scieee AI-readable full text Open interactive document viewer

Lietuvių kalbos vištos, gaidžio, viščiuko pavadinimai ir jų motyvacija

Žydrūnė Šalaviejūtė

Abstract

Vertinami semasiologiniu aspektu lietuvių kalbos vištos, gaidžio, viščiuko pavadinimai sudaro gausų zoonimų teminės grupės pogrupį: iš įvairių aiškinamųjų, tarminių ir specialiųjų leksikografijos šaltinių užfiksuota apie 200 leksemų, neturinčių bendro hiperonimo. Vertinami onomasiologiniu aspektu motyvuotieji pavadinimai sudaro 98 proc. tiriamųjų leksemų. Straipsnyje kompleksiškai analizuojami lietuvių kalbos vištos, gaidžio ir viščiuko pavadinimai, vertinant juos kaip tokius leksikos vienetus, kurie gali perteikti įvardijamojo paukščio kategorizaciją, santykį su kitomis realijomis, kalbos vartotojo požiūrį. Sisteminė tiriamųjų leksemų analizė išryškina kelių kategorijų konceptualiuosius požymius: aksiologinius, kognityviuosius, asociatyviuosius, etnokultūrinius.

Full text

ŽYDRŪNĖ ŠALAVIEJŪTĖ Institut für Litauische Sprache ORCID-ID: orcid.org/0009-0003-4998-9657 FORSCHUNGSGEBIETE: lexikalische Semantik, Ethnolinguistik, kognitive Linguistik. DOI: doi.org/10.35321/bkalba.2023.96.08 BEZEICHNUNGEN FÜR HENNE, HAHN UND KÜKEN IN DER LITAUISCHEN SPRACHE UND IHRE MOTIVATION SCHLÜSSELWÖRTER: Motivation, Synonym, Zoonym, Henne, Hahn, Küken. ABSTRACT Unter semasiologischem Aspekt betrachtet, bilden die litauischen Bezeichnungen für Henne, Hahn und Küken eine umfangreiche Untergruppe der thematischen Gruppe der Zoonyme: Aus verschiedenen erklärenden, dialektalen und spezialisierten lexikografischen Quellen wurden etwa 200 Lexeme erfasst, die kein gemeinsames Hyperonym haben. Die unter onomasiologischem Aspekt betrachteten motivierten Bezeichnungen machen 98 Prozent der untersuchten Lexeme aus. Der Artikel analysiert umfassend die litauischen Bezeichnungen für Henne, Hahn und Küken und betrachtet sie als lexikalische Einheiten, die die Kategorisierung des bezeichneten Vogels, seine Beziehung zu anderen Wirklichkeitsbereichen sowie die Einstellung der Sprachbenutzer vermitteln können. Die systematische Analyse der untersuchten Lexeme hebt konzeptuelle Merkmale mehrerer Kategorien hervor: axiologische, kognitive, assoziative und ethnokulturelle. ABSTRACT Aus semasiologischer Sicht bilden die litauischen Bezeichnungen für Henne, Hahn und Küken eine umfangreiche Untergruppe der thematischen Gruppe der Zoonyme: In verschiedenen erklärenden, dialektalen und speziellen lexikografischen Quellen wurden etwa 200 Lexeme ohne gemeinsames Hyperonym erfasst. Aus onomasiologischer Sicht machen motivierte Bezeichnungen 98 Prozent der untersuchten Lexeme aus. Der Artikel analysiert umfassend die Bezeichnungen für Henne, Hahn und Küken im Litauischen und betrachtet sie als lexikalische Einheiten, die die Kategorisierung des so benannten Vogels sowie dessen Verhältnis zu anderen Realien aus der Perspektive des Sprachbenutzers vermitteln können. Die systematische Analyse der untersuchten Lexeme hebt mehrere Kategorien konzeptueller Merkmale hervor: axiologische, kognitive, assoziative und ethnokulturelle. 156 BENDRINĖ KALBA | 96 EINLEITUNG Henne, Hahn und Küken sind ein untrennbarer Bestandteil der litauischen Folklore und Phraseologie (Jasiūnaitė 2010: 322–323). Die Bezeichnungen dieses Hausvogels haben Spuren in Toponymen (Balsys 2020: 21), in Benennungen von Pflanzen (Gritėnienė 2006), Pilzen (Lubienė 2015), menschlichen körperlichen und geistigen Eigenschaften (Rosinienė 1990; Eigirdienė 2016) sowie Naturerscheinungen (Dundulienė, Ščmeliovas 1979: 122; Jasiūnaitė, Konickaja 2003: 47–48) hinterlassen. Tierbezeichnungen werden häufiger als Ausgangsbereich konzeptueller Metaphern analysiert (Būdvytytė-Gudienė ir kt. 2014); umgekehrte Untersuchungen, also solche, die aufzeigen, mit welchen Realien Tiere im Benennungsprozess verglichen werden, sind jedoch selten (Smetona 2015; Šalaviejūtė 2022). Der onomasiologischen Systematik der Zoonyme wird wenig Aufmerksamkeit gewidmet. Fragen des Umfangs, der systemischen Beziehungen und der Motivation einer bestimmten thematischen Gruppe werden von Forschenden des litauischen und anderer Sprachwortschätze nur äußerst selten untersucht. Größere Aufmerksamkeit gilt der Phraseologie und den konzeptuellen Metaphern einzelner Zoonyme (Nilsen 1996; De la Cruz Cabanillas, Martínez 2006; Goatly 2006; Górecka-Smolińska, Kleparski 2011 u. a.). Gegenstand dieser Untersuchung sind die Bezeichnungen für Henne, Hahn und Küken innerhalb der thematischen Gruppe der Zoonyme im Litauischen. Die Bezeichnungen werden als lexikalische Einheiten betrachtet, die die Kategorisierung des so benannten Vogels sowie dessen Verhältnis zu anderen Realien und die Einstellung des Sprachbenutzers vermitteln können. Ziel der Untersuchung ist es, die semantischen Beziehungen der litauischen Bezeichnungen für Henne, Hahn und Küken zu analysieren und die durch sie repräsentierten konzeptuellen Merkmale zu bestimmen. Dieses Ziel wird durch folgende Aufgaben verfolgt: 1) Zoonyme, die Henne, Hahn und Küken bezeichnen, aus verschiedenen litauischen Wörterbüchern zu exzerpieren; 2) den Umfang der thematischen Untergruppen der Bezeichnungen für Henne, Hahn und Küken zu bestimmen; 3) die Bezeichnungen für Henne, Hahn und Küken zu Synonymreihen zusammenzufassen; 4) synchron das Verhältnis motivierter und nicht motivierter Lexeme zu bestimmen; 5) die semantischen Beziehungen zwischen den Lexemen und die durch sie repräsentierten konzeptuellen Merkmale zu bestimmen. Für die Analyse wird ein methodisches Vorgehen der komplexen linguistischen Untersuchung angewandt, bei dem die semantischen Merkmale der Mitglieder einer thematischen Gruppe durch die Untersuchung der Lexeme auf semasiologischer und onomasiologischer Ebene bestimmt werden. Die semasiologischen und onomasiologischen semantischen Merkmale eines Lexems gelten zugleich als Merkmale des bezeichneten Konzepts. Aus der Perspektive der kognitiven Semantik ist die Bedeutung ein aktualisierter Teil des Konzepts; somit spiegelt jede Benennung bestimmte Merkmale des Konzepts (für das Konzept charakteristische Merkmale) wider (Gudavičius 2009: 51). ŽYDRŪNĖ ŠALAVIEJŪTĖ. Lietuvių kalbos vištos, gaidžio, viščiuko pavadinimai ir jų motyvacija 157 Die Analyse erfolgt nach dem konzentrischen Prinzip, indem das Sprachsystem von unten her untersucht wird. Potenzielle Lexeme werden aus verschiedenen Quellen erhoben. Die ermittelten Bezeichnungen werden zu Synonymreihen gruppiert1; dadurch