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Das Gespräch Zwischen Hölderlin, Hegel und Schelling über Kants antinomien

Abstract

«Die Art, wie er den Mechanismus der Natur mit ihrer Zweckmäßigkeit vereiniget, scheint mir eigentlich den ganzen Geist seines Systems zu enthalten»: This quotation, which originated the present essay, is solely extracted from a letter sent by Hölderlin to Hegel, and yet, it condensates three different approaches from the three Tübingen friends to the problem of Kant’s philosophy of religion and to its possible resolution between 1795 and 1796. From this epistolary dialogue emerges a simultaneous study of Kant, originated by the growing dissension towards the orthodox thought of the Stift. The turning point – or the maximum cumulative point – of this discordance happens precisely with the discovery of the «spirit of Kant’s system», as a combined explanation of the religious and philosophical phenomena [«Die Art, wie er den Mechanismus der Natur mit ihrer Zweckmässigkeit vereiniget»]. This, I think, is something which the three friends discover gradually and not independently from the concept of «providence», which Kant himself, according to Hölderlin, had used to «attenuate his antinomies», which Hegel uses in his first religious writings and the initial formation of his own philosophy and which Schelling will later explore in his System of Transcendental Idealism. In a word, providence is consensually the comprehension axis between man, God and nature and, thus, the explanatory link between the antinomical poles which regulate human existence. On the other hand, however – this being the aspect I would like to stress –, this decisive moment for a whole generation, for the history of philosophy itself, means the consummation of a new revolutionary perspective born in Kant, a new vision of the absolute and the divine and, therefore, a new way to write philosophy about philosophy, less philosophical than before, to the extent that the new situation of man and his reflection within the problem ultimately destined them – as is the case in the three young philosophers – to silence and death. The final aim of this essay is, therefore, to know what this «last step of philosophy» is and what dies along with it, what such a step may have meant and what it already foretold in terms of the development of philosophy.

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Das Gespräch Zwischen Hölderlin, Hegel und Schelling über Kants antinomien

Author: Silva, Fernando Manuel Ferreira da
Publisher: Edições Colibri / Departamento de Filosofia da Faculdade de Letras da Universidade de Lisboa
Year: 2012
Source: https://repositorio.ulisboa.pt/bitstream/10451/24178/1/Fernando%20MF%20Silva%2055-67.pdf
DAS GESPRÄCH ZWISCHEN HÖLDERLIN, HEGEL
UND SCHELLING ÜBER KANTS ANTINOMIEN
Fe nando Manuel Fe ei a da Sil a
(Cen o de Filoso ia da Uni e sidade de Lisboa)
Au g und des e ba mungslosen Ein lusses de Zei , handel es sich
leide um einen seh lückenha en B ie wechsel, de die d ei jungen
Philosophen Hegel, Hölde lin und Schelling als gleichzei ige
Haup igu en ha – nu zehn B ie e, on Dez. 1794 bis Juni 1796, sind
uns übe mi el wo den. Sie en sp echen einem langen Zei aum geis ige
Rei e ü die d ei F eunde, wie auch eine T ennung on unge äh
ande halb Jah en zwischen Hölde lin und Hegel, die o übe einem Jah
den Tübinge S i e lassen ha en, und Schelling, de do bis zum
He bs 95 bleiben wü de; und e kö pe n deswegen den alle le z en
Hauch eine ap e en Gene a ion, die, o z des o hodoxen Zwangs de
s engen Tübinge Regie ung, doch gie ig und euhe zig solche
gewal igen (und nich minde sub e si en) T ieb ede n wie Jacobis
Romane, die F anzösische Re olu ion ode Schille s Ideal eine
äs he ischen E ziehung einnahm.
