Fo schung am i wKöln
Band 3/2024
De Ve siche ungssena des Reichsge ich es,
Hein ich Himmle und die Füh e scheinklausel
Di k-Ca s en Gün he
Fo schung am i wKöln, Band 3/2024
Di k-Ca s en Gün he
Fo schungss elle Ve siche ungs ech
De Ve siche ungssena des Reichsge ich es, Hein ich
Himmle und die Füh e scheinklausel
Zusammen assung
De Bei ag behandel ein zum Teil im na ionalsozialis ischen duc us gehal enes U eil des Reichsge ich s zu sog.
„Füh e scheinklausel“ in de K a ah e siche ung aus dem Jah e 1941. Hin e g und dieses U eil wa eine
e b eche ische „Ano dnung“ on Hein
ich Himmle , welche jüdischen Deu schen das Fah
en on
K a ah zeugen e bo .
De Ve asse kam au dieses U eil, als e im A chi de BGH
-Biblio hek die un e ö en lich en U eile des
Ve siche ungssena es des Reichsge ich es zwischen 1939 bis 1945 du
cha bei e e. Im Bundesa chi konn e de
Au o sodann die Ge ich sak e einsehen und e ne die Pe sonalak en de en scheidenden Reichsge ich s ä e.
De Ve asse geh auch au das Schicksal des spä e im Rahmen de Schoa e
mo de en jüdischen Fah e s ein.
D
ieses U eil des Ve siche ungssena es beleg anschaulich, insbesonde e un e Be ücksich igung de e olg en
Auswe ung auch seine üb igen Rech sp echung, wie im Be eich des Zi il ech es die Ge ich e ih e
Rech sp echung auch nach de „Mach e g ei ung“ sche
inba no mal wei e üh en, eilweise auch Klage on
Juden s a gaben und auch sind beim Ve siche ungssena des Reichsge ich e di ek e poli ische En lussnahmen
nich zu belegen. Abe wie die Auswe ung des Ve asse s und um das „Füh e scheinu eil“ bele
g , wa dies auch
nich no wendig, da denn Rich e bewuss gewesen sein dü e, wie sie eine sei s o malju is isch „ ich ig“
en scheiden, ande sei s sich gegenübe den na ionalsozialis ischen Mach habe s nich ang ei ba machen.
Abs ac
This a icle deals wi h a judgemen o he “Reichsge ich ” (Ge man, ansl. Reich Cou ; The “Reichsge ich ” was
he sup eme c iminal and ci il cou in he Ge man Reich om 1879 o 1945) on he so
-called
"Füh e scheinklausel" (Ge man, ansl. d i ing license clause) in mo o ehicle insu ance om 1941. The uling
pa ly con ains Na ional Socialis
s yle and cha ac e is ics. The backg ound o his uling was a c iminal "o de " by
Hein ich Himmle , which p ohibi ed Ge mans o Jewish o ig
in om d i ing mo o ehicles.
The au ho came ac oss his judgemen while wo king h ough he unpublished judgem
en s o he Insu ance
Sena e o he “Reichsge ich ” be ween 1939 and 1945 in he a chi es o he “Bundesge ich sho ”
-lib a y (The
“Bundesge ich sho ” being he highes cou o ci il and c iminal ju isdic ion in Ge many; es ablished in 1950 a e
he “Reic
hsge ich ” was dissol ed in 1945 by he Allies). The au ho was u he mo e able o inspec he cou ile
in he Fede al A chi es and also he pe sonnel iles o he deciding “Reichsge ich s ä e” (Ge man, means he
judges associa ed wi h he case a he “
Reichsge ich ”). The au ho also add esses he a e o he Jewish d i e
who w
as la e mu de ed in he Shoah.
This judgemen o he Insu ance Sena e i idly demons a es, whils aking he e alua ion o i s o he ju isp udence
pa icula ly in o accoun , h
ow he cou s con inued hei ju isdic ion in he a ea o ci il law, seemingly no mally
e en a e Hi le ’s ise o powe , in some cases also upholding complain s by Jews. Fu he mo e, i shows ha a
di ec poli ical in luence could no be p o en a he I
nsu ance Sena e o he “Reichsge ich ”. Bu as he e alua ion
o he "d i ing license judgemen " shows, he e was ha dly need o exe in luence, as he judges mus ha e been
awa e o how o decide "co ec ly" om a o mal legal poin o iew on he one h
and, bu no o make hemsel es
ulne able o he Na ional Socialis ule s on he o he .
De Ve siche ungssena des Reichsge ich es,
Hein ich Himmle und die Füh e scheinklausel
P o . D . Di k-Ca s en Gün he 1
Gliede ung
01. Ein üh ung 02
02. Ano dnung übe die En ziehung de Füh e scheine du ch den 03
Reichs üh e SS und Che de deu schen Polizei Hein ich
Himmle om 03.12.1938 und die Füh e scheinklausel
03. Sach e hal des „Füh e scheinu eils“ 06
04. De jüdische Fah e Paul Lachenb uch 07
05. Ve ah ensgang bei den Vo ins anzen 10
06. Re isionseinlegung bei dem Reichsge ich 13
07. Einholung eine Auskun bei dem Reichsjus izminis e ium 17
08. Das U eil des Reichsge ich es om 25.02.1941 22
09. Reichsge ich s ä e übe zeug e Na ionalsozialis en, 30
e kapp e Wide s ändle ode Mi läu e ?
10. Auswe ung de wei e en Rech sp echung de Jah e 1939 bis 42
1945
11. Ausklang: Die U eilsanme kung des Ve siche ungs ech le s 49
P ölss
12. Schussbe ach ung 53
1
Leh s uhl Sach e siche ung am Ins i u ü Ve siche ungswesen, Fakul ä ü Wi scha s- und
Rech swissenscha en, TH Köln und Pa ne in de Ve siche ungs ech skanzlei BLD. Ich danke
ganz he zlich meine F au E a und meinen Kinde n Mia, Leo Max, zu de en Las en, wenn ich
eh lich bin, de o liegende Bei ag ging, da ich diesen allein in meine F eizei e ass habe.
- 2 -
1. Ein üh ung
Die En ech lichung deu sche S aa sbü ge mi - aus Sich de Nazis - „jüdische Rassenzuge-
hö igkei “ ha e schon o dem deu schen Ang i sk ieg im Jah e 1939 ode ga dem Beginn des
indus iellen Massenmo des ab 1942 mannig ache Ausp ägungen.2 Die e b eche ische K ea i-
i ä wa beach lich. Allein im Jah e 1933 gab es zahl eiche Maßnahmen zu En ech lichung
wie die En lassung jüdische Beam e (07.04.1933), Rücknahme de Zulassung jüdische
Rech sanwäl e (07.04.1933), g undsä zliche Ausschluss bei deu schen Spo - und Tu ne e ei-
nigungen (08.04.1933), Ein üh ung des „A ie -Nachweises“ (11.04.1933), En ziehung de kas-
senä z lichen Zulassung ü jüdische Ä z e (22.04.1933), Beg enzung de Anzahl on jüdischen
Schüle n und S uden en (25.04.1933), Wide u on Einbü ge ungen (14.07.1933), Au i s e -
bo jüdische Küns le (22.09.1933), Ausschluss on Juden aus dem Baue ns and (29.09.1933),
Ausschluss jüdische Jou nalis en (04.10.1933), Ausschluss on akademischen P ü ungen
(15.12.1933) bis zum Ausschluss des Leh am ss udiums (19.12.1933) belegen.
Diese Maßnahmen se zen sich in den Folgejah en und mi zunehmende Eing i s ie e s akka o-
a ig o , gl. de Ausschluss on Juden aus be ieblichen Füh ungsposi ionen (20.01.1934),
En eignung jüdische Emig an en du ch die „Reichs luch s eue “ (18.05.1934), Ve bo on Habi-
li a ionen du ch Juden (13.12.1934), Ausschluss jüdische Rek u en om Weh diens
(21.05.1935) und om Reichsa bei sdiens (26.06.1935), Au nahmes opp jüdische S uden en
an allen Hochschulen (06.07.1935), Ausschluss jüdische S uden en on Examina bei dem Ju-
as udium (22.07.1935), die be üch ig e Rassengese ze in Fo m des Reichsbü ge gese zes so-
wie des „Blu schu zgese zes“ (15.09.1935), De ini ion und Eins u ung des Beg i es „Jude“
(14.11.1935), Besch änkungen beim E b ech (05.11.1937), Anmeldung des Ve mögens on Ju-
den (26.04.1938), Kennka enzwang ü Juden (23.07.1938), E löschen de App oba ion ü jü-
dische Ä z e (25.07.1938), Umbenennung on nach jüdischen Pe sonen benann en S aßenna-
men (27.07.1938), Zwang zu Ein üh ung eines zwei en Vo namens, Is ael bzw. Sa a,
(17.08.1938), Kennzeichnung de Reisepässe on Juden mi einem „J“ (05.10.1938), „Sühne-
leis ung“ ü das No embe pog om (12.11.1938), Gewe be e bo (12.11.1938), Ausschluss jüdi-
sche Schüle (15.11.1938), Ve bo des Au en hal s im ö en lichen Raum an bes imm en Tagen
(28.11.1938), scheinba sku ile E scheinungs o men wie ein B ie auben e bo (29.11.1938) o-
de de Zwangs e kau ü Gewe bebe iebe (03.12.1938).
2
Vgl. Mülle /Hü hig, Das Sonde ech ü die Juden im NS-S aa , 2. Au l., Heidelbe g 1996-
- 3 -
2. Ano dnung übe die En ziehung de Füh e scheine du ch den Reichs üh e SS
und Che de deu schen Polizei Hein ich Himmle om 03.12.1938 und die Füh e -
scheinklausel in den K a ah zeugbedingungen
a) Fü den Be eich des p i a en Ve siche ungs ech es, namen lich in de K a ah zeug e siche-
ung, ha e eine Ano dnung zum so o igen En zug de Fah e laubnis om 03.12.1938 e -
hebliche p ak ische Auswi kungen: Die Deu schen, die aus Sich de Na ionalsozialis en Juden
wa en, du en ab dem 04.12.1938 keine K a ah zeuge meh üh en. Sie wa en also zu No e -
käu en an „A ie “, siche lich zu wei un e dem Ma k we liegenden P eisen, gezwungen.
Vo gebliche G undlage des so o igen En zugs de Fah e laubnis ü Juden wa die „Ve o dnung
des Reichs üh e s SS und Che s de deu schen Polizei“ - diese Posi ion bekleide e sei 1936 de
be üch ig e Hein ich Himmle - om 03.12.1938.
