P ag als Zei kapsel ode als mode ne S ad ?
Emanuel F yn a und Ma he Robe wandeln au
Ka kas Spu en
Ve onika Tucke o á– Ha a d Uni e si y
ABSTRACT
The a icle examines he cons uc ed “old P ague” (Al -P ag), in which schola ly and po-
pula li e a u e placed F anz Ka ka. This educ i e cons uc eme ged du ing he apid
mode niza ion and indus ializa ion o he ci y a he u n o he 20 h cen u y. Ka ka’scon-
empo a y Paul Eisne de eloped a“ iple ghe o” concep ha o e lapped wi h ha o “old
P ague.” Emanuel F yn a’scollage o ex s and pho os om he la e 1940s and he 1950s
si ua ed Ka ka in he “old P ague” and es ablished aca alogue o Ka ka’sP ague places. The
“old P ague” concep howe e con as ed wi h he quickly g owing and mode nizing ci y.
Amode nis in his w i ing, Ka ka ully ook pa in he new li e o he ci y, i s ca es, and
cinemas. The link be ween Ka ka and “old P ague” became en enched by he 1960s and
sanc ioned by he Czechoslo ak Communis s a e in o eign -language books o expo .
S a ing in he second hal o he 1950s, Wes e n ou is s came o P ague o sea ch o
Ka ka, and iewed he au ho ’sci y h ough he cons uc ed image o aby -gone P ague.
KEYWORDS
F anz Ka ka, Emanuel F yn a, Recep ion, P ague, Czechoslo akia
Im o le z en Kapi el des P oceß, das „Im Dom“ übe sch ieben is , wi d Jose K. gebe en,
einem i alienischen Geschä spa ne „einige Kuns denkmäle “ P ags zu zeigen. K.
wu de als F emden üh e ü den i alienischen Besuche ausgewähl , weil e
aus ühe e Zei einige kuns his o ische Kenn nisse besaß, was in äuße s übe -
iebene Weise dadu ch in de Bank bekann gewo den wa , daß K. eine Zei lang,
üb igens auch nu aus geschä lichen G ünden, Mi glied des Ve eins zu E hal ung
de s äd ischen Kuns denkmäle gewesen wa . (Ka ka 2002: 272)
Jose K. übe nimm die Au gabe wide willig, isch sein I alienisch au und mach
sich, mi einem Album on Sehenswü digkei en bewa ne , au , den ausländischen
Gas du ch die Ka hed ale zu üh en. Das is die einzige Sehenswü digkei , die de
Gas – de eigen lich nie im Dom e scheinen wi d– besich igen möch e.
De Ve ein, dem Jose K. eins angehö haben soll, is ik i , ähnel abe Ins i u-
ionen, die es zu Ka kas Zei en wi klich gab. De Schu z his o ische Gebäude wu de
besonde s d ingend, als im spä en 19. und ühen 20. Jah hunde die sogenann e
Assanie ung de P age Al s ad o ange ieben wu de. Viele In ellek uelle sp achen
90 BRÜCKEN 30/1
sich gegen den Ab iss g oße Teile de his o ischen S ad aus und o de en, sie zu
e hal en und un e Denkmalschu z zu s ellen. De „Klub za s a ou P ahu“ [Klub ü
das al e P ag] wu de im Jah e 1900 geg ünde . Ka ka leb e in unmi elba e Nähe de
o sch ei enden Ab issa bei en; e muss ih Zeuge gewesen sein, auch wenn e sie
wede in seinen Ezähl ex en noch in seinen Tagebüche n e wähn .
Die S ad is nu eine on ielen Kon ex en, zu denen wi Ka ka in Beziehung se zen
können. Wi d P ag in Ka kas P osa besch ieben? Wenn ja, was ü ein P ag? Wie And-
eas Huyssen 2015 in seinem Buch übe Ku zp osa de Mode ne, Minia u e Me opolis,
gezeig ha , is die S ad en scheidend ü Ka kas P osa, obwohl de u bane Raum, den
sie da s ell , nich so dynamisch is , wie das bei ande en Au o en de Mode ne wie
Sieg ied K acaue ode Al ed Döblin de Fall is . Huyssen a gumen ie , dass P ag
zu Ka kas Zei en eine mode ne S ad wa : „ hough smalle and mo e p o incial han
he ypical Eu opean me opolis Ka ka’sP ague mus no be seen as he adical o he
o Vienna, Be lin, o Pa is bu as amode n ci y in i s own igh ha adia ed deeply
in o u ban de elopmen s in Cen al Eu ope.“ (Huyssen 2015: 53) Dennoch is Ka ka
ehe denn in eine solchen mode nen Me opole bislang sowohl in wissenscha -
liche Fachli e a u als auch in populä wissenscha lichen Tex en meis in einem
höchs spezi ischen Um eld e o e wo den– in einem ‚al (en) P ag‘. Ein solches
eduzie es P ag -Bild s ell sich Ka ka au eine ‚einge o enen‘ s a ischen Insel eine
schwindenden Al s ad o und s eh im Wide sp uch zum his o ischen P ag, das zu
Ka kas Lebzei en in einem asan en Mode nisie ungsp ozess beg i en wa .
