Die (ge manis ische) Mediä is ik in Tschechien.
He aus o de ungen eines O chideen aches
ZUM STATUS DER MEDIÄVISTIK
Es mag nich übe aschen, dass die Mediä is ik im gesam eu opäischen Kon ex eine
ehe da bende Disziplin da s ell . Die Mediä is ik -Fo sche we den nich sel en als
Exo en wah genommen, und im Rahmen de übe all dominie enden Tendenz zum
P agma ismus de Leh e (und de Fo schung) nich sel en zu Objek en mi leidende
ode abe e s ändnislose Blicke sei ens de Kollegen aus dem Be eich de neue en
Li e a u o schung und Linguis ik. Die Gegenwa ha das Mi elal e als e was F em-
des disquali izie .
Goe z (2003: 15) beme k dazu:
Denn auch inne halb de Geis eswissenscha en ha sich das Ve häl nis zum Mi -
elal e , das im 19. Jah hunde , siche lich anach onisch, noch Inbeg i de We e
und Vo bild ü die Gegenwa wa , längs umgekeh : Das Mi elal e is uns emd
gewo den, nich meh in dem ühe en Maße die (gene ische) Wu zel de Mode ne
und de Gegenwa , sonde n das Ande e, ja das Exo ische.
In den olgenden Zeilen wi d e such , Mul ikul u ali ä und Mul isp achlichkei
des Mi elal e s als gu e Ausgangsbasis ü eine in e disziplinä e Fo schung und
eine in e na ionale Leh e he anzuziehen. Die P ämisse, dass das Fach wich ige An-
egungen lie e n kann, soll hie plausibilisie we den.
MEDIÄVISTIK IN TSCHECHIEN
Die schechische Mediä is ik muss e in de Geschich e iele Hinde nisse übe win-
den. Das im 19. Jah hunde kulminie ende In e esse an de na ionalen Iden i ä
ha zwa das Po enzial des Mi elal e s en deck , was abe im Lau e de Zei imme
p oblema ische e schien, wa die Reali ä des Nebeneinande s des deu schen und
schechischen Elemen s. Die na ionalis ischen Denke des 19. Jah hunde s (und die
spä e en) haben die Koexis enz schechische und deu sche Sp ache und Kul u als
einen Konku enz aum e ike ie und demen sp echend Tex e isolie e o sch ,
welche in schechische Sp ache e ass wo den sind, weil diese als Denkmäle de
na ionalen Iden i ä ins umen alisie wu den1. Eine wich ige Zäsu wa zwei els-
ohne die Teilung de Ka l -Fe dinand -Uni e si ä (1882) (Vod ážko á 2018) in eine
deu sche und eine schechische „Sek ion“, welche die Isola ion des Deu schen om
Tschechischen noch in ensi ie ha . Die schechische Mediä is ik is jedoch nich
1 Ein Pa adebeispiel in Bezug au die an ideu schen Tendenzen und das Ins umen alisie en on Tex en
als na ionalis ische P opaganda s ell die Dalimil -Fo schung da . Dazu Adde (2018) und B om (2016).
10 BRÜCKEN 27/2
ohne die deu schen Vo bilde denkba ; den böhmischen Raum p äg e die allgemein-
gül ige Aus ich ung: die (nich nu ) li e a ischen T ends kamen aus dem Wes en. Es
e s eh sich, dass es ein gewag es Vo haben wa , ein Fach (welches ja In e disziplina-
i ä o ausse z ) anhand eines ela i eingesch änk en Ko pus‘ de au Tschechisch
e ass en Li e a u zu e ablie en und au ech zue hal en. Die poli ische En wicklung
im 20. Jah hunde und das o he schend an ideu sche Klima haben es dem Fach
nich leich e gemach . Zu eine Wide belebung kam es e s nach 1989.2
DIE 1990ER JAHRE. DIE OLMÜTZER MEDIÄVISTIK ALS
MIKROKOSMOS DER TENDENZEN ODER DAS RAD DER FORTUNA
An diese S elle sei ein e s e Abs eche gemach , welche die En wicklungs endenzen
in den 1990e Jah en am Beispiel eines adi ionellen Ins i u s e anschaulich und
sich dahe zu Gene alisie ung anbie e .
