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Atvirauti, atviravimas valentingumas dabartinėje lietuvių kalboje

Loreta Vaičiulytė-Semėnienė

Abstract

Šio straipsnio objektas – veiksmažodis atvirauti ir jo vedinys – daiktavardis atviravimas. Tikslas – remiantis Dabartinės lietuvių kalbos tekstyno (DLKT) medžiaga, išsiaiškinti šių žodžių junglumą valentingumo aspektu. Tyrimas parodė, kokią įtaką atvirauti (-avimas) valentingumui daro būdvardžio atviras ir predikatų iš minimalaus leksinio semantinio lauko semantika ir gramatika. Paaiškėjo, kad atvirauti (-avimas) būdingas trejopas valentingumas.

Full text

LORETA VAIČIULYTĖ-SEMĖNIENĖ Institut für die litauische Sprache ORCID id: orcid.org/0000-0003-2196-8937 Forschungsgebiete: Morphosyntax, Valenz, Semantik, Typologie. DOI: doi.org/10.35321/all89-04 ATVIRauti, ATVIRAVIMAS VALENZ IN DER GEGENWÄRTIGEN LITAUISCHEN SPRACHE Valenz des Verbs atvirauti und des Substantivs atviravimas in der gegenwärtigen litauischen Sprache ZUSAMMENFASSUNG Gegenstand dieses Artikels sind das Verb atvirauti und seine Ableitung – das Substantiv atviravimas. Ziel ist es, ausgehend von den Daten des Korpus der gegenwärtigen litauischen Sprache (DLKT), die Kombinierbarkeit dieser Wörter unter dem Aspekt der Valenz zu untersuchen. Die Untersuchung zeigte, welchen Einfluss die Semantik und Grammatik des Adjektivs atviras und der Prädikate aus seinem minimalen lexikalisch-semantischen Feld auf die Valenz von atvirauti (-avimas) ausüben. Es stellte sich heraus, dass atvirauti (-avimas) eine dreifache Valenz aufweist. SCHLÜSSELWÖRTER: Verb atvirauti, deverbalisches Substantiv, Valenz, lexikalisch-semantisches Feld. ANNOTATION Gegenstand dieses Artikels sind das Verb atvirauti und seine substantivische Ableitung atviravimas. Ziel ist es, ihre Kombinierbarkeit unter dem Aspekt der Valenz anhand der Daten des Korpus der gegenwärtigen litauischen Sprache zu untersuchen. Die Forschungsergebnisse zeigen, dass die Valenz von atvirauti (atviravimas) durch die Semantik und Grammatik des Adjektivs atviras und der Prädikate innerhalb seines minimalen lexikalisch-semantischen Feldes beeinflusst wird. Es wurde festgestellt, dass das Verb atvirauti (das Substantiv atviravimas) eine dreifache Valenz aufweist. SCHLÜSSELWÖRTER: Verb atvirauti, deverbalisches Substantiv, Valenz, lexikalisch-semantisches Feld. Straipsniai / Articles 75 LORETA VAIČIULYTĖ-SEMĖNIENĖ 1. EINLEITENDE BEMERKUNGEN Ziel dieses Beitrags ist es, ausgehend vom Verständnis des verbzentrierten Satzmodells und den Prinzipien der Valenztheorie, die Valenz des Verbs atvirauti und seines Abstraktums (atviravimas) zu bestimmen. Die Untersuchung stützt sich auf empirisches Material, das aus dem vom Zentrum für Computerlinguistik der VDU Kaunas erstellten Dabartinės lietuvių kalbos tekstynas (DLKT) zusammengestellt wurde (siehe Teil 2). Zur Erreichung dieses Ziels werden folgende Aufgaben gestellt: a) die Valenzen der Wörter, die in das minimale lexikalisch-semantische Feld des Verbs atvirauti (–avimas) eingehen, kurz zu erörtern (siehe weiter unten Teil 1); b) anhand von Beispielen aus dem DLKT (siehe Teil 2) die Valenz verschiedener Formen von atvirauti (–avimas) zu untersuchen und zu erwägen, welchen Einfluss die Valenzen des Basisworts (atviras) und der Prädikate aus dem lexikalisch-semantischen Feld auf sie ausüben (siehe Teil 3). Schließlich soll alles zusammengefasst werden (siehe Teil 4). Unter diesem Aspekt ist atvirauti (–avimas), soweit bekannt, bisher nicht untersucht worden. Als Untersuchungsmethoden werden Interpretation, deskriptiv-analytische sowie grammatische und semantische Analyse angewandt. Bei der Wahl von atvirauti (atviravimas) als Untersuchungsgegenstand sei kurz gesagt, dass Valenz die durch die Bedeutung eines Wortes bestimmte Eigenschaft ist, eine bestimmte Anzahl freier Stellen zu eröffnen, die im Satz oder in der Wortverbindung von Wörtern und ihren Formen oder deren Entsprechungen mit einer bestimmten Bedeutung besetzt werden (vgl. Sližienė 1994: 16; Vaičiulytė-Semėnienė 2001: 19, 46 und die dort zitierte Literatur). Valenz wird mit drei Ebenen in Verbindung gebracht: der abstrakten Ebene der logischen Semantik und zwei konkreten Sprachebenen – der Syntax und der lexikalischen Semantik. Auf der Ebene der logischen Semantik wird die Anzahl der freien Stellen eines Wortes sowie die semantischen Funktionen ihrer möglichen Aktanten bestimmt; auf der syntaktischen Ebene werden die grammatische Form der Valenzaktanten und ihre Notwendigkeit beziehungsweise Fakultativität bestimmt; auf der Ebene der lexikalischen Semantik wird die Semantik der Valenzaktanten bestimmt. Neben den valenzgebundenen syntaktischen Aktanten, deren Notwendigkeit und Fakultativität im Satz bestimmt wird, werden freie Glieder unterschieden – Satzwörter, die nicht durch die Bedeutung eines Wortes bedingt sind und nicht zu seiner Valenz gehören. Freie Glieder füllen die vom Prädikat eröffneten freien Stellen nicht aus; ihre Verbindung mit dem Prädikat wird durch dessen grammatische Fähigkeit als einer bestimmten Wortart bestimmt, andere Wörter und ihre Formen anzuschließen (Sližienė 1994: 35). Notwendige syntaktische Aktanten können im Satz nicht ausgelassen werden, da der Satz durch ihr Auslassen ungrammatisch wird. Durch die notwendigen syntaktischen Aktanten wird jener Teil der Situation bezeichnet, der für die Bedeutung des Wortes am wichtigsten und relevantesten ist (Sližienė 1994: 31). Fakultative syntaktische Aktanten sind solche, die im Satz ausgelassen werden können, während der Satz grammatisch und verständlich bleibt. Sätze ohne fakultative Aktanten bedeuten ungefähr dasselbe wie Sätze mit ihnen, da fakultative Aktanten bereits in der Bedeutung des Wortes impliziert sind (Sližienė 1994: 35). Es wird anerkannt, dass zwischen notwendigen und fakultativen Aktanten sowie freien Gliedern keine scharfe Grenze besteht (Hentschel, Weydt 1994: 345). 