Das Kons uk on ‚Al -P ag‘ [s a á P aha] en s and wäh end de schnellen Mode -
nisie ung und Indus ialisie ung de S ad im spä en 19. Jah hunde und zu Beginn
des 20. Jah hunde s, eilweise in Reak ion au den Ab iss g oße Teile des ehemaligen
Ghe os und de Al s ad wäh end de so genann en Assanie ung [asanace]. De nos -
algische Blick au P ag en s and alle dings be ei s im spä en 19. Jah hunde , noch o
de Assanie ung. Das ehemalige Ghe o und de Al e Jüdische F iedho wa en im 19.
Jah hunde ein ou is isches Reiseziel gewo den, de Al e Jüdische F iedho wu de
in Reise üh e n als „Quell de Legenden“ (Toman 2009: 324) e wähn .
Das In e esse an ‚Al P ag‘ is in de Pho og aphie dokumen ie . Das he o s e-
chends e Beispiel hie ü is ein Band on Pho og aphien on F an išek D ikol und
Augus in Ška da mi dem Ti el Zd o ů ad o ečků s a é P ahy [Aus den Hö en und Hin-
e hö en des al en P ag], de 1911 on dem bedeu enden küns le ischen Ve ein A ěl
publizie wu de (D ikol/Ška da 1911; Mlčoch 2008). Die Pho os sind au allgemeine
Szenen aus dem al en P ag okussie , wenige au besonde e Sehenswü digkei en.
Menschen kommen meis nich o ; nu ab und zu sind in den Szenen einzelne Pe -
sonen zu sehen, die in All ags ä igkei en e ie sind. Die S immung is nachdenklich
und kon empla i . Das Album en häl auch Bilde om Ab iss on Teilen de Al s ad .
De Kuns his o ike Jose K ou o nimm in einem Essay, in dem e P ag als ‚ o e
S ad ‘ besch eib , Bezug au F an išek D ikols Album und s ell es , dass die pho o-
g aphischen Abbildungen laby in hische S aßen neben nos algischen Ansich en
de e schwundenen S ad auch an kubis ische Bilde e inne n (K ou o 1994: 85).
K ou o üh P ag in eine Lis e on S äd en an, die als ‚ o e S ad ‘ besch ieben
we den– ein My hos, de im 19. Jah hunde en s and und sich au O e wie Venedig,
B ügge, Wien, Toledo ode Ra enna bezog, die unmi elba o de „ echnischen Zi-
91VERONIKA TUCKEROVÁ
ilisa ion in einen ie en Schla ielen, sich on de Wel abschlossen und ih zwei es
Leben begannen“ (K ou o 1994: 83).
De U sp ung des Doppelgespanns on Ka ka und P ag eich in die spä en 1920e
Jah e zu ück, zu Pa el Eisne s Konzep des d ei achen Ghe os. Ka kas Zei genosse, de
Übe se ze und Ve mi le Paul Eisne (1889–1958), en wickel e seine Ideen übe Ka ka
und ande e deu sche Sch i s elle aus P ag am um assends en in seinen A ikeln aus
den Jah en 1948, 1950 und 1957. E k i isie e „spekula i e“ Ka ka -In e p e a ionen
sowohl ausländische als auch P age K i ike als nich in Ka kas Reali ä e anke
und a gumen ie e, dass die P age deu sch -jüdischen Au o en de Gene a ion bis
zum Ausb uch des E s en Wel k iegs in einem „d ei achen Ghe o“ leb en: eligiös,
na ional und sozial -ökonomisch (Eisne 1948: 71). Im Gegensa z zu denjenigen, die
Ka ka im Rahmen des Su ealismus ode des Exis en ialismus in e p e ie en, e -
band e ihn ehe mi seine He kun P ag als mi uni e sellen Ideen ode Theo ien.
