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Precedent Proper Names and Their Intercultural Transfer

Roman Vasko; Alla Korolyova; Tetiana Tolcheieva

Abstract

    The article deals with the problem of intercultural transfer of global and precedent proper names as reduced intertexts, which are signs and symbols in an outgoing culture and transmit new senses in perceiving cultures. As a general research idea, we suggest distinguishing the concept of intercultural transfer as a way of transmitting information of a difference in time, nature, and intercultural communication. It involves the study of the specifics of linguistic phenomena in contacting cultures to ensure the effectiveness of communication.    Special attention is paid to the study of correlation of the related but not identical concepts – precedent and intertextual. The first is associated with the linguistic form of the embodiment of the stereotype in the form of a proper name, which is a conductor or source of fixing information in a reduced form. The second one is characterized by the ability to accumulate information by reflecting on reality and extracting it from other texts in a broad sense. The primacy of the precedent of a proper name in proto-culture and the secondary nature of its intertextual character with infinite reproducibility of new senses have been established.    The origin of precedent proper names and their role as linguocultural sources and intertextual information has been determined.    Due to their figurativeness, the main types of proper names are transformed in modern mass culture, which contributes to the formalization of the proper names’ semiotics and actualization of their iconicity. The ultimate goal of the proper name’s form is the pragmatic impact on the recipient of the information in the initial linguoculture and in the process of intercultural transfer.

Full text

ROMAN VASKO Kyiv National Linguistic University ORCID id: orcid.org / 0000-0002-6499-2972 Forschungsgebiete: diachrone Phonologie der germanischen Sprachen, linguistische Prozesse der Semiotisierung von Artefakten der materiellen und geistigen Kultur, Geschichte der antiken Zivilisationen, Geschichte der sumerischen und akkadischen Schrift, interkulturelle Kommunikation usw. ALLA KOROLYOVA Kyiv National Linguistic University ORCID id: orcid.org / 0000-0001-5541-5914 Forschungsgebiete: linguistische Anthropologie, linguistische und makrokomparative Studien, indogermanische Linguistik, kombinatorische Semantik, interkultureller Transfer. TETIANA TOLCHEIЄVA National Pedagogical Dragomanov University ORCID id: orcid.org/0000-0002-9535-9248 Forschungsgebiete: signifikante Artefakte, Präzedenzmetaphern, Theorie der konzeptuellen Integration, Mythonyme. DOI: doi.org/10.35321/al187-06 PRÄZEDENZFÄHIGE EIGENNAMEN UND IHR INTERKULTURELLER TRANSFER Präzedenzfähige Eigennamen und ihr interkultureller Transfer ANNOTATION Der Artikel behandelt das Problem des interkulturellen Transfers globaler und präzedenzfähiger Eigennamen als reduzierter Intertexte, die in einer ausgehenden Kultur Zeichen und Symbole sind Artikel / Articles 119 ROMAN VASKO, ALLA KOROLYOVA, TETIANA TOLCHEIEVA und in den rezipierenden Kulturen neue Bedeutungen vermitteln. Als allgemeine Forschungsidee schlagen wir vor, den Begriff des interkulturellen Transfers als eine Weise der Übermittlung von Informationen zu unterscheiden, die sich hinsichtlich Zeit, Art und interkultureller Kommunikation unterscheiden. Dies umfasst die Untersuchung der Besonderheiten sprachlicher Phänomene in miteinander in Kontakt stehenden Kulturen, um die Effektivität der Kommunikation zu gewährleisten. Besondere Aufmerksamkeit gilt der Untersuchung der Korrelation der verwandten, aber nicht identischen Begriffe – präzedenzfähig und intertextuell. Der erste ist mit der sprachlichen Form der Verkörperung des Stereotyps in Gestalt eines Eigennamens verbunden, der als Vermittler oder Quelle der Fixierung von Informationen in reduzierter Form dient. Der zweite zeichnet sich durch die Fähigkeit aus, Informationen durch die Reflexion der Wirklichkeit zu akkumulieren und sie im weiteren Sinne aus anderen Texten zu extrahieren. Es wurde die Primarität der Präzedenz eines Eigennamens in der Proto-Kultur und die sekundäre Natur seines intertextuellen Charakters bei unendlicher Reproduzierbarkeit neuer Bedeutungen festgestellt. Die Herkunft präzedenzfähiger Eigennamen und ihre Rolle als linguokulturelle Quellen und intertextuelle Information wurden bestimmt. Aufgrund ihrer Bildhaftigkeit werden die wichtigsten Typen von Eigennamen in der modernen Massenkultur transformiert, was zur Formalisierung der Semiotik der Eigennamen und zur Aktualisierung ihrer Ikonizität beiträgt. Das letzte Ziel der Form des Eigennamens ist die pragmatische Wirkung auf den Rezipienten der Information in der ursprünglichen Linguokultur und im Prozess des interkulturellen Transfers. SCHLÜSSELWÖRTER: präzedenzfähige Eigennamen, interkultureller Transfer, Intertextualität, reduzierter Intertext, Semiotik der Eigennamen, miteinander in Kontakt stehende Linguokulturen. ANNOTATION Der Artikel analysiert das Problem des interkulturellen Transfers internationaler und präzedenzfähiger Eigennamen als reduzierter Intertexte, die bestimmte Zeichen und Symbole der Ausgangskultur sind und den aufnehmenden Kulturen neue Bedeutungen vermitteln. Entsprechend der allgemeinen Forschungsidee schlagen wir vor, den Begriff des interkulturellen Transfers als eine Art der Übermittlung von Informationen zu unterscheiden, die sich hinsichtlich Zeit, Art und interkultureller Kommunikation unterscheiden. Dies umfasst auch die Untersuchung der Spezifik sprachlicher Phänomene in interagierenden Kulturen, um die Effektivität der Kommunikation zu gewährleisten. Besondere Aufmerksamkeit gilt der Korrelation der verwandten, aber nicht identischen Begriffe – präzedenzfähig und intertextuell. Der erste Begriff ist mit der sprachlichen Form der Verkörperung des Stereotyps verbunden, die durch einen Eigennamen ausgedrückt wird und ein Vermittler oder eine Quelle der Fixierung von Informationen in reduzierter Form ist. Der zweite Begriff wird als Fähigkeit definiert, Informationen durch die Reflexion der Wirklichkeit zu akkumulieren und sie im weiteren Sinne aus anderen Texten zusammenzutragen. Der Artikel