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Dėl kaimo vardo „Ývoliai“ kilmės

Laimutis Bilkis

Abstract

    Remiantis gyvosios kalbos ir istorijos šaltinių duomenų analize straipsnyje išsamiai aptariama Kelmės r. Kražių seniūnijoje esančio kaimo vardo Ývoliai kilmė ir raida. Apžvelgus oikonimo užrašymus iš gyvosios kalbos, įvertinus jų patikimumą daroma išvada, kad vardo forma su ilguoju balsiu žodžio pradžioje yra autentiška. Aptariant oikonimo vartoseną istorijos šaltiniuose daugiausia dėmesio skiriama Kražių parapijos 1656–1672 m. krikšto metrikų knygos, kurioje šis vardas paminėtas pirmą kartą, įrašų analizei. Siekiant respektuoti ne tik vardo, bet ir juo vadinamos gyvenvietės istoriją, pateikiamas ir toponiminis, ir antroponiminis istorinių užrašymų kontekstas: išsamiai apžvelgiami kaimo bei jo gyventojų paminėjimai, atskleidžiami užrašytų žmonių tarpusavio ryšiai. Nustačius, kad Yvolių kaime ir jo apylinkėse XVII a. II pusėje būta asmenvardžio *Yvolis (Iwolis, Iwolowa, Iwołayte, Iwalowa, Iwołaytis, Iwoliene, Iwalowna), daroma išvada, jog oikonimas neabejotinai yra asmenvardinės kilmės.

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LAIMUTIS BILKIS Institut für Litauische Sprache ORCID id: orcid.org/0000-0002-2902-4722 Forschungsgebiete: Toponymik, Anthroponymik. DOI: doi.org/10.35321/all83-08 ZUR HERKUNFT DES DORFNAMENS ÝVOLIAI Zur Herkunft des Dorfnamens Ývoliai ABSTRAKT Auf der Grundlage der Analyse von Daten aus der gesprochenen Sprache und historischen Quellen werden im Beitrag die Herkunft und Entwicklung des Namens des im Amtsbezirk Kražiai im Rajon Kelmė gelegenen Dorfes Ývoliai ausführlich erörtert. Nach einer Übersicht der Aufzeichnungen des Oikonyms aus der gesprochenen Sprache und einer Bewertung ihrer Zuverlässigkeit wird der Schluss gezogen, dass die Namensform mit einem langen Vokal am Wortanfang authentisch ist. Bei der Erörterung des Gebrauchs des Oikonyms in historischen Quellen gilt das Hauptaugenmerk der Analyse der Einträge im Taufregisterbuch der Pfarrei Kražiai aus den Jahren 1656–1672, in dem dieser Name erstmals erwähnt wird. Um nicht nur der Geschichte des Namens, sondern auch der Geschichte der von ihm bezeichneten Siedlung gerecht zu werden, wird sowohl der toponymische als auch der anthroponymische Kontext der historischen Aufzeichnungen dargestellt: Die Erwähnungen des Dorfes und seiner Bewohner werden ausführlich behandelt und die Beziehungen zwischen den aufgezeichneten Personen offengelegt. Nachdem festgestellt wurde, dass es im Dorf Ývoliai und seiner Umgebung in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts den Personennamen *Yvolis (Ivolis, Iwolowa, Iwolayte, Iwalowa, Iwolaytis, Iwoliene, Iwalwona) gab, wird der Schluss gezogen, dass das Oikonym zweifellos anthroponymischen Ursprungs ist. SCHLÜSSELWÖRTER: historische Toponymik, historische Anthroponymik, Entwicklung der Oikonyme, Herkunft der Oikonyme, historische Aufzeichnungen von Onymen. ANNOTATION Auf der Grundlage der Analyse der Daten aus der gesprochenen Sprache und historischen Quellen bietet der Beitrag eine umfassende Erörterung der Herkunft und Entwicklung des Namens des Dorfes Ývoliai, das im Amtsbezirk Kražiai im Rajon Kelmė liegt. Nach der Durchsicht der Aufzeichnungen des Oikonyms aus der gesprochenen Sprache und der Bewertung ihrer Zuverlässigkeit wird der Schluss gezogen, dass die Namensform mit einem langen Vokal am Wortanfang authentisch ist. Bei der Erörterung des Gebrauchs des Oikonyms in historischen Quellen gilt das Hauptaugenmerk der Analyse der Einträge im Taufregisterbuch der Pfarrei Kražiai 178 Acta Linguistica Lithuanica LXXXIII Zur Herkunft des Dorfnamens Įvoliai aus den Jahren 1656–1672, in dem dieser Name erstmals erwähnt wurde. Um die Geschichte sowohl des Namens als auch der von ihm bezeichneten Siedlung zu erfassen, wird der toponymische und anthroponymische Kontext der historischen Aufzeichnungen dargestellt: Die Erwähnungen des Dorfes und seiner Bewohner werden eingehend untersucht; die Beziehungen der aufgezeichneten Personen werden offengelegt. Da festgestellt wurde, dass der Personenname *Yvolis (Iuolis, Iwolowa, Iwolayte, Iwalowa, Iwołaytis, Iwoliene, Iwalowna) in der zweiten Hälfte des 17th. Jahrhunderts tatsächlich im Dorf Yvoliai und seiner Umgebung existierte, wird der Schluss gezogen, dass das Oikonym eindeutig anthroponymischen Ursprungs ist. SCHLÜSSELWÖRTER: historische Toponymie, historische Anthroponymie, Entwicklung der Oikonyme, Herkunft der Oikonyme, historische Aufzeichnungen von Onymen. Das als Yvoliai bezeichnete Dorf liegt heute im Gebiet des Amtsbezirks Kražiai im Rajon Kelmė; früher gehörte es zum Amtsbezirk Kražiai im Kreis Raseiniai. Über die Herkunft dieses Namens und die Geschichte der von ihm bezeichneten Siedlung konnten keine Untersuchungen gefunden werden. Die Struktur1 und Herkunft des Ortsnamens sind auf den ersten Blick nicht klar und lassen sich ohne eine detailliertere sprachliche und historische Analyse nicht erschließen. Daher besteht das Ziel des Beitrags darin, die Merkmale der historischen Entwicklung dieses Oikonyms sowie die wahrscheinlichste Herkunftsquelle zu bestimmen. Dafür muss der historische Kontext berücksichtigt werden, d. h. die Erwähnungen (Aufzeichnungen) der Siedlung und ihres Namens in historischen Dokumenten sind zu analysieren, wobei nicht nur der toponymische, sondern auch der anthroponymische Aspekt der historischen Aufzeichnungen zu beachten ist. Ebenso ist die Entwicklung des Namensgebrauchs in der gesprochenen Sprache und in normativen Quellen zu untersuchen und zugleich seine tatsächliche, authentische Form zu bestimmen. Als erste Aufzeichnung des Oikonyms aus der gesprochenen Sprache gilt die von Juozas Tumas-Vaižgantas im Jahr 1904 ohne Akzentzeichen aufgezeichnete Namensform des Dorfes in der Pfarrei Pašilė: Ivoliai (Vaiszgantas 1904: 56). Die