VILIIJA RAGAIŠIENĖ
Institut für die litauische Sprache
ORCID iD: https://orcid.org/0000-0002-5026-4667
Forschungsgebiete: Akzentologie, Dialektologie, Ethnolinguistik, Lexikografie.
DOI: doi.org/10.35321/all83-10
DIE AKZENTRÜCKZIEHUNG IN DEN TEXTEN DES OSTHOCHLITAUISCHEN ANYKŠČIAI-SUBDIALEKTS
Die Akzentzurückziehung in den Texten des osthochlitauischen Subdialekts von Anykščiai
ZUSAMMENFASSUNG
Auf der Grundlage schriftlicher Quellen – der in Leipzig in der Publikation des deutschen Sprachwissenschaftlers Franz Specht Litauische Mundarten gesammelt von A. Baranowski veröffentlichten Texte aus den 1870er–1890er Jahren, der im Dialektarchiv des Zentrums für Geolinguistik des Instituts für Litauische Sprache aufbewahrten Beschreibungen der anykštėnischen Mundarten aus den 1960er–1970er Jahren sowie der in der zweiten Hälfte des 20. und zu Beginn des 21. Jahrhunderts von Žaneta Markevičienė und anderen Forschern erstellten Dialekttexte – werden die Erscheinungen der Akzentzurückverlagerung im Subdialekt der osthochlitauischen Anykštėnai analysiert. Der Beitrag zielt darauf ab, die Herausbildung der Akzentzurückverlagerung im Subdialekt der Anykštėnai möglichst umfassend zu beschreiben, festzustellen, welche Gesetzmäßigkeiten der Akzentzurückverlagerung in diesem Zeitraum im Gebiet des Subdialekts gewirkt haben könnten, die areale Verbreitung der Erscheinung aufzuzeigen sowie die Veränderungen der Akzentzurückverlagerung und ihre Ursachen zu erörtern.
SCHLÜSSELWÖRTER: osthochlitauischer Anykščiai-Subdialekt, Akzent, Silbe, Dialekttexte.
ZUSAMMENFASSUNG
Auf der Grundlage schriftlicher Quellen – der Texte aus den 1860er–1880er Jahren, die der deutsche Linguist Franz Specht in Leipzig in der Publikation Litauische Mundarten gesammelt von A. Baranowski veröffentlichte, der Beschreibungen der Anykščiai-Lokalsprachen aus den 1950er–1960er Jahren, die im Dialektarchiv des Geolinguistischen Zentrums am Institut für die litauische Sprache aufbewahrt werden, sowie der Dialekttexte, die Žaneta Markevičienė und andere Forscher in der zweiten Hälfte des 20th. Jahrhunderts und zu Beginn des 21st. Jahrhunderts erstellten
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Jahrhunderts – analysiert der Beitrag die Erscheinungen der Akzentzurückziehung im osthochlitauischen Anykščiai-Subdialekt. Ziel ist es, die Herausbildung der Akzentzurückziehung im Anykščiai-Subdialekt möglichst detailliert zu beschreiben, festzustellen, welche Gesetze der Akzentzurückziehung in einem bestimmten Zeitraum im Gebiet des Subdialekts wirksam gewesen sein könnten, die areale Verbreitung der Erscheinung aufzuzeigen und die Veränderungen der Akzentzurückziehung sowie ihre Ursachen zu erörtern.
SCHLÜSSELWÖRTER: osthochlitauischer Anykščiai-Subdialekt, Akzent, Silbe, Dialekttexte.
EINLEITUNG
Von allen osthochlitauischen Subdialekten ist der Anykščiai-Subdialekt hinsichtlich der Akzentuierung bislang wohl am wenigsten erforscht. In der wissenschaftlichen Literatur wurde die Akzentuierung dieses Subdialekts recht fragmentarisch behandelt. In den Arbeiten, die Angaben zur Akzentuierung des Anykščiai-Subdialekts enthalten, werden meist nur die Art der Akzentzurückziehung und die Intonationen recht knapp beschrieben (Zinkevičius 1966: 36, 38, 41; LKT 35; LKTCH 144; Markevičienė 2001: 15–18; 2004: 39–45; RARA 36–37; AAT 18). Unter dem Gesichtspunkt der Akzentuierung wurden die im heimatlichen Anykščiai-Gebiet von Antanas Baranauskas im 19. Jahrhundert in den 1860er–1880er Jahren gesammelten und in der Publikation Litauische Mundarten gesammelt von A. Baranowski veröffentlichten Texte von Linguisten etwas eingehender untersucht (Stundžia 1989: 434–442; Ragaišienė 2015: 166–210)². Es fehlt somit sehr an Untersuchungen des Akzentuierungssystems des Subdialekts und an wissenschaftlichen Publikationen, die dessen akzentologische Merkmale und Tendenzen erörtern.
Quellen, Zielsetzung, Methoden. Das Untersuchungsmaterial wurde aus mehreren schriftlichen Quellen zusammengetragen – aus den im ersten Band des 1920 in Leipzig von dem deutschen Linguisten Franz Špecht herausgegebenen Werkes Litauische Mundarten gesammelt von A. Baranowski (im Folgenden – Litauische Mundarten) veröffentlichten Texten aus dem Anykščiai-Subdialekt³, aus den in den 1950er–1960er Jahren erstellten Beschreibungen der sprachlichen Merkmale der Lokalsprachen dieses Subdialekts⁴, aus den 1970 veröffentlichten Chrestomathie Lietuvių kalbos tarmės, aus dem zweiten Teil der 2001 erschienenen Publikation von Ž. Markevičienė Aukštaičių tarmių tekstai und aus den 2004 in der Lietuvių kalbos tarmių chrestomatijoje veröffentlichten Dialekttexten aus dem Anykščiai-Subdialekt sowie aus dem Manuskript des 2013 von Ž. Markevičienė, Aurimas Markevičius
¹ Die Manuskriptseite wird angegeben.
² Die Analyse dieser Texte stützt sich auf die umfangreiche Korrespondenz A. Baranauskas’ mit Hugo Weber (vgl. Almanauskis 1930: 60–102).
³ A. Baranauskas organisierte während seiner Professur am Priesterseminar in Kaunas etwa in den Jahren 1867–1884 seine Schüler zum Sammeln von Dialekttexten. Die von ihnen gesammelten Texte sandte er dem deutschen Linguisten H. Weber.
⁴ Die Manuskripte werden im Dialektarchiv des Geolinguistischen Zentrums am Institut für die litauische Sprache aufbewahrt.
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und des von Vilija Salienė zusammengestellten Lehrbuchs Rytų aukštaičiai anykėnai sowie des 2020 von Regina Rinkauskienė erstellten Manuskripts der Publikation Anykščių apylinkių tekstai.
