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Profesoriui Arnoldui Piročkinui – 80 metų

Aldonas Pupkis

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P E R S O N A L I J O S ALDONAS PUPKIS PROFESSOR ARNOLD PIROČKIN – 80 JAHRE Der bekannte Philologe, Sprachwissenschaftler, Historiker und Kulturforscher, Professor Arnold Piročkin, vollendete am 25. Februar 2011 sein 80. Lebensjahr. Auch wenn es in diesen Zeiten, in denen Persönlichkeiten geringgeschätzt werden, ungewöhnlich geworden ist, anlässlich eines Jubiläums zu schreiben, verdienen die Leistungen Arnold Piročkins dennoch mehr Aufmerksamkeit, als ihnen in der bisherigen Literatur zur Geschichte der litauischen Sprachwissenschaft zuteilwurde. Daher ist es angebracht, einige Worte über diese Leistungen zu sagen, um den Jubilar zu ehren und den geschätzten Leserinnen und Lesern der Zeitschrift Kalbos kultūros zu berichten. A. PUPKIS. Profesoriui Arnoldui Piročkinui – 80 metų 285 Die Lebens- und Arbeitsjahre Arnold Piročkins unterscheiden sich, so scheint es, in keiner besonderen Hinsicht von denen anderer Sprachwissenschaftler seiner Generation: Schulbildung und litauische Studien an der Universität Vilnius, eine kurze Tätigkeit an Schulen, anschließend das damalige Aspiranturstudium am selben Ort, eine langjährige Lehrtätigkeit an derselben Hochschule und nach dem Eintritt in den Ruhestand dieselben Sorgen um die litauische Sprache und Kultur. In all diesen Jahren – fast einem halben Jahrhundert – wurde jedoch wirklich viel geleistet: Fast drei Dutzend Bücher wurden verfasst und herausgegeben, etwa 500 wissenschaftliche und populärwissenschaftliche Artikel und Rezensionen sowie publizistische Beiträge veröffentlicht, zahlreiche Übersetzungen und redigierte Bücher erschienen. Und die Liste wird immer länger: Wie kaum ein anderer Wissenschaftler in diesem Alter ist Arnold Piročkin voller Tatkraft und veröffentlicht weiterhin Artikel um Artikel, aus denen sich nicht wenige Studien oder Bücher zusammenstellen ließen. Einem breiteren Publikum ist Arnold Piročkin vor allem als bedeutendster Erforscher des Nachlasses von Jonas Jablonskis bekannt. Für seine Arbeiten auf diesem Gebiet – die Bücher Prie bendrinės kalbos ištakų (1977) und J. Jablonskis – bendrinės kalbos puoselėtojas (1978) – wurde er 1979 mit dem Staatspreis der Litauischen SSR ausgezeichnet. Seine zusammenfassende Arbeit Jono Jablonskio darbų reikšmė bendrinės kalbos raidai verteidigte er 1978 als Dissertation zum Doktorgrad (heute Habilitationsgrad). Neben diesen grundlegenden Arbeiten veröffentlichte der Wissenschaftler zwei Bücher mit dem Nachlass von Jonas Jablonskis: Jono Jablonskio laiškai (1985) und J. Jablonskis. Straipsniai ir laiškai (1991), außerdem mehrere Lehrwerke (darunter besonders wichtig: Jono Jablonskio kalbos taisymai, 1986). Auch im Jubiläumsjahr zum 150. Geburtstag von Jonas Jablonskis veröffentlichte Arnold Piročkin eine Reihe von Artikeln über den bedeutenden Sprachwissenschaftler. Diese wiederholen nicht bloß Gedanken aus der Vergangenheit, sondern sind neue Forschungsarbeiten, die zahlreiche neue Einsichten bieten und die Erforschung von Jablonskis Nachlass auf eine qualitativ neue Stufe heben. Arnold Piročkin begann noch während seines Studiums an der Universität Vilnius, die Arbeiten von Jonas Jablonskis zu untersuchen. Thema seiner Diplomarbeit war 1922 m. J. Jablonskio lietuvių kalbos gramatika, und sein wissenschaftlicher Betreuer, Prof. Jonas Palionis, kann stolz darauf sein, einen begabten Schüler zur Erforschung von Jablonskis’ Nachlass geführt zu haben. Zwar wandte sich der junge Sprachwissenschaftler später dem Gebiet der Syntax zu (1965 verteidigte er eine Kandidatendissertation – heute eine Dissertation zum Doktorgrad – über die Syntax zusammengesetzter Sätze im Litauischen), doch