Rev. filol. alem. 25, 2017: 93-114 93 ESTUDIOS LITERARIOS Revista de Filología Alemana ISSN: 1133-0406 http: //dx.doi.org/10.5209/RFAL.56369 Geschichte als Narration. Zum Umgang mit der Vergangenheit in Tanja Dückers’ Roman Himmelskörper1 Manuel Maldonado-Alemán2 Recibido: 22 de noviembre de 2016 / Aceptado: 6 de febrero de 2017 Zusammenfassung. In ihrem Generationenroman Himmelskörper, der das Thema der Erinnerung ins Zentrum stellt, entwirft Tanja Dückers das Konzept einer „sinnlichen Geschichtsschreibung“, das in vieler Hinsicht an Jules Michelets historiografische Ansichten erinnert. Mit ihrem Konzept, das das eigene literarische Schreiben der Autorin charakterisieren soll, beabsichtigt Dückers innere Wahrheiten im geschichtlichen Prozess aufzudecken und darzustellen, die unvermeidlich fragmentarisch bleiben. Die Lücken und Widersprüche der aufgezeigten personalen Wahrheiten verweisen auf die Perspektivität und Relativität von Vergangenheitsdeutungen und somit auf die Interpretationsabhängigkeit von Geschichte. Vor dem Hintergrund von Michelets Überlegungen zur Geschichtsschreibung und Nietzches historischem Relativismus untersucht der Beitrag die in Himmelskörper skizzierten historiografischen Ansichten Dückers’ sowie den narrativen Umgang mit der Vergangenheit. Schlüsselwörter: Geschichtsschreibung; historisch-fiktionales Erzählen; Erinnerungsroman; Familiengeschichte; Jules Michelet; Friedrich Nietzsche; Tanja Dückers. [en] History as Narrative. About the Treatment of the Past in Tanja Dückers’s Novel Himmelskörper Abstract. In the generational novel Himmelskörper, focused on the memoryʼs topic, Tanja Dückers sketches the concept of a “sensitive historiography”, which characterizes her own literary writing, and which reminds in many aspects the historiographic considerations of Jules Michelet. Following this concept, in the historic process Dückers pretends to discover in order to later represent internal truths that unavoidably rest fragmented. The gaps and contradictions of the personal truths refer to the perspectivity and relativity of the versions of the past, and therefore to the interpretability of history. From the starting point of Micheletʼs historiographic thought and Nietzsche’s historical relativism, the present article investigates about the historiographic considerations that Dückers outlines in Himmelskörper, as well as the narrative treatment of the past. _____________ 1Dieser Beitrag ist im Rahmen eines vom spanischen Ministerio de Ciencia e Innovación und dem Fondo Europeo de Desarrollo Regional (FEDER) finanzierten Forschungsprojektes über „Topografías del recuerdo. Espacio y memoria en la narrativa alemana actual“ (FFI2015-68550-P) und eines von der Junta de Andalucía (Consejería de Economía, Innovación, Ciencia y Empleo) finanzierten Forschungsprojektes über „Entre la historia y la memoria. Discursos sobre el pasado en la narrativa alemana actual“ (P12-HUM-2162) entstanden. 2Universidad de Sevilla E-mail:
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94 Maldonado-Alemán, M. Rev. filol. alem. 25, 2017: 93-114 Keywords: Historiography; Historical Fiction Narrative; Memory Novel; Family History; Jules Michelet; Friedrich Nietzsche; Tanja Dückers. [es] La historia como narración. El tratamiento del pasado en la novela de Tanja Dückers Himmelskörper Resumen. En la novela generacional Himmelskörper, que se centra en el tema del recuerdo, Tanja Dückers esboza el concepto de una “historiografía sensitiva”, que recuerda en muchos aspectos las consideraciones historiográficas de Jules Michelet. Siguiendo esa concepción que caracteriza la escritura literaria de la autora, Dückers, en el proceso histórico, pretende descubrir verdades interiores inevitablemente fragmentarias para después representarlas. Las lagunas y contradicciones de las verdades personales remiten a la perspectividad y relatividad de las versiones del pasado y con ello a la interpretabilidad de la historia. A partir del pensamiento historiográfico de Michelet y del relativismo histórico de Nietzsche, el presente artículo indaga acerca de las consideraciones historiográficas que Dückers esboza en Himmelskörper, así como del tratamiento narrativo del pasado. Palabras clave: Historiografía; narración histórico-ficcional; novela del recuerdo; historia familiar; Jules Michelet; Friedrich Nietzsche ; Tanja Dückers. Inhaltsverzeichnis. 1. Geschichte als Narration: Jules Michelet und Friedrich Nietzsche. 2. Das Konzept einer sinnlichen Geschichtsschreibung bei Tanja Dückers. 3. Dückers’ historisch-fiktionales Erzählen in Himmelskörper. 4. Die Interpretationsabhängigkeit von Geschichte. Cómo citar: Maldonado Alemán, M., «Geschichte als Narration. Zum Umgang mit der Vergangenheit in Tanja Dückers’ Roman Himmelskörper», Revista de Filología Alemana 25 (2017), 93-114. 1. Geschichte als Narration: Jules Michelet und Friedrich Nietzsche Der französische Historiker Jules Michelet (1798-1874), der in Frankreich als Vater der republikanisch-nationalen, ‚jakobinischen‘ Geschichtsschreibung gilt, 3 bezeichnet seine historische Erzählweise als histoire vivante, als einfühlendes Verständnis des geschichtlichen Verlaufs, das sich durch die Inszenierung eines emotiv bewegten Erzählsubjekts auszeichnet. Geschichte sei aus Michelets Sicht eine Art Körper, den es mittels einer sinnlichen Annäherung zu erkunden und zu umarmen gilt (Barthes 1954; Muhr 2006: 126). Michelet betont die Emotivität und Lebendigkeit des Geschichtsdiskurses und versteht die Historiografie als eine Wiederauferstehung des integralen Lebens, nicht nur seiner Oberfläche, sondern insbesondere seiner inneren und tiefliegenden Organismen, 4 d. h. als Wiederbelebung der mentalen Dimensionen und des geistigen Hintergrunds, die die historischen Ereignisse beeinflussen und sich hinter den äußeren Fakten verbergen. Nicht Faktentreue sei _____________ 3 Als Historiker war Michelet zu seiner Zeit sehr geachtet. Er war Professor an der Ecole Normale Supérieure, an der Sorbonne, am Collège de France und Leiter der historischen Sektion des Nationalarchivs. Er wurde 1851 nach dem Staatsstreich Louis Napoleons seines Lehrstuhls am Collège de France, den er seit 1838 innehatte, enthoben, als Michelet den offiziellen Eid auf ihn verweigerte. Michelet, der anfangs ein Liberaler war, aber in den vierziger Jahren die demokratischen Anschauungen billigte, begeisterte sich für die Revolution von 1848. Seine historische Untersuchung Précis d’histoire moderne (1827) bestimmte bis 1850 den historischen Unterricht an französischen Schulen. 4 „Plus compliqué encore, plus effrayant était mon problème historique posé comme résurrection de la vie intégrale, non pas dans ses surfaces, mais dans ses organismes intérieurs et profonds. Nul homme sage n’y eût songé. Par bonheur, je ne l’étais pas.“ (Michelet 1974: 12)