Un e all diesen T ieb ede n b ing abe de B ie wechsel zwischen
den d ei F eunden eine ande e o , die bes imm die wich igs e und
en scheidends e ü die geis ige En wicklung de d ei S uden en wa : die
de Kan ischen K i ik de supe na u alis ischen O hodoxie S o s ode
Fla s, nach welchem Kan , indem e die Au onomie de Ve nun übe
die dogma ische Au o i ä des Glaubens den Vo ang gib , auch die
No wendigkei de a ionalen Beg enzung des mo alischen Ge ühls, de
E ah ung Go es und selbs de Leh - und Le nübungen de Religion
behaup e , die Möglichkei eine E kenn nis ausse halb de E ah ung
s ei e und, olglich, die o hodoxen Glaubensa ikeln du ch den Beg i
de Zweckmässigkei als bloße biblische Buchs abe e nein . Sich selbs
als Kan iane inne halb dieses P oblem be ach end, wuss en die d ei
jungen F eunden auch, dass die gegenwä ige F age nich ein bloßes
Philosophica, 39, Lisboa, 2012, pp. 55-67
56 Fe nando Manuel Fe ei a da Sil a
P oblem de Beg enzung zwischen Philosophie und Religion wa . Dies
wa ielmeh de e s e Sch i zu Wah nehmung, dass die Beg i e selbs
on Philosophie und Religion nich meh ande s e eich ode gedach
we den könn en, als du ch die Absonde ung ih e spezi ischen
Beweisa en, und dass ein solches P oblem, du ch Kan e wach , nich
nu das Haup p oblem de damaligen Philosophie, sonde n auch das
ech e T iebwe k de unendlichen Mannig al igkei des deu schen
Idealismus wa . Ich deu e na ü lich au den allmählichen annähe nden
Feilensp ozess de Philosophie du ch das philosophische Wo selbs , de
sich als einen en scheidenden Bei ag zu allmählichen Posi ionie ung de
Philosophie im Gebie des Wissens so wie zu ih e Szien i izie ung im
Be eich de menschlichen E kenn nis e weisen wü de; ein P ozess wo,
nach Fich e selbs , Beg i und Sp ache unze ennlich, un ehlba und
allgemeingül ig sein soll en, dami eine solche Au gabe ausge üh
we den könn e.
Die S ellung de d ei F eunde gegenübe diese F age is also so
eins immig wie eindeu ig sich ba . Von Schelling, dem bes
posi ionie en, um die damalige Lage zu kommen ie en, wissen wi dass
nach dem e s en geis igen Au uh , de An ang 1795 du ch die kan ische
Sch i en e anlass wa , «d[as] al e Unk au » (B, 1: 13) noch einmal
gewachsen wa , dass «de philos. Geis (…) hie be ei s seinen Me idian
e eich » (id.) ha e und selbs , dass «nach iele Mühe nun endlich uns e
Philosophen den Punk ge unden [haben], wie wei man (da es nun
einmal ohne die leidige Philosophie nimme o will) mi diese
Wissenscha gehen dü e». (id.) «Ich bin es übe zeug , dass de al e
Abe glaube (…) in den Köp en de meis en schon wiede mi den
kan ischen Buchs aben combinie is » (B, 1: 14). Ö e s in seinen
ühs en Sch i en deu e auch Hölde lin au dieselbe Ve ach ung gegen
die O hodoxie im S i , und selbs Hegel behaup e e schon in Dez. 94,
dass «Ehe nich eine A on Reinhold ode Fich e do au einem
Ka hede si z , nich s Reelles he auskommen [wi d]. Ni gends wi d wohl
so ge eulich wie do das al e Sys em o gep lanz .» (B, 1: 12)