Eisne s Konzep is alle dings höchs igu a i und weis keine lei spezi ischen
Zei - und O sbezug au . Inso e n is es on In e p e a ionen zu un e scheiden, die
Ka ka in P ag als spezi ischem physischem O e o en. De e s e, de zu Ka kas
physischem Raum und Um eld gea bei e ha , wa de Sch i s elle und Übe se ze
Emanuel F yn a (1923–1975), de sei den spä en 1940e Jah en Ka kas S ad e o sch e
und nach O en such e, die sich mi Ka kas Leben in Ve bindung b ingen ließen. Sein
Tex wu de schließlich 1960 au Deu sch und Englisch e ö en lich , e e schien,
illus ie mi Fo os des mode nen schechischen Fo og a en Jan Lukas, im P age
Ve lag A ia ü den Expo . De Deu sche Ti el lau e e Ka ka leb e in P ag. Diese emd-
sp achige Publika ion eagie e au das In e esse, das Ka ka im Ausland he o ge u en
ha e. Sei Ende de 1950e Jah e kamen Besuche aus dem Wes en nach P ag, um nach
Spu en des Au o s zu suchen, und a en sich o O mi P age n, die ihnen bei de
Suche nach O en mi Ka ka -Bezug behil lich wa en. Um 1960 he um wa es unmög-
lich, ein Buch übe Ka ka ü schechische Lese zu e ö en lichen. Die ü den Expo
bes imm en Bände sank ionie en eine spezi ische Ka ka -Ve sion: De Au o wu de in
eine e gangene Zei e lage , also zu einem Au o de Ve gangenhei gemach , und
mi de nos algischen E inne ung an ‚Al P ag‘ e knüp . Ka ka leb e in P ag en häl
zahl eiche A chi -Fo os, es k eie und e s ä k diese Ve bindung on Ka ka und
Al -P ag, die ü spä e e Publika ionen zum Thema zunehmend kanonisch wu de.
EMANUEL FRYNTAS KAFKA ‑COLLAGE
F yn as In e esse an P ag geh au die 1940e Jah e zu ück. Damals and e Ka kas
Gesammel e Sch i en in deu sche Sp ache in einem P age An iqua ia . E begann
eine A Skizzenbuch mi Ka kas Tex en, seinen eigenen Kommen a en, A chi o os,
eigenen Fo os, Pos ka en und Zei ungsausschni en zu komponie en. F yn as F eund,
de Sch i s elle und Thea e egisseu I an Vyskočil, e inne sich:
Začal kompono a p o las ní po řebu knihu aobje o al ak éma F anz Ka ka–
P aha– já, popřípadě naopak, sakcen y jiném pořadí. Byla o podi uhodná sklá-
danka, kompozice zKa ko ých ex ů, F yn o ých komen ářů, dobo ých žán o ých
o og a ií apohlednic, ýs řižků zno in ačasopisů iF yn o ých o og a ií, jimiž si
sám něk e é ěci zpřesňo al au ědomo al. (Vyskočil 2000: 7)
92 BRÜCKEN 30/1
[E begann zum eigenen Geb ach ein Buch zusammenzus ellen und en deck e so
das Thema F anz Ka ka– P ag– ich, ode ielleich auch ande s he um akzen uie .
Es wa eine wunde same Collage, eine Komposi ion on Ka kas Tex en, F yn as
Kommen a en, zei genössischen Gen e -Pho og aphien und Ansich ska en, Aus-
schni en aus Zei ungen und Zei sch i en und F yn as eigenen Fo os, mi denen
e sich selbs einige Dinge p äzisie e und besse beg ei ba mach e.]1
F yn a in e essie e sich ü die ma e iellen Aspek e on Büche n. Be o e an de
P age Ka ls -Uni e si ä s udie e, ha e e Kallig aphie und Zeichnen gele n . Die
Fo m des Skizzenbuchs e binde sein We k mi de Äs he ik de Li e a u - und
Küns le g uppe Skupina 42 [G uppe 42], die e schiedene Kuns o men kombinie e
(so Jan Rychlík– Musik und Sch eiben; Jiří Kolář– Poesie und Kuns , Collage) und das
In e esse an de u banen Landscha mi Äs he iken des Tagebuchs und des All ags
e ein e. F yn a gehö e dem Sch i s elle -K eis um Jiří Kolář an, de sich zunächs
in dessen Wohnung in V šo ice und spä e im Ca é Sla ia a .
In de zwei en Häl e de 1950e Jah e un e nahm F yn a seine Ka ka -Expedi ionen
gemeinsam mi dem Pho og aphen Jan Lukas.
Společně pak p olézali domy iby y, kam se é době dosud smělo adalo s oupi ,
adokumen o ali nejen de aily, k e é ješ ě Ka ka musel zná , ale i o, co a mos é u
Ka ko y P ahy s ále u ářelo. (Vyskočil 2000: 8)
[Gemeinsam zogen sie du ch Häuse und Wohnungen, die man damals noch be-
e en du e, wo man noch hineinkam, und dokumen ie en nich nu De ails,
die noch Ka ka gekann haben muss e, sonde n auch das, was die A mosphä e on
Ka kas P ag wei e leben ließ.]