Die in den genannten Quellen enthaltenen Dialekttexte umfassen drei Zeiträume:
1) Die 1860er–1880er Jahre. In der Publikation Litauische Mundarten veröffentlichte Texte aus zwei Pfarreien – aus Anykščiai (305), das A. Baranauskas den östlichen Vierten (R4) zuordnete,⁵ und aus der Lokalsprachgruppe Subačius (235) der östlichen Dritten (R3). Aus diesen Wohnorten wurden jeweils mehrere kurze Erzählungen aufgezeichnet (insgesamt 17 S.)⁶. Geografisch stammen die Texte aus dem nördlichen Areal des Subdialekts.
2) Die 1950er–1960er Jahre. Bei der Materialerhebung für den Lietuvių kalbos atlasui wurden praktisch alle zum Anykščiai-Gebiet gehörenden Wohnorte (Erhebungspunkte) untersucht und deren Beschreibungen der dialektalen Merkmale erstellt (vgl. Abb. 1 und Anhang)⁷. Die handschriftliche Quelle eines Erhebungspunktes umfasst eine Darstellung des untersuchten Ortes, der sprachlichen Merkmale der Lokalsprachgruppe und der Informanten sowie transkribierte Texte⁸. Im Archiv wurden 23 Quellen (etwa 500 S.) aus 18 Erhebungspunkten gefunden (vgl. Anhang)⁹. Das Material der handschriftlichen Quellen wird durch die in der Chrestomathie Lietuvių kalbos tarmės veröffentlichten Texte aus demselben Zeitraum aus nahezu allen Erhebungspunkten des Subdialekts ergänzt. Texte, die im Untersuchungszeitraum aufgezeichnet wurden, finden sich auch in zu Beginn des 21. Jahrhunderts veröffentlichten Publikationen.
3) Ende des 20. Jahrhunderts bis Anfang des 21. Jahrhunderts. In den von Ž. Markevičienė, R. Rinkauskienė und anderen Dialektologen erstellten Publikationen wurden Texte aus verschiedenen Wohnorten des untersuchten Subdialekts veröffentlicht. Allerdings wurden in den Publikationen dieses Zeitraums nur wenige Texte aus dem nördlichen Teil des Gebiets veröffentlicht. So stammen in dem von Ž. Markevičienė zusammengestellten Buch Aukštaičių tarmių tekstų die meisten Erzählungen aus dem südlichen Areal des Subdialekts, während das Manuskript der Publikation von R. Rinkauskienė Anykščių apylinkių tekstai aus Anykščiai und den benachbarten Lokalsprachgruppen stammt.
Zusammenfassend lässt sich hinsichtlich des in den analysierten Quellen veröffentlichten Materials feststellen, dass die darin gefundenen Daten ausreichen, um die Herausbildung der Akzentzurückziehung als Gesetz im Gebiet des Anykščiai-Subdialekts zu bewerten. Dies gilt umso mehr, als die erörterten Quellen die Akzentuierungsmerkmale des untersuchten Subdialekts vergleichsweise gut widerspiegeln.
⁵ In Klammern sind die Nummern der Punkte (Wohnorte) des Lietuvių kalbos atlaso angegeben (vgl. LKA I 21–30; ferner Geržotaitė 2015: 147–149, 156–165).
⁶ Die Texte der Lokalsprachgruppe Subačius stammen von einem Informanten, die von Anykščiai von zwei Informanten.
⁷ Nur die Quelle des Punktes Subačius (235) fehlt. Aloyzas Vidugiris erstellte 1984 die Transkription der in den 1960er–1970er Jahren aufgezeichneten Texte dieser Lokalsprachgruppe.
⁸ In keinem Manuskript dieses Subdialekts sind Antworten auf die Fragen der Lietuvių kalbos atlaso medžiagos rinkimo programos zu Lexik, Phonetik, Morphologie und Syntax enthalten.
⁹ Dieses Material wird durch die 1976 von Studenten des Staatlichen Pädagogischen Instituts Vilnius aufgezeichneten kurzen transkribierten Texte der Lokalsprachgruppen Svedasai (239), Ažuožeriai (305) und Kniitiškiai (375) ergänzt.
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Somit werden in diesem Beitrag durch den Vergleich der Daten dialektaler Quellen, die mehr als ein Jahrhundert auseinanderliegen, die Erscheinungen der Akzentzurückziehung im osthochlitauischen Anykščiai-Subdialekt analysiert. Ziel ist es, die Herausbildung der Akzentzurückziehung im Anykščiai-Subdialekt möglichst umfassend zu beschreiben, die in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts bis zum Beginn des 21. Jahrhunderts wirksamen Erscheinungen der Akzentzurückziehung zu erörtern und ihre areale Verbreitung im Gebiet des Subdialekts aufzuzeigen. Wie bekannt, gehört der Anykščiai-Subdialekt heute zum Gebiet der bedingten Akzentzurückziehung (LKT 35; LKTCH 153). In ihm wirkt die sogenannte intensivere bedingte Akzentzurückziehung: Der Akzent wird von einer kurzen Endsilbe auf die unmittelbar davorstehende lange Silbe zurückgezogen.
Die Untersuchung stützt sich auf geolinguistische, statistische, vergleichende und innere Rekonstruktionsmethoden.
