ALISA STUNŽAITĖ
Institut für die litauische Sprache
ORCID-ID: orcid.org/0000-0002-4816-2629
Forschungsgebiete: Toponymie, kognitive Onomastik, kognitive Semantik.
DOI: doi.org/10.35321/all87-08
MANIFESTATION DER PHYSIS IN DER DRYMONYMIE DES GEBIETS WILNA
Naturerscheinungen in der Drimonymie des Landkreises Vilnius
ZUSAMMENFASSUNG
Die vorliegende Untersuchung zielt darauf ab, die Konzeptualisierung der Physis¹ in den Drimonymen des heutigen Landkreises Vilnius zu beleuchten. Die Untersuchung beschränkt sich auf die Analyse von 65 Namen, die aus dem Korpus von 787 Drimonymen ausgewählt wurden, die derzeit im Gebiet des Landkreises Vilnius offiziell verwendet werden. Die Daten wurden aus gedruckten (Onomasticon der Wälder Litauens (Teil I, 1994)) und elektronischen (Elektronischer Naturkatalog (www.ezerai21.lt)) Quellen sowie aus interaktiven Karten (Portal für räumliche Informationen Litauens (www.geoportal.lt)) erhoben. Die Untersuchung zeigt, dass der Bereich der Physis im weiteren Sinne eine ergiebige Motivationsquelle darstellt. Die Drimonyme wurden in zwei Gruppen eingeteilt: solche mit klarer Semantik und Motivation sowie solche mit unklarer Semantik und Motivation. Die Drimonyme mit klarer Semantik und Motivation konzeptualisieren dominante Vegetationsarten (21), die Fauna (9), den Waldtyp (15) und die Besonderheiten der Landschaft (17). Die Gruppe der Drimonyme mit unklarer Semantik und Motivation bietet einen Überblick über Namen, deren Konzeptualisierung aufgrund der Polysemie des motivierenden Appellativs (1), der appellativischen oder nominalen Natur des motivierenden Konzepts (5) oder sogar aufgrund beider Aspekte (3) mehrdeutig ist.
1 Der Begriff Physis ist mit dem griechischen φύσις verbunden – Pflanzen, Tiere und andere Merkmale der Welt, die einen Prozess der Geburt und des Todes durchlaufen, indem sie entstehen oder vergehen (Guthrie 1965; Kratochvíl 2016: 20). Die vorliegende Untersuchung verwendet den Begriff Physis in seinem weitesten Sinne und bezeichnet damit sowohl die Elemente der belebten Natur als auch Merkmale des topografischen Reliefs, die durch natürliche Ursachen oder menschliches Eingreifen entstehen (geboren/geformt werden), sich entwickeln und verändern und schließlich sterben (verschwinden).
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der Polysemie des motivierenden Appellativs (1), der appellativischen oder nominalen Natur des motivierenden Konzepts (5) oder sogar beider Aspekte (3).
SCHLÜSSELWÖRTER: Landkreis Vilnius, Drimonyme, Konzeptualisierung von Toponymen, Physis, kognitive Onomastik.
ANNOTATION
Mit dieser Untersuchung soll festgestellt werden, durch welche Naturkonzepte die Drimonyme konzeptualisiert werden, die im heutigen Landkreis Vilnius verwendet werden. Für die Untersuchung wurden 787 aktuelle Drimonyme gesammelt. Die Daten wurden aus schriftlichen (Namensverzeichnis der Wälder Litauens (Teil I, 1994)) und elektronischen (Elektronischer Naturkatalog (www.ezerai21.lt)) Quellen sowie aus interaktiven Karten (Portal für räumliche Informationen Litauens (www.geoportal.lt)) erhoben. Die Ergebnisse der Analyse zeigten, dass das Naturkonzept in 65 Namen semantisch ausgedrückt ist. Die untersuchten Drimonyme wurden in zwei große Gruppen eingeteilt: solche mit klarer Semantik und Motivation sowie solche mit nicht ganz klarer Semantik und Motivation. Drimonyme mit klarer Semantik und Motivation werden durch die Konzepte dominanter Pflanzenarten (21), der Tierwelt (9), des Waldtyps (15) und der Landschaftsmerkmale (17) konzeptualisiert. Die Gruppe der Drimonyme mit nicht ganz klarer Semantik und Motivation umfasst Namen, deren Konzeptualisierung aufgrund der Polysemie der motivierenden Appellative (1), der appellativischen oder proprialen Natur des motivierenden Konzepts (5) oder aufgrund beider Aspekte (3) mehrdeutig ist.
SCHLÜSSELWÖRTER: Landkreis Vilnius, Drimonyme, Konzeptualisierung von Toponymen, Natur, kognitive Onomastik.
EINLEITUNG
Die Debatte über die Bedeutung von Eigennamen ist außerordentlich alt. Während es Schulen gibt, die die Auffassung vertreten, dass Namen bedeutungslos sind, d. h. lediglich eine Referenz haben (Kripke 1972; Ullmann 1969: 33), liefert der kognitive Ansatz zur Onymenanalyse Belege dafür, dass Namen nicht nur lexikalische Merkmale tragen, sondern auch semantisch aufgeladen und mit einem begrifflichen Inhalt verbunden sind (Berezovič 1991: 75; Rut 2001: 59; Leino 2011: 215). Die kognitive Sicht auf einen Namen legt nahe, dass er wesentlich mehr zu erzählen hat. Er besteht aus mehreren Schichten, die traditionelle, verwandtschaftliche, besitzanzeigende und viele andere Beziehungen zur umgebenden Welt widerspiegeln (Langendonck 2013; Ainiala et al. 2016). Sobald eine Interaktion zwischen einem Menschen und der Umwelt beginnt, erhält jedes unentdeckte Land, jedes Lebewesen der Natur und jedes Phänomen einen Namen. Daher werden die Bedeutungen von Namen mit dem Weltverständnis des Einzelnen verschlüsselt. Mit anderen Worten: Namen beginnen, die Weltanschauung widerzuspiegeln, die als grundlegende Perspektive der Person verstanden werden kann, auf deren Grundlage
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jede Existenzfrage behandelt wird; sie ist ein zusammenhängendes Bild dessen, was sowohl von Einzelnen als auch von Gemeinschaften erkannt wird (Sire 2015: 24; Glaz 2017: 35). Wenn die Wahrnehmung der Welt die Weltanschauung prägt, handelt es sich um einen kognitiven Prozess, der von subjektiven Urteilen abhängt, die einer Person von der Gemeinschaft auferlegt wurden. Dies führt zu der Auffassung, dass Toponyme, wie Ilona Mickienė und Rita Baranauskienė (2019: 60) darlegen, eine Botschaft aus der Vergangenheit sind, die die Geschichte der litauischen Nation, ihr geistiges und materielles Leben, ihren Haushalt und ihre Beziehung zur umgebenden Umwelt widerspiegelt.
Sprache ist ein bedeutendes Element der Weltanschauung; sie vermittelt die kulturelle Realität, und somit empfinden Mitglieder einer Gemeinschaft mit demselben sprachlichen Hintergrund historische Kontinuität (Fong, Chuang 2004: 8; Kramsch 1998). Die sprachliche Natur von Ortsnamen erleichtert den Zugang zur realen Welt (Vasil’eva 2007). Darüber hinaus existieren Namen in jeder Gesellschaft. Daher können sie als kulturelle Universalien wahrgenommen werden (Alford 1988). Die lexikalische Form von Onymen sollte jedoch nicht von der semantischen Form getrennt werden, denn nur durch die Semantik ist es möglich, einen Weg von der sprachlichen Welt zur realen zu beschreiten (Ter-Minasova 2000: 46–47). Da Toponyme Teil des Sprachsystems sind und in allen Sprachen der Welt vorkommen, führt ihre Existenz zu der Annahme, dass sie Zeugnisse der Interaktionen zwischen Mensch und Natur bewahren. Schließlich beruhen sie auf den Eindrücken der Bewohner von den Gegenständen der Wirklichkeit. Lang andauernde Kontakte zwischen Menschen und der belebten Natur formen ein spezifisches Bild des Gebietes (Vasil’eva 2007: 96).