Diese „ o läu ige Ano dnung“ wu de im Rund unk und in de Tagesp esse e ö en lich . Sie
ha e olgenden Inhal :
Diese „Ano dnung“ ging eine Si zung bei He mann Gö ing am 12.11.1938 o aus. Diese Si zung
ha Gö ing im Reichslu ah minis e ium einbe u en, um nach dem No embe pog om juden-
eindliche Maßnahmen zu besp echen, insbesonde e ging es diesen da um, deu sche Juden zu
- 4 -
en eignen und zu Auswande ung zu zwingen. Im Rahmen diese Si zung wa auch die Benu -
zung on eigenen K a ah zeugen du ch Juden e ö e wo den und Folge wa dann die „Ano d-
nung“ on Hein ich Himmle om 03.12.1938.3
b) Rech lich wa diese „ o läu ige Ano dnung“ auch und ge ade au Basis de nach de „Mach -
e g ei ung“ neu e lassenen Reichs-S aßen e keh s-O dnung, die mi de heu igen S VO noch
iele Gemeinsamkei en ha , ge adezu absu d4. Denn auch nach de Reichs-S VO kam ü den
En zug de Fah e laubnis selbs edend imme au die indi iduelle Eignung zum Füh en on K a -
ah zeugen an5.
Selbs bei den Nazi-Behö den kamen asch Zwei el an de Rech swi ksamkei diese „Ano d-
nung“ au , da sie zum einen lediglich in Tageszei ungen e ö en lich wu de.6 Zum ande en wa
schon seine zei die Zus ändigkei s i ig, da Hein ich Himmle als Che de Deu schen Polizei
ü eine solche „Ano dnung“ kaum zus ändig gewesen sein dü e, sonde n das Reichs e keh s-
minis e ium. Das Reichs e keh sminis e ium ha Mona e spä e diese na ionalsozialis ische Will-
kü maßnahme du ch einen e aulichen E lass om 22.02.1939 o geblich legalisie mi seine
Regelung zu „Einziehung“ de Füh e scheine de Juden. In e essan is , dass in diesem nich
e ö en lich en E lass des Reichs e keh sminis e iums de Beg i de „Einziehung“ gemäß de
S aßen e keh so dnung unlichs e mieden wu de. Ein „Schnellb ie “ de Ges apo eil e diesen
in e nen G unde lass des Reichs e keh sminis e iums wiede um e s und ein halbes Jah spä-
e am 29.08.1993 säm liche S aa spolizeis ellen mi , wobei es do in beme kenswe e Weise
heiß , dass de E lass des Reichs e keh sminis e iums e s je z zu Kenn nis gelang sei.7
c) De Ve siche ungssena des Reichsge ich es ha e sich ansons en im Ve siche ungs ech ,
sowei e sich lich, mi keinem Gese z, keine Ve o dnung ode sons igen behö dlichen Maß-
nahme zu En ech lichung de Deu schen mi jüdische Abs ammung zu be assen, jedoch im
Jah e 1940/1941 mi diese Ano dnung zu En ziehung de Fah e laubnis.8
Hin e g und wa die Regelung in den Allgemeinen Ve siche ungsbes immungen zu K a ah -
e siche ung (AKB) zu sog. Füh e scheinklausel. De genaue Wo lau de Füh e scheinklau-
sel wi d in dem U eil nich olls ändig zi ie . Sie ha e jedoch den Inhal , dass „de Ve siche e
on de Ve p lich ung zu Leis ung ei [is ]“, wenn de Fah e nich übe die Fah e laubnis e -
üg .
Sei 1941 gal en leich geände e AKB:
„De Ve siche e is on de Ve p lich ung zu Leis ung ei,
...
b) wenn de Fah e des Fah zeugs bei Ein i des Ve siche ungs alls nich die o gesch iebene
Fah e laubnis ha . Die Ve p lich ung zu Leis ung bleib gegenübe dem Ve siche ungsnehme
ode Hal e bes ehen, wenn diese das Vo liegen de Fah e laubnis bei dem be ech ig en Fah e
ohne Ve schulden annehmen du e ode wenn ein unbe ech ig e Fah e das Fah zeug ge üh
ha .“
3
Go wald /Schulle, „Juden is die Benu zung on Speisewagen un e sag “ – die an ijüdische Poli-
ik des Reichs e keh sminis e iums zwischen 1933 und 1945, S. 55.
4
Vom 28.05.1934 RGBl. 1934 Teil I, S. 455 .
5
Vgl. z.B. § 1, 35 Reichs-S VO.
6
z.B. das Sch eiben des Polizeip äsiden en Köln om 22.02.1939, Abd uck bei Simme , die na i-
onalsozialis ische Juden e olgung in Rheinland-P alz 1933 – 1945, Koblenz 1974, S. 170,
Dokumen N . 143, S aa sa chi Koblenz, Bes and 803, N . 304, S. 2.
7
Abd uck bei Diaman Ges apo F ank u a. Main. Zu Geschich e eine e b eche ischen O gani-
sa ion in den Jah en 1933 – 45, F ank u a.M. 1988, Dokumen N . 48, S. 399; gl. auch
Go wald /Schulle a.a.O., S. 56.
8
Vgl. abe auße halb des Ve siche ungs ech es den Fall de klagenden jüdischen Kul usgemeinde,
U eil om 13.12.1940, VII 88/44.
- 5 -
Die ak uellen AKB lau en:
„De Fah e des Fah zeugs da das Fah zeug au ö en lichen Wegen ode Plä zen nu mi de
e o de lichen Fah e laubnis benu zen. Auße dem dü en Sie, de Hal e ode de Eigen üme
das Fah zeug nich on einem Fah e benu zen lassen, de nich die e o de liche Fah e laubnis
ha .“
Mi seinem U eil om 25.02.1941 (VII 65/40) ha e das Reichsge ich nun zu en scheiden, ob
de K z-Ve siche e un e Maßgabe de sog. Füh e scheinklausel in den AKB leis ungs ei is .
d) De Ve asse ha e sich im Rahmen eines länge en Fes sch i bei ages9 mi de in de am -
lichen En scheidungssammlung RGZ e ö en lich en Rech sp echung des Ve siche ungssena s
des Reichsge ich es, dies wa insbesonde e de VII. Sena , zum Ve siche ungs ech be ass . Im
Rahmen dessen and de Ve asse keine En scheidungen zum Ve siche ungs ech mi na io-
nalsozialis isch gep äg Aus üh ungen. Be ei s in diesem Bei ag wies de Ve asse abe da au
hin, dass es ü eine wei e e P ü ung de Auswe ung auch de un e ö en lich en U eile des
Ve siche ungssena des Reichsge ich es bedu e.
In de Biblio hek des BGH sind nahezu säm liche un e ö en lich e En scheidungen des Reichs-
ge ich es en hal en. Es handel sich um insgesam und 22.000 Bände. De Ve asse ha die
Bände, welche die U eile des VII. Sena s be e en, ü die Jah e 1939 bis 1945 du chgea bei e .
Do ielen, insbesonde e in den 40ige Jah en, die zahl eichen „Abs ammungsu eile“ ins
Auge.10 De VII. Sena wa neben dem Ve siche ungs ech auch ü diese Ve ah en zus ändig.11
Au g und de e siche ungs e ags ech lichen Aus ich ung des Ve asse s sind diese Ve ah en
nich Gegens and de e ie en wissenscha lichen P ü ung, sonde n die En scheidungen des
VII. Sena s des Reichsge ich es zum p i a en Ve siche ungs ech .
Bei de Auswe ung auch de un e ö en lich en de U eile ü den Zei aum 1939 bis 1945
konn e de Ve asse - on eine Ausnahme abgesehen - keine U eile zum Ve siche ungs ech
mi be on na ionalsozialis ischen Aus üh ungen des VII. Sena s en decken. Bei diese Aus-
nahme handel es sich um das U eil des Reichsge ich es om 25.02.1941, VII 65/40, zu sog.
Füh e scheinklausel.
Mi diesem U eil ha e sich das Reichsge ich mi diese „Ano dnung“ on Hein ich Himmle om
03.12.1938 zu be assen.
9
Die Rech sp echung des Reichsge ich es zum Ve siche ungs ech – al e U eile und neue E -
kenn nisse, in Fes sch i Schimikowski, München 2023, S. 113 – 155.
10
aus üh lich hie zu Schumann, Die Reichsge ich s ech sp echung in Familiensachen on 1933-
1945 in: 125 Jah e Reichsge ich , h sg. on Ke n/Schmid -Recla, Be lin 2006, S. 171-214.
11
gl. hie zu auch Ro h in Limpe g/Kißene /Ro h, En so gung de Ve gangenhei ? – die Gedenk-
a el zu E inne ung an 34 Reichsge ich s ä e und Reichsanwäl e im Bundesge ich sho , Ba-
den-Baden 2023, S. 41 .
- 6 -
3. Sach e hal des „Füh e scheinu eils“
Die Ve ah ensak e zu dem „Füh e scheinu eils“ des Reichsge ich es is im Bundesa chi o -
handen. Die, sowei e sich lich e s malige, Auswe ung diese Ve ah ensak e des Reichsge ich-
es du ch den Ve asse bie e du chaus in e essan e E kenn nisse.
De Sach e hal wi d in dem eichsge ich lichen U eil nu knapp wiede gegeben. Au g und de
sich in de Ge ich sak e be indlichen En scheidung des Be u ungsge ich es (OLG Hambu g) kön-
nen die En scheidungsg ünde des Reichsge ich es p äzisie we den. Danach be ieb de Kläge
Hans Ohl - ein „A ie “ - in Hambu g ein Gü e anspo un e nehmen. E ha e bei de Albingia
Ve siche ung eine K a ah e siche ung gem. den damaligen AKB abgeschlossen. Es bes and
nich nu eine K z-Ha p lich -, sonde n auch eine Kasko e siche ung.
De Ve siche ungsnehme ha e den jüdischen
Fah e Lachenb uch anges ell bzw. diesen zumin-
des mi eine Fah beau ag . Diese üh e ü
den Ve siche ungsnehme an 05.01.1939 einen
Lkw-T anspo du ch. T anspo ie wu den nach
Angaben des Ve siche ungsnehme s leich e -
de bliche Lebensmi el. De Las zug s ieß jedoch
am 05.01.1939 mi dem T iebwagen de Kleinbahn
Lünebu g-Sol a 12 zusammen. Sowohl an de
Kleinbahn als auch an dem Las zug en s and ein
e hebliche Sachschaden. De Fah e Lachen-
b uch is au g und des Un alls s a ech lich e u -
eil wo den.
Die Kleinbahn mach e E sa zansp üche gegen
den Ve siche ungsnehme gel end. Diese e -
klag e die Albingia Ve siche ung au F eis ellung
on diesen Ansp üchen de Kleinbahn. Im Be u-
ungs e ah en e wei e e de Ve siche ungsneh-
me die Klage au einen Fes s ellungsan ag, wo-
nach die Albingia auch ü den Schaden am eige-
nen Las zug gegenübe dem Ve siche ungsneh-
me ein i sp lich ig sei. Es ging also um einen K z-
Ha p lich schaden und nach de Klagee wei e ung
e ne um den Kaskoschaden.