KIRČIO ATITRAUKIMO FORMAVIMASIS: KAITA IR POLINKIAI
Aus den von A. Baranauskas überlieferten Texten geht hervor, dass das Gesetz der Akzentzurückziehung in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts im Anykščiai-Subdialekt mit unterschiedlicher Intensität wirksam war. In den Texten der Pfarrei Subačius wird der Akzent regelmäßig von der kurzen Endung auf die lange Silbe zurückgezogen, z. B.: džiáũksmu, gýwi, kàr̃tus, aũkas, koplytėlas, wìetas, ar̃ti, nãršus, tur̃tus, laũži, žmōna, kir̃wju, laũki, miẽstus, laũkus, wiẽni usw. (S. 104–109). In den Texten fanden sich nur wenige Formen ohne Akzentzurückziehung, die statistisch unbedeutend sind, z. B.: yrà (neben ỹra), arbà, Alkà (S. 104–105). Anders war die Situation in den 1860er–1880er Jahren in der Umgebung von Anykščiai. Hier wurde der Akzent von der kurzen Endsilbe nicht auf die unmittelbar davorstehende lange Silbe zurückgezogen, z. B.: gwotū, yrà, žmogùs, tur̃tus, t́arpu, žõdžus, baisù, gàitu, patiekà, Szioulus usw. (S. 36–47). Die Kennzeichnung eines Nebenakzents durch ein besonderes Transkriptionszeichen in der vorletzten langen Silbe bestimmter Wörter zeigt jedoch, dass sich in der Lokalsprachgruppe Anykščiai bereits ein zurückgezogener Akzent herausbildete, z. B.: tōkì, wãr̃ti, lĩngwà, knĩgù, kàr̃tus, szwĩntàs, trūmpà, pĩlnì, kàr̃ti, studinùtus, sūnùs, pīr̃ztus, griõusmų usw. (S. 36–47)¹⁰. Es wird angenommen, dass mit den besonderen Zeichen in diesen Fällen ein Typ des Nebenakzents, d. h. ein „zweigipfliger“ Akzent, angegeben wurde (Stundžia 1989: 435; Ragaišienė 2015: 174–175; 2018: 182–184)¹¹. Zumal im südlichen Teil des Anykščiai-Gebiets und im benachbarten
¹⁰ Wenn das Gesetz in den untersuchten Lokalsprachgruppen regelmäßig wirkte, müsste der Akzent in diesen Wörtern auf die vorletzte lange Silbe zurückgezogen werden, vgl. gaspadorius → gaspadõrius. ¹¹ Zum Begriff „zweigipfliger“ Akzent siehe ausführlicher: Girdenis, Rosinas 1976: 194, Anm. 20; Girdenis 1978: 75–76.
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Im Utena-Subdialekt ist der „zweigipflige“ Akzent bis heute erhalten (Markevičienė 1999: 16; 2001: 15–16)¹².
Die vorgelegten Texte scheinen Tendenzen zur Festigung des „zweigipfligen“ Akzents in der Lokalsprachgruppe Anykščiai zu zeigen. In den untersuchten Texten sind Formen mit „zweigipfligem“ Akzent stärker verbreitet, z. B.: gār̃di, rūbùs, krõmi, sūnkì usw. (S. 36–37). Es ist wahrscheinlich, dass dieser Akzent in der Umgebung von Anykščiai zu A. Baranauskas’ Zeit hinreichend stark gewesen sein konnte, d. h. dass er in einigen Fällen nur schwer von Wörtern mit zwei Akzenten und von der bereits einsetzenden Akzentzurückziehung zu unterscheiden war¹³. Diese Annahme wird teilweise durch den Gedanken gestützt, den A. Baranauskas in einem seiner Briefe an H. Weber äußerte, dass eine unbetonte Silbe des Wortes manchmal gleichsam betont sei, „als ob kir̃wiù, kir̃wiùs erklänge“ (Almanauskis 1930: 95; Stundžia 1989: 435)¹⁴. Die doppelte Akzentkennzeichnung in den untersuchten Texten kann darauf hindeuten, dass die vorletzte lange Silbe in der Lokalsprachgruppe Anykščiai – das erste Element des „zweigipfligen“ Akzents – sowohl schwächer als auch stärker wahrgenommen werden konnte, vgl. rõdas / ròd'as (vgl. Stundžia 1989: 435; Girdenis 2003: 263). Ein starker „zweigipfliger“ Akzent konnte im Laufe der Zeit den Anstoß geben, den Akzent von der kurzen Endung auf die lange vorletzte Silbe zurückzuziehen, vgl. gaspadõrius → gaspadõriùs → gaspadõrius (vgl. Ragaišienė 2018: 184).
Das von A. Baranauskas überlieferte Material zeigt eine ungleichmäßige Herausbildung der Akzentzurückziehung als Gesetz im Anykščiai-Gebiet: Die Texte aus der Pfarrei Subačius bezeugen, dass dieser Prozess bereits abgeschlossen war, während die in der Umgebung von Anykščiai aufgezeichneten Erzählungen zeigen, dass er erst begonnen hatte (vgl. Ragaišienė 2015: 180–183). Diese Annahme wird, wenn auch nur indirekt, durch die analoge Entwicklung der Erscheinung im benachbarten Kupiškis-Subdialekt gestützt (Ragaišienė 2018: 181–184, vgl. Abb. 2).
Die handschriftlichen Quellen der Anykščiai-Lokalsprachgruppen aus den 1950er–1960er Jahren zeigen, dass der Akzent in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts zwar mit unterschiedlicher Intensität, aber im gesamten Gebiet des Subdialekts zurückgezogen wurde. Auf der Grundlage des Materials der Beschreibungen lässt sich das Anykščiai-Gebiet in zwei größere Areale mit unterschiedlicher Intensität der Erscheinung einteilen. Im nördlichen Teil des Gebiets wurde der Akzent im Untersuchungszeitraum, ausgenommen das Areal Verksnionys (208) – Svėdasai (239) – Mičiūnys (273), von der kurzen Endung auf die unmittelbar davorstehende lange Silbe ziemlich regelmäßig zurückgezogen (vgl. Abb. 1).
¹² Ž. Markevičienė (2001: 15–16) bezeichnet den deutlich hörbaren Akzent der vorletzten langen Silbe in den Anykščiai-Lokalsprachgruppen als Nebenakzent. Nach Jolita Urbanavičienė (2006: 224) kann das erste Element des „zweigipfligen“ Akzents den Nebenakzenten, das zweite den Hauptakzenten zugeordnet werden.
¹³ Eine analoge Situation ist heute im benachbarten Utena-Subdialekt charakteristisch (Urbanavičiūtė-Markevičienė, Grinaveckis 1992: 12; Markevičienė 1999: 16; Urbanavičienė 2006: 224).
¹⁴ Wie bekannt, war A. Baranauskas überzeugt, dass ein Wort nur eine betonte Silbe haben könne (Alminauskis 1930: 95).
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ABB. 1. Art der Akzentzurückziehung in handschriftlichen Quellen aus den 1950er–1960er Jahren15
In den umfangreichen Texten dieser Lokalsprachgruppen wurden insgesamt keine Fälle ohne Akzentzurückziehung gefunden, z. B.: razum.ni, razum.nus (neben razumnų), vaikus, vil.ku, su kariėtu, vietą, rūbus, dienas, kėliṅti, pìr.stus, gàl.va, spȧl.va, trūṁpi, ìlgi, aũ.kšti usw. (Rybōkai, 146); jaũna, ūnksti, mérga, ka̋rtu, nebegi.va, per laũkus, viéną, per dienas (Rūkiškis, 270); ìlga, ga̋lva, miñkšta, dùnkčius, ūnksti, diéna, viéni, viéną, lìntas, piẽtus, agūkus, blìnus, piñ̃kus (Andriōniškis, 272) usw.¹⁶ Eine regelmäßige Akzentzurückziehung
15 Auf die Punkte 236 und 237 ist hinzuweisen; in den Arbeiten der letzten Jahre werden sie dem Anykščiai-Subdialekt zugeordnet (RAA 63–70). Die betreffenden Punkte wurden nicht in die im Beitrag vorgelegte Karte aufgenommen. Im Untersuchungszeitraum wurden sie dem Kupiškis-Subdialekt zugeordnet (LKA I 33, 1. Karte). In der 2014 veröffentlichten Publikation XXI a. pradžios lietuvių tarmės: geolingvistinis ir sociolingvistinis tyrimas werden beide Punkte ebenfalls dem Kupiškis-Subdialekt zugeordnet (LTT 187, Abb. 109).