Authentizität des anlautenden I ist hier zweifelhaft, da beispielsweise auch die Oikonyme Ylakiai, Ylakaičiai von Vaižgantas als Ilakiai, Ilakaičiai aufgezeichnet wurden (S. 52). Nach der Volkszählung von 1923 wurde in dem 1925 herausgegebenen Verzeichnis der litauischen Wohnplätze für das zum Amtsbezirk Kražiai im Kreis Raseiniai gehörende Dorf Ivalių km² angegeben (LAV 211). Im Jahr 1935 wurde ein Fragebogen zum Flurnamenverzeichnis dieses Dorfes erstellt, in dem selbstverständlich auch der Name der Siedlung selbst aufgezeichnet wurde. Die Ortsnamen wurden von dem Lehrer der Grundschule Karklėnai, Antanas Tamošiūnas, nach den Angaben des Ortsbewohners Jonas Balsys erfasst. Es ist anzumerken, dass die Ortsnamen im Fragebogen sehr fachkundig aufgezeichnet und die Akzente unter klarer Unterscheidung der Intonationen angegeben wurden3. Der Dorfname wird mit einem langen Vokal am Wortanfang und einer Zirkumflexintonation angegeben: Įvoliai. Etwa zur gleichen Zeit wurden die Namen der Siedlungen 1 In einer Karteikarte der Kartei der Ortsnamen der gesprochenen Sprache wird sogar angezweifelt, wie der Dorfname geschrieben werden sollte – Yvoliai oder Įvoliai. 2 Nach den Daten von 1923 gab es im Dorf 3 Gehöfte und 23 Einwohner. 3 Vgl. die aufgezeichneten Ortsnamen Atkračičiai, Gliminės, Šūnpakausis. Straipsniai / Articles 179 LAIMUTIS BILKIS wurde von der von den Sprachwissenschaftlern Antanas Salys und später Juozas Balčikonis geleiteten Kommission für Familien- und Ortsnamen bearbeitet. In den von ihr zusammengestellten Akten stimmen die Form des Dorfnamens und die Betonungsstelle mit den Daten der Fragebögen des Flurnamenverzeichnisses überein; hier ist lediglich die für die Žemaiten charakteristische gebrochene Intonation vermerkt, die der akutierten Grundintonation entspricht: Ĩvoliai (VB III 47). Bei der Bearbeitung der Ortsnamen nach dem Krieg setzte sich aus unbekannten Gründen die Variante des Dorfnamens mit Zirkumflexintonation durch – Ĩvoliai (LATSŽ II 100). Bei der Übersicht über die Daten des lebendigen Gebrauchs des Oikonyms und die Geschichte seiner Normierung lässt sich feststellen, dass die gegenwärtige Form mit dem langen Vokal am Wortanfang Yvoliai authentisch ist, da sie durch die der gesprochenen Sprache am engsten verbundenen Quellen der Zwischenkriegszeit belegt wird – die Fragebögen des litauischen Flurnamenverzeichnisses sowie die Akten der Kommission für Familien- und Ortsnamen. Etwas unklar ist die Intonation; die Daten der Zwischenkriegszeit lassen jedoch an der Authentizität des in der normativen Quelle der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts aufgetretenen Zirkumflexes zweifeln. Die Analyse der historischen Quellen ermöglicht die Feststellung, dass Yvoliai keine sehr alte Siedlung ist; sie wird in deutschen Chroniken und alten Gutsinventaren nicht erwähnt. Die ersten Aufzeichnungen stammen aus der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts. Zumindest vorläufig kann festgestellt werden, dass das Dorf erstmals 1661 erwähnt wurde. Im Taufregister der Pfarrei Kražiai aus den Jahren 1656–1672 ist die in Yvoliai lebende Taufpatin Elżbieta Litwinienė (Elisabeth Litwinowa de Villa Iwole) verzeichnet, die gemeinsam mit Kazimieras Stanėvičius (Casimirus Staniewicz) aus dem Dorf Paalksniai⁴ die Tochter Ona (Annam) der dort lebenden Bartholomäus Petraitis und seiner Ehefrau Kristina (Bartholomei Petraytis et Cristina de Paalksnie) taufen ließ (KržKr₁ 83). Danach wird das Dorf in diesem Taufregister recht häufig erwähnt. Im Jahr 1662 wurde vermerkt, dass der Einwohner von Karklėnai, Jonas Litvinas (Joannes Litwinis de Korklany), und eine als Magdalena Iwolowa bezeichnete Frau, die in Yvoliai lebt (de Iwole), Kristoforas (Christophorus), den Sohn von Laurencius Bukančius und Ona Jurgaitė aus Karklėnai (Laurenty Butantis⁶ et Anna Jurgayte de Korklany), taufen ließen (KržKr₁ 89). Im selben Jahr wurden die in Yvoliai lebenden Eltern Jonas Stanislovaitis und seine Ehefrau Elžbieta (Joannis Stanisłowaytis et Elisabetha de Iwole) sowie die Paten ihres Sohnes Andriejus (Andream), Jonas Laurinaitis aus dem Dorf Ejučiai⁷ und Ona Yvolaitė aus Yvoliai (Joannes Laurinaytis de Eiucie cum Anna Iwotayte de Iwole), verzeichnet (KržKr₁ 94). 1663 werden die in Yvoliai lebenden Kazimieras Yvolis und seine Ehefrau Magdalena (Casimiri Iwolis et Magdalena de Iwole) erwähnt; ihren Sohn Motiejus (Mathias) ließen Stanislovas Kantauškis und Barbora Stanislovaitė aus Karklėnai (Stanislaus Kantowski de Korklany cum ⁴ Paalksniai – ein Dorf im Amtsbezirk Kražiai des Rajons Kelmė. ⁵ Karklėnai – ein Städtchen im Amtsbezirk Kražiai des Rajons Kelmė. ⁶ Im Buch ist der Personenname Butantis eindeutig geschrieben; vermutlich ist er eine vom Schreiber entstellte Form von Bukantis. ⁷ Ejučiai – ein Dorf im Amtsbezirk Kražiai des Rajons Kelmė. 180 Acta Linguistica Lithuanica LXXXIII Zur Herkunft des Dorfnamens Ývoliai Barbara Stanisłowayte) (KržKr₁ 98). Diese Siedlung ist auch für das Jahr 1664 belegt: Damals ließen die in Karklėnai lebenden Jurgis Yvolaitis und Elisabeth Kantauskaitė (Georgio Iwolaytis de Korklany cum Elisabetha Kantawskyte) Kazimieras (Casimirus), den Sohn von Kazimieras Jonaitis und Kotryna Kidikaitė aus Yvoliai (Casimiri Jonaytis et Catharina Kidikayte de Iwole), taufen (KržKr₁ 111). 1668 werden Yvoliai mit der dort lebenden Barbora Mikolaitė (Barbara Mikolayte de Iwolis) erwähnt, deren Sohn Stanislovas (Stanislaus) von dem in Kražiai lebenden Martynas Burokas und Magdalena Budrevičaitė⁸ (Martinus Burak cum Magdalena Budrewiczowna Crosentes) getauft wurde (KržKr₁ 172). Im späteren Kirchenbuch der Pfarrei Kražiai, das Tauf- und Trauungseinträge aus den Jahren 1680–1737 umfasst, wird Yvoliai ebenfalls vielfach erwähnt. 1691 ist der Einwohner von Yvoliai Jonas Milius (Joanᵉs Milus de Iwole) verzeichnet, der Kotryna (Catharina), die Tochter von Kristoforas Milius und Marijona Mažrymaitė aus dem Dorf Klibaliai⁹ (Christophori Milus de Klibale et Mariana Mažrymayte), taufte (KržKr₁₁₁ 15). 