In de Publika ion on 1960 e se z en Lukas’ Fo os F yn as eigene.
Ka ka leb e in P ag is ein Spazie gang in Tex o m du ch Ka kas P ag. Es will jene
P age Realien zeigen, die Ka kas Vo s ellungswel ge o m haben. Diese ‚Realien‘
we den übe eine doppel e Ve mi lung kons uie : F yn a und Lukas suchen nach
möglichen physischen Modellen ü die A chi ek u , die in Ka kas P osa besch ieben
wi d, und hal en ih e Funde in Wo und Bild es . Die Fo os und Zi a e haben eine
indexikalische Funk ion: sie e weisen au die Gegens ände in F yn as ‚Ka alog‘ on
Ka kas Tex en. F yn a geh da on aus, dass wi uns Ka kas Wel e mi els eine
Kulisse e schließen können, die sei de Vo k iegszei un e ände geblieben is . E
is übe zeug , dass die Szene ie bzw. die Bühne de Al s ad uns Ka ka en schlüsseln
kann, wenn wi ih e Geschich e e s ehen:
Sollen uns jedoch die jah hunde eal en Kulissen de P age Innens ad wi klich
ih ka kaeskes An li z en hüllen, muß das Wissen um die Zusammenhänge, die
Kenn nis on Geschich e und T adi ion mi hel en, uns die längs e gangene A -
mosphä e zu e gegenwä igen. (F yn a 1960: 7)
1 Übe se zungen aus dem Tschechischen, sowei nich ande s e me k , on Ka h in Janka.
93VERONIKA TUCKEROVÁ
Ta sächlich ha e de K ieg in P ags physische Geog aphie nu wenig Spu en hin e -
lassen, die S ad wa übe wiegend heil geblieben. Alle dings be ücksich ig F yn a
nich , dass sich die Humangeog aphie, die Zusammense zung de Be ölke ung de
Tschechoslowakei, zwischen 1938 und den spä en 1940e Jah en d ama isch e ände
ha e. In olge de E mo dung de Juden und de Roma sowie auch de Ve eibung
de Deu schen o allem aus dem ehemaligen ‚Sude enland‘ nach dem K ieg wa die
mul i -e hnische Tschechoslowakei e schwunden.
Die un e ände e a chi ek onische Szene ie leg ü F yn a Zeugnis on de eins i-
gen P äsenz Ka kas ab. Einem F emden üh e gleich e mi el F yn a den Zugang zu
diesen O en. Abe selbs wenn die „Bühne“ on Ka kas Leben un e ände geblieben
sei, sei „ein Gang du ch Ka kas P ag“ doch nu „in de E inne ung und de Vo s ellung“
möglich (F yn a 1960: 19): „In diesem Buch wollen wi einen Spazie gang du ch das
P ag F anz Ka kas machen, einen Spazie gang, de nu noch in de E inne ung und
phan asie ollen Imagina ion möglich is .“ (F yn a 1960: 8) F yn a möch e einen sol-
chen Gang möglich machen, obwohl e sich de G enzen eines solchen Spazie gangs
in Bezug au das Ve s ändnis Ka kas bewuss is :
Au dem Weg zu F anz Ka ka, de übe seine Gebu s- und Heima s ad üh , wollen
wi nich s ande es, als an einigen Punk en hal machen, die uns ü einen Ausblick
besonde s geeigne e scheinen. Wi e wa en nich , einen ollkommenen, wei
o enen Zugang uni e selle Na u zu en decken. (F yn a 1960: 8)
F yn as Sich au Ka kas P ag e inne an diejenige Paul Eisne s, de die Idee on
Ka kas P ag als d ei aches Ghe o e a . In F yn as „d ei ache Wel “, eine d ei-
ge eil en Wel (F yn a 1960: 139), kling Eisne s „d ei aches Ghe o“ an. F yn as Topoi
schließen das Bild des Ghe os und seine „zwei ache[n] Abgeschiedenhei “ ein: „als
Deu sche un e Tschechen und als Jude un e Deu schen“ (F yn a 1960: 10). Die Al -
s ad wa demnach eine „umschlossene Buch , um lossen on ischen S ömen“, wo
die „Ve gangenhei die Gegenwa imme noch behe sch e“ (F yn a 1960: 81). „In de
Al s ad ging es zwa nich ganz so uhig zu wie am ande en Moldauu e , abe auch
hie leb e man ein Leben in de Ve gangenhei .“ Cha ak e is isch ü P ag sei seine
„p o inzielle Lu “ („P ag wa die S ad al a e ische kleine Leu e“; alles F yn a
1960: 81), „F anz Ka kas Gesam si ua ion“ sei wie gescha en gewesen „dazu, daß e
P ag in allem, was an diese S ad gespens isch und unwi klich wa , was eisige Käl e
auss öm e, oll und ganz e leben muß e“ (F yn a 1960: 138).
