eine zei lich-kausalen Logik ge-
ho ch , in den die da ges ell en E eignisse in eg ie we den, wi d e -
such , die Zu e lässigkei und Glaubwü digkei des E zähl en zu gewäh -
leis en, obwohl es sich äs he isch um die Kons uk ion eine
Au hen izi ä s ik ion handel . Menéndez Salmón, de seinem Roman Me-
dusa das Zi a aus Wal e Benjamins Geschich sphilosophischen Thesen
„Jamás se da un documen o de cul u a sin que lo sea a la ez de ba ba ie“
(Menéndez Salmón 2012, 9) o ans ell , is demnach ein ele an e Ve -
e e de „Angelus-No us-Gene a ion“ im Sinne Robe Menasses, de
sein An li z de jüngs en Ve gangenhei eine besse en Zukun wegen
zuwende und dadu ch zu E neue ung des his o ischen Bewuss seins
en scheidend bei äg .
Li e a u e zeichnis
Beilein, Ma hias (2008): „Wi sind die Angelus-No us-Gene a ion“. In e -
iew mi Robe Schindel, Robe Menasse und Do on Rabino ici.
Wien, Ca é Spe l, 4.4.2006. In: Beilein, Ma hias: 86 und die Folgen.
Robe Schindel, Robe Menasse und Do on Rabino ici im li e a i-
schen Feld Ös e eichs. Be lin, E ich Schmid , 297–325.
Benjamin, Wal e (1974): Übe den Beg i de Geschich e. In: Benjamin,
Wal e : Gesammel e Sch i en, Bd. 1.2. Hg. on Rol Tiedemann und
He mann Schweppenhäuse . F ank u am Main, Suh kamp, 691–704.
Bi e , Mi jam (2016): Gedäch nis und Geschlech . Da s ellungen in de
neue en jüdischen Li e a u in Deu schland, Ös e eich und I alien.
Gö ingen: Walls ein.
Bossha d, Ma co Thomas (2016): Na ionalsozialismus und Genozid in
de spanischen Gegenwa sli e a u . Ikonog aphien des Bösen und
ik ionalisie e images malg é ou bei Rica do Menéndez Salmón.
Romanische S udien 4, 287–303.
187
Cal o Re illa, Ana (2016): La mi ada desmi i icado a de la Go gona de
P ohaska: Medusa, de Rica do Menéndez Salmón. Pasa en o. Re is a
de Es udios Hispánicos IV/1, 159–175.
Ca ani, S ephanie (2016): Geschich e im Tex . Geschich sbeg i und His-
o isie ungs e ah en in de deu schsp achigen Gegenwa sli e a u .
Tübingen: Na F ancke A emp o.
Engelbe g, Achim (2002): „Wenn die Geschich e mi dem Fuß au -
s amp “. Gesp äch mi Robe Menasse. F ei ag, N . 46 om
08.11.2002.
Fio daliso, Gio anna (2015): A e, mi o e his o ia en dos ob as de Ri-
ca do Menéndez Salmón. Lingue e Linguaggi 13, 185–197.
G oho olsky, E ns (2004): Gesp äch mi Robe Menasse. In: Ba sch,
Ku /Holle , Ve ena (eds.): Robe Menasse. G az, D oschl (= Dos-
sie 22), 9–23.
Guija o Lashe as, Rod igo (2017): El silencio y la Segunda Gue a Mun-
dial en la na a i a de Rica do Menéndez Salmón. Re is a de Filología
Románica 34/1, 167–175.
Hamidouche, Ma ina Ka in (2011): Gedäch nis und T auma im zei ge-
nössischen ös e eichischen Familien oman. U bana, Illinois: Uni-
e si y o Illinois a U bana. www.ideals.illinois.edu/bi s eam/
handle/2142/26276/Hamidouche_Ma ina.pd ?isAllowed=y&sequen
ce=1 [12.11.2017].
Hi sch, Ma ianne (2008): The Gene a ion o Pos memo y. Poe ics Today
29/1, 103–128.
Ka no sky, E a (2014): Rica do Menéndez Salmón – T agische Doku-
men a des G auens. In: Deu schland unk, 27.06.2014. www.deu
schland unk.de/ ica do-menendez-salmon- agische -dokumen a -des-
g auens.700.de.h ml?d am:a icle_id=290326 [12.11.2017].