1720 ist als Patin des Sohnes Stanislovas (Stanislaus) von Grigorijus Šurpickis und Agota Burtynaitė, die in Yvoliai lebten (Gregory Szurpick y et Agatha Burtynowna de Iwolis), ebenfalls die Einwohnerin dieses Dorfes Marijona Bargailienė (Mariana Bargaytowa de Iwolis) angegeben (KržKr₁₁ 25). Im Buch von 1721 ist die Eheschließung des Einwohners von Yvoliai Simonas Liplevičius (Simon Liplewicz de Iwole) mit Barbora Milinovičaitė aus dem Dorf Kupšeliai¹⁰ (Barbara Milinowiczowna de Kupszczeliszki) festgehalten (KržKr₁₁ 169). 1722 sind die in Yvoliai lebenden Eltern Kristoforas Šorpickis und Agota Leplinaitė (Christophori Szorpicki¹¹ et Agatha Leplinowna de Iwole) sowie die Taufpaten Jonas Jalvanovskis¹² und Kotryna Rutkovska (Joannes Jalwanowski cum Catharina Rutkowska) verzeichnet (KržKr₁₁ 45); außerdem die Eltern Danilas Kitas und Parasi ja Kitkovna sowie die Taufpaten Romanas Oferovskis und Ona Bargailienė (Danilo Kitał et Parasia Kitkowuna <...> Romanus Oferowski cum Anna Bargayłowa de Iwole) (KržKr₁₁ 46). Im weiteren Verlauf des Buches sind folgende Oikonyme und Bewohnerbezeichnungen belegt: die Eltern Eustochim Łukaszow et Mariana Bobrowska, die Paten Petrus Jakubowski cum Anna Ignatowiczowna de Iwol im Jahr 1723 (KržKr₁₁ 50); ⁸ Bei der Rekonstruktion litauischer Familiennamen unverheirateter Frauen wird im Beitrag nicht den Daten der Standardsprache, sondern denen des Dialekts Rechnung getragen. Im südschemaitischen Varietät von Varniai wird an einen Vaternamen beliebiger Endung das Suffix -aitė angefügt (vgl. LKA III 120, Karte Nr. 112). Diese Verwendung wird auch durch die Daten der untersuchten Quellen belegt, vgl. die Familiennamen unverheirateter Frauen Jurgayte, Iwolayte, Kantawskayte. Daher werden die Familiennamen durch Anfügung dieses Suffixes rekonstruiert und nicht durch die in der Standardsprache festgelegten Suffixe -ytė, -(i)ūtė. ⁹ Klibaliai – ein Dorf im Amtsbezirk Kražiai, Rajon Kelmė. ¹⁰ Kupšeliai – ein Dorf im Amtsbezirk Kražiai, Rajon Kelmė.. ¹¹ Der Personenname Szorpicki und das im selben Yvoliai im Jahr 1720 aufgezeichnete Szurpick y sind offenbar graphische Varianten. ¹² Die Authentizität dieses Personennamens ist zweifelhaft, da er im Buch sehr undeutlich aufgezeichnet ist. Straipsniai / Articles 181 LAIMUTIS BILKIS die Eltern Joannis Bordasow et Catharina Akionka¹³ de Iwole im Jahr 1723 (KržKrᵢₙₙ 54); der Zeuge Audagin Łukcho de Iwola im Jahr 1724 (KržKrᵢₙₙ 176); Ehemann und Ehefrau Constanting Arasimow cum Añ’a Zakrzewska de Iwole im Jahr 1729 (KržKrᵢₙₙ 182); die Eltern Antony Zakrzewski et Anna Zakrzewska de Iwole im Jahr 1730 (KržKrᵢₙₙ 118); die Eltern Cõ̃stanti Audachim, Añ’a Zacherewska De Sywoli im Jahr 1730 (KržKrᵢₙₙ 119); die Eltern Casimirus Zakrowski et Anna Szantarskouna De Iwale, die Taufpatin Anna Karbowska De Iwaliszki im Jahr 1731 (KržKrᵢₙₙ 121); der Taufpate Matthias Anaszko de Iwola im Jahr 1732 (KržKrᵢₙₙ 129). Das Dorf Yvoliai wird auch in den späteren kirchlichen Dokumenten der Pfarrei Kražiai kontinuierlich erwähnt. So sind beispielsweise im Taufregisterbuch von 1736–1748 für das Jahr 1744 die in diesem Dorf lebenden Eltern Jurgis Milinavičius und seine Frau Kristina (Georgio Milinowicz et Christiña <…> de Iwole) sowie die Taufpatin Marijona Jakimaitė (Marianna Jakimowna de Iwole) verzeichnet (KržKrₙₙ 106). In der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts wird Yvoliai in den Dokumenten der Kirche von Karklėnai erwähnt, die damals eine Filiale der Pfarrei Pašilė war. Im Taufregisterbuch von 1816–1829 finden sich folgende Einträge: Josepho Toluszewicz matre Ursula de Domo Kurpowiczowna de Villa Iwole aus dem Jahr 1817 (KrklKrᵢ 3), Antonio Toluszew⁽?⁾, Jōhana Łukszowna de Villa Iwole aus dem Jahr 1818 (KrklKrᵢ 7) und andere. In einem etwas späteren Taufregisterbuch der Kirche von Karklėnai ist das Dorf Yvoliai im Lokativ aufgezeichnet: We wsi Iwołach im Jahr 1828 (KrklKrₙₙ 2). Das Dorf und sein Name wurden Mitte des 19. Jahrhunderts auch in anderen (nichtkirchlichen) Quellen mit lateinischen und slawischen Schriftzeichen aufgezeichnet: Иволе im Jahr 1845 (PašPS 5), Iwole im Jahr 1854 (Hołowiński 1854). Die Analyse der historischen Quellen ermöglicht die Unterscheidung mehrerer in ihnen verwendeter Varianten des Oikonyms Yvoliai. Am häufigsten ist de Iwole (de Iwole, Иволе) aufgezeichnet. Daneben kommen die Formen de Iwolis, de Iwol, De Sywoli, de Iwola, De Iwale, De Iwaliszki, We wsi Iwołach vor. Zunächst ist darauf hinzuweisen, dass in keinem Fall, mit Ausnahme der atypischen Form de Sywoli, der lange Vokal am Wortanfang wiedergegeben wird. Dies kann jedoch kein Grund sein, an der Authentizität des in der gesprochenen Sprache verwendeten Namens Yvoliai zu zweifeln, da in nichtlitauischen Quellen sehr häufig i anstelle von y geschrieben wird, vgl. Iłłakaycie 1699, 1700 (YlJn 35) (= Yłakaīčiai¹⁴), de Iłakiow 1682, de Iłłoki 1688, 1689, 1699, 1702, 1703, de Iłoki 1682, de Iłłoki 1689, de Iłłokie 1698, 1699, de Iłłokif 1688, de iłokif 1677, de jłłokif 1678 (YlJn 2, 4, 10, 21, 22, 24, 34, 35, 38, 39), de ilocis, de Iłakiow 1713, de Iłakif, Iłłocis 1716, de Iłłocis 1718, 1720, de Iłłoki 1720, de Iłoki 1716, de Iłłokie 1719, de Iłłokie 1719, de Iłłokis 1718 (YlKr ¹³ Der Personenname ist undeutlich aufgezeichnet, daher ist die im Beitrag angegebene Form zweifelhaft. ¹⁴ Yłakaīčiai – ein Dorf im Rajon Skuodas, Amtsbezirk Ylakiai. 