wird die feinste im Lexikonsystem erfasste Kategorisierung des betreffenden Konzepts bestimmt. Untersucht werden die semantischen Beziehungen der Lexeme (hyperonymisch–hyponymisch, kohyponymisch, derivationell und polysemisch). Die Analyse syntagmatischer Beziehungen dient als Ergänzung. Zugrunde gelegt wird die theoretische Annahme, dass die Untersuchung paradigmatischer Beziehungen ein zuverlässiger Weg ist, einige Merkmale des untersuchten Konzepts zu bestimmen (vgl.: Bartmiński 2010: 119–122; Rutkovska ir kt. 2017: 31; Bogdzevič 2019: 69). Die wichtigste Quelle für die untersuchten Bezeichnungen ist das Wörterbuch der litauischen Sprache (LKŽe). Das Material wurde durch Daten aus dem Wörterbuch des heutigen Litauisch (DLKŽ8e), dem Wörterbuch des standardsprachlichen Litauisch (BLKŽ) sowie 13 Dialektwörterbüchern2 ergänzt, die die samogitischen, süddzukischen, westaukštaitischen und ostaukštaitischen Dialekte repräsentieren. Außerdem wurden elektronische Publikationen herangezogen, die den Wortschatz des Litauischen systematisch darstellen: das Systematische Wörterbuch der litauischen Sprache (SistŽe) und das Synonymwörterbuch (SŽe). Zunächst stellt sich die Aufgabe festzustellen, wie viele Bezeichnungen es im litauischen Sprachsystem für einen Vogel gibt (lat. Gallus gallus domesticus, lit. naminė višta). Auf Grundlage der Daten der untersuchten lexikografischen Quellen lässt sich feststellen, dass die untersuchte Gruppe etwa 200 Lexeme umfasst3 (einschließlich formaler Varianten4). Die Untersuchung der systemischen Beziehungen und semantischen Verknüpfungen ergab, dass es im litauischen Sprachsystem (nicht in der Wissenschaftssprache) kein gemeinsames Hyperonym zur Bezeichnung des betreffenden Vogels gibt. Den Kern der thematischen Gruppe bilden drei Kohyponyme: das Weibchen (višta), das Männchen (gaidys) und das Jungtier (viščiukas). Ihre anhand der Definitionen festgestellten semantischen Beziehungen machen zwei konzeptuelle Unterscheidungsmerkmale deutlich: Geschlecht und Alter. 1 Der Artikel behandelt keine theoretischen Fragen der Synonymie. Unterschieden werden lexikalische und derivationelle Synonyme. Als lexikalische Synonyme gelten nicht wortverwandte Synonyme mit gleicher oder ähnlicher Bedeutung. Derivationelle Synonyme sind wortverwandte Synonyme mit unterschiedlichen Wortbildungssuffixen (im Artikel werden auch Diminutive dazugezählt). 2 Siehe Quellenverzeichnis. 3 Der Artikel stellt lediglich den ungefähren Umfang der thematischen Untergruppen der Bezeichnungen für Henne, Hahn und Küken dar. Lexeme mit unklarer Bedeutung wurden nicht in die Untersuchung aufgenommen. In Wörterbüchern angeführte polyseme Onomata wurden in monoseme Lexeme aufgeteilt, zum Beispiel: koplūnas 1 ‚kastrierter Hahn‘, koplūnas 2 ‚nicht eierlegende Henne‘, viščiukė 1 Diminutiv ‚Henne‘, viščiukė 2 ‚kleines oder herangewachsenes weibliches Huhn‘. 4 Die formale Variabilität der Lexeme wurde auf der Grundlage einer Analyse ihrer phonologischen, akzentuellen und morphologischen Struktur ermittelt. 158 BENDRINĖ KALBA | 96 Es wurde festgestellt, dass diese drei Äquonyme formale Varianten sowie Wortbildungs- und lexikalische Synonyme aufweisen. Die umfangreichste Reihe von Wortbildungs- und lexikalischen Synonymen bilden die Bezeichnungen für die Henne (50%), kleinere Reihen die Bezeichnungen für das Küken (30%) und den Hahn (20%). Die onomasiologische Analyse hilft dabei, das Weltbild in der Sprache systematisch (in größerem und abstrakterem Maßstab) zu rekonstruieren. Die aus der komplexen linguistischen Analyse hervortretenden semantischen Merkmale werden schrittweise zu grundlegenden kognitiven Kategorien gruppiert. Das Inventar der Basiskategorien (semantischen Primitiva, semantischen Moleküle) wird anhand der Erkenntnisse anderer Wissenschaftler (Wierzbicka 2013; Goddard, Wierzbicka 2014; Goddard 2018) sowie des Untersuchungsmaterials bestimmt. Im Artikel wurde methodisch entschieden, die Bezeichnungen nach ihren semantischen Beziehungen zu erörtern. Die onomasiologische Struktur der Bezeichnungen für den betreffenden Vogel wird beschrieben, indem sie in kleinere thematische Untergruppen für Henne, Hahn und Küken eingeteilt werden5. Dabei wird versucht, ihre wichtigsten konzeptuellen differenzierenden und/oder gemeinsamen Merkmale herauszuarbeiten. 1. BEZEICHNUNGEN FÜR DIE HENNE 1.1. Im ŠŽe wird eine Synonymreihe mit drei Bezeichnungen aufgeführt: vištà, pūtė, pūlė. Das SistŽe führt eine Synonymreihe mit 13 Bezeichnungen auf: vištà, vištáitė, viščiõtė, pūtė, pūlė, vištapaláikė, perėkšlė, perėklė, kvàksė, kvàkšė, kvakšlė, kvarkšlė, kverkšlė. Den Daten der untersuchten lexikografischen Quellen zufolge wird die Henne im litauischen Sprachsystem auf sehr vielfältige Weise bezeichnet. In den lexikografischen Quellen wurden annähernd hundert (95) Lexeme für die Bezeichnung der Henne erfasst. Das Lexem vištà ist die Leitform der thematischen Gruppe der Hennenbezeichnungen. In den Definitionen erklärender Wörterbücher wird es bestimmt als ‘Haushuhn, das wegen seiner Eier und seines Fleisches gehalten wird (Gallina)’ LKŽe, DLKŽ8e, DnŽ 555, DrskŽ 465, DvŽ II 538, KzRŽ II 514, KpŽ IV 888, LzŽ 290, PPAŽ II 782, ŠVŽŽ II 459, ZnŽ III 692, ZtŽ 779, und als ‘Vogel aus der Familie der Fasanenartigen, der wegen seiner Eier, seines Fleisches und seiner Federn gehalten wird (Gallus gallus domesticus)’ VdškŽ 901, zum Beispiel: Vištas laiko, tų kiaušinių – tik valgýk LKŽe; Vištų turu dvidešimt, tai kiaušinukų turu LKŽe; Va ligonį turiu, tai vištą papjausiu LKŽe; Pasipjaudavai vištą, tai kai obuoliukas – taukų pilna LKŽe; Žąsies mėsytė ne toki skani kaip vištýtės, vištýtės skanesnė LKŽe; Meisos kaip iš vištos LKŽe. 5 Es ist schwierig, die Zugehörigkeit aller Mitglieder der thematischen Gruppe zu einer kleineren Untergruppe zu begründen, da die lexikalisch-semantische Struktur durch unscharfe Grenzen gekennzeichnet ist. ŽYDRŪNĖ ŠALAVIEJŪTĖ. Lietuvių kalbos vištos, gaidžio, viščiuko pavadinimai ir jų motyvacija 159 Das Lexem vištà gehört zum Typ der unmotivierten Nomination6. Hinsichtlich seiner Aufnahme in das Sprachsystem ist es ein Lexem interner Nomination und gehört zur chronologischen Schicht des Ostbaltischen. Wie etymologische Arbeiten angeben, ist die Herkunft des Lexems unklar. Die klassische Deutung setzt als etymologisches Motivationsmerkmal ‘diejenige, die häuslich ist’ an. Die nur im Litauischen und Lettischen (vgl. lett. vista) gebräuchliche Bezeichnung für das weibliche