Maldonado-Alemán, M. Rev. filol. alem. 25, 2017: 93-114 95 dabei das Entscheidende, sondern das Erschließen vergangener Denkarten und Gefühlswelten (Müller 2009: 170), insbesondere aber die Vermittlung des Geistes einer Epoche. 5 In der Geschichte sucht Michelet nicht allein die Fakten, sondern vor allem den Menschen, das Volk („le peuple“) als treibende Kraft des Geschichtsverlaufs, als Subjekt des vergangenen Geschehens. 6 Das Handeln und Leiden der Akteure der Geschichte, die Kontexte und Handlungsbedingungen, ihre Antriebe und Motive stellt er in den Vordergrund seiner historischen Forschung. 7 Geschichte als „résurrection de la vie intégrale“ (Michelet 1974: 12) sei aber nach Michelets Grundüberzeugung nur dann möglich, wenn der Historiker durch sein historisches Einfühlungsvermögen den Gedanken und Empfindungen vergangener Zeiten neues Leben einhaucht. Michelet kritisiert die von Augustin Thierry vertretene Idealvorstellung des Historikers, der bei der geschichtlichen Darstellung grundsätzlich versucht, die Ereignisse selbst sprechen zu lassen und sein Selbst ganz auszulöschen. 8 Stattdessen erkennt Michelet die historische Subjektivität als unabdingbare Voraussetzung historischer Erkenntnis an, obwohl die historischen Daten und Fakten das Gerüst der Geschichte bilden. „La Révolution est en nous, dans nos âmes ; au dehors, elle n’a point de monument. Vivant esprit de la France, où te saisirai-je, si ce n’est en moi ?“ behauptet Michelet programmatisch im Vorwort der Histoire de la Révolution. (Michelet 1888: 36) 9 Michelets Geschichtsschreibung zielt deshalb nicht vorrangig auf Rekonstruktion. Seinen Ansichten liegt ein historiografisches Konzept zugrunde, das sein Ziel nicht primär in der objektivierbaren Tatsachenbeschreibung hat, sondern die Deutung der Vergangenheit als Voraussetzung für die adäquate Erfassung der eigenen Gegenwart sieht. Der eigentliche Sinn der Geschichte (im Sinne von Historie) 10 liegt in der Gegenwart, die nur aus der Vergangenheit begreifbar ist. Infolgedessen distanziert sich Michelet vom historischen Objektivismus des XIX. Jahrhunderts, _____________ 5 Michelet folgte Herders romantischer Vorstellung vom ‚Volksgeist‘. 6 1824 entdeckte Michelet das Werk Giambattista Vicos Principi di una scienza nuova d’intorno alla comune natura delle nazioni (1725) und übersetzte es sofort. Er fand darin seine Grundüberzeugung bestätigt, dass die Geschichte vom Volk und nicht nur von dessen Führern oder von Institutionen geprägt wird. 7 Michelet zeigt ein begeistertes Interesse für das Leben „des kleinen Menschen“ und alle Lebensbereiche, in denen sich der homogene Geist des Volkes ausdrückt, samt dem politischen, sozialen, wirtschaftlichen oder literarischen Rahmen. 8 „Je voulais mettre en évidence le caractère démocratique de l’établissement des communes, et j’ai pensé que j’y réussirais mieux en quittant la dissertation pour le récit, en m’effaçant moi-même et en laissant parler les faits.“ (Thierry o.J.: 5) 9 Michelets historiografische Methode, die von ihm in seinen Vorlesungen erläutert wurde, basiert auf Abstraktion und Konkretisierung, Allgemeinheit und Besonderheit, wie Gabriel Monod erklärt: „Le cours de Michelet ne fut pas un récit d’événements. Il ne voulut ni refaire à la Sorbonne ses cours de l’École Normale, ni développer son Précis, ni même, comme le font tant de professeurs, apporter chaque semaine à ses auditeurs les chapitres du livre qu’il écrivait. Non, il chercha plutôt à indiquer les grandes lignes générales et directrices qui devaient ressortir des récits dont son livre serait composé. Dans sa seconde leçon, il expose sa méthode. Elle consiste à vivifier par la psychologie les faits que l’érudition a recherchés et fixés, et qui sont le squelette de l’histoire. Cette psychologie est double. Elle doit faire sentir l’identité morale du genre humain à travers tous les âges, et en même temps montrer comment cette unité fondamentale est diversifiée par les circonstances de temps et de lieu. L´histoire se trouve ainsi opérer dans deux sphères différentes, l’abstrait et le concret, et avoir toujours simultanément devant les yeux la conscience, l’intimité de l’âme et les faits sensibles.“ (Monod 1975: 319f.) 10 Es sei daran zu erinnern, dass „Geschichte als ‚Gegenstand‘, als vergangenes Geschehen, zu unterscheiden ist von der ‚Historie‘ als dem in Geschichtsschreibung manifestierten Wissen von eben diesem Gegenstand. Res gestae und historia, wie man zur Disambiguierung polysemer Lexeme wie dt. Geschichte, e. history oder frz. histoire im Rückgriff auf das Lateinische auch gerne sagt, sind nicht dasselbe.“ (Schmitter 2003: 22)
96 Maldonado-Alemán, M. Rev. filol. alem. 25, 2017: 93-114 vom positivistischen Glauben an die Möglichkeit objektiver Erkenntnis und verwandelt die erzählende Stimme des Historikers in eine sinnlich-empfindende Subjektivität, die nicht außerhalb des dargestellten Geschehens bleibt, sondern an ihm teilhat. Die sonst übliche Rationalität des Historikers, der sich dokumentarischer Quellen und wissenschaftlicher Verfahren bedient, schließt demnach Subjektivitätsformen wie Emotion und Empfindung nicht aus.11 Auch Friedrich Nietzche (1844-1900) übt in diesem Zusammenhang bekanntermaßen heftige Kritik an einem positivistisch geprägten Historismusbegriff, nach dem der Zweck der Geschichtsschreibung darin bestehe, zu zeigen, „wie es eigentlich gewesen“ ist (Ranke 1824: VI) und dabei also der Historiker jeglichen Bezug zur Gegenwart vermeiden müsse. Schon in der Spätaufklärung und in der Frühphase des Historismus wird es versucht, die Wissenschaftlichkeit der Historiografie „nach den Prinzipien methodischer Rationalität“ zu begründen, die „in der neuzeitlichen Kultur notwendige Bedingungen wahrheitsfähiger Erkenntnis sind.