INGA STRUNGYTĖ-LIUGIENĖ
Institut für Litauische Sprache
ORCID iD: orcid.org/0000-0003-1949-0874
Forschungsgebiete: das schriftliche Erbe der Herrnhuter- und litauistischen Bewegung, der kulturelle und konfessionelle Kontext Preußisch-Litauens im 18.–19. Jahrhundert, die Geschichte des Pietismus.
DOI: doi.org/10.35321/all87-05
DIE UNTERSTÜTZUNG PROTESTANTISCHER MISSIONEN IN PREUẞISCH-LITAUEN IN DER ERSTEN HÄLFTE DES 19. JAHRHUNDERTS: DIE ROLLE PRIVATER INITIATIVEN UND DER PRESSE
Die Unterstützung protestantischer Missionen in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts: Die Rolle privater Initiativen und der Presse
ABSTRACT
Der Beitrag analysiert die Formen der finanziellen Unterstützung protestantischer Missionen in Preußisch-Litauen in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Untersucht wird die Rolle des Missionsförderers Wilhelmas Andrėjus Rhenius, Inspektor des Guts Bachmann bei Klaipėda und Anhänger der Mährischen Kirche (Herrnhuter), bei der Sammlung von Unterstützung für Missionen in Südostindien. Behandelt wird die litauische Periodika Nufidawimai apie Ewangelios Prafilplatinimą tarp Žydų ir Pagonų, die der Unterstützung von Missionen diente (Herausgeber Ferdinandas Kelkis, seit 1832). Der Beitrag richtet die Aufmerksamkeit auf die Übersetzung des evangelisch-lutherischen Pfarrers, späteren Professors der Universität Königsberg und Verfassers einer Grammatik der litauischen Sprache Frydrichas Kuršaitis – auf die Predigt von Ernstas Frydrichas Ballas Tekel, tai yr: Swėre tawę Swarcžeis ir per längwąjį įžrądo (Königsberg, 1843).
SCHLÜSSELWÖRTER: Missionsliteratur in litauischer Sprache, Unterstützung von Missionen, Herrnhuter, Karlas Gottliebas Ewaldas Rhenius, Wilhelmas Andrėjus Rhenius, Frydrichas Kuršaitis, Preußisch-Litauen im 19. Jahrhundert.
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ABSTRACT
Der Beitrag analysiert die Formen der finanziellen Unterstützung, die in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts für protestantische Missionen in Preußisch-Litauen gesammelt wurde. Untersucht wird die Rolle des Missionsförderers, Inspektors des Guts Bachmann bei Klaipėda (dem früheren Memel) und Mitglieds der Mährischen Kirche Wilhelm Andreas Rhеnius bei der Sammlung von Spenden für Missionen in Südostindien. Ebenfalls behandelt wird die litauische Periodika Nufidawimai apie Ewangelios Prapiplatinimą tarp Žydų ir Pagonų (Herausgeber Johann Ferdinand Kelch, seit 1832 erschienen). Der Beitrag untersucht die Übersetzung der Predigt von Ernst Friedrich Ball Tekel, tai yr: Swēre tawę Swārčɛis ir perlēngwą įbrādo (Königsberg, 1843) durch den evangelisch-lutherischen Pfarrer, späteren Professor an der Universität Königsberg und Verfasser der litauischen Grammatik Friedrich Kurschat (Frydrichas Kuršaitis).
SCHLÜSSELWÖRTER: Missionsliteratur in litauischer Sprache, Unterstützung von Missionen, surinkimininkai, Karl Gottlieb Ewald Rhеnius, Wilhelm Andreas Rhеnius, Friedrich Kurschat, Preußisch-Litauen im 19. Jahrhundert.
EINLEITUNG
Der Theologe und Kulturhistoriker Vilius Gaigalaitis (1870–1945) erwähnte in seiner Studie Ewangelįški Surinkimai Lietuvoje (Priekulė, 1905), die der Darstellung der Vergangenheit und Gegenwart der Versammlungen gewidmet ist, die umfangreiche Unterstützung der Versammlungsleiter (Prediger) für die Missionen: „[albelnai Sakytojеi didždes Bažmas1 (= aibes) Piningų ant Reikmenių Pafiuntynyctės (= misijų) furenka“ (Gaigalaitis 1905: 40). Er lieferte Informationen über die Besuche Hermann Theodor Wangemanns (Hermann Theodor Wangemann, 1818–1894), des Leiters einer Missionsgesellschaft, in Preußisch-Litauen sowie über die für die örtliche Bevölkerung abgehaltenen Versammlungen (Gaigalatis 1905: 40). Über für Missionen gesammelte Spenden stellte der Prediger Anusis Pėteraitis (1967–1957) in seinen Erinnerungen Surinkimai Prūsų Lietuvoj [1948] kurz fest: „Wir sammelten in der Versammlung Tausende an Geschenken für die Mission“ (Pėteraitis [1948]: 29). Auf die beträchtliche finanzielle Unterstützung für Missionen wies auch der Erforscher des litauischen Buches und der Kultur Preußisch-Litauens Domas Kaunas in seinem Buch Lietuvių periodikos pirmtakas (1991) hin. Der Buchwissenschaftler behandelte die Rolle des Pfarrers von Kalninkai, Natanėlis Frydrichas Ostermejeris (Nataniel Friedrich Ostermeyer, 1784–1846), eines aktiven Missionsförderers, bei der Sammlung von Spenden für Missionen. Kaunas fand Informationen darüber, dass Ostermejeris in Kalninkai eine der Abteilungen der Königsberger Missionsgesellschaft (dt. Königsberger Missionsverein) gründete (sie nahm am 2. September 1822 ihre Tätigkeit auf). Die von dem aktiven Pfarrer betreute Abteilung soll 93 Mitglieder und 150 Unterstützer gehabt haben,
¹ Bei der Angabe von Wortbedeutungen wurde hier und an anderer Stelle auf LKŽe zurückgegriffen.