Wissenschaftler haben die Korrelation zwischen Physis und Toponymie beobachtet. So fragen etwa Sousa und Garcia-Murrilo (2001: 391), ob Landschaftsveränderungen in Ortsnamen widergespiegelt werden. Ihre Untersuchung kommt zu dem Schluss, dass eine solche Veränderung vorherrscht, und erörtert, wie ein solcher Wandel wahrgenommen wird. Fagúndez und Izco (2016) vertreten die Auffassung, dass die an einem bestimmten Ort vorkommenden Arten in Toponymen verschlüsselt sein können und damit auf die biologische Vielfalt des Ortes hinweisen. Giedrė Beconytė et al. (2019) untersuchten die Korrelation zwischen Phytolexemen und Zoolexemen mit Oikonymen in Litauen genauer. Pavel Skorupa (2021) analysierte Toponyme, die die Konzepte von Flora und Fauna enthalten, als Zeichen nationaler und kultureller Identität. Im Allgemeinen bezeichnen Toponyme, die das Konzept von Flora und Fauna enthalten, Orte, die von bestimmten Arten bewohnt oder dicht mit Pflanzen bedeckt sind; solche Namen geben nicht notwendigerweise alle für die Region typischen Elemente der belebten Natur wieder. Stattdessen legen sie die spezifischen Elemente offen, die zu kennzeichnenden Merkmalen eines Ortes werden (Skorupa 2021: 37; Saparov et al. 2021: 96; Vasil’eva 2007). Die oben erwähnte Forschung bietet eine gute Grundlage für die weitere Untersuchung von Toponymen, die durch das Naturkonzept motiviert sind. Die Verkörperung der Physis in den Drimonymen des Landkreises Vilnius wurde von Wissenschaftlern bisher noch nicht untersucht. Daher sollte die vorliegende Forschung
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die Besonderheiten der Landschaft und die regionalspezifische biologische Vielfalt beleuchten und dabei die dominanten Arten eines Ortes hervorheben.
Dieser Artikel basiert auf der Analyse der Konzeptualisierung der Physis in den Drimonymen des heutigen Landkreises Vilnius. Mickienė und Bieliauskaitė (2018) weisen darauf hin, dass Wälder Teil einer sich ständig verändernden Landschaft sind und dass es wertvoll ist, ihre Namen von Zeit zu Zeit zu untersuchen. Der heutige Landkreis Vilnius ist ein bewaldetes Gebiet. Hier machen Wälder 43,9% des Territoriums aus (VLEe). Zweifellos enthalten ihre Namen wertvolles Wissen über die Umgebung und sind geeignet, die Besonderheiten der Landschaft, Flora und Fauna der Region offenzulegen.
Das Ziel der vorliegenden Forschung besteht darin, die in den Drimonymen des heutigen Landkreises Vilnius verschlüsselten Physis-Konzepte zu identifizieren.
Forschungsmaterial und Quellen. Der Umfang der vorliegenden Untersuchung umfasst 65 Drimonyme, die Physis-Konzepte widerspiegeln. Diese Namen wurden aus dem Korpus von 787 Drimonymen ausgewählt, die derzeit innerhalb der Grenzen des heutigen Landkreises Vilnius offiziell verwendet werden. Die Namen wurden sowohl aus elektronischen als auch aus gedruckten Quellen gesammelt.² Drimonyme, die durch die umliegenden Siedlungen oder Gewässer motiviert sind, wurden aus der Untersuchung ausgeschlossen. Diese Waldnamen folgen dem metonymischen Benennungsmuster und bezeichnen die Verbindung zwischen dem Namen der Siedlung bzw. des Gewässers und dem Drimonym. Sie tragen keine wesentliche semantische Ladung (Reszegi 2012: 5). Dennoch machen sie den bedeutendsten Teil aller Drimonyme des Korpus aus: 577 Waldnamen sind mit anderen Toponymen und/oder Hydronymen verbunden. Daher sind 65 von 210 Dronymen mit dem Physis-Konzept verbunden, wodurch dieses eine relativ ergiebige Motivationsquelle darstellt.
Forschungsmethodik. Der Rahmen für die Analyse der Dronyme wird aus den von Aleksandras Vanagas (1981), Dalia Sviderskienė (2016; 2017; 2019; 2022), Ilona Mickienė, Rita Baranauskienė (2019), Pavel Skorupa (2019; 2021; 2021a) und anderen vorgeschlagenen Forschungsmodellen übernommen. Für jedes untersuchte Drimonym werden Lage, Herkunft sowie mögliche Etyma und ihre Bedeutungen angegeben. Die motivierenden Appellative werden aus elektronischen Wörterbüchern der litauischen, russischen, polnischen und belarussischen Sprache entnommen. Die Untersuchung folgt der Tradition der Analyse der kognitiven Onomastik und geht daher davon aus, dass alle Namen eine Bedeutung haben. Das Modell der sprachlichen Realisierung begrifflicher Inhalte wird in Anlehnung an Nicola Dobrič (2010) übernommen. Die Konzeptualisierung der Dronyme wird durch Quell- und Zieldomänen veranschaulicht, wobei die Quelle ein Appellativ und das Ziel ein Drimonym ist, d. h. Appellativ → begriffliche Struktur → Drimonym. Die übernommene Theorie der Namenskonzeptualisierung befasst sich mit der Identifizierung der begrifflichen Struktur, die die Prägung eines Namens motiviert.
² Siehe Quellen und Literatur zu den Drimonymen.
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Die vorliegende Untersuchung teilt die analysierten Drimonyme in zwei Gruppen ein: solche mit klarer Semantik und Motivation sowie solche mit unklarer Semantik und Motivation.
1. DRYMONYME MIT KLARER SEMANTIK UND MOTIVATION
Die vorliegende Gruppe von Drimonymen besteht aus Namen, bei denen die Identifizierung ihrer Motivation keine Mehrdeutigkeit aufweist. Diese Drimonyme sind durch den Bereich der Physis motiviert und umfassen die Konzepte von Pflanzenarten, Tieren, Waldtypen und Besonderheiten der Waldlandschaft. Bemerkenswert ist, dass die meisten Namen Ableitungen mit dem litauischen Suf -ynas, -ynė und in seltenen Fällen mit -ytė sind. Diese Suffixableitungen folgen einer langjährigen Benennungstradition in der litauischen Sprache. Üblicherweise bezeichnen sie die Ansammlung von Pflanzen oder anderen Objekten der belebten Natur, seltener Lebewesen an einem Ort. Daher kommen sie häufig in Toponymen vor (Ambrazas 1995: 184–185).
1.1. Dronyme, die Vegetationsarten widerspiegeln
Avietynė (V D) spiegelt die Konzeptualisierung der dominanten Beeren im Gebiet wider. Es ist vom litauischen avietynė, avietynas „Himbeersträucher, ein Ort, an dem Himbeeren wachsen“ (LVŽ I: 243) abgeleitet und folgt dem Konzeptualisierungsmuster: Lit. avietynė, avietynas → ein Wald, in dem Himbeeren wachsen → Avietynė.
