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Das Christkind und der Kaiser: Überlegungen zum Bordesholmer Altar

Abstract

Thomas Sternberg vertritt in seinem Aufsatz Das Christkind von Bordesholm die These, dass die Christkindfigur, die sich im Tabernakel der Bordesholmer…

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Das Christkind und der Kaiser: Überlegungen zum Bordesholmer Altar

Author: Nawrocki, Paul
Year: 2024
DOI: 10.38072/2941-3362/p13
Source: https://macau.uni-kiel.de/servlets/MCRFileNodeServlet/macau_derivate_00006650/kiel-up_2941-3362_p13.pdf
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PAUL NAWROCKI
Das Ch is kind und de Kaise
Übe legungen zum Bo desholme Al a
Das meis beach e e mi elal e liche Re abel in Schleswig-Hols ein is ganz siche das des Bo desholme
Al a s on Hans B üggemann, das sich sei 1666 im Schleswige Dom be inde . Schon im 19. Jah hun-
de
and es eiche kuns his o ische Beach ung. Nach de Monog a ie on Ingebo g Kähle 1981 sind
neben einzelnen Au sä zen o allem ein on Uwe Alb ech , Ha mu K ohm und Ge ha d Kaldewei
1996 anlässlich eine Auss ellung in de Kiele Landesbiblio hek konzipie e Tagungsband zu nen-
nen sowie die einschlägige B üggemann-Monog a ie on Jan F ied ich Rich e aus dem Jah e 2011.1
Zule z bo das 500-jäh ige Bes ehen des Al a e abels 2021 den Anlass ü eine Tagung und den an-
schließenden Tagungsband.2 Das Re abel bie e also imme noch S o ü wei e e Fo schung. Zwei
P obleme sollen hie einmal e was genaue un e such we den: die Bes ückung des Tabe nakels in de
P edella und die Iden i izie ung de beiden g oßen Figu en, die den Al a au Säulen beglei en (und
de zei links on ihm au ges ell sind).
Das Al a abe nakel
Wäh end die bishe ige Fo schung sich da in einig wa , dass das Tabe nakel in de P edella ein Sa-
k amen ssch ein is , welche de Au bewah ung de Eucha is ie – wah scheinlich in Ges al eine
Mons anz mi de geweih en Hos ie – dienen soll e (
Abb. 1
), ha jüngs de Theologe Thomas
S e nbe g eine öllig neue These au ges ell , nach de sich do on An ang an die Ch is kind igu
be unden habe, die noch heu e do au ges ell is .3
E sieh in dem o sp ingenden, e gi e en Tabe nakel deshalb keinen Sak amen ssch ein zu
Au bewah ung de Hos ie, sonde n ehe einen Reliquiensch ein ü das Bildwe k, obwohl diesem
ga kein Reliquiencha ak e zukomm . E e wäg soga , das Tabe nakel könne eigens ü die Ch is -
kind igu gescha en wo den sein; diese soll die wich ige, sons au dem Re abel abe ehlende
1 Kähle 1981. – Alb ech e al. 1996. – Rich e 2011.
2 Auge e al. 2023. – Vgl. dazu auch die Rezension in diesem Band.
3 S e nbe g 2023.
Kiel-UP •
h ps://doi.o g/10.38072/2941-3362/p13
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Da s ellung de Inka na ion, de Menschwe dung Ch is i, e e en. Als Beleg ü seine These
weis S e nbe g au die zahl eichen Ch is kind igu en – meis ens aus land ische P oduk ion – die
ge ade um 1500 als Andach sbilde seh belieb wa en und, mi au wändige Bekleidung e sehen,
sich allgemeine Ve eh ung e eu en.4
Es s ell sich abe die F age, ob sich die Au s ellung auch nu eine diese Figu en in einem
Al a abe nakel zu Beginn des 16. Jah hunde s i gendwo nachweisen läss 5 und wa um Meis e
B üggemann diese zen ale S elle nich mi eine on ihm selbs geschni z en Ch is us igu e -
sehen ha , wie es Claus Be g bei seinem be ühm en Al a in Odense a . Das Al e de Figu – um
1500 und dami seine En s ehung wenige Jah e o dem Bo desholme Re abel – is unbes i en.