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die zusammen 120 Taler für die Missionen einlegten (Kaunas 1991: 23, 26). In seiner etwas später erschienenen Monografie Mažosios Lietuvos knyga: lietuviškos knygos raida 1547–1940 (1996) erwähnte der Buchwissenschaftler bei der Behandlung der Missionsliteratur auch die Finanzierung von Missionen. Die anhaltende und aktive Unterstützung der Litauer für die Missionen zu Beginn des 20. Jahrhunderts veranschaulichte er mit Informationen aus dem von Wangenanns Missionsgesellschaft 1914 veröffentlichten Überblick Metinis pasiuntinystės laiškelis. In diesem Überblick wurde angegeben, dass 1913 in Preußisch-Litauen nicht weniger als 30 796 Mark für die Missionen gesammelt worden waren. Das Geld sammelten Pfarrer der Gemeinden, Herrnhuter, Prediger und andere den Missionen nahestehende Personen (Kaunas 1996: 404).
Ziel dieses Beitrags ist es, die Erfahrungen mit der Unterstützung protestantischer Missionen in Preußisch-Litauen in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts offenzulegen. Die Aufmerksamkeit gilt dabei jenen Unterstützungsformen, die durch Initiativen von Laien verbreitet wurden. Als Mittel zur Mittelbeschaffung dienten sowohl die in litauischer Sprache erscheinende periodische Presse als auch Bücher. Der Beitrag fragt danach, wann finanzielle Unterstützung für Missionen in der litauischen protestantischen Gemeinschaft aufkam und welcher Herkunft diese Unterstützung war. Vorgesehen sind folgende Aufgaben: festzustellen, ob die finanzielle Unterstützung für Missionen bereits vor der Gründung der Königsberger Missionsgesellschaft im Jahr 1822 aktiv war; das Repertoire der in litauischer Sprache veröffentlichten Drucke zu erschließen, deren Erlös zur Finanzierung von Missionen bestimmt war; sowie zu erörtern, wie durch die Presse das Bild der Missionen geschaffen und die Zuverlässigkeit und Reputation der Missionare deklariert wurden. Die Untersuchung ist interdisziplinär ausgerichtet. Um den Ort und den Beitrag der im Gebiet Preußisch-Litauens wirkenden Persönlichkeiten zur Missionsgeschichte zu bewerten, wird die historizistische Methode herangezogen. Bei der Erörterung der Drucke werden für die Buchwissenschaft typische Methoden angewandt – die funktionale (zweckbezogene) und die kommunikative.
DIE UNTERSTÜTZUNG VON MISSIONEN IN SÜDOSTINDIEN DURCH PRIVATPERSONEN
Finanzielle Unterstützung für Missionsgesellschaften und Ausbildungsstätten für Missionare wurde aus verschiedenen Quellen bereitgestellt. Die protestantischen Missionen wurden vom preußischen König Friedrich Wilhelm III. gefördert, der dem Berliner Missionsseminar jährlich eine Unterstützung von 500 Talern gewährte. Angeblich beeindruckten den König die von Karl Rhenius, einem Gesandten der Londoner Missionsgesellschaft (zu ihm siehe weiter unten), erzielten Ergebnisse – die Gründung von Kirchen in Indien. Angespornt durch den Erfolg fasste der König ab 1820 den Beschluss, das Berliner Seminar zu finanzieren (Kloes 2016: 240). Wie weiter unten zu sehen sein wird, stehen sowohl der Beginn der von Litauern geleisteten Unterstützung als auch die erwähnte Tätigkeit Karl Rhenius’ mit den Missionen in Südostindien in Verbindung.
Karlas Gottliebas Ewaldas Rhenius (Karl Gottlieb Ewald Rhenius, 1790–1838), einer der bedeutendsten deutschen Missionare in Indien, Übersetzer und Verfasser einer Grammatik der tamilischen Sprache, wurde 1790 in Westpreußen, in Graudenz, geboren (heute
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Grudziądz, Polen), und studierte am Berliner Missionarsseminar von Johann Jänicke (Johannes Jänicke, 1748–1827). 1814 wurde er von der Londoner Missionsgesellschaft (engl. The Church Missionary Society) nach Madras (heute Chennai, Südostindien) entsandt, wo er Tamil lernte. 1820 zog er nach Tirunelveli, einen Ort im Süden Indiens (Gensichen 1999: 566). Karl Rhenius verlor früh seinen Vater. Eine Zeit lang lebte er auf dem Gut Bachmann bei Klaipėda², unter der Obhut des Bruders seines Vaters, des Inspektors (dt. Wirtschaftsinspektor) Wilhelmas Andrėjaus Rhenius (Wilhelm Andreas Rhenius, 1753–1833). Als sein Neffe 1814 zur Tätigkeit als Missionar nach Indien aufbrach, kümmerte sich Wilhelmas Rhenius um die finanzielle Unterstützung. Die gesammelten Spenden soll der Inspektor von Bachmann nach Halle geschickt haben; über Halle hätten die Mittel die Missionare in Indien erreicht³. Diese Angaben sind in der von dem deutschen Theologen und Direktor des Waisenhauses in Halle Georg Christian Knapp (Georg Christian Knapp, 1753–1825) herausgegebenen Zeitschrift über protestantische Missionen Neuere Geschichte der Evangelischen Missions-Anstalten (1821) festgehalten. Knapp veröffentlichte in diesem Werk einen Bericht über die in den Jahren 1820–1821 gesammelten Mittel. Dem Bericht zufolge erreichte die Missionskasse in Halle (dt. zur Missionscasse in Halle) im Juni eine von Wilhelmas Rhenius aus verschiedenen Quellen gesammelte Unterstützung in Höhe von 112 Talern, von denen 34 von den litauischen Einwohnern des Landes für die Verbreitung des Evangeliums unter den Heiden gespendet worden waren.
Liebesgaben von Litthauischen Landleuten: „welche mit Willigkeit und großer Freude diese Scherflein, zur Verkündigung des Evangeliums unter den Heiden […] zusammenlegten“ 34 [Thlr.] 4 [Gr.] (Knapp 1821: 1057–1058).
(Übersetzung) Liebesgaben von den litauischen Einwohnern des Landes: „die diesen Beitrag zur Verkündigung des Evangeliums unter den Heiden […] willig und mit großer Freude zusammengetragen haben“ 34 [Taler] 4 [Groschen].