stellt die Priorität der Präzedenz des Eigennamens in der Ausgangskultur und den sekundären Charakter seiner Intertextualität mit unbegrenzter Möglichkeit zur Schaffung neuer Bedeutungen fest. 120 Acta Linguistica Lithuanica LXXXVII Präzedenzfähige Eigennamen und ihr interkultureller Transfer Im Artikel wurden die Herkunft präzedenzfähiger Eigennamen und ihre Rolle als linguokulturelle Quellen und intertextuelle Information bestimmt. Die Bildhaftigkeit der wichtigsten Typen von Eigennamen ermöglicht ihre Transformation in der modernen Massenkultur, was zur Formalisierung der Semiotik der Eigennamen und zur Aktualisierung ihrer Ikonizität beiträgt. Das letzte Ziel der Form des Eigennamens ist die pragmatische Wirkung der Information auf den Adressaten in der ursprünglichen Linguokultur und im Prozess des interkulturellen Transfers. SCHLÜSSELWÖRTER: präzedenzfähige Eigennamen, interkultureller Transfer, Intertextualität, reduzierter Intertext, Semiotik der Eigennamen, interagierende Linguokulturen. EINLEITUNG Die kognitive Onomastik (Karpenko 2010, 2015; Jurka 2009) ist einer der neuen Zweige der kognitiven Linguistik. Die Hauptaufgabe der kognitiven Onomastik besteht darin, theoretische Grundlagen und methodologische Verfahren zu entwickeln, die auf die Untersuchung der Mechanismen der Mentalisierung von Eigennamen/Onymen (Héois 2020; Vaxelaire 2016) sowohl im individuellen als auch im kollektiven Sprachbewusstsein der Vertreter einer bestimmten Sprachkultur abzielen. Der Besitz von Hintergrundwissen, das Teil der kognitiven Basis ist und einen invarianten Charakter hat, „erlaubt es dem Individuum nach D. B. Gudkov, sich im Raum der Linguokultur zu orientieren und ihre Normen und Regeln einzuhalten“ (2003). Die Grundlage eines solchen Wissens in der kognitiven Basis der Linguokultur bilden Präzedenzphänomene (Bahan 2014; Kal’čenko 2014; Saxaruk 2011 usw.). Ohne auf die Entwicklungsgeschichte der Präzedenztheorie einzugehen, wollen wir nur kurz bei jenen Punkten verweilen, die der Klassifikation der mit der Präzedenz verbundenen Phänomene entsprechen. Zugleich stellen wir fest, dass die Methodologie zur Untersuchung dieser Phänomene erst Ende des 20. Jahrhunderts th – Anfang des 21.st Jahrhunderts aktiv entwickelt wurde. Unserer Ansicht nach wurde der Begriff „Präzedenztext“ am weitesten verbreitet. Er erwarb rasch eine Reihe von Dubletten, darunter den Bezeichner „Präzedenz“ in seiner Zusammensetzung. Je aktiver diese Reihe ergänzt wurde, desto deutlicher reifte die Notwendigkeit ihrer Differenzierung. Im Laufe der Zeit wurde der Begriff „Präzedenzphänomen“ als Hyperonym für alle Hyponyme mit dem Bezeichner „Präzedenz“ vorgeschlagen. Die Übersicht der wissenschaftlichen Literatur zeigt, dass folgende Hyponyme am häufigsten vorkommen: 1) „Präzedenztext“, 2) „Präzedenzsituation“, 3) „Präzedenzäußerung“ und 4) „präzedenzfähiger Eigenname“. Artikel / Articles 121 ROMAN VASKO, ALLA KOROLYOVA, TETIANA TOLCHEIEVA In jüngster Zeit beobachten wir die Erprobung des Begriffs „Präzedenzwelt“, beispielsweise in der Arbeit von Genadij G. Slyškin Linguokulturelle Konzepte und Metakonzepte (2004: 154). Der Wissenschaftler definiert die Präzedenzwelt als eine Gesamtheit individueller Präzedenzphänomene (Namen, Äußerungen, Situationen), die 1) auf eine einzige Quelle zurückgehen, 2) von Muttersprachlern als miteinander verbunden wahrgenommen werden, 3) in verschiedenen Kombinationen miteinander regelmäßig aktualisiert werden (Slyškin 2004: 154). G. G. Slyškin ist zugleich der Ansicht, dass der Rückgriff auf Präzedenzwelten die Vermittlung komplexerer kultureller Bedeutungen ermöglicht als der Rückgriff auf einzelne Präzedenzphänomene. Eine solche Aussage ist unserer Meinung nach jedoch nicht hinreichend überzeugend, da jeder der oben genannten Typen von Präzedenzphänomenen (Namen, Äußerungen, Situationen) die drei genannten Bedingungen gleichermaßen erfüllt und zur Übermittlung eines komplexen semantischen Inhalts beiträgt. Um unseren Standpunkt zu begründen, legen wir unter Berücksichtigung unserer Korrektur die in der wissenschaftlichen Literatur vorhandenen Definitionen für jedes der vier Hyponyme der Präzedenzphänomene vor. Ein „Präzedenztext“ ist ein komplexes Zeichen, das einem Vertreter der Linguokultur vertraut ist und auf das im Kommunikationsprozess häufig mithilfe von mit diesem Text verbundenen Äußerungen und Symbolen zurückgegriffen wird. Eine „Präzedenzsituation“ ist eine Art Prototypsituation mit für ihr Stereotyp charakteristischen Konnotationen. Eine „Präzedenzäußerung“ ist ein Sprechfragment, das ein bekanntes Zitat enthält. Ein „präzedenzfähiger Eigenname“ ist ein Individualname, der entweder mit seinen weithin bekannten Zitaten oder ganzen Texten verbunden ist, die präzedenzfähig geworden sind, oder mit Situationen, die den Vertretern der Linguokultur bekannt sind. Was den präzedenzfähigen Eigennamen betrifft, ist leicht zu erkennen, dass sein wissenschaftlicher Geltungsbereich eng mit den drei vorherigen Typen von Präzedenzphänomenen verbunden ist. Wir weisen lediglich darauf hin, dass man heute in onomastischen Arbeiten die Aktivierung verschiedener Varianten zur Erprobung des Begriffs „präzedenzfähige Eigennamen“ beobachten kann, etwa „Präzedenzonyme“ (Naximova 2011), „Präzedenztoponyme“ (Berezovič 2009) usw.; darauf werden wir im Forschungsteil des Artikels weiter unten eingehen. Insbesondere bildet die Präzedenztheorie die Grundlage der Intertextualitätstheorie. Wenn wir somit zur Frage nach dem Wesen des Begriffs „Präzedenzwelt“ in der Auffassung von G. G. Slyškin zurückkehren, gibt es allen Grund zu behaupten, dass komplexe Bedeutungen nicht von den eigentlichen Präzedenzphänomenen übertragen werden, sondern von jenen, die einen intertextuellen Status erlangt haben (sowohl individuell als auch in Kombination miteinander). Im Zusammenhang mit einer solchen Problemstellung stellt sich die Frage: Ist jeder Eigenname ein Präzedenzfall? Die Antwort auf diese Frage ist offensichtlich, wenn wir berücksichtigen, dass die Präzedenz des Onyms durch seine kognitiv-semiotische Funktion und anschließend durch seine potenzielle Fähigkeit bedingt ist, intertextuelle Bedeutungen im Raum der ursprünglichen Linguokultur zu erzeugen und zu reproduzieren. Wenn ein Eigenname 122 Acta Linguistica Lithuanica LXXXVII Präzedenzfähige Eigennamen