Abe dass sie ü das Bo desholme Tabe nakel bes imm gewesen sein soll, läss sich da aus nich
schließen. Zwa wa das »kleine Kindlein im e gülde en Sch ankwe k au dem g oßen Al a « nach
dem Zeugnis des Bo desholme Küs e s Ma in Co onaeus 1637, also schon in Bo desholm, o -
handen.6 Abe damals, 116 Jah e nach dem En s ehen des Re abels, wa au g und de Re o ma ion
4
Vgl. S e nbe g 2023, Abb. 1, 11–15. Das Schleswige Exempla e eich mi 52 cm Höhe nich einmal die halbe Höhe des
Tabe nakels (107 cm).
5 Die Ve b ei ung de on S e nbe g (2023, bes. S. 145–146) e wähn en Ch is kind igu en sag nich s aus übe ih en u sp üng-
lichen S ando . Sie be inden sich übe wiegend in Museen. De be ühm e »Bambino« in de ömischen Ki che San a Ma ia in
A acoeli s eh in eine Nebenkapelle des No dque hauses. De Hinweis au Legenden, nach denen sich bei de Wandlung das
B o in ein Kind e wandel habe (S e nbe g 2023, S. 147) – e gleichba mi de bekann en G ego smesse – dü e ehe das
Tabe nakel als Zen um de Eucha is ie bes ä igen.
6 Rich e 2011, S. 121. – Auge/Hilleb and 2019, Bd. 1, S. 231. – S e nbe g 2023, S. 144. Die Fo mulie ung bei Wes phalen 1740,
Sp. 601 (»pue uli simulac um, quod in sc inio inau a o al a i imposi um e a «) könn e abe du chaus au ein nach ägliches
Ein ügen des Bildwe ks deu en.
Abb. 1: Die P edella des Bo desholme Al a s. Fo o: Paul Naw ocki, e ö en lich un e de Lizenz
CC BY-SA 4.0
.
P. Naw ocki: Das Ch is kind und de Kaise  | 75
an den Al ä en ieles be ei s e ände . Geo g Habenich besch eib den schocka igen Vo gang,
bei dem nach Lu he s Ablassk i ik »alle üb igen F ömmigkei ssek o en: die zahl eichen Wall ah -
en, die wuche nde Reliquien ömmigkei , das monas ische Leben, de hype ophe S i e ma k «
zusammenb achen.7 1541 e anlass e König Ch is ian III., de die Re o ma ion in Dänema k
du ch-
gese z ha e, eine Visi a ion des Klos e s und e lang e den T eueeid und die Abscha ung »al -
gläubige Ze emonien«.8 Dazu gehö e siche auch die Au gabe des F onleichnams es es, das on
Lu he abgelehn wu de.9 Im Zuge des D eißigjäh igen K ieges (1627) gab es auch in Bo desholm
Ze s ö ungen und Plünde ungen.10 Exis ie e u sp ünglich einmal eine kos ba e Mons anz, dann
dü e sie spä es ens damals e schwunden sein.
Das Klos e , das um 1320 nach Umsiedlung aus Neumüns e en s and und de Jung au Ma ia
geweih wa , e üg e im Mi elal e übe zahl eiche Reliquien,11 die – in Ve bindung mi dem G ab
des Klos e g ünde s Vicelin – iele Pilge anlock en. Dies wu de du ch bischö liche Ablässe und
die Ein üh ung eines besonde en Reliquien es es ( es um eliquia um) ge ö de . Wenn in diesem
Zusammenhang be ich e wi d, Reliquien seien au dem Hochal a ausges ell gewesen,12 dann
bezieh sich das o enba au den u sp ünglichen Al a des 14. Jah hunde s, de wah scheinlich
ein »Reliquienal a « nach A des noch bes ehenden Cisma e Al a s wa . Von eine Mons anz is
keine Rede. Wenn abe Co onaeus spä e das eins ige F onleichnams es ( es um co po is Ch is i)
e wähn , bei dem ein kos ba es K euz o ange agen wu de,13 dann is dies ein deu liche Hinweis