“ (Jaeger/ Rüsen 1992: 189f.). Bis dahin galt die Geschichtsschreibung als eine „literarische Veranstaltung, und das heißt: als nicht wissenschaftsfähig.“ (Jaeger/ Rüsen 1992: 189). Dieser von der Aufklärung und dem Historismus „eingeleitete Entwicklungsprozeß des historischen Denkens hin zur Wissenschaftlichkeit der Erkenntnis“ (Jaeger/ Rüsen 1992: 191) ist für Nietzsche ein Irrweg. In seiner Abhandlung Vom Nutzen und Nachteil der Historie für das Leben aus dem Jahre 1874 stellt Nietzsche die Forderung, dass das Verhältnis der Historie zum Leben sich verändern müsse, da die Geschichtsschreibung eben seit Anfang des 19. Jahrhunderts Wissenschaft geworden sei (Oexle 1996: 75f.). „Das Uebermaass von Historie“, so Nietzsche, „hat die plastische Kraft des Lebens angegriffen, es versteht nicht mehr, sich der Vergangenheit wie einer kräftigen Nahrung zu bedienen.“ (Nietzsche 1999a: 329). Die Historie als Wissenschaft sei mithin zu einem „Schaden, Gebreste und Mangel der Zeit“ (Nietzsche 1999a: 246) geworden, zu einem „verzehrenden historischen Fieber“ (Nietzsche 1999a: 246), und das heißt: zu einer Krankheit. Diese historische Krankheit, die die einseitige Orientierung der Geschichtsforschung an historischen Fakten zu ihrem Postulat erhebt, „ohne jemals nach der Bedeutung des Vergangenen für die eigene Gegenwart zu fragen“ (Blanke 1991: 59), untergräbt „das Lebendige“ und bringt es „zu Falle“ (Nietzsche 1999a: 295). Ihr „Richten ist immer ein Vernichten.“ (Nietzsche 1999a: 295). Sie lähmt „die Lebenskräfte“ und zerstört sie schließlich (Nietzsche 1999a: 279). [Deshalb brauchen wir Historie] anders, als sie der verwöhnte Müssiggänger im Garten des Wissens braucht. […] Das heisst, wir brauchen sie zum Leben und zur That, nicht zur bequemen Abkehr vom Leben und von der That oder gar zur Beschönigung des selbstsüchtigen Lebens und der feigen und schlechten That. Nur soweit die Historie dem Leben dient, wollen wir ihr dienen. (Nietzsche 1999a: 245) _____________ 11 Aus diesem Grund sei aus der Sicht einiger Historiker und Literaturkritiker Michelets Geschichtsschreibung eher ein literarischer als ein wissenschaftlicher Wert zuzusprechen. Michelet ist geradezu dank seiner „sensibilité et une imagination trop vives“ manchmal als Dichter charakterisiert worden (Becher 1986: 34f.). Vielleicht deshalb wird Michelet bis heute, wie Philipp Müller bemerkt, „von der deutschsprachigen Historiographiegeschichte kaum im Entwicklungsprozess der modernen Geschichtswissenschaft verortet.“ (Müller 2009: 171)
Maldonado-Alemán, M. Rev. filol. alem. 25, 2017: 93-114 97 Der „historischen Krankheit“ (Nietzsche 1999a: 329) seiner Zeit, die nur die historische Betrachtungsweise für die richtige Zugangsform hält und sämtliche Phänomene ausschließlich aus ihrer historischen Epoche heraus bewertet und deutet, stellt Nietzsche als Alternative eine „Gesundheitslehre des Lebens“ (Nietzsche 1999a: 331) entgegen, eine lebensdienliche Historie, die als monumentalische, als antiquarische und als kritische Historie aufgehört hat, eine Wissenschaft zu sein und in diesen drei Arten dem Lebendigen gehört. Als Kriterien einer solchen Historie gelten für Nietzsche das Unhistorische und das Überhistorische, die als „natürliche[] Gegenmittel gegen die Ueberwucherung des Lebens durch das Historische, gegen die historische Krankheit“ (Nietzsche 1999a: 331) wirksam seien. Das Unhistorische ist „die Kunst und Kraft vergessen zu können und sich in einen begrenzten Horizont einzuschliessen“ (Nietzsche 1999a: 330); das Überhistorische aber sind „die Mächte, die den Blick von dem Werden ablenken, hin zu dem, was dem Dasein den Charakter des Ewigen und Gleichbedeutenden gibt, zu Kunst und Religion.“ (Nietzsche 1999a: 330). Das unbzw. überhistorische Korrektiv soll die „Uebersättigung einer Zeit in Historie“ (Nietzsche 1999a: 279) überwinden, so dass das moderne Individuum letztendlich „als eine spezifische Konstellation von ‚Leben‘ und ‚Geschichte‘“ (Wolf 2003: 48) konstituiert werden kann. Auch im Rahmen einer solchen Konstellation stellt Nietzsche die Objektivität und Zuverlässigkeit historischer Erkenntnis grundsätzlich infrage. Die angebliche historische Objektivität der Geschichte als Wissenschaft sei doch nichts als „ewige[] Subjectlosigkeit“ (Nietzsche 1999a: 284), nichts als eine „Wahrheit, bei der nichts herauskommt“ (Nietzsche 1999a: 287), eine reine Erkenntnis ohne explizite Berücksichtigung ihrer Relevanz, „eine belanglose Aussagenauflistung über die Vergangenheit“ (Kistenfeger 2011: 267). Aber auch gerade eine Historiografie, die dem Leben und der Gegenwart dient, repräsentiert die Tatsachen und Fakten der Geschichte nicht einfach objektiv, sondern unterwirft sie „subjektiven Maßstäben […], die von der Gegenwart, in der sie entstehen, entscheidender geprägt sind als von der Vergangenheit, die eigentlich festgehalten werden soll.“ (Catani 2016: 79). Sie kann sogar auf „fiktionsbildende Verfahren“ (Catani 2016: 78) beim historischen Erzählen nicht verzichten. Im späteren Werk verschärft Nietzsche seine kritische Haltung gegenüber dem Objektivitätsanspruch des Positivismus und betont den der Historie inhärenten konstruktiven Subjektivismus bzw. Perspektivismus: Gegen den Positivismus, welcher bei dem Phänomen stehen bleibt ‚es giebt nur Thatsachen‘, würde ich sagen: nein, gerade Thatsachen giebt es nicht, nur Interpretationen. Wir können kein Factum ‚an sich‘ feststellen: vielleicht ist es ein Unsinn, so etwas zu wollen. ‚Es ist alles subjektiv‘ sagt ihr: aber schon das ist Auslegung, das ‚Subjekt‘ ist nichts Gegebenes, sondern etwas Hinzu-Erdichtetes, Dahinter-Gestecktes. – Ist es zuletzt nöthig, den Interpreten noch hinter die Interpretation zu setzen? Schon das ist Dichtung, Hypothese. Soweit überhaupt das Wort ‚Erkenntniß‘ Sinn hat, ist die Welt erkennbar: aber sie ist anders deutbar, sie hat keinen Sinn hinter sich, sondern unzählige Sinne ‚Perspektivismus‘. Unsre Bedürfnisse sind es, die die Welt auslegen […]. (Nietzsche 1999b: 315) Wie für Nietzsche lässt sich auch nach Michelets Auffassung Geschichte nur narrativ darstellen. Die Erschließung vergangener Denkweisen und Empfindungen, die