Das schechische Leben dominie in diese Wah nehmungsweise die Gegenwa ,
doch Ka kas P ag is das de deu schen Ve gangenhei . F yn a muss die A und Weise
gekann haben, wie Eisne und U i z das deu sche P ag cha ak e isie ha en; au
Emil U i z nimm e Bezug (und zwa in seine Skizze on 1947 au U i z 1947: 25-34),
au Eisne e weis e nich ausd ücklich.
Es gib alle dings eine wich ige Ve schiebung: Wäh end Eisne s d ei aches
Ghe o ein höchs imaginä es Konzep wa , in e essie e sich F yn a ü Ka kas
spezi isches physisches Milieu. Ein wich ige Abschni in seinem Tex is dem
schechischen ealis ischen Au o Igná He mann (1854–1935) und seinen E in-
ne ungen an das P ag des 19. Jah hunde s gewidme . F yn a zi ie aus üh lich
He manns Besch eibung des P age Ghe os aus dessen Tex Ze ži o a pá é č i
94 BRÜCKEN 30/1
[Aus dem Leben des ün en Vie els]. F yn a ha e meh e e We ke He manns he-
ausgegeben und die Beglei ex e zu d ei Bänden seine Gesammel en We ke e ass ,
die zwischen 1958 und 1962 beim Ve lag Českoslo enský spiso a el [Tschechoslowa-
kische Sch i s elle ] e schienen. E edie e auch He manns OP aze aP ažanech
[Übe P ag und die P age ], eine Auswahl on P ag -E inne ungen, die He mann
zumeis in den 1920e Jah en e ass ha e. Im Epilog e gleich F yn a He mann
mi Jan Ne uda, einem Au o aus dem 19. Jah hunde ; beiden gemeinsam wa das
In e esse am All agsleben de S ad .
F yn a a bei e e übe 10 Jah e lang an seine Ka ka-‚Collage‘. Ve ö en lich wu de
sein Tex schließlich in gekü z e Fo m au Deu sch un e dem Ti el F anz Ka ka leb e
in P ag bei dem schechoslowakischen Ve lag A ia. Diese wa 1953 als Fi ma ü den
Expo und Impo on Kul u p oduk en geg ünde und noch im selben Jah in eine
Handelskompanie ü ausländische Gü e umgewandel wo den und di ek beim
Minis e ium ü Außenhandel angesiedel . De Ve lag publizie e an ein b ei e es
Publikum ge ich e e Büche zu Themen aus Wissenscha und Kuns , auße dem
Kinde li e a u in 24 Sp achen. Die in dem Buch en hal enen A chi bilde e s ä -
ken die ‚konse a i e‘ Ka ka -In e p e a ion. Sie zeigen zumeis das All agsleben im
eins igen P age Ghe o: einen Sch o händle , umlau ende Balkone olle Menschen,
die die Innenhö e de al en Häuse säumen und im Ös e eichischen wie im P age
Deu sch ‚Pawla schen‘ heißen. Dieses Bild on Ka ka als einem Au o aus eine längs
e gangenen Zei en sp ach de ma xis ischen In e p e a ion des Au o s als eines
Rep äsen an en de Spä phase de bou geoisen Ä a, de on de neuen kommunis-
ischen Zei übe hol wo den wa . Eine de In e p e en, die Ka ka au diese Weise
e s anden, wa Edua d Golds ücke , de eine solche Lesa Ka kas au de be ühm en
in e na ionalen Ka ka -Kon e enz in Liblice 1963 e a , de e s en o iziellen Ve an-
s al ung zu Ka ka im sowje isch gep äg en Os block. Die Teilnehme de Kon e enz
disku ie en Ka kas Rele anz ü den Sozialismus. Emanuel F yn a nahm alle dings
nich an de Kon e enz eil, und es nahm auch keine de Bei äge zu dem anschlie-
ßend publizie en Kon e enzband F anz Ka ka aus P age Sich (Golds ücke 1965) au
sein einige Jah e zu o in P ag publizie es Buch Bezug.