De Ve siche e be ie sich au Leis ungs eihei
au g und de Füh e scheinklausel. Dem Fah e Lachenb uch sei zum Zei punk des Ve siche-
ungs alls au g und de am 04.12.1938 in de Tagesp esse e ö en lich en „ o läu igen Ano d-
nung“ mi so o ige Wi kung die Fah e laubnis en zogen wo den. Deswegen habe de Fah e
Lachenb uch nich meh übe den nach § 3 Zi . 2 AKB o gesch iebenen Füh e schein e üg .
12
Siehe zu diese Kleinbahn de en Wikipediaein ag h ps://de.wikipedia.o g/wiki/Kleinbahn_Lüne-
bu g–Sol au (abge u en am 07.07.2023).
- 7 -
4. De jüdische Fah e Paul Lachenb uch
a) In dem om Bundesa chi be eu en Gedenkbuch ü die jüdischen Op e des Na ionalsozi-
alismus is ein am 25.10.1905 gebo ene Paul Lachenb uch e zeichne 13. Aus dem U eil des
Reichsge ich es e gab sich nich de Vo name Paul, jedoch aus de Ge ich sak e14. Auch wenn
das Gebu sda um des Fah e s Lachenb uch unbekann is , dü e au g und des gleichen Vo -
namens Paul und de gleichen Region Hambu g, auch das Lebensal e on 33 Jah en zum Zei -
punk des Un alls üg sich ein, es sich um dieselbe Pe son handeln. Danach wu de de Fah e
Paul Lachenb uch im gleichen Jah , als im Feb ua 1941 das Reichsge ich en schied, Op e de
Schoa. Danach wu de diese am 08.11.1941 on Hambu g in das Ghe o nach Minsk15 depo -
ie , wo e e s a b. In den Un e lagen de Reichs-
bahn sind Depo a ionslis en
o handen. Danach gab es eine
e s e Depo a ion on Hambu g
am 25.10.1941 mi dem Ziel Li z-
manns ad und am 08.11.1941
eine zwei e Depo a ion nach
Minsk mi und 960 Menschen
und de Sonde zugnumme
Da51. Sammellage in Hambu g
wa das Logenhaus in de Moh -
weidens aße 36. De Sonde zug
ging om Hannö e ischen Bahn-
ho ab. 16
Ausweislich de Depo a ions-
lis e17 wa Paul Lachenb uch do
un e de N . 505 – ohne Be u s-
angabe – au gelis e . Danach lau-
e e seine le z e Ansch i Renzel-
s aße 12 in Hambu g.18
In Minsk a en insgesam , nich
nu aus Hambu g, e wa 7.000
„Reichsjuden“ ein, on denen
e wa 1.400 zum A bei seinsa z
bei de SS und de Weh mach in
Laza e en, Feldzeuglage , We k-
s ä en u.a. eingese z wu den.
Die Hambu ge Juden wu den im
Rahmen eines Massake s am
13
h ps://www.bundesa chi .de/gedenkbuch/de907473 (Ab u am 28.07.2023).
14
Bl. 23.
15
Zu diesem Lage siehe h ps://de.wikipedia.o g/wiki/Ghe o_Minsk (Ab u am 28.07.2023)
16
Go wald /Schulle, Die „Judendepo a ionen“ aus dem Deu schen Reich 1941-45, S. 91
17
Auszug aus de Lis e mi dem Namen Palu Lachenb uch un e h ps://www.s a is ik-des-holo-
caus .de/OT411108-22.jpg (Ab u 26.01.2024), die gesam en Depo a ionslis en des T ans-
po s on Hambu g nach Linz om 08.11.1941 un e h ps://www.s a is ik-des-holo-
caus .de/lis _ge _nwd_411108.h ml (Ab u am 26.01.2024).
18
Dieses Haus exis ie nach wie o , gl. un e Googlemaps
- 14 -
weiligen Kleidung es e bundenes Kennzeichen s e s sich ba […] agen", wobei “das Kenn-
zeichen […] aus einem au de Spi ze s ehenden Quad a mi 5 cm langen Sei en [bes eh ] und
bei ½ cm b ei e iole e Um andung au gelbem G unde ein 2 ½ cm hohes iole es P [zeig ].“
Diese „Polen e o dnung“ wu de „o dnungsgemäß“ im Reichsgese zbla e ö en lich .31
Die Re ision s ell e ne da au ab, die Annahme des OLG Hambu g, die Wi ksamkei de Poli-
zei e ügung de SS sei ausschließlich im Ve wal ungss ei e ah en zu p ü en, wä e ech -
lich ehlsam. Vielmeh müsse das Ge ich - da sowohl de Ve siche ungsnehme als auch de
Ve siche e auße halb diese Polizei e ügung s ehen - eine ö en lich- ech liche Inziden p ü ung
o nehmen32.
Die Re isionssch i s ell au die F age des Ve schuldens ab. Denn auch nach den damaligen
AKB, wenngleich diese on de Fo mulie ung jeden alls eilweise als objek i e Risikobeg enzung
und nich als Obliegenhei ausges al e wa en, konn e de Ve siche ungsnehme sich exkulpie-
en. Die Re ision s ell au die Zwangslage des Ve siche ungsnehme s ab „als es sich um einen
wich igen Lebensmi el anspo handel e und die d ingende Ge ah bes and, dass die zu be ö -
de nden Lebensmi el e de ben wü den, zwei seine Fah e e k ank wa en und ein a ische
Füh e ü diesen wich igen Lebensmi el anspo o z alle Bemühungen nich zu bekommen
wa “.
Es handele sich ü den Kläge um eine „Ve p lich ung d ingends e A “, da e mi
seinem Las wagen die Linien ah ah planmäßig einzuholen ha und „es sich ü
ihn um eine Exis enz age handel e, dass ande e sei s de Ve de b on kos ba en
Lebensmi eln in F age s and“. Neben diesen Aus üh ungen in de Re isions-
sch i ha e in de Ge ich sak e o enba de Be ich e s a e D . Schack in Bleis i
u.a. einge agen, dies „be e e abe nich seinen gu en Glauben, sonde n sein
sachliches In e esse“:
Zudem, so die Re isionssch i , bes ehe eine „Unkla hei de Rech slage“, da „die Ano dnung
p ak isch nich du chge üh wo den is “. Auch zum Zei punk de E s ellung de Klagesch i , das
wa im Augus 1939, seien „noch p ak isch Juden im Besi z on Füh e scheinen
und Fah e laubnis[sen]“ gewesen und soga noch in Be lin wä en im Janua 1939
„einige Juden soga noch als Taxischo ö e beschä ig gewesen und gedulde “
gewesen. Neben diesen Aus üh ungen inde sich gleich alls eine wei e e hand-
sch i liche Anme kung des Be ich e s a e s, die „E kundigungsp lich “ heißen
dü e. Dies bezieh sich au die - in Bleis i un e s ichenen - Wö e übe die
Unkla hei de Rech slage.
31
RGBl 1940 I, N . 55, S. 555.
32
gl. abe BGH, O . . 18.01.2023, IV ZR 465/21, wonach „zu e end das Be u ungsge ich en -
gegen dem Vo ag de Beklag en e ne angenommen ha , ü die F age de Leis ungsp lich
des Ve siche e s komme es nich au die Rech mäßigkei de behö dlichen Maßnahme an [...].
Eine solche An o de ung läss sich wede dem Wo lau de Klausel in Zi . 3.1 BBSG 19 noch
de en Sinn und Zweck en nehmen. De du chschni liche Ve siche ungsnehme wi d mangels
Vo kenn nisse im Be eich des ö en lichen Rech s in de Regel nich e kennen können, ob eine
behö dliche Schließungs e ügung ech mäßig is ode nich . Ihm kann nich zugemu e we -
den, ein gegebenen alls langwie iges e wal ungsge ich liches Ve ah en du chzu üh en, um
e s anschließend mi E olg Leis ungen gegen den Ve siche e gel end machen zu können.
De sys ema ische Zusammenhang de Klausel s ü z den Ve siche ungsnehme in diesem
Ve s ändnis. Das Be u ungsge ich ha zu Rech he o gehoben, dass die Bes immung in Zi .
12 BBSG 19, die eine Besch änkung des Ansp uchs insowei o sieh , als de Ve siche ungs-
nehme Schadense sa z au G und ö en lich- ech lichen En schädigungs ech s beansp uchen
kann, auch im Falle ech swid igen Ve wal ungshandelns einen Leis ungsansp uch dem
G unde nach o ausse z (so auch Gün he in Gün he /Sei z/Thiel, Be iebsschließungs- und
Aus all e siche ung in de Co id-19-Pandemie [2021], S. 25).“
- 15 -
c) Die Re isionssch i wu de de Beklag ensei e zuges ell .
Die Re isionse wide ung da ie den 15.07.1940.
Diese bes eh lediglich aus einem Zu ückweisungsan ag. In-
hal lich e olg e au die Re ision keine E wide ung. Da die Ge-
ich sak e scheinba olls ändig is , wie sich aus de Paginie-
ung e gib , dü e da on auszugehen sein, dass in de Ta
keine inhal liche E wide ung au die Re ision e olg e. Ob dies
au g und on Vo behal en des Anwal s des Ve siche e s e -
olg e ode aus wenige ane kennenswe en G ünden, bleib
o en.
d) Am 26.12.1940 and die mündliche Ve handlung o dem
VII. Sena des Reichsge ich es s a .
Wie üblich bes and das Te minsp o okoll aus einem Fo mula ,
welches nu noch handsch i lich e gänz wu de.
Hinweise, was in de mündlichen Ve handlung e ö e wu de, inden sich in dem Te minsp o o-
koll leide nich .
Alle dings is es auch gegenwä ig bei ielen BGH-Sena en de Fall, dass die P o okolle auße
de An ags ellung und einem allgemeinen Sa z übe eine E ö e ung keinen Inhal haben.
Te min zu Ve kündung eine En scheidung
wu de om VII. Sena au den 10.01.1941 be-
s imm . En gegen übliche Vo gehensweise
wu de also nich nach dem Te min die En schei-
dung e künde , wonach das Be u ungsu eil be-
s ä ig ode au gehoben wu de. Die handsch i li-
che und e mu lich be ei s o dem Te min da ie-
ende Ein agung am Ende des Si zungsp o o-
kolls wu de du ch die bloße Bes immung eines
Ve kündungs e mins ü den 10.01.1941 ges i-
chen und geände .
- 16 -
7. Einholung eine Auskun bei dem Reichsjus izminis e ium
a) In e essan e weise ging das Reichsge ich dem Einwand de Re ision nach, dass es sich bei
de „ o läu igen Ano dnung“ um keine ech s e bindliche Polizei e o dnung bzw. Polizei e ü-
gung gehandel habe.
Fü die Rich e des Reichsge ich es wa dies siche ein poli isch hoch sensibles Ve ah en, auch
wenn es hie ü in de Ge ich sak e (e wa ungsgemäß) keinen sch i lichen Hinweis gib , son-
de n ielmeh de Vo gang scheinba s eng o mal-ju is isch gep ü wu de.
De Vo si zende des VII. Sena s, Vizep äsiden F eihe on Rich ho en, e anlass e jeden alls
mi Sch eiben om 29.11.1940 eine An age bei dem Reichsjus izminis e ium. Diese An-
age ich e e e , selbs e s ändlich den Diens weg beach end, übe den P äsiden en des
Reichsge ich es.