16 Der Akzent der Stammformen žmogus / žmõgus / žmą̃gus kann auf das Vorhandensein einer benachbarten Variante der zweiten Akzentklasse in den Lokalsprachgruppen hindeuten. Die erörterten Fälle können auch mit der Akzentzurückziehung in Verbindung gebracht werden, vgl. žma.gaũs (Ragaišienė 2018: 186, Anm. 27). Die im Stamm betonte Form bai̇sus kann ebenfalls mit der Akzentzurückziehung zusammenhängen; es ist jedoch nicht auszuschließen, dass sie auch aus älterer Zeit überliefert sein könnte.
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in diesem Areal wird auch durch die in der Chrestomathie Lietuvių kalbos tarmės veröffentlichten Texte belegt (LKT 295, 302–303); vgl. außerdem einen 1964 im Erhebungspunkt Rūkiškis aufgezeichneten Text (LKTCH 149). In den 1965 in der Umgebung von Andríoniškis aufgezeichneten Erzählungen überwiegen ebenfalls Formen mit zurückgezogenem Akzent, z. B.: k̇leim̃u, pìr̃ki, mer̃.ga.s, žm̃õ.gus (neben žmà.gaus), žò.džiu / žo·džiu (AAT 77–78).
In den 1950er–1960er Jahren war die Situation im Areal Verksniónys (208) – Svedasaĩ (239) – Mičíonys (273) anders. Das Material der handschriftlichen Quellen zeigt, dass hier der nicht zurückgezogene Akzent vorherrschte, z. B.: pilnà, čigãnus, ràžu, liẽsvas, viẽdru, in būdàs, bizūnù, galvà, žmãgus, būdà, u.lìča, grausmù, irà, dikà, lintù, sùnus, klaimì, valdžà, lìntàs, vaikùs, daržùs, saldù (Verksniónys, 208); varpùs, žmãgus, kardù, vienì, vartùs, kraujù, bėdà, dienà, dienàs, kėlìntà, navìnà, mergàs (Svedasaĩ, 239); rañdį, baltì, švintù, širmà, pìlnà, pìlvù, nuogà, pìlkà, gailù, kūmpì, vienà, žmãgus, bjãurùs, dienàs, šimtùs, su kãčelù, ràžu (Mičiónys, 273). In den untersuchten Lokalsprachgruppen wurde nur ein vereinzeltes Beispiel der Akzentzurückziehung gefunden, z. B.: blãgi (Verksniónys, 208); liẽtus, pẽr pĩetus (Svedasaĩ, 239); rùnkas, var̃tus, dù šimtù (Mičiónys, 273).
Die Situation im südlichen Teil des Anykščiai-Gebiets war offenbar wesentlich komplizierter. Im Untersuchungszeitraum wurde der Akzent in einigen Lokalsprachgruppen selten von der kurzen Endung auf die vorletzte lange Silbe zurückgezogen, in anderen dagegen ziemlich regelmäßig. Eine regelmäßige Akzentzurückziehung ist im Areal Kurkliai (341) – Knitiškiai (375) – Juodáusiai (447) belegt. In den kurzen Manuskripten dieser Lokalsprachgruppen wurden so gut wie keine Formen ohne Akzentzurückziehung gefunden, z. B.: diẽvu, róžu, liẽtus, maišùs, irà, kartù, vienà, ùṅksti, suñki, baltì, baĩsi, tvarkà, vaikùs, juódì, sãisra (Kurkliai, 341); sūnus, lìṅgvi, pìṅkas, pìṅkus, jaũni, pas pónus, dienà, žmónà, ùntrì, baravìkus, maĩšus, ma.kìkla, kálba, liẽtus, užmìga miẽgu, vienì, i.ra (Knitiškiai, 375); róžu, ainù, dienà, piẽtus, kviẽtkus (Juodáusiai, 447). Eine in den 1950er–1960er Jahren bestehende regelmäßige Akzentzurückziehung in diesen Lokalsprachgruppen belegen auch die in der Chrestomathie Lietuvių kalbos tarmės veröffentlichten Erzählungen, z. B.: su viẽdru, vienà, pir̃tis, ainì, ainù, par piẽtus (LKT 305, 447). Der Akzent wurde offenbar auch in der an das Gebiet der schwachen bedingten Akzentzurückziehung angrenzenden Lokalsprachgruppe Kiaukliai (477) ziemlich regelmäßig zurückgezogen, z. B.: pir̃ką, kìrvu, mar̃ti, pìṅkus, rùnka, pìṅki, vaikùs, kapeikàs, žmógus, pas susiẽdus usw.
Das Material der Beschreibungen zeigt, dass im übrigen südlichen Teil des Gebiets in den 1950er–1960er Jahren eine unregelmäßige Akzentzurückziehung vorherrschte. Der Akzent wurde offenbar nur in der Lokalsprachgruppe Skiemonys (343) nicht von der kurzen Endung auf die unmittelbar davorstehende lange Silbe zurückgezogen, z. B.: mergà, žiemà, sausà usw.17 In den anderen Lokalsprachgruppen dieses Areals war die Intensität der Erscheinung unterschiedlich. In den Texten der Lokalsprachgruppen Anykščiai (305), Rubikiai (342) und Dapkūniškiai (376) machen die Formen mit Akzentzurückziehung fast 90% aus, z. B.: kiẽmus, rùnkas,
17 Dies wird auch durch den in der Chrestomathie Lietuvių kalbos tarmės veröffentlichten Text bestätigt. Der Akzent wurde von der kurzen Wortendung nicht auf die unmittelbar davorstehende lange Silbe zurückgezogen, z. B.: šeimà, jaũni, numirsù (LKT 306).