Ąžuolynas (V D, Ukм D) könnte mit dem litauischen ąžuolynas „Eichenwald“ (LVŽ I: 271) verbunden sein, das aus dem litauischen ąžuolas „Eiche“ + litauischem Suf -ynas gebildet ist. Die transparente Benennung bedeutet, dass Eichen das Waldgebiet bedecken, und wird durch folgendes Modell konzeptualisiert: Lit. ąžuolynas → ein Eichenwald → Ąžuolynas.
Die folgenden Drimonyme können dieser Gruppe zugeordnet werden, da sie alle mit dem Basilexem berž- gebildet sind: Beržynas (Šlčn D, Ukм D), Beržynėlis (Šr D), Beržytė (Ukм D) und Berželiai (Ukм D). Alle diese Drimonyme enthalten das Konzept des litauischen beržas „Laubbaum mit weißer Rinde, eine Birke“ (LKŽe). Ihre jeweilige Konzeptualisierung unterscheidet sich jedoch geringfügig. So verwendet beispielsweise Beržynas die Vorstellung eines mit Birken bedeckten Ortes: Lit. beržynas → ein Birkenwald → Beržynas. Dasselbe gilt für Beržytė, lit. berž- + lit. Suf -ytė → ein Birkenwald → Beržytė. Beržynėlis steht wahrscheinlich mit der Größe der Bäume oder des Waldes als solchen in Verbindung, da der Suf -ėlis in den meisten Fällen entweder die geringere Größe eines Wesens oder Wohlgefallen bezeichnet (vgl. Urbutis 2009: 330): Lit. berž- + lit. -yn + lit. Suf -ėlis → ein kleiner Wald
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aus (niedrigen) Birken → Beržynėlis oder lit. berž- + lit. Suf -ėlis → ein angenehmer Birkenwald → Beržynėlis. Berželiai wurde durch dasselbe Konzept motiviert, lit. Suf -elis, der hier wahrscheinlich mit der Kleinheit verbunden ist (Urbutis ebd.). Es sei auch darauf hingewiesen, dass der Name eine Pluralform ist. Unter Berücksichtigung aller Belege könnte das Konzeptualisierungsmodell daher lauten: Lit. berž- + lit. Suf -eliai → ein Wald aus niedrigen/neu gepflanzten Birken → Berželiai.
Die Manifestation der slawischen Sprachen ist in Boras (Šlčn D) verschlüsselt. Der Name ist vom russischen бор „Nadelwald, Kiefernwald“, vom belarussischen бор „lichter, alter Kiefernwald“ oder vom polnischen bor „Kiefernwald, Wald“ (LVŽ III: 538) abgeleitet. In allen Fällen trägt der Name das Konzept der Kiefer. Daher könnte er wie folgt konzeptualisiert werden: Rus. Вор / Bel. Вор / Pol. bor → ein Kiefernwald → Boras.
Bruknynė (Šlčn D) ist ein weiteres Beispiel für im Gebiet verbreitete Beeren und steht mit dem litauischen bruknỹnė, bruknỹnas „ein Ort, an dem Preiselbeeren wachsen, an dem es viele Preiselbeeren gibt“ (LVŽ I: 574) in Verbindung. Daher ist der Name lediglich eine Übertragung der vorherrschenden Beerenart des Waldes: Lit. bruknỹnė, bruknỹnas → ein Wald, in dem Preiselbeeren wachsen → Bruknynė.³
Drebulynė (V D) steht mit dem litauischen drebulỹnas, drebulỹnė „ein Wald voller Bäume mit zitternden Blättern, (Populus tremula), eine Espe“ (LVŽ II: 324) in Verbindung. Der Name vermittelt unmittelbar, welche Baumart in dem Gebiet verbreitet ist; daher lautet das Konzeptualisierungsmodell: drebulỹnė → ein Espenwald → Drebulynė.
Eglyñas (V D, Šlčn D) und Eglynėlis (Švnč D) können ebenfalls gemeinsam analysiert werden. Beide stehen mit dem litauischen eglỹnas, eglỹnė „ein Tannenwald“ (LVŽ II: 464) in Verbindung. Obwohl die Drimonyme dasselbe Basilexem teilen, können sie sich in ihrer Bedeutung geringfügig unterscheiden. Die Motivation von Eglyñas ist ziemlich transparent: Lit. eglỹnas → ein Tannenwald → Eglyñas. Bei Eglynėlis gibt es jedoch mehr zu erörtern, da sein mit dem litauischen Suf -ėlis⁴ gebildetes Diminutiv mit dem Konzept der Kleinheit verbunden sein sollte. Die geringe Größe des Waldes könnte als Kennzeichen für diesen Namen gedient haben. Ebenso ist es plausibel, dass der Name mit Bezug auf die damalige Größe der Tannen geprägt wurde, d. h., die Tannen könnten eher niedrig und neu gepflanzt gewesen sein. Folglich könnte das folgende Konzeptualisierungsmodell verwendet worden sein, um
³ Es ist darauf hinzuweisen, dass sowohl Avietynė als auch Bruknynė Wälder sind, in deren Nähe sich Dörfer mit denselben Namen befinden, vgl. Avietynė x Avietynė und Bruknynė x Bruknynė; dennoch wurden diese Namen nicht aus der Liste der untersuchten Onyme gestrichen, da wir fest davon überzeugt sind, dass die Drimonyme die Quellen der Motivation der Oikonyme waren. Die Beeren sind in den bewaldeten Gebieten verbreitet. Daher wurden die Dörfer wahrscheinlich nicht in den Gebieten errichtet, in denen diese Beeren wachsen. Überzeugender ist die Annahme, dass diese Beeren in den Wäldern wachsen und erst später die hier gegründeten Dörfer ihre Namen erhielten.
⁴ Vgl. Urbutis 2009: 330.
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ein Drimonym zu motivieren: Lit. eglyn- + lit. Suf -ėlis → ein kleiner Wald aus (niedrigen/neu gepflanzten) Tannen → Eglynėlis.
Juódgiris (Ukm D) stammt wahrscheinlich vom litauischen júodgiris, júodgirė „Nadelwald (Fichten, Kiefern), Wald“ (LVŽ IV: 212). Der Name überträgt das Konzept der dominantesten Baumarten des Gebietes – der Nadelbäume: Lit. júodgiris, júodgirė → ein Nadelwald → Juódgiris.
Ein interessanter Fall ist Liepābērzis (Šlcn D), ein zusammengesetztes Onym, das zwei Lexeme umfasst. Das erste steht mit dem litauischen liepa „eine Linde“ und das zweite mit dem litauischen bėržas „eine Birke“ in Verbindung. Der Name macht eindeutig kenntlich, dass sowohl Linden als auch Birken die dominanten Arten im Wald sind. Die Konzeptualisierung könnte wie folgt dargestellt werden: liepa + bėržas → ein Wald aus Linden und Birken → Liepābērzis.
Liepýnas (E1 D) stammt vom litauischen liepýnas „ein mit Linden bedeckter Ort, ein Lindenwald“ (LKŽe). Der Name beschreibt unmittelbar den mit Linden bedeckten Ort; daher wird er wie folgt konzeptualisiert: Lit. liepýnas → ein Lindenwald → Liepýnas.