Die 1990e Jah e s ellen gene ell die Blü ezei des schechischen Hochschulwesens
da . Au onomie und akademische F eihei en wu den gese zlich ga an ie , neue
Ins i u e en s anden, und die Zahl de S uden en is den e s en Jah zehn en des 21.
Jah hunde s is explosionsa ig anges iegen.3 Das In e esse am philologischen S u-
dium wa immens. Sp achen zu s udie en wu de wah genommen als no wendige
Ein i ska e in die Wel , welche sich ü die Einwohne de Lände des ehemaligen
Os blocks langsam geö ne ha e. Die deu sche Sp ache, als Sp ache unse e Nachba n,
wa hie ü logische weise eine gu e Op ion und wu de dahe an den Gymnasien zu
zwei en F emdsp ache.
Die Olmü ze Ge manis ik, welche einen Bes and eil de Philosophischen Fakul-
ä bilde e, ha sich dem T end angeschlossen. Diese iel e sp echende En wicklung
ha es e möglich , epublikwei neue Fäche und Disziplinen zu g ünden. So wu de
e wa in Olmü z die G ündung de Mediä is ik on p o .Volke Me ens (FU Be lin)
ini iie und konn e im Jah e 2004 als Mas e s udien ach akk edi ie we den.
Die „Goldene Ä a“ wäh e abe nich lange. Nach zehn Jah en konn e sich das Fach
de allgemeinen P agma isie ungs endenz des Hochschulwesens nich meh wide -
se zen, und die Mediä is ik in Olmü z wu de nich meh eakk edi ie . Als T os da
die Ta sache gel en, dass sich die S udie enden ü mi elal e liche Ve ans al ungen
nich wenige in e essie en ( ei nach dem Mo o: diejenigen, die kommen, bleiben
auch ge ne). Wenn es abe da um geh , was au dem Diplom s eh , gil de Schwe -
punk ‚Mediä is ik‘ ü die meis en S uden en als limi ie end.
4
Um ein komple es
philologisches S udium gewäh leis en zu können, wi d Mediä is ik de zei als Modul
im Rahmen des 1-Fach Bakkalau ea ss udiums Ge manis ische Philologie (6 ETCS)
2 In de Einlei ung wi d nich aus üh lich au die die Mediä is ik p ägende poli isch -kul u elle En -
wicklung eingegangen, da ich die P oblema ik be ei s hema isie habe (Solomon 2017), das wissen-
scha liche In e esse an den au Deu sch e ass en ode nach deu schen Vo lagen gedich e en Tex en
habe ich am Beispiel de T is an-Dich ung illus ie (Solomon 2016: 156–158).
3 Im Jah e 1989 gab es knapp 27000 Absol en en (P udký 2010: 22), wäh end im Jah e 2016 ca. 82000
Absol en en egis ie wo den sind.
4 Dass ein Mediä is ik -S udium du ch die Ö en lichkei in de Regel als dubios angesehen wi d, übe -
asch kaum, denn es is nich sel en de Fall, dass die Al ge manis ik on Neuge manis en als sku iles
Un e nehmen abge an wi d.
11KRISTÝNA SOLOMON
sowie in Fo m akul a i e Ve ans al ungen, welche allen S uden en zugänglich sind,
angebo en.
Die allgemeine S agna ion wu de du ch olgende Fak o en e u sach : Das Deu -
sche e lo an den Mi elschulen allmählich seine p i ilegie e Posi ion und wu de
eine Zei lang om Spanischen, welches zu zwei en F emdsp ache au ge ück is ,
übe hol . Exo ik besieg e gewisse maßen P agma ik. Dami häng auch de Rückgang
on po enziellem Nachwuchs zusammen sowie die schlech e en Sp achkenn nisse
de au genommenen S uden en. Die Ta sache, dass ein philologisches S udium als
schwie ig gil , is ü manche ebenso ein übe zeugendes A gumen , e was Ande es
zu s udie en: P agma isch o ien ie e Fäche eie n heu zu age ulminan e Siege und
kleine philologische Disziplinen kämp en dagegen e zwei el um jeden einzelnen
S uden en.5
Auch wenn das (oben ku z skizzie e) poli isch -kul u elle Klima dem Fach iele
Hinde nisse in den Weg leg e (die Lage an den ande en schechischen Ins i u en
wa seh ähnlich), is die Si ua ion in Tschechien ho nungs oll. Die Mediä is ik is
in i gendeine Fo m an allen adi ionellen Ins i u en/ Ge manis iken e wu zel .