Knapp gab in seinem Bericht an, dass die Kasse im selben Monat durch die Vermittlung des Gutsinspektors von Bachmann um weitere 34 Taler aufgestockt worden sei. Unter den Spendern werden ein Lehrer und erweckte Litauer (dt. erweckte Litthauern) genannt; die von ihnen gesammelten 30 Taler übergab ein gewisser Steuereinnehmer für den Bau einer Kirche, vermutlich in Indien:
² Im 19. Jahrhundert war Bachmann (auch Bakmaniškiai, Baksėdžiai, Pāupis, dt. Bachmann, Bachmannischen) ein Gutshof bei Klaipėda. Heute gehört das Gutsgelände zur Stadt Klaipėda (Juška 2000: 115).
³ Der Inspektor Wilhelmas Rhenius war vermutlich einer der Leiter der Herrnhuterbewegung (Barasa 2018: 272, 308), konfessionell ein Anhänger der Mährischen Kirche (dt. Herrnhuter Brüdergemeine, engl. Moravian Church, Moravian Movement), ein Herrnhuter (Zembrickis 2011: 236–239). Rhenius beteiligte sich im zweiten Jahrzehnt des 19. Jahrhunderts an der Bildungsarbeit im Memelland. Er vertrat die hier gegründete Gesellschaft für religiöse Schriften und kümmerte sich um Übersetzungen englischer religiöser Schriften ins Litauische. Der Inspektor von Bachmann war einer der Initiatoren der Tätigkeit der Bibelgesellschaft in Klaipėda (ausführlicher siehe Strungytė-Liugienė 2021; Strungytė-Liugienė 2021a).
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Durch Hrn. Insp. Rhenius zu Bachmann bey Memel, gingen abermals ein: 34 Thlr. 60 Preuß. Groschen; nemlich: von dem Schullehrer Hrn. Gr. zu Dew. 4 Thlr. 60 Pr. Gr., und von Hrn. Einnahmer R. 30 Thlr., „welche von den erweckten Litthauern mit besonderer Freude, zum Tempelbau aus den Heiden gesammelt und beygetragen sind“ (Knapp 1821: 1058–1590; corr. 1059).
(Übersetzung) Durch H[errn] Insp[ektor] Rhenius aus Bachmann bei Klaipėda gingen erneut ein: 34 T[aler] 60 Pr[eußische] Gr[oschen]; davon vom Lehrer H[errn] Gr. aus Dew. 4 T[aler] 60 Pr[eußische] Gr[oschen] und von H[errn] Steuereinnehmer R. 30 T[aler], „die die erweckten Litauer mit besonderer Freude gesammelt und zum Bau einer Kirche für die Heiden beigesteuert haben“.
Der Direktor des Waisenhauses in Halle erwähnt in seinem Bericht die im Juli desselben Jahres zweimal zusätzlich von Rhenius eingegangene Unterstützung. Rhenius überwies insgesamt 6 Taler an die Missionskasse in Halle: von den „guten Litauern“ (dt. guten Litthauern) 5, die ein Lehrer überbracht hatte. Zur Unterstützung trug auch ein gewisser litauischer preußischer Soldat bei (1 Albertustaler), der sich nach seiner Rückkehr aus dem Dienst auf die Arbeit als Lehrer vorbereiten wollte.
Hr. Inspector Rhenius zu Bachmann, überlandte: 5 Thlr., durch Hrn. Schullehrer G., von den guten Litthauern gesammelt; und 1 Albertsthaler von einem jungen Litthauer, der noch Soldat ist, sich aber zum Schuldienst vorbereiten will, Namens L. (Knapp 1821: 1590; corr. 1059).
(Übersetzung) H[err] Inspektor Rhenius aus Bachmann überwies: 5 T[aler], die durch H[errn] Lehrer G. von guten Litauern gesammelt worden waren; und 1 Albertustaler von einem jungen Litauer, der noch Soldat ist, sich aber auf die Arbeit in der Schule vorbereiten möchte, namens L.
Die Missionskasse in Halle erhielt auch die von dem Pfarrer von Kalninkai, Natanelis Frydrichas Ostermejeris, übersandte Unterstützung (wie die im Bericht angegebenen Initialen vermuten lassen), außerdem eine beträchtliche Spende der litauischen Gemeinschaft in Höhe von über 60 Talern.
Hr. Inspector Rhenius zu Bachmann, sandte nochmals ein: 2 Albertsthlr., die er von Hrn. Pfar. Oft. in K. erhalten hatte, nebst den von Hrn. Rud. und Mich. D. in einigen Litthauischen Gemeinden eingesammelten 60 Thlr, 64 per. Gr. [...]. (Knapp 1821: 1590; corr. 1059–1060).
(Übersetzung) H[err] Inspektor Rhenius aus Bachmann sandte erneut: 2 Albertust[aler], die er von H[errn] P[farrer] Ost[ermejer] in K[alninkai] erhalten hatte, ferner die von H[errn] Rud. und Mich. D. in einigen litauischen Gemeinden gesammelten 60 T[aler] 64 Pr[eußische] Gr[oschen] [...].
Aus dem Bericht lässt sich schließen, dass Wilhelmas Rhenius über das Umfeld König Friedrich Wilhelms III. informiert war und wusste, welcher Anteil der Finanzierung aus der Staatskasse
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für die Missionen in Indien, insbesondere zur Unterstützung des Missionars Karl Rhenius in Madras, bestimmt war⁴. Über die Überweisung eines Wechsels informierte er Halle:
Ein edler Wohlthäter, der nicht genannt seyn will, überlandte durch Hrn. Inspector Rhenius in Bachmann bey Memel, einen Königl. Preuß. Staatsschuldschein von 500 Thlr., mit der Erklärung, daß davon der Hr. Missionarius Carl Rhenius in Madras, 100 Thlr. ohne Abzug erhalten solle (Knapp 1821: 1056).
(Übersetzung) Ein edler Wohltäter, der nicht genannt werden möchte, übersandte durch H[errn] Inspektor Rhenius aus Bachmann bei Klaipėda einen Staatsschuldschein des Königreichs Preußen über 500 T[aler] mit der Erklärung, dass H[err] Missionar Karl Rhenius in Madras davon 100 T[aler] ohne Abzug erhalten solle.
Über die Unterstützung der Tätigkeit des Missionars Karl Rhenius durch Litauer bereits vor 1822 wird auch in der litauischen Presse berichtet. Angeblich erreichten Geschenke aus Preußisch-Litauen auch weit entfernte Gesellschaften, und „bei der Absendung des Missionars Rhenius hatte schon mancher gemeinsam geholfen“ (Iß Eyŕopôs 1854: 13).