182 Acta Linguistica Lithuanica LXXXIII Zur Herkunft des Dorfnamens Yvoliai 23, 24, 51, 56, 57, 59, 60, 73, 76, 84, 85, 87) (= Ylakiai¹⁵), Iniszki 1854 (Hołowiński 1854), Mhuuku 1892 (KnGGS 148) (= Yniškės¹⁶). Dass in den in nichtlitauischen historischen Quellen aufgezeichneten Ortsnamen lange und kurze Vokale [i̯] und [i] nicht unterschieden werden, wird auch von anderen Forschern des litauischen Namensguts festgestellt (vgl. Gar­liauskas 1998: 184). Das e am Wortende (Iwole, Jwole, Iwale) und das a nach einem palatalisierten polnischen Konsonanten¹⁷ (Iwola) spiegeln höchstwahrscheinlich die für die Žemaiten typische Monophthongierung der Endung –iai (–ei) wider, d. h. ihre Umsetzung als [e]. Solche Fälle sind in der historischen Oikonymie der Žemaiten recht zahlreich belegt, vgl. de Brukale (= Brukaliai), de kule (= Kuliai), de Rezgale (= Rezgaliai), ex Stanele (= Stanėliai) und andere (vgl. Gar­liauskas 1998: 175), ze wsią Giwole 1777 (= Gyvoliai¹⁸) (IVK). Die einmal aufgezeichnete Form de Iwolis ist offenbar latinisiert und entspricht dem Ablativ Plural. Dies ist besonders wahrscheinlich, weil der Quellentext in lateinischer Sprache verfasst ist¹⁹. Die Aufzeichnung De Iwale steht höchstwahrscheinlich mit der Polonisierung litauischer Ortsnamen in Zusammenhang, bei der der lange [o̯] (hier unbetont) durch den Buchstaben a bezeichnet wird; vgl. die historischen Oikonyme der Pfarrei Puńsk vom Ende des 17. und Anfang des 18. Jahrhunderts Furrmaniszki (= Fūrmoniškės), Jawoyszany, Jawoyszane (= Jova­iš­ėnys) (Palionis 2008, 193, 194), ferner die Aufzeichnungen Гувалу von 1865 und 1892 (= Gyvoliai) (IVK). Die 1723 angegebene endungslose Form de Iwol ist möglicherweise nach der Analogie des polnischen Genitivs Plural der sächlichen Substantive mit der Nominativ-Pluralendung –a nach einem palatalisierten Konsonanten entstanden: Nom. Pl. Iwola → Gen. Pl. Iwol²⁰. Die in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts aufgezeichnete Form We usi Iwolach ist polonisiert und entspricht dem Lokativ des Polnischen, in dem die Quelle verfasst ist. Die nur einmal, 1731, belegte Form De Iwaliszki könnte von einer früheren Variante von Yvoliai, *Yvoliškės oder *Yvoliškiai, zeugen; die nur einmalige Erwähnung gebietet jedoch eine vorsichtige Bewertung dieses Falls – möglicherweise handelt es sich nicht um einen Namen der gesprochenen Sprache, sondern lediglich um eine nach einer anderen Analogie vom Schreiber aufgezeichnete Konstruktion, zumal im selben Eintrag auch die suffixlose Form des Oikonyms De Iwale erscheint. Die Aufzeichnung von Yvoliai De Sywoli ist zweifellos ein Schreibfehler, der dadurch entstand, dass der eigentliche Dorfname nicht verstanden oder nicht richtig gehört wurde; diese Form ist jedoch die einzige, in der der lange Vokal wiedergegeben wird. Die Analyse der in historischen Quellen aufgezeichneten Varianten erlaubt die Feststellung, dass der in der gesprochenen Sprache verwendete Dorfname Yvoliai die ursprüngliche Form ist. Seine verschiedenen Formen sind bedingt durch ¹⁵ Ylakiai – ein Städtchen im Rajon Skuodas, Amtsbezirk Ylakiai. ¹⁶ Yniškės – ein Dorf im Rajon Šiauliai, Amtsbezirk Raudėnai. ¹⁷ Die Quelle ist in lateinischer Sprache verfasst, enthält jedoch in den Ortsnamen zahlreiche Elemente der polnischen Sprache. ¹⁸ Gyvoliai – ein Dorf im Rajon Mažeikiai, Amtsbezirk Viekšniai. ¹⁹ Vgl. die historischen Aufzeichnungen de Kaulaakis (= Kaūlakiai), de Rymucis (= Rimūčiai), de Jabanif (= Sabōniai) und andere (vgl. Gar­liauskas 1998: 164–165; 2004: 44). ²⁰ Vgl. poln. Sg. Nom. pole, Pl. Nom. pola, Pl. Gen. pól. Straipsniai / Articles 183 LAIMUTIS BILKIS den Faktoren, die allgemein für die Entwicklung der historischen litauischen Toponymie charakteristisch sind: der Berücksichtigung dialektaler Besonderheiten, der Polonisierung, der Latinisierung und der Kompetenz der Schreiber. Sollte die Form Iwaliszki (*Yvoliškės? *Yvoliškiai?) aus der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts authentisch sein, wäre sie als sekundär zu betrachten, später als Y̌uoliai entstanden und nicht bis in unsere Zeit gelangt. Die untersuchten historischen Quellen ermöglichen auch eine hinreichend konkrete Erklärung der Herkunft des Oikonyms Y̌uoliai. Der Schlüssel dazu liegt in dem bereits erwähnten Taufregister der Kirche von Kražiai aus den Jahren 1656–1672. Hier sind 1661 die Taufpaten Jonas Milkantas (dial. Milkontas) aus dem Dorf Spirgiai21 und Ona Yvolienė aus dem Dorf Pagiai22 verzeichnet (Joannes Milkont de Spirgie et Anna Iwalowa de Pagie) (KržKr₁ 73). In zwei Einträgen aus dem Jahr 1662 werden als Taufpaten Jonas Litvinas aus Karklėnai und die Einwohnerin von Yvoliai Magdalena Yvolienė (Joannes Litwins de Korklany Cum Magdalena Iwolowa de Iwole) (KržKr₁ 89) sowie der in Eičiai lebende Jonas Laurinaitis mit Ona Yvolaitė aus Yvoliai (Joannes Laurinaytis de Eiucie cum Anna Iwolayte de Iwole) (KržKr₁ 94) genannt. 1663 werden die Eltern, Einwohner von Yvoliai, Kazimieras Yvolis und seine Ehefrau Magdalena (Casimiri Iwolis et Magdalena de Iwole) sowie ihr Sohn Motiejus (Mathias) erwähnt (KržKr₁ 98). 1664 und 1665 sind als Taufpaten, Einwohner von Karklėnai, Jurgis Yvolaitis mit Elžbieta Kantauškaitė (Georgio Iwotaytis de Korklany cum Elisabetha Kantawskayte ibidem) beziehungsweise Jonas Litvinas mit Ona Yvolienė (Joannes Litwin de Korklanis cum Anna Iwalowa ibidem) verzeichnet (KržKr₁ 111, 127). In einem weiteren Eintrag von 1665 sind als Eltern die Einwohner des Dorfes Ganyprova23 Adomas Butvilas und Ona Yvolaitė (Adami Butwilh et Anna Iwolayte de Goniprowa) sowie als Taufpaten Jurgis Yvolaitis aus Karklėnai und Kotryna Račaitė aus Ganyprova (Georgio Iwolaytis de Korklany Cum Catharina Raczayte de Goniprowa) festgehalten (KržĮ 130). Dieselbe Einwohnerin von Ganyprova, Ona Yvolaitė Butvilienė (Anna Iwolayte Butwilowa de Goniprowa), wird bereits als Taufpatin auch in den Jahren 1666 und 1668 erwähnt (Krž 146, 169). 