127REZENSIONEN
hinweg im Buchgeschä bleiben, neben D ucke eien und Ve lagen, die mi wissen-
scha lichen, behö dlichen ode eligiösen Ins i u ionen e bunden sind, Wi wen,
die Un e nehmen als Inhabe innen o üh en usw., inden sich In o ma ionen zu
Buchk äme n, die au Mä k en au auchen ode om Ve schleiß on No malschul-
büche n leben bis hin zu Gesellen und Gehil en, on denen in den Ak en nich iel
meh geblieben is als de Hinweis au ih e ‚Fla e ha igkei ‘ ode auch da au , dass
sie nich meh aus den Fe ien zu ückgekommen seien. Und es bli zen hie und da
E olgsgeschich en besonde e A au (spä e in de Geschich e des Habsbu ge -
eichs könn e man sie als ‚kakanisch‘ bezeichnen): De 1717 in Unga n gebo ene
Johann Thomas on T a ne , schon als kleines Kind ein Vollwaise, e le n in Wiene
Neus ad das Buchd ucke handwe k, a bei e beim Ho buchd ucke Johann Pe e
an Ghelen, be eis zahl eiche Lände , auch England, wi d d eimal Wi we und iel-
ache Va e , wobei abe nu zwei Kinde das E wachsenenal e e eichen. 1764 wi d
e geadel , zwischen 1753 und 1798 besi z e die T a ne ische Buchhandlung in P ag.
Mi 81 Jah en s i b e in Wien und e ich e gu zehn Jah e o seinem Tod noch eine
Papie mühle in seine He scha Ebe gassing. Diese ‚Geschich e‘ eines Ak eu s sei
als abschließendes Beispiel ü das unglaubliche Po en ial on En deckungsmöglich-
kei en zu e s ehen, die Buchwesen in Böhmen 1749–1848 bie e .
Fü jeden, de an Buch o schung, nich nu im Habsbu ge eich, in e essie is ,
e weis sich das Lexikon ebenso als ein un e zich ba es Ins umen wie ü diejenigen,
die sich mi de Geschich e und Li e a u de böhmischen Lände be assen. Fü ein
b ei e es Publikum häl die Publika ion abe ebenso, wie oben angedeu e , alle hand
Wissens-, S aunens- und Bedenkenswe es be ei .
Be na d Bolzano: Vom bes en S aa . Mi eine Einlei ung und
Anme kungen h sg. on Ku F. S asse (= Philosophische Biblio hek,
732). Hambu g: Felix Meine , 2019, 177 Sei en.
S e en Höhne– H M Weima / F iede ich ‑Schille ‑Uni e si ä Jena
Be ach e man die Geschich e de U opie als eine de jeweiligen De izi e und Miss-
s ände de eigenen Gesellscha , dann lie e n en sp echend au U opien e weisende
Tex e ge ade angesich s ih es k i ischen Po en ials imme auch Gegenbilde zu den
his o ischen Reali ä en und Möglichkei en ih e Zei .
Dass sich ein Denke wie Be na d Bolzano in ensi mi den mo alischen und sozia-
len, den ech lichen und poli ischen Bedingungen seine Zei auseinande gese z ha ,
is aus den E bauungs eden, die e im Rahmen seine Tä igkei als Hochschulleh e an
de P age Uni e si ä zwischen den S udienjah en 1804/05 und 1819/20 hiel , meh
als deu lich zu e kennen. Diese E bauungs eden, eigen lich Exho en bzw. Exho a-
ionen, anden an jedem Sonn- und Feie ag wäh end des akademischen Jah es, also
zwischen An ang No embe und Ende Augus s a . Ihnen o aus ging eine Messe, die
Bolzano in de im Klemen inum gelegenen S . Klemenski che abhiel . Nachdem ihm
die Leh e laubnis en zogen wo den wa und Bolzano au das Wi ken eines P i a -
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geleh en besch änk wa , en schloss e sich, seine „Gedanken übe ein gedeihliches
Zusammenleben de Menschen“ (S. XX) nähe auszua bei en. Diesem En schluss
e danken wi Das Büchlein om bes en S aa ode Gedanken eines Menschen eundes übe
die zweckmäßigs e Ein ich ung de bü ge lichen Gesellscha , eine S udie, die alle dings
au g und de au kommenden Na ionalismen wäh end de 1848e -Re olu ion unge-
d uck blieb, weil– so Bolzanos nich unbe ech ig e Be ü ch ung– diese Abhandlung
„in de leidenscha lichen Auseinande se zung seine Zei nich e s anden we de
und dahe auch nich Gu es bewi ken wü de.“ (S. XX .)