Gegens and de An age wa , ob diese o läu ige Ano dnung a sächlich „ on dem He n Reichs-
üh e SS und Che de deu schen Polizei im Reichsminis e ium des Inne en Hein ich Himmle
e lassen wo den is ode ob es sich bei diese Bekann machung - wie de Kläge behaup e - nu
um die Ankündigung eine damals beabsich ig en Polizei e o dnung gehandel ha , die abe in
Wi klichkei am lich wede als solche noch als Polizei e o dnung e lassen wo den is [...]“.
In de Ge ich sak e inde sich nich die End assung des Sch eibens des VII. Sena s, jedoch die
Roh assung mi handsch i lichen Ko ek u en:
- 17 -
Am Ve kündungs e min, also am 10.01.1941,
e olg e dessen Ve legung des Ve kündungs-
e mins au den 25.02.1941. G und wa si-
che lich, dass die An wo au die An age
des Reichsge ich es noch nich o lag.
b) Die gewünsch e Auskun e eil e de
Reichsminis e de Jus iz mi Sch eiben
om 28.01.194133, wobei diese wiede um
übe den P äsiden en des Reichsge ich es
am 05.02.1941 dem VII. Sena mi ge eil
wu de.
Die Auskun des Reichsjus izminis e s wa une giebig, da es wiede um nu au die Auskun des
Reichsinnenminis e s, also on Himmle als Reichs üh e SS om 17.01.1941 e wies.
c) Dieses Sch eiben om Reichsjus izminis e ium om 28.01.1941 is bislang nich bekann und
diesem Sch eiben wa das Sch eibens des Reichs üh e s SS om 17.01.1941 beige üg :
33
Bl. 38.
- 18 -
De Reichs üh e SS weis - siche lich ü das
Reichsge ich o he sehba - da au hin, dass die
o läu ige Ano dnung „ on mi mi Zus immung des
Reichsma schalls Gö ing e lassen wo den [is ]“. Die
„ eige Mo d a des Juden G ünspan, die sich gegen
das gesam e deu sche Volk ich e e“ (was ü jede -
mann eine e kennba wah hei swid ige und unsin-
nige Behaup ung is ) hä e Anlass gegeben es zu-
s ellen, „dass Juden als unzu e lässig und ungeeig-
ne zum Hal en und Füh en on K a ah zeugen
gem. § 3 S VZO“ anzusehen seien.
Bezeichnend is de unmi elba anschließende Sa z
in dem Sch eiben om 17.01.1941, wonach es sich
bei de o läu igen Ano dnung „um eine aus poli i-
schen G ünden so o zu e g ei ende und du chzu-
üh ende Maßnahme“ gehandel ha .
In alle O enhei wi d somi einge äum , dass es
sich ga nich um eine angebliche Unzu e lässigkei
säm liche Juden handel , sonde n dass die Ano d-
nung aus allein poli ischen G ünden e olg e und so-
mi ein ga nich s mi § 3 S VZO zu un haben
kann.
Auch de om Reichs üh e SS ausd ücklich zi ie e § 3 S VZO sah selbs e s ändlich nu bei
einem indi iduellen Mangel wie kö pe liche ode geis ige Beein äch igungen die Möglichkei
des En zugs de Fah e laubnis o 34:
d) In e essan is e ne de Hinweis, dass, was säm lichen Ve ah ensbe eilig en öllig unbe-
kann wa , es doch eine angeblich endgül ige Regelung gab, und zwa du ch das Reichs e -
keh sminis e ium om 22.02. 1939. Diese „endgül ige“ Regelung ha e das Reichsinnenminis-
e ium gleich alls übe mi el .
34
§ 3 S VZO om 13.11.1937, RGBl 1937, Teil I 1215.
- 19 -
Dieses nu in e ne und an die jeweiligen Regie ungsp äsiden en und ande e Behö den ge ich e-
es Sch eiben is nich e ö en lich wo den. Es äg ausd ücklich den Zusa z „ e aulich“:
In dem Sch eiben des Reichs e keh sminis e iums heiß es zwa , dass Füh e scheine so o
einzuziehen seien; sodann gib es jedoch un e li . a) - d) ie Ausnahme a bes ände sowie an-
schließend noch eine allgemeine Regelung übe „wei e e Ausnahmen in Sonde ällen“.
d) Fü den o liegenden Fall wä e mi hin aus de damaligen Sich ü die Pa ei e e e und das
Reichsge ich und selbs au Basis de e b eche ischen „ o läu igen Ano dnung“ Hein ich
Himmle s om 03.12.1939 namen lich li . b) de Ausnahme egelung zu p ü en gewesen.
Denn eine Ausnahme gil danach, wenn du ch die Einziehung „gesam wi scha liche In e esse
geschädig ode ge äh de wü den (z.B. bei Las k a ah zeugen on Aus uh un e nehmen ode
solchen wich igen Gewe bebe ieben, die nich zu Liquida ion kommen, sonde n a isie we den
sollen).“
Wie sich aus de beispielha en Au zählung e gib , is diese nich abschließend und ge ade au
Basis des Vo b ingens des Ve siche ungsnehme s in de Re isionssch i hä e man aus seine
Sich a gumen ie en können, dass au g und des lau enden T anspo s mi kos ba en und leich
e de blichen Lebensmi eln „gesam wi scha liche In e essen“ zumindes „ge äh de “ we den.
Hinzu komm , dass neben den enume a i au ge üh en Ausnahmen auch „wei e e Ausnahmen
in Sonde ällen“ g undsä zlich möglich wa en. Alle dings: diese Ano dnung wa e aulich und
wu de wede in de P esse noch im Rund unk kommunizie .
Wie soll de Ve siche ungsnehme Ohl sich z.B. au den Ausnahme a bes and des li . b) be u en,
wenn ihm diese Möglichkei ga nich zu Kenn nis geb ach wu de?
- 20 -
e) Umso wich ige wä e es gewesen, dass das Reichsge ich diese komple en Un e lagen,
also die An age des VII. Sena s om 29.11.1940, die An wo des Reichsinnenminis e iums om
28.01.1941, das Sch eiben des Reichs üh e s SS om 17.01.1941 und das Sch eiben des
Reichs e keh sminis e s om 22.01.1931, den Ve ah ensbe eilig en übe mi el hä e.
Dies is ausweislich de Ge ich sak e nich geschehen, ein auch nach damalige zi ilp ozessuale
Gese zeslage k asse Ve s oß des Reichsge ich es au ein ai es Ve ah en.
Den D uck, den das Reichsge ich spü e, e gib sich zwischen den Zeilen, zumal sowohl de
P äsiden des Reichsge ich es als auch das Reichsjus izminis e ium om VII. Sena eine Ab-
sch i des kün igen U eils an o de en.35 Dies konn en die Reichsge ich s ä e des VII. Sena
als einen deu lichen Hinweis e kennen, die Himmle -Ano dnung nich e wa in de en U eil als
ech swid ig zu e we en ode auch nu inhal lich zu k i isie en.
) Neben de un e züglichen Übe sendung de olls ändigen Un e lagen wä e die mündliche
Ve handlung wiede zue ö nen gewesen. Dies woll e de Be ich e s a e D . Schack e mei-
den.
In de Ge ich sak e inde sich dessen handsch i liche Ve me k an den Vo si zenden des VII.
Sena s, also an on Rich ho en:
35
Bl. 28 de Ge ich sak e de Reichsminis e de Jus iz und gem. Bl. 26 de P äsiden des Reichs-
ge ich es.
- 21 -
Reichsge ich s a D . Schack weis in seinem Ve me k selbs au die Möglichkei de Wiede e -
ö nung de mündlichen Ve handlung hin. E sieh jedoch insbesonde e die endgül ige Ano d-
nung des Reichs e keh sminis e ium om 22.02.1939 ü den o liegenden Fall als nich wesen -
lich an. Da de Ve siche ungs all om 05.01.1939 o dem Sch eiben des Reichs e keh sminis-
e iums om 22.02.1939 da ie e, so de Be ich e s a e in seinem in e nen Ve me k, sei dieses
ü den Fall on keine Bedeu ung.
Au die Übe legung, dass womöglich do nu das e sch i lich wu de, was auch schon zu o
de Fall wa ode ob man diese F age nich zumindes in de mündlichen Ve handlung mi den
Pa eien hä e e ö e n müssen, wi d in dem Ve me k nich eingegangen.
Was die Abg enzung zwischen eine Polizei e ügung und eine Polizei e o dnung angehe, ei-
che es aus, so de Be ich e s a e in seinem Ve me k, wenn hie zu das Reichsge ich in seinem
U eil S ellung nehmen we de.
Ein Hinweis, wa um diese Un e lagen den Pa eibe ollmäch ig en nich übe mi el wo den sind,
gg . auch mi dem Hinweis des Be ich e s a e s, inde sich in diesem in e nen Ve me k om
12.02.1941 nich . Diese doch so wich igen Un e lagen wu den ausweislich de Ge ich sak e den
Pa eien zu keinem Zei punk übe mi el , so dass insb. dem Ve siche ungsnehme om Reichs-
ge ich bewuss die Möglichkei genommen wu de, hie zu e gänzend o zu agen und beispiels-
weise auch die Wiede e ö nung de mündlichen Ve handlung zu bean agen, zu No wendigkei
eine Zu ück e weisung an das OLG Hambu g auszu üh en usw.
- 22 -
8. Das U eil om 25.02.1941
a) Im Ve kündungs e min om 25.02.1941 wu de die Be u ung des Ve siche ungsnehme s zu-
ückgewiesen. In de Ge ich sak e des Reichsge ich es inde sich ein um ang eiche U -
eilsen wu 36. De U eilsen wu ha 18 Sei en zuzüglich eine nach äglich einge üg en Sei e
13a, bes eh also insgesam aus 19 Sei en.
Diese U eilsen wu en häl zahl eiche handsch i liche Ein agungen, S eichungen und E gän-
zungen und zeig dami eine ech in ensi e Be assung de Rich e mi dem En wu . Insowei is
ü den Lese de Ge ich sak e ex pos die En wicklung des U eilsen wu s ech gu nachzu oll-
ziehen.
b) Im U eilsen wu wu de z.B. „jüdische Füh e Lachenb uch“ in „jüdischen Fah e Lachen-
b uch“ handsch i lich geände .
Das Reichsge ich woll e o enba e meiden, dass im e ö en lich en U eil es heiß , de jüdi-
sche Fah e sei ein „Füh e “. An ande e S elle des U eils wi d jedoch du chaus die Bezeichnung
„Füh e “ als Fah zeug üh e e wende , ebenso lau end in ande en U eilen des VII. zu K a -
ah e siche ung, wenn es keinen Bezug zu einem „Juden“ bes and.
c) An einigen S ellen, insowei wu de de En wu nich geände , is die Häu ung on bek ä i-
genden Fo mulie ungen he o zuheben.