1669 taufte die Einwohnerin desselben Dorfes, Kotryna Jonušaitė Yvolienė (Catharina Jonu layte Iwoliene de Korklany), die Tochter Elžbieta (Elisabeth) von Andrius Yvolis und seiner Ehefrau, deren zweiter Personenname Mikulaitė24 war (Andrea Iwolis et <…> Mikulayte de Korklany) (KržĮ 185). Im selben Jahr wurde Samuelis (Samuel), der Sohn der Einwohner von Audeniai25, Melchioras Simoniaitis und Elžbieta Yvolaitė (Melchioris Symonaytis et Elisabetha Iwolayte de Audenie), getauft; als sein Taufpate wird Jonas Yvolaitis aus Karklėnai (Joannes Iwolaytis de ²¹ Spiṙgiai – ein Dorf im Amtsbezirk Kražiai, Rajon Kelmė. ²² Pagiai – ein Dorf im Amtsbezirk Kražiai, Rajon Kelmė. ²³ Ganýprova – ein Dorf im Amtsbezirk Kražiai, Rajon Kelmė. ²⁴ Der Name der Ehefrau ist in der Quelle nicht lesbar. ²⁵ Audeniai – ein Dorf im Rajon Kelmė, Amtsbezirk Užventis. 184 Acta Linguistica Lithuanica LXXXIII Zur Herkunft des Dorfnames Ývoliai Korklany) (Kržį 189). 1670 werden erneut die Bewohner von Ganyprova, Adomas Butvilas und Ona Yvolaitė Butvilienė (Adami Butwilt et Anna Iwolayte Butwilowa de Goniprowa), erwähnt; Taufpate ihrer Tochter Magdalena (Magdalena) war Jonas Yvolis aus Karklėnai (Joannes Iwolis de Korklanis) (Kržį 194). In den Taufeinträgen desselben Jahres findet sich außerdem die bereits erwähnte Taufpatin, die in Karklėnai lebende Kotryna Jonušaitė Yvolienė (Catharina Jonufzayte Iwolowa²⁶ de Korklany), sowie die in Karklėnai lebenden Eltern Gertruda Yvolaitė und ihr Mann Kristoforas Vaičaitis (Christophori Wayczaytis et Giertrudis Iwolayte de Korklany), deren Tochter Kotryna (Catharina) ebenfalls vom Bewohner von Karklėnai, Jonas Yvolis (Joannes Iwolis), getauft wurde (Kržį 200). 1671 sind zwei Taufpatinnen verzeichnet: Elisabeth Yvolaitė aus Vaiguva²⁷ (Elisabeta Iwalowna de Waygowa) (Kržį 220) und Zuzana Yvolaitė aus Karklėnai (Zuzanna Wotayte de Korklany) (Kržį 210), deren zweiter Personenname vom Schreiber höchstwahrscheinlich aufgrund ungenauen Hörens durch Weglassen des anlautenden y verkürzt wurde (i). Die in Audeniai lebende Elisabeth Yvolaitė, die 1669 als Taufpatin erwähnt wurde, ist 1672 als Ehefrau von Merkelis Leišaitis (Merchelis Leyfzaytis et Elisabetha Iwolayte de Audenis) und Mutter des Sohnes Jokūbas (Jacobus) verzeichnet (Kržį 230). Aus diesen Daten geht hervor, dass die Pfarrei Kražiai in den Jahren 1656–1672 von zahlreichen Menschen bewohnt war, deren zweite Personennamen die Wurzel Yvol- enthielten. Im Dorf Yvoliai selbst lebten Magdalena Yvolienė (Magdalena Iwolowa), Ona Yvolaitė (Anna Iwolayte), Kazimieras Yvolis (Casimiri Iwolis) mit seiner Frau Magdalena²⁸ (Magdalena) und seinem Sohn Motiejus (Mathias). Sehr wahrscheinlich handelt es sich dabei um Mitglieder einer Familie – Ehemann, Ehefrau, Tochter und Sohn. Im Dorf Pagiai ist Ona Yvolienė (Anna Iwalowa) verzeichnet, in Karklėnai Jurgis Yvolaitis (Georgio Iwolaytis), Ona Yvolienė (Anna Iwalowa), Andrius Yvolis (Andrea Iwolis) mit seiner Frau, deren Mädchenname Mikulaitė (Mikulayte) war, und ihrer Tochter Elisabeth (Elisabeth), Kotryna Jonušaitė Yvolienė (Catharina Jonufayte Iwoliene, Catharina Jonufzayte Iwolowa), Jonas Yvolaitis (Joannes Iwolaytis), Jonas Yvolis (Joannes Iwolis), Gertrūda Yvolaitė (Giertrudis Iwolayte), Zuzana Yvolaitė (Zuzanna Wolayte), in Ganyprova Ona Yvolaitė Butvilienė (Anna Iwolayte Butwilowa), in Audeniai Elisabeth Yvolaitė (Elisabetha Iwolayte), in Vaiguva Elisabeth Yvolaitė (Elisabeta Iwalowna). Die Personennamen Iwolowa, Iwołayte, Iwolis, Iwalowa, Iwołaytis, Iwoliene, Iwalowna werden in der Quelle durchgehend mit i (I)²⁹ geschrieben; dies lässt sich jedoch auch durch andere ²⁶ Die Form der Bezeichnung dieser Frau nach ihrem Ehemann ist unterschiedlich: 1669 ist die litauische Variante Iwoliene aufgezeichnet, 1670 hingegen die polnische Iwolowa. und 1670 die polnische Iwolowa. ²⁷ Váiguva – ein Dorf im Amtsbezirk Vaiguva des Rajons Kelmė. ²⁸ Die als Magdalena Iwolowa bezeichnete Frau und Magdalena, die Ehefrau von Kazimieras Yvolis, sind höchstwahrscheinlich ein und dieselbe Person. ²⁹ Vgl. ferner poln. PN Iwoła (SNP IV 231). Straipsniai / Articles 185 LAIMUTIS BILKIS eine Analogie zur Schreibung historischer litauischer Personennamen mit [i] im Wortanlaut, vgl. PN Ilowicz, Jlewiczą, Jłowicza: Yła (–ys, –ius?) (Zinkevičius 1977: 147), Mame Илаумц 1537 (= *Yłaitis), Iła 1702, Casimiri Iłа, Casimirg Iłа, Casimiri et Mariannæ Iłа 1685–1731 (= *Yła) (IAK), Įtaniflag jłokowicz 1678, jo–annej jłokowicz de jłokis 1680 (= *Yłakavičius), Josephus Iłakaytis 1698 (= *Yłakaitis) (YĮJn 4, 6, 10, 34), Jerzy Iłakis, Mathias Iłakis, Bartholomaeus Iłakis, Josephi Iłakis 1808–1820 (IAK) (= *Yłakis). Die Verwendung von Formen mit a im Stamm (Iwołowa, Iwołowna) ist ebenfalls den Polonismen zuzurechnen, da die Schreibung von a anstelle von o ein häufiges Verfahren der Polonisierung historischer litauischer Personennamen ist³⁰, vgl. PN Jadeyko < Sodeika, Tatarelis < Totorelís, Zylobralis (= *Žilabrolis, *Žilabrolys) (Ragauskaitė 2005: 61). Es ist darauf hinzuweisen, dass a anstelle von o in jenen Varianten geschrieben wird, deren Suffixe ebenfalls durch slawische (polnische) –ova, –ovna ersetzt sind, während in Personennamen mit litauischen Suffixen das o konsequent erhalten bleibt: Iwołayte, Iwołaytis, Iwołiene. Außerdem wird, wie bereits erwähnt, i anstelle von y auch in allen historischen Aufzeichnungen des Dorfnamens Ŷvoliai geschrieben, dessen Echtheit durch die lebendige Sprache belegt ist. Die Daten der historischen Anthroponymie der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts bezeugen somit, dass im Dorf Yvoliai selbst und in seiner Umgebung der Personenname *Yvolis (Iuvolis) existierte, von dem zweifellos das Oikonym Ŷvoliai abzuleiten ist. Es handelt sich um einen aus dem Plural eines Personennamens gebildeten Kollektivnamen für einen Siedlungsort. Aus dem zuvor dargelegten Überblick über die Erwähnungen von Yvoliai und seiner Bewohner in historischen Quellen geht hervor, dass der Personenname *Yvolis seit 1680 im Dorf Yvoliai nicht mehr erwähnt wird; auch in den Kirchenbüchern des 18. Jahrhunderts bis zur ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts sowie im Verzeichnis der