au die F onleichnamsp ozession, bei de ja de Leib Ch is i in de Ges al de konsek ie en Hos ie
im Mi elpunk s and. Wi wissen nich , wann das Fes in Bo desholm einge üh wu de und ob es
sich bei dem e o de lichen Schauge äß schon um eine Mons anz handel e. Ve lockend is abe
de Gedanke, He zog F ied ich könne bei de S i ung des Al a es auch die dem Tabe nakel an-
gemessene Mons anz ges i e haben. Nach Co onaeus wu den die Reliquien jeden alls spä e nu
noch in zwei Sch änken (sc inia) e wah .14
De hie mi angedeu e e Wandel en sp ich de En wicklung in de Gesam ki che: Im Lau e
des Mi elal e s ha e sich die Leh e on de T anssubs an ia ion he ausgebilde und sei dem
4. La e ankonzil (1215) eine allgemeine Gel ung beansp uch . Danach and du ch die p ies e -
lichen Wandlungswo e in de Mess eie eine daue ha e Wandlung on B o und Wein in den
Leib und das Blu Ch is i s a . Die leibliche Gegenwa Ch is i wu de zunächs ehe spo adisch
ge eie . Das allgemeine Schau e langen and schon Ausd uck in de Ele a ion, de E hebung
de Hos ie nach de Wandlung. 1264 wu de du ch eine päps liche Bulle ü die Gesam ki che das
F onleichnams es ( es um co po is Ch is i) einge üh . Es wu de üblich, konsek ie e Hos ien in
kos ba en Behäl nissen, zunächs in geschlossenen, dann in du chsich igen Ge äßen (Pyxiden)
7 Habenich 2023, S. 171.
8 Auge/Hilleb and 2019, Bd.1, S. 195. – Bünz 2023, S. 42.
9 Fuchs 2006, S. 36.
10 Wes phalen 1740, Sp. 605.
11 Auge/Hilleb and 2019, Bd. 1, S. 200, 234–235.
12 Wes phalen 1740, Sp. 466
(1483): »plu es ene andissimæ sanc o um a que sanc a um Reliquiæ in abula summi al a is [...]
sin exposi ae«.
13 Wes phalen 1740, Sp. 600: »p ae ule un eam in es o co po is Ch is i«.
14 Auge/Hilleb and 2019, Bd. 1, S. 234. – Wes phalen 1740, Sp. 600: »Duo sc inia eliquiis e ebus sac is eple a e an «. S e n-
be gs Abb. 10, e mi el den Eind uck eines solchen Reliquiensch anks. Aus dem Mi elal e e hal en sind Reliquiensch änke
in Løgumklos e und in Dobe an.
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und schließlich in Mons anzen
zu Anschauung, Ve eh ung und Anbe ung in den Ki chen und au
P ozessionen zu p äsen ie en.15
Übe ih e Au s ellungso e in de Ki che gab es keine allgemeinen Vo sch i en.16 Ins Cho gemäue
eingelassene, e schließba e Wand abe nakel, die nich nu de Eucha is ie, sonde n auch zu Au nah-
me kos ba e li u gische Ge ä e und Reliquien dienen konn en, sind in Deu schland sei dem 12. Jah -
hunde bekann .17 Gegen Ende des Mi elal e s en s anden besonde e Sak amen ssch änke und u ma -
ige Sak amen shäuse . Sowei e hal en, sind ih e Tü en bemal und zeigen meis ens au de Innensei e
Ch is us als Schme zensmann. Imme hin weis die Tü des eins igen wand es en Sak amen ssch anks in
Ge o (um 1480) au de Innensei e eine Da s ellung de Ma ienk önung au , wäh end au de Außen-
sei e (Abb. 2) zwei Engel mi eine p äch igen, go ischen Mons anz au den eins igen Sch ankinhal
e weisen.18 Mons anzen müssen also o B üggemann in Schleswig-Hols ein bekann gewesen sein.