und ihr interkultureller Transfer in eine andere Linguokultur migriert, erlangt er im Prozess der Übertragung seiner intertextuellen Bedeutungen einen internationalen, d. h. globalen Charakter. Im Prozess der Transferisierung erfahren die Ony me der ursprünglichen Linguokultur in der aufnehmenden Kultur erhebliche Veränderungen in Form und Bedeutung bis hin zu ihrer Ersetzung; zugleich verlieren sie jedoch nicht ihre intertextuellen Verbindungen zum Donor. Aufgrund dieser Verbindungen findet die Internationalisierung oder Globalisierung der Ony me statt. Die im Artikel formulierte wissenschaftliche Idee ist relevant und vielversprechend für die weitere Entwicklung der theoretischen Grundlagen der modernen kognitiven Onomastik, deren Vertreter (Karpenko 2015 und andere) uns einerseits davon überzeugen, dass Ony me nicht nur eine Semantik, sondern auch konzeptuelle Merkmale und sogar eine Rahmenstruktur besitzen; andererseits wird besondere Aufmerksamkeit der Erschließung ihrer Bedeutungen als Präzedenzphänomene der Linguokultur gewidmet (Bahan 2014: 44–45). Präzedenzphänomene können sowohl innerhalb desselben linguokulturellen Raums als auch im Prozess des interkulturellen Transfers die Rolle der Stereotypisierung von Wissen übernehmen. Der Zweck des Artikels besteht darin, Eigennamen als Präzedenzphänomene der ursprünglichen Linguokultur und ihre Fähigkeit zu betrachten, im Prozess und als Ergebnis des interkulturellen Transfers in den aufnehmenden Linguokulturen neue Bedeutungen zu erzeugen. Die Ziele des Artikels: – das Verhältnis zwischen den Begriffen „Präzedenz“ und „Intertextualität“ sowie „Intertextualität“ und „Intertext“ zu klären; – den Begriff „onymischer Intertext“ in den wissenschaftlichen Apparat der kognitiven Onomastik einzuführen; – einen methodologischen Algorithmus zur Analyse der drei Phasen des interkulturellen Transfers präzedenzfähiger Eigennamen zu entwickeln; – anhand der Analysebeispiele von Eigennamen ihre im Prozess und als Ergebnis des interkulturellen Transfers aktualisierte präzedenzielle, intertextuelle und globale Natur offenzulegen; – neue Tendenzen nachzuverfolgen, die mit der Phase der formalen Semiotisierung präzedenzfähiger Eigennamen verbunden sind. 1. VERHÄLTNIS DER BEGRIFFE PRÄZEDENZ, INTERTEXTUALITÄT UND INTERTEXT Der Prozess der Globalisierung aller Lebensbereiche in jeder Gesellschaft erfordert heute eine gründlichere Untersuchung der nationalen und kulturellen Besonderheiten Artikel / Articles 123 ROMAN VASKO, ALLA KOROLYOVA, TETIANA TOLCHEIEVA der interkulturellen Kommunikation sowie des Prozesses des Wissenstransfers, des sogenannten „Transfers“ (Proskurin, Proskurina 2017). Üblicherweise werden zwei Arten des interkulturellen Transfers unterschieden: die Kommunikation selbst und der Wissenstransfer. Kommunikation findet immer synchron, im selben Zeitabschnitt, statt, während der Wissenstransfer einen zusätzlichen Rückgriff auf bereits akkumuliertes Wissen beinhaltet, das mit unterschiedlichen Zeitabschnitten, Ereignissen usw. verbunden ist. Diese Aussagen weisen darauf hin, dass sowohl Kommunikation als auch Wissenstransfer an solche Phänomene wie Präzedenz grenzen, die auf dem Stereotyp von Vorstellungen über Fragmente und Objekte der umgebenden Welt und deren Verbalisierung in nationalen Linguokulturen beruhen, sowie an Intertextualität, die vor allem mit der Reflexion kultureller Kontakte zwischen Generationen verbunden ist. Intertextualität ist nach Jurij M. Lotman eine Art „semiotisches Gedächtnis der Kultur“, das nicht nur durch die Kenntnis von Fragmenten der Wirklichkeit die Akkumulation neuer Informationen, sondern auch die Wege ihrer Gewinnung aus bestehenden Texten kennzeichnet (2001: 213). In diesem Zusammenhang betonte er (Lotman 2001: 213), dass „der Text nicht an sich existiert, sondern notwendigerweise in historische, reale oder bedingte Kontexte eingebettet ist [...]; daher ist die Wahrnehmung des Textes außerhalb dieses Hintergrunds nicht möglich.“ Wenn wir Intertextualität als ein zentrales Instrument für die Übertragung von Bedeutungen betrachten, deren Ursprünge auf Fragmente verschiedener Zeiten zurückgehen, wenden wir uns der Definition von Vladimir N. Toporov zu, der den Text als eine Art „diachronische Matrix“ bezeichnete (Toporov 1987), bei deren Konstruktion ein anderer Text hervorgehoben wird. Die materielle Verkörperung des Intertextualitätsprozesses ist der Intertext, der Verweise auf den Donortext und sein semantisches Potenzial bzw. das sogenannte Invariante enthält (Rjabinina 2007). Eine Art eines solchen Intertexts in gefalteter Form ist ein Eigenname/Onym. Als Zeichen von Präzedenztexten, Präzedenzsituationen und Präzedenzäußerungen erlangen Eigennamen Popularität in der Linguokultur und werden somit zu Aktualisatoren neuer Bedeutungen in der Struktur fertiger Intertexte. In diesem Fall erfüllen sie bereits eine kognitiv-semiotische Funktion als kulturell motivierte Marker bedeutender Ereignisse, Fakten und Situationen, wobei sie der Identifikationsfunktion, d. h. den Etiketten, eine sekundäre Rolle zuweisen. Im Prozess des interkulturellen Transfers strahlt ein Eigenname unabhängig als gefalteter Intertext (zu seiner Bezeichnung schlagen wir im Artikel den neuen Begriff „onymischer Intertext“ vor) mit bereits erworbener Symbolik und semantischer Last in der ausgehenden Linguokultur oder als Bestandteil des Intertexts in der aufnehmenden Linguokultur neue Bedeutungen aus und erlangt aufgrund seiner ursprünglichen Präzedenz einen internationalen, sogenannten globalen Charakter. Der onymische Intertext ist daher „ein Produkt der Transformation eines anderen Textes“ (Kristeva 1995: 99), der notwendigerweise die Präzedenzphase in einer der miteinander in Kontakt stehenden Kulturen durchläuft, die später 124 Acta Linguistica Lithuanica LXXXVII Präzedenzfähige Eigennamen und ihr interkultureller Transfer als Generator neuer Bedeutungen in einer bestimmten Richtung und Zeit dient. Mit anderen Worten: Er ist ein Leitfaden für die Erzeugung neuer Bedeutungen auf der Grundlage einer fertigen Präzedenz. Bei der Erörterung der Ontologie des Intertexts und seiner Verbindung mit der Existenzumgebung kultureller Konzepte weist Jurij S. Stepanov (2001: 3) darauf hin, dass „der Intertext nur die erste Sprachebene des Ergebnisses der Interaktion von Texten ist. Die nächsten ‚Ebenen‘ bestehen aus unlesbaren Konstrukten – Konzepten, Bildern, Ideen – ‚mentalen Welten‘ oder deren Komponenten. Mit anderen Worten: Als Marker von Prototexten auf der sprachlichen Ebene wenden sich intertextuelle Einschlüsse auf der kognitiven Ebene an die kognitive Basis der Bedeutungsproduzenten.