Gemeindemitglieder aus der Mitte des 19. Jahrhunderts (1845) wurde er nicht gefunden. Der Familienname *Yvolis ist bis in die Gegenwart nicht erhalten geblieben und im Lietuvių pavardžių žodyne (LPŽ) nicht verzeichnet. Die Herkunft des Anthroponyms, der die Grundlage für die Entstehung des Dorfnamens bildet, ist nicht völlig klar; die anthroponymischen Daten der wichtigsten untersuchten historischen Quelle – des Taufregisters der Kražiai-Kirche von 1656–1672 – erlauben jedoch die Aufstellung einer Herkunftshypothese. Neben den im Buch vielfach verzeichneten Personennamen Iwołowa, Iwołayte, Iwołis, Iwałowa, Iwołaytis, Iwołiene, Iwałowna, die den Stamm Yvol- voraussetzen, gibt es zwei Fälle, anhand derer sich das Anthroponym *Gyvolis rekonstruieren lässt. Im Jahr 1660 wurden die in Pašilė lebenden Taufpaten Jonas Gyvolis und Liucija Vaičaitė (Joannes Giwolis cum Lucia Wayczayte de Poszyle) verzeichnet (KržKr₁ 55), im Jahr 1667 die Eltern Albertas Gyvolis und Kristina Degutaitaitė (Alberti Giwolis et Cristina Degutayćiowna de Paszyle), Bewohner desselben Dorfes (KržKr₁ 151). Somit werden in derselben Quelle und im selben Zeitraum in nahe beieinander liegenden ³⁰ Vgl. Zinkevičius 2008: 48; Sinkevičiūtė, Račickaja 2014: 310. 186 Acta Linguistica Lithuanica LXXXIII Zur Herkunft des Dorfnamens Yvoliai in den Siedlungen31 verwendeten Personennamen *Yvolis und *Gyvolis32. Daher kann vorsichtig vermutet werden, dass *Yvolis ein sekundäres Anthroponym aus *Gyvolis ist, das aus extralinguistischen Gründen durch den Wegfall des anlautenden g entstanden ist. Solche Erscheinungen sind in der historischen Anthroponymie nicht eigens untersucht worden; offenbar sind sie nicht sehr häufig. Für eine Tendenz, Konsonanten am Anfang von Onymen wegzulassen oder hinzuzufügen, würde jedoch zumindest in dieser Quelle etwa der bereits erwähnte Personenname Zuzanna Wolayte (? ← Iwolayte) sowie die Oikonymvariante Sywoli (← Ywoli) zeugen. Das Weglassen oder Hinzufügen von Konsonanten am Anfang historischer Personennamen aus extralinguistischen Gründen wurde auch in Untersuchungen zur historischen Anthroponymie festgestellt; vgl. die möglichen Varianten der Personennamen Jakub Streygis, Michal Streygis ir Marcin Treygis, Mateusz Treygis (Maciejauskienė 1991: 140). In diesem Fall wäre die etymologische Grundlage des Oikonyms Yvoliai – der Personenname *Yvolis ← *Gyvolis – aus litauisch (žemaitisch) gyvolis ‘Vieh; lebendes Rind, Geschöpf, Tier; jemand, der sich wie ein Tier verhält’ (LKŽe) hervorgegangen. Dies wäre nicht der einzige derartige Fall in der litauischen Oikonymie: Vom Personennamen *Gyvolis, *Gyvolys stammt wahrscheinlich auch der Name des Gutshofs und Dorfes Gyvoliai in der Amtsgemeinde Viekšniai (vgl. LVŽ III 218–219). Der Personenname *Gyvolis ist auch in anderen historischen Quellen belegt: Giwolis 1743 (Pfarrei Žeimiai), Gywolatis 1757–1767 (Ragainė) (IAK). In der historischen Anthroponymie findet sich auch seine strukturelle Variante *Gyvulis, *Gyvulys: Ian Giwulis 1678 (Gut Pasvalys), Giwullys 1769–1822 (Ragainė), Giwulawcia 1740 (Pfarrei Žeimiai) (IAK). Die Motivation dieser Personennamen hängt offenbar mit negativen Eigenschaften zusammen, vgl. litauisch gyvolis ‘jemand, der sich wie ein Tier verhält’, gyvulỹs ‘unhöflicher, unkultivierter Mensch’, Personenname Gyvulỹs, dessen Entstehungsmotive lauten: ‘zerzaust, böse; er trat dem Richter auf den Fuß, und dieser beschimpfte ihn als Tier’ (Butkus 1995: 221). Möglicherweise blieben sie aufgrund der negativen Konnotation bis heute nicht erhalten. Andererseits sind beispielsweise im Polnischen Anthroponyme mit einer solchen Semantik nicht nur in historischen Quellen, sondern auch im heutigen Gebrauch belegt, vgl. polnische Personennamen Bydłowski 1423, 1431, 1484 usw. (SSNO I 290), Bydłoch33 1469, Bydłoniak 1691, Bydłonik 1721, Bydłoń 1635, Bydłoński 1792 (Rymut 1991: 93), Familiennamen Bydliński, Bydło, Bydłoń, Bydłowski (SNP I 594). 31 Von Pašilė, wo die PN *Gyvolis verzeichnet ist, bis Yvoliai und Karklėnai, in denen die PN *Yvolis belegt ist, sind es jeweils nur etwa 4 bzw. 5 km. 32 Diese Herkunftshypothese wäre freilich zuverlässiger, wenn die Personennamen *Yvolis und *Gyvolis in der historischen Quelle dieselbe Person bezeichneten; solche Fälle sind jedoch nicht belegt. 33 Neben diesem Personennamen findet sich eine Anmerkung zu seiner Herkunft: abgeleitet vom poln. bydło „Vieh, Haustiere, Rinder“. Straipsniai / Articles 187 LAIMUTIS BILKIS SCHLUSSFOLGERUNGEN 1. Die Analyse der Daten der lebendigen Sprache zeigt, dass die von den Einheimischen authentisch verwendete Form des Oikonyms Yvoliai lautet. Sie wird durch die wichtigsten und zuverlässigsten in der Zwischenkriegszeit erhobenen Ortsnamensquellen belegt. 2. In historischen Quellen wird der Dorfname seit der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts erwähnt. Unter Berücksichtigung der Faktoren, der Art und der Gesetzmäßigkeiten der Slawisierung und Latinisierung litauischer Ortsnamen kann festgestellt werden, dass die aufgezeichneten historischen Formen de Iwole (de Iwole, Иволе) (häufiger) und de Iwolis, de Iwol, De Sywoli, de Iwola, De Iwale, De Iwalizski, We wsi Iwolach (seltener) wahrscheinlich ebenfalls die Oikonymform Yvoliai voraussetzen. 