| 81
So ie Aeschlimann
In e sionen
Ma ie Luise Kaschni z’ li e a ische und ly ische In e iews
Abs ac
In he li e a y ex s Ma ie Luise Kaschni z com-
men s and ques ions jou nalis ic in e iews as a
li e a y gen e and as a social p ac ice. The poem
In e iew is a he a monologue o a soliloquy
han a dialogue wi h he in e iewe . This ly ical
in e iew mixes he li e a y gen e o he jou na-
lis ic in e iew wi h o he s, namely he poem, he
con ession, and he example. The con en ions
which cons i u e he li e a y gen es a e pe o -
med and in e ed a once. By his s a egy o in-
e sion, he poem does no only expose how he
con en ions a e cons i u i e o li e a y gen es,
bu also challenges he aim o an in e iew: The
eade o a jou nalis ic in e iew wan s o lea n
mo e abou he amous pe son, which is being
in e iewed, bu he poem In e iew e uses o
communica e. Howe e , a sha ed unde s anding
o li e a y gen e is equi ed o his e usal.
Was lesen Sie ge ne? Was hal en Sie on de ak uellen Li e a u ? Was mögen Sie an de
S ad , in de Sie wohnen? Solche F agen wu den Ma ie Luise Kaschni z (1901–1974) in In-
e iews ges ell . Da Au o *innen Pe sonen des ö en lichen Lebens sind, gil das In e esse
o nich nu ih en Tex en und ih em Sch eibp ozess, sonde n auch ih e Pe son ( gl.Ho -
mann und Kaise 2014, 19; Masschelein e al.2014, 3). Ande s als bei ande en in e iew en
Menschen aus de Poli ik, dem Spo ode de Kuns inde bei Au o *innen das In e iew
in demselben Medium s a , das auch ih Me ie is – de Sp ache.
In e iews mi Au o *innen sind deshalb ielleich besonde s geeigne ü li e a ische
Expe imen e: Au g und de sp achlichen Nähe können Au o *innen die Ga ung und die
soziale P axis des In e iews leich in ih en Tex en au g ei en, e lek ie en und pa odie en.
Solche Expe imen e wu den schon meh ach gemach , o allem in Roman o m, zum Bei-
spiel on Ka h in Röggla ode Wol Haas ( gl.Haas 2007; Röggla 2004; dazu z.B. Ho mann
2018; K au hausen 2006; Scha ick 2014). Die Ve mischung on In e iew und Gedich is
hingegen sel ene und kaum e o sch ( gl.Ho mann 2015, 110; Usla 2016). Ein Beispiel
ü eine solche Ve a bei ung in Gedich o m is In e iew (1962) on Ma ie Luise Kaschni z.
Kiel-UP •
h ps://doi.o g/10.38072/2751-9821/p14
82 | POEMA 2.2024
In e iew
Wenn e komm , de Besuche ,
De Neugie ige und dich ag ,
Dann bekenne ihm, daß du keine B ie ma ken sammels ,
Keine a bigen Au nahmen machs ,
Keine Kak een züch es .
Daß du kein Haus has ,
Keinen Fe nsehappa a ,
Keine Zimme linde.
Daß du nich weiß ,
Wa um du dich hinse z und sch eibs ,
Unwillig, weil es di kein Ve gnügen mach .
Daß du den Sinn deines Lebens imme noch nich
He ausge unden has , obwohl du schon al bis .
Daß du gelieb has , abe unzu eichend,
Daß du gekämp has , abe mi zagha en A men.
Daß du an ielen O en zu Hause wa s ,
Abe ein Heima ech has an keinem.
Daß du dich nach dem Tode sehns und ihn ü ch es .
Daß du kein Beispiel geben kanns als dieses:
Imme noch o en. (GW 5, 333–334)
1
Kaschni z ha e schiedene jou nalis ische In e iews gegeben, die in Zei sch i en und
In e iewsammlungen e schienen sind, sie ha ein In e iew mi sich selbs gesch ieben
und sie ha in ih en li e a ischen Tex en In e iewsi ua ionen e lek ie . Eine diese Tex e
is das Gedich In e iew, das im Zen um meine Un e suchung s eh . Ich zeige da an, wie
das Gedich die soziale P axis und die Ga ung des In e iews hin e ag und in e ie .
Es geh im Folgenden imme um Tex e, also nich um audio isuelle Au nahmen on In e -
iews, die beispielsweise im Fe nsehen gesende wu den. Das Gedich In e iew e gleiche
ich mi einem jou nalis ischen In e iew, das Kaschni z 1961 gegeben ha , sowie mi zwei
wei e en li e a ischen In e iew ex en on Kaschni z.
De Beg i ›In e iew‹ is au Deu sch be ei s sei dem neunzehn en Jah hunde be-
zeug , e s amm aus dem Englischen und is do wiede um eine Ablei ung aus dem an-
zösischen ›en e oi ‹, › e en, sehen‹ ( gl.Kluge; Masschelein e al.2014, 5–7). Spä es ens
sei Beginn des zwanzigs en Jah hunde s sind In e iews es e Bes and eil des Li e a u -
be iebs. Die li e a u wissenscha liche Fo schung ha das In e iew als Gegens and abe
e s in den le z en gu zehn Jah en en deck ( gl.Bi ns iel 2014, 63, 68; Hansen 1998, 462;
1 Kaschni z’ Gesammel e We ke we den im Folgenden mi de Sigle GW zi ie .
Aeschlimann: In e sionen | 83
Ho mann und Kaise 2014, 11; Ho mann und Pabs 2016, 1; Masschelein e al.2014, 6;
Reichwein und Pilz 2017, 250). Zwanzig Jah e o he ha Gé a d Gene e das In e iew als
Pa a ex besch ieben, genaue als Epi ex ( gl.Gene e 1989, 12, 328; Bi ns iel 2014, 75–
78; Wegmann 2016, 10). Gene es Beg i e e möglichen, die Kons ella ion on li e a ischen
Tex en und In e iews zu besch eiben, sie g ei en abe bei li e a ischen Expe imen en mi
In e iews zu ku z. To s en Ho mann ha es eine »En pa a ex ualisie ung« des In e iews
genann und Klaus Bi ns iel ha o geschlagen, das In e iew als »la e alen Pa a ex « zu e -
s ehen, de »neben« dem We k angeo dne is (Ho mann 2011, 316; Bi ns iel 2014, 78). Das
In e iew ha dadu ch Eigens ändigkei e lang und wi d mi le weile meis ens als eigene li-
e a ische Ga ung besch ieben und un e such ( gl.F icke 2019, 432; Ho mann 2015, 104,
108; Ho mann und Pabs 2016, 2–6; Ho mann 2016, 75; Ho mann 2018, 81; Masschelein e
al.2014, 4, 16; Pabs 2016, 46; Reichwein und Pilz 2017, 249–250, 253; Wegmann 2016, 16).
