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»IMPRESSED BY NATURE’S HAND«
Zu Funk ion de Tak ili ä im Fo og amm
KATHARINA STEIDL
Wah gewo dene Magie
Als im Jah e 1839 o og a ische Au nahmen zum e s en Mal de Ö en lichkei o ges ell
wu den, e such e man diese neua igen Objek e de Bildp oduk ion, die au g und ih e
Neua igkei und F emdhei Raum ü Spekula ionen bo en, heo e isch und konzep ionell
einzuo dnen. Rückblickend handel e es sich dabei um einen medialen Wendepunk , de
damals jedoch in Besch eibungska ego ien bis dahin e gleichba e Medien und Kuns ga -
ungen e handel wu de. So schein es nich e wunde lich, wenn de zu diese Zei noch
ä selha e Vo gang de Bilden s ehung on William Hen y Fox Talbo , dem englischen U -
hebe un e den zahl eichen E inde n de Fo og a ie, on We ken aus schöp e isch ä ige
Küns le hand un e schieden und als Ak de Magie es gesch ieben wu de: »Wenn man eine
Pe son, die mi dem Ve ah en nich bekann is , sag , dass nich s on all dem on Hand aus-
ge üh wo den is , muß sie glauben, dass einem de Geis aus Aladins Wunde lampe diens -
ba is . Und a sächlich könn e man sagen, daß es e was de a iges is . Es is ein kleines S ück
an wah gewo dene Magie – an Na u magie.«1
Dabei schien de Übe agungs o gang des Objek s au die lich sensibilisie e Schich de
Kup e pla e im Falle Louis Dague es ode des Papie s im Falle Talbo s, quasi on selbs on
s a en zu gehen. Was zu o du ch die Hand des Küns le s on Tag zu Tag in mühe olle
A bei au die Leinwand ode das Papie geb ach wu de, gene ie e nun anhand de Einwi -
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kung des Lich s au eine o osensible Schich plö zlich au oma isch seine eigene Zeichnung
und wu de somi als magisches Bildp oduk gewe e .2 Diese Ak de Bildeinsch eibung, de
Übe gang om Objek zum Bild, wi F agen nach dem en scheidenden Momen de He -
s ellung o og a ische Bilde und de konk e en Übe agung au . Nich on unge äh e -
such e man sei de E indung de Fo og a ie mi Beg i en ode Me aphe n eines physischen
Nähe e häl nisses zu a bei en, wie jene des Abd ucks, des Indexes ode – in jünge e Zei –
de Spu .3
Ausgehend on Talbo s ühe Konzep ion de Fo og a ie espek i e des Fo og amms,
möch e ich an zwei Beispielen des Okkul ismus e deu lichen, dass die Au assung des Fo-
og amms als Abd uckmedium und magische Bild echnik auch um 1900 noch keineswegs
an Ak uali ä eingebüß ha e. Au g und ih e Disposi ion zu au oma ischen E zeugung
on Kon ak bilde n und einem dami e bundenen Ansp uch au Objek i i ä schien nich
nu die Technik selbs Rä sel au zugeben. Auch die somi he o geb ach en Bilde e ö ne-
en unbekann e und zu o noch nich gesehene Bildwel en des Unsich ba en, die es e s zu
in e p e ie en gal .
Das Fo og amm – ein Abd uck de Na u
Die kame alosen Fo og a ien Talbo s – heu e wü de man on Fo og ammen sp echen –
s ehen am Beginn seine o ochemischen Expe imen e und spielen als eigens ändige Bild-
ka ego ie eine undamen ale Rolle in de heo e ischen Auseinande se zung mi dem Me-
dium Fo og a ie (Abb. 1). Zu de en He s ellung p äpa ie e Talbo Sch eibpapie mi eine
Na iumchlo idlösung (he kömmliches Kochsalz) und bepinsel e es nach de T ocknung mi
o osensiblem Silbe ni a . Im Anschluss da an leg e e lache Gegens ände wie Spi zenmus-
e , Blä e , Fede n und de gleichen au die lich emp indliche Schich und spann e Bild äge
und Gegens and, mi eine Glaspla e bedeck , in einen Kopie ahmen ein, um das Ganze
anschließend dem Sonnenlich auszuse zen. Je nach Opazi ä , T ansluzenz ode T anspa-
enz des Objek s e ä b e sich das Papie p opo ional zu In ensi ä des Lich ein alls du ch
die Reduk ion de Silbe ionen zu Silbe , wohingegen die olls ändig bedeck en S ellen die
Fa be des Papie s behiel en. Das nich eduzie e Silbe salz konn e Talbo du ch das Fixie -
mi el Na ium hiosul a wasse löslich machen und somi auswaschen.4 Nach de Fixie ung
o enba e sich das bildliche Resul a in Fo m on hellen Scha en gegenübe de belich e en,
zumeis dunkle en Fläche in O iginalg öße und is inso e n als ein Nega i zu bezeichnen.