In de Ki che des Schleswige Johannesklos e s, de Pe e sdo e Ki che au Fehma n, de Lübecke
Ma ienki che und im Dobe ane Müns e sind Sak amen s ü me e hal en. B üggemann selbs ha
15
Fuchs 2006, S. 17. – B owe 1967, S. 98–102. – Nußbaum 1979, S. 154–458. Die heologische Li e a u geh kaum au die F a-
ge nach den Behäl nissen ein. Es is ielmeh imme wiede nu on de Eucha is ie, om Sak amen , om Alle heiligs en, om
Sanc issimum die Rede. Dass sich sei ca. 1400 in Deu schland die daue nde Auss ellung de »un e hüll en Eucha is ie« ausb ei-
e e (Nussbaum 1979, S. 163, 393), läss sich abe wohl kaum ohne die Annahme en sp echende Mons anzen e klä en. Zwa
gab es Wide s and gegen diese P axis und ih e Auswüchse, so besonde s du ch den päps lichen Lega en Nicolaus Cusanus, de
abe wei gehend e olglos wa (Nussbaum ebd.) und nich s übe die Ve häl nisse in Bo desholm aussag . Au die Auswi kung
de Re o ma ion geh S e nbe g (2023, S. 142–143) ga nich ein
.
16 B aun 1924, S. 587.
17 Nußbaum 1979, S. 399.
18 Im Museum ü Kuns und Kul u geschich e, S i ung Schleswig-Hols einische Landesmuseen Schloss Go o , Schleswig
(In . N . AB 18).
Abb. 2: Tü eines es en Sak amen sch ankes aus
Ge o , um 1480, S i ung Schleswig-Hols einische
Landesmuseen Schloss Go o , Schleswig. Museum
ü Kuns und Kul u geschich e. Fo o: Museum ü
Kuns und Kul u geschich e, Ul ich Schneide .
P. Naw ocki: Das Ch is kind und de Kaise  | 77
ü die S ad ki che in Husum einen mäch igen Sak amen s u m gescha en, de nach dem Abb uch
de Ki che (1807) ze iel.19
Angesich s diese Viel al übe asch es, dass man on de Möglichkei , Sak amen s abe nakel in
die P edellen de spä go ischen Haup al ä e einzubauen, anscheinend wenig Geb auch gemach ha .
Ta sächlich sollen abe solche Al a abe nakel im Spä mi elal e »im deu schsp achigen Raum gängig
und keine Besonde hei des Bo desholme We kes« gewesen sein.20 Im p o es an ischen No den sind
jedoch ge ade die P edellen meis ens ga nich meh in ih em u sp ünglichen Zus and e hal en und
zeigen o nehmlich nachmi elal e liche Gemälde des Abendmahls ode Bibel e se. Äl es es e hal e-
nes deu sches Beispiel eines Al a abe nakels is wohl de Kla enal a im Kölne Dom (nach 1350).
Seine zen ale Nische is mi eine hölze nen Tü e schlossen, au de de hl. Ma in ge ade bei de
Ele a ion de Hos ie wäh end de Wandlung da ges ell is .21 Die e gi e en P edellenge ache in
Segebe g und Aa hus e inne n wohl noch an äl e e Reliquienal ä e. Nischen in de Mi e de P edella
– so in Kiel (F anziskane al a in de Nikolaiki che), Giekau und Nieblum au Föh – dü en Sak a-
men ssch eine gewesen sein und we den i. A. auch so genann .
Das Bo desholme Al a abe nakel läss sich hie eino dnen. Du ch seine he o e ende Posi ion
s ell es abe – abgesehen on seine küns le ischen Quali ä – e was Besonde es da . Eine e gi e e,
abe e schließba e Tü ö nung e laub den Blick ins Inne e. Au die Ve schließba kei de Tabe -
nakel wu de zu Ve meidung on Missb auch und Diebs ahl schon im Mi elal e ged äng .22 Ge ade
de Tabe nakel e schluss in Schleswig (au de Rücksei e du ch eine e schließba e Klappe) dü e
ein Hinweis da au sein, dass e was besonde s Kos ba es zu schü zen wa . Insgesam sp ich nich s
gegen die Annahme, diese »heiligs e O de Ki che«23 sei auch de O des Alle heiligs en gewesen.
Da au weisen auch die ie Da s ellungen de P edella, die sich deu lich au das Messop e beziehen.