Das In e iew gil als hyb ide Ga ung, weil es zum Jou nalismus und zu Li e a u gehö ,
sich du ch eine doppel e Au o scha auszeichne und aus zwei Medien bes eh , nämlich ei-
nem mündlichen Gesp äch eine sei s und einem sch i lichen, edie en Tex ande e sei s, de
abe imme noch Mündlichkei signalisie ( gl.Ho mann und Kaise 2014, 12; Ho mann
2015, 100; Ho mann 2018, 78; 12; Masschelein e al. 2014, 17; Schumache 2018, 105). Ich
e s ehe Ga ungen hie als kul u elle Deu ungsmus e , die au de Wiede e kennba kei ein-
zelne Me kmale be uhen ( gl.Be g 2014, 5–7; Gymnich und Neumann 2007, 36–37, 39–40).
Bei de Rezep ion eines Tex s we den die Me kmale e kann , die Ga ung wi d ak ualisie
und dami jedes Mal wiede kons i uie ( gl.Gymnich und Neumann 2007, 45). Ga ungen
we den also übe soziale P ak iken he ges ell ( gl.Michle 2015, 21, 46).
Das In e iew basie au meh e en Ga ungskon en ionen. Dazu gehö die Au hen izi-
ä ssugges ion, also die Annahme, dass In e iews au einem ealen Gesp äch be uhen, das
zwischen de In e iewe *in und de in e iew en Pe son ge üh wu de ( gl.Hansen 1998,
464; Ho mann 2018, 77; Masschelein e al. 2014, 37). Es gib gemäß Ho mann »einen Pak
des Au hen ischen« (2018, 78, gl.Masschelein e al. 2014, 37), ähnlich dem »au obiog a-
phischen Pak « nach Philippe Lejeune (1994). Die Kommunika ionssi ua ion on In e iews
is asymme isch, sie ha eine bes imm e Rollen e eilung und is zielge ich e : Die In e -
iewe *in möch e die in e iew e Pe son dazu b ingen, au die ges ell en F agen zu an wo -
en, denn das Ziel is es, meh übe die in e iew e Pe son zu e ah en ( gl.F ied ichs und
Schwinges 2016, 11; Hansen 1998, 466; Halle 2013, 113–114; Ho mann und Kaise 2014, 15;
Ho mann 2015, 100; Ho mann und Pabs 2016, 4; Simons und Vogl 2016, 92). Auße dem is
eine d i e Ins anz zumindes mi gedach , da das Gesp äch ü ein Publikum ge üh wi d
und somi imme ö en lich is ( gl.Hansen 1998, 463; Halle 2013, 118, 124; Ho mann
2015, 100; Ho mann und Pabs 2016, 4). Die Ga ungsme kmale des In e iews um assen
auch einen o malen Aspek , nämlich die F age-An wo -S uk u : Ein ypisches In e iew
bes eh aus eine Ab olge on F agen und An wo en, die in di ek e Rede wiede gegeben
we den ( gl.Halle 2013, 48, 123, 149; Thiele 2009, 20). Meis ens sind die F agen und An -
wo en g a isch ge enn , die F agen beispielsweise ku si ode e ged uck .
84 | POEMA 2.2024
Diese Ga ungsme kmale bilden einen P o o yp. Es is nich zwingend, dass alle Me k-
male o handen sind, um die Wiede e kennba kei de Ga ung zu gewäh leis en. Im Ge-
gen eil, in In e iew-Expe imen en wi d ge ade mi den Me kmalen gespiel . Solche Expe i-
men e gib es wie e wähn in Roman o m, es gib sie abe auch in jou nalis ischen Medien.
Dazu gehö en Tom Kumme s S a in e iews de 1990e Jah e, die sich als Fake he ausge-
s ell haben ( gl.Pabs 2016), ode Heine Mülle s Selbs inszenie ungen in In e iews, die
so nie s a ge unden haben ( gl.Ho mann 2011). Die Ve handlung on Fak und Fik ion is
sowieso Teil on ielen, wenn nich allen In e iews und in de Ga ung selbs be ei s an-
geleg du ch den e wähn en Pak des Au hen ischen, das Spannungs e häl nis on Münd-
lichkei und Sch i lichkei und den hohen S ellenwe des Inszenie ens ( gl.Ho mann
und Kaise 2014, 19; Ho mann 2015, 100–101; Ho mann 2018, 78; Wegmann 2016, 12).
Um das Spek um on In e iews bei Ma ie Luise Kaschni z besse benennen zu kön-
nen, un e scheide ich im Folgenden jou nalis ische, li e a ische und ly ische In e iews. Als
jou nalis isches In e iew bezeichne ich die Ga ung, die sich du ch die oben au gezähl en
Me kmale auszeichne . Das li e a ische In e iew wu de bishe un e schiedlich de inie .
Teilweise e s eh die Fo schung da un e ein In e iew, das mi ode on eine Au o *in
ge üh wi d ( gl.Masschelein e al.2014, 3, 20), manchmal we den gewisse li e a ische
Quali ä en e gänz ( gl.Bi ns iel 2014, 69; Ho mann und Pabs 2016, 3). Beide De ini io-
nen sind ü mein Ko pus nich besonde s ziel üh end, deshalb olge ich Ho mann, de in
seinem le z en Au sa z »jou nalis ische In e iews« on »li e a isch- ik ionalen In e iews«
un e scheide (2018, 78). Das li e a ische In e iew is in diese De ini ion also ehe ein
In e iew in de Li e a u , es is du ch seinen medialen Kon ex gep äg und e häl sich
zum jou nalis ischen In e iew, indem es kommen ie ode pa odie ( gl.Ho mann und
Kaise 2014, 21; Ho mann 2015, 110; Masschelein e al. 2014, 40). Au diese Un e scheidung
könn e man wiede Gene es Beg i e anwenden, das jou nalis ische In e iew wä e dami
ein Pa a ex , das li e a ische In e iew hingegen ein Tex , wobei ich be onen möch e, dass
diese G enzen nich es sind, sonde n im Fall des In e iews imme wiede ausgehandel
we den ( gl.Ho mann 2018, 93). Das ly ische In e iew e gänze ich und e s ehe da un e
eine Auseinande se zung mi de Ga ung des jou nalis ischen In e iews in Gedich en.
Das Gedich In e iew is demnach ein ly isches In e iew. Es kommen ie und hin e -
ag jou nalis ische In e iews, und zwa – so meine These – in doppel e Weise, indem
es sich mi de Ga ung des jou nalis ischen In e iews eine sei s und mi de sozialen
P axis eine In e iewsi ua ion ande e sei s be ass . Das Gedich spiel e schiedene Ga -
ungsme kmale des jou nalis ischen In e iews und zusä zliche Ga ungen gegeneinande
aus. So en s eh ein e wei e e Ga ungshyb id aus dem jou nalis ischen In e iew, das ja
an sich schon eine hyb ide Ga ung is , dem Gedich , dem Bekenn nis und dem Beispiel.