Talbo s sogenann e »pho ogenic d awings«, die e im e s en o og a isch illus ie en
Buch mi dem Ti el The Pencil o Na u e 1844–1846 publizie e, e suchen die Spannb ei e
an o og a ischen und o og amma ischen Bilde n in 24 Kapi eln zu e anschaulichen.5 En -
scheidend in diese Funk ionsbes immung und Theo ie de Fo og a ie is de Hinweis au
den En s ehungsp ozess: Nich meh nu au magische Weise, wie e ühe äuße e, sind
diese neua igen Bilde lau Talbo en s anden, sonde n eine unbes imm e »Hand de Na u «
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soll sie abged uck , ge o m ode gezeichne haben.6 Dami ans e ie e das Po en ial des
Küns le s und seine Hand als Si z des Küns le genies in ein Po en ial de Na u , die mi ih e
eigenen imma e iellen Hand au oma ische und o allem p äzise Bilde e zeugen könne, wo-
du ch F agen de Au o scha p oblema isie , ande e sei s Au hen izi ä ga an ie we den
soll e. Den besch iebenen Abd uck o gang, de subs anziell als di ek es Nähe e häl nis in
den Fo og ammen zu inden is , übe äg Talbo in seinen heo e ischen Äuße ungen un-
di e enzie au die Kame a o og a ie, die jedoch ein Dis anz e häl nis zu ih en Au zeich-
nungsgegens änden au g und de Appa a u und des pe spek i ie enden Objek i s un e -
häl . Du ch diese heo e ische Bes immung auch de Fo og a ie als Abd uck e ah en leg
Talbo sein Augenme k wenige au äs he ische ode o male K i e ien, sonde n bezieh sich
in seine Analyse in e s e Linie au den He s ellungsp ozess de Fo og a ie. Wenn Pe e Ge-
ime demen sp echend e me k , dass das, was »eine Fo og a ie zeig ode bedeu e , […] in
diese Pe spek i e nich da on zu ennen [is ], au welche Weise sie zus ande gekommen
is – eben du ch eine physische Ve bindung zum Da ges ell en«, so is diese physische bezie-
1 William Hen y Fox Talbo :
Asplenium Halle i, G ande Cha euse 1821 –
Ca damine p a ensis, 1839, Fo og amm,
20 × 17 cm, Los Angeles,
J. Paul Ge y Museum
186 STEIDL
hungsweise indexikalische Ve bindung jedoch im Medium des Fo og amms iel subs anziel-
le , wie noch zu zeigen sein wi d, als dies in de kame a e mi el en Fo og a ie de Fall is .7
Die indexikalische Lesa de Fo og a ie, wo un e allgemein eine kausale Beziehung zwi-
schen Zeichen ( o og a isches Bild) und Gegens and (Vo bild) e s anden wi d, bekomm
eine besonde e Konno a ion, wenn man bedenk , dass die Fo og a ie heu e allgemein als Ka-
me a o og a ie e s anden wi d. Eine di ek e, kö pe liche Ve bindung mi dem abzubilden-
den Objek , welche sich in Fo m eines sogenann en »Lich abd ucks« au de o osensiblen
Schich mani es ie – wie dies zahl eiche Theo e ike allgemein ü die Fo og a ie kons a ie -
en – is jedoch au g und de Appa a u de Fo og a ie und ih e ins umen ell eingesch iebe-
nen Lich ans o ma ionsp ozesse in solch di ek e A und Weise nich o handen.8 Wenn
Talbo also da on sp ich , dass seine o og a ischen Bilde »ausschließlich mi op ischen und
chemischen Mi eln ge o m ode gezeichne und ohne Un e s ü zung du ch i gend jeman-
den, de mi de Zeichenkuns e au wä e« zus ande kamen, pos ulie e eine Selbs ä ig-
kei o og a ische Bilde , die sich au die mechanische He s ellung und, da aus abgelei e , au
eine scheinba objek i e Bildgene ie ung als na ü liche Zeichen bezieh .9
Na u als Bild – Bilde de Na u
In de Besch eibung seines neuen Ve ah ens bie e Talbo in The Pencil o Na u e be-
ei s ein als B ie His o ical Ske ch o he In en ion o he A be i el es Kapi el. Da in be ich-
e e , wie ihn mangelndes Zeichen alen zu Zuhil enahme on echnischen Ins umen en
wie de Came a lucida ode de Came a obscu a beweg e. Faszinie on diesen op ischen
Hil smi eln dach e e »übe die unnachahmliche Schönhei jene on de Na u gemal en
