Un e hal ungslek ü e und K i ik. Zu P age
Zei sch i Bild und Leben (1844–1850)
Š ěpán Zby o ský– Ka ls ‑Uni e si ä , P ag
ABSTRACT
Eine de P age deu schen kul u ellen Zei sch i en de 1840e Jah e, he ausgegeben om
Ve e e de Haskala, Ve lege und Dich e Moses Is ael Landau und seinem Mi a bei e
Jose F eund, wu de on de Li e a u his o iog aphie meis als ein ha mloses Pe iodi‑
kum mi höchs ens mi elmäßigem Inhal ohne zei k i isches und äs he isches Po en ial
abge an. Diese Bei ag be ach e die Zei sch i und ih e En wicklung di e enzie e
und geh de F age nach de Rela ion de un e hal enden und ausgesp ochen k i ischen
Aspek e de Zei sch i nach.
SCHLÜSSELWÖRTER
Bild und Leben; P essewesen; Un e hal ung; Moses Is ael Landau; Jose F eund
ABSTRACT
En e aining eading and c i icism. Towa d he P ague magazine Bild und Leben
(1844–1850)
One o P ague’sGe man cul u al magazines o he 1840s, published by he ep esen a i e
o Haskala, publishe and poe Moses Is ael Landau and his colleague Jose F eund, was
mos ly dismissed by li e a y his o iog aphy as aha mless pe iodical wi h a mos medioc e
con en wi hou ime ‑c i ical and aes he ic po en ial. This a icle desc ibes he magazine
and i s de elopmen in amo e di e en ia ed manne and explo es he ques ion o he
ela ionship be ween he en e aining („Un e hal ung“) and p onounced c i ical aspec s
o he magazine.
KEY WORDS
Bild und Leben; P ess; En e ainmen ; Moses Is ael Landau; Jose F eund
Hein ich B ockhaus’ Blä e ü li e a ische Un e hal ung (Leipzig, 1826–1898), Ignaz
F anz Cas ellis Con e sa ionsbla . Zei sch i ü wissenscha liche Un e hal ung (Wien,
1819–1821), Ka l Augus Mu a s Un e hal ungen ü Li e a u , Kuns und Con e sa ion
(München, 1835), Jan Ohé als Mo a ia. Ein Bla zu Un e hal ung, zu Kunde des Va e ‑
landes, des gesellscha lichen und indus iellen Fo sch i es (B ünn, 1838–1848) ode die
P age Bohemia. Ein Un e hal ungsbla (1832–1845)– das sind nu wenige de un e ‑
schiedlich ausge ich e en Pe iodika, die im deu schsp achigen Raum de Vo mä zzei
den Lei beg i ‚Un e hal ung‘ im Ti el üh en. Eine wei e e on ihnen, die P age
64 BRÜCKEN 27/1
Zei sch i Bild und Leben. Eine Un e hal ungs ‑Lec ü e, wi d in diesem Bei ag als
Beispiel da ü p äsen ie , wie das Konzep de medialen Un e hal ung im Vo mä z
umgese z wu de und wie es sich insbesonde e im Kon ex de E eignisse de Jah e
1848/1849 en wickel e.
De Beg i de Un e hal ung wi d häu ig in enge Ve bindung mi dem de Popu‑
lä kul u behandel . En wede wi d die Un e hal ung als ein Gegens andsbe eich, als
eine de cha ak e is ischen Funk ionen (ode die dis ink i e Funk ion) de populä en
Kul u genann ,
1
ode es we den beide Beg i e p ak isch synonym geb auch .
2
E en u‑
ell wi d im Anschluss an Fol in (1965) die Un e hal ungsli e a u /Un e hal ungskul u
im icho omischen Besch eibungsschema (Hoch‑/Un e hal ungs‑/T i ialli e a u )
als selbs ändige Be eich kul u elle P axis e s anden.
3
Sinn olle als die Fes legung
au einen de Sys ema isie ungs e suche e schein jedoch ü diese S udie ein Blick
au das Spek um his o ische Ve wendungen des Wo es um 1800 und im Vo mä z.
Obwohl die Ve wendung des Wo es ‚Un e hal ung‘ in de Bedeu ung on ‚E gö ‑
zung‘, ‚Zei e eib‘, ‚Belus igung‘, ‚Ve gnügung‘, ‚Amüsemen ‘, delec a io sei dem 18.
Jah hunde beleg is ,4 kann das Wo insbesonde e im spä en 18. Jah hunde und
in de e s en Häl e des 19. Jah hunde s nich mi un e bindlichem Zei e eib
gleichgese z we den. Es en häl eindeu ig eine Bildungskomponen e und implizie
einen bes imm en Modus gesellscha liche Kommunika ion, des se mo bzw. de a s
con e sa ionis.
5
Von de Idee eine „Mo alun e hal ung“ kann mi Maa (1995: 102–130)
in Bezug au die ( .a. spä e Phase de ) mo alischen Wochensch i en des 18. Jah hun‑
de s gesp ochen we den: Die Un e hal ung wi d in ihnen häu ig als das Mi el au
dem Weg zum anges eb en Bildungszweck da gebo en. So sch eib e wa im Mai 1771
de He ausgebe eine de e s en P age Wochensch i en Meine Einsamkei en, Johann
F ied ich Kepne , ih e „eigen liche Absich “ sei „zu un e hal en, und wenn ich es ohne
S olz sagen kann– auch zu nü zen“ (Kepne 1771: 2), wobei aus dem Folgenden („ich
suche eine Mo al zu emp ehlen“, Kepne 1771: 3) kla he o geh , dass auch hie ein
eindeu ig zwecko ien ie e Un e hal ungsbeg i (Maa 1995: 110) o lieg .6
1 Vgl. Hügel (2003: 2) be ach e die „Zugangsweise de Populä en Kul u als du ch Un e hal ung be‑
s imm “ und üh das Schlagwo ‚Un e hal ung‘ un e den möglichen „Konzep e[n] de Populä en
Kul u “ (Hügel 2003: V).
2 Siehe die on Goldbeck (2004: 37–40) ange üh en Beispiele.
3 Was Fol ins icho omisches Modell e sp ich – die simple We ungsdicho omie on „gu e “ und
„schlech e “ Li e a u zu übe winden –, das leis e es schließlich nich : die We ungspola i ä bleib
e hal en und die Bes immung de G enzen zwischen den Be eichen des icho omischen Modells is
ebenso p oblema isch wie beim dicho omischen Modell. Wei e e Ve suche eine sys ema ischen De‑
ini ion on Un e hal ung insbesonde e in medienwissenscha lichen Kon ex un e nimm Wiesne
(2007).
4 Und z.B. du ch Adelung (1811) bes ä ig wu de: „Dasjenige, was zu Ve kü zung de Zei , zu Ve ‑
eibung und Ze s euung de langen Weile diene , wo de Plu al on meh e en A en am üblichs en
is . Das Spiel, das Tanzen, die Musik sind unschädliche Un e hal ungen. Besonde s ein Gesp äch zu
Ve kü zung de Zei .“
5 Obwohl Fause (2007) und Till (2007) au den Zusammenhang beide Bedeu ungen hinweisen, sugge‑
ie das Reallexikon de Li e a u wissenscha mi de Au eilung de Ein äge in Un e hal ung
1
(Funk ion
on Li e a u ) und Un e hal ung2 (Kon e sa ion) eine lexikalische T ennung, die um 1800 nich so
eindeu ig o handen wa .
6 „Zue s se ze ich ein denkendes Publikum o aus, welches seinem Sch i s elle e zeihen kann, wenn
e auch denken will.– Ich e klä e mich– die Hochach ung, die ein Sch i s elle seinen Lese n schuldig
is , will es, daß e das Un e hal ende mi dem Nü zlichen; das Sche zha e und Tändelnde mi dem
65ŠTĚPÁN ZBYTOVSKÝ
Joachim Hein ich Campe bes imm in seinem Wö e buch im Lemma ‚Un e hal en‘
eine de ün Wo bedeu ungen als E ek des Spiels, de Kuns ode de Kon e sa ion,
mi dem gewöhnlich „de Beg i des Angenehmen und auch Nü zlichen und Beleh‑
enden e bunden [sei], wodu ch sich die Un e hal ung on bloße Ku zweil und
bloßem Zei e eibe un e scheide .“ (Campe 1811) Ohne dass hie en schieden we den
könn e, ob Campe dami den zei genössischen Sp achgeb auch ge eu wiede gib
ode ehe das spä au klä e ische P og amm einb ing , hal en wi es , dass e nich
nu an das e wähn e Konzep de jou nalis ischen Mo alun e hal ung anknüp en,
sonde n auch die Wo e wendung in de Li e a u e lek ie en konn e. E wa in
Goe hes Un e hal ungen deu sche Ausgewande en (1795), in de en Rahmene zählung
de Zweck des Zei e eibs dekla ie , das „In e esse des Tages“ zu ückgewiesen und
„beleh ende und au mun e nde Gesp äche“ ge o de we den. Zu den le z e en zähl
Goe he E zählungen on „ e nen Landen und Reichen“, „die al e und neue Geschich e“,
„zie liche Gedich e“, Da s ellungen „unbekann e[ ] P lanzen“ und „sel same[ ] Insek ‑
e[n]“ und ein „[T] äumen“ übe den Zusammenhang „alle exis ie enden Geschöp‑
e“ genauso wie „die unbe angenen philosophischen Be ach ungen“ (Goe he 1795:
69). Dami bezieh sich abe Goe he schließlich au das P og amm eines besonde s
wich igen Un e hal ungspe iodikums– de Ho en, in denen seine Un e hal ungen als
Fo se zungslek ü e e schienen. Schille ha das P og amm in de Ankündigung de
Zei sch i als „Re ung“ des du ch das „nahe Ge äusch des K ieges“ und den „all e ol‑
genden Dämon de S aa sk i ik“ „ze s eu en Lese s“ (Schille 1795: IV) apos ophie .