WESTLICHE REISENDE SUCHEN KAFKAS PRAG
Ab Mi e de 1950e Jah e kamen Reisende au de Suche nach Ka ka nach P ag. Alle -
dings wa en in de S ad auße dem G ab Ka kas au dem Neuen Jüdischen F iedho
keine o ensich lichen Spu en aus seinem Leben meh o handen. E s nachdem Ka -
ka in de Folge de in e na ionalen Kon e enz on Liblice, wäh end de übe wiegend
ma xis ische Wissenscha le Ka kas Rele anz ü den Sozialismus und die Os block-
s aa en deba ie en, Eingang in den ö en lichen Disku s in de Tschechoslowakei
ge unden ha e, wu de 1966 an seinem Gebu so eine Büs e en hüll .
Doch be ei s zu o wa en Reisende aus dem Ausland nach P ag gekommen, um
nach Ka ka zu suchen. Mi e de 1950e Jah e kam de deu sche Li e a u wissen-
scha le und spä e e Ve lege Klaus Wagenbach (1930–2021), dessen bahnb echende
Ka ka -Biog aphie 1958 e schien; Ende de 1950e Jah e kam die anzösische Essayis in
und Übe se ze in Ma he Robe (1914–1996). Beide a en sich o O mi F emden-
üh e n, „heimlichen Hel e n“, wie Wagenbach (2006, iii) sie nann e, die sie dabei
95VERONIKA TUCKEROVÁ
un e s ü z en, O e mi Bezug zu Ka kas Leben au zuspü en. Dabei handel e es sich
um Ve wand e Ka kas (Ka el P ojsa, Vě a Saudko á), den Au o Jiří Weil, de im
S aa lichen Jüdischen Museum a bei e e, Emanuel F yn a und Gus a Janouch, de
die kon o e sen und eilweise ik i en Gesp äche mi Ka ka e ass ha e, die 1951 in
Wes deu schland e schienen wa en.
F yn a üh e diese Besuche , die sich au die Suche nach Ka ka mach en, du ch
die S ad und eil e g oßzügig sein Wissen mi ihnen. Vyskočil sch eib da übe :
In o mace oKa ko i P aze aoP aze jeho díle se mezi ěmi, kdo se jím P aze
zabý ali, šířily ě šinou ús ně. F yn a byl om o smě u zřejmě nejzas ěcenějším
znalcem, nej íce e udo aným asnej ě ší in encí. Ná š ě níků, k eří kněmu při-
cházeli k ůli Ka ko i bylo hodně, aon, když jen ochu mohl, se jim ždy ěno al.
(Vyskočil 2000: 7)
[In o ma ionen übe Ka ka in P ag und P ag in seinen Tex en wu den un e denen,
die sich in P ag mi ihm beschä ig en, zumeis mündlich wei e gegeben. F yn a
wa in diese Hinsich o ensich lich de am bes en in o mie e, gebilde s e und
k ea i s e Expe e. Es gab iele Besuche , die wegen Ka ka zu ihm kamen, und e
hal ihnen allen, wo e nu konn e.]
Vyskočil e inne sich an die anzösische Essayis in und Übe se ze in Ma he Robe :
Po řebo ala p o s ou p áci in o mace oF anzi Ka ko i. Jmenuje s děčnos í Ema-
nuela F yn u jako člo ěka, k e ý ěděl nej íce anej íce jí pomohl. Nebyla sama,
kdo k ůli Ka ko i do P ahy přicházel. Ka ka se po d uhé s ě o é álce s al p o s ě
p o okující by os í, „géniem zlo ěs né před uchy“, aobklopo alo ho ajems í. Byl
o zajíma ý adodnes nedoceněný je : díky F anzi Ka ko i a ěm, kdo k ůli němu
é podi né době do P ahy přijížděli ipřes železnou oponu azůs á ali sP ahou e
s yku leckdy iskan ním, P aha nez a ila spojení se opskou as ě o ou ducho ní
kul u ou a o bou. (Vyskočil 2000, 7)
[Sie b auch e ü ih e A bei In o ma ionen übe F anz Ka ka. Volle Dankba kei
nenn sie Emanuel F yn a als denjenigen, de am meis en wuss e und ih am meis-
en wei e hal . Sie wa nich die einzige, die wegen Ka ka nach P ag kam. Ka ka wa
nach dem Zwei en Wel k ieg ü die ganze Wel zu p o okan en Ges al gewo den,
ein „Genius de dunklen Vo ahnung“, geheimnisumwi e . In e essan is , dass
dank F anz Ka ka und denjenigen, die seine wegen in diese sel samen Zei soga
du ch den Eise nen Vo hang nach P ag kamen und mi P ag eine häu ig iskan e
Ve bindung au ech e hiel en, P ags Ve bindung zu den geis igen S ömungen,
dem kul u ellen und k ea i en Leben in Eu opa und de Wel wei e leb e; dies is
eine Ta sache, die noch heu e un e schä z wi d.]