ließ der vom Betreuer gesäte Samen Jablonskis nicht in Vergessenheit geraten; er wurde sorgfältig gepflegt und begann nach ein paar Jahrzehnten eine unglaublich reiche Ernte zu tragen. Zusammenfassend lässt sich sagen, dass Arnold Piročkin nicht nur die Biografie, die wissenschaftliche Tätigkeit und die Arbeiten von Jonas Jablonskis umfassend erforscht, sondern auch den Horizont der litauischen Sprachwissenschaft deutlich erweitert und die Geschichte der litauischen Standardsprache mit gewichtigen Entdeckungen bereichert hat – 286 KALBOS KULTŪRA | 84 und mit bisweilen überraschenden, doch gut begründeten Einsichten ergänzt hat. Man kann sagen, dass Jonas Jablonskis in den 1970er-Jahren erstmals fundiert als einer der bedeutendsten litauischen Sprachwissenschaftler vom Ende des 19. Jahrhunderts bis zu den ersten drei Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts gewürdigt wurde, der mit seinen Arbeiten eine entscheidende Rolle in der Geschichte der modernen Standardsprache spielte. In seinen Studien zu Jonas Jablonskis lehnte Arnold Piročkin eine romantische Sicht auf die Arbeiten des Sprachwissenschaftlers entschieden ab, verwarf die lange verbreitete Bezeichnung Jablonskis’ als Vater der litauischen Sprache (der Standardsprache beziehungsweise Schriftsprache) und würdigte ihn als großen litauischen Sprachwissenschaftler und Praktiker. Hinzuzufügen ist, dass diese Auffassung, die wohl erstmals in den Arbeiten des Lehrers des Jubilars, Jonas Palionis, klarer formuliert wurde, von Piročkin weiterentwickelt und durch zahlreiche gesammelte Archivfakten sowie kluge Interpretationen dieser Fakten und Arbeiten untermauert wurde. Ohne Arnold Piročkins Forschungen zu Jablonskis ausführlicher zu behandeln, sollte man auf einige Aspekte hinweisen, die darin oft beinahe auf den ersten Blick erkennbar sind. Zunächst fällt in den Studien zu Jablonskis Nachlass die Fülle der zusammengetragenen Fakten auf. Es scheint, als sei dem Forscher keine Einzelheit aus Jablonskis Leben oder Wirken entgangen, nicht einmal die kleinste Kleinigkeit, die für die Charakterisierung der Tätigkeit oder der Arbeiten des großen Sprachwissenschaftlers von Bedeutung sein könnte. Andererseits beschränkte man sich nicht auf Fakten aus Leben und Werk, sondern bezog auch den umfassenden politischen, kulturellen und sprachwissenschaftlichen Kontext jener Zeit ein, der es ermöglicht, zahlreiche Umstände der damaligen Lebensverhältnisse zu beschreiben und die Aussagekraft der Interpretationen zu stärken. All dies wurde aus sämtlichen Archiven, alten Druckwerken, Erinnerungen und anderen Quellen zusammengetragen, die dem Autor in Litauen und im Ausland zugänglich waren. Davon zeugen auch die beiden von Piročkin herausgegebenen Bände mit Briefen und Arbeiten Jablonskis, in denen vieles vom Herausgeber selbst entdeckt und erstmals veröffentlicht wurde. Bei aufmerksamer Lektüre der Bücher des Autors über Jablonskis wird eine außergewöhnliche Achtung vor der Authentizität von Fakten und Quellen, Korrektheit beim Zitieren und insgesamt ein tadellos präsentierter wissenschaftlicher Apparat deutlich. Ohne zu übertreiben, lässt sich sagen, dass man den von Piročkin zitierten Quellen vollkommen vertrauen und sich bei Bedarf ohne jeden Abgleich mit dem Original auf sie stützen kann. Zweitens geben die Interpretationen dieser zahlreichen Fakten meist wenig Anlass zu Zweifeln; gewöhnlich wird nur das interpretiert, was sich anhand der Quellenangaben zuverlässig belegen lässt. So werden beispielsweise die Quellen der Sprachregelung Jablonskis sowie die Kriterien für Auswahl und Bewertung der Normen tadellos beschrieben, doch wird all dies historisch betrachtet; die Umstände des Wandels seiner Auffassungen und die historischen Hintergründe werden aufgezeigt – A. PUPKIS. Profesoriui