Rhenius unterhielt persönliche Beziehungen zu Knapp, dem damaligen Direktor des Waisenhauses in Halle. Mit ihm verkehrte er nicht nur in finanziellen Angelegenheiten. Rhenius teilte ihm Nachrichten aus Madras mit und bemühte sich, die täglichen Arbeits- und Haushaltsangelegenheiten seines Verwandten Karl Rhenius zu beleuchten. In einem Brief (vom 11. Juli 1820) berichtete er über das von seinem Neffen erworbene Haus mit Garten, über Übersetzungen der biblischen Geschichte ins Tamilische, über Helfer, unter denen sich sowohl Lutheraner als auch römische Katholiken befanden, mit denen er morgens und abends Zeit zum Lesen religiöser Bücher in englischer und tamilischer Sprache widmete (Knapp 1821: 1010–1011).
Es lohnt sich, bei dem in Knapps Bericht verwendeten Begriff erweckten Litthauern „erweckte Litauer“ zu verweilen. Es gibt Grund zu der Annahme, dass in diesem Dokument damit die Gläubigen, die Teilnehmer der sich im Gebiet Preußisch-Litauens ausbreitenden Herrnhuterbewegung, bezeichnet werden. Die Bezeichnung Erweckte „der Erweckte“ wird auch in einer anderen Quelle verwendet – im Bericht der Königsberger Konsistoriums vom 10. Juni 1823 über die in den Regierungsbezirken Königsberg und Gumbinnen außerhalb der Kirche tätigen religiösen Gesellschaften. Dieser Bericht enthält Informationen über
⁴ Wilhelmas Rhenius stand mit der Familie des preußischen Königs Friedrich Wilhelm III. in Kontakt. Die königliche Familie besuchte das Gut Bachmann und Rhenius bereits am 29. Januar 1807 während eines Ausflugs (Zembrickis 2011: 145). Es sei daran erinnert, dass Klaipėda aufgrund der politischen Ereignisse und des Krieges des Königreichs Preußen mit Frankreich vorübergehend zur Residenz der königlichen Familie geworden war.
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die Verbreitung und Massenhaftigkeit der pietistischen Herrnhuterbewegung⁵. Die Annahme, dass die Missionsförderer Herrnhuter gewesen seien, wird auch durch einen etwas später, im März 1824, in der Zeitschrift Königsberger Missionsblatt veröffentlichten Auszug aus einem Brief des Pfarrers Ostermejeris von Kalninkai bestätigt, in dem er die Unterstützer als Herrnhuter bezeichnete. Angeblich machten die von den Herrnhutern der Gemeinden Kalninkai, Priekulė, Gilija, Kaukenai, Naujoji, Katyčiai, Malviškiai, Skaisgiriai und anderer Gemeinden gesammelten Spenden zwei Drittel der Einlagen der hiesigen Missionskasse aus (Kaunas 1991: 27). Demnach zeigte sich die wohltätige Unterstützung der Litauer während der religiösen Erweckung und stand mit den Besuchern der Versammlungen, mit Menschen überwiegend aus den unteren Gesellschaftsschichten, in Verbindung. Im dritten Jahrzehnt des 19. Jahrhunderts besaß die Herrnhuterbewegung nicht den Status einer rechtlich anerkannten religiösen Gesellschaft, war nicht institutionalisiert und wurde von einem Teil der evangelisch-lutherischen Pfarrer als illegale religiöse Volksbewegung angesehen – als Bewegung von Menschen, die durch Evangelisation, die Idee der Mäßigkeit, eifrige Frömmigkeit und das Bedürfnis nach gemeinsamen Zusammenkünften außerhalb der Kirche – Hausandachten – verbunden waren.
Zusammenfassend ist festzuhalten, dass Spenden für Missionen bereits vor der Gründung der Königsberger Missionsgesellschaft (1822) gesammelt wurden⁶. In den Jahren 1820–1821 wurde eine beträchtliche Unterstützung an die Missionskasse in Halle geleitet. Die Unterstützung stammte von den litauischen Einwohnern Preußisch-Litauens, den Teilnehmern der religiösen Erweckung – der Herrnhuterbewegung –, sowie von Lehrern („Schulmeistern“). Unter den Spendern befand sich auch der evangelisch-lutherische Pfarrer Ostermejeris aus Kalninkai. Den Angaben in Knapps Bericht von 1820–1821 zufolge war die frühe Unterstützung der litauischen Einwohner nach Südostindien zur Förderung der Tätigkeit des deutschen Missionars Karl Rhenius geleitet. Die Spenden sammelte der Inspektor des Guts Bachmann bei Klaipėda, Wilhelmas Rhenius, der zugleich als Vermittler fungierte. Wichtig ist, darauf hinzuweisen, dass der Missionsförderer Wilhelmas Rhenius nicht dem geistlichen Stand angehörte, sondern ein Laie war, der aktiv an der Bildungsarbeit teilnahm, sich in verschiedene religiöse Organisationen, Bibel- und Gesellschaften für religiöse Schriften einbrachte und Anhänger der Mährischen Kirche war.
⁵ Transkription, Faksimile und Übersetzung des Dokuments ins Litauische: Barasa 2018: 262. Die Teilnehmer der Herrnhuterbewegung werden im Bericht des Königsberger Konsistoriums auch als lutherische maldeninker „Beter“ bezeichnet; die Hausandachten, Versammlungen, als Privatandacht, Betversammlungen (Barasa 2018: 258, 262).
⁶ Die Gründungsversammlung der Gesellschaft fand am 11. Januar 1822 statt. Zum Leiter wurde der Generalsuperintendent der preußischen evangelisch-lutherischen Kirche Ludwig Ernst von Borowski (Ludwig Ernst von Borowski, 1740–1831) gewählt. Dem Vorstand gehörte auch der Professor der Universität Königsberg Martynas Liudvikas Rėza (Martin Ludwig Rhesa, 1776–1840) an (Kaunas 1991: 22).