So inden sich zuhau Fo mulie ungen wie „unbedenklich“, „einwand ei“, „es kann nich zwei el-
ha sein“, „es beda keine besonde en He o hebung“, „kein Zwei el bes ehen“, „ öllig ein-
wand ei“. Wenn solche bek ä igenden Fo mulie ungen in U eilen au e en, is in alle Regel
das Gegen eil zu e end, d.h. es is eben nich alles „nich zwei elha “, sonde n im Gegen eil
äuße s zwei elha .
d) Le z lich übe nimm das Reichsge ich meh ode wenige olls ändig die A gumen a ion des
Be u ungsu eils, wie sich aus einem Ve gleich des U eils OLG Hambu g mi dem des Reichs-
ge ich es e gib . Es gib nu wenige Ausnahmen. Das Reichsge ich bejah zunächs „unbedenk-
lich“, dass es sich bei de „ o läu igen Ano dnung“ nich nu um eine o be ei ende Maßnahme
handel . Es läss dabei die F age, ob das e s malige Vo b ingen in de mündlichen Ve handlung
o dem OLG Hambu g zu Rech on diesem als e spä e zu ückgewiesen wu de, o en. Die
Ano dnung sei jeden alls ech swi ksam e lassen wo den.
Eine ich e liche No mkon olle bes and nach damalige Rech sau assung nich bei de Übe p ü-
ung na ionalsozialis ische Gese ze37 .Un e schiedliche Ansich en bes anden nu übe die
Reichwei e eine o mellen Nachp ü ung und übe die Kon olle un e geo dne e No mgebe . 38
Da es sich bei diese „Ano dnung“ um kein Gese z handel e, ha e das Reichsge ich – wo on
es o enba auch ausging – die Möglichkei zu Übe p ü ung diese „Ano dnung“ gehab
Es wi d om RG sodann au den Inhal de Ano dnung abges ell . Diese sei „dami beg ünde ,
dass die eige Mo d a des Juden G ünspan, die sich gegen das gesam e deu sche Volk ich e e,
Juden als unzu e lässig und ungeeigne zum Hal en und Füh en on K a ah zeugen e schei-
nen lasse“.
36
Bl. 32 – 42.
37
gl. z.B. Sch öde , Rech als Wissenscha , Bd. 2, 1933 – 1990, München 2020, S. 14
38
Tigges, S ellung des Rich e s, S. 178; Lobe, Das ich e liche P ü ungs ech und die En wick-
lung de gese zgebenden Gewal im neuen Reich, in AöR 1937, S. 194
- 23 -
Auch wenn es sich hie „nu “ um eine inhal liche Wiede gabe des Tex es de Ano dnung on
Himmle du ch den VII. Sena handel , gib es wede an diese S elle noch im es lichen U eil
auch nu eine Andeu ung, dass sich das Reichsge ich om Inhal diese - ja schon au e s e
Sich inhal lich abwegigen - Beg ündung abse zen möch e.
Das Reichsge ich bes ä ig die Rech sau assung des Landge ich es und des Obe landesge-
ich es, dass es sich um keine Polizei e o dnung, sonde n nu um eine Polizei e ügung gehan-
del habe. Neue A gumen e en häl das U eil des Reichsge ich es nich .
e) Au Bl. 9 des U eilsen wu s wi d eine halbe Sei e aus dem En wu ges ichen. Hie inden
sich Aus üh ungen des Reichsge ich es, wonach de Reichsminis e des Inne en angeblich o -
geblich ei gewesen wä e, wie e die Ano dnung e läss und in d ingenden Fällen hä e auch
eine solche Ano dnung „ohne die Einhal ung de Sch anken“ e lassen we den dü en.
Die im U eil nich übe nommene Passage aus dem U eilsen wu lau e :
Das Reichsge ich and also o enba selbs dieses A gumen nich übe zeugend.
) Es s ell e e ne da au ab, dass es sich inhal lich o geblich um eine Polizei e ügung handele
und nich um eine sich „an die Volksgenossen ode an einen in seine Abg enzung unbes imm en
Teil de Gesam be ölke ung allgemein und gleichmäßig ich en“ wü de.
Es wü de sich ielmeh hie um einen „besch änk en Pe sonenk eis, nämlich an die in Deu sch-
land lebenden ode au häl lichen Juden deu sche S aa sangehö igkei “ handeln, „also an einen
e häl nismäßig kleinen Teil de in Deu schland lebenden Einwohne “.
- 30 -
9. Reichsge ich s ä e als übe zeug e Na ionalsozialis en, e kapp e Wide s änd-
le ode Mi läu e ?
Anhand des endgül igen U eils, des U eilsen wu s mi seinen mannig achen Ände ungen und
des sons igen Inhal es de Ge ich sak e s ell sich die Anschluss age: Wa en die Ve asse
des U eils übe zeug e ode ga ana ische Na ionalsozialis en, Mi läu e ode s anden sie dem
Sys em ga k i isch gegenübe ?
a) Eine Bewe ung soll o liegend ausschließlich au Basis de Ge ich sak e e olgen, also
au g und de sich da aus e gebenden Ta , auch wenn Nähe es zu inne en bzw. poli ischen Ein-
s ellung de Reichsge ich s ä e on In e esse is . Dies bleib de gesonde en wissenscha lichen
Be ach ung o behal en. Von den ün Mi gliede n des Ve siche ungssena s zum Zei punk de
U eilse s ellung sind im Bundesa chi noch on mindes ens d ei Reichsge ich s ä en Pe sonal-
ak en o handen.45 Die ech um ang eichen Pe sonalak en de hie wich igs en Rich e , also
des Be ich e s a e s Schack und des Vo si zenden on Rich ho en, sind exis en .46
S ell man lediglich au die bislang e ö en lich en Ums ände ab, schein bei dem Be ich e s a -
e Schack keine lei na ionalsozialis ische Belas ung o zuliegen.
Diese schein sich ehe ü die Bo anik als ü die Ju is e ei wissenscha lich zu in e essie en.
E ha zu Bo anik zahl eiche und o enba ane kann e We ke e ass .47 Schack e s a b am
15.02.1946 im Al e on 67 Jah en in Leipzig und wa o enba in de Weima e Republik Mi glied
de Deu schen Demok a ischen Pa ei (DDP), die on 1918 - 1930 exis ie e und dann in die
Deu sche S aa spa ei bis 1933 übe ging. Die DDP wa eine ehe linkslibe ale Pa ei.
De Ve asse ha zu wei e en P ü ung Einsich in dessen Pe sonalak e beim Bundesa chi
genommen.
Danach wa e hingegen doch Mi glied in de NSDAP, alle dings e s sei dem 1.5.1937 mi de
hohen Mi gliedsnumme 5.823.940. Füh e ende Funk ionen ha e do nich ausge üh . Von
seinen Söhnen wa eine bei de SA und eine bei de SS. Beide ielen 1941 bzw. 1944. De
d i e Sohn wu de noch im Feb ua 1945 mi 17 Jah en eingezogen und iel nu einen Mona
spä e .
In seinem Pe sonalbogen gib Schack seine ühe e Mi gliedscha in de DDP an, wobei sein
Ausschaden, so seine Angabe, schon „ iele Jah e“ zu ückliege.
45 Bes andssigna u numme R3002/1610, R3002/1688 und R3002/875.
46
Diese wu den om Ve asse ange o de und we den gegenwä ig, da diese Ak enbes and nich
digi alisie is , eingescann .
47
Vgl. dessen Wikipediaein ag (Ab u am 18.07.2023) un e h ps://de.wikipe-
dia.o g/wiki/Hans_Woldema _Schack.
- 31 -
- 32 -
- 33 -
Ande es schein nach den ö en lich zugänglichen In o ma ionen ü den 1875 gebo en Vo si zen-
den on Rich ho en zu gel en.48
Diese wa be ei s sei 1919 Reichsge ich s a . Zum 01.01.1934 wu de e zum Vo si zenden des
VII. Sena s e nann 1939 wu de e soga Vizep äsiden des Reichsge ich es. Am 31.03.1942 a
e in den Ruhes and ein. Von Rich ho en wa sei 1905 Mi glied de Deu schsozialen Pa ei - eine
on meh e en an isemi ischen Pa eien des Kaise eiches. E wa soga einige Zei bis 1909 ü
diese Pa ei Abgeo dne e im Land ag on Sachsen-Weima -Eisenach und nach dem e s en
Wel k ieg G ündungs o si zende des hü ingischen Landes e bandes.
Spä e wu de on Rich ho en Mi glied de s amm konse a i en DNVP und sei dem
01.05.193349 Mi glied de NSDAP. Von ihm wi d o eine Aussage aus dem Jah 1993 zi ie ,
wonach e geäuße habe: „Das Reichsge ich ha sich imme o Augen gehal en ha , dass eine
Rech sp echung den Zielen Rech en agen muss, welche die Regie ung de na ionalen E he-
48
Vgl. dessen Wikipediaein ag (Ab u am 18.07.2023) un e h ps://de.wikipe-
dia.o g/wiki/Diep and_ on_Rich ho en.
49
Es könn e sich bei ihm um einen sog. „Mä zge allen“ handeln, so die spö ische Bezeichnung
de „ges andenen“ Na ionalsozialis en ü die Welle on Neuein i en in die NSDAP.
- 34 -
bung e olg , und dass sie in diesem Sinne au die nachgeo dne en Ge ich e Ein luss zu neh-
men ha “50. Dass on Rich ho en mi eine be ei s aus de Kaise zei s ammenden „an isemi i-
schen Vo belas ung“ Ka ie e beim Reichsge ich machen konn e, e wunde nach diesen An-
gaben nich .
Aus de om Ve asse
auch hie eingesehenen
Pe sonalak e e geben
sich alle dings keine de-
zidie en Hinweise au
dessen „übe obliga o i-
sche“ na ionalsozialis i-
sche Tä igkei en.
Mi glied de NSDAP wa
e in de Ta sei dem
1.5.1933, und zwa mi
de Mi gliedsnumme
2.994.571.
Von seinen beiden Söh-
nen iel eine , diese
wa O izie bei de Lu -
wa e und Geschwade -
che , be ei s 2 Wochen
nach K iegsbeginn in
Polen. Diese Sohn wa
kein Pa eimi glied, al-
le dings seine beiden
ande en Kinde , wobei
eines zusä zlich auch
Mi glied bei de SS wa .
Seine Mi gliedscha in
de Deu schsozialen
Pa ei zwischen 1905
und 1918 als auch in
de DNVP bis 1933 üh
e an, alle dings komm
e ausweislich de ge-
sam en Pe sonalak e
hie au nie wiede zu-
ück, insb. nich au an-
isemi ische Tendenzen
in diesen beiden Pa eien.
De Pe sonalbogen, wie e zu Beginn jede Pe sonalak e eines Reichsge ich s a e sich inde
wu de mi Bleis i jeweils nachgep leg wi d und die wei e en Sei en lau en:
50
Kaul, Geschich e des Reichsge ich s. Band 4: 1933–1945. Akademie-Ve lag, (Os -)Be lin
1971, S. 62; Godau-Schü ke, De Bundesge ich sho . Jus iz in Deu schland, Be lin 2005, S.