Bilde « nach, »welche die gläse ne Linse de Came a obscu a in ih em B ennpunk au das
Papie p ojizie «, und schließlich »wie eiz oll es sein müss e, könn e man diese na ü lichen
Bilde e anlassen, sich selbs daue ha abzud ücken und imme wäh end au dem Papie zu
e weilen!«10 Diese Wunsch schien nun mi Hil e seine Expe imen e mi Silbe ni a im
Fall des Fo og amms »kla e und ge ällige Bilde on Blä e n, Spi zens icke eien und ande-
en lachen Objek en mi komplizie en Fo men und Kon u en« un e Sonneneinwi kung zu
e zeugen, die, »nachdem die Gegens ände om Papie en e n wo den wa en, ih Abbild in
de ollkommens en und schöns en Weise da au abged uck bzw. abgezeichne « zeig en.11
Die mi dem »Zeichens i de Na u « abged uck en, gemal en ode gezeichne en Bilde
bis dahin unbekann e Schä e und De ail eue beziehen sich au einen Beg i de Na u ,
de in zweie lei Hinsich zu e s ehen is . Eine sei s läss sich Na u bei Talbo s Fede - ode
Bla o og ammen als ins Bild gese z es, be ei s gescha enes Na u objek , als na u a na u-
a a e s ehen; ande e sei s wi d Na u du ch eine nich nähe de inie e T iebk a als na-
u a na u ans bes imm , die mi ih em »Zeichens i de Na u « Gegens ände ep oduzie en
kann.12 Wenn Talbo seine Fo og a ien und Fo og amme dahe als »Mus e « ode »P oben«
de Na u bezeichne , so handel es sich – mi Ca ol A ms ong gesp ochen – um Bilde , die
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» on de Na u gemach und gleichsam ein S ück de Na u selbs « da s ellen, womi de Fo-
og a ie espek i e dem Fo og amm als bildliches Äqui alen de S a us eines gleichwe i-
gen Na u p oduk es zugewiesen wi d.13 De o og a ische Einsch eibungsak wi d au g und
seine Selbs ä igkei einem na ü lichen P ozess gleichgese z ; die gö liche Schöp ung de
Na u se z sich demgemäß im o og a ischen Bild o .14 Im Falle des Fo og amms en sp ich
das eine E se zungsleis ung als Simulak um de Na u , die au g und eine physischen Ein-
sch eibung des Lich s in das o osensible Ma e ial ollzogen wi d.
Be ei s sei Au kommen de Technik des Na u selbs d ucks – ein Ve ah en bei dem u -
sp ünglich ein Na u objek wie beispielsweise ein P lanzenbla mi Fa be bes ichen und
un e D uckausübung au Papie gep ess wu de – spiel die Ve wendung des Na u o bildes
als D uck o m eine en scheidende Rolle. Du ch den eins igen Kon ak mi dem Na u objek
bü g das esul ie ende Bildwe k ü seine eigene Ech hei . Inso e n s eh das Fo og amm als
»Kon ak eliquie« nähe an de T adi ion de sogenann en Achei opoie a, als dies bei eine
Appa a o og a ie de Fall is .15 De Momen des Abd ucks als Be üh ung sowie die Ve wen-
dung des Objek s als Ma ize s ehen u sächlich ü einen Ansp uch au äs he ische Wah ha -
igkei und Au hen izi ä , wie e nich nu in den ühes en Legenden au hen ische Bilde ,
sonde n auch im Medium des Fo og amms als Beglaubigungss a egie zu inden is .16 Ebenso
is de Abd uck, so Geo ges Didi-Hube man, als ein de Mimesis al e na i es Ve ah en an-
zusehen, da in ihm Nachahmung nich isuell, sonde n ak il anhand eine mechanischen
P ozedu ollzogen wi d.17 Wenn Talbo in de He s ellungsbesch eibung on Fo og ammen
dahe den Wunsch äuße , du ch ein Kon ak e ah en »eine A Bild ode Abbildung e -
zeugen zu können, die dem Gegens and, on dem es he üh e, bis zu einem gewissen G ad
ähnlich sein wü de«, wi d kla , dass das Fo og amm ein Bild zu Tage ö de , welches mi
seinem Re e en en in eine kausalen Beziehung eine – wenn auch nu gewissen Ähnlich-
kei – s eh , die eben nich du ch das P ima des Auges (Fe nsinn) e zeug wi d, sonde n ak il
du ch di ek e Be üh ung (Nahsinn).18 Das Fo og amm s ell keine mime ische Rep äsen a-
ion on Wi klichkei da , sonde n eine di ek e Rep oduk ion als abs ahie ende Abkla sch
de Wi klichkei .