Haushuhn wird mit altindisch viç- ‘Haus’ und indoeuropäisch *u̯eik̑-: u̯ik̑- ‘Haus, Siedlung’ in Verbindung gebracht, wodurch folgende semantische Entwicklung rekonstruiert wird: ‘Haus’ → ‘Haushuhn’ → ‘Henne’ (Buck 1949: 176; LEW 1266; Sabaliauskas 1990: 153; SEJL 2057). Alle übrigen erfassten Bezeichnungen für die Henne gehören zum Typ der motivierten Nomination. Den größten Teil der motivierten Bezeichnungen macht die dialektale Lexik aus. 1.2. Die erste Gruppe – Derivationssynonyme (25). Derivationssynonyme der Henne sind axiologisch markiert. Eine positive Konnotation zeigt sich in Ableitungen mit Diminutivsuffixen7: viščiukė 1 DvŽ II 538, viščiūtė 1 LKŽe, DvŽ II 538, vištaitė 1 PPAŽ II 783, DvŽ II 539, LzŽ 290, vištėlė 1 LKŽe, DLKŽ8e, DvŽ II 539, ŠVŽŽ II 459, VdškŽ 901, vištūkė 2 PPAŽ II 783, vištytė / vištytė 2 DvŽ II 540, VdškŽ 901, vištyka 1 LKŽe. Z. B.: Ot gera viščiūtė! LKŽe; Graži viščiūtė LKŽe; Tai graži vištaitė: stora, mažiukė, galva raudona LKŽe. Mehrere Suffixableitungen und ein Kompositum bezeichnen ein junges, herangewachsenes, aber noch nicht ganz ausgewachsenes Huhn und heben das konzeptuelle Altersmerkmal des Huhns hervor: Junges Huhn LKŽe, VdškŽ 900, Junges Huhn LKŽe, KltŽ 410, KpŽ IV 884, Junges Huhn 2 LKŽe, DvŽ II 538, Junges Huhn 2 LKŽe, Junghenne 2 LKŽe, DLKŽe, DrskŽ 465, DvŽ II 539, KzrŽ II 514, ZnŽ III 692, Junghenne LKŽe, KrtnŽ 489, Junghenne 2 ZtŽ 780, Halbhuhn LKŽe, DLKŽe, ŠVŽŽ II 118. Z. B.: Das Hühnchen ist noch sehr klein, aber das junge Huhn ist schon fast ausgewachsen LKŽe; Die Junghennen behalten wir alle, vielleicht werden sie besser als die älteren LKŽe; Ich habe zwölf junge Hennen und einen Hahn aufgezogen LKŽe; Sie wächst heran und wird eine legende Junghenne sein LKŽe; Meine ist schon ein gutes halbwüchsiges Huhn, bald wird sie anfangen zu legen LKŽe. Andere Ableitungssynonyme für Huhn sind negativ konnotiert (in Wörterbuchdefinitionen durch die Abkürzung abwertend gekennzeichnet); sie bezeichnen ein schlechtes, untaugliches Huhn: schlechtes Huhn LKŽe, minderwertiges Huhn LKŽe, KpŽ IV 890 / minderwertiges Huhn LKŽe, KrtŽ 489. Z. B.: Die schlechten Hühner fressen [die Rüben] – es ist nicht eingezäunt LKŽe; Diese minderwertigen Hühner haben den ganzen Gemüsegarten umgegraben LKŽe. 6 Dėl terminų nemotyvuotoji ir motyvuotoji nominacija plačiau žr. Lubienė 2015: 24–25. 7 Das Diminutivsuffix ist ein axiologischer Indikator auf der onomasiologischen Ebene: Es zeigt an, dass die Lexemform ein axiologisches Merkmal aufweist und sich vom dominierenden Synonym der Reihe unterscheidet. Aufgrund der Produktivität von Ableitungen mit Diminutivsuffixen ist die Synonymreihe offen. 160 BENDRINĖ KALBA | 96 1.3. Die zweite Gruppe – lexikalische Synonyme (65). Der größte Teil weist differenzielle semantische und konzeptuelle Merkmale auf, die auf onomasiologischer Ebene am deutlichsten hervortreten. Alle lexikalischen Synonyme der Henne sind motivierte Wörter; ihre onomasiologische Struktur erfasst bestimmte semantische Merkmale, weshalb sie in der Synonymreihe nach diesen Merkmalen gruppiert werden. Einen großen Teil der lexikalischen Synonyme der Henne bilden Bezeichnungen, deren semantische und onomasiologische Struktur ein für diesen Vogel charakteristisches akustisches Merkmal erfasst (25). Auf semantischer Ebene ist das konzeptuelle Merkmal der Lauterzeugung gewöhnlich für Bezeichnungen der brütenden, Eier legenden Henne charakteristisch. Das Inventar ihrer lexikalischen Motivatoren besteht aus lautmalenden Verben mit der Semkomponente „unmelodischer Laut“: kàrkti, kiŕkti, kudakuóti, kvachtúoti, kvaǧždėti, kvaksėti, kvaŕkti, kverǩšti. Z. B.: Kudėkuoja kudėkuoja višta i nieko nesudeda LKŽₑ; Kudakuoja lyg višta, pirmą kiaušinį padėjus LKŽₑ; Kvaksi kaip višta perūkslė LKŽₑ; Vištà kvaksi peret LKŽₑ; Vištà kvarkščia, tai pasisodink žąsiokų LKŽₑ; Kaip ir višta – vis kirksi ir kirksi LKŽₑ; Kaip perekšlė višta – kvakši i kvakši be sveikatos LKŽₑ; Nūmet nėra kiaušų – visos kvaktūkos LKŽₑ; Kvachtuoja vištà. Jau ana kap kvachtuoja, nori mažų vaikelių ZtŽ 336. Die onomasiologische Struktur der Hennenbezeichnungen erfasst die für diese ethnologische Tierart charakteristischen Laute: °karka LKŽₑ8, kudākė LKŽₑ, kudãkšlė, kudakūtė, kvaǧdė, kvàksė LKŽₑ; DLKŽ₈ₑ, kvaksūnas LKŽₑ, DrskŽ 179, kvãksė LKŽₑ, SŽₑ, KpŽ II 547, kvakšlė, kvaktūkė LKŽₑ, ZtŽ 336, DvŽ I 329, kvaktūtė DvŽ I 329, kvaktuchà9 ZtŽ 336 / kvaktukà LKŽₑ, DvŽ I 329, kvárkė, kvárkšė, kvarkšlė LKŽₑ, DLKŽ₈ₑ, SŽₑ, KpŽ II 549, kvarkštuólė, kverkšlė LKŽₑ, DvŽ I 330, kverkštùkė, kirklà / kirklà LKŽₑ. Z. B.: Nekenčiu šitos kudãkšlės: kad tik kas suskreb(a)us, tai ir kudokauna DvŽ I 329; Kvaktūkė kvaksi, ir vištėliai klauso jau jos LKŽₑ; Kvachtuchà kvachtúoja ZtŽ 336. Andere lexikalische Synonyme mit akustischem Merkmal sind durch lautmalende Rufe motiviert, mit denen die Henne gelockt wird. Das Inventar der lexikalischen Motivatoren besteht aus Invokativa10 pùl, pùle, pùt. In der Regel handelt es sich um Koseformen mit positiver oder neutraler Konnotation: pùle LKŽₑ, SŽₑ, pùtė LKŽₑ, DLKŽ₈ₑ, SŽₑ, KzRŽ II 143, ZnŽ II 509, KpŽ III 401, VdškŽ 637 / putià LKŽₑ, pùtkė LKŽₑ, putýtė 8 Mit dem Zeichen ° werden Lexeme gekennzeichnet, die im Wörterbuch ohne Akzentangabe stehen. 9 Dies wird mit dem in Dialekten verwendeten Slawismus kvachtúoti, -úoja, -ãvo ‚gackern‘ ZtŽ336 in Verbindung gebracht. Ist der lexikalische Motivator der Motyma ein Lehnwort, gilt das Motyma als motiviert (vgl. Lubienė 2015: 169). 10 Invokacija – naminių paukščių ir gyvulių šaukimo ar varymo garsai (Zabarskaitė 2009: 92). ŽYDRŪNĖ ŠALAVIEJŪTĖ. Lietuvių kalbos vištos, gaidžio, viščiuko pavadinimai ir jų motyvacija 161 LKŽe, KrtŽ 331, VdškŽ 637. Zum Beispiel: Pul, pul, mano piliùte! LKŽe; Pùtės, pučiùtės, put, put, put! LKŽe. In der semantischen und onomasiologischen Struktur der Hennennamen kommt dem Aussehen des Vogels ein wichtiger Platz zu. Im Zentrum der semantischen und onomasiologischen Struktur solcher Namen stehen die konzeptuellen Merkmale der Körpermorphologie der Henne, genauer gesagt der Befiederung und des Körperbaus. Fünf lexikalische Synonyme benennen die Henne anhand des konzeptuellen Merkmals bewachsener Wangen. Die Semantik der Lexeme und lexikalischen Motivatoren zeichnet das Bild einer Henne mit Backenbart: bakuõtė LKŽe (< × bãkai „Backenbart“), papučiõkė LKŽe / papučõkė LKŽe (< papučõkai „Backenbart der Henne“), papùrka „Henne mit Backenbart“ LKŽe, papùžė „Henne mit Backenbart“ LKŽe, apúokas „Henne mit bewachsenen