scieee AI-readable full text Open interactive document viewer

Ar vis dar aktualus Didžiųjų kalbos klaidų sąrašas? Vertinių atvejis

Erika Rimkutė

Full text

ERIKA RIMKUTĖ Vytautas-Magnus-Universität IST DIE LISTE DER GROSSEN SPRACHFEHLER NOCH AKTUELL? DER FALL DER LEHNÜBERSETZUNGEN SCHLÜSSELWÖRTER: Sprachpflege, litauische Sprache, unzulässige Lehnübersetzungen, Liste der großen Sprachfehler, Korpus der Gegenwärtigen Litauischen Sprache, motivierter und unmotivierter Sprachgebrauch. 1. EINLEITUNG Die Standardsprache verändert sich ebenso wie andere Sprachvarietäten ständig: Sie erneuert sich und entlehnt neue Wörter; in Wörterbüchern, die als Spracharchive dienen, werden die in einem bestimmten Zeitraum verwendeten Wörter festgehalten, und Neologismen werden in Neologismendatenbanken erfasst. Auch die Sprachnormen und die Anforderungen an den korrekten Sprachgebrauch ändern sich. Da wir uns beim Sprechen der Standardsprache an kodifizierte Normen halten müssen, wünschen wir uns flexible, für die Mehrheit der Sprachbenutzer akzeptable Normen, die unter Berücksichtigung verschiedener veränderter Umstände aktualisiert werden (zu den Normierungsprinzipien ausführlicher siehe Pupkis 2005; Šukys 2003). Eine der strengsten Quellen zur Beschreibung normgerechten und nicht normgerechten Sprachgebrauchs ist die Liste der großen Sprachfehler (im Folgenden DKKS). Zu dieser Liste gibt es mitunter recht kategorische Meinungen: etwa, dass Geldbußen verhängt werden, dass veraltete Wörter aufgeführt werden, dass die Sprache der Medien kontrolliert wird und Ähnliches (vgl. Subačius 2013; Vaicekauskienė 2010: 169; Vaicekauskienė 2011). Dieser Artikel befasst sich eingehender mit einem Teilbereich der DKKS – den unzulässigen Lehnübersetzungen und ihrem Gebrauch im Korpus der Gegenwärtigen Litauischen Sprache (im Folgenden DLKT), ohne jedoch eine Diskussion über die Sprachnormierung oder die DKKS selbst anzustreben. Anlass für die Wahl dieses Themas war der Beschluss der Staatlichen Kommission für die litauische Sprache aus dem Jahr 2014, zwei Unterpunkte zu lexikalischen Fehlern aus der DKKS zu streichen: unzulässige Fremdwörter und deren Ableitungen sowie zu vermeidende neuere Fremdwörter (zu den Diskussionen darüber siehe Urnėžiūtė 2014). Sprachwissenschaftler, die über die Änderungen der DKKS diskutierten, kamen zu dem Schluss, dass die Liste aktualisiert, überprüft, präzisiert und ergänzt werden müsse. Daher ist die Entscheidung, für Sprachbenutzer relevante Fragen zu überprüfen, zu begrüßen, da auf einige Empfehlungen zu Entsprechungen für Entlehnungen recht aktiv reagiert wird (leider häufig ablehnend). Dennoch stellt sich die Frage, ob die DKKS künftig geändert werden wird, insbesondere der Abschnitt zu lexikalischen Fehlern. Die Sprachbenutzer warten sehr auf die Hefte Sprachliche Empfehlungen, die anderen lexikalischen Einheiten gewidmet sind.1 Mit dieser Untersuchung sollen Daten dazu vorgelegt werden, wie die in der DKKS aufgeführten unzulässigen Lehnübersetzungen in einer der möglichen Quellen zur Gegenwartssprache, dem DLKT, verwendet werden. Es wird gehofft, dass Informationen über 1 Vorgesehen ist, dass das zweite Heft des lexikalischen Teils den Wortbedeutungen gewidmet sein wird und das dritte weiteren Fällen, darunter auch Lehnübersetzungen. BENDRINĖ KALBA | 87 (2014) www.bendrinekalba.lt ISSN 2351-7204 ERIKA RIMKUTĖ. Ar vis dar aktualus didžiųjų kalbos klaidų sąrašas? Vertinių atvejis | 2 Die Verteilung der Lehnübersetzungen in den Korpusteilen, den Zeitraum ihrer Verwendung, ihre Häufigkeit und Motivation zu untersuchen, wird sowohl für die Normierer der litauischen Sprache als auch für andere Sprachverwender nützlich sein. 2. UNTERSUCHUNGSMATERIAL UND METHODIK Als nicht zu empfehlende Lehnübersetzungen (sie werden auch mit dem negativ konnotierten Begriff vertalai bezeichnet) gelten „Wörter, die unkreativ, unangemessen oder unnötigerweise übersetzt wurden und für die es gewöhnlich eigene Entsprechungen gibt“ (Šukys 2003: 44); „ein Wort oder eine Wendung, die nach dem Muster einer Fremdsprache gebildet, mit anderen Worten ‚buchstabengetreu‘ übersetzt wurde“ (Paulauskienė 2000: 85). „Beanstandet werden alle [Lehnübersetzungen], die in der litauischen Sprache semantisch nicht motiviert werden können oder nicht den Wortbildungstendenzen des Litauischen entsprechen“ (Pupkis 2005: 262). Aldonas Pupkis (2005: 262–263) neigiamai kodifikuotus vertinius vadina vertalais ir juos klasifikuoja į ištisinius ir dalinius. Ištisiniais laikomi ištisai išversti žodžiai (pvz.: apystova (=aplinkybė); vienok (=tačiau, bet); paseka (=rezultatas, padarinys) arba žodžių junginiai (dažnai frazeologizmai) (pvz.: makaronus ant ausų kabinti (=akis dumti, mulinti); perlenkti lazdą (=perdėti, persistengti)). Daliniais vertalais vadinami žodžiai, kuriuose netinkamai vartojamas priešdėlis, priesaga ar kitas dėmuo (pvz.: atreguliuoti (=sureguliuoti); bealkoholinis (=bealkoholis, nealkoholinis, gaivusis); kažkas tai (=kažkas)). Loreta Vaicekauskienė (2007: 17) atkreipia dėmesį, kad kartais sunku atskirti vertinius ir semantizmus, nes pirmuoju išsiverčiama forma, o antruoju – reikšmė, ir siūlo vertiniais laikyti tik morfologiškai sudėtingo (sudurtinio) svetimžodžio vertimus, aiškius naujadarus, kurie nesutampa su savos kalbos žodžiu ir todėl yra nesunkiai atskiriami nuo pasiskolintos reikšmės. In diesem Artikel wird die Auffassung vertreten, dass nicht zu empfehlende Lehnübersetzungen Wörter, Wortverbindungen oder Wortgruppen mit einer für das Litauische untypischen Struktur sind, die Glied für Glied aus anderen Sprachen, meist aus dem Russischen, übersetzt wurden und in ihrer Form korrekten litauischen Wörtern ähneln. Das DKKS führt 37 nicht zu empfehlende Lehnübersetzungen auf – 12 Wörter und 25 Wortverbindungen: apystova; gerbūvis; įstatymdავითs, -ė, įstatymleidys, -ė, įstatymdaovystė, įstatymleidystė; išsireikšti, išsireiškimas; laisvanoris, -ė, laisvanoriškas, -a, laisvanoriškai; nekuris, -i; neužilgo; obalsis; paseka; savistovus, -i, savistoviai, savistovumas; stovy(l)s; vienok; ant kiek; ant savęs; ant sveikatos; ant tiek; pas save; iš kalno; kaip kartas; kaip sykis; kaip taisyklė; kas liečia; kas link; prie ko; būk tai; kažkada tai; ant kiek, ant tiek; kaip tai; (kaž)kaip tai; (kaž)kas tai; (kaž)kieno tai; (kaž)kodėl tai; (kaž)koks tai; (kaž)kuris tai, (kaž)kuri tai; būti (ne) kurse; ir taip; (kaž)kur tai. Alle diese Lehnübersetzungen (nicht nur die Stichwortformen, sondern auch sämtliche flektierten Formen) wurden in allen Teilen des DLKT gesucht. Im Korpus fanden sich die Wortverbindungen būti (ne) kurse, ir taip, (kaž)kur tai. nicht. Es ist darauf hinzuweisen, dass das Korpus keine vollständig geeignete Quelle für die Untersuchung von Lehnübersetzungen ist, da die meisten Texte redigiert sind (oder sein sollten). Andererseits kann es, wenn von Sprachredakteuren bearbeitete Texte noch im DKKS aufgeführte Lehnübersetzungen enthalten, darauf hindeuten, dass diese schwer zu erkennen sind; daher ist ihre Untersuchung nach wie vor aktuell. Außerdem ist zu berücksichtigen, dass das DKKS 1997 verabschiedet wurde, während das Korpus Texte ab 1992 enthält. Somit können in früheren Texten verwendete, nicht zu empfehlende Lehnübersetzungen gewissermaßen nicht als große Sprachfehler gelten (aber auch nicht als korrekt). Norminamuosiuose ar kitokio pobūdžio leidiniuose (žr. Pupkis 2005: 263; Šukys 2003: 50; Vilkončius 2001; Paulauskienė 2000: 87) minimi ir keli vaizdingi verstiniai posakiai. Pateikiama daugiausia pastaraisiais metais netinkamai iš anglų kalbos verčiamų žodžių ar posakių), BENDRINĖ KALBA | 87 (2014) www.bendrinekalba.lt ISSN 2351-7204 ERIKA RIMKUTĖ. Ar vis dar aktualus didžiųjų kalbos klaidų sąrašas? Vertinių atvejis | 3 z. B.: jemandem ein Bein stellen (=einen Streich spielen); jemandem einen Bären aufbinden (=Nebelkerzen werfen, Sand in die Augen streuen); wir werden die Küken im Herbst zählen (=wir werden sehen, wenn es so weit ist; man soll den Tag nicht vor dem Abend loben); das Dach fährt (=nicht alle Tassen im Schrank haben); den Stock überbiegen (=übertreiben, zu weit gehen); der Nagel des Programms (=Höhepunkt, Hauptattraktion); mit der Gabel ins Wasser geschrieben (=eine Seifenblase, eine Kleinigkeit); gehen wie durch Samt (=wie durch Butter gehen, wie geschmiert laufen); so nötig wie ein zweiter Schwanz für einen Hund (=so nötig wie ein Kropf); Brennholz spalten (=eine Suppe einbrocken); eine gute Zeit haben (=eine gute Zeit verbringen); ohne Probleme (=kein Problem, nichts Schlimmes, ich werde es erledigen); in die Ecke treiben (=an die Wand drücken, in die Enge treiben); einen Toast erheben (=das Glas erheben, einen Trinkspruch ausbringen); ich wette, dass... (=ich bin sicher, ich lege meine Hand dafür ins Feuer); wir sehen uns später (=auf Wiedersehen! Mach’s gut! Bis dann!); am Ort getötet (=sofort). Pasak Jono Šukio (2003: 50), kai kurie verstiniai rusiški frazeologizmai per dažnai vartoti sovietmečio spaudoje (jie vartojami ir dabar). Kalbininkas aiškiai nepasako, ar šie posakiai nevartotini, ar juos galima (bet nebūtina) keisti lietuviškais vaizdingais posakiais. Minimi tokie žodžių junginiai: žiūrėti iš savo varpinės (paisyti savo reikalų, interesų); mėtyti akmenis į (kieno) daržą (kritikuoti); kaišioti pagalius į ratus (trukdyti); baltais siūlais siūta (neįrodyta); į vatą vynioti (neatvirai kalbėti, pūsti miglą); gumą tempti (delsti). Diese übersetzten Wendungen wurden im DLKT nicht untersucht. Die Normierer der Sprache sollten darauf aufmerksam gemacht werden, solchen Wendungen (insbesondere bildhaften) mehr Beachtung zu schenken: Listen zu erstellen, zu erklären, warum sie nicht verwendet werden sollten – denn Sprachverwendern scheint es, dass eine Wendung korrekt ist, wenn sie bildhaft ist – und den Bewertungsgrad genau anzugeben, d. h. ob sie nicht zu empfehlen oder zu vermeiden sind oder ob stattdessen besser andere litauische Wendungen verwendet werden sollten. Im Artikel wurden die Lehnübersetzungen unter vier Gesichtspunkten untersucht: 1) wie häufig sie im Korpus verwendet werden; 2) in welchem Korpusteil sie vorkommen; 3) in Texten welchen Zeitraums (es wurde die Hypothese aufgestellt, dass mehr Lehnübersetzungen in älteren, d. h. bis 2000 veröffentlichten Texten, und weniger in neueren, ab 2001 veröffentlichten Texten vorkommen); 4) ob sie motiviert oder unmotiviert verwendet werden (es wurde angenommen, dass nicht zu empfehlende Lehnübersetzungen häufiger unmotiviert verwendet werden, weil Sprachverwender sie nicht erkennen und nicht merken, dass sie nicht zu empfehlende Wörter verwenden) (siehe Abschnitt 3). Die Methodik dieser Untersuchung ist nicht neu – in seinem 2005 veröffentlichten Artikel „Tendenzen beim Gebrauch von Fremdwörtern im litauischen Sprachkorpus“ untersuchte Povilas Rudzevičius im DLKT 144 ältere Fremdwörter, die im DKKS aufgeführt sind. Die Untersuchung stützt sich auf die von diesem Autor vorgestellte Methodik; einige Ergebnisse dieser Untersuchung werden mit den Forschungsdaten von P. Rudzevičius verglichen. 