76 Acta Linguistica Lithuanica LXXXIX Atvirauti, atviravimas valentingumas dabartinėje lietuvių kalboje Die Lexem atvirauti ist in den grundlegenden erklärenden Wörterbüchern der litauischen Sprache nicht verzeichnet: im Bendrinės lietuvių kalbos žodyne (BLKŽ), im Dabartinės lietuvių kalbos žodyne (DLKŽė) und im akademischen Lietuvių kalbos žodyne (LKŽė). atvirauti ‘offen sein’ ist jedoch in der Lietuvių kalbos žodyno Papildymų kartotekoje (LKŽPapK) belegt (siehe 1). Als separater Artikel wurde atvirauti ‘offen sein, sich offen aussprechen’ in das Lietuvių kalbos naujažodžių duomenyną (ND) aufgenommen (siehe 2). Im ND finden sich außerdem Artikel zu verwandten Wörtern von atvirauti (paatvirauti, paatviravimas) mit Beispielen (siehe 3). 1) Da sie vermutete, dass atvirauti – unvorsichtig sei, fragte sie: – Kaufen Sie es nun oder nicht? („Švyturys“ 1982-12-18) 2) V. Adamkus spricht in seinem Buch offen über seine und A. Adamkienes Gesundheit [Überschrift] (delfi.lt) 3) Johnas Hobermanas, der bei Voice Film arbeitet, paatviravo, dass er sich nach dem Verlassen der Filmpremiere in Cannes „hell, erneuert und unbegreiflich glücklich“ fühlte. (bernar-dinai.lt (aus: „Naujasis židinys-Aidai“) Aus dem Adjektiv atviras, –a¹ ist atvirauti ‘offen sein, sich offen aussprechen’ abgeleitet; es steht im Zusammenhang mit der Bedeutung von atviras ‘3. alles sagend, aufrichtig’ (DLKŽė), ‘9. alles von sich preisgebend, keine Geheimnisse habend’ (LKŽė) (siehe 4, 5). 4) Er ist mir gegenüber immer atviras, er erzählt alles, rš. (LKŽė) 5) Der Expeditionsteilnehmer war atviras mir gegenüber, und auch ich verbarg nur wenig vor ihm J. Dov. (LKŽė) Aus dem Lietuvių kalbos būdvardžių valentingumo-Verzeichnis geht hervor, dass aufgrund des verfügbaren empirischen Materials der das Subjekt entsprechende Aktant des Adjektivs atviras ‘aufrichtig, alles sagend’ durch den Nominativ oder einen anderen durch den Kongruenzgeber³ bestimmten Kasus bezeichnet wird, während der dem indirekten Objekt entsprechende Aktant durch den Dativ und eine Konstruktion mit der Präposition su ausgedrückt werden kann (Vaičiulytė-Semėnienė 2001: 79, 87). Der im Satz variabel als indirektes Objekt bezeichnete syntaktische Aktant ist fakultativ (in den zitierten Beispielen 6–9 steht er in Klammern). Beiden ¹ Wenn im Folgenden im Beitrag von den verschiedenen Genera dieses oder jenes Adjektivs die Rede ist, wird verallgemeinernd nur das Maskulinum – das unbezeichnete Genus des Adjektivs – genannt. ² Die semantische Verbindung der Adjektive nuoširdus und atviras zeigt sich auch in Jonas Paulauskos Sisteminiame lietuvių kalbos žodyne (SisŽė): Beide Adjektive gehören zum Feld der nuoširdumo, in dem außerdem tiesus, tiesiaširdis, tiesiakalbis, tiesmukas, atviraširdis, atlap­aširdis und andere genannt werden. ³ Näheres zur Kongruenz sowie zum Begriff des Kongruenzgebers und des Kongruenznehmers, auf den hier zurückgegriffen wird, siehe Semėnienė (2003: 38–42). Straipsniai / Articles 77 LORETA VAIČIULYTĖ-SEMĖNIENĖ In beiden Fällen ist die semantische Valenz von offen gleich: Das Subjekt entspricht dem Perzipienten⁴, das indirekte Objekt dem Benefizienten⁵ (vgl. 4–7). Kurz gesagt, die syntaktische Valenz des zweiwertigen offen ist Nom, Dat / mitInstr⁶, die semantische hingegen [Pcp, B]. Unter semantischem Aspekt gehört dieses Adjektiv ebenso wie aufrichtig u. a. zu der Gruppe von Adjektiven, die die Sympathie, das Wohlwollen oder die Antipathie einer Person gegenüber einer anderen Person bezeichnen (Vaičiulytė-Semėnienė 2001: 79, 87, 99). Die Beispiele 6–9 zeigen, dass die semantische und syntaktische Valenz der Adjektive offen und aufrichtig ähnlich ist. Dies zeigt sich auch im DLKŽ, wo das Adjektiv aufrichtig als „Gutes wünschend; offen“ definiert ist. 6) Er war (zu allen) offen und aufrichtig. (zitiert nach Vaičiulytė-Semėnienė 2001: 80) 7) Joniukas, der stets so kindlich offen (zu seiner Mutter) gewesen war, erzählt ihr jetzt nichts mehr. (zitiert ebenda, 87) 8) Aber Sie mein Herr, Herr Peter, sind jetzt (zu mir) nicht aufrichtig. (zitiert ebenda, 88) 9) In dieser seltenen Stunde der Offenheit war er (zu ihr) aufrichtig. (zitiert ebenda, 35) Vergleicht man die Beispiele 1–3 mit 4–7, so zeigt sich, dass der in der Bedeutung des Adjektivs offen explizierte Inhalt des (Aus-)Sagens (sagen) – der Kontentiv⁷ – ein freies Glied ist (vgl. 4, 7), das offenbar in die Valenzstruktur von sich öffnen einbezogen wird (vgl. 2, 3; siehe unten). Ob das freie Glied des Kontentivs die Realisierung des indirekten Objekts in Sätzen mit offen beeinflusst und wie (beziehungsweise ob) dies mit der Hypothese von Vilmos Ágel (2000: 211–212) zusammenhängen könnte – dass syntaktische Aktanten eines Prädikats lexikalisierte, grammatikalisierte freie Glieder sein können –, ist ein Thema, das einer gesonderten Untersuchung bedarf. In diesem Artikel werden folgende Fragen aufgeworfen: Welche syntaktische und semantische Valenz hat sich öffnen, und welchen Einfluss (falls überhaupt) haben die Valenzen des Basiswortes (offen) und der ihm semantisch nahestehenden Lexeme (aufrichtig, sagen, erzählen u. a.) darauf? Für die letztere Frage bietet die Untersuchung der Valenz von anhänglich (-keit) eine Grundlage (Vaičiulytė-Semėnienė ⁴ Der Perzipient [Pcp] ist die Funktion des Erlebenden eines psychischen Zustands; sie ist Lebewesen eigen, die Sachverhalte der Wirklichkeit wahrnehmen, eine bestimmte Einstellung ihnen gegenüber haben und psychologisch auf sie reagieren (Sližienė 1994: 21; Vaičiulytė-Semėnienė 2001: 32). ⁵ Der Benefizient [B] ist die Funktion des Adressaten beziehungsweise Besitzers; sie ist hauptsächlich Lebewesen, insbesondere Personen, eigen, zu deren Nutzen oder Schaden etwas geschieht oder sich verändert (Vaičiulytė-Semėnienė 2001: 32, vgl. Sližienė 1994: 21). ⁶ Aus der Sicht der Sprachnorm ist die Konstruktion mit der Präposition su eine nebengeordnete (partielle) Normvariante und kann bei Bedarf in der Standardsprache verwendet werden. Vorrang wird jedoch der grundlegenden (neutralen) Normvariante – dem Dativ – eingeräumt (vgl. KP2 S2 2003: 98; Miliūnaitė 2022: 535). ⁷ Der Kontentiv [Con] ist die Funktion des Inhalts eines Zustands oder einer Eigenschaft; sie ist verschiedenen Dingen und Erscheinungen eigen (Vaičiulytė-Semėnienė 2001: 32, vgl. Sližienė 1994: 22). 