Die unbekann e Mode ne in de P o inz:
Die deu sch ‑ schechische G enz egion im
mode nis ischen Roman Zapadlí las enci 1932
Pa ik Valouch– Wes älische Wilhelms ‑Uni e si ä Müns e
ABSTRACT
The Unknown Mode ni y in he P o ince: The Ge man ‑Czech Bo de Region in he
Mode nis No el Zapadlí las enci 1932
In his no el Zapadlí las enci 1932, Jose Kocou ek (1909–1933) c ea es an a mosphe ic
po ai o he Ge man -Czech bo de egion in he ea ly 1930s and ocuses on he con lic
be ween he wo na ions ha would la e culmina e in he ‘Sude enk ise’. While Ma xis
li e a y c i icism in e p e ed he ex as a‘p ole a ian no el’ due o i s ideological de e mi-
na ion, his pape demons a es ha Kocou ek’sli e a y wo k is an in ica e in e ex ual
ab ic ha i onizes li e a y oils, anscends gen e bounda ies and pe mi s a a ie y o
di e en eadings. The peculia i ies o his no el consis in i s a an -ga de echniques
(mon age and collage), i s mul iply coded language oscilla ing be ween di e en s ylis ic
egis e s and in i s o iginal g aphic design, placing i i mly wi hin Czech mode n li e a-
u e despi e he p o incial con ex in which i was w i en.
KEYWORDS
Jose Kocou ek; no el; li e a y depic ion; a an ga de; mon age; collage; p o ince; bo de -
land; mino i y schools
Mode ne Li e a u kann auch absei s de g oßs äd ischen, li e a isch -küns le ischen
Zen en en s ehen: das kleine, im no dböhmischen Riesengebi ge o land (Podk ko-
noší) gelegene S äd chen No á Paka [Neupaka] weis eine iel äl ige und o iginelle
küns le ische T adi ion au .1 Eine de do gebo enen Küns le wa de Dich e ,
Sch i s elle und Male Jose Kocou ek (1909–1933), de ü lange Zei eine de
g oßen Soli ä e de mode nis ischen schechischen Li e a u blieb und selbs heu e
noch ehe als ‚Geheim ipp‘ gehandel wi d. Bei seinem le z en, in „ iebe ha e Has “
(Kuns mann 1974: 292) au dem S e bebe en s andenen Roman Zapadlí las enci 1932
[Wel abgeschiedene Pa io en 1932] (1961, 1982)2 handel es sich um einen beme kens-
1 Bedeu ende Ve e e de schechischen mode nen Li e a u s ammen aus de unmi elba en Umge-
bung on No á Paka, z. B. de symbolis ische Ly ike Jan Opolský (1875–1942) ode de Sch i s elle
Jose Ka el Šlejha (1864–1914), de dem Na u alismus zuge echne wi d.
2 In den di e sen deu schsp achigen Übe blicksda s ellungen zu schechischen Li e a u wi d de
Roman i el in zahl eichen Va ia ionen angegeben: Un e gegangene Pa io en 1932 (Kuns mann 1974), Ve ‑
schollene Pa io en 1932 (Skalička 1985), Die wel abgeschiedenen Pa io en 1932 (Filip 1974)– wei e e, dami
jedoch Rais’ gleichnamigen Roman meinende app oxima ische Übe se zungs o schläge sind: Ve gessene
92 BRÜCKEN 29/2
we en, mi le weile jedoch wei es gehend e gessenen Tex de mode nen Li e a u
Tschechiens: e bes ich du ch eine eigenwillige Me apho ik und o allem du ch
a an ga dis ische Ve ah ensweisen (g aphische Ausges al ung, Mon age, Collage,
li e a ische Repo ages il) sowie du ch einen ungewöhnlichen na a i en Au bau.
Diese Tex wi d on de Li e a u wissenscha häu ig als ein ‚dokumen a ische ‘
Repo age oman klassi izie , e gleichba eine sozio -e hnog aphischen S udie, die
du ch das P isma a an ga dis ische Techniken die deu sch - schechische G enz egion
da s ell . Gleichzei ig handel es sich um einen sa i isch -polemischen Roman, de
au un e schiedliche li e a ische Folien zu ückg ei – am explizi es en e weis e
(wie de Ti el be ei s e kennen läss ) au die Vo lage on Ka el Václa Rais’ Roman
Zapadlí las enci [Wel abgeschiedene Pa io en] on 1894 –, um diese zu i onisie en,
zu dekons uie en und ih die eigene Ve sion en gegenzuse zen. Da mich in diesem
Au sa z neben den a an ga dis ischen Ve ah ensweisen auch die Da s ellung de
deu sch - schechischen G enz egion beschä igen wi d, lohn es, zudem de F age
nachzugehen, inwie e n sich Zapadlí las enci 1932 in die T adi ion des schechisch-
sp achigen ‚G enzland omans‘ einsch eib . Doch zu o sei Kocou eks küns le ische
We degang und seine spezi ische Poe ik cha ak e isie .
1. BIOGRAPHISCHE HINTERGRÜNDE, REZEPTION UND POETIK
De am 22. Janua 1909 in B do [Be de] in eine e a m e Webe amilie hineingebo-
ene Jose Kocou ek e leb e sein ku zes, knapp 24-jäh iges Leben ausschließlich
in de P o inz und ha e au g und seines ühen Todes nich die Möglichkei , aus
seinen beeng en Ve häl nissen auszub echen und sein schöp e isches Po en ial
olls ändig zu en al en und zu ealisie en. Obgleich Kocou ek on einem S udium
de Male ei in P ag äum e, konn e e nach seinem Abschluss am Realgymnasium
in No á Paka au g und de schlech en inanziellen Lage de Familie lediglich einen
E gänzungsku s am Leh e bildungsins i u in Jičín [Ji schin] belegen,3 um da au hin
als ‚Minde hei enleh e ‘ in die on seinem Heima o wei abgelegene no dmäh ische
G enz egion des Schönhengs gaus (H ebečko) geschick zu we den (Mí o , Šilpe k
bzw. Š i y, Řepo á). Obwohl Kocou ek nie in P ag (dem kul u ellen, poli ischen und
wi scha lichen Zen um de 1918 neu kons i uie en E s en Tschechoslowakischen
Republik) leb e und es auch nu seh sel en besuchen konn e, gelang es ihm dennoch,
sich mi den küns le ischen S ömungen de A an ga de (Exp essionismus, Dadais-
mus, Poe ismus, Su ealismus) bekann zumachen und selbs zum Ve asse on zwa
nu dü ig ezipie en, abe beach enswe en mode nis ischen li e a ischen Tex en
zu we den. Kocou ek besuch e das seinem Heima do B do nahegelegene Realgym-
nasium in No á Paka
4
und wu de on seinem Tschechisch- und F anzösischp o esso
Pa io en ode Wel e ne Pa io en. Das om schechischen Ve b „zapadnou “ (d .: „ allen“ bzw. „un e -
gehen“) abgelei e e Subs an i „zapadáko “ bezeichne (ehe ) pejo a i einen ( on de Zi ilisa ion)
abgeschiedenen O (d . K ähwinkel, Ka , e schla enes Nes , P o inzgegend); ich e wende dahe
im o liegenden Au sa z das zwa spe ig und langa mig klingende, abe da ü e ende e Adjek i
„wel abgeschieden“.
3 An demselben Leh e bildungsins i u absol ie e auch K. V. Rais sein Abi u .
4 Do knüp e e ü seine spä e e küns le ische Lau bahn en scheidende e s e gesellscha liche und
in ellek uelle Kon ak e mi seinen Mi schüle n: F an išek G oss (Male ), Ladisla Zí (Bildhaue ) und
93PATRIK VALOUCH
Milosla Ji da (1895–1970), de sein küns le isches Talen asch e kann e, in seinen
sch i s elle ischen Ambi ionen un e s ü z und ge ö de .
5
Kocou eks Be üh ung
mi mode ne (insbesonde e anzösische ) Li e a u ging on Ji da aus, de diese
Li e a u übe se z e und sie seinem Schüle zum Lesen gab.
6
Nach seine e olg-
eich absol ie en Leh e bildungsp ü ung in Jičín wu de Kocou ek nich an eine
s äd ische Schule, sonde n nach Mí o [Mü au] geschick , wo e am 3. Ok obe 1928
seine Leh e ä igkei au nahm: do blieb e jedoch nu e wa ein halbes Jah , denn e
ühl e sich s a k isolie , li an Geldno und de kul u ellen Abgeschiedenhei , wes-
wegen e in s a ke Dep essionen e iel und Suizidgedanken heg e (Skalička 1984: 28).
Schließlich s ell e Kocou ek einen An ag au Ve se zung an eine Schule in einem
s ä ke besiedel en Gebie , de ihm bewillig wu de: Am 8. Mai 1929 begann e als
Leh e an de Bü ge schule im damaligen Šilpe k (1949 in Š í y umbenann [Mäh isch
Schildbe g]) zu a bei en, wo e ü zwei Jah e un e ich en soll e (Skalička 1984: 34).
Wäh end seine Leh e ä igkei in Š í y iel Kocou ek mi seinem bohèmeha en und
an ibü ge lichen Lebenswandel au : e üh e iele e o ische Beziehungen, leis e e
sich zahl eiche Alkoholexzesse und mach e Schulden. Zdeněk Filip zu olge iel Ko-
cou eks ö en lich zu Schau ges ell e Sympa hie ü den Bolschewismus und seine
Kolpo age on linkso ien ie e Li e a u de Schulbehö de unangenehm au , wo ü
e mu maßlich an die Minde hei enschule in Řepo á [Rippau] e se z wu de, die
in de gesam en G enz egion des Schönhengs gaus als die schlimms e Leh e s a ion
gal (Filip 1961: 288). Kocou ek ha e sein Dasein un e schwe en Lebensbedingungen
zu is en: gesellscha liche Isola ion, mise able E näh ung und An eindungen on
de schechischen Schulbehö de au g und seines unkon en ionellen Lebenss ils. In
seinen Tagebüche n e gleich Kocou ek das Leben zwischen P ag (dem Zen um)
und Rippau (de abgeschiedenen P o inz), wobei deu lich wi d, dass de Ve gleich
zu Unguns en seines neuen Au en hal so s aus äll :
P ní dni Řepo é, oha né azlé. Vneděli áno jsme se loučili naposled. Bylo o už
klidné, ho ořili jsme oP aze, o on ě nezaměs naných aobílé budoucnos i. Dnes
žije ona am, kde se aří ži o , já Řepo é, kde šechno je mdloba, zlodějs í, pod‑
od, hys e ie, neupřímnos , paďou s í, samo a, cizina anemoc. (Kocou ek
2009: 507, He o hebungen P.V.)