3. VERWENDUNG NICHT EMPFOHLENER LEHNÜBERSETZUNGEN IM KORPUS DER GEGENWÄRTIGEN LITAUISCHEN SPRACHE Im Korpus wurden mehr als 20.000 Konkordanzzeilen mit nicht empfohlenen Lehnübersetzungen gefunden. Das bedeutet jedoch nicht, dass es so viele Fälle fehlerhaften Sprachgebrauchs gibt. Nicht selten stimmten nicht empfohlene übersetzte Wendungen zufällig mit korrekten Wortverbindungen überein, z. B.: (1) įmonėse įmanomi tik A ir B keliai. Arba nieko nedaryti ir žiūrėti, prie ko tai prives, arba – lopyti seną valdymo „kūną“.2 2 Alle Beispiele stammen aus dem DLKT. Die Beispiele wurden nicht redigiert und teilweise etwas gekürzt; die untersuchte Lehnübersetzung ist fett gedruckt. Die Beispiele und statistischen Daten stammen aus der 2014 verteidigten Bachelorarbeit von Agnė Sendaitė „Verwendung nicht empfohlener Lehnübersetzungen im Korpus der gegenwärtigen litauischen Sprache“ (Betreuerin Erika Rimkutė). BENDRINĖ KALBA | 87 (2014) www.bendrinekalba.lt ISSN 2351-7204 ERIKA RIMKUTĖ. Ar vis dar aktualus didžiųjų kalbos klaidų sąrašas? Vertinių atvejis | 4 (2) Bet... Gal pats velnias pakišo koją. Žinoma, logiškai galvojant, prie ko čia velnias? Viską sujaukė rinkiminė kampanija. (3) dėl kurių dvasia pernelyg ilgai, aišku, įžūliai ir tuščiai niršo pati ant savęs: (4) kuri prie skilvio opos labai gerai veikia. Aš patyriau Kaune pats ant savęs. Žinoma, jei vėžys, tai jau be operacijos neapsieisi. Zieht man die Konkordanzzeilen ab (siehe Beispiele 1 und 3), in denen eine korrekte Wortverbindung verwendet wurde, bleiben 3.086 Konkordanzzeilen mit nicht empfohlenen Lehnübersetzungen (in verschiedenen Formen). Im Folgenden werden die Häufigkeit der Verwendung nicht empfohlener Lehnübersetzungen, die im DKKS aufgeführt und im Korpus gefunden wurden (siehe 3.1), ihre Verteilung auf die Teile des DLKT (siehe 3.2), ihr Gebrauch nach Zeitraum (siehe 3.3) sowie die Motive für ihre Verwendung (siehe 3.4) erörtert. 3.1. Häufigkeit der Verwendung nicht empfohlener Lehnübersetzungen im Korpus der Gegenwartslitauischen Sprache Wie im zweiten Kapitel erwähnt, wurden im DLKT insgesamt 34 Lehnübersetzungen gefunden. Nach ihrer Gebrauchshäufigkeit wurden sie in drei Gruppen eingeteilt: 1. mehr als 100-mal verwendet, 2. 10–100-mal verwendet, 3. weniger als 10-mal verwendet. In der ersten Gruppe wurden 12 Wörter gefunden (sie machen 35,3 Prozent aller im Korpus gefundenen nicht standardsprachlichen Lehnübersetzungen aus). Die häufigsten im Korpus gefundenen Lehnübersetzungen sind: išsireikšti, išsireiškimas (506)3, vienok (277), gerbūvis (241), neužilgo (235), (kaž)koks tai (231), (kaž)kas tai (209). Der zweiten Gruppe, d. h. den 10–100-mal verwendeten, wurden 16 Wörter (47 Prozent) zugeordnet. Dazu gehören die Lehnübersetzungen apystova (54), obalsis (52), ant savęs (16), prie ko (33) und weitere. Am seltensten, d. h. weniger als 10-mal, wurden 6 Lehnübersetzungen verwendet (17,7 Prozent); es handelt sich bei allen um Wortverbindungen. Es lässt sich vermuten, dass diese Gruppe und die im Korpus überhaupt nicht gefundenen Lehnübersetzungen, nämlich ant kiek, ant tiek, ant sveikatos, būti (ne) kurse, ir taip, kaip kartas, (kaž)kieno tai, (kaž)kodėl tai, (kaž)kur tai, in der heutigen Sprache als aussterbend gelten. Zur Bestätigung dieser Schlussfolgerung müssten mehr Daten gesprochener Sprache untersucht werden, da diese Lehnübersetzungen vermutlich häufiger in der gesprochenen Sprache vorkommen; außerdem sollten auch neuere Texte der geschriebenen Sprache untersucht werden. Andererseits kann der seltene Gebrauch auch darauf zurückzuführen sein, dass selbst die standardsprachlichen Entsprechungen dieser im Korpus selten verwendeten Lehnübersetzungen nicht häufig sind. Zusammenfassend lässt sich zur Gebrauchshäufigkeit nicht empfohlener Lehnübersetzungen sagen, dass mehr als ein Drittel von ihnen sehr häufig vorkommt und daher voraussichtlich in naher Zukunft nicht verschwinden wird. Es wurde festgestellt, dass übersetzte Einzelwörter häufiger verwendet werden als Wortverbindungen. Die Gebrauchshäufigkeit der Lehnübersetzungen muss auch in einem breiteren Kontext erörtert werden; deshalb wird im nächsten Unterkapitel beschrieben, in welchen Teilen des Korpus die untersuchten Lehnübersetzungen vorkommen, und in Unterkapitel 3.4 werden Tendenzen hinsichtlich der Gebrauchsmotivation von Lehnübersetzungen dargestellt. 3 Die Anzahl der Belege ist in Klammern angegeben. BENDRINĖ KALBA | 87 (2014) www.bendrinekalba.lt ISSN 2351-7204 ERIKA RIMKUTĖ. Ar vis dar aktualus didžiųjų kalbos klaidų sąrašas? Vertinių atvejis | 5 3.2. Verteilung nicht empfohlener Lehnübersetzungen im Korpus der litauischen Gegenwartssprache in den Teilkorpora Wie in der Einleitung erwähnt, wurden alle im DKKS aufgeführten Lehnübersetzungen im DLKT untersucht. Das Korpus umfasst 140 Millionen Wörter; es enthält Texte, die zwischen 1992 und 2009 verfasst wurden. Die Proportionen des Korpus sind in Abbildung 1 dargestellt. ABB. 1. Aufbau des DLKT4 Über die Repräsentativität von Korpora, ihre Erstellungsprinzipien und Ähnliches wird viel diskutiert (siehe Marcinkevičienė 2000). In diesem Artikel werden die genannten kontroversen Fragen nicht vertieft; stattdessen wird gleich darauf hingewiesen, dass manche Forschungsergebnisse durch die Proportionen des Korpusaufbaus bedingt sind (siehe dazu weiter unten). Wie aus Abbildung 2 hervorgeht, wurden die meisten nicht empfohlenen Lehnübersetzungen in publizistischen Texten gefunden (58,2%), deutlich weniger in Sachliteratur, gesprochener Sprache und Belletristik. Wie erwartet, gab es die wenigsten Belege im Teilkorpus der Verwaltungssprache (2,6%). Dennoch sind diese Daten differenziert zu bewerten: Die meisten Lehnübersetzungen wurden nicht deshalb in publizistischen Texten gefunden, weil die Texte dieses Teilkorpus am fehlerhaftesten wären, sondern weil der publizistische Teil im DLKT der größte ist (siehe Abbildung 1); die gesprochene Sprache ist keineswegs die korrekteste, sondern lediglich der kleinste Teil des DLKT, weshalb dort auch nur wenige nicht empfohlene Lehnübersetzungen gefunden wurden. ABB. 2. Verteilung nicht empfohlener Lehnübersetzungen in den Teilkorpora des DLKT 4 Die Daten stammen aus http://tekstynas.vdu.lt/tekstynas/menu?page=statistics. BENDRINĖ KALBA | 87 (2014) www.bendrinekalba.lt ISSN 2351-7204 ERIKA RIMKUTĖ. Ar vis dar aktualus didžiųjų kalbos klaidų sąrašas? Vertinių atvejis | 6 Um genaue Daten zum Gebrauch von Lehnübersetzungen im DLKT vorlegen