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ỹra, sū.nus, sʼvīr.ní, díenas, līetus, žēdna mēr.ga, su dū.ša (Anykščiai, 305)¹⁸; žmogus (neben žmogaũs), kār.tus, bėdas, rùnka, žiñgsnìs, díenas (Rubikiai, 342); žmogus, žmōna, rōzu, sūnus, rū.bus, bėda, su diédu (Dapkūniškiai, 376)¹⁹. In der Umgebung von Bālnin-kai, Lyduõkiai, Žélva und Šešuõliai machen sie etwa zwei Drittel der Formen aus, die den Akzent zurückziehen können, z. B.: žmōgus (neben žmogũmì), pìnki, sū.nus (neben sū-naũs), kaìtra / šviesà, daržbì, gir̃džiù, pirmà, mergà (Bālninkai, 411); sū.nus, blō.gì, mō.tka, per rùnkas, vièna, žmō.na, skū.ra, pìņkis, šimtus, rū.bus, mergà, razũmni / ainù, ainì, sunkù, mergà, kartù, raitì (Lyduõkiai, 410); nùogi, rū.bus, līetus, rōzus, kaũlus, galvà slōbna, viéni / dungùs, minkà, nėrà (Žélva, 449); gìva, mōtka, vār-du, mėsa, andarõkus / sunkù, skalnà, galvù (Šešuõliai, 448). Analoge Tendenzen der Akzentzurückziehung werden in den Lokalsprachgruppen auch in anderen Texten des Untersuchungszeitraums belegt (LKT 307–309).
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die handschriftlichen Quellen und anderen Texte aus den 1950er–1960er Jahren die Entwicklung der Herausbildung des Gesetzes der intensiveren bedingten Akzentzurückziehung im Gebiet des Anykščiai-Subdialekts zeigen. Somit setzte sich die in dieser Zeit im benachbarten Kupiškis-Subdialekt verankerte Erscheinung weiter in Richtung Norden und Süden fort und breitete sich im Anykščiai-Gebiet aus (ausführlicher siehe Ragaišienė 2018: 185–187).
Die in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts bis zum Beginn des 21. Jahrhunderts im Gebiet des untersuchten Subdialekts aufgezeichneten Erzählungen zeigen gewisse, wenn auch geringe Veränderungen der Erscheinung (vgl. Abb. 1 und 2). Offensichtlich setzt sich die Akzentzurückziehung im nördlichen Teil des Anykščiai-Gebiets zunehmend durch, genauer im Areal Verksnionys (208) – Svėdasai (239) – Mičiūnonys (273). Im Erhebungspunkt Verksnionys wurden mehr Fälle der Akzentzurückziehung von der kurzen Endsilbe auf die unmittelbar davorstehende lange Silbe gefunden als in den handschriftlichen Quellen aus den 1950er–1960er Jahren, vgl.: vìžas, uñks’ti, jaũna, kavalier’ùs / k’aũlas²⁰, aždun.cù (LKT 147–148)²¹; laĩki, ìra, sà.di, mė.sà, grì.čė / laĩkù, laĩkì, žiemà, ì.ra, blɔ·gà usw. (RAA 52–55)²². In der Umgebung von Svėdasai ist die Akzentzurückziehung noch nicht gefestigt. Das Gesetz wirkt in dieser Lokalsprachgruppe offenbar sehr unregelmäßig. In den im Jahr 2000 aufgezeichneten Texten machen Formen mit Akzentzurückziehung fast die Hälfte der möglichen Fälle aus, z. B.: užmirštù, sàu-gi vietà, vièna, laũkus, pìņki(s) šimtus, gārsus, grì.čė, su grìčų, vārpus²³ / laĩkùs, vièna, su draugù usw. (Markevičienė 2001: 63–70). Die Tendenz zur Akzentzurückziehung zeigt
¹⁸ Eine analoge Verwendung ist auch in anderen in den 1960er Jahren aufgezeichneten Texten belegt, z. B.: sɔ·di (neben sɔ·di) vaĩkus, susiėdus, laĩkus, jùkus (AAT 67–68).
¹⁹ In den Texten der Lokalsprachgruppe Anykščiai wurden etwas mehr Formen ohne Akzentzurückziehung gefunden als in den Erhebungspunkten Rubikiai und Dapkūniškiai. Allerdings sind die Dialekttexte der letztgenannten Lokalsprachgruppen kürzer als die Texte der Lokalsprachgruppe Anykščiai.
²⁰ Die Form wurde in der Erzählung dreimal verwendet.
²¹ In Klammern sind die Quellen angegeben, aus denen die Beispiele entnommen wurden.
²² Beide Texte wurden in der Umgebung von Verksnionys 1979 aufgezeichnet.
²³ Die Form wurde im Text siebenmal verwendet.
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sowie die Verwendung von Formen mit „zweigipfligem“ Akzent, z. B.: nugrįm̃si, laĩkūs, idãmų, lìnksmį, malaišą, duobės usw. (Markevičienė 2001: 63–67). In den 2003 aufgezeichneten Erzählungen überwiegen Formen ohne Akzentzurückziehung, z. B.: nelìgà, žiemà, vienì, karštà, ainù, baltà, lintà, gelsvà, gandrù usw. (RAA 56–62)²⁴. In diesen Texten fanden sich nur vereinzelte Formen mit „zweigipfligem“ Akzent, z. B. žiemà (RAA 56–62).
² ABB. Die Art der Akzentzurückziehung in Texten vom Ende des 20. bis zum Beginn des 21. Jahrhunderts²⁵
In der Umgebung von Anykščiai (305) hat sich vom Ende des 20. bis zum Beginn des 21. Jahrhunderts der zurückgezogene Akzent praktisch bereits durchgesetzt. In den untersuchten Texten fanden sich nur wenige Wortformen, die den Akzent nicht von der kurzen Endung auf die vorletzte lange Silbe zurückziehen, z. B.: s³· dbl, slì·vas, gė·les, vìeni, jāuni, uņkšti, gaĩlta, žmò·na, nuveĩnu, sėrgi gėltu, var̃lės / miežùs, aušrà (RAA 71–79); jāuną, su klebš·nu, suprañti, sveĩka gīvà, peñkus, šìrdis, uņkšti / nebegì·và, vaikus (AAT 69–72).
Schriftliche Quellen zeigen, dass der Wandel der Erscheinung vom Ende des 20. bis zum Beginn des 21. Jahrhunderts auch für den südlichen Teil des Anykščiai-Gebiets charakteristisch ist. Nach der Intensität der Akzentzurückziehung lässt sich das Gebiet
²⁴ Die Gewährspersonen der im Erhebungspunkt Švedasai aufgezeichneten Texte gehören der ältesten Generation an.
²⁵ Es liegen keine veröffentlichten Texte aus den auf der Karte nicht markierten Punkten vor.