Arnoldui Piročkinui – 80 metų 287 oder die Notwendigkeit, bestimmte sprachliche Sachverhalte anders zu behandeln. Man darf nicht vergessen, dass Arnoldas Piročkinas ein Kind seiner Zeit ist und sich nicht von den linguistischen Auffassungen seiner Epoche und den damals akzeptierten Entscheidungen lösen kann. Das sage ich mit Blick auf die Tatsache, dass eine Persönlichkeit wie Jablonskis von den Linguisten jeder Generation und den Forschenden zur Geschichte der Sprachwissenschaft jeweils auf eigene Weise aufgenommen und nach den neuen, von den jeweiligen Zeitumständen vorgegebenen Bedingungen und Bedürfnissen beurteilt wird. Vielleicht wird man beispielsweise heute oder künftig irgendwann Jablonskios Prinzip der Systemhaftigkeit der Sprachnormen (genauer gesagt: sein angewandtes Prinzip), das Kriterium der Verbreitung sprachlicher Fakten oder andere Aspekte anders bewerten, denn inzwischen hat sich sowohl die Standardsprache verändert als auch die Forschungsbedürfnisse sind neu und werden von neuen Umständen oder veränderten linguistischen Auffassungen bestimmt. Dennoch ist zu sagen, dass Piročkinos systematische Betrachtung von Jablonskios Arbeiten, die konsequente Analyse seines Gesamtwerks und die Zuverlässigkeit seiner Interpretationen viele Aussagen als unbestreitbare Fakten für die Geschichte festschreiben, die keinem historischen Wandel unterliegen können. Sie ermöglichen, oder genauer gesagt, zwingen dazu, Jablonskis systematisch zu betrachten und bei sämtlichen Arbeiten und Aussagen dieses Linguisten den historischen Blickwinkel niemals aus den Augen zu verlieren. Drittens. Arnoldas Piročkinas hat Jablonskios Stellung in der Geschichte der Standardsprache zutreffend und völlig überzeugend bestimmt. Jablonskis tritt uns heute als der bedeutendste Normierer der damaligen Standardsprache entgegen, der es verstand, das bereits bestehende und auf Grundlage der westlitauischen Dialekte funktionierende System der Standardsprache zu festigen und dessen Entwicklungsrichtungen und -tendenzen zu bestimmen. Diese Anerkennung des Systems der Standardsprache an der Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert war wohl Jablonskios größter Verdienst in der gesamten Geschichte der litauischen Standardsprache. Die Idee der Standardsprache selbst hob er auf eine neue Stufe und zeigte ihre Eigenart, ihre eigenständige Entwicklung sowie ihre Fähigkeit, auf eigener Grundlage zu wachsen und sich weiterzuentwickeln. Viertens. In Arnoldas Piročkinas’ Arbeiten wurde wohl unwiderruflich bewiesen, dass Jablonskis ein großer Wissenschaftler und nicht nur ein Sprachpraktiker war, wie einige seiner Gegner zu erklären versuchten. Er verfügte über eine fundierte, auf wissenschaftlicher Grundlage entwickelte Theorie der Standardsprache, obwohl er sie nirgends in „reiner“ Form dargelegt hatte. Dank Piročkinas’ Bemühungen verstehen wir sie heute als einen kohärenten Mechanismus wissenschaftlicher Arbeit, der den damaligen Bedürfnissen der Normierung der Standardsprache am besten entsprach. Darüber hinaus sei hinzugefügt, dass Arnoldas Piročkinas leidenschaftlich mit Jablonskis’ Gegnern polemisierte, die ihn lediglich als einfachen Sprachpraktiker und nicht als Wissenschaftler der litauischen Sprache bezeichneten. Jono Jablonskis’ wissenschaftlicher Status wird nicht nur durch den systematischen Aufbau der litauischen Standardsprache bestätigt, den er in Grammatiken und Syntaxarbeiten beschrieben hat, sondern auch durch weitere Arbeiten auf dem Gebiet der litauischen Philologie. Zu ihnen zählen seine Verdienste um die litauische Lexikografie 288 KALBOS KULTŪRA | 84 oder Dialektologie, auf deren Gebiet ebenfalls dank Piročkinas’ Bemühungen bedeutende Entdeckungen Jablonskis’ bei der Erforschung litauischer Dialekte, insbesondere des Aufbaus des nordžemaitischen