Die Zei sch i solle eine „hei e n und leidenscha lichen Un e hal ung“ gewidme
sein und dem Lese , den „de Anblick de Zei begebenhei bald en üs e , bald nie‑
de schläg “, eine Ze s euung bie en. Inmi en des „poli ischen Tumul [s]“ sollen die
Ho en „ ü Musen und Cha i inneneinen engen e aulichen Zi kel schließen, aus
welchem alles e bann sein wi d, was mi einem un einen Pa eigeis ges empel
is .“(Schille 1795: IV) Un e hal ung is demnach eine sinngebende Al e na i e zum
en we e en und en we enden Engagemen im Zei geschehen.
P ak isch zei gleich mach sich in Li e a u und Publizis ik auch die Figu des
Miss auens gegenübe Un e hal ung als lee e gesellscha liche Kon e sa ion beme k‑
ba , die als soziale /poli ische Eskapismus ode als Fluch o Schweigen gedeu e
wi d (Bausinge 1993: 109 .). Als lee e und mo alisch schädliche Zei e eib wi d
die Un e hal ungsli e a u häu ig sei ens de Zensu behandel .7 Das ände alle dings
nich s da an, dass die Zei sch i en des Vo mä z an posi i konno ie e Au assungen
de Un e hal ung anknüp en konn en: E s ens als Konglome a , in dem Ve gnügung
und Nu zen/Beleh ung symbio isch ode nu addi i nebeneinande o handen sind;
zwei ens als angenehmes und e gnügendes Vehikel de (äs he ischen) Bildung und
d i ens als e holsame F eizei e eib.
E ns ha en und Un e ich enden abwechsel . Aus diesem Gesich spunk e wi d man mich beu heilen,
wenn ich ö e s e ns ha – ech seh e ns ha we den soll e.“ (Kepne 1771: 4)
7 Die neue Beilage de P age Zei ung, die Un e hal ungsblä e (spä e selbs ändig als Bohemia. Un e ‑
hal ungsblä e ü gebilde e S ände), wu de 1828 nu un e de Bedingung on de Zensu genehmig ,
dass sie „ ade Liebeleyen und phan as ische Schwä me eyen“ meide , die wohl ü de a ige Blä e
ypisch wa en (zi . nach Wöge baue /Píša/Šámal/Janáček 2015: 242; siehe daselbs Beispiele wei e e
Zensu eing i e).
66 BRÜCKEN 27/1
Die F age nach de ka ego ialen Ve o ung des Un e hal ungsbeg i s wi d in de
Fo schung de le z en Jah zehn e häu ig ezep ionso ien ie bean wo e .
8
Hans‑
O o Hügel e olg im Anschluss an ande e Fo sche die These, Un e hal ung könne
„wede om Objek noch om P oduzen en noch om Rezipien en noch om Medium
he allein“, sonde n nu als his o isch a iable „P ozess“ bes imm we den (Hügel
2007: 15), an dem alle diese Ins anzen be eilig sind– auch do , wo e wa de Zu‑
schaue ‑/Lese geschmack als das alleinbes immende K i e ium dekla ie is . Dami
we den wede die geäuße en In en ionen und Legi ima ions o gaben sei ens de
P oduzen en, noch die äs he ischen, he o ischen und ma e iellen Eigenscha en de
A e ak e, noch die kogni i e ode emo ionale Resonanz bei den Rezipien en, noch
die Bescha enhei ih e medialen Ve mi lung p inzipiell zu ückged äng . Hügel
e s eh diesen P ozess im Allgemeinen als ambi alen e Kul u p axis: „Die Funk ion
de Teilnahme am Un e hal ungsp ozess e schöp sich wede gänzlich da in, Zei
o zuschlagen, noch is sie e lexha einem Ziel zuzuo dnen. Un e hal ung e laub
es, ‚E ah ungen au Vo a ‘ zu machen.“ (Hügel 2007: 48) Im Augenblick de Un e ‑
hal ung sei sie zweck ei, ein pu es delec a e also, wäh end ein p odesse im zwei en
Plan und zei lich nachges ell zugelassen is .
Das p ozessuale Modell wi d hie o ausgese z , ohne dass es jedoch möglich wä e,
bei de hie behandel en Zei sch i den P ozess ande s als seh agmen a isch zu
besch eiben. Lese eins ellungen sind nu b uchs ückha und indi ek beleg – .a.
in Fo m einige edak ionelle Reak ionen au die Lese b ie e. Die In en ionen de
He ausgebe sind du ch wenige ad hoc geäuße e Kommen a e dokumen ie . Dahe
we den die Inhal e de Zei sch i au die üblichen Mo i e, Ga ungen und Fo ma e
de Un e hal ung und die Fes legungen/Übe sch ei ungen eine G enze on Un e ‑
hal ungsli e a u hin un e such – und in diese Pe spek i e mi den genann en
He ausgebe ‑ und Lese kommen a en wie auch mi den his o ischen und medialen
Kon ex en kon on ie .9
HERAUSGEBER, INHALT UND BEITRÄGER
1844 a den be ei s exis ie enden P age deu schsp achigen Kul u zei sch i en wie
Os und Wes (1837–1848), Pano ama des Uni e sums (1834–1850) und E inne ungen an
me kwü dige Gegens ände und Begebenhei en (1822–1864) eine neue zu Sei e– und sie
konn e sich un e de He ausgebe scha on Moses Is ael Landau bis knapp nach
den Kons i u ionsjah en e hal en. Ih olls ändige Ti el lau e e Bild und Leben, eine
Un e hal ungs ‑Lec ü e, en hal end: gewähl e No ellen, humo is ische Au sä ze und Biog a‑
phien; nebs einem Anhange, un e dem Ti el: Lich ‑ und Scha ensei en des Lebens, in sich
8 Exempla isch hie ü s eh das lakonische Dik um on E ns (1971: 54) „Un e hal ung is also, was
un e häl .“ (siehe auch Male zke 1995, 94). Den Aspek des psychischen Zus ands bzw. de Be indlich‑
kei des Indi iduums be on Aue (1980: 10): „De Beg i Un e hal ung ass die e schiedenen Fo men,
in denen die Menschen ih e Mußes unden au angenehme Weise e b ingen.“ Den Aspek de du ch
Nach age wohl es los ges eue en P oduk ion de Un e hal ungsindus ie un e s eich Lede (1987:
27), indem e ih die Maxime zusch eib : „Wi ab izie en, was ge äll , wie es ge äll , weil es ge äll ,
solange es ge äll .“ Zu ande s angeleg en Ansä zen gl. F üh (2003: 9–25).
9 Da de Zei sch i bishe kaum Au me ksamkei gewidme wu de (punk uell D ews 2008: 21; aus‑
üh liche Maidl 2006: 6 .), s ell diese Au sa z gleichzei ig die e s e um assende P äsen a ion de
Zei sch i da .
67ŠTĚPÁN ZBYTOVSKÝ
assend: in e essan e Begebenhei en, eine Damen ‑Biblio hek, indus ielle In e essen, na u ‑
his o ische No i ä en, Wi zbli ze, Gedankenspiele, Schachau gaben e c. e c. Mi beiged uck‑
en Holzschni en. Es handel e sich um eine Mona ssch i mi einem s abilen Um ang
on 32 Sei en, eine Au lage on ca. 2000 S ück und on einem „P änume a ionsp eis“
on zwei Flo en ine n jäh lich.10 Einges ell wu de sie nach de Mä znumme 1850.
De He ausgebe Landau (1788–1852), eine de bedeu enden P age Ve e e
de ‚Wissenscha des Juden ums‘, s amm e aus eine angesehenen Familie, die die
Schicksale des P age Juden ums zwischen Mi e des 18. und Mi e des 19. Jah hunde s
e kö pe . E wa Enkel des P age Obe abbine s Ezechiel Landau (1713–1793), Ne e
des „Obe ju is en“ des P age abbinischen Ge ich s Samuel Landau (ca. 1750–1834)
und Sohn des P age Maskils und Buchd ucke s Is ael Landau (1758–1829). Moses
Is ael Landaus Lebenslau is ep äsen a i ü die Ve ech e de Haskala und de
sozialen Emanzipa ion und In eg a ion de P age Juden. 1819 wu de e Inspek o de
is aeli isch ‑deu schen Haup schule in P ag. Spä e bekleide e e meh e e wich ige
Pos en in de jüdischen Gemeinde und im P age Ve eins‑ und poli ischen Leben.
Sei 1834 Di ek o de „Is aeli ischen Kleinkinde bewah ans al “ und Mi o s ehe
des s äd ischen „Ve eins zum Wohle hil sbedü ige Kinde “, wu de e 1849 on de
jüdischen Gemeinde als S ad e o dne e nominie und 1850 zum S ad a gewähl .
11
Be ei s üh nach dem Schulabschluss ag e e als Kenne de o ien alischen Sp a‑
chen, de jüdischen Geschich e und de almudischen Sch i en he aus.