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SPAUDOS VAIDMUO MISIJŲ DRAUGIJOMS
Etwas später traten auch andere Formen der finanziellen Unterstützung hervor. Zu einem Beispiel für die Unterstützung protestantischer Missionen wurde die seit 1832 erscheinende Periodika Nufidavimai apie Ewangelios Priplatinima tarp Žydų ir Pagonu (im Folgenden – NEP)⁷, in der Nachrichten und Korrespondenzen von Missionaren in Indien, China, Nordamerika, im afrikanischen Madagaskar, von der exotischen Insel Mooréa in Französisch-Polynesien und aus anderen Ländern in litauischer Sprache verbreitet wurden. Bereits in der ersten Nummer von 1832 wurde ein bewegender Aufruf an die Litauer veröffentlicht, der sie aufforderte, nicht abseitszustehen, sondern gemeinsam mit den Deutschen zum Fortbestand der missionarischen Tätigkeit beizutragen.
Also, liebe Litauer! Wenn andere sich an der ewigen Ernte (= Ertrag, Ernte) freuen, sollen wir allein zurückbleiben? Wenn andere sich freuen, dass sie für den Herrn Jesus Seelen gewinnen, sollen wir allein untätig bleiben? (Pakājus t’effie fu jummis 1832: 5).
Beim Verkauf dieser Publikation wurde ein Teil der Mittel zur Unterstützung der Missionen bestimmt. In der Februarnummer 1832 heißt es, dass für die Unterstützung (genannt „[p]afiuntinu Skrynei“) 6 Taler übrig geblieben seien⁸ ([Suvestinė] 1832–03: {48}). In der Märznumer desselben Jahres wird bereits vermerkt, dass durch den Verkauf der Zeitungsnummern 27 Taler gesammelt worden seien ([Suvestinė] 1832–04: 64). Auf Grundlage der kurzen Finanzübersichten, die gewöhnlich am Ende jeder NEP-Nummer erschienen, wurde berechnet, dass 1832 aus dem Verkauf der Periodika 65 Taler und 100 Groschen für Missionen abgeführt wurden.
Es ist festzuhalten, dass diese Form der Unterstützung protestantischer Missionen, bei der Mittel aus dem Verkauf von Periodika gesammelt wurden, auch anderswo im Königreich Preußen praktiziert wurde. Eine solche Strategie verfolgte beispielsweise auch Johannes Evangelista Gossner (Johannes Evangelista Gossner, 1773–1858), der Gründer der in Berlin tätigen Missionsgesellschaft (dt. Gossnersche Missionsgesellschaft). Der Erlös aus dem Verkauf der Exemplare der von ihm herausgegebenen Periodika Die Biene auf dem Missionsfeld für Missionsfreunde und Missionsvereine⁹ wurde für die Bedürfnisse der Gesellschaft verwendet (Iß Berlyno 1844: 31).
⁷ Zum Redakteur der Periodika wurde damals der Prediger Johannas Ferdinandas Kelchis (Johann Ferdinand Kelch, von 1832 bis 1867?) ernannt, Kaunas 1991: 40, 48. Die Publikation wurde von der Königsberger Missionsgesellschaft („Karalaucz̧aus Pafuntinyftės Draugytė“) initiiert. Als Vorläufer der NEP gilt die in den Jahren 1823, 1824 und 1825 erschienene Periodika Nusìdavimai Dievo karalystėje, Herausgeber war Natanelis Frydrichas Ostermejeris (Kaunas 1991: 39). Leider wurde bislang kein Exemplar dieser Publikation gefunden; sie wurde anhand von Quellen beschrieben (Kaunas 1991: 7–8, 26). Nach Vaclovas Biržiškas Auffassung soll Frydrichas Kuršaitis die Korrektur und Sprache der NEP überarbeitet haben (BržA III: 174). Kaunas präzisierte, dass Kuršaitis ungefähr ab 1843, Nr. 1, mit der redaktionellen Arbeit an der Publikation begann (Kaunas 1991: 21, 31).
⁸ Die Litauer Preußisch-Litauens nannten Taler Dollar. Dollar werden auch in der NEP verwendet.
⁹ Die Periodika erschien ab 1834 in deutscher Sprache.
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¹ ABB. Die Periodika in litauischer Sprache Nufidavimai apie Evangelios Prafiplatinimą tarp Žydų ir Pagonių (erste Nummer von 1832), durch deren Verkauf ein Teil des Gewinns der Unterstützung von Missionen zufiel
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Finanzielle Unterstützung für Missionen wurde nicht nur durch den Vertrieb von Periodika, sondern auch von Büchern erzielt. Zu nennen ist die Predigt Missionsblattes des Pfarrers und Herausgebers der von der Barmener Missionsgesellschaft verbreiteten Publikation Ernst Friedrich Ball (Ernst Friedrich Ball, 1799–1885) Tėkel, tai yr: Swēre tawę Swārčzeis ir perlēngwą įbrādo10 (Königsberg, 1843), die der evangelisch-lutherische Pfarrer Frydrichas Kuršaitis (Friedrich Kurschat, 1806–1884), der spätere Professor der Universität Königsberg und Verfasser einer Grammatik der litauischen Sprache, ins Litauische übersetzte11. Im Vorwort des Büchleins (verfasst am 6. September 1843) gibt Kuršaitis an, dass ihn ein gewisser „deutscher Bruder“ zur Übersetzung der Predigt ins Litauische aufgefordert habe. Er erwähnt, dass die aus dem Verkauf der Übersetzung von Balls Predigt gesammelten Mittel zur Unterstützung von Missions- und Mäßigkeitsgesellschaften bestimmt seien. Es war beabsichtigt, „tausendfach“ so viele Exemplare zu drucken.
Das Geld, das aus dem Verkauf dieses Blattes eingeht, soll er nicht für sich als Gewinn (= Nutzen, Profit) behalten, sondern den Gesellschaften zur Ausbreitung des Evangeliums unter den Heiden und zur Unterstützung der Armen spenden [...]. Dieser deutsche Bruder bat mich, diese Predigt ins Litauische zu übersetzen, und das habe ich auch mit freudigem Herzen getan (Kurßátis 1843: II).
Kuršaitis wurde am 5. Juli 1847 Mitglied der Königsberger Missionsgesellschaft (Kaunas 1991: 22). Somit übersetzte er Balls Buch noch vor seinem Eintritt in die religiöse Organisation. Der Pfarrer nahm die Übersetzungsarbeit 1843 auf, im selben Jahr, in dem er auch andere Tätigkeiten ausübte – die Korrektur der Sprache und der Druckfahnen der NEP.