Die Ga ungsme kmale we den dabei nich nu gemisch , sonde n jedes Me kmal wi d
in e ie , ins Gegen eil e d eh . Du ch diese In e sion weis das Gedich die einzelnen
Ga ungsme kmale zu ück und s ell die Ga ung des jou nalis ischen In e iews in F age.
In Bezug au die soziale P axis des In e iews mach das Gedich die e schiedenen In-
Aeschlimann: In e sionen | 85
e essen sich ba , die in de Kommunika ionssi ua ion eines In e iews o handen sind,
und in e ie auch diese. In e iew e weige die ypische zielge ich e e, asymme ische
Be agungssi ua ion, es en s eh im Gedich kein Gesp äch und es we den keine ele an en
In o ma ionen übe die in e iew e Pe son e mi el . T o z diese d ei achen Kommuni-
ka ions e weige ung und de In e sion on Ga ungsme kmalen spiel ein gemeinsames
Ve s ändnis eine wich ige Rolle: Ein gemeinsames Ga ungswissen is Vo ausse zung ü
die In e sionss a egie des Gedich s.
1. Kein Gesp äch
Die e s e Kommunika ions e weige ung bezieh sich au den dialogischen Aus ausch zwi-
schen den In e iewpa ne *innen. Die dialogische Gesp ächssi ua ion is ypisch ü jou -
nalis ische In e iews, abe das Gedich is ja kein jou nalis isches In e iew, sonde n eben
ein Gedich . Da es jedoch den Ti el ›In e iew‹ äg , en s eh ein Spannungs e häl nis
zwischen Tex und Ti el. Ein Ti el benenn das Thema eines Tex s, e bezeichne abe
auch – häu ig als Un e i el – die Ga ung, beispielsweise ›No elle‹ ode ›Roman‹: Wenn
ein Tex , e wa in eine Zei ung, mi ›In e iew‹ be i el is , ha de Ti el meis ens eine ga -
ungsbezeichnende Funk ion, de Tex en sp ich dann wah scheinlich den Me kmalen de
Ga ung, es olg also ein jou nalis isches In e iew. Bei In e iew is das abe ge ade nich
de Fall. De Tex weis keine F age-An wo -S uk u au und auch sons keine o malen
Me kmale, die ü die Ga ung des In e iews ypisch sind. S a dessen bes eh e aus Ve -
sen, die eindeu ig nich zu den Me kmalen de Ga ung eines In e iews gehö en, sonde n
die ich hie als Minimalme kmal eines Gedich s annehme. In e iew is also ein Gedich
und kein jou nalis isches In e iew, obwohl de Ti el das sugge ie en könn e.
Das Gedich nimm also keine o malen Me kmale des jou nalis ischen In e iews au ,
da ü e lek ie es die Kommunika ionssi ua ion. Es geh in In e iew um ein Gesp äch
zwischen zwei Pe sonen, wobei die eine Pe son F agen s ell und die ande e Pe son an -
wo e . In den beiden e s en Ve sen des Gedich s wi d die Kommunika ionssi ua ion mi
ih e dialogischen und asymme ischen Rollen e eilung skizzie : ›Ein neugie ige Besu-
che ‹ »komm « und » ag «, e nimm also die Rolle de agenden Pe son ein. Es is eine
gene ische In e iewsi ua ion und ielleich is sie noch allgemeine angeleg , wenn be-
ücksich ig wi d, dass die In e iewe *in in In e iews manchmal s ell e e end ü das
Publikum s eh ( gl.F ied ichs und Schwinges 2016, 20–21). De Besuche wü de also ü
das gesam e ö en liche In e esse ode eben die ö en liche ›Neugie de‹ s ehen.
Auch die Äuße ung des Besuche s is au den allgemeinen Sp echak de F age edu-
zie : Wi wissen nich , was e ag , sonde n nu , dass e e was ag . De Inhal de F agen
bilde eine Lee s elle. Dami wi d be on , wie e wa ba In e iew agen sind. Sie sind in
jedem In e iew imme wiede so ähnlich, dass sie weggelassen we den können, die in e -
86 | POEMA 2.2024
iew e Pe son kann das In e iew allein ›abspulen‹. Sobald kla is , dass sie sich in eine
In e iewsi ua ion be inde , mi einem Besuche , de »komm « und » ag «, kann sie ih e
An wo en geben, ohne dass die F agen übe haup ges ell we den. Ge ade in ih e Absenz
be onen die F agen die E wa ba kei on In e iews: Weil die Lee s elle p imä mi dem
Naheliegenden, das heiß mi dem E wa ba en, ge üll wi d, we den bei de Rezep ion des
Tex s ypische F agen einge üll . Mi de Lee s elle de F agen wi d auße dem andeu ungs-
weise ein Ga ungsme kmal des In e iews hin e ag , denn zu einem In e iew gehö en
mindes ens zwei ode d ei F agen ( gl.F ied ichs und Schwinges 2016, 11; Halle 2013,
119–120). Ob das in In e iew de Fall is , wi d abe o engelassen.
Obwohl das Gedich mi dem Besuche beginn , is e spä es ens nach dem d i en Ve s
i ele an . Ab da s eh das Du im Mi elpunk , das angesp ochen wi d. An das Du sind die
F agen des Besuche s ge ich e und dem Du wi d de Be ehl gegeben: »Dann bekenne ihm,
daß […]«. Au den Be ehl olg eine Au lis ung on ›dass‹-Sä zen, in denen eine Sp echins-
anz aus üh , was das Du alles bekennen soll. Ausgehend on einem Kommunika ionsmo-
dell muss es eine Ins anz geben, die diese Ve se äuße ( gl.Pe zold 2012, 148; Bo kowski
und Winko 2011, 64). Die Sp echins anz bleib abe unsich ba und kann nu ex nega i o
kons uie we den (zu Abwesenhei eines Ichs in Kaschni z’ Ly ik gl. Roßbach 2002,
65–69). Dass au das Du okussie wi d, is an sich ypisch ü eine In e iewsi ua ion, in
dem nich die agende Pe son, nich de Besuche , im Vo de g und s eh , sonde n die in e -
iew e Pe son. Alle dings bean wo e das Du im Gedich – ande s als in einem ypischen
jou nalis ischen In e iew – keine F agen. Es äuße nich einmal die Bekenn nisse, die es
au e leg bekomm . Das Du sp ich und handel nich , sonde n is nu indi ek in den Äuße-
ungen de Sp echins anz p äsen , wobei diese Sp echins anz selbs wiede um unsich ba
bleib .