zu können, wurde die normalisierte Häufigkeit berechnet: die Zahl der Belege pro 100 000 Wörter (siehe Abbildung 3). ABB. 3. Verteilung nicht empfohlener Lehnübersetzungen in den Teilkorpora des DLKT (normalisierte Häufigkeit) Aus diesen Daten lässt sich schließen, dass nicht empfohlene Lehnübersetzungen nicht häufig verwendet werden und am häufigsten in der gesprochenen Sprache vorkommen, die nicht normiert ist (mit Ausnahme des öffentlichen, offiziellen Sprachgebrauchs). Der Teil der gesprochenen Sprache im DLKT ist in öffentliche Sprache (dazu gehören Aufnahmen von Radio- und Fernsehsendungen sowie offiziellen Reden), private Sprache (besteht aus Aufnahmen der Alltagssprache – davon gibt es die meisten) und Stenogramme (einige Protokolle des Seimas sind enthalten) unterteilt. Leider ist es derzeit nicht möglich, eine oder mehrere Varianten der gesprochenen Sprache gesondert zu untersuchen. Den größten Anteil bildet die informelle Alltagssprache. Die im DKKS aufgeführten nicht empfohlenen Lehnübersetzungen sind folglich vor allem für die Alltagssprache kennzeichnend, in der ihr Gebrauch als motiviert gilt (siehe Unterabschnitt 3.4). Vor Beginn der Untersuchung wurde angenommen, dass Lehnübersetzungen als stilistisches Mittel in belletristischen Werken gebraucht würden. Die 1,5 Belege pro 100 000 Wörter lassen jedoch darauf schließen, dass Lehnübersetzungen für die Sprache und Charakterisierung belletristischer Figuren nicht besonders typisch sind. Betrachtet man die Daten in Abbildung 3, lässt sich nicht behaupten, die Sprache der Dokumente sei fehlerhaft. Dennoch überraschte selbst der geringe Gebrauch nicht empfohlener Lehnübersetzungen im Teilkorpus der Verwaltungsliteratur. Die meisten Beispiele stammen aus älteren Texten, d. h. aus Texten, die vor 2000 verwendet wurden, zum Beispiel: (5) Wettbewerbsprobleme in der lokalen Wirtschaft. Bei den Dienstleistungen der Wohnungswirtschaft, der städtischen „gerbūvis“, im Verkehr und auf anderen Märkten der lokalen Wirtschaft soll eine breite Anwendung finden (6) Auf Antrag tauschen die Vertragsparteien Informationen über ihre Gesetzgebung, ihr Rechtssystem und ihre Rechtsprechung aus. (7) ARTIKEL 2 Eine Ehe kann ohne freiwillige und echte Zustimmung der Eheschließenden nicht geschlossen werden. a) Unter gebührender Achtung der Tradition (8) Zerstörung unter folgenden Umständen: a) dies geschah infolge eines Verkehrsunfalls infolge, bei dem das versicherte Fahrzeug vom Eigentümer geführt wurde (9) Ein ABONENTAS kann ein oder mehrere Objekte haben (mit eigenständigen Zu- und Abflüssen), die Wasser verbrauchen und Abwasser ableiten. BENDRINĖ KALBA | 87 (2014) www.bendrinekalba.lt ISSN 2351-7204 ERIKA RIMKUTĖ. Ar vis dar aktualus didžiųjų kalbos klaidų sąrašas? Vertinių atvejis | 7 Aus der Verwendung nicht empfohlener Lehnübersetzungen in einzelnen Teilen des DLKT lässt sich somit ablesen, dass in der durch Beschlüsse der Staatlichen Kommission für die litauische Sprache geregelten offiziellen Verwendung in öffentlich publizierten Arbeiten nur relativ wenige Lehnübersetzungen vorkommen; daher kann nicht von zahlreichen Verstößen gegen die Sprachnormen gesprochen werden. 3.3. Verteilung nicht empfohlener Lehnübersetzungen in Texten aus verschiedenen Zeiträumen In der Einleitung wurde die Hypothese aufgestellt, dass fehlerhafte Lehnübersetzungen in älteren Texten häufiger vorkommen sollten. Als vergleichsweise ältere Texte gelten Arbeiten, die vor dem Jahr 2000 veröffentlicht wurden; als neuere gelten Texte, die ab 2001 (also bereits im 21. Jahrhundert) erschienen sind. Die Analyse ergab, dass sich die Hypothese bestätigte: In vor 2000 veröffentlichten Texten fanden sich 59 Prozent der Lehnübersetzungen, in ab 2001 erschienenen Texten 41 Prozent. Einige Lehnübersetzungen sind in älteren Texten eindeutig häufiger: nekuris, -i (87,5 Prozent in älteren Texten), pasėka (83 Prozent), sauisto--Ableitungen (79 Prozent), stoyyla (79 Prozent), vienok (80 Prozent). Übersetzte Wortverbindungen wie (kaž)kaip tai, (kaž)kas tai werden dagegen häufiger in neueren Texten verwendet (91 bzw. 86 Prozent). Andere Lehnübersetzungen (z. B. kaip tai, kaip sykį, kaip kartas, gerbūvis) kommen in älteren wie neueren Texten ähnlich häufig vor. Daraus lässt sich keine eindeutige Schlussfolgerung ziehen, dass nicht empfohlene Lehnübersetzungen in den letzten Jahren an Bedeutung verlieren – es lässt sich lediglich von bestimmten Lehnübersetzungen sprechen, die verschwinden oder weiterhin häufig verwendet werden. 3.4. Motivation für die Verwendung nicht empfohlener Lehnübersetzungen In diesem Artikel wird der Motivation für die Verwendung nicht empfohlener Lehnübersetzungen größte Aufmerksamkeit gewidmet, denn anhand dieser Daten lässt sich am genauesten erkennen, ob die in der DKKS aufgeführten Lehnübersetzungen bewusst verwendet werden, das heißt, ob man sich des Fehlers bewusst ist, das Wort aber aus stilistischen oder anderen Gründen für notwendig hält, oder ob Sprachverwender die Fremdartigkeit der Lehnübersetzungen nicht wahrnehmen und sie deshalb wie gewöhnliche Wörter der Standardsprache verwenden. Pirmiausia aptarta, kokie atvejai laikomi motyvuota vartosena. J. Šukys (2003: 25–26) teigia, kad stilistiškai motyvuoti normų pažeidimai, dažniausiai pasitaikantys grožinėje literatūroje, publicistikoje, buitinėje kalboje, nelaikomi klaidomis. Grožinėje literatūroje svetimybės pasitelkiamos veikėjų charakteriui perteikti, tačiau jos turi būti vartojamos saikingai, priešingu atveju tekstas tampa nemeniškas. Nicht motivierte Sprachverstöße sind J. Šukys zufolge meist unbeabsichtigt. Dazu zählen Fehler, die Sprachverwender begehen, weil sie die Standardsprache nicht beherrschen und ihre Normen nicht kennen. Als absichtliche Sprachverstöße gelten Fälle, in denen ein Sprachverwender weiß, wie ein bestimmtes Wort korrekt