Wäh end Os au und P ag ehe sp achwissenscha lich o ien ie sind, gib es in
B ünn eine s a ke li e a u wissenscha liche Sek ion. In Olmü z sind beide Be eiche
e e en. Dabei is zu akzen uie en, dass de Näh boden du ch die Gene a ion de
neuzei lichen Pionie e gescha en wu de: Emil Skála (P ag 1928–2005), Hildega d
Boko á (Budweis; 1941–2005), Zdeněk Masařík (B ünn; 1928–2016), Václa Bok
(*1939)6.
Im Be eich de His o iolinguis ik sind olgende Kolleginnen ä ig:
An de Ge manis ik de Palacký Uni e si ä ha sich p o .Libuše Spáčilo á
7
,
daselbs Lei e in de Linguis ik, im Be eich His o iolinguis ik p o ilie . Zu Ih en
Fo schungsin e essen gehö en o nehmlich ühneuhochdeu sche Sach ex e und
Edi ionswissenscha . Das Fo schungs andem Spáčilo á/ Spáčil ha die eu opäische
Mediä is ik wesen lich be eiche .
Die Os aue Mediä is ik p äg die wissenscha liche Tä igkei on p o .Lenka
Vaňko á, die sich mi de Kanzleisp ache und de medizinischen Fachp osa ausein-
ande se z . Die on ih ini iie e na ionale und in e na ionale Ve ne zung ha dazu
beige agen, die His o iolinguis ik an de Os aue Ge manis ik zu e ablie en.
Die jünge e Gene a ion on Sp achwissensch le innen is an de Ge manis ik de
Philosophischen Fakul ä de Ka lsuni e si ä on D .Lenka Vod ážko á e e en.
Die dominie enden Fo schungsbe eiche s ellen ühneuhochdeu sche Fachp osa und
die Geschich e de Ge manis ik da .
Die li e a ische Mediä is ik is am s ä ks en an de Ge manis ik de Masa yk
Uni e si ä in B ünn e e en. Doc.Syl ie S ano ská widme sich o nehmlich
dem Kanon de mi elal e lichen Li e a u (Epos, Minnesang) sowie den Übe gangs-
5 Das Kapi el übe die Genese de Olmü ze Ge manis ik is be ei s publizie wo den (Solomon 2017).
6 An diese S elle möch e ich mich bei Vlas imil B om he zlich bedanken, de mi einen de zei noch
nich publizie en Au sa z zum Thema zu Ve ügung ges ell ha , de Au sa z soll e un e dem Ti el
Česká medie is ika 1990–2020 e scheinen.
7 Die komple e Bibliog aphie: URL <h ps://www. .upol.cz/nc/kon ak y/ izi ka/empid/09790/>
[20.10.2020].
12 BRÜCKEN 27/2
phänomenen (De Acke mann aus Böhmen). D .Vlas imil B om okussie au
spä mi elal e liche Tex e, e gil als Expe e im Be eich de Dalimil -Fo schung.
An de Ge manis ik de Palacký Uni e si ä wi d die Mediä is ik du ch
D .K is ýna Solomon, die sich au die Tex e de klassischen Zei sowie au die
Rezep ion de Li e a u aus de deu schen P o enienz in Böhmen konzen ie , e-
p äsen ie .
Auße halb de Uni e si ä en is de Umk eis on D .Dana D ořáčko á -Malá
zu e wähnen (Hö e und Residenzen8, am his o ischen Ins i u de Akademie de Wis-
senscha en), die im Be eich de Übe se zungs ä igkei Wilhelm on Wenden (2015) als
Thema gewähl ha und die Tä igkei on D .éloïse Adde9, die sich au die Ä a de
Luxembu ge Dynas ie spezialisie .
Aus dem oben E wähn en e gib sich, dass die ge manis ische Mediä is ik eine
gewisse Resis enz au weis . Unbeach e de (meis ens kon ap oduk i en) Re o men
des Hochschulwesens10 und de omnip äsen en Benach eiligung ma ginale Fäche
is die P ämisse de Nachhal igkei plausibel.