Namen wie Pušýnas (Šr D), Pušynėlis (Ukm D) und Didžióji Pušis (Švnc D) sind durch dasselbe Basilexem Lit. puš- verbunden, unterscheiden sich aber wie die oben analysierten Beispiele geringfügig in ihrer Bedeutung. Beispielsweise stammt Pušýnas vom litauischen pušýnas „Kiefernwald“ (LKŽe), wobei die Wurzel des Namens wie folgt konzeptualisiert wird: Lit. pušýnas → ein Kiefernwald → Pušýnas. Pušynėlis ist, ähnlich wie die bereits vorgestellten Drimonyme, höchstwahrscheinlich aufgrund des litauischen Suf -ėlis⁵ mit dem Konzept der Kleinheit verbunden und könnte diesem Konzeptualisierungsmodell folgen: Lit. puš- + lit. Suf -yn- + lit. Suf -ėlis → ein kleiner/angenehmer Kiefernwald → Pušynėlis. Schließlich ist auf den Kompositnamen Didžióji Pušis hinzuweisen, in dem das litauische didžysis, vgl. didis, -i, -ie, -ẽ, didžià für „durch sein Volumen bemerkenswert, groß“ steht (LKŽe). Dieses Drimonym bezeichnet eine große Kiefer im Wald, die als Orientierungspunkt für den Ort diente. Daher sollte die außergewöhnliche Größe eines Kieferbaums im Namen verschlüsselt worden sein. Man vergleiche das Konzeptualisierungsmodell: Lit. didžióji + lit. pušis → ein Wald mit einer riesigen Kiefer → Didžióji Pušis.
Die letzte in dieser Kategorie ist Šermukšnynė (Ukm D). Dies ist ein weiteres Beispiel für die Konzeptualisierung der dominanten Baumart und leitet sich vom litauischen šermukšnynė „ein Ort, an dem viele Ebereschen wachsen“ (LKŽe) ab. Das Konzeptualisierungsmodell lautet: šermukšnynė → ein Ebereschenwald → Šermukšnynė.
Auf den ersten Blick scheinen die Bedeutungen dieser Drimonyme transparent zu sein. Es ist klar, welche Konzepte den Benennungsprozess motiviert haben. Das Vegetationskonzept zeigt die häufigste Baum- oder sonstige Pflanzenart in einem bestimmten Wald. Es beleuchtet Einzelheiten wie die Größe oder das mögliche Alter des Waldes zum Zeitpunkt seiner Benennung. Schließlich machen diese Drimonyme den emotionalen
⁵ Vgl. Urbutis 2009: 330.
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Wert der Bäume für die nationale Weltanschauung sichtbar. Es wird angenommen, dass jeder Baum in der alten litauischen Kultur mit der Manifestation verschiedener Gottheiten verbunden war; die häufigsten Arten waren Eichen, Linden, Birken und Kiefern (Klimka 2011; Vaitkevičius 2013). Das Konzept der Vegetationsarten diente als motivierender Faktor für 21 Drimonyme, die heute im Landkreis Vilnius verwendet werden.
1.2. Dronyme, die den Waldtyp widerspiegeln
Das Konzept des Waldtyps scheint die zweitproduktivste Quelle für die Konzeptualisierung von Drimonymen im Bereich der Physis zu sein. Obwohl einige Bedeutungen recht offensichtlich erscheinen, offenbaren sie bestimmte Besonderheiten der von ihnen bezeichneten bewaldeten Orte.
Atžalynas (Ukm D) ist vom litauischen Appellativ atžalynas „ein Ort, an dem viele Schösslinge wachsen; junger Wald“ (LVŽ I: 213) abgeleitet. Verwendet wird das Konzept neu gepflanzter Bäume: Lit. atžalynas → ein junger Wald → Atžalynas.
Girià (V D, Ukm D), Girėlė (V D, V D, El D, Švčn D) und Girelka (Šr D) sind vom selben Basilexem Lit. gir- abgeleitet. Girià wurde durch das litauische girià „großer Wald“ (LVŽ III: 198) motiviert; seine Konzeptualisierung wird wie folgt dargestellt: Lit. girià → großer Wald → Girià. Das Drimonym Girėlė sollte in allen Fällen durch das Appellativ Lit. girià beeinflusst worden sein, das einen großen Wald bezeichnet, doch der litauische Suf –elė bezeichnet das Konzept der Kleinheit. Der Wald konnte jedoch nicht gleichzeitig groß und klein sein. Daher wäre es logischer, den Suf –elė mit der Bedeutung von Wohlgefallen zu verbinden (Ubrutis 2009: 310). Der Name sollte somit wie folgt konzeptualisiert worden sein: Lit. gir- + lit. Suf –elė → ein angenehmer Wald → Girėlė. Das Konzeptualisierungsmodell von Girelka wird durch den slawischen Suf –ka/–ка beeinflusst, der gewöhnlich in Diminutivformen verwendet wird, die das Konzept der Kleinheit oder des Wohlgefallens ausdrücken (vgl. Voronina 2012: 15). Wie bei Girėlė scheint die semantische Bedeutung der geringen Größe unlogisch; daher ist es wahrscheinlich, dass der Suf das Konzept des Wohlgefallens ausdrückt: Lit. gir- + lit. Suf –el + slav. Suf –ka/–ка → ein angenehmer Wald → Girelka. Der letzte Name dieser Gruppe dient ebenfalls als toponymisches Denkmal, das den Einfluss der slawischen Sprachen auf die nationale Weltanschauung übermittelt.
Gõjus (El D, Šr D) ist mithilfe der slawischen Wurzel aũ sowie des litauischen gõjus „ein kleiner, schöner Wald, Hain“ (LKŽe; LVŽ III: 237) gebildet. Im Namen werden die Konzepte der Kleinheit und des Wohlgefallens verwendet. Die folgende Konzeptualisierung wird sichtbar: Slav. zaũ → ein kleiner, schöner Wald → Gõjus. Der slawische Ursprung des Onyms darf nicht unbeachtet bleiben, da er wertvolle Informationen über den Einfluss der slawischen Sprachen auf die litauischen Gebiete liefert.
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Krūmai (Šr D) könnte vom litauischen krūmai „ein junger Wald aus kleinen Bäumen“ (LKŽė) stammen. Die Konzeptualisierung des Drionyms könnte lauten: Lit. krūmai → ein Wald aus jungen und kleinen Bäumen → Krūmai.
Der Einfluss der slavischen Sprachen ist in Maladakas (Šlčn D) zu beobachten, das mit slavischen Lexemen in Verbindung gebracht werden könnte, d. h. mit russ. Молод, -а (BTSe); weißruss. молода (Skarnik.by); in beiden Fällen ist das Konzept der Jugend festzustellen. Allerdings betont russ. Молод, -а auch die Bedeutung „etwas, das erst kürzlich entstanden ist, zu existieren oder zu wachsen begonnen hat“ (BTSe). An dieser Stelle könnte die Übertragung des jungen Waldes beobachtet werden. Daher kann es folgendes Konzeptualisierungsmodell geben: russ. Молод, -а; weißruss. молода → ein Wald aus kürzlich gepflanzten Bäumen → Maladakas.
Medelȳnas (Ukm D) steht mit lit. medelȳnas „ein Ort zum Anbau von Bäumen und Obstbäumen, Arboretum“ (LKŽė) in Verbindung. Diese Benennung bedeutet, dass Obstbäume das Gebiet möglicherweise bedecken und dort angebaut werden. Das Konzept wird übertragen als: lit. medelȳnas → ein Wald aus Bäumen/Obstbäumen → Medelȳnas.