78 Acta Linguistica Lithuanica LXXXIX Atvirauti, atviravimas valentingumas dabartinėje lietuvių kalboje 2023), wo der Einfluss der Semantik und Grammatik von Prädikaten aus einem lexikalisch-semantischen Feld auf die Valenz aufgezeigt wird. Bei der Suche nach Antworten auf die Fragen ist es neben dem bereits erwähnten nuoširdus auch wichtig, die Definitionen von pa(si)sakyti, pasakoti(s) in den Wörterbüchern und ihre Valenz zu referieren. Beispielsweise wird man im DLKŽe vom Lexem pasisakyti auf die erste Bedeutung von pasakyti verwiesen (d. h. pasakyti – „1. einen Gedanken oder eine Meinung mündlich (oder schriftlich) äußern“), während die andere Bedeutung von pasisakyti als „2. sich bekennen⁸“ definiert wird. Aus dem akademischen LKŽe geht hervor, dass die reflexiven Formen von pasakyti in mehreren Bedeutungen verwendet werden können: „12. sich anvertrauen“ (siehe 10), „13. sich bekennen“ (siehe 11), „14. beichten“ (siehe 12), „15. sich verkünden; sich bekannt machen, erklären“ (siehe 13) oder „16. fachsprachlich eine Haltung äußern“ (siehe 14). 10) Sie hat beinahe keinen Menschen, dem sie ihre Sorgen pasisakyti anvertrauen könnte I. Simon. (LKŽe) 11) Er pasisakė ihr, dass er sie liebe KII28. (LKŽe) 12) Natürlich gefiel es manchen sehr, dass sie dem Priester ihre Sünden nicht mehr pasisakyti beichten mussten Blv. (LKŽe) 13) Pasisakau Ihnen gegenüber, dass ich ein Žemaitis sei Jn. (LKŽe) 14) Als das Gespräch auf den Aufstand kam, pasisakė Bytautas offen dagegen, der Aufstandsidee nicht zuzustimmen V. Myk-Put. (LKŽe) Sowohl im DLKŽe als auch im LKŽe wird die erste Bedeutung des Verbs pasakoti als „ein Ereignis, einen Vorfall schildern“ angegeben (siehe 15, 16, vgl. 3). 15) Er erzählte niemandem von seinen Problemennesipasakojo. (DLKŽe) 16) Die reine Wahrheit pasakoja dieser Alte Jsv. (LKŽe) Aus Nijolė Slėžienės Wörterbuch der Rektion litauischer Verben (LKVJŽ) (Slėžienė 1998: 130) geht hervor, dass das Verb pasisakyti, verwendet in den Bedeutungen „1. sich anvertrauen“ (siehe 17), „2. a) mündlich mitteilen, äußern; sich vorstellen; b) sich bekennen“ (siehe 18), dreiwertig ist, während die Bedeutung „3. die eigene Haltung äußern, zustimmen oder nicht zustimmen“ (siehe 19) zweiwertig ist. Somit umfasst pasisakyti auch die Semantik und Grammatik von (einem Teil von) pasakoti(s) (siehe unten). 17) Ji beveik neturi žmogaus, kuriam [ji] galėtų pasisakyti savo vargus (plg. apie savo vargus). (cituojama iš Slėžienė 1998: 130) 18) Das Kind pasisakė der Mutter, dass es eine Tasse zerbrochen habe / dass es eine Tasse zerbrochen habe (über ein verlorengegangenes Gänschen). (zitiert ebenda, 130) 19) Für den vorgeschlagenen Kandidaten (gegen den vorgeschlagenen Kandidaten) pasisakė alle Redner. (zitiert ebenda, 130) ⁸ Zur Valenz des Verbs prisipažinti „1. seine Schuld eingestehen“, „2. die Wahrheit über sich selbst sagen“ siehe ausführlicher LKVJŽ (Slėžienė 1998: 257), z. B. Sie würde niemandem gestehen, dass er ihr gefällt. Straipsniai / Articles 79 LORETA VAIČIULYTĖ-SEMĖNIENĖ Aus Beispiel 17 geht hervor, dass sich äußern ein durch den Nominativ gekennzeichnetes agensartiges Subjekt, ein durch den Dativ ausgedrücktes indirektes Objekt, das die Funktion des Benefizienten erfüllt, sowie alternativ eine durch die Präposition über eingeleitete Konstruktion oder einen durch einen Nebensatz gekennzeichneten Inhaltsgegenstand (direktes) Objekt verlangt. Entsprechend der zweiten Bedeutung von sich äußern werden die Valenzaktanten in Beispiel 18 durch ein nominativisch gekennzeichnetes agensartiges Subjekt, ein durch den Dativ ausgedrücktes indirektes Benefizientenobjekt und alternativ durch eine mit der Präposition über eingeleitete Konstruktion, ein Partizip, ein Gerundium oder einen Nebensatz – als Inhaltsgegenstand gekennzeichnet – ausgedrückt. Der dem Benefizienten entsprechende Aktant ist fakultativ. Beispiel 19 zeigt, dass das Subjekt von zweistelligem sich äußern ebenfalls agensartig ist, während das durch eine mit für oder gegen eingeleitete Konstruktion gekennzeichnete Objekt den Inhaltsgegenstand bezeichnet.9 Nach dem LKVJŽ (Sližienė 1998: 123–124) und den darin angeführten Beispielen (vgl. 20–22) verlangt das Verb pasakoti ein durch den Nominativ gekennzeichnetes agentives Subjekt, ein durch den Dativ ausgedrücktes indirektes Benefizientenobjekt und alternativ ein durch den Akkusativ, die Präpositionskonstruktion apie, den Akkusativ mit einem Partizip oder Gerundium, ein Partizip, ein Gerundium oder einen Nebensatz gekennzeichnetes Kontentivobjekt (direktes Objekt). Wie im Fall von pasisakyti ist der durch den Dativ gekennzeichnete Aktant fakultativ. 20) Virpša erzählt ihr unbefangen pasakoja zynische Anekdoten. (zitiert nach Sližienė 1998: 124) 21) Meine Tante erzählte uns oft pasakodavo von der Vergangenheit. (zitiert ebenda, 124) 22) Erzähl, wie es dort war. (zitiert ebenda, 124) Im Sinonimų žodyne von Antanas Lyberis (SŽe) zeigt sich, dass pasakoti eines der Synonyme von kalbėti10 „ein Ereignis oder einen Vorfall schildern, Gedanken darlegen“ ist. Auf Grundlage des Gesagten ist anzunehmen, dass das Verb atvirauti fakultativ einen Benefizienten im Dativ verlangt, während der obligatorische Aktant, der die Funktion des Kontentivs erfüllt, vielfältiger gekennzeichnet werden könnte als im ND illustriert. 