AUSSICHTEN
Im Hinblick au das oben Besp ochene wi sich die F age au , wie das agile Fach in
Zukun übe leben kann. Als Al e na i en wi d hie nich s O iginelles o geschlagen:
Im Einklang mi de ak uellen Hochschulpoli ik sei an diese S elle zweie lei akzen-
uie : In e na ionalisie ung und D i mi ele we b. Ich bin mi dessen bewuss , dass
jene Beg i e bei manchen Kollegen eine alle gische Reak ion he o u en (diesen
Eind uck ha e ich bei den Leh s uhllei e si zungen und ande en G emien), deshalb
möch e ich hie kein Plädoye ü das heo e ische Konzep de In e na ionalisie ung
en we en, sonde n ich we de mich au ausschließlich die bes p ac ice -Beispiele
konzen ie en. Ich bin nach wie o de Meinung, dass die (kleine) schechische
Mediä is ik nu im in e kul u ellen Dialog gedeihen kann. Im Be eich de Leh e
sammel e die OG zahl eiche E ah ungen, insbesonde e dank den EU -P ojek en
(S a egic Pa ne ship). Die Olmü ze Mediä is ik is p i ilegie sei 2005 an dem
on de Eu opäischen Kommission ge ö de en P ojek „Ge man Li e a u e in he
Eu opean Middle Ages“ (GLITEMA) und anschließend an dem P ojek TALC_ME
11
eil-
genommen zu haben. Beide P ojek e ziel en da au ab, die deu sche Li e a u un e
gesam eu opäische und in e disziplinä e Pe spek i e zu disku ie en. Das TALC_ME
P ojek ha an die E ah ungen des GLITEMA P ojek es angeknüp . S uden en aus
zehn
12
eu opäischen Uni e si ä en haben hie bei wäh end eines zweiwöchigen in-
8 URL: <h p://www.d o y -a- ezidence.cz/ esi ele.php?lng=de> [20.10.2020].
9 URL: <h ps://jou nals.openedi ion.o g/i ha/8817> [02.11.2020].
10 In diesem Zusammenhang is die Re o m de E alua ion on Fo schungse gebnissen zu e wähnen, die
nach dem Modell ü Na u wissenscha le unk ionie en soll. Die F age, inwiewei Geis eswissen-
scha le in den im WOS ode Scopus au gelis e en Zei sch i en publizie en können, muss hie nich
disku ie we den.
11 Das P ojek TALC_ME, welches im Jah e 2013 ges a e is , ziel au die Beschä igungs ähigkei on
S udie enden hin, wobei de E we b on Kompe enzen in e kul u elle A sowie die Ve ie ung on
Fachkenn nissen im Be eich ‚Mediä is ik‘, den Schwe punk des P ojek s bilden.
12 Johannes Gu enbe g Uni e si ä Mainz / Deu schland (An ags elle , Koo dina o ), Uni e sidade do
Po o / Po ugal, Uni e si à degli S udi di Pale mo / I alien, Uni e sidade de San iago de Compos ela
13KRISTÝNA SOLOMON
ensi en Wo kshops in einem p oduk i en Dialog Ideen ausge ausch . Hin e den
Kulissen his o ische S äd e ha man e such , sich dem Mi elal e anzunähe n. Im
e s en Jah (2015) wa das Rahmen hema des IPs (In ensi e P og amme) „Inszenie e
Kommunika ion und symbolische Kommunika ion“. F emdhei se ah ung, Kon inui-
ä sp ozesse und Kon inui ä sb üche wu den übe die G enzen hinweg besp ochen.
2016 ha man sich mi dem Thema „Wah nehmung des F emden – Kons uk ion des
Ande en. Chanson de Roland, Rolandslied und Willehalm“ auseinande gese z . Das
Haup in e esse lag an kul u ellen, eligiösen und sozialen Kon lik kons ella ionen im
Hochmi elal e , welchen man in eine S ad nachgegangen is , in welche bis heu e
die Spu en un e schiedliche Kul u en omnip äsen sind. 2017 ha man in Olmü z au
„Liebe und Tod als an h opologische G unde ah ungen“ okussie . De im heu igen
Tschechien en s andene Kanon ex (De Acke mann aus Böhmen) und die in Böhmen
p oduk i e T is an -Rezep ion s ell en das Haup in e esse da . Die un e schiedlichs en
Fo ma e und Un e ich s o men haben einen in e kul u ellen Dialog (in e na ional
class oom) e möglich , de im S anda dun e ich kaum möglich is .