Samānis (El D) könnte mit lit. samānis „in Moos lebend, aus Moos gemacht“ (LKŽė) in Verbindung gebracht werden. Das Drymonym konzeptualisiert die Vegetation, die vermutlich den Boden und die Bäume im Wald bedeckt: lit. samānis → ein mit Moos bedeckter Wald → Samānis.
Tānkmīškis (Trak D) ist ein zusammengesetzter Name, der aus zwei litauischen Lexemen gebildet ist: tānkus „aus eng beieinanderliegenden gleichartigen Teilen bestehend, dicht“ und lit. miškas „ein mit Bäumen bedeckter Ort, ein Wald“ (LKŽė). Die semantische Bedeutung des Namens besagt, dass der Wald durch üppige Vegetation gekennzeichnet sein könnte. Daher wird der Name konzeptualisiert als: lit. tānkus + lit. miškas → ein Wald mit dichter Vegetation → Tānkmīškis.
Es besteht kein Zweifel, dass diese Onyma semantisch motiviert waren. Sie offenbaren die Konzepte der Größe, der Vegetationsdichte, der Schönheit und des Alters des Waldes. Insgesamt enthält dieser Abschnitt 15 Drymonyme, von denen die Mehrheit litauischen Ursprungs ist (12), zwei von den slavischen Sprachen beeinflusst sind und eines ein kontaminiertes Drymonym ist, das eine slavische Flexion enthält. Der Einfluss der in den Nachbarländern gesprochenen Sprachen ist unvermeidlich, da Litauen eine gemeinsame Geschichte mit den slavischen Kulturen hat.
1.3. Drymonyme, die die Landschaft widerspiegeln
In diesem Kapitel werden Namen vorgestellt, die den Landschaftscharakter eines bestimmten Gebiets widerspiegeln. Es wäre sinnvoll, auf Aleksandras Vanagas (1981: 20) zu verweisen, der feststellte, dass alle landschaftlichen Besonderheiten spezifische Namen haben. Daher sind Hydronyme, die ihre Namen von diesen Besonderheiten erhielten,
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als nomenklatorische Termini zu betrachten. Sie sind nicht mit Semantik beladen. Stattdessen beschreiben sie die Besonderheiten der Lage eines Sees oder Flusses. Diese Namen speichern jedoch Informationen, die einerseits für verschiedene Gebiete in unterschiedlichen Territorien charakteristisch sein können, andererseits aber auch die physiografischen Merkmale des untersuchten Territoriums beschreiben und die Konzepte der unterscheidenden Standortmerkmale beinhalten.
Miškytė (Ukm D) ist ein Derivat aus lit. miškas „Wald“ und litauischem Suf -ytė. Es bezieht sich auf ein mit Bäumen bewachsenes Gebiet, einen Wald: lit. mišk- + litauischer Suf -ytė → ein Wald → Miškytė. Überraschenderweise ist dieses Drymonym wahrscheinlich eines der seltenen Beispiele, bei denen der Name tatsächlich ein nomenklatorischer Terminus ist. Es stellt lediglich die Tatsache fest, dass das Gebiet mit Wald bedeckt ist.
Die Besonderheiten des Standorts sind auch in Raištas (El D, Šr D, Ukm D) kodiert. Diese Drymonyme wurden durch lit. raištas „ein klebriger, mit Sträuchern oder Bäumen bedeckter Ort, ein Sumpf“ (LKŽe) motiviert. Daher bezeichnet es nicht nur die Merkmale des Waldes, sondern kann auch eine Warnung vor dem sumpfigen Gebiet sein. Der Name wird konzeptualisiert als: lit. raištas → ein Wald in einem sumpfigen Gebiet → Raištas. Außerdem gibt es Raišteliai (Šr D), das aus demselben Lexem lit. raist abgeleitet wurde und aus lit. raištas mittels des litauischen Suf -ėlis entstand. Der Name verwendet wahrscheinlich das Konzept der Kleinheit.⁶ Die Pluralform des Drymonyms betont, dass die Waldfläche von mehreren Sümpfen bedeckt ist. Das Konzeptualisierungsmodell könnte lauten: lit. raist- + litauischer Suf -ėlai → ein Wald in einem Gebiet mit vielen kleinen Sümpfen → Raišteliai.
Ein weiteres Beispiel könnte Skynimas (El D) sein, das aus lit. skýnimas, skynìmas, skýnymas, skynýmas „eine abgeholzte Waldseite“ (LKŽe) abgeleitet ist und den Teil des Waldgebiets konzeptualisiert, der abgeholzt wurde: lit. skýnimas, skynìmas, skýnymas, skynýmas → ein Wald, von dem ein Teil abgeholzt ist → Skynimas.
Šilas (Ščn D, Šr D), Šilai (Tr D) und Šilėlis (V D, Tr D, El D, Ukm D, Šr D) werden durch das litauische Lexem šil vereint und sind von lit. šilas „ein Wald aus hohen, geraden Nadelbäumen (bes. Kiefern), die in Sanddünen wachsen“ (LKŽe) abgeleitet. Das Konzeptualisierungsmodell lässt sich sowohl für Šilas als auch für Šilai leicht erschließen. Letzteres ist eine Pluralform Šilas: lit. šilas → ein in Sanddünen wachsender Nadelwald → Šilas, Šilai. Der Name offenbart nicht nur, welche Baumart im Wald vorherrscht, sondern betont auch die Besonderheiten des Bodens und stellt fest, dass dieser hauptsächlich aus Sand besteht. Šilėlis bezieht sich wahrscheinlich auf die geringe Größe, da der litauische Suf -elis⁷ hinzugefügt wird. Die Konzeptualisierung unterscheidet sich in: lit. šil- + litauischer Suf -elis → ein kleiner, in Sanddünen wachsender Nadelwald → Šilėlis.
⁶ Vgl. Urbutis 2009: 330.
⁷ Vgl. Urbutis 2009: 330.
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Šlaitas (Ukm D) entstand wahrscheinlich aus lit. šlaitas „ein mit Bäumen und Sträuchern bedecktes Hanggebiet, ein Abhang“ (LKŽe). Das Onym übermittelt wichtige Einzelheiten über die Landschaft des Waldes. Das Konzeptualisierungsmodell wird dargestellt als: lit. šlaitas → ein Wald am Hang → Šlaitas. Šlaitai (Trak D) drückt die genaue Bedeutung eines abschüssigen Gebiets aus, obwohl die Pluralform bedeuten kann, dass das Gebiet voller mit Wald bedeckter Hänge ist: lit. šlait- + –ai → ein Wald in einem Gebiet voller Hänge → Šlaitai.
Ein interessanter Fall ist Zaliesė (Ukm D), das wahrscheinlich aus russ. залесье „das Gebiet hinter dem Wald“ (Guseva 1971: 94; Gun’ko 2015: 176) hervorgegangen ist. Das Drymonym zeigt an, dass der benannte Wald hinter anderen Wäldern liegt. Die der Autorin zum Zeitpunkt der Abfassung verfügbaren extralinguistischen Daten ergaben jedoch, dass der nächstgelegene Wald8 29 km entfernt ist (GP). Bemerkenswert ist, dass das Toponym Залесье in der gesamten slavischen Welt verbreitet ist und häufig als Orientierungsterminus9 bezeichnet wird (Guseva 1971: 91, 94). Die Konzeptualisierung anderer Toponyme mit demselben Namen ist transparent, die Motivation hinter dem Drymonym bleibt jedoch unklar. Die einzig logische Erklärung ist, dass ein Teil des Feldes hinter dem Wald als Zaliesė bezeichnet wurde; als das Gebiet zuwuchs, wurde der Name auf den Wald übertragen. In diesem Fall wird das Konzept des Standorts vermittelt: russ. залесье → ein Wald hinter Wäldern → Zaliesė. Leider gibt es keinen Beleg dafür, dass die Felder oder ihre Teile rund um den Wald Zaliesė als Zaliesė bezeichnet wurden. Daher ist die von der Autorin geäußerte Vorstellung lediglich eine Frage der Interpretation. Dieses Onym ist wahrscheinlich ein weiterer reiner nomenklatorischer Terminus.