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in zwei größere Areale gliedern. Im westlichen Randbereich dieses Gebiets – in den Lokalsprachgruppen Kurkliai (341) und Lyduokiai (410) – wird der Akzent ziemlich regelmäßig zurückgezogen. So machen in den in der Umgebung von Kurkliai aufgezeichneten Erzählungen von Angehörigen der ältesten Generation Wortformen mit am Ende verbliebenem Akzent etwa ein Fünftel der möglichen Fälle aus, z. B.: aini, ąinu, viena, ųksti, laiku, jauni, supranti, žǫdžu, rąndi, šir̃dis, rųbus, pinkės / linksmì, žaizdžù, biednà, šienì, rųbus (Markevičienė 2001: 71–76); aini, žmõna, pįnki, įra, baigù / su dainù, gamtà (RAA 82–85); skąudi, cigž̨nus, pi-nigę̇lus, laiku, su męsa, mɔkįkla, pijɔ̨kus, penki, įra, vienà / įrà, vienà, rųbus, kartų, vardų, miestè (AAT 32–42). Eine analoge Situation wird auch in den Wohnorten von Lyduokiai festgestellt, z. B.: su vir̃vi, dįki, ąinu, krųva, švięsa, ląuki, run̨ku, kįemu, žaizda, pęilu, spakąina, ąlga, dur̨na, jąuna, jauni, merga / pįnki, kartų, ąinu, un̨ksti, vardų, girtà, varksti, darbi (Markevičienė 2001: 77–86); dalįkus, ąlga, kartųs, sil̨pna, kraįčus, ver̨pju, pįnki, ąinu, bal̨sus, šeima nekalti / vaikųs, žmɔ̨gus (RAA 89–106).
Eine wesentlich komplexere Situation besteht am östlichen Rand des untersuchten Gebiets. Hier wirkt das Gesetz der bedingten Akzentzurückziehung unregelmäßig (vgl. Markevičienė 2001: 15). In den Texten aus der Umgebung von Skiemónys (343), Bálninkai (411) und Želva (449) wurden vergleichsweise viele Fälle ohne Akzentzurückziehung gefunden. Die meisten davon wurden im Dialekt von Skiemónys festgestellt, in dem die Formen, die den Akzent in der kurzen Endung bewahren, beinahe die Hälfte der möglichen Fälle ausmachen, z. B.: viena, vieni, įra, nebę̇ra, supranti, žǫdžu, tięsa, dę̇sra.s, kįemus, du kąulu, penki, žmɔ̨gus (neben žma.gąus) / ailės, marčės, ląuki, ląukus, jąuna, bąsius, vaikųs, męsa, laivù, draugės (AAT 48–61). Ähnliche Tendenzen der Akzentzurückziehung sind für Bálninkai (411) charakteristisch, z. B.: dur̃ni, valdžė, pįnkus, vardu, vienà, run̨kas, baržda / pukb̨l, pirmà, kartų, ląukus, linksmì, lintàs; Dapkūniškiai (376), z. B.: dur̨ni, valdžė, pįnkus / run̨ką; und Zibalai (448)²⁶, z. B.: grųšė, vįšne, burš̨kus, svagųnus, nąujus, dienas, vienà, biedni / šal̨ta, viršųs, vaikųs, aini, tvarkà, kalbà, kartųs, penki, šnektoms (Markevičienė 2001: 86–93, 106–109)²⁷. In den Texten der untersuchten Dialekte gibt es zahlreiche Formen mit einem „zweigipfligen“ Akzent, der sowohl Tendenzen zur Etablierung des Phänomens als auch sein ungleichmäßiges Wirken nach dem Überlappungsprinzip bezeugen kann, z. B.: kalbà, dainas, ląuki, šeimà; barždų, šeimų, sniegų, miegi, ląuki, šir̃dis, galvà, šienų; jilgà, kumpi, ląuki, ųksti, biedni u. a. (Markevičienė 2001: 87–90, 106–109).
Hinsichtlich der Intensität der Akzentzurückziehung schließt sich diesen Dialekten auch der an den Schirwintisker Subdialekt grenzende Ort Kiaukliai (477) an. Hier sind die Formen, die den Akzent
²⁶ Der Dialekt gehört zum Ort Šešuoliai.
²⁷ In einigen Texten des Ortes Bálninkai kommt auch eine recht regelmäßige Akzentzurückziehung vor, vgl.: vįšne, merga, burna, žaizda, dalįkus, rųbus (RAA 85–88). Der Text wurde von einem Vertreter der ältesten Generation vorgelegt, das Aufzeichnungsjahr ist jedoch unbekannt. Es kann nicht ausgeschlossen werden, dass er in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts aufgezeichnet wurde.
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zurückziehenden Formen sind, d. h. sie machen etwas mehr als die Hälfte der möglichen Fälle aus, z. B.: vieni, antri, vérki, maišù, viẽna, diẽnas, vìlkus / pirmà, aišù, gíržù, láukė (RAA 112–123). Beachtenswert ist, dass in den während des Untersuchungszeitraums in diesen Gegenden aufgezeichneten Texten weniger akzentzurückziehende Formen gefunden wurden als in den handschriftlichen Quellen aus den 1960er–1970er Jahren (siehe Abb. 1).
Auch in der Umgebung von Žélva (449) besteht die Tendenz, den Akzent regelmäßiger von der kurzen Endung auf die vorletzte lange Silbe zurückzuziehen. In diesem Dialekt unterscheiden sich die Tendenzen der Akzentzurückziehung im Wesentlichen nicht von denen des benachbarten Ortes Kiaukliai (477). In den zum Ort Žélva gehörenden Siedlungen sind ebenfalls die akzentzurückziehenden Formen stärker verbreitet, z. B.: viẽni, biẽdni, žmõ·na, nelaĩku, su bizù·nu, paliẽku, kártù, diẽnas / vaĩkù(s), maišùs, durnà, jáunà, baĩgù (Markevičienė 2001: 98–102); pìnkì, diẽnas, dùrni, láuki / vaĩkùs, bandà (RAA 107–111).