Neben mediä is ische Inhal e wa es eines de Ziele des TALC_ME P ojek s, die
S udie enden au die He aus o de ungen des A bei sma k s o zube ei en. Dies
schein au den e s en Blick p o okan , denn man s ell sich die F age, was die Mediä-
is ik mi dem P agma ismus zu un ha . T o z alle Klischees, die die Geis eswissen-
scha en be e en, wa die Haup idee des Teams, eine B ücke zu spannen zwischen
de isolie en Wel de Uni e si ä en und dem A bei sma k . Es wu den Lei linien13
e a bei e , die da au abzielen, das Implemen ie en de be u sbezogenen und in e -
kul u ellen Kompe enzen in de geis eswissenscha lichen Leh e zu begüns igen.
Da übe hinaus wu de eine Ma e ialsammlung
14
zwecks Be u so ien ie ung e ö en -
lich . Die Rich linien we den an de Olmü ze Ge manis ik mi E olg implemen ie .
Von den E ah ungen aus in e na ionalen P ojek en wi d man wei e hin p o i-
ie en können. Im eben alls on de EU ge ö de en GIP -P ojek Li e a u und Sp a-
che in pe iphe en Räumen (Lau zei 2020–2023) zwischen de Palacký Uni e si ä ,
de Ossie zky Uni e si ä Oldenbu g (Lei e des P ojek s p o .Hausmann), dem
Bundesins i u ü Kul u und de Geschich e de Deu schen im ös lichen Eu opa
an de Uni e si ä Oldenbu g (BKGE) wi d die Mediä is ik, im Be eich de Leh e
und Fo schung, einen wich igen Bes and eil bilden. Im Kon ex des Rahmen hemas
Regionali ä und Ve ne zung wi d man dem kul u ellen T ans e , insbesonde e im
Hinblick au die e zöge e Rezep ion de hochhö ischen Li e a u in Böhmen, iel
Au me ksamkei widmen.
Im Be eich de Linguis ik bie e sich an, un e diach one Pe spek i e den
schechisch -deu schen Bilingualismus als p oduk i es Thema he anzuziehen. Die
schechisch -deu schen Sp achkon ak e ( o nehmlich in de ühneuhochdeu schen
Pe iode) s ellen einen de Fo schungsschwe punk e on p o .Spáčilo á da . In den
A chi en in Böhmen, Mäh en und Schlesien sind A chi alien au bewah , die de
/Spanien, Uni e si a‘ degli S udi di di U bino Ca lo Bo / I alien, Uni e si ei an Ams e dam / Niede -
lande, Uni e si ä Salzbu g / Ös e eich, S ockholms Uni e si e / Schweden, Uni e zi a Palackého
Olomouci / Tschechien, Uni e si é du Luxembou g / Luxembu g.
13 URL: <h ps://www. alcme.uni -mainz.de/lei linien/> [20.10.2020].
14 URL: <h ps://www. alcme.uni -mainz.de/ma e ialien/> [20.10.2020].
14 BRÜCKEN 27/2
Pe iphe ie des deu schsp achigen Raumes angehö en, und die als Fo schungsobjek e
ü die Inlandsge manis ik on In e esse sein können.
Im Rahmen des P ojek s sind einige bila e ale Ve ans al ungen angesag . Im Be-
eich de Mediä is ik wi d man au die Luxembu ge Ä a okussie en, die eine e -
meh e Rezep ion de „deu schen“ Tex e mi sich geb ach ha . Den Ke n we den dabei
die T is an -Fo schung und die Acke mann -Fo schung bilden. Im Be eich de Linguis ik
echne man mi de Koope a ion zweie Expe innen, Libuše Spáčilo á (Olomouc)
/ B i a Bußmann (Oldenbu g), die zum Thema de deu schen Kanzleisp achen im
zen alen deu schsp achigen Raum und an de Pe iphe ie o schen.