Köhn, Lo ha (2013): Pa odie und ze issene Iden i ä . Re ung de Ge-
schich sphilosophie in Menasses Romanen. In: Köhn, Lo ha : Ein
wei es Feld. Zu deu schen Li e a u om 18. bis zum 21. Jah hun-
de . Be lin/Müns e , LIT, 225–246.
K öme , Wol am (2006): La ma ginación y la pe secución de pe sonas
pe enecien es a o as iden idades en Aus ia, España y Eu opa, según
Se a ad de An onio Muñoz Molina y Die Ve eibung aus de Hölle de
Robe Menasse. In: Maldonado Alemán, Manuel (ed.): Aus ia,
España y Eu opa: iden idades y di e sidades. Se illa, Uni e sidad de
Se illa, 31–41.
Lühe, I mela on de (2007): Geschich e als Leh meis e in? Robe Me-
nasses Roman Die Ve eibung aus de Hölle. In: Valen in, Jean-Ma ie
(ed.): Ak en des XI. In e na ionalen Ge manis enkong esses Pa is
2005: „Ge manis ik im Kon lik de Kul u en“. Bd. 12: Eu opadis-
188
ku se in de deu schen Li e a u und Li e a u wissenscha /Deu sch-
jüdische Kul u dialoge/-kon lik e. Be n e al., Pe e Lang, 251–256.
Menasse, Robe (1995): ‚Geschich e‘ – de g öß e his o ische I um.
Übe die on Menschen be iebene Be eiung de Wel on den Men-
schen. Rede zu E ö nung de F ank u e Buchmesse. Die Zei , N .
42 om 13.10.1995, 80.
Menasse, Robe (1997): Es passie alles mögliche. In e iew mi Die e
S olz. In: S olz, Die e (ed.): Die Wel schein un e besse lich. Zu
Robe Menasses „T ilogie de En geis e ung“. F ank u am Main,
Suh kamp, 317–329.
Menasse, Robe (2001): Die Ve eibung aus de Hölle. Roman. F ank-
u am Main: Suh kamp.
Menéndez Salmón, Rica do (2012): Medusa. Ba celona: Seix Ba al.
Men , As ida (2007): Die Wiede holba kei des Unwiede holba en. Die
Ve eibung aus de Hölle als his o ische Roman. In: Schö khube ,
E a (ed.): Was einmal wi klich wa . Zum We k on Robe Menasse.
Wien, Sonde zahl, 83–109.
Molla d, Nicolas (2012): Tex o e imagen en las no elas de Rica do
Menéndez Salmón (2001-2010). Cas illa. Es udios de Li e a u a 3,
249–273.
Nüch e n, Klaus (2001): Signa u des Wahnsinns. In e iew mi Robe
Menasse. Fal e , 30/1 om 25.07.2001, 20.
Rei e , And ea (2010): Die Geschich e de Ma anen, ein Pa adigma jüdi-
sche Iden i ä in Ös e eich nach de Shoah? Robe Menasses Die
Ve eibung aus de Hölle. ASCHKENAS – Zei sch i ü Geschich-
e und Kul u de Juden 20/1, 167–186.
Roh inge Vešo ić, Ka a ina (2007): Geschich e is eine i e Komödie. In:
Schö khube , E a (ed.): Was einmal wi klich wa . Zum We k on
Robe Menasse. Wien, Sonde zahl, 53–82.
Schmi e , Pe e (2003): His o iog aphie und Na a ion. Me ahis o iog a-
phische Aspek e de Wissenscha sgeschich ssch eibung de Linguis-
ik. Seoul: Sowadalmedia/Tübingen: Na .
Schü , Hans-Die e (2008): Die E de is de e ns e S e n. Gesp äche mi
Robe Menasse. Be lin: Ka l Die z.
S umpp, Gab iele (2002): Anme kungen zu Robe Menasses ‚Die Ve ei-
bung aus de Hölle‘. Bei äge zu ös e eichischen Li e a u 18, 1–11.
www.js age.js .go.jp/a icle/aus iabungaku/18/0/18_KJ00002018478
/_a icle [12.11.2017].
Visse , An honya (2007): ‚Wieso has du das so e zähl ?‘ T üge ische
Iden i ä en in Die Ve eibung aus de Hölle. In: Schö khube , E a
(ed.): Was einmal wi klich wa . Zum We k on Robe Menasse.
Wien, Sonde zahl, 110–133.