Die G öße des Tabe nakels, abe auch seine e gi e e Tü sp echen da ü , dass hie keine Hos ien-
behäl e wie eine Pyxis ode ein Zibo ium au bewah wu den, sonde n eine Mons anz. Das Tabe -
nakel wa demnach kein »Kommunions abe nakel«. Fü die allgemeine Kommunion im Rahmen de
Mess eie muss es Hos ienbehäl e gegeben haben, übe die wi abe nich s Nähe es wissen. Imme -
hin is au den Abendmahlsda s ellungen ech s und links des Bo desholme Tabe nakels jeweils ein
undes, dosena iges Ge äß zu sehen, das e mu lich als Hos ienbehäl e dien e.24
Angesich s de noch o handenen mi elal e lichen Al a abe nakel, zu denen ja auch das Bo des-
holme Tabe nakel gehö , sind S e nbe gs Behaup ungen un e s ändlich, »die zen ale Au s ellung
de Tabe nakel au dem Haup al a in de Haup sich achse de Ki che« sei ein nach e o ma o isches
Phänomen und »nö dlich de Alpen se z e sich de Al a abe nakel […] e s im 17. Jah hunde
du ch«.25 Sie gehen au Ral an Büh en zu ück, de im Ge olge de Gegen e o ma ion »die op ische
Zen ie ung des Ki chen aums au den Haup al a mi Tabe nakel […] in as allen ka holischen Sak-
19
Co onaeus nann e es »cibo ium majus (Mons an z) quod Husumi es « (Wes phalen 1740, Sp. 598). In Dänema k gib es noch zahl eiche
Sak amen ssch änke und -häuse . Sie we den in de Fachli e a u du chweg »Mons an sskab« bzw. »Mons an shus« genann
.
20 E e s 2023, S. 105. – Nußbaum (1979, S. 427–454) widme ihnen ein eigenes Kapi
el. Nach dem Lexikon ü Theologie und Ki -
che (F eibu g 1964, S ichwo ›Tabe nakel‹) wu de das Tabe nakel als »Gehäuse zu Au bewah ung de konsek ie en eucha is .
B o ges al […] om 14. Jh. an […] in das Re abel des Al a es e leg «.
21 Nußbaum 1979, S. 429.
22 B aun 1924, S. 587; Nußbaum1979, S. 365–376.
23 S e nbe g 2023, S. 143.
24 So auch Kähle 1981, S. 62, 67.
25 S e nbe g 2023, S. 141–142. Vgl. an Büh en 2014, S. 103.

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albau en om 16. bis zum 19. Jah hunde « es s ell ,26 ohne abe die mi elal e lichen Vo läu e des
neuzei lichen Al a abe nakels zu negie en.
Das Bo desholme Tabe nakel is nich nu Teil de P edella, es gehö auch zu ungewöhnlich
eich ges al e en Al a achse. In ih em Zen um s eh die K euzigungsszene, die abe in Ve bindung
mi de Da s ellung on Go Va e und de (schwie ig e kennba en) Taube des Heiligen Geis es
zugleich die T ini ä abbilden soll. Die Wel ge ich sszene im Gesp enge kenn man sons haup säch-
lich on go ischen Po alen und Gewölbemale eien und dü e bei Schni zal ä en in e gleichba e
Posi ion kein zwei es Mal o kommen. Sie bilde in Ve bindung mi den g oß da ges ell en, sündigen
U el e n ein D eieck, das de Zei spanne de menschlichen Exis enz en sp ich .
In seinem Zen um s eh in eine eigenen kapellena igen Nische die Madonna mi dem Kinde
(Abb. 11), die Pa onin de Ki che. Sie is »mi de Sonne bekleide , ha e den Mond un e ih en Fü-
ßen und ug au dem Kop eine K one on zwöl S e nen« (O 12,1). So e schein sie also als Apo-
kalyp isches Weib und e mi el zugleich als Himmelskönigin zwischen dem Op e od Ch is i und
Ch is us im Jüngs en Ge ich . Dass Engel das Blu Ch is i in Kelchen au angen, weis au eine di ek e
Ve bindung mi de Eucha is ie, d. h. mi dem Tabe nakel. Den Gläubigen e wa e das Ge ich , e
kann abe au die Gnade e auen, die ihm die Gegenwa Ch is i in de Eucha is ie ga an ie . Ge-
ade das Wel ge ich , die sündigen Menschen und das Tabe nakel sind dahe auch bei geschlossenen
Al a lügeln imme sich ba .