gesagt werden sollte, sich der Norm aber widersetzt und sie bewusst verletzt (Šukys 2003: 25–26). P. Rudzevičius untersuchte nicht empfohlene alte Fremdwörter und zählte in seinem Artikel „Tendenzen beim Gebrauch von Fremdwörtern im Textkorpus der litauischen Sprache“ (2005: 214–215) folgende Normverstöße zu den motivierten: 1) tatsächliche oder vermutete Einsprengsel aus der nicht gegenwärtigen Standardsprache: a) aus der Folklore; b) aus der älteren Literatur; c) aus Dialekttexten; 2) aktualisierte Fremdwörter, wenn aus stilistischen Gründen Elemente des Sprachgebrauchs früherer Zeiten umgestaltet und in den Kontext eingefügt werden; 3) Zitate aus der heutigen nicht normgerechten Sprache: a) wenn ein längerer Text zitiert wird, um die Authentizität der Sprache zu bewahren; b) wenn nur BENDRINĖ KALBA | 87 (2014) www.bendrinekalba.lt ISSN 2351-7204 ERIKA RIMKUTĖ. Ar vis dar aktualus didžiųjų kalbos klaidų sąrašas? Vertinių atvejis | 8 Ein einzelnes Wort steht in Anführungszeichen; c) wenn ein Fremdwort als emotional-expressives Stilmittel verwendet wird; d) in Dialogen; e) in Sprachempfehlungen. Bei der Untersuchung nicht empfohlener Lehnübersetzungen wurden nicht alle von P. Rudzevičius aufgeführten Fälle gefunden, weshalb die motivierten Fälle nicht so fein untergliedert werden. In diesem Artikel gelten folgende Fälle als motivierter Gebrauch: 1) in Anführungszeichen oder kursiv geschrieben; 2) in Zitaten aus alten Texten gefunden; 3) in normativen Veröffentlichungen gefunden, die dem Unterricht und der Bildung dienen; 4) in der Sprache literarischer Figuren verwendet; 5) in Zitaten gefunden, die umgangssprachliche Rede oder die Worte einer Person wiedergeben; 6) im Teilkorpus der gesprochenen Sprache gefunden. Nach der Zählung der Fälle motivierten und nicht motivierten Gebrauchs zeigte sich, dass 74 Prozent der Lehnübersetzungen nicht motiviert und 26 Prozent motiviert verwendet wurden. Diese Daten wurden durch die Zählung aller Gebrauchsfälle in sämtlichen Korpusteilen ermittelt. Wie bereits erwähnt, wurden alle im Teil der gesprochenen Sprache gefundenen Fälle als motivierter Gebrauch gewertet. Das ist nicht ganz zutreffend, denn dieser Korpusteil enthält auch Beispiele öffentlicher, offizieller Sprache (stenografische Berichte des Seimas, Aufnahmen von Radio- und Fernsehsendungen), für die Anforderungen an die Sprachrichtigkeit gelten. Dennoch besteht der größte Teil der gesprochenen Sprache aus informeller Alltagssprache; Beispiele offizieller Sprache lassen sich nicht absondern, weshalb alle Fälle gesprochener Sprache als motiviert gewertet wurden. Andererseits finden sich in der gesprochenen Sprache auch die zuvor erwähnten weiteren Arten motivierten Gebrauchs, zum Beispiel die Wiedergabe fehlerhafter Rede einer Person oder die Verwendung einer nicht empfohlenen Lehnübersetzung zur Beschreibung einer bestimmten Person und Ähnliches. Somit können in diesem Korpusteil mehrere Fälle motivierten Gebrauchs zusammenkommen; eine eingehendere Analyse wurde jedoch nicht durchgeführt. Lässt man daher den Teil der gesprochenen Sprache des DLKT außer Betracht, fallen die Ergebnisse der Motivationsanalyse etwas anders aus: In 84 Prozent der Fälle liegt nicht motivierter Gebrauch vor, in 16 Prozent motivierter. Im Folgenden werden einige Beispiele motivierten Gebrauchs angeführt: (10) Nach der Aufzählung der eigenen kleinen „apystovų“ geht man zum zusammenfassenden Teil über5 (11) Der dort erreichte Wohlstand formte eine Dimension des „Wohlstandismus“, die ihre Räume der geistigen traditionellen Werte immer weiter ausdehnt. (12) Vollständig – gänzlich; sich ausdrücken – sagen; durchmachen – erleben, sich sorgen, bekümmert sein (13) Neužilgo – bald, gleich. Nedakepėlis – Versager. Skaitau – ich denke. (14) erklärte, dass „die Übergabe der Gesandtschaft keinesfalls als freiwilliger Akt verstanden werden kann“, und zur Übergabe der Schlüssel wurde ein Diplomat des niedrigsten Ranges ausgewählt. (15) J. Skaisgirys (ebenda). Der Vorsitzende des Schützenbundes P. Saladžius: „Euer obal­sis „Litauen den Litauern!“ ist schön und allen Litauern lieb. (16) Auch aus der Übersetzung: „Zwischen die Namen der erwähnten Menschen eines fremden Landes eingefügt, ließ er einige einst berühmte Männer unseres Landes zurück...“ (S. 53–54). Robinson Crusoe (17) Die Gestalten sind kühn, und auf jedem Gesicht blüht Tapferkeit. Statue, Sprache und jeder Schritt zeugen von allen, die frei sind 5Begründete Verwendungsfälle wurden nicht korrigiert. BENDRINĖ KALBA | 87 (2014) www.bendrinekalba.lt ISSN 2351-7204 ERIKA RIMKUTĖ. Ar vis dar aktualus didžiųjų kalbos klaidų sąrašas? Vertinių atvejis | 9 (18) Ich fühlte mich in meiner Haut nicht wohl und wollte unbedingt wissen, „inwieweit“, wie die Einwohner Kaunas sagen, mein Spiel ernst war (19) bet aš tik norėjau save pasisendyt kažkiek, gimtadienis va, neužilgo bus. Aišku, melo kojos trumpos, bet tai čia nieko. Apie dainavimą. Gerai. (20) sagt: Ach, Herr Makortai, alle Englischlehrer zwingen uns, über irgendwelche dummen Dinge zu schreiben, wie die Sommerferien oder die Geschichte unseres Lebens. (21) nennt er den „interpretierenden Verstand“: Die traditionelle Rolle des Philosophen, beschrieben durch die Metapher des „Gesetzgebers“, wird allmählich durch eine Rolle ersetzt, die am besten erfasst wird von (22) die Fraktionen noch nicht bereit sind, Frieden zu schließen“. Rabani wurde die Möglichkeit gegeben, „freiwillig“ zurückzutreten. Das muss bis zum 21. März geschehen. In den Beispielen 10–11 sind nicht empfehlenswerte Lehnübersetzungen grafisch, das heißt durch Anführungszeichen, hervorgehoben – solche Fälle einer begründeten Verwendung wurden am häufigsten gefunden und sind am eindeutigsten zu bestimmen. Die Beispiele 12–13 stammen aus normativen oder für Lehrzwecke bestimmten Publikationen. In den Beispielen 