“ Im weiteren Sinne ist der Intertext ein komplexes Zeichen der ursprünglichen Linguokultur und die häufige Reproduktion von Wendungen (geflügelten Worten, Äußerungen berühmter Persönlichkeiten, Zitaten usw.) aus den Diskursen einer bestimmten Linguokultur. Eine ähnliche Definition des Intertexts finden wir bei Galina V. Denisova, die dieses Konstrukt ebenfalls als Ergebnis des Verweises auf bedeutende Ereignisse oder kulturelle Fakten definiert, die präzedenzfähig geworden sind, sowie auf Zitate berühmter Persönlichkeiten (2003: 77). Dazu schrieb Boris M. Gasparov: „[...] sprachliche Tätigkeit vollzieht sich als ein kontinuierlicher Strom von Zitaten, die dem Konglomerat des sprachlichen Gedächtnisses entnommen werden. Dieser Zitatenfonds ist mit Einheiten unterschiedlichen Vollständigkeitsgrades gefüllt – kommunikativen Fragmenten, die als seine stationären Teile im Gedächtnis gespeichert sind und mit denen der Sprecher bei der Schaffung und Interpretation von Bedeutungen operiert“ (Gasparov 1996: 14). Majkl Riffater (1980) bezeichnete den Intertext als Invariante eines bestimmten strukturell-semantischen Modells, dessen Varianten in erster Linie in der ursprünglichen Linguokultur im Rahmen der für sie charakteristischen Codes konstruiert werden. Zugleich wird die Linguokultur als ein Raum von Wertbedeutungen verstanden, die von ihren Vertretern im Prozess ihrer Wahrnehmung der Welt geschaffen werden, und ihre Codes als sekundäre Zeichensysteme, in denen verschiedene materielle Mittel zu ihrer Verbalisierung verwendet werden (Kovšova 2009: 241). Die codierte Wertbedeutung bildet ein System von Linguokulturcodes und insgesamt ein sprachliches Weltbild, das das Weltbild einer bestimmten Gesellschaft widerspiegelt ([Ibid.). Was onymische Intertexte betrifft, so stellen sie nach unseren vorläufigen Beobachtungen in ihrer übertragenen Bedeutung die Übertragung eines präzedenzfähigen geflügelten Wortes mit einer onymischen semantischen Komponente und der ihm eigenen linguokulturellen Information dar, um sowohl innerhalb der ursprünglichen Linguokultur als auch im kontaktierenden sprachlichen Weltbild eine neue intertextuelle Bedeutung zu schaffen und zu vermitteln. Die Diskussion über das Vorhandensein von Präzedenzmerkmalen in geflügelten Worten oder phraseologischen Einheiten im weiteren Sinne dauert an. In diesem Zusammenhang sind die Argumente von Viktor P. Grigor’ev (2000: 578–580) von besonderem Interesse, weil es die bekannten geflügelten Worte sind, die mit der sogenannten Artikel / Articles 125 ROMAN VASKO, ALLA KOROLYOVA, TETIANA TOLCHEIEVA „transnationalen“ Phraseologie verbunden sind und „eine neue Gruppe von Kandidaten für Intertexte darstellen“. Grigor’ev merkt ebenfalls an: „Die Zeit für das Konzept der transnationalen Phraseologie ist vielleicht noch nicht gekommen, aber die Voraussetzungen für die Erörterung ihres intertextuellen Codes sind bereits gereift“ (2000: 578–580). Wenn wir unseren Annahmen folgen, dass die Präzedenz eine kognitive Grundlage für die Schaffung intertextueller Bedeutungen ist, und die oben genannten Definitionen der vier Typen von Präzedenzphänomenen berücksichtigen, ist die Antwort offensichtlich zugunsten des Präzedenzstatus eines solchen Typs onymischer Intertexte wie geflügelter Worte. Da außerdem die meisten geflügelten Worte/Wendungen die Stereotype des nationalen Bewusstseins widerspiegeln, ist ihre Präzedenz eine obligatorische propositionale Phase der Intertextualität. Im Fall der globalen präzedenzfähigen Eigennamen spielt gerade die Intertextualität die Rolle eines Übersetzers von Bedeutungen, die sich im Laufe der Zeit bewährt haben und in Form eines besonderen transkulturellen Codes während des gesamten Lebens vieler Völker existieren. Es ist daher kein Zufall, dass Intertextualität als Übertragungscode der Weltkultur betrachtet wird – als ein System traditioneller Werte der Menschheit, sowohl materieller als auch geistiger (Vasko, Korolyova 2021). Um die Bahnen der Entstehung intertextueller Bedeutungen auf der kognitiven Grundlage präzedenzfähiger Eigennamen zu ermitteln und sie anschließend unter Rekonstruktion des primären Inhalts in der ursprünglichen Linguokultur sowie dessen weiterer Übertragung in die aufnehmenden Linguokulturen zu analysieren, werden ein umfassender methodologischer Ansatz sowie entsprechende Methoden und Techniken vorgeschlagen, die im nächsten Absatz beschrieben werden. 2. METHODOLOGIE ZUR UNTERSUCHUNG DES INTERKULTURELLEN TRANSFERS PRÄZEDENZFÄHIGER EIGENNAMEN Mit dem Begriff interkulturelle Kommunikation verstehen Forscher den „Kommunikationsprozess von Sprachpersönlichkeiten, die unterschiedlichen linguokulturellen Gemeinschaften angehören und Unterschiede [...] aufweisen“ (Gudkov 2003a: 51), während Vertreter der Theorie des interkulturellen Transfers Methoden zur Analyse von Interferenzen, Hybridisierungen und Transformationen entwickeln, die sich manifestieren, wenn die Bedeutungen sowohl simultaner als auch nicht-zeitgleicher Phänomene der in Kontakt stehenden Kulturen miteinander in Berührung kommen. Ausgehend von den theoretischen Voraussetzungen zur Untersuchung der Prozesse und Ergebnisse des interkulturellen Transfers sollte man jene Methoden und Techniken anwenden, die vor allem auf die Rekonstruktion der Bahnen der „kulturellen Bewegung“ von Bedeutungen abzielen. 