12
Sei de
Schulzei e ass e e selbs li e a ische Tex e.
13
Von 1826 bis zu seinem Tod be ieb e
eine bekann e P age jüdische D ucke ei und einen Ve lag; zu seinen e lege ischen
P ojek en gehö die 20‑bändige Ausgabe de heb äischen Bibel, einschließlich Biu
(g amma ische Kommen a ) und Mendelssohns deu sche Übe se zung de To a
(1833–1837); das Mendelssohn’sche P ojek üh e Landau mi eigenen Übe se zungen
wei e e biblische Büche o . Nach 1832 gab e meh e e Jah gänge des maskilischen
Jah buchs Ke em Chesed he aus. Wäh end sein G oß a e de Mendelssohn’schen
Haskala deu lich polemisch begegne e (Fla o 2014: 296–298), wa Moses Is ael Lan‑
dau ein ausgesp ochene Mendelssohn ‑Ve eh e – und gleichzei ig ein in und mi
de deu schsp achigen Kul u de Goe hezei au gewachsene In ellek uelle . Diese
Ve bindung illus ie en üb igens zwei Dis ichen, die im Nachlassband unmi elba
nacheinande abged uck wu den:14 „An Mendelssohn / Du leh es Uns e blichkei !
10 Johann Paul Thuns Ve zeichniß neue Büche (Landshu : K üll’sche Uni e si ä sbuchhandlung, 1845: 21)
üh den P eis 1 Fl. 48 K . an, ande e Quellen e was spä e (Allgemeines 1846) schon 2 Fl. 24 K .
11 Eine biog aphische No iz Landaus is in de 1867 e schienenen Auswahl aus seinen Nachlasssch i en
en hal en (Landau 1867: 197–200); gl. Fla o (2014), Maidl (2006: 4–6), Kes enbe g ‑Glads ein (1969:
250).
12 Sein lexikog aphisches Haup we k wa das Rabbinisch ‑a amäisch ‑deu sches Wö e buch, zu Kenn nis des
Talmuds,de Ta gumim und Mid aschim, mi Anme kungen ü Philologie, Geschich e, A chäologie, Geog aphie,
Na u und Kuns (5 Bände, P ag 1819–1824); wei e hin e ass e e die sp ach‑ und kul u geschich liche
AbhandlungGeis und Sp ache de Heb äe nach dem zwei en Tempelbau (1822), E ö e ungen schwie ige
Wö e in de To aPi on ha ‑millo (1827) ode Gebe e de Is aeli en (1834).
13 De Band Ama an en (1825) en häl seine Gedich e, Epig amme und sons ige poe ische Tex e; eine
wei e e Auswahl beinhal e Landau (1867: 7–95).
14 So auch das Vo wo de Edi o en seine Nachlasssch i en: „Als Jüngling schon en al e e e ein ie es
S udium in den al en Classike n de G iechen und Röme , ein g oßes heb äisches und deu sches Wis‑
sen, wo on Zeugniß ableg , daß e schon in seinem 19. Lebensjah e den Jesaias me isch zu übe se zen
e such e.“ (Landau 1867: 6)
68 BRÜCKEN 27/1
die gö liche Leh e! / Was du geleh e , wa d di zum ewigen Lohn!“– und: „An Schille
/ Deine Sai en Ge ön, oSänge ! wa en Ako de des Lebens / Was di de Tod nahm,
gab di dein uns e bliches Lied!“ (Landau 1867: 50 .)
Da on könn e man hohe li e a ische Ambi ionen ablei en, on denen jedoch Bild
und Leben nich zeug . Die Zei sch i wu de in eine übe alle Jah gänge hinweg
s abilen Rub ikens uk u gehal en, die du ch den oben zi ie en p og amma ischen
Un e i el angedeu e wi d. Die e s en Passagen– ca. die Häl e des He s– wa en
meis zwei P osa ex en gewidme (nich sel en als Fo se zungslek ü en und nich
sel en als Übe se zungen ode Nachahmungen anzösische Vo bilde dekla ie ).
Diese E zählungen sind inso e n biede meie liche P ägung, als sie in de Regel keine
b ei e en sozialen Zusammenhänge, sonde n Liebes‑, amiliä e und eundscha liche
Beziehungen des Mi els ands hema isie en und eine kla e Mo al e mi el en. Im
Handlungszen um s ehen E kenn nis de wah en Liebe/F eundscha , glückliche
Eheschließung o z Missguns de Umgebung, Bewäl igung eine unglücklichen Ehe,
Übe üh ung on In igan en, En la ung on alschen F eunden und Hochs aple n,
Ko ek u en nai e Lebense wa ungen und Wel anschauungen e c.15– nich sel en
mi eine P ise milden Humo ode /und au his o ische E eignisse bezugnehmend.
Sel en kommen Gedich e o – Gelegenhei sdich ungen, Balladen, Va e landshymnen.
Es olgen ein bis d ei kul u his o ische ode landeskundliche Au sä ze,
16
gelegen lich
ein ausgesp ochen humo is ische Tex .17 Die Rub ik „Lich ‑ und Scha ensei en des
Lebens“ in o mie in ih en Un e ub iken „In e essan e Begebenhei en“18, „Damen‑
Biblio hek“
19
, „Indus ielle In e essen“
20
, „Na u his o ische No i ä en“ und „Ra i ä en“
übe ak uelle (meis du ch ih e Auße gewöhnlichkei , Pa adoxie ode Exo ik un e ‑
15 So handel die E zählung Fehl i und I hum im e s en He de Zei sch i (BuL 1844: 1–12) on de
unglücklichen Ehe de jungen Dame Helene, die es schließlich scha , den Tod des ih e sei s pla onisch
Gelieb en zu übe winden und den äuße en Schein eine unk ionie enden Ehe zu wah en.
16 In den e s en He en e wa ein Doppelbiog amm on Meheme Ali und Ib ahim Pascha (BuL 1844: 15 .),
Da s ellung Das Schloss Eu (BuL 1844: 47 .), We k‑ und Lebensgeschich en des Sch i s elle s E ns Rau‑
pach und des F eiko ps üh e s Fe dinand on Schill (BuL 1844: 69–77), Besch eibungen on Ma k pla z
on Linz mi de D ei al igkei s ‑Säule (BuL 1844: 95 .), Ruinen un e gegangene S äd e in Ame ika (BuL 1844:
134 .), spä e P age Ma ien ‑Säule (BuL 1845: 19) ode Die Walhalla mi dem deu schen Pan heon au dem
B aube g (BuL 1845: 370–373) und biog aphische Skizzen on Fü s on Me e nich ‑Winnebu g (BuL 1844:
99–101), Abd ‑el ‑Kad (BuL 1844: 132 .), Adalbe on Chamisso (BuL 1844: 188 .), on dem P age Bankie
Mo i z Zdekaue (1845: 249) ode Ka l Dickens (1846: 310 .), de üb igens als scha sinnige Beobach e
und Sa i ike ge ühm wi d. Un e kul u his o ischen Skizzen lassen sich e wa Uebe Haa moden (BuL
1845: 245–248) ode Zu Geschich e de Kop bedeckung (BuL 1845: 373 .) nennen.
17 Z.B. Joachim Lede e s beim Konze ü das P age Is aeli ische Hospi al o ge agene Sche zo Lebens‑
‑Maschine ien (BuL 1844: 17–20) ode Mo i z Go lieb Saphi s G oße, gewal ige Wohl hä igkei s ‑Akademie
und Vo lesung on Menschen und Thie en in de A che Noa, zum Bes en de e s en g oßen Uebe schwemmung
(BuL 1845: 307–311).
18 Wie das zwei e He on 1844 zeig , pass hie hin alles on dem au gedeck en Fall eines o ge äusch en
K amp an alls in B eslau übe einen Englände , de alle Sou eni s de Schlach on Wa e loo au gekau
haben soll, einen ün achen Kinde mo d in Obe je lingen bis zu Be ich en on de Skla enjagd im
Sudan (BuL 1844: 49 .).
19 Die Dezembe ‑Numme 1847 illus ie den Inhal de Un e ub ik: Sie bie e eine Nach ich übe die
Unna ü lichkei de anzösischen Mode, eine übe die E ö nung eines Damenka eehauses in Wien
und eine übe die ak uelle Pe i ion ü die Bewilligung de Polygamie in Michigan (BuL 1847: 384).
20 Z.B. ein Be ich übe die Ve suche, eine Neue Flugmaschine (BuL 1844: 78 .) zu kons uie en, ode übe
die E ö nung de königlichen Bö se in London (BuL 1844: 265).
69ŠTĚPÁN ZBYTOVSKÝ
hal ende) E eignisse, En deckungen und E indungen.21 Den Umgang mi po en iell
gesellscha sk i ischen ode poli isch ele an en Themen illus ie e wa die Nach‑
ich Zu F auen ‑Emanzipa ion (BuL 1844: 78), die de Ein ich ung eine „eigene[n]
Kegelbahn ü das schöne Geschlech “ in New Yo k den zen alen Punk en nimm ,
dass die „Bahn […] mi Spiegeln übe dach [is ], welche den Damen ih e S ellungen
beim Auswe en de Kugel zeigen, um jede den Männe n bei diesem Spiele eigene
Possie lichkei zu e meiden.“ (BuL 1844: 78) Jedes He wi d mi eine Schachau gabe
und meis einem Rebus abgeschlossen– und on ca. 3–6 übe alle Rub iken e s eu e
Kup e s ich ‑Illus a ionen beglei e .