14–15 wird die Rede einer anderen Person zitiert (offenbar war es wichtig, alles genau wiederzugeben, weshalb in den Zitaten nichts geändert und nicht empfehlenswerte Lehnübersetzungen verwendet wurden). Die Beispiele 16–17 veranschaulichen Auszüge aus alten Schriften, daher ist die Verwendung nicht empfehlenswerter Wörter hier begründet.6Im achtzehnten Beispiel einer begründeten Verwendung ist die übersetzte Wortverbindung nicht nur grafisch hervorgehoben, sondern offensichtlich auch dazu verwendet, den Sprachstil der Einwohner Kaunas wiederzugeben. Das neunzehnte Beispiel enthält einen Ausschnitt aus gesprochener Sprache, daher gilt die darin verwendete Lehnübersetzung ebenfalls als begründeter Sprachgebrauch. Andererseits kennt der Sprecher möglicherweise die Sprachnormen nicht und verwendet neužilgo als korrektes Wort – in diesem Fall wäre der Gebrauch als unbegründet einzustufen. Dennoch lässt sich nicht überprüfen, ob die Urheber der Äußerungen im Teilkorpus der gesprochenen Sprache die Sprachnormen kennen; deshalb werden, wie bereits erwähnt, obwohl diese Aussage nicht ganz zutreffend ist, alle Fälle gesprochener Sprache als begründeter Sprachgebrauch betrachtet. Im zwanzigsten Beispiel wird die Ausdrucksweise ungebildeter Jugendlicher treffend mit sprachlichen Mitteln wiedergegeben, daher ist klar, dass die Lehnübersetzung dort begründet verwendet wurde. Die Beispiele 21–22 werfen gewisse Fragen auf: Die Anführungszeichen können nicht nur deshalb gesetzt worden sein, um sich beim Zitieren gegen einen Fehler abzusichern, sondern möglicherweise auch, um Ironie auszudrücken – in diesem Fall könnte es sein, dass der Verfasser des Textes nicht erkennt, dass įstatymdavio, laisvanoriškai nicht empfehlenswerte Wörter sind und die Anführungszeichen lediglich der Ironie dienen. Im Folgenden werden einige Beispiele für unbegründeten Sprachgebrauch und ihre Kommentare angeführt: (23) Ohne etwas zu sagen, als wäre nichts geschehen, setzte ich meine Arbeit fort. Apystovos (=Die Umstände) entwickelten sich günstig für mich – es ergab sich eine Dienstreise nach Moskau (24) Aš galvoju: šie žiūrovai, turintys šitokį materialinį gerbūvį (=gerovę), pertekę reginiais, daugybe televizijos programų, sėdės ir žiūrės mano (25) aus zwei Sphären, die einander begrenzen, mit anderen Worten – wie Fichte sich ausdrückt (=behauptet, sagt) – sie sind „teilbar“ (quantitativ). 6 Solche Beispiele aus dem älteren Litauischen verzerren die statistischen Daten ein wenig: 1) aufgrund der Verteilung auf die Teilbereiche des Korpus, da ein Text beispielsweise der Belletristik zugeordnet sein kann, darin aber ein Auszug aus einem literarischen Werk zitiert wird; 2) aufgrund der Verteilung nach Zeitraum, da die analysierte Konkordanzzeile aus einem recht neuen Text stammen kann, in dem sich jedoch ein Zitat findet, das das ältere Litauisch oder den Dialektgebrauch veranschaulicht. Andererseits gibt es nicht sehr viele solcher Fälle, weshalb man sagen kann, dass sie die im Artikel dargestellten Ergebnisse nicht wesentlich beeinflussen. BENDRINĖ KALBA | 87 (2014) www.bendrinekalba.lt ISSN 2351-7204 ERIKA RIMKUTĖ. Ar vis dar aktualus didžiųjų kalbos klaidų sąrašas? Vertinių atvejis | 10 (26) Freiwilliges nicht ausgeschütteter Gewinn – das ist ein Teil des Restbetrags des nicht ausgeschütteten Gewinns (=Freiwilliger) (27) brachte sie in einem Team zusammen und nannte sich „Sakalas“: Šiauliai „Sakalas“ spielte in irgendeiner (=irgendeiner) baltischen Liga und belegte den 9. Platz. (28) Die Parolen zur Befreiung der Völker parolen (=Schlachtrufe) waren für den Durchschnittsmenschen besonders verständlich und attraktiv. (29) Hält er die Polen nicht für solche; lässt er sich nicht kontrollieren? – Ist Herr R. so sehr (=so) naiv, dass er meint, man könne es zulassen, sich in die ernsten Angelegenheiten des Volkes einzumischen (30) Bald (=In Kürze) werden wir ihre schrecklichen Angriffe vor unserer Haustür erleben. (31) Wenn jemand im Kreis ein paar Sätze auf Weißrussisch einfügte (gewöhnlich unter Zitierung irgendwelcher (=irgendeines) weißrussischen Sprachmaterials), wechselte das ganze Gespräch ins Weißrussische. (32) des Bezirksrats von Pasvalys – die Herabsetzung des von der Zentralen Privatisierungskommission festgelegten Wertes der Aktiengesellschaft „Pasvalio gerbuvois (=Wohlergehen)“ (6918959) zu gestatten (33) Mit Heideggers Worten: „Das Älteste des Altertums in unserem Denken liegt hinter uns und dennoch (=nichtsdestoweniger) begegnet es uns“ (34) noch von einem weiteren Besessenen, diesmal aber keinem Schauspieler. Von so einem Statuenmacher (=Bildhauer, Statuenbildner), also einem Bildhauer. (35) Infolge eines gesunden Wettbewerbs führte die Musikschule Kaunas bei sich ebenfalls sieben Instrumentalklassen ein, konnte diese leider aber nicht ausschöpfen (36) Tarnung gibt es überall, und wenn wir sie bei uns in Litauen nicht bemerken, bedeutet das, dass das Tarnmaterial von sehr guter Qualität ist. Aus diesen Beispielen lässt sich schließen, dass die Sprachbenutzer nicht erkannten, dass sie einen Fehler machten, denn im Text wurden die nicht empfohlenen Lehnübersetzungen in keiner Weise hervorgehoben oder erläutert. Es wurde festgestellt, dass die unmotivierte Verwendung bestimmter Lehnübersetzungen in einigen Publikationen besonders häufig ist (aus ethischen Gründen werden die Verfasser und Titel der Texte nicht genannt); daher sollte man in manchen Fällen nicht allgemein von der Verbreitung der im DKKS aufgeführten Lehnübersetzungen im heutigen Litauischen und ihrer häufigen Verwendung im DLKT sprechen, sondern von der mangelnden Kenntnis der Sprachnormen bei einigen Autoren. Es ist nicht ganz klar, ob Beispiel 32 als unmotivierte Verwendung einzustufen ist: Hier wird ein symbolischer Name in Anführungszeichen gesetzt; selbstverständlich müssen jedoch die Namen