Eben in olge diese Wö e und inne halb de P oblemlage
Tübingens lieg die F age, die ich Ihnen heu e o b inge. Sie en sp ich
dem ollende s en P oduk diese P oblem ahmung, wie auch dem e s en
Augenblick, in dem die S immen de d ei F eunde sich zum e s en Mal
e einigen. E komm zwei ach o ; e s ens in Hegel, als e Ende Janua
Schellings B ie so bean wo e :
«Zu dem Un ug, wo on du sch eibs und dessen Schlussa ich mi
danach o s ellen kann, ha abe uns ei ig Fich e du ch seine K i ik
alle O enba ung Tü und Angel geö ne . (…) Wenn seine
G undsä ze einmal es angenommen sind, so is de heologischen
Das Gesp äch Zwischen Hölde lin, Hegel und Schelling 57
Logik kein Ziel und Damm meh zu se zen. E äsonie aus de
Heiligkei Go es, was e e möge seine ein mo alischen Na u un
müsse u.s.w., und ha dadu ch die al e Manie , in de Dogma ik zu
beweisen, wiede einge üh (…). Wenn ich Zei hä e, so wü de ich
suchen, es nähe zu bes immen, wiewei wi – nach Be es igung des
mo alischen Glaubens die legi imie e Idee on Go je z ückwä s
b auchen z. B. in E klä ung de Zweckbeziehung u.s.w., sie on de
E hiko heologie he je z zu Physiko heologie mi nehmen (…)
dü en. Dies schein mi de Gang übe haup zu sein, den man bei de
Idee de Vo sehung (…) nimm u.s.w.» (B, 1: 17)
Zwei ens, in dem da au olgenden B ie , de be ühm e B ie , den
Hölde lin an Hegel am 26. 1. 95 sch ieb, wo e seine e s e S ellung gegen
Fich e einnahm, o allem abe , wo e sich eu , dass Hegel sich «an die
Religionsbeg i e mach[ ]». Die S elle lau e :
«Den Beg i de Vo sehung behandels du wohl ganz pa allel mi
Kan s Teleologie; die A , wie e den Mechanismus de Na u (also
auch des Schicksals) mi ih e Zweckmässigkei e einige , schein
mi eigen lich den ganzen Geis seines Sys ems zu en hal en; es is
eilich dieselbe, womi e alle An inomien schlich e .» (B, 1: 20)
Ve schiedene F agen, einige sich selbs einleuch end, ande e sich
selbs e be gend, sind on diesen beiden Zeugnissen au ges ell . Die
kla s e is abe , dass die unmi elba s e Fo üh ung dieses P oblems ü
die d ei F eunde in Fich e lag, doch so, dass du ch Fich e selbs die
une wa e e Wiede he s ellung des dogma ischen «Unk au [s]» in
Tübingen e anlass wu de. Denn wenn die Lösung, wie bei Kan , in de
Unze ennba kei zwischen de Vo sehung (dem Schicksal) und die
Zweckmässigkei – sowie zwischen Subjek und Objek – bes and (d.h.,
die An inomien, die Klü e, die unübe windba en Gegen eile zwischen
Mensch und Na u nich zu be ö de n), sonde n sie zu schlich en ode ,
wenn möglich, au zuheben zu e suchen, so könn e das nu zwei Folgen
haben: e s ens, dass o z Fich es kühnem Ve such die An inomien
au zuheben, ein solche Ve such den d ei F eunden als unzulänglich
o kommen muss e; und zwei ens, wenn das P oblem in de Fo m, in de
lebendigs en Tä igkei und deswegen in dem eigen lichen Ke n de
Philosophie lag, so se z e die Suche au die Zu ück üh ung de F age bei
Kan imme o aus, dass die d ei S uden en das, was in Fich es Theo ie
gegenübe Kan s abwich, umzukeh en gezwungen wa en.