Neben g öße en P ojek en wi d in le z e Zei eine Zusammena bei in kleine em
Maße en wickel , was e eulich is . Zu nennen sind einige Kon e enzen, die au
in e disziplinä es und in e kul u elles Engagemen hinzielen:
2019 wu de in B ünn eine in e na ionale Tagung e ans al e om Ins i u ü
Ge manis ik, No dis ik und Nede landis ik de MU: Mediä is ik mannig ach, minu iös,
mi eleu opäisch –mode n.15
2019 o ganisie en d ei Uni e si ä en (P ag: Hö e und Residenzen, Luxembu g,
Olomouc) eine in e na ionale Tagung Am Ho e und übe den Ho .16
2018 wu de anlässlich des 740. Todesjubiläums on König O oka an de Olmü ze
Ge manis ik eine in e na ionale und in e disziplinä e Kon e enz O oka edi i us.
De P emysliden ü s in Wissenscha , Kul u und Medien e ans al e .17
2018 and in P ag eine in e na ionale Kon e enz un e dem Ti el Re - elling be ween
T adi ion and Inno a ion. Cen al Eu opean Na a i e Tex s in he Changing Wo ld o he
La e Middle Ages s a (Ins i u ü schechische Li e a u , Tschechische Akademie
de Wissenscha en).18
Die Luxembu ge Kollegen haben im Zusammenhang mi ih e Beschä igung mi
Konzep en de de In e kul u ali ä zwei Tagungen o ganisie :
In e kul u elle Mediä is ik als He aus o de ung (2017) und P ag in de Zei de Lu-
xembu ge (2016) (Bendheim/Siebu g 2018). Dabei wu de Böhmen im 14. Jah hunde
als Schmelz iegel on Kul u en in einem meh sp achigen Kommunika ions aum
disku ie .
MEDIÄVISTIK IN BÖHMEN UND ÜBER BÖHMEN. ZUM INHALT
DES HEFTES
De o liegende Band Mediä is ik in Böhmen und übe Böhmen ep äsen ie nu ein
kleines B uchs ück de Fo schungs ä igkei , was dem G und zuzusch eiben is , dass
de Publika ionsd uck, welche den wissenscha lichen Be ieb an den schechischen
Uni e si ä en p äg , ela i schnell au de en G enzen s öß . Viele KollegInnen ha-
ben ku z- ode lang is ig abgesag , weil sie die A bei an eigenen P ojek en o zie-
15 URL: <h ps://ugnn.phil.muni.cz/de/kon e ence/mediae is ik -mannig ach> [22.10.2020].
16 URL: <h p://www.hiu.cas.cz/cs/download/p og amm -da ---29.01.2019.pd > [22.10.2020].
17 URL: <h ps://ge manis ika.upol.cz/ ileadmin/use da a/FF/ka ed y/kgn/plaka yakce/ P og am.O oka .
D _1__ak .pd > [22.10.2020]. Siehe dazu auch den Tagungsbe ich in diesem He .
18 URL: <h p://cms. lu.cas.cz/cz/bada ele/nase -akce/kon e ence -wo kshopy/cen al -eu opean-
-a hu ian - ex s -in -a-changing -wo ld.h ml> [22.10.2020].
15KRISTÝNA SOLOMON
hen müssen. Umso meh eue ich mich übe alle Bei äge, welche die Fo schungs-
endenzen und Schwe punk e de Mediä is ik in und übe Böhmen illus ie en.
Das Themenhe e ö ne ein Au sa z zu Rezep ion de deu schen S o e in de
Zei de Luxembu ge Dynas ie. De on Lena Zud ell e ass e Bei ag „One en h
o Tanda eis: on cha ac e s and p og amma ic educ ion o A hu ian li e a u e“
nimm einen Rep äsen an en de A usli e a u un e Lupe. De Fokus lieg an de
Rezep ion des u sp ünglich on einem ös e eichischen Ve asse namens „De Pleie “
gesch iebenen Tex es, de nach Böhmen– meh als 100 Jah e nach de En s ehung
des O iginals– gewande is . Die Au o in e gleich die deu sche Fassung mi de
anonymen al schechischen Bea bei ung. Es äll au den e s en Blick au , dass de
Um ang des schechischen Tex es wesen lich eduzie wu de, u.z. au ein Zehn el
des O iginals. Die Au o in kons a ie , dass e lexi e Passagen, E zähle kommen a e
sowie die das Aben eue liche schilde nden Kapi el ausgelassen wu den. Indem de -
a ige Passagen eliminie we den, wi d– lau Zud ell– die Beziehung zwischen den
zwei P o agonis en ampli izie . Diese Ökonomisie ungs endenz is beispielsweise
auch dem al schechischen T is am -Roman, de ähnlich da ie wi d, immanen .