2. UNTERSUCHUNGSMATERIAL Der größte Teil des DLKT besteht aus schriftlichen, häufig redigierten Texten verschiedener Genres (publizistischer, belletristischer, nichtfiktionaler oder administrativer Literatur). Beispiele der gesprochenen Sprache sind dort offensichtlich deutlich seltener. Beispiele mit 9 Agent [A₁] – die Funktion des Initiators oder Ausführenden einer Handlung, die Lebewesen eigen ist (Sližienė 1994: 19). 10 Zum Valenzverhalten von kalbėti siehe ausführlicher LKVJŽ (Sližienė 1994: 330–331). 80 Acta Linguistica Lithuanica LXXXIX Atvirauti, atviravimas valentingumas dabartinėje lietuvių kalboje Die im Satz in unterschiedlichen Formen der im Artikel untersuchten Wörter ermittelt wurden, indem in das Feld der erweiterten Suche des DLKT offen eingegeben und das Kriterium Wortmitte ausgewählt wurde. Tabelle 1 zeigt, wie sich die gefundenen 303 (in)finiten Formen von sich äußern nach Genres verteilen. Es ist ersichtlich, dass die meisten Beispiele (251 oder 83%) aus der Publizistik stammen, deutlich weniger aus der Belletristik (41 oder 14%), einzelne Fälle (10 oder 3%) aus der Sachliteratur. In der gesprochenen Sprache wurde lediglich 1 Beispiel gefunden, in der Verwaltungssprache gab es keine.11 TABELLE 1. Unterschiedliche Formen von atvirauti im DLKT-Korpus 11 Die DLKT-Beispiele wurden im Mai 2023 für die Untersuchung gesammelt. Straipsniai / Articles 81 LORETA VAIČIULYTĖ-SEMĖNIENĖ Teil des Korpus | Atvirauti-Form | Anzahl der Verwendungen | Gesamtzahl der Verwendungen Publizistik | atvirauji 2; atviraukime 1; atvirauti 43; atviravo 103; atviravome 1; atviravęs 1; neatviraudavo 1; neatvirauja 5; neatvirauk 1; neatvirauti 1; neatviravo 3; paatviraukite 1; paatvirausiu 1; paatvirauti 5; paatviravo 4; paatviravęs 1 | 251 Gesprochene Sprache | atviravo | 1 | 1 Insgesamt | | 303 | 303 Im DLKT wurden 39 Beispiele mit den Formen des verbalen Abstraktums gefunden (siehe Tabelle 2). Wie im Fall von atvirauti gibt es keine Beispiele in der Verwaltungssprache. Ebenso wurden keine Beispiele der gesprochenen Sprache gefunden. Die meisten Beispiele mit Formen von atviravimas stammen aus der Publizistik (21 bzw. 54%), deutlich weniger aus der Sachliteratur (12 bzw. 31%) und der Belletristik (6 bzw. 15%). TABELLE 2. Unterschiedliche Formen von atviravimas im DLKT-Korpus Teil des Korpus | Atviravimas-Form | Anzahl der Verwendungen | Gesamtzahl der Verwendungen Belletristik | atviravimas 2; atviravimo 2; atviravimų 1; paatviravimas 1 | 6 Sachliteratur | atviravimai 2; atviravimas 2; atviravimo 5; atviravimui 1; atviravimą 1; paatviravimai 1 | 12 82 Acta Linguistica Lithuanica LXXXIX Atvirauti, atviravimas valentingumas dabartinėje lietuvių kalboje Teil des Korpus | Form von Atviravimas | Anzahl der Verwendungen | Gesamtzahl der Verwendungen Publizistik | atviravimai 7; atviravimas 4; atviravimo 2; atviravimu 1; atviravimui 1; atviravimus 3; atviravimą 1; atviravimų 1; paatviravimų 1 | 21 Insgesamt | 39 | 39 Somit werden unterschiedliche Formen von atvirauti (atviravimas) im Satz am häufigsten in der Publizistik verwendet, der gemäß dem DLKT¹² zugerechnet werden: allgemeine Periodika, populäre Periodika, wissenschaftliche Periodika, Bücher (Autobiografien, Memoiren, Erinnerungen, Chroniken, Jahrbücher, Tagebücher, Briefe, Essays, Darstellungen usw.) und andere. Im Folgenden werden die Beispiele nicht gesondert nach funktionalen Stilen behandelt. 3. DIE VALENZ UNTERSCHIEDLICHER ATVIRАUTI (-IMAS)-FORMEN Bevor die Semantik und Grammatik von atvirauti auf der Grundlage des DLKT untersucht werden, ist darauf hinzuweisen, dass sich in diesem Korpus auch einzelne Beispiele mit einer weiteren Ableitung des Adjektivs atviras finden – atvirėti (-ėjimas) ‚offen werden‘ (siehe 23, 24). Dass das Adjektiv atviras verbalisiert wird, zeigen auch die problemlos über die Google-Suchmaschine auffindbaren Beispiele sowohl mit den Formen von atvireti (siehe 25, 26) als auch mit den Formen von atvirauti (siehe 27, 28)¹³. 23) Konkursas parodė, kad moksleiviai nori būti aktyvūs atvirėjančios mūsų visuomenės nariai. 24) Kokie, Jūsų akimis, pastaruoju metu pastebimi visuomenės atvirėjimo procesai? ¹² Abgerufen am [2023-10-10] hier: http://tekstynas.vdu.lt/tekstynas/menu?page=about. ¹³ Vgl. die Stellungnahme der VLKK: „Das Wort atvirauti werden wir wohl nicht vermeiden können; es sollte jedoch nicht zu einem abgedroschenen Klischee werden, das andere Ausdrucksmittel verdrängt: offen erzählen, offen sprechen, offen sein und dergleichen.“ (zitiert nach: https://vlkk.lt/konsultacijos/4226-atvirauti). Straipsniai / Articles 83 LORETA VAIČIULYTĖ-SEMĖNIENĖ 25) Heute Christ muss sich Christus und der Welt öffnen¹⁴. 26) Kultur und überhaupt das gesellschaftliche Leben öffnet sich¹⁵. 27) Den Menschen in seiner Umgebung oder Familienangehörigen vertraue ich mich nicht besonders an. Nur meiner besten Freundin berichte ich kurz, ob wir diese Woche befreundet sind oder nicht¹⁶. 28) Sie sollten sorgfältiger auswählen, wem Sie sich anvertrauen und wem nicht¹⁷. Die DLKT-Belege mit den Formen von sich anvertrauen (-avimas) zeigen, dass der Adressat, dem und/oder mit dem man sich anvertraut, gewöhnlich aus dem (Satz-)Kontext hervorgeht (vgl. 29, 30). Es gibt Beispiele, in denen der Adressat im Satz genannt wird (vgl. 31–33). Auf den ersten Blick scheint es, dass er im Beispiel 33 nicht nur durch die Konstruktion mit der Präposition su, sondern auch durch den Dativ bezeichnet werden könnte (siehe unten). 29) Seit jener Zeit wurden unsere Beziehungen kalt, vielleicht nicht kalt, aber unoffen. Ich verschloss mich, auch sie drängte sich nicht auf (vgl. mir, mit mir) sich anzuvertrauen. 30) – Männer, ihr habt mich gerettet –, vertraute die Klubangehörige Edna an. 31) – Für mich ist Kalentovas wie ein Vater –, vertraute der Neuankömmling den neuen Nachbarn an. 32) Und begann, sich die Augen zu reiben. Dann bedeckte er sein Gesicht mit den Handflächen und stützte die Ellbogen auf den Tisch. Er sah mich durch die Finger an. Ich musste lachen. Was mache ich hier? Ich vertraue mich einem müde wirkenden Kerl an, der Interesse vorspielt. – Überhaupt nicht interessant. Widerlich. 