Tomáš Ga igue Masa yk
und die deu sch- schechischen Beziehungen:
einige Beme kungen zu einem al en Thema
Jakub ákosník
KEYWORDS:
Czechoslo akia— In e wa Pe iod— Na ionalism— T.G.Masa yk— Ge mans
Rückblickend e schein uns die na ionale Iden i ä no male weise kla gegeben, je-
mand is Tscheche, ein ande e wiede um Deu sche .1 Im Raum de Habsbu ge Mo-
na chie de zwei en Häl e des 19.Jah hunde s, in die Tomáš Ga igue Masa yk 1850
hineingebo en wu de, wa en die Ka en jedoch nich so eindeu ig e geben. E s ens
wu de die gemeinsame, wenn auch seh age „ös e eichische“ Iden i ä , die die ein-
zelnen egionalen und e hnischen Iden i ä en un e einem Dach e ein e, on eine
nich zu e nachlässigenden Anzahl an Einwohne n ge eil , da übe hinaus noch aus
höhe en Ve mögens- und Bildungsschich en.2 Zwei ens wa die En scheidung, ob je-
mand Deu sche ode Tscheche wu de, o eine F age de p agma ischen Wahl und
nich ein Ru on „Blu und Boden“. Eine so uneindeu ig de inie e Iden i ä wa auch
Masa yk in die Wiege geleg wo den. Sein Va e wa ein „unga ische Slowake“, seine
Mu e eine deu schsp achige Mäh in.3 Die Obe schule besuch e e in B ünn und
Wien. Die meis en seine Leh e wa en Deu sche. Wäh end seine Hochschuljah e
in Wien e dien e e sich Geld als E ziehe in eine deu schen Familie dazu. Seine ge-
sellscha lichen Kon ak e be a en damals sowohl das Um eld de Wiene Deu schen
als auch seine schechischen Landsleu e. E konn e au Tschechisch Vo lesungen
hal en, doch e sch ieb in de Regel deu sch. Seine ühen, schechisch e ass en
A ikel muss en in de Regel g amma isch ko igie we den. Von Wien aus ging e
an die damals be ühm e Uni e si ä Leipzig. Und auch in seine Lek ü e übe wo-
gen deu sche Au o en. Kenn nisse de böhmisch- schechischen Geschich e und de
gesellscha lichen Ve häl nisse in Böhmen eigne e e sich e s nach äglich an. Nu
schwe lich wü de man einen ypische en Ve e e eines mi eleu opäischen jungen
Geleh en inden, als Masa yk es wa .4
1 Diese Tex en sand u sp ünglich als Vo ag, de am 30.Ok obe 2019 in Bad Schandau
im Rahmen 21.Tschechisch-Deu schen Kul u age gehal en wu de.
2 Zum Thema Iden i ä aus de neue en Li e a u gl. Ta a Zah a, Kidnapped Sould: Na io-
nal Indi e ence and he Ba le o Child en in he Bohemian Lands 1900–1948, New Yo k
2008; Pie e Judson, The Habsbu g Empi e: ANew His o y, Camb idge–London 2016.
3 Jan He ben, Chudý chlapec, k e ý se p osla il, P aha 1948, S.11.
4 Jose Polišenský, Česko-německá o ázka do Masa yko a příchodu do P ahy. In: Koloman
Gajan (ed.), T.G.Masa yk a z ahy Čechů aNěmců 1882–1937, P aha 1997, s.8–9.
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Jakub ákOSník 43
Wie man sieh bes imm en ihn seine He kun und seine ühe Ka ie e in nich s
dazu, spä e zum An üh e de schechischen na ionalis ischen Bewegung zu we -
den. Bis heu e wi d das Thema „Masa yk und de Na ionalismus“ un e His o ike n
nich eindeu ig in e p e ie .5 Und auch zu seinen Lebzei en wa dies nich ande s.
Ansich en zu seine Pe son gab es seh un e schiedliche. Ein Ex em s ell das Bild
Masa yks als eines schechischen Chau inis en und Ve ä e des eigenen humani ä-
en Ideals da . Das en gegengese z e Ex em besch eib Masa yk als einen ge ügigen,
unwü digen Diene de Deu schen.6 In meinem Vo ag schließe ich mich keine die-
se Ansich en an. Ich e suche, Masa yk als einen gemäßig en Poli ike da zus ellen,
de sich bemüh e, eine lebens ähige Fo m des Zusammenlebens on Deu schen und
Tschechen in einem gemeinsamen Raum als Al e na i e zu eine Assimila ion ode
eine e hnischen Säube ung zu scha en.