In Folge sollen o og amma ische Beispiele des Okkul ismus um 1900 o ges ell we -
den, die sich de on Lo aine Das on und Pe e Galison a es ie en »mechanischen« ode
»nich in e enie enden Objek i i ä « de Fo og a ie bewuss bedien en beziehungsweise
den indexikalischen Cha ak e de Fo og a ie als Au hen izi ä sk i e ium einse z en, indem
sie den Fo oappa a beisei e ließen und eine di ek e Einsch eibung im Sinne on Talbo s
»pho ogenic d awings« ollzogen.19 De magische Cha ak e de Fo og a ie, wie ihn Talbo
au g und de Neua igkei seine Lich bilde besch ieben ha e, e äh im Okkul ismus
inso e n eine T ans o ma ion, als die ausübenden Wissenscha le nich nu die Rolle ge-
heimnisumwi e e »Magie « e hiel en, sonde n die on ihnen p oduzie en Fo og amme
in gleichem Maße unbekann e und ä selha e Bildwel en e ö ne en. Es wi d zu zeigen sein,
inwie e n die Funk ion de Hand beziehungsweise de Be üh ung und dami einhe gehende
ak ile Quali ä en des Fo og amms eine zen ale Rolle in de okkul is ischen Fo og a ie ein-
188 STEIDL
genommen haben und zu Beweis üh ung ü die Wissenscha lichkei eine ums i enen
Theo ie he angezogen we den konn en.
Die Rolle de Hand im Fo og amm
In dem um 1895 en s andenen Fluidal o og amm Jakob on Na kiewi sch-Jodkos, einem
Mi a bei e des Kaise lichen Ins i u s ü expe imen elle Medizin in S . Pe e sbu g, i als
gesam üllendes Mo i die agmen ie e Hand läche eine unbes imm en Pe son aus einem
schwa zen Un e g und he o (Abb. 2). Diese scheinba ansluzen e Hand is nich du ch
eine allum assende Um isslinie de inie , sonde n du ch eine A weißen S ahlenk anz und
eins e ko onale Ve äs elungen, die sich um die äuße en und inne en Linien de Hand o m
g uppie en und je nach Ni eau de selben in s ä ke e ode schwäche e Fo m auss ahlen.
Einen Hinweis au die A de He s ellung dieses Fo og amms lie e n die e einzel en Rund-
und O al o men, wie jene de Finge kuppen, die au eine A on D uckausübung au die
Fo opla e e weisen. Die besch iebenen Ve äs elungen, die zumeis am Rand de Hand lä-
che auss ahlen, sind im Zuge eine elek ischen En ladung au de lich emp indlichen Pla e
en s anden. Im Lau e de Jah e p oduzie e de ussische Okkul is ausende Bilde diese
A , die e zwischen 1893 und 1896 im Zuge zahl eiche Vo äge in Wien, Pa is und Be lin
p äsen ie e.20 Na kiewi sch-Jodkos kame a- und linsenlose Fo og a ien lös en bei de a igen
Anlässen gleiche maßen Ve wunde ung und Faszina ion aus. E selbs jedoch e mied eine
undie e wissenscha liche E ö e ung seine bildlichen Rep äsen a ionen, was ihm den
Ru eines »Wunde mannes« einb ach e, de »übe seine elec og aphische Me hode unwis-
senscha liche Weise de a ig e schwiegen« sei, dass seine Expe imen e nu noch »be ech-
ig es E s aunen« e eg en.21 Zu He s ellung solche »Pho og aphien des Geheimnis ollen«
pla zie e Na kiewi sch-Jodko in de Dunkelkamme eine o osensible Glaspla e au einen
me allischen T äge , welche wiede um mi de Elek ode eine Ruhmko schen Spule e -
bunden wa .22 Die zwei e Elek ode de Spule wu de nun in eine Hand genommen und die
ande e Hand wiede um au die Fo opla e geleg . Un e anschließende elek ische Funken-
en ladung konn e die o osensible Schich »belich e « we den.
En scheidend ü eine Beu eilung diese sogenann en »Elek og aphien« is das Jah ih e
En s ehung: 1895 – ein p ägnan es Da um sowohl ü die Wissenscha als auch ü den Ok-
kul ismus.23 In diesem Jah nämlich en deck e de deu sche Physike Wilhelm Con ad Rön -
gen eine o e s nich nähe bes immba e S ahlung, die undu chsich ige S o e zu du ch-
d ingen e moch e. Am 22. Dezembe 1895 konn e e mi Hil e diese on ihm so genann en
»X-S ahlen« das e s e Rön genbild de Hand seine F au Be ha an e igen, das, ohne da ü
den Kö pe ö nen zu müssen, den leischlosen Anblick au das menschliche Skele eileg e
(Abb. 3). De E olg diese En deckung schlug sowohl in de wissenscha lichen Wel als auch
in de ö en lichen Rezep ion hohe Wellen. Insbesonde e in okkul is ischen K eisen wu de
das kame alose, di ek e Ve ah en des Rön genbildes wohlwollend au genommen und ein-
189»IMPRESSED BY NATURE’S HAND«
2 Jakob on Na kiewi sch-Jodko: Elek og aphie, 1896, Silbe gela ine-Abzug, 18,1 × 12,9 cm,
Ju isy-su -O ge, Socié é As onomique de F ance, Fonds Camille Flamma ion
190 STEIDL
mal meh als Op ion eine Beweis üh ung ü
übe sinnliche, dem menschlichen Auge e bo -
gene K ä e angesehen.