Das Gedich als ly isches In e iew g ei mi de Kommunika ionssi ua ion zwischen
zwei Pe sonen also ein nich - o males Ga ungsme kmal on jou nalis ischen In e iews
au . Zue s schein es um eine dialogische Gesp ächssi ua ion zu gehen, ab dem d i en
Ve s is das Gedich abe monologisch. Das Ga ungsme kmal wi d zwa au geg i en, abe
nich umgese z , sonde n in e ie , das Gedich wi d zum Monolog eine unsich ba en
Sp echins anz übe das Du, und zwa mi dem Sp echak eines Be ehls. Das Ziel eines
jou nalis ischen In e iews, dass die in e iew e Pe son au die F agen an wo e , die ih
on eine agenden Pe son ges ell we den, wi d hie e ehl und es en s eh kein Dialog
(zu Sp achlosigkei bei Kaschni z gl.Foo 1982).
Vo ge üh wi d die Kommunika ions e weige ung, indem zwei Ga ungen gegenein-
ande ausgespiel we den: Die Ga ungsme kmale des jou nalis ischen In e iews we den
in einem Gedich , einem ly ischen In e iew, au geg i en und in e ie . Dieses Spiel mi
den Ga ungen g ünde jedoch au einem allgemein bekann en Ga ungswissen – nu wenn
Ga ungsme kmale e kann we den, können sie e ände we den. Fü die S a egie des
Gedich s, Ga ungsme kmale au zug ei en und zu in e ie en, bilde ein gemeinsames Ve -
s ändnis on Ga ungen die Vo ausse zung. Hie wi d also doch wiede Kommunika ion
Aeschlimann: In e sionen | 87
ele an : In Bezug au Ga ungen is Kommunika ion eine Vo ausse zung ü das Gedich ,
das seine sei s Kommunika ion in Bezug au In e iewsi ua ionen e nein .
2. Kein Bekenn nis
Die zwei e Kommunika ions e weige ung geschieh , indem die Ga ung des Bekenn nisses
einge loch en und in e ie wi d. U sp ünglich s amm die con essio aus dem ju is ischen
Kon ex . Im ömischen Rech konn e eine Tä e *in au g und ih es Bekenn nisses ode auch
Ges ändnisses e u eil we den ( gl.Magaß und Robling 1994, 348). Sei die con essio on
Mä y e *innen als Zeugnis des Glaubens e wende wu de, ha sie eine eligiöse Bedeu-
ung, sie is also nich meh das Einges ändnis eine Schuld, sonde n eine ö en liche S el-
lungnahme, ein posi i es Eins ehen ü die eigene Übe zeugung ( gl.Magaß und Robling
1994, 348–349). Dazu gehö en auch die con essiones, Bekenn nissch i en mi au obiog a i-
schem Cha ak e , die au Augus inus zu ückgehen und sei dem ach zehn enJah hunde
nich nu Religion, sonde n auch Indi iduali ä bezeugen ( gl.Magaß und Robling 1994,
350–351). In de he o ischen T adi ion soll das Bekenn nis das Wohlwollen des Publikums
e egen, es kann also auch als scheinba e Ein äumung e wende we den ( gl.Magaß und
Robling 1994, 349). Auch In e iews können einen Bekenn nischa ak e haben ( gl.Mas-
schelein e al. 2014, 18; Simons und Vogl 2016, 92).
Das Bekenn nis nimm im Gedich In e iew eine p ominen e Rolle ein. De Impe a i
»bekenne« is die einzige ini e Ve b o m, die im Gedich in einem Haup sa z s eh . Syn ak-
isch is das Gedich ein einzige Sa z, es gib nu einen Haup sa z (»Dann bekenne ihm«).
Da o s eh ein Konjunk ionalsa z mi »[w]enn«, danach olgen iele Konjunk ionalsä ze
mi »daß« und da on abhängige Nebensä ze. Alle ande en ini en Ve ben neben dem Im-
pe a i »bekenne« s ehen somi in Nebensä zen und de Be ehl zum Bekenn nis bilde
syn ak isch das Zen um des Gedich s.
Die d ei Komponen en des Bekenn nisses – ju is isch, eligiös, au obiog a isch – lassen
sich im Gedich e kennen. Mi seinem Fokus au E lebnissen und Meinungen eih sich
das Gedich in die Ga ung de au obiog a ischen con essiones ein. Be ei s Uwe Schweike
(1984, 60) ha die con essiones mi Kaschni z’ Tex en in Ve bindung geb ach , nämlich
mi den spä en P osabüche n, die eine au obiog a ische G undlage haben. In In e iews
wi d o nach pe sönlichen Ansich en ge ag und in e essan we den In e iews dann,
wenn die in e iew e Pe son ein Bekenn nis ableg , e was Pe sönliches p eisgib . In den
1960e Jah en wu de die Pe son s a k ins Zen um on In e iews ge ück und es wu de
e such , eine pe sönliche A mosphä e zu scha en ( gl.Halle 2013, 61). Ein In e iew
mi Kaschni z e schien in einem Band mi dem Ti el P o okoll zu Pe son (Rudolph 1971),
also mi einem explizi en Fokus au de Pe son wie zum Beispiel in Gün e Gaus’ be-
kann e In e iewse ie Zu Pe son im ZDF, die in den 1960e Jah en begann ( gl.Gaus
1987, 9; Schü 2000, 17, 20). Ande e In e iews mi Kaschni z anden in ih e Wohnung
88 | POEMA 2.2024
in F ank u s a ( gl.Bienek 1962, 34; Klepzig 1961, 20) ode au ih em Familiengu in
Bollschweil ( gl.Wi e 1969, 109). Mi Ben Wi e un e nahm Kaschni z einen »Spazie -
gang« und »[u]m die Do ki che« (Wi e 1969, 109) im Nachba o inklusi e in o mellem
Ka ee inken im Gas haus – diese Spazie gänge kul i ie e Wi e ab den 1960e Jah en,
um ein pe sönliche es Gesp äch zu e möglichen, als es seine Meinung nach in einem ge-
schlossenen
Raum en s ehen wü de ( gl.Halle 2013, 61–63). Die In e iews mi Kaschni z
we den o »Gesp äch« genann (Mech el 1972, 47; GW 7, 930, 970) ode es sind »We k-
s a gesp äche«, die aus dem gemeinsamen Aus ausch en s ehen (Bienek 1962; gl.Hansen
1998, 472–473;
Masschelein e al. 2014, 16). In e iew und Gesp äch sind zwa wei gehend
synonym ( gl.Ho mann und Kaise 2014, 15), das Gesp äch e bi g abe ielleich e was
s ä ke die asymme ische und be agende Kons ella ion eines In e iews.