Mi osla Hák (Pho og aph) konn en im Gegensa z zu Kocou ek in P ag s udie en und wu den spä e
Mi gliede de bedeu enden a an ga dis ischen Küns le e einigung Skupina 42 [Die G uppe 42].
5 Kocou eks Beziehung zu Ji da besch änk e sich nich nu au ein Leh e -Schüle -Ve häl nis, son-
de n beide e band bis zu Kocou eks Tod eine enge F eundscha . Ji da wa s e s gu un e ich e
übe Kocou eks küns le isches Scha en und s and ihm bei Schwie igkei en li e a ische (abe auch
pe sönliche ) Na u mi seinen Ra schlägen zu Sei e. Ji da ug nich nu wesen lich zu Kocou eks
li e a ische P o ilie ung und äs he ische Wah nehmung bei, sonde n beein luss e ihn mi seine
linkso ien ie en Gesinnung, mi de e ihn ü soziale Ungleichhei und Unge ech igkei sensibilisie e.
6 Jiří Skalička (1984) und auch Ja omí Typl (2021) weisen au den Ein luss olgende Tex e hin: Jean
Gi audoux’ P o inciales (1909; sch. Měs ečko, 1926) und Joseph Del eils Les cinq sens (1924; sch. Pě smyslů,
1927), die beide on Milosla Ji da ins Tschechische übe se z wo den sind. Ji da übe se z e an die 32
Büche aus dem F anzösischen ins Tschechische, da un e auch maßgebende li e a ische Tex e aus
de klassischen, abe auch de mode nen anzösischen Li e a u .
94 BRÜCKEN 29/2
[Die e s en Tage in Řepo á wa en g äßlich und böse. Am Sonn ag nahmen wi
zum le z en Mal Abschied. Es wa schon uhig, wi sp achen übe P ag, übe die
Schlange on A bei slosen und übe eine lich e Zukun . Sie leb heu e do , wo
das Leben b odel , ich in Řepo á, wo alles Ohnmach , Diebe ei, Be ug, Hys e ie,
Unau ich igkei , Banausen um, Einsamkei , F emdhei und K ankhei is .]
Als Kocou ek an Lungen ube kulose e k ank e, gab e seinen Leh e be u au , zog sich
in die amiliä e Obhu seines Gebu so s B do zu ückzog, um do , be läge ig und mi
schwindenden K ä en, an seinem le z en Roman Zapadlí las enci 1932 zu a bei en, den
e inne halb kü zes e Zei beende e. D ei Wochen spä e , am 31. Mä z 1933, s a b Ko-
cou ek in seinem Familienhaus B do an den Folgen de Tube kulose (Skalička 1984: 61).
Kocou eks Poe ik en wickel e sich in meh e en übe lappenden Phasen und E appen
(Roman ik– Exp essionismus, Exp essionismus– Su ealismus; Dadaismus– Su ealis-
mus, Poe ismus– Na u alismus). Eine singulä e äs he ische und s ilis ische Dominan e
eine S ömung ode eines S ils läss sich in den Tex en de F ühphase nu kaum, ode
nu ech age und o sich ig kons a ie en. Kocou ek, de sein ganzes Leben in de
P o inz e b ach e, wa zwa on de unmi elba en küns le ischen En wicklung ab-
gescho e , wuss e sich abe die einschlägigen li e a ischen Zei sch i en und Büche zu
bescha en und wa dahe in de Lage, die En wicklungen de in den Zen en P ag und
B ünn sich kons i uie enden küns le ischen A an ga debewegungen ege mi zu e -
olgen und auch in seine li e a ischen A bei en zu übe üh en. Kocou ek en e n sich
in seinen nach 1930 en s andenen Tex en zusehends on de s a k om Exp essionis-
mus und Poe ismus gep äg en halluzina o ischen Bilde wel und läss die ‚Wi klichkei ‘
imme deu liche du chscheinen, indem e ealis ische und na u alis ische Elemen e in
seine A bei en in eg ie . In jene Zei wa Kocou ek be ei s als Minde hei enleh e ä ig
und sch ieb als unmi elba e Be o ene übe die in den G enz egionen he schende
A mu und Rücks ändigkei in sozialk i ischen Feuille onbei ägen, die z. B. in Lido é
no iny [Volkszei ung] e ö en lich wu den.7 Fü diese Bei äge e wende e e einen
exak -minu iösen, dokumen a ischen Repo age -S il, den e gleiche maßen mi Ele-
men en eines ly ischen Tagebuches e band. Die Kombina ion on ‚li e a u a ak a‘ und
au obiog aphische S ilisie ung leg e den G unds ein zu einem neuen poe ologischen
Ve ah en, das in Zapadlí las enci 1932 noch wei s ä ke zu Gel ung kommen soll e.
Nach seinem Tod ge ie en Kocou eks li e a ische A bei en schnell in Ve gessenhei
und wu den e s au die une müdliche P opagie ung Ji das hin in den 1960e Jah en
he ausgeben, wobei o allem die de Spä phase zugehö enden, sozialk i ischen Tex e
on de ma xis ischen Li e a u k i ik he o gehoben und die Tex e seine exp essio-
nis ischen und poe is ischen Scha ensphase ausgeklamme ode übe gangen wu den.
De küns le ischen Libe alisie ungspe iode de 1960e Jah e is es dahe wohl zu e -
danken, dass Kocou eks li e a ische Tex e de F ühphase, wie z. B. die No elle Žena
[Das Weib] (1968, 2000 [1929]) ode die on Ji da edigie en8 Auszüge aus Kocou eks
7 Eine Auswahl diese Bei äge e schien 1980 im Buch o ma un e dem Ti el: Zkonce s ě a [Vom Ende
de Wel ].
8 Ví Ond áček weis in seinem Bei ag in T a (2/2009) au die Eing i e, Auslassungen und Ve schö-
ne ungen on Ji da hin: Kocou ek äuße e sich in seinem Tagebuch exp essi und un e blüm übe
die Dinge, die im Wide sp uch zu seine Ins umen alisie ung als ‚p ole a ische ‘, ‚klassenbewuss e ‘
ode ‚kommunis ische ‘ Au o s anden, weswegen seine No a e on Ji da e was ‚be ich ig ‘ ode ‚ge-
95PATRIK VALOUCH
Tagebüche n, die un e dem bezeichnenden Ti el Ex áze [Eks ase] (1971) e schienen,
publizie wu den. Diese in eine aumha -deli iösen Sp ache e ass en Tagebuch-
ein äge zeigen au , wie ein junge Au o sein en beh ungs eiches Leben mi li e a i-
schen Mi el äs he isie en will, um aus de Kul u losigkei de P o inz auszub echen
und sich selbs sch i s elle isch zu p o ilie en. Das in einem p o okan - ebellischen
Ges us gehal ene Tagebuch Ex áze s ieß au g und seine melancholisch -mo biden
G unds immung, de auschha en En g enzungsphan asien und des expe imen el-
len S ils bei ielen jungen Küns le n, die on de kul u ellen und gesellscha lichen
‚No malisie ungs‘-Phase us ie wa en, au g oße Resonanz und a ancie e bald zu
einem iden i ä ss i enden ‚Kul buch‘.9
Nach 1989 wu de Kocou ek wohl au g und seine e mein lichen Regionali ä , seine
ideologischen A ini ä zum Kommunismus und seine on de ma xis ischen Li e a u -
wissenscha adie en Ka ego isie ung als ‚p ole a ische ‘ Au o au ein Abs ellgleis
ges ell .
10
Dennoch wu den die wei es gehend unpoli ischen Tex e seine F ühphase,
wie z. B. Žena (2000) ode S dce (2008), neu au geleg , ohne jedoch on de Li e a u -
k i ik besonde s beach e zu we den. E s die 2009– also pünk lich zu Kocou eks
100-jäh igem Jubiläum– neu e schienenen, e wei e en und im O iginallau belassenen
Tagebüche (Ma o Ma o Ma o… Deníky 1927–1932 [Ma a, Ma a, Ma a… Tagebüche
1927–1932]) zei ig en einen ungemeinen E olg und e hal en Kocou ek dazu, als ein
zwa eigenwillige , abe e ns zunehmende Au o de schechoslowakischen Mode ne
angesehen zu we den. 2021 e schienen soga seine im Al e on 16 Jah en e ass en
Ju enilien Jensen alilie / Mod á slečna / K áska [Jensen und Lilie/ Blaues F äulein/ Schön-
chen] in de Edi ions eihe „Sk y á mode na“ [Ve bo gene Mode ne] des Ve lagshauses
Ak opolis. Obgleich sich iele namha e schechische Küns le – da un e Au o en, Mu-
sike und Male – zu Kocou eks li e a ischem We k bekann en, seinen Ein luss au ih e
eigenen küns le ischen A bei en be on en und sich s a k ü dessen Popula isie ung
einse zen,
11
geling es Kocou eks Tex en nach wie o nich , eine b ei e e Lese scha zu
gene ie en. In den le z en Jah en we den Kocou eks Tex e nich meh ausschließlich
aus poli ische , sonde n aus li e a isch -äs he ische Hinsich beu eil , so bezeichnen
z. B. Ja omí Jech und E a Koudelko á Zapadlí las enci 1932 als ein „eigenwilliges, ein
du chaus o iginelles und mode nes We k [, als] einen expe imen ellen Roman, de sich
öllig in den Kon ex de Li e a u de 30e Jah e des 20. Jhd s. ein üg e“ [je s éby né
dílo, esk ze o iginální amode ní […] se jedná oexpe imen ální omán, k e ý zcela
zapadl do kon ex u li e á ní o by řicá ých le 20. s ole í] (Jech/ Koudelko á 2017: 80).
adegebogen‘ wu den (Ond áček 2009). Deshalb wa auch eine unzensie e Fassung on Kocou eks
Tagebüche n nö ig, die on Michal Ja eš he ausgegeben 2009 un e dem Ti el Ma o Ma o Ma o…
Deníky 1927–1932 [Ma a, Ma a, Ma a… Tagebüche 1927–1932] e schienen.