P zedak (1904: 170) ass seine knappe In o ma ion übe Bild und Leben so zu‑
sammen: „De Inhal de Zei sch i is seh ha mlose Na u .“ Die a es ie e Ha m‑
losigkei gil in k i ische und poli ische Hinsich ü den G oß eil des Inhal s on
Bild und Leben. Im Folgenden soll alle dings a gumen ie we den, dass die G enze
des dami abges eck en Felds de bloßen Un e hal ung wiede um nich sel en übe ‑
sch i en wu de. Es s ell sich die F age, un e welchen Ums änden und aus welchen
G ünden das passie e und welche Rolle dabei z.B. die (Selbs ‑)Zensu spielen konn e.
Von den Bei äge n we den in Bild und Leben in de Regel nu Au o en de belle ‑
is ischen Bei äge namen lich ( eilweise du ch Siglen ode Pseudonyme) ange üh .22
Zu den am häu igs en o kommenden Au o ennamen gehö en:
– Ka l Johann B aun on B aun hal (1802–1866, A chi a in Opo schno; No ellen
wie Mode nes Schicksal [BuL 1845: 65–78] ode Balladen wie Nach Jah und Tag [BuL
1846, 240]),
– Alexande F eimu h (P osa, di e se Au sä ze, 1845 als „Wenzl Nowo ni“ en schlüs
‑
sel , biog aphische Da en unbekann ),
– de G andseigneu de damaligen P age li e a ischen Szene Wol gang Adol Ge le
(P osa, z.B. Das Dague o yp ‑Po ai ode Ein s illes Wasse , BuL 1845: 13–17; 334–363),
– Ka l Ha wich (P osa, z.B. die No elle Im Jah e ie zehnhunde und zwöl . Ein
his o isch ‑ oman isches Tableau aus den Zei en König WenzelsIV. in Böhmen [BuL 1847:
353–370]; Au sa z übe Jose Jungmann [BuL 1848: 23–25]),23
– die einzige egelmäßige Bei äge in Louise He en (P osa, meis Adap ionen nach
englischen ode anzösischen Vo lagen wie Ein Aben eue im Geb ige [BuL 1848:
289–298 ode Was das Geld nich kau en kann [BuL 1848: 360–367]),
– de Jou nalis , D ama ike und spä e e D ama u g des Landes hea e s Johann
Ka l Hickel (1811–1855; P osa wie De Blöde on Venedig [BuL 1846: 321–333]),
– de B eslaue E zähle Julius (Robe Edua d) K ebs (1803–1856; P osa wie Aus dem
Riesengebi ge [BuL 1846: 3–9] ode Die Ha ne in om Boule a d [BuL 1846: 257–265]),
– de P age D ama ike , K i ike und Humo is Joachim Lede e (un e de Sigle
‑ e , als Julius Mä z ode L. E. De e , 1808–1876; P osa wie die obe wähn e Humo‑
eske, Gedich e wie De Lenz [BuL 1844: 232], Thea e besp echungen),
– de besonde s häu ig e e ene B eslaue , ab 1846 P age Romancie Ladislaw
Ta nowski (1811–1847; Sagen aus Böhmens Vo zei wie Die Wäsche in Božena [BuL
21 Un egelmäßig e scheinen die Un e ub iken „Wi z ‑Bli ze“, „Eisenbahnen“, „Ca ica u en“, „Thea e ‑
un älle“.
22 Im le z en He 1845 en schlüssel die Redak ion die Namen de bishe igen Bei äge .
23 Biog aphische Da en unbekann . E l. iden isch mi dem A z und Au o de Abhandlung Das Mine al‑
wasse zu Podoll in Böhmens ch udime K eise (1805).
70 BRÜCKEN 27/1
1846: 9–14], eigene Fik ion wie De Unsich ba e; eine Wunde geschich e aus dem Böh‑
me walde [BuL 1845: 257–268]),
– de P age Jou nalis und Mi beg ünde de Lese‑ und Redehalle de deu schen
S uden en in P ag Wilhelm Wol ne (geb. 1821; P osa wie Recensen und Schauspie‑
le in [BuL 1847: 65–81] ode De Kau mannsleh ling [BuL 1846: 229–236]).
Ve einzel sind in de Zei sch i P osa ex e on Jose Augus Lede e , Adol on
Schaden, Julius Rosen eld, Julius Seelige , Wenzel S o ch, W. E. Gau sch (Edmund
Weh ) ode G. Re niw (Win e ) zu inden. Abged uck wu de auch je ein Bei ag on
den schechischen Au o en Ka el Sabina und Vik o Bednář (BuL 1848: 225–232). Bei
diesem Bei äge k eis äll au , dass dieselben Au o en zu selben Zei egelmäßig
in eine Konku enzzei sch i , Ca l Wilhelm Medaus E inne ungen an me kwü dige
Gegens ände und Begebenhei en, publizie en (Ta nowski lei e e sie soga 1846/47).
Auch bezüglich Inhal und Rub ikens uk u läss sich eine g oße Nähe es s ellen.
O ensich lich e ug de P age P esse ‑Ma k diese Zei zwei seh ähnliche Un e ‑
hal ungszei sch i en und zwang zu keine g öße en Di e enzie ung.
KOMMENTARE UND BRIEFE DER REDAKTION
E s mal (und 1844 das einzige Mal) is ein Redak ionskommen a im ie en He zu
inden. E be i die hea e k i ische Rub ik, die im e s en Jah gang nu einmal und
e s in den Jah gängen 1845 und 1846 egelmäßig e schien (dazu s. un en):
Es is diesen Blä e n sei de ku zen Zei ih e En s ehung eine Ve b ei ung zu
Theil gewo den, die unse e E wa ungen bei Wei em übe s eig . Ha unse Un e ‑
nehmen schon in den S äd en lebha en Anklang ge unden, so e euen wi uns
noch meh au dem Lande eines zahl eichen Lese k eises. Dem Wunsche dieses
Le z e en, de des Thea e s ganz en beh end, sich ielleich eben deßhalb meh
da ü in e essi , als de on hea alischen Genüßen übe sa e S äd e , glauben wi
insbesonde e en gegenzukommen, wenn wi die he o agends en E scheinungen
im Gebie e des neuen deu schen O iginal ‑D amas eine aus üh lichen Besp echung
un e ziehen. (BuL 1844: 96)
De Ve zich au k i ische Be ich e s a ung is auch de einzigen hie nach e ö en ‑
lich en Besp echung ablesba . F ied ich Halms T aue spiel übe den ko sischen F ei‑
hei skämp e Sampie o (BuL 1844: 96–99) wi d seh aus üh lich, sam des his o ischen
Hin e g unds, e e ie und zi ie . De we ende Kommen a nimm einen deu lich
kleine en Pla z ein– und be ass sich ziemlich b ei mi de F age, ob Sampie o denn
als Mö de seine Ga in als Held eines D amas übe haup aug . T o z k i ischen
Anme kungen e wa zu lachen Cha ak e ges al ung de Neben igu en is die gene‑
elle Absich e kennba , den Lese n „au dem Lande“ s a des Thea e besuchs eine
In o ma ion, ja einen E sa zgenuss, zu e scha en und sie dami zu Zeugen des
Anb uchs eine e ho en neuen „Zei des Übe lußes und des Gedeihens“ (BuL 1844:
99) ü das deu schsp achige Thea e zu machen.
Manche ande en Blä e egis ie en die E ablie ung eine neuen Zei sch i
in P ag. Die Wiene Illus ie e Thea e zei ung on Adol Bäue le sch ieb dazu (und
höchs wah scheinlich wa dabei de Che edak eu selbs an de Fede ):
71ŠTĚPÁN ZBYTOVSKÝ
Dem eichlichen und gu gewähl en Inhal […] e dank ‚Bild und Leben‘ die ihm
schon in ku ze Zei zu Theil gewo denen Theilnahme on Nah und Fe ne. Die d a‑
ma ische No i ä en ‑Schau, welche in diese Un e hal ungssch i ein geis olle ,
scha sinnige und wi zige Li e a und Dich e übe die au de P age Bühne ge‑
gebenen neuen S ücke häl , gehö zu den gediegens en, an egends en k i ischen
E zeugnissen de Neuzei , übe de en o züglichen We h wi uns nächs ens
aus üh liche aussp echen we den.24
In de posi i en We ung spiel ein Wandel de Zei sch i inhal e on 1845 eine Rolle.
Be o diese Wandel un e de Redak ionslei ung Jose F eunds eingehende besp o‑
chen wi d, sei o ausgeschick , dass die Zei sch i zu diese Zei in ensi e mi de
Lese scha zu kommunizie en e such e. Im Mä zhe 1845 wi d die neue s ändige
Un e ub ik de „Lich ‑ und Scha ensei en“ mi dem Ti el „La e na magica ‑Bilde “
einge üh – mi eine edak ionellen No iz, dass „wich ige e Begebenhei en eben alls
in die Reihe de un e hal enden Lek ü e gezogen we den können und müssen“, wes‑
wegen in de neuen Spa e „die in e essan es en Momen e de Gegenwa “ aus dem
ganzen „Wel ‑Ho izon “ (BuL 1845: 93) e mi el we den sollen. Nach Lände n und
Regionen so ie , inde de Lese hie Nach ich en und S a is iken aus de Wi scha
und in e na ionalen Poli ik, übe K iminal älle und Unglücke. Gemieden wi d o en‑
sich lich, was innenpoli isch ele an we den könn e; ein poli isches Engagemen de
Redak ion is an wiede hol en Be ich en übe die Si ua ion de Juden ode übe den
Skla enhandel e kennba . De In o ma ionszweck s eh hie jeden alls übe dem im
Res de Zei sch i p imä e olg en Un e hal ungszweck.