De ju is ische Aspek ück In e iew hingegen in die Nähe eines Ve hö s. Das jou na-
lis ische In e iew wu zel zum Teil a sächlich im k iminalis ischen Ve hö ( gl. Halle
2013, 92–97; Simons und Vogl 2016, 92), die Deu ung eines In e iews als Ve hö is also
nich abwegig. Die in e iew e Pe son wi d aus diese Pe spek i e im Gedich angeklag
und ges eh eine Schuld ein. Die F age ode F agen des Besuche s sind die Anklage, de en
Inhal aus den Bekenn nissen ekons uie we den kann: Angeklag wi d das Du, keine
B ie ma ken zu sammeln, keine a bigen Au nahmen zu machen und so wei e . In diesen
Ve sen we den sechs S e eo ype eines bü ge lichen Lebens de 1950e und 1960e Jah e
au gezähl , wobei Wohls and, Konsum, Besi z um und gep leg e F eizei beschä igungen
wich ig sind. F i z Ma ini ha ausgehend on diese Au zählung das Gedich als K i ik an
de »zei genössischen Bü ge men ali ä « (1990, 415, gl.414) in e p e ie . Die Un e su-
chung muss abe au g und on Ma inis Nähe zum Na ionalsozialismus k i isch gesehen
we den ( gl.Alb ech und K umeich 2022). Die Ve se, so Ma ini, wü den »die i ialen
A ibu e eine im Nich igen zu iedenen Idylle« benennen und die »dump e Fixie ung
au ein enges Bü
ge glück« zeigen (1990, 414). Alle dings we den ja diese A ibu e alle
e nein . Ma ini deu e die Nega ionen so, dass de »banale[] E wa ungsho izon des
In e iewe s und des Publikums, ü das e ag «, »i onisie « wü de (1990, 414). Ma ini
un e s ell dem Besuche , den e mi einem In e iewe gleichse z , einen »E wa ungs-
ho izon «, au den Ma ini alle dings bloß au g und de au gelis e en Nega ionen zu ück-
schließ und ohne Rücksich da au , dass eine unsich ba e Sp echins anz die Ve se äuße ,
dass sie also keine Aussagen des Besuche s sind. Was Ma ini s a k e allgemeine nd als
I onie bezeichne , e weis meine Meinung nach au das g undlegende Konzep des Ge-
dich s, au die In e sion.
Nach de Au zählung de negie en S e eo ype we den die Ve se exis enzielle , sie bezie-
hen sich au das Sch eiben, den Sinn des Lebens, Liebe, Kämp en, Heima , Tod. Es sind abe
imme noch as alles Nega ionen. Das Du soll o allem bekennen, was es nich mach ,
nich besi z , nich weiß. Am Schluss wissen wi nahezu nich s übe das Du, da es ja e s ens
selbs nich s bekenn , sonde n nu dazu au ge o de wi d, und zwei ens die be ohlenen Be-
kenn nisse wei gehend ex nega i o e olgen. Kommunika ion wi d also wiede e weige .
Aeschlimann: In e sionen | 89
Ande s als das ju is ische Bekenn nis en s eh die eligiöse con essio unge ag , ohne
Anklage, und sie ges eh keine Schuld ein, sonde n e künde die eigene Übe zeugung.
Das Du soll sagen, was es glaub , und dazu s ehen. Dazu pass , dass die F agen im Gedich
eine Lee s elle bilden. De Be ehl zum Bekenn nis e olg ohne Rücksich au die F age
und geh in eine eigene Rich ung. Ein solches Bedü nis, ande e Themen anzusp echen,
als in In e iews gewöhnlich e ag we den, zeig sich in meh e en Tex en on Kaschni z,
die sich mi In e iewsi ua ionen be assen. Plaka i gesag : Um das zu sagen, was man
sagen möch e, muss man als Au o in schon selbs ein jou nalis isches, li e a isches ode
ly isches In e iew sch eiben. Die Beziehung on F agen und An wo en is beim eligiösen
Bekenn nis ande s als beim ju is ischen Bekenn nis. Die An wo en sind bei de eligiösen
con essio unabhängig on den F agen, es is nich ele an , welche F agen genau ges ell
wu den. Wenn die An wo en abe in eine ganz ande e Rich ung gehen als die F agen, wi d
de dialogische Aus ausch, das Ziel des In e iews, wiede nich e eich .
3. Kein Beispiel
Zum d i en Mal wi d Kommunika ion in den le z en beiden Ve sen e weige , wo es um
das Beispiel geh . Im zwanzigs en Jah hunde wi d das Beispiel synonym zu exemplum
e wende und is ein einzelne , mus e ha e Fall, de einen allgemeine en Sach e hal
e anschaulich ( gl.Klein, 1431–1432, 1434). In de an iken Rhe o ik dien das Beispiel
auch als Beweis ( gl.Klein, 1432–1433), A is o eles sieh es alle dings als schwäche en
Beweis ( gl.2002, 108 [1394a, 9–12]). Deshalb emp iehl e , das Beispiel am Schluss zu
e wenden, wo es übe zeugende sei ( gl.A is o eles 2002, 108 [1394a, 12–16]). In In e -
iew is das de Fall, das Beispiel komm ganz zum Schluss. Alle dings e häl sich dieses
Beispiel de T adi ion en gegengese z , es is eben ge ade kein gu e Beweis und keine gu e
Ve anschaulichung eines Sach e hal s, sonde n maximal age: »Daß du kein Beispiel ge-
ben kanns als dieses: / Imme noch o en.«
Zue s soll das Du bekennen, dass es »kein Beispiel geben« könne. Eine solche Ve wen-
dung des Beispiels bezieh sich au ein Vo bild, das Beispiel is de mus e ha e Fall eines
Ideals und o de zu Nachahmung au ( gl.Klein 1433–1434). Zue s e olg im Gedich
eine Absage an diese Fo de ung, das Du kann kein Vo bild sein. Dann wi d die Aussage je-
doch umged eh : Mi de Fo mulie ung »kein Beispiel als dieses« wi d doch noch ein Beispiel
gegeben. Dieses Beispiel is abe ausge echne »o en«. Inhal lich mein die Ellipse ielleich
das Ideal, »[i]mme noch o en« zu sein, also eine o ene Hal ung zu haben, sich ü Vieles
zu in e essie en und emp änglich ü Ve ände ungen zu sein. Me asp achlich bezieh sich
die Ellipse abe au das Beispielgeben selbs , das Beispiel is noch auss ehend, noch »o en«.
Gemeinsam is den beiden Bedeu ungen, dass das Beispiel unbes imm , eben »o en« is .
Das Gedich üh dami e neu eine Ga ung o und in e ie sie. Das Beispiel in
In e iew is wede ein übe zeugende Beweis,
noch zeig es einen anschaulichen Fall.
96 | POEMA 2.2024
Die Religion gehö neben de poli ischen Meinung o enba zu den Themen, die Kasch-
ni z in jou nalis ischen In e iews eilweise e miss e. Es is nich so, dass Kaschni z in
ealen In e iews nie nach dem Ch is en um ge ag wo den wä e ( gl.Rudolph 1971, 91).
T
o zdem is das Bekenn nis und insbesonde e ein Glaubensbekenn nis ein Bedü nis, das
sich in allen d ei In e iew-Tex en zeig : Das Gedich In e iew bau au dem Be ehl zu
einem Bekenn nis au , im O e-Tex be ass sich die Sp echins anz am Ende des Tex s aus-
üh lich mi de eigenen eligiösen Hal ung und das Selbs in e iew ende in eine e -
schwö e ischen Übe eins immung mi einem d eimaligen »Ja.« und einem ausd ücklichen
Bekenn nis zum Ch is en um.