Lassen wi uns nun mi Hegels Posi ion an angen. Hegel oblag, um
Hölde lin zu pa aph asie en, sich mi dem heologischen Teil des
P oblems zu beschä igen. Un e den agmen a ischen Tex en, die Hegel
bis Juni 94 e ass e, alle on heologischem Inhal , zeichne sich ein
58 Fe nando Manuel Fe ei a da Sil a
zen ale Tex aus, ielleich de alle le z e, den e in Tübingen (im
Somme 93) sch eiben wü de, mi dem Ti el «Religion is eine de
wich igs en Angelegenhei en…» (GW, 1: 83-114). Im Tex g ünde Hegel
die schon e wähn e in den U sp ung seines philosophischen We degangs
so en scheidende Dis ink ion zwischen E hiko heologie – die objek i e
Religion, die Religion des Ve s andes und des Gedäch nisses, des
«Kabine [s] des Na u leh e s» (GW, 1: 88), de allgemeinen Theologie,
dessen he meneu ische Kuns g i e sich nu nach de Sys ema isie ung
de Religion und dem Bild Go es als G undlage desselben Sys em
e s eben – und eine ande en A on Religion, die Physiko heologie, die
subjek i e, lebendige und sinnliche Religion, die Hegel beis eh , in dem
nich de Ve s and he sch , sonde n die «(…) Sinnlichkei das
Haup Elemen bei allem Handeln und S eben de Menschen is (…)»
(GW, 1: 84), und die Religion, die selbs sinnlich is , aus sinnlichen
Menschen, de en «(…) eligiöse T ieb ede n zum Gu handeln sinnlich
seyn [müssen], um au die Sinnlichkei wi ken zu können» (GW, 1: 86),
bes eh . Eine, sag Hegel, die uns in de Schule du ch o e Fo meln
gegeben is , nach welche wi als Menschen, unmi elba e und deswegen
passi e Emp änge on Go es übe agenem Wo , Eigen ümlichkei en
und Glaubensa ikeln (wie die Vo sehung) sind, die uns nu posi i
beein lussen können; die ande e, die Religion de Sinnlichkei , nach
welche lau Hegel «in einem Sys em de Mo al eine Mo ali ä on
Sinnlichkei in Abs ak o gesonde we den muss, so seh diese un e jene
e nied ig wi d (…)» (GW, 1: 84), die sich abe «(…) au alle Zweige de
menschlichen Neigungen (ohn dass die Seele ge ade es sich bewus is ,)
[ e b ei e ] und wi k übe all – abe nu mi elba mi – sie wi k , um
mich so auszud ükken, nega i (…)» (GW, 1: 90).
Die hie angewende en Beg i e sind also dieselben die Hegel schon
in dem B ie an Schelling benu z , dieselben die Hölde lin auch schon
kann e, und nu ein Ziel haben: in beiden Fällen un e s eich Hegel die
unbeding e No wendigkei , on de objek i en zu subjek i en Religion
übe zugehen, denn jene is nu ein «Bes and eil» (id.) diese , und ehe
diese jene e kö pe , wü de die philosophische/ heologische Beweisa
imme die de dogma ischen Logik bleiben. Was bedeu e das? Es
bedeu e , dass die ich ige Beweisa nich aus de Idee on Go
ausgehen kann, wie bei Fich e, sonde n, dass diese eben on dem
Menschen ausgehen muss; was wiede um bedeu e , dass Hegels Go
absolu subjek i is und wi k , abe nich , dass man nach ihm und diese
Subjek i i ä halbe o ücken muss. Die Subjek i i ä , e klä Hegel, is
unse e eigene Subjek i i ä , und die Religion is deswegen nich das
P oduk , sonde n de P ozess eine Beweisa , die je z umkeh end
subjek i is und au Go du ch ein lebendiges (und nich einsei iges)
Gesp äch zwischen Objek und Subjek gehen soll.
Das Gesp äch Zwischen Hölde lin, Hegel und Schelling 59
Die F age bes and also zue s in de E eichung eine
Ve einigungssphä e, die dieses Gesp äch selbs be ö de n, und so die
iedliche abe auch wi kliche (und deswegen wide s ands ähige)
Koexis enz zwischen Objek und Subjek , um die An inomien zu
schlich en, e möglichen könn e. Dann – und nu dann – könn e die
Umände ung ode soga olls ändige Umkeh ung de Posi ionen diese
beiden, Mensch und Go , ohne sie zu lädie en, s a inden. Ande s
gesag , die Lösung bes ände imme in de T ieb ede dieses umkeh enden
P ozesses: nach Hegel, «die E klä ung de Zweckbeziehung» (B, 1: 17).
Hegels P oblem, denke ich, wi d noch deu liche , als e ku z danach
und as gleichzei ig zwei B ie e emp äng , ein B ie on Hölde lin, de
ande e on Schelling. Beide analysie en dieses P oblem au eine
o enba wide sp echenden A . Es wa abe Hegel selbs , de die
en gegengese z e Meinungen seine F eunde e anlass e, indem e
Schelling ges eh , eine S elle in seinen Philosophischen B ie en übe
Dogma ismus und K i izismus nich e s anden zu haben:
«Einen Ausd uck in Deinem B ie e on dem mo alischen Beweise
e s ehe ich nich ganz: «den sie so zu handhaben wissen, dass das
indi iduelle, pe sönliche Wesen he aussp inge.» Glaubs Du, wi
eichen eigen lich nich so wei ?» (B, 1: 18).