9 Die aszinie ende, ja, as hypno isie ende Wi kung dieses Tagebuchs is mi ande en bedeu enden
schechischsp achigen dia is ischen Tex en, wie z. B. mi denen on Ka el Hynek Mácha, Jiří O en,
Jan Záb ana, Pa el Ju áček ode Mi osla Macháček e gleichba .
10 Jose Kocou ek is bei wei em nich de einzige Fall, de mi eine solchen Repu a ion beha e zu sein
schein : Auch de im Ve gleich zu Kocou ek iel be ühm e e I an Olb ach wi d wohl au g und seine
dekla ie en kommunis ischen Übe zeugungen gegenwä ig nich meh neu au geleg , obwohl e eine
de bedeu enden Ve e e de schechischen Mode ne is .
11 Z. B. e schienen in den enommie en Li e a u zei sch i en Hos (3/2003), Sou islos i (1/2008) und
T a (2/2009) um ang eiche, on Ja omí Typl du chge üh e Um agen, in denen in un e schied-
lich langen Bei ägen zahl eiche Küns le übe ih e Begegnung mi dem Au o Kocou ek und dessen
Bedeu ung ü ih eigenes küns le isches Scha en sch ieben.
96 BRÜCKEN 29/2
2. AVANTGARDISTISCHE TECHNIKEN IN KOCOUREKS ROMAN
ZAPADLÍ VLASTENCI 1932
Zunächs sei de Plo des Buches ku z ekapi ulie :
De s a k au obiog aphisch gep äg e Roman bes eh aus zwei Teilen (1. Teil: Běženci
[Die Flüch linge], 2. Teil: Kcíli jedinému [Zum einzigen Ziel]) und wi d aus un e -
schiedlichen E zählpe spek i en geschilde (auk o iale, pe sonale, Ich- und Du-
Fo m), s ellenweise we den diese inne halb eines Absa zes ode soga eines Sa zes
gewechsel . De P o agonis Mikuláš Koukol is ein 21-jäh ige Male und Dich e ,
de als Minde hei enleh e an eine Bü ge schule im gemisch sp achigen no d-
mäh ischen S äd chen A nau anges ell is und seine F eizei zusammen mi seinen
Leh e kollegen (Honza Klíš, Míla Ba ošo á, Voj ěch Vlasa ý) und F eunden (Klema
Saxo á, D .Ma kl) in Wi shäuse n e b ing . Koukol e s ick sich in amou öse
Beziehungen, die en wede schei e n (Albína Heřmanská), ihn en äuschen (Saxo á)
ode pla onisch bleiben (seine Schüle in G e a). E bewande die umliegenden Be g-
dö e und empö sich übe die mise ablen Lebensbedingungen de Be ölke ung,
was zu seine poli ischen Radikalisie ung üh : e wandel sich zu einem nai en,
abe übe zeug en Anhänge des Bolschewismus, klag die Mino i ä enpoli ik des
schechoslowakischen S aa es und die Machenscha en de na ionalen Ein ich ungen
(Schulbehö de, Tu n e einigung Sokol, Na ionale Einhei ) an, die e ü die g as-
sie enden Misss ände e an wo lich häl . Koukols poli ische Agi a ion und seine
an i -bü ge liche Lebenshal ung (Alkoholexzesse, Liebscha en und Schulden) üh en
dazu, dass e ins soziale Absei s ge ä und in ein ‚ ein‘ deu sches Do namens Rašpa a
e se z wi d. Von den do igen deu schen Do bewohne n wi d Koukol ‚boyko ie ‘,
da e als schechische ‚Minde hei enleh e ‘ ü eine Bed ohung gehal en wi d. Tag-
äglich besuch Koukol das Nachba s äd chen A noš o , um do an wa me Mahlzei en
und in die Gesellscha seine ‚Landsleu e‘ zu kommen. Koukol und die junge Kellne in
Eliška Panklo á e lieben sich ineinande und beginnen eine heimliche Beziehung.
Als Eliška ungewoll schwange wi d, en scheiden sie sich ü eine Ab eibung. Da-
nach e kal e Eliškas Liebe zu Koukol, sie beginn ihn zu e ach en und zu meiden.
Koukol e einsam und e bi e , leb en beh ungs eich, hunge s ändig, mage
ab und e k ank schließlich an Tube kulose. In olge diese E k ankung muss e den
Leh e be u au geben und wi d beu laub , doch au de Rück eise in sein Heima do
ge ä e zu ällig in eine A bei slosendemons a ion und b ich do o zusammen.
Bei Zapadlí las enci 1932 handel es sich um ein hyb ides Romange üge, das die
he kömmlichen Gen eg enzen ansg essie , da es dispa a e Elemen e e ein : So
läss es sich z. B. eine sei s als ein an i -na ionale , die bolschewis isch - e olu ionä en
Ideale p eisende und dahe p ole a ische Roman lesen, de ü die polype spek-
i isch geb ochene Na a ion a an ga dis ische Ve ah ensweisen e wende (wie
die de Collage ode Mon age), ande e sei s weis die om P o agonis en Koukol
du chlau ene ‚L’Éduca ion sen imen ale‘ au einen au obiog aphisch ge ä b en En -
wicklungs- bzw. Küns le oman hin. Mi dem gewähl en Schaupla z de G enz egion
und de Thema isie ung de Na ionali ä sp oblema ik weis de Tex Gen eme kmale
des pa io ischen ‚Leh e omans‘ bzw. des schechischen ‚G enzland omans‘ au . Mi
den wechselnden poe is ischen, exp essionis ischen und na u alis ischen S ilebenen
läss sich de Roman in die T adi ion de Mode ne eino dnen und au g und de häu ig
97PATRIK VALOUCH
au e enden Mo i e Langeweile, Lebensübe d uss ode Absu di ä des Daseins lassen
sich Cha ak e s ika ablesen, die ihn in die Nähe des exzis en ialis ischen Romans
ücken. Fü Hein ich Kuns mann s ell Kocou eks Zapadli las enci 1932den „beme -
kenswe en Ve such [da ], ly isie e P osa mi Repo age -Elemen en zu e binden,
um einen neuen P osa yp zu en wickeln“ (Kuns mann 1974: 292). Ge ade au g und de
sozialk i ischen Themen, mi denen Kocou ek ehemen die Na ionali ä spoli ik de
schechoslowakischen Regie ung k i isie , wu de diese Roman in den 1960e und
1980e Jah en on de ma xis ischen Li e a u k i ik und -wissenscha als ein Pionie -
we k des „Soz -Realismus“ (Py lík 1963; Skalička 1984, 1985) gelesen und Kocou eks
gesam es Scha en nach äglich un e dem Pa adigma de P ole a ischen Li e a u
ein e p e ie und ekon ex ualisie . Allen o an wa de Li e a u his o ike Jiří
Skalička mi seine Monog aphie P ů odce ži o em adílem Jose a Kocou ka [Ein Be-
glei e du ch Jose Kocou eks Leben und We k] (1984)
12
bemüh , Zapadli las enci 1932
als einen Vo läu e des „dokumen a ischen p ole a ischen Romans“ [dokumen á ní
p ole ářský omán] zu deu en, de eine „einziga ige Syn hese on Poe ismus und
sozialis ischem Realismus“ [jedinečnou syn ézu poe ismus asocialis ického ealis-
mu] da s ellen soll (Vaníček 2010: 9). Wie is es jedoch zu e klä en, dass sowohl die
Li e a u k i ik als auch die Li e a u wissenscha da in übe eins immen, Kocou ek
habe einen ‚dokumen a ischen Repo age oman‘ e ass ?
Einen möglichen E klä ungsansa z lie e Radko Py lík, de in seinem Au sa z
Umění dí a se kolem sebe [Die Kuns , ingsumhe zu blicken] (1963) da au hinweis ,
dass de Roman in de „Fo m eines ly ischen Tagebuchs“ [psán o mou ly ického
deníku] e ass und dadu ch ims ande sei, „in ims e Zeugenscha “ [nejin imnější
s ědec í] zu sugge ie en, was dazu üh e, dass de Roman als „ein ungewöhnlich
au ich iges und schonungslos wah es Bekenn nis sich selbs und ande en gegen-
übe “ [azpo ědi neobyčejně upřímné abezohledné p a di ě ksobě ikos a ním]
ezipie und in e p e ie we den könne (Py lík 1963: 61). Kocou ek gelinge da übe
hinaus eine „emo ionale A mosphä e de Epoche und de Momen e“ [emocionální
a mos é u doby iokamžiku] (Py lík 1963: 62) zu e ozie en und e mi le somi ein
„Ge ühl d ama ische Spannung“ [[p]oci d ama ického napě í] (Py lík 1963: 62). Den
epo ageha en Cha ak e e zeuge eine „Technik de Mon age on Fak en und Do-
kumen en“ [s echnikou mon áže ak adokumen ů] (Py lík 1963: 61), wobei Py lík
jedoch zu übe sehen schein , dass ge ade die Ve ah ensweise de Mon age ebenso
das Gegen eil beweisen könn e: nämlich die Li e a izi ä , die epische Ges al ung und
Inszenie ung des o liegenden ( ak og aphischen) Ma e ials auszus ellen.13 Fü die
12 Bei Skaličkas Monog aphie handel es sich ungeach e de ak ibischen G undlagen o schung um eine
ideologisch e eng e und eduk ionis ische We ke schließung, die de Komplexi ä on Kocou eks
li e a ischem We k nich ge ech wi d.