Die Texte von Vertretern der mittleren und der jüngsten Generation lassen an der Beständigkeit des Gesetzes der Akzentzurückziehung im südlichen Teil des anykštėnai-Gebiets zweifeln. In den zu Beginn des 21. Jahrhunderts in den Dialekten von Skiemónys (343) und Kurkliai (341) aufgezeichneten Erzählungen sind vermutlich eher Tendenzen der kolonaren Akzentuierung als der Akzentzurückziehung belegt, z. B.: mkì klà, žõ·džù, miẽsti, suvogù·nus, blì·nus, klõldù·nus, diẽna, šõ·kus / vaĩkùs, i rà, šáulùs, rankà, vė̃iklà, šventės, šeimàs, láukė, kalnė, penkì u. a. (AAT 43–47, 62–66). Zumal der Stammakzent eher auf der vorletzten Silbe der Wörter verallgemeinert wird, deren Grundlage lange Vokale oder die Monophthonge ie, uo²⁸ bilden. Diese Tendenz ist auch im südlichen Teil des anykštėnai-Subdialekts festzustellen. Zahlreiche derartige Gebrauchsbelege wurden beispielsweise in den Texten von Vertretern der ältesten Generation des Dialekts von Žibalai (448) gefunden, vgl.: grù·še, vì·šne, bur·kus, svagù·nus, naũjus, diẽnas, viẽna, biẽdni / šaltà, viršùs, vaĩkùs, aĩni, tvarkà, kalbà, kartùs, penkì. Dass die im Stamm akzentuierten Formen mit einem morphophonologischen Ausgleich der Akzentparadigmen (kolonarer Akzentuierung) verbunden sein können, zeigt noch ein weiterer Umstand. Im südlichen Teil des anykštėnai-Gebiets besteht die Tendenz, die Formen des Singular-Instrumentals und des Plural-Akkusativs akuter Stämme in der Endung zu akzentuieren, z. B.: vẽ·žù, vì·rù, lungùs, šõ·nùs, vì·rùs u. a. (Markevičienė 2001: 16). Ihr Vorhandensein kann auf die Herausbildung des zweiten Mitglieds des Akzentmodells – des Endungstyps – hindeuten (Ragaišienė 2016: 163). Verständlicherweise lässt sich nicht zuverlässig feststellen, welche Fälle mit der Akzentzurückziehung verbunden sind und welche infolge der Herausbildung des kolonaren Akzents entstanden sind. Mit dem kolonaren Akzentuierungstyp ist vermutlich zunächst der Stammakzent der Formen verbunden, deren Silbenbasis aus kurzen Vokalen besteht, z. B.: cepelìnus, su ma.mù·ti, sežù·ni u. a. (AAT 18). Zweifellos hängen beide Phänomene miteinander zusammen und wirken vermutlich nach dem Überlappungsprinzip.
28 Das Modell zweier Akzentuierungstypen – des kolonaren und des endungsbezogenen – setzt sich in den Akzent nicht zurückziehenden südauschaitischen, ostaukštaitischen vilniškiai- und anderen aukštaitischen Subdialekten zunehmend durch (Grumadienė 1994: 104; Mikulenienė 1994: 104; Urbanavičienė 2010: 177; Ragaišienė 2016: 163; 2019: 11).
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VILIJА RAGĂIŠIENĖ
Zusammenfassend lässt sich feststellen, dass das Quellenmaterial vom Ende des 20. bis zum Beginn des 21. Jahrhunderts Veränderungen der Akzentzurückziehung als Phänomen im Gebiet des anykštėnai-Subdialekts bezeugt. Am westlichen Rand des Gebiets (im Areal Anykščiai–Kurkliai–Lyduokiai) wird der Akzent recht regelmäßig von der kurzen Endsilbe auf die vorangehende lange Silbe zurückgezogen; am östlichen Rand (im Areal Svėdasai–Skiemónys–Bálninkai–Kiaukliai) gibt es zahlreiche Formen, die den Akzent in der kurzen Endung bewahren.
ZUSAMMENFASSUNG
Die vergleichende Analyse der Texte von A. Baranauskas aus der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts, der Beschreibungen der dialektalen Merkmale der Subdialekte aus den 1960er–1970er Jahren und der Quellen vom Ende des 20. bis zum Beginn des 21. Jahrhunderts zeigt die Entwicklung der Herausbildung der Akzentzurückziehung im ostaukštaitischen anykštėnai-Subdialekt und offenbart die im Untersuchungszeitraum ablaufenden Veränderungsprozesse dieses Phänomens. Das intensivere Gesetz der bedingten Akzentzurückziehung begann sich im anykštėnai-Subdialekt vergleichsweise spät herauszubilden und entwickelte sich ungleichmäßig – im nördlichen Teil des Gebiets setzte es sich nicht früher als in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts durch, im südlichen Areal ist es bis heute unregelmäßig und als noch im Entstehen begriffen zu bewerten. Die durchgeführte Untersuchung stützt die gegenwärtige Theorie zur Herkunft der litauischen Dialekte, der zufolge die Veränderungen, darunter auch die Akzentzurückziehung, von Norden nach Süden verliefen. Die Daten des anykštėnai-Subdialekts stützen die Annahme, dass sich die innovative Welle der Akzentzurückziehung in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts aus dem nördlichen Teil, in dem sie ziemlich regelmäßig war, in Richtung des östlichen Randes bewegte. Es kann nicht ausgeschlossen werden, dass die Herausbildung der Akzentzurückziehung im anykštėnai-Subdialekt erheblich durch ein Selonisches Substrat beeinflusst worden sein könnte (Zinkevičius 2006: 30, 73).
In den untersuchten Quellen des anykštėnai-Subdialekts wird der Akzent von der kurzen Endung sowohl auf eine vorangehende akute als auch auf eine zirkumflektierte Silbe zurückgezogen. Die Intonation des zurückgezogenen Akzents langer Silben ist stoßend (vgl.: Kazlauskas 1968: 26; Ragăišienė 2018: 187).
Die Akzentzurückziehung kann, wenn auch indirekt, auch mit dem morphophonologischen Ausgleich des Akzentparadigmas, d. h. mit der Herausbildung des kolonaren Akzentuierungstyps, verbunden sein. Dafür sprechen zwei Dinge: 1) Der Akzent wird in den Formen des Singular-Instrumentals und des Plural-Akkusativs häufiger zurückgezogen; 2) im gesamten Gebiet des Subdialekts wird der Akzent recht regelmäßig von der kurzen Endung auf die vorletzte Silbe zurückgezogen, deren Grundlage lange Vokale und die Monophthonge ie, uo bilden. Es ist wahrscheinlich, dass beide Phänomene – Akzentzurückziehung und kolonarer Akzent – miteinander verbunden sind und nach dem Überlappungsprinzip wirken können.