Indem Kaschni z in ih em Selbs in e iew K i ik an ih en Tex en di ek ansp ich und ein
Glaubensbekenn nis einb ing , leg sie ande e Schwe punk e als in jou nalis ischen In e -
iews. Sie bezieh sich abe auch au F agen, die ih in jou nalis ischen In e iews ges ell
wu den. Beispielsweise wu de Kaschni z in In e iews o au ih e iel äl igen li e a ischen
Fo men angesp ochen, wobei die be ei s zi ie e F age im Selbs in e iew deu lich p o o-
kan e ges ell is . Kaschni z ag sich selbs auße dem, ob es sie nich wunde e, dass ih e
Tex e auch junge Menschen ansp echen wü den ( gl.GW 7, 780–781), was eben alls in
einem jou nalis ischen In e iew im Eingangs ex e wähn wu de ( gl.Bienek 1962, 33).
Ausge echne dieses Thema nenn Kaschni z alle dings spä e im O e-Tex , wenn sie ypi-
sche und »langweilig[e]« In e iew agen au lis e ( gl.GW 3, 821).
De Kommen a zu In e iewsi ua ionen im O e-Tex , den Kaschni z in den 1970e Jah-
en no ie und schließlich nich publizie ha , bezieh sich somi nich nu au jou na-
lis ische In e iews, sonde n auch au ih eigenes li e a isches Selbs in e iew. Es is ein
Disku s auszumachen aus jou nalis ischen und li e a ischen In e iews, in dem die li e a-
ischen In e iews – das Gedich In e iew, das Selbs in e iew, de O e-Tex – die jou -
nalis ischen In e iews spiegeln, einige Aspek e au nehmen, sich on ande en Aspek en
abg enzen und die Ga ung sowie die soziale P axis des In e iews hin e agen.
7. Kommunika ions e weige ung und In e sion
In In e iew se z sich Kaschni z mi jou nalis ischen In e iews auseinande . Sie g ei y-
pische Aspek e on In e iewsi ua ionen au , kommen ie und hin e ag sie. Bezüge zu
jou nalis ischen In e iews lassen sich e kennen, das Gedich imi ie jou nalis ische In e -
iews abe nich nu , sonde n e binde die an sich schon hyb ide Ga ung mi wei e en
Ga ungen. Dabei we den die Ga ungsme kmale sys ema isch in e ie und die Ga un-
gen, insbesonde e diejenige des jou nalis ischen In e iews, hin e ag .
Das Gedich als ly isches In e iew mach deu lich, was in jou nalis ischen In e iews
meis ens unausgesp ochen mi schwing : Die E wa ung, dass die in e iew e Pe son ein
pe sönliches Bekenn nis ablegen soll, wi d in In e iew explizi gemach . Das Gedich en -
zieh sich diese E wa ung, indem nu Bekenn nisse ex nega i o au gelis e we den, die
Aeschlimann: In e sionen | 97
das Du nich einmal ableg , sonde n zu denen es nu au ge o de wi d. Im Ve gleich mi
ande en li e a ischen In e iews on Kaschni z wi d das Bedü nis deu lich, ande e Themen
anzusp echen, als ü gewöhnlich in jou nalis ischen In e iews o kommen. Auch dazu is
das Bekenn nis zen al. Es dien im Gedich dazu, eigene Themen einzub ingen, und is in
den ande en Tex en als Glaubensbekenn nis o handen. Kaschni z’ li e a ische und ly ische
In e iews sind abe keine eindeu ige K i ik an jou nalis ischen In e iews, sonde n bilden
gemeinsam mi ihnen einen Disku s, de iel äl ig au geg i en und pa odie wi d.
Eine g undlegende S a egie in In e iew is die In e sion. Mi den Lee s ellen, den negie -
en Bekenn nissen, eine unsich ba en Sp echins anz, einem Be ehl ans elle eines Dialogs
und einem Beispiel, das keines is , das dann doch eines is , abe ein unbes imm es, we den
Ga ungsaspek e jou nalis ische In e iews o ge üh und hin e ag . Dabei wi d imme
wiede Kommunika ion e weige : Es inde kein Gesp äch mi dem Besuche s a , s a -
dessen is das Gedich monologisch ode ein Selbs gesp äch; die Bekenn nisse unk ionie en
nu übe Nega ionen; und ausge echne das Beispiel, das de Anschaulichkei dienen soll,
bleib »o en«. Das Ziel eines jou nalis ischen In e iews, dass die in e iew e Pe son au die
ges ell en F agen an wo e und dadu ch das Publikum meh übe die in e iew e Pe son
e äh , schei e in Kaschni z’ ly ischem In e iew. Abe obwohl die Kommunika ion nich
geling und inhal lich kein gemeinsames Ve s ändnis en s eh , is Ve s ändnis in Bezug au
Ga ungswissen doch ge ade Vo ausse zung ü In e iew und sein Spiel mi den Ga ungen.
Li e a u
Alb ech , And ea, und Jens K umeich. F i z Ma ini und
die deu sche Li e a u wissenscha o und nach
1945. Heidelbe g: Synch on, 2022.
A is o eles. Rhe o ik. Übe se z und e läu e on
Ch is o Rapp (We ke in deu sche Übe se zung,
Bd.4.1). Be lin: Akademie Ve lag, 2002.
Aus , S e an. De Baade -Meinho -Komplex. München:
Wilhelm Goldmann, 2010.
Be g, Gunhild. »Li e a ische Ga ungen als Wissens ex-
u en. Zu Einlei ung und Konzep ion des Bandes«.
Wissens ex u en. O ganisa ions o men on Wissen.
Hg. Gunhild Be g. F ank u a.M.: Lang, 2014. 1–19.
Bienek, Ho s . We ks a gesp äche mi Sch i s elle n.
München: Hanse , 1962.
Bi ns iel, Klaus. »In e iew, P äsenz, Pa a ex . Ve such
eine o läu igen Feldbes immung«. Ech inszenie .
In e iews in Li e a u und Li e a u be ieb. Hg. To s-
en Ho mann und Ge ha d Kaise . Pade bo n: Fink,
2014. 63–80.
Bo kowski, Jan, und Simone Winko. »We sp ich das
Gedich ? Noch einmal zum Beg i ly isches Ich und
zu seinen E se zungs o schlägen«. Ly ische Na a-
ionen – na a i e Ly ik. Ga ungsin e e enzen in de
mi elal e lichen Li e a u . Hg.Ha mu Bleume und
Ca oline Emmelius. Be lin und New Yo k: De G uy e ,
2011. 43–77.
Bu ze , Gün e . Soliloquium. Theo ie und Geschich e
des Selbs gesp ächs in de eu opäischen Li e a u .
München: Fink, 2008.
Foo , Robe .