Ma hias Meye g ei au denselben Tex zu ück. In seinem Au sa z „The Re-
pe i ion Game. An Essay on he Czech ‚Tanda iáš‘“ okussie e au das Ve häl nis
zwischen S uk u und Inhal . Einlei end wi d apos ophie , dass die oben e wähn e
Reduk ion des Um angs das Augenme k au die G unds uk u des Tex es gelenk
ha . Dabei spiel – lau Meye – die Wiede holung eine wich ige Rolle. Dies mag übe -
aschen, denn Wiede holung und Kü zung können als kon ap oduk i e Ve ah en
e s anden we den. Ungeach e dessen äll au , dass die Zahl 3 als ein p oduk i es
Bauelemen unk ionie . Nachdem eine Tendenz zu Repe i ion es ges ell wo den
is , wi d nach de en Zweck im Tex ge ag , insbesonde e in Bezug au das e ablie e
We sys em de A usli e a u und de en Wah nehmung in de Gesellscha des
14. Jah hunde s.
Im Bei ag „Die ühneuhochdeu sche Fachsp ache de Ma hema ik und An on
Geo g Kinnos s Rechenbuch aus dem Jah e 1727“ e olg Libuše Spáčilo á die Genese
de ma hema ischen Fachp osa, indem sie das im 18. Jah hunde e ass e Rechen-
buch des An on Geo g Kinnos , de in Olmü z als Sch eibe ä ig wa , e o sch . Ein-
üh end wi d die En wicklung de deu schen Wissenscha ssp ache e anschaulich ,
anschließend wi d die En wicklung de ma hema ischen Fachsp ache im 15. und 16.
Jah hunde in ‚Deu schland‘ illus ie , um die Haup endenzen mi de Si ua ion
in den böhmischen Lände n zu e gleichen. Den Ke n des Au sa zes s ell Kinnos s
Rechenbuch, wobei olgende Aspek e einbezogen we den: Die S uk u des Rechen-
buches, die a i hme ischen Te mini, die Seman isie ung de la einischen Te mini,
de Sa zbau und abschließend die Themen in den Au gaben. Aus dem Ve gleich on
Kiennas s Rechenbuch mi den um 200 Jah e äl e en Vo lagen e gib sich, dass das
Repe oi e de Rechenbüche s abil wa . Die Cha ak e is ik, welche die äl e en Re-
p äsen an en diese Tex so e p äg , komm im analysie en Beispiel ebenso gu o ,
was die These s ü z , dass de P agma ismus, insbesonde e die Ve s ändlichkei ü
das Zielpublikum, eine en scheidende Rolle spiel e.
Im Au sa z „Go e hal e sein Wo , die Edle Wa hei au Vnse e Nachkomen.
Amen. Deu schgesch iebene Ch oniken de no dwes böhmischen S äd e aus de Zei
des Humanismus als his o iolinguis ische Fo schungsquelle“ wende sich Lenka Vo-
16 BRÜCKEN 27/2
d ážko á einem egionalen Thema zu, indem sie deu schgesch iebene Ch oniken in
de Zei des Humanismus analysie . Einlei end wi d die humanis ische Geschich s-
sch eibung ku z skizzie , spä e wi d au die Spezi ika de S ad geschich ssch ei-
bung in No dwes böhmen eingegangen. Die Au me ksamkei wi au d ei konk e e
Beispiele ge ich e , die Ch oniken de S äd e B üx, Kaaden und Komo au. Die Ch o-
niken we den als wich ige Zeuge de humanis ischen His o iog aphie be ach e .
Die inhal liche sowie sp achliche Analyse ha bes ä ig , dass die Ch oniken einen
Rep äsen a ionscha ak e au weisen und dass sie als P oduk kollek i e Iden i ä
des Bü ge ums unk ionalisie wu den. Da übe hinaus illus ie en solche Quellen
die Sp ach e häl nisse in Böhmen gegen Ende des 16. Jah hunde s.