126 Acta Linguistica Lithuanica LXXXVII Präzedenzfähige Eigennamen und ihr interkultureller Transfer Heute wird die Diskussion über die Notwendigkeit fortgesetzt, das methodologische Verfahren zur Analyse der Wege der Transformation jener konzeptuellen Bedeutungen zu verbessern, die entstehen, wenn sie von einer Kultur in eine andere „importiert“ und „exportiert“ werden, da es nicht so sehr um die nationalspezifischen Unterschiede einer bestimmten Kultur geht (denen in der Theorie der interkulturellen Kommunikation besondere Aufmerksamkeit geschenkt wird), sondern vielmehr um die zahlreichen aufgedeckten Migrationsbahnen von Bedeutungen (die für die Theorie des interkulturellen Transfers von Bedeutung sind). Die nachgezeichneten Richtungen der Bildung neuer Bedeutungen präzedenzfähiger Eigennamen in den aufnehmenden Kulturen spiegeln vor allem deren intertextuelle Natur wider, da sie das Ergebnis einer Vermischung (Kombination) von Fragmenten sind, die diese kulturell signifikanten Phänomene bereits im neuen linguokulturellen Raum enthalten. Eine umfassende Methodologie zur Analyse präzedenzfähiger Eigennamen in der ursprünglichen Linguokultur und zur Erzeugung neuer intertextueller Bedeutungen auf ihrer kognitiven Grundlage im Prozess ihres Transfers in die aufnehmende Linguokultur umfasst mehrere obligatorische Schritte unter Verwendung der interpretativ-kontextuellen Methode, der Vergleichsmethode, der linguopragmatischen Methode und der Methode der Komponentenanalyse. Wir stellen die von uns entwickelte Methodologie zur Analyse der Entstehungsbahnen neuer intertextueller Bedeutungen präzedenzfähiger Eigennamen im Prozess ihres interkulturellen Transfers vor. Wie festgestellt wurde, wird der Mechanismus des Eindringens von Artefakten einer Kultur in eine andere unter Beteiligung der sogenannten historischen und kulturellen „Vermittler“ (Ursprünge, Quellen) in Gang gesetzt, die Wissen/Bedeutung/Information in einen anderen Wahrnehmungskontext übertragen. Solche Vermittler sind nach den verallgemeinerten Bemerkungen von Elena L. Berezovič (2009), Marija Ė. Rut (2001; 2008), Irina F. Zavarins’ka (2022) Quellen linguokultureller Motivation mit ihren Prototypen, unter denen literarische, antike, religiöse und biblische Eigennamen einen besonderen Platz einnehmen; diese sind unserer Ansicht nach im Prozess des umfassenden Transfers zu internationalen Präzedenzphänomenen geworden. Ihr Transfer in ein anderes Kultursystem ist ein dynamischer Prozess, der aus drei Hauptphasen besteht: Auswahl, Transfer und Rezeption. Diese liegen der vorgeschlagenen Methodologie zur Untersuchung der Präzedenz, Intertextualität und Internationalität von Eigennamen zugrunde. Die erste Stufe ist eine Phase der Auswahl eines präzedenzfähigen Eigennamens in der ursprünglichen Linguokultur. Sie umfasst die Rekonstruktion der Quellen und Ursprünge der linguokulturellen Motivation für die Präzedenz der Eigennamen sowie die anschließende Analyse ihrer Übereinstimmung mit den Kriterien von Präzedenzphänomenen. Als Ergebnis solcher Operationen wird eine Entscheidung über das Motiv vorgeschlagen. Es dient als Quelle für die weitere Schaffung von Zitaten, Anspielungen und Reminiszenzen als neue Art von Wissen und fertigen onymischen Intertexten. Artikel / Articles 127 ROMAN VASKO, ALLA KOROLYOVA, TETIANA TOLCHEIEVA Die zweite Phase ist eine Phase der Übertragung von Wissen in eine andere Linguokultur unter Berücksichtigung der pragmatischen Intention einer Sprachpersönlichkeit oder der Kultur als Ganzes, die bereits geschaffene intertextuelle Bedeutungen zu übertragen. Ein wichtiger Verfahrensmoment in dieser Phase ist die Rekonstruktion der Entwicklungslinien des Erwerbs neuer intertextueller Bedeutungen auf der Grundlage von präzedenten Eigennamen unter Interpretation der Wege ihrer Transformation in den aufnehmenden Kulturen. Zu diesem Zweck ist es notwendig, die kognitive Invariante und die semantische Variante des präzedenten Eigennamens im neuen Intertext als Produkt der übernommenen Linguokultur zu bestimmen. Die dritte Phase ist eine Rezeptionsphase, die mit dem Verfahren des Vergleichs der ursprünglichen Invariante und der neuen Version des onymischen Intertexts verbunden ist. Die Ergebnisse dieses Vergleichs ermöglichen es, ein Diagramm der Entwicklungslinie für das Entstehen neuer Bedeutungen und möglicherweise einer neuen Form eines präzedenten Eigennamens infolge des interkulturellen Transfers für drei Rezeptionsebenen zu erstellen: 1) auf individueller Ebene – für eine einzelne Sprachpersönlichkeit, 2) auf der Ebene sozialer Gruppen, 3) auf der nationalen Ebene der Linguokultur im Allgemeinen. Die dritte Ebene wird es ermöglichen, vom Erwerb eines internationalen Charakters durch einen präzedenten Eigennamen der ursprünglichen Linguokultur zu sprechen. Das abschließende Verfahren in dieser Phase sieht die Feststellung der Funktion des globalen onymischen Intertexts im neuen linguokulturellen Raum vor. Das von uns entwickelte Analysemodell basiert auf der Annahme, dass präzedente Eigennamen sinnkonstituierende Komponenten intertextueller Natur sind; daher ist ihre Analyse vor allem im Rahmen der Theorie des interkulturellen Transfers und der Theorie der Linguopragmatik von wissenschaftlichem Interesse, um die soziale und kulturelle Motivation für die Generierung onymischer Intertexte im aufnehmenden Umfeld und ihre weitere Funktion zu bestimmen. Für die Auswahl des illustrativen Datenmaterials ist es wichtig, mit Sprichwörterbüchern zu arbeiten, die onymische Bedeutungskomponenten in den kontaktierenden Linguokulturen enthalten. 3. ENTWICKLUNGSLINIEN DES ENTSTEHENS NEUER INFORMATIONEN IN PRÄZEDENTEN EIGENNAMEN Wie der im Artikel entwickelte methodologische Algorithmus zeigt, liegt der Schwerpunkt dieser Untersuchung nicht auf der Analyse onymischer Zeichen-Symbole, sondern auf ihrer Präzedenz in der ursprünglichen Linguokultur und auf der Betrachtung der Entwicklungslinien des Entstehens neuer Varianteninformationen, die sekundär ist und auf der kognitiven Grundlage 128 Acta Linguistica Lithuanica LXXXVII Präzedente Eigennamen und ihr interkultureller Transfer des invarianten primären Inhalts des präzedenten Onyms als Produkt einer spezifischen nationalen Linguokultur. Die grundlegende Basis für die Untersuchung der Präzedenz von Eigennamen bilden die Arbeiten von Èduard M. Soloduxo Проблемы интернационализации фразеологии (wörtl. Problems of Internationalization of Phraseology, 1982), Теория фразеологического сближения (wörtl. The Theory of Phraseological Rapprochement, 1989) und anderer Autoren, in denen der Verfasser umfangreiches Material aus den Sprachen der slawischen, germanischen und romanischen Gruppen untersuchte. Das Hauptaugenmerk der Arbeiten des Wissenschaftlers lag auf der Notwendigkeit, Ursprünge und Quellen für die historische und etymologische Untersuchung phraseologischer Einheiten-Internationalismen zu ermitteln (Soloduxo 1982: 133). Zugleich erklärt der Linguist den Begriff der Ursprünge weiter