98 Maldonado-Alemán, M. Rev. filol. alem. 25, 2017: 93-114 „Wiederauferstehung“ des durch den Menschen bewirkten Geschehens in der Vergangenheit hängt für Michelet mit der narrativen Darstellungsstruktur eng zusammen. Da die Vergangenheit nicht direkt wahrgenommen werden kann, muss der Historiker Geschichte durch Selektion, Synthese und Auslegung der sogenannten historischen Fakten 12 im Rahmen einer (re)konstruierenden Erzählung als Historie schaffen (Schmitter 2003: 22), d. h. er muss die Geschichte narrativ modellieren und aufarbeiten. Kein Vergangenheitsbild oder Vergangenheitskonstruktion kann ohne Narration entstehen. Erst durch den Akt des Erzählens können die verschiedenen Lebensbereiche, in denen sich der Geist einer vergangenen Epoche im Sinne Michelets ausdrückt, ‚wiederbelebt‘ werden. Die präsentierten Gefühlswelten und Ereignisabläufe erscheinen allerdings als Resultat einer solchen narrativen (Re-)Konstruktion und sind „weder wiederholendes Abbild noch verdoppelnde Reproduktion des Geschehens“ (Baumgartner 1976: 277). Wie diese (Re-)Konstruktion im Einzelnen ausfällt, hängt „weitgehend von den Vorannahmen, Vorentscheidungen, Fragestellungen und Interessen“ des Historiografen ab (Schmitter 1983: 5). Geschichte im Sinne von Historie ist also keine „bloße Wiedergabe, Darstellung oder Beschreibung von Geschehenem“, sondern eine spezifische Form der Bedeutungskonstituierung, ein narrativer Wissensentwurf, in dem es auf „Deutung und Sinngebung ankommt.“ (Schmitter 2003: 23) Geschichte als (re)konstruierende Erzählung, die mittels sprachlicher Äußerungen ausgeführt wird, bedarf darüber hinaus einer geeigneten narrativen Struktur, die festlegt, in welcher Weise die rekonstruktiv ausgewählten Fakten zu Ereignisabläufen verbunden werden. Anhand einer spezifischen Darstellungsform und unter einer diachronen Fragestellung, die über eine bloße synchrone Beschreibung der Fakten weit hinausgeht, wird es letztendlich versucht, Entwicklungen aufzuzeigen, „also den Verlauf sowie Zusammenhänge, Gründe, Ursachen und Folgen der Geschehens darzulegen.“ (Schmitter 2003: 25) Hierüber ist es Michelets spezifisches Ziel, das „in vergangenen Zeiten Gewesene so gut [zu] erzählen, als ob es in der eigenen Welt wäre“ (Gumbrecht 1982). Gestützt auf ein intensives Studium der Quellen 13 gelingt es Michelet, eine historische Darstellungsweise hervorzubringen, die es möglich macht, dass die vergangenen Ereignisse im Bewusstsein des Lesers zur Gegenwart werden (Becher 1986: 35). Mit dem Ziel der „Vergegenwärtigung vergangenen Erlebens“ (Gumbrecht 1982: 496f.) sind bei der Schilderung von Geschehenem Vergangenheit und Zu_____________ 12 Aus der Fülle von Fakten muss der Historiker immer eine Auswahl treffen, „indem er aufgrund seines Wertsystems einige davon heraushebt und schon dadurch für historisch relevant erklärt, daß er sie berichtet. Hierdurch kommt unvermeidlich ein subjektiver Faktor in die Geschichtsschreibung hinein, und eine gewisse Subjektivität liegt ebenfalls darin, daß der Historiker – wiederum im Rückgriff auf bestimmte Selektionskriterien – auch schon zur Rekonstruktion der Fakten aus dem Gesamt der Quellen, die ihm zur Verfügung stehen, nur einen Teil auswählt.“ (Schmitter 2003: 24). Deshalb kann man behaupten, dass die Vergangenheitsbilder nicht etwa mit dem Gewesenen zu tun haben, sondern mit dem Gegebenen. Die Materialbzw. Quellenauswahl samt der gewählten Fragestellung, Interessen, Deutungsmustern oder Darstellungsformen des Erkenntnissubjekts bestimmen die spätere Repräsentation der Vergangenheit. Darüber hinaus sei zu beachten, dass die „historischen Fakten keineswegs von vornherein vorgegeben [sind] (so daß man lediglich eine geeignete Selektion zu treffen hätte). Vielmehr wird ein solches Faktum erst im Rahmen der Geschichtsschreibung konstituiert, und zwar dadurch, daß es vom Historiker aus dem Quellenmaterial rekonstruiert wird.“ (Schmitter 2003: 26) 13 Michelet betrieb gründliches Quellenstudium. Seine historischen Werke stützen sich nicht nur auf geschriebene Quellen, sondern auch auf mündliche Überlieferungen – er nannte sie „lebende Dokumente“ und meinte, dass sie notwendig seien, um die offiziellen Quellen zu ergänzen –, Bauten, Münzen, literarische und künstlerische Werke und Legenden. Er verwendete auch bis dahin verlorenes Archivmaterial.
Maldonado-Alemán, M. Rev. filol. alem. 25, 2017: 93-114 99 kunft im gegenwärtigen Jetzt immer wieder präsent. In Form einer perspektivischen Erzählung und mittels der sprachlichen Verknüpfung der Dimensionen von Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft gelingt es Michelet, das längst Vergangene zu vergegenwärtigen und damit eine als authentisch und ‚wahr‘ empfundene Geschichte zu erzählen. Michelet meidet dabei wissentlich und willentlich die desinteressierte Teilnahmelosigkeit, die ‚impartialité‘ des historischen Urteils. Sein historiografisches Werk zeigt die emotionale Anteilnahme des Erzählsubjekts am Erleben anderer. Daraus ergibt sich eine lebendige Erzählung von historischen Ereignissen und Vorgängen, von handelnden und leidenden Menschen, die eine markante Analogie zur fiktionalen Literatur aufweist. Was Michelets narrative Darstellung der Geschichte von der fiktionalen Literatur unterscheidet ist allerdings der explizite Bezug seiner Geschichtsschreibung auf Quellen, die die historische Realität bezeugen sollen (Becher 1986: 33).14 Vor dem Hintergrund von Michelets Überlegungen zur Geschichtsschreibung und Nietzsches historischem Relativismus werden im Folgenden die historiografischen Ansichten untersucht, die Tanja Dückers im Roman Himmelskörper skizziert, sowie ihr (selbst-)reflexiver Umgang mit Vergangenheit und Geschichte. 