Wangen“ LKŽe (< apúokas2 „Unterhaar, Flaum, Büschel“). Zum Beispiel: Kokios gražios tos papučiõkės! LKŽe; Papùžės – su barzdoms – geriau deda, kai didskiauterės LKŽe. Im Zentrum der onomasiologischen Struktur von weiteren fünf lexikalischen Synonymen steht das konzeptuelle Merkmal des Schopfs: kuõdė LKŽe, KzRŽ I 406, kuõdena LKŽe, kuõdinas LKŽe, kuodùtė LKŽe, kuoduõtė / kuoduõčė ŠVŽŽ I 352. Zum Beispiel: Kuoduõtės y[ra] su kuodais tokes ŠVŽŽ I 352; Su kuodu jei bus višta kuoduõčė ŠVŽŽ I 352; Kuoduõčės vištos abi su kepurėm ŠVŽŽ I 352. Die onomasiologische Struktur einiger lexikalischer Synonyme erfasst das konzeptuelle Merkmal flauschiger, gesträubter, bewachsener, zerzauster Federn: drìškė LKŽe, spùrė LKŽe, šiùrpa LKŽe, pùrė LKŽe, °rażokė LKŽe, tùbòtė LKŽe. Eigene Bezeichnungen gibt es für eine Henne mit kurzem, gestutztem Schwanz: kirptùkė LKŽe, kuksà LKŽe, stùmplė LKŽe; für eine Henne mit kurzen Beinen: lùtė LKŽe, lutìkė LKŽe, latùkė LKŽe / °letukė LKŽe. Es gibt auch Fälle metaphorischer Ausdrucksweise der Körpermorphologie der Henne, z. B.: Das lexikalische Synonym für Henne čėmpė LKŽe ist assoziativ mit dem Bild bewachsener Hühnerbeine und gestrickter Schuhe verbunden; eine Assoziation zwischen dem Kamm des Vogels und einem Busch findet sich in den Bezeichnungen krūminagalvė „Henne mit buschigem Kamm“ LKŽe, rožėtskiauterė LKŽe. Eine weitere Gruppe bilden jene Bezeichnungen, deren lexikalische Motivatoren die Henne anhand der Farbe ihrer Federn benennen: gegužėtė LKŽe, geltõnė LKŽe, kanãpė LKŽe, raibė LKŽe, raibùkė LKŽe. Die Fleckung wird metaphorisch durch zeziùlė „gesprenkelte, hanffarbene Henne“ LKŽe ausgedrückt (< zeziùlė, zeziùlka „Kuckuck“ ZtŽ 790). Kinematische Merkmale sind für die Synonyme klùkštė „gackernde Henne“ LKŽe, gužùtė „gejagte Henne“ LKŽe, pagùžėlė „schnell davonhuschende Henne“ LKŽe eigen, 162 BENDRINĖ KALBA | 96 tūpškė ‚zutrauliche Henne‘ LKŽₑ, psychokinetisches Merkmal – pasiūtvištė ‚herumstreunende Henne‘ LKŽₑ, pagėdvištė ‚untaugliche, Schaden anrichtende Henne‘ LKŽₑ. Einen großen Teil der Hennenbezeichnungen bilden Lexeme, deren semantische und onomasiologische Struktur die für diesen Hausvogel charakteristischen Funktionen festhält. Die Bezeichnungen lassen drei wichtigste Funktionen der Henne erkennen: das Legen von Eiern, das Brüten sowie den Schutz und die Fürsorge für die Küken. Das Merkmal der Funktion des (Nicht-)Eierlegens und Brütens wird explizit und implizit in mehreren lexikalischen Synonymen festgehalten: dedėklė LKŽₑ, DLKŽ₈ₑ, BLKŽ, ŠVŽŽ I 110, ZnŽ I 253, KltŽ 42 / dedėklė LKŽₑ, gaidvištė LKŽₑ, koplūnas 2, nedėklė LKŽₑ, perėklė / perėklė LKŽₑ, DLKŽₑ, SŽₑ, KrtŽ 292, ŠVŽŽ II 49, KzRŽ II 72, ZnŽ II 375, perėkšlė / perėkšlė LKŽₑ, DLKŽ₈ₑ, SŽₑ, KzRŽ II 72, VdškŽ 544, KrtŽ 292, ZnŽ II 375, KpŽ III 146, KltŽ 210, periūkšlė LKŽₑ / periūkšlė LKŽₑ, peruokšlė LKŽₑ. Z. B.: So eine gute Henne ist eine dedėklė, schade, sie zu verkaufen LKŽₑ; Mal brachte sie ein paar Dutzend Eier, mal eine überalterte, nicht mehr legende Henne LKŽₑ; Vielleicht hast du ja eine brütende Henne, ich möchte Küken ausbrüten lassen LKŽₑ; Die brütende Henne hat sich gut auf die Eier gesetzt LKŽₑ; Es gibt keine Hennen, die brüten wollen; sie wollen sich nicht zum Brüten niederlassen LKŽₑ; Sie legt nicht [die Henne] – vermutlich ist es eine gaidvištė LKŽₑ; Unsere haubige koplūnas hat nicht ein einziges Ei gelegt LKŽₑ. Eine kleine Gruppe bilden Bezeichnungen für eine Henne, die weiche oder kleine Eier legt: lėjikė LKŽₑ, lėjūkė LKŽₑ, minkštpautė LKŽₑ, pliūrė / pliūrė LKŽₑ, ŠVŽŽ II 81; kliurkė LKŽₑ, značkinė LKŽₑ (< značkas ‚sehr kleines Hühnerei, ein winziges Ei‘). Z. B.: Die lėjūkė-Henne hat unansehnliche Eier gelegt LKŽₑ; Eine Henne lässt Eier, sie legt sie ohne Schale LKŽₑ; Was ist denn da für ein Unheil geschehen, dass die Hennen weiche Eier legen LKŽₑ. Das Merkmal der Funktion des Schutzes und der Fürsorge für die Küken wird auf onomasiologischer und syntagmatischer Ebene festgehalten: čakōlinė ‚Henne, die Kakoliai (Küken) umherführt‘ LKŽₑ, vištōlinė ‚Henne, die Küken umherführt‘ LKŽₑ (< vištōlis ‚Küken‘), vaikveda LKŽₑ. Z. B.: Mutter ist wie eine čakōlinė – für ihr Kind würde sie alles hergeben LKŽₑ; Unsere vištōlinė hat schon die Küken losgeschickt, sie herumzuführen LKŽₑ; Diese vaikveda führt sowohl die Küken herum als auch legt sie Eier LKŽₑ; Eine andere Henne lässt nicht einmal die Raben an ihre Jungen heran LKŽₑ; Und die Henne verteidigt ihre Jungen LKŽₑ. Andere Bezeichnungen gibt es nur wenige. In ihnen wird das lokative Konzeptmerkmal der Henne aktualisiert, die heimlich Eier legt und brütet: paslaptinė LKŽₑ, slapė LKŽₑ, slaptūnė LKŽₑ, slapūkė LKŽₑ, KpŽ III 751, slapikė LKŽₑ, DrskŽ 334. Z. B.: Diese slaptūnė legt irgendwo in den Büschen LKŽₑ. Ebenso wird das temporale Konzeptmerkmal des untypischen Brutzeitpunkts aktualisiert: balandinikė ‚eine im April ausgebrütete Henne‘ LKŽₑ. ŽYDRŪNĖ ŠALAVIEJŪTĖ. Lietuvių kalbos vištos, gaidžio, viščiuko pavadinimai ir jų motyvacija 163 1.4. Die Fülle der Lexeme, ihre semantische und onomasiologische Struktur sowie die hervorgetretenen, für den benannten Vogel charakteristischen Konzeptmerkmale lassen den Schluss zu, dass die Henne einen wichtigen Platz in der litauischen Ethnozoonymie einnimmt. Die untersuchten Bezeichnungen heben die wichtigsten Funktionen der Henne hervor: das Legen von Eiern, das Brüten sowie den Schutz und die Fürsorge für die Küken. Synonymie und die große Zahl axiologisch markierter Bezeichnungen weisen auf das Bedürfnis der Sprecher des Litauischen hin, Hennen mit nicht prototypischem Aussehen oder Verhalten sowie mit mangelhafter Funktionserfüllung zu benennen. 2. HAHNBEZEICHNUNGEN 2.1. Im ŠŽe wird eine Synonymenreihe aus vier Bezeichnungen aufgeführt: gaidỹs ‚männliches Huhn‘, kakarikõnas umgangssprachlich ‚Beiname des Hahns‘, kakarykõrius umgangssprachlich, sketrõnas umgangssprachlich ‚gespreizter Hahn‘. Im SistŠŽe wird eine Synonymenreihe aus acht Bezeichnungen genannt: gaidỹs, kakarikõnas, kakarykõrius, kakariėkas, sketrõnas, skiauteris, kaplõnas, koplūnas. Aus lexikografischen Quellen wurden 30 invariante Lexeme für die Bezeichnung des Hahns ermittelt. Das Leitwort der Synonymenreihe ist das überregionale, standardsprachliche, axiologisch neutrale Lexem gaidỹs LKŽe, DLKŽ8e, BLKŽe, ŠŽe, DnŽ 483, DrskŽ 90, DvŽ I 156, PPAŽ I 258, KzRŽ I 202, KltŽ 66, KpŽ I 576, LzŽ 74, PPAŽ I 258, ŠVŽŽ I 163, ZnŽ I 393, ZtŽ 191, VdškŽ 170. Im Zentrum der onomasiologischen Struktur steht die akustische Funktion des Hahnkrähens, z. B.: Die Hähne fangen an zu krähen und lassen mich nicht schlafen LKŽe; Wenn der Hahn tagsüber nach zwölf kräht, wird sich das Wetter ändern LKŽe; Der Hahn kräht vor dem Regen KpŽ I 576. 