13 Es is mi nich gelungen, zu e uie en und zu e i izie en, ob die on Kocou ek als Collage a angie en
Zei ungsauschni e a sächlich in di e sen schechoslowakischen Zei ungen e schienen sind, da in
Zapadlí las enci 1932 nich das Da um und nich übe all die Quellen ausgewiesen sind. Dass es sich beim
P o agonis en Koukol um einen leidenscha lichen Zei ungslese handel und e somi un e schiedliche
Zei ungen konsumie , zeig sich z. B. an olgende S elle: „[…] dnes yd žel nad no inami (Lido é
no iny, T o ba, Mo a ský se e , S ě so ě ů, Se e ní Mo a a, Země so ě ů, Rudé p á o, No ý deník
e c.) celá půldne, nep omlu il slo a, jen se smál.“ [heu e hiel e einen halben Tag übe den Zei ungen
aus (Lido é no iny, T o ba, Mo a ský se e , S ě so ě ů, Se e ní Mo a a, Země so ě ů, Rudé p á o,
No ý deník e c.), e sp ach kein einziges Wo , e lach e nu .] (Kocou ek 1982: 181)
98 BRÜCKEN 29/2
ma xis ische Li e a u wissenscha schein die F age nach de ‚Fak izi ä ‘ le z lich
eine zwei angige gewesen zu sein. Wich ige wa , dass de Roman seine ideologische
Au gabe e üll e– nämlich wegen de olgenden Punk e eine scha e Anklage gegen die
E s e Tschechoslowakische Republik zu ich en: a.) de (aus de heu igen his o isch -
k i ischen Pe spek i e wide sp üchlich und nach wie o kon o e s disku ie en)
Mino i ä enpoli ik, b.) de on den Kommunis en als ‚na ionalis isch‘ ode ‚chau inis-
isch‘ be ach e en Expansionspoli ik (‚Tschechisie ung‘) im deu schsp achigen Ge-
bie und c.) de im Roman ehemen angep ange en desas ösen Ve häl nisse in den
G enz egionen (ökonomische S agna ion und p o inzielle Rücks ändigkei au g und
de Wi scha sk ise, Massena bei slosigkei , Hunge epidemien, T unksuch , poli i-
sche Radikalisie ung, wechselsei ige Ressen imen s on Tschechen und Deu schen).
Au g und diese Themen wa es ein ach, Kocou eks Roman ü ideologische Zwecke
zu ins umen alisie en, denn spä es ens nach 1948 gal die E s e Tschechoslowakische
Republik als Gegen- und Feindbild de im Geis e des p ole a ischen In e na ionalis-
mus s ehenden sozialis ischen Gesellscha (Kon ád 2018: 338).
Dass Zapadlí las enci 1932 auch nach 1989 als ein ‚dokumen a ische ‘ Roman
klassi izie wu de, kann eine sei s da an liegen, dass die U eile de ma xis isch -
sozialis ischen Li e a u k i ik ungep ü übe nommen wu den, ande e sei s läss
die minu iöse Besch eibung de Landscha , die explizi e Nennung on empi isch
nachp ü ba en Realien14 und konk e en Da en den Eind uck zu, man lese eine sozio -
e hnog aphische S udie. Hin e den ex in e nen Figu en konn en unschwe die
eal -his o ischen Pe sonen– Kocou eks F eunde und Bekann e– e kann we den.15
Schon allein de P o agonis Mikuláš Koukol16 weis mi dem ealen Au o Jose Ko-
cou ek seh deu liche und s ellenweise soga iden ische Pa allelen au . Im Roman
bedien sich Kocou ek de selben S a egie de Au os ilisie ung seine Biog aphie, die
e be ei s in seinen Tagebüche n angewand ha e. Diese gab e Klassenkame adinnen
(und spä e en Gelieb en) zu lesen, da sie nich nu die sch i liche Fixie ung on all-
äglichen E eignissen, S immungen, T äumen, Liebesbekenn nissen, sonde n auch
Zeichnungen, g aphische Expe imen e, Lek ü eno a e, poe ologische Übe legungen,
Exze p e, Skizzen on li e a ischen Tex en ode Absch i en on B ie en beinhal-
e en. In Zapadlí las enci 1932 we den di e se Tex so en einmon ie und auch au
die eigenen li e a ischen Tex e e e ie : so zi ie e z. B. einen Auszug aus seinem
Poem F ý aldo [F eiwaldau] (1961 [1931]),17 das nich dem ealen Au o (Kocou ek),
14 Die in Zapadlí las enci 1932 genann en Toponyme lassen sich leich mi hil e de ealen O sbezeich-
nungen decodie en: A noš o (Mi o ), A nau (Šilpe k, bzw. heu e Š í y), Rašpa a (Řepo á), Lochenice
(Mohelnice), Sonnenbu g(Šumpe k), wei e e O e, wie z. B. Chi les (heu e K chleby na Mo a ě)
wu den soga ohne Ve schlüsselung belassen.
15 Kocou eks F eunde und Bekann en e kann en sich be ei s in seinen ühe en Tex en wiede , weshalb
in Zapadlí las enci 1932 die Namen on Ji da e schlüssel wu den: z. B. Jana P áglo á alias Klema
Saxo á, D .O aka Václa ík alias D .Ma kl, Anežka Slouko á alias Eliška Panklo á, e c.
16 In Exz áze un e sch ieb Kocou ek einige seine B ie e mi dem Pseudonym Koukol; auch auch diese
Name in de on Ji da edigie en Ve sion on Kocou eks Tagebuch au (Zmilos ného deníku Mikuláše
Koukola [Aus dem Liebes agesbuch on Mikuláš Koukol]), die 1961 in Se ien o m in de Zei sch i
Kul u a [Kul u ] e ö en lich wu de.
17 In diesem Poem e a bei e Kocou ek ein zum damaligen Zei punk ak uelles Thema– den P o es
a bei slose A bei e om 25.11.1931 in Jeseník [F eiwaldau], de gewal sam niede geschlagen wu de
und 8 Todesop e und 13 schwe Ve wunde e o de e. Auch ande e p ominen e linkso ien ie e Sch i -
s elle wie Ví ězsla Nez al und Julius Fučík haben diesem E eignis ein Gedich bzw. eine Repo age
99PATRIK VALOUCH
sonde n dem P o agonis en (Koukol) zugesch ieben wi d (Kocou ek 1982: 205). An
eine ande en S elle e weis die E zählins anz selbs i onisch au Kocou eks e s en,
s a k om Poe ismus beein luss en Roman S dce [Das He z] (1932, 2008 [1929]).
Je sladká noc; h ězdy se zapalují na pouhé okamžiky amíjejí. S a jiných naskočí po jejich
h obech, mohl bys soblohy sešk ába celé hřbi o y, už by nep omlu ily, sy y ozkoše.
Je sladká noc; ne opýři jí dá ají y mus a ón. Os a ní lze z ědě i zknihy SRDCE na
s .1–29, 37–219. (Kocou ek 1982: 164)
[Es is eine süße Nach : die S e ne zünden ü ein paa Augenblicke und schwinden
wiede . Hunde ande e sp ingen übe ih e G äbe , du könn es om Ho izon ganze
F iedhö e un e k a zen, sie wü den, lus gesä ig , kein Wo meh on sich geben.
Es is eine süße Nach ; die Flede mäuse geben ih den Rhy hmus und den Ton o .
Alles wei e e läss sich aus dem Buch DAS HERZ au den S. 1–29, 37–219 e ah en.]
Diese selbs i onische Kommen a lieg wah scheinlich da in beg ünde , dass Kocou-
ek zum E scheinungszei punk dieses Romans be ei s ande e poe ologischen P inzi-
pien e olg e und sein Debü dahe als un ei und übe hol ansah.18 Die me a ik ionale
Au o e e en iali ä e hil dem Roman zu eine T ansg ession de G enze zwischen
Fik ionali ä und Fak izi ä und e weis somi explizi au den palimpses a igen
Cha ak e des Romans, de un e schiedliche li e a ische Folien i onisie . Es handel
sich demnach um das Zusammenspiel on na a i en S a egien, die ak og aphisches
Ma e ial (z. B. his o ische und soziologische Realien) in einen ik ionalen Zusammen-
hang einbe en und Fik i es wiede um als k edibel inszenie en, wodu ch es zu eine
Au hen izi ä ssugges ion komm , die ebenjene au a isch -a mosphä ische Wi kung
e zeug , die iele Li e a u k i ike dazu e lei e , den Roman als eine ‚dokumen a i-
sche‘ bzw. ‚ epo ageha e‘ Da s ellungsweise de ‚Wi klichkei ‘ au zu assen.19
Die zahl eichen Fak izi ä ssignale e ozie en den Eind uck eine sozio -e hno-
g aphischen S udie, die mi me apho ische Plas izi ä das soziale Milieu und die Le-
benswi klichkei de Do be ölke ung in de G enz egion minu iös zu ep oduzie en
e such (z. B. Besch eibung de Landscha , de O e und Pe sonen, Nachbildung de
egionalen Sp echweisen de Figu en). Obwohl Koukols Schicksal im Vo de g und
s eh , is es nu eines un e ielen, die in Zapadlí las enci hema isie we den. Das
kul u elle Leben de G oßs äd e (also de ‚g oßen‘ Wel ) kennen die Do bewohne
allen alls passi aus abonnie en Zei sch i en, G oschen omanen ode gelegen lichen
Kinoau üh ungen. De Dich e Koukol leih diesen Bewohne n seine ‚S imme‘, indem
gewidme . E schienen sind diese li e a ischen Tex e gesammel im on Zdeněk Filip und Jiří Skalička
he ausgegebenem Themenband F ý aldo [F eiwaldau] (1971).
18 Die in Kocou eks Tagebuch e ass en (als B ie e an Máňa [Ma ie] Šolco á konzipie en) Ein äge ( om
29.08.1931) belegen, dass e s a seinem Roman S dce die Ve ö en lichung des ge ade e igges ell en
Romans Kalendář, němž se ob acejí lis y [De Kalende , in dem die Sei en umgeschlagen we den] ([1931],
1937, 1949) p ä e ie hä e (Kocou ek 2009: 501 .).
19 Zapadlí las enci 1932 is on ielen Li e a u k i ike n als eine A au obiog aphisch ge ä b e ‚Zeugen-
scha ‘ gelesen wo den. Einen solchen Rezep ionshinweis gib Milosla Ji da in de Vo beme kung zu
e s en Ausgabe on Zapadlí las enci 1932, in de e sch eib : „Zemřel, so a dopsal poslední slo a s ého
s ědec í.“ [E s a b, als e ge ade die le z en Wo e seine Zeugenscha niede sch ieb.] (Kocou ek
1961: 7)
106 BRÜCKEN 29/2
dass ein „Kind gezeug wi d, dass genauso blind, hil los und nich ig wä e wie seine
hässliche Mu e “ [„aby nebylo s ořeno dí ě, k e é by bylo s ejně slepé, bezmocné
anico né jako jeho oškli á ma ka“] (Kocou ek 1982: 110). De p o okan - ebellische
Ges us Koukols und seine une schü e liche poli ische Übe zeugung we den zwa
s ellenweise i onisch und pa odis isch du chb ochen, doch is de Roman in einem
Duk us e ass , de nich da an zwei eln läss , dass selbs ü den E zähle (in dem
man einen ei e en, abgeklä e en, sa kas ischen Koukol sehen könn e) ein e olu-
ionä e Ums u z zu Lösung de P obleme de schechoslowakischen Gesellscha
wünschenswe wä e. An eine ande en S elle misch sich Koukol in die Dikussion
zweie G oßkau männe ein: in seine leidenscha lichen A gumen a ion glaub
e die eak ionä e bzw. soga aschis oide Gesinnung de beiden en la zu haben,
wo au hin diese ehemen e suchen, ihm seine Illusionen übe die Sowje union
auszu eden, ihn dann abe au g und seine ene gischen Wide ede, en üs e als
‚schändlichen‘ Kommunis en desa ouie en.