Masa yks Ansich en wa en nich imme öllig kohä en . Und das wu de ihm
o übelgenommen. Doch wieso? Es wu den Aussagen e glichen, die e mi ie zig
Jah en als cislei hanische Opposi ionspoli ike geäuße ha e, diese we den dann
mi den Aussagen eines ei en Siebzigjäh igen und P äsiden en des schechoslowa-
kischen S aa es kon on ie . Gedanken exis ie en nich in i gendeine Rein o m
auße halb eine konk e en poli ischen Reali ä . Deshalb wi d diese Vo ag auch
in d ei Teile gegliede sein, und ich we de on d ei Männe n sp echen: on Masa-
yk als Opposi ionspoli ike zwischen 1890 und 1914, on Masa yk als ausländischem
schechischen An üh e und spä e de schechoslowakischen an iös e eichischen
Bewegung aus den Jah en 1915 bis 1918 und abschließend on Masa yk als P äsiden
des schechoslowakischen Na ionals aa es in den Jah en 1918 bis 1934. Jede diese
d ei Masa yks leg e Vo schläge ü das Zusammenleben on Deu schen und Tsche-
chen und wei e e Völke im mul ie hnischen Raum Mi eleu opas o . Und jede
a dies in einem öllig ande en geopoli ischen Kon ex , un e öllig un e schied-
lichen Ve häl nissen de Innen- und Außenpoli ik. Ich bin Sozialhis o ike , und uns
Sozialhis o ike in e essie en diese Kon ex und die äuße en De e minan en des
menschlichen Handelns no male weise wei aus meh als das, was ein bes imm e
Ak eu denk und sag .
MASARYK ALS CISLEITHANISCHER OPPOSITIONSPOLITIKER
Als Masa yk ak i in die Poli ik ein a , dach e e zusammen mi seinen Wegge äh -
en so g äl ig da übe nach, au welche Sei e e sich schlagen solle. Wenngleich die
Al schechen mi ih em kul i ie en S il des poli ischen Handelns Masa yk nähe
s anden, wa ih S e n an de Wende de ach zige und neunzige Jah e des 19.Jah -
hunde s be ei s au dem abs eigenden As , die Füh ungs olle übe nahmen die
5 Siehe auch Jakub Rákosník— Ma ěj Spu ný— Jiří Š ai , Milníky mode ních českých
dějin: K ize konsenzu alegi imi y le ech 1848–1989, P aha 2018, s.115–118.
6 Zu Meh deu igkei des Na ionalismus Masa yks gl. Eyal Lewin, Na ional Resilience du-
ing Wa : Re ining he Decision-Making Model, New Yo k 2012, S.68–71.
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Jung schechen.7 Deshalb schlug sich Masa yks G uppe, die sog. Realis en, wie sie
sich selbs besch ieben, au die Sei e de Jung schechen, auch wenn de populis i-
sche S il ih es adikalen libe al-na ionalis ischen Flügels ihm nich ganz zusag e.
Die Kon on a ionspoli ik de Pa ei üh ung b ach e ihn schließlich nach zwei Jah-
en dazu, sein Abgeo dne enmanda im Jah e 1893 niede zulegen und aus de Pa ei
auszu e en.
E selbs be ach e e zwa damals die Klä ung de deu sch- schechischen Bezie-
hungen noch nich als P io i ä , o zdem abe widme e e diesen— un e Be ück-
sich igung ih e s eigenden Wich igkei im poli ischen Leben Cislei haniens— keine
ge inge Au me ksamkei .