3. Der Dorfname Yvoliai ist anthroponymischen Ursprungs und geht auf die in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts im Dorf Yvoliai und in den umliegenden Orten vorkommende PN *Yvolis zurück, die durch die historischen Aufzeichnungen Iwolis, Iwolowa, Iwołayte, Iwalowa, Iwołaytis, Iwoliene, Iwalowna belegt ist. Im Dorf Yvoliai selbst lebten Magdalena Yvolienė (Magdalena Iwolowa), Ona Yvolaitė (Anna Iwołayte), Kazimieras Yvolis (Casimiri Iwolis) mit seiner Ehefrau Magdalena (Magdalena) und seinem Sohn Motiejus (Mathias). Höchstwahrscheinlich handelt es sich um Mitglieder einer einzigen Familie – Ehemann, Ehefrau, Tochter und Sohn. 4. Vorsichtig ist die Hypothese aufzustellen, dass der dem Oikonym Yvoliai zugrunde liegende Personenname *Yvolis aus außersprachlichen Gründen aus dem im selben Zeitraum unweit des Dorfes Yvoliai in der Siedlung Pašilė belegten Anthroponym *Gyvolis (Gi̇wolis) hervorgegangen sein könnte. ABKÜRZUNGEN PN — Personenname; b. k. — Standardsprache; Pl. — Plural; Gen. — Genitiv; poln. — polnisch; lit. — litauisch; Fem. — Femininum; Spitzn. — Spitzname; Fam. — Familienname; Bez. — Bezirk; Nom. — Nominativ; Sg. — Singular; žem. — Žemaitisch 188 Acta Linguistica Lithuanica LXXXIII Zur Herkunft des Dorfnamens Ýuoliai HISTORISCHE QUELLEN Hołowiński 1854 – [Handschriftliches Verzeichnis der Ortsnamen des Bistums Telšiai und Žemaitija von Ignatij Hołowiński]. Aufbewahrt im Archiv des Zentrums für baltische Sprachen und Namenforschung des Instituts für die litauische Sprache. IAK – Alphabetisches Register historischer Personennamen. Bestand des Zentrums für baltische Sprachen und Namenforschung des Instituts für die litauische Sprache. YĮn – [Trauungsregister der Kirche von Ylakiai 1676–1738]. LVIA F. 1683, Apr. 1, B. 1. Online verfügbar: http://www.epaveldas.lt. YĮKr – [Taufregister der Kirche von Ylakiai 1712–1721]. LVIA F. 1683, Apr. 1, B. 3. Online verfügbar: http://www.epaveldas.lt. IVK – Alphabetisches Register historischer Ortsnamen. Bestand des Zentrums für baltische Sprachen und Namenforschung des Instituts für die litauische Sprache. KnGGS – Списокъ населенныхъ местъ Ковенской Губерніи, Kowno: In der Druckerei der Gouvernementsverwaltung, 1892. KrklKrᵢ – [Taufregister der Kirche von Karklėnai 1816–1829]. LVIA F. 1520, Apr. 1, B. 6. Online verfügbar: http://www.epaveldas.lt. KrklKrᵢᵢ – Księga Ochrzczonych Kościoła Filialnego – Roku 1827 Sporządzona. [Taufregister der Kirche von Karklėnai 1828–1834]. LVIA F. 1520, Apr. 1, B. 8. Online verfügbar: http://www.epaveldas.lt. KržKrᵢ – [Taufregister der Pfarrei Kražiai 1656–1672]. LVIA F. 1521, Apr. 1, B. 4. Online verfügbar: http://www.epaveldas.lt. KržKrᵢᵢ – [Tauf- und Trauungsregister der Pfarrei Kražiai 1680–1737]. LVIA F. 1521, Apr. 1, B. 5. Online verfügbar: http://www.epaveldas.lt. KržKrᵢᵢᵢ – Metrica Baptisatorum Ecclesia Parochjali Crosensi [...] Ano 1736 Curam Animarum agente Iosepho Waygowski Comendario Crosensi Vicariūf. [Taufregister der Pfarrei Kražiai 1736–1748]. LVIA F. 1521, Apr. 1, B. 6. Online verfügbar: http://www.epaveldas.lt. LAV – Bewohnte Orte Litauens, Kaunas: Druckerei A. Bakas, 1925. PašPS – [Verzeichnisse der Gemeindemitglieder der Kirche von Pašilė von 1845]. LVIA, F. 605, Apr. 8, B. 50. Online verfügbar: https://www.genmetrika.eu/zemaítijos_par_sarasai.html. VB – Verzeichnisse (Akten) der Kommission für Familien- und Ortsnamen der Wohnorte der Kreise Panevėžys und Raseiniai 3, (Typoskript). Aufbewahrt im Archiv des Zentrums für baltische Sprachen und Namenforschung des Instituts für die litauische Sprache. Vaiszgantas 1904: Saṅraszas geografiszkųju Lietuvos vardu. – Dirva 1, 35–61. Online verfügbar: https://www.epaveldas.lt/. Straipsniai / Articles 189 LAIMUTIS BILKIS LITERATUR UND QUELLEN Butkus Alvydas 1995: Lietuvių pravardės, Kaunas: Æsti. Garli auskas Vidas 1998: Litauische Formen von Oikonymen in nichtlitauischen Quellen des 16.–19. Jahrhunderts. – Lietuvių kalbotyros klausimai 40, 123–204. Garli auskas Vidas 2004: XVII a. Molėtų bažnyčios krikšto ir santuokos metrikų knyga, Vilnius: Institut für Wissenschafts- und Enzyklopädieverlage. LATŠŽ – Handbuch der administrativ-territorialen Gliederung der Litauischen SSR 2, bearb. von Z. Noreika, V. Stravinskas, Vilnius: Mintis, 1976. LKA III – Atlas der litauischen Sprache 3. Morphologie, Textautoren S. Ambrazas, G. Belickienė, E. Grinaveckienė, A. Jonait yte, J. Lipskienė, K. Morkūnas, B. Vanagienė, A. Vidugiris, verantwortlicher Redakteur K. Morkūnas, Vilnius: Mokslas, 1991. LKŽe – Wörterbuch der litauischen Sprache 1–20 (1941–2002): elektronische Ausgabe, Chefredakteurin G. Naktienė, Vilnius: Institut für die litauische Sprache, 2005. Online verfügbar: http://www.lkz.lt. LPŽ – Wörterbuch der litauischen Familiennamen 1–2, Textautoren A. Vanagas, V. Macijauskienė, M. Razmukaitė, verantwortlicher Redakteur A. Vanagas, Vilnius: Mokslas, 1985, 1989. LVŽ III – Wörterbuch der litauischen Ortsnamen 3, Textautoren V. Adamonytė, L. Bilkis, G. Blažienė, D. Kačinaitė-Vrubliauskienė, M. Norkaitienė, A. Ragauskaitė, M. Razmukaitė, D. Sviderskienė, verantwortlicher Redakteur L. Bilkis, Vilnius: Institut für die litauische Sprache, 2018. Maciejauskienė Vitalija 1991: Die Bildung litauischer Familiennamen, Vilnius: Mokslas. Palionis Jonas 2008: Personen- und Ortsnamen der Pfarrei Punia vom Ende des 17. bis zur ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts, Vilnius: Universität Vilnius. Ragauskaitė Alma 2005: Personennamen der Einwohner von Kaunas im 16.–18. Jahrhundert, Vilnius: Institut für die litauische Sprache. Rymut Kazimierz 1991: Nazwiska polaków, Wrocław–Warszawa–Kraków: Zakład Narodowy im. Ossolińskich, Wydawnictwo, 1991. Sinkevičiūtė Daiva, Rėčkaitė Veslava 2014: Personenname etymons of Lithuanian dithematic names and characteristics of their stem recordings in the list of new citizens and guarantors of Vilnius 1661–1795. – Archivum Lithuanicum 16, 295–322. SNP I – Słownik nazwisk współcześnie w Polsce używanych 1, hrsg. von K. Rymut, Kraków: Polska akademia nauk, Instytut języka polskiego, 1992. SNP IV – Słownik nazwisk współcześnie w Polsce używanych 4, hrsg. von K. Rymut, Kraków: Polska akademia nauk, Instytut języka polskiego, 1993. 