Dialekts, ans Licht gebracht wurden (siehe die gemeinsam mit Aleksas Girdenis veröffentlichte Studie im Sammelband der Sprachwissenschaft aus dem Jahr 1977). In den letzten Jahren hob Arnoldas Piročkinas die Bemühungen des angesehenen Sprachwissenschaftlers jener Zeit, Pranas Skardžius, hervor, Jablonskis den Status eines Wissenschaftlers abzusprechen, und zeigte überzeugend, wie fruchtlos solche Bemühungen waren. Darüber hinaus betrachtete Piročkinas Jablonskis’ wissenschaftliche Tätigkeit im breiten damaligen Kontext der europäischen Sprachwissenschaft und zeigte, dass der Sprachwissenschaftler nicht nur hierzulande, sondern auch weit im Ausland als großer Wissenschaftler geschätzt wurde. In seinen Untersuchungen zu Jono Jablonskis’ Arbeiten und Wirken erwies sich Arnoldas Piročkinas als sorgfältiger Sprachhistoriker, der sein Wirken auf die Gegenwart ausrichtet, in der es gilt, Weisheit und Tradition aus der Vergangenheit zu schöpfen. Diese vom Jubilar festgelegte Verbindung von Vergangenheit und Gegenwart zeigt sich in vielen seiner Arbeiten, besonders in den Büchern zu Jablonskis’ Korrekturen. Über diese Themen wurde in den genannten Monografien zum Leben und Wirken von Jono Jablonskis ausführlich gesprochen; später erschienen 1970 und 1976 separate Bücher zu Jablonskis’ Korrekturen im Bereich Lexik und Morphologie, und 1986 wurde die zusammengeführte Arbeit Jono Jablonskis’ Sprachkorrekturen veröffentlicht. Diese Arbeiten wiederholen einander nicht, sondern sind qualitativ neu und mit zahlreichen wissenschaftlichen Kommentaren versehen. Es sind eigenständige Untersuchungen zur Sprachkultur, die auch wesentlich zur Lösung von Fragen der Normierung des heutigen Litauischen beigetragen haben. Mit diesen und anderen Arbeiten zeigte sich Arnoldas Piročkinas auch als eigenständiger Sprachpfleger, bisweilen ein recht entschiedener Verteidiger und Beurteiler bestimmter Anliegen. Hier sei an seine klare Haltung erinnert, fremde Eigennamen ausschließlich mit litauischen Schriftzeichen und entsprechend der litauischen Aussprache zu schreiben. In dieser Hinsicht zählt er zu den bedeutendsten Theoretikern der Normierung auf diesem Gebiet. Was Arnoldas Piročkinas auch zu Fragen der Sprachpraxis schreibt oder sagt, ist er stets ein Mensch seines Volkes und Staates, ein aktiver Bürger. Als warme Erinnerung bewahre ich die Eindrücke aus dem inzwischen weit zurückliegenden Jahr 1991, als der Oberste Rat darum bat, die Sprache des damals ausgearbeiteten Verfassungsentwurfs der Republik Litauen zu überprüfen. Wir bildeten ein kleines Komitee: Pranas Kniūkšta als bedeutendster Fachmann für die Verwaltungs- (Kanzlei-)sprache, Arnoldas Piročkinas als Verfasser der Lehrbücher Sprachkultur für Juristen (1980) und Kultur der Verwaltungssprache (1990) sowie ich. Jeder von uns überarbeitete den Text selbstständig; danach setzten wir uns zusammen, stimmten unsere Ansichten ab und trafen gemeinsame Entscheidungen. Soweit ich mich erinnere, kann ich mich nicht daran erinnern, dass A. PUPKIS. Profesoriui Arnoldui Piročkinui – 80 metų 289 uns in irgendeiner Frage stark uneinig gewesen oder heftig gestritten hätten; eine gemeinsame Auffassung fand leicht Eingang in die von uns verfasste Stellungnahme. Später war es erfreulich zu sehen, dass im endgültigen Verfassungstext fast alle unsere Vorschläge berücksichtigt worden waren, obwohl ich gehört hatte, dass sich auch andere Linguisten an der sprachlichen Redaktion beteiligt hatten. Doch am deutlichsten ist mir aus diesen Beratungen Arnolds wiederholt geäußerter Wunsch in Erinnerung geblieben, den sprachlichen Anmerkungen zu einigen Verfassungsartikeln auch unsere Meinung als Bürger hinzuzufügen. Nach gemeinsamer Beratung verfassten wir auch diese und trennten sie selbstverständlich vom Haupttext … Arnoldas Piročkinos