A akhle mlu í! Člo ěče, o bych s ý dě i ačí podřezal, než ám je s ěřil na ycho á-
ní! Kam o spějeme, kam chceme dojí s ako ými, s ako ými… ne… ne… já nemám
slo … p o u hanebnos … (Kocou ek 1981: 139)
[Und so ede e ! Mensch, da wü de ich liebe meine eigenen Kinde abs echen,
be o ich sie Ihnen zu E ziehung an e aue! Wo üh das alles hin, wohin wollen
wi hingelangen mi solchen, mi solchen… nein…nein… ich habe keine Wo e…
ü diese Schande…]
Besonde s deu lich wi d die ideologische Aus ich ung des Romans in de Schluss-
sequenz, in de Koukol (de on seine Tube kulosee k ankung öllig en k ä e is
und be ei s deli ie ) au seine Heim eise in eine A bei slosendemons a ion ge ä
und im An üh e seinen F eund Lojza, einen ehemaligen Bus ah e , e kenn . Koukol
läu zu ihm, b ich zusammen, aus seinem Mund s öm Blu , doch Lojza häl ihn
„hoch übe die E de“ [ ysoko nad zemí] und seine A me sind „ as mü e lich wa m“
[sko o ma eřský eplé] (Kocou ek 1982: 254). Au diese Weise wi d Koukols o e Kö -
pe zu eine A doppelcodie en T ophäe ‚ anszendie ‘: zum einen als Mahnmal, da
Koukols Leiche ü ein en beh ungs eiches und en wü digendes Leben in den G enz-
egionen s eh , zum ande en als Symbol des T iumphs übe die bou geoisis ische Ge-
sellscha , die– in de bolschewis ischen Logik– ein zum Schei e n e u eil es und
nich lebens ähiges Gesellscha smodell is , das Pla z scha en soll ü eine im Geis e
des Kommunismus sich neu o mie ende p ole a ische Gesellscha . Koukol is au -
g und seine En emdung, seine In ellek uali ä und seine au odes uk i en Mo bi-
di ä noch iel zu indi idualis isch und dahe un auglich als An üh e eine g öße en
Masse. Doch de schlich e, s a ke, a k ä ige, seine Zukun ak i ges al ende Lojza
s ell den neuen ‚e wach en‘ Menschen ypus des P ole a ia s da und is mi seine
b achialen En schlossenhei iel e ek i e als Koukol mi seine e zwei el en und
le z lich e geblichen Agi a ion. Koukol s i b nich p i a in seinem Familienk eis
(be aue on seine leiblichen Mu e ), sonde n ö en lich und as iumphal in de
Menge eine A bei e demons a ion: Lojza, de zum poli ischen Selbs bewuss sein
e wach e P ole a ie , wi d ihm zu neuen, ös enden Mu e . Die le z en Wo e des
107PATRIK VALOUCH
Romans– „Auděláme jeden pochod!“ [Und wi machen einen Ma sch!] (Kocou ek
1982: 254)– künden dahe nich einen T aue -, sonde n ehe einen T iumphma sch
an, de – symbolisch übe höh – in eine e heißungs olle, kommunis ische Zukun
weis . Mi diesem Schluss kann man es hal en, dass Rais’ Na ionale E weckungsidee
on Kocou ek zwa dekons uie wo den is , jedoch du ch eine nich meh na io-
nalis isch, sonde n in e na ionalis isch gep äg e ‚E weckung‘ übe sch ieben wi d,
nämlich die des Beginns des p ole a ischen Klassenkamp s ü eine e mein lich
ge ech e e Gesellscha so dnung.
4. ZAPADLÍ VLASTENCI 1932 ALS TSCHECHISCHER
GRENZLANDROMAN?
Im zwei en Teil des Romans wi d Koukol aus de gemisch sp achigen Kleins ad
A nau in das ‚ ein deu sche‘ Do Rašpa a e se z . An diese S elle lohn sich ein
ku ze kul u his o ische Exku s: Nachdem sich 1918 die E s e Tschechoslowakische
Republik kons i uie ha e, wu de die Mino i ä enpoli ik zu einem en scheidenden,
s aa s agenden Fak o de innenpoli ischen S aa sbildung. In die G enz egionen
wu den on de schechoslowakischen Schulbehö de Minde hei enleh e [menšino ý
uči el] geschick , die als ‚Kul u a bei e ‘ eingese z wu den, um do ‚pa io ische
Au klä ungsa bei ‘ zu leis en.
27
Ein geeigne es Ins umen ü diese pa io ischen
Bes ebungen wa en die Minde hei enschulen, die ü eine schechische Minde -
hei im übe wiegend deu schsp achigen Gebie en einge ich e wu den. In diesen
Schulen wu den die Schüle in de S aa ssp ache Tschechisch un e ich e und on
den Leh e n im Zuge des neu einge üh en e p lich enden S aa skundeun e ich s
zu selbs bewuss en schechoslowakischen S aa sbü ge n e zogen (Šimáně 2019:
62). Einige His o ike weisen jedoch da au hin, dass diese Schulen nich ü eine
bes ehende Minde hei e ich e wu den, sonde n eine schechische Minde hei in
ielen O en des deu schsp achigen Gebie s ga nich exis ie e und e s ‚küns lich‘
e scha en we den muss e.
28
Fü Koukol sind die on o izielle S elle be iebenen
27 De Minde hei enleh e e sah in seinem Einsa zo nich nu eine Leh e unk ion, sonde n on ihm
wu de da übe hinaus e wa e , dass e auch Au gaben im kul u ellen, ökonomischen, sozialen und
poli ischen Be eich e üll e (Šimáně 2019: 143).
28 Zahl eiche, o allem on sude endeu schen His o ike n ange üh e S a is iken un e maue n die on
Kocou ek in seinem Roman hema isie en P ak iken: so sch eib z. B. Emil F anzel in Sude endeu sche
Geschich e (1958) empö : „Hand in Hand mi de Ze s ö ung des deu schen Schulwesens ging de Au bau
eines kos spieligen, de na ionalen E obe ung dienenden schechischen Schulwesens. […] Von e wa
1400 sogenann en Minde hei enschulen, die in de Tschechoslowakei e ich e wu den, wa en meh
als neun Zehn el schechische Schulen. Sie dien en keineswegs dazu, eine o handene schechische
Minde hei zu schü zen, sonde n woll en eine solche Minde hei übe haup e s scha en.“ (F anzel
1958: 340 .) (Die Aussagen we den jedoch allgemein gehal en und du ch keine nähe en De ails ode
S a is iken beleg .)
Rudol Fiedle be u sich au das on de Re olu ionsna ional e sammlung e abschiede e Min-
de hei engese z om 03.04.1919, das o sah, dass deu sche Schulen mindes ens 40 Kinde au weisen
muss en, um wei e hin bes ehen zu können. Fü die E ich ung schechische Schulen soll es hin-
gegen keine Mindes an o de ungen gegeben haben. (Gemein sein könn e jedoch auch das Gese z N .
189/1920 (03.04.1920), bekann als ‚Mino i ä engese z‘, bzw. ‚Lex Me elka‘). Fiedle sch eib übe die
P ak iken de Expansionspoli ik: „[…] so e ich e e man Schulen ü e schwindend kleine Zahlen
schechische Schüle , in Kal enb unn z. B. ü ün , in Zi ai ü sieben, in Zwolln ü neun usw. Hie
108 BRÜCKEN 29/2
Bes ebungen de E ablie ung eine schechischen Ein lusssphä e im deu schsp a-
chigen Gebie eine un e dem euphemis ischen Deckman el ‚pa io ische Volks ums
-
a bei ‘ sich ollziehende Expansionspoli ik, die da au abziel , das on den Deu schen
besiedel e Gebie ü die schechoslowakische Republik ‚zu ückzue obe n‘. Diese
‚Tschechisie ung‘ solle die Un e g abung de kul u ellen und sozialen Dominanz de
deu schen Be ölke ung bezwecken, die diese En wicklung mi Ve d ossenhei und
wachsende So ge e olg e. Die ohnedies niemals kon lik eie Beziehung beide
Na ionen ge ie du ch die Mino i ä enpoli ik zu einem noch zusä zlich e s ä k en
Spannungs e häl nis. In adikalisie en K eisen üh e es soga zu eine o enen Geg-
ne scha und mi anwachsendem Zulau au beiden Sei en in die na ionalis ischen
poli ischen Lage auch zu eine ekla an en Feindscha .
In Zapadlí Vlas enci 1932 wi d die Mino i ä spoli ik des schechoslowakischen
S aa es on Kocou ek e u eil und angep ange . In eine be ei s am Beginn des
Romans s ehenden Sequenz wi d de junge und noch une ah ene Koukol on seinem
e was äl e en Leh e kollegen Honza Klíš in die P ak iken de Schulpoli ik eingeweih ,
übe die e sich echau ie , sie abe als absu de Gegebenhei akzep ie , gegen die
au zubegeh en sich nich lohn .
P oč se am zakládají školy, ždyť am nemůže bý ani minimální poče českých
dě í?“– „Nemusí bý . S ačí, aby yze českém měs ě byl discipliná ně po es án
řebas poš mis , přeloží ho do německého území, má náhodou d ě dě i, aaby si o
nahoře sp a il, začne agi o a p o českou školu. Však se mu ypla í s či do podni-
ku pá ko un! Přemlu í d ě nebo ři indi e en ní odiny, sepíše se seznam pa nác i
dě í, ikdyby česky mlu ily p á ě jen y poš mis o y, předá se Ús ředí Ná odní
jedno y apo p ázdninách můžeš bý jis , že bude škola o e řena. Ve Schwa zwaldě
udělali školu p o ři dě i pana lesního aněkolik dře ařských odin, usedlých jen
na několik sezón. Byl am us ano en jakýsi Kalina, mladý kluk, mlu il jsem sním
nedá no. Když se po celodenním bloudění lesích dos al do esnice, omdlel úna ou.
wu de das Gebäude de deu schen Schule sam Leh e wohnung ü die schechische Minde hei sschule
beschlagnahm , die 43 deu schen Kinde de O schule muß en in einem Kelle aum un e ich e
we den.“ (Fiedle 1967: 85) De als geschich s e isionis isch gel ende Au o Ge d Schul ze -Rhonho
üh in seinem Buch Das schechisch ‑deu sche D ama 1918–1939 als Beispiel das in Mäh en gelegene
Do Te ešo [Te eschau] an, wo eine schechische Schule ü 16 Kinde e ö ne , abe eine deu sche
bes ehende Schule mi 31 Kinde n geschlossen wu de (Schul ze -Rhonho 2011: 115).