von Unternehmen, Einrichtungen und Organisationen korrekt sein⁸, weshalb dieser Fall als unmotivierte Verwendung eingeordnet wird. Auf Beispiel 33 sei hingewiesen: Auf den ersten Blick könnte es scheinen, dass darin eine motivierte Verwendung der Lehnübersetzung in einem Zitat vorliegt; wir wissen jedoch, dass Martin Heidegger nicht auf Litauisch schrieb. Daher ist die verwendete, nicht empfohlene Lehnübersetzung ein Fehler des Übersetzers und nicht des Autors und wird als unmotivierte Verwendung betrachtet. Beispiel 34 zeigt, dass aus nicht empfohlenen Lehnübersetzungen Ableitungen gebildet werden (in diesem Fall stoyyldirbis), die im DKKS nicht verzeichnet sind (im DKKS findet sich nur stoyyla(s)); sie werden aber ebenfalls in diesem Artikel untersucht. Andererseits zeigt dieser Satz, dass zur Erzielung einer anschaulichen Ausdrucksweise und von Synonymie (bisweilen nicht unbedingt erforderlicher) fehlerhafte Wörter verwendet werden (solche Fälle erwähnt auch P. Rudzevičius). Die Übersetzungslehnprägungen in den Beispielen 35–36 wurden pas save ohne sachliche Begründung verwendet. Der Gebrauch dieser übersetzten Wortverbindungen ist recht unklar: Es ist schwierig zu verstehen, wann diese Verbindung korrekt und wann sie nicht korrekt verwendet wird – ⁷ In diesem und im Beispiel 36 ist die Wortverbindung pas save überflüssig. ⁸ Heute heißt dieses Unternehmen „Pasvalio gerovė“. BENDRINĖ KALBA | 87 (2014) www.bendrinekalba.lt ISSN 2351-7204 ERIKA RIMKUTĖ. Ar vis dar aktualus didžiųjų kalbos klaidų sąrašas? Vertinių atvejis | 11 … korrekt verwendet wird, da in vielen normativen Publikationen dieselben Beispiele angeführt werden und die Erörterung komplexerer und vielfältigerer Fälle fehlt. Es ist zu beachten, dass es aufgrund der begrenzten Kontextinformationen des DLKT (die Konkordanzzeile umfasst höchstens 300 Zeichen) manchmal nicht immer leicht gelang, die Motivation der untersuchten Übersetzungslehnprägung festzustellen; daher könnten andere Forschende desselben Materials die Motivation in manchen Fällen anders bestimmen. Am häufigsten werden folgende Übersetzungslehnprägungen ohne sachliche Begründung verwendet (der Anteil unbegründeter Verwendungen liegt bei über 80%): gerbūvis, įstatymdavys, įstatymleidys (und weitere Ableitungen), išsireikšti, išsireiškimas, laisvanoriškas (und weitere Ableitungen), neužilgo, obalsis, paseka, stovyla, vienok, kaip kartas, kaip taisyklė. Am häufigsten werden die übersetzten Wortverbindungen ant tiek, ant kiek, ant sveikatos, kas link, (kaž)kaip tai. mit sachlicher Begründung verwendet. Allerdings wurden diese Übersetzungslehnprägungen im DLKT nur relativ selten gefunden, weshalb sich keine verlässlichen Schlussfolgerungen über ihren begründeten und unbegründeten Gebrauch ziehen lassen. 4. SCHLUSSFOLGERUNGEN Aus der zusammenfassenden Untersuchung der in der DKKS aufgeführten Übersetzungslehnprägungen im DLKT lassen sich folgende Schlussfolgerungen ziehen: 1. Übersetzungslehnprägungen als Gruppe nicht empfohlener Entlehnungen sind nach wie vor aktuell – dies belegt ihr relativ häufiger unbegründeter Gebrauch im DLKT (84%, wenn der Teil des Korpus gesprochener Sprache nicht mitgerechnet wird). 2. Nach ihrer Häufigkeit wurden die Übersetzungslehnprägungen in drei Gruppen eingeteilt: den größten Anteil (47%) bilden solche, die im Korpus 10–100 Mal vorkommen (z. B. apystova, obalsis). Etwas weniger (35,3%) entfallen auf sehr häufige Übersetzungslehnprägungen, die mehr als 100 Mal vorkommen (z. B. išsireikšti, išsireiškimas, vienok, gerbūvis, neužilgo). Die seltensten Übersetzungslehnprägungen machen 17,7% aus (z. B. ant kiek, ant tiek, ant sveikatos). 3. Die meisten Übersetzungslehnprägungen wurden im journalistischen Teil des DLKT gefunden, da dieser Teil am umfangreichsten ist. Nach Berechnung der normalisierten Häufigkeit (Anzahl der Vorkommen je 100.000 Wörter) zeigte sich, dass die meisten Übersetzungslehnprägungen im Teil des Korpus gesprochener Sprache verwendet werden. Somit werden nicht empfohlene Übersetzungslehnprägungen in Texten, die den Sprachnormen folgen, nur selten verwendet. 4. Bei der Untersuchung des Gebrauchs von Übersetzungslehnprägungen nach Zeitraum zeigte sich, dass sie in älteren, das heißt vor 2000 veröffentlichten Texten, häufiger vorkommen (59%) als in neueren Texten (ab 2001 veröffentlicht), in denen ihr Anteil geringer ist – 41%. Dies weist auf einen Rückgang des Gebrauchs nicht empfohlener Übersetzungslehnprägungen hin. 5. Der Vergleich der Ergebnisse dieser Untersuchung mit den Ergebnissen von P. Rudzevičius’ (2005) Analyse nicht empfohlener alter Fremdwörter machte zwei wichtige Unterschiede deutlich: 5.1. Nicht empfohlene Übersetzungslehnprägungen werden viel häufiger unbegründet verwendet (84%), während alte Fremdwörter häufiger begründet gebraucht werden (60%). Das bedeutet, dass Sprachbenutzer Fremdwörter leichter erkennen und sie, wenn sie sie verwenden, grafisch oder auf andere Weise hervorheben; 5.2. Die meisten nicht empfohlenen Übersetzungslehnprägungen wurden im journalistischen Schrifttum gefunden (58,2%; berechnet wurde die einfache, nicht die normalisierte Häufigkeit), während Fremdwörter vor allem in der schöngeistigen Literatur vorkamen (30,2%). Aus diesen Daten lässt sich schließen, dass alte Fremdwörter ein nützlicheres stilistisches Mittel als Übersetzungslehnprägungen sind, um die Sprache und die Charaktere von Figuren in der schöngeistigen Literatur zu veranschaulichen. 