Robe publizie e ih Reise agebuch übe die wenigen Tage, die sie Ende de 1950e
Jah e in P ag e b ach ha e, es e schien 1964 als P age Tagebuch in de wes deu -
schen Zei sch i De Mona . In P ag hiel sie nach dem „al en P ag“ Ausschau und
e leb e es mi els Li e a u , T äumen und Phan asie. Dabei such e sie nach einem
96 BRÜCKEN 30/1
nich exis en en P ag aus eine ande en Zei , das es abe so nich einmal zu Ka kas
Zei en gegeben ha e.
Sie und ih Beglei e kommen an einem egne ischen Sams agabend in P ag an.
Am nächs en Tag geh sie zu Fuß zum Al s äd e Ring und e kenn ihn zunächs nich ,
de schechische O sname is ih emd, und sie sieh den Pla z aus einem ande en
Blickwinkel als dem, de ih on Fo os bekann is . Dami e äh Robe au ih e
Suche nach Ka ka das Ge ühl de Depla zie hei und Deso ien ie ung und beg ei ,
dass die deu sche Übe se zung de O snamen ih bei de O ien ie ung hel en wü de
(Robe 1964: 33). Die Übe se zung on ‚Cele ná‘ in ‚Zel ne gasse‘ hil ih dann. Sie
e lek ie die meh achen zei lichen Ve schiebungen bei ih e Ve o ung:
Ve emdung. Im Augenblick lebe ich genau genommen nich im P ag on 1910,
was noch einige maßen o s ellba wä e, sonde n in einem S ad ie el, das schon
1910 ein Anach onismus und bis zu einem gewissen G ade eine Abs ak ion wa .
So ha es nich s E s aunliches, daß mi alles zugleich ‚deja u‘ und gewisse maßen
deplacie e schein . (Robe 1964: 33)
Die E zähle in e lie sowohl die äumliche als auch zei liche O ien ie ung: Sie such
den Zugang zu Ka kas P ag übe das Deu sche und bezieh sich (ohne di ek e Re e enz)
au den Topos on P ag o dem E s en Wel k ieg als ‚d ei aches Ghe o‘ au einen
anach onis ischen O . In de Besch eibung ih e e s en Sch i e in P ag kommen ie
sie nich das zei genössische P ag de kommunis ischen Zei und dessen Beziehung
zum P ag de Vo k iegszei . Ih e Ka ka -Lek ü e üh sie du ch die S ad ; sie such
nach einem Kon ex ü Ka kas Sch eiben du ch einen T aum, eine Vo s ellung und
ein déjà u. Sie such ein P ag, das es nich gib , ein P ag aus eine ande en Zei , das
es so abe auch zu Ka kas Zei en nich gegeben ha .
Robe e ozie denselben E ek poli ische Ve ände ungen, den be ei s F yn a
beobach e ha e: zwischen den 1920e - und 30e -Jah en und den 1950e Jah en is nu
wenig Zei e gangen. A chi ek onisch gesehen is P ag kaum e ände , abe die E -
inne ung an die deu sche und deu sch -jüdische Ve gangenhei is beinahe olls ändig
ausgelösch . Die Figu des ‚al en P ag‘ (Das al e P ag; Robe 1964: 33) is ü Robe
ebenso wich ig, wie sie das auch ü F yn a ode Wagenbach wa ,– und sie um ass
die al e A chi ek u ebenso wie die demog aphische und die poli ische Si ua ion.
KAFKAS MODERNES PRAG
Abe das P ag de Ka ka -Zei wa nich nu eine beme kenswe gu e hal ene al e
S ad ; es wa auch eine mode ne, dynamische S ad mi Spannungen zwischen dem
his o ischen Zen um und dem g öße en, indus iellen P ag, zwischen de kleinen
und konse a i en deu schen Be ölke ung und de zukun so ien ie en schechi-
schen Meh hei . Die P o inzhaup s ad Böhmens wa Ende des 19. Jah hunde s und in
den e s en Jah zehn en des 20. Jah hunde s schnell gewachsen. Böhmen besaß die am
wei es en en wickel e Indus ie des Habsbu ge eiches (Gius ino 2003: 2). Zu Ka kas
Zei en wa P ag ebensowenig in eine Zei blase einge o en wie ausschließlich dyna-
misch mode n, es wa eine Mischung aus al und neu (Gius ino 2003: 5). Die schnelle
Indus ialisie ung, die sich o allem in den P age Vo o en abspiel e, e ände e
97VERONIKA TUCKEROVÁ
die G öße de S ad . Zwischen 1880 und 1921 wuchs die Be ölke ung on ca. 300.000
au 650.000 Einwohne an.2 P ag e ände e sich nich nu hinsich lich seine G öße
und in demog aphische Hinsich . In dem Maße, wie die Na ionalbewegung neue
slawische Momumen e e ich e e und einige wich ige al e Punk e als ‚ schechisch‘
ma kie e (Nekula 2016: 197, 208–211), wu de es au symbolische Weise schechisch.