2.2. Zum Leitwort der Synonymenreihe gaidỹs gehören 12 Ableitungssynonyme. Es handelt sich um axiologisch positiv, meliorativ markierte Diminutivbildungen mit den Suffixen -elis, -(i)ukas, -utis11: gaidẽlis DLKŽ8e, DvŽ I 156, KltŽ 66, LzŽ 74, PPAŽ I 258, ŠVŽŽ I 163, VdškŽ 170, gaidelùkas ZtŽ 191, gaidùkas 1 DLKŽ8e, DvŽ I 157, PPAŽ I 258, ŠVŽŽ I 163, ZtŽ 191, gaiduliùkas VdškŽ 171, gaidùtis PPAŽ I 258, gaidžiùkas 1 DLKŽ8e, DvŽ I 157, KltŽ 66, ZtŽ 191. Z. B.: Ach, du Hähnchen, Brüderchen, wie schön deine Stimme klingt, wie glücklich du bist LKŽe; Der gescheckte Hahn bewachte die Hennen sehr gut, ein sehr guter gaidùkas PPAŽ I 258; Dein gaidžiùkas ist so schön KltŽ 66. Andere Ableitungen mit Diminutivsuffixen bezeichnen einen herangewachsenen, etwa halb ausgewachsenen Hahn: gaidùkas 2 BLKŽ, gaidžiõkas KltŽ 66, VdškŽ 171, gaidžiùkas 2 BLKŽ, ŠŽe, gaidžiùkštys KpŽ I 577, gaidėnas LKŽe. Andere Ableitungssynonyme für den Hahn bezeichnen 11Der Artikel führt jene Diminutive an, die in Wörterbüchern belegt sind. 164 BENDRINĖ KALBA | 96 einen schlechten, untauglichen Hahn und sind negativ konnotiert: gaidpalaikis KrtŽ 97 / gaidžiapalaikis / gaidžiapalaikis LKŽ / gaidžiapalaikys KpŽ I 577. Zum Beispiel: Vykit tą gaidžiapalaikį iš priemenės! LKŽₑ. 2.3. Die übrigen Synonyme im Verhältnis zur Dominante der Synonymreihe sind lexikalisch (17). Nur drei lexikalische Hahnbezeichnungen sind unmotiviert; sie bezeichnen einen kastrierten Hahn und bezeugen auf semantischer und syntagmatischer Ebene die Reproduktionsfunktion des Hahns:°kaplonas (poln. kapłon) LKŽₑ, koplūnas 1 (poln. kapłun) LKŽₑ, kapaūnas (dt. Kapaun) LKŽₑ. Zum Beispiel: Kiba tas mūsų gaidys koplūnas: ant 20 kiaušinių apleidau vištą – tik keturi užversti LKŽₑ. Die onomasiologische Struktur von vier Hahnbezeichnungen erfasst das akustische Merkmal des Hahnenschreis: kakariėkas LKŽₑ, kakarikōnas LKŽₑ, ŠŽₑ, kakarykōrius LKŽₑ, ŠŽₑ, kudōkas LKŽₑ. Zum Beispiel: Mūs kakariėkas gražiai gieda LKŽₑ; Pragydo kakarykorius dvaro kieme LKŽₑ. Ohne Beispiele aus der gesprochenen Sprache sind zwei invariante Bezeichnungen für einen mit den Flügeln schlagenden, streitsüchtigen Hahn belegt: skėtrōnas / sketrōnas LKŽₑ, skėtriniñkas LKŽₑ. Das Bild des kämpfenden Hahns wird durch Beispiele auf syntagmatischer Ebene ergänzt: Nesutinka, kapojas gaidžiokai KpŽ I 577; Kruvinai susimušdavo dėl panų, baisiausias karas eina, kaip gaidžiai kruvinom skiauterėm KpŽ I 577; Kam čia pijokų reikia, mušasi kaip gaidžiai ZnŽ I 393; Turėjau gaidžiokus, tai kapodavos, kapodavos KltŽ 66; Gaidys gina savo kiemą ZnŽ I 393. Die Kette aus sechs lexikalischen Synonymen zeigt, dass das Geschlechtsmerkmal im Bezeichnungssystem für Henne und Hahn nicht nur durch die Wurzel (suppletive Bildung), sondern auch durch das Suffix ausgedrückt wird: pūtinas LKŽₑ, pučiūkas 2 LKŽₑ, putōkas VdškŽ 637, putōnas LKŽₑ, putūkas 2 LKŽₑ, vištinas LKŽₑ. Zum Beispiel: Pūtinas su putėm ant kiemo LKŽₑ; Išėjo pučiūkas su pučiute medžian riešutaut LKŽₑ; Visos vištos yra, o putōkas kur? VdškŽ 637; Režia mergai sparnu kaip putūkas apie vištą LKŽₑ. Die Derivationsbeziehungen (weibliches Tier → männliches Tier) zeigen, dass in der Bezeichnungsstruktur des hier behandelten Vogels die Henne an der Spitze der ethnozoologischen Hierarchie steht: Vištas šeškas išpjovė, tik gaidį ant juoko paliko KpŽ I 576. Ein Hahn mit Merkmalen einer Henne (und eine Henne mit Merkmalen eines Hahns) hat im litauischen Sprachsystem eigene invariante Bezeichnungen: višgaidis LKŽₑ, DnŽ 444, ŠVŽŽ II 459 / vištgaidis LKŽₑ, DLKŽ₈ₑ, KrtŽ 489, ŠVŽŽ II 459 / vištagaidis LKŽₑ. Zum Beispiel: Buvau pasilikus gaidį, paskui pasirodė, kad višgaidis LKŽₑ; Reiks pjaut tą vištagaidį – giesta, giesta LKŽₑ; Palikau gaidį, bet negieda, tai kam man tą vištagaidį laikyti LKŽₑ; Šitas, ma[n] rodos, višțgaidis, kiaušinių nebededa LKŽₑ. Das Lexem ātplikis ‘višṭgaidis’ LKŽₑ kann ŽYDRŪNĖ ŠALAVIEJŪTĖ. Lietuvių kalbos vištos, gaidžio, viščiuko pavadinimai ir jų motyvacija 165 mit dem Verb atplĭkti ‘nuplĭkti’ in Verbindung gebracht werden, zum Beispiel: Gaidys atplikis – negieda, vištų neveiza LKŽe. Obwohl der lexikalische Motivator den Verlust der Federn explizit bezeichnet, wird angenommen, dass das angeführte Beispiel auch aufgrund seiner kulturellen Motivation relevant ist. Der lexikalische Motivator atplĭkti hat eine implizite Bedeutung: akys išpliks ‘es wird eine Schande sein’; dantis išplĭkti ‘Ärger, Schande erleiden’. Das Lexem atplikis vermittelt nicht nur konzeptuelle Informationen über den Hahn, sondern impliziert auch Informationen über eine ethnokulturelle und soziale Norm: Wer Merkmale des anderen Geschlechts aufweist, wird negativ bewertet; anders zu sein ist eine Schande (siehe Šalaviejūtė 2022: 107). 2.4. Die durchgeführte onomasiologische Analyse der Hahnbezeichnungen ermöglichte es, das Set der wichtigsten konzeptuellen Merkmale zu bestimmen. Das auf der Sprachebene festgestellte Set semantischer Merkmale ermöglicht die Rekonstruktion der wichtigsten Funktionen des Hahns, die sein akustisches, ästhetisches und reproduktives konzeptuelles Bild widerspiegeln. 3. BEZEICHNUNGEN FÜR KÜKEN 3.1. SŽe führt eine Reihe von 9 Synonymen an: viščìukas ‚Junges einer Henne‘, vištùkas, vištẽlis, vištýtis, cipùkas, cipùlis, putùkas, putùlis, tikùlis. SistŽe verzeichnet eine Reihe von 13 Synonymen: viščìukas, viščìokas, vištùkas, vištẽlis, vištýtis, cipùkas, cipùlis, cipuliùkas, putùkas, putùlis, tikùlis, gaidžiùkas, gaidùkas. Aus lexikografischen Quellen wurden 55 Invariantlexeme zur Bezeichnung des Kükens ermittelt. Das Hauptlemma der Synonymreihe ist das Lexem viščìukas LKŽe, DLKŽ8e, SŽe, DnŽ 555, DrskŽ 465, DvŽ II 538, KltŽ 410, KpŽ IV 884, KzRŽ II 513, PPAŽ II 782, ZnŽ III 691, ZtŽ 779, VdškŽ 900. Beispiele: Buvo dvidešimt viščiukų ir dešimt vištų LKŽe; Višta viščiukės peri LKŽe; Maži viščiukai, grudų dar negalia lesti LKŽe; Be viščiukų negerai, i su viščiukais bėda LKŽe; Par dui vištas tik septyni viščiukai teišrietėjo LKŽe. 3.2. Die erste Gruppe bilden derivationelle Synonyme (21). In lexikografischen Quellen gibt es zahlreiche axiologisch neutrale derivationelle Synonyme für das Küken: vištãtitis LKŽe, DvŽ II 539, LzŽ 290, vištãlis LKŽe, vištẽlis / vištelis / vištẽlis / vištẽlys LKŽe, DLKŽ8e, SŽe, DrskŽ 466, DvŽ II 