De Ju is und Publizis J. W. B ügel en k ä e in seine monumen alen Geschich ssch eibung
Tschechen und Deu sche 1918–1938 (Bd. 1) die pauschalisie ende Ve u eilung de schechoslowakischen
Minde hei enpoli ik und e weis da au , dass es in de Tschechoslowakei soga meh deu sche Schulen
gab als in Deu schland (B ügel 1967: 534 .).
Die jüngs en aus Tschechien s ammenden wissenscha lichen A bei en zum Thema de Minde -
hei enschulen äuße n sich iel o sich ige und wenige emo ionalisie end. Als Beispiel üh e ich
die Disse a ion on Michal Šimáně (2019) an, in de e u. a. sch eib : „Nejednoznačnos menšino ých
zákonů […] mohla és k omu, že pokusy ozřízení české školy jazyko é ě šino é německé oblas i
na ážely na pochopi elný odpo německé populace.“ [Die Uneindeu igkei de Mino i ä engese ze […]
konn e dazu ge üh haben, dass Ve suche de Ein ich ung eine schechischen Schule in meh hei lich
deu schsp achigem Gebie au e s ändlichen Wide s and de deu schen Be ölke ung s ieß.] (Šimáně
2019: 56).
Einen di e enzie en und dahe seh we ollen Bei ag lie e Mikuláš Z áno ec’ um assende S udie
De na ionale Schulkamp in Böhmen, wobei ich . a. au das Kapi el 7 e weisen möch e (Z áno ec 2021:
167–179).
109PATRIK VALOUCH
D uhý den se mělo yučo a . A u, když pá al po nějaké školní budo ě nebo mís -
nos i, ysmáli se mu. Pan lesní řekl, že o je jeho s a os . Když po dlouhém jednání
sehnali lokál hos inci, nebyla abule, nebyla jediná kniha nebo pomůcka. A eď
si předs a u slas opa řo a o šechno a aha na mís o dese hodin zdálené od
nejbližší zas á ky! A yučo a dě i, k e é česky nikdy nemlu ily azou ale se b ánily
nauči se několika ě ám ačíslicím! A en člo ěk am žil d a oky! Pak se ho začala
chy a ěžká melancholie adnes má do olenou. Ale ano, cíl byl dosažen, Ná odní
jedno a se e s é s a is ice jis ě nezapomněla pochlubi elikým úspěchem am, kde
by byl nikdy ne ěřila ná odní p obuzení. Že o odkašlal Kalina, na o se i každý
yplije. To je jeden případ zpadesá i, k e é znám já. Kolik jich bylo akolik jich ješ ě
bude! (Kocou ek 1982: 32 .)
[„Abe wa um we den do Schulen e ich e , da kann es doch nich einmal eine
Minimalanzahl on schechischen Kinde n geben?“– „Die muss es nich geben. Es
eich schon, dass beispielsweise in eine ein schechischen S ad ein Pos meis e
disziplinä bes a wi d, e wi d ins deu sche Gebie e se z , zu ällig ha e zwei
Kinde , und dami e es oben wiede ich e , beginn e ü eine schechische Schu-
le zu agi ie en. Es zahl sich aus, wenn e in dieses Un e angen ein paa K onen
eins eck ! E übe ede zwei ode d ei indi e en e Familien, man sch eib eine
Lis e mi ün zehn Kinde n au , selbs dann, wenn nu die beiden om Pos meis e
Tschechisch sp echen soll en, sie wi d de Zen als elle de Na ionalen Einhei
übe eich und nach den Fe ien kanns du siche sein, dass eine Schule e ö ne
wi d. In Schwa zwald haben sie eine ü die d ei Kinde des Fö s e s und ein paa
Holz älle amilien einge ich e , die sich nu ü ein paa Saisons niede gelassen
haben. Do wu de ein gewisse Kalina, ein junge Bub, hingeschick , o ku zem
hab ich mi ihm gesp ochen. Als e einen ganzen Tag in den Wälde n he umgei
wa und schließlich ins Do gelang e, b ach e o Müdigkei in Ohnmach zu-
sammen. Am nächs en Tag soll e un e ich e we den. Und als e nach i gendeinem
Schulgebäude ode einem Raum such e, lach en sie ihn aus. De Fö s e sag e, das
sei seine So ge. Als nach langen Ve handlungen ein Raum im Gas haus au ge ieben
wu de, gab es keine Ta el, gab es nich mal ein einziges Buch ode ein Hil smi el.
Und je z s ell di das Ve gnügen o , das alles zu bescha en und es an O und
S elle zu schleppen, wenn sich die nächs e Hal es elle zehn S unden wei en e n
be inde ! Und Kinde zu un e ich en, die nie Tschechisch gesp ochen ha en und
sich e zwei el dagegen weh en, auch nu paa Sä ze und Zahlen zu le nen! Und
de Mensch ha da zwei Jah e geleb ! Dann iel e in ie e Melancholie und is je z
beu laub . Abe ja, das Ziel wu de e eich , die Na ionale Einhei ha in ih e S a-
is ik nich e gessen, sich mi ih em g oßen E olg do zu b üs en, wo sie niemals
an eine Na ionale E weckung geglaub hä e. Dass sich Kalina da ü abgeschunden
ha , da um sche sich keine einen D eck. De is nu eine on ün zig Fällen, die
ich kenne. Und wie iele gab es schon und wie iele wi d es noch geben!]
Die Au gabe eines Minde hei enleh e s bes and da in, die im deu schsp achigen
Gebie ins allie en Minde hei enschulen zu behaup en, dami dieses ‚e obe e‘ Ge-
bie nich wiede zu ück in die ‚Ein lusssphä e‘ de deu schen Be ölke ung kam. E
muss e abe auch au eigene Ini ia i e bei den umliegenden schechischen Baue n ü
110 BRÜCKEN 29/2
Kinde ‚we ben gehen‘, dami seine Schule au ech e hal en und nich geschlossen
we den wü de. In Zapadlí las enci 1932 mach sich Kocou ek au , um bei den umlie-
genden schechischen Baue n Schüle ü seine Klasse einzuwe ben. Koukol muss
sich um die d ei Kinde de be ela men Säu e in Lejda ka bemühen, die e kenn ,
dass Koukol e p essba is und ihm d oh , die Kinde au eine deu sche Schule zu
schicken, alls Koukol ih die bislang s e s e olg e inanzielle Un e s ü zung en
-
ziehen soll e (was konk e bedeu e , dass Koukol Lejda ka bezahlen soll, dami sie
die Kinde in die schechische Schule schick ). Koukol s eck in einem doppel en
Abhängigkei s e häl nis: eine sei s is e au ih e Kinde angewiesen, denn ohne sie
wä e e nich meh in de Lage, seinen Be u auszuüben und wü de somi a bei slos
we den, ande e sei s dien ihm Lejda ka als Ve mi le pe son, um on den Deu schen
lebensno wendige Sachen (Nah ung und Möbel) e hal en zu können. Zum Un e -
schied on den ande en im deu schsp achigen Gebie wohnenden Tschechen, bekenn
sich Lejda ka s olz zu ih e He kun (Kocou ek 1982: 15). Ih Bekenn nis zum Tsche-
chen um ha ü sie alle dings p agma ische G ünde, denn ü diesen ‚Pa io ismus‘
kann sie inanzielle und ma e ielle Zuwendung om schechoslowakischen S aa
e hal en. Lejda ka e kenn die Sinnlosigkei und Absu di ä eine schechischen
Minde hei enschule in Rašpa a und e deu lich das mi den Wo en: „[…] bez oho
u je česká škola jenom p o blázny“ [die schechische Schule is hie sowieso nu ü
Ve ück e] (Kocou ek 1982: 157).
Au g und de Thema isie ung de Absu di ä diese Minde hei enschulen und de
in den G enz egionen aku en Na ionali ä sp oblema ik is es lohnenswe , da übe
zu e lek ie en, ob Zapadlí las enci 1932 sich in die Reihe de ‚G enzlandli e a u ‘
üg und die Me kmale des G enzland omans e üll . Michael Be ge e s eh un e
‚G enzlandli e a u ‘ die on g enzlanddeu schen Au o en e ass e Li e a u , die eine
na ionalis ische ode ga ölkische und assische Tendenz au weisen und u. a. be-
absich igen, den „slawischen Ve schlingungsd ang zu en la en“ (Be ge 1995: 265 .).
Ka s en Rinas plädie da ü , au das K i e ium de Tendenz zu e zich en und den
G enzland oman als eine „p imä inhal lich gep äg e Tex so e“ au zu assen und
un e G enzlandli e a u alle We ke zu subsumie en, de en Handlung im G enzland
angesiedel is und die den Na ionali ä enkon lik hema isie en (Rinas 2017: 308).
Rinas weis in seinen Au sä zen da au hin, dass sich endenziöse G enzlandli e a u
nich nu bei sude endeu schen, sonde n auch bei schechischen Au o en inde
29
und
dass nich alle Tex e zwangsläu ig na ionalis isch konzipie seien.30
29 F eilich gib es, wie Ka s en Rinas ode Jö g K appmann in ih en Au sä zen zu G enzlandli e a u
nachweisen, nich nu na ionalis isch - endenziöse Romane, sonde n auch Beispiele, in denen sich
die Au o en um ein einige maßen di e enzie es und ausgewogenes Bild de Na ionali ä skon lik e
bemühen: z. B.: R. M. Rilkes Zwei P age Geschich en (1899), Ka l Wilhelm F i schens Um Michelbu g
(1911) und F ied ich Boden eu hs Alle Wasse Böhmens ließen nach Deu schland (1937) (Rinas 2015: 291).