Drymonyme, die sich auf die Besonderheiten der Landschaft beziehen, können einerseits als nomenklatorische Termini betrachtet werden, wie Vanagas (1981) vorgeschlagen hat. Andererseits ist in diesen Namen eine ungewöhnliche Landschaft enthalten. In einigen Fällen tragen die Namen keine wesentliche semantische Bedeutung, wie bei Miškytė. Die anderen Beispiele zeigen jedoch, dass das bewaldete Gebiet sumpfig ist. Teile der Waldgebiete sind abgeholzt, manche Wälder wuchsen auf sandigem Boden, andere bedeckten abschüssige Gebiete. Im heutigen Landkreis Vilnius gibt es 17 Drymonyme, die in diese Kategorie fallen.
1.4. Drymonyme, die die Fauna widerspiegeln
So wie die am weitesten verbreiteten Vegetationsarten in der Toponymie enthalten sind, gilt dies auch für die vorherrschenden Faunaarten. Überraschenderweise gibt es in den Drymonymen des Landkreises Vilnius nur wenige Fälle einer Manifestation der Fauna.
8 Vgl. den Wald Lančiūnavos.
9 Russ. Термины-ориентиры (vgl. Guseva 1971: 91).
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Barsiukynė (V D) entstand höchstwahrscheinlich aus lit. barsiukynė „der Wohnort von Dachsen im Wald“ (LVŽ I: 382). Das Drymonym macht deutlich, dass der Ort von Dachsverbänden dominiert wird: lit. barsiukynė → der Wohnort von Dachsen → Barsiukynė.
Gyvatynė ist von lit. gyvatýnas, gyvatýnė „ein Ort voller Schlangen“ (LVŽ III: 216) abgeleitet. Somit wird das Konzept der vorherrschenden Faunaart übertragen: lit. gyvatýnas, gyvatýnė → ein Ort voller Schlangen → Gyvatynė.
Pavarnālizdė (Trak D) ist eine Zusammensetzung aus lit. várna „ein Vogel aus der Familie der Krähen mit grauen und schwarzen Federn, eine Krähe“ und lit. lizdas „der Ort des Eierlegens, Brütens und Aufziehens, ein Nest“ (LKŽe), gebildet mithilfe des litauischen Präfixes pa, das in den meisten Fällen das Konzept des Ortes ausdrückt und die Bedeutung „unter etwas befindlich“ hat (Kniūkšta 2004). Der Name verkörpert folgendes Konzeptualisierungsmodell: litauischer Präf pa- + lit. várna + lit. lizdas → ein Wald, in dem es viele Krähennester gibt → Pavarnālizdė.
Žvėrinčius (Šr D) stammt wahrscheinlich von lit. žvėrinčius, žvėrynas, vgl. žvėris „ein wildes Säugetier“ (LKŽe). Im Litauischen werden žvėrinčius, žvėrynas mit „einem Ort, an dem Tiere zur Besichtigung durch Besucher gehalten werden“ (LKŽe) in Verbindung gebracht, was in diesem Fall unwahrscheinlich ist. Der Name könnte jedoch bildlich andeuten, dass es in diesem Wald viele Tiere gibt, die vielleicht sogar zur Jagd gefüttert werden. Daher würde er folgendem Konzeptualisierungsmodell folgen: lit. žvėrinčius, žvėrynas → ein Wald, in dem viele Wildtiere leben → Žvėrinčius.
Es gibt nur vier Drymonyme, die die Konzepte der Fauna vermitteln. Sie konzeptualisieren Säugetiere, Reptilien und Vögel und verschlüsseln das Bild von Wildtieren als solchen.
2. DRYMONYME MIT UNKLARER SEMANTIK UND MOTIVATION
Drymonyme, die zum Bereich der Physis gehören, weisen ebenfalls eine undurchsichtige Semantik und Motivation auf. Dies ist auf die unklaren Grenzen zwischen den Motivationstypen zurückzuführen, da es für diese Fälle kaum oder gar keine Belege gibt und sie Gegenstand der Interpretation bleiben. Die Drymonyme dieses Teils werden in Gruppen analysiert: 1) motiviert durch polyseme Appellativa, 2) motiviert durch Appellativa oder Eigennamen und 3) motiviert durch polyseme Appellativa oder Eigennamen.
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2.1. Durch polyseme Appellativa motivierte Drymonyme
Die unklare Motivationsquelle in dieser Kategorie betrifft die mehrdeutige Natur der motivierenden Appellativa des Drymonyms. Die aufgestellten Annahmen sind plausibel, und es lässt sich nicht feststellen, welches Konzept im Drymonym kodiert wurde. In dieser Kategorie gibt es nur ein Drymonym. Es handelt sich um den Wald Černicos, der seinen Namen wahrscheinlich dem polnischen czernica „Brombeere“ (PWNe) verdankt. Der Name beschreibt, welche Waldprodukte dort vorkommen: pol. czernica → ein Wald, in dem Brombeeren wachsen → Černicos-Wald. Andererseits darf die Möglichkeit eines anderen Ursprungs nicht außer Acht gelassen werden: Pol. czernica bedeutet „Wildente mit einem auffälligen Schopf auf dem Kopf, Reiherente“ (PWNe). Diese Motivation ist wahrscheinlich, weil diese Entenart in Litauen häufig vorkommt (VLEe). Folglich könnten Kolonien dieser Vögel in der Umgebung zu finden gewesen sein: czernica → ein Wald, in dem Entenschwärme leben → Černicos-Wald. Unter Berücksichtigung beider Varianten ist die erste jedoch überzeugender. Brombeeren wachsen gewöhnlich in Dickichten oder am Waldrand. Ihre Verbreitung im Gebiet Litauens ist unbestreitbar (Gudžinskas 1999). Wildenten lassen sich dagegen typischerweise nicht in Wäldern nieder. Sie bevorzugen vielmehr kleine Seen, Flüsse oder Teiche (VLEe). In der Umgebung gibt es keine Gewässer. Folglich verliert diese Motivation ihre Grundlage.
2.2. Durch ein Appellativum oder einen Eigennamen motivierte Drymonyme
In diesem Teil des Beitrags werden die Namen beschrieben, die von Eigennamen und Appellativa abgeleitet sein könnten, wobei vorausgesetzt wird, dass die Konzepte der Physis beide beeinflusst haben. Bisher ist es jedoch kaum möglich zu behaupten, auf welche Motivationsquelle das Drymonym zurückgeführt werden kann. Wenn Drymonyme durch einen Eigennamen motiviert wären, würden sie das Konzept der Possessivität ausdrücken und die Verbindung zum Konzept der Physis verlieren. Wenn jedoch ein Appellativum den Kern der Motivation des Drymonyms bildete, könnte ein anderes Konzeptualisierungsmodell verwendet worden sein. Im Folgenden werden fünf Beispiele vorgestellt.