540, KpŽ IV 890, LzŽ 290, PPAŽ II 783, ZnŽ III 693, ZtŽ 779, vištýnas LKŽe, DrskŽ 466, vištýtis LKŽe, KrtŽ 489, ŠVŽŽ II 459, ZnŽ III 693, vištýtėlis ŠVŽŽ II 460, vištel(i)ùkas DvŽ II 540, ZtŽ 780, vištùkas LKŽe, SŽe, DrskŽ 466, DvŽ 166 BENDRINĖ KALBA | 96 II 540, KzRŽ II 515, ZnŽ III 693, ZtŽ 780, PPAŽ II 783, viščūtis LKŽe, vištõlis LKŽe, vištis LKŽe, viščius LKŽe. Beispiele: Až meną godniai padaugo vištáičiai LzŽ 290; Ans par dienas brūzda: vištaliùs aplesina, apveiza viską LKŽe; Vištelius išugdėm be vištos LzŽ 290; Vištynai daugiau lesa, paaugę LKŽe; Išperinau vištyčius varguo sau, pati tiek begaliu pavaiškčioti LKŽe; Cip cip cip vištūkų šaukiam ZtŽ 780; Zara jau atpigs vištõliai, bo jau daug jų yra LKŽe; Mano višta po sodelį viščiùs vadžioja LKŽe. Im Zentrum der besprochenen Gruppe derivationeller Synonyme stehen reproduktions- oder verwandtschaftsbezogene konzeptuelle Merkmale, die mit der Henne verbunden sind (weibliches Tier → Jungtier). Andere derivationelle Synonyme bezeichnen ein herangewachsenes Küken: viščįõkas LKŽe, KltŽ 410, KpŽ IV 883, VdškŽ 900, pùsvištis LKŽe, DLKŽ8e; ein weibliches Hühnerjunges bezeichnen: vištáitė 2 / vištaitė LKŽe, DLKŽ8e, DrskŽ 465, DvŽ II 539, KzRŽ II 514, ZnŽ III 692; vištýtė / vištỹtė 1 LKŽe, KpŽ IV 891, ZnŽ III 693, vištùkė 1 LKŽe. Abwertend konnotierte Ableitungen bezeichnen ein kümmerliches, verkümmertes Küken: viščìukpal aikis LKŽe, viščìukelýnas LKŽe. Beispiel: Kas gi čia tiem viščìukpalaikiam pasidarė – baigia išgeibt LKŽe. 3.3. Die zweite Gruppe bilden lexikalische Synonyme (33). Alle lexikalischen Bezeichnungen für das Küken sind motiviert; anhand der in ihrer onomasiologischen Struktur erfassten semantischen Merkmale bilden sie zwei Untergruppen. Im Zentrum der ersten Gruppe lexikalischer Synonyme steht das akustische Lautmerkmal. Ein Teil der Bezeichnungen ist durch Invokative motiviert, die den Ruf nach dem Vogel ausdrücken: capùkas LzŽ 44, capuláitis LzŽ 44, capùlis LKŽe, LzŽ 44, cikùlis LKŽe, cikùtas LKŽe, cikùtis LKŽe, cipùkas LKŽe, DLKŽ8e, SŽe, KrtŽ 62, LzŽ 46, ZnŽ I 208, cipùlis LKŽe, DLKŽ8e, SŽe, LzŽ 46, ZtŽ 112, cipùlis DLKŽ8e, cipulùkas DrskŽ 50 / cipulùkas DLKŽe, DnŽ 59, cyplùkas LKŽe, DvŽ I 86, cypùkas LKŽe, ZanŽ I 208, ciépukas LKŽe, cỹpulkas DrskŽ 50, čipulùkas LKŽe, puliùkas / pulùkas LKŽe, DrskŽ 287, DvŽ II 140, PPAŽ II 300, VdškŽ 629, pučiùkas 1 LKŽe, KpŽ III 350, putùkas 1 LKŽe, SŽe, DrskŽ 292, putùlis LKŽe SŽe, putýtis LKŽe, tikùlis SŽe, tikútis KretŽ 448, tikalis LKŽe. Beispiele: Cikulùkai ciek ciek cieksi LKŽe; Cika cika, cikulùkai, lestu! LKŽe. Die zweite Untergruppe umfasst Bezeichnungen für ein heimlich ausgebrütetes Küken, deren semantische und onomasiologische Struktur das konzeptuelle Lokationsmerkmal erfasst: pagubinis LKŽe, slapìkas LKŽe, DrskŽ 334, slapùkas LKŽe, DLKŽe, KzRŽ II 246, ZnŽ III 105 / slapùkas LKŽe. 3.4. Die untersuchten Bezeichnungen heben die reproduktiven bzw. verwandtschaftlichen Beziehungen des Kükens zum Weibchen sowie die akustische Funktion des Benennenden als Tierhalter (Geflügelhalter) hervor. ŽYDRŪNĖ ŠALAVIEJŪTĖ. Lietuvių kalbos vištos, gaidžio, viščiuko pavadinimai ir jų motyvacija 167 Synonymie und die Fülle axiologisch markierter Bezeichnungen zeigen, dass die Sprecher des Litauischen das Bedürfnis haben, ein kleines, kümmerliches, herangewachsenes oder heimlich ausgebrütetes Küken zu benennen. SCHLUSSFOLGERUNGEN 1. Die Bezeichnungen für Henne, Hahn und Küken bilden eine umfangreiche Untergruppe der thematischen Gruppe der litauischen Zoonyme: In lexikografischen Quellen sind etwa 200 Lexeme belegt. Im litauischen Sprachsystem gibt es kein gemeinsames Hyperonym zur Benennung der untersuchten Lexeme. 2. Es dominiert die motivierte Lexik – sie macht etwa 98 Prozent aus. Zum unmotiveierten Nominierungstyp gehören lediglich drei Lexeme: ein genuin litauisches Lexem vištà und drei Entlehnungen aus slawischen oder germanischen Sprachen: koplūnas 1, °kaplonas, kapaūnas ‚kastrierter Hahn‘. 3. Ein systemisches Merkmal der thematischen Untergruppe der Bezeichnungen für Henne, Hahn und Küken sind ausgeprägte synonymische Beziehungen. Sie bedingen den Umfang dieser thematischen Untergruppe. Die Synonymreihen bestehen aus formalen Varianten, Wortbildungssynonymen und lexikalischen Synonymen. Letztere zeugen von der Fähigkeit der Schöpfer der Bezeichnungen, verschiedene Merkmale des benannten Vogels wahrzunehmen und sie mit unterschiedlichen sprachlichen Mitteln zu verbalisieren. 5. Die Analyse der Bezeichnungen für Henne, Hahn und Küken hat konzeptuelle Merkmale mehrerer Kategorien sichtbar gemacht: axiologische (die eine wertende Haltung gegenüber dem benannten Vogel vermitteln), kognitive (die den benannten Vogel als Erkenntnisgegenstand charakterisieren), assoziative (die den benannten Vogel mit einer anderen Gegebenheit verknüpfen) und ethnokulturelle (die nicht den benannten Vogel, sondern andere Konzepte aus dem Bereich der Ethnokultur repräsentieren). 6. Die semantische Analyse der Motivationsmerkmale ermöglicht es, das sprachliche Bild des durch die Bezeichnungen für Henne, Hahn und Küken benannten Wirklichkeitsausschnitts – genauer gesagt: seines konzeptuellen Gegenstücks – zu bestimmen. Das Sprachsystem hält verschiedene differenzierende Merkmale von Weibchen, Männchen und Jungtier fest; die wichtigsten sind: Geschlecht (Weibchen / Männchen), Alter (Jungtier / ausgewachsener Vogel), Funktion: Eierlegen und Brüten (Henne), Fortpflanzung (Henne und Hahn), Aussehen (Merkmale des Gefieders und der Färbung sind nur für die Bezeichnungen der Henne kennzeichnend), Laut (festgehalten wird die akustische Funktion des benannten Vogels als Nutztier). Es bestehen Unterschiede zwischen den Lockrufen des ausgewachsenen Vogels (nur des Weibchens) und des Jungtiers; außerdem ist eine Opposition zwischen dem singenden (männlichen) und dem nicht singenden (weiblichen) Vogel festzustellen. 168 BENDRINĖ KALBA | 96 ŠALTINIAI BLKŽ – Bendrinės lietuvių kalbos žodynas (rengiamas), vyr. red. D. Liutkevičienė, Vilnius: Lietuvių kalbos institutas. Prieiga internete: https://ekalba.lt/bendrines-lietuviu-kalbos-zodynas. DnŽ – Šiaurės rytų dūnininkų šnektų žodynas, V. Vitkauskas, Vilnius: Mokslas, 1976. DrskŽ – Druskininkų tarmės žodynas, G. Naktinienė, A. Paulauskienė, V. Vitkauskas, Vilnius: Mokslas, 1988. DvŽ – Dieveniškių šnektos žodynas, t. I–II, sud.: L. Grumadienė, D. Mikulėnienė, K. Morkūnas, A. Vidugiris, Vilnius: Lietuvių kalbos institutas, 2005, 2010. DLKŽ8e – Dabartinės lietuvių kalbos žodynas, vyr. red. S. Keinys. 