In dem olgenden B ie (nachdem Hegel Hölde lins e wähn e B ie
emp angen ha e), scheu sich Schelling nich , mi Hegel ein e s anden zu
sein, dass «solange jene Schlussa , die Fich e in de K i ik alle
O enba ung (…) wiede au b ach e, noch als gül ig angesehen wi d, de
philosophischen To hei kein Ende is .» (B, 1: 21) Als An wo au
Hegels F age abe (indem e wuss e, dass die F age schon längs bei
Hegel und Hölde lin en schieden wa (B, 1: 22)), behaup e Schelling
nich , dass das pe sönliche Wesen une eichba is , sonde n dass es
möglich is , da übe hinauszugehen. Auch ü Schelling «[wa en] die
o hodoxen Beg i e on Go nich meh ». (id.) Schelling wa indessen
also Spinozis gewo den, indem das absolu e Objek ü Spinoza alles
gegenübe dem Subjek (als Gip el de dogma ischen Philosophie) wa ,
wäh end ü Schelling eben das absolu e Ich alles gegenübe dem Objek
(als Gip el de k i ischen Philosophie) wa . Wenn man abe die
schellingsche In e sion nähe be ach e , me k man, dass Schelling das
P oblem eine philosophischen und heologischen Beweisa ganz ande s
als Hegel und Hölde lin be ach e e. Denn es is unleugba , dass
Schelling au diese Weise ein «Gegens ück» Spinozas e such und dass
dieses ein gewisse maßen seh o eilha e Fo sch i gegen das
P oblem Fich es sein könn e. Denn indem e au dem Subjek den
An angspunk und au Go den le z en Punk ü die mo alische

60 Fe nando Manuel Fe ei a da Sil a
Deduk ion se z (was gemäss Hegels Beg i eine subjek i en Religion
is ), schein Schelling die S ellung de zwei lei enden Pole de Deduk ion
umzukeh en – was sich Fich es Theo ie en gegense zen wü de, wenn nu
inne halb eines solchen Sys ems das Objek als ein blosse Bes and eil,
als be äch liche Einhei , die die Ve einigung zwischen Subjek und
Objek e möglich , be ach e wü de. Fü Schelling abe , ganz im
Gegen eil, is das höchs e P inzip de ganzen Philosophie ein ein
absolu es, d. h., nich ein du ch das Objek beding es, also du ch F eihei
gese z es Ich; ande s gesag , das Subjek , das Schelling de mo alischen
Deduk ion beileg , is , in alle Wah hei , ein absolu es Subjek , dessen
Gang zu Go aus absolu e F eihei bes eh . Und eben dadu ch, dass man
in eine heo e ischen Ansich diesem Subjek noch du ch die
e schiedenen Sphä en des Objek s beg enzen kann – was das
Unbeding e mi sich selbs in Wide sp uch se zen wü de –, is es
no wendig, sag Schelling, dass diese Einsch änkungen au gehoben sind,
dass man die Endlichkei hin e sich läss und endlich in Go es
übe sinnliche Wel ein i : «Diese [die p ak ische Philosophie] o de
also Ze s ö ung de Endlichkei und üh uns dadu ch in die
übe sinnliche Wel . (Was de heo e ischen Ve nun unmöglich wa ,
sin emal sie du ch das Objek geschwäch wa , das u die p ak ische
Ve nun .)» (id.)