33) Obwohl es natürlich Dinge gibt, die man nicht verzeihen kann, sollte man sie besser auch nicht sagen. Wichtig ist, wem (vgl. Dativ: „wem“) und in welcher Umgebung du dich anvertraust. Auch der Inhalt des Sichanvertrauens kann aus dem (Satz-)Kontext ersichtlich sein (vgl. 30, 31, 33, 34). Unter dem Aspekt der Valenz sind die Beispiele 35–38 weitaus wichtiger; aus ihnen wird ersichtlich, dass der Kontent nicht nur durch eine apie-Konstruktion (vgl. 35) oder ein Nebensatzglied (vgl. 36, 37), sondern auch durch eine Partizipialkonstruktion (vgl. 38) ausgedrückt wird. Eine solche Ausdrucksweise des Kontents kann man als Inhaltsinstrumental (vgl. 39) bezeichnen. 34) Sein ganzes Leben lang besuchte er nur selten Ärzte. Erst vor drei Jahren hatte ihn ein Herzinfarkt niedergestreckt. Der noch immer muntere, sympathische Gastgeber vertraute sich an (vgl. er vertraute sich an, dass ihn vor drei Jahren ein Herzinfarkt niedergestreckt hatte), und seine Rede war mit zahlreichen ernsten Fakten und Daten gesättigt. 35) Er war nicht geneigt, sich über die stattgefundenen Verhandlungen zu äußern, wies jedoch darauf hin, dass die Gehälter selbst bei Zustimmung nur der Gewerkschaft nicht steigen würden. ¹⁴ Zitiert aus: http://laiskailietuviams.lt/index.php/1963m-1-sausis/1769-atviroji-dvasia-ir-krikscionybe. ¹⁵ Zitiert aus: https://www.bernardinai.lt/2019-09-23-pogrindis-egzistuoja-visur-ir-visada-rasytoja-verteja-a-fominaite-kalbina-a-jakuciunas/. ¹⁶ Zitiert aus: https://www.tevu-darzelis.lt/forums/topic/draugas-nekelia-bendru-nuotrauku-i-fb-kodel/page/4. ¹⁷ Zitiert aus: https://lnk.lt/straipsniai/visi/savaites-horoskopas-deretu-labiau-atsirinkti-su-kuo-galite-atvirauti/208700. 84 Acta Linguistica Lithuanica LXXXIX Atvirauti, atviravimas valentingumas dabartinėje lietuvių kalboje 36) [Į] lud zur Ausstellung von Gemälden im Foyer des zweiten Stockwerks des Palastes ein. Diese Überraschung veranschaulichte die Tradition auf schöne Weise, zumal die ihre Malerei präsentierende Schauspielerin offen erklärte, dass die Bilder gleichsam Monoschauspiele seien, die sie in schlaflosen Nächten schaffe, wenn die auf der Bühne erlebte Anspannung noch nicht abgeklungen sei. 37) Starke, erfolgreiche Menschen können auch erstaunlich empfindsam sein. Jede zweite weltweit anerkannte Mannequin gibt im Interview offen zu (vgl. gesteht), dass sie in ihrer Kindheit glaubte, äußerst hässlich zu sein. 38) Oft kommen nach den Vorlesungen Mädchen zu mir und erzählen, sexuelle Gewalt erfahren zu haben; offenbaren, aus dem Elternhaus fliehen zu wollen oder deuten an, dass ihre Freundinnen an Anorexie leiden oder Alkohol missbrauchen. 39) Der Journalist stellte fest, dass die Leiter von Einkaufszentren nicht sehr geneigt sind, sich zu diesem Thema offen zu äußern (vgl. zu diesem Thema). Vergleicht man die vorliegenden Beispiele 30, 31, 40–43 mit etwa 44–46, lässt sich verfolgen, wie sich aus der Ausdrucksweise offen (sich) äußern, erzählen (sich) die Bedeutung von sich anvertrauen im Sinne von „offen (sich) äußern, (sich) erzählen“ herausgebildet hat; die Valenz steht im Zusammenhang mit dem genannten sich äußern, erzählen (sich). Genauer gesagt verlangt das dreiwertige sich anvertrauen ein agentives Subjekt, ein indirektes Objekt des Benefizienten und ein Kontentobjekt, das durch die Präposition über, eine Partizipialkonstruktion oder ein Nebensatzglied ausgedrückt wird. Syntaktisch ist der durch den Dativ bezeichnete Benefizient fakultativ (vgl. 30–32 und 36–39). Dieselbe semantische und syntaktische sich anvertrauen-Valenz läge auch in den Fällen vor, in denen das betreffende Prädikat über sich äußern an die Semantik und Grammatik von gestehen „2. die Wahrheit über sich selbst sagen“ heranrückt (vgl. 37, 47–49, siehe auch Fußnote 9). 40) „Dann habe ich das Gefühl, wirklich Urlaub zu machen“, – gibt offen zu, dass eine Frau, die in Litauen täglich gewissenhaft das Mittagessen kocht, Frau. 41) Sie blickte stolz zu ihrer Großmutter. Nach dem Schrecken – ein glückliches Ende. Nachdem die Müdigkeit der Reise abgeklungen war und sie zu Mittag gegessen hatten, sagte sie offen: „Mir fehlen die Worte, welch ein Wunder hier geschehen ist. Nach solch einem Schrecken ein derart glückliches Ende“. 42) Alles muss sehr dringend erledigt werden, offenbart der Minister. 43) Dieser Ausdruck selbst ist ein raffiniertes Spiel, offenbart¹⁸ der 27-jährige Koordinator für Öffentlichkeitsarbeit Jaunius. 44) – Oh, wenn ich jung wäre! … Die junge Frau würde mich verführen, das sage ich dir offen (vgl. ich offenbare mich dir). 45) Der aus Kaunas stammende Drogenhändler erzählte der „Lietuvos rytas“ offen (vgl. offenbarte sich) über seine Tätigkeit. ¹⁸ Vgl. auch das DLKT-Beispiel: Die Fahrer neigen nicht dazu, sich offen zu äußern und die Gründe zu nennen, warum sie nach Litauen zurückkehren. Straipsniai / Articles 85 LORETA VAIČIULYTĖ-SEMĖNIENĖ 46) Als der angetroffene R. Šarmaitis fragte, wie es mir gehe, erzählte ich ihm offen alles. 47) Wahrscheinlich deshalb, weil sie ihre Drohung später tatsächlich wahr machte: Sie ertappte das Mädchen mit einem Arzt – Antanos Trinkkumpan und Freund der Familie – und gestand ihrem Mann offen alles: sie habe Mutter werden wollen19. 48) Wir verkaufen Fährtickets auch über das Internet. Etwa 30% der Kunden sind Esten und Letten; sie nutzen das Internet lieber als die Litauer – offenbart Herr Vasiliauskas. Der Unternehmer gesteht, dass er den Umsatz dieser Tätigkeit noch steigern könnte, derzeit jedoch zu wenig für die Dienstleistungen wirbt. 