Fü die These, das Bo desholme Al a abe nakel sei eins eucha is isches Zen um de Ki che gewe-
sen, ließen sich zwa Hinweise und A gumen e an üh en, es ehlen abe unmi elba e sch i liche Be-
lege. Das gil abe in noch wesen lich höhe em Maße ü die These, hie sei on An ang an die Ch is -
kind igu au ges ell gewesen, die sich heu e noch do be inde . Es bes eh wei e e Fo schungsbeda .
Augus us ode Salomon?
Das zwei e s i ige Thema sind die beiden das Re abel e wei e nden Säulen igu en (
Abb. 3
). S e n-
be g iden i izie sie mi Kaise Augus us und de Tibu inischen Sibylle, eine Vo s ellung, die au
Augus Sach zu ückgeh und die spä e besonde s on Ho s Appuhn e e en wu de.27 Sie be ie en
sich au mi elal e liche Legenden, die besonde s in de Legenda Au ea des Jacopo de Vo agine (um
1264) g oße Ve b ei ung anden.28 Danach e nahm Augus us au seine F age an die Gö e , we nach
ihm das Reich egie en soll e, eine S imme, die ihm die Gebu Ch is i ankündig e. De Kaise soll
da au hin »dem Sohn des lebendigen Go es« einen Al a ges i e haben. Bekann e is die Szene, in
de Augus us die Sibylle ge ag haben soll, ob es jemals einen Menschen geben we de, de g öße sei
als e . Als An wo e leb e e am Tage de Gebu Ch is i die Vision de »alle schöns en Jung au« mi
einem Kind au dem Schoß in einem goldenen K eis übe dem »Al a des Himmels« (a a coeli) und
wi d au ge o de , es anzube en.29
26 Van Büh en 2014, S. 99.
27 Sach 1895, S. 55–57. – Appuhn 1987 [1983], S. 30.
28 Benz 1997 [1917/1921], S. 53–54.
29 Die Szenen sollen sich au dem ömischen Kapi ol abgespiel haben, wo spä e die Ki che San a Ma ia in A a Coeli en s and.
Zu E inne ung behe be g sie in eine Nebenkapelle des nö dlichen Sei enschi s eine Ch is kind igu , den »Bambino«.
P. Naw ocki: Das Ch is kind und de Kaise  | 79
Sach und Appuhn sahen also in de Bo desholme S ahlenmadonna (
Abb. 11
) in Ve bindung
mi den beiden Säulen igu en (Abb. 3) eine Da s ellung diese A a-Coeli-Szene. Zu Un e mau ung
diese These konn en sie be ei s au die zahl eichen zei genössischen Da s ellungen de A a-Coeli-
Szene e weisen, so au das Middelbu ge Al a bild on Rogie an de Weyden (
Abb. 6
), das sich in
Be lin be inde , und au Hen ik Dou e mans Al ä e in Kalka (
Abb. 7
) und Xan en.30
Es wa wohl de Schleswige Haup pas o Wilhelm Meye , de 1933 e s mals Bedenken äuße e:
E sah zwischen den Säulen igu en und de S ahlenmadonna »so iele lei, nämlich die bun e, ge-
s al en eiche Da s ellung de Leidensgeschich e, dass de Beschaue eigen lich nich au den Gedan-
ken kommen kann, dass de Augus us nu zum Madonnenbild in Beziehung gese z we den soll und
mi ihm eine Einhei bilde «.31 1949 e inne e Meye an eine These, die sein im K ieg ge allene Sohn
schon 1931 o mulie habe: Bei den beiden Säulen igu en handele es sich um König Salomon und die
Königin on Saba, die » iel ach un e die Sibyllen gezähl « we de; sie, die » om Ende de E de kam,
um Salomons Weishei zu hö en«, we de am Ge ich au e en und dieses Geschlech e dammen
(Lk 11,31). T o z dieses Hinweises au das Jüngs e Ge ich , das im Gesp enge des Bo desholme
Re abels imme zu sehen is , glaub e Meye nich , dass dies »de gewöhnliche Beschaue he aus-
gelesen haben wü de«.32 F i z Fuglsang e such e, die beiden Deu ungen mi einande zu e bin-
30 Sach 1895, S. 50. – Appuhn 1987 [1983], S. 30.
31 Meye 1933. E sah in den Säulen igu en König Da id und eine Sibylle, die in ih en Weissagungen »Zeuge ü den jüngs en Tag
und den Un e gang de Wel « seien. Dazu: Naw ocki 2017, S. 13–14.
