Jörg Sallath
Dr. med.
Nachweis rekurrenter Translokationen und Inversionen bei der akuten myeloischen
Leukämie mit der Fluoreszenz-in-situ-Hybridisierung
Geboren am 21.12.1971 in Würzburg
Reifeprüfung am 11.06.1991 in Tauberbischofsheim
Studiengang der Fachrichtung Medizin vom WS 1991/92 bis SS 1998
Physikum am 26.08.1993 an der Universität Heidelberg
Klinisches Studium in Heidelberg und Wien
Praktisches Jahr in Johannesburg, London und Heidelberg
Staatsexamen am 19.05.1998 an der Universität Heidelberg
Promotionsfach: Innere Medizin
Doktorvater: Priv.-Doz. Dr. med. Hartmut Döhner
In den letzten Jahren ist bei der akuten myeloischen Leukämie (AML) eine große
Zahl von chromosomalen Aberrationen identifiziert worden. Diese sind zum Teil
mit typischen klinischen, morphologischen und immunphänotypischen Merkmalen der
Leukämien assoziiert. Von besonderer Bedeutung ist der hohe prognostische Wert
dieser Aberrationen. Deshalb spielt der rasche und sichere Nachweis der
wichtigsten chromosomalen Veränderungen für den Kliniker eine immer größere
Rolle. Goldstandard für den Nachweis ist nach wie vor die Chromosomen-
Bänderungsanalyse; sie ist jedoch zeitaufwendig und in besonderem Maße abhängig
von Qualität und Anzahl der Metaphasen.
Ziel der vorliegenden Arbeit war es, genomische DNA-Sonden zu entwerfen, mit
denen die häufigsten AML-spezifischen Translokationen und Inversionen mit Hilfe
der Fluoreszenz-in-situ-Hybridisierung (FISH) nachgewiesen werden können. Der
wichtigste Vorteil dieser molekular-zytogenetischen Methode gegenüber der
klassischen zytogenetischen Analyse liegt darin, daß Aberrationen in Interphase-
Zellkernen nachgewiesen werden können (sog. Interphase-Zytogenetik). Um die
Sensitivität dieser DNA-Sondensätze zu ermitteln, wurden zwischen Dezember 1993
und Mai 1996 130 konsekutive AML-Patienten aus der multizentrischen Studie AML
HD93 zur Therapie der AML im Erwachsenenalter auf die Translokationen t(8;21),
t(11q23), t(15;17) und die Inversion inv(16) mit Hilfe der Interphase-
Zytogenetik untersucht. Für den Nachweis wurden Bruchpunkt-überspannende und
flankierende genomische DNA-Sonden verwendet, die in künstliche
Hefezellchromosomen (YACs), P1-Phagen und Cosmide kloniert waren.
Bei 39 der 130 AML-Patienten (30%) wurde eine der spezifischen Aberrationen
mittels FISH nachgewiesen. Im Gegensatz dazu konnten mit Hilfe der Chromosomen-
Bänderung diese Aberrationen nur bei 33 Patienten (25,4%) nachgewiesen werden:
t(8;21): Bei 9 Patienten (6,9%) wurde mit der FISH eine t(8;21) nachgewiesen,
während sie mit der Bänderungsanalyse nur bei 8 Patienten nachgewiesen werden
konnte. t(11q23): t(11q23) wurden mit FISH bei 10 Patienten (7,7%) gefunden,
davon waren 6 t(9;11); mit der Bänderungsanalyse wurden 9 Patienten mit t(11q23)
nachgewiesen. t(15;17): Hier waren beide Methoden mit dem Nachweis von je 6
Fällen (4,6%) gleich sensitiv. inv(16): Die inv(16) konnte mit Hilfe der FISH
bei 14 AML-Patienten (10,8%) nachgewiesen werden; mit Hilfe der Bänderung wurden
nur 10 inv(16)-Patienten erkannt.
Zusammenfassend erwies sich die Interphase-Zytogenetik im Vergleich zur
Chromosomen-Bänderungsanalyse als sensitiver zum Nachweis der häufigsten AML-
spezifischen Translokationen und Inversionen. Die Interphase-Zytogenetik bietet
somit eine alternative Methode zur klassischen zytogenetischen Analyse, vor
allem für die zentrale zytogenetische Diagnostik im Rahmen multizentrischer
Therapiestudien.