2. Das Konzept einer sinnlichen Geschichtsschreibung bei Tanja Dückers In ihrem Generationenroman Himmelskörper (2003), der das Thema der Erinnerung ins Zentrum stellt und wie ein „lebendiges Stück Familiengeschichte klingen“ soll (Partouche 2003: 42), entwirft Tanja Dückers das Konzept einer „sinnlichen Geschichtsschreibung“ (Ortmann 2002; Haberl 2004; Dückers 2007), das in vieler Hinsicht an Michelets historiografische Ansichten und Nietzsches geschichtskritische Reflexionen erinnert. Dückers‘ Konzept, das von der „scheinbar objektiven“ (Dückers 2007), linearen Geschichtsschreibung von Zeithistorikern ausdrücklich Abstand nimmt und das eigene literarische Schreiben der Autorin charakterisieren soll,15 ist frei von „Datum und Chronologiezwang“ (Dückers 2003: 273). Es wendet sich gegen eine Auffassung von Geschichte, die Vergangenheit als eine reine temporal geordnete Sequenz von Ereignissen und Vorgängen versteht, die in einen zeitlich-kausalen, logischen Zusammenhang ohne Brüche und Ungereimtheiten gestellt werden. Aus dieser kritischen Sicht, vor dem Hintergrund eines Selbstfindungsprozesses, welcher die Folgen der Verdrängung der NS-Vergangenheit vorführt, skizziert Dückers in Himmelskörper eine Art subjektive – eben „sinnliche“ – Geschichtsschreibung, die sich auf eine private, personenbezogene und durch Überlagerungen gekennzeichnete Geschichtsauffassung gründet. Ihr Ziel besteht darin, innere Wahrheiten im geschichtlichen Prozess aufzudecken und darzustellen, die unvermeidlich fragmentarisch bleiben. Die Lücken und Widersprüche der aufgezeigten personalen Wahrheiten relativieren den absoluten Wert des Geschilderten und verweisen auf die Perspektivität und Relativität von Vergangenheitsdeu_____________ 14 Freilich, wie u. a. Ursula A. J. Becher betont, ist „Historiographie immer auch Literatur und hat als Werk sprachlicher Gestaltung eine künstlerische Dimension.“ (Becher 1986: 35) 15 Tanja Dückers stellt hierzu fest: „Schreiben bedeutet für mich eine Art von, wie ich das immer nenne, sinnlicher Geschichtsschreibung. Ich glaube, dass es wichtig ist, dass man als Autor auf seine Gegenwart reagiert, sie in Kunst transformiert und sie damit kommentiert.“ (Ortmann 2002)
100 Maldonado-Alemán, M. Rev. filol. alem. 25, 2017: 93-114 tungen, d. h. auf den Umstand, dass „die Vergangenheit niemals gänzlich abgeschlossen ist, sondern beständig revidiert und neu perspektiviert werden kann und muss“ (Assmann 2011: 85), um sie an die neuen Bedürfnisse der Gegenwart anzupassen. „Es ist das Eingeständnis, dass Geschichte nie ganz objektiv sein kann, dass man immer einen persönlichen Zugang finden muss“, sagt die Autorin in einem Interview (Partouche 2003: 42). Je nach eigenen Bedürfnissen, zeitbedingten Erfahrungen, Interessen, Deutungsmustern oder Wertungen projiziert man Geschichte. Geschichte sei dieser Auffassung zufolge ein Produkt des Erkenntnissubjekts. Selbst das historische Erinnern sei ein interessengesteuerter Prozess. Geschichte erscheint deshalb nun nicht graduell und linear, also als ein absolut abgeschlossener Entwicklungsprozess, sondern als eine immer noch gegenwärtige Vergangenheit, deren Bruchstücke mittels der Erinnerung und der Erzählung zum Vorschein gebracht werden können. Kollektive Geschichte wird dann anhand von persönlichen Geschichten erzählt, mittels der Inszenierung von individuellen und kollektiven Erinnerungen, wobei das Gedächtnis selbst zum Akteur wird. Die Erinnerung mit ihren Lücken und Leerstellen erscheint dabei als „eine fragende und befragte Instanz“ (Braun 2008: 102) und fungiert mithin im Roman als „ein literarisches Medium“ (Braun 2008: 100), mit dessen Hilfe Vergangenes nicht mit „Datum und Chronologiezwang“ (Dückers 2003: 273), sondern „eher ein bißchen märchenhaft“ (Dückers 2003: 273) dargestellt und kritisch reflektiert wird. Die Fiktion ist in diesem Prozess ein „substantielles, ästhetisch prägendes“ Element der Erinnerung, d. h. sie macht „die Erinnerung zur Kunst, und als Mittel dazu dient ihr das Erzählen.“ (Braun 2013b: 26). Trotz ihrer privaten, fiktionalisierten Eigenart spiegelt sich in diesen ‚kleinen‘ Geschichten die ‚große‘, kollektive Geschichte.16 In Dückers Himmelskörper erscheint somit die literarische Inszenierung von Erinnerung als ein dynamischer, prozessund gegenwartsorientierter Akt. Nicht die vergangenen Erfahrungen einer rückblickenden Figur stehen dabei im Vordergrund, sondern „die Darstellung der aktuellen, dynamischen Bedingungen der Rekonstruktion und Repräsentation von Vergangenem.“ (Neumann 2005: 209). Diese Form des Vergangenheitsbezugs bringt Himmelskörper in der Nähe des Erinnerungsromans als Subgattung der sogenannten fictions of memory, in welchem es insbesondere „auf das Erinnern in der Gegenwart ankommt, nicht auf das Erinnerte in der Vergangenheit“ (Braun 2013b: 24).17 _____________ 16 Im Folgenden halte ich mich an die terminologische Unterscheidung zwischen Fiktionalität und Fiktivität, die Lucian Hölscher vorgeschlagen hat. Nach ihm bezieht sich der Begriff der Fiktionalität „auf die sprachliche bzw. bildliche Konstruktion aller Ereignisse und ihre mnemotechnische Vermittlung. Fiktiv heißen dagegen alle nicht-realen Ereignisse: Sie haben sich historisch niemals ereignet. Bezogen auf die Geschichtsschreibung existieren fiktive Ereignisse, so definiert, nur in der Literatur, nicht außerhalb derselben; fiktionale Ereignisse können dagegen jenseits ihrer literarischen u. U. auch eine außerliterarische Existenz für sich beanspruchen.“ (Hölscher 2003: 31f.). Nach Hölscher sind alle historischen Ereignisse, epistemologisch gesehen, fiktional, da sie nur als sprachliche bzw. bildliche Konstruktionen in Erscheinung treten. (Hölscher 2003: 31) 17 Als fictions of memory charakterisiert Birgit Neumann Erzähltexte, „die die wechselseitige Durchdringung von Erinnerungen, Identitäten und Erzählungen in ihrer individuellen bzw. kollektiven Dimension vor Augen führen und Fragen nach dem spezifischen Leistungspotential von Erinnerung in den Vordergrund rücken.“ (Neumann 2004: 333). In ihrer Untersuchung Erinnerung – Identität – Narration präzisiert Neumann den Begriff fictions of memory weiter: „Fictions of memory […] sind in thematischer, formaler und funktionaler Hinsicht auf vielfältige und komplexe Weise mit extraliterarischen Erinnerungspraxen und -diskursen verwoben. Sie stellen – individuell und kollektiv erinnerte – Vergangenheiten in einem als fiktional ausgezeichneten Raum dar, reflektieren die Bedingungen der sinnstiftenden Rekonstruktion von Erinnerungen und vermitteln neue Vorstellungen von Erinnerungen und Identität.“ (Neumann 2005: 9). Da die fictions of memory zwei Ar-