31.
S. 62; Godau-Schü ke, S. 31.
- 35 -
- 36 -
In e essan is de bislang
wohl nich bekann e Um-
s and, dass ausweislich
de Pe sonalak e on
Rich ho en nach dem e s-
en Wel k ieg Rich e in ei-
nem nach A . 304 des
Ve saille Ve ag gebilde-
en gemisch en anzö-
sisch-deu schen Schieds-
ge ich sho mi Si z in Pa-
is wa .
Wä e e damals ein „glüh-
endende “ Na ionalis ge-
wesen, wä e e wohl nich
ohne wei e es do ä ig
gewesen, da die ex eme
Rech e bekann lich den
Ve saille Ve ag und
säm liche Pe sonen, die
diesen un e s ü z en,
massi ang i en. Seine
wei e en Ka ie e ha je-
den alls diese Tä igkei im
Rahmen des Ve saille
Ve ags nich geschade .
Belas end is eine A ein Gelöbnis on Rich ho en, wonach das Reichsge ich au dem Gebie
de Zi il ech sp echung den Zielen Rechnung age, die die „Regie ung de na ionalen E he-
bung“ e olg e.51 Es gib on Rich ho en einen 1933 jus in de Zei sch i Deu sches Rech e -
schienenen Bei ag. 52 Rich ho en üh do u.a. aus:
„Das Reichsge ich ha sich imme o Augen gehal en, dass eine Rech sp echung den
Zielen Rechnung agen muss, welche die Regie ung de na ionalen E hebung e olg ,
und daß sie in diesem Sinne au die nachgeo dne en Ge ich e Ein luss zu nehmen ha ...
So ha bishe das Reichsge ich auch im neuen Reiche und im neuen Geis e die ... ihm
zugewiesene hohe Au gabe, die einhei liche Rech sau assung zu ges al en und zu wah-
en, ge eulich zu e üllen gesuch . Es wi d dies auch in Zukun un.“
Ob hin e diesem sch i s elle ischen E guss eine ech e na ionalsozialis ische Übe zeugung
s eh ode diese Bei ag „nu “ ein Aus luss eines Mi läu e ums is , is schwe zu sagen. Eine
konk e e na ionalsozialis ische Be ä igung e gib sich aus seine Pe sonalak e nich .
51
Kaul, Geschich e des Reichsge ich es, Bd. IV, 1933-1945, Glashü en, 1971, S. 81, ohne alle -
dings die P imä quelle anzugeben
52
Rich ho en, Die Bedeu ung des Reichsge ich es im Au bau de Deu schen Rech sp lege, DR
1933, S. 484
- 37 -
b) Fü die These eine „heimlichen“ k i ischen Dis anz zu de SS-Ano dnung om 03.12.1938
könn e allen alls zum einen die S eichung im En wu eines Absa zes mi be on na ional-
sozialis ischem Duk us sp echen. Zum ande en könn e als A gumen de „Mu “, eine o izi-
elle An age beim Reichsjus izminis e ium zu de Ano dnung de SS zu hal en, ange üh
we den. Es sp ich einiges da ü , dass das Reichsge ich bis zum Te min de mündlichen Ve -
handlung hie ü keine No wendigkei sah.
Diese Anknüp ungs a sachen we den jedoch du ch eine Reihe ande e Ums ände „kompensie “:
Denn auch im endgül igen U eil inden sich Passagen mi deu lich na ionalsozialis ischem Duk-
us. Dies be i nich nu die Wiede gabe de Ano dnung de SS, sonde n namen lich auch die
Aus üh ungen zu wohlmöglich ehlenden Kausali ä de „Rassenzugehö igkei “ des Fah e s La-
chenb uch an dem Un all.
c) Anhand de Ge ich sak e läss sich die Hypo hese, das U eil de Reichsge ich s ä e e ülle
sie mi e deck e Scham, auch nich ansa zweise belegen. So ha de Vo si zende einen ech
wei en Ve eile e üg , an wen eine Ansch i des U eils e sand we den soll e, z.B. auch an
den „Ve band ö en liche Feue e siche ungsans al en“, also - e ein ach ausged ück - an den
Vo läu e des heu igen Gesam e bandes de Ve siche ungswi scha (GdV):
c) Au ällig is indes die ehlende Au nahme des U eils in die am liche En scheidungssamm-
lung RGZ.
Do wu den alle aus Sich des Ge ich es wich igen En scheidungen abged uck und RGZ wa
die - mi g oßen Abs and - wich igs e In o ma ionsquelle ü alle Ge ich e und Rech sanwäl e.
Dahe e s aun die Nich au nahme des U -
eils in RGZ, zumal aus de damaligen (na-
ionalsozialis ischen) Sich es sich o mal ju-
is isch be ach e doch um ein „bedeu sa-
mes“ U eil handel e.
In RGZ wu de hingegen zahl eichen ande e
U eile zu K z-Ve siche ung e ö en -
lich 53, so RGZ 164, 212, RGZ 165, 5454,
RGZ 167, 24355, RGZ 168, 37256 ode auch
spä e in RGZ 170, 39757.
Wa um wu de dann ge ade das U eil des
Reichsge ich es, zumal es - aus damalige
Sich - doch eine hohe Bedeu ung zukam,
da es eine sei s eine Ano dnung de Wa -
en-SS bes ä ig e und ande e sei s eine Be-
deu ung übe den Einzel all hinausgehend
ha e, nämlich ü alle jüdischen Füh e -
scheininhabe ?
53
Vgl. Gene al egis e Band 161-170 de En scheidungen des Reichsge ich es in Zi ilsachen,
1944, S. 183-186.
54
jeweils zu Füh e scheinklausel.
55
zu Bindungswi kung im Deckungsp ozess bzgl. Hal e eigenscha .
56
zum Fall eine Be iebs ah .
57
Zu VO übe die Ve siche ung on K a ah zeugen om 14.02.1938.
- 38 -
Ein I um usw. dü e auszuschließen sein, zumal jus de Be ich e s a e Schack de Bea bei e
des Gene al egis e s de RGZ ü die Bände 161 bis 170 wa , die den Zei aum u.a. auch des
Jah es 1941 e ass e, gl. das Deckbla de Gene al egis e s nebs Vo wo on Schack:
Womöglich wa dem Reichge ich dieses U eil bzw. zumindes dem „Bo anike “ Schack als Be-
ich e s a e doch unangenehm soll e deswegen nich RGZ e ö en lich we den? Imme hin wa
auch damals ü jeden, de auch nu ansa zweise seine Sinne beisammenha e, o enkundig,
dass die Beg ündung de Na ionalsozialis en ü den so o igen En zug de Fah e laubnis ü
deu sche Juden ein e b eche ische Nonsens wa .
Indes läss sich Ve mu ung eines „heimlichen“ Wide s andes du ch den „Bo anike “ Schack wi-
de legen:
So gab es in de Ge ich sak e keine Anweisung, das U eil nich in die En scheidungssammlung
RGZ au zunehmen. So gab es in de Ge ich sak e hie ü ein Fo mula ; in diesem wu den die
e s en d ei Wö e des Vo d ucks „Nich ü das Nachschlagwe k!“ handsch i lich du chges i-
chen und sodann de Lei sa z o mulie , gl. de En wu und sodann die End assung des o -
mulie en Lei sa zes mi Beglei ex :
- 39 -
Wie sich sowohl aus de Handsch i des Ve me ks als
auch aus de Pa aphe („Sch 25/2/1941“) e gib ,
s amm diese Ve ügung auch nich on dem an isemi-
isch o belas e en Vo si zenden on Rich ho en, son-
de n om Be ich e s a e Schack.
Hinzu komm , dass de Be ich e s a e Schack das U eil bei de Zei sch i Ju is ische Rund-
schau zwecks Abd ucks ein eich e:58
d) Das U eil wu de e ne in de Zei sch i Deu sches Rech (DR) e ö en lich .
Diese Zei sch i wa eine Zei sch i mi s eng na ionalsozialis ische P ägung. Es wa das Zen -
alo gan des „na ionalsozialis ischen Rech swah e bundes“ de en He ausgebe de 1946 zum
Tode e u eil e K iegs e b eche Hans F ank wa .
Wenn das U eil des Reichsge ich es in de Zei sch i DR abged uck wi d, bedeu e dies mi hin,
dass diesem U eil aus Sich de Na ionalsozialis en eine wich ige Bedeu ung beigemessen
wu de. Das U eil e schien 1941 in He 22 de DR.59 In de DR wu de z.B. du chgängig, selbs
im Lei sa z diese En scheidung, die Bezeichnung „SS“ mi den na ionalsozialis ischen Runen-
zeichen e wende (es gab in de NS-Zei eigens Sch eibmaschinen mi Sonde ype ü diese
gezack en SS-Zeichen):
58
JR 41, 69.
59
S. 1215 .
- 46 -
Aus diesem U eil e gib sich, dass de SS-Haup s u m üh e au g und seines Ranges beim
Reichsge ich keinen „Bonus“ u.a. ha e. De Sena hä e nach hiesige Bewe ung die Sache
auch ande s we en können.
De SS-Mann ha e ne zi ilp ozessuale Ve s öße des OLG ge üg . E ha e eine Ausse zung
des Ve ah ens gegenübe dem Be u ungsge ich bean ag mi dem A gumen , dass e „auße -
halb des Reichsgebie s im K iegseinsa z s ehe. Es sei ihm dahe nich möglich […], bei O sau-
genschein anwesend zu sein und dabei […] die no wendigen Fes s ellungen zu machen. Auch
wä e die Pa ei e nehmung no wendig gewesen, da ihm keine Zeugen des Un alls zu Ve ügung
s ehen“.
Das Reichsge ich ha diese Einwände des beklag en SS-Haup s u m üh e s ech schlank ab-
ge an. De Beklag e sei doch „ ech s eundlich e e en“ und wa „an de sachdienlichen Fo -
üh ung des be ei s o K iegsbeginn eingelei e en P ozesses nich gehinde “, e hä e auch
„seinem Rech s e e e jede mögliche Au klä ung und In o ma ion“ geben können. Auch eine
Pa ei e nehmung hä e nich e olgen müssen, da genügend ande e Beweismi el o handen
gewesen seien.