49) – Auch während der Bewertungsarbeit verspürte ich erheblichen Druck –, gestand der Vorsitzende der Jury des nationalen Wettbewerbs, Darius Užkuraitis. Doch weiter offen darüber zu sprechen wollte er noch nicht20. Sätze mit den Formen offen sprechen (–avimas), in denen das indirekte Objekt durch die Präpositionskonstruktion mit gekennzeichnet ist, können mit offen (sich) sprechen (reden) zusammenhängen (vgl. 50–52), genauer mit der Semantik und Grammatik von sprechen (sich). Aus dem DLKT liegt ein Beispiel vor, in dem im Satz sowohl der Adressat als auch der Inhalt des offenen Sprechens formal ausgedrückt sind (vgl. 53). Auf Grundlage der im LKVJŽ (Sližienė 1994: 330–331) angegebenen Valenz von sprechen (sich) lässt sich feststellen, dass im Beispiel 53 das durch die Präpositionskonstruktion mit bezeichnete indirekte Objekt dem Komitativ21 entspricht, während die Präpositionskonstruktion über den Kontentiv bezeichnet. Das syntaktische Komitativ-Actant ist obligatorisch, das Kontentiv-Actant fakultativ (vgl. 54, 55). 50) Mit Freundinnen unterhielt sie sich ziemlich offen über alles; schließlich hatten sowohl die Eltern als auch Arnas morgens reichlich Zeit und waren bei der Arbeit. 51) Sie stimmte zu, und noch nie zuvor hatte ich auf diese Weise zu Abend gegessen. Sie sprach sehr offen mit mir, und plötzlich legte ich all meine Rüstungen ab. Freiheit überströmte mich; die Angst verschwand, denn ich hatte Angst vor diesem Treffen; Gewissensbisse quälten mich nicht mehr. 52) – Ich werde ganz offen sprechen, wie mit Brüdern. Der Gesandte Mindaugas besuchte auch uns. 53) Zum Beispiel: FESTINA LENTE! Oder – MEA CULPA, auch nicht schlecht. Mit der Zeit würde irgendein unbekannter Dichter vorbeikommen, und wir würden uns mit ihm offen über die Schaffensfurchen unterhalten. Nur weiß ich: Weder werde ich eine Schenke eröffnen, noch werde ich mich mit einem Unbekannten offen unterhalten; ach, vielleicht nehme ich mir einfach vor, etwas ohne jeden Anspruch aufzuschreiben! 19 Vgl. auch das DLKT-Beispiel: Offen gestehe ich, dass nur wenige Dinge auf der Welt, vielleicht sogar nichts, in mir so viel Achtung und Bewunderung, so viel Begeisterung hervorgerufen haben wie Władysławas Studnickis. 20 Vgl. auch das DLKT-Beispiel: Solange die verwundete Seele blutet, wagt er sich nicht an die Beichte, an das Offenbaren. 21 Komitativ [Com] – Funktion eines sekundären Agens, Patienten, Perzipienten oder Benefizienten, die neben der entsprechenden Hauptfunktion auftritt und im Satz gewöhnlich der Präpositionskonstruktion suInstr entspricht (LKVJŽ 1994: 22). 86 Acta Linguistica Lituanica LXXXIX Atvirauti, atviravimas valentingumas dabartinėje lietuvių kalboje 54) Natürlich kann man sich später, wenn man echte Freunde gefunden hat, mit ihnen offenbaren (vgl. 50). 55) Übrigens war er einer der ersten Zöglinge von B. L. Laugalienė, die über die in dieser Familie herrschenden Missstände sprachen. Aus dem Haus der Pflegeperson musste D. Šliužas wegen des Offenbarens gegenüber Journalisten fliehen, kehrte später jedoch zurück, um wieder bei B. L. Laugalienė zu leben. Dass der Ausdruck des indirekten Objekts durch die Komitativkonstruktion in den Beispielen 53–55 mit wechselseitigem Sprechen zusammenhängen kann, zeigt auch Beispiel 56, in dem die Präpositionalkonstruktion durch die Valenz des Substantivs Gespräch bestimmt wird. Natürlich kommen unklare oder zu Verwechslungen führende Fälle vor. Aufgrund des Kontexts von Beispiel 57 wäre etwa der Dativ des indirekten Objekts, der ein einseitiges Sprechen ausdrücken würde, also die Äußerung der Beamten gegenüber der Öffentlichkeit, weniger markiert, ähnlich wie in den Beispielen 58 und 59. Andererseits könnte die Ausdrucksweise des indirekten Objekts in Beispiel 57 auch durch einen anderen Bedeutungsaspekt von Offenbaren (-ung) beeinflusst sein – „offen sein“ (siehe unten). 56) Die Offenbarungen des britischen Gesandten im Gespräch mit K. Bizauskas (vgl. Offenbarungen des Gesandten mit K. Bizauskas) provozierten während des Demarchés dessen gegen die eigene Regierung illoyale Äußerungen. 57) Die vor einigen Jahren verabschiedeten einschlägigen litauischen Gesetze verpflichten dazu, jedes Jahr öffentlich die eigenen Interessen zu deklarieren. Doch nicht alle Beamten offenbaren sich gegenüber der Öffentlichkeit. Aus den veröffentlichten Tabellen geht hervor, dass nur etwa 150–200 Beamte höheren Ranges etwas in verschiedene Rubriken dieser Erklärung eingetragen haben. 58) Eglė ist verschlossener. Wenn es ihr schlechter geht, wird sie es mir nicht sagen. Vielleicht will sie mich nicht beunruhigen oder traurig machen. Die Töchter einiger meiner Freundinnen offenbaren sich ihren Müttern sehr, woraufhin diese furchtbar leiden und nachts nicht schlafen. 59) – Warum sprechen Sie über den Tod Ihrer Tochter, wo doch Sie sie hassen. Warum offenbaren Sie sich mir derart, wo Sie mich doch überhaupt nicht kennen, mich gerade erst getroffen haben! – Ich spreche nicht über ihren Tod, ich vermute es nur. Das vorliegende Beispiel 60 zeigt die Ausprägung einseitiger ((etwas) sagen (zu jemandem)) und gegenseitiger (offen sprechen – sich unterhalten, miteinander sprechen) Aspekte des Sprechens. Unter Anerkennung unklarer oder semantisch verflochtener Fälle ist festzustellen, dass Aspekte des offenen Sprechens die Wahl der Kennzeichnung des indirekten Objekts beeinflussen (dt. Markierung). Angenommen, man würde im Kontext des vorliegenden Beispiels 61 sagen, dass sie miteinander über ihr Leben sprechen, als gäbe es keine Kamera, würden wir ihr gegenseitiges Sprechen über das Leben aktualisieren; sagte man hingegen, dass sie über ihr Leben sprechen, etwa mit uns, würde man in der Gesprächssituation nicht die am Gespräch beteiligten (Filmprotagonisten), sondern die hinter der Kamera Zuhörenden (Sehenden) hervorheben. Wenn dem so ist, begrenzt der Kontext der Beispiele 62–64 die Ausprägung des gegenseitigen offenen Sprechens, während der Kontext von 65 die des einseitigen Sprechens begrenzt. 