8-as patais. ir papild. leidimas (elektroninis), Vilnius: Lietuvių kalbos institutas, 2021. Prieiga internete: https://ekalba.lt/dabartines-lietuviu-kalbos-zodynas. KltŽ – Kaltanėnų šnektos žodynas, A. Vilutytė. Vilnius: Lietuvių kalbos instituto leidykla, 2008. KpŽ – Kupiškėnų žodynas, t. I–IV, K. Vosylytė, Vilnius: Lietuvių kalbos institutas, 2007, 2010, 2011, 2013. KrtnŽ – Kretingos tarmės žodynas, J. Aleksandravičius, sud.: D. Mikulėnienė, D. Vaišnienė, Vilnius: Lietuvių kalbos institutas, 2011. KzRŽ – Kazlų Rūdos šnektos žodynas, t. I–II, A. Pupkis, Vilnius: Lietuvių kalbos institutas, 2008, 2009. LEW – Litauisches etymologisches Wörterbuch, E. Fraenkel, 2 Bde., Heidelberg: Winter; Göttingen: Vandenhoeck u. Ruprecht, 1962–1965. LKŽe – Lietuvių kalbos žodynas, t. 1–20, 1941–2002 (elektroninis variantas), vyr. red. G. Naktinienė, Vilnius: Lietuvių kalbos institutas, 2005 (atnaujinta versija, 2018). Prieiga internete: https://ekalba.lt/lietuviu-kalbos-zodynas. LzŽ – Lazūnų tarmės žodynas, J. Petrauskas, A. Vidugiris, Vilnius: Mokslas, 1985. PPAŽ – Pietinių pietų aukštaičių šnektų žodynas, t. I–II, A. Leskauskaitė, V. Ragaišienė, Vilnius: Lietuvių kalbos institutas, 2016, 2019. SEJL – Słownik etymologiczny języka litewskiego, W. Smoczyński, Wilno: Uniwersytet Wileński, Wydział Filologiczny, 2007. SistŽe – Sisteminis lietuvių kalbos žodynas, J. Paulauskas, Vilnius: Mokslas (elektroninis variantas), 2015. Prieiga internete: https://ekalba.lt/sisteminis-lietuviu-kalbos-zodynas. SŽe – Sinonimų žodynas, A. Lyberis. 2-asis patais. leidimas (elektroninis), Vilnius: Lietuvių kalbos institutas, 2015. Prieiga internete: https://ekalba.lt/sinonimu-zodynas. ŠVŽŽ – Šiaurės vakarų žemaičių žodynas, t. I–II, B. Vanagienė. Vilnius: Lietuvių kalbos institutas, 2014, 2015. ŽYDRŪNĖ ŠALAVIEJŪTĖ. Lietuvių kalbos vištos, gaidžio, viščiuko pavadinimai ir jų motyvacija 169 VdškŽ – Vidiškių šnektos žodynas, Ž. Markevičienė, A. Markevičius, Vilnius: Lietuvių kalbos institutas, 2014. ZnŽ – Zanavykų šnektos žodynas, t. I–III, Vilnius: Mokslo ir enciklopedijų leidybos institutas, 2003, 2004, 2006. ZtŽ – Zietelos šnektos žodynas, A. Vidugiris, Vilnius: Mokslo ir enciklopedijų leidybos institutas, 1998. LITERATŪRA Balsys Rimantas 2020: Gyvūnai baltų pasaulėjautoje: gaidžio (vištos) aukojimas XV–XVII a. rašytinių šaltinių duomenimis. – Gimtasis kraštas 19, 21–29. Bartmiński Jerzy 2010: Jak rekonstruować językowo-kulturowy obraz EUROPY? – Etnolingwistyka 22, 121–127. Bogdzevič Monika 2019: PYKČIO, BAIMĖS ir GĖDOS jausmai lietuvių kalboje iš kognityvinės ir kultūrinės perspektyvos: daktaro disertacija, Vilnius: Vilniaus universitetas. Buck Carl D. 1949: A Dictionary of Selected Synonyms in the Principal Indo-European Languages: A Contribution to the History of Ideas, Chicago: University of Chicago Press. Būdvytýtė-Gudienė Aina, Gudavičius Aloyzas, Jurgaitis Nedas ir kt. 2014: Konceptualiosios metaforos viešajame diskurse: konceptualių metaforų žodynas, Šiauliai: Šiaulių universitetas. De la Cruz Cabanillas Isabel, Martínez Cristina T. 2006: Chicken or Hen?: Domestic Fowl Metaphors Denoting Human Beings. – Studia Anglica Posnaniensia 42, 337–354. Dundulienė Pranė, Ščmeliovas Vaclovas 1979: Lietuvių liaudies oro spėjimai. – Istorija 19(1), 116–130. Eigirdienė Dalia 2016: Lietuvių ir rusų kalbų zooniminė frazeologija, Kaunas: Technologija. Goatly Andrew 2006: Humans, Animals, and Metaphors. – Society and Animals 14(1), 15–37. Goddard Cliff 2018: A Semantic Menagerie: The Conceptual Semantics of Ethnozoological Categories. – Russian Journal of Linguistics 22(3), 539–559. Goddard Cliff, Wierzbicka Anna 2014: Words and Meanings: Lexical Semantics Across Domains, Language and Cultures, Oxford: Oxford University Press. Górecka-Smolińska Małgorzata, Kleparski Grzegorz 2011: Human Picturing of Birds-the Case Study of Zoosemic Developments in the Category Female Domesticated Birds. – SKASE Journal of Theoretical Linguistics 8(2), 31–54. 170 BENDRINĖ KALBA | 96 Gritėnienė Aurelija 2006: Augalų pavadinimų motyvacija šiaurės panevežiškių patarmėje, Vilnius: Lietuvių kalbos institutas. Gudavičius Aloyzas 2009: Etnolingvistika, Šiauliai: Šiaulių universiteto leidykla. Jasiūnaitė Birutė, Konickaja Jelena 2003: „Atlekė paukštis be sparnų“ (Atmosferos reiškiniai frazeologijoje: sniegas). – Kalbotyra 52(1), 45–60. Jasiūnaitė Birutė 2010: Šventieji ir nelabieji frazeologijoje ir liaudies kultūroje, Vilnius: Vilniaus universiteto leidykla. Lubienė Jūratė 2015: Lietuvių kalbos mikonimai: nominacija ir motyvacija, Klaipėda: Klaipėdos universiteto leidykla. Nilsen Allen P. 1996: Of Ladybugs and Billy Goats: What Animal Species Names Tell About Human Perceptions of Gender. – Metaphor and Symbol 11(4), 257–271. Rosinienė Gražina 1990: Kodėl raudonas kaip vėžys? Vilnius: Mokslas. Rutkovska Kristina, Smetona Marius, Smetonienė Irena 2017: Vertybės lietuvio pasaulėvaizdyje, Vilnius: Akademinė leidyba. Sabaliauskas Algirdas 1990: Lietuvių kalbos leksika, Vilnius: Mokslas. Smetona Marius 2015: Lietuvių kalbos eufemizmai: raiška ir motyvacija: daktaro disertacija, Vilnius: Vilniaus universitetas. Šalaviejūtė Žydrūnė 2022: Lietuvių kalbos zoonimų nominacija ir motyvacija: gyvulių, naminių paukščių ir vabzdžių pavadinimai: daktaro disertacija, Klaipėda: Klaipėdos universitetas. Wierzbicka Anna 2013: Polish zwierzęta ‘animals’ and jabłka ‘apples’: An Ethnosemantic Inquiry. – The Linguistic Worldview: Ethnolinguistics, Cognition, and Culture, London: Versita, 137–159. Zabarskaitė Jolanta 2009: Jaustukai kalboje ir šnekoje. – Kalbos kultūra 82, 91–109. Gauta 2023 11 17 Priimta 2023 12 11 ŽYDRŪNĖ ŠALAVIEJŪTĖ THE LITHUANIAN NAMES FOR HEN, ROOSTER, CHICKEN, AND THEIR MOTIVATION Summary The aim of the study is to investigate the semantic relations of the Lithuanian names for hen, rooster, chicken, to determine the conceptual features they represent. ŽYDRŪNĖ ŠALAVIEJŪTĖ. Lietuvių kalbos vištos, gaidžio, viščiuko pavadinimai ir jų motyvacija 171 The analysis is based on the methodological practice of complex linguistic research, where the semantic features of the members of one thematic group are determined by examining them at the semasiological and the onomasiological levels. It is posited that the semasiological and onomasiological semantic features of a lexeme also reflect the semantic features of the concept being named. The paper methodically discusses the names based on their semantic