The Phenomenon o Speachlessness in
he Poe y o Ma ie Luise Kaschni z, Gün e Eich, Nelly
Sachs and Paul Celan.
Bonn: Bou ie , 1982.
F icke , Ch is ophe. »G enzen und Möglichkei en des
Au o enin e iews. Eine li e a u phänomenolo-
gische Analyse de Begegnungen zwischen E ns
Jünge und And é Mülle «. Weima e Bei äge 65.3
(2019): 429–448.
F ied ichs, Jü gen, und Ul ich Schwinges. Das jou -
nalis ische In e iew. [2001]. 4. Au l. Wiesbaden:
Sp inge , 2016.
Gaus, Gün e . Zu Pe son. Von Adenaue bis Wehne .
Po ai s in F age und An wo . Köln: Kiepenheue &
Wi sch, 1987.
98 | POEMA 2.2024
Gene e, Gé a d. Pa a ex e. Das Buch om Beiwe k
des Buches. F ank u a. M. und New Yo k: Campus,
1989.
Ge sdo , Dagma on. Ma ie Luise Kaschni z. Eine Bio-
g aphie. [1992]. 2.Au l.F ank u a.M.und Leipzig:
Insel, 1995.
Gö be , Johannes. »Selbs e zählungen in Gedich -
o m. Einige P olegomena zu Theo ie und P axis au-
obiog aphische Ly ik – mi zwei Beispielanalysen«.
Sich selbs e zählen. Au obiog aphie – Au o ik ion
– Au o scha . Hg. Sonja A nold, S ephanie Ca ani,
Ani a G öge , Ch is oph Jü gensen, Klaus Schenk und
Ma ina Wagne -Egelhaa . Kiel: Ludwig, 2018. 37–57.
Gymnich, Ma ion, und Bi gi Neumann. »Vo schläge
ü eine Rela ionie ung e schiedene Aspek e und
Dimensionen des Ga ungskonzep s. De Kompak -
beg i Ga ung«. Ga ungs heo ie und Ga ungsge-
schich e. Hg. Ma ion Gymnich, Bi gi Neumann und
Ansga Nünning. T ie : Wissenscha liche Ve lag,
2007. 31–52.
Haas, Wol . Das We e o 15 Jah en. Roman. 7. Au l.
Hambu g: Ho mann und Campe, 2007.
Halle , Michael. Das In e iew. [1991]. 5.Au l.Kons anz
und München: UVK Ve lagsgesellscha , 2013.
Hansen, Volkma . »Das li e a ische In e iew«. »In Spu-
en gehen…« Fes sch i ü Helmu Koopmann. Hg.
And ea Ba l, Jü gen Ede , Ha y F öhlich, Klaus Die-
e Pos und U sula Regene . Tübingen: Niemeye ,
1998. 461–473.
Ho mann, To s en. »Die Ausschal ung de Einschal ung
des Au o s. Au o k i ische Selbs inszenie ungen
in In e iews on Heine Mülle und W. G. Sebald«.
Sch i s elle ische Inszenie ungsp ak iken – Typo-
logie und Geschich e. Hg. Ch is oph Jü gensen und
Ge ha d Kaise . Heidelbe g: Win e , 2011. 313–430.
Ho mann, To s en. »In e iews. Zu Inszenie ung on
Nich -Inszenie hei «. Li e a u ü Lese 38.2 (2015):
99–111.
Ho mann, To s en. »Wah hei sspiele. Zu den In e iew-
o ma en And é Mülle s und Mo i z on Usla s«. The
Ge manic Re iew 91.1 (2016): 61–77.
Ho mann, To s en. »›ge edewä s‹«. Mündlichkei se -
ek e in In e iew omanen on Ka h in Röggla, Wol
Haas und John on Dü el. Tex ge ede. In e e enzen
on Mündlichkei und Sch i lichkei in de Gegen-
wa sli e a u . Hg. Da id-Ch is ophe Assmann und
Nicola Menzel. Pade bo n: Fink, 2018. 77–93.
Ho mann, To s en, und Ge ha d Kaise . »Ech inszenie .
Sch i s elle in e iews als Fo schungsgegens and«.
Ech inszenie . In e iews in Li e a u und Li e a u -
be ieb. Hg. To s en Ho mann und Ge ha d Kaise .
Pade bo n: Fink, 2014. 9–25.
Ho mann, To s en, und S e an Pabs . »Einlei ung: Li-
e a ische In e iews«. The Ge manic Re iew 91.1
(2016): 1–6.
Kaléko, Mascha. Säm liche We ke und B ie e in ie Bän-
den. Bd. 1: We ke. Hg. Ju a Rosenk anz. München:
Deu sche Taschenbuch Ve lag, 2012.
Kaschni z, Ma ie Luise. Gesammel e We ke. Hg. Ch is-
ian Bü ich und No be Mille . F ank u a.M.: Insel,
1981–1989.
Kaschni z, Ma ie Luise. Tagebüche . Hg. Ch is ian Bü -
ich, Ma ianne Bü ich und I is Schnebel-Kaschni z.
F ank u a.M. und Leipzig: Insel, 2000.
Klein, Jose . »Beispiel«. His o isches Wö e buch de
Rhe o ik. Hg. Ge Ueding. Tübingen: Niemeye , 1992.
Bd.1.1430–1345.
Klepzig, Ge d. »K is all bei de Kaschni z«. K is all 1.2
(1961): 20–22.
Kluge, F ied ich. »In e iew«. E ymologisches Wö -
e buch. Be lin und Bos on: De G uy e .
h ps://
www.deg uy e .com/da abase/KLUGE/en y/klu-
ge.4959/h ml
. (23. Juni 2023).
K au hausen, Ka in. »Gesp äche mi Un o en. Das kon-
junk i ische In e iew in Ka h in Rögglas Roman
wi schla en nich «. Kul u & Gespens e 2 (2006):
118–135.
Lejeune, Philippe. De au obiog aphische Pak . F ank-
u a. M.: Suh kamp, 1994.
Magaß, Wal e , und F anz-Hube Robling. »Con essio«.
His o isches Wö e buch de Rhe o ik. Bd.2. Hg. Ge
Ueding. Tübingen: Niemeye , 1994..348–350.
Magaß, Wal e , und F anz-Hube Robling. »Con essio-
nes«. His o isches Wö e buch de Rhe o ik. Bd.2. Hg.
Ge Ueding. Tübingen: Niemeye , 1994. .350–352.
Ma ini, F i z. »Au de Suche nach sich selbs . Zu Ma ie
Luise Kaschni z’ Gedich In e iew«. Vom S u m und
D ang zu Gegenwa . Au o enpo ä s und In e p e-
a ionen. Ausgewähl e Au sä ze. F ank u a.M.u.a.:
Lang, 1990. 411–417.
Masschelein, Anneleen, Ch is ophe Meu ée, Da id Ma -
ens und S éphanie Vanas en. »The Li e a y In e iew.
Towa d a Poe ics o a Hyb id Gen e«. Poe ics Today
35.1–2 (2014): 1–49.