Das heo e ische Fundamen okkul is ischen
Gedankengu s lie e e be ei s F anz An on Mes-
me mi seine 1779 o mulie en Leh e eines al-
les du chs ömenden, uni e salen Fluidums ode
»animalischen Magne ismus«.24 Im gleichen Jah
de En deckung de Rön gens ahlung publizie e
de anzösische Obe s Albe de Rochas das Buch
L’Ex é io isa ion de la sensibili é in Anlehnung
an die Theo ien des deu schen Chemike s Ca l
Ludwig F eihe on Reichenbach, de Mi e des
19. Jah hunde s behaup e e, dass jede Mensch
übe eine sogenann e »Od-S ahlung« e üge, die
sich nu bei Dunkelhei als helles Leuch en zeige
und lediglich on besonde s sensi i en Menschen
wah genommen we den könne.25 In E mangelung
an e i izie ba en E gebnissen zu Un e maue-
ung seine Theo ie sch ieb Reichenbach 1852 am
Ende seine Odisch-magne ischen B ie e:
»De G und, wa um das Od de wissenscha -
lichen Fo schung bis je z en gangen, ja on de
Wissenscha ge adezu zu ückges oßen und aus-
geschlossen wo den is , lieg eben in dem Mangel
an einem Odoscop ode Odome e , welche ü
Jede manns Geb auch zugänglich wä en, und
womi sein Dasein leich und in die Augen al-
lend alle Wel da zu hun gewesen sein wü de.«26
De Wunsch nach einem geeigne en Odoscop ode Odome e schien nun anhand de
kame alosen Fo og a ie als Au zeichnungsmedium unsich ba e , dem menschlichen Auge
unzugängliche S ahlen und S öme wie jene de Rön gens ahlung, des menschlichen Flu-
idums ode de »Od-S ahlung« in E üllung gegangen zu sein.
In Na kiewi sch-Jodkos Elek og a ie – ein Beispiel un e zahl eichen Fluidal o og am-
men jene Zei – soll e sich nun dieses unsich ba e menschliche Fluidum un e Zuhil e-
nahme de Elek izi ä ins Bild se zen und als medizinische Indika o gewisse physische
ode psychische »Ungleichgewich szus ände« on Pa ien en genu z we den. Rein o mal
wu de dabei au Expe imen e de physikalischen Elek izi ä s o schung Bezug genommen,
3 Wilhelm Con ad Rön gen:
Hand mi Ringen, 1895, Rön gen o og a ie
au Ka on, 16 × 23 cm, Remscheid,
Deu sches Rön gen-Museum
191»IMPRESSED BY NATURE’S HAND«
welche die Fo og a ie als wesen liches Ins umen
zum Ve s ändnis elek ische Phänomene e wen-
de e (Abb. 4). Ebenso a bei e e man mi dem glei-
chen Ins umen a ium, wodu ch de Eind uck eine
wissenscha lichen Au zeichnung ga an ie we den
soll e. Mo i isch gesehen inde sich hie wie auch bei
Rön gens e s e publizie e Rön gen o og a ie das
belieb e Mo i de Hand. Diese Be o zugung e klä
sich in de jede zei e ügba en Gegenwa dieses
»Labo u ensils« und läss sich ebenso als a chaische
Fo m des Ein i s menschliche Rep äsen a ion
in das Feld de Sich ba kei e s ehen.27 In Na kie-
wi sch-Jodkos Fo og amm en s eh un e Einbezie-
hung de Hand o m eine bildliche Si ua ion, die zwi-
schen zwei Polen anzusiedeln is : Eine sei s beweis
das Fo og amm als Abd ucks äge eine eins mals
gegenwä ige eale Hand, ih e Anwesenhei zum
Zei punk de Au nahme, und ande e sei s gene ie
es gleichzei ig eine Neup oduk ion on Wi klich-
kei , die in diese Fo m wede eindeu ig au sich ba e
noch eale Elemen e e e ie und sich dami in eine
Abs ak ions endenz nunmeh als gewisse Ähnlich-
kei äuße .