In der dritten Nummer der NEP von 1843 erschien eine Anzeige, in der Kuršaitis’ Übersetzung Tėkel, tai yr: Swēre tawę Swārčzeis ir perlēngwą įbrādo für 2 Silberpfennige12 angeboten wurde. Zugleich wird vermerkt, dass der Erlös aus dem Verkauf dieses Büchleins den Gesellschaften zugutekommen werde: „Das Geld für dieses Büchlein kommt den Gesellschaften zugute, die für das Reich Gottes arbeiten“ ([Skelbimas] 1843: 48). Auch in der später erwähnten Periodika erschienen kurze Nachrichten, in denen angegeben wurde, wie viele Mittel für religiöse Organisationen durch den Verkauf von Missionsliteratur gesammelt worden waren. So wurde beispielsweise 1854 mitgeteilt, dass „für die Schriften oder (korr. beziehungsweise) Büchlein der Mission“ der Königsberger Missionsgesellschaft 70 Taler und 13 Silberpfennige zugewiesen worden seien (Iß Eyropôs 1854: 15).
10 Originaltitel der Predigt Tekel, das ist: Man hat dich gewogen in einer Waage und zu leicht gefunden. Predigt am Todtenfeste. In seinem Vorwort sagt Kuršaitis, dass die Predigt auf Deutsch bereits dreimal erschienen war. Die Veröffentlichung dieser Predigt war ursprünglich dazu gedacht, durch ihren Verkauf französische religiöse Gesellschaften zu unterstützen (Kurßátis 1843: II).
11 LBП 41, Nr. 606. Ein Exemplar dieses Buches wird in der Abteilung für seltene Drucke der Bibliothek der Universität Vilnius aufbewahrt (VUB RSS Lₐ 6895).
12 Groschen waren Geldstücke von geringerem Wert; 1 Taler entsprach 30 Silberpfennigen.
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ABB. 2. Titelseite der Predigt von Ernst Friedrich Ball Tėkel, tai yr: Swėrę tawę Swąrcžeis ir perlęngwą ißrado (Königsberg, 1843). Die Predigt wurde von Frydrichas Kuršaitis übersetzt. VUB RSS LR 6895
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Die Missionsbücher und -zeitschriften wurden von den örtlichen Pfarrern verbreitet, deren Zahl angeblich nicht gering war: „In Litthauen arbeiten beinahe die größte Zahl der Pfarrer an der Verbreitung dieser Schriften unter den Menschen gemeinsam“ (Penkioliktafis kas Metą dū́dams 1838: 5). Zu ihnen gehörten Kuršaitis und der NEP-Redakteur Kelkis (Kaunas 1991: 32). Kuršaitis trat auch aktiv als Vermittler zwischen Unterstützern und Empfängern auf. Er beteiligte sich an der Sammlung von Unterstützung (in Geld und Sachleistungen) für religiöse Organisationen. Der Pfarrer übergab die Geschenke und Spenden den Empfängern – den Missionsgesellschaften (Eingegangene Geſchenke 1851: 224).
Es ist festzuhalten, dass der NEP der Reputation und dem Image der Missionen große Aufmerksamkeit widmete, die mithilfe von Kommunikation sorgfältig konstruiert wurden. Bereits in der ersten NEP-Nummer von 1832 wurde eilends mitgeteilt, dass ein Teil der beim Verkauf der Publikation erzielten Mittel13 für die Ausbildung und Entsendung von Missionaren bestimmt sei – „butent ant Prigatãwijimo bey Ißruntimo Pafuntinių“ (Pakãjus t’effje Ju jummis 1832: 6) – und dass weder der Drucker noch der Redakteur der Zeitung („Schreiber“) Gewinn aus der verkauften Druckschrift ziehen könnten.
Zur Aufrechterhaltung des Images und zur Förderung der Spendenmotivation trug teilweise auch die Korrespondenz der Missionare bei, die der NEP bereitwillig veröffentlichte. Durch ihre Korrespondenz strebten die Missionare nach Rückkopplung mit der litauischsprachigen Leserschaft, den potenziellen Unterstützern der Missionen und den finanziellen Förderern. In der sechsten Nummer von 1832 wurde ein Brief des Missionars Karl Rhenius veröffentlicht, der 1831 aus Palayampkottos (engl. Palayamkottai, Südindien) geschrieben worden war. In dem Brief nannte der Missionar den Zweck, zu Spenden aufzurufen: die Bildung der indischen Bevölkerung, die Gründung von Schulen, die Ausbildung von Lehrern aus Indien sowie den Druck der Bibel und religiöser Bücher in den Sprachen der örtlichen Bevölkerung.
[...] jeder lege nach seinem Vermögen für die bereits ausgesandten Missionare zum Unterhalt der Schulen (= Schulen) und Kirchen, zur Unterweisung von Lehrern aus eben jenem Volk, zum Druck des heiligen Schrifttums sowie anderer christlicher Bücher und so weiter zusammen (Brief des Missionars Rhenius 1832: 94).
In dem Brief betonte Rhenius außerdem die Ergebnisse der langjährigen Arbeit sowie die veränderte soziale und Bildungssituation an den Orten, an denen er tätig war. Er schreibt, dass es vor seiner Ankunft als Missionar lediglich sechs oder sieben Schulen gegeben habe. Nach zehn Jahren sei die Zahl der Schulen jedoch auf etwa 7014 gestiegen.
Wenn ich nur ein wenig um unsere Ecke herumblicke, muss ich mich wundern. Vor zehn Jahren fand ich dort sechs oder sieben Schulen, die irgendein englischer (= englischer) Geistlicher unter jenen Heiden eingerichtet hatte; und auch das war nicht während einer kurzen Zeit aus irgendwelchen
13 Ein weiterer Teil der gesammelten Mittel war für den Druck und die Bindung der NEP-Nummern vorgesehen.
14 Zur Entstehung des modernen Bildungssystems in Indien und zum Beitrag des Missionars Karl Rhenius siehe Frykenberg 1986.