Bolzano geh , wie e im Vo wo skizzie , on dem P oblem aus, „wie den ielen
Übeln und Leiden, die unse Geschlech au E den d ücken, am wi ksams en ges eue
we den könne.“ (S. 3) Die U sache ü dieses P oblem e kenn e in den „bes ehenden
bü ge lichen Ve assungen“ (S. 3), wo aus sich die Lei age ablei e , „wie ein S aa aus-
ge ich e sein müss e, um de Be ö de ung des allgemeinen Wohles au das Vollkommens e
zu en sp echen.“ (S. 3 .; He . i. O.) Bolzano knüp dabei nich nu an seine E bauungs-
eden an, sonde e me k , „dieses Büchlein sei das bes e, wich igs e Ve mäch nis,
das e de Menschhei zu hin e lassen e mag, wenn sie es nu annehmen wolle.“
(S6) O enkundig is dieses Ve mäch nis nich angenommen wo den (ungeach e
eine D ucklegung An ang de 1930e ), sonde n wei gehend unbekann geblieben,
weshalb die ak uelle Publika ion in einem enommie en wissenscha lichen Ve lag
on einem ausgewiesenen Bolzano -Expe en umso wich ige e schein .
Wo um geh es also Bolzano, de on o nhe ein deu lich mach , dass eine Lösung
de Thema ik nu in de Re o m des S aa es, keines alls in eine Re olu ion liegen
könne. Und ein wei e e Aspek e schein wich ig, dass „wi auch du ch die bes e
Ve assung nie alle weise und gu gemach we den können“ und das auch bei de
„zweckmäßigs en Ein ich ung des S aa es imme noch Leiden genug e ah en we den“
(S. 10) Es geh Bolzano also ehe um einen p agma ischen Ansa z und wenige um ein
neues Goldenes Zei al e , es geh nich um den Menschen, wie e sein soll e, sonde n
um das schwache und ehle ha e Subjek , welches du ch die Ve assung des S aa es
geschü z we den müsse.
Bolzano wende sich im Sinne de s aa swissenscha lich gesp ochen Poli y, die
den Handlungsspiel aum de Ak eu e im poli ischen P ozess s eue , zunächs den
Bü ge n eines S aa es und de en gesellscha liche Gliede ung zu sowie de Rolle
de Gese zgebung und de Regie ung. Gelei e wi d e dabei en gegen de T adi ion
u opischen Denkens on einem gewissen P agma ismus. Zen ale Ansa z seines
bes en S aa es sind nich nu die bes en Gese ze, sonde n auch die So ge da um, das
diese „be olg we den müss en.“ (S. 42) Es geh also ehe um eine F age de poli ischen
Kul u , in de auch die Mi wi kung des einzelnen im S aa e lang wi d. In diesem
Kon ex is auch das Plädoye ü die Volksbewa nung bzw. Weh p lich zu sehen,
ein Thema, das im Rahmen de an inapoleonischen E hebungen 1809 und e neu in
den Be eiungsk iegen 1813/14 auch in de Habsbu ge mona chie in ensi disku ie
wo den wa , ha e man doch e kann , dass die Be u shee e de Dynas ien dem an-
zösischen Volkshee eindeu ig un e legen wa en. Bolzano un e nimm dann einen
Schwenk zu Policy, wenn e sich mi den Inhal en seines bes en S aa es be ass und
Sachbeg i e wie F eihei und Gleichhei disku ie .