Den zwei en Jah gang schließ Unse le z e Seu ze im Jah e 1845!, eine eils wi ‑
zelnde, le z lich au die Einwe bung on Abonnemen s ü s nächs e Jah zielende
Re lexion „unse es bishe igen Wi kens“ (BuL 1845: 383). Als das Zen um de Zei ‑
sch i wi d de belle is ische Teil bezeichne , in dem man sich um äs he ische
Quali ä und Ausgewogenhei in Themen und Ga ungen bemühe. Im es lichen
Teil wolle man den „E ns des Lebens“ (Nach ich en übe das Zei geschehen, Thea‑
e besp echungen) mi dem „Sche ze“ („Anekdo en, Piquan e ien, jou nalis ische
Bonbons, […] humo is ische Au sä ze“, BuL 1845: 383) im Gleichgewich hal en. Das
K i e ium de K i ik in Bezug au die edak ionelle Selek ion de Bei äge wie auch
au die geäuße en S andpunk e zum Thea e ‑ und gesellscha lichen Leben wi d
explizi e wähn : „Das Lob [de Redak ion] gehö un e die S imulan ien de K i ik“
(BuL 1845: 383). Die Ve gnügungs‑ und Nu zwe e we den eilich imme ein addi i
nebeneinande ges ell , so dass man die Selbs au assung diese „Un e hal ungslec ü e“
au die Konglome a s o mel ‚Schönhei und Beleh ung und Sche z‘ b ingen kann.
Im Janua he 1846 olgen Neujah swünsche mi sche zha en Übe legungen übe
eine hypo he ische Zei ung mi dem Ti el Geld. Diese we den mi olgenden Wo en
eingelei e : „Wenn es Ve häl nisse uns möglich mach en, s a diese ze s eu en
Blä e , jemals ein eigen liches Jou nal e scheinen zu lassen […]“ (BuL 1846: 32). Un e
den „Ve häl nissen“ kann man siche lich die wi scha liche Si ua ion (bzw. das mi
hema isie e „Geld“) ode die S uk u des medialen Ma k es e s ehen, gleichzei ig
24 Az.: Die bei M. I. Landau in P ag e scheinende… In: Illus ie e Thea e zei ung [Hg. on Adol Bäue le,
Wien] 38 (1845), N . 180 (29. 07.), 724.
78 BRÜCKEN 27/1
Jah en bis 1847 nich deu lich e höh (Laiske 1959: 161 .; Roubík 1930: Beilage IX, X).36
Dennoch is eine Reihe on neuen poli ischen Zei ungen e schienen. In P ag wa en es
neben schechischen Ti eln e wa die Deu sche Zei ung aus Böhmen (Ok obe 1848–Mai
1851) ode das Cons i u ionelle Bla aus Böhmen F anz Klu schaks (Ap il 1848–Juni 1852).
Das e s genann e Bla wa schwe punk mäßig au die Wah ung de deu schen In e
‑
essen in Böhmen und an änglich posi i gegenübe F ank u ausge ich e , das zwei e
wa e was deu liche au das deu sch ‑ schechische Mi einande in den Böhmischen
Lände n o ien ie 37 und e hiel sich schließlich dank de Un e s ü zung de eigen lich
gegen ‑kons i u ionellen Regie ungspoli ik. Ku zlebig wa die zweisp achige Conco dia.
Tagbla ü häusliches und ö en liches Leben (Janua –Ap il 1849).
Neben de S ä kung bzw. Neue ablie ung de poli ischen Jou nalis ik läss sich
auch eine Re lexion de jou nalis ischen Ga ungsdi e enzen beobach en– e wa
am Beispiel de im Ve lag Go lieb Haase Söhne e scheinenden Zei ungen. Neben
die sei 1828 e scheinende Bohemia a nun das e wähn e Cons i u ionelle Bla aus
Böhmen. Beide Ti el wu den in Pe sonalunion on Klu schak als Che edak eu ge‑
lei e . Auch die P age Zei ung und ab dem 2. Juli die schechischsp achigen P ažské
nowiny
38
gehö en zum Ve lagsun e nehmen. In de Bohemia om 29. Juni 1848 wu den
Abonnemen s ü alle Ti el mi olgende P og amm ‑Cha ak e is ik bewo ben: Die
P age Zei ung is das „o icielle O gan ü alle äm lichen Bekann machungen“ und
Be ich e s a ung mi de „Tendenz“ de „Ve heidigung des Libe alismus nach allen
G änzen, inne halb de en aus ihm wah es Volkswohl e wächs ; e ne die Wah ung
de ungeschmäle en Sou e äni ä und ollen In eg i ä des ös e eichischen Kaise ‑
s aa es, und inne halb seine selbs die gleichmäßige und ollkommens e En wicklung
jede de o handenen Na ionali ä en.“ (S. [11]) In as wö liche Übe se zung ins
Tschechische wi d das P og amm de P ažské nowiny da gebo en– mi zusä zlichem
Augenme k au „slawische Angelegenhei en“ (S. [13]). Das Cons i u ionelle Bla als
poli isches Fo um ü eisinnige K i ik und Kommen a mi eu opäischem Wei blick
36 Nach de Wiede ein üh ung de Zensu maßnahmen sank die Gesam zahl de Pe iodika in den Böhmi‑
schen Lände n deu lich ( on 128 in den Jah en 1848 und 1849 au 70 [1850] und 71 [1851], da on deu sch‑
sp achige on 78 [1848] esp. 85 [1849] au 47 [1850] und 48 [1851]). Dazu Roubík (1930: X), Wöge baue /
Píša/Šámal/Janáček (2015: 354).
37 Das Cons i u ionelle Bla p opagie e bezüglich de Na ionali ä en age o wie nach dem P ings au ‑
s and den S andpunk de Gleichs ellung beide Sp achen und Na ionen in Böhmen. Am 23.05.1848
hieß es do : „Slawen und Deu sche in Böhmen! Ih hab zweie lei B üde ; B üde auße halb de
G enzen, B üde inne halb de selben. […] Deu sche und slawische B üde und F eunde inne halb
de G änzen, bleibe bei einande ! Noch is es Zei ! Heil Di dann, he liches eies Böhme land; und
dann: auch glückliches Va e land! Dieses Va e land beschwö euch, ja es geh zu Euch!“ (Anonym:
Die ie Fa ben und Mi el zu ih e iedlichen Ve schmelzung.– In: Cons i u ionelles Bla aus Böhmen,
Jg. 1 [1848], N . 45, 23. Mai, unpag. Beilage) Nach dem P ings au s and, am 23.06., weis Klu schak das
Deu ungsmus e als schechische Au s and zu ück: „Man sag , und auswä ige Jou nale wiede ho‑
len es, die Bewegung sey eine čechische gewesen. Auch das hal e ich wiede ü nu heilweise wah .
Čechen und Deu sche e heidig en gleich ei igs die Ba icaden, und Čechen und Deu sche wuß en
nich ech wa um. Die U hebe wa en Fana ike , junge ollköp e, die eilich meis Čechen sind, abe
nich die Sympa hien de üb igen Čechen ha en […]“ (N . 63/64, unpag.)
38 Bis Juni wu de diese Zei ung on Ka el Sabina im adikal p o e olu ionä en und schechisch ‑na ionalen
Sinne gelei e und om Ve lag Ca l Wilhelm Medaus he ausgegeben. Nach de Niede schlagung des
P age P ings au s ands wu de Sabina e ha e ; die Zei ung ging zu ück in die Hände ih es ehemaligen
He ausgebe s Haase und dem Redak eu de P age Zei ung Hasne , de bei de P ažské nowiny wenig
spä e on Ka el Ja omí E ben abgelös wu de.
79ŠTĚPÁN ZBYTOVSKÝ
wa ebenso p o ‑kons i u ionell, p o ‑kaise lich (und skep isch gegenübe F ank u
39
)
ausge ich e wie die beiden o he genann en und im Üb igen auch die Bohemia. Bei
ih wi d die Ve knüp ung on Un e hal ungs‑ und poli ische Jou nalis ik he o ‑
gehoben: „[A]n angs Un e hal ungssch i , ha dieses Jou nal in unse n glo eichen
Mä z agen en schieden die poli ische Bahn eingeschlagen und wi d auch o an, ohne
die Belle is ik auszuschließen, eine o wal end poli ische Fä bung beibehal en.“ (S.
[12]) Im Un e schied zu Meh hei de neu en s andenen Zei ungen haben alle on
Haase Söhne he ausgegebenen die unmi elba e Kons i u ionszei übe leb . Es is also
au dem P essema k diese Jah e nich nu eine Di e enzie ung und Ve meh ung
zu e zeichnen, sonde n auch die En s ehung eine s a ken, ma k dominie enden
‚Ko po a ion‘.
Noch o de Re olu ion, zu Beginn des Jah es 1848, bezeug Bild und Leben seine
olle Loyali ä dem he schenden Regime gegenübe du ch das Gedich Jose Alexan‑
de Glaub ech s Gedanken eines ös e eichischen S aa sbü ge s am Jah eswechsel 1847–1848.