E s ens wa da de außenpoli ische Kon ex . Ös e eich ha e sei 1879 eine Mili-
ä allianz mi Deu schland. Den D eibund, wie diese Allianz genann wu de, lehn e
Masa yk daue ha ab und k i isie e ihn. E hiel ihn ü die Habsbu ge Mona chie
als schwäche en Pa ne ü ge äh lich. Wenngleich e aus Bisma ck das Bild eines
ypischen deu schen Impe ialis en e s spä e schu , e s wäh end des E s en Wel -
k ieges, e s and e be ei s in den 90-e Jah en den D eibund als Ins umen de
eichsdeu schen Hegemonie im mi el- und südos eu opäischen Raum, wie seine be-
kann e Pa lamen s ede om 14.Juni 1893 beleg .8
Zwei ens handel e es sich um eine Regelung de Ve häl nisse zwischen Deu schen
und Tschechen im Rahmen de böhmischen Lände . Hie s ießen zwei un e söhn-
liche He angehensweisen au einande : das his o ische S aa s ech , das konsensuell
on de schechischen Poli ik e och en wu de, und die na u ech liche Konzep-
ion des Rech s au Selbs bes immung, die on den Deu schen in Böhmen e e en
wu de. Wie de His o ike Jiří Kořalka ich ige weise beme k e, konn e es sich die
poli ischen Pa eien, die sich nich selbs zu absolu e Bedeu ungslosigkei im Rah-
men de damaligen schechischen poli ischen Szene e u eilen woll en, nich e -
lauben, das his o ische S aa s ech zu leugnen.9 Dessen wa sich Masa yk nu allzu
gu bewuss . Deshalb be ach e e e das his o ische Rech als Fak und äuße e sich
liebe nich wei e dazu, was ü die Si ua ion cha ak e is isch wa , weil e leich in
die B edouille hä e ge a en können. Als e nach 1900 ein eigenes poli isches Subjek ,
die Volkspa ei, g ünde e, wich e in den d ei Vo k iegsp og ammen de Pa ei die-
sem Thema elegan aus.
Masa yk wa zwei ellos bes eb , einen Mi elweg zwischen den Fo de ungen
de schechischen Na ionalis en, die jegliche S ö ung de In eg i ä de böhmischen
Lände ablehn en, und den adikalen deu schen Sepa a is en, die im Ex em all
nach eine ölligen Abspal ung de übe wiegend deu schen Gebie e s eb en, zu in-
den. Ich meine, das konk e e Aussehen seine damaligen Lösungs o schläge ü die
deu sch- schechische F age sind wenige wich ig als die A und Weise, au die e
dieses Ziel e eichen woll e.
7 Wei e siehe Ma in Kuče a, Fúze „ ealis ů“ smladočechy na konci oku 1890, Český
časopis his o ický 93, 1995, No.4, S.591–645.
8 Ma in Kuče a, OT.G.Masa yko i a akousko-německé poli ice. In: Koloman Gajan (ed.),
T.G.Masa yk, S.16–17.
9 Jiří Kořalka, Češi habsbu ské říši a E opě 1815–1914, P aha 1996, S.253–265.
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Jakub ákOSník 45
De konk e en Fo m eines Na ionali ä enausgleichs widme e e sich o allem
wäh end de zwei en Häl e de 90-e Jah e. Es is o ensich lich, dass e be ei wa ,
den böhmischen Deu schen in ielen Dingen en gegenzukommen und den u sp üng-
lichen Gedanken aus de e s en ös e eichischen Ve assung, de sog. Pille sdo -
Ve assung aus dem Jah e 1848, zu akzep ie en, die mi de Möglichkei au onome
Bezi ke echne e. In diesem Sinne kons a ie e Masa yk auch im Jah e 1896: „Was
Böhmen (Mäh en, Schlesien) b auch , is keine locale Decen alisa ion, sonde n
Selbs e wal ung mi einem gewissen Ausmaß on Au onomie. Wenn ich on Au o-
nomie sp eche, so meine ich dami nich bloß eine Au onomie des Landes, sonde n
eben de kleine en Ve wal ungsgebie e des Landes; die Au onomie des Landes— und
da in haben wiede um die Deu schen ech — könn e seh leich eine e s ä k e
Cen alisa ion sein, und da um müss en auch die K eise mi einem en sp echenden
Ausmaß on Au onomie ausges a e sein.“10
Wie ich be ei s beme k habe, so is wich ige als die Akzep anz eine Fo de ung
nach einem hohen Maß an Au onomie kleine Gebie seinhei en, die dem Deu schen
en gegengekommen wä e, die Me hode, mi de man diesen Na ionali ä enausgleich
e eichen woll e. Masa yk glaub e damals, eine Ve söhnung de Na ionali ä en lasse
sich einzig und allein du ch einen s ändigen gegensei igen Ausgleich e eichen,
Sch i ü Sch i , au de G undlage ila e ale Vo eile. Diese d ei Pa eien wa-
en: Tschechen, Deu sche und die ös e eichische Regie ung. Eine solche Pe spek i e
lehn en jedoch die jung schechischen Radikalen ab, deshalb ge ie Masa yk, als e
noch Mi glied de Pa ei de Jung schechen wa , wiede hol mi ihnen in Kon lik .