Es gib wei e e und zum Teil auch im RGZ e ö en lich e En scheidungen des VII. Sena s, bei
denen zuguns en eine jüdischen Pa ei en schieden wu de. Hie übe wi d in de Li e a u be-
ich e .75 So gab das Reichsge ich de Klage eine „a ischen“ Wi we s a . Diese wa mi einem
jüdischen A z e hei a e und mach e Ansp üche aus de o sä z lichen Ve so gungskasse
gel end. Diese be ie sich au einen Un e gang de Ansp üche au g und des En zugs de jüdi-
schen Ä z e ih e Bes ellung du ch das be ei s eingangs e wähn e an ijüdische Gese z om
22.04.1933. Das Reichsge ich lehn e diese A gumen a ion jedoch ab. Es handele sich um einen
ein bü ge lich- ech lichen Ve ag und gab mi hin de Klage mi U eil om 09.12.1941 s a .76
Auch eine wei e e En scheidung eines klagenden deu schen „Juden“ gegen eine Bank iel
„juden eundlich“ aus. Es handel sich um das U eil om 16.10.194077. Do ging es um eine
genehmig e „A isie ung“ eine Ak iengesellscha , die sich wei es gehend in jüdischem Besi z
be and. Gegens and des P ozesses wa , ob sich du ch die „A isie ung“ de Cha ak e des Un-
e nehmens geände habe. Dies wa nach Au assung sowohl des Land- als auch des Obe lan-
desge ich s de Fall. Es wü de sich hie , so de na ionalsozialis ische Duk us um eine „Selbs be-
eiung des Volkes“ handeln. Das Reichsge ich a gumen ie e mi einem be ei s aus dem Jah e
1943 s ammenden U eil78 s eng gesellscha s ech lich und be on e, die Ak iengesellscha sei
keine ande e gewo den.
d) Neben diese Auswe ung diese e siche ungs e ags ech lichen En scheidungen und den
sons igen zi il ech lichen S ei igkei en ü den Zei aum 1939-1945, wa de VII. Sena insbe-
sonde e in de Spä phase des K ieges auch ü sog. „Abs ammungsklagen“.
Die Kons ella ion wa o dieselbe: Die Ehe au wa „A ie in“ und de en Ehemann aus Sich de
Na ionalsozialis en „Jude“. Die Ehe au ode das Kind haben die Abs ammung om jüdischen
Va e bes i en, um au diese Weise zu e eichen, dass das Kind nich meh als „Mischling“,
sonde n als „A ie “ ge üh wi d.
75
gl. Limpe g/Kißene /Ro h (H sg.), En so gung de Ve gangenhei , do Ro h, Be eiligung de 32
Reichsge ich s ä e an de na ionalsozialis isch ge ä b en Rech sp echung des Reichsge ich s,
Sei e 33, 41.
76
VII 56/40.
77
VII 6/40.
78
U eil om 21.07.1943, VII 82/43.
- 47 -
Zuguns en des Reichsge ich s und de Vo ins anzen kann man in einigen Fällen den Eind uck
gewinnen, dass die Messla e, um eine solchen Klage s a zugeben, nich allzu hoch gese z
wu de. Es gab also du chaus nich wenige Fälle, in denen die „ex-pos -A isie ung“ des Kindes
gelang. Es s eh zu e mu en sein, dass - jeden alls in den En scheidungen ab dem Jah e 1943
– allen Be eilig en kla wa , dass ein solches U eil das Übe leben des Kindes womöglich siche n
könn e.
Gleichwohl inden sich ge ade in diesen U eilen gelegen lich s a k na ionalsozialis ische Aus-
üh ungen. In dem U eil om 01.12.194379 wu de de Re ision des Sohnes Ka l Kon ad Be an
aus Wa be g (S eie ma k), dass e nich on seinem Va e Be nha d Be an abs amme, sonde n
on einem „A ie “, s a gegeben. Aus dem U eil e gib sich, dass e zwei Geschwis e habe,
de en „Mischlingseigenscha “ uns ei ig sei. Die Toch e Anna Be an be and sich in Aus alien,
sodass diese den Holocaus übe leb haben dü e. Was die wei e en jüdischen Be eilig en an-
geh , sind diese in de Namenslis e in Yad Vashem, wobei nochmal zu be onen is , dass diese
bei Wei em nich olls ändig is , wohl nich e zeichne . Dies könn e da ü sp echen, dass mi de
„A isie ung“ des Kläge s sein Übe leben gesiche wu de.
In dem U eil inden sich an eine S elle jedoch dezidie na ionalsozialis ische Fo mulie ungen.
So heiß es au Bla 3 un en/Bla 4 oben de En scheidungsg ünde:
Es is alle dings nich ausgeschlossen, dass das Reichsge ich bewuss diesen na ionalsozialis-
ischen Duk us einp leg e, um dami das „juden eundliche“ E gebnis besse „ e kau en“ zu kön-
nen80. Gleichwohl sp ich diese na ionalsozialis ische Duk us ü sich.
Un e Be ücksich igung de Auswe ung de wei e en Rech sp echung des VII. Sena s sowohl
zum Ve siche ungs e ags ech als auch zum allgemeinen Zi il ech sowie zum Abs ammungs-
ech zeig sich wiede um ein di e enzie es Bild und bes ä ig die Einschä zung des Ve asse s,
79
VII 149/42.
80
Vgl. hie zu z.B, Die Ve wal ungsge ich sba kei im Na ionalsozialismus, S. 26 in Jus izall ag
im D i en Reichen, H sg. Dies elkamp/S olleis, 1988;
- 48 -
dass es sich bei dem Sena in seine Gesam hei als Sp uchkö pe be ach e um „ ypische Mi -
läu e “ gehandel ha , die wede in posi i e noch in nega i e Hinsich i gendeine Empa hie ü
die Belange de jüdischen Be o enen heg en und e s ech in keins e Weise be ei wa en, das
na ionalsozialis ische Un ech zwischen den Zeilen ode ga di ek zu k i isie en. Die Rich e zo-
gen sich allen Fällen au ein o mal-ju is ische A gumen a ions echniken zu ück.
- 49 -
11. Ausklang: Die U eilsanme kung on P ölss
a) Zu diesem U eil gib es in neue e Zei nu einen ech allgemein gehal enen Au sa z, de
alle dings keine e siche ungs ech lichen Übe legungen ans ell und de wohl ohne Einsich -
nahme in die Ge ich sak e bei dem Bundesa chi e s ell wu de.81 Zu diesem U eil des Reichs-
ge ich es e schien jedoch eine zei genössische Anme kung, und zwa du ch den schon damals
üh enden Ve siche ungs ech le P ölss82.
Zum Zei punk seine U eilsanme kung wa diese Vo s and de Baye ischen Rück e siche ung
AG. Bekann wu de P ölss du ch seinen Kommen a zum VVG, de 1935 in e s e Au lage e -
schien und bis heu e in nunmeh 31. Au lage de S anda dkommen a zum VVG is .83 Nach dem
zwei en Wel k ieg mach e P ölss eine beach liche Ka ie e. Es wu de 1956 Vo si zende de
Baye ischen Rück e siche ung, wu de 1957 du ch eine Fes sch i 84 gewü dig , e hiel 1962 den
Baye ische Ve diens o den und wu de 1965 on Uni e si ä Hambu g als Hono a p o esso s
e nann .
P ölss e s a b 1969; im Zuge dessen e schienen zahl eiche Wü digungen seines Lebenswe ks
du ch namha e Ve siche ungs ech le wie Mölle 85, Sasse86, Schmid 87, sowie in den nach ol-
genden Jah zehn en z.B. on Ma in88 und Koch89.
b) Die Anme kung on P ölss e schien zusammen mi dem U eil des Reichsge ich es in de o.g.
Zei sch i Deu sches Rech (DR).90
Vo nehmlich in diese Zei sch i wu den, wie be ei s e wähn ,
na ionalsozialis ische o geblich wissenscha liche Bei äge
e ass , zum Teil in de alle übels en So e, und zwa du ch-
gehend sei ih e G ündung und dami auch und ge ade im
Jah e 1941.
De He ausgebe diese Zei sch i wa de gleich alls be ei s
e wähn e Hans F ank. Diese wa schon im Jah e 1941 be-
üch ig . Be ei s im Jah 1936 e klä e F ank, dass in Deu sch-
land die Gewal en eilung au gehoben sei und die einzige
Mach im S aa bei Adol Hi le liege. Sei Ok obe 1939 wa
F ank „Gene algou e neu “ de om Deu schen Reich bese z-
en Teile Polens und beging do eine Fülle on K iegs e b e-
chen. Auch wenn nich nachzuweisen is , welche Kenn nis
P ölss on de Pe son des Hans F ank und seinen Äuße un-
gen und Handlungen ha e, so wa jeden alls die s eng na io-
nalsozialis ische Ausp ägung de Zei sch i ihm siche be-
kann .
81
Ku zka, De nich a ische Füh e schein in myoms 6/2009, S. 24. .
82
Vgl. zu diesem de Wikipediaein ag (Ab u 11.07.2023) un e h ps://de.wikipe-
dia.o g/wiki/E ich_Robe _P ölss.
83
Bis zu seinem Tode ha P ölss den Kommen a bis einschließend de 17. Au lage bea bei e .
84
Rech s agen de Indi idual e siche ung, Be ach ungen und P obleme in in e na ionale Sich ,
Fes gabe ü E ich Robe P ölss.
85
Die wissenscha liche Lebensleis ung on E ich Robe P ölss, VW 1969,|S. 789.
86
Ve siche ungs undschau 1969, S. 165.
87
NJW 1969, 367; de s. in Ve sR 1969, 102.
88
Ju is en im Po ai , 1988, S. 617.
89
Geschich e de Ve siche ungswissenscha in Deu schland, 1998, S. 361-63.
90
Das gesam e He de DR is im Voll ex ab u ba un e h ps://pbc.gda.pl/Con-
en /78825/Z_22.pd ; wa um de Au o do mi „P ölß“ und nich mi „P ölss“ au auch , e -
schließ sich.
- 50 -
Diese wa anhand de do e ö en lich en Bei äge also auch de Auswahl de e ö en lich en
U eile o enkundig. Jeden alls die Funk ionen des Hans F ank wa en allgemein bekann ,
ebenso, dass diese ein ana ische Anhänge Adol Hi le s und iele Jah e dessen pe sönliche
Rech sanwal wa .
c) Die Anme kung on P ölss lau e im Voll ex :
d) Die Anme kung P ölss‘ en häl keine lei na ionalso-
zialis ische Beg i lichkei en.
Au ällig is dabei die ehlende Benu zung on P ölss
auch nu des Wo es „Jude“, jüdisch u.a. In seine ge-
sam en Anme kung scha es P ölss, diese Beg i lich-
kei zu e meiden.91
So ganz geling es P ölss nich . Im le z en Absa z seine
Anme kungen heiß es, die Eigenscha en wie „insbe-
sonde e […] Ve auenswü digkei und […] sons ige[]
Zu e lässigkei “ wü den „säm lichen da on be o enen
Pe sonen, also auch dem Fah e , um den es hie geh “,
ehlen. P ölss dis anzie sich also nich om Inhal und
de absu den Beg ündung diese „ o läu igen Ano d-
nung“ om 03.12.1938.
e) De sons ige Inhal de Anme kung bes eh aus e-
he allgemeinen ech sdogma ischen Übe legungen.
Insbesonde e geh P ölss au die Abände ungen de
Füh e scheinklausel in den AKB ein, die im Jah 1941
e olg e und au die das Reichsge ich in seinem U eil
noch nich zu ückg ei en konn e. Dies be i die F age,
ob es sich um eine objek i e Risikobeg enzung ode um
eine Obliegenhei handel .