Wenn Geo ges Didi-Hube man bezüglich de
p ähis o ischen Handabd ücke in den Höhlen on
Ga gas es s ell , dass »die Hand des Menschen eine
leich zu e eichende Übe eins immung zwischen
ih e Zeichenha igkei als Index (Be üh ung) und
als Ikon (Ähnlichkei )« e möglich , so gil dies auch
ü Handabd ücke im Medium des Fo og amms, wel-
ches einen un e mi el en Zugang zu Reali ä du ch
seine di ek e Be üh ung mi dem Objek au weis .28 Wi e kennen also in Na kiewi sch-Jod-
kos Elek og a ie eine Hand o m, die ins Bild gese z wu de und du ch ih e Ähnlichkei mi
einem Re e en en ih e Iden i ika ion als Ikon bezeug . Dass a sächlich eine eale Hand im
Spiel wa , is du ch ih e indexikalische Ve bindung eine physischen Be üh ung bewiesen,
die ih e eins ige Anwesenhei zum Zei punk de Au nahme bezeug . Was jedoch ins Bild
hinzu i , is eine unsich ba e S ahlung, die man mi Hil e des Fo og amms zu isualisie en
e such e und die keinen Bezug zu einem ealen Re e en en un e häl und dami nich iko-
nisch zu iden i izie en is . Ein nach ollziehba es und wiede holba es Phänomen au zuzeich-
nen, wa in de pa awissenscha lichen Fo schung jedoch on besonde e No wendigkei , da
4 É ienne Léopold T ou elo : La Pho og aphie
appliquée a l’é ude de l’é incelle élec ique, aus:
La Na u e. Re ue des sciences e de leu s
applica ions aux a s e à l’indus ie, 1889
198 STEIDL
Die indexikalische De ini ion de Fo og a ie als Abd uck de Wi klichkei , wie sie in-
ne halb de Fo og a ie heo ie e handel wi d, is als Modell auch au das Fo og amm an-
wendba , zumal es im Gegensa z zu Fo og a ie ein di ek es, kö pe liches Nähe e häl nis
zu seinem Re e en en au weis , welches du ch seine eins ige Be üh ung mi dem sich abzu-
bildenden, ealen Objek im gleichen Maße ü dessen Au hen izi ä e bü g we den kann.
Was Talbo zu Beginn seine Konzep ion de Fo og a ie in E mangelung eine konk e en De-
ini ion de Lich einsch eibung als magischen Bildak und spä e als »imp essed by na u e’s
hand« he o gehoben ha e, könn e analog om okkul is ischen Fo og amm gesag we den.
Nich meh nu de Vo gang de Übe agung gil als magisch, sonde n auch de dami e ge-
genwä ig e Bildinhal .
199»IMPRESSED BY NATURE’S HAND«
1 B ie on William Hen y Fox Talbo an die Li e a y Gaze e, 2. Feb ua 1839, zi ie nach Hube us on
Amelunxen: Die au gehobene Zei . Die E indung de Pho og aphie du ch William Hen y Fox Talbo ,
Be lin 1989, S. 33.
2 Vgl. F ied ich Wel zien: Von selbs . Au opoie ische Ve ah en in de Äs he ik des 19. Jah hunde s, Be lin
2006; zu Rolle on Magie und Au oma ismus siehe: Äs he ische G undbeg i e (h sg. . Ka lheinz
Ba ck), Bd. III, Bonn 2001, S. 724–760, s. . »Magisch/Magie« (Ca los Rincón).
3 Ein seh gu e Übe blick sowie Angaben zu ele an e Li e a u inden sich bei Pe e Geime : Theo ien
de Fo og a ie zu Ein üh ung, Hambu g 2009.
4 Eine chemische Besch eibung Talbo s ühes e Ve suche mi Fo og ammen inde sich bei Mike
Wa e: Pho ogenic D awing Nega i e, in: John Hanna y (H sg.): Encyclopedia o Nine een h-Cen u y
Pho og aphy, Bd. I, New Yo k 2008, S. 1076–1078.
5 Vgl. William Hen y Fox Talbo : The Pencil o Na u e [Faksimile de Ausgabe 1844–1846] (h sg. .
Beaumon Newhall), New Yo k 1969; William Hen y Fox Talbo : De Zeichens i de Na u , in:
Wil ied Wiegand (H sg.): Die Wah hei de Fo og a ie. Klassische Bekenn nisse zu eine neuen Kuns ,
F ank u am Main 1981, S. 45–89. Die be ei s angesp ochenen Besch eibungska ego ien de Fo og a ie
lassen im Falle on Talbo s »pho ogenic d awings« eine beg i liche Nähe zu Zeichenkuns e kennen. In
The Pencil o Na u e e se z Talbo jedoch den Ausd uck »pho ogenic d awing« du ch John He schels
gängigen Te minus »pho og aphy«; gl. La y Schaa , Ou o he Shadows. He schel, Talbo and he
In en ion o Pho og aphy, New Ha en 1992.