gefasst als den Begriff der Informationsquellen. Die Ursprünge sind die sogenannten Präzedenzfälle: historische, soziale, alltägliche, politische, kulturelle usw. Der Übertragungsträger, der zur Herausbildung des internationalen Charakters der Komponente eines geflügelten Spruchs – in diesem Fall eines Eigennamens – und der phraseologischen Einheit als Ganzes (eines fertigen Intertexts) führt, sind bereits Quellen für die Schaffung intertextueller Bedeutungen verschiedener Zeitrahmen. Dies sind vor allem die alte Geschichte, die Literatur und die Mythologie, die durch zwei Fundi vertreten werden: den griechischen und den römischen, sowie die Bibel, die die Ursprünge interkultureller Wertbedeutungen birgt, die den Status von Präzedenzphänomenen erhalten haben (siehe Zavaryn­s’ka 2022). Die Quellen der Gewinnung intertextueller Bedeutungen enthalten ein bestimmtes „Prototyp- oder Ausgangsmaterial“, das mittels onymischer Zeichen in der ursprünglichen Linguokultur fixiert und in Form neuer intertextueller Informationen an die aufnehmenden Kulturen übermittelt wird. So gehen beispielsweise die präzedenten Eigennamen Jerusalem und Bethlehem auf die Ursprünge der alten Geschichte zurück, und die Quelle ihrer Bedeutungen ist die Bibel. Präzedenz ist eine sprachliche Form der Verkörperung eines Stereotyps, in diesem Fall in Form eines Eigennamens, der als Träger der Informationskonzentration in gefalteter Form fungiert. Das onymische Zeichen wird, sobald es in einer Kultur zu einem Präzedenzphänomen geworden ist, in der Regel im Funktionsprozess mit neuen Bedeutungen angereichert und verwandelt sich in einen Intertext. Nicht zufällig war zuvor vom Inhaltsinvariant eines Präzedenznamens die Rede, der beim kulturübergreifenden Transfer eines Präzedenznamens (oder einer ganzen geflügelten Redewendung) eine neue Variantenbedeutung aktualisiert und in der wahrnehmenden Kultur weithin bekannt wird. Gleichzeitig bleibt die Invariante seiner Wahrnehmung hinter einem bestimmten präzedenten Onym verborgen, selbst wenn das primäre Onym infolge des Transfers durch das Onym der nationalen Linguokultur ersetzt wird. Ein Beispiel für einen solchen Transfer ist die unter ukrainischen Fußballfans bekannte intertextuelle Anspielung Artikel / Articles 129 ROMAN VASKO, ALLA KOROLYOVA, TETIANA TOLCHEIEVA des Fußballklubs Schachtar: Все дороги ведут в Киев (wörtl. „Alle Wege führen nach Kyiv“) ist das Ergebnis des interkulturellen Transfers des bekannten lateinischen geflügelten Spruchs Omnes viae Romam ducunt (wörtl. „Alle Wege führen nach Rom“), der zu einem bestimmten Zeitpunkt zu einem Präzedenzphänomen wurde. Die primäre (invariante) Bedeutung des lateinischen geflügelten Spruchs entstand auf der Grundlage des Inhalts des Eigennamens Rome: Einerseits informierte er wörtlich darüber, dass alle im antiken Rom gebauten Straßen tatsächlich zu dessen Hauptstadt Rom beziehungsweise zum foro romano, dem Forum Romanum, dem Marktplatz der Stadt, führten; andererseits entwickelte sich die motivierende sekundäre figurative Bedeutung der Redewendung aus den Ereignissen, die an diesem Ort stattfanden und als Schauspiele galten, die Begeisterung und Emotionen hervorriefen. Später erhielt dieser geflügelte Spruch, der vom berühmten französischen Dichter und Fabeldichter Jean Lafontaine niedergeschrieben wurde, in der Fabel Тремейский судья, брат милосердия и пустынник (wörtl. Arbitrator, brother of mercy and hermit, 1694) einen neuen Varianteninhalt, wobei der Eigenname Rome bereits im Status eines onymischen Intertexts Tous chemins vont Rome als Ergebnis einer wörtlichen Übersetzung (interkulturellen Transfers) mit Erhaltung der Form, jedoch mit neuen intertextuellen Informationen folgenden Inhalts fungiert: К одной цели можно прийти разными путями (wörtl. „Ein Ziel kann auf verschiedenen Wegen erreicht werden“); deren Quelle ist die Fabel. Der moderne Transfer des Eigennamens Rome in das soziale Umfeld ukrainischer Fußballfans, verbunden mit dem Ersatz des Eigennamens durch Kyiv, erfolgte, als der epische „Promo“-Spruch Все дороги ведут в Киев (wörtl. „Alle Wege führen nach Kyiv“) für das Spiel Schachtar–Roma zu einer intertextuellen Anspielung auf die Übersetzung des lateinischen Spruchs „Alle Wege führen nach Rom“ wurde und die primäre invariante Information aktualisierte. Somit ist das präzedente und intertextuelle Toponym Rome zum Prototyp einer neuen intertextuellen Anspielung geworden, in der der Eigenname Kyiv ebenfalls ein Präzedenzfall für die aufnehmende ukrainische Linguokultur ist. Die primäre Inhaltsinvariante des lateinischen geflügelten Spruchs mit diesem Toponym bildet den Beginn der Entwicklungslinie für Varianten intertextueller Bedeutungen in anderen nationalen Linguogesellschaften. Toponyme sind im Allgemeinen durch das Vorhandensein einer national-kulturellen Komponente in ihrer Semantik gekennzeichnet, da sie einen integralen Bestandteil des Hintergrundwissens der Sprecher einer bestimmten Sprache darstellen (Tomaxin 1988: 62). Ihr Hauptzweck ist die „Identifizierung geografischer Objekte der Wirklichkeit“ (Bohuc’kij 2009: 33). Die Art der zusätzlichen Information, die ein Toponym erzeugt, wenn es zu einem Präzedenzfall wird, hängt von außersprachlichen Faktoren ab, die mit kulturellen Informationen über das Objekt und den ihm zugeschriebenen Merkmalen verbunden sind, mit denen es zunächst im Bewusstsein der Träger einer Kultur und im Transferprozess auch anderer Kulturen ausgestattet wird. Folglich schafft das Vorhandensein eines einprägsamen, im kulturellen Bewusstsein verankerten Merkmals die Voraussetzungen für die 130 Acta Linguistica Lithuanica LXXXVII Präzedente Eigennamen und ihr interkultureller Transfer Übertragung des Toponyms. Auf der Grundlage dieses Merkmals bildet sich zunächst die präzedente und später die intertextuelle Natur des Toponyms heraus. Die Transformation kultureller Artefakte im Zusammenhang mit den spezifischen Merkmalen der wahrnehmenden Kultur, ihren Werten usw. führt in der Regel infolge ihrer Rezeption zu neuen Anpassungsformen. Die Entlehnung eines fremden Kulturelements und seine Einbettung in einen neuen kulturellen Kontext beinhaltet eine kreative Transformation des ursprünglichen Elements. Geben wir ein weiteres Beispiel für den interkulturellen Transfer des globalen präzedenten Toponyms Rome. Der geflügelte