Burkhard Schreiber
Dr. med.
Antimikrobielle Wirkung zentralvenöser Katheter mit Silber-Sulfadiazin und
Chlorhexidin Beschichtung: Eine prospektive, randomisierte Studie
Geboren am 21.02.1967 in Kaiserslautern
Reifeprüfung am 17.04.1986 in Kirchheimbolanden
Studiengang der Fachrichtung Medizin vom WS 1988/1989 bis WS 1994/1995
Physikum am 27.07.1990 an der Universität Regensburg
Klinisches Studium in München und Heidelberg
Praktisches Jahr in Heidelberg und Schwetzingen
Staatsexamen am 11.051995 an der Universität Heidelberg
Promotionsfach: Hygiene
Doktorvater: Priv.-Doz. Dr. med. A. Bach
In der heutigen Medizin ist der Einsatz zentralvenöser Katheter unvermeidbar bei der
Durchführung zahlreicher therapeutischer und diagnostischer Maßnahmen.
Die schwerwiegendste Komplikation bei dem Gebrauch zentralvenöser Katheter ist die
Infektion, ausgehend von einer Katheterkolonisierung. Diese nimmt ihren Ursprung
vornehmlich von Bakterien, die die physiologische Hautflora um die Kathetereintrittsstelle
bilden. Die Katheterkolonisation resultiert aus einer Bakterienmigration durch die
Hautbarriere mit nachfolgender Keimdeszension entlang der äußeren Katheteroberfläche.
Obwohl durch jahrzehntelange Bemühungen die Rate der katheterassoziierten Infektionen
ständig reduziert werden konnte, bleibt in heutiger Zeit, unter strikter Einhaltung aller
infektionspräventiven Maßnahmen, ein Restrisiko von mehreren Prozent, eine katheter-
assoziierte Infektion zu erleiden.
Im Bemühen, das Infektionsrisiko noch weiter zu senken, werden seit einigen Jahren
Katheterpolymere mit antiinfektiv wirkenden Substanzen verändert. Die Polymer-
modifikationen mit den klassischen Antibiotika erbrachte nicht den erwünschten
kolonisationsreduzierenden Effekt, so daß in den letzten Jahren Substanzen verwendet
wurden, die der Klasse der Antiseptika zuzuordnen sind.
In unserer Studie wurden zum einen normale zentrale Venenkatheter aus Polyurethan
verwendet, zum anderen solche, bei denen in das Polyurethangerüst großtechnisch die als
antimikrobiell wirksamen Substanzen Chlorhexidin und Silber-Sulfadiazin inkorporiert
wurden. Diese sich so unterscheidenden Studienkatheter kamen bei postoperativ
intensivpflichtigen Patienten zum Einsatz und wurden nach Entfernung mikrobiologisch,
unter Verwendung der quantitativen Ultraschallablösemethode, auf bakterielle Kolonisation
untersucht. Hierbei bestätigte sich die Arbeitshypothese, daß durch geeignete
Kathetermodifikation die Kolonisationsrate zu senken sei: Von 66 unmodifizierten Kathetern
waren 47 bakteriell besiedelt, unter den modifizierten Kathetern waren 28 von 66 kolonisiert
(Unterschied signifikant, p<0,05). Unter Verwendung des quantitativen mikrobiologischen
Kulturverfahrens nach Ultraschallablösung wiesen die mit Antiseptika modifizierten
Studienkatheter signifikant geringere KBE-Anzahlen auf. Die qualitativen und quantitativen
Ergebnisse dieser Studie bestätigen den kolonisationsreduzierenden Effekt, der durch die
Modifikation der Venenkatheter erwartet wurde.
Auf die initiale Katheterkolonisation folgt unter bestimmten Bedingungen eine lokale
und/oder eine systemische katheterassoziierte Infektion. Um diese zu erfassen, wurden bei
allen Studienpatienten täglich klinische Infektionsparameter dokumentiert. Eine Bakteriämie
oder sogar eine Sepsis lag bei keinem der Studienpatienten vor.
Mit Ausnahme von einer signifikant erhöhten Temperatur vor Katheterentfernung in der
Patientengruppe mit kolonisierten KON-Kathetern, die nach Katheterentfernung auf das
Temperaturniveau der ASK-Gruppe abfiel, konnten keine klinischen Zeichen gefunden
werden, die auf eine hohe bakterielle Katheterkolonisation hinwiesen. Dieses Ergebnis
bestätigt vorliegende Erkenntnisse, daß zur Diagnose einer katheterassoziierten Infektion die
mikrobiologische Aufarbeitung des entfernten Katheters unumgänglich ist.
Die Beobachtung in dieser Studie, daß mit Antiseptika modifizierte Katheter auch nach einer
Liegedauer von 12 Tagen im Bioassay noch eine antibakterielle Wirkung zeigten, läßt hoffen,
daß ein solches „slow-release-system“ entwickelt wurde, das über eine ausreichend lange Zeit
die bakterielle Kolonisation zentraler Venenkatheter inhibieren kann und so gegebenenfalls
auch die Häufigkeit klinisch manifester katheterassoziierter Infektionen. Erste klinische
Folgestudien von Bach et al. (9) und Maki et al. (44) weisen auf eine Reduktion der
Häufigkeit
katheterassoziierter Infektionen durch antiseptische Katheter hin.