In einem wei e en Au sa z zeig Rinas au , dass es in de schechischsp achigen Li e a u Pendan s
zum sude endeu schen G enzland oman gab, die dieselbe endenziöse Hal ung aus spiegel e keh e
Pe spek i e au weisen (Rinas 2008).
30 An diese S elle soll jedoch auch angeme k we den, dass die G enzlandli e a u , so wie sie Be ge und
auch Rinas e s ehen, nich nu on suden endeu schen Au o en (aus dem G enzland), sonde n auch
on P age Au o en e ass wo den is – wie z. B. F i z Mau hne (De le z e Deu sche on Bla na, 1887)
ode R. M. Rilke (Zwei P age Geschich en, 1899).
111PATRIK VALOUCH
Hugo Ma ia K iz’ G enzland oman De Kamp um Eisenbu g (1934), de nahezu
zei gleich wie Kocou eks Zapadlí las enci 1932 en s and, zeichne sich eine sei s
„du ch Si ua ionskomik, sa i ische Übe zeichnungen und dialek alen Sp achwi z“ aus
(K appmann/Lahl 2017: 241), ande sei s du ch das Bemühen, ein di e enzie es Bild
de deu sch - schechischen Be ölke ung zu zeigen. Obwohl K iz’ Sympa hie ü die
Deu schen seh deu lich wi d, kann de Roman in den spannungsgeladenen 1930e
Jah en als ein „Plädoye ü ein gleichbe ech ig es und iedliches Zusammenleben“
(K appmann/Lahl 2017: 243) gelesen we den. Ungeach e de zu jene Zei g assie-
enden Massena bei slosigkei is das on K iz geschilde e Do – ähnlich wie in
Rais’ Roman– ein abgelegene , idyllische O de „ ohen So glosigkei “ (K iz 1934:
27), das on de Wi scha sk ise nich be o en zu sein schein .
De in P ag lebende Obe echnungs a An onin Poko ny31– ein ana ische Na io-
nalis , de die schlimms en Vo u eile gegen die Deu schen heg 32– glaub bei einem
zu älligen Ve such in Eisenbu g ein ‚Nes on Hoch e ä e n‘ au ges öbe zu haben
und se z dahe den Legionä en Vlas a Dub als Genda men ein, um die Do be ölke-
ung zu ‚sekkie en‘. Doch de Zusammenhal und die Solida i ä de Do gemeinscha
sind ungeb ochen– auch dank des gu mü igen und gewi z en jungen Baue n Fe dl
Neuho e , de sich on seinen beiden Wide sache n nich einschüch e n läss . Dub
e äll nach e geblichen Ve suchen, die Do gemeinscha zu p o ozie en, au die
Idee, eine schechische Wi we aus P ag mi zwei schulp lich igen Söhnen zu hei a en,
um on Eisenbu g ü eine Minde hei enschule zu agi ie en. Mi hil e on Poko ny
wi d die bes ehende deu sche Schule geschlossen (die deu schen Do kinde müssen
die Schule im Nachba do besuchen) und an ih e S elle eine schechische Schule
ü seine zwei S ie söhne einge ich e . Dennoch scha die Do gemeinscha es, den
S a us Quo wiede he zus ellen, weil eine sei s die deu schen Kinde au g und pe -
manen e Schnee e wehungen die Schule im Nachba do nich e eichen können,
somi die Vo mi age mi Schli en ah en e b ingen und dami die zwei neide üll en
schechischen Kinde dazu b ingen, de Schule e nzubleiben, ande e sei s weil de
aus P ag kommende Obe leh e sich in dem abgelegenen Böhme walddo ödlich
langweil und soga selbs den An ag au Schließung de Minde hei enschule s ell
(K iz 1934: 244 .). Le z lich läu alles au ein ‚Happy End‘ hinaus: Poko ny wi d wegen
Ko up ion e ha e , Dub in die T inke heilans al geschick und Fe dl und seine
B au Mizzi– eine deu sche Leh e in– sind wiede e ein , nachdem Fe dl on eine
31 Be ei s sein Nachname „poko ný“ (demü ig) e zeug einen sa i ischen E ek , denn Poko ny is alles
ande e als demü ig: e gib sich als ein hochmü ige , neu o ische und jähzo nige Mensch zu e kennen,
de z. B. on einem schwa z -gelb anges ichenen Pos kas en (die Fa ben de Habsbu ge mona chie)
empö is , da e da in ein Indiz ü eine bewuss e P o oka ion zu e kennen glaub und ihn soga als
‚Hoch e a ‘ de deu schen Do gemeinscha ausleg : „‚Übe haup Sie können sich keine Vo s ellung
da on machen, was ü Zus ände in diesen deu schen Nes e n he schen! Es is das eins e Deu sch-
ös e eich! […] Sie g ei en sich an den Kop , He Dok o , und agen sich e wi : Bin ich denn in de
Tschechoslowakei?‘ […] Das eins e Hoch e ä e pack, kann ich Ihnen sagen! F ech und un e schäm !
Als ob sie die He en im S aa e wä en!‘“ (K iz 1934: 49)
32 Be ei s zu Beginn des Romans we den Poko nys gehässige Aus älle gegen die Deu schen o engeleg :
„Übe haup – ekelha e Gegend [= das deu sche Do ], inde Poko ny. Und auch die Leu e sind unsym-
pa hisch. Alles Deu sche– doppel unsympa hisch! […] Alles, was deu sch is , is ihm zuwide . […]
Ebenso ha He Poko ny eine ie e Abneigung gegen alles Deu sche; und das wa nie ande s.“ (K iz
1934: 7) Die on Poko ny in e nalisie en Vo u eile gegen Deu sche inden sich an zahl eichen wei e en
S ellen (z. B. K iz 1934: 139–142).
112 BRÜCKEN 29/2
Ve wand en on Poko ny– de schechischen S äd e in mi dem bezeichnendem
Namen Lilli– e üh wu de und ih e wegen as zum ‚Dese eu ‘ gewo den is .
Kocou eks Zapadlí las enci 1932 g ei genau wie K iz’ Roman die Na ionali ä s-
p oblema ik au , zeichne abe das Spannungs e häl nis zwischen Deu schen und
Tschechen nich in einem ulkigen Schwank, sonde n mi anklagendem Sa kasmus,
wobei Kocou ek die Absu di ä de schechischen ‚Minde hei enschule‘ in einem ein
deu schen Do aus de Pe spek i e eines jungen schechischen Leh e s schilde . Die
Handlung und de Schaupla z in Zapadlí las enci 1932 spielen sich, ande s als in K iz’
Roman, nich in einem unmi elba bei de bay ischen G enze gelegenen Do im
Böhme wald ab, sonde n in de deu sch - schechischen G enz egion in No dmäh en.
Kocou ek bemüh sich eben alls um einen di e enzie en Blick au die Na ionali
-
ä sp oblema ik, wobei e mi keine Na ionali ä sympa hisie , sonde n– ganz de
Ideologie des bolschewis ischen In e na ionalismus e sch ieben– mi de om
Kapi alismus ausgebeu e en A bei e klasse. Das Feindbild sind also wede die sche-
chische noch die deu sche Be ölke ung, sonde n die Na ionalis en au beiden Sei en,
wobei sich Kocou eks K i ik o de g ündig an die schechischen Funk ionä e ich e .
Sowohl K iz’ als auch Kocou eks Roman hema isie en die Ideologisie ung de P esse
im Na ionali ä enkon lik . Wäh end Kocou ek Auszüge aus Zei ungsa ikeln collagie ,
die in einem mo alisie end -pa he ischen Ton die e mein liche ‚Ge manisie ung‘
des G enzlands b andma ken, zeig K iz in eine Sequenz, wie die Fab ika ion eines
solchen Na a i s zus ande komm : Poko ny und sein Un e gebene D .P acek dis-
ku ie en übe die Wi ksamkei on p o okan o mulie en Schlagzeilenen wü en
ü einen po en iellen Zei ungsa ikel, de ebenjene ‚Ge manisie ung‘ anp ange n
und die Op e olle de Tschechen bes ä ken soll (K iz 1934: 171).
Im e s en Teil on Zapadlí las enci 1932, de in de gemisch deu sch - schechischen
Kleins ad A nau spiel , begegnen sich die beiden Na ionen ag äglich, ih Ve häl nis
is wede on Hass noch Feindscha gep äg , sonde n wei gehend ied e ig und o-
le an . Koukols F eunde keh en nahezu jeden Abend in die Weins ube de Deu schen
Anna Ce na ein, wo sich egelmäßig auch die deu schen Bü ge de S ad ein inden.
Sie haben keine P obleme dami , ih e Bes ellungen au Deu sch au zunehmen und
auch Deu sche zu einem Ge änk einzuladen (z. B. Kocou ek 1982: 122). Im zwei en Teil
des Romans jedoch, wo de Schaupla z in das ‚ ein deu sche‘ Do Rašpa a und dessen
Umgebung e leg wi d, inden sich zahl eiche S ellen, in denen sich die Na ionali-
ä sp oblema ik in kon lik uösen Beziehungsge lech en mani es ie . De in Rašpa a
als Minde hei enleh e ä ige Koukol wi d on de deu schen Do gemeinscha als
ein unwillkommene Gas gesehen, dessen Anwesenhei zwa on o izielle S elle
gedulde we den muss, dessen In eg a ion abe in die Do gemeinscha unmöglich
gemach wi d.33 E wi d zu Zielscheibe des Unmu s und au e schiedens e Weisen
33 Im Nachwo (Uči elská lé a Jose a Kocou ka [Die Leh e jah e on Jose Kocou ek]) zu e s en Buchaus-
gabe on Zapadlí las enci 1932 sch eib Zdeněk Filip: „Kocou ek am [= Řepo é] na české menšino é
jedno řídce učí jen pě žáků, z oho ješ ě ři Němce. Na las ní oči idí nesmyslnou ak á koz akou
ná odnos ní poli iku české bu žoazie, k e á si ydupá á českou školu i čis ě německých obcích,
dosazuje am české úředníky azřízence (hajné, ces áře, lis onoše) apře ahuje do české školy idě i
německých odičů. Poznání sku ečných ná odnos ních pomě ů na se ě ní Mo a ě se Kocou ko i s á á
školu in e nacionalismu. P o i s é ůli je šak za aho án do maliche ných ná odnos ních po yček
azou ale pí cizo ou kolem sebe. Vněmecké škole ho nená idí a yhánějí ho od ud, e esnici mu
nech ějí p oda ani mléko.“ (Filip 1961: 288)
113PATRIK VALOUCH
‚boyko ie ‘: Koukol we den z. B. die Mahlzei en im Wi shaus e weige (Kocou-
ek 1982: 151), auch de Kau ägliche Lebensmi el, wie z. B. Milch (Kocou ek 1982:
171) ode jegliche wei e e Geb auchsgegens ände (Kocou ek 1982: 158). Es auchen
e meh nega i e Da s ellungen on Deu schen au , wobei die Besch eibungen au
bekann e S e eo ypisie ungsmus e eku ie en. Konk e we den d ei Figu en mi
nega i en Eigenscha en ausges a e : 1.) de Baue namens Mülle , de als eich und
habgie ig cha ak e isie wi d, 2.) de Baue Schimunek, de als übe zeug e Na iona-
lis in E scheinung i , ein s a kes Ressen imen gegen die Tschechen als Volk heg
(Kocou ek 1982: 224 .) und soga die Bezeichnung „Hakenk euzle “ [hakenk ajcle ]
(Kocou ek 1982: 225) e häl , 3.) de Gas hausbesi ze Winkle , ein P agma ike und
Mi läu e , de aus Angs , seine S ammkunden (Mülle und Schimunek) zu e lie en,
Koukol die Mahlzei en e weige (Kocou ek 1982: 151). Kocou ek skizzie jedoch auch
im zwei en Teil eine po enzielle Annähe ung zwischen Deu schen und Tschechen,
die sich abe nich als zukun s ähig e weis (z. B. Koukols Leh e kollege Lo enz).