Spruch Рим не в один день строился (wörtl. „Rom wurde nicht an einem Tag erbaut“) enthält die Invariante folgender Information: „Wichtige, bedeutungsvolle Arbeit braucht Zeit“. The American Heritage Dictionary of Idioms (1997; von Christine Ammer) gibt an, dass dieser Spruch seit dem späten 12.th Jahrhundert als französische Redewendung verwendet wird. Seitdem ist er jedoch zum Eigentum anderer Linguokulturen geworden, insbesondere der ukrainischen Linguokultur mit dem Ersatz der Toponyme: Київ не відразу збудований (wörtl. „Kyiv wird nicht auf einmal erbaut“) (Nomys, ukl., 1993: 265); Не від разу Львів збудовано (wörtl. „Lviv wurde nicht auf einmal erbaut“) – „большие дела делаются не спеша и долго“ (wörtl. „Große Dinge werden langsam und über lange Zeit vollbracht“) (Franko 1907: 498); Неразом (не відразу) Краков будовався (збудовано, тільки потрошкій; будований; будован) (wörtl. „Nicht auf einmal (nicht sofort) wurde Krakau erbaut (erbaut, nur nach und nach; im Bau; erbaut)“ (Nomys, ukl., 1993: 265), wobei diese Sprüche in Präzedenzsituationen verwendet werden, um den Gesprächspartner – einen Teilnehmer der Kommunikation – zu überzeugen, „geduldig zu sein“. Die Invariante des intertextuellen Textes wurde erstmals 1545 in der englischen Sprachkultur mit vollständiger Übersetzung der primären Bedeutung und Form aufgezeichnet: Rome Wasn’t Built in a Day. Die Fernsehsendung Rome Wasn’t Built in a Day, in der gezeigt wurde, wie ein Team moderner Bauleute eine antike römische Villa Roman villa Roman villa at Wroxeter (Viroconium Cornoviorum) errichtete, war 2011 im Vereinigten Königreich weithin beliebt. Die Gesamtaufsicht über den Prozess führte der Archäologe Dai Morgan Evans, der die Villa für English Heritage entwarf. Die Villa wurde fertiggestellt und am 19. Februar 2011 für die Öffentlichkeit geöffnet. Die Idee der Sendung besteht darin, antike römische Bautechnologien und das Alltagsleben der alten Römer nachzustellen. Aus diesen Beispielen folgt, dass im Prozess der onymischen Übertragung verschiedene semiotische und nicht immer gleichzeitig oder unidirektional wirkende Artefakte aus den Ursprüngen der materiellen und geistigen Kultur miteinander interagieren. Zugleich ist das kulturelle Gedächtnis ein dynamisches, in seiner Struktur heterogenes Phänomen. Es wird im Prozess des interkulturellen Transfers zu einem Instrument für die Interpretation von Fakten aus verschiedenen Zeiten. Artikel / Articles 131 ROMAN VASKO, ALLA KOROLYOVA, TETIANA TOLCHEIEVA 4. TENDENZEN ZUR FORMALEN SEMIOTISIERUNG PRÄZEDENTER EIGENNAMEN DURCH EIN SPRACHSPIEL Um die invariante Wahrnehmung einer Präzedenzsituation im kulturellen Gedächtnis zu aktualisieren, greift der Sprecher auf die Formen ihrer Benennung zurück, unter denen globale präzedente Onyma eine besondere Bedeutung tragen. Bei der Verwendung eines globalen Präzedenznamens bezieht sich der Sprecher jedoch nicht auf das Denotat selbst, sondern auf eine Reihe vertrauter konnotativer Merkmale, deren Konfiguration bis zu einem gewissen Grad aus dem Zusammenspiel von Sprachzeichen resultiert, die auf populäre intertextuelle Bedeutungen verweisen. In diesem Zusammenhang schließen wir uns der Auffassung von Dmitrij B. Gudkov (2003) an, dass der Begriff „Konnotation“ nur bei der Untersuchung der Präzedenz eines Eigennamens anwendbar ist, der als Charakterisierung eines Objekts oder Subjekts fungiert. Beispielsweise wird der Eigenname Шумахер (wörtl. Schumacher), der tatsächlich ein gewöhnlicher deutscher Familienname ist, dank der Konnotation dieses Onyms heute in der Präzedenzsituation „schneller Fahrer“ verwendet (Volova 2018: 41). In diesem Fall kann ein Eigenname seinen Status verlieren und entweder zu einem Pseudonym oder zu einem Gattungsnamen werden. Ein Sprachspiel mit intertextuellen Bedeutungen und einem globalen Onym umfasst im Prozess des Transfers am häufigsten Operationen mit der Form des Onyms und nicht mit dem komplexen Inhalt, der ihm im Ausgangstext oder in der ursprünglichen Linguokultur zugeordnet ist. Eine interessante Form eines Sprachspiels (basierend auf dem Verfahren der verbalen Hybridisierung) mit dem realen Toponym Тьмутаракань (wörtl. Tmutarakan) „ein entlegenes, unbekanntes Hinterland, von der Zivilisation abgeschieden“, das den Status eines globalen Präzedenznamens erlangt hat, findet sich im rezipierenden Text der satirischen Erzählung der Brüder Arkadij N. Strugackij und Boris N. Strugackij „Сказка о тройке“ (wörtl. „The Tale of Troika“), in der das von den Autoren transformierte hybride Toponym Тьмутарaкань (wörtl. Tmutarakan) verwendet wird. Als Ergebnis des Sprachspiels mit der Form des Toponyms entsteht auf der kognitiven Grundlage des Hauptsems „weit entfernt, in großer Entfernung gelegen“ ein neues Sem „gefährlich“ und entsprechend neue Information, die durch das Verhalten eines Raubtiers wie eines Skorpions aktualisiert wird, der viel gefährlicher als eine Schabe ist. Die Quelle der linguokulturellen Information des globalen präzedenten Toponyms Тьмутаракань (wörtl. Tmutarakan) ist die Geschichte des Fürstentums Tmutarakan (die ungefähr auf das 10.th–11.th Jahrhundert zurückgeht) und unmittelbar dessen Zentrum, die Stadt Tmutarakan (Taman), die in einem der Primärquellentexte – „Слове о полку Игореве“ (wörtl. „The Tale of Igor’s Campaign“) – erwähnt wird. Aufgrund der Ungewissheit über die genaue Lage des Fürstentums (vermutlich von der östlichen Krim bis zu den Ausläufern des Kaukasus) galt es jedoch als 132 Acta Linguistica Lithuanica LXXXVII Präzedente Eigennamen und ihr interkultureller Transfer fiktiv. Erst 1792 entdeckten Archäologen den Tmutarakan-Stein, an dessen Stelle die Ruinen von Tmutarakan gefunden wurden. Bei der Verwendung dieses globalen historisch-diachroonischen Toponyms, das zu einem Präzedenzfall geworden ist, als Bedeutungsvermittler in der modernen Literatur ist nicht seine Invariante/Bedeutung selbst wichtig, sondern eine wiedererkennbare Form. Nach den Gesetzen der neurolinguistischen Programmierung (Černjavskaja 2008) wirkt die Form schneller und pragmatischer auf das Unterbewusstsein und wird als bereits erworbenes Wissenselement wahrgenommen. Wenn beispielsweise ein intertextuelles Zeichen-Symbol zwangsläufig eine neue Bedeutung in sich einführt, ist in modernen Präzedenzsituationen die Rezeption eines Sprachspiels bereits