Die jung schechischen na ionalen Radikalen e a en die Ansich , ein schechische
Poli ike solle die schechischen na ionalen In e essen e e en, denn die Tsche-
chen hä en die Meh hei in den böhmischen Lände n und zusammen mi ande en
slawischen E hnien auch die Meh hei in Cislei hanien.11 Deshalb müss en die Tsche-
chen nich e handeln, sonde n o de n. Sie zogen jedoch nich in Be ach , dass die
Un e s ü zung des schechischen P og amms ü die Polen ak isch nich on Vo -
eil und im Rahmen Cislei haniens den ela i wenig zahl eichen Südslawen ech
gleichgül ig wa .12
Diese Kon on a ionss il de Poli ik, de on de poli ischen Pa ei e olg
wu de, die un e den schechischen Pa eien die s ä ks e wa , ie selbs e s änd-
lich Spannungen he o , nich nu mi Masa yk als einem Mann des Komp omisses,
sonde n auch mi de Regie ung und de gesam en poli ischen Rep äsen a ion de
ös e eichischen Deu schen. Auch de spä e e ehe gemäßig e Ansa z de Jung sche-
chen in eine Ä a, in de sich die Tak ik de sog. posi i en Poli ik du chse z e, als
Masa yks ühe e Mi a bei e Jose Kaizl und Ka el K amář an die Spi ze de Pa ei
10 Zi ie on Jana Malínská, Masa yků pohled na z ah Čechů aNěmců jeho článcích e
ídeňském isku. In: Češi aNěmci poje í apoli ice T.G.Masa yka, P aha 2004, S.83.
11 Zu den P oblemen de s a is ischen Volkszählung gl. Pa el Kladiwa, Ná odnos ní s a is-
ika českých zemích 1880–1930: mechanismy, p oblémy adůsledky ná odnos ní klasi i-
kace, Os a a— P aha 2016.
12 Ma in Kuče a, Předpoklady k ys alizace Masaa yko a poje í ná odnos ní as á op á ní
o ázky. In: Češi aNěmci, S.15.
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gelang en, b ach e keine Lösung. Wa um? Meine Ansich nach bes eh die An wo
in de A , wie die cislei hanische poli ische Szene unk ionie e, wo au be ei s ü-
he beispielsweise de Mi eleu opahis o ike Jan Křen au me ksam gemach ha .
Die Ausdehnung des Wahl ech s nach 1880 üh e zu En s ehung eine Reihe neue
schechische und deu sche poli ische Pa eien, die in sozialen und na ionalen F a-
gen o wei aus adikale wa en als im Falle de bis da o dominie enden Libe alen
und Konse a i en, die sich au e mögende s äd ische und ländliche Eli en s ü z en.
E s mals zweig e sich dieses P oblem im Jah e 1890 bei den sog. Punk a ionen, als die
Al schechen einen pa iellen Na ionali ä enausgleich in Böhmen aushandel en. Die
adikalen Jung schechen s a e en so o eine lau e P opaganda übe einen Ve a de
schechischen In e essen, de die Umse zung diese Ve einba ung e hinde e, und
wie sich spä e he auss ell e, b ach die Pa ei so auch die poli ische Mach de Pa ei
de Al schechen. Das gleiche Szena io auch e dann auch bei allen spä e en Bemü-
hungen um einen Na ionali ä enkomp omiss au . In ähnliche Fo m lie es ab, wenn
gemäßig e deu sche Poli ike mi den Tschechen einen Komp omiss aushandel en,
dann ielen ihnen na ionalis ische Radikale in den Rücken, die lau on einem Ve a
de deu schen In e essen sp achen. Dami e pes e e man jedoch wei e hin nu die
poli ische A mosphä e insgesam , die Möglichkei en, einen ein e nehmlichen Kom-
p omiss zu inden, wa en eingesch änk . Diese Si ua ion eskalie e schließlich im
Ausb uch eine Ve assungsk ise in Böhmen in olge de s ändigen deu sch- schechi-
schen Obs uk ion im Land ag. Die K ise üh e zu Au hebung de Landesselbs e -
wal ung in Böhmen im Jah e 1913. De Ausb uch des E s en Wel k ieges ein Jah spä-