32 Meye 1949.
Abb. 3: Die beiden Säulen igu en in de Au s ellung o 2021. Aus: Kähle 1981, Ta el 86.
80 | No delbingen 90
Abb. 4: Augus us und die Sibylle in einem Heilsspiegel, um
1400. Aus: Appuhn 1981, S. 23.
Abb. 5: Augus us und die Sibylle an einem Heilsspiegel, um
1460. Aus: S e nbe g 2023, S. 139.
← Abb. 6: Rogie an de Weyen, linke Flügel des Bladelin-
T ip ychons aus Middelbu g, 1445–1448. Gemäldegale ie Be lin.
↑ Abb. 7: Hen ik Dou e man: Augus us und die Sibylle am
Siebenschme zen-Ma ien-Al a , 1518–1522. Aus: Naw ocki
2017, S. 10.
P. Naw ocki: Das Ch is kind und de Kaise  | 81
den.33 Ingebo g Kähle and, die Salomon e sion wü de »g undsä zlich in das Gesam konzep de
Al a ikonog aphie du chaus hineinpassen«, blieb abe doch angesich s de »Bild adi ion« bei de
Augus us e sion.34
1996 g i Ke s in K upcke die Salomon e sion wiede au .35 Sie wies au die Unge eim hei en
de Augus us e sion hin, auch au die mäch ige Tu bank one, die doch ehe zu einem o ien ali-
schen He sche passe. Vo allem bezog sie die Li e a u zu mi elal e lichen K euzholzlegende
und besonde s die Sibyllenweissagungen mi ein, die Aussagen zum gesam en mi elal e lichen
Wel e s ändnis en hal en:36 zu Schöp ungsgeschich e, zu Passion Ch is i, zum Heiligen Römi-
schen Reich und ausd ücklich auch zum Jüngs en Ge ich . Dass auch de Niede gang des Juden-
ums p ophezei wi d, e klä nach K upcke die passi e Hal ung des Mannes, in dem sie König
Salomon sieh , de – im Gegensa z zu Augus us – »den kommenden Ch is us nich als Höhe -
s ehenden ane kenn «.37 Dies küns le isch auszud ücken, is na ü lich schwie ige als die Vision
des Augus us da zus ellen. Imme hin e scheinen beide Szenen in de Schedelschen Wel ch onik
(1493): die Vision des Augus us, e bunden mi dem Be ich de Legenda Au ea (Abb. 9), und die
»Sibilla saba«, die »Salomon Rex« besuch (Abb. 10). Die Königin on Saba wi d do als P ophe in
bezeichne , die wegen ih e Weissagung » om Hol z des heiligen K eu zes und on ze s ö ung de
Juden« eine Sibilla genann wi d
.
Es äll au , dass S e nbe g au diese Übe legungen übe haup nich eingeh , sonde n » ü die
al e, geläu ige In e p e a ion als Augus us und Sibylla Tibu ina« ein i .38 Aus den zahl eichen Da -
s ellungen de A a-Coeli-Szene, die sich sei dem 14. Jah hunde e olgen lassen, schließ e , sie
sei um 1500 »li e a isch und bildne isch so allgemein bekann und e au , dass ein gebilde e Be-
33 Fuglsang/E ha d 1959, S. 9–10.
34 Kähle 1981, S. 87.
35 K upcke 1996 mi Hinweisen au Man e 1931 und Neske 1985.
36 Vgl. die Zusammen assung bei Neske 1985, S. 3–4.
37 K upcke 1996, S. 194.
38 S e nbe g 2023, S. 138.
Abb. 8: Le ne bogen in de P a ki che on Sie sdo , um 1520–1530.
Aus: Rich e 2011, S. 29.
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Au o
D . Paul Naw ocki
Langjäh ige Obe s udien a (Geschich e und Geog aphie) an de Domschule in Schleswig. Nach de
Pensionie ung S udium de Kuns geschich e und P omo ion an de Ch is ian-Alb ech s-Uni e si ä
zu Kiel. Publika ionen besonde s zu mi elal e lichen A chi ek u geschich e Dänema ks und Schles-
wig-Hols eins.
E-Mail:
paul.naw ocki@ eene .de
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