formalisiert. Natürlich ist hier nicht mehr von irgendeiner Mehrdimensionalität der Bedeutungen die Rede; das Hauptziel besteht darin, mit etwas Bekanntem Aufmerksamkeit zu erregen. Wir richten unsere Aufmerksamkeit auf die Methoden des Sprachspiels mit Präzedenznamen: In den meisten Fällen handelt es sich um ein Spiel um des Spiels willen, das in den Printmedien die hedonistische Funktion der Beeinflussung des Adressaten verwirklicht. Die Verwendung von Toponymen als Intertexte in den Titeln der Veröffentlichungen der Ausgabe „Коммерсантъ“ (wörtl. „Kommersant“) lenkt die Aufmerksamkeit des Adressaten auf das Land bzw. die Stadt, von der der Zeitungstext handelt. Wir führen Beispiele an, die bereits Gegenstand einer solchen Analyse waren, in dieser Untersuchung jedoch als globale präzedente onymische Intertexte betrachtet werden: Ливийпульская четверка (wörtl. „Das libysche Quartett“) ist die angekündigte Überschrift eines Zeitungsartikels über Vertreter beider Seiten des libyschen Konflikts und eine intertextuelle Anspielung auf den präzedenten Ausdruck Ливерпульская четверка (wörtl. „Liverpooler Quartett“), d. h. die Gruppe „The Beatles“. Das Sprachspiel mit dem Toponym Иран (wörtl. Iran) liegt der Form des Titels des Zeitungstextes Ирано радоваться (wörtl. „Iranisch freuen“) zugrunde, der der Analyse der Beziehungen zwischen Teheran und Washington gewidmet ist und auf dieselbe Weise wie eine intertextuelle Anspielung auf die geflügelte Redewendung И рано радоваться (wörtl. „Und es ist noch zu früh, sich zu freuen“) konstruiert wurde. Eine formale Semiოტisierung intertextueller Toponyme ist beim interkulturellen Transfer des Namens der historischen Region Израиля – Иудеи (wörtl. Israel – Judäa) und des Gattungsnamens idea zu einer Zeitungsquelle – der Überschrift einer Veröffentlichung über Pläne für Palästina – zu beobachten: Дональда Трампа посетила гениальная Иудея (wörtl. Donald Trump wurde von einem genialen Judäa besucht). In diesem Fall findet bereits ein Wechsel des Zeichentyps zur Interikonizität statt, bei dem der Verweis auf den Prototext nicht eigentlich verbal, sondern visuell/formal erfolgt und die sogenannte visualisierte Intertextualität des präzedenten Onyms gebildet wird. Das Wesen solcher onymischen Intertexte besteht darin, dass die Bedeutung der Botschaft nicht in ihnen selbst entsteht, sondern in der Reaktion, die sie hervorrufen. Somit beeinflusst ihre formale Semiotisierung, d. h. ihre visuelle Modellierung, den Informationsempfänger. In Artikel / Articles 133 ROMAN VASKO, ALLA KOROLYOVA, TETIANA TOLCHEIEVA der modernen Interikonizität wird das pragmatische Potenzial onymischer interkultureller Zeichen nicht durch ihre Bedeutung und ihren Platz in der Protokultur bestimmt, sondern durch ihre Bekanntheit und wirkungsvolle Wirkung. In diesem Fall ist der Effekt der Einwirkung wichtiger als die Bedeutung der Botschaft. Die Massenkultur nutzt nur jenen Teil der Semantik eines interkulturellen Zeichens, der mit einem Stereotyp verbunden ist, und vereinfacht komplexe und multidimensionale Phänomene. 5. SCHLUSSFOLGERUNGEN Abschließend stellen wir fest, dass Eigennamen als Präzedenzphänomene fungieren und anschließend in ihrer gefalteten Form intertextuelle Bedeutungen erzeugen können. Da präzedente Eigennamen in der Linguokultur große Popularität erlangen, werden sie häufig als Komponenten von Intertexten verwendet. Zur Bezeichnung dieser Art von Intertexten wird ein neuer Begriff vorgeschlagen – onymischer Intertext; er ist Träger linguokultureller Informationen, deren Ursprünge auf verschiedene Ereignisse und Fakten zurückgehen und deren Quellen in Literatur, Mythologie, Religion und anderen Texten liegen. Die präzedente und intertextuelle Natur von Eigennamen gewährleistet ihre Beteiligung am interkulturellen Transfer, infolge dessen in der aufnehmenden Sprachkultur neue Bedeutungen entstehen. Dabei ist nicht so sehr die nationale und kulturelle Spezifik des onymischen Intertexts als Zeichen der ursprünglichen Sprachkultur von Bedeutung, sondern vielmehr die Entwicklungslinie der Gewinnung neuer Informationen aus den Ursprüngen und Quellen der aufnehmenden Sprachkultur. Wie das analysierte Datenmaterial jedoch zeigt, kann die linguokulturelle Information eines präzedenten Eigennamens im Laufe der Zeit ihre frühere motivierende Grundlage verlieren. Dies führt zur Formalisierung seiner Semiotik, zur Aktualisierung der Interikonizität und zur pragmatischen Einwirkung auf den Informationsempfänger mithilfe der Form und nicht des semantischen Inhalts. REFERENCES Ammer Christine, ed., 1997: The American Heritage Dictionary of Idioms, Boston, Massachusetts: Houghton Mifflin Harcourt. Bahan Miroslava P. 2014: Баган, Мирослава П. 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V.]. 138 Acta Linguistica Lithuanica LXXXVII Precedent Proper Names and Their Intercultural Transfer Precedentiniai tikriniai vardai ir jų tarpkultūrinis perkėlimas SANTRAUKA Straipsnyje analizuojama precedentinių tikrinių vardų, kaip oniminių intertekstų, kurie yra pirminės lingvokultūros ženklai-simboliai, perkeliančios naujas reikšmes į priimančias kultūras, tarpkultūrinio perkėlimo problema. Daug dėmesio skiriama susijusių, bet neidentiškų sąvokų, tokių kaip precedentiškumas, kuris yra siejamas su kalbine stereotipo įkūnijimo forma, šiuo atveju išreiškiama tikriniu vardu, ir intertekstualumas, kuris struktūruoja iš įvairių tekstų ateinančią informaciją, koreliacijai. Straipsnyje nustatytas tikrinio vardo precedentiskumo pirmumas pirminėje kultūroje ir antrinis jo intertekstualumo pobūdis. Straipsnyje apibrėžiamas tikrinių vardų precedentiskumo kilmės ir jų intertekstinės informacijos šaltinių vaidmuo. Iškeliama ši prielaida: šiuolaikinė masinė kultūra pasižymi tikrinių vardų semiotikos formalizavimu, ikoniškumo aktualizavimu ir pragmatine formos įtaka informacijos adresatui tiek pirminėje lingvokultūroje, tiek tarpkultūrinio perkėlimo metu. Įteikta 2022 m. rugsėjo 7 d. ROMAN VASKO Kyiv National Linguistic University 73, Velyka Vasylkivska Str. 03150, Ukraine, Kyiv [email protected] ALLA KOROLYOVA Kyiv National Linguistic University 73, Velyka Vasylkivska Str. 03150, Ukraine, Kyiv [email protected] TETIANA TOLCHEIEVA National Pedagogical Dragomanov University 9, Pyrohova Str. 01601, Ukraine, Kyiv [email protected] Straipsniai / Articles 139