e ha e zu Folge, dass de schechische Land ag seine A bei nie wiede au nahm.13
MASARYK ALS ANFÜHRER DES ANTIÖSTERREICHISCHEN IRREDENTISMUS
Die Zei des E s en Wel k iegs is aus de Sich des heu igen Themas am wenigs en
in e essan . Masa yk widme e damals dem kaise lichen Deu schland wei aus meh
Au me ksamkei , denn dessen Hegemoniebes ebungen in Mi eleu opa be ach e e
e als ödliche Ge ah ü die Tschechen und wei e e kleine e Völke , die in diesem
Gebie leb en. Deshalb nahm e auch sch i weise den Kamp ü die Ze schlagung
Ös e eich-Unga ns au , das sich imme meh im Schlepp au de deu schen Impe i-
alin e essen be and. Zu Ve eidigung seines Vo gehens e ass e e sein be ühm es
We k Die Wel e olu ion, in dem e ein ideologisches Schwa zweißbild des K ieges
als Kon lik dunkle eak ionä e K ä e des p eußischen au o i ä en Mili a ismus
und des o sch i lichen Demok a ismus de En en e-S aa en zeichne e.14 Zu kün -
igen Si ua ion de Deu schen in Böhmen äuße e e sich wiede um nu seh nebu-
lös. Als p agma ische Poli ike muss e e bei den wes lichen Regie ungen das Ve -
auen e ingen, dass in dem geplan en schechoslowakischen S aa kein e hnische
Kon lik ausb echen wü de. Gleichzei ig abe woll e e nich im Vo aus i gend welche
13 Jan Křen, D ě s ole í s řední E opy, P aha 2005, s.304.
14 Tomáš Ga igue Masa yk, Die Wel -Re olu ion: E inne ungen und Be ach ungen
1914–1918, Be lin 1927.
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Jakub ákOSník 47
Ve bindlichkei en o mulie en, au die man sich spä e wü de be u en können. Cha-
ak e is ische weise en häl die sog. Washing one E klä ung om 18.Ok obe 1918
in diese Sache nu die lakonische Fo mulie ung: „die Minde hei en ech e we den
nach de e häl nismäßigen Ve e ung gewah ; na ionale Minde hei en we den
gleiche Rech e genießen“.
In de äl e en schechischen und deu schen His o iog aphie wu de die Thema ik
de En s ehung de Tschechoslowakei zumeis übe Mo al- und We eu eile in e -
p e ie . Die Bemühungen, die Ve gangenhei in den Beg i en Ge ech igkei ode
Unge ech igkei zu zeichnen, be ach e ich nich als sonde lich nü zlich. Ein His o-
ike wi d dann leich zu einem Ideologen, de die In e essen eine de e einde en
Sei en ep äsen ie .
Die na ionale Selbs bes immung de Tschechen bedeu e e eine Selbs bes immung
in den his o ischen G enzen de böhmischen Lände , also einschließlich de Gebie e
mi eine deu schsp achigen Meh hei . Deshalb auch auch bis heu e un e den K i-
ike n des Kons uk s de schechoslowakischen S aa lichkei die Behaup ung on
einem schechischen Impe ialismus aus. Die Selbs bes immung de Deu schen in den
böhmischen Lände n, ob sie nun in einem nächs en Sch i mi einem Anschluss an
Deu schland, de Scha ung eines deu schen Ös e eichs als Bes and eil i gendeine
Fo m eines Donau-S aa engebildes ode eines öllig eigens ändigen Deu sch-Ös e -
eichs echne e, sah wiede um die Ab ennung de schechischen G enzgebie e mi
deu sche Meh hei o . Die Lebens ähigkei des bezüglich de Na ionali ä sche-
chischen e bleibenden Binnenlandes wä e lang is ig be ach e ech zwei elha
gewesen. Das schechische his o ische S aa s ech wiede um bed oh e die einheimi-
schen Deu schen, die als Minde hei in den Händen de poli ischen Rep äsen anz de
schechischen Meh hei zu eine Ma ione e gewo den wä en.15
MASARYK ALS TSCHECHOSLOWAKISCHER PRÄSIDENT
De gedankliche Schaupla z, au dem beide Kon lik kollek i e damals ih Spiel spiel-