190 Acta Linguistica Lithuanica LXXXIII Zur Herkunft des Dorfnamens Ŷvoliai SSNO I – Słownik staropolskich nazw osobowych 1, A–D, herausgegeben von W. Taszycki, Wrocław–Warszawa–Kraków: Zakład Narodowy imienia Ossolińskich, Wydawnictwo Polskiej akademii nauk, 1965–1967. Zinkevičius Zigmas 1977: Litauische Anthroponymik. Litauische Personennamen in Vilnius zu Beginn des 17. Jahrhunderts, Vilnius: Mokslas. Zinkevičius Zigmas 2008: Litauische Personennamen, Vilnius: Institut für die litauische Sprache. Zur Herkunft des Dorfnamen Ŷvoliai ZUSAMMENFASSUNG Das Dorf mit dem Namen Yvoliai liegt im Amtsbezirk Kražiai im Rajon Kelmė und gehörte früher zum Rajon Kražiai im Kreis Raseiniai. Es konnte keine frühere Untersuchung zur Herkunft dieses Namens und zur Geschichte der Siedlung mit diesem Namen gefunden werden. Struktur und Herkunft des Toponyms selbst sind auf den ersten Blick nicht klar; ohne eine eingehendere sprachliche und historische Analyse werden sie nicht verständlicher. Nach Durchsicht der zum Oikonym aus der lebendigen Sprache und aus der Geschichte der Standardisierung zusammengetragenen Daten lässt sich feststellen, dass seine echte Form am Wortanfang ein langes [ī] aufweist und den Akut trägt: Ŷvoliai. Auch die am engsten mit der lebendigen Sprache verbundenen Quellen aus der Zwischenkriegszeit – die litauischen Fragebögen zu Flurnamen (1935) und die Akten der Kommission für Familien- und Ortsnamen – bezeugen diese Form. Die Analyse historischer Quellen führt zu dem Schluss, dass Yvoliai keine sehr alte Siedlung ist; in deutschen Chroniken oder alten Gutsinventaren wurde sie nicht erwähnt. Die ersten Aufzeichnungen stammen aus der zweiten Hälfte des 17th. Jahrhunderts. Bislang lässt sich feststellen, dass das Dorf erstmals 1661 im Taufregister der Pfarrei Kražiai von 1656–1672 erwähnt wurde: de Villa Iwole. Danach wurde das Dorf in diesem und in späteren Kirchenregistern ziemlich häufig erwähnt. Die Analyse der historischen Quellen des 17th.–19th. Jahrhunderts erlaubt es, mehrere darin vorkommende Varianten des Oikonyms Ŷvoliai herauszuarbeiten. Die häufigste Form ist de Iwole (de Iwole, Иволе). Gelegentlich finden sich die Formen de Iwolis, de Iwol, De Sywoli, de Iwola, De Iwale, De Iwaliszki, We wsi Iwołach. Die Analyse der aufgezeichneten Varianten führt zu dem Schluss, dass der in der lebendigen Sprache verwendete Dorfname Yvoliai ursprünglich ist. Seine verschiedenen Formen werden durch Faktoren bestimmt, die für die allgemeine Entwicklung der historischen litauischen Toponymie charakteristisch sind: Bewertung dialektaler Merkmale, Slawisierung, Latinisierung und die Kompetenz der Schreiber. Die in der Studie untersuchten historischen Quellen ermöglichen eine recht anschauliche Erklärung der Herkunft des Oikonyms Ŷvoliai. Der Schlüssel dazu liegt im erwähnten Taufregister der Kražiai-Kirche von 1656–1672. Seine Daten zeigen, dass in dem Zeitraum Straipsniai / Articles 191 LAIMUTIS BILKIS 1656–1672 die Pfarrei Kražiai weitgehend von Menschen bevölkert war, deren zweiter Personenname den Stamm Yvol- enthielt. Im Dorf Yvoliai lebten Magdalena Iwolowa, Anna Iwolayte, Casimiri Iwolis, seine Ehefrau Magdalena und sein Sohn Mathias. Wahrscheinlich handelt es sich um Mitglieder einer einzigen Familie – Ehemann, Ehefrau, Tochter und Sohn. Anna Iwalowa ist im Dorf Pagiai belegt; Georgio Iwołaytis, Anna Iwałowa, Andrea Iwolis, seine Ehefrau mit dem Mädchennamen Mikulayte und seine Tochter Elisabeth, Catharina Jonužayte Iwoliene (Catharina Jonužayte Iwolowa), Joannes Iwołaytis, Joannes Iwolis, Giertrudis Iwołayte, Zuzanna Wołayte sind in Karklėnai belegt; Anna Iwołayte Butwilowa ist in Ganyprova belegt; Elisabetha Iwołayte ist in Audeniai belegt, Elisabeta Iwałowna in Vaiguva. Die Personennamen Iwolowa, Iwołayte, Iwolis, Iwałowa, Iwołaytis, Iwoliene, Iwałowna werden in der Quelle konsequent mit i (I) geschrieben; dies lässt sich jedoch auch durch die Analogie zur Schreibung anderer historischer litauischer Personennamen mit [i] im Wortanlaut erklären. Daher bezeugen die Daten der historischen Anthroponymie der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts die Existenz des Personennamens *Yvolis (Iwolis) im Dorf Yvoliai und seiner Umgebung, von dem sich das Oikonym Ývoliai eindeutig ableiten lässt. Es wäre ein aus der Pluralform eines Personennamens gebildeter Kollektivname für einen Siedlungsort. Seit 1680 wird der Personenname *Yvolis im Dorf Yvoliai nicht mehr erwähnt; auch in den Kirchenbüchern des 18. Jahrhunderts bis zur ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts sowie im Verzeichnis der Gemeindemitglieder aus der Mitte des 19. Jahrhunderts (1845) ist er nicht zu finden. Der Familienname *Yvolis ist bis heute nicht erhalten geblieben und im Lithuanian Dictionary of Surnames nicht verzeichnet. Der Ursprung des Anthroponyms, das die Grundlage für die Entstehung des Dorfnamens bildet, ist nicht vollständig geklärt; die anthroponymischen Daten der wichtigsten historischen Quelle – des Taufregisterbuchs der Kražiai-Kirche aus den Jahren 1656–1672 – ermöglichen jedoch die Aufstellung einer vorsichtigen Ursprungshypothese. Neben den zahlreichen im Buch verzeichneten Personennamen Iwolowa, Iwołayte, Iwolis, Iwałowa, Iwołaytis, Iwoliene, Iwałowna, die auf die Wurzel Yvol- hindeuten, gibt es zwei Fälle, die die Rekonstruktion des Anthroponyms *Gyvolis. Taufpaten Joannes Giwolis cum Lucia Wayczayte de Poszyle ermöglichen. Sie wurden 1660 als in Pašilė wohnhaft verzeichnet; die Eltern hingegen, Alberti Giwolis et Cristina Degutayčiowna de Paszyle, Bewohner desselben Dorfes, wurden 1667 verzeichnet. Somit wurden die in nahe beieinander gelegenen Siedlungen verwendeten Personennamen *Yvolis und *Gyvolis in derselben Quelle und im selben Zeitraum erwähnt. Daher lässt sich vorsichtig vermuten, dass *Yvolis ein sekundäres Anthroponym ist, das sich aus *Gyvolis ableitet und durch den Wegfall des anlautenden g aus außersprachlichen Gründen entstanden ist. Eingereicht am 15. Oktober 2020. LAIMUTIS BILKIS Institut für die litauische Sprache, Petro-Vileišio-Straße 5, LT–10308 Vilnius, Litauen [email protected] 192 Acta Linguistica Lithuanica LXXXIII