Mech el, Angelika. Al e Sch i s elle in de Bundes epub-
lik. Gesp äche und Dokumen e. München: Pipe , 1972.
Michle , We ne . Kul u en de Ga ung. Poe ik im Kon ex .
1750–1950. Gö ingen: Walls ein, 2015.
Pabs , S e
an. »In e iew-Li e a u : Tom Kumme s
Fake-In e iews und die Folgen«. The Ge manic Re-
iew: Li e a u e, Cul u e, Theo y 91.1 (2016): 41–60.
Paulus, Jö g. »›… el un boome ang‹. Au o ik ionale
Spielzüge bei Wi old Gomb owicz und in Selbs in e -
Aeschlimann: In e sionen | 99
iews de 1960e Jah e«. Fak en, Fik ionen und Fac -
Fic ions. Hg. Toni Tholen, Pa icia Ci e Wib ow und
A no Gimbe . Hildesheimu.a.: Olms, 2018. 119–142.
Pe zold, Jochen. Sp echsi ua ionen ly ische Dich ung.
Ein Bei ag zu Ga ungs ypologie. Wü zbu g: Königs-
hausen & Neumann, 2012.
P liege , Klaus. Die Ro e A mee F ak ion RAF. 14.5.1970
bis 20.4.1998. Baden-Baden: Nomos, 2004.
Reichwein, Ma c, und Michael Pilz. »Das In e iew.
Quan i a i e und quali a i e Aspek e eine euille-
onis ischen Fo m«. Feuille on. Sch eiben an de
Schni s elle zwischen Jou nalismus und Li e a u .
Hg. Hildega d Ke nmaye und Simone Jung. Biele eld:
ansc ip , 2017. 237–259.
Röggla, Ka h in. wi schla en nich . Roman. 2. Au l.
F ank u a. M.: Fische , 2004.
Roßbach, Nikola. »›Mein Imme nochda‹. Ich-Fo men
in de Ly ik on Ma ie Luise Kaschni z«. Ma ie Luise
Kaschni z. Eine sensible Zei genossin. Hg.Jan Bade-
wien und Hansgeo g Schmid -Be gmann. Ka ls uhe:
E angelische Akademie Baden, 2002. 47–71.
Rudolph, Ekkeha . P o okoll zu Pe son. Au o en übe
sich und ih We k. München: Lis , 1971.
Scha ick, Ma hias. »Das In e iew als Roman. Das
We e o 15 Jah en on Wol Haas«. Ech inszenie .
In e iews in Li e a u und Li e a u be ieb. Hg. To s-
en Ho mann und Ge ha d Kaise . Pade bo n: Fink,
2014. 417–430.
Schumache , Eckha d. »›Ich wähl e ein g oßes Mik o-
phon…‹«. In e iew und P o okoll als li e a ische Ve -
ah en. Tex ge ede. In e e enzen on Mündlichkei
und Sch i lichkei in de Gegenwa sli e a u . Hg. Da-
id-Ch is ophe Assmann und Nicola Menzel. Pade -
bo n: Fink, 2018. 95–109.
Schü , Hans-Die e . »Gün e Gaus und die pe ek e Bei-
läu igkei on Scheune, Baum und Hügel«. Gün e
Gaus. Was bleib , sind F agen. Hg.Hans-Die e Schü .
Be lin: Das Neue Be lin, 2000. 8–52.
Schweike , Uwe. »Das eingek eis e Ich. Zu Sch i de
E inne ung bei Ma ie Luise Kaschni z«. Ma ie Luise
Kaschni z. Hg. Uwe Schweike . F ank u a.M.: Suh -
kamp, 1984. 58–77.
Simons, Oli e , und Joseph Vogl. »In e iew als Fo m«.
The Ge manic Re iew 91.1 (2016): 87–96.
Sp inge , Mi jam. »Übe k us ungen. Das Selbs po ä
in de deu schen Gegenwa sly ik«. Au o und Subjek
im Gedich . Posi ionen, Pe spek i en und P ak iken
heu e. Hg.Pe e Geis , F iede ike Reen s und Hen ie-
ke S ahl. Be lin: Me zle , 2021. 253–267.
S ack, F ied ich. »›Une bi lichkei ‹ als poe isches Pos-
ula . Zum ly ischen We k on Ma ie Luise Kaschni z«.
wei e sch eiben. wiede sch eiben. Deu schsp a-
chige Li e a u de ün zige Jah e. Hg.Ad ian Hum-
mel und Sig id Niebe le. München: Iudicum, 2004.
278–287.
Thiele, Ch is ian. In e iews üh en. Kons anz: UVK Ve -
lagsgesellscha 2009.
Usla , Mo i z on. »Ein ausend zei lose Thesen zu Kuns
des In e iew üh ens. Remix (München, Feb ua
2014)«. The Ge manic Re iew 91.1 (2016): 78–86.
Ve e , Helga. »Übe das Ve häl nis de O iginal agebü-
che zu li e a ischen Tagebuchp osa bei Ma ie Luise
Kaschni z«. Ma ie Luise Kaschni z. Eine sensible Zei -
genossin. Hg.Jan Badewien und Hansgeo g Schmid -
Be gmann. Ka ls uhe: E angelische Akademie Baden,
2002. 36–46.
Ve e , Helga. Ichsuche. Die Tagebuchp osa on Ma ie
Luise Kaschni z. S u ga : M&P Ve lag ü Wissen-
scha und Fo schung, 1994.
Voges, S e an. Konzil, Dialog und Demok a ie. De Weg
zu Wü zbu ge Synode 1965–1971. Pade bo n: Schö-
ningh, 2015.
Wegmann, Thomas. »›Es s imm ja imme zugleich alles
und nich s‹: Zu Theo ie des Au o s und zum Tod als
Gegens and in In e iews: Mülle , Be nha d, De ida«.
The Ge manic Re iew 91.1 (2016): 7–24.
Wenzel, Tobias, und Ca olin Seelige . Was ich mich schon
imme agen woll e. 77 Sch i s elle im Selbs ge-
sp äch. Be n: Ben eli, 2008.
Wi e , Ben. Spazie gänge mi P ominen en. Zü ich: Dio-
genes, 1969.
100 | POEMA 2.2024
Au o in
So ie Aeschlimann, M. A.
Uni e si ä Be n, Ins i u ü Ge manis ik,
[email p o ec ed]
Open Access
This pape is published unde he C ea i e Commons A ibu ion–Sha eAlike 4.0 In e na ional license (
CC BY-
SA 4.0
). Please no e ha indi idual, app op ia ely ma ked pa s o he pape may be excluded om he license
men ioned o may be subjec o o he copy igh condi ions. I such hi d pa y ma e ial is no unde he C ea i e
Commons license, any copying, edi ing o public ep oduc ion is only pe mi ed wi h he p io consen o he
espec i e copy igh owne o on he basis o ele an legal au ho iza ion egula ions.