Was dies bedeu e , sowie ü Schelling als auch ü Hegel (obwohl
in e schiedenen Sinnen und o nehmlich mi e schiedenen Folgen ü
de en geis ige En wicklung), is das Ve schwinden des Objek s als
deduzie ba e Einhei im ganzen P ozess. Abe wäh end ü Schelling dies
die Lösung des P oblems wa , wa sie ü Hegel eben das
unübe windba e Hinde nis zu Möglichkei eine Sphä e, wo die
An inomien geschlich e und wo Go und de Mensch, dieses pe sönliche
Wesen, du ch ein subjek i es Ve häl nis e bunden sein könn en. Denn
es is o enba , dass, in diesem Fall, Go nu scheinba de le z e Punk
de mo alischen Deduk ion bleiben könn e. Schelling abe se z e Hegel
wiede um en gegen, dass wenn es das Ich wa , das du ch eine Beweisa
in welchem es selbs absolu und das Objek nu in seine eigenen Nich -
-Exis enz inne halb des Subjek s exis ie , die unendliche Sphä e e zeug
ha , so, indem wi zu Go gelangen, inden wi dass auch Go un e de
Fo m des absolu en Ichs exis ie – denn Go als Go , d. h., das Alles de
heo e ischen Ansich , is je z in Schellings unbeding p ak ische
Ansich = 0: «Allein in diese [übe sinnlichen Wel ] können wi nich s
inden als unse absolu es Ich, denn nu dieses ha die unendliche Sphä e
besch ieben. Es gib keine übe sinnliche Wel ü uns als die des
absolu en Ichs. – Go is nich s als das absolu e Ich, das Ich, inso e n es
Alles Theo e ische ze nich e ha , in de heo e ischen Philosophie also =
0 is .» (id.) Mi hin is Go ü Schelling nich , wie ü Hegel, das Ende
Das Gesp äch Zwischen Hölde lin, Hegel und Schelling 61
eines umgekeh annähe nden, d.h., eigen lich subjek i en P ozesses; es
is subjek i , abe nu inso e n Go nich meh Go is , sonde n nu das
absolu e Ich als e was p ä-de e minie es, also als ewig e eichba e
Ins anz exis ie . Nu dieses Ich exis ie ü Schelling, und soga au
eine so un e ände lichen, so un ehlba en, so übe mässig sinnlichen
Weise, dass diese Go ode dieses absolu e Ich nie de wi klich le z e
Punk de mo alischen Deduk ion sein kann, sonde n ein unendlich
abspannende , unendlich ausdehnende Punk , dem wi uns je meh
nähe n können, des o meh , schliess Schelling, wi unse e eigene
Pe sonali ä au heben und uns om Objek en ziehen. Schelling deu e
also au eine imme un ollende e (weil ewig k eisläu ige) Bewegung,
einen unendlich ühlba en P ozess: «Mi hin gib es keinen pe sönlichen
Go , und unse höchs es Bes eben is die Ze s ö ung unse e
Pe sönlichkei , Übe gang in die absolu e Sphä e des Seins, de abe in
Ewigkei nich möglich is ; – dahe nu p ak ische Annähe ung zum
Absolu en, und dahe – Uns e blichkei .» (id.)