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Kirčio atitraukimas rytų aukštaičių anykštėnų patarmės tekstuose
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VILIJA RAGAIŠIENĖ
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Acta Linguistica Lithuanica LXXXIII
Kirčio atitraukimas rytų aukštaičių anykštėnų patarmės tekstuose
ANHANG. Handschriftliche Quellen des anykštėnai-Subdialekts im Dialektarchiv
Bezeichnung des LKA-Ortes (Nummer) Bezeichnung des untersuchten Ortes29 Untersuchungsjahr, Aufzeichner, Registrierungsnummer der Quelle Rybokai (146) Rybokai, Miesteliškės, Kreis Rokiškis 1956, E. Grinaveckienė, D. Gargaitė, Reg.-Nr. 279 Verksnionys (208) Verksnionys, Kreis Rokiškis 1954, V. Valunta, Reg.-Nr. 208 Švėdasai (239) Švėdasai, Kreis Anykščiai 1954, V. Valunta, Reg.-Nr. 195 Rukiškis (270) Surdegis, Kreis Troškūnai 1957, A. Kratulis, Reg.-Nr. 393 Andrioniškis (272) Andrioniškis, Kreis Anykščiai 1956, J. Subačiūtė, Reg.-Nr. 310 Andrioniškis (272a) Ramaškonys, Kreis Anykščiai 1964, J. Kaušpėdas, A. Kairytė, Reg.-Nr. 827 Mičionys (273) Mičionys, Kreis Anykščiai 1954, V. Valunta, Reg.-Nr. 205 Anykščiai (305) Liudiškiai, Kreis Anykščiai 1956, A. Satkūnaitė, D. Vytenaitė, Reg.-Nr. 328 Anykščiai (305a) Dabužiai, Kreis Anykščiai 1964, G. Jurkūnaitė, R. Venckutė, Reg.-Nr. 828 Kurkliai (341) Kurkliai, Kreis Kovarskas 1956, S. Grytė, Reg.-Nr. 317 Kurkliai (341a) Kurkleliai, Kreis Anykščiai 1964, N. Kačiುವsyತė, L. Urbutytė, Reg.-Nr. 829 Rubikiai (342) Rubikiai, Kreis Anykščiai 1956, D. Trumpickas, Reg.-Nr. 313 Rubikiai (342a) Mažeikiškiai, Kreis Anykščiai 1956, M. Naginionytė, G. Kalinskaitė, Reg.-Nr. 314 Skiemоnys (343) Skiemоnys, Kreis Anykščiai 1956, D. Drakickaitė, G. Drakickaitė, Reg.-Nr. 315 Knitiškiai (375) Knitiškiai, Kreis Kovarskas 1957, S. Jurevičius, A. Vyšniauskas, Reg.-Nr. 396 Dapkūniškiai (376) Dapkūniškiai, Kreis Kovarskas 1956, G. Leščūtė, Reg.-Nr. 318 Lyduokiai (410) Lyduokiai, Kreis Ukmergė 1957, V. Gaškaitė, A. Trečiokaitė, Reg.-Nr. 374 Lyduokiai (410a) Kunigiškiai, Kreis Anykščiai; Žemaitkiemis, Kreis Ukmergė 1964, D. Mielytė, R. Stankaitė, V. Čelutkaitė, Reg.-Nr. 831 Balninkai (411) Balninkai, Kreis Kovarskas 1956, Martikonytė, Reg.-Nr. 319 Juodausiai (447) Juodausiai, Kreis Ukmergė 1959, Z. Zinkevičius, Reg.-Nr. 566 Šešuoliai (448) Šešuoliai, Kreis Ukmergė 1957, O. Sedelskytė, A. Bagočiūnaitė, Reg.-Nr. 349 Želva (449) Želva, Kreis Ukmergė 1957, O. Sedelskytė, A. Bagočiūnaitė, Reg.-Nr. 350 Kiaukliai (477) Kiaukliai, Kreis Širvintos 1957, O. Sedelskytė, A. Bagočiūnaitė, Reg.-Nr. 348
29 Die Bezeichnung des untersuchten Ortes ist so angegeben, wie sie im Quellenregistrierungsbuch und in der Quelle vorgelegt ist.
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VILIJA RAGAIŠIENĖ
Akzentzurückziehung in den Texten des ostaukštaitischen anykštėnai-Subdialekts
ZUSAMMENFASSUNG
Auf der Grundlage schriftlicher Quellen aus den 1860er–1880er Jahren bis zum Beginn des 21.st Jahrhunderts analysiert der Beitrag die Erscheinungen der Akzentzurückziehung im ostaukštaitischen anykštėnai-Subdialekt. Ziel der Untersuchung ist es, die Herausbildung der Akzentzurückziehung im anykštėnai-Subdialekt möglichst ausführlich zu beschreiben, die in einem bestimmten Zeitraum wirksamen Gesetzmäßigkeiten der Akzentzurückziehung zu erörtern und ihre areale Verbreitung im Gebiet des Subdialekts aufzuzeigen.
Die vergleichende Analyse der Quellen aus Zeiträumen, die mehr als ein Jahrhundert auseinanderliegen, zeigt die Herausbildung der Akzentzurückziehung im ostaukštaitischen anykštėnai-Subdialekt und offenbart die Veränderungsprozesse dieses Phänomens im untersuchten Zeitraum. Die verfügbaren Daten zeigen, dass sich ein intensiveres Gesetz der Akzentzurückziehung im anykštėnai-Subdialekt vergleichsweise spät herauszubilden begann und seine Entwicklung nicht gleichmäßig verlief – im nördlichen Teil des Gebiets setzte es sich nicht früher als in der zweiten Hälfte des 20.th Jahrhunderts durch; im südlichen Areal ist es dagegen weiterhin unregelmäßig und wird als noch im Entstehen begriffen verstanden. Diese Untersuchung stützt die gegenwärtige Theorie zur Herkunft der litauischen Dialekte, der zufolge die Veränderungen, einschließlich der Akzentzurückziehung, von Norden nach Süden verliefen. Die Daten des anykštėnai-Subdialekts stützen die Annahme, dass sich die innovative Welle der Akzentzurückziehung in der zweiten Hälfte des 19.th Jahrhunderts aus dem Norden, wo sie ziemlich regelmäßig war, in Richtung der östlichen Grenze bewegte.
Die Akzentzurückziehung kann mit dem morphologischen Ausgleich des Akzentparadigmas, d. h. mit der Herausbildung einer kolumnaren (festen) Akzentuierung, zusammenhängen. Dies wird durch zwei Aspekte belegt. Erstens wird der Akzent häufiger in den Formen des Singular-Instrumentals und des Plural-Akkusativs zurückgezogen. Zweitens wird der Akzent im gesamten Gebiet des Subdialekts relativ regelmäßig von der kurzen Endung auf die vorletzte Silbe zurückgezogen, die durch lange Vokale und die Monophthonge ie, uo gebildet wird. Es ist wahrscheinlich, dass beide Phänomene – Akzentzurückziehung und kolumnarer Akzent – miteinander verbunden sind und das Prinzip des Überlappungswirkens zeigen können.
Eingereicht am 19. November 2020.
VILIJA RAGAIŠIENĖ
Institut für Litauische Sprache
Petro Vileišio g. 5, LT–10308 Vilnius, Litauen
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