Balandžio miškas (Šr D) drückt durch den Possessivfall (lit. Kilmininkas) das Konzept der Possessivität aus. Üblicherweise könnte das Konzept der vorherrschenden Fauna des Ortes verwendet worden sein. Der Name könnte mit lit. balandis „ein solcher Vogel, eine Sau, eine Taube“ (LKŽe) in Verbindung gebracht werden. In diesem Fall ist der Name des Waldes das Konzept eines für das Gebiet charakteristischen Vogels:
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Lit. balañdis → ein Wald, in dem Tauben leben → Balañdžio miškas. Allerdings darf nicht übersehen werden, dass der Name vom litauischen PN Balañdis (LVŽ I: 323) abgeleitet sein kann, der ebenfalls von lit. balañdis (eine Taube) abgeleitet ist; das Motiv für das Drymonym wäre jedoch ein ganz anderes. In diesem Fall würde es sich bereits um Possessivbeziehungen handeln, d. h. lit. PN Balañdis → ein Wald im Besitz von Balañdis → Balañdžio miškas.
Dasselbe ist in Barsiùko miškas (Šr D) zu beobachten; der Beitrag hat bereits das Konzeptualisierungsmodell für den Wald mit derselben lexikalischen Basis vorgestellt,10 wobei aufgrund seines litauischen Suf -ynė keine Mehrdeutigkeit der Semantik festgestellt wurde.11 Diesmal wird die Mehrdeutigkeit jedoch durch den Possessivfall hervorgerufen, der die Annahme zweier Motivationsquellen ermöglicht. Erstens könnte das Drymonym durch lit. barsiùkas „ein Raubtier mit grobem Fell; Ursus meles (Ursus meles), ein Dachs“ (LVŽ I: 382) beeinflusst worden sein. Wenn diese Variante zutrifft, wird das Konzept der vorherrschenden Fauna ausgedrückt: lit. barsiùkas → ein Wald, in dem Dachsfamilien leben → Barsiùko miškas. Außerdem existiert der litauische PN Barsiùkas (PDBe), und obwohl es keine Daten darüber gibt, dass ein solcher Familienname im Bezirk, in dem der Wald liegt, verbreitet war, sollte diese Variante nicht außer Acht gelassen werden. Daher drückt sie Possessivität aus: lit. PN Barsiùkas → ein Wald im Besitz von Barsiùkas → Barsiùko miškas.
Dasselbe Modell der vorherrschenden Flora/Fauna oder des Besitzes wird in mehreren Namen ausgedrückt. Baravỹkų miškas (Ukm D) kann mit zwei Motivationen in Verbindung gebracht werden; die erste ist appellativischer Natur, wobei der Name von lit. baravỹkas „Pilzart, Steinpilz“ (LVŽ I: 366) abgeleitet ist. Der Possessivfall legt nahe, dass der Wald zu dieser Pilzart gehört, d. h., dass die Exemplare weit verbreitet sind: lit. baravỹkas → ein Wald, in dem es viele Steinpilze gibt → Baravỹkų miškas. Andererseits ist der litauische PN Baravỹkas (PDBe) im Gebiet Litauens weit verbreitet, und obwohl es im Bezirk Ukmergė keine Träger dieses Familiennamens gibt, ist eine solche Motivation dennoch möglich. Das Konzept des Besitzes wird ausgedrückt: lit. PN Baravỹkas → ein Wald im Besitz von Baravỹkas → Baravỹkų miškas.
Dubniàkas (V D) kann mit slavischen Appellativa in Verbindung gebracht werden: weißruss. дубняк, russ. дубняк „mit Eichen bewachsener Ort, junger Eichenwald“ (LVŽ II: 361; BTSe). Die Übertragung der vorherrschenden Flora wird vollzogen: weißruss. Дубняк / russ. дубняк → ein Eichenwald → Dubniàkas. Die Mehrdeutigkeit des motivierenden Konzepts wird durch den litauischen PN Dubniokas, Dubna (Razmukaitė 1998: 107), den litauischen PN Dùbnikas (PDBe) und den weißrussischen PN Дубнік (Biryla 1969: 138) hervorgerufen. Wenn das Onym durch den
10 Vgl. Barsiukynė.
11 Vgl. Ambrazas 1995: 184–185.
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Familiennamen motiviert wäre, würden Besitzverhältnisse ausgedrückt: lit. PN Dubniokas, Dubna, Dùbnikas, weißruss. PN Дубнік, → ein Wald im Besitz von Dubniokas / Dubna / Дубнік / Dùbnikas → Dubniàkas.¹²
Lit. taũras „ein Tier aus der Familie der Hornträger, der Vorfahr des Viehs, ein Auerochse“ (LKŽe) dürfte Taũrų miškas (V D) beeinflusst haben. Belege dafür, dass Auerochsen in Litauen vorkamen, finden sich noch heute in Wäldern und Seen. Ob es sich um einen Schädel oder Hörner handelt, bestätigt dies lediglich die Theorie über die Verbreitung dieser Tiere in freier Wildbahn.¹³ Daher stammt das Drymonym vom Namen dieses Tieres: lit. taũras → ein Wald, in dem einst Auerochsenherden lebten → Taũrų miškas. Zugleich sollten solche litauischen PN wie Tãura, Tauráitis, Taurẽlis usw. (PDBe) nicht außer Acht gelassen werden. In diesem Fall drückt das Drymonym Possessivität aus: lit. PN Tãura, Tauráitis, Taurẽlis → ein Wald im Besitz von Tãura, Tauráitis, Taurẽlis → Taũrų miškas.¹⁴
2.3. Durch einen Eigennamen oder polyseme Appellativa motivierte Drymonyme
Die durch PNs und/oder Appellativa mit mehr als einer Bedeutung motivierten Drymonyme werden hier analysiert. Im Folgenden werden zwei Beispiele vorgestellt. Eines davon ist Kárpių miškas (Ūkm D), das ebenfalls in diese Kategorie fällt, da es durch den litauischen PN Karpius motiviert worden sein könnte, dessen Ursprung mit dem weißrussischen PN Карпусь (Biryla 1966: 95) in Verbindung gebracht werden kann. Die Possessivform des Onyms könnte bedeuten, dass es das Konzept der Possessivität ausdrückt: lit. PN Karpius / weißruss. PN Карпусь → ein Wald im Besitz von Карпусь → Kárpių miškas. Zugleich könnte der Name mit lit. kárpis „Liguster, eine buschige Pflanzenart“ (LKŽe) in Verbindung stehen. In Anbetracht der oben analysierten Drymonyme erhalten diese gewöhnlich ihre Namen aufgrund der vorherrschenden Vegetationsarten; es ist plausibel, dass auch in diesem Drymonym eine solche Art verschlüsselt ist: lit. kárpis → ein Wald, in dem Liguster wächst → Kárpių miškas. Schließlich steht lit. kárpis für den Namen des Fisches „Karpfen“ (LKŽe). Obwohl es in der Umgebung des Waldes einige Flüsse und Teiche gibt, ist diese Variante am wenigsten überzeugend, da sie nach den kognitiven
¹² Die appellativische Natur des Drymonyms ist überzeugender. Erstens ist es ziemlich üblich, Wälder nach der vorherrschenden Baumart zu benennen; dies wurde bereits erörtert. Zweitens sind die Familiennamen Dubniokas, Dubna, Дубнік, Dùbnikas in der untersuchten Region nicht verzeichnet (PDBe).
¹³ Die 1960 in Vilnius durchgeführte paläozoologische Untersuchung ergab, dass 47,5% aller im Gebiet gefundenen Knochen Auerochsen gehörten (Vitkūnas 2009: 6).