Wie s a k Schelling Hegels Theo ie beein luss ha , is heu e leich
e kennba . Be o e abe diese B ie on Schelling bekam, emp ing e ,
wie gesag , einen ande en on Hölde lin, den obene wähn en B ie om
26.1.95. In diesem B ie behaup e Hölde lin, dass auch e , so wie Hegel,
«(…) [Fich e] seh im Ve dach des Dogma ismus [ha ´]; e schein ,»
sag Hölde lin, «wenn ich mu massen da , auch wi klich au dem
Scheidewege ges anden zu sein, ode noch zu s ehn – e möch e übe das
Fak um des Bewuss seins in de Theo ie hinaus» (B, 1: 19). Ande s
gesag , indem Fich e die Lösung des P oblems übe das Bewuss sein (in
de Iden i ä ) inde , übe sch ei e auch e , nach Hölde lin – wie auch
nach Hegel –, die heo e ischen Sch anken des P oblems. Allein is es
hie schwe zu sagen, ob ü Hölde lin Fich e meh ein Dogma ike
schien, weil e das P oblem au ein p ak isches Gebie e se z e, ode
wegen de A wie e es mach e; denn o z de Ach die Hölde lin o
seinem P o esso ha e, das Bewuss sein zu übe e en mein e ü
Hölde lin es selbs au zuheben, und nich beisei e zu legen ode ein
ande es Elemen un e zuo dnen. Dies is de G und wa um, ü den
jungen Hölde lin on «U eil und Sein» (TS: 7-8), Fich e auch (so wie
Schelling) seine Zu luch zu Spinoza nehmen muss e, um die subjek i e
Iden i ä zu k is allisie en; denn «sein absolu es Ich (= Spinozas
Subs anz) en häl alle Reali ä ; es is alles, u. ausse ihm is nich s» (id.);
d.h., ausse ihm inde keine F eihei s a . Dies ha e ü den jungen
Hölde lin und Hegel zwei en scheidende Folgen: e s ens, dass, wenn ein
Objek nich exis ie , das Subjek allgemein is und deswegen gib es
auch kein Bewuss sein als Pendulum zwischen beiden; hie is die
ich esche Iden i ä als e was, das leich e wechselba abe no wendig
e schieden on dem «Sein» (wie auch Hegel ihn e s eh ), als
62 Fe nando Manuel Fe ei a da Sil a
un e b üchliche Ve bindung zwischen Subjek und Objek , zu e s ehen
is . Zwei ens, dass, au diese Weise, Fich es «Ich bin Ich» nich nu die
en gegengese z en Pole in de Sphä e de E kenn nis nich e einig e,
sonde n sie gewal sam enn e, indem e ihnen das Bewuss sein en nahm.
Hölde lin abe begann übe dieses G undp oblem nich e s in den
e s en Mona en 1795 nachzudenken. Hegel, es is jedem bewuss , wuss e
das auch; denn schon sei Augus 1794 wa Hölde lin ein geschick e
Lese de Wissenscha sleh e, ande s als sein F eund. Im e s en uns
bekann en F agmen diese Zei , «Übe das Gese z de F eihei » [«Es
gieb einen Na u zus and (TS: 3-4)], inden wi den e s en Sch i zum
obene wähn en Punk seine eigenen Theo ie, dieselbe die mi Hegels
Theo ie so einmü ig sein wü de. Hie behaup e Hölde lin, dass das
Gese z de F eihei – dasselbe, das e in Fich e und Schelling nich
e kennen könn e – «gebie e , ohne alle Rücksich au die Hül e de
Na u » [TS: 4); um zu gebie en abe , b auch die F eihei eine A on
Wide s and on de Na u – «sons wü de es nich gebie en» (id.). Das
heiss : ohne eine En gegense zung (wie im Fall Schellings, wo das Objek
keinen Wide s and dem absolu en Subjek anbie e ), ohne e was, das sie
eigen lich als F eihei zeig e, wü de die F eihei sich nie als solche
o s ellen, denn sie hä e nich s zu übe winden, keine Nich -F eihei übe
die sie hinausgehen muss e. Deswegen, sag Hölde lin, «das e s emal,
dass das Gese z de F eihei sich an uns äusse , e schein es s a end»
(id.), und wenn das de Fall nich wä e, «[wü de] die Mo ali ä nich
au hö [en], Mo ali ä zu sein, sobald die Bes immungsg ünde in de
Na u und nich in de F eihei liegen» (id.), wie bei Fich e, und die
Legali ä de F eihei – d. h., ih e Wi ksamkei sowie die Legi imi ä
unse e Wah nehmung de Phänomene de Na u , unse e selbs und Go
wä e – «ein seh unsiche es, nach Zei und Ums änden wandelba es
Ding.» (id.) Deswegen sieh Hölde lin in diese A on Wide s and, in
diesem Be üh ungspunk zwischen dem Mechanismus de Na u und
ih e Zweckmässigkei , nich nu den Haup g und seine heo e ischen
Ve wand scha mi Hegel, sonde n auch die Simila i ä zwischen ih en
und Kan s Theo ien als die An wo au die F age de philosophischen
Beweisa .