en, wa so um issen, dass de Sieg des einen lang is ig be ach e po enziell mi Be-
sei igung, Ve eibung ode Assimila ion des ande en d oh e. Ge ade hie au ziel
auch die Beme kung on Pie e Judson in seine unlängs e ö en lich en Syn hese
de Geschich e de Habsbu ge Mona chie ab. Judson äuße eine gewisse Nos algie,
was das e schwundene habsbu ge eich be i . Seine Meinung nach schu die
Kons uk ion on Na ionals aa en in Mi eleu opa nach 1918, die eal aus de Sich
de Iden i ä de Einwohne keine Na ionals aa en wa en, eine solche Disk epanz
zwischen S aa lichkei (s a ehood) und Na ionali ä (na ionhood), wie es o he , in
de Zei des Bes ehens des Habsbu ge S aa engebildes, undenkba gewesen sei. E s
nun habe sich seine Ansich nach ein Schaupla z ü die G auen on e hnischen Säu-
be ungen, die mi de Zei des Zwei en Wel k ieges in Ve bindung geb ach we den,
he ausgebilde .16
15 Rákosník— Spu ný— Š ai , Milníky, S.116.
16 Pie e Judson, The Habsbu g Empi e, S.442.
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Die Tschechen und die Deu schen in den böhmischen Lände n spiel en im Jah e
1918 ein Spiel um ih e kün ige Exis enz. Nu sel en in de Geschich e komm es o ,
dass sich in de wei e en En wicklung die ealen Konsequenzen solche konku ie-
enden Au assungen zeigen konn en, wie es beim schechischen und deu schen P o-
g amm de O dnung in den böhmischen Lände n de Fall wa . Die Ex em a ian e
bei de Du chse zung de deu schen Selbs bes immung s ell e die Ve einba ung on
München on Sep embe 1938 da , also die anschließende Ab ennung de G enz-
gebie e mi deu sche Meh hei und die Scha ung eines obsku en Gebildes, das als
Zwei e Republik bezeichne wi d, die au Gedeih und Ve de b dem benachba en
Hi le deu schland ausgelie e wa . Als Ex em o m de Du chse zung des schechi-
schen his o ischen S aa s ech s wiede um können die Aussiedlung de Deu schen
nach dem Zwei en Wel k ieg und die Homogenisie ung des Raumes de böhmischen
Lände in ih en his o ischen G enzen gesehen we den.17
Die Tschechoslowakei wa als Na ionals aa de Tschechoslowaken konzipie ,
und Masa yk wu de im Dezembe 1918 on seine Re olu ionä en Na ional e samm-
lung zum P äsiden en gewähl . Es s eh auße Zwei el, dass e bes eb wa und gu-
en Willens wa , eine Glä ung des e hnischen Kon lik s in den böhmischen Lände n
zu e eichen. Fü den Res seines Lebens äuße e e sich auch s ändig in dem Sinne,
de In e essenkon lik on Deu schen und Tschechen sei das g a ie ends e poli ische
P oblem des neuen S aa es.