6 Talbo 1981, S. 45.
7 Geime 2009, S. 18.
8 Zu K i ik am Te minus »Abd uck« in de Fo og a ie heo ie siehe: Geime 2009, S. 13 ; gl. Thomas
Cohnen: Fo og a ische Kosmos. De Bei ag eines Mediums zu isuellen O dnung de Wel , Biele eld
2008.
9 Talbo 1981, S. 45.
10 Ibid., S. 49.
11 Ibid., S. 51.
12 Eine Ausnahme bilden dabei Talbo s Fo og amme ex ile Spi zenmus e , die nich als Na u objek e
anzusehen sind; gl. His o isches Wö e buch de Philosophie (h sg. . Joachim Ri e e al.), Bd. VI, Basel
1984, Sp. 504–509, s. . »Na u a na u ans / na u a a« (K. Hedwig).
13 Talbo sp ich on »specimens« ode »i ems«; gl. Ca ol A ms ong: Came aless. F om Na u al
Illus a ions and Na u e P in s o Manual and Pho ogenic D awings and O he Bo anog aphs, in: dies.
(H sg.): Ocean Flowe s. Imp essions om Na u e, New Yo k 2004, S. 87–165, S. 93: »some hing made by
na u e as well as a piece o na u e«; He a Wol : P öbeln und Mus e bild – die An änge de Fo og a ie, in:
To s en Ho mann u. Gab iele Rippl (H sg.): Bilde . Ein (neues) Lei medium?, Gö ingen 2006, S. 111–127.
14 Vgl. Douglas Nickel: Na u e’s Supe na u alism. William Hen y Fox Talbo and Bo anical Illus a ion,
in: Ka hleen S ewa Howe (H sg.): In e sec ions. Li hog aphy, Pho og aphy, and he T adi ions o
P in making, Albuque que 1998, S. 15–23; Geo ey Ba chen: Bu ning wi h Desi e. The Concep ion o
Pho og aphy, Camb idge 1999; Ve ed Maimon: Singula Images, Failed Copies. William Hen y Fox Talbo
and he Ea ly Pho og aph, Minneso a 2015.
200 STEIDL
15 Vgl. Hans Bel ing: Das ech e Bild. Bild agen als Glaubens agen, München 2005.
16 Im Un e schied zum Na u selbs d uck bewi k im Fo og amm nich nu das Objek selbs eine
Ve ände ung des T äge ma e ials, sonde n in e s e Linie die Einwi kung des Lich es au die o osen sible
Schich . Inso e n s eh de Te minus »Abd uck« sei Talbo s Konzep ion de Fo og a ie ü die kapi ale
Auslassung eine Besch eibung des chemisch-physikalischen P ozesses und is in diese Hinsich als
Me aphe anzusehen.
17 Vgl. Geo ges Didi-Hube man: Ähnlichkei und Be üh ung. A chäologie, Anach onismus und
Mode ni ä des Abd ucks, Köln 1999.
18 William Hen y Fox Talbo : Some Accoun o he A o Pho ogenic D awing, o , The P ocess by which
Na u al Objec s May be Made o Delinea e Themsel es wi hou he Aid o he A is ’s Pencil [1839], in:
Beaumon Newhall: Pho og aphy. Essays and Images, New Yo k 1980, S. 23–31, S. 23: »Thus I expec ed
ha a kind o image o pic u e would be p oduced, esembling o a ce ain deg ee he objec om which
i was de i ed« (Übe se zung de Au o in).
19 Vgl. Lo aine Das on u. Pe e Galison: Objek i i ä , F ank u am Main 2007.
20 Vgl. Go hold Hildeb and : Ein nich ane kann e Fo sche , in: Indus ielles Echo (Beilage zu: Das
Echo) 33/1897, S. 133–135.
21 Ca l Ca oli: Elek og aphie. Eine besonde e Me hode ü Induk ionswi kungen (Sys em Jodko), Be lin
1896, S. 3; Ka l Hage : Die bewegende Wi kung des Od, in: Die übe sinnliche Wel 5/1897, S. 296–305,
S. 296.
22 Ge ha d S ein: Pho og aphie des Geheimnis ollen, in: Zu gu en S unde 18/1896, Sp. 113–118.
23 Vgl. Im Reich de Phan ome. Fo og a ie des Unsich ba en (h sg. . E a B acke), Auss ellungska alog,
S äd isches Museum Ab eibe g, Mönchengladbach 1998; The Pe ec Medium. Pho og aphy and he
Occul (h sg. . Jean-Loup Champion), Auss ellungska alog, Me opoli an Museum, New Yo k 2005.