Die Mona chie wi d da in „P ach koloß“ im „He zen on Eu opa“ genann , e wähn
wi d die kü zlich zus ande gekommene „T agödie“ des Todes on Ma ie Luise on
Ös e eich (de zwei en Ehe au Napoelons). Die le z e S ophe läss an de S abili ä
de kaise lichen Mach keinen Zwei el au kommen: „Doch mag die Th äne innen, /
Es sink nich unse Mu h, / Uns e blich, wie die G öße, / Is Habsbu g’sAdle blu .“
(BuL 1848, 1: 23) Keinen Niede schlag inden die Spannungen diese Mona e– die
No des Hunge win e s, die Kämp e in de Schweiz und in No di alien. Dass mi dem
Jah eswechsel keine Ände ung des P og amms de Zei sch i einhe geh – obwohl
„Modewechsel“, „Mondeswechsel“, „B ie wechsel“ wie auch „Geldwechsel“ du chaus
in F age kommen– be eue de ku zweilige A ikel eines „D .Az.“: „‚Bild und Leben‘
wi d keine Geschich en machen, um Euch zu un e hal en mi Kuns ‑, Na u ‑ und
ande en Geschich en und E zählungen; es wi d geben pikan es Unbekann es und
bekann es Unpikan es“ (BuL 1848:26). Die Zei sch i solle also „einen mannig al i‑
gen Wechsel bie en, abe hübsch in O dnung bleiben und nich s Auße o den liches
lie e n.“ (BuL 1848: 26)
Das Zei geschehen wi d am ehes en im Nach u au den am 14. No embe 1847
e s o benen Jose Jungmann on Ka l Ha wich angie . Jungmann wi d als eine de
besonde en Pe sönlichkei en o ges ell , mi de en Wi ken „he o agende Momen e
im ö en lichen Leben“ (BuL 1848: 23) ih es Volkes e bunden sind. Jungmann sei ein
on de Humani ä sidee He de s geschul e böhmische Pa io , de hin e ielen
„E olgen“ des „Wiede e wachens de böhmischen Na ionali ä “ s ehe und
zu eine Zei , die übe das Sein und Nich sein des Sla en hums in Böhmen en schei‑
den soll e, lud e das Riesenp oblem au seine Schul e n, das s andende Schi de
böhmischen Sp ache o gänzlichem Ve alle zu bewah en, lei e e auch mi nu
wenigen F eunden als glückliche Loo se das T ümme we k in den Ha en, e leb e
den üs igen Fo bau seines Lieblingswe kes, und sah, daß man wiede an ing de
e gessenen in G und ge auch en Flagge zu ach en. (BuL 1848: 23)
39 Im Ap il wa diese Posi ion noch nich kla ausgep äg und es wu de Al ed Meißne s Ein B ie an
He n F anz Palacký abged uck , in dem e gegen Palackýs Ablehnung eine Wahl als Abgeo dne e in
das F ank u e Pa lamen s (mi nich unähnlichen A gumen en) polemisie e.
80 BRÜCKEN 27/1
D änge sich dem Ve asse angesich s on Jungmanns Lebenwe k de Eind uck
au , „daß es hie Nich s zu ich en, Alles zu bewunde n gib “ (BuL 1848: 23), dann
geh dami eine Hochschä zung de schechischen kul u ellen Wiede gebu einhe ,
als de en Haup mo o Jungman o ges ell wi d: „Sei Jungmann’sAu e en is die
böhmische Sp ache und Li e a u , meis du ch seinen Ein luß, au eine zei gemäße
eu opäische Höhe ges iegen.“ (BuL 1848: 25)40
E s das Ap ilhe nimm einen unangekündig en, abe umso esolu e en Bezug
au das ak uelle Geschehen. Au den belle is ischen Teil olg zunächs eine Da s el‑
lung de To en eie de P age S uden en ü die Op e de Wiene Re olu ion mi
de Abbildung des cas um dolo es, mi dem Kommen a , dass „die F eihei […] nich
ganz blu los gewonnen wo den“ wa (BuL 1848, 118–120) und einem Hinweis au die
g oße schechische Insch i „Za nasse we Wídni padlé b a y“ [Fü unse e in Wien
ge allenen B üde ].41 Wenige Sei en wei e inde sich un e de Übe sch i „Bilde
aus dem cons i u ionellen Volksleben“ die Ankündigung eines g undlegenden Ku s‑
wechsels de Zei sch i im Lich de jüngs en E eignisse:
De inhal sschwe e E ns de Zei , de auch die öhlichs en Gesich e in Fal en leg
und dem iedlichen Bü ge die Wa en in die Hände gib , zwing auch unse bishe
nu de Un e hal ung gewidme es Bla , eine wü dige e Hal ung anzunehmen. Die
Zei , da man nu i oles ungescheu besp echen du e, lieg , Go lob! hin e uns,
das geis ö ende Ins i u de Censu is au gehoben.
De bishe ige Cha ak e de Zei sch i wi d also e ospek i , ungeach e de oben
da geleg en, edak ionell dekla ie en sowie inhal lich nachweisba en Schwankun‑
gen und Ve knüp ung mi dem Un e hal ungskonzep ‚Schönhei und Beleh ung und
Sche z‘ ( gl. das oben besp ochene Dezembe he 1845) au eine i ole Un e hal ung
eduzie , als minde we ig und zensu beding di amie . Diese Va ia ion au die
We ung de Un e hal ung als eskapis ische P axis kollidie me klich mi de Zen‑
su p axis: wie oben e wähn , wa das Ve häl nis de Zensu zu i ialen Un e hal‑
ungslek ü e um 1800 wie auch spä e bes en alls zu ückhal end. Wei e heiß es hie :
Wi e danken dem D ange de Ums ände und de Weishei unse es gü igen He ‑
sche s die Gedanken eihei . We nich on ih Geb auch machen, we noch i z
zu ückhal en woll e, de wü de diese segens eiche Gabe nich e dienen. Dahe
wi d unse Bla zwa nich au hö en, ein Un e hal ungsbla zu sein– denn auch
dem Sche z gebüh sein Rech und man e läß nich unges a seine u sp üng‑
liche Bes immung– abe es wi d be ücksich igen, daß dem e ns e en Sinne eie
Männe ein e ns e e Zei e eib gebo en we den muß; es wi d sich den wich igen
40 Die deu sch ‑ schechischen Spannungen om Jah esan ang kamen z.B. bei de Au üh ung des S ücks
Záhuba odu Přemyslowského [De Un e gang de Přemysliden] on Fe dinand Bře isla Miko ec
(09.01.1848) zum Ausd uck. Die T agödie wies deu lich an ideu sche Tendenz au (Tau mano á 2012:
134).
41 Dabei un e s eich de Ve asse , dass Augus in Sme ana eine deu sche und Wenceslaus S ulc, Wel ‑
p ies e , eine „böhmische“ Leichen ede hiel en. „Am 23. Mä z wu de eine ähnliche Leichen eie im
jüdischen Tempel, und am 25. Mä z eine im e angelischen Go eshause abgehal en. Bei allen diesen
Feie lichkei en hiel en die ch is lichen S udie enden mi den jüdischen e misch die Eh enwache.“
(BuL 1848: 119)
81ŠTĚPÁN ZBYTOVSKÝ
F agen de Zei nich e n hal en, und insbesonde e in dem A ikel ‚La e na Magica‘,
de bishe nu Feue sb üns e und Uebe schwemmungen b ingen du e, die wich i‑
gen Angelegenhei en unse es heue n Va e landes und die da au Bezug habenden
ande e Lände in ged äng e Kü ze besp echen und so eine o lau ende, aiso‑
nie ende Uebe sich de E eignisse und des Fo sch i es lie e n. (BuL 1848: 122)
Es sei o ausgeschick , dass das Ap il‑ und Mai ‑He diesem Vo sa z eindeu ig Folge
leis en. Eine pa io ische und poli isch gemäßig e Posi ion „mi gleiche Liebe ü
He sche und Va e land“ wi d angekündig : „Wi we den die Ex eme meiden und
nich alles Al e ü schlech , alles Neue, weil es neu is , da um auch ü gu hal en.“
(BuL 1848: 122) Die da au olgende Da s ellung de E eignisse in Eu opa, Wien und
P ag und de Abd uck meh e e Dokumen e om Mä z 1848 we den als die e s e
zensu eie Be ich e s a ung übe die ak uellen En wicklungen kommen ie , die
„die ci ilisi e Häl e Eu opa’sund da un e auch unse edles Va e land aus Nach zum
Lich , aus de Skla e ei in die F eihei ge üh haben.“ (BuL 1848: 122) Noch o de
En s ehung de F ank u e Na ional e sammlung beg üß e die Redak ion die „nie
o he geahn e En al ung eines deu schen Gesamm sinnes“: „Man ahn den kommen‑
den Kamp gegen den anzösischen Socialismus; man will ihn bes ehen, abe allein,
ohne ussische Hil e“, denn man emp inde einen „Haß gegen diesen iesigen A m,
den das despo ische Asien gegen das ci ilisi e Eu opa o geschoben.“ (BuL 1848: 122)
Das olgende He bie e in selbs ändigen A ikeln zunächs eine posi i ges imm e
Vo s ellung de He o agenden Männe de p o iso ischen Regie ung in F ank eich (La‑
ma in, A ago, C émieux, Led u ‑Rollin; BuL 1848: 149–151) und einen Au sa z übe
die En s ehung des Konzep s de Na ionalga den in den USA und Eu opa (BuL 1848:
151–154), und äh in de Rub ik „Bilde aus dem cons i u ionellen Volksleben“ o
mi de Besch eibung des Geschehens und dem Abd uck de Kundmachungen om
Ap il (u.a. die Pe i ion des P age Na ionalcomi és om 11. Ap il). Die Reak ionen au
die Pille sdo sche Ve asssung om Ende des Mona s blieben auße Ach ; jedoch wi d
dem ‚Fa bens ei ‘ om 13. Ap il Au me ksamkei geschenk , bei dem die P o es e de
Deu schböhmen gegen die un e ep äsen ie e Ve e ung im Na ionalcomi é und
Übe g i e gegen schwa z ‑ o ‑goldene Koka den ö en lich gemach wu den. Die
Depu a ion de P age Deu schen wu de ins Na ionalcomi é au genommen und den
Deu schen wu de– nach de Zusiche ung ih e Ve e e , dass sie dami „keine Lossa‑
gung om gemeinsamen Va e lande bezwecken“ (BuL 1848: 156)– das Rech zue kann ,
deu sche Fa ben zu agen. Die Redak ion heg in ih e Da s ellung o ensich lich
Sympa hien ü die deu sche Sei e und eil die Au assung, dass kein ‚Zwi e he z‘,
sonde n ein beide sei ig eies und olles Ausleben de na ionalen Ge ühle un e
dem Dach des „gemeinsamen Va e lands“ die na ionalen Ve häl nisse Böhmens au
s abile Basis au bauen kann: „So wu de die Einigkei wiede he ges ell ; wolle Go ,
daß sie Bes and habe.“ (BuL 1848: 156)
So asch und um assend die ‚kons i u ionelle‘ Rub ik au die Sei en on Bild und
Leben d ang, so asch und kommen a los e schwand sie wiede . Ab de Juni ‑Numme
(die noch o den P ings ‑E eignissen e schienen wa ) e weisen nu e einzel e
Tex e ande e Spa en au die agespoli ischen E eignisse in Ös e eich und Eu opa.