Bürgersinn zeigt sich in vielen seiner Arbeiten. Besonders hervorzuheben wäre hier eine vor nicht allzu langer Zeit veröffentlichte Artikelreihe über die Lage des Bildungswesens in Ostpreußen, seine Geschichte, die Rolle der evangelischen Kirche in Bildungsfragen des Memellands sowie die Bemühungen der Deutschnationalen, das Leben der Region in ihre Hände zu bekommen. Aus diesen Artikeln ließe sich eine recht umfangreiche Studie zur Geschichte des Bildungswesens im Memelland zusammenstellen. Arnoldas Piročkinas nahm sich als Bürger und Patriot seiner Heimat auch einer anderen anspruchsvollen Aufgabe an: Er stellte ein umfangreiches Buch zusammen und redigierte es, Jurbarkas. Seiten der Geschichte (1996). Neben der eher technischen Arbeit enthält das Buch auch mehrere Beiträge des Herausgebers selbst: über den Schriftsteller Antanas Giedraitis, weitere bedeutende Persönlichkeiten dieser Region, evangelische Lutheraner, den Weg der Bücher in Kleinlitauen u. a. Für diese Arbeit sowie für seine bedeutenden litauistischen Forschungen wurde Arnoldas Piročkinas im Sommer 2011 der Titel eines Ehrenbürgers von Jurbarkas verliehen. In seinen zahlreichen Schriften erweist sich der Jubilar als kundiger Historiker, der den Gegenstand des behandelten Themas, dessen historische Entstehungsbedingungen und den weiten kulturellen Kontext gut kennt. Diese Merkmale seines Schreibens treten besonders deutlich in Piročkinas’ Buch Neun Jahre Adam Mickiewicz: eine biografische Skizze (1995; 1998 auf Polnisch erschienen) hervor, das damals für unsere Gesellschaft etwas überraschend erschien. Diese Überraschung schwindet jedoch, wenn man sich daran erinnert, dass Piročkinas bereits 1984 einer der Autoren des in der Reihe „Denkmäler der Wissenschaft Litauens“ erschienenen Buches Wissenschaft an der alten Universität Vilnius war. Bei dessen Abfassung erhielt er zweifellos nicht nur Anregungen, über die litauischen Jahre Adam Mickiewicz’ zu sprechen, sondern sammelte auch eine Fülle von Material und Fakten und entwickelte neue Erkenntnisse. Die Studien zu Adam Mickiewicz könnten auch zur Erstellung eines umfangreichen Litauisch-polnischen und polnisch-litauischen Wörterbuchs angeregt haben (2001 in Warschau erschienen). Somit ist das Gesamtbild der Arbeiten von Professor Arnoldas Piročkinas wahrhaft breit und beeindruckend. Noch nicht behandelt wurden seine zahlreichen Lehrwerke zur litauischen Sprache und seine Studien zur Bohemistik. Zu Letzteren sei gesagt, dass der Wissenschaftler während eines halbjährigen Aufenthalts 1971–1972 in der damaligen Tschechoslowakei 290 KALBOS KULTŪRA | 84 Er suchte nach Quellen zur Litauistik und machte sich gründlich mit dem kulturellen und sprachlichen Leben der Tschechen vertraut. So entstanden Aufsätze über die Beziehungen von Wissenschaftlern aus diesem Bereich, ein Lehrbuch der tschechischen Sprache (1974) und ein tschechisch-litauisches, litauisch-tschechisches Wörterbuch (2004) sowie zahlreiche Übersetzungen belletristischer und anderer Literaturgattungen aus dem Tschechischen (vereinzelt auch aus anderen Sprachen). Abschließend muss noch einmal die Breite der wissenschaftlichen und kulturellen Interessen von Professor Arnoldas Piročkinas sowie die große Gelehrsamkeit des Wissenschaftlers hervorgehoben und auf die bereits ein halbes Jahrhundert lang sorgfältig und konsequent geleistete Arbeit in Sprachwissenschaft und Sprachpraxis hingewiesen werden. Ohne seine Arbeiten wären wir in vielerlei Hinsicht ärmer, als wir es heute sind. Es ist erfreulich, dass der Professor auch jetzt diese vielfältigen Arbeiten erfolgreich vorantreibt; daher sei ihm gute Gesundheit und mögen ihm neue Entdeckungen zum Wohl unserer gesamten Kultur beschieden sein. Eingegangen am 30.11.2011 A. PUPKIS. Profesoriui Arnoldui Piročkinui – 80 metų 291