Maldonado-Alemán, M. Rev. filol. alem. 25, 2017: 93-114 101 3. Dückers’ historisch-fiktionales Erzählen in Himmelskörper Strukturell setzt sich Himmelskörper aus biografischen bzw. familiengeschichtlichen Rückblenden einer Ich-Erzählerin zusammen, die keineswegs chronologisch geordnet sind. Die Erzählstimme springt zwischen den verschiedenen zeitlichen Abschnitten ihres bisherigen Lebens hinund her und die Romanhandlung wechselt dementsprechend ununterbrochen zwischen unterschiedlichen Perioden der erzählten Geschichte (Giesler 2006: 172f.). Darüber hinaus erzählen andere Romanfiguren, meistens Zeitzeugen der Elternund Großelterngeneration, aus ihrer subjektiven Perspektive Geschichten aus ihrem Leben, so dass eine fragmentierte, eben polyphone Darstellung entsteht, die Lücken und Widersprüche aufweist. Anhand dieser Erzählstruktur, „im Rückblick aus einer Perspektive des Späteren“ (Hinck 2000: 457), im Rahmen einer fiktiven Spurensuche und aus der personalen Perspektive einer weiblichen Figur, die zur dritten Generation gehört, nähert sich Himmelskörper der Geschichte des Nationalsozialismus durch die Erforschung einer Familiengeschichte, wobei die Schuldfrage ins Zentrum der Recherche gestellt wird. Die Auseinandersetzung mit persönlicher und kollektiver Schuld zeigt das Funktionieren eines gestörten Generationengedächtnisses, das die Zugehörigkeit der Deutschen zu den Tätern tabuisiert und verdrängt. Allerdings steht dabei nicht die Zeit des Nationalsozialismus im Vordergrund, d. h. die recherchierte Vergangenheit, sondern die Spurensuche selbst, die Erforschung der eigenen Familiengeschichte der Protagonistin. An die Stelle der Frage nach dem Was der historischen Ereignisse steht die Frage im Mittelpunkt wie eine Erinnerung an den Zweiten Weltkrieg aus der Sicht der dritten Generation aussehen kann, wobei insbesondere die Spätfolgen des Nationalsozialismus, seine gegenwärtige Bedeutung und die generationsbedingten Bedeutungszuweisungen, d. h. die Erinnerungsdifferenzen der Generationen deutlich zum Vorschein kommen. Es wird also nicht eine „Geschichte des Werdens“ erzählt, sondern „eine der anhaltenden Nachwirkungen.“ (Assmann 2011: 84) Freia, eigentlich Eva Maria, die Ich-Erzählerin und zentrale Figur des Romans, die etwa Mitte Dreißig und von Beruf Meteorologin im Gebiet Wolkenforschung ist, versucht angesichts des Schweigens der Eltern und Großeltern und angeregt durch ihre Schwangerschaft, die eigene Familiengeschichte zu erkunden, was zugleich eine Suche nach der eigenen Identität bedeutet. _____________ ten des Zeitbezugs inszenieren – der Gegenwartsund Vergangenheitsbezug –, teilt Neumann die Erzähltexte in die Subgattung des Gedächtnisoder Erinnerungsromans ein. „Bei Gedächtnisdarstellungen stehen die vergangenen, lebensweltlichen Erfahrungen einer rückblickenden Figur im Zentrum; bei der Inszenierung von Erinnerungen hingegen verlagert sich der Akzent“ auf die Gegenwart (Neumann 2005: 209). Carsten Gansel präzisiert die Subgattung des Erinnerungsromans mit aller Deutlichkeit: „Der dominante Zeitbezug des Erinnerungsromans ist gegenwartsorientiert. Gezeigt wird der Versuch einer zumeist homodiegetischen Erzählinstanz, die disparaten Erfahrungsfragmente in ein sinnvolles Ganzes zu bringen. Es geht nicht nur darum, das Vergangene zu vergegenwärtigen oder ‚blinde Flecken‘ zu füllen, vielmehr erfolgt eine Auseinandersetzung mit dem gegenwärtigen Sein. Bei Texten dieses Typs ist das erinnernde Ich bemüht, seinen persönlichen Erfahrungen auf die Spur zu kommen und sie jeweils produktiv beziehungsweise sinnhaft an die aktuelle Situation in der Gegenwart anzukoppeln. Anders als beim Gedächtnisroman, bei dem das Ich sich seiner Erinnerungen sicher ist, wird der Vorgang der Erinnerung ausdrücklich problematisiert. Die für den Gedächtnisroman kennzeichnende Geschlossenheit wird aufgebrochen, die Erinnerungen sind brüchig, nur teilweise vorhanden und nur ansatzweise rekonstruierbar.“ (Gansel 2010: 28f.). Vgl. hierzu auch Neumann (2005: 210).
108 Maldonado-Alemán, M. Rev. filol. alem. 25, 2017: 93-114 torischer Generationenroman28 auffassen, der nicht nur die Erforschung und Rekonstruktion der Familiengeschichte präsentiert, sondern auch ihre eigene Genese darlegt.29 Himmelskörper verweist grundsätzlich auf die Frage, ob das objektiv Gegebene und der subjektive Eindruck von demselben trennbar seien. Die Ich-Erzählerin stellt fortwährend fest, dass die „memoriale Differenz“ (Joachimsthaler 2009) zwischen dem erinnerten und dem sich erinnernden Subjekt sowie der Abstand zwischen dem, der sich erinnert, und dem, was erinnert wird, zu groß sind. Die Spannungen zwischen individuellem, kommunikativem und kulturellem Gedächtnis sind unüberwindbar. Freia zweifelt an der Aufrichtigkeit der Zeitzeugenberichte und stellt ihre Vergangenheitsdeutung unter „Tabuverdacht“ (Braun 2008: 101). Bei der Rekonstruktion ihrer Familiengeschichte wird es der Ich-Erzählerin auch klar, dass Dokumentarfilme, Gedenkstätte, Geschichtswissen oder das kulturelle Gedächtnis ihr nicht weiterhelfen, denn sie verfügt nur über überlieferte Erinnerungen. Sie braucht den emotionalen Zugang. Selbst Fotografien, die nach Marianne Hirsch ein privilegiertes Medium des Postgedächtnisses sind, sind wenig hilfreich. Die Fotografien vermitteln kein Selbst-, kein Ichgefühl. „Der Gedächtnisdiskurs der Fotografie ist [...] auf narrative Rahmungen angewiesen, denn ein isoliertes Familienfoto ‚bedeutet‘ nichts, solange der Betrachter nicht weiß, wer darauf zu sehen ist oder wann das Foto gemacht wurde.