Signi ikan is hie ü de Bei ag Locales, de an den „je z igen Zei ums änden“ den
p ekä en Einb uch de Besuche zahlen in den P age Kul u ein ich ungen bemän‑
82 BRÜCKEN 27/1
gel – und ausge echne ü den Besuch eine ausgesp ochen populä kul u ellen
A ak ion plädie : des au dem Viehma k ausges ell en „Cyclo ama[s]“ Wiens on
F anz Ho baue (BuL 1848: 192). Jeden alls inde man in de Zei sch i kein Wo
übe den P age P ings au s and 1848– und spä e auch kein Wo übe die Mai‑
E eignisse 1849.
Zu den e einzel en Re lexionen des Zei geschehens und den Zeichen eine un‑
geb ochenen Sympa hie de Zei sch i ü die Kons i u ion gehö die E zählung
Gesinnung und Liebe. E zählung aus den Mä z agen P ags om Pionie de Ghe oge‑
schich e Salomon Kohn, die in d ei Folgen om Mai bis Juli 1848 abged uck wu de.
Vie junge P age s ehen im Vo de g und de Handlung. Be ei s o den Mä z‑
‑E eignissen disku ie en sie übe poli ische F eihei en: „Die F eihei sidee wi d wie
ein elek isches Fluidum ganz Eu opa du chzi e n, und manches Mo sche und Faule,
und Al e und K anke wi d schwanken und ze allen.“ (BuL 1848: 138 .) Die Pe sonen‑
kons ella ion s ell sich als Vie ecksbeziehung zwischen Kla a und Bo n (sie sollen
sich ausge echne am 16. Mä z e loben), Kollbe g und Pi ke (beide lieben Kla a) da .
Die Gesinnung de männlichen P o agonis en wi d au die P obe ges ell , als am 15.
Mä z die S uden en e sammlung im Ka olinum s a inde und die Be ei scha de
He en, ü die F eihei einzu e en, an de En scheidung zu kommen ode nich
zu kommen gemessen wi d. Bo n, an angs edselig, is nun „eigennü zig und eige“,
denn allzu o denk e an das Hei a sgu s a an Kla a selbs ; s a de Re olu ions‑
e sammlung beizuwohnen bleib e zu Hause. Schließlich e g ei e die Pa ei de
e ol ie enden S udie enden, doch o de e Pi ke als einen po enziellen Neben
‑
buhle zum Duell he aus. Am Tag des Duells e schwinde Bo n aus P ag und zeig
dami , so Kla a, dass e „schamlos genug wa , Gesinnungen und Liebe zu heucheln“
(BuL 1848: 199). Schließlich komm es zu eine Ve lobung Kla as mi Pi ke, mi dem sie
zunehmend eine na ü liche, kon en ions eie Liebesneigung e band. Und so kann
Kla a zum Schluss einsehen (bzw. wi d sie on ih em b üde lich uneigennü zigen
F eund Kollbe g au geklä ), wie zu äglich die E eignisse de kons i u ionellen E ‑
hebung ü die Läu e ung ih e pe sönlichen Si ua ion wa en– das Indi iduelle und
Gesam gesellscha liche sind eng e bunden, ode wie Kla a au dem Höhepunk
ih e Re lexion sag : „Sie haben ech , die Cons i u ion, welche die Völke beglücken
soll, wa auch mi heilb ingend. Ich u e dahe oh: Es lebe die Cons i u ion, und
de gü ige Mona ch, de sie seinen Völke n e liehen.“ (1848: 199) Eine sei s we den
dami die übe die bloße Ve wal ungs eo ganisa ion hinausgehenden Konsequenzen
de Kons i u ion ü das Bü ge leben e anschaulich , ande e sei s bleib es ü
Kla a dabei, das „Heil“ de Kons i u ion e s und ge ade du ch die Ko ek u ih es
Familienglücks wah nehmen zu können.
Als Mi e Juni 1848 in P ag die Ba ikaden s anden, mögen sich manche ih e Ve ‑
eidige au die Schilde ung diese Re olu ions echnologie pa excellence e inne
haben (BuL 1848: 147–149). Dami kon as ie ein A ikel aus dem Feb ua he 1849,
in dem Die neue undenen beweglichen Gegenba ikaden (BuL 1849: 50–52) besp ochen
we den, mi denen– so behaup e es de E inde – die „ u ch ba e Insu ec ion in
Pa is“ binnen zwei Tagen niede geschlagen wä e. De Ve asse woll e sich o ensich ‑
lich nich ganz au die Sei e de Reak ion s ellen: „Ob diese neue Ang i sa nich
auch eine neue Ve heidigungsweise he o u en wi d, muß jedoch dahin ges ell
we den.“ (BuL 1849: 52).
83ŠTĚPÁN ZBYTOVSKÝ
Im Jah gang 1849 bezeug eine Reihe on A ikeln übe he o agende Ame ikane
sowie die Geog aphie und Wi scha des Landes eine Vo liebe de Redak ion ü die
USA. Das in ensi ie e In e esse häng mi de Auswande ungswelle zusammen, die
nach an isemi ischen Übe g i en om F ühjah 1848 u.a. Leopold Kompe s Appell
Au , nach Ame ika (Kompe 1848) he o ie . Bild und Leben u nich zu Auswan‑
de ung au , äuße abe ein ie es Ve s ändnis da ü . Wenn im Janua 1849 de e s e
US ‑P äsiden als De g öß e Mann de neue n Geschich e (BuL 1849: 15–18) gewü dig
wi d, heiß es zum Schluss:
Und nun, Du, de Du das Unglück has , als Eu opäe gebo en zu sein, wen Du
endlich sa und müde gewo den, das al e Eu opa mi seine alschen Kul u und
seinen wah en Leiden hin e di lässes , wenn Du dann das Land deine Ho nung
be i s und dein He z on unendliche Dankba kei schwill , daß auch Du endlich
ein eie Mensch bis , dann e e eine Wall ah an, lasse dich nach Moun ‑Ve non
üh en. […] Ziehe den Hu ab, es is das Haus Geo g Washing ons. (BuL 1949: 18)
Im Feb ua olg ein biog aphisches Medaillon des eben gewähl en P äsiden en de
USA (Zacha ias Taylo , eil e P äsiden de e einig en S aa en). Nu ein kleine Teil des
Tex es wi d a sächlich Taylo gewidme . Übe ie Spal en wi d de zwei e A ikel
de U.S.‑ame ikanischen Ve assung zi ie . Im abschließenden Kommen a wi d
das P äsiden en e o am Beispiel de Kon o e sen um die Na ionalbank42 un e John
Tyle e läu e und mi dem Kommen a abgeschlossen, dass „auch in de eies en
alle Republiken, die execu i e Gewal eine bedeu ende Ausdehnung ha und haben
muß, da sons an keine Regie ung zu denken wä e.“ (BuL 1849: 54)
Eine de Un e hal ungszei sch i angemessene Re lexion des kons i u ionellen
Zei geschehens s ell die Zei sa i e da . Poli isch ‑sa i ische Tex e inden sich nich
egelmäßig, abe auch nich sel en in Bild und Leben, insbesonde e in de im Somme
1848 neu einge üh en Rub ik „E hei e ungs ‑Salon“. Be ei s im Ok obe 1848 we den
die Vie zehn Tage aus dem poli ischen Kalende ü das Jah 1850 i onisch isionie . Sie
beginnen mi de Amnes ie de F ank u e Na ional e sammlung ü Me e nich–
und schließen mi de demok a ischen Wahl Me e nichs zum Regie ungsche (BuL
1848: 316). Im ku zen A ikel Majo i ä ode Mino i ä (Ap il 1849) wi d Thomas Paynes
Bonmo i onisch wide leg , das Pa lamen habe sich nach de Minde hei de S immen
zu ich en, denn die Meh hei e e e imme die dümme e Ansich . Im nächs en
He wi d wiede um das Schei e n de F ank u e Na ional e sammlung als eine
babylonische Sp ach e wi ung in 17 Sch i en da gebo en (BuL 1849: 158).