Bei de Vo s ellung on Lei konzep en wie F eihei und Gleichhei geh es Bolzano
dabei wenige um eine beg i liche Fes legung, diese is be ei s in den E bauungs-
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eden e olg , sonde n um die konk e e Anwendung im bes en S aa . So sp ich e
sich bspw. nich ü eine ni ellie ende Fo m on Gleichhei aus: „Die Rech e und
Obliegenhei en de Menschen müssen sich uns ei ig nach ih en Bedü nissen und
ih en K ä en ich en.“ (S. 51) Ande e sei s e wi e zu g oße Ungleichhei bei
de Ve eilung on Reich um, was „ as in allen bishe igen S aa en“ o zu inden sei:
„Ein solche Reich um bei Einzelnen kann unmöglich zus ande kommen, ohne dass
iele ande e e a men; e kann noch wenige o daue n, ohne dass seine Besi ze
allmählich einen ge äh lichen Ein luss au ih e üb igen Mi bü ge gewinnen“ (S.
53). Dies ko espondie mi eine g undsä zlichen K i ik an de Rolle on Eigen um,
insbesonde e de ungleichen Ve eilung de Gü e . Zwa se z sich Bolzano nich ü
ein Goldenes Zei al e ohne P i a eigen um ein, wie es in den ühen böhmischen
Ch oniken bei Cosmas und Dalimil als Vo o m on Gesellscha besch ieben wi d.
Abe e möch e, z. B. pe E bscha s ech , die Einkommensun e schiede minimie en
(S. 56). Sein Plädoye ich e sich au ein Eigen um, das e p lich e , „dass man nu
diejenigen zum Besi z eines Gegens andes gelangen lasse, de den bes en Geb auch
on demselben ü sich und ande e zu machen Ho nung gib .“ (S. 87) So sollen zum
Beispiel Häuse nich e e b we den können, um Gü e anhäu ungen zu e meiden.
Bolzano en wickel ein au Tä igkei basie endes Solida -Modell, bei dem Müßiggang
ode nu zlose Beschä igung ausgeschlossen, die un e schulde Schwachen abe
geschü z we den: „Diejenigen Gliede , die wegen K ankhei ode Schwäche nich
a bei en können (…) leben au Kos en de Gemeinde.“ (S. 103)
Im bes en S aa widme sich Bolzano auch ganz p ak ischen F agen wie den
Un e ich sgegens änden. E plädie ü die Fö de ung de Mu e sp ache in den
Schulen, „nebs diese allen alls noch eine ande e Sp ache, die als die allgemei-
ne, de en die Völke sich zu ih em wechselsei igen Ve keh bedienen, angesehen
we den könn e; wie man eins das La einische dazu ha e heben wollen.“ (S. 65 .)
Bolzano läss dabei o en, ob diese Ve keh ssp ache in de Habsbu ge mona chie
das Deu sche sein könne.
Eine s eue nde Funk ion des S aa es e lang Bolzano auch ü seinen eigenen
Be u ss and, die Geleh en. Diese sollen om S aa un e s ü z und nich au das In-
e esse einzelne e p lich e we den, ih e Leis ungen sind zudem de Ö en lichkei
zugänglich zu machen. Wissenscha liche Büche dü en „nie das Eigen um eines
Einzelnen we den“ (S. 121) Zudem o de Bolzano explizi eine A Quali ä skon olle
ü D uckwe ke, so wie e sich auch skep isch zu eine „unbeding en P esse eihei “
posi ionie , die mi eine „unbeding en F eihei des Lesens“ ko elie e (S. 122), wes-
halb die Zensu als Ins i u ion, um übe die Quali ä zu wachen, ih e Be ech igung
habe. Ka ego ien, nach denen de Zenso einen D uck e weige n dü e seien un-
si liche, leidenscha liche, eh en üh ige und i iale Tex e (S. 124). „De Zenso soll
e an wo lich sein, wenn e e was gu heiß , was nach diesen G undsä zen o enba
hä e ges ichen we den sollen, ode e was un e d ück , was nach eben diesen G und-
sä zen o enba nich hä e un e d ück we den sollen.“ (S. 124; He . i. O.) Auch die
schönen Küns e sollen in de Obhu des bes en S aa es liegen, de hie eben alls übe
die Quali ä zu wachen habe und de gu e We ke de Ö en lichkei zugänglich ma-
chen müsse. „Es we den deshalb alle wah ha gelungenen We ke de Dich kuns , die
also eben da um auch si lich sein müssen, allen halben e b ei e , wo nu imme zu
ho en s eh , dass jemand sie lesen und zu e s ehen e möch e.“ (S. 128) Das Mi el-
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mäßige sei dagegen abzulehnen, dieses solle de „Ve gessenhei übe geben we den“ (S.