“ (Horstkotte 2003: 282). Deshalb ist bei der Ich-Erzählerin die Spannung zwischen persönlicher Erinnerung und nachträglich gewonnenem Wissen und Überlegungen für die kritische Rekonstruktion der Familiengeschichte nicht konstitutiv. Die alten Familienfotos werden von Freia nicht als ihr zugehörig empfunden und bleiben mithin für sie unentzifferbar. Sie evozieren verfremdende Elemente und damit neue Ebenen des Unverständlichen: „Diese gräßliche Gleichgültigkeit. Diese vermeintliche Objektivität“ (Dückers 2003: 57). Freias ,Lektüre‘ der Fotos ist wesentlich durch Verweigerung gekennzeichnet. Zu Hause hatte meine Mutter mir Fotos, Briefe und sogar gehäkelte Deckchen aus der Vorkriegszeit gezeigt, die die Flucht überstanden hatten, und doch wollten mir Tante Lila und Onkel Józef, die fast fünfundzwanzig Jahre vor meiner Geburt gestorben waren, nicht näherkommen. Ich ließ die vielen Gegenstände aus den Truhen meiner Mutter durch meine Hände gleiten und fragte mich, ob diese Erinnerungsstücke vielleicht nur einen Sinn für den Besitzer hatten. So wie ein Verliebter in dem Objekt seiner Begierde etwas sieht, was ein anderer nicht nachvollziehen kann. Ich starrte auf die vielen alten Fotos, die Renate akribisch in Alben geklebt, datiert und kommentiert hatte. Die beiden waren mir so vertraut und so unvertraut wie Abraham Lincoln, wie Lenin. (Dückers 2003: 170) Die Verbindung zur Erinnerung der Zeitzeugengenerationen kann nicht hergestellt werden. Himmelskörper zeigt somit die Schwierigkeit, aus der Darstellung und ,objektiven‘ Beglaubigung der Vergangenheit heraus eine authentische Erinnerung zu generieren. _____________ 28 Unter die Kategorie metahistorischer Roman fallen Texte, die „sich mit historischen Ereignissen dezidiert aus einer gegenwärtigen Perspektive beschäftigen und gestalterisch die Konstruktivität von Geschichte und Erinnerung hervorheben.“ (Eigler 2005: 61) 29 Es handelt sich also nicht um eine Nacherzählung wie etwa in Thomas Manns Buddenbrooks. (Giesler 2007: 287)
Maldonado-Alemán, M. Rev. filol. alem. 25, 2017: 93-114 109 Nur ein „Himmelskörper“ namens „Cirrus Perlucidus“ (Dückers 2003: 11), der durchsichtige aber nicht durchscheinende Cirrus (Dückers 2003: 12), den Freia im polnischen Gdynia entdeckt, und den sie seit langem zu identifizieren versucht,30 erscheint symbolisch wie ein „Geschichtsspeicher“ (Dückers 2003: 307), der es möglich macht, die emotionale, subjektive Empfindung in die Erforschung der Familiengeschichte zu integrieren und somit die ‚unscharfen Bilder‘ der Vergangenheit zu beseitigen und über „Ungeklärtes“ (Dückers 2003: 26) „Klarheit“ (Dückers 2003: 271) zu gewinnen.31 Dadurch kann Freia eine unmittelbare, persönliche Verbindung zur Vergangenheit herstellen, d. h. sich an eine Vergangenheit, die sie nicht miterlebt hat, „sinnlich“ annähern (vgl. Ächtler 2009: 296) und nachträglich innerlich das zu erkennen, was in der Vergangenheit ihre Zukunft bestimmt hat.32 Das flüchtige Naturphänomen der Wolkenbildung, das „eigentlich nicht mehr Objekt und doch noch nicht ganz entmaterialisiert ist“ (Dückers 2003: 24) und deshalb als ein schlecht objektiv greifbarer Forschungsgegenstand der IchErzählerin erscheint, fungiert als Bild für die den Roman durchziehende Frage nach dem Verhältnis von Faktualität und Fiktivität, d. h. für die Frage nach der Objektivität von historischen Fakten und der Rekonstruierbarkeit des historisch Gegebenen. Der Roman thematisiert ausdrücklich die „schwebende Grenze zwischen ‚subjektiver‘ und ‚objektiver‘ Geschichte“ (Dückers 2003: 307), zwischen historischen Fakten und der subjektiven Wahrnehmung derselben und verweist somit auf die Untrennbarkeit von faktischer Wirklichkeit und subjektiver „Empfindung“ (Dückers 2003: 307). „Wann ist etwas durchscheinend, durchsichtig, unsichtbar? Wie verhält sich das Unsichtbare zum Nicht-Vorhandenen?“ (Dückers 2003: 58), fragt sich die Ich-Erzählerin. Anhand eines Zitats aus Shakespeares Hamlet wird in Himmelskörper auf die fundamentale Relativität und Flüchtigkeit der Beschreibung und Deutung der erfahrbaren, ‚real‘ gegebenen Wirklichkeit hingewiesen: HAMLET: Seht ihr die Wolke dort, beinahe in Gestalt eines Kamels? POLONIUS: Beim Himmel, sie sieht auch wirklich aus wie ein Kamel. _____________ 30 Sabine Kallweit bemerkt, dass je mehr Freia „über den familiären Mythos von der ‚Flucht aus Gotenhafen‘ und seine Bedeutung für ihre Gegenwart herausfindet, desto durchsichtiger werden die korrespondierenden Wolkenformationen.“ (Kallweit 2005: 180) 31 „Die Zeichenhaftigkeit des ‚Perlucidus’ wird dadurch bekräftigt“, wie Jens Stüben bemerkt, „dass Freia den gesuchten Cirrustyp genau in dem Augenblick entdeckt, als der letzte Rest von Geheimnis, der die Wahrheit verschleiert hat, schwindet, nämlich am Pier von Gdingen – genau dort, wo der Kampf um die letzten Plätze auf der ‚Theodor‘ stattfand, genau dann, als die Mutter im Angesicht des einstigen Tatorts ihren seelischen Zustand, ihre Zweifel an ihrer ‚Lebensberechtigung‘ […], der Tochter offenbart. Dies ist die zentrale Stelle des Romans. Freias meteorologische Entdeckung korrespondiert also mit ihrer Erkenntnis des innersten Kerns von Renates Lebenstragik. Der Blick in den Himmel – kein anderer Wolkentyp ist in größerer Höhe anzutreffen – steht hier dem inneren Blick in die Tiefe des Wassers, dem Wissen um die ‚Gustloff‘-Katastrophe und die Abgründe der Familiengeschichte, diametral gegenüber.“ (Stüben 2006: 182) 32 „Immer dann, wenn der Gedächtnistransfer zwischen den Generationen sich nicht nach dem Modell der binnenfamiliären Weitergabe von kommunikativ tradierter Geschichte vollzieht, wenn also Schweigen, Verdrängen oder Angst (vor z. B. Strafverfolgung) im Umgang mit der NS-Zeit vorherrschen, ergibt sich für die Nachgeborenen“ (Ostheimer 2013: 46) die „ambivalente Struktur“ eines Postgedächtnisses, „das Wissen und Nicht-Wissen zugleich vereint und dessen Lücken nur durch Imagination und Projektion zu füllen sind.“ (Horstkotte 2009: 26)