Die gleiche maßen p o ‑kons i u ionelle und p o ‑habsbu gische Hal ung de Zei ‑
sch i mach sich im Feb ua he 1849 deu lich beme kba 43– als noch Ho nung au
eine wi kliche ös e eichische Kons i u ion bes and, zwei Mona e nach de Olmü ze
42 Es handel e sich um die Auseinande se zungen um die Second Bank o he Uni ed S a es in Philadelphia
und ih e Au lösung 1841.
43 Sie lieg in den beiden Jah gängen 1848/49 o , e wa in einem A ikel om Juli 1848 übe Feldma schall
Rade zky, de in den sieg eichen Schlach en in No di alien „unse schönes Va e land“ e eidig e, als
eine „ eulose P o inz“ (Lomba do ‑Vene ien) den „Jah hunde e lang bes ehenden S aa en e band zu
sp engen“ d oh e, „ge ade in demselben Augenblicke, in dem sie die Segnungen de Cons i u ion e ‑
hiel “ (BuL 1848: 209). Dank Rade zky sei die „mo alische Mach Ös e eichs […] du ch die allgemeine
Ach ung ü die Tap e kei und den Pa io ismus seine Hee e mäch ig gewachsen.“ (BuL 1848: 210)
84 BRÜCKEN 27/1
Kaise k önung F anz Jose sI. und ku z o de Au lösung des K emsie e Reichs ags
und dem Ve assungsok oy im Mä z. Landau e ö ne das He mi seinem Ve such
eines neuen Volksliedes, dessen d i e S ophe die Symbolik de Namenswahl des Kaise s
au g ei : „Laß Ihn Go wie Joseph wal en, / Und wie F anz beha lich sein: / F ei und
mäch ig zu ges al en / Oes eichs Lande im Ve ein. / Daß de Geis des F iedens wohne
/ F eundlich mild in jedem S and– / He de wel , mi Ein ach lohne / Segnend
Fü s und Va e land!“ (BuL 1849: 33) Die P ä e enz ü das Vo bild des Re o mkaise s
Jose II. is hie unmiss e s ändlich. Die wei e e wähn e „Wohl ah “ de Reichs ölke
we de hie dennoch p imä du ch den „Geis des F iedens“ gesiche – nich e wa den
Geis eine k i ischen Auseinande se zung.
SCHLUSSBETRACHTUNG
De Un e hal ungscha ak e de Zei sch i Bild und Leben wa alles ande e als eine
Camou lage ü sub e si en poli ischen Jou nalismus. Auch läss e sich nu beding
mi dem Konzep de äs he ischen Bildung absei s de Tagespoli ik e binden, wie es
in den Ho en o mulie wu de. De in diese Hinsich ha mlose, obwohl eils ‚enzyk‑
lopädisch‘ leh eiche Un e hal ungscha ak e de Zei sch i , de in ih e Geschich e
deu lich übe wieg , wa dennoch ähig, eilweise auch gesellscha s‑ und kul u k i‑
ische Impulse zu in eg ie en.
Übe blick man die En wicklung on Bild und Leben om F ühjah 1848 an, so
wi d e sich lich, dass de im Ap il 1848 angekündig e Wandel in eine Zei sch i mi
sys ema ische poli ische Be ich e s a ung nu o übe gehend umgese z wu de.
De spä e e Inhal de Zei sch i knüp ehe an die o kons i u ionelle Phase an–
nu sind die gelegen lichen poli ik‑ und gesellscha sk i ischen Aussagen deu lich
explizi e . P inzipiell keh e abe Bild und Leben zum o he igen Selbs e s ändnis
als „Un e hal ungslec ü e“ zu ück. Die simpli izie ende Dis anzie ung on dem bis‑
he igen Cha ak e de Zei sch i om Ap il 1848 als ‚bloß un e hal end‘, i ol und
eindeu ig zensu beding , schein abe nu ein si ua i e , p agma isch mo i ie e
Sch i zu sein, de ein zei gemäßes, neues Fo ma legi imie en soll e. De G und, wa‑
um die Ums ellung wiede zu ückgenommen wu de, läss sich nich mi Siche hei
e mi eln. Es kommen d ei Möglichkei en in Be ach : 1. De He ausgebe schä z e
die poli ische Lage als zu ins abil ein und en schied sich, au b isan e e Inhal e o ‑
sich shalbe zu e zich en. 2. Es en s anden inzwischen in P ag meh e e p ononcie
poli ische Pe iodika un e schiedliche P ägung, die die Funk ionen de poli ischen
Be ich e s a ung und des Kommen a s übe nommen ha en, sodass es ökonomisch
sinn oll sein konn e, Bild und Leben s ä ke au Un e hal ung zu o ien ie n. 3. Landau
kam zu de Einsich , dass de Cha ak e de Un e hal ungszei sch i bis An ang 1848
in ge inge em Maße on de Zensu angie wa und ielmeh den a sächlichen
E wa ungen seines Lese publikums bzw. dem P o il de medialen Ga ung de Un e
‑
hal ungslek ü e en sp ach– und en schied sich diese wei e zu bedienen.
Wäh end die e s genann e E wägung höchs wah scheinlich doch keine g oße
Rolle gespiel haben dü e– die Posi ionen, die Bild und Leben in ih en Ap il‑ und
Mai ‑He en bezog, wa en kaum b isan und adikal, und wa en in de üb igen P esse
P ags wei e hin ‚unges a ‘ e e en– könn en die beiden ande en Übe legungen on
Rele anz sein. Es gib da ü eilich nu Indizien. Landau gab– im Un e schied zum
85ŠTĚPÁN ZBYTOVSKÝ
Ve lag Go lieb Haase Söhne– zwa selbs keine poli ische Tageszei ung he aus, on
de en inhal lichen P o il e hä e Bild und Leben deu lich abheben müssen, doch wa
e sei Ok obe 1848 mi de Deu schen Zei ung aus Böhmen e bunden (sie wu de in
seine D ucke ei e s ell ). Diese om P age Cons i u ionellen Ve ein he ausgegebene
Zei ung e a eine du chaus ähnliche ös e eichisch ‑deu schna ionale Tendenz, wie
sie auch in den oben ange üh en Kommen a en in Bild und Leben signalisie wu de.
Mögliche weise bes anden schon im Somme Pläne zu G ündung de Deu schen Zei‑
ung aus Böhmen, was ü Landau ein A gumen sein konn e, einschlägige Posi ionen
in Bild und Leben nich wei e zu e olgen. Das asche Tempo de E eignisse diese
Jah e konn e du ch Be ich e s a ung in poli ischen ode poli isch ‑un e hal enden
(Bohemia) Tageszei ungen abgedeck we den; ü eine Mona ssch i wa sie nich be‑
sonde s güns ig. Da jedoch auch dieses A gumen nich als zwingend übe zeug – die
Be ich e om Tagesgeschehen wa en nich die einzige Op ion ü poli ische Publizis‑
ik –, handel e es sich höchs wah scheinlich p imä um eine bewuss e En scheidung
zuguns en des e p ob en Konzep s de Un e hal ungszei sch i . Ähnlich wie 1846
bezüglich de S ä kung des ( hea e ‑)k i ischen Aspek s de Zei sch i , könn en
auch je z du ch die Lese on Bild und Leben nega i e Reak ionen a ikulie wo den
sein. Belegen können wi sie eilich nich .
Die Eins ellung de Zei sch i wu de als eine womöglich empo ä e im Mä z‑
He 1850 angekündig . „Ums ände, de en E ö e ung hie zu wei läu ig sein wü ‑
de“ (BuL 1850: 96) we den dabei u sächlich genann . Ob dabei ehe die poli ische
Funk ion Landaus, die allgemeinen poli ischen und Zensu ‑Bedingungen ode de
sich e schlech e nde gesundhei liche Zus and Landaus (Landau 1867: 200) die en ‑
scheidende Rolle spiel en, we den wi wohl nich meh e mi eln können. Siche is ,
dass die poli ische A mosphä e alles ande e als güns ig wa . Übe den poli ischen
Loyali ä sku s, den auch Bild und Leben im le z en Jah gang de ini i e a , zeug
die im o le z en He om Feb ua 1850 abged uck e, zwa aus dem Wiene Lloyd
übe nommene, dennoch nich minde symbolische, huldigende biog aphische Skizze
des „in jede Hinsich ausgezeichne en Mannes“ Alexande Bach (BuL 1950: 49–51). Die
om Ve asse zum Schluss be eue en „ e auungs ollen Blicke“ (BuL 1950: 51) de
Bewohne de Böhmischen Lände au den ä igen Innenminis e wu den jeden alls,
was die P esse eihei be i , nich besonde s wa m e wide .
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