Einige His o ike — und ich s imme ihnen in diese Sache zu— be ach en in
Anknüp ung an die Übe legungen des Philosophen de E s en Republik Emanuel
Rádl und sein Buch „De K ieg de Tschechen und Deu schen“ als zen ales P oblem
de Tschechoslowakei de Zwischenk iegszei die Un ähigkei ein poli isches Volk
zu scha en. Poli isches Volk wä e eine Ka ego ie, das die pa ikula en e hnischen
Iden i ä en de einzelnen Na ionali ä eng uppen übe b ück und zwischen ihnen
eine Bande de Solida i ä e wa in einem ähnlichen Sinne gescha en hä e, wie es
die Schweize na ionale Iden i ä übe die sp achlich un e schiedlichen G uppen
on Einwohne n de Schweiz ausb ei e . Üb igens sp ach Masa yk selbs in de Zei
des Au baus des neuen S aa es on seine Inspi a ion ge ade du ch die Schweiz. Am
Beginn de 20-e Jah e e schwinden jedoch diese A gumen e aus seinen Reden. Im
Jah e 1922 äuße e e sich dann ein zweckge ich e in dem Sinne, eine Schweize
Lösung sei un e Be ücksich igung de ungeeigne en Ve eilung de Minde hei en
in de Tschechoslowakei nich wünschenswe .18
Im Rahmen de K i iken de E s en Republik da nich e gessen we den, dass
ein poli isches Volk in dem Sinne, wie ich es ge ade e klä habe, auch du ch die
Habsbu ge Mona chie nich gescha en we den konn e, die un e häl nismäßig
meh Zei da ü ha e als die Tschechoslowakei de Zwischenk iegszei . Fü His o-
ike is es nich ein ach, die F age zu bean wo en, wa um dies nich gelang, und
s a eine Zusammena bei und des Zusammenlebens e s ä k e sich die Kon on-
17 Rákosník— Spu ný— Š ai , Milníky, S.116–117.
18 Bohumila Fe enčuho á, Tomáš Ga igue Masa yk aněmecká menšina ČSR o s e le
dokumen o menšino ej sekcie sek e a iá u Spoločnos i ná odo d adsia ych okoch
20.s o očia. In: Češi aNěmci, P aha 2004, S.170.
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a ionspoli ik, die schließlich in den Jah en 1938 bis 1947 in e hnische Säube ungen
münde e. Ich e suche nun ku z, eine E klä ung zu bie en, die wi zusammen mi
P o esso Jiří Š ai in unse em Buch Milníky mode ních českých dějin [Meilens eine
de mode nen schechischen Geschich e] o mulie haben.
Im 19.Jah hunde mach e sich un e den Deu schen— und das nich nu in den
böhmischen Lände n— die Übe zeugung b ei , die übe geo dne e deu sche Kul u
sei dazu be u en, Mi el- und Os eu opa zu kolonisie en, dabei klang nich nu e -
einzel die Bezeichnung de Tschechen als „eines kleinen, ande ssp achigen S am-
mes“ au , „de plö zlich au ge auch “ sei im deu schen Raum, wie dies de deu sche
His o ike Ludwig Schlesinge e end o mulie e. Dem en sp ach die en gegenge-
se z e Ansich de Tschechen, die im Einklang mi dem his o ischen Rech die deu -
schen Gebie e de böhmischen Lände als „uns ig“ und „eingedeu sch “ be ach e en.
Diese kon lik geladenen Pe spek i en ie en au beiden Sei en ein Ge ühl on Unge-
ech igkei he o und schu en kein geeigne es Um eld ü eine Zusammena bei .19
Wenngleich kein Zwei el da an bes eh , dass die Tschechoslowakei du ch eine
hohes Maß an Respek bezüglich de Ve p lich ungen, die sich aus dem Schu z on
Minde hei en nach in e na ionalem Rech im Ve gleich mi wei e en S aa en Mi el-
und Os eu opas e gaben, auszeichne e, sieh De le B andes, Spezialis ü mode ne
schechische Geschich e und o allem deu sch- schechische Beziehungen, das P o-
blem da in, dass un e den schechischen Einwohne n die Übe zeugung e b ei e
wa , diese Mindes s anda ds seien das Maximum und da übe hinaus auch ein ge-
wisse Ausd uck „ schechischen Wohlwollens“.20
Wie e b ei e das oben genann e Konzep des „uns igen Gebie es“ wa , doku-
men ie gu Masa yks Äuße ung aus seine Neujah sansp ache om 1.Janua 1919:
„Wi Tschechen und Slowaken sind bis au kleine e G enzminde hei en ein ganzes
Volk; unse e Deu schen sind kein ganzes Volk, sonde n dessen A an ga de eine
Kolonisie ung. Es is nich unse e Schuld, dass die Deu schen ih e E obe ungsko-
lonnen nach Os en und auch in unse e Lände schicken— diese sp ichwö liche
deu sche D ang nach Os en muss ges opp we den.“21 An dem au ich igen Bemü-
hen Masa yks um ein iedliches Zusammenleben on Tschechen und Deu schen in
dem neuen S aa kann kein Zwei el bes ehen. Gleichzei ig abe lieg au de Hand,
dass die banale F age— Nach wie iel Gene a ionen können Kolonis en den Boden
ebenso als den ih en be ach en wie de jenige, de da au noch e was länge wi -
scha e ?— auch in seinem Fall den Ho izon des Denkba en und des Aussp echba-
en übe sch i en ha e.