Ka ka nahm An eil an diesem neuen P ag, das buchs äblich un e seinem Fens e
he anwuchs; die mode nen Wohnungen, die seine Familie bewohn e, wa en Teil
diese neuen Mode ni ä . Wenige Gehminu en om Al s äd e Ring en e n lag de
Wenzelspla z, de mi neu e ich e en Ho els, Geschä en und Lich spielhäuse n zu
einem Zen um des mode nen Lebens umgebau wu de. Ka kas Bü o bei de Assicu-
azione Gene ali, wo e ab 1907 a bei e e, lag am Wenzelspla z, und auch die A bei e -
Un all-Ve siche ungsans al be and sich nich wei da on en e n . Fü sie wa e
ab 1908 als hoch angige Anges ell e ä ig und kann e sich dadu ch mi mode ne
Ve wal ung, dem Inbeg i on Mode ni ä , gu aus. E en wa echnologische Ve -
besse ungen, die A bei sun ällen o beugen soll en. Sein Leben lang e och e den
mode nen Lebenss il (Gesundhei , Spo ), in e essie e sich ü Reisen und Flugzeuge
(Die Ae oplane in B escia, 1909), ü mode ne Wissenscha , Psychologie und Physik.
Einem Tagebuchein ag on Max B od zu olge, besuch e e einen Vo ag Eins eins
wäh end dessen P ag -Au en hal im Jah e 1911 (Go din 2020: 93).
Zu Ka kas Zei en gab es in P ag bedeu ende A an ga de -Bewegungen in Kuns
und Li e a u . Einziga iges kubis isches Design und kubis ische A chi ek u en -
s anden wäh end seine Lebenszei . Ka ka bewunde e Milena Jesenskás A ikel übe
mode nen Li es yle, mode nes Design und Mode, die Pionie -S a us ha en (Haan u. a.
2006: 190), e las sie und an wo e e au sie in seinen B ie en (Jamison 2018: 113–130).
In einem Feuille on on 1926 sch ieb Jesenská übe ih e ände es Ve häl nis zu
ih e gelieb en Kleinsei e: du ch ih en Umzug in das Vie el wich die Nos algie dem
Wunsch nach eine Mode nisie ung und „Sanie ung“ (wenn auch nich in Fo m eine
Ze s ö ung) des Vie els (Jesenská 2016: 354).
Ka ka wa ein begeis e e Kinogänge . In de eu opäischen Kinokul u gehö e
P ag zu den Spi zen ei e n. Ines Koel zsch ha gezeig , dass die S ad zu Beginn des
E s en Wel k iegs eines de engmaschigs en Ne zwe ke on Kinos in de Habsbu ge
Mona chie ha e. P ag wa ein Zen um de Filmindus ie. Die Hoch -Zei de Kino-
kul u in P ag wa in den 1920e Jah en, als die S ad auch ü die in e na ionalen
A an ga de Bedeu ung gewann (Saye 1998; 2013). 1919 gab es do ie zig pe manen e
(ode „ es e“) Kinos, und in de unabhängigen Tschechoslowakei wuchs die Zahl s eil
an, so dass es 1928 übe 90 Kinos gab. In de Zwischenk iegszei ha e P ag mi 87
Si zen p o 1000 Einwohne meh Kinos p o Kop als Pa is ode Be lin (Koel zsch 2012:
290 .). De nu wenige Gehminu en om Al s äd e Ring en e n e Wenzelspla z wa
das Gesich des mode nen P ag.
An diesem mode nen Leben de S ad nahm Ka ka eil: E beobach e e das Leben
in den S aßen und besuch e Kinos und Ca és. Seine P osa besch eib mode nes u ba-
nes Leben, nich das al e P ag. Und nich zule z is sein eigenes Sch eiben im Ke n
2 Saye (1996) gib eine Tabelle aus Jose Šiškas 1936 e schienene Publika ion P aha obno eném s á ě
českoslo enském [P ag im e neue en schechoslowakischen S aa ] wiede , die zwischen schechische
und deu sche „e hnische Zugehö igkei “ un e scheide . Wäh end die Tschechen 1880 86,2%, die
Deu schen 13,7% de Be ölke ung s ell en, wa en es 1900 93,1 s. 6,7% und 94,2 s. 4,6% im Jah e 1921.