24 Vgl. F anz An on Mesme : Mémoi e su la décou e e du magné isme animal, Gen u. Pa is 1779.
25 Vgl. Albe de Rochas: L’Ex é io isa ion de la sensibili é. É ude expé imen ale e his o ique, Pa is 1895.
26 Ca l Ludwig F eihe on Reichenbach: Odisch-magne ische B ie e, S u ga 1852, S. 197; zi ie nach
Rol H. K auss: Jensei s on Lich und Scha en. Die Rolle de Pho og aphie bei bes imm en pa ano malen
Phänomenen, Ma bu g 1992, S. 23.
27 Vgl. Rosalind K auss: Wenn Wo e ehlen, in: dies.: Das Pho og aphische. Eine Theo ie de Abs ände,
München 1998, S. 199–209.
28 Didi-Hube man 1999, S. 25.
29 Vgl. Pe e Geime : Bilde aus Ve sehen. Eine Geschich e o og a ische E scheinungen, Hambu g 2010;
Ca olin A z: Indizie en – Visualisie en. Übe die o og a ische Au zeichnung on S ahlen, Be lin 2011;
Ka ja Mülle -Helle: S umme Zeugen. Fo og a ische Bilde idenz am Rand de Wah scheinlichkei , in:
Zei sch i ü Medienwissenscha 11/2014, S. 37–48.
30 Vgl. Okkul ismus und A an ga de. Von Munch bis Mond ian 1900–1915 (h sg. . Ing id E ha d ),
Auss ellungska alog, Schi n Kuns halle, F ank u am Main 1995.
201»IMPRESSED BY NATURE’S HAND«
31 Vgl. He mann Schnauss: Pho og aphische Zei e eib. Eine Zusammens ellung ein ache , leich aus-
üh ba e Beschä igungen und Ve suche mi Hil e de Came a, Düsseldo 1890; He be Molde ings:
László Moholy-Nagy und die Neue indung des Fo og amms, in: de s.: Die Mode ne de Fo og a ie,
Hambu g 2008, S. 45–70.
32 Vgl. Anja Zimme mann: Hände – Küns le , Wissenscha le und Medien im 19. Jah hunde , in:
Wol gang Kemp e al. (H sg.): Vo äge aus dem Wa bu g-Haus, Bd. 8, Be lin 2004, S. 137–165.
33 Vgl. Reallexikon ü An ike und Ch is en um, Bd. XIII (h sg. . Theodo Klause ), S u ga 1986,
S. 493–519, s. . »Handau legung II (ikonog aphisch)« (Die e Ko ol).
34 Anonym: Die V-S ahlen ode »Lebenss ahlen« des Majo s Da ge , in: Pho og aphische Ko espondenz
629/1913, S. 77–81, S. 78.
35 Ibid.; gl. Don Sla e : Pho og aphy and Mode n Vision. The Spec acle o »Na u al Magic«, in: Ch is
Jenks (H sg.): Visual Cul u e, London 1995, S. 218–237.
36 Anonym 1913, S. 78.
37 Ewald He ing: Übe das Gedäch nis als eine allgemeine Funk ion de o ganisie en Ma e ie, Leipzig
1870; Richa d Semon: Die Mneme als e hal endes P inzip im Wechsel des o ganischen Geschehens, Leipzig
1904; gl. Heike Klippel: Gedäch nis und Kino, Basel e al. 1997.
38 Vgl. He a Wol : Die Augenme aphe de Fo og a ie, in: B igi e Hä ing (H sg.): Buchs aben, Bilde ,
By es. Das P ojek Wah nehmung, No de s ed 2004, S. 105–128.
39 O oma Volkme : Die pho og aphische Au nahme on Unsich ba em, Halle an de Saale 1894, S. III;
Anonym: Ein B ie Da ge s, in: Zen albla ü Okkul ismus 12/1914, S. 668–670, S. 670.
40 Vgl. Ad ien Guébha d: Die Ve wendung de e schleie en Pla e zum Nachweis on Bewegungen im
En wickle bad, in: Jah buch ü Pho og aphie und Rep oduc ions echnik 13/1899, S. 382–386; gl.
Clémen Ché oux: Die Pho og aphie des Fluidums ode die Fehle des En wickle s, in: Sabine Haup u.
Ul ich S adle : Das Unsich ba e Sehen. Bildzaube , op ische Medien und Li e a u , Zü ich 2006, S. 181–
198.
41 Vgl. Da io Gamboni: Ambigui y and Inde e minacy in Mode n A , London 2002.