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Nidal Hamadeh
Das Geriatrische Assessment bei über 65-jährigen Patienten einer internistischen
Akutklinik.
Geboren am 23.06.1966 in Stuttgart
Reifeprüfung am 10.06.1986 in Mannheim
Studiengang der Fachrichtung Medizin vom WS 1987/88 bis SS 1994
Physikum am 19.03.1990 an der Universität Heidelberg
Klinisches Studium in Heidelberg
Praktisches Jahr in Heidelberg
Staatsexamen am 24.04.1994
Promotionsfach: Innere Medizin – Geriatrie
Doktorvater: Professor Doktor med. A. Horsch
Am Stiftungskrankenhaus in Speyer einem internistischen Akutkrankenhaus der
Grund- und Regelversorgung, wurde an 150 über 65-jährigen Patienten (87 Frauen
und 63 Männer), die wegen internistischer Erkrankungen zur stationären Aufnahme
kamen, das Geriatrische Basisassessment nach den Empfehlungen der Arbeitsgruppe
Geriatrisches Assessment (AGAST), bestehend aus dem Barthel-Index, der Mini-
Mental-State Examination, der Geriatrischen Depressionsskala, der Sozialen
Situation, der Messung der Handkraft, dem Geldzählen, dem Uhrentest, dem Timed
Up & Go Test und dem Motilitätstest nach Tinetti, durchgeführt. Zusätzlich
wurden weitere Faktoren wie stationäre Verweildauer und Diagnosen erhoben.
Abschließend wurde eine Befragung der Stationsschwestern und Stationsärzte sowie
mittels Postkarten der Hausärzte vorgenommen, die ohne Kenntnis der Definition
geriatrischer Patienten nur aufgrund ihrer Erfahrung und persönlichen
Einschätzung beurteilen sollten, ob es sich um einen geriatrischen oder einen
internistischen Patienten handelt.
Das Durchschnittsalter der untersuchten Patienten betrug 76,1 Jahre. Sie hatten
eine durchschnittliche stationäre Verweildauer von 18,4 Tagen (im Vgl. zu 13,1
Tagen aller Patienten im gleichen Zeitraum). Ihr Anteil an der Gesamtzahl der
Patienten betrug 59%. Die untersuchten Patienten hatten neben der Hauptdiagnose
im Durchschnitt 4,7 Nebendiagnosen. Die größte Gruppe stellten jeweils die
kardiovaskulären Erkrankungen. Die Assessmentdauer, d.h. die Durchführung der
Tests am Patienten direkt, hierzu gehörten alle oben genannten Verfahren außer
dem Bathel-Index, betrug im Durchschnitt 20,7 Minuten.
Beim Barthel-Index erreichten 58 der 150 Patienten weniger als 100 Punkte und
zeigten eine eingeschränkte Selbsthilfefähigkeit. Bei der Mini-Mental-State
Examination zeigten 40 der 150 Patienten leichte und 19 schwere bis schwerste
kognitive Einschränkungen. Bei der Auswertung der Geriatrischen Depressionsskala
fanden sich bei 55 der 150 Patienten Hinweise auf das Vorliegen einer
Depression. Bei der Sozialen Situation erreichten 28 der untersuchten 150
Patienten weniger als 17 Punkte, eine Überprüfung ihrer sozialen Gesamtsituation
sollte erfolgen. Bei der Handkraftmessung zeigten 11 der 87 untersuchten Frauen
und 27 der 63 untersuchten Männer pathologische Werte. Beim Geldzählen
benötigten 29 Patienten zwischen 45 und 70 Sekunden, was auf ein Risiko für
Hilfsbedürftigkeit hinweist und 29 der 150 Patienten benötigten mehr als 70
Sekunden, was für ein erhebliches Risiko für Hilfsbedürftigkeit spricht. 13
dieser zuletzt genannten Patienten konnten den Geldbetrag nicht innerhalb von 5
Minuten zählen oder hatten mehr als drei Fehlversuche. Bei der Auswertung des
Uhrentests nach Watson zeigten 55 der 150 Patienten eine Hirnleistungsstörung.
Beim Timed Up & Go Test benötigten 31 der 150 Patienten 20 – 29 Sekunden, was
ihre Mobilität soweit einschränkt, daß Auswirkungen wahrscheinlich sind, und 22
Patienten benötigten mehr als 30 Sekunden, was einer ausgeprägten
Mobilitätseinschränkung entspricht und eine intensive Betreuung notwendig macht.
16 Patienten benötigten weniger als 10 Sekunden, waren also unauffällig, 81
Patienten benötigten 11 – 19 Sekunden, das bedeutet, sie waren weniger mobil
jedoch ohne Einschränkung für die Erfordernisse des täglichen Lebens. Beim
Motilitätstest nach Tinetti erreichten 56 der 150 Patienten weniger als 20
Punkte, was für ein erhöhtes Sturzrisiko spricht.
Zur Beurteilung der Patienten wurde eine Gesamtbewertung des Assessments
vorgenommen, bei der für jedes pathologische Testergebnis maximal ein Punkt
vergeben wurde. Danach wurden dann die Patienten in vier Gruppen eingeteilt: die
Gruppe der "unauffälligen" Patienten (0 Punkte, n=28, 19%); die "leicht
pathologischen" Patienten (0,5 – 2 Punkte, n=48, 32%); die "pathologischen"
Patienten (2,5 – 5,5 Punkte, n=56, 37%); und die "stark pathologischen"
Patienten (6 – 9 Punkte, n=18, 12%). Diese Einteilung erlaubt nun den direkten
Vergleich der einzelnen Gruppen. Beispielsweise hatten bei den leicht
pathologischen 20,8% auffällige Ergebnisse beim Barthel-Index (BI), in der
Gruppe der pathologischen 57,8% und in der Gruppe der stark pathologischen 88,8%
einen auffälligen BI. Auch war die Altersverteilung zwischen den einzelnen
Gruppen kontinuierlich ansteigend, so waren die unauffälligen im Durchschnitt
72,9 Jahre alt; die leicht pathologischen 73,8 Jahre; die pathologischen 77,8
Jahre und die stark pathologischen 82,6 Jahre alt.
Als nicht geriatrische Patienten wurden diejenigen aus den Gruppen der
unauffälligen und der leicht pathologischen bezeichnet (n=76, 50,6%). Von diesen
wurden von den Stationsschwestern 94,8% richtig eingeschätzt und 5,2% falsch.
Von den Stationsärzten wurden 93,4% richtig eingeschätzt und 6,6% falsch; von
den Hausärzten wurden 88,2% richtig eingeschätzt und 11,8% falsch, also für
geriatrisch gehalten.
Geriatrische Patienten waren die Patienten aus den Gruppen der pathologischen
und der stark pathologischen (n=74, 49,4%). Von diesen wurden von den
Stationsschwestern 20,3% richtig eingeschätzt und 79,7% falsch; von den
Stationsärzten wurden 39,2 % richtig eingeschätzt und 60,8% falsch und von den
Hausärzten wurden 43,1% richtig und 56,9% falsch eingeschätzt, also für nicht
geriatrisch gehalten. Das bedeutet, daß persönliche Erfahrung nicht genügt, um
geriatrische Patienten zu erkennen und um sie einer umfassenden und allen
Aspekten Rechnung tragenden Therapie zuzuführen. Dies kann nur ein geeignetes
Assessment leisten.