Im G unde müss e es sowohl ü Hölde lin als auch ü Hegel nich
eine To ali ä , sonde n eine In e dependenz ode ielmeh eine zwanglose
(doch nich ganz iedliche, weil s a ende) Koexis enz zwischen den
Gegen eilen geben, so dass die F eihei wi klich sein könn e. Ande s
gesag , man muss e ein e söhnendes Gebie denken, wo nich nu die
An inomien sich schlich en wü den (wie bei Kan ), sonde n auch wo die
An inomien als solche gül ig wä en, ohne deswegen eine du ch die
To alisie ung de ande en au zuheben. Man bedü e also, nach Hölde lin,
«(…) eine Sei e des empi ischen Begeh ungs e mögens, die Analogie
Das Gesp äch Zwischen Hölde lin, Hegel und Schelling 63
dessen, was Na u heiss , die am au allends en is , wo das No wendige
mi de F eihei , das Beding e mi dem Unbeding en, das Sinnliche mi
dem Heiligen sich zu e b üde n schein , eine na ü liche Unschuld, man
möch e sagen eine Mo ali ä des Ins ink s, und die ihm gleichges imm e
Phan asie is himmlisch.» (TS: 3).
Hie auch abe das wah e P oblem eine e söhnenden «Sei e»
zwischen Gegen eilen au . Denn wenn de Mensch ewig abhängig on
Na u u sachen is , sag Hölde lin, so is es ihm unmöglich dieses Gebie
zu ixie en und diese S immung zu e assen. Ihm is diese Sei e, diese
«exzen ische Bahn» imme üb ig, das is unbezwei elba ; abe , dami sie
s a inde , häng diese, nach Hölde lin, on eine une hö en Ve einigung
des Begeh ungs e mögen und de Fan asie un e de Füh ung de F eihei
ab; d. h., es is no wendig, dass eine Ve einigung, die in p ak ische
Hinsich un uch ba is ode wenigs ens einen cha ak e is isch
p ak ischen Um ang besi z , je z heo e isch, d. h, nach eine F eihei ,
du ch die den on de Na u en gegense zenden Wide s and wi klich
ühlba gemach is , be ach e wi d. Sons , sag Hölde lin, «wü de es
niemals einen es en Zus and geben, de demjenigen gliche, de so eben
angedeu e wo den is , wenigs ens wü de es nich on uns abhängen, ihn
es zuhal en. Sein Gegen eil» üg Hölde lin noch zu, «wü de ebenso
s a inden, ohne dass wi es hinde n könn en.» (TS: 3-4). Auch Hegel
e such e o , in seinen ühen heologischen Tex en dasselbe P oblem
au dieselbe Weise, zu Kan zu ückkeh end, zu lösen; und es is deshalb
nu eine Wende im Blick, die die G und e schiedenhei zwischen den
d ei F eunden zeig ; denn was bei Schelling uns i ig und un ehlba is ,
was die Au hebung de An inomien be i , is es nich bei Hölde lin
ode Hegel, die hie ih e eigene Au onomie inne halb de P oblema ik
e eich en und au diese Bahn imme bleiben wü den. Ich zi ie e
deswegen Hölde lin, nu einige Mona e spä e :
«In den philosophischen B ie en will ich das P inzip inden, das mi
die T ennungen, in denen wi denken und exis ie en, e klä , das abe
auch e mögend is , den Wide s ei e schwinden zu machen, den
Wide s ei zwischen dem Subjek und dem Objek , zwischen unse em
Selbs und de Wel , ja auch zwischen Ve nun und O enba ung –
heo e isch, in in ellek uale Anschauung, ohne dass unse e p ak ische
Ve nun zu Hil e kommen müss e.» (SWB, 4: 229-230).
Vo allem abe – und hie , denke ich, is de Ke npunk –
un e scheide sich Hölde lin nich on Schelling nu dadu ch, dass e eine
neue Dimension des P oblems da s ell . E un e scheide sich ielmeh ,
indem e dem deduk i en P ozess nich eine ewige Bes ä igung, nich eine
nuance on Un e meidlichkei , nich einen p ä-de e minie en
(k eisläu igen) Fo gang beileg , sonde n eine S immung, einen