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Parama protestantų misijoms Prūsijos Lietuvoje XIX a. 1-oje pusėje: privačios iniciatyvos ir spaudos vaidmuo
christliche Bücher zu unterrichten oder sie hier zu lesen. Jetzt haben wir zwischen siebzig und siebenundachtzig Schulen, in denen hier das Evangelium vor allen Dingen gelehrt wird. [...] Hier gibt es nun keinen Widerstand mehr, sondern Menschen aus allen Ständen bitten um Schulen, damit ihre Kinder, wie sie sagen, in christlicher Weisheit unterrichtet werden (Gromat[a] Pafuntinio Rėniaus 1832: 91–92).
Zur Schaffung eines tadellosen Images sollte auch die Darstellung der Missionare in der litauischen Presse beitragen – das Bestreben, zu zeigen, dass sich unter den in die Missionen Ausgereisten eigene Leute, „aus unserer Gegend“, „Preußen“, befanden. Unter Hervorhebung der Bekanntheit, Nähe und geografischen Verbindung mit Preußisch-Litauen wurde folgendes Porträt Karl Rhenius’ geschaffen:
Im Osten liegt ein großer Erdteil, Asien (= Asien) genannt, und weit im Südosten liegt Ostindien (Ostindien), wohin einer aus unserer Gegend zu den Missionaren gegangen ist, nämlich ein gewisser Rhenius, von dem viele von uns wissen (Taigi jau pradėdu! 1832: 10).
Zur Transparenz der Tätigkeit und zur Schaffung des Images trug auch die jährliche Erwähnung des Missionsfestes (dt. Missionsfest) bei, über die die NEP-Redaktion ausführlich berichtete. Auf diesem Fest wurde auch finanziellen Angelegenheiten Aufmerksamkeit gewidmet. Während des Festes wurden die Mittel und ihre Verteilung an konkrete Missionsgesellschaften oder Einrichtungen zur Ausbildung von Missionaren öffentlich bekannt gegeben. In einer 1847 veröffentlichten Publikation des Vorsitzenden des Königsberger Konsistoriums (dt. Oberkonsistorialrat) Georg Bernhard Weisso (Georg Bernhard Weiß, 1798–1873) in litauischer Sprache heißt es, dass die Königsberger Missionsgesellschaft die Rheinische Missionsgesellschaft (800 Taler), die Gossnersche Missionsgesellschaft (100 Taler) und die von der Mährischen Kirche entsandten Missionare, die sogenannten henhuterus (100 Taler), großzügig unterstützen konnte. Die finanzielle Unterstützung wurde der Basler Gesellschaft (200 Taler) und anderen Missionsgesellschaften zugewiesen, die das Christentum unter den Juden verbreiteten (Weiss 1847: 38). Die Gesellschaften arbeiteten demnach eng zusammen, standen miteinander in Verbindung und unterstützten einander je nach Bedarf.
Daher teilen die Königsberger16 jedes Jahr einen weit größeren Betrag auch anderen solchen Vereinigungen und Missionsschulen zur Unterstützung zu, etwa nach Herrnhut (= Herrnhut), nach Berlin, nach Halle (Halle), in die Stadt Basel im Schweizer Land (= Basel im Schweizer Land) und so weiter, und wer weiß, wohin noch mancher Groschen irgendeiner Notleidenden oder irgendeines anderen Armen gehen mag, und dort dem Herrn zu Füßen gelegt wird [...] (Über die Vereinigung 1832: 137).
Während des Königsberger Missionsfestes wurden die Personen, die für die Missionen gespendet hatten, öffentlich erwähnt. So heißt es in der neunten NEP-Nummer von 1832, dass man sich an die „Geber“ erinnerte, darunter auch an eine „litauische Witwe“, die „dem Herrn ihren Reichtum, ohne ihr ausreichendes Vermögen zu schonen (= ohne es zu sparen, ohne es zurückzuhalten), auf einmal (=
15 Stonas kann eine ‘gesellschaftliche Schicht nach Herkunft, Beruf, Tätigkeit, einen ‘Stand’’ bezeichnen.
16 Gemeint ist die Königsberger Missionsgesellschaft.
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zugleich, gemeinsam) 150 Taler (= Taler) für das Werk Jesu geschenkt hatte“ (Apie Sufidraugawojimą 1832: 137–138).
Es ist festzuhalten, dass ein solches Modell der Unterstützung von Missionsgesellschaften geschaffen wurde, das die staatliche Last mindern sollte. Die finanzielle Belastung wurde von wohlhabenden oder zu Wohlstand gelangten Bürgern des Königreichs Preußen getragen. Andererseits wurde durch die Druckschriften die Botschaft verbreitet, dass es nicht nur Sache der gewöhnlichen Einwohner des Königreichs Preußen, sondern auch ihre Aufgabe sei, in nichtchristlichen Ländern die Verbreitung des Christentums zu unterstützen, sich um die Armen und ihre Bildung zu kümmern und die Missionare zu unterstützen. Wer für die Missionen spendete, sollte verstehen, dass die Unterstützung der Missionen kein geografisch lokales, sondern ein Europa und andere Länder der Welt umfassendes Phänomen war, die durch das Christentum verbunden waren und denen christliche Werte am Herzen lagen. Was jeder Unterstützer tat, war eine gemeinsame Angelegenheit der Protestanten der Welt. Der Unterstützer sollte verstehen, dass er nicht allein war, sondern einer der zahlreichen Christen jener Gemeinschaft, die die Idee der Christianisierung unterstützten, förderten und befürworteten.
ZUSAMMENFASSUNG
Es wurde festgestellt, dass man sich schon vor der Gründung der Königsberger Missionsgesellschaft (1822) um die finanzielle Unterstützung der Missionen zu kümmern begann. Eine beträchtliche Finanzierung aus Preußisch-Litauen erreichte die Hallesche Missionskasse bereits 1820–1821. Die Unterstützung steht mit der Tätigkeit des von der Londoner Missionsgesellschaft entsandten Missionars Karl Gottlieb Ewald Rhenius (Karl Gottlieb Ewald Rhеnius, 1790–1838) in Südostindien in Verbindung. Die Rolle des Vermittlers bei der Sammlung der Mittel übernahm der Inspektor des Bachmannschen Gutes bei Memel, Leiter von Erbauungsversammlungen und Anhänger der Mährischen Kirche Wilhelmus Andreas Rhenius (Wilhelm Andreas Rhenius, 1753–1833). Es wurde festgestellt, dass Teilnehmer der religiösen Erweckungsbewegung und Lehrer für die Missionen spendeten. Zu den Spendern gehörte auch der Pfarrer von Kalninkai, Natanelis Friedrich Ostermejeris.