relations. The onomasiological structure of bird names is described by dividing them into smaller thematic subgroups of hen, rooster and chicken names. An attempt is made to highlight their main conceptual differences and/or common features. The empirical material was collected from explanatory (LKŽe, DLKŽe, BLKŽe), dialectal, and specialized (SistŽe, SŽe) lexicographical sources. The names for hen, rooster, chicken form a large subgroup of the zoonymic group in the Lithuanian language, with about two hundred lexemes recorded in lexicographic sources. There is no common hyperonym in the Lithuanian language system for the lexemes studied. Motivated lexis prevails, comprising approximately 98 per cent of the total pool. Only three lexemes belong to the unmotivated type of nomination: one indigenous lexeme vištà ‘hen’ and three loan words from Slavic or Germanic languages: koplūnas 1, °kaplonas, kapaūnas ‘castrated rooster’. The systematic characteristic of the thematic subgroup of hen, rooster, chicken names has well-developed synonymic relations, which play a crucial role in enriching the thematic subgroup. The strings of synonyms consist of formal variants, derivative, and lexical synonyms. It illustrates the ability of the authors of the names to observe the various features of the bird and to verbalise them with different linguistic instruments. The analysis of the names for hen, rooster and chicken has revealed several categories of conceptual features: axiological (reflecting an evaluative stance towards the named bird), cognitive (depicting the named bird as a cognitive reality), associative (establishing connections between the named bird and other realities), ethno-cultural (representing concepts beyond the named bird within the realm of ethnoculture). The semantic analysis of motivational features allows identifying the representation of a fragment of reality, or rather its conceptual equivalent, within the linguistic worldview. The language system captures the various differential features of the female, male and chick, the most important of which are: sex (female/male), age (young/adult), function: egg laying and hatching (hen), reproduction (hen and rooster), appearance (with the existence of feathers and 172 BENDRINĖ KALBA | 96 coloration patterns exclusive to hen names), and sound (hence the acoustic function of the author of the name as a poultry keeper). There is a difference between the sounds emitted by the adult bird (female only) and the calls of the chick, as well as the contrast between the crowing (male) and non-crowing (female) bird. KEYWORDS: motivation, synonym, zoonym, hen, rooster, chicken. ŽYDRŪNĖ ŠALAVIEJŪTĖ Lietuvių kalbos institutas Petro Vileišio g. 5, LT-10308 Vilnius [email protected] ŽYDRŪNĖ ŠALAVIEJŪTĖ LIETUVIŲ KALBOS VIŠTOS, GAIDŽIO, VIŠČIUKO PAVADINIMAI IR JŲ MOTYVACIJA S a n t r a u k a Tyrimo objektas – lietuvių kalbos zoonimų teminės grupės vištos, gaidžio ir viščiuko pavadinimai. Į pavadinimus žvelgiama kaip į tokius leksikos vienetus, kurie gali perteikti įvardijamojo paukščio kategorizaciją, santykį su kitomis realijomis (realijų konceptais), kalbos vartotojo požiūrį. Tyrimo tikslas – išnagrinėti lietuvių kalbos vištos, gaidžio, viščiuko pavadinimų semantinius ryšius, nustatyti jais reprezentuojamus konceptualiuosius požymius. Analizei taikoma kompleksinio lingvistinio tyrimo metodologinė praktika, kai vienos teminės grupės narių semantiniai požymiai nustatomi tiriant juos semasiologiniu ir onomasiologiniu lygmenimis. Leksemos semasiologiniai ir onomasiologiniai semantiniai požymiai laikomi kartu ir įvardijamajam konceptui būdingi požymiais. Straipsnyje metodiškai pasirinkta pavadinimus aptarti pagal semantinius ryšius. Aptariamojo paukščio pavadinimų onomasiologinė struktūra aprašoma suskirsčius juos į smulkesnius vištos, gaidžio ir viščiuko pavadinimų teminius pogrupius. Stengiamasi išryškinti jų pagrindinius konceptualiuosius diferencialinius ir (arba) bendruosius požymius. Empirinės medžiaga rinkta iš aiškinamųjų (LKŽe, DLKŽ8e, BLKŽ), tarminių, specialiųjų (SistŽe, SŽe) leksikografijos šaltinių. ŽYDRŪNĖ ŠALAVIEJŪTĖ. Lietuvių kalbos vištos, gaidžio, viščiuko pavadinimai ir jų motyvacija 173 Vištos, gaidžio, viščiuko pavadinimai sudaro gausų lietuvių kalbos zoonimų teminės grupės pogrupį: leksikografijos šaltiniuose užfiksuota apie 200 leksemų. Lietuvių kalbos sistemoje bendro hiperonimo tirtoms leksemoms pavadinti nėra. Dominuoja motyvuotoji leksika – ji sudaro apie 98 proc. Nemotyvuotajam nominacijos tipui priklauso tik trys leksemos: viena savakilmė leksema vištà ir trys skoliniai iš slavų ar germanų kalbų: koplūnas 1, °kaplonas, kapaūnas ‘kastruotas gaidys’. Vištos, gaidžio, viščiuko pavadinimų teminių pogrupių sisteminė ypatybė – išplėtoti sinoniminiai santykiai. Jie lemia teminio pogrupio gausumą. Sinonimų eiles sudaro formalieji variantai, dariniai ir leksiniai sinonimai. Pastarieji liudija pavadinimų kūrėjų gebėjimą pastebėti įvairius įvardijamojo paukščio požymius ir verbalizuoti juos skirtingomis lingvistinėmis priemonėmis. Vištos, gaidžio, viščiuko pavadinimų analizė išryškino kelių kategorijų konceptualiuosius požymius: aksiologinius (perteikiančius vertinamąjį požiūrį į įvardijamąjį paukštį), kognityviuosius (apibūdinančius įvardijamąjį paukštį kaip pažintinę realiją), asociatyviuosius (siejанčius įvardijamąjį paukštį su kita realija), etnokultūrinius (reprezentuojančius ne įvardijamąjį paukštį, o kitus etnokultūros srities konceptus). Semantinė motyvacijos požymių analizė suteikia galimybių nustatyti vištos, gaidžio, viščiuko pavadinimais įvardijamo tikrovės fragmento, tiksliau – konceptualiojo jo atitikmens – vaizdą kalbos pasaulėvaizdyje. Kalbos sistema fiksuoja įvairius diferenciinius patelės, patino ir jauniklio požymius, iš kurių svarbiausi yra: lytis (patelė / patinas), amžius (jauniklis / suaugęs paukštis), funkcija: kiaušinių dėjimas ir perėjimas (vištos), reprodukcija (vištos ir gaidžio), išvaizda (plunksnuotumo, koloratyvumo požymiai būdingi tik vištos pavadinimams), garsas (fiksuojama akustinė įvardintojo kaip gyvulininko funkcija). Esama skirtumų tarp suaugusio paukščio (tik patelės) ir jauniklio kvietimo garsų, pastebima giedančio (patino) ir negiedančio (patelės) paukščio opozicija. ESMINIAI ŽODŽIAI: motyvacija, sinonimas, zoonimas, višta, gaidys, viščiukas. ŽYDRŪNĖ ŠALAVIEJŪTĖ Lietuvių kalbos institutas Petro Vile išio g. 5, LT-10308 Vilnius [email protected] 174 BENDRINĖ KALBA | 96