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Volker Werner Manz
Dr. med.
Aufklärung und videogestützte Psychoedukation bei Patienten mit Schizophrenie
Geboren am 17.01.1963 in Karlsruhe
Reifeprüfung am 18.05.1982
Studiengang der Fachrichtung Medizin vom WS 1985/86 bis SS 1991
Physikum am 11.09.1987 an der Universität Heidelberg
Klinisches Studium in Heidelberg
Praktisches Jahr in Karlsbad - Langensteinbach (Universität Heidelberg)
Staatsexamen am 08.11.1991 an der Universität Heidelberg
Promotionsfach: Psychiatrie
Doktorvater: Prof. Dr. med. K. Diebold
Die Aufklärung schizophrener Patienten stellt häufig ein großes Problem dar. In der
vorliegenden Arbeit sollte durch eine kontrollierte Studie der Einfluß einer videogestützten
Informationsvermittlung auf das krankheitsbezogene Wissen untersucht werden. An der
Untersuchung nahmen 64 stationär behandelte schizophrene Patienten teil ( ICD 10: F 20.x).
Das krankheitsbezogene Wissen wurde mittels zweier Halbformen des Erlanger
Wissensfragebogens für Patienten mit Schizophrenien (ERWIPA) erhoben. Die
Krankheitssymptomatik wurde zum Zeitpunkt der Untersuchung mit dem AMDP - System
dokumentiert. Die sprachlich - kognitiven Fähigkeiten wurden mit dem Erlanger
Mehrfachwahl Wortschatztest erfaßt. Als mögliche Einflußfaktoren wurden Erkrankungsdauer
sowie Anzahl stationärer Aufenthalte berücksichtigt.
Es wurde eine Videoaufzeichnung von 60 Minuten Länge über ein fiktives Arzt-Patient-
Angehörigen Gespräch erstellt. Diese Videoaufzeichnung enthält die wichtigsten
Informationen über Ätiologie, Symptomatik, Therapie und Prognose von Psychosen aus dem
schizophrenen Formenkreis. Die Untersuchungsgruppe nahm an der routinemäßigen
Aufklärung durch den behandelnden Arzt sowie an zwei je 55 Minuten dauernden
videogestützten Informations-veranstaltungen teil. Die Kontrollgruppe erhielt lediglich die
routinemäßige Aufklärung durch den behandelnden Arzt. Das krankheitsbezogene Wissen
wurde in beiden Gruppen zum Zeitpunkt der Aufnahme in die Studie und bei Entlassung
erhoben.
Das krankheitsbezogene Ausgangswissen war in der Untersuchungsgruppe und der
Kontrollgruppe gleich. Wie die niedrige Korrelation von rs = 0.35 erkennen läßt, wurde das
tatsächlich verfügbare Ausgangswissen von den behandelnden Ärzten nur sehr ungenau
eingeschätzt. Völlig unabhängig war überraschenderweise das Ausgangswissen von der
Krankheitsdauer und der Anzahl stationärer Voraufenthalte. Daraus ergibt sich der Schluß,
daß Patienten, die schon längere Zeit erkrankt sind oder mehrfach stationär behandelt wurden,
von den zurückliegenden Aufklärungen nicht nachhaltig profitiert haben. Während sprachlich
- kognitive Fähigkeiten keinen Einfluß auf das Ausgangswissen hatten, bestand zwischen
Ausgangswissen und dem psychopathologischen Befund eine schwache negative Korrelation
von rs = - 0.40. Offenbar ist die Verfügbarkeit des krankheitsbezogenen Wissens abhängig
vom psychischen Zustand. Sie ist um so größer, je weniger schwer die Patienten erkrankt sind.
Die Untersuchungsgruppe mit videogestützter Informationsvermittlung erzielte einen
Wissenszuwachs von 30.4 %. Dagegen fand sich in der Kontrollgruppe nur ein
nichtsignifikanter Anstieg von 4.5 %. Der Wissenszuwachs erwies sich als unabhängig von
der Krankheitsdauer, der Anzahl stationärer Aufenthalte und dem psychopathologischen
Befund. Dagegen scheinen gute sprachlich - kognitive Fähigkeiten den Wissenszuwachs zu
begünstigen (rs = 0.34). Patienten mit schlechtem Ausgangswissen zeigten einen größeren
Wissenszuwachs (rs = - 0.41), was dafür spricht, daß gerade wenig informierte Patienten von
der Aufklärung in besonderem Maße profitieren.
Die Ergebnisse der Studie sprechen für die Annahme, daß durch eine videogestützte
Informationsvermittlung im Vergleich zur Routineaufklärung ein höheres
krankheitsbezogenes Wissen erzielt werden kann. Dabei erwies sich die Aufklärung mittels
Informationsvideo gegenüber anderen Aufklärungsansätzen mit mehrstündigen
Informationsgruppen als personal- und zeitökonomisch. Dieses Verfahren kann daher ohne
besonderen organisatorischen Aufwand auch bei voraussichtlich kurzer Verweildauer
eingesetzt werden.