Die Missionen wurden auch aus den Einnahmen unterstützt, die durch den Verkauf von Zeitschriften und Büchern erzielt wurden. Teilweise zu diesem Zweck erschien in Preußisch-Litauen die litauische periodische Publikation Nufidawimai apie Ewangelios Prafiplatinimą tarp Żydų ir Pagonių (seit 1832, Herausgeber Johann Ferdinand Kelkis). Der Herausgeber kümmerte sich um das Image und das Ansehen der Missionen, transparente Finanzierung und den guten Ruf der Missionare. In der Publikation wurde die Korrespondenz der Missionare veröffentlicht, in der die Ergebnisse ihrer Tätigkeit beschrieben und die sozialen und bildungsbezogenen Veränderungen in den Ländern dargestellt wurden, in die die Missionare entsandt worden waren.
Die Missionen propagierte und an den Aufrufen zur Spendensammlung beteiligte sich der evangelisch-lutherische Pfarrer Frydrichas Kursaitis, der künftige Professor der Universität Königsberg und Verfasser einer litauischen Grammatik. Er übersetzte ins Litauische die Predigt von Ernst Friedrich Ball Tekel, tai yr: Swēre tawę Swārčzeis ir perlengwą įbrėdo
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Die Unterstützung protestantischer Missionen in Preußisch-Litauen in der ersten Hälfte des XIX. Jahrhunderts: die Rolle privater Initiativen und der Presse
(Königsberg, 1843), dessen Verkaufserlöse zur Unterstützung von Missions- und Mäßigkeitsgesellschaften bestimmt waren. Kuršaitis führte die Übersetzungsarbeiten noch vor seinem Eintritt in die Königsberger Missionsgesellschaft aus.
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Die Unterstützung protestantischer Missionen in Preußisch-Litauen in der ersten Hälfte des 19th. Jahrhunderts: Die Rolle privater Initiativen und der Presse
ZUSAMMENFASSUNG
Dieser Artikel zielt darauf ab, die Erfahrung der Unterstützung protestantischer Missionen in Preußisch-Litauen in der ersten Hälfte des 19th. Jahrhunderts aufzuzeigen. Im Mittelpunkt stehen die Formen der Unterstützung, die auf private Initiative von Laien zustande kamen. Auch die in Preußisch-Litauen herausgegebene litauische periodische Presse und Bücher dienten als Mittel zur Sammlung von Geldern. Der Artikel untersucht, wann die Sammlung finanzieller Unterstützung für Missionen in der litauischen protestantischen Gemeinschaft begann und aus welcher Quelle diese Unterstützung stammte.
Es wurde festgestellt, dass in Preußisch-Litauen bereits vor der Gründung der Königsberger Missionsgesellschaft (1822) Spenden für Missionen gesammelt worden waren. In den Jahren 1820–1821 erhielt die Hallesche Mission erhebliche Unterstützung von den litauischen Bewohnern Preußisch-Litauens, den Teilnehmern der religiösen Erweckungsbewegung (lit. surinkimai), die im 3rd Jahrzehnt des Jahrhunderts an Stärke gewann, sowie von Lehrern (lit. šulmistai). Die Spenden wurden vom Inspektor des Bachmannschen Gutes bei Klaipėda (dem früheren Memel), dem Mitglied der Mährischen Kirche Wilhelm Andreas Rhenius (1753–1833), gesammelt, der als Vermittler
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zwischen den Litauern und der Halleschen Mission tätig war. Die frühen Spenden litauischer Bewohner waren für Südostindien, Madras (heute Chennai), bestimmt, um die Tätigkeit des deutschen Missionars Karl Gottlieb Ewald Rhenius (1790–1838) zu unterstützen.
Eine weitere Form der Missionsunterstützung war der Verkauf von Missionsschriften. Teilweise zu diesem Zweck wurde in Preußisch-Litauen die litauische periodische Publikation Nufidauwimai apie Ewangelios Prafiplatinima tarp 3ydų ir Pagonių herausgegeben (seit 1832, Herausgeber Johann Ferdinand Kelch). Örtliche evangelisch-lutherische Pfarrer propagierten die Missionen und beteiligten sich an der Sammlung von Spenden; zu ihnen gehörte Pfarrer Friedrich Kurschat (Frydrichas Kuršaitis, 1806–1884), der künftige Professor für Theologie an der Universität Königsberg und Verfasser der litauischen Grammatik. Kurschat übersetzte die Predigt Tekel, tai yr. Swėrė tawę Swårčzeis ir perlėngwą ąbrdo des lutherischen Pfarrers Ernst Friedrich Ball (1843 in Königsberg veröffentlicht); die daraus erzielten Einnahmen sollten Missions- und Mäßigkeitsgesellschaften zugeführt werden.
Zusammenfassend ist festzuhalten, dass das Modell der Missionsunterstützung darauf ausgelegt war, die staatliche Last zu verringern. Die finanzielle Belastung wurde von wohlhabenden oder gut situierten religiösen Einwohnern des Königreichs Preußen geteilt. Andererseits vertraten die Publikationen die Auffassung, dass nicht nur der König und die Pfarrer, sondern auch die gewöhnlichen litauischen Einwohner der preußischen Provinz die Pflicht übernehmen mussten, das Christentum in nichtchristlichen Ländern zu verbreiten, die Armen und ihre Bildung zu unterstützen. Wer für Missionen spendete, sollte verstehen, dass die Missionsunterstützung kein lokales Ereignis, sondern ein Europa und andere Länder der Welt umfassendes Phänomen war, die durch das Christentum und christliche Werte verbunden waren. Jede spendende Person diente einer gemeinsamen Sache der Protestanten der Welt. Eine spendende Person konnte empfinden, dass sie nicht allein war, sondern vielmehr Teil einer großen Gemeinschaft von Christen, die die Idee der Christianisierung unterstützten, förderten und befürworteten.
Eingereicht am 25. Oktober 2022.
INGA STRUNGYTĖ-LIUGIENĖ Institut für litauische Sprache, Petro-Vileišio-Straße 5, LT-10308 Vilnius, Litauen
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