129), was auch Konsequenzen ü die Rolle des Küns le s habe: „Da um läss man sich
auch nich allzu leich he bei zu e lauben, das jemand aus dem Geschä des Dich ens
ode des musikalischen Komponie ens u. dgl. sein Haup geschä mache, wenn e
nich Ho nung gib , e was ganz Auße o den liches zu leis en.“ (S. 129) Kuns bzw.
küns le ische Ausd uck e schein hie noch an das Konzep de Be u ung zu Kuns
gekoppel , und nich als Ausd uck de indi iduellen Selbs e wi klichung.
Bolzanos Übe legungen um assen e ne F agen de ich igen E näh ung, hie mi
du chaus ökologische In en ion, de Kleidung, de Wohnung und de Sexuali ä . Sein
bes e S aa undie zwa au einem ch is lich gep äg en Ve nun modell, legi imie
du ch einen Go , de „uns das he liche Geschenk de Ve nun [gab], dami wi ,
uns ih e bedienend, je länge , je wei e o sch ei en könn en in de Ve besse ung
unse es Zus andes au E den“ (S. 13), doch le z lich miss au Bolzano de Ve nun
des einzelnen, da e sich ü einen S aa mi pädagogischem Ansp uch s a k mach ,
man könn e soga on eine gleichwohl e nun gelei e en E ziehungsdik a u sp e-
chen. Und dami , ein wei e e Anach onismus, heb sich De bes e S aa auch on dem
zunehmend dominan en, au das Indi iduum ge ich e en Libe alismus ab, mi dem
öllig ande e Lei modelle des Poli ischen e knüp wa en.
Ku S asse , ein ausgewiesene Bolzano -Kenne u. a. du ch die k i ische Edi ion
de E bauungssch i en im Rahmen de Bolzano -Gesam ausgabe ode du ch die jüngs
o geleg e Monog aphie Be na d Bolzano (1781–1848). Ein böhmische Au klä e (Böhlau
2020), ha somi einen du chaus wich igen, au eine ande en als de libe alen Logik
basie enden Tex in eine ak ualisie en und kommen ie en Fassung o geleg . Ein
Tex , de ehe ein Scha endasein in den akademischen und in ellek uellen Disku sen
ge üh ha . Bleib zu ho en, dass sich dies zumindes ein wenig ände .
Pa la Machalíko á, Taťána Pe áso á und Tomáš Win e (Hgg.):
Z ození lidu české kul uře 19. s ole í. Sbo ník příspě ků z39. očníku
meziobo o ého sympozia kp oblema ice 19. s ole í. [Gebu des Volkes
in de schechischen Kul u des 19. Jah hunde s. Sammelband zum
39. Jah gang des in e disziplinä en Symposiums zu P oblema ik
des 19. Jah hunde s]. P aha: Academia, 2020, 290 Sei en.
Milan Ho ňáček– Palacký ‑Uni e si ä Olomouc
Nu wenige Beg i e wu den in den Deba en des 19. und 20. Jah hunde s meh um-
kämp als de des Volkes: Seine un e lek ie e Gleichse zung mi de Na ion, seine
Beg enzung au die ländlichen Teile de Be ölke ung ode die Annahme, dass es e -
mein lich u sp üngliche und olglich ‚ i ale‘ K ä e bewah e, gehö en zu den imme
noch am meis en e b ei e en und ie e wu zel en Ideologemen, die jede Auseinan-
de se zung mi einem de zahl eichen Volks -Phänomene e heblich e schwe en. Das
Konzep de Volkskul u kann dabei als eine A Modellbeispiel ungie en, an dem sich
sowohl zahl eiche (kul u )poli ische Kon o e sen de le z en zwei Jah hunde Jah e