110 Maldonado-Alemán, M. Rev. filol. alem. 25, 2017: 93-114 H AMLET : Mich dünkt, sie sieht aus wie ein Wiesel. P OLONIUS : Sie hat einen Rücken wie ein Wiesel. H AMLET : Oder wie ein Walfisch? P OLONIUS : Ganz wie ein Walfisch. (Dückers 2003: 311) Gerade weil aus Dückers‘ Sicht die Wahrnehmung der Wirklichkeit vom Standpunkt des Beobachters aus bestimmt ist, bewegt sich die (freilich fiktive) Rekonstruktion der Familiengeschichte in Himmelskörper wie die Erinnerung selbst zwischen Fakten und Fiktionen, zwischen Recherche und emotionaler Empfindung, zwischen Authentizität und freier Erfindung. 33 Die Auseinandersetzung mit dem Familiengedächtnis ist jedoch „weniger durch dokumentarische Faktizität als vielmehr durch imaginative Zugänge“ und „eine zunehmende Fiktionalisierung der Vergangenheit gekennzeichnet“ (Horstkotte (2003: 282). Geschichte wird so zu einer Frage der „Interpretation, Erzählung und Fiktion“ (Goldene Zeiten 2010; Catani 2016: 453). Statt die Vergangenheit historisch zu dokumentieren, wird sie narrativ inszeniert (Braun: 2013b: 26). Die Vergangenheit löst sich letztlich in Literatur auf. 34 Mittels eines multiperspektivischen Erzählverfahrens, das verschiedene Zeitebenen miteinander verbindet, erscheint dann die Vergangenheit als eine narrative Konstruktion von Fragmenten und Versatzstücken, die die Geschichte subjektiv modelliert und die Fragwürdigkeit und Unzuverlässigkeit individueller Erinnerungen offen legt. Dadurch wird eine Innenperspektive auf die historischen Ereignisse ermöglicht, die unbekannte Aspekte der Vergangenheit aufdeckt und freilegt. Das Zusammenwirken von Faktizität, Ausarbeitung 35 und Erfindung schafft die Voraussetzungen für neue Blicke auf das historisch Gegebene und ermöglicht einen persönlichen Zugang zur Vergangenheit, der die Geschichte neu besichtigt und den Blick, wie Aleida Assmann erklärt, „auf die Leerstellen und blinden Flecken“ richtet, „auf das, was dethematisiert, tabuisiert oder ganz einfach übersehen und vernachlässigt ist.“ (Assmann 2011: 84). Der persönliche, emotionale Blick bestätigt, dass die Vergangenheit noch nicht vergangen, sondern Teil der Gegenwart ist, dass die resultierenden Vergangenheitsversionen sehr stark von den Bedürfnissen der Gegenwart geprägt sind. Geschichte ist in dieser Konzeption ausschließlich „als lebendiger Prozess denkbar, der keineswegs mit den Ereignissen der Vergangenheit ein Ende findet, sondern mit der (Re-)Konstruktion dieser Ereignisse in der Gegenwart nicht nur sein eigenes Aussehen verändert, sondern jenes der Gegenwart entscheidend mitgestaltet.“ (Catani 2016: 202). 36 Deshalb lassen sich Vergangenheit und Gegenwart nicht einfach differenzieren. 37 Im Gegenteil, die Vergangenheit gewinnt „ihr vollständiges _____________ 33 Die Erfindung von Geschichten, wie Michael Braun bemerkt, „hat nicht automatisch mit Unwahrheit, Verfälschung, Willkür oder gar arglistiger Täuschung zu tun.“ (Braun 2013a: 11) 34 Vgl. hierzu Cohen-Pfister (2008). 35 Die literarische Ausarbeitung bezieht sich, wie Aleida Assmann erklärt, „auf Fragen der Darstellung wie Rahmung, Narrativierung, stilistische Mittel, Deutungsangebote und so weiter.“ (Assmann 2011: 80) Assmann definiert den Begriff der Fiktionalisierung allerdings anders als Lucian Hölscher. Fiktionalisierung bedeutet für sie, dass „Teile der Erzählung bewusst hinzuerfunden, umgestellt oder anderweitig verändert werden.“ (Assmann 2011: 80) 36 Vgl. weiterführend hierzu insbesondere Rüsen. (2002: 74; 2003: 47ff.) 37 Allerdings, wie Stephanie Catani hervorhebt, bedeutet die „Untrennbarkeit von Vergangenheit und Gegenwart im Begriff der Geschichte, allen Unkenrufen radikaler ‚Postmodernisten‘ zum Trotz, keineswegs den Abschied von der Geschichte.“ (Catani 2016: 455)
Maldonado-Alemán, M. Rev. filol. alem. 25, 2017: 93-114 111 Gesicht erst durch die Gegenwart, die sich ihr zuwendet. Gleichzeitig ist die Gegenwart, von der erzählt wird, ohne die Vergangenheit, mit der sie sich auseinandersetzt, nicht denkbar“ (Catani 2016: 201), eine Auffassung, der auch Jules Michelet und teilweise Friedrich Nietzsche zugestimmt hätten. Die narrativ dargestellten Vergangenheitsversionen haben allerdings eine exemplarische Bedeutung. Trotz ihrer fiktionalen, subjektiven Umformung und obwohl sie literarische (fiktive) Konstruktionen sind, sind sie repräsentativ für viele andere, nicht erzählte authentische Geschichten. Denn in ihnen vermischt sich Privates „mit Geschichtlichem, Individuelles mit Kollektivem.“ (Kaminska 2010: 153) Literaturverzeichnis Ächtler, N., «Topographie eines Familiengedächtnisses: Polen als Raum des Gegengedächtnisses in Tanja Dückers‘ Roman Himmelskörper», Seminar. A Journal of Germanic Studies 45/3 (2009), 276-298. Assmann, A., Erinnerungsräume. Formen und Wandlungen des kulturellen Gedächtnisses. München: Beck 2006a. Assmann, A., Der lange Schatten der Vergangenheit. Erinnerungskultur und Geschichtspolitik. München: Beck 2006b. Assmann, A., «Die Vergangenheit begehbar machen. Vom Umgang mit Fakten und Fiktionen in der Erinnerungsliteratur», Die Politische Meinung 500/501 (Juli/August 2011), 77-85. Barthes, R., Michelet par lui-même. Paris: Le Seuil 1954. Baumgartner, H. M., «Thesen zur Grundlegung einer transzendentalen Historik», in: Baumgartner, H. M./ Rüsen, J. (Hg.), Seminar: Geschichte und Theorie. Frankfurt am Main: Suhrkamp 1976, 274-301. Becher, U. A. J., Geschichtsinteresse und historischer Diskurs. Ein Beitrag zur Geschichte der französischen Geschichtswissenschaft im 19. Jahrhundert. Wiesbaden: Franz Steiner 1986. Blanke, H. W., Historiographiegeschichte als Historik (Fundamenta Historica, Bd. 3). Stuttgart-Bad Cannstatt: Frommann-Holzboog 1991. Bonner, W., «„Vielleicht ist es mein Großvater. Vielleicht auch nicht.“ Fotos als Postmemory in Texten von Barbara Honigman und Irina Liebmann», in: Grote, M./ Henjum, K. B./ Ingebrigtsen, E./ Pietzuch, J. P. (Hg.), Perspektiven. Das IX. Nordisch-Baltische Germanistentreffen in Os/Bergen, 14.-16. Juni 2012. Stockholm: Stockholm University 2013, 93-107. Braun, M., «Wem gehört die Geschichte? Tanja Dückers, Uwe Timm, Günter Grass und der Streit um die Erinnerung in der deutschen Gegenwartsliteratur», in: Schütz, E./ Hardtwig, W. (Hg.), Keiner kommt davon. Zeitgeschichte in der Literatur nach 1945. Göttingen: Vandenhoeck & Ruprecht 2008, 100-114. Braun, M., Wem gehört die Geschichte? Erinnerungskulturen in Literatur und Film. Münster: Aschendorff 2013a. Braun, M., «Wem gehört die Geschichte? Erinnerung im Gegenwartsroman und Film», in: Grote, M./ Henjum, K. B./ Ingebrigtsen, E./ Pietzuch, J. P. (Hg.), Perspektiven. Das IX. Nordisch-Baltische Germanistentreffen in Os/Bergen, 14.-16. Juni 2012. Stockholm: Stockholm University 2013b, 23-43. Catani, S., Geschichte im Text. Geschichtsbegriff und Historisierungsverfahren in der deutschsprachigen Gegenwartsliteratur. Tübingen: Narr Francke Attempto 2016. Cohen-Pfister, L., «An Aesthetics of Memory for Third-Generation Germans: Tanja Dückers’s Himmelskörper», in: Gerstenberger, K./ Herminghouse, P. (Hg.), German Litera-
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