¹⁴ Es sollte angemerkt werden, dass diese Variante nur teilweise möglich ist, da die Verbreitung der genannten Familiennamen der Annahme über die Motivation des Drymonyms widerspricht (vgl. PDBe).
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Modellen zufolge hätte es die Arten im Wald oder in der Umgebung widerspiegeln müssen. Wenn es jedoch Gründe gegeben hätte, das Konzept eines Fisches auf den Wald zu übertragen, wäre das Konzeptualisierungsmodell folgendes: lit. kārpis → ein Wald, in dessen Teichen und Flüssen Karpfen leben → Kārpių miškas.
Man kann auch das Drymonym Lapelių miškas (Šr D) betrachten, das durch den litauischen PN Lapėlis motiviert worden sein könnte, der im untersuchten Bezirk nicht gefunden wurde,15 jedoch im Gebiet Litauens existiert. Daher können possessive Beziehungen festgestellt werden: lit. PN Lapėlis → ein Wald im Besitz von Lapėlis → Lapelių miškas. Die appellativische Natur des Onyms sollte nicht ausgeschlossen werden, da es mit lit. lapėlis in Verbindung stehen könnte, dem Diminutiv von lit. lāpas „ein Blatt“ (LKŽe); Grundlage für eine solche Motivation könnte die Baumart im Wald gewesen sein: lit. lapėlis → ein Laubwald → Lapelių miškas. Das Drymonym könnte jedoch auch mit lit. lāpė „ein Fuchs“ in Verbindung stehen; wenn diese Variante zutrifft, sollte der Name des Waldes die Tatsache widerspiegeln, dass es dort Füchse gibt: lit. lāpė + litauischer Suf –elis → ein Wald, in dem Füchse leben → Lapelių miškas.
SCHLUSSFOLGERUNGEN
Zusammenfassend lassen sich aus der Analyse der Drymonyme des heutigen Landkreises Vilnius mehrere Schlussfolgerungen ziehen:
1. Der Bereich der Physis ist eine relativ produktive Motivationsquelle; 65 von 787 Drymonymen wurden durch die Vorstellung der Physis konzeptualisiert.
2. Die untersuchten Drymonyme fallen in zwei Gruppen: solche mit klarer Semantik und Motivation und solche mit undurchsichtiger Semantik und Motivation.
A. Die Manifestation der Physis in der Gruppe mit klarer Semantik und Motivation wird durch Konzepte wie a) vorherrschende Vegetation (21), b) Waldtyp (15), c) Besonderheiten der Landschaft (17) und e) Fauna (9) wahrgenommen.
B. Die Gruppe der Drymonyme mit undurchsichtiger Semantik und Motivation enthält Onyma, die a) aufgrund der Polysemie des motivierenden Konzepts mehrdeutig sind (1), b) entweder appellativischer und/oder eigennamentlicher Natur sind (5) und c) entweder durch ein polysemes Appellativum oder durch Eigennamen motiviert sind (3).
3. Die oben dargestellte Analyse der Drymonyme zeigt die Bedeutung der Physis für die nationale Weltanschauung. Drymonyme, die auf den
15 Vgl. PDBe.
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ersten Blick keine semantische Bedeutung tragen, offenbaren, welche biologische Vielfalt und welches topografische Relief für die Region charakteristisch sind, und vermitteln, was für die Bevölkerung jener Zeit tatsächlich wichtig war.
ABKÜRZUNGEN
Weißruss. – Weißrussisch; vgl. – vergleiche; D – Bezirk; El – Elektrėnai; et al. – und andere; Lit. – Litauisch; PN – Personenname; Pol. – Polnisch; Präf. – Präfix; Russ. – Russisch; Slav. – Slavisch; Suf – Suffix; Šlčn – Šalčininkai; Šr – Širvintos; Švčn – Švenčionys; tn – Stadt; Trak – Trakai; Ukm – Ukmergė; V – Vilnius.
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Gamtos apraiškos Vilniaus apskrities drimonimijoje
S A N T R A U K A
Šio tyrimo objektas yra gamtos sąvokomis motyvuoti Vilniaus apskrities drimonimai. Iš 787 atrinktų vardų, funkcionuojančių šių dienų Vilniaus apskrityje, 65-iuose yra įpras minti gamtos konceptai. Į tyrimo lauką nepateko drimonimai, kurių motyvacija siejama su apylinkėse esančiomis gyvenvietėmis ar hidronimais. Iš viso tokių vardų yra 577. Taigi galima teigti, kad gamtos konceptas yra gana turtingas drimonimų motyvacijos šaltinis. Aiškios semantikos ir motyvacijos drimonimai sudaro beveik 88 proc. nagrinėtų vardų, t. y. 57 vardai. Juose yra įpras minti dominuojančios augmenijos (21), paplitusios gyvūnijos (4), miško tipo (15) ir miško kraštovaizdžio (17) konceptai. Ne visai aiškios semantikos ir motyvacijos drimonimai yra nulemti motyvuojančių apeliatyvų polis emijos (1), motyvuojančios sąvokos apeliatyvinės arba tikrinės prigimties (4), o kai kuriais atvejais – abiejų (3). Tyrimas priklauso kognityvinės onomastikos paradigm ai, todėl teigiama, kad visiems vardams yra būdinga semantinė įkrova. Vardų konceptualizavimas pateikiamas per šaltinio ir tikslo sritis, iš kurių šaltinis yra apeliatyvas, o tikslas – drimonimas, t. y. apeliatyvas → konceptualioji struktūra → drimonimas. Šis modelis – tai Nicolo Dobričiaus (2010) pasiūlyto modelio adaptacija, realizuota autoriaus moksliniuose darbuose apie kognityvinį vardų aspektą ir vėliau taikyta Lietuvos mokslininkų darbuose (žr. Skorupa 2021; 2021a).
Neabejojama, kad toponimai atspindi žmonių pasaulėvaizdį, juose išlieka įpras minta tautos istorija, dvasinis ir materialus gyvenimas, buitis ir santykis su supančia aplinka
Straipsniai / Articles
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ALISA STUNŽAITĖ
(Mickienė, Baranauskienė 2019). Gamta yra vienas iš žmoniją supančių elementų, taigi toponimai, iš kurių ir drinomimai, ne tik gali atskleisti, bet ir atskleidžia žmogaus bei gamtos sąveikos duomenis. Gamtos tematika toponimijoje yra gana dažna: aptariami kraštovaizdžio pokyčių atspindžiai (Garcia-Murrilo 2001), toponimuose įprasminta vietovės biologinė įvairovė (Fagundez, Izco 2016), oikonimuose išlikę gyvosios gamtos objektai (Beconytė et al. 2019), į floros ir faunos elementą saugančius toponimus žvelgiama kaip į etninio ir kultūrinio tapatumo ženklus (Skorupa 2021). Vilniaus apskrities dironimai iki šiol nebuvo tiriami gamtos konceptualizavimo aspektu, todėl šio tyrimo duomenys atskleis teritorinę biologinę įvairovę, kraštovaizdžio ypatumus bei dominuojančias augmenijos ir gyvūnijos rūšis, taip išryškindami šio regiono gamtinį pasaulėvaizdį.
Įteikta 2022 m. rugpjūčio 23 d.
ALISA STUNŽAITĖ
Lietuvių kalbos institutas
Petro Vileišio g. 5, LT-10308 Vilnius, Lietuva
alisa.stunz
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Acta Linguistica Lithuanica LXXXVII