Die Kommunika ion zwischen Koukol und Lo enz ollzieh sich in einem komisch
wi kenden Kaude welsch aus Deu sch und Tschechisch (mi anzösischen und us-
sischen Einsp engseln):
„Já ne špa ný chlap, He Kolege… já ím, moc pí . Ala san é! F ühe seh wenig… Já
mí dob á žena… seh gu e F au, aimable, aimable… já dě i moc ád, žena nic, nikdy
nic. Koupi Mo o ad, Radio, pes, niče o. Tolko dě i, meine F au niče o. Ich bin seh
au ige Mensch, He kolego, inken Sie mi , ala san é!“ (Kocou ek 1982: 238)
Du ch das ein ache Gesp äch nähe und e au e gewo den, laden Lo enz und seine
F au Koukol zum äglichen Mi agessen in ih e Wohnung ein. Koukol ha diese Mahl-
zei bi e nö ig, da e ku z da o s eh , sich un eiwillig zu Tode zu hunge n, wes-
wegen e sich bisweilen mi selbs i onischem Galgenhumo als Mä y e ü die pa-
io ische Sache de Tschechen bezeichne (Kocou ek 1982: 243). Nachdem alle dings
de Bü ge meis e und Schimunek on diesen Ve aulichkei en e ah en, s ellen sie
Lo enz ein Ul ima um: e solle Koukol, de üb igens nich mi Namen, sonde n nu
als de „ on nebenan“ [ omu edle] (Kocou ek 1982: 243) bezeichne wi d, nich meh
will äh ig sein, sons d ohe ihm de Ausschluss aus de Do gemeinscha , was ü
Lo enz einem Exis enz e lus gleichkäme, denn als deu sche Leh e hä e e wegen
de Wi scha sk ise ande swo keine ealen Jobchancen (Kocou ek 1982: 243). Koukol
bemüh sich um eine übe na ionale Ve s ändigung und s empel keine Na ion zu
einem Feindbild. Meh noch: die Animosi ä en und die Ressen imen s de deu schen
Be ölke ung, mi denen Koukol kon on ie wi d, sind ü ihn nach ollziehba , da
e sich bewuss is , Rep äsen an eines die Deu schen benach eiligenden Sys ems
[Kocou ek un e ich e do [= in Řepo á] in eine Klasse de schechischen Minde hei enschule nu
ün Schüle , da on sind d ei soga Deu sche. E sieh mi eigenen Augen die sinnlose und ku zsich ige
Na ionali ä enpoli ik de schechischen Bou geoisie, die auch in ein deu schen Dö e n schechische
Schulen e ich en will, do schechische Beam e und Am sdiene (Fö s e , S aßenwä e , Pos bo en)
einse z und Kinde deu sche El e n auch in die schechische Schule hinübe zieh . Die E kenn nis de
ealen na ionalen Ve häl nisse in No dmäh en wi d ü Kocou ek zu eine Schule des In e na ionalis-
mus. Gegen seinen Willen wi d e jedoch in kleine na ionale Scha mü zel hineingezogen und leide
e zwei el un e de En emdung um ihn he um. In de deu schen Schule wi d e gehass und on
do e ieben, im Do will man ihm nich einmal Milch e kau en.]
114 BRÜCKEN 29/2
zu sein. Die Schulbehö de bezich ig ihn des mangelnden Engagemen s ü die ‚na-
ionale Sache‘ und s u ihn als unzu e lässigen und zu passi agie enden ‚Pa io en‘
ein, wo ü e Tadel übe sich e gehen lassen muss (Kocou ek 1982: 212 .). In seine
ideologisch e eng en Wah nehmung denunzie Koukol die schechoslowakische
‚Demok a ie‘ als e logen und e b eche isch und mach sie ü den g assie enden
Na ionali ä enkon lik und die mise ablen Lebensbedingungen in de G enz egion
e an wo lich (z. B. Kocou ek 1982: 111).
Koukol ühl sich um seine Jugend und sein Talen be ogen, die e ü ein dubio-
ses Ziel au geop e ha . De Eind uck, ein elendes, geschei e es und de o mie es
Leben zu üh en, die bi e e E kenn nis, eine e geblichen Tä igkei nachzugehen
und das s ändige Wa en au E eignisse, die sich nich eins ellen, zeigen Koukol als
einen ze issenen, mi sich hade nden Menschen, de au eine ie e Exis enzk ise
zus eue . Wei e hin bes eb , gegen die Unge ech igkei anzukämp en, muss e bald
seine poli ische Ohnmach ane kennen. Um die eigene F us a ion und den sozialen
D uck zu kompensie en, lüch e e in übe mäßigen Alkohol- und Niko inkonsum,
in die des uk i en Ve s ickungen des Sexus und in Augenblickseks asen de Kuns .
In einem auschha en P äsenzemp inden en g enz e Unmi elba kei du ch den
küns le ischen Scha ensd ang kann e ku zweilig eine idealen, ealisie en Ve sion
seine Exis enz habha we den und aus de quälenden Re lexion übe die sinnen -
lee e Mono onie seines Lebens ausb echen. Koukols umgebende os lose Landscha
in seine düs e en Fa benskala is ü ihn eine odgeweih e E de, die e me apho isch
mi Bilde n de Lee e und des Todes an eiche . Die übe ihn schließlich he einb e-
chende Tube kulosee k ankung emp inde e als eine A pe e se ‚E lösung‘, da sie
ihn zwa aus seinem e hass en Be u be ei , abe nu um den P eis seines eigenen
Lebens. Dep ession, Lebensübe d uss, Ve zwei lung, das Emp inden on Lee e und
Absu di ä des Daseins ücken Kocou eks Roman in die Nähe des P ä -Exis en ialismus,
wie auch Vladimí Papoušek in eine in Dějiny no é mode ny [Die Geschich e de neu-
en Mode ne] (2014) e ö en lich en S udie übe Zapadli las neci 1932 a gumen ie .
E e weis da au , dass es sich bei diesem Roman um meh als nu die Da s ellung
eine bes imm en Region ode de Beziehung on Tschechen und Deu schen in de
böhmisch -deu sch -mäh ischen G enz egion handel , denn de Roman sei ielmeh
noch ein „Dokumen des ließenden Lebens“ [dokumen plynoucího ži o a] und ein
„exis en ielles Tagebuch“ [exis enciální deník] (Papoušek 2014: 164 ). Die S ä ke dieses
Romans sieh Papoušek in de eind ucks ollen Abbildung eine e s a en Wi klich-
kei und de „unmi elba en exis en iellen Re lexion on Objek en, Menschen, Si u-
a ionen und de Sp ache“ [bezp os řední exis enciální e lexí objek ů, lidí, si uací či
řeči] (Papoušek 2014: 164 ).
5. FAZIT
Zusammen assend sei es gehal en: Jose Kocou ek en wi in seinem Roman Zapadlí
las enci 1932 ein a mosphä isches Po ä de deu sch - schechischen G enz egion
in den beginnenden 1930e Jah en mi den ypischen P oblemen de do ansässigen
Be ölke ung. Au g und de im Roman da geleg en scha en K i ik und seine ideo-
logischen De e minie hei wu de de Roman on de ma xis ischen Li e a u wis-
senscha zu einem ‚p ole a ischen‘ Roman ins umen alisie . Kocou ek hema isie
115PATRIK VALOUCH
die b ennend ak uelle, lange Zei e schwiegene und nu schleppend au gea bei e e
P oblema ik des Na ionali ä enkon lik s zwischen Tschechen und Deu schen.
Es handel sich um einen ielschich igen und ace en eichen Tex , de die Gen e-
g enzen übe sch ei e und un e schiedliche Lesa en anbie e : li e a ische Repo -
age oman, Küns le - und En wicklungs oman, pa io ische ‚Leh e oman‘ ode
G enzland oman. Zudem handel es sich um ein in e ex uelles Gewebe, das adie e
li e a ische Folien i onisie , pa odie , sa i isch übe höh und mi einem eigenen
Na a i kon e ka ie . Die Besonde hei en dieses Romans liegen– ungeach e de
p o inziellen En s ehungsbedingungen– in den a an ga dis ischen Ve ah ens-
weisen (Mon age und Collage), de meh achkodie en, zwischen un e schiedlichen
S il egis e n oszillie enden Sp ache und in de appie end o iginellen g aphischen
Ges al ung.
QUELLEN
Kocou ek, Jose (1961 [1933]): Zapadlí las enci 1932 [Die wel abgeschiedenen Pa io en 1932]. P aha:
Mladá on a.
Kocou ek, Jose (1982 [1933]): Zapadlí las enci 1932 [Die wel abgeschiedenen Pa io en 1932]. Os a-
a: P o il.
Kocou ek, Jose (2009): Ma o Ma o Ma o. Deníky 1927–1932 [Ma o Ma o Ma o. Tagebüche
1927–1932]. P aha: Dauphin.
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