60) Mit einer Frau aus Vilnius offenbarten wir uns einander … Straipsniai / Articles 87 LORETA VAIČIULYTĖ-SEMĖNIENĖ 61) Beim Anschauen von Burajas Filmen („Mama“, „Tagebuch“) staunt man darüber, wie sie einen so engen Kontakt zu den Protagonisten ihres Films herstellen kann, dass diese auf der Leinwand offen über ihr Leben sprechen, als gäbe es die Kamera überhaupt nicht. Die Helden des Films „Auf Kreta“ wissen, dass eine Kamera sie beobachtet – sie zwingt sie, sich „zusammenzunehmen“. 62) Warum kenne ich die Lebensgeschichten so vieler Menschen? Warum reden so viele lange mit mir und beginnen, sich mir anzuvertrauen, teilen ihre geheimsten Gedanken? Obwohl es mir selbst schwerfällt, mich zu öffnen und mich auszusprechen, selbst dann, wenn es wirklich nötig ist. 63) Er murrt nur: Du weißt … ich werde es dir sagen. Dir, dir werde ich es sagen … hörst du?! Noch hoffnungsloser fühlte ich mich damals, als irgendein Mensch begann, über seine unmenschlichen Leiden zu offenbaren – Autor, Interpret, Schauspieler, ganz gleich. 64) Wort für Wort begriff die Verbindungsoffizierin der Partisanen, was für ein Vögelchen zu ihr hereingeflattert war. Noch schneller lernte sie, mit diesem Wesen umzugehen: Sobald die Spionin begann, sich zu offenbaren (vgl. ihr gegenüber, *mit ihr) über die Partisanen, versank Lukevičiūtė mit ganzer Seele in den Gebeten. 65) Die Geheimdienste der Republik Venedig, die eine Zeit voller Widrigkeiten erlebt hatte, deckten deren Taten und Machenschaften. Eine Vielzahl von Geliebten und Mätressen, mit denen sich die Einflussreichen offenbarten, „arbeitete“ für Casanova gleich einem Agentennetz (vgl. 50, 54). In den Beispielen 66–68 wird stärker der mit Aufrichtigkeit verbundene Aspekt des offenen Sprechens (–avimas) betont – „offen sein“. Wahrscheinlich könnte nach der Analogie zu offen das indirekte Objekt eines solchen offenen Sprechens durch den Dativ und die Präpositionskonstruktion mit ausgedrückt werden (vgl. 69, 70). In den vorliegenden Sätzen ist jedoch dieses fakultative Actant des offenen Sprechens „offen sein“ nicht ausgedrückt. 66) Kęstutis ist ein eingefleischter Einzelgänger. „Ich will mich nirgends einmischen, ich mag es nicht, mich zu offenbaren (vgl. offen zu sein)“, gesteht der junge Mann. 67) Die Nachbarin, bei der Žydrūnė im Dorf Vaišvilai gewöhnlich vorbeikam, trauerte über das tragische Schicksal des Mädchens. „Sie ist sehr verschlossen, sie mochte es nicht, sich zu offenbaren. Ich spürte, dass es ihr zu Hause schwerfiel, wo Mutter und Stiefvater, ohne regelmäßiges Einkommen, häufig betrunken waren“, erzählte die Rentnerin. 68) Gespräche – über Fußball. Andere – über Frauen. In den Pausen zwischen den Gesprächen über Fußball und Frauen sprechen wir über die Arbeit. Es stimmt nicht, dass alle Männer nicht dazu neigen, sich zu offenbaren. Ich verspüre kein großes Bedürfnis, Gefühle auszuschütten, doch manche meiner Freunde erzählen sich vergleichsweise bereitwillig aus. 69) Frauen suchen nach Identifikation mit sich selbst, betrachten sich, ihre Gefühle und Empfindungen sowie ihre Beziehungen zu Männern. Offenheit (nicht Offenbarung) für sich ist die schwierigste Prüfung. Offenheit ist schwer zu ertragen. 88 Acta Linguistica Lithuanica LXXXIX Atvirauti, atviravimas valentingumas dabartinėje lietuvių kalboje 70) Ein weiterer negativ stimmender Umstand sind Offenbarungen, das Ausschütten des Herzens gegenüber nicht den engsten Freunden. Durch unsere Komplexe und emotionale Entblößung können wir selbst die tolerantesten Menschen abstoßen²². Schließlich stehen die genannten Sätze, in denen Formen des offenen Sprechens neben dem Antonym heimlichtun verwendet werden. Die Beispiele 71 und 72 zeigen die im Satz betonte semantische Verbindung des offenen Sprechens (oder seiner Ableitungen) mit dem Wahrheitsagen²³, die in den Kontexten der Beispiele 73 und 74 deutlich beziehungsweise im Kontext von Beispiel 67 greifbar ist. 71) Auch über seinen auf dem Hügel verwesenden Freund – ebenso. Gučka beobachtete ihn, als hätte er alles im Voraus erkannt. Er selbst offenbarte sich und verheimlichte nichts, ohne seine Worte zu wählen, und du, Neuling, nicke, auch wenn du dazu gezwungen bist. 72) „Offenheit schadet mir“, sagst du und setzt eine Maske auf. Aber immer? – fragte Virginija Rimkuvienė die sich Offenbarenden und den Verheimlichenden. So Julius Girdvainis, Journalist: „Ein völlig offener Mensch würde untergehen. Besonders vorsichtig muss man in der Öffentlichkeit sein.“ 73) Man kann immer so tun, als sei dies nicht sie, sondern nur ein Scherz, ein Späßchen, ein unverbindliches Wortspiel. Genau solche Gespräche in verschiedenen Fernsehsendungen und Boulevardzeitschriften werden heute auch „Offenbarungen“ genannt, obwohl sie mit echter Offenheit am wenigsten zu tun haben, denn der „Offenbarende“ verbirgt sich … 74) Šatrijos Ragana neigte nicht zur Offenheit im Sinne einer Offenbarung, obwohl sie in einem Brief an P. Augustaitis vom 16. Februar 1907 sagte: „Ich liebe stets Offenheit.“ Hier bedeutet Offenheit eher Geradlinigkeit. 4. ZUSAMMENFASSUNG UND SCHLUSSFOLGERUNGEN Die untersuchten 340 DLKT-Beispiele mit verschiedenen Formen des offenen Sprechens (offenes Sprechen) zeigen, dass ihre Valenz durch die Semantik und Grammatik des Grundworts und der Prädikate aus seinem lexikalisch-semantischen Feld beeinflusst wird. Die Untersuchung ergab, dass die verallgemeinerte Bedeutung des Prädikats offen sprechen (-avimas) „offen sein; offen sprechen (sich unterhalten)“ lautet. Unter dem Aspekt der Valenz kann sie eingeteilt werden in: „1. offen sein“, „2. offen (etwas) sagen, erzählen (sich), gestehen“ und „3. offen sprechen (sich), sich unterhalten“. Die beiden letztgenannten unterscheiden sich hinsichtlich der Richtung des Sprechens. ²² Vgl. auch das DLKT-Beispiel: Viele von uns sind gezwungen, täglich bestimmte soziale Rollen zu spielen, in deren Drehbüchern gewöhnlich kein Platz für aufrichtige Offenbarung ist. Dieses Phänomen dominiert die akademische Gesellschaft zunehmend. ²³ Vgl. die im ŠŽe unterschiedene offen (keine