Obwohl de Tex ko pus des o liegenden Themenhe es– wie be ei s oben e -
wähn – ela i bescheiden is , kann man e euliche weise Folgendes kons a ie en:
Die li e a ischen und sp achlichen Denkmäle , die im mi elal e lichen Böhmen
en s anden sind und die aus de Pe spek i e de deu schen und ös e eichischen
Kollegen als ands ändig be ach e we den können, dü en zu eine Be eiche ung
des ‚Zen ums‘ bei agen. Dahe möch e ich posi i in die Zukun blicken und au
eine in ensi e( e) (in e )na ionale Koope a ion im Be eich de Mediä is ik ho en.
Die basalen Fundamen e sind– wie ich hie zu demons ie en e such e– o handen.
Olomouc, den 19. Mä z 2020
(wäh end des Peaks de Pandemie)
He ausgebe in des Themenschwe punk s Mediä is ik
K is ýna Solomon
LITERATUR
Adde, Éloïse (2018): Die deu schsp achige Übe se zung de Dalimil -Ch onik. Ein Ve such de
poli ischen Legi ima ion de s äd ischen Eli en im Böhmen de Luxembu ge .– In: Bendheim,
Amelie/Siebu g, Heinz (Hgg.), P ag in de Zei de Luxembu ge Dynas ie: Li e a u , Religion und
He scha skul u en zwischen Be eiche ung und Behaup ung. Biele eld: ansc ip , 119–140.
Bendheim, Amelie/Siebu g, Heinz (Hgg.) (2018): P ag in de Zei de Luxembu ge . Li e a u , Religion
und He scha skul u en zwischen Be eiche ung und Behaup ung. Biele eld: ansc ip .
B om, Vlas imil (2016): Rýmo aný německý překlad Dalimilo y k oniky kon ex u její české
ala inské ex o é adice.– In: Klimek, Tomáš/Mod áko á, Rená a (Hgg.), Ces a k ozmani os i
aneb Ka á enský po aleč digi álním his o ikem s ředo ěku. Sbo ník příspě ků kži o nímu jubileu
PhD .Zdeňka Uhlíře [Weg zu Mannig al igkei ode Wie ein Ka eehaus -Müssiggänge zum
digi alen His o ike des Mi elal e s wu de]. P aha: Ná odní kniho na České epubliky,
101–111.
Goe z, Hans -We ne (2003): Ein üh ung: Die Ak uali ä des Mi elal e s und die ‚Mode ni ä ‘ de
Mediä is ik.– In: De s./ Ja nu , Jö g (Hgg.), Mediä is ik im 21. Jah hunde . S and und Pe spek-
i en de in e na ionalen und in e disziplinä en Mi elal e o schung (= Mi elal e -S udien des
Ins i u s zu In e disziplinä en E o schung des Mi elal e s und seines Nachwi kens, Bd. 1).
München: Fink, 11–18; URL: <h ps://digi20.digi ale -sammlungen.de/de/ s1/objec /display/
bsb00042129_00009.h ml> [20.10.2020].
17KRISTÝNA SOLOMON
P udký, Libo (2010): České ysoké škols í. Na ces ě od eli ního kuni e zálnímu zdělá ání 1989–2009
[Tschechisches Hochschulwesen. Au dem Weg on eli ä en zu uni e salen Bildung].
Ha líčků B od: G ada.
Solomon, K is ýna (2016): ‚T is an‘-Romane. Zu spä mi elal e lichen Rezep ion on Go ieds T is an
in den böhmischen Lände n. Göppingen: Kümme le.
Solomon, K is ýna (2017): Maue n, B ücken und O chideen.– In: T anskul u ali ä und T ansla ion.
H sg. on Ing id Kas en und Lau a Au e i. Be lin/ Bos on: de G uy e , 235–241.
Vod ážko á, Lenka (2018). Die Zei de Luxembu ge in Böhmen im Spiegel de wissenscha lichen
Tä igkei de e s en P age Ge manis en nach 1882.– In: Bendheim, Amelie/Siebu g, Heinz
(Hgg.), P ag in de Zei de Luxembu ge Dynas ie: Li e a u , Religion und He scha skul u en
zwischen Be eiche ung und Behaup ung. Biele eld: ansc ip , 53–72.
Wilhelm on Wenden (2015) = Vilém ze země Slo anů. Epos zkonce přemyslo ského ěku [Wilhelm on
Wenden. Ein Epos om Ende de Přemyslidenzei ]. Übe se z , eingelei e und kommen ie
on Dana D ořáčko á -Malá, P aha: A go.