Aus diesem p imä en ge eil en Ge ühl, das die Einwohne des Landes in jene „ein-
heimischen“ und eine „A an ga de eine Kolonisie ung“ un e schied, en s anden
dann in Konsequenz au schechische und deu sche Sei e ein luss eiche de ensi e
Disku se, die sich au die Ve eidigung des na ionalen Besi zes gegen die Eind ing-
linge g ünde e. Au ihnen ze schlugen sich dann die Bemühungen um Du chse zung
eines al e na i en Disku ses eines poli ischen Volkes, das na ionale Animosi ä en
19 Rákosník— Spu ný— Š ai , Milníky, S.116–119.
20 De le B andes, Die Sude endeu schen im K isenjah 1938, München 2008.
21 Alois Kocman (ed.), Boj osmě ý oje českoslo enského s á u, Band 1, P aha 1965, S.163.
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übe b ück e ode zumindes einsch änk e. Somi wiede hol e sich noch einmal das
Szena io aus Zei en des spä en Ös e eichs, das ich be ei s eingangs in Anknüp ung
an Jan Křen e wähn habe. Die poli isch gemäßig en S ömungen wa en in dem Mo-
men , in dem sie e such hä en eine Komp omisslösung zu inden, einem Ang i
on hin en onsei en de Radikalen ih es eigenen Volkes ausgese z gewesen, wenn
sie sich in de en Augen zu komp omissbe ei gezeig hä en. Wiede hol zeig en sich
die Mach und s a ke Ve b ei ung eines solchen de ensi en Disku ses in den Reihen
de schechischen ö en lichen Meinung als e ek i e Ba ie e gegen Zuges ändnisse
de Regie ungen in Sachen eines e en uellen schechisch-deu schen Ausgleichs. Die
na ionaldemok a ische Pa ole „Deu sche in die Regie ung, wi in die Re olu ion!“
and dann im Henlein’schen „Wi sind Deu sche und nich i gendwelche deu sch-
sp achigen Tschechoslowaken“ ih en Wide hall. Dadu ch bilde e sich jedoch eine
Pa -Si ua ion ü die Möglichkei eine poli ischen Lösung he aus.
Masa yks ole an e Posi ion zwischen beiden S ömungen des na ionalen Radika-
lismus wa nich ein ach. Nu allzu leich wa e in den Augen de einen ein schechi-
sche Na ionalis und in den Augen de ande en ein demu s olle Diene de Deu -
schen. Radan Hain äuße e im Jah e 2004 eine Spekula ion, die mi nahes eh und
mi meinen oben ange üh en In e p e a ionen übe eins imm . Hain sch eib : „Das
Endziel de schechischen Deu schen wa — wenn sie sich nich eine Ab ennung
on de Tschechoslowakei wünsch en— das Zuges ehen gewisse kollek i e Min-
de hei en ech e ode soga eine Föde alisie ung des S aa es und die Scha ung eines
übe wiegend on Deu schen bewohn en Bundeslandes als Teil eine Bundes sche-
choslowakei. […] Aus heu ige Sich wä e diese Lösung siche die bes e gewesen. […]
Un e den damaligen Ums änden jedoch wa de Gedanke an eine Föde alisie ung
zwa eine U opie, doch Masa yk hä e ihn ü eine mi el is ige ode lang is ige
Zukun kaum p inzipiell e wo en. Au jeden Fall schloss e eine Re ision de be-
s ehenden S aa so dnung nich aus.“22
SCHLUSSWORT
Ich nehme an, am Schluss meines Bei ags bie e sich ein Zi a aus einem Nach u
an, de anlässlich des Ablebens Masa yks im Mä z 1937 e ö en lich wu de, das ich
auch ü die die heu ige Tschechische Republik als gül ig be ach e, de en poli ische
Rep äsen anz sich nu allzu ge n au das E be de demok a ischen Tschechoslowa-
kei de Zwischenk iegszei be u . Ve asse dieses Nach u s wa F anz Spina, ein
deu sche Poli ike de Ag a pa ei, de die le z en zwei Jah zehn e seines Lebens
als Abgeo dne e und ab 1926 auch als Minis e de schechoslowakischen Regie un-
gen dem Bemühen um eine e söhnliche Symbiose on Tschechen und Deu schen
in den böhmischen Lände n weih e. In diesem Nach u s ell e e es : „Diese Mann
[Masa yk] ha in dem Chaos des Wel k ieges ü sein Volk einen selbs ändigen S aa
gescha en. […] Diese Mann ha abe auch seinem S aa e, in dem die g öß e deu -
22 Radan Hain, Masa yk as á op á ní aspek y česko-německých z ahů (ná od, s á , ede-
alismus, sebeu čení). In: Češi aNěmci, P aha 2004, S.127–128.
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