Geheimnisse habend) Synonymreihe: offenherzig, aufrichtig, lauterherzig, direkt, geradherzig, freimütig, unverblümt. Straipsniai / Articles 89 LORETA VAIČIULYTĖ-SEMĖNIENĖ Das dreiwertige offene Sprechen „3. offen sprechen (sich), sich unterhalten“ verlangt ein agenshaltiges Subjekt sowie indirekte Objekte, die den Funktionen des Komitativs und Kontentivs entsprechen. Im Satz wird der Komitativ durch die obligatorische Präpositionskonstruktion mit ausgedrückt, während der Kontentiv fakultativ durch die Präpositionskonstruktion über bezeichnet werden kann. Das dreiwertige offene Sprechen „2. offen (etwas) sagen, erzählen (sich), gestehen“ verlangt im Satz ein agenshaltiges Subjekt sowie indirekte Objekte, die den Funktionen des Benefizienten und Kontentivs entsprechen. Der Benefizient wird fakultativ durch den Dativ ausgedrückt, der Kontentiv kann variantenweise durch die obligatorische Präpositionskonstruktion über oder durch eine partizipiale Konstruktion beziehungsweise einen Nebensatz bezeichnet werden. Wenn das zweiwertige offene Sprechen in der Bedeutung „offen sein“ verwendet wird, werden seine syntaktischen Actants in Analogie zu offen durch den obligatorischen Nominativ des Subjekts und fakultativ durch den Dativ des indirekten Objekts oder die Präpositionskonstruktion mit ausgedrückt. Das Subjekt entspricht dem perzeptiven Agens²⁴, während das variantenweise bezeichnete indirekte Objekt dem Benefizienten entspricht. Im DLKT wurden keine Beispiele gefunden, in denen das fakultative Actant dieser Bedeutung des offenen Sprechens im Satz ausgedrückt wäre. Das empirische Material lässt vermuten, dass dadurch offenes Sprechen „offen sein“ stärker von offenem Sprechen „offen sprechen (sich)“ unterschieden wird, wobei im ersten Fall der Dativ und die Konstruktion mit mit derselben semantischen Funktion entsprechen, im zweiten Fall hingegen Ausdrücke gleicher Form eine unterschiedliche Semantik aufweisen. Die Untersuchung zeigte, dass in die Valenzstrukturen des offenen Sprechens (-avimas) „offen sprechen (sich)“ aus den freien Valenzgliedern des zweiwertigen offen „aufrichtig, alles sagend“ der Kontentiv (Inhalt des (etwas) Sagens, Sprechens (miteinander)) mit eigener Ausdrucksform aufgenommen ist. ŠALTINIAI BLKŽ – Bendrinės lietuvių kalbos žodynas, red. kolegija D. Liutkevičienė, D. Murmulaitytė, V. Sakalauskienė, A. Gritenienė, A. Gaidienė, D. Daugirdienė, L. Jonušys, vyr. red. D. Liutkevičienė, Vilnius: Lietuvių kalbos institutas, 2013–2022. Prieiga internete: https://ekalba.lt/bendrinės-lietuvių-kalbos-žodynas/. DLKT – Dabartinės lietuvių kalbos tekstynas, Kaunas: Vytauto Didžiojo universitetas. Prieiga internete: http://tekstynas.vdu.lt/tekstynas/. DLKŽe – Dabartinės lietuvių kalbos žodynas, 8-asis patais. ir papild. leidimas, vyr. red. St. Keinys, e. variantas, Vilnius: Lietuvių kalbos institutas, 2021. Prieiga internete: https://ekalba.lt/dabartines-lietuviu-kalbos-zodynas/. LKŽe – Lietuvių kalbos žodynas 1–20 (1941–2002), red. kolegija G. Naktinienė, J. Paulauskas, R. Petrokienė, V. Vitkauskas, J. Zabarskaitė, vyr. red. G. Naktinienė, e. variantas, Vilnius: Lietuvių kalbos institutas, 2005 (atnaujinta versija, 2018). Prieiga internete: https://ekalba.lt/lietuviu-kalbos-zodynas/. ²⁴ Apie dvisluoksnes semantines funkcijas plačiau žr. Druktein­is (2009). 90 Acta Linguistica Lithuanica LXXXIX Atvirauti, atviravimas valentingumas dabartinėje lietuvių kalboje LKŽPapK – „Lietuvių kalbos žodyno“ Papildymų kartoteka, Vilnius: Lietuvių kalbos institutas, 2015. Prieiga internete: https://ekalba.lt/lkz-papildymu-kartoteka/. SisŽe – Paulauskas Jonas. Sisteminis lietuvių kalbos žodynas, Vilnius: Mokslas, 1987, e. variantas, 2015. Prieiga internete: https://ekalba.lt/sisteminis-lietuviu-kalbos-zodynas/perziura. SŽe – Lyberis Antanas. Lietuvių kalbos sinonimų žodynas, 2-asis patais. leidimas, Vilnius: Lietuvių kalbos institutas, 2002, e. variantas, 2015. Prieiga internete: https://ekalba.lt/sinonimu-zodynas/. LITERATŪRA Ágel Vilmos 2000: Valenztheorie, Tübingen. Drukteinis Albinas 2009: Semantinės sakinių struktūros su sinkretinės reikšmės predikatais. – Res Humanitariae 6, 24–41. Hentschel Elke, Weydt Harald 1994: Handbuch der deutschen Grammatik, 2. Aufl., Berlin, New York: De Gruyter. KP2 S2 – Kalbos patarimai 2: Sintaksė 1. 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The latter two meanings differ from each other in the direction of speech. The trivalent atvirauti ‘3. to talk, to converse openly’ requires the agentive subject, the indirect objects corresponding to the comitative and the contentive. The comitative is expressed by the necessary construction of the preposition su, while the contentive can be expressed facultatively by constructing the preposition apie. The trivalent atvirauti ‘2. to say, to tell openly; to confess’ in a sentence requires an agentive subject and indirect objects, which correspond beneficiary and contentive. The beneficiary is expressed facultatively in the dative of the indirect object. In contrast, the indirect object contentive can be marked as necessary by constructing the preposition apie, or with a participial construction, a subordinate clause. When the bivalent atvirauti is used in the meaning of ‘1. to be open’, its syntactic actants are, by atviras analogy, said in the necessary subject nominative and optionally in the dative or construction of the preposition su of the indirect object. The subject corresponds to the percipient agent and the variantly marked indirect object to the beneficiary. The study shows that the valency structures of atvirauti ‘to speak openly’ include a contentive with expression from the free elements of the adjective atviras. Įteikta 2023 m. spalio 11 d. LORETA VAIČIULYTĖ-SEMĖNIENĖ Lietuvių kalbos institutas Petro Vileišio g. 5, LT–10308 Vilnius, Lietuva [email protected] 92 Acta Linguistica Lithuanica LXXXIX