P ölss üh e hie zu aus, dass die Un e schiede zwi-
schen den beiden AKB-Fassungen ü den o liegen-
den „belanglos [wä e], da e wie das Reichsge ich mi
Rech aus üh . P ölss olg mi hin de Au assung des
Reichsge ich es übe die ehlende En schuldba kei .
P ölss schließ sich dami auch hie den insowei du ch-
aus mi na ionalsozialis ischem Duk us ge ä b en En -
scheidungsg ünden des Reichsge ich es an.
91
Vgl. Ku zka, in myoms 6/2009, S. 24. .
- 51 -
Ebenso olg P ölss ausd ücklich de ehlenden Anwendba kei des § 242 BGB im o liegenden
Fall und dami ein wei e es Mal de Beg ündung des Reichsge ich es.
An keine S elle is on P ölss eine auch nu e s eck e K i ik an de Ano dnung des Füh e s de
SS om 03.12.1938 zu e kennen
) Im selben He , 22, on DR wu den - wie üblich - s eng na ionalsozialis isch gep äg e Bei-
äge, u.a. soga eine on Hans F ank selbe übe das „du ch ‚Füh e e laß‘ zu g ündende
Reichs e wal ungsge ich “, e ö en lich :
Wenn P ölss in diese Zei sch i und in diesem massi na ionalsozialis isch gep äg en Um eld
seine Anme kung zwecks Abd ucks ein eich , mach ihn dies nach hiesige Bewe ung ang ei ba
- und zwa unabhängig om Inhal seine Anme kung.
g) P ölss Kommen a zum VVG e schien nach dem zwei-
en Wel k ieg e s malig wiede 1948 in de 5. Au lage.
In seinem Vo wo sch eib P ölss, dass die „Rech sen -
wicklung namen lich sei dem 8. Mai 1945“ ihn „gezwun-
gen“ habe, zahl eiche Ände ungen an seine Vo au lage
o zunehmen.
Dabei, so P ölss wei e , ha sich bei de neuen Au lage
„wede [...] sein Cha ak e e ände noch die Gesinnung,
in de es gesch ieben is “.
P ölss ha abe gleichwohl in seine Kommen ie ung zu
K a ah e siche ung (AKB) sowohl das Be u ungsu eil
des OLG Hambu g mi de „un e änglichen“ Funds elle
JR 1940, 190 zi ie als auch das U eil des Reichsge ich-
es un e Angabe JR 1941, 69:
- 52 -
Wenn P ölss mi hin noch 1948 das U eil
des Reichsge ich es als auch das Be u-
ungsu eil des OLG Hambu g zi ie ,
gleichgül ig mi welche Funds elle, ech -
e ig dies mi hin den Ve dach , dass e
nach wie o diesen En scheidungen olg .
Indes ha e seine eigene Anme kung in
DR 1941, 1218 zu diesem Reichsge ich s-
u eil nich zi ie . Dies dü e ob de o en-
kundigen Belas ung diese Zei sch i als
Sp ach oh na ionalsozialis ische Ju is-
en nach ollziehba sein.92
h) Dies lenk den Blick au die 4. Au lage
seines VVG-Kommen a s aus dem Jah
1943.
Na ionalsozialis ische Beg i lichkei sind
in diese Kommen ie ung aus dem Jah e
1943 zu den AKB nich en hal en, so dass
die Rich igkei seines Vo wo es zu 5.
Au lage aus dem Jah e 1948 - insowei -
nich zu wide legen is . 93
Nach dem Vo wo zu 4. Au lage ha P ölss „Li e a u und Rech sp echung mindes ens bis zum
1.11.1943 e we e , RG bis Band 169, He 5.“
Das He 22 on DR mi dem U eil des Reichsge ich es nebs Anme kung on P ölss e schien
am 31.5.1941, also knapp eineinhalb Jah e o dem Redak ionsschluss de 4. Au lage. Gleich-
wohl ha P ölss - wie auch in de 5. Au lage - zwa das U eil des Reichsge ich es und das Be u-
ungsu eil mi de Funds elle in JR zi ie , abe selbs in de Kommen ie ung aus dem Jah e 1943
ha e seine eigene Anme kung zu de on ihm zi ie en RG-En scheidung nich e wähn .94 Wo-
möglich emp and P ölss seine Anme kung schon zwei Jah e nach de en E s ellung, zumal das
„K iegsglück“ sich Ende 1943 deu lich gewende ha e, als nich meh zi ie wü dig? Dies kann
alle dings nu eine eine Ve mu ung sein.
92
P ölss, VVG, 5. Au l., AKB, § 2.
93
Eine synop ische Gegenübe s ellung de Kommen ie ung on P ölss aus 1943 eine sei s und
1945 ande e sei s und eine P ü ung de Kommen ie ung aus dem Jah e 1943 au na ionalso-
zialis isch gep äg e Aus üh ungen is nich Gegens and diese A bei , bei eine obe lächlichen
Du chsich on Bes immungen, wo diese womöglich sich anbo en, konn e de Ve asse keine
Au älligkei en es s ellen.
94
P ölss, VVG, 4. Au l. 1943, Zusa z zu §§ 149-158 h, Allgemeine Bedingungen ü die K a ah -
e siche ung, § 3 Anm. 3.
- 53 -
12. Schussbe ach ung
De Ve siche ungssena des Reichsge ich es sp ach auch wäh end des zwei en Wel k ieges
Rech , und zwa so, wie e es „imme mach e“, also gemäß de ju is ischen Me hodenleh e95.
Eine be on na ionalsozialis ische Tendenz is seine Rech sp echung im G oßen und Ganzen
nich zu en nehmen. E en schied aus seine Sich imme au de en sp echenden ech lichen
G undlage. Ha e e es dabei ausnahmsweise mi einem be on na ionalsozialis ischen Gese z,
Ve o dnung, Ve ügung – wie die e b eche ische „ o läu ige Ano dnung“ on Hein ich Himmle
om 04.12.1938 – zu un, wu de auch hie nach „business as usual“ e ah en. Ein di ek e poli-
ische Ein luss au die Zi il ech sp echung des RG läss sich dabei nich belegen. Dies schien
den Mach habe n abe auch nich no wendig gewesen zu sein, da in den zi il ech lichen S ei-
igkei en poli isch bedeu same F agen die Ausnahme wa en und die sog. „Rich e b ie e“ in de
all äglichen P axis de Zi il ech sp lege keine g oße Rolle spiel en.
Abschließen da ich mi einem Zi a aus einem Sch eiben on Ha sdo -Gebha d , am ie ende
Rich e in am Ve siche ungssena s des BGH, welche o ab den En wu dieses Bei ags e hiel :
„Nach de Lek ü e habe ich mich ge ag , ob ich wohl damals den Mu gehab hä e, an-
de s zu e ah en ? Wah scheinlich hä e ich den Jus izdiens ohnehin qui ie – und als
F au sowieso nich meh ä ig sein dü en.“
95 Allgemein hie zu s a alle Rü he s, Die unbeg enz e Auslegung, ). Au l., 2017.
Imp essum
Diese Ve ö en lichung e schein im Rahmen de Online-Publika ions eihe „Fo schung am i wKöln“.
Eine olls ändige Übe sich alle bishe e schienenen Publika ionen inde sich am Ende diese
Publika ion und kann
hie abge u en we den.
Fo schung am i w
Köln, 3/2024
ISSN (online) 2192
-8479
Di k
-Ca s en Gün he : De Ve siche ungssena des Reichsge ich es, Hein ich
Himmle und die Füh e scheinklausel
Köln,
Feb ua 2024
Sch i lei ung /
edi o ’s o ice:
P o . D . Ral Knobloch
S
chmalenbach Ins i u ü Wi scha swissenscha en /
Schmalenbach Ins i u e o Business Adminis a ion
Fakul ä ü Wi scha s
- und Rech swissenscha en /
Facul y o Business, Economics and Law
Technische Hochschule Köln /
Uni e si y o Applied Sciences
Gus a Heinemann
-U e 54
50968 Köln
Mail al .knobloch@ h
-koeln.de
He ausgebe de Sch i en eihe /
Se ies Edi o ship:
P o . D . Benedik Funke
P o . D . Ral Knobloch
P o . D . Michaele Völle
Kon ak Au o / Con ac au ho :
P o . D .
Di k-Ca s en Gün he
Ins i u ü Ve siche ungswesen /
Ins i u e o Insu ance S udies
Fakul ä ü Wi scha s
- und Rech swissenscha en /
Facul y o Business, Economics and Law
Technische Hochschule Köln /
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Gus a Heinemann
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Publika ions eihe „Fo schung am i wKöln“
Die Ve ö en lichungen de Online-Publika ions eihe "Fo schung am i wKöln" (ISSN: 2192-8479)
we den übliche weise übe Cologne Open Science (Publika ionsse e de TH Köln) e ö en lich . Die
Publika ionen we den hie du ch übe na ionale und in e na ionale Biblio hekska aloge,
Suchmaschinen sowie ande e Nachweisins umen e e schlossen.
Alle Publika ionen sind auch kos enlos ab u ba un e www.i w-koeln.de.
2024
2/2024
Knobloch: Agg ega ion in einem Risikopo olio mi Abhängigkei ss uk u
1/2024
Ins i u ü Ve siche ungswesen: Fo schungsbe ich ü das Jah 2023
2023
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Völle , Mülle -Pe e s: Insu Tech Ka e i wKöln 2023 - Bei äge zu Insu Techs
und Inno a ion am i wKöln
1/2023
Ins i u ü Ve siche ungswesen: Fo schungsbe ich ü das Jah 2022
2022
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Goecke: Collec i e De ined Con ibu ion Plans – Back es ing Based on Ge man Capi al Ma ke Da a
1950 - 2022
3/2022
Knobloch, Miebs: Ak uelle He aus o de ungen an das ak ua ielle und inanzielle Risikomanagemen
du ch COVID-19 und die anhal ende Nied igzinsphase. P oceedings zum 16. FaRis & DAV-
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Knobloch: Ein Po olio on inhomogenen Ma ko -Ke en mi Abhängigkei ss uk u
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2021
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Ins i u ü Ve siche ungswesen: Risiko im Wandel als He aus o de ung ü die
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3/2021
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Knobloch: Die quan i a i e Risikobewe ung bei einem Po olio on dicho omen Risiken mi hil e des
zen alen G enzwe sa zes
1/2021
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2020
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Mülle -Pe e s, Schmid , Völle : Re olu ionie en Big Da a und KI die Ve siche ungswi scha ? 24.
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6/2020
Schmid : Küns liche In elligenz im Risikomanagemen . P oceedings zum 15. FaRis & DAV Symposium
am 6. Dezembe 2019 in Köln
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Mülle -Pe e s: Die Wah nehmung on Risiken im Rahmen de Co ona-K ise
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Mülle -Pe e s, Ga ze : Todsiche : Die Wah nehmung und Fehlwah nehmung on All ags isiken in de
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Ins i u ü Ve siche ungswesen: Fo schungsbe ich ü das Jah 2019