6. Die Liste der Lehnübersetzungen sollte überprüft werden, da einige davon nicht mehr aktuell sind; sie sollte ergänzt werden – um kürzlich verbreitete Lehnübersetzungen aus dem Englischen oder anderen Sprachen, insbesondere bildhafte Redewen- BENDRINĖ KALBA | 87 (2014) www.bendrinekalba.lt ISSN 2351-7204 ERIKA RIMKUTĖ. Ar vis dar aktualus didžiųjų kalbos klaidų sąrašas? Vertinių atvejis | 12 dungen. Bildhafte nicht empfehlenswerte Redewendungen sollten erläutert werden, da Sprachbenutzer oft nicht verstehen, warum diese Redewendungen nicht empfehlenswert sind. Eine solche Liste wäre für Redakteure, Übersetzer, Lehrer, Dozenten und Studierende sehr nützlich. ŠALTINIAI Dabartinės lietuvių kalbos tekstynas. Prieiga internete: http://tekstynas.vdu.lt. Didžiųjų kalbos klaidų sąrašas. Prieiga internete: http://www.vlkk.lt/lit/klaidos. LITERATŪRA Kalbos patarimai. Kn. 1. Sintaksė: 1. Linksnių vartojimas. Sud. R. Miliūnaitė, teksto aut. V. Labutis, A. Pupkis ir J. Šukys, vyr. red. A. Pupkis, Vilnius: Mokslo ir enciklopedijų leidybos institutas, 2003. Marcinkevičienė R. 2000: Tekstynų lingvistika. Teorija ir praktika. – Darbai ir Dienos 24, 7–64. Paulauskienė A. 2000: Lietuvių kalbos kultūra, Kaunas: Technologija. Pupkis A. 2005: Kalbos kultūros studijos, Vilnius: Gimтасis žodis. Rudzevičius P. 2005: Svetimybių vartojimo polinkiai lietuvių kalbos tekstyne. – Kalbos kultūra 78, 210–219. Subačius G. 2013: Kalbos klaidų didybė. Prieiga internete: http://www.delfi.lt/news/ringas/lit/g-subacius-kalbos-klaidu-didybe.d?id=63258244 (žiūrėta 2014-10-10). Šukys J. 2003: Kalbos kultūra visiems, Kaunas: Šviesa. Urnėžiūtė R. 2014: Taisyklingos kalbos niekas neatšaukė (R. Urnėžiūtė kalbino D. Vaiš nienę, J. Palionytę, R. Miliūnaitę, A. Dvylę, D. Smalinską). – Gimtoji kalba 2, 18–26. Vaicekauskienė 2011: interviu Kalbininkė L. Vaicekauskienė: „Mes manipuliuojame visuomene, kai nuolat kalbame apie grėsmes lietuvių kalbai“. Prieiga internete: http://www.lrytas.lt/-12959878831295744879-kalbinink%C4%97-l-vaicekauskien%C4%97-mes-manipuliuojame-visuomene-kai-nuolat-kalbame-apie-gr%C4%97smes-lietuvi%C5%B3-kalbai.htm (žiūrėta 2014-10-13). Vaicekauskienė L. 2007: Naujieji lietuvių kalbos svetimžodžiai: kalbos politika ir vartosena, Vilnius: Lietuvių kalbos instituto leidykla. Vaicekauskienė L. 2010: Lietuvių kalbos norminimo šimtmetis. – Naujasis židinys–Aidai 5–6, 165–172. Vilkončius V. 2001: Vertimas į lietuvių kalbą: trąfaretų antplūdis, Vilnius: Gimtas(is) žodis. Gauta 2014 10 23 BENDRINĖ KALBA | 87 (2014) www.bendrinekalba.lt ISSN 2351-7204 ERIKA RIMKUTĖ. Ar vis dar aktualūs didžiųjų kalbos klaidų sąrašas? Vertinių atvejis | 13 IS THE LIST OF MAJOR LANGUAGE MISTAKES STILL RELEVANT? A CASE STUDY OF LOAN-TRANSLATIONS Summary The article analyses 37 improper loan-translations given in the List of Major Language Mistakes. The Corpus of the Contemporary Lithuanian Language was used for the study of the said loan-translations; 34 loan-translations were found in this source. The loan-translations were analysed in terms of four aspects: 1) how often loan-translations were used in the corpus; 2) the part of the corpus they were used in; 3) the time period of texts; 4) motivation (present or not). The investigation of the material studied showed that more than a third of loan-translations were very frequent (used more than 100 times; e.g. išsireikšti, išsireiškimas, vienok, gerbūvis, neužilgo, (kaž)koks tai, (kaž)kas tai) and therefore unlikely to disappear in the nearest time. It was noticed that translated words rather than collocations were more common. After calculating the distribution of the analysed loan-translations in different parts of the Corpus, it turned out that the greatest number of loan-translations occur in publicistic texts (58.2 per cent), much less – in non-fiction (18.4 per cent), spoken language (12 per cent), and fiction (8.8 per cent). Improper loan-translations were the most uncommon in the administrative texts (2.6 per cent). It should be noted that the above given statistics show the number of loan-translations found in certain parts of the Corpus. As different parts of the Corpus vary in size, the normalised frequency (per 100 000 words) was calculated in order to find out the actual use of loan-translations. The data obtained were different: the greatest number of loan-translations used was found in the spoken language (65.3 instances per 100 000 words), non-fiction – 2.7, publicistic texts – 2, fiction – 1.5, administrative texts – 0.6. The investigation of the use of loan-translations according to the time period approved the hypothesis assumed in the introduction: the number of loan-translations found was greater (59 per cent) in the texts published before 2000, while their use in the recent texts (published starting from 2001) was less frequent (41 per cent). This suggests a certain decrease in the use of improper loan-translations. After counting the instances of motivated and unmotivated use, it turned out that 74 per cent of loan-translations were used without motivation, 26 per cent – with motivation. These data were obtained by counting the total number of instances throughout all the parts of the Corpus. Spoken language excluded (as all such instances of use were regarded as motivated), the results were quite different: unmotivated use was present in 84 per cent of the instances, motivated – 16 per cent. On the basis of such statistics, it can be concluded that language users do not recognise loan-translations as lexical errors. Thus, the discussion of improper loan-translations is still relevant, yet the List of Major Language Mistakes should be updated with recently widespread loan-translations that are more frequent in the current language as well as with improper figurative expressions. KEYWORDS: language culture, the Lithuanian language, improper loan-translations, the List of Major Language Mistakes, the Corpus of the Contemporary Lithuanian Language, motivated and unmotivated use. ERIKA RIMKUTĖ Vytauto Didžiojo universitetas Humanitarinių mokslų fakultetas Lietuvių kalbos katedra K. Donelaičio g. 52, LT-44244